la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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34. Station der Leseweltreise – Malediven

Sehr lange habe ich für dieses Buch gebraucht, immer wieder kam anderes dazwischen.

Es handelt sich um ein Reisebuch, in dem es um die halbe Welt geht und so suche ich mir ein Land daraus aus zu dem es wahrscheinlich schwierig ist, Lesestoff zu finden: die Malediven.

Erich Follath

„Jenseits aller Grenzen“

Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta durch die Welt des Islam 

Penguin: 2017

Ibn Battuta war ein Abenteurer, ein Reisender aus dem 14. Jahrhundert, der wesentlich weiter gereist ist und mehr gesehen hat als der in Europa viel bekanntere Marco Polo.

Ibn Battuta stammt aus einer in Tanger ansässigen Berberfamilie. Er studiert islamisches Recht und bricht 1325 mit 21 Jahren zu einer Pilgerfahrt nach Mekka und Medina auf. Erst 25 Jahre später kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Drei Jahre nach seiner Rückkehr bricht er noch einmal zu einer großen Reise bis nach Timbuktu auf.

Während seines bewegten Lebens beschäftigt er sich mit allen möglichen Professionen: Richter, Diplomat, Gelehrter, Makler und Kaufmann. Was sein Privatleben betrifft, so würde ich ihn nicht unbedingt als Sympathieträger bezeichnen. Er heiratete über ein halbes Dutzend Frauen und hatte zahllose Konkubinen und Sklavinnen, zeugte über 15 Kinder und verließ alle diese Frauen und Kinder wieder ohne Skrupel und Sentimentalitäten. Er liebte Macht und Geld, war aber auch ein Mensch mit großer Liebe zur Spiritualität.

Nach der Rückkehr von seiner Rreise nach Timbuktu regt der einflußreichste Mann Marrokos, der Sultan von Fez, Abu Inan Faris an, Ibn Battuta möge doch einen Bericht über seine ausgedehnten Reisen schreiben. Dazu stellt er ihm eine Art Ghostwriter zur Seite, einen jungen andalusischen Schriftsteller.

„Dieser Ibn Juzayy erweist sich als ein Segen und ein klein wenig auch als ein Fluch für das gemeinsame Werk. Als Dichter hochbegabt. gelingt es ihm, die sprudelnden Erinnerungen seines Gegenübers in eine ansprechende, ja literarische Form zu gießen. Aber Ibn Juzayys primäres Interesse gilt nicht einem genauen zeitlichen Ablauf der Ereignisse, und Ibn Battuta, der offensichtlich kein Tagebuch geführt hat, gerät gelegentlich bei seinen Erzählungen so aus dem Takt- und aus der Zeit-, dass jeder neuzeitliche Wissenschaftler oder Nachreisende vor einigen Passagen kopfschüttelnd konstatiert und kapituliert: Ganz so kann es nicht gewesen sein.

(…)

Trotz dieser kleinen Abstriche: dem Autorenpaar gelingt inhaltlich wie sprachlich, ein großer Wurf. Im Frühjahr 1355 vollenden sie das Werk“ p. 21

In diesem Buch beschreibt Erich Follath, Politikwissenschaftler und bekannter Sachbuchautor, der als diplomatischer Korrespondent für den SPIEGEL vor allem im Nahen Osten, Indien und Ostasien tätig war, eine Reise auf den Spuren Ibn Battutas. Follath erzählt von Ibn Battutas Reisen und Leben im 14. Jahrhundert und von seinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen in den bereisten Ländern.

Zwischen Mittelalter und 21. Jahrhundert reisen die Leser*innen an folgende Orte:

Tanger, Ibn Battutas Geburtsstadt

Kairo 

Damaskus

Mekka, wohin er mehrere Male reiste, wohin ihm Erich Follath nicht folgen konnte; und sollte er es doch getan haben, kann er nicht in einem Buch darüber erzählen

Shiraz

Dubai, worüber hauptsächlich Follath berichtet, da zu Zeiten Ibn Battutas dort nicht viel mehr als Sand zu finden war

Istanbul

Samarkand

Delhi

Male, die Hauptstadt der Malediven

Jakarta

Hangzhou

Granada

An manchen Stationen fand ich die Berichte Ibn Battutas interessanter, an anderen die Berichte aus der Jetztzeit und immer die Verbindungen über 700 Jahre hinweg.

