Schlagwort: PB

Sonntag 4. September 2022

Im Vorjahr wogte ein Weizenfeld vor meinem Fenster in PB, heuer ist es ein Maisfeld. Natürlich wird ein Bauer die Fruchtfolge auf seinen Feldern nicht danach richten, welche Pflanzen, wem am besten gefallen. Das leuchtet mir ja ein, aber den hoch stehenden Kukuruz Ende August finde ich immer etwas unheimlich. Man kann dazwischen völlig verschwinden und es hat etwas durchaus Bedrohliches wenn man auf einem schmalen Weg zwischen zwei Feldern unterwegs ist. Nicht umsonst gibt es eine Menge Horrorgeschichten, in denen Maisfelder eine Rolle spielen.

Dieses Maisteuferl ist mir heute begegnet. Es war aber verhältnismäßig guter Laune und ließ mich ungeschoren vorbeiradeln.

Diese Sorte Kukuruz, sagt der F, aber ich bin mir nicht so sicher ob er wirklich was davon versteht, müsste man, wollte man sie essen, stundenlang kochen um sie weich zu bekommen. Das wäre eine Sorte aus der man Maismehl macht. Ob tatsächlich aus dieser oder einer anderen Sorte Kukuruz macht man auf jeden Fall Maismehl …

Nun wird man sehen, was der Bauer für das nächste Jahr geplant hat. Wie ich lese kommen für Felder, deren Kulturen erst spät geerntet werden, wie der Mais, sogenannte Zwischenfrüchte in Frage, etwa, Gelbsenf, Rettich, Klee. Diese Zwischenfrüchte werden selten geerntet sondern zwecks Gründüngung in den Boden eingearbeitet, was den Boden wiederum vor Erosion und Trockenheit schützt.

Eigentlich wollte ich ja einen Maiskolben fladern und daraus das Abendessen in Wien machen, hab es aber dann doch nicht gemacht …

Samstag 3.September 2022 – Balkonmöbel aus der Pampa und versäumtes Sesselpicknick

Wir haben alles erledigt, was für diesen Samstag geplant war. Die lange Planungssitzung mit dem Tischler hat zumindest mir viel Freude gemacht. Pläne, Materialien, Farben, vielleicht doch einen Ladenturm, den Schreibtisch eher um die Ecke oder doch nicht… Fertigstellung? In etwa zu Weihnachten. Damit haben wir gerechnet. Zwar macht der Tischler einiges selbst, aber einiges bestellt er auch und die Lieferfristen sind zum Schaudern. Aber auch das wussten wir.

Als zweite Aktion an der PB-Wohnfront haben wir Sessel und Tisch für den Balkon vom Lager eines Möbelhauses mitten in der Pampa abgeholt. Das Navi kannte sich in der Gegend leider auch nicht aus, aber nach einer kleinen Runde, haben wir gut hingefunden und unsere auch lange erwarteten Balkonmöbel in Empfang genommen. Aufgebaut haben wir sie auch gleich und ich freue mich schon darauf, dort zu sitzen wenn es rundherum regnet. Ich weiß, ich weiß, in Sachen Regen bin ich leicht verrückt. Es freut mich sehr, dass es hier deutlich mehr regnet als in Wien. Nicht nur gefühlt sondern in harten Zahlen. Ah, und wie bestellt, gerade beginnt es zu blitzen und zu donnern und ich rieche die nasse Erde, es regnet.

Durch einen Ort mit einem ebenso alten wie sensibel renovierten Ortskern wollten wir eigentlich nur durchfahren, sind aber dann doch ein bissl gebummelt. Das alte Rathhaus ist angeblich von 1468, zu diesem Zeitpunkt war Kolumbus ein Teenager. Im gleichen Gebäude gibt es ein Theater aus dem 18. Jahrhundert. Ob es noch funktioniert, muss ich in Erfahrung bringen. Eine Menge Geschichte kann man entlang der Donau entdecken.

An dieser für heute angekündigten Veranstaltung konnten wir uns mangels Picknick nicht beteiligen. Die Sessel hätten wir ja im Kofferraum gehabt aber gar nichts zu essen und wir waren beide ziemlich hungrig.

