la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Ich oder Er/Sie ? Projekt X

In letzter Zeit habe ich von verschiedenen Gesichtspunkten aus darüber nachgedacht, welche Vor- und Nachteile das Schreiben aus einer auktorialen oder neutralen Erzählperspektive oder aber aus der Ich-Perspektive bietet. Ich schreibe sehr gerne in Ich-Form, aber diese Sicht auf die Welt aus einer „Froschperspektive“ eignet sich nicht immer. Wenn Zusammenhänge und die Standpunkte anderer Personen als der Ich-Erzählerin vorkommen sollen, wird es schwierig. Wie man ja aus dem Leben weiß: die reine Ich-Perspektive, der Tunnelblick beschränkt das Sehfeld und die Erfahrung. Andererseits kann es auch sehr interessant sein, eine Geschichte aus der Ich-Perspektive zu erzählen und den Umstand, dass die Kenntnis von Fakten und der Haltung und Meinung anderer sehr begrenzt ist zu benützen.

Um zu ergründen, wie dieses Thema in der Praxis gelöst wird, habe ich intensiv mit dem Blick auf die Erzählperspektive gelesen und habe gefunden, dass verschiedene Autoren verschiedene Lösungen finden um einerseits aus einer neutralen Position heraus zu erzählen, aber die einzelnen Personen der Handlung auch streckenweise aus einer Ich-Perspektive zu Wort kommen zu lassen. Da gibt es Dialoge und Monologe aus der Sicht der handelnden Personen, Briefe, Tagebucheintragungen. Diese Strukturen kommen mir sehr verlockend vor. Sie machen den Aufbau des Textes zwar komplizierter, aber allein der Textaufbau bringt eine gewisse Spannung in die Handlung.

Tatsächlich bin ich eine sehr spontane Schreiberin und denke während des Schreibens kleiner, kurzer Texte über solche Dinge nicht nach. Es wird mir aber immer klarer, dass ein langer, komplexer Text doch Überlegungen in diese Richtung erforderlich macht.


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Projekt X – Beflügelndes

Wie hier auch schon öfter erwähnt, hat mir dieses Buch außergewöhnlich gut gefallen, sowohl was das Thema als auch was die Sprache betrifft.

Im letzten Teil hat es dann noch ein besonders Schmankerl zu bieten: der Protagonist, der sich sein Leben lang mit  Übersetzungen von und in verschiedene Sprachen beschäftigt hat, beschließt nun, auch selbst zu schreiben. Dadurch entsteht die faszinierende Situation, dass in einem Roman ein Stück weit beschrieben wird, welche Gedanken zum Schreiben auftauchen können und wie ein literarischer Text entsteht. Es ist die Figur des Protagonisten, der über eine von ihm zu schaffende literarische Figur nachdenkt und nachfühlt und darüber, wie man daran herangehen kann, einen erzählenden Text zu schreiben.

„Das Nachdenken über das Schreiben, auch wenn es noch rhapsodisch und ungeordnet war, hatte eine neue Wachheit in ihm entstehen lassen. War schreiben wie aufwachen? “ p. 514

„Und vielleicht ist der Versuch einer eigenen Stimme einfach auch zu groß für mich. Eine Frage der Begabung. Oder ist es noch etwas anderes: die Furcht mir in meinen eigenen Worten zu begegnen.“ p.516

„Wieviel muss man festgelegt haben, bevor man mit dem Schreiben beginnen kann ? Nun habe ich alle diese vielen Bücher übersetzt, all diese Erzählungen, und weiß über das Schreiben so wenig“ p 518

„(…) spüre ich eine erste, glückliche Ungeduld, bald mit dem Schreiben zu beginnen“ p. 519

„Als das Flugzeug in Heathrow landete, wurde Leyland bewusst, wie weit er mit seiner Figur plötzlich schon war. Dabei stand noch kein einziger Satz. Würde es immer so sein, dass die Phantasie weit vorauseilte und dann durch die langsame Arbeit an einzelnen Sätzen eingeholt werden musste?“p 527 

Noch vieles mehr an interessanten Betrachtungen kann man zwischen diesen kurzen Zitaten lesen. Weitere Denkanstöße und Impulse gibt es bei Jutta Reichelt zu lesen. Sie hat einerseits Impulse zur Kreativitätsförderung gegeben und auch auf Betrachtungen zum Thema Literatur hingewiesen. Es wird in ihren Beiträgen auf eine Menge verschiedener Autoren verwiesen, die sich mit Hintergründen und Theorie des Schreibens befasst haben.

Vieles beschäftigt mich derzeit in diesem Zusammenhang. Ich bin gespannt, ob es auch so laufen kann und wird, wie ich es beim Schreiben größerer Arbeiten immer gehalten habe: zuerst sammeln, Informationen und Ideen, das alles dann irgendwo im Hinterkopf verstauen und dann kommt der Moment, an dem es so weit ist und sich alles (fast) von selbst zu einem Ganzen fügt und reif ist, geschrieben zu werden.

