la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Sonntag 28.10.18

Das wunderbar lange Wochenende habe ich Donnerstag abend mit einem buddhistischen Vortrag begonnen. Der Vortrag war inspirierend ebenso wie das Treffen mit einer Reihe lieber Freundinnen und Freunde, die ich derzeit eher selten sehe. Ich bin ein Kopfmensch, aber es zieht mich doch immer wieder zur buddhistischen Philosophie, nicht zur Religion und nicht zur Mystik, aber zu dieser klugen, grundvernünftigen Philosophie und Lebensweisheit. Manchmal mache ich einen ganz kleinen, zögernden Schritt über die Grenzen der materiellen Welt, aber ich bleibe nie lange und glaube rückblickend auch nie, dass ich dort gewesen bin. Trotzdem zieht es mich immer wieder zu den Grenzposten. So bin ich eben ….

Meine Begeisterung für Nationalfeiertage,  Kriegsgeräteschauen und Fahnenschwenken hält sich sehr in Grenzen. Auch die Tanzvorführungen der Garde haben mich nicht verlockt. Der F und ich sind nach Hainburg gefahren um Herbstfarben zu genießen. Man sieht von Hainburg aus in den Auwald und überhaupt auf prächtige Laubwälder aber erstaunlicherweise war es noch ziemlich grün bei Sonnenschein und prächtigem Fotowetter, was für den F prächtiges Wanderwetter ist.

Hainburg ist eine nette, kleine Stadt mit Donaupromenade und einer Burg, die von dem Lösegeld für Richard Löwenherz erbaut wurde; neben anderen Bauwerken, es war ja ein recht substantielles Lösegeld. Bei der Gelegenheit habe ich ein bisschen nachgelesen, wie das so war mit dem Wiener Landespatron, dem Herzog Leopold, der Richard Löwenherz gefangen hielt und der uns am 15. November einen schulfreien Feiertag beschert. Wen´s interessiert .

Den Samstag nachmittag verbrachten wir in „Konsumhöllen“ wie F gerne zu sagen pflegt. Es war aber nicht besonders höllisch, schließlich ist ja erst Oktober und da sind nicht annähernd so viele Leute unterwegs wie im Dezember. Ich besorge mir nur rechtzeitig eine Menge Hilfsmittel für die Phase nach meiner Hüft-OP, in der ich eher steif unterwegs sein werde und daher diverse Hilfsmittel brauche um nicht bei jedem Handgriff Unterstützung zu benötigen. Und nachdem diese postoperative Phase auch Weihnachten einschließt, leuchtet es sogar dem F ein, dass dann Lichtketten vor dem Fenster und ein Servierwagen mit Rädern sinnvolle Anschaffungen sind.

Die neue Gemüsekiste bietet immer wieder Überraschungen. Diesmal gab es ein Blattgemüse namens Catalogna, nie gehört, nie gesehen, aber Google teilt mir mit, dass es sich um ein Trend-Gemüse handelt. Irgendwie deprimierend, dass es auch bei Gemüse schon Trends gibt. Jedenfalls schmeckt das Zeug sehr bitter auch mit viel Knoblauch und Schlagobers. Ich werde ihn nicht in den Olymp meiner Lieblingsgemüse aufnehmen.

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Verwirrung

Es ist über ein Jahr her, dass ich den letzen buddhistischen Vortrag gehört habe und der hatte mir nicht gefallen, aber gestern abend war es wieder so weit. Ich habe mir Lama Tsültrim Allione angehört, eine Frau mit einem sehr imponierenden Lebenslauf, die sich gegen das streng patriarchalische System des tibetischen Buddhismus durchgesetzt und eine eigene Gemeinschaft gegründet hat.

Hier gemeinsam mit Pema Chödrön (rechts) zu sehen, auch eine sehr beeindruckende Frau in diesem Umfeld.

Die Veranstaltung fand in der Sigmund-Freud-Privatuniversität statt, von der ich nicht einmal gehört hatte, auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität. Viele meiner buddhistischen Freunde waren auch zu diesem Vortrag gekommen und ich habe die liebevolle, wertschätzende Atmosphäre, die in dieser Gruppe herrscht sehr genossen. Der Vortrag hat mir Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel gezeigt.

