Schlagwort: Impulswerkstatt

Myriade zu Gerda – Impulswerkstatt

Gerdas Idee hat mir so gut gefallen, dass ich mir erlaubt habe auf ihren kreativen Impuls zu antworten. In den Strukturen unter den Eiszapfen kann man vieles sehen. Ich habe mich bemüht die Linien so genau wie möglich herauszuholen, aber so ein Bemühen ist nicht so einfach durchzuhalten

Viele Hände wenig Handlung – Impulswerkstatt

Wie viele Hände kommen im „Text“ vor, inklusive alle von „Hand“ abgeleiteten Wörter? Möchte jemand weiter schreiben? Zum Beispiel mit „Augen“ ließe sich auch eine Menge machen !

Händeringend eilte der Professor durch sein Institut. Einen umfangreichen, erhellenden und obendrein handlichen Handapparat hatte er eigenhändig zu seinem Seminar zusammengestellt. Handverlesen waren die kostbaren Werke, doch als er die Bücher nochmals zur Hand nehmen wollte, musste er feststellen, dass alle abhanden gekommen waren.
„Ist das Ihre Handschlagsqualität, Hannelore?“ rief er empört und bedauerte jeden – wenn auch nur angedeuteten – Handkuss, den er der Bibliothekarin jemals hatte zukommen lassen.
„Wie?“ rief Hannelore zurück „Ihre Beschuldigungen haben weder Hand noch Fuß! Ich soll an diesem Fiasko schuld sein! Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie sie gestern Abend händchenhaltend mit dieser verhuschten Person, die sie da an der Hand haben, durch den Park geschlichen sind mit den Büchern in der Hand. Nicht einmal die Hand geben wollten Sie mir und murmelten etwas von einem Handwerker, dem Sie die kostbaren Werke zur Reparatur bringen wollten. Die Dinge sind Ihnen wohl etwas aus der Hand geglitten!“
„Ach ja, jetzt wo sie es sagen“ murmelte der Professor beschämt und rieb an seinen Händen herum.
„Wenn Sie damit andeuten wollen, dass eine Hand die andere wäscht, so könnte ich gut ein verlängertes Wochenende gebrauchen um beim Bau unseres Gartenhäuschens Hand anlegen zu können.“

Handzahm schlich der Professor zurück in sein Büro um einen Termin bei seinem Handaufleger zu vereinbaren. Er hörte gar nicht mehr, dass die Bibliothekarin noch triumphierend rief „Und die Handwaschungen, die Sie am Institut angeordnet haben, könnten Sie selbst auch gelegentlich ins Auge fassen, aber Hände weg von meinem handwarmen Schokoladendepot neben dem Handwaschbecken.“

Einladung zur Impulswerkstatt Jänner Februar 2022

Willkommen an alle, die schon mitgemacht haben und alle, die noch mitmachen werden und natürlich auch alle, die zusehen, zuhören, lesen und kommentieren.

Auch im Neuen Jahr 2022 bleiben wir bei dem inzwischen bewährten Schreibzeitraum von zwei Monaten. Ich denke, dass zwei Monate ein guter Zeitraum sind, zwei Monate Zeit für Beiträge, mit einem Zwischenbericht in der Mitte. So kann man sowohl einem Blitz-Impuls nachgehen und den Beitrag gleich posten als auch länger bei einem Thema bleiben und es ist auch Zeit für mehrere Beiträge zum selben Foto.

Vor den neuen Fotos wie immer die Beschreibung des Projekts KLICK

KLICK Hier könnt ihr nachlesen, wie dieses Projekt entstanden ist  

Bitte verlinkt eure Beiträge alle hierher.


KLICK Das Archiv des Projekts in dem alle Beiträge gesammelt sind und alles noch einmal nachgelesen werden kann, befindet sich auch hier
und ist topaktuell wofür ich mir stolz auf die Schulter klopfe


Die Teilnahme

ist für alle offen: Texte jeder Art, Bilder, Fotos, Töpferstücke, Zeichnungen, Betrachtungen, Musik, Installationen, Kochrezepte, Bastelanleitungen, Sachtexte usw usf. als Resonanz, als Reaktion auf die Fotos des Monats sollen hier gesammelt werden.
Meine Idealvorstellung ist so eine Art Puzzle aus verschiedensten Teilen. Natürlich können alle beliebig viele Beiträge beisteuern.

Und da sind sie die Impulsfotos für Jänner und Februar. Ich habe mich wie immer bemüht möglichst verschiedenartige Texte zu finden damit möglichst viele etwas finden, was sie inspiriert.

BILD 1:

Was soll ich dazu sagen außer ROSA.

BILD 2:

Damit der Winter nicht zu kurz kommt, die Kälte aber auch das Licht

BILD 3:

Blick in ein nächtliches Büro, wobei es – weil wir ja Winter haben zwar finster aber vielleicht noch gar nicht so spät ist

BILD 4:

Hände bieten sich für vielseitige Interpretationen an …

Ach ja und übrigens wer möchte, kann die Fotos gerne in jeder Weise bearbeiten, schneiden, umfärben, was immer. Ich habe da gar nichts dagegen. Gerda, Christiane und Olpo haben auf diese Weise schon sehr hübsche, originelle Dinge gemacht.

Nun also kann es los gehen. Ich freue mich schon auf auf eure Beiträge !

