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Kuriositäten in PB

Am Eingang zum Ort kommt man an einer recht eigentümlichen politisch-religiösen Gedenkstätte vorbei. Mit etwas Mühe kann man durch das extrem schmutzige Glas auf dem Foto lesen: „Seliger Kaiser Karl bitte für uns“

Es handelt sich um den österreichischen Habsburg-Kaiser Karl den ersten und letzten. Auf einem historisch unhaltbaren Platz, während des ersten Weltkriegs und danach, versuchte er seine Macht zu halten, mit Methoden, die in vielfacher Weise zweifelhaft waren. Eine Abdankung lehnte er Zeit seines Lebens ab und versuchte 1921 sogar zweimal die Monarchie in Ungarn zu restaurieren.
Seine Frau Zita dankte ebenfalls nicht ab und betrachtete sich bis zu ihrem Tod 1989 als Kaiserin von Österreich. Ihre Beisetzung in der Wiener Kapuziner Gruft, dem Begräbnisort der Habsburger Monarchie war ein unglaubliches monarchisches Spektakel mit allem Drumherum, von der historischen Kutsche bis zum Eintrittsritual in die Gruft. Zwar wurde das Begräbnis von der Familie Habsburg bezahlt, es schlug dennoch große Wellen in der österreichischen Innenpolitik, zu Recht wie ich finde.

2004 ( es klingt eher wie 1604) wurde Karl von Papst Johannes Paul II selig gesprochen. Für die Seligsprechung einer Person, die sich nicht als Märtyrer*in erwiesen hat, braucht es die Bestätigung eines Wunders. Der Vatikan war sich nicht zu gut dafür, die Heilung einer brasilianischen Nonne von ihren Krampfadern als Wunder zu akzeptieren. Gerechterweise muss man erwähnen, dass es durchaus auch kritische Stimmen gab, die aber kein Gehör fanden.

Sonntag 8. Mai 2022 – Kirtag

Kirtag war in PB mit einer ganz erstaunlich jungen Mannschaft aus dem örtlichen Musikverein. Ich dachte, dass die Um-tata-Musik mehr eine Sache älterer Semester wäre, aber das Beweisfoto unter der Linde, die um 1300 gepflanzt worden sein soll, zeigt anderes. Kulinarisch war auch nicht viel los: Hamburger und Pommes. An einem Stand gab es Brot aus einem alten Holzofen. Gut, aber was hilft der noch so abenteuerliche Ofen, wenn der Teig völlig ungewürzt ist? Einen Stand der Lebenshilfe gab es, wo ich ein paar hübsche Kerzenständer gekauft habe, die ich nicht brauche, aber die Werkstätten der Lebenshilfe unterstütze ich immer gerne.

Die enge Straße neben dem Hauptplatz war rechts und links von Standln besetzt, alle in indischer Hand und alle mit dem praktisch identischen Sortiment an Gürteln, Taschen, Bekleidung, Plüscheinhörnern und diversem sonstigen Kitsch. Eigentlich furchtbar, aber ja, die Verkäufer von Ramsch müssen auch von irgendwas leben. Ich frage mich nur, warum sie ihr Sortiment nicht manchmal verändern. Die genau gleichen Standln stehen auch in Wien und immer mindestens ein halbes Dutzend nebeneinander, die alle versuchen, die mehr oder weniger gleichen Waren zu verkaufen.

Für diese Veranstaltung nach PB zu fahren, hätte sich nicht gelohnt, aber die Spaziergänge im sanften Nieselregen, im explodierenden Frühling dann schon.

Freitag 6. Mai 2022 – Seifenschaum

Erinnerungsstücke. In PB habe ich ein Stück Porzellan, das wohl als Schale für Konfekt oder Nüsse gedacht war, das ich aber als Seifenschale benütze. Porzelanmalerei war ein Hobby einer viel zu jung verstorbenen Kollegin. Sie starb während einer „Letzte Chance-Chemotherapie“. Die Ärzte hatten abgeraten, sie wollte unbedingt noch einen Versuch machen. Bauchspeicheldrüsenkrebs, inoperabel. „Das Gift fließt in mich hinein“ schrieb sie am Tag bevor sie starb. Jedes Mal fällt es mir ein, wenn ich die Schale ansehe.

Sie war keiner dieser vor Sentimentalität triefenden Menschen. Bei ihr war nicht jedes zweite Wort „Liebe“ und jedes dritte „Herz“, im Tremolo gesagt, zu Tränen gerührt von der eigenen Gutheit. Es war tätige Menschenliebe, die sie praktizierte. Vielen, vielen Schüler*innen hat sie manchmal in kleinen manchmal in großen Dingen geholfen. Oft denke ich an sie, wenn ich Menschen begegne, die sich an ihrer eigenen Güte und Liebe berauschen und wenn man genauer hinsieht, ist da gar nichts außer hohle Worte. Monica war keine Frau der hohlen Worte.

Ich sehe die von ihr bemalte Schale und schäume die Seife darin auf, zur Erinnerung, den wohlriechenden, weichen Seifenschaum.

Der F als starker Farbkontrast in der Landschaft kurz vor dem Bewundern eines verbliebenen Burgturms

Was in PB so alles los ist, hätte ich nie vermutet. Vereine über Vereine, Projekte nach Projekten. Zum Beispiel gibt es ein Ortverschönerungsprojekt gemeinsam mit der TU Wien. Das Land NÖ fördert die Verlegung von Glasfaserkabeln im ganzen Ort bis vor die Haus- bzw Wohnungstür. Angeblich soll der Baubeginn Ende Sommer sein. Man wird sehen, wie schnell die schnelleren Leitungen fertig sind. Sie werden jedenfalls für Fs Homeofficetage eine große Erleichterung sein.