Ein außerordentlich interessantes Buch, das man allerdings nicht schnell einmal an einem Nachmittag liest.

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33. Station der Literaturweltreise – Schweiz

In diesem Fall bin ich nicht weit weg, aber hoch hinauf gereist:

Hier findet meine Literaturweltreise statt

Angelika Overath

„Alle Farben des Schnees“

btb-Verlag 2o13

Es handelt sich hier um ein Tagebuch der Autorin, die mit Mann und Kind 2007 von Tübingen in das Engadin zog, in den kleinen Bergort Sent. Von 1. September bis 1. September dokumentiert die Autorin ihr neues Leben im Dorf. Einerseits ist es ein persönliches Tagebuch, das die vielfältigen Interessen aus verschiedensten Lebensbereichen von Angelika Overath spiegelt, andererseits befasst es sich auch recht umfassend mit der Sozialgeschichte des Ortes und der Region.

Die Bilder aus dem Dorfleben – vor allem jene aus den Wintermonaten – werden sehr dicht und atmosphärisch geschildert. Der Alltag und das kulturelle Leben, an dem sich die Autorin intensiv beteiligt, erscheinen einem Stadtmenschen wie mir geradezu exotisch, wie aus einer anderen Welt.

Sehr interessiert haben mich auch die Berichte über das Rätoromanische. Der siebenjährige jüngste Sohn der Familie ist mitgezogen und besucht eine Schule mit Unterrichtssprache Rätoromanisch, wo er sich entgegen der Befürchtungen seiner Mutter sprachlich und sozial sehr schnell integriert. Sie selbst beginnt auch Rätoromanisch zu lernen, was die Basis ihrer eigenen Integration ins Dorfleben legt. Viele Menschen werden in dem Tagebuch beschrieben, immer aus einer positiven Perspektive.

Ein kleines, feines Buch, dessen in den Wintermonaten geschriebenen Teil ich bei der herrschenden Hitze als sehr angenehm kühlend empfunden habe.


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29. Station der Literaturweltreise – Kirgisien

Tschingis Aitmatov

„Kindheit in Kirgisien“

Unionsverlag Zürich 1999

ISBN: 3-293-20153-9

Kindheit und Jugend des Autors sind das Thema dieses Buchs, das außerdem ein bisschen Lyrik beinhaltet und einen etwas kuriosen dritten Teil, der sich mit seiner Tätigkeit als Landwirtschafts- und Viehzuchtexperte befasst. Man findet da etwa eine kurze Abhandlung darüber, ob man Kühe dreimal oder viermal täglich melken soll. Die Genossin Siptchenko, Melkerin in der Sowchose Frunse hat dazu einen Artikel in einer einschlägigen Zeitschrift geschrieben, in dem sie Aitmatov zu diesem Thema widerspricht.

Auch die Kindheitserinnerungen führen in völlig fremde Lebenswelten. In Aitmatows frühe Kindheit fällt die Zeit, in der die Kirgisen ihr Nomadenleben aufgaben bzw aufgeben mussten. Sie ließen sich in Kolchosen und Sowchosen nieder.

„Wenn die Bewegung zum Aufbruch einsetzt, geraten alle in eine gehobene, ja erregte Stimmung.

Die Jurten werden zusammengetragen. Die Gerätschaften werden auf Kamele, Pferde und Ochsen gepackt. Und danach bricht die ganze Gemeinschaft der Nomaden mit ihren zahlreichen Viehherden aus Steppen und Vorbergen in die Richtung der hohen schneeweißen Bergriesen auf. Sie ziehen über die Pässe hin zum Dschailoo, den sommerlichen Weidegründen im Hochgebirge.

Das Nomadenlager ist ein wohlgeordnetes System, man musste alles vorkehren  damit die Umsiedlung normal ablief und das Leben in den Bergen im Handumdrehen weitergehen konnte. Dort musste alles griffbereit sein, auf der Stelle ausgepackt, ausgebreitet und eingerichtet werden können.

Die Viehzüchter und ihre Angehörigen kommen ja an einen völlig menschenleeren Ort. Die Menschen hätten sich an diesem Platz seit langem niedergelassen und angesiedelt, wäre dort ein Leben das ganze Jahr über möglich gewesen“ p. 25

Erinnerungen an die letzten Tage des Nomadenlebens, an den Vater, der zunächst unter den Sovjets eine gute Stellung zu haben scheint, schließlich aber bei Unruhen 1937 erschossen wird. Erinnerungen an das schwierige Leben nach dem Tod des Vaters; Erinnerungen an die Mutter und die Tante Gülscha-apa.