2. Jänner 2022 – alles glänzt

Einen Marathon der Aktualisierungen habe ich betrieben. Etliche Stunden bin ich vorm Kastl gesessen und habe meine beiden großen Projekte, das Kreativ- und das Literatur-und-Kunstprojekt, bis auf den letzten Beistrich aktualisiert. Ich nehme mir dann immer vor, die Verwaltung nicht wieder aufzuschieben, aber wie das halt so ist …

In der Impulswerkstatt, die unter „Menü“ bei den Seiten zu finden ist, sind sämtliche Fotos, Einladungen und Zusammenfassungen der Beiträge seit Oktober 2020 zu finden. Es fehlt nur noch die Einladung für das Mitmachen beim Jänner + Februar Durchgang. Die kann dort nicht stehen, weil es sie noch nicht gibt. Aber Montag wird es sie geben und ich bin schon sehr gespannt auf alle eure Beiträge beim nächsten Durchgang.

Meine Literatur- und Kunstweltreise, auch unter „Menü“ zu finden, habe ich auch völlig aktualisiert, was ein ziemlicher Aufwand war, weil die Seite eine Mischung aus altem und neuem Editor war. Ich habe alles Unnötige entfernt und jetzt glänzt auch sie. Schade ist nur, dass bei dem totalen Umbau und dem Löschen der vorherigen Versionen alle „likes“ gefressen wurden. Na, ich werde es schon aushalten.

Die größere Übersichtlichkeit zeigt mir, dass es Länder gibt mit schon mehreren Einträgen und natürlich auch noch sehr viele ohne irgendeinen Eintrag. Bei manchen Ländern habe ich so meine Zweifel, ob mir jemals etwas Passendes unterkommen wird. Ich suche ja nur ganz selten zielgerichtet, die meisten Bücher sind Zufallstreffer.

Ich lese sehr viel mehr als ich hier aufliste, aber es passt nicht alles und mehr als maximal fünf Einträge pro Land möchte ich nicht machen. Gerne werde ich aber auch im nächsten Jahr etlichen der Anregungen, die ich auf den Blogs immer wieder finde nachgehen. Danke an viele von euch, manchmal sind die Wege auf denen ich interessanten Lesestoff finde sehr verschlungen

Impulswerkstatt November, Dezember 2021 – Zusammenfassung

Liebes Kreativteam der Impulswerkstatt

Ich glaube, dass ich jetzt die richtige Anrede gefunden habe. An diesem letzten Tag des Jahres 2021 seht ihr hier die Zusammenfassung der November-Dezember-Runde. Herzlichen Dank für euer Mitmachen. Trotz Advent, Weihnachten und Neujahr sind viele Beiträge zusammengekommen, wurden die vier Fotos von verschiedenen Seiten betrachtet und in Texten, Musik, Bildern und vielschichtigen Beiträgen reflektiert. Vieles davon war für mich überraschend und ich habe es sehr gerne als Horizonterweiterung betrachtet und mich darüber gefreut.

Weniger schön war es, dass ich meine eigenen Pläne, zu jedem Foto ein Bild zu malen, nicht verwirklichen konnte, weil mein Atelier derzeit außerhalb meiner Reichweite liegt. Das wird sich in ein paar Tagen wieder geändert haben, aber dann sind wir schon im neuen Durchgang mit neuen Fotos. Ich hatte zwei Bilder angelegt, die halbfertig sind. Ich vertraue darauf, dass sie flexibel sind und sich auch einem anderen Thema annähern können.

Am meisten inspiriert hat bei diesem Durchgang Bild Nr.2, die Bank mit dem Loch in der Wand dahinter und dem Rosenstock daneben gefolgt von Bild Nr.3, dem verschwommenen Gesicht. In beiden Fällen gab es gegenseitige Inspiration von Teammitgliedern. Die Inspiration ist so hin und her geflossen, dass es ein reines Vergnügen war. Es ist auch eine Bankgalerie entstanden, die ich gerne noch erweitert hätte. Leier hat es mir in den letzten Tagen an Motivation gefehlt.

Ansonsten ist es wie jedes Mal beim Ende eines Durchgangs: mir fallen gerade jetzt noch eine Menge Texte, Fotos und Bilder ein, die wunderbar gepasst hätten.

Nachdem es so viele Beiträge geworden sind (Juhuuuu) habe ich die Präsentation umgestellt und die chronologische Liste an den Anfang gestellt. Viel Freude beim Anschauen der Zusammenfassung. Die nächsten Fotos kommen am 3.Jänner, am 2. sind die ABC-Etüden dran.

Sollte heute noch ein Beitrag anfliegen, kommt er natürlich noch auf die Liste

Einen guten Rutsch nach 2022 wünsche ich dem Team und allen, die hier vorbeischauen

Chronologische Liste:

1. Natis graue Mauern 3.11.
2. Myriades Palmen 3.11
3. HeidiMarias In der Ruhe liegt die Kraft 3.11
4. Heidi Marias mobile Erinnerungswerkstatt 3.11
5. Heidi Marias Schätze im Eis 3.11
6. Heidi Marias Sein und Schein 3.11
7. HeidiMarias Eisfee 3.11
8. Randoms Zuversicht 4.11
9. Myriades Bank unter Bananen 4.11
10. Gerdas Überblendungen 4.11
11. Gerdas Fortsetzung der Überblendungen 4.11
12. HeidiMarias Jakobsweg 5.11
13. Heidi Marias Eiswesen 5.11
14. Bernhards Bank #127 6.11
15 Gerdas vieräugiger Clown 7.11
16 Marions „Wer bin ich“
17 Gerdas Klosterbankcollage 7.11.
18 Gerdas zweiter Akt des Klosterbesuchs 7.11
19 Lenes Sonnenbank 8.11
20 Gerdas dritter Teil der Klosterbank-Trilogie 8.11
21 Randoms kontemplativer Scarlatti 10.11
22 Sabines Mauer 11.11
23 Myriades Kartäusermönche 11.11
24 Sabines Fotorunde 12.11
25 Petras wechselnde Clowngesichter 12.11
26 Natis Mauer und Bank 13.11
27 Petras vielfältige Gesichter 16.11
28 Bernhards Bank vor dem Sturm 16.11
29 Bernhards schwirrende Zahlen 17.11
30 Gerdas Meer 19.11
31 Judiths verwaiste Bank 19.11
32 Petras Baltimores 20.11
33 Monikas Ausstellung 21.11
34 Lenes Weg 22.11
35 Myriades Verwirrung 23.11
36 Gerdas Doppelgesichter 23.11
37 Ullis Frauenbilder 23.11
38 Randoms vielgesichtiger Freddie 24.11
39 Randoms Eismusik 26.11
40 Latos, Jürgens und Buchalovs Beitrag 26.11
41 Gerdas Eismuseum 26.11
42 Bernhards Pfützenkunst 27.11
43 Gerdas Meerpferdchen 27.11
44 Ullis Bänke unter Bäumen 30.11
45 Ensemsems Palindrome 1.12.
46 Ines und ihr multiples Selbstportrait 2.12
47 Ullis Strandschatten 3.12
48 Myriades Zauberbank 4.12
49 Gerdas wildes Meer 4.12
50 Gerdas entfernt, entrückt 7.12
51 Ullis Seerosenblatt 8.12
52 Christians Rose 9.12
53 Natis Eiskalter 9.12
54 Ules Mole 9.12
55 Kathas Weihnachtshorror 11.12
56 Myriades Eis 12.12
57 Judiths gefrorener Beitrag 21.12
58 Monikas Eisgeschichte 22.12
59 Bernhards Eis und Stein 31.12
60 Bernhards Eispfützenkunst 31.12
61 Bernhards drittes Eisbild 31.1.

Bild 1:

8. Randoms Zuversicht 4.11
2. Myriades Palmen 3.11
30 Gerdas Meer 19.11
34 Lenes Weg 22.11
47 Ullis Strandschatten 3.12
49 Gerdas wildes Meer 4.12
50 Gerdas entfernt, entrückt 7.12
54 Ules Mole 9.12

Bild 2:

1. Natis graue Mauern 3.11.
4. Heidi Marias mobile Erinnerungswerkstatt 3.11
9. Myriades Bank unter Bananen 4.11
12. HeidiMarias Jakobsweg 5.11
14. Bernhards Bank #127 6.11
17 Gerdas Klosterbankcollage 7.11.
18 Gerdas zweiter Akt des Klosterbesuchs 7.11
19 Lenes Sonnenbank 8.11
20 Gerdas dritter Teil der Klosterbank-Trilogie 8.11
21 Randoms kontemplativer Scarlatti 10.11
22 Sabines Mauer 11.11
23 Myriades Kartäusermönche 11.11
26 Natis Mauer und Bank 13.11
28 Bernhards Bank vor dem Sturm 16.11
44 Ullis Bänke unter Bäumen 30.11
48 Myriades Zauberbank 4.12
52 Christians Rose 9.12
55 Kathas Weihnachtshorror 11.12

Bild 3:

6. Heidi Marias Sein und Schein 3.11
10. Gerdas Überblendungen 4.11
11. Gerdas Fortsetzung der Überblendungen 4.11
15 Gerdas vieräugiger Clown 7.11
16 Marions „Wer bin ich“
25 Petras wechselnde Clowngesichter 12.11
27 Petras vielfältige Gesichter 16.11
29 Bernhards schwirrende Zahlen 17.11
32 Petras Baltimores 20.11
33 Monikas Ausstellung 21.11
35 Myriades Verwirrung 23.11
36 Gerdas Doppelgesichter 23.11
37 Ullis Frauenbilder 23.11
38 Randoms vielgesichtiger Freddie 24.11
45 Ensemsems Palindrome 1.12.
46 Ines und ihr multiples Selbstportrait 2.12

Bild 4:

5. Heidi Marias Schätze im Eis 3.11
7. HeidiMarias Eisfee 3.11
13. Heidi Marias Eiswesen 5.11
39 Randoms Eismusik 26.11
41 Gerdas Eismuseum 26.11
42 Bernhards Pfützenkunst 27.11
43 Gerdas Meerpferdchen 27.11
51 Ullis Seerosenblatt 8.12
53 Natis Eiskalter 9.12
56 Myriades Eis 12.12
57 Judiths gefrorener Beitrag 21.12
58 Monikas Eisgeschichte 22.12
59 Bernhards Eis und Stein 31.12
60 Bernhards Eispfützenkunst 31.12
61 Bernhards drittes Eisbild 31.1.

Mehrere oder alle Bilder:

3. HeidiMarias In der Ruhe liegt die Kraft 3.11
24 Sabines Fotorunde 12.11
40 Latos, Jürgens und Buchalovs Beitrag 26.11

Resonanzen:

25 Petras wechselnde Clowngesichter 12.11 zu 15 Gerdas vieräugiger Clown 7.11
37 Ullis Frauenbilder 23.11 zu 36 Gerdas Doppelgesichter 23.11


Eis – Impulswerkstatt

Der Wind feilt eiskörnig über meine Haut. Dabei drängt er den Atem weg, lässt seine Wärme in eigenwilligen Figuren verdampfen. Mit dem Finger fahre ich die vielfältigen Strukturen entlang, die Erhebungen, Einbuchtungen, Schnörkel, ein Flussdelta, ein Bergpass, gefrorenes Meer, ein filigraner Braille-Text der Natur, den ich entziffern wollte.

Jeder mühsame, schwankende Schritt zeigt, dass das Eis sich nicht entschlüsseln lassen will. In Kristalle dringt es sich nicht ohne weiteres ein, ihre Abwehrmechanismen bringen mich an den Rand meiner Möglichkeiten aber nicht darüber hinaus, wie ich gehofft hatte. An der lächelnden Gelassenheit der Natur scheitert meine teure Ausrüstung erbärmlich. Das Moos hat bessere Strategien, es lässt sich umfließen, einfrieren und taut dann wieder auf, bleibt aber in jedem Zustand von der Umgebung unterscheidbar.

