la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Immer noch Wasser, aber nicht mehr lang

Das ist jetzt für eine Weile das letzte Wasserfoto. Nehme ich mir zumindest einmal vor. Außer in nächster Zeit käme mir Wässriges vor die Linse, was natürlich nicht völlig auszuschließen ist.

Ich überlege, ob ich die Steine links unten wegschneiden soll. Eher doch nicht, weil dann die Spiegelung des Schiffsrumpfs auch abgeschnitten wäre bzw ganz an der Kante des Bilds anstoßen würde.

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Wie roch mein August

Eine Idee von Read-On, an der ich mich gerne beteilige

Die beherrschende Duftnote war eindeutig Staub, frischer leichter Staub und alter schwerer Staub und ein wenig feuchter Staub, der leicht in Schimmel und Moder hinüber wächst. Staub von außen und von innen und an manchen schwer zugänglichen Orten könnte man glatt an die Urzeugung glauben und darüber rätseln, was wohl aus diesem zusammengeballten Staub entstehen wird. Ein lange leerstehendes Haus riecht nach verbrauchter Luft und wenn man auch stundenlang alle Fenster und Türen offen lässt. Vielfältig ist der Staubgeruch, er hat eine Komponente von Verzweiflung, von Verlust der ordnenden Kontrolle über die Welt, von Wehmut und Vergänglichkeit, eine biblische Dimension sogar als Grundstoff der monotheistisch Gläubigen. Immer erinnert er daran, dass Veränderung meist einen längeren Zwischenstopp im Chaos braucht und dass auch die allerbemühteste staubwedelnde Biederkeit sich nicht gegen den Fluss des Lebens stemmen kann.

Ich wusste nichts von der Vielfältigkeit und der Gewalt des Staubs und davon, dass ich diesen Geruch gar nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Überall schleicht er sich ein an Orte, die ganz bestimmt nicht staubig sein und nicht vernachlässigt und nicht leer. Der Staubgeruch hat sich auch in meine Wohnung  eingeschlichen, in die Kleidung und die Bücher und die Teppiche. Die Vorausahnung künftigen Staubs bringt mich dazu, meine Schrankräume und Bücherregale zu durchforsten und zu entrümpeln, meine Dokumente zu sammeln, die Anzahl der Geschirrstücke zu überdenken. Staub kann erschrecken und inspirieren und eröffnet auch Blicke in die Zukunft, keine besonders angenehmen allerdings. Staub riecht nach der conditio humana.

Auch angenehme Gerüche gab es im August, das viel dezenter als zu früheren Zeiten gechlorte Wasser der städtischen Schwimmbäder, die sonnengetrocknete Wäsche. Hätten Wespen einen für Menschen wahrnehmbaren Geruch, dann wäre dieser allgegenwärtig gewesen im August.

Aber insgesagt hat der Staub alles überlagert, schleichend und unerbittlich und maßlos konsequent.


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Sperrmüll des Lebens

Sperrmüll – Sofas, Fauteuils, Betten,Tische, irgendwie undefinierbare, kleine Möbelstücke, Kisten mit Geschirr, Säcke mit Mist aller Art. Der Lastwagen der MA 48 hat Platz für 10m3 und ein bissl mehr. Wir konnten das „bissl mehr“ noch etwas ausdehnen. Drei stämmige Männer sind mit dem Lastwagen unterwegs und waren sehr großzügig damit noch ein Kastl da und noch einen Müllsack dort einzuladen. Wir waren mit dem Trinkgeld auch großzügig.  Möbel werden durch die Eingangstür getragen, durch Fenster gehievt, über den Garten geschleppt.

Es ist nicht einfach, aber was soll man sonst machen. Das Haus ist noch keineswegs leer, aber es gibt soviel mehr Luft und Raum. Morgen kommt meine Lieblingsfotofreundin, die Architektin und macht eine erste Schätzung. Dann werde ich das Thema erstmal ad acta legen. Montag beginnt das Schuljahr und ich muss meine neuen Wochenstrukturen, die ich noch gar nicht kenne, erstmal ausprobieren bevor ich mich wieder in den Orkan des Ausräumens stürze.


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Häferl, Teller, Schüsseln, Becher, Platten, Dosen, Gartenzwerge und sonst alles mögliche

….  wartet auf die Kundschaft, die sich kreativ betätigen aber nicht beim Töpfern die Hände schmutzig machen möchte. Ein Schmutzfink wie ich kommt trotzdem mit allesfärbigen Händen wieder heraus. „MadebyU“ heißt das Geschäftsmodell, es wird als Franchise-System betrieben und ich habe noch nicht erlebt, dass das Lokal nicht gut besucht gewesen wäre. Quer durch die Altersgruppen werden hier weiße Keramikstücke aller Art bemalt. Entweder einfach bemalt oder im Blubbersystem, mit der Pünktchentechnik und sonstigen phantasievollen Bearbeitungsmethoden verziert.