Die kirgisischen Männer wurden massiv für den Krieg eingezogen und viele Jugendliche mussten Tätigkeiten übernehmen für die sie viel zu jung und überhaupt nicht qualifiziert waren. Aitmatov etwa wurde als Vierzehnjähriger Parteisekretär und Eintreiber der Kriegssteuer, einer seiner Freunde wurde mit sechzehn Jahren als Rektor einer Schule eingesetzt. Aitmatovs berufliches Leben gestaltete sich sehr abwechslungsreich: Nach einer Zeit als Viehzüchter besuchte er das Gorki-Literatur-Institut in Moskau und begann zu schreiben. In weiterer Folge wurde er Botschafter, zunächst Botschafter der UdSSR in Luxemburg, dann vertrat er ab Ende 1991 die aus der UdSSR entstandene Russische Föderation und schließlich 1994 wurde er zum Botschafter Kirgisiens bei der EU in Brüssel.

Die Texte sind kurz, flüssig geschrieben und führen in eine untergegangene Welt und Kultur. Aitmatov legte Wert darauf, dass seine Geschichten im Stil nicht an Niedergeschriebenes sondern an Erzähltes erinnern sollten.


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Oho ……

Oho, Besuch aus Trinidad und Tobago. Blogbesuch, kein echter.

Wo genau liegt das überhaupt? Hier!

Bildergebnis für Trinidad und Tobago

Nun, es wird nicht einfach sein, ein Buch aus/über Trinidad und Tobago aufzutreiben für die Literaturweltreise. Ich setze es einmal auf die Liste. Da stehen auch schon die Cayman Islands, auch eine größere Herausforderung.

Bildergebnis für Cayman islands

Vielleicht lese ich etwas über Briefkastenfirmen oder die Geheimnisse der Palmenzucht.

In der Karibik ist es mir viel zu heiß, aber bei unserem derzeitigen Nicht-Frühling finde ich es ganz beschwingend an Palmen, Sandstrände, Kolonialarchitektur und gut gelaunte, tanzende, bunt gekleidete Menschen zu denken. Es lebe das Klischee!


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27.Station der Literaturweltreise – USA 3

Bevor ich wieder zurück nach Zentralasien reise, habe ich noch zwei Abstecher gemacht. Den ersten davon in die USA durch das Buch der Stadt Wien 2017:

Stewart O`Nan

„Letzte Nacht“ 2007

Das cover fand ich extrem unattraktiv, den Autor kannte ich auch nicht, aber bis jetzt fand ich alle Wienbücher gut oder sehr gut und so habe ich auch dieses gelesen.

Es hat einen originellen Plot: es geht um den letzten Tag einer unrentabel gewordenen Filiale einer Restaurantkette. Der Filialleiter und einige andere Angestellte werden in eine andere Filiale übernommen, die anderen gekündigt. Auch eine gescheiterte Liebesbeziehung zwischen dem Filialleiter und einer Angestellten hat Platz.

Die Geschichte ist nicht gerade heiter, hat aber eine dichte Atmosphäre und bietet Einblick in beruflichen Alltag. Wir befinden uns im Winter, es schneit heftig, die Straßen werden langsam unpassierbar und es stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt lohnt das Restaurant für den Abend aufzusperren. Die geschilderten Charaktere sind sehr plastisch und einprägsam geschildert. Die Vorgänge unspektakulär und doch intensiv.

Was mir – als Niederschlagsfan – besonders gut gefallen hat, ist die Schilderung der Schneelage. Ob der Schnee nun senkrecht oder horizontal fällt, in welcher Konsistenz, wie weit man noch sieht, die Wind- die Lichtverhältnisse auf dem Parkplatz vor dem Lokal.

Bevor ich nach Kirgisien reise, mache ich noch einen Sprung zurück in der Zeit, zur 28.Station.

Hier geht´s zu meiner Lesereise


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26.Station der Literaturweltreise – Kasachstan

Kasachstan ist einer der Schauplätze dieser wahren Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen und mehrere Kontinente zieht.

