Schlagwort: Donau –

Ein graziöser Huf …

Nur im Detail mag ich Reiterstatuen manchmal ganz gerne. Das ist eine der zahlreichen Prinz-Eugen-Statuen, die in Österreich so herumstehen. Dieser Prinz Eugen ist auf der Tullner Donaulände in der Bewegung eingefroren und blickt sinnend aufs Wasser.

Schloss Hof mit den barocken Gartenanlagen, den Kamelen, Eseln und Alpakas gehörte auch Prinz Eugen, einem der reichsten Männer der damaligen Monarchie.

Samstag 11. September 2021

Nein, kein Rückblick auf vor 20 Jahren, obwohl ich mich gut erinnern kann an das Bild wie das Flugzeug in das eine Hochhaus hinein geflogen ist und zunächst niemand wusste, ob das nun echt war oder nicht. Solche Bilder graben sich ein ins Hirn, die vergisst man nicht. Mir ist auch nicht nach Betrachtungen über Terrorismus im Allgemeinen und im Besonderen, über Afghanistan, den Terroranschlag in Wien, im November.

Nein, mein Interesse gilt derzeit dem Forellensülzchen und den Kichererbsen-Sesam-Laibchen, die wir Samstag bei prächtigem Blick über die Donau gegessen haben.

Würde die Welt denn besser oder sicherer wenn ich über 9/11 schreiben würde oder über die Freundschaft der Familie Bush zum Saudi-arabischen Königshaus, über Guantanamo oder die wieder voll verschleierten Frauen unter den Talibans, diese kleinen, schwarzen Säulen, die notgedrungen wahrscheinlich ähnlich stark sind wie steinerne Säulen?

Hat das Forellensülzchen als Symbol für eine sehr dichte Woche weniger Daseinsberechtigung, wenn es in der Welt besonders grauslich zugeht und die Gedenktage an Attentate sich gegenseitig die Türen einrennen? Ist man als Hedonist*in automatisch ein schlechter Mensch?

So schön ist das Waldviertel, ABER …

Eigentlich erst zum dritten Mal bin ich öffentlich nach PB gefahren, das ja administrativ auch zum Waldviertel gehört. Während der Schulferien ist das noch ein wenig schwieriger als sonst, weil zwar nicht die Züge, aber die Busse, die hauptsächlich Schulkinder befördern, in extrem großen Intervallen fahren. Mit anderen Worten, die öffentlichen Verkehrsverbindungen im Waldviertel sind sehr verbesserungswürdig.

Ich stand also am Donnerstag am Bahnhof eines Nachbarorts von PB auf der anderen Seite der Donau und wusste, dass ein Bus, der mich zumindest in die Nähe meiner Wohnung bringen würde erst in einer Stunde geplant war. Auf einem Lampenmast am Ausgang des Bahnhofs fand ich die Nummer eines Taxis und rief dort an, aber der Fahrer hatte gerade an diesem Tag keine Zeit. Fix beförderte ich ihn in die Schublade mit der Aufschrift „Unverlässliches“ und überlegte, was ich nun in einer Stunde anfangen könnte.

Vor dem Bahnhofslokal saß eine Runde Männer in Bier und Gespräch vertieft. Einheimische, die sich als sehr nett und hilfreich erwiesen und mir ein Taxi aus dem Nebenort besorgten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich das selbst nicht gefunden auch nicht mit Hilfe von google. Jedenfalls erwies sich dieses Taxi als eine ideale Lösung. Der Besitzer hat zwei Kleinbusse und auch einen zweiten Fahrer, ist jederzeit erreichbar und holt mich zu einem moderaten Preis von wo auch immer ab. Sehr zufrieden bin ich mit dieser Lösung. Es ist ja nicht so, dass ich ständig nur mehr mit dem Taxi fahren möchte, aber es besteht die Möglichkeit, wenn die Busse gar nicht fahren oder nur zur falschen Zeit oder ich den einzig passenden versäume. Also ein Sicherheitsnetz im Hintergrund.

Nach PB gefahren bin ich um die Lieferung von Matratzen und Lattenrosten in Empfang zu nehmen. Die Betten kommen ja voraussichtlich erst im Oktober. Hat fast perfekt geklappt. Ein Trumm haben sie vergessen, aber das brauchen wir nicht dringend und so kommt es eben mit der nächsten Lieferung. Die Alternative wäre gewesen zu warten, dass die Lieferanten nochmals zurück zum Lager fahren und es abholen. Nachdem das Lager aber in gut 100 km Entfernung liegt, wäre es sehr spät geworden und ich wollte nicht warten.

Wir können also ab sofort in PB übernachten. Entweder liegen die Matratzen eben am Boden, oder wir benützen die Lattenroste auch gleich mit, dann ist eigentlich kaum ein Unterschied zu einem Bett. Zur Schonung des Bodens kann man eine Decke unter die Lattenroste legen und geht schon. Das Herumliegen eigener Matratzen schließt irgendwie die Besitznahme dieser Wohnