Schlagwort: Impulswerkstatt

Morbides Wien – Impulswerkstatt

Ganz inspiriert von Natalies Text, wollte ich eigentlich den dritten Mann als Fremdenführer durch die Wiener Kanalisation schicken. Wie man sieht, ist es ganz was anderes geworden, wie das bei mir immer so ist. Bemerken möchte ich dazu, dass es selbstverständlich auch ein modernes, buntes, heiteres Wien gibt mit so vielen kulturellen Möglichkeiten aller Art, dass es unmöglich ist, alles zu sehen, zu hören, zu erleben. Aber hinter vielen Ecken lauert Irrationales und Depressives …

Der Geruch der modrigen Blätter, der Abfallprodukte des Sommers zieht durch den Prater. An manchen Stellen ist er besonders intensiv, verstärkt durch den trostlosen Anblick der leeren Ringelspiele und der hochfahrenden und hochfliegenden Attraktionen, die sich geräuschlos durch den Spätherbst kämpfen, ohne Besucher, leblos. Die Feuchtigkeit zieht sich durch alle Schichten der Bekleidung. Auch so mancher Bewohner der Meldemannstraße *) kam hier vorbei. Saß vor der leeren Geisterbahn, in Träume von Weltherrschaft versunken.

Auch in der Hauptallee riecht es nach Verfall und Weltuntergang in modernden Abstufungen. Es ist wahrscheinlich reine Einbildung , dass die benutzten Kondome, die hinter Büschen herumliegen zur allgemeinen Geruchslage beitragen. In der Nacht verwandelt sich die im Frühling so idyllische Hauptallee in einen gigantischen Straßenstrich. Die geschäftlichen Transaktionen finden dann hinter Bäumen und Büschen statt, wo sie von Elfriede Jelineks Klavierspielerin beobachtet werden. Sie trägt einen karierten Rock.

Breuer und Freud spazieren durch die Hauptallee, mit Hüten und Gehstöcken ausgestattet. Ihrer Gestik nach zu schließen, debattieren sie gerade und sind in vielem uneinig. Wäre auch noch Alfred Adler dabei, könnte es womöglich unter den würdigen Herren zu leichten Handgreiflichkeiten kommen. Vielleicht war es zum Zeitpunkt dieses Spaziergangs noch nicht ganz klar, dass der morbide, makabre Teil der österreichischen Seele vorübergehend die Herrschaft übernehmen würde. Bis alles zerbombt, verlassen und tot war, dann regierte vorübergehend wieder der klare Verstand. Leider allzu vorübergehend.

Der liebe Augustin**), gerade mit massivem Kater aus der Pestgrube herausgekrochen, trägt auch nicht zur Verbesserung der geruchlichen Lage bei, aber immerhin zur Stimmung. „Oh du lieber Augustin, alles ist hin“. Das Lachen in der Hoffnungslosigkeit, „die Lage ist verzweifelt aber nicht ernst“ ***) ist eine Wiener Spezialität. Im Hintergrund spielt die Zither, aber das sind schon wieder ganz andere Zeiten.

Da kommt Arthur Schnitzlers Kutsche, als Kind hat er ja in der Praterstraße gewohnt, gleich neben der Hauptallee. In der Kutsche aber sitzt nicht er, sondern Professor Bernardi und der Leutnant Gustl. Schnitzler selbst wird wohl gerade wieder einmal vor Gericht stehen wegen seiner sittenwidrigen Werke. Kaum einer hat die Dekadenz und die Abgründe hinter der Fassade des kulturell und wissenschaftlich blühenden Wiens in der letzten Phase der Habsburgermonarchie so dargestellt wie er. Oh ja, ich bin ein großer Schnitzler Fan, von der Novelle „Sterben“ bis zu seinen Bühnenstücken.

Jetzt ist es schon ziemlich voll in der Hauptallee, das Riesenrad dreht sich und es wird langsam Abend. Alles dreht sich, alles bewegt sich. Der Tanz auf dem Vulkan geht immer weiter
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*) Das Männerwohnheim in der Meldemannstraße 27 war von 1905 bis 2003 ein Obdachlosenasyl in Wien. Bekannt wurde es als Wohnort von Adolf Hitler zwischen 1910 und 1913.

**) Marx Augustin oder Der liebe Augustin (eigentlich Markus Augustin; * 1643 in Wien; † 11. März 1685 ebenda) war ein Bänkelsänger, Dudelsackspieler, Sackpfeifer, Stegreifdichter und Stadtoriginal. Er wurde durch die Ballade „O du lieber Augustin“ sprichwörtlich und zu einem sogenannten geflügelten Wort. Bis heute ist die Figur des lieben Augustin ein Inbegriff dafür, dass man mit Humor alles überstehen kann.

***) Ein Zitat, das Karl Kraus zugeschrieben wird, aber wahrscheinlich von Alfred Polgar ist. Egal, es passt auf jeden Fall großartig

Liebe Einladungs-Leser*innen

Tut mir leid, dass das zweite Bild nicht zu sehen war. Diesmal weiß ich ausnahmsweise, was passiert ist. Ich habe bei dem Foto den Horizont begradigt – damit das Meer nicht allzu schnell ausläuft – und es nochmals auf WP hochgeladen. Dabei habe entweder ich oder WP irgendwas verwechselt. Jetzt müsste das richtige zu sehen sein. Bitte um Rückmeldung, ob Bild 2 jetzt zu sehen ist.