Immer wenn ich in Berührung komme mit buddhistischer Weisheit fühle ich mich davon sehr angezogen und habe daher gestern nacht noch in der buddhistischen Abteilung meiner Bücher gekramt und bin dabei auf einen kleinen Text gestoßen, den ich sehr mag, der im Grunde die gesamte Philosophie des Buddhismus zusammenfasst und dem, so finde ich, nichts hinzuzufügen ist. Vor allem der letzte Satz beschreibt ganz trefflich, was die Welt im großen und jeder einzelne von uns dringend brauchen würde.

Möge mein Geist eins mit dem Dharma sein

Möge der Dharma zum Weg werden

Möge der Weg Verwirrung klären

Möge Verwirrung als Weisheit erwachen

 


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Buddha und die Orgien

Diszipliniert bin ich nicht, obwohl, wenn es unbedingt sein muss, wenn ich zum Beispiel eine Prüfungsangabe für den nächsten Tag 8 Uhr brauche, und es ist 2 und sie ist noch nicht fertig, dann schaffe ich es immer sie fertigzustellen- vermutlich mit Hilfe von Selbstdisziplin. Nur wenn kein Druck dahinter ist, oh weh…. Immer wieder versuche ich es mit dem Schönreden: Diszipliniertheit ist nur was für  Betonschädel und Zwangsneurotiker, weiß aber selber wie dumm diese Behauptung ist.

Vor nunmehr schon über zehn Jahren begann ich mit dem Meditieren, was mir persönlich viel gebracht hat, disziplinierter bin ich dadurch aber nicht geworden. A propos meditieren: vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass der oberste Chef des Meditationszentrums, das ich sehr gerne besucht habe, ein in Amerika ansässiger tibetischer „Linienhalter“ sexueller Übergriffe an Schülerinnen beschuldigt wird. Ekelhafte Geschichte. Tatsächlich habe ich den Verein vor Jahren verlassen, weil mir die immer mehr in den Mittelpunkt rückende Verehrung dieses Menschen auf die Nerven ging. Die auf den Alltag bezogenen Lehren, die dort verbreitet werden, finde ich nach wie vor sehr wahr und sehr praktikabel, mit vielen Menschen, die ich kennengelernt habe, bin ich noch in Verbindung, aber dem Verein mit seiner gewaltigen Organisationstruktur, bei der ich immer wieder den Eindruck hatte, dass sie essentiell dazu dient dem „König“ ein angenehmes Leben zu bieten, gehöre ich nicht an.

Schwierig ist es für diejenigen, die an solche „Heilsbringer“ glauben, sie zum Zentrum ihres Lebens und ihrer Gefühle machen, alles was er/sie zu egal welchem Thema sagt für die absolute Wahrheit halten und ihr ganzes Leben völlig unreflektiert danach ausrichten, was so ein „König“ von sich gibt.  Eine schlimme Abhängigkeit erzeugt diese selbst gewählte, unkritische Verehrung, dieses Bedürfnis nach einem „König“ ,einem „Führer“, der angeblich die Wahrheit für sich gepachtet hat. Als hätten wir Menschen nicht alle dieselben Erfahrungsquellen zur Verfügung. Was geschieht diesen bedingungslos Gläubigen dann, wenn der „König“ sich als Veranstalter von Sex- und Sauforgien und als Belästiger und womöglich Vergewaltiger entpuppt?

Erschütternd finde ich, dass im Rahmen dieser Causa auch andere ähnlich gelagerte Situationen zutage kommen, dass sexueller Missbrauch offenbar in vielen buddhistischen Communities an der Tagesordnung ist und nicht hinterfragt wird, weil der Guru ja erleuchtet ist und nichts falsch machen kann.

Dabei ist der ursprüngliche Buddhismus in keiner Weise autoritätshörig.

 „Glaubt nicht an irgendwelche Überlieferungen, nur weil sie für lange Zeit in vielen Ländern Gültigkeit besessen haben. Glaubt nicht an etwas, nur weil es viele dauernd wiederholen. Akzeptiert nichts, nur weil es ein anderer gesagt hat, weil es auf der Autorität eines Weisen beruht oder weil es in einer heiligen Schrift geschrieben steht. Glaubt nichts, nur weil es wahrscheinlich ist. Glaubt nicht an Einbildungen und Visionen, die ihr für gottgegeben haltet. Glaubt nichts, nur weil die Autorität eines Lehrers oder Priesters dahinter steht. Glaubt an das, was ihr durch lange eigene Prüfung als richtig erkannt habt, was sich mit eurem Wohlergehen und dem anderer vereinbaren lässt.“ Aus einer Rede des Buddha an die Kalamer:

Diesen Grundsatz haben alle diese „Dharmakönige“ wohlweislich vergessen.