Dann die Eiswand. Sie spiegelt die Zeit in Facetten der Erinnerung. Das Eis steht dem Wahnsinn nicht nahe, seine Berührung ist kalt und leidenschaftslos aber folgenschwer.

Es beginnt zu schneien und der Wind lässt die Kälte tanzen zum Vergnügen jener, die hier überleben können. Ich liege rücklings auf dem Eis, die Wärme beginnt in meinen Fingern, dringt prickelnd in die Muskeln in die Blutgefäße, dehnt die Kapillaren. Ein verwirrender Angriff auf die Verlässlichkeit der Welt durch die völlige Umkehr der Sinneswahrnehmungen. Die Haut brennt am Eis fest, erfriert im kochenden Wasser, die Eiswand erhebt sich ins Unendliche hinunter um irgendwann den unterirdischen Himmel zu berühren.

Kann Blut zu kochen beginnen, kurz vor dem Zusammenbruch des Systems? Das dumpfe Brummen, ein gelblicher Schimmer rund um mich, die Knochen brechen, das Hirn löst sich auf in Synapsen brennenden Eises und ein paar gefrorene Proteine.

Gelb ist der Hubschrauber der Bergrettung, gelb wie die Sonne.

An diesem Text habe ich ein paar Tage gefeilt. Was aber nichts damit zu tun hat, dass „feilen“ gleich im ersten Satz vorkommt.

Ein möglicher Abschluss wäre auch „….. doch das Eis hat mich in Besitz genommen/ umschlossen/eingearbeitet/ zu einem Teil seines Organismus gemacht ….“

Bank im Zauberwald – Impulswerkstatt

HeidiMaria, Bernhard, Ulli und ich haben schon Fotos von Bänken beigesteuert. Heute möchte ich noch eines hinzufügen. Es herrschen auf diesem Foto äußerst ungewöhnliche Lichtverhältnisse und meine damalige Kamera hat auch schon etwas gesponnen. Das Ergebnis gefällt mir aber sehr gut

Titellos – Impulswerkstatt

Der Blick schweift. Alles verschwommen, ineinander fließende Farben und Linien. Töne schwirren durch den Raum, ergeben auch keinen Sinn. Das Drehen des Kopfs bringt mehr Bilder und mehr Töne aber keine größere Klarheit, keine Orientierung. Der Weg ist kaum erkennbar, schwebt frei im Raum, kann jederzeit trudelnd im Nichts verschwinden.

Verwirrung als Geisteszustand aus dem alles hervorgeht, Emotionen, Überzeugungen. Wir lavieren durchs Leben.

Das Texterl ist noch deutlich ausbaubar

Damals ….. zwei Kartäusermönche – Impulswerkstatt

Zur Zeit der Hochblüte des Kartäuserordens, im späten Mittelalter lebte in einem der Klöster Bruder Anselm. Er war der vierte Sohn einer Familie niedrigen Adels und hatte wenig andere Möglichkeiten sein Leben zu gestalten als sich in ein Kloster zurückzuziehen. Dieser Lebensweg entsprach seinem Charakter und seinen Neigungen immerhin viel mehr als das Kriegshandwerk und so schloss er sich als noch recht junger Mann einem Kartäuserorden an.

Nach vielen Jahren der Prüfung und Vorbereitung hatte Anselm es zum Chormönch gebracht und lebte nun zu Beginn seiner mittleren Jahre in einer der an den Kreuzgang angeschlossenen Mönchszellen. Der Begriff „Zelle“ vermittelt einen falschen Eindruck, denn die Kartäuser lebten jeder in einem eigenen Häuschen mit drei Räumen und einem Garten, die direkt aus dem Kreuzgang betreten werden konnten. Der Kreuzgang führte auch zu den Gemeinschaftsräumen und der Kirche. Ein nicht nur räumlich abgeschlossenes Universum.

Anselm schätzte seine Lebensweise, das eremitische Dasein inmitten von Gleichgesinnten, die man auch mehrmals täglich traf, obwohl anfangs sein Zugang zu dem Gott, der im Kloster verehrt wurde, ein sehr zurückhaltender war. Er schien ihm unzugänglich, sehr weit entfernt und gleichgültig gegenüber den Belangen des menschlichen Lebens. Dennoch nahm Anselm sehr gerne an den Gebeten, Gesängen und Ritualen teil, die im Kloster praktiziert wurden und seinem Leben Rahmen und Struktur gaben. Er hatte sich entschlossen, diesen Gott so gut kennenzulernen, dass er ihn eines Tages auch besser verstehen würde.

Nach und nach entwickelte sich die Beziehung zwischen Bruder Anselm und seinem Gott. Anfangs hatte er eine Menge Zweifel, ob seine Gottesvorstellung mit jener seiner Mitbrüder und vor allem mit jener des Abts übereinstimmte oder zumindest vereinbar war. Anselm spürte aber immer klarer, dass sein Gott ihn wohlwollend und liebevoll in allen Situationen seines Lebens begleitete und so beschäftigten ihn Zweifel und Vergleiche immer weniger. Er erkannte, dass er sich wohl in manchem Bereich noch etwas mehr bemühen sollte, dass er aber prinzipiell gut war, genauso wie er eben war und Gott nicht von ihm verlangte, sich zu kasteien und zu geiseln um seine Natur zu verändern und zu etwas anderem zu werden als ein Mensch guten Willens.  

Er schätzte es, dass Gott ihn milde lächelnd beim Masturbieren allein ließ, sich nicht daran störte, wenn er bei der Lektüre der Schriften so mancher Kirchenväter ablehnend die Stirn runzelte und auch das allergrößte Verständnis dafür hatte, wenn Anselm gelegentlich bei einer mitternächtlichen Messe einschlief.  