Bei dieser Gelegenheit wünsche ich allen einen schönen Tag !

Einladung zur Impulswerkstatt September, Oktober 2021

Willkommen an alle, die schon mitgemacht haben und alle, die noch mitmachen werden und natürlich auch alle, die zusehen, zuhören, lesen und kommentieren.

Die Sommer-Impulswerkstatt Juli und August hat aus meiner Sicht sehr gut funktioniert. Das Sommerloch hat nicht wirklich stattgefunden: waren die einem im (Blog)urlaub waren andere schon wieder zurück und es ist eine beträchtliche Menge an Beiträgen zusammengekommen.

Ich denke, dass zwei Monate ein guter Zeitraum sind, zwei Monate Zeit für Beiträge, mit einem Zwischenbericht in der Mitte. So kann man sowohl einem Blitz-Impuls nachgehen und den Beitrag gleich posten als auch länger bei einem Thema bleiben. Wir probieren es auf jeden Fall nochmals aus, diesmal mit zwei „Normalmonaten“, September und Oktober.

Weil ich eine Weile mit der Auswahl der Fotos gekämpft habe – ich konnte mich nicht entscheiden welche Fotos ich nehmen wollte – hat es einen Tag länger gedauert als geplant. Ich kann mir ja zum tausendsten Mal vornehmen, die Dinge nicht im letzten Moment zu machen. Nachdem es aber ohnehin nichts nützen wird, lasse ich es bleiben. Ich habe mit mir selbst diskutiert, ob die Impulsfotos nun einen jahreszeitlichen Bezug haben sollten oder nicht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass das nicht sein muss. Schließlich kann jede/r einen jahreszeitlichen Bezug hineinbringen, wenn er/sie möchte.

Vor den neuen Fotos wie immer die Beschreibung des Projekts KLICK

KLICK Hier könnt ihr nachlesen, wie dieses Projekt entstanden ist  

Bitte verlinkt eure Beiträge alle hierher.

KLICK Das Archiv des Projekts in dem alle Beiträge gesammelt sind und alles noch einmal nachgelesen werden kann, befindet sich auch hier (leider ist es nicht immer aktuell, aber meistens)

Die Teilnahme

ist für alle offen: Texte jeder Art, Bilder, Fotos, Zeichnungen, Betrachtungen, Musik, Installationen, Kochrezepte, Bastelanleitungen usw usf. als Resonanz, als Reaktion auf die Fotos des Monats sollen hier gesammelt werden.
Meine Idealvorstellung ist so eine Art Puzzle aus verschiedensten Teilen. Natürlich können alle beliebig viele Beiträge beisteuern.

Und nun die Impulsfotos

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4:

Viel Freude

Sommer-Impulswerkstatt Juli, August 2021 Zusammenfassung

Hier gehts zur Einladung zur Sommer-Impulswerkstatt KLICK

Liebe Impulswerkstattbesuchende,

Eigentlich wollte ich die Impulswerkstatt ja über den Sommer schließen. Nun kann ich sagen, dass das sehr schade gewesen wäre. Zwar gab es eine kleine Zwischenflaute ab Mitte Juli bis Anfang August, aber sonst konnte ich mich über eine Menge interessanter Beiträge freuen.

Der zweimonatige Rhythmus hat mir so gut gefallen, dass ich ihn ein weiteres Mal ausprobieren werde. Dazu mehr bei der nächsten Einladung am 2. oder 3. September.

Auch diesmal habe ich mich über bekannte und neue Mitschreibende gefreut, über Texte, Bilder und Musik zu den vier Fotos. Bild Nr 4 ist ein bisschen zu kurz gekommen. Es war auch ziemlich schwierig. Ich habe dazu einen Text in Arbeit, den ich noch veröffentlichen werde sobald er fertig ist. Man muss sich ja von den selbst aufgestellten Regeln nicht tyrannisieren lassen. oder?

Wer nicht weiß, was die Impulswerkstatt ist und dies gerne erfahren möchte KLICK Eine Beschreibung des Projekts sowie alle Einladungen und Zusammenfassungen gibt es hier

Ansonsten überlasse ich das Wort den vielfältigen Beiträgen. Ich hoffe, ich habe alle richtig zugeordnet und nichts vergessen.

VOILÀ

Bild 1

Bild 2 :

Bild 3:

Bild 4:

Alle Bilder

Resonanz auf Beiträge:

Chronologische Liste

Impulswerkstatt – Unverzeihlich

Ganz besonders hinweisen möchte ich darauf, dass mein Text nicht das Mindeste mit der auf dem Foto abgebildeten Person zu tun hat. Mit Ausnahme der Tatsache, dass sie eine KZ-Überlebende ist.

Wer wird mir verzeihen? Wem kann ich verzeihen?

In unserer Baracke lebten zwei Frauen, die nie bei den Arbeitsgruppen dabei waren. Sie waren hübsch und verdienten sich ihr Überleben auf andere Weise. Manchmal brachten sie uns zusätzliche Rationen Brot mit und verteilten sie immer an die Schwächsten, an die Sterbenden, auch an solche, die gar nicht mehr die Kraft hatten zu essen. Es gab in unserer Baracke Frauen, die zuerst oder zumindest überhaupt an andere dachten. Und es gab Frauen, die nachts zwischen den Schlafenden umhergingen und das übrig gebliebene Brot suchten. Zu diesen gehörte ich. Wir schlichen wie die Schatten herum und gaben vor, einander nicht zu sehen. Wir fanden ja nicht viel, aber es reichte um etwas mehr Kraft zu haben und letztlich um zu überleben.