Ersatzweise haben wir ein Lokal mit offenbar griechischem Koch/Köchin gefunden, wo wir sehr gut gegessen und aus gegebenem Anlass über den Unterschied zwischen Intransparenz und Korruption diskutiert haben. Ich komme an Calamari auf einer Speisekarte selten vorbei und diese waren ausgezeichnet. Die Portionen waren gewaltig, aber bestanden hauptsächlich aus Grünzeug, mediterran gesund

Sonntag 14.August – bequeme Schubladen

Ich bin beim Radfahren eine spät Berufene. Nie hätte ich gedacht, dass es mir Freude machen könnte, durch die Gegend insbesondere entlang der Donau zu radeln. Das Spätberufensein hat durchaus seine Vorteile. Ich muss mit niemandem in Konkurrenz treten wegen der Länge der Strecke, der sportlichen Ausführung des Rades, der Geschwindigkeit, dem Outfit.
Ich setze mich selbst in die Schublade freundliche, ältere Dame und kann somit fahren wie, wann, womit und wohin ich will. Mein Outfit unterliegt nur meiner eigenen Beurteilung und ich bin auf jeden Fall zu loben, weil ich mich sportlich betätige. Ich lächle, die Entgegenkommenden lächeln zurück und es fällt wahrscheinlich nicht weiter auf, dass ich keinen Helm trage. Ich fahre eher in der Mitte des Wegs als rechts, niemand keppelt mich an, ich bin eindeutig nicht in Wien und auch nicht jung.

Älter werden, hat definitiv einen Aspekt der Befreiung von gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Zwar bin ich eigentlich nicht besonders schrullig, genieße aber das Gefühl, dass mir eine gewisse Schrulligkeit zugebilligt wird und dass andere darauf Rücksicht nehmen.

Samstag 13.August

Nach wie vor finde ich es schwierig, meine Besitztümer vom Badeanzug bis zum Fahrrad einfach dort liegen zu lassen, wo sie gerade sind in festem Vertrauen darauf, dass niemand sie mitnehmen wird. Es ist hier in PB aber so üblich. Vor unserem Haus stehen immer nicht abgeschlossene Räder von Kindern und Erwachsenen, auch sonstige Sportgeräte, seit gestern Abend zum Beispiel ein Kanu, vor den Wohnungen stehen Einkaufswagen, tagelang … Es verblüfft mich schon sehr, dass hier offenbar davon ausgegangen wird, dass alle Leute ehrlich sind. Vielleicht sind sie es ja auch.

Wir haben endlich den Badeteich ganz in der Nähe erkundet, alle unsere Sachen inklusive Geldbörsen mit tausend Karten, Ausweisen etc auf einer Bank am Ufer deponiert und sind schwimmen gegangen. Und eigentlich war ich gar nicht besorgt. Gut, es waren nicht viele Leute am Teich, wir hatten die Bank immer in Sichtweite, dennoch …

Es ist hier sehr ruhig und friedlich, aber immer wieder einiges los. Heute gab es sowohl ein open air am Badeteich als auch ein Altstadtfest auf der anderen Seite der Donau mit diversen Attraktionen für Kinder, Flohmarktständen, mehreren Musikbühnen und natürlich eine Fressmeile. Am nettesten fand ich den Stand, bei dem Kinder geschminkt oder besser bemalt wurden, nach Vorlagen, die sie aus einer großen Auswahl wählen konnten. Ich bin ungemein entspannt während in die Brandherde auf der Welt immer weiter Öl gegossen wird.

Erfrischung vor der Abreise

Bevor wir zurück in die glühende Stadt fuhren, war der Marmorbrunnen mit grünem Wasser für eine Weile die letzte Erfrischung. Den Brunnen sieht man in Lesezeichenform.

Es war ein gewisser Temperaturschock: bei gleichen Außentemperaturen hatte es in der Wohnung in PB maximal 24 Grad, in Wien kamen uns bei Öffnen der Tür Hitzeschwaden entgegen, es hatte 29 Grad im Wohnzimmer. Abgesehen von der Hitze war es aber ein sehr angenehmes Heimkommen: die Wohnungssitterinnen haben ausreichend gegossen und geputzt. Die Erfahrung, dass es in PB trotz extremer Hitze ohne Klimaanlage drinnen angenehm ist, war eine sehr gute, auf die wir gehofft hatten. Es entsteht dadurch so eine Art Kühlesehnsuchtsort, der in nicht allzu großer Entfernung liegt.