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Eine Klangschale für den Mitmachblog

Eine Klangschale wird mit einem hölzernen Klöppel zum Klingen gebracht. Ein lange nachhallender Ton, den man mit einer ganz leichten Berührung durch den Klöppel beenden kann.Beim Meditieren leitet ein Schlag die Sitzung ein. Man kann sich über den langen Ton hineingleiten lassen in die durch den Atemrhythmus gehaltene Innensicht. Absicht  klassischer Meditation, nicht der diversen esoterischen Seltsamkeiten, ist es, sich selbst beim Denken zuzusehen, das Denken vorbeiziehen zu lassen ohne irgendwelche Handlungen zu setzen, ohne die Gedanken weiter zu verfolgen, zu erleben, dass Gedanken und Emotionen kein Gefängnis sein müssen, sondern vorüberziehen.

Nach einer Weile wird der umgebende Raum spürbar, die Verankerung in der Erde, die Verbindung zum Himmel, der eigene Platz in der Welt. Durch die – wenn auch nur Sekundenbruchteile andauernde – Unterbrechung von festgefahrenen Denk- und Verhaltensstrukturen entsteht langsam mehr Freiheit im Denken und im Handeln. Wenn es gelingt, eine noch so kleine Lücke zu öffnen zwischen dem Impuls von außen und dem Abspulen der eigenen Verhaltensmechanismen wird die Wahlfreiheit in den Verhaltensweisen langsam größer.

Sehr intensiv ist es, in einer Gruppe zu meditieren. Nicht zu eng nebeneinander, aber doch in Gesellschaft. Zwei Klöppelschläge bedeuten eine Pause in der Meditationssitzung, drei Klöppelschläge beenden sie. Auch am Ende ist es schön, den Ton der Klangschale nachklingen zu lassen.


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Ausgleich

Herz & Verstand

Ich finde es schade, wenn es so viele Menschen gibt, die sich entweder als Herz- oder als Kopfmenschen sehen. Wir sind doch alle beides. Wir haben doch alle die Möglichkeit sowohl unser Herz als auch unseren Verstand zu nutzen und sprechen zu lassen. Uns in die Welt einzubringen mit unserem Intellekt und mit unseren Emotionen, je nachdem, was die Situation gerade erfordert und was uns und anderen gerade gut tut.

Ich plädiere dafür, am Ausgleich zu arbeiten, am Ausgleich zwischen Emotion und Verstand, am Ganzwerden des Menschen.

Meine Idealvorstellung ist nach wie vor: ein warmes Herz und einen kühlen Kopf zu haben, im Idealfall gleichzeitig.

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20. Station der Leseweltreise – Myanmar

Es ist mir zufällig zwischen die Finger gekommen, ein kleines Buch zu einem Land, von dem ich nicht viel weiß, das mich allerdings meiner Illusionen darüber beraubt hat, dass Buddhisten und gar buddhistische Mönche nicht gewalttätig werden. Auch meine Vorstellung, dass eine Friedensnobelpreisträgerin, die unter der Militärdiktatur in ihrem Land schwer gelitten hat, selbst eine gerechtere Herrschaft ausüben wird, hat sich leider in Luft aufgelöst.

Das kleine Buch ist aber 2007 herausgekommen und erzählt in kurzen Kapiteln über die Besonderheiten Myanmars, seine landschaftlichen und architektonischen Schönheiten, seine Volksgruppen und Kulturen:

„Asiens wahrem Antlitz ist Bernd Schiller auf seinen Reisen durch ein magisches Land begegnet: Der Ewigkeit auf der Schwedagon-Pagode hoch über Yangon, wenn die Morgensonne die Kuppel in glänzendes Gold taucht, den heilige Bergen, wo Buddha und diverse Geister in guter Nachbarschaft wohnen und dem beschwerlich-trägen Lauf des Lebens an den Ufern des Ayeyarwady, wo Ochsenkarren wie seit Jahrhunderten auf Lastkähne warten“