Ist es schlecht, seinem Überlebensinstinkt zu folgen, ist es böse auf Kosten anderer nicht zu sterben? Auf Kosten von Menschen, die ohnehin höchstens noch ein paar Tage zu leben hatten. Ist es falsch, das Unglück nicht anzunehmen sondern zu kämpfen? Ist nicht verloren, wer sich nicht selbst hilft?

Was hat es mir letztlich gebracht zu überleben? Ja, ich habe erlebt, wie eine neue Generation heranwuchs, in Israel, gesunde und starke Frauen und Männer, die sich nicht mehr wie die Schafe zur Schlachtbank führen lassen würden. Mehrere Generationen schon, die das Land aufgebaut haben. Auch mit Unterstützung des schlechten Gewissens einiger und der Solidarität anderer.

Nach der Befreiung aus dem KZ wusste niemand was mit uns geschehen sollte. Ich klammerte mich an den Gedanken, dass ich so viel Schuld auf mich geladen hatte um zu überleben, dass ich nun durchhalten musste, komme da noch was wolle. Es kam noch viel doch heute lebe ich im Wohlstand, habe Kinder, Enkel und Urenkel und werde als Überlebende meiner Generation geschätzt und umsorgt.

Meine Nächte verbringe ich mit den Schatten der Toten und der Lebenden. Den Schatten der Frauen, die mit mir die Baracke teilten, die Zwangsarbeit in den Siemens-Werkstätten, den Hunger, die Cholera und die Läuse.

Vor ein paar Tagen ist gegenüber eine neue Familie eingezogen, ein Paar mit vier Kindern und einer Großmutter. Seitdem schlafe ich kaum noch, denn ich habe sie wiedererkannt, nach Jahrzehnten. Sie war damals noch ein Kind und doch traf ich sie immer wieder bei den nächtlichen Streifzügen durch die Baracke. Gesichter, denen man unter solchen Umständen begegnet, prägen sich ein. Es gab nicht viel zu stehlen, sie hatte aber meistens irgendetwas ergattert. Sie war ein kleines, zartes Mädchen und alle freuten und wunderten sich, wie gut sie alles bewältigte.

Und nun? Soll ich ab jetzt nicht nur die Nächte sondern auch die Tage mit Schatten verbringen? Besonders mit einem. Vielleicht erinnert sie sich gar nicht an mich. Doch auch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Sie sah mich an und ich wusste sofort, dass wir einander erkannt hatten, wir Fremde unter den Rechtschaffenen.

Wer wird uns verzeihen, dass wir überlebt haben? Ich kann es nicht.

Impulswerkstatt – Nirgendland

Dieser besonders schöne Beitrag von Christiane hat mich gestern erreicht. Wegen des Urheberrechts möchte sie ihn nicht in ihrem Blog veröffentlichen. Mir gefällt aber das Gedicht selbst und die nahezu perfekte Harmonie mit dem Foto so gut, dass ich mich vorübergehend über die Bestimmung hinweg setze. Auf dem Foto kann man den ersten Absatz des Gedichts lesen, darunter den zweiten. Vielen Dank fürs Finden des Gedichts und fürs Designen !

Mich fasziniert die ungewöhnliche Verwendung des Doppelpunkts. Vielleicht schaut der eine oder die andere Germanistin vorbei und hat dazu Wissen oder Theorie.

Die Wälder sind verschwunden,
die Häuser sind verbrannt.
Hab keinen mehr gefunden.
Hat keiner mich erkannt.
Und als der fremde Vogel schrie:
bin ich davongerannt.
Wohin ich immer reise,
ich komm nach Nirgendland.

Impulswerstatt – Wirklich wichtige Fragen werden langsamer gelöst

Dieser Text ist natürlich nicht erst gemeint. Es wäre ja schön, wenn Evolution so zielgerichtet wäre, aber leider kann man die hier geschilderte Entwicklung wohl zu 100% ausschließen. Schade irgendwie

Wirklich wichtige Fragen werden langsamer gelöst

Während die Welt sich noch damit befasste, wie dunkelhäutige Menschen zu bezeichnen wären, als schwarz oder afro-amerikanisch (afro-europäisch?), POCS oder gar einfach Menschen, eventuell dunkelhäutige Menschen, während einige versuchten die Klimakrise zu bewältigen und noch andere sich in Scheinwelten flüchteten, wo ihnen auch Sündenböcke für alles und jedes angeboten wurden, während also die Welt und das Zusammenleben der Menschen schwerst zerrüttet war, geschah Neuartiges. Zunächst geschah es unbemerkt, denn die Menschen waren in Kämpfe gegeneinander verwickelt und der Tunnelblick war zum Normalzustand geworden.