Angstfreies Radeln

Ich bin begeistert! Ich habe mich davor gefürchtet mit dem Rad auf die Donaubrücke hinauf über die Brücke drüber und auf der anderen Seite wieder hinunter zu fahren. Nun hat mich der F ziemlich gestupst und begleitet und ja, es war im Rückblick keine große Sache. Meinen Radl-Radius habe ich damit heute ganz beträchtlich erweitert und bin damit sehr zufrieden, weil mir das Fahren über die Donaubrücke das gegenüber von PB liegende Ufer erschließt.

Wir sind ziemlich weit gefahren, was viel Freude gemacht hat, aber nicht sehr klug war, weil bei der Rückfahrt über die Brücke die Sonne extrem gestochen hat und ich wieder einmal meinen Hut oder eine sonstige Kopfbedeckung vergessen hatte. Ich habe es aber sonnenstichfrei geschafft.

Auf der anderen Donauseite liegt nun auch ein Fischrestaurant innerhalb meines Radius. Die Kulinarik in PB selbst ist sehr bescheiden, aber wir haben schon einiges in den umliegenden Orten gefunden. Ich bin rundherum zufrieden, sogar die große Hitze lässt sich hier viel besser ertragen als in Wien, wo es nachts nie so stark abkühlt.

Eines allerdings beunruhigt mich sehr: mein Radl hat – meinem schlechten Beispiel folgend – nun auch schon begonnen Selfies zu machen!

3 Sorten Marmor

Nicht ganz einfach ist es mit einem langen Flatterkleid Rad zu fahren. Nicht ganz einfach, aber möglich und der Fahrtwind entschädigt dann für die Wickelaktionen.

Wie komme ich jetzt vom Flatterkleid zum Marmor? Neuronen mögen Hitze ja auch nicht und schalten auf sehr langsam um. Wenn also so ein langsamer Impuls von einem Flatterkleid-Neuron zu einem Marmor-Neuron schleicht, könnte er unterwegs anregende Begegnungen haben. Bis die aber in meinem Bewusstsein ankommen, vergeht auch wieder eine Weile.

Ich stelle also einfach das Marmorfoto hierher und gehe davon aus, dass es am Flatterkleid vorbeigekommen ist. Marmor ist nicht nur schön, sondern auch angenehm kalt, ob aber drei Sorten Marmor dreimal so kalt sind ? Wenn ja fällt mir vielleicht doch noch ein Übergang von Flatterkleid zu Marmor ein.

Dienstag 19.7. 2022

Wohl war es heiß, aber wir hatten gut geplant und die heißesten Momente des Tages in einer Ausstellung in der Schallaburg verbracht. Die Burg ist schon deswegen bemerkenswert, weil es in Österreich sehr wenige Renaissancebauten gibt. Heute waren aber die dicken Mauern samt schattigem Hof fast wichtiger als die Architektur.

Die Ausstellung über Reiternomaden in Europa – Hunnen, Awaren, Bulgaren, Ungarn war mittelprächtig, aber immerhin gab es sehr schöne handwerkliche Produkte und viel Schmuck zu sehen. Ich hätte mir mehr an geschichtlicher und sprachwissenschaftlicher Information erwartet. Nun immerhin haben wir die heutige Hitze gut überstanden, morgen wird es noch ein paar Grad heißer. Die Wohnung ist aber sehr gut isoliert und abends kühlt es in einer Art ab, wie sie in der Stadt nicht möglich ist.

Obendrein haben wir einen Tischler gefunden, der nach Maß arbeitet und mit fertigen Möbeln kombiniert, ein guter Schritt für künftige Freuden im Winter, denn die Lieferzeiten sind immer noch bei mehreren Monaten. Es stehen also in PB nach wie vor auf der Kücheninsel drei Laptops und ein Bildschirm, aber was solls, ich habe ohnehin keine Lust zum Kochen.