Bruder Anselm hatte seine ganz persönliche Beziehung zu Gott gefunden und war zufrieden. Glücklich machte ihn, dass auch die irdische Liebe ihm in Gestalt von Bruder Ludovic, seinem Zellennachbarn begegnete. Ludovic war später als Anselm in die Kartause eingetreten, hatte es aber aufgrund größeren materiellen Reichtums schneller zum Chormönch gebracht als Anselm.

Langsam aber stetig kamen sich die beiden näher. Aus heutiger Perspektive kann man sagen, dass es selten ein so großes und dauerhaftes Glück gibt wie jenes dieser beiden eremitischen Mönche.

Anfangs waren beide sehr unsicher sowohl über die Berechtigung als auch über die Möglichkeiten einer Form des Zusammenlebens. Sie waren schließlich durch hohe Mauern getrennt und es bestand im Kloster ein absolutes Kommunikationsverbot zwischen den Mönchen. Abgesehen vom Austausch notwendiger Informationen herrschte auch ein strenges Schweigegebot. Es war schon ein kleines Wunder, dass die beiden sich überhaupt näher kennenlernen konnten.

Dieses gar nicht so kleine Wunder nahm Anselm als Zeichen seines Gottes, als Bestätigung dafür, dass er wohlwollend auf diese Liebe blickte. Anselms Gott, der bald auch jener von Ludovic wurde, legte mehr Wert auf gelebte Liebe als auf von Menschen ersonnene theologische Spitzfindigkeiten. Durch seine Zustimmung zu dieser Beziehung, die in jeder Hinsicht gegen die Regeln von Kirche und Kloster verstieß, bot er den beiden Mönchen die größtmögliche Unterstützung in ihrem Leben, das sie als gottgewollt betrachten konnten.

Aus Steinen gemauerte Gartenmauern sind nicht so unüberwindlich wie die Mauern in den Köpfen. Das ständige Schweigen und die Verweigerung jeder persönlichen Kommunikation ist derart gegen die menschliche Natur, dass es eigentlich unvermeidlich ist, dass jene Klosterbewohner, die nicht an einen versteinerten, alles Menschliche bestrafenden Gott glauben, eigene Wege finden um ihre Spiritualität zu leben ohne ihre Menschlichkeit aufzugeben.

Kürzlich besuchte ich wieder einmal die nun von Mönchen verlassene Kartause Mauerbach und dachte darüber nach, dass ein noch so guter Gedanke, eine noch so überzeugende Organisation, die die menschliche Natur nicht berücksichtigen, immer zum Scheitern verurteilt sind. Und ich dachte an Anselm und Ludovic, die in Kopf und Herz flexibel genug waren, ihre Überzeugungen nicht aufzugeben sondern so anzupassen dass sie ein glückliches Leben führen konnten.

Ich saß in dem schönen Klostergarten mit den duftenden Kräutern und den Rosen an den Wänden. Vielleicht ist das Loch in der Steinmauer hinter der Bank noch ein Überbleibsel aus der mittelalterlichen Kommunikationsstrategie von Anselm und Ludovic und vielleicht haben auch andere Mönche Mittel und Wege gefunden zu Anselms Gott zu gelangen. Ich bin mir da nicht so sicher, aber ich wünsche es ihnen.

Das Lächeln der Palmen am Flughafen von Lissabon – Impulswerkstatt

Der Text scheint kurz, ist aber eigentlich ziemlich lang dafür, dass er nur einen flüchtigen Moment beschreibt. Er passt insofern zum Foto als es einer der Texte ist, die ich in Portugal geschrieben habe.

Freundlich ist das Lächeln, kumplizenhaft, die Palmen und ich. Na, bist du wieder einmal da. Über drei Jahre haben wir dich nicht gesehen, oder sind es sogar vier. Ich weiß es auch nicht genau und es kommt auch nicht drauf an, unsere Beziehung findet in einem zeitlosen Raumgefüge statt.

Viel haben die Palmen von meinem Leben gesehen, obwohl sie immer nur vor dem Flughafen gestanden sind, bei jedem Wetter. Intensive Momente, dramatische, glückliche, verzweifelte. So entspannt und fröhlich wie heute ging es selten zu, aber intensiv war es damals, sehr intensiv. Lissabon und ich, eine Liebesbeziehung aus der Vergangenheit: die Emotionen sind verraucht, die meisten Akteure aus meinem Leben verschwunden, aber die Vertrautheit ist geblieben und auch die Freude des Ankommens.

Ich stehe in der Taxischlange vor dem Flughafen, viele vor mir. Die letzten Meter zwischen den Absperrungen links und rechts, bis man zu dem Platz kommt, von dem aus man in ein Taxi steigen kann, liegen noch hinter einigen Kurven. Das hat nichts mit Corona zu tun, das war immer schon so. Der Securitymann, der die Menschen und die Taxis zusammenwinkt, fühlt sich wahrscheinlich auch heute noch, lange nach Ende der Diktatur, wie ein kleiner König. Mein Koffer läuft durch Antippen bei Fuß, es ist zwar nahe an Mitternacht, aber die Temperatur so angenehm, dass wir alle in kurzen Ärmeln herumstehen und voranschleichen.

Die Schlange ist lang, ich bin noch weit vom Ziel entfernt, aber ich habe es nicht eilig. Taxis und Securitymann sind aufeinander eingespielt, die Angekommenen guter Laune. Die Koffer rollen und holpern voran, die Kleidungsstücke, die man in Wien wegen der Kälte brauchte, wurden irgendwie verstaut oder werden zur Begrüßung geschwenkt.