Wie es so ist in der Welt der Medien erschienen zunächst nur kleine Notizen in Revolverblättern, auch in den Social Media kümmerte sich niemand massenwirksam um das Thema bis schließlich die Brisanz dieser scheinbaren Einzelfälle erkannt wurde und der Zusammenhang zwischen den vielen kleinen Meldungen „Baby verhungert an der Brust der Mutter“, „mysteriöser Tod von Neugeborenen“, „Skandal an der Geburtsklinik“, „schwuler Arzt vernachlässigt Babys“ „Gott straft die Menschheit“. Es gab nicht einen, oder ein Dutzend oder hunderte Fälle, es waren Tausende weltweit. Die Neugeborenen starben obwohl sie gesund waren und es ihnen an nichts fehlte. In allen Fällen passierte das gleiche: die Kinder tranken nicht, hatten keinen Saugreflex und verhungerten. Auch Versuche mit intravenöser Ernährung scheiterten. Es war, als würden die Kinder etwas brauchen, das sie nicht bekamen, weil niemand wusste, was es denn sein könnte.

Die einen sagten, es läge ganz klar an den Folgen der Klimaveränderung, die Esoteriker nannten es „Folgen der Beleidigung von Mutter Erde“, gemeint war im Grunde dasselbe. Die Impfgegner nannten es eine eindeutige Folge der Covid-Impfung und die Verschwörungstheoretiker meinten, dass Bill Gates und George Soros nun endgültig zugeschlagen hätten. Tatsächlich waren alle ratlos.

Irgendwo im australischen Outback unter den letzten frei lebenden Aborigines waren vier Kinder geboren worden. Sie waren gesund und munter, schienen aber keine Nahrung zu brauchen, außerdem hatten alle vier eine ungewöhnliche Hautfarbe. Eines der Babys wurde von seiner Mutter versteckt, die drei anderen wurden getötet.

In Nordnorwegen, bei einer Heimgeburt kam ein Baby zur Welt, das nicht trank, aber recht gut gedieh. Außer ratlosen Gesichtern konnten die Neonatologen und Kinderärzte nichts beitragen. Den Zusammenhang mit den Tageslichtlampen, die die Eltern des Neugeborenen in der finsteren Jahreszeit immer benützten, konnte niemand sehen.

Linda ging nervös in ihrem Büro auf und ab. Heute war wieder eines der Problembabys geboren worden, ein anderes verstorben. „Problem“ dachte sie, ist ja eigentlich falsch, wenn wir nur wüssten, wie und womit wir die Kinder ernähren könnten, wären sie alles andere als ein Problem. Menschen, die keine herkömmliche Nahrung brauchten, das würde ungeheuerliche Veränderungen hervorrufen, vielleicht die Rettung der Erde, die ökologische und die soziale. Aber als Ärztin waren Menschen, die keine Nahrung brauchten für sie natürlich undenkbar. Es musste etwas anderes sein, etwas, das verstanden und gelöst werden könnte, wenn sie sich alle nur genügend anstrengten. Inzwischen war das Sterben der Babys nicht nur eine Tragödie für die Eltern sondern auch eine furchtbare Belastung für die Geburtenstation.

Sie hörte, wie jemand ihren Namen brüllte und die Tür aufgerissen wurde. Es war ein Labormediziner des Krankenhauses.

Chloroplasten“ sagte er atemlos.

„Was meinst du?“

„Chloroplasten sind die Zellorganellen der Pflanzen mit denen sie Photosynthese betreiben“

„Ja danke, das weiß ich. Und? „

„Wir haben das Blut des gestern verstorbenen Babys analysiert und Zellbestandteile gefunden, die nur etwas Ähnliches wie Chloroplasten sein können.“

Aber das ist doch unmöglich“

Ja, es ist unmöglich, aber es ist so“

Nach dieser Entdeckung, die in vielen Labors weltweit gemacht wurde, dauerte es gar nicht so lange bis sich die Nachricht weltweit verbreitet hatte. Hätte es schwieriger und kostspieliger Therapien bedurft um die Babys am Leben zu halten, wäre wohl alles nicht so schnell gegangen, zumindest nicht in den ärmeren Ländern, aber man musste die Kinder nur ans Tageslicht bringen und sehr schnell ging es ihnen sichtlich besser. Sie entwickelten eine dezent grüne Hautfarbe und hatten keine gesundheitlichen Probleme mehr.

Vierzig Jahre später saß der Jungpolitiker Arthur an seinem Schreibtisch. Das schwierige Thema mit dem er sich beschäftigte, war die Sicherung der Ernährung der über-50 jährigen. Es war wirklich eine sehr ecklige Angelegenheit, aber es gab nun einmal immer noch hunderte Millionen der Alten Menschen, die versorgt werden mussten. Wirklich unfassbar, allein schon die Zeit die diese Geschöpfe benötigten um… nun ja, ihre Energieversorgung in die Wege zu leiten.

Genüsslich drehte er seinen Arm, der auf dem sonnenbestrahlten Fensterbrett lag. Man musste es wohl so betrachten, dass diese Sackgasse der Evolution endgültig ausgemerzt werden würde in einem Tempo, das für einen so wichtigen evolutionären Sprung als durchaus flott zu bezeichnen war. Inzwischen war eben noch Toleranz angesagt, wenn es auch schwer fiel.

Die einzige Frage, die mit diesem sensationellen Schritt der Evolution nicht gelöst wurde, war, wie man dunkelgrüne Menschen nennen sollte, im Gegensatz zu hellgrünen.

