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Montag 2. Jänner 2023 – entspanntes Nichts

Es ist um so vieles zu warm, dass es durchaus möglich ist mit dem Fahrrad auszufahren. Man kann bejubeln, dass es am Silvestertag 20 Grad und mehr hatte. Es ist aber eine extrem kurzsichtige Haltung, die viel zu hohen Temperaturen und ihre Auswirkungen zu bejubeln. Tatsächlich ist die Belastung sowohl für Menschen als auch für Flora und Fauna groß, von den Prognosen für den nächsten Sommer einmal ganz abgesehen. Löwenzahn und Gänseblümchen sind zu Ganzjahrespflanzen geworden. Sieht hübsch aus, ja,ja, aber …

Ich war also heute mit dem Rad unterwegs. Es war etwas weniger neblig, die Stimmung trotzdem recht gespenstisch. Die Donau träge und grau, das Panorama verschwommen. Ein Blick in den hiesigen, öffentlichen Bücherschrank, ein Stopp bei der uralten Linde um deren gewaltigen Stamm eine Art Adventkranz gelegt ist, aus Stroh und mit Kerzen und Sonstigem geschmückt. Sieht auch hübsch aus, aber die Kombination von Kerzen und Stroh ist doch etwas gewagt.

Sehr genieße ich in PB den Mangel an Menschenmassen und Ereignissen. Für mich Stadtpflanze ist es schon durchaus ein Erlebnis quer durch den Ort zu den Altglascontainern zu gehen und mit völlig fremden Menschen kurz zu plaudern. Auf dem Silvesterpfad in Wien waren heuer weit über eine Million Menschen unterwegs, man hat sogar ein eigenes Ampelsystem entwickelt um die Massen zu dirigieren. Das ist eindeutig nicht meins, so schön ich den Silvesterpfad finde. In den ersten Jahren war ich dort, mit ein paar Tausend Menschen. Vor Corona waren es 800.000, ohnehin schon viel zu viel, heuer wurde diese Zahl weit überschritten. Da lobe ich mir den nebligen Pfad entlang der Donau.

Im kommenden Jahr läuft auf diesem Blog die Impulswerkstatt weiter, ebenso meine Literatur- und Kunstweltreise, die in nächster Zeit Fahrt aufnehmen wird. Die Impulswerkstatt hat den großen Vorzug, ein Gemeinschaftsprojekt zu sein, das mir selbst auch viel Freude macht und ich sehe keinen Anlass, es nicht weiter zu betreiben. Der F hat die Literaturweltreise als Inspiration für Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke genommen und ich habe einen Stoß interessanter Bücher aus Afrika und Lateinamerika aufgehäuft und lese schon mit großem Interesse. Wir haben auch beim gemeinsamen Bucheinkauf in drei verschiedenen Geschäften, zwei höchst kompetente, beratende Buchhändlerinnen kennengelernt.

Jetzt geht es lesemäßig nach Rwanda und zu einem sehr spannenden Artikel über Thor Heyerdahl.

Das Neue Jahr beginnt im Nebel

Genauso hätte ich es schon im Vorjahr haben wollen: Jahreswechsel an der Donau. Den Nebel hätte ich mir nicht unbedingt bestellt, was ein Fehler gewesen wäre, den es war eine ganz unglaubliche Stimmung. Der Nebel zog hin und her, die Bäume tauchten auf und verschwanden wieder, ebenso wie Gebäude und Lichter am anderen Ufer. Fotos – zumindest meine – können die Stimmung nicht wirklich wiedergeben

Samstag 26. November 2022

Das neueste im Weihnachtsbuchgeschäft sind – so habe ich gerade gehört – die Weihnachtskrimis. Mit lustigen, geschmackvollen Titeln wie „tödlicher die Glocken nie klingen“ oder „stille Nacht, mörderische Nacht“ . Zum Kotzen.

Stricknadeln aus Bambus wollte man mir kürzlich verkaufen, weil sie sich angeblich viel besser anfühlen als metallene. Naja, klingt ja ganz gut. Allerdings kosten die Werke aus Bambus sieben Euro mehr als die Metallenen.

Preismäßig gute Nachrichten gibt es vom Benzin. An billigen Tankstellen kostet er mittlerweile 1,547, was doch im Vergleich zu 2,2 eine deutliche Verbesserung ist.