Ulla Lachauer

„Ritas Leute.Eine deutsch-russische Familiengeschichte“

Rowohlt Verlag: 2002

Erstauflage: Amman Verlag:1996

Bevor ich blogs aus Deutschland zu lesen begann, war mir das Thema Russland-Deutsche völlig fremd. Langsam begann es mich zu interessieren.

Rita Pauls, die junge Frau auf dem cover stammt aus Karaganda mitten in der kasachischen Steppe. Ihre Großeltern wurden unter schwer vorstellbaren Bedingungen aus dem Ort Lysanderhöh, der zu der wolgadeutschen mennonitischen Kolonie gehörte 1930 nach Kasachstan deportiert, mitten in die Steppe, wo einige der Gruppe in Erdlöchern den ersten Winter überlebten

In dem Buch wird die Familiengeschichte aufgerollt: von Deutschland an die Wolga, nach Kasachstan und zurück nach Deutschland. Einen Zweig der Familie gibt es auch in Kanada. Die Haupterzählerin ist Ritas Großmutter Maria Pauls, die in Lysanderhöh noch zu Zeiten des letzten russischen Zars geboren wurde, ein paar Monate vor der Oktoberrevolution und 1989 zum zweiten Mal in ihrem Leben in ein ihr völlig unbekanntes Land, nach Deutschland auswandert.

Diese Art Buch lässt sich nicht wirklich zusammenfassen. Es besteht aus einzelnen, manchmal etwas langatmigen, aber durchwegs interessanten Geschichten aus einer für mich völlig fremden Welt. Deportation in Viehwägen, Leben und Sterben unter Stalin zwischen Arbeitslager und menonnitischer Kirche. Zeitgeschichte aus sehr persönlich gefärbter Sicht.

Empfehlenswert, wenn man bei der Lektüre auch nicht allzuviel über Kasachstan erfährt, das ja das eigentliche Thema dieser Station der Literaturweltreise ist ….

Zu meiner Weltreise


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Pfui Stalin, die Freiheit der Wissenschaft und Ochsenherztomaten – „Pfui“ am Mitmachblog

Ochsenherztomaten, wie riesige Herzen geformt, 500g und schwerer, fest und kernarm, von hellem Ziegelrot, das unter sehr dünner Haut etwas ins Bläuliche zu changieren scheint, wurden in dem Buch, das ich gerade lese von einer russlanddeutschen Familie aus der kasachischen Steppe nach Deutschland mitgebracht.

Im kasachischen Karaganda (Qaraghandy) mitten in unfruchtbarer Steppe waren die führenden sowjetischen Agrar-Biologen inhaftiert und beschäftigten sich trotz Stalin mit großem Erfolg mit ihrem Fachgebiet.

„Die wissenschaftlichen Zuchtanstrengungen sind in den Sammlungen und Unmengen von Archiven gut dokumentiert. Noch hat niemand diesen Schatz ausgewertet.Im KARLag, vorzugsweise in Dolinka, dem Ort seiner zentralen Verwaltung, wurde die Führungsriege der Moskauer Landwirtschaftsakademie gefangen gehalten.Und die Experten aus den Versuchs-Sowchosen um Dolinka wurden in das junge Karaganda überstellt. Karaganda verdankt (…) seine energische Begrünung der Stalin´schen Wende der Biologie.

Von einer weltweit renommierten Erfahrungswissenschaft, die auf der Mendel´schen Genetik fußte und deren Protagonist Nikolai Wawilow war, zur Ideologie Trofim Lyssenkos. Dessen These von der „Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften“ wurde gegen Ende der Dreißiger zur Staatsdoktrin, Stalins Wertschätzung galt besonders dem Anwendungsgebiet „Homo Sovieticus“. Einmal kommunistisch erzogen, so Lyssenko, vererbt der Mensch das Gelernte automatisch weiter. Wer dem widersprach hatte sein Leben verwirkt (Wawilow verhungerte 1943 im Gefängnis von Saratow) oder wurde mit Lagerhaft bestraft.Diese Ausgestoßenen haben in der kasachischen Steppe eine wahre Großtat vollbracht. Karagandas reicher botanischer Garten lässt ahnen, wie sehr man sich am Ort seiner Verbannung verwurzeln kann.“

Ulla Lachauer „Ritas Leute.Eine deutsch-russische Familiengeschichte“ p. 479. Rowohlt: 2002