Vielleicht doch …

Diese mitleidigen Blick machen es mir nicht leichter. Wenn ich mit meinem Stock, in viel zu warmer Kleidung mit Kopftuch und schwarzem Mantel über den Strand gehe. Wenn der Stock einsinkt, sinkt auch mein Körper zur Seite und das Aufrichten ist mühsam. Auf einem sehr schmalen Streifen ist der Sand gerade fest genug um dem Druck des Stocks stand zu halten und auch dem Wind, der weiter oben am Strand den Sand verweht. Bis weiter hinunter zum Vergessen schenkenden Wasser würde ich es nie schaffen, denn nicht nur die mitleidigen Blicke verfolgen mich. Auch die automatisch überwachenden Blicke meiner Familie finden mich immer.

Als ich jung war, herrschte in meinem Land ein völlig anderes soziales Klima als heute. Wir waren ohne verhüllende Bekleidung und ohne männliche Begleitung unterwegs. Wir konnten unser Leben beinahe selbst bestimmen, zumindest verstand ich es damals nicht besser. So weit, dass man als junge Frau schwimmen lernen durfte, ging es aber auch damals nicht. Als Mädchen stand ich unter der Aufsicht meines Vaters und meiner Brüder, heute bewachen mich meine Söhne. Mein Leben ist hier in oberflächlichen Bereichen etwas besser als zuhause, nicht im Wesentlichen, in dem, was für mich wesentlich ist.

Es ist wohltuend, ein paar unbeaufsichtigte Schritte machen zu können, mein Gesicht und meine Hände als einzige Teile meines Körpers mit Luft und Sonne in Kontakt zu bringen. Wie ein kleines Fenster der Verbindung mit der sinnlichen Welt fühlt es sich an.

Ich habe die Sprache gelernt, die hier gesprochen wird, lange bevor wir her kamen, so gut gelernt, dass ich diejenigen mit denen ich spreche immer überrasche. Eine gebildete, alte Frau aus meiner Gegend der Welt ist ihnen noch nicht untergekommen. Darauf sind sie nicht eingestellt und ihre gut gemeinten Routinen der Bevormundung erschrecken sie selbst ein wenig, wenn sie mit mir zu tun haben.

Doch eine echte Alternativen zu dem Leben, wie ich es führen muss, habe ich nicht. Soll ich alte Frau mich ganz allein in die Welt der mitleidigen Blicke wagen? Ist es unter Fremden mit ganz anderen Lebenserfahrungen weniger einsam als unter den eigenen Söhnen. Schlimm für uns alle ist, dass die Verunsicherung im fremden Land die Männer dazu bringt, sich an das einzige zu klammern, was sie als Kinder gelernt und erlebt haben.

Ich gehe noch ein paar Schritte weiter. Dort steht eine Bank und darauf sitzt eine Frau, etwa in meinem Alter und liest ein Buch. Ich bin traurig darüber, dass mir durch den Kopf schießt „das ist also erlaubt“. Ich könnte mich auch dorthin setzen, meinen Mantel nicht ausziehen, aber aufknöpfen und ein Gespräch versuchen …

Impulswerkstatt – Zwischen Wüste und Meer

Das Mittelmeer hat viele Gesichter, sanfte und grausame, es ist Wiege und Grab für Menschen und Kulturen. Und es hat viele inspiriert, warum also nicht auch mich, dachte ich. Ich war mir recht sicher, dass mir das von meinem Doktorvater vorgeschlagene Diss-Thema „Albert Camus und das Mediterrane“ viel Freude machen würde. Ich zögerte nur ein bisschen, weil ich den Eindruck hatte, dass er einen schwärmerischen Zugang zu dem Thema hatte, dem mein eher nüchterner Charakter nicht entgegenkam. Aber er sprach selbst seine Schwärmerei an und versicherte, dass ich beim Recherchieren und Verfassen der Dissertation meinen eigenen Ansätzen folgen könnte. Und so kam es, dass ich auf den Spuren von Albert Camus ein paar Monate in Algier verbrachte.

Schon vor Ort in einem Hotel untergekommen, studierte ich zahllose Wohnungsanzeigen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, in der arabischen Altstadt zu wohnen und nicht in Belcourt, dem Viertel in dem Camus als Kind gelebt hatte. Dort würde es ohnehin nicht mehr so aussehen wie zu Camus Zeiten und ich wollte unbedingt ergründen, wie es mir als alleinstehende Frau ergehen würde, wenn ich eine Wohnung in einer arabischen Altstadt mieten wollte. Sollte dieses Projekt scheitern, so könnte ich mich ja immer noch in einem anderen Viertel einmieten.

In der gefühlt fünfhundertsten Annonce las ich den Hinweis „Dachbegrünung“, der mich so verblüffte , dass ich sofort aufbrach um mir die angepriesene Wohnung anzusehen. Die typischen weißen Würfel traditioneller arabischer Häuser im Maghreb haben zwar alle eine Dachterrasse, aber eine begrünte war mir noch nicht untergekommen.

In der Annonce war kein Wort vom Mietpreis gestanden, was mich eigentlich hätte abschrecken sollen, aber in einem Land, in dem um jeden Preis gehandelt wurde, war das wahrscheinlich einfach normal. Von außen betrachtet, scheint es, dass Preise ausschließlich von der Willkür des Verkäufers oder Vermieters abhängen. Ich glaube aber, dass es sehr wohl gewisse Regulative gibt, die aber auf Preise, die man von Fremden verlangt keine Anwendung finden.