So konzentriert bin ich auf die Palmen, dass ich gar nicht bemerke, wie plötzlich alles anhält. Die Menschen in der Schlange schieben ihr Gepäck nicht mehr weiter, der Securitymann wachelt nicht mehr, sondern ist wie versteinert. Wahrscheinlich stehen die Flugzeuge in der Luft. In der Luft, die sich auch verändert hat.

Ein Moment Ewigkeit, nur die Palmen und ich erzählen einander alte und neue Geschichten. Geschichten über Liebe, Tod und Verstrickungen, über Wurzeln und Flügel.

Dann bewegt sich ein Palmwedel und alles kommt wieder in Gang. 2021 …. Unfassbar.

Einladung zur Impulswerkstatt November, Dezember 2021

Liebe Impulswerkstattbesucher und -besucherinnen,

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich bei der Auswahl der Fotos die Jahreszeit berücksichtigen soll, Winter, Weihnachten, Jahresende, habe mich aber dann dagegen entschieden. Winter- und Weihnachtsgeschichten kann man zu allen Bildern schreiben, muss man aber nicht. Ein Foto von Weihnachtskugeln, Adventkränzen oder Feuerwerk wäre schon sehr einengend.

Die Fotos sind hoffentlich verschieden genug damit für alle, die mitmachen wollen etwas dabei ist. Manchmal muss man die Zusammenhänge ein bisschen anpassen. Random Randomsen ist Meister in dieser Disziplin. Die Zusammenhänge zwischen Foto und präsentiertem Musikstück sind meist auch schon als eigener Text lesenswert.

Ich habe vor, zu jedem Bild einen Text, ein Foto und eine Zeichnung zu machen. Wie sich immer wieder zeigt, halte ich diese Vorsätze oft nicht durch, aber das macht ja nix, es sitzt mir ja weder Herausgeber noch Galerist im Nacken und ich muss erfreulicherweise niemandem Rechenschaft ablegen. Man wird sehen…

Zu den November-Dezember Fotos:

Bild 1:

Ein Foto vom Meer darf natürlich nicht fehlen. Dies ist eines ohne nennenswerte Wellen, ohne Schiffe und ohne Strand. Es lässt sich daher alles mögliche damit anfangen. Auch die Figuren sind so unbestimmt, dass sie vieles sein können.

Bild 2:

Ein Foto für viele Geschichten. Tatsächlich ist das der Garten eines Kartäuserklosters, aber der Phantasie sind ja keine Grenzen gesetzt. Es kann der Garten von was auch immer sein oder ganz was anderes …

Bild 3:

Das war nach einem wilden Gewitter im Salzkammergut, bei dem die Kamera im Regen arbeiten musste und ziemlich verwirrt war. Das Ergebnis ist ein recht seltsames Bild geworden, das ich aber als kreativen Impuls sehr geeignet finde. Nach ein paar Stunden trocknen, hat sich die Kamera wieder normalisiert, aber dieses Foto mit Picasso-Einschlag, bei dem man das Gesicht gleichzeitig von vorne und im Profil sieht, ist doch vielversprechend

.
Bild 4:

Ein bisschen jahreszeitlich wollte ich es dann doch haben. Das ist Eis und hier lässt sich Winterliches und Weihnachtliches unterbringen, neben vielen anderen Möglichkeiten natürlich. Es kann auch als abstraktes Bild gesehen werden.

Ach ja und übrigens wer möchte, kann die Fotos gerne in jeder Weise bearbeiten, schneiden, umfärben, was immer. Ich habe da gar nichts dagegen. Gerda, Christiane und Olpo haben auf diese Weise schon sehr hübsche, originelle Dinge gemacht.

Nun also ans Werk. Ich freue mich schon auf auf eure Beiträge !

Impulswerkstatt September, Oktober 2021, Zusammenfassung

Liebe Impulswerkstattbesucher*innen und Mitarbeiter*innen und alle, die mitlesen und vielleicht gerade beschlossen haben, auch einmal mitzumachen,

Der Durchgang ist beendet und wie immer ist einiges zusammen gekommen, gegen Ende zu sind die Beiträge allerdings öfter nur mehr getröpfelt. Ich hoffe nicht, dass die Impulswerkstatt nach knapp einem Jahr schon Ermüdungserscheinungen hat. Das Tröpfeln kann ja auch jederzeit wieder zu einem reißenden Strom werden, Inspiration ist eine unverlässliche Verbündete. Manchmal kann man sich kaum retten vor lauter Ideen und dann fällt einem wieder gar nichts ein oder man hat weder Zeit noch Lust zum Schreiben.

Alles kein Problem. Vielen Dank, für Texte, Musik und Fotos, die alle ins Gesamtbild passen. Zwar gibt es keine auf den ersten Blick sichtbaren Resonanzen von einem Beitrag zum anderen, trotzdem fällt mir immer wieder auf, dass manche Ansätze von einem zum anderen aufgenommen und weiter entwickelt werden. Auch dadurch habe ich nach wie vor große Freude an dem Projekt.

Wie immer habe ich die Beiträge zu den einzelnen Fotos zusammengestellt um zu sehen, was am meisten und was am wenigsten benützt wurde. Diesmal hat Nr.2 am wenigsten inspiriert, was wahrscheinlich an dem heiklen und schwierigen Thema lag. Verstehe ich, ich hatte auch Probleme damit. Andererseits ist es immer sehr befriedigend, wenn einem zu so einem Thema irgend eine Art von Beitrag bzw Resonanz gelingt.

Gerade denke ich mir, dass ich bei den einmonatigen Durchgängen immer den Eindruck hatte, dass mir in einem weiteren Monat noch vieles einfallen würde. Nun sind zwei Monate vergangen und Tatsache ist, dass ich auch wieder den Eindruck habe, dass mir noch sehr viel eingefallen wäre.