 

Aung San Suu Kyi: Myanmars Stimme der Freiheit, die zur Gewalt stumm bleibt


Die Friedensnobelpreisträgerin wird für ihr Schweigen angesichts der Verfolgung der Rohingya kritisiert. Dass Demonstranten in aller Herren Länder mit dem Antlitz von Aung San Suu Kyi für ihre Sache werben, überrascht nicht: Jahrelang war die heute 72-Jährige die prominenteste politische Gefangene der Welt. Ihr Name stand emblematisch für gewaltfreien Widerstand gegen Gewaltherrschaft – und gegen jene der myanmarischen Generäle im Speziellen, die sie von 1989 bis 2011 mit Unterbrechungen in Hausarrest isolierten, aber auch gegen alle anderen Diktatoren, für die Menschenrechte herzlich wenig zählen. Neu ist freilich, dass Demonstranten von Pakistan bis Indonesien die Plakate, auf denen die Friedensnobelpreisträgerin zu sehen ist, verbrennen, ihr Gesicht mit Hitler-Bart versehen oder schlicht durchstreichen.

Suu Kyi, die seit den ersten freien Wahlen 2015 Myanmar als „Staatsrätin“ de facto regiert, ist tief gefallen. „Nicht die Macht korrumpiert“, schrieb sie in ihrem 1991 erschienenen Buch „Freedom from Fear“, „sondern die Angst, sie zu verlieren.“ Nun scheint es so, als halte gerade sie ebenjene Angst fest im Griff. Die Mutter zweier Söhne, von denen sie während ihres Hausarrests so lange getrennt war, schwieg, als Myanmars Armee hunderte Zivilisten der muslimischen Rohingya-Minderheit ermordete, Dörfer brandschatzte und Hunderttausende vertrieb. Als die Uno das Vorgehen der Soldaten als „ethnische Säuberung“ bezeichnete, sprach sie von „Fake-News“ und von „Terroristen“, die man bekämpfen werde.

Den geplanten Besuch in New York, wo die Uno-Generalversammlung tagt, sagte Suu Kyi kurzfristig ab. Die einstige Ikone sei eben „eine Politikerin durch und durch und habe als Ziel einzig ihre Wiederwahl“, konstatierte die Uno-Sonderberichterstatterin. Tatsächlich werfen Kritiker der in Oxford ausgebildeten Tochter eines Unabhängigkeitskämpfers schon länger mangelnde Empathie für die Rohingya vor, die von vielen im mehrheitlich buddhistischen Land als Einwanderer betrachtet und abfällig „Bengalis“ genannt werden. Dass sich Suu Kyi weder mit der noch immer allmächtigen Armee überwerfen noch auf die Stimmen der buddhistischen Nationalisten, die den Muslimen sämtliche Bürgerrechte absprechen, verzichten will, könnte ein Grund dafür sein, dass Myanmars so lange unterdrückte Stimme der Freiheit nun nicht für die unterdrückte Minderheit im eigenen Land laut werden will.

Florian Niederndorfer, 13.9.2017 – derstandard

 


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Gewaltfreie Kommunikation

Immer noch höre und sehe ich mir die Flut von Wahlkampfdiskussionen an, in der Hoffnung irgend etwas zu erfahren, was bis jetzt noch nicht vorgekommen ist. Meistens kann ich schon im Halbschlaf mitmurmeln, was die diversen Kandidaten zu welchen Themen oder Stichworten zu sagen haben, aber vor zwei Tagen wurde ich mit einem neuen Satz belohnt, der mir sehr klug vorkommt:

„Wer mich beleidigen kann, entscheide immer noch ich“ sagte der Noch-Kanzler. Ein Gedanke, den ich bemerkenswert finde und  der sowohl für die Welt der Politik als auch für den Alltag äußerst konstruktiv ist. Diese Denkrichtung wird im Buddhismus gelehrt und wahrscheinlich auch in modernen Managertrainingsseminaren.

Der zweite Gedanke, der für mich zu diesem Thema dazugehört, stammt ebenfalls aus einer buddhistischen Schrift und lautet:

„Großzügigkeit ist die Tugend, die Frieden schafft“

In diesem Sinne …..