Die angepriesene Dachbegrünung bestand aus einer sehr mickrigen, sehr staubigen Pflanze, die irgendwie zu den Palmen zu rechnen war. Wenn ich mir den Staub etwas weg dachte, konnte ich sehen, dass es sich um die Pflanze handelte, deren Blätter in den Cafés als Fächer und Fliegenklatschen verwendet wurden. Also eine sehr nützliche Mitbewohnerin.

Mein potentieller Vermieter und ich palaverten ausgiebig über Alger, über Wien, wo angeblich einer seiner Söhne studierte und so weiter und so fort. Es wurde langsam dunkel und rund um uns setzte langsam das abendliche Zikadenkonzert ein. Ich wunderte mich flüchtig von welchen Pflanzen die Zikaden hier wohl lebten, konnte mich mit der Frage aber nicht weiter beschäftigen, weil ich mich auf die Verhandlungen konzentrieren musste. Denn die angebotene Wohnung gefiel mir sehr.

Ich riskierte also die Offensive und fragte ihn, ob er ein Problem damit habe, einer Frau ohne Anhang eine Wohnung zu vermieten. Aber nicht im allermindesten, sagte er und unterstützte diese Aussage mit lebhafter Gestik. In Algerien wären die Leute überhaupt nicht so, wie die Europäer sich das vorstellten. Jaaa, das war die entscheidende Wendung im Gespräch. Ich konnte ihn bei seinem Selbstbild als fortschrittlicher Mann packen. Über diesen Verhandlungserfolg freute ich mich ebenso sehr wie darüber, dass ich die Wohnung tatsächlich bekam. Der Vermieter freute sich sicher noch mehr, denn die später an den Tag tretenden Defekte der Wohnung waren zahlreich und obendrein bezahlte ich annähernd doppelt so viel wie meine zukünftigen Nachbarn, aber nachdem ich einen guten Job bei der AUA ergattert hatte, konnte ich mir das leisten.

Im Jahr 1938, mit 23 Jahren schrieb Camus seinen Essaie „noces“, der den deutschen Titel „Hochzeit des Lichts“ bekam. Es geht Camus darin um die Vermählung des Meers mit der Erde, um Eindrücke aller Sinne, um die überwältigende Landschaft.

Ich stand am Strand von Alger und versuchte durch die Augen von Albert Camus zu sehen, eines jungen Mannes, dessen Vater im Krieg starb als er noch ganz klein war, dessen Mutter Analphabetin war, der mit siebzehn Jahren an Tuberkulose erkrankte und überlebte, der Philosophie studierte, sich politisch in der Résistance engagierte und zu einem der bedeutendsten französischen Schriftsteller wurde, der 1957 den Nobelpreis gewann. Ich stand am Meer in der kargen Landschaft Algeriens und der extremen Hitze, die wesentliche atmosphärische Elemente in Camus Romanen darstellen. Die dazu gehörige sinnliche Körperhaftigkeit, sieht er in seinen frühen Werken als Privileg der Jugend. Als ich dort stand, war ich auch jung und konnte diesen Gedanken gut nachvollziehen. Heute sieht die Sache anders aus und ich stelle das Monopol der Jugend auf Sinnlichkeit, Körperhaftigkeit und Genuss sehr in Frage.

Schon damals interessierte mich vieles an der Philosophie und der Literatur von Camus und damals wie heute fasziniert mich seine Interpretation des Sisyphos-Mythos am meisten. Dass man sich Sisyphos glücklich vorstellen solle, in seinem völlig hoffnungslosen und sinnlosen Tun, einen Stein auf einen Hügel hinaufzurollen nur damit er auf der anderen Seite wieder hinunterrollt. Dass es innerhalb dieser absoluten Sinnlosigkeit Glück geben konnte. Heute kann ich diese Faszination besser einordnen: es ist das Glücklichsein im Hier und Jetzt, ungeachtet der Vergangenheit, ungeachtet der Zukunft, meine persönliche Verbindung zwischen Existentialismus und Buddhismus, die in Jahrzehnten gereift ist.

Aber das alles begann damals erst in mir zu gären. Wenn ich sagte, dass mein Job bei der Fluglinie AUA durchaus sisyphosartigen Charakter hatte, weil es bei einer Fluglinie naturgemäß kein Sommerloch gab, so war das nur dahergeredet, ich hatte Camus Gedanken noch nicht wirklich verstanden. Nur die Bedeutung der Sinnlichkeit, der Sinneswahrnehmungen zog mich an.

Mein Aufenthalt sollte mir einen Eindruck vom Lebensgefühl in einer Stadt am südlichen Mittelmeer verschaffen. Ein Puzzlestein für das Thema „Albert Camus und das Mediterrane“. Ich sah, hörte, roch und erlebte sehr viel. Allein das Wetterleuchten über dem weißen Algier mit den Gebetsrufen von den Minaretten ist ein unvergesslicher Eindruck.