Aber nein, ich mache keine weitere Verlängerung, die Impulswerkstatt läuft jetzt über zwei Monate mit einem Zwischenbericht in der Mitte. Der nächste Durchgang Impulswerkstatt geht über November und Dezember bis Ende des Jahres.

Ich bemühe mich immer, die Impulswerkstatt nicht mit Anfang oder Ende einer Etüdenphase in Kollision zu bringen, was diesmal auch wieder gut funktioniert und so kommen die neuen Fotos für November und Dezember morgen

Bild 1:

Bild 2:

Bild 3:

Bild 4:

Mehrere oder alle Bilder:

Resonanzen:

Chronologische Liste:

Die tote Taube – Impulswerkstatt

Auf der Rua Augusta liegt eine tote Taube zwischen weißen und schwarzen Pflastersteinen, die geschwungene Muster bilden. Die Rua Augusta ist jene Straße in Lissabon, die mit einem Triumphbogen beginnt oder endet, wie man es betrachtet. Diese Prachtstraße der Lissaboner Unterstadt, wurde nach dem großen Erdbeben von 1755 vom Marques de Pombal wieder aufgebaut. Natürlich nicht persönlich, dennoch bekam der große Marques eine Statue, die über die Avenida da Liberdade hinunter zum ehemaligen Palasthof sieht, der sich seinerseits direkt auf den Tejo öffnet. Man hat die Marmorstufen, die bei Ebbe zu sehen sind, restauriert und nun können alle, Einheimische und Touristen am selben Ort stehen von dem die portugiesischen Conquistadores zu ihren Reisen in ihnen nicht bekannte Teile der Welt aufbrachen. Viele Menschen aus diesen Teilen der Welt hätten es sicher vorgezogen, wenn die Schiffe samt den Abenteurern darauf nie abgelegt hätten.

In der immer noch prachtvollen Rua Augusta liegt also eine tote Taube, am Fuß prächtiger Gebäude, zwischen Geschäften, die zu ihren Blütezeiten Luxusgüter aus der ganzen Welt verkauften. Die hölzernen Fassaden mit den Daten der Gründung der Geschäfte und dem Hinweis auf die Waren kann man noch bewundern. Eher wie in einem Museum als in einer Geschäftsstraße, denn verkauft werden hier heutzutage hauptsächlich touristische Souvenirs. Die Gegenstücke zu den in Österreich verkauften Kuhglocken, Sissi-Portraits und Dirndlpuppen sind hier Keramikhähne, Fussballtrikots mit der richtigen Nummer, Mobiles aus Muscheln …

Die Rua Augusta verunzieren unendlich viele Plastikstühle und -tische, auf denen – man glaubt es kaum – überall die gleichen Speisekarten liegen, als gäbe es irgendwo eine Großküche, die alle diese Lokale beliefert. Pizzen kann man hier essen, Burger, tielgekühlte Paellas, sparsame Mengen von Meeresfrüchten in etwas großzügigeren Mengen von nach wenig schmeckendem Reis. Auf den leeren Tischen picken die Verwandten der toten Taube die restlichen Pommes mit Ketchup weg. Man könnte meinen, dass diese Schändung der einstmaligen Prachtstraße die späte Rache für das Werk der Eroberer ist.

Trotz allem hat die Rua Augusta noch ein eigenes Flair, eine gelassene Leichtigkeit, die über Touristenmassen, Stadttauben und schlechtes Essen hinweg sieht. Sie kommt mir leicht zeitversetzt vor, die Gegenwart, wenn nicht sogar die Realität bröckelt an den Rändern, aus ihren Mühen hat sie sich ein wenig in die Vergangenheit zurückgezogen, als ihre stilvolle Kulisse andere Akteure vorbei ziehen sah. Die tote Taube sieht niemanden mehr vorbeiziehen. Wenn man genau hinsieht, kann man sogar schon ein wenig Verwesung bemerken. Sie muss sich aber auch nicht mehr mit ihren Artgenossen um die Abfälle der Plastikkultur streiten.

Ich dachte, es würde wohl sein wie in Wien: verlässt man die Hauptrouten des Massentourismus, kommt man in ruhigere Gewässer und kann die Gebäude und die Atmosphäre wieder wahrnehmen. In der Parallelstraße der Rua Augusta fand ich tatsächlich ein gutes indisches Restaurant, das nur ein paar Tische draußen stehen hatte, vor dem Lokal selbst, nicht in der Mitte der Straße. Eigentlich nur ein paar Schritte und schon war ich in einer anderen Welt. In der Welt der „saudade“, der Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Die saudade ebenso wie der Fado mit seinen tragischen, traurigen Themen sind natürlich durch und durch portugiesisch, haben aber viel Ähnlichkeit mit dem, was man die „österreichische Seele“ nennt. Auch das Wiener Lied, das echte und die verkitschte Variante haben themenmäßig viel mit dem Fado gemeinsam.

An meinem Leitmotiv, der toten Taube gehe ich nicht nochmals vorbei sondern mache einen weiten Umweg, der mich zum Bahnhof zurückführt, zum Zug an die Küste. Es ist eine schöne Strecke zunächst am Fluss entlang, dann nach der Mündung weiter an der Atlantikküste. Die Tauben und die Möwen haben sich ihre Territorien nur übersichtsmäßig aufgeteilt, es gibt auch Tauben am Strand und Möwen in der Neustadt von Lissabon, die weit weg von Fluss und Meer liegt.

Ich bedauere es nicht, für ein paar Stunden nach Lissabon gefahren zu sein. Die Eindrücke, die ich mitnehme sind wie Gemälde, die zum x-ten Mal übermalt wurden. Jede neue Schicht verändert viel, aber darunter bleiben die alten Schichten, die immer in irgendeiner Weise durchkommen und sei es nur für die Malerin selbst. Ich war in keinem einzigen Museum, auch das geliebte Jeronimos-Kloster habe ich nicht besucht, aber ich weiß ja, dass es mich immer wieder nach Lissabon ziehen wird. Ein Aufenthalt dort ist immer ein neuer Puzzlestein zu einem Gesamtbild, das nie fertig werden wird.