Die meisten Insekten fliegen ans Licht, Pflanzen wachsen normalerweise zum Licht. Wie ist das eigentlich mit den Menschen?

Mittwoch 23. November – Elefantengras im Regen

Zugig ist es auf den Bahnsteigen, über die ich kürzlich gereist bin, zugig, dunkel und kalt. Ich wollte aber nun mal unbedingt zur Hausversammlung in PB, Thema: Energieversorgung. Am frühen Nachmittag dort angekommen, wollte ich eine Runde drehen. Zum Radfahren war es mir zu feucht und so bin ich ausgiebig im Regen spaziert. Laut Statistiken regnet es in PB etwa doppelt so viel wie in Wien. Eine gute Wahl für mich. Die Landschaft zeigte sich zwar eindeutig spätherbstlich, aber die Wiesen noch erstaunlich grün.

Es geht darum die derzeitige Öl-Heizung durch etwas Nachhaltigeres zu ersetzen. Der Kriegstreiber wird noch zum Heiligen der Energiewende werden. Ein sehr gelungener Treppenwitz der Geschichte.

Bei der letzten Versammlung waren wir bei Photovoltaik plus Wärmepumpe stehen geblieben. Diese Version ist Geschichte, weil dabei nicht genügend Energie für alle produziert werden könnte. Die Hausverwaltung hat nun den Gründer eines Projekts für regional-autonome Energieerzeugung geladen. Seine Präsentation klingt sehr überzeugend. Drastische Senkung der derzeit horrenden Kosten für Warmwasser und Heizung und regionale Autonomie durch Verwertung erneuerbarer Rohstoffe.

Das Elefantengras (Miscanthus), das von einem Bauern in der Nähe angebaut wird, soll 50% der Energiepflanzen ausmachen. Eine unkomplizierte Pflanze, die eine enorme Trockenmasse erzeugt und auch noch hübsch aussieht. Jetzt müssen noch 51% der Nachbarn zustimmen und es kann losgehen.

Mit oder ohne?

Zwei Fotos habe ich gemacht, eines mit und eines ohne F. Genau gleich sind die Fotos nicht und viel kann man hinein interpretieren, Hintergrund, Beleuchtung …. Aber was das Konzept „mit oder ohne F“ betrifft, muss ich nicht darüber nachdenken, was mir lieber ist. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen und dies und das, aber insgesamt ist die Antwort ganz klar.

Mittwoch 2. November 2022

Es wird wohl für heuer der letzte Spaziergang in strahlender Sonne, spiegelndem Wasser und leuchtenden Blättern gewesen sein. Wir waren vier Tage in PB und es war spätsommerlich, natürlich viel zu warm.

Unser Lieblingsfischlokal hatte am Samstag den letzten Tag geöffnet und so war es der richtige Anlass für eine hervorragende Donaufischsuppe und anderes Fischiges. An die Preise denke ich lieber nicht, aber es war ja das letzte Mal bis April.

Dieses spezielle Orange, schon fast braun, ist wohl ein Zeichen dafür, dass es für die Bäume höchste Zeit ist, ihre Blätter abzuwerfen. Aus braunen Blättern ist nichts mehr an speicherbarer Energie zu gewinnen.

Auf dem Land …

Als hätten die Bäume die freundliche, sonnige Atmosphäre eingesaugt, in ihren Wurzeln eingelagert und in Dunkelheit verwandelt. Die Sicht wird immer ungewisser. Von dem vor mir fahrenden Mann habe ich bis vor kurzem noch den hellen Pullover leuchten gesehen, jetzt erkenne ich nur noch das Rücklicht auf seinem Rad. Immerhin. Straßenbeleuchtung gibt es hier keine nennenswerte, kaum ein Auto, dessen Scheinwerfer etwas Klarheit über den Weg herstellen würden. Für einen Stadtmenschen auf einem Rad ist so eine finstere Landstraße ungewohnt und beunruhigend. Manche Landschaftsformationen nehmen im Fastdunkel die unglaublichsten Gestalten an.

Ist man zufuß unterwegs lässt sich meistens irgendeine Art finden auf andere Weise nachhause zu kommen oder eben dorthin wo man hinmöchte. Ist man mit dem Rad irgendwo hingefahren muss man unweigerlich auch mit dem Rad wieder zurück.

Schlaglöcher in der Dunkelheit, ein noch schmalerer Feldweg, der fast unsichtbar in den etwas breiteren mündet. Zum Glück ist außer uns praktisch niemand unterwegs.

Der Mann hat Erfahrung beim Landmenschentum und beim Radfahren im Finstern und fährt entweder vor mir oder gelegentlich umkreist er mich wie ein Schäferhund. Lieb von ihm. Wenigstens sind die Maisfelder schon abgeerntet. Maisfelder haben für mich immer etwas Unheimliches. Als der Himmel noch heller war, konnte man pechschwarze Wolken heranziehen sehen. Es ist fast Vollmond, der Sonnenuntergang war auch spektakulär, die Verspätung bei der Rückfahrt hat sich unbedingt gelohnt. Als wir gerade bei der Garage ankommen, beginnt es zu regnen. Punktgenau zurück.

Sonntag 4. September 2022

Im Vorjahr wogte ein Weizenfeld vor meinem Fenster in PB, heuer ist es ein Maisfeld. Natürlich wird ein Bauer die Fruchtfolge auf seinen Feldern nicht danach richten, welche Pflanzen, wem am besten gefallen. Das leuchtet mir ja ein, aber den hoch stehenden Kukuruz Ende August finde ich immer etwas unheimlich. Man kann dazwischen völlig verschwinden und es hat etwas durchaus Bedrohliches wenn man auf einem schmalen Weg zwischen zwei Feldern unterwegs ist. Nicht umsonst gibt es eine Menge Horrorgeschichten, in denen Maisfelder eine Rolle spielen.

Dieses Maisteuferl ist mir heute begegnet. Es war aber verhältnismäßig guter Laune und ließ mich ungeschoren vorbeiradeln.

Diese Sorte Kukuruz, sagt der F, aber ich bin mir nicht so sicher ob er wirklich was davon versteht, müsste man, wollte man sie essen, stundenlang kochen um sie weich zu bekommen. Das wäre eine Sorte aus der man Maismehl macht. Ob tatsächlich aus dieser oder einer anderen Sorte Kukuruz macht man auf jeden Fall Maismehl …

Nun wird man sehen, was der Bauer für das nächste Jahr geplant hat. Wie ich lese kommen für Felder, deren Kulturen erst spät geerntet werden, wie der Mais, sogenannte Zwischenfrüchte in Frage, etwa, Gelbsenf, Rettich, Klee. Diese Zwischenfrüchte werden selten geerntet sondern zwecks Gründüngung in den Boden eingearbeitet, was den Boden wiederum vor Erosion und Trockenheit schützt.

Eigentlich wollte ich ja einen Maiskolben fladern und daraus das Abendessen in Wien machen, hab es aber dann doch nicht gemacht …

Samstag 3.September 2022 – Balkonmöbel aus der Pampa und versäumtes Sesselpicknick

Wir haben alles erledigt, was für diesen Samstag geplant war. Die lange Planungssitzung mit dem Tischler hat zumindest mir viel Freude gemacht. Pläne, Materialien, Farben, vielleicht doch einen Ladenturm, den Schreibtisch eher um die Ecke oder doch nicht… Fertigstellung? In etwa zu Weihnachten. Damit haben wir gerechnet. Zwar macht der Tischler einiges selbst, aber einiges bestellt er auch und die Lieferfristen sind zum Schaudern. Aber auch das wussten wir.

Als zweite Aktion an der PB-Wohnfront haben wir Sessel und Tisch für den Balkon vom Lager eines Möbelhauses mitten in der Pampa abgeholt. Das Navi kannte sich in der Gegend leider auch nicht aus, aber nach einer kleinen Runde, haben wir gut hingefunden und unsere auch lange erwarteten Balkonmöbel in Empfang genommen. Aufgebaut haben wir sie auch gleich und ich freue mich schon darauf, dort zu sitzen wenn es rundherum regnet. Ich weiß, ich weiß, in Sachen Regen bin ich leicht verrückt. Es freut mich sehr, dass es hier deutlich mehr regnet als in Wien. Nicht nur gefühlt sondern in harten Zahlen. Ah, und wie bestellt, gerade beginnt es zu blitzen und zu donnern und ich rieche die nasse Erde, es regnet.