Es folgten viele andere Eindrücke, andere Versionen des Mediterranen in verschiedenen Ländern und Kulturen rund ums Mittelmeer. Das Lebensgefühl in einer arabisch geprägten Stadt ist anders als jenes in den romanischen Ländern des Mittelmeers und auch anders als in Griechenland oder in Israel. Die Gemeinsamkeiten sind schwer zu greifen. In der leichten Extase, die durch extreme Hitze entsteht, dachte ich manchmal, dass am Mittelmeer noch die alten Götter herrschen. Ein Gedanke, der meinem Alltags-Ich völlig fremd ist. Vieles an Philosophie, Literatur, Lebensgewohnheiten rund um das Mittelmeer habe ich kennen gelernt aber weniges davon hat mich jemals so fasziniert wie Camus „il faut imaginer Sisyphe heureux“, man muss sich Sisyphos glücklich vorstellen.

Ich verabschiedete mich von Algerien an einem heißen Oktobertag, Staub lag in der Luft, die Stadt war ausgetrocknet und diese trockene Luft schien den Schall weit zu tragen. Das Hupkonzert schien von überall her zu kommen. Aus Alger kommend in einem Flugzeug der AUA landete ich in Wien bei Regen, einem sanften Nieselregen, den ich als zu meinen Ehren interpretierte.

Sommer-Impulswerkstatt Zwischenbilanz Juli

Dieser Zwischenstand der Sommer-Impulswerkstatt steht unter dem Motto:
Juhuu immer noch kein Sommerloch

Ich freue mich auf die Beiträge derjenigen, die schon frisch inspiriert aus einem Urlaub zurückkommen werden, jetzt demnächst oder auch erst im August oder aber durch die Freude auf den baldigen Urlaub schon ganz inspiriert sind.

Kreative Texte, Sachtexte, Fotos, Bilder, ihr wisst schon, alles was durch die Fotos in eurem Kopf entsteht und irgendwie umgesetzt wird, ist willkommen.

Weiterhin oder jetzt erst recht einen schönen Sommer wünsche ich allen und melde mich Ende Juli zu einer weiteren Zwischenbilanz.

Bild 1

Bild 2 :

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Bild 4:

Resonanz auf Beiträge:

Chronologische Liste

Sand

Lange habe ich daran herum gekaut (ja, sandiger Geschmack) Erst sollte es eine Lebensgeschichte werden, dann dachte ich an einen Text mit chemischen Einschiebungen, nun ist es diese Skizze geworden. Für ein mehr an Ausschmückungen ist es zu heiß

Auch Im Sand beginnt Leben. Sand zwischen den Fingern und zwischen den Zähnen, an jedem Punkt des Körpers. Der Sturm presst ihn auch in die Lungen, in den Geburtskanal. Die Gebärende presst das Kind in den Sand.
Die Mutter weint, die Hebamme fühlt sich mitschuldig. Der Vater erwartet die Nachricht von der Geburt eines Sohnes. Das Neugeborene ist gesund und voller Leben, es ist die vierte Tochter, eine Tochter des Sandsturms und der Sterne dahinter.

Die alte Frau hat ihr ganzes Leben im Sand verbracht, im trockenen Sand. Nun geht sie über einen Strand und der feuchte Sand trägt sie. Etwas weiter unten würde sie unterspült, etwas weiter oben würde sie einsinken, doch im Zwischenbereich hier wird der Sand zum freundlichen Element. Sie könnte den Stock wegwerfen und einfach gehen, geradeaus, nicht in Richtung Meer und nicht in Richtung Land, dazwischen, in diesem ungewissen, sicheren Bereich.

Sie denkt über den Sand nach, der ihr als Kind die Luft zum Atmen nahm, ihr nun aber erlaubt gut zu gehen, ohne einzusinken ohne zu stolpern. Auch im dicht verbauten Gebiet der Stadt herrscht der Sand, der die Häuser zusammenhält, die Mauern die Dächer und Straßen. Sand, durch Wasser und Wind zermahlener Fels, der sie durch ihr Leben von der Wüste ans Meer begleitet hat.

Einladung zur Sommer-Impulswerkstatt – Juli und August

Willkommen an alle, die schon mitgemacht haben und alle, die noch mitmachen werden und natürlich auch alle, die zusehen, zuhören, lesen und kommentieren.

Eine sehr gute Idee von Bernhard: Im Sommer gibt es eine extra-lange Impulswerkstatt, Juli und August. Schließlich muss man sich in der Hitze hin schleppen und dann soll einem auch noch was einfallen, alles sehr mühsam und es besteht die Gefahr, dass sich das Sommerloch weit öffnet. Innerhalb von zwei Monaten geht das alles viel leichter. Es wird aber natürlich Zwischenberichte geben.

Vor den neuen Fotos wie immer die Beschreibung des Projekts KLICK

KLICK Hier könnt ihr nachlesen, wie dieses Projekt entstanden ist  

Bitte verlinkt eure Beiträge alle hierher.

KLICK Das Archiv des Projekts in dem alle Beiträge gesammelt sind und alles noch einmal nachgelesen werden kann, befindet sich auch hier (leider ist es nicht immer aktuell, aber meistens)

Die Teilnahme
ist für alle offen: Texte jeder Art, Bilder, Fotos, Zeichnungen, Betrachtungen, Musik, Installationen, Kochrezepte, Bastelanleitungen usw usf. als Resonanz, als Reaktion auf die Fotos des Monats sollen hier gesammelt werden.
Meine Idealvorstellung ist so eine Art Puzzle aus verschiedensten Teilen. Natürlich können alle beliebig viele Beiträge beisteuern.

Hier die Impulse für den Sommer. Auf gehts !