Wir sind am Osterwochenende in westlicher Richtung an der Donau entlang gefahren, durch den Strudengau und ich muss schon sagen, dass die Landschaft dort jener in der Wachau um nichts nachsteht, sie ist nur nicht so bekannt. Kulturell ist in der Wachau mehr los, aber dafür gibt es auch schon wieder Unmengen von Touristen, die sich durch die engen Gassen von Weißkirchen und ähnlichen Orten schieben. Schön, aber am besten außerhalb der Marillenblütensaison und der Sommersaison

Diese Art Geburtstag zu feiern

kann man sich in der Stadt nur schwer vorstellen. Ich weiß nicht, wie gut man es sehen kann: der orange Mann ist nicht echt. Der Aufbau blieb das gesamte Osterwochenende stehen und als wir Montag Nachmittag Richtung Wien abfuhren, war er immer noch da.

Freitag 15.April 2022 – sonniger Regen

Der Geruch der feuchten Erde ist stark und steigt mir praktisch überall in die Nase. Der perfekte Apriltag: abwechselnd Regen, sogar ein kleines Gewitter, dann wieder Sonne, ein halber Regenbogen, Wolkenschleier über der Donau.

Wir haben die Gegend in Richtung Westen erkundet und gefunden, dass sich die Landschaft dort mit der Wachau ohne weiteres vergleichen lässt. Außerdem haben wir gut gegessen und das Lokal hat für alle Fälle auch morgen offen. Es ist aber schwierig zweimal am gleichen Ort zu essen, denn der F ist ein großer Freund der Abwechslung.

Donnerstag 24. März 2022 – wieder einmal bukolische Chroniken

Zwei Tage war ich allein in PB, bin öffentlich hingefahren. Alles hat bestens geklappt. Die Züge und Busse waren optimal pünktlich, beim Umsteigen war gerade genug Zeit um zu schlendern und nicht zu rennen aber auch wiederum nicht so viel Zeit, dass es in Warten ausgeartet wäre. 

Ich bin ein Stadtmensch und gehe sicher sämtlichen Zug- und Busangestellten, die mir so begegnen furchtbar auf die Nerven. Ich frage immer jeden, der mir unterkommt, ob die Zeiten auf den Fahrplänen auch stimmen, ob dieser Bus auch pünktlich fährt, ob es diesen Bus überhaupt gibt und was ich machen kann, wenn er doch nicht kommt. Ich muss mir das wirklich abgewöhnen, irgendwann fragt mich noch jemand, ob ich den Leuten außerhalb von Wien überhaupt zutraue, einen Bus zu fahren oder einen Zug. Es ist schon schlimm genug, dass die Busse so selten fahren, ich muss nicht auch noch alle Fahrer*innen verärgern. Womöglich bleiben die dann wirklich nicht stehen, wenn sie mich sehen. Jetzt bin ich auf dem besten Weg, die Busse-auf-dem-Land-Neurose zu entwickeln. Nein, im Ernst, die Verbindung ist gar nicht so schlecht. Man kann nicht wie in der Stadt an jeder Ecke in einen Bus, eine Bim oder eine U-Bahn einsteigen, man muss planen, aber abgesehen davon, funktioniert eh alles ganz gut.  

 Die Temperatur war so wie ich es im Sommer gerne hätte, so um die zwanzig Grad. Es ist also warm aber noch alles recht kahl, die Blüte zögert noch. Einer der Gründe warum ich gerne ein paar Tage alleine in PB sein wollte, war das Fotografieren. Wenn man zu zweit unterwegs ist, geht das nicht so gut. Ich habe also am Vortag die Kamerabatterie aufgeladen, die Kamera in ihre Tasche versenkt und in den Rucksack gepackt. Nur blöd, dass sie mir, als ich das erste wunderbare Motiv anvisierte, mitteilte, dass sie keine Speicherkarte hatte. Nun denn, man kann ja auch spazieren gehen ohne zu fotografieren. 

Der obere Nachbar, den wir schon beim letzten Aufenthalt kennengelernt haben, ließ zwei seiner Modellflugzeuge ums Haus kreisen und loopings machen. Ich traf ihn später beim Weggehen und er erzählte mir, dass das Modellflugzeugbauen sein Vogel sei und dass es im Ort einen Verein gäbe, der hin und wieder eine Flugschau veranstaltete. Was es in PB alles gibt! Was mich doch sehr gewundert hat, ist, dass der Nachbar mich geduzt hat. Es liegt altersmäßig eine Generation zwischen uns. Ich habe keine Ahnung, ob das so üblich ist. Wird sich im Lauf der Zeit auch herausstellen, es gibt vieles zu entdecken. Der F lacht immer und meint, dass ich mich so anstelle als ob ich auf einem fremden Planeten wäre. Bin ich auch. Er kann das nicht nachvollziehen, weil er mehr oder weniger auf dem Land aufgewachsen ist. 

Die Post in PB habe ich auch kennengelernt. Der Möbellieferant hat eingeschrieben einen weiteren Gutschein geschickt. Warum auch immer, ich werde sicher nicht nachfragen. 

In Summe war alles ziemlich beschwingt und angenehm und ich bin sehr zufrieden. 

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Diese seltsamen Löcher im Stamm sehen aus, als hätte sie jemand hinein gebrannt. Schaurig geächzt und geknarzt haben die Bäume im Wind. Viele Äste und ganze Stämme waren im letzten Sturm schon gebrochen und so machte ich mich schleunigst davon um nicht von einem Baumteil erschlagen zu werden