Ein letztes Zitat von Pascal Mercier:

„Die Phantasie – das spüre ich so deutlich in diesen Tagen – ist der eigentliche Ort der Freiheit“ p. 556

 

 

 


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Triggerwarnung

Ein kleiner Beitrag zu unserer Trigger-Diskussion.

Ein Text, bei dem sich mir – die ich von dem Thema zum Glück nicht betroffen bin – die Haare aufstellen. Sehr gut geschrieben, sehr gut nachvollziehbar …..  Und doch von einer Frau geschrieben, die selbst traumatisiert ist. Geschrieben für viele bei ihr Mitlesende in derselben Situation.


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Freitag 7.6.19 – Pfingstrosen und Missionare

Um diese Jahreszeit kann man Maturanten und mormonische Missionarsknaben weder vom Outfit her noch aufgrund ihres Alters unterscheiden. Sehr, sehr junge Männer in schwarzen Anzügen, manchmal auch noch mit Krawatten und im Normalfall mit einem Rucksack ausgestattet, sind eben entweder Gymnasiasten, die an diesem Tag ihre mündliche Matura hatten oder junge Amerikaner mormonischen Glaubens, die in Europa missionieren. Ich glaube, das gehört zu deren religiösen Pflichten.

A propos junge Männer und religiöse Pflichten: in Israel kämpft die säkulare Gesellschaft gegen die Weigerung der religiösen Fundamentalisten, den Wehrdienst ebenso wie alle anderen zu leisten. Aufgrund ihres enormen Kinderreichtums machen die Fundamentalisten schon 20% der israelischen Bevölkerung aus. Ich habe ein Interview mit einem Vertreter der Religiösen gehört, der meinte, dass „die anderen“ nicht verstehen wollten, dass es in Israel eben eine völlig gerechtfertigte „Arbeitsteilung“ gebe, die darin besteht, dass die einen zur Armee gehen und die anderen die Torah studieren. Wobei beide Seiten meinen, dass ihr Beitrag für das Land wichtig ist. Sehr schwierige Situation.

Ich mag ja rosa als Farbe nur in homöopathischen Mengen , aber bei Magnolien und Pfingstrosen mache ich da eine Ausnahme. Kürzlich habe ich daher einen Strauß Pfingstrosen gekauft, 11 Stück um 4 €, von denen 10 wunderschön aufgeblüht sind, die 11. wird vielleicht noch. Nachdem sie so schön sind und so gut riechen, wollte ich noch einen zweiten Strauß und ging in das Blumengeschäft an der U-Bahn, wo es ebenfalls Pfingstrosen gab, allerdings  zu einem Preis von sage und schreibe 5€ pro Blüte. Ich fragte die Blumenhändlerin, ob sie ihre Preisgestaltung nicht überdenken wolle, denn ich würde ihr ihren Bestand abkaufen, aber natürlich nicht um diesen Preis. Ach, sie wäre ja abhängig von den Preisen ihres Lieferanten. Gut, dann nicht. Ich empfahl ihr, den Lieferanten zu wechseln und kaufte nichts, in der Hoffnung im Supermarkt oder auf dem Markt andere Pfingstrosen zu finden, heute oder morgen. Wirklich unverschämt sowas!

Im Rahmen der Read-on-Geschichte schrieb Nathalie vom Fundevogelnest, dass sie den Sog zum Erfinden fiktiver Identitäten verstehen kann. Inzwischen habe ich darüber nachgedacht und kann ihn wohl auch verstehen, aber die Gefahr durch die intensive Beschäftigung mit einer fiktiven Persönlichkeit völlig den Bezug zur Realität und den Boden unter den Füßen zu verlieren, sehe ich auch sehr deutlich. Habe ich denn überhaupt Lust zu schreiben ? Doch, aber …….. Es gibt da mehrere Abers.

 


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Fingerübungen mit der Sonne

  • Die Sonne hat sich zu einem kurzen Besuch entschlossen
  • Man glaubt es kaum, heute scheint die Sonne
  • Wenn im Winter vormittags die Sonne scheint, trifft sie direkt auf das Fenster meines Arbeitszimmers
  • Der Himmel ist offen – für alles, was da kommen mag
  • Die Sonne ist die Grenze nach oben
  • Winterblau mit Schleiern und indirekter Beleuchtung
  • Frau Sonne blinzelt nach längerem Schlaf

Wenn es inhaltlich nicht viel zu sagen gibt, ist es interessant, sich mit der Form zu beschäftigen. Wie viele hunderte Formen gibt es für die Aussage: „es scheint die Sonne“.

Es bringt durchaus auch Erkenntnisse, in einem Stil zu schreiben, den man sonst nicht wählen würde, der einem völlig gegen den Strich geht.

Vielleicht haben auch andere Lust, sich etwas auszudenken.