Bild 1:

Dieses Foto habe ich nicht etwa in der West-Sahara gemacht sondern in Holland. Man kann es in viele Richtungen interpretieren von Frauen bis Trockenheit …

Bild 2:

Wassertropfen auf Spinnennetz, gut, aber die Fantasie kann viel mehr daraus machen

Bild 3:

Das Bild stammt von einer Ausstellung „Portraits von KZ-Überlebenden“. Ein anspruchsvoller Impuls, keine Frage, aber was spricht dagegen, sich auch mit anspruchsvolleren Themen zu beschäftigen?

Bild 4:

Dieser Impuls kann alles mögliche hervorbringen, würde ich sagen. Es ist übrigens nicht die Donau sondern die Elbe, die man hier seht

Impulswerkstatt- Zusammenfassung Juni

Liebe Impulswerkstattbesuchende

Über den Monat Juni kann ich diesmal berichten, dass die Anzahl der Beiträge zu den Fotos sehr verschieden ausgefallen ist.
Es führt der steinerne Mann, der zu sehr verschiedenartigen Beiträgen inspiriert hat, auch zu einer Resonanz auf einen der Beiträge, was mich immer besonders freut. Ein Foto von einem großen Stein gab es im ersten Monat der Impulswerkstatt, im Oktober 2020, auch schon. Daraus könnte sich eine Gewohnheit entwickeln. Ich fotografiere ohnehin sehr gerne Steine in allen Variationen, vom Berg über Pflastersteine zur Skulptur.

An zweiter Stelle stand dann die Brücke, die eher die romantischen und fantastischen Saiten zum Klingen gebracht hat.

Die Sympathien für die Bartagame hielten sich in Grenzen. Dabei ist sie doch so hübsch! Eigentlich gab es dazu nur drei Beiträge, denn Nummer 23 gehört eher zu der Brücke. Warum ich Nummer 23, ein wunderbar klingendes Gewitter, zur Bartagame dazu gestellt habe, weiß ich nicht mehr. Es hatte aber wohl einen Grund oder war es ein Irrtum?

Ich könnte mir jetzt vornehmen, Bilder auszuwählen, die denen ähneln, die es zu der größten Zahl von Beiträgen gebracht haben, aber ich glaube, dass das keine gute Idee wäre. Interessanter ist doch, sich immer wieder an anderem zu versuchen.

Ich habe überlegt, die Impulswerkstatt über den Sommer zu schließen, habe aber dann festgestellt, dass ich das schon alleine wegen mir selbst nicht machen möchte. Es macht mir Freude, die vier Themen im Kopf kreisen zu lassen denn meistens – lange nicht immer, aber doch meistens – fällt mir im Lauf des Monats dazu etwas an.
Oft lerne ich auch Neues. Zum Beispiel wollte ich zunächst aus der Steinskulptur einen Golem machen, ein Projekt, das von Zeitmangel sabotiert wurde. Aber immerhin habe ich bei der Gelegenheit erfahren, dass der Mythos vom Golem in gar keinem Zusammenhang mit Rabbi Löw steht, der zum Zeitpunkt der Entstehung des Mythos schon verstorben war und sich nicht mehr dagegen wehren konnte, dass man ihm diese Geschichte überstülpte. Obendrein habe ich in diesem Zusammenhang gelesen, dass die derzeit favorisierte Theorie zur Entstehung des Lebens auf der Erde nicht mehr die „Ursuppe“ ist sondern, dass man vermutet, dass erste Zellen im Eis entstanden sind.

Bevor ich nun vom Hundertsten ins Tausendste komme: hier sind die Beiträge. Wie immer einerseits in einer chronologischen Liste andererseits nach den Fotos geordnet zu denen sie entstanden sind. Es gibt auch noch eine Liste der Beiträge, die sich auf mehrere Fotos beziehen sowie eine Rubrik für Beiträge, die eine Resonanz auf andere sind.

Wer nicht weiß, was die Impulswerkstatt ist und dies gerne erfahren möchte KLICK Eine Beschreibung des Projekts sowie alle Einladungen und Zusammenfassungen gibt es hier

BILD 1:

BILD 2:

BILD 3:

BILD 4:

Verbindung mehrerer Bilder:

Resonanz auf andere Beiträge:

Chronologische Liste:

Die Einladung für Juli kommt voraussichtlich am 2. Juli

Der Stein – Impulswerkstatt

Alle Materie aus der die Erde besteht, ist zur selben Zeit entstanden, Stein aus erstarrter, erkalteter Lava, durch Druck und Erosion, aber es haben sich auch Meteorite in den Boden gebohrt, bestehend aus anderswo entstandener Materie.

Ich stelle mir vor, dass der Steinmann aus einem Granitbrocken gekrochen ist, aus einem Granitbrocken mit ein wenig außerirdischer Materie, mit Unterstützung des Bildhauers. Einen biblischen Helden hätte die Skulptur darstellen sollen, doch der Stein verweigerte sich dem Heldenhaften. Menschlich wollte er lieber sein, die Essenz des Menschen, sein Leben, Lieben und Leiden wollte er darstellen.
Der Bildhauer unterstützte ihn dabei, er wiederum wollte zeigen, dass das Menschliche nicht in der Form sondern im Ausdruck liegt
So trafen sich Künstler und Stein in einem gemeinsamen Schöpfungsakt