Nur von außen ist zu wenig – Impulswerkstatt

Einen Text wollte ich schreiben über die beiden Mädel mit dem kleinen Bruder. Über ihre Bekleidung und darüber, dass der kleine Bruder wahrscheinlich als Aufpasser mitgeschickt wurde, obwohl ja eigentlich die ältere Schwester auf ihn achtgibt. Ich wollte darüber schreiben, dass das Meer einen Ausgleich bietet für die nasse Bekleidung und das Wasser in den Schuhen. Aber der Text las sich so unauthentisch, dass ich ihn wieder gelöscht habe.

Was weiß ich denn darüber, wie sich ein Mädchen fühlt, das in einer streng muslimischen Familie aufwächst, das bei praktisch nichts mitmachen darf, was die nicht-muslimischen Gleichaltrigen tun, das, unter vielen anderen Restriktionen auch nicht schwimmen lernen darf. Was weiß ich über die schönen Aspekte eines solchen Lebens, über die Strategien der Bewältigung.

Ich kenne nur den schockierten, irritierten, mitleidigen Blick von außen. Auf die 16-jährige, die von der Natur noch nichts gesehen hat und sich darüber wundert, dass Sonne und Mond verschiedene Dinge sind, wo sie gedacht hätte, dass es ein und dasselbe ist und halt in der Nacht anders aussieht als am Tag. Auf die 20-jährige, die so gerne ein Auto hätte. Nicht weil sie damit herumfahren wollte, sondern damit sie es irgendwo in der Nähe abstellen könnte und in diesem Auto hätte sie etwas Freiraum für sich selbst. Eine eigene Wohnung ist für sie nicht einmal als Traumbild möglich. Dabei trägt sie mit ihrem Job als Assistentin in einem Kindergarten wesentlich zum Familienbudget bei. Auf die 18-jährige, die eine Torte für den Geburtstag ihrer Großmutter gebacken und überreicht hat und sagt, dass sie nun auch endlich etwas erlebt hätte um es zu erzählen.

Und dann auch die Mädchen, deren Eltern ihnen sagen, sie sollten in der Schule kein Kopftuch tragen, die sich aber morgens in der Garderobe aus Protest doch ein Tuch aufsetzen. Besonders betroffen macht mich die Geschichte der jungen Frau, die mit fünfzehn an einen ihr völlig Unbekannten 20-jährigen verheiratet wurde und nun neben einem eigenen Kind auch das jüngste Kind ihrer Schwiegermutter aufzieht und den gesamten gemeinsamen Haushalt mit Ehemann, Schwiegereltern und Geschwistern des Mannes führt. Auch die Geschichte eines 17-jährigen kenne ich, der davon berichtet, wie satt er es hat immer seine Schwestern begleiten zu müssen und wie kompliziert es ist, Lösungen dafür zu finden. Das ist die einzige Geschichte, in der man eventuell auch komische Aspekte sehen kann.

Viele wahre Geschichten aus erster Hand könnte ich schreiben, aber eben hauptsächlich aufgrund meines Blicks von außen. Es handelt sich um Situationen, die man mir geschildert hat, die ich aber nicht selbst erlebt habe, die ich nicht nachempfinden kann, nur vermuten. Und die ungewisse Vermutung über Emotionen, Gefühle, Gedanken, Sichtweisen ist zu wenig um einen Text in der Ich-Form zu schreiben, wie ich es vorhatte. Es können nur Beschreibungen von Handlungen und Ereignissen werden. Natürlich kann auch daraus ein durchaus interessanter Text werden, aber es ist nun mal nicht der Ansatz, den ich mir vorgenommen hatte. Vielleicht kommt noch etwas anderes nach zu diesem Foto oder auch nicht.

Zwischenstand – Impulswerkstatt September, Oktober

Einen schönen guten Morgen, guten Tag, guten Abend an alle Mitschreibenden !

Dies ist nun der zweite Durchgang der Impulswerkstatt mit einer Dauer von zwei Monaten, September und Oktober. Also für zwei Monate stehen die gleichen vier Bilder zur Verfügung. Bis jetzt läuft die Sache gut. Ich selbst bin froh, dass der Durchgang erst in einem Monat endet, denn ich habe erst zwei Texte geschrieben und habe zu diesen Fotos noch ein paar andere vor. Schließlich gibt es so fast unendlich viele Arten von Texten. Vielleicht mache ich auch ein paar Fotos oder einen kulturhistorischen Beitrag, oder, oder …. es gibt ja so viele Möglichkeiten.

Ich freue mich, dass immer wieder neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen dazu stoßen, die eine Weile mitschreiben oder auch nur einmal, vielleicht später wieder vorbeischauen. Bei niemandem fließt es ja immer gleich intensiv. Aber jeder Beitrag wird zu einem Teil des Ganzen und das Endergebnis ist immer ein feines Bild. Noch mehr – finde ich – wenn die Frist länger ist, denn dann kommen auch die schon eine Weile köchelnden Beiträge zum Zug, so wie meine. In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Beiträge zu dieser Runde.

Am schwierigsten ist wohl Bild 2. Ich nage auch schon eine Weile daran. In eine Richtung, doch in eine andere und dann weder noch … Es ist ja nicht so, dass mir zu den ausgesuchten Fotos wenn ich sie hochlade schon etwas eingefallen wäre.

Hier kommt nun der Zwischenstand aller bisherigen Beiträge.

Bild 1:

Bild 2:

Bild 3:

Bild 4:

Mehrere oder alle Bilder:

Resonanzen:

Chronologische Liste: