la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


3 Kommentare

Transformation – Weekly Photo Challenge

Transforming ……..

Advertisements


12 Kommentare

Abschiedszeremonie

Sukhavati-Zeremonie

Meine verstorbene Freundin Barbara war Buddhistin und daher wurden für sie von verschiedenen buddhistischen Gruppen Sukhavati-Zeremonien abgehalten. Für mich sind das Abschiedszeremonien wenn sie  auch in einem System, das an Wiedergeburt glaubt noch zusätzliche Bedeutungen haben.

Die Zeremonie bestand aus drei Teilen.

Zunächst wurde der Verstorbenen gedacht. Kinder und Erwachsene, Familie und Freunde haben  über sie gesprochen, es wurden Anekdoten erzählt. Es wurde gelacht und geweint.

Im zweiten Teil wurde Tonglen betrieben. Das ist eine buddhistische Übung, bei der Schlechtes eingeatmet, transformiert und Gutes wieder ausgeatment werden soll. In Kurzfassung werden gute Gedanken an die Verstorbene geschickt, die ihr dabei helfen sollen alle Hindernisse des Überganges zu überwinden.

Und der dritte Teil der Zeremonie ist das Loslassen. Egal ob man nun an Wiedergeburt glaubt oder nicht, ob man an ein Leben nach dem Tod glaubt oder nicht, auf jeden Fall ist es hilfreich die Toten loszulassen. Bei dieser Zeremonie wird ein Foto der verstorbenen Person verbrannt und dabei NAMO AMITABHAYA HRI rezitiert bis von dem Foto nur Asche übrig bleibt. Ich nehme an, dass beim Original dieser Zeremonie kein Foto sondern der Leichnam verbrannt wird.

img_0684

Ich habe die Zeremonie sehr eindrucksvoll gefunden, optisch: das brennende Foto, und akustisch; es wird mehrmals der Gong geschlagen. Vor allem fand ich sie aber psychologisch sehr schlüssig. Zuerst wird intensiv über die Verstorbene gesprochen, gelacht, geweint. Dann gibt man eigene Energie, schickt Liebe, Wärme, Unterstützung und schließlich läßt man los, was für die eigene Psychohygiene wichtig ist. Es tut niemandem gut, sich gedanklich an Verstorbene zu klammern.

Mein Verhältnis zum Buddhismus ist kein so nahes, ich glaube weder an Auferstehung noch an Wiedergeburt. Müsste ich mich zwischen beiden entscheiden, so käme mir die Wiedergeburt schlüssiger und natürlicher vor als eine Auferstehung, aber ich bleibe doch beim Agnostizismus: niemand weiß es und niemand wird es jemals ergründen können.

Die Zeremonie war aber sehr schön. Zunächst hatte ich den Eindruck, dass Barbara auch danei war und mitgelacht, mitgeredet und vielleicht auch mitgeweint hat und dann war sie weg und die Art dieses Weggegangenseins kam mir gut und richtig vor. Es war eine tröstliche Zeremonie, nicht eine von der Sorte nach denen es allen Beteiligten schlechter geht als vorher.


42 Kommentare

Der Tod reißt ein Loch in die Wand …

Unsere Beziehungen zu anderen Menschen sind wie ein Geflecht, das eine Schutzwand bildet vor dem Wissen um die Vergänglichkeit, vor der Angst vor dem eigenen Tod. Wenn jemand stirbt, zerreißt dieses Geflecht an einer Stelle und macht den Blick frei auf die Unendlichkeit.

Eine Freundin ist gestorben. Völlig unerwartet, viel zu jung.  Sie hatte gar keine Möglichkeit, sich auf den Tod vorzubereiten, sich vom Leben und ihrer Umgebung zu verabschieden, Dinge zu regeln, die sie vielleicht gerne geordnet hätte, bevor sie nun anderen Menschen überlassen bleiben. So bleiben viele lose Fäden und ein plötzlich unterbrochenes Leben, der Schockzustand der Familie und der Freunde. Niemand erwartet an einem Knöchelbruch zu sterben

Was wir nicht alles auftürmen zwischen uns und der Vergänglichkeit, der eigenen Sterblichkeit, der Sterblichkeit jener, die wir lieben, der Vergänglichkeit aller Menschen. Die Mauern und Türme mögen materieller Art sein, Schlösser, Autos und Jachten, oder psychologischer Art, Familienidyllen, Rückzugsgebiete und Religion, manche Menschen halten sich an Traditionen und Rituale. Strategien gibt es wie Sand am Meer. Gemeinsam haben sie alle, dass sie nicht wirken. Es genügt eine Erschütterung, der Tod eines Menschen, welcher Teil der eigenen Anti-Vergänglichkeitsillusion war und schon werden die Schutzmauern durchsichtig oder zerbröseln gar.

Ständig stoßen meine Gedanken an Barbara. Wir waren in ein paar Tagen verabredet, für Jänner wollte sie ein Foto-Treffen organisieren, im Sommer war eine gemeinsame Woche in Irland geplant, ich habe zwei neue Teetassen gekauft, die ich mit ihr gemeinsam einweihen wollte, ich habe seit einem Jahr oder länger ein Buch von ihr … Lauter unwichtige Kleinigkeiten, aber aus solchen Kleinigkeiten besteht nun einmal der Großteil des Lebens

Sie ist an einer Lungenembolie gestorben. Ist das schnell gegangen ? War ihr bewußt, dass sie stirbt ? Hatte sie Glück und ist im Schlaf gestorben ?

(…)Et que je te sens froide en te touchant, ô mort,
Noir verrou de la porte humaine !

Victor Hugo – Paroles sur la dune

img_9060


14 Kommentare

Kreislauf – das Mondgrasprojekt 28

Kreislauf

Ebbe und Flut, Anziehen und Loslassen, Leben und Tod …… Die Natur und mit ihr die menschliche Existenz verläuft in Zyklen oder vielmehr in Spiralen, denn der Kreislauf des Lebendigen endet nicht genau dort wo er begonnen hat. Ein Zyklus im Kreislauf eines lebenden Organismus endet immer ein Stück näher an seinem biologischen Ende, am Tod.

Scheinbar anders verhält es sich mit den Zyklen der Natur, die verglichen mit der Dauer eines Menschenlebens unendlich sind. Aber eben nur im Vergleich. Aus kosmischer Perspektive ist alles vergänglich.

img_6758Eines meiner Lieblingsgedichte. Doch, doch, ich mag auch klassische Dichtung 🙂 Schon als junges Mädel haben mich diese Worte sehr beeindruckt, auch wenn der Tod damals nichts als ein Gerücht war. Heute kann ich diese Worte und Gedanken ganz anders nachvollziehen.

Victor Hugo

5 août 1854, anniversaire de mon arrivée à Jersey.

PAROLES SUR LA DUNE

Maintenant que mon temps décroît comme un flambeau,
Que mes tâches sont terminées ;
Maintenant que voici que je touche au tombeau
Par les deuils et par les années,

Et qu’au fond de ce ciel que mon essor rêva,
Je vois fuir, vers l’ombre entraînées,
Comme le tourbillon du passé qui s’en va,
Tant de belles heures sonnées ;

Maintenant que je dis : — Un jour, nous triomphons ;
Le lendemain, tout est mensonge ! —
Je suis triste, et je marche au bord des flots profonds,
Courbé comme celui qui songe.

Je regarde, au-dessus du mont et du vallon,
Et des mers sans fin remuées,
S’envoler, sous le bec du vautour aquilon,
Toute la toison des nuées ;

J’entends le vent dans l’air, la mer sur le récif,
L’homme liant la gerbe mûre ;
J’écoute, et je confronte en mon esprit pensif
Ce qui parle à ce qui murmure ;

Et je reste parfois couché sans me lever
Sur l’herbe rare de la dune,
Jusqu’à l’heure où l’on voit apparaître et rêver
Les yeux sinistres de la lune.

Elle monte, elle jette un long rayon dormant
À l’espace, au mystère, au gouffre ;
Et nous nous regardons tous les deux fixement,
Elle qui brille et moi qui souffre.

Où donc s’en sont allés mes jours évanouis ?
Est-il quelqu’un qui me connaisse ?
Ai-je encor quelque chose en mes yeux éblouis,
De la clarté de ma jeunesse ?

Tout s’est-il envolé ? Je suis seul, je suis las ;
J’appelle sans qu’on me réponde ;
Ô vents ! ô flots ! ne suis-je aussi qu’un souffle, hélas !
Hélas ! ne suis-je aussi qu’une onde ?

Ne verrai-je plus rien de tout ce que j’aimais ?
Au dedans de moi le soir tombe.
Ô terre, dont la brume efface les sommets,
Suis-je le spectre, et toi la tombe ?

Ai-je donc vidé tout, vie, amour, joie, espoir ?
J’attends, je demande, j’implore ;
Je penche tour à tour mes urnes pour avoir
De chacune une goutte encore !

Comme le souvenir est voisin du remord !
Comme à pleurer tout nous ramène !
Et que je te sens froide en te touchant, ô mort,
Noir verrou de la porte humaine !