Also Schürze an und auf ins Vergnügen. Meine Nichte und ich haben etliche Stunden gewerkelt und waren mit unseren Produkten sehr zufrieden. Nun bleiben die Stücke zunächst einmal zum Brennen dort und es ist immer ein Überraschungseffekt wie sich die Farben dabei verändern.

Hungrig waren wir dann und wollten unserer gemeinsamen Schnitzelleidenschaft frönen. Ganz in der Nähe liegt der Naschmarkt und gegenüber ein echtes altes Kaffeehaus, das wirklich gute Schnitzel zu bieten hat, auf die man auch nicht stundenlang warten muss. Abends soll hier ein angesagter Schwulen-Treff sein, wir waren aber am späteren Nachmittag dort und abgesehen von uns beiden war da auch noch eine andere Frau. Ein schönes, altes Café mit Zeitungen und Wasserglas, wo man stundenlang sitzen und dem Markttreiben zusehen kann.


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Philosophie des Hinkens

Etüdensommerintermezzo bei Christiane 

Aktenzahl: II-18/2

Aufgabe: unter Verwendung von 10 dieser Wörter einen beliebig langen Text schreiben.

Zweiter Durchgang. Diesmal ist das „Ich“ fiktiv. Es gibt nur gewisse Anklänge an meine aktuelle Lage.

Lange war ich eine Suchende, lange wusste ich nicht, was an meinem Leben grundlegend falsch war. Bis ein ganz kleines Erlebnis mir eine ganz große Einsicht bescherte. Über das leicht gezackte, vielfältig geäderte Blatt eines Ribiselstrauchs bewegte sich ein Wassertropfen. Er bewegte sich, aber so gemächlich, dass es nur bei geduldiger Betrachtung zu bemerken war. Die Bewegung war so langsam, dass dem Tropfen ständig viele mögliche Fließrouten zur Verfügung standen. Er konnte ganz gerade hinunterfallen, er konnte mäandern oder in hunderten möglichen Verzweigungen das Blatt überqueren. Er konnte eine Johannisbeere umfließen, durch das Holz durchsickern oder darüber hinwegtropfen. Bei jedem Windhauch boten sich neue Wege und Richtungen. Und die gleichen unendlichen Möglichkeiten hatte er auf jedem weiteren Blatt seines Wegs. Manchmal vereinigte sich der Tropfen mit einem anderen und gewann dadurch neue Energie, eröffnete neue mögliche Wege. Die Waldeinsamkeit, in die ich mich zurückgezogen hatte um unbeobachtet hinkend spazieren zu können, wurde zu einer überwältigenden Demonstration der Kraft, die nicht nur in der Ruhe sondern auch in der Langsamkeit liegt.

Meine neue Philosophie sprach sich schnell herum. Die Flüsterpropaganda verbreitete, dass ich von einem Langsamkeitswahn befallen sei. Es amüsierte mich. Meine Erkenntnis war so umfassend bereichernd, dass Sarkasmus an mir abperlte. Mein Leben gewann an Qualität und ich möchte fast sagen an Weisheit

Ich gesellte mich öfters zu meinem geschätzten Freundeskreis der Verhaltensforscher, die beim Heurigen „Konrads Graugans“ unter sommerlichen Lampions und schattenspendendem Weinlaub über Gott und die Welt diskutierten und philosophierten. Hinken und Langsamkeit hin oder her fand ich mich hier ebenso geschätzt und integriert wie immer.

Die jedenfalls  ironisch gemeinte Frage, ob ich auch beim Denken auf Langsamkeit setzen würde, fand ich durchaus überlegenswert. Die Denkgeschwindigkeit ist ja nichts, was der Mensch selbst bestimmen kann, wohl aber die Richtung des Denkens: nur geradeaus in eingefahrenen Bahnen oder unter Berücksichtigung der Verzweigungen des Blattes und der Welt und der Bedeutung des Windhauchs, der die Situation grundlegend verändern kann. Recht beachtlich wie weit man die Analogie mit dem Wassertropfen auf dem Blatt treiben kann, meinten die Freunde. Zwar sahen sie sich dem Sarkasmus verpflichtet aber auch der intellektuellen Redlichkeit.

So hinkte ich zwar immer noch und die sommerlich allgegenwärtigen Wanderbaustellen zwangen mich zu ermüdenden Umwegen oder Durchquerungen von Baustellenwüsten, die von Stolperfallen nur so wimmelten, aber in einem metaphorischen Sinn hörte ich meine Schritte in Richtung Walhalla klingen.

Wenn ich mir das so durchlese, ist das Ich vielleicht doch nicht so ganz fiktiv …..