Durch einen Ort mit einem ebenso alten wie sensibel renovierten Ortskern wollten wir eigentlich nur durchfahren, sind aber dann doch ein bissl gebummelt. Das alte Rathhaus ist angeblich von 1468, zu diesem Zeitpunkt war Kolumbus ein Teenager. Im gleichen Gebäude gibt es ein Theater aus dem 18. Jahrhundert. Ob es noch funktioniert, muss ich in Erfahrung bringen. Eine Menge Geschichte kann man entlang der Donau entdecken.

An dieser für heute angekündigten Veranstaltung konnten wir uns mangels Picknick nicht beteiligen. Die Sessel hätten wir ja im Kofferraum gehabt aber gar nichts zu essen und wir waren beide ziemlich hungrig.

Ersatzweise haben wir ein Lokal mit offenbar griechischem Koch/Köchin gefunden, wo wir sehr gut gegessen und aus gegebenem Anlass über den Unterschied zwischen Intransparenz und Korruption diskutiert haben. Ich komme an Calamari auf einer Speisekarte selten vorbei und diese waren ausgezeichnet. Die Portionen waren gewaltig, aber bestanden hauptsächlich aus Grünzeug, mediterran gesund

Sonntag 14.August – bequeme Schubladen

Ich bin beim Radfahren eine spät Berufene. Nie hätte ich gedacht, dass es mir Freude machen könnte, durch die Gegend insbesondere entlang der Donau zu radeln. Das Spätberufensein hat durchaus seine Vorteile. Ich muss mit niemandem in Konkurrenz treten wegen der Länge der Strecke, der sportlichen Ausführung des Rades, der Geschwindigkeit, dem Outfit.
Ich setze mich selbst in die Schublade freundliche, ältere Dame und kann somit fahren wie, wann, womit und wohin ich will. Mein Outfit unterliegt nur meiner eigenen Beurteilung und ich bin auf jeden Fall zu loben, weil ich mich sportlich betätige. Ich lächle, die Entgegenkommenden lächeln zurück und es fällt wahrscheinlich nicht weiter auf, dass ich keinen Helm trage. Ich fahre eher in der Mitte des Wegs als rechts, niemand keppelt mich an, ich bin eindeutig nicht in Wien und auch nicht jung.

Älter werden, hat definitiv einen Aspekt der Befreiung von gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Zwar bin ich eigentlich nicht besonders schrullig, genieße aber das Gefühl, dass mir eine gewisse Schrulligkeit zugebilligt wird und dass andere darauf Rücksicht nehmen.

Samstag 13.August

Nach wie vor finde ich es schwierig, meine Besitztümer vom Badeanzug bis zum Fahrrad einfach dort liegen zu lassen, wo sie gerade sind in festem Vertrauen darauf, dass niemand sie mitnehmen wird. Es ist hier in PB aber so üblich. Vor unserem Haus stehen immer nicht abgeschlossene Räder von Kindern und Erwachsenen, auch sonstige Sportgeräte, seit gestern Abend zum Beispiel ein Kanu, vor den Wohnungen stehen Einkaufswagen, tagelang … Es verblüfft mich schon sehr, dass hier offenbar davon ausgegangen wird, dass alle Leute ehrlich sind. Vielleicht sind sie es ja auch.

Wir haben endlich den Badeteich ganz in der Nähe erkundet, alle unsere Sachen inklusive Geldbörsen mit tausend Karten, Ausweisen etc auf einer Bank am Ufer deponiert und sind schwimmen gegangen. Und eigentlich war ich gar nicht besorgt. Gut, es waren nicht viele Leute am Teich, wir hatten die Bank immer in Sichtweite, dennoch …

Es ist hier sehr ruhig und friedlich, aber immer wieder einiges los. Heute gab es sowohl ein open air am Badeteich als auch ein Altstadtfest auf der anderen Seite der Donau mit diversen Attraktionen für Kinder, Flohmarktständen, mehreren Musikbühnen und natürlich eine Fressmeile. Am nettesten fand ich den Stand, bei dem Kinder geschminkt oder besser bemalt wurden, nach Vorlagen, die sie aus einer großen Auswahl wählen konnten. Ich bin ungemein entspannt während in die Brandherde auf der Welt immer weiter Öl gegossen wird.