Et je pense, écoutant gémir le vent amer,
Et l’onde aux plis infranchissables ;
L’été rit, et l’on voit sur le bord de la mer
Fleurir le chardon bleu des sables.


17 Kommentare

Die düstere Seite von Lissabon

Das ist eine Ergänzung zum Beitrag von Paleica* über die heitere, leichte Seite von Lissabon. Die kenne ich auch, aber mein Lissabon hat auch eine sehr finstere Seite. Einerseits eine sehr persönliche. Ich erinnere mich an viele Szenen einer Liebe, sehr schöne und sehr häßliche, allesamt sehr intensiv und kaum zu vergessen. Andererseits, abgesehen von persönlichen Befindlichkeiten, sieht man der Armut ins Gesicht, wenn man durch Lissabon wandert. Sogar an den herausragendsten, geschichtsträchtigsten Orten der Stadt.

Die Fotos als Fotos sind schlecht, sie wurden als Dokumente aufgenommen, mit einer unbrauchbaren Kamera. Dennoch zeigen sie -finde ich- die Stimmung ….. Die Bilder sind von 2008 und 2010, also schon etliche Jahre alt. Die Situation hat sich seither ein wenig verbessert, aber nicht grundlegend.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

*Paleica


Hinterlasse einen Kommentar

Daggi 12 – Oscar und die Dame in Rosa

IMG_7659

Eric Emmanuel Schmitt

„Oscar und die Dame in Rosa“

Fischer Taschenbuch 2005

Aufgabe 27: ein Buch eines Autors, der nicht aus Deutschland, Großbritannien oder den USA stammt

 

Ja, ja schon wieder ein Schmitt. Und noch einen weiteren habe ich mir bestellt, dann mache ich eine Pause. Es sind schmale Bände, gerade um die hundert Seiten herum, aber der Inhalt ist alles andere als schmal.

In diesem Text geht es um Oscar, einen zehnjährigen, der von seiner Leukämie weder durch Chemotherapie noch durch Knochenmarkstransplantation geheilt werden konnte und selbst auch weiß, dass er bald sterben wird.

Eine Besucherin, die er Oma Rosa nennt, bringt ihn dazu, jeden Tag einen Brief an Gott zu schreiben und sich jeden der wenigen Tage, die ihm bleiben als 1o Jahre seines Lebens vorzustellen. So durchlebt Oscar ein ganzes Menschenleben. Glücklich, erschöpft und manchmal auch enttäuscht, erzählt er Gott davon. Bis zu jenem Augenblick, in dem er zu müde ist, um noch ein wenig älter zu werden.

Ein berührendes Buch, das aber ohne jede Sentimentatlität auskommt. Ein Schmitt eben. Eine kleine Leseprobe:

So lieber Gott, das war mein Tag. Ich verstehe, dass man sagt, die Jugend sei das schwierige Alter. Sie ist schon sehr schwer.Ist man dann aber schließlich zwanzig, wird vieles einfacher. Daher mein Wunsch für heute: ich möchte, dass Peggy und ich heiraten.Ich bin mir nicht sicher, ob das Heiraten zu den geistigen Sachen gehört, ob du dafür zuständig bist (…) Ohne drängeln zu wollen, mache ich dich darauf aufmerksam, dass ich nicht viel Zeit habe. Also Hochzeit von Oscar und Peggy Blue. Ja oder nein. Mir wär´s recht, wenn du es einrichten könntest.

PS: Wie ist denn eigentlich deine Adresse ?

Und noch eine

Lieber Gott,

heute zwischen siebzig und achtzig, habe ich sehr viel nachgedacht.

Dabei hat mir das Weihnachtsgeschenk von Oma Rosa geholfen (…) Es ist eine Pflanze aus der Wüste Sahara, die ihr ganzes Leben nur in einem Tag erlebt.Sobald ihr Samenkorn Wasser kriegt, fängt sie an zu sprießen, sie wird zu einem Stängel, sie bekommt Blätter, sie kriegt eine Blüte, sie bringt Samenkörner hervor, sie wird welk, sie verdorrt, und hopp, am Abend ist es aus und vorbei.

(…)

…und bis zum Abend konnte ich ihr bei ihrem ganzen Leben zuschauen. Das hat mich richtig gepackt. Sicher, als Blume ist sie ziemlich blaß und mickrig – sie macht nicht soviel her wie ein Affenbrotbaum, aber tapfer wie ein Mann hat sie, ohne Schwäche zu zeigen, vor unseren Augen an einem einzigen Tag ihren Job als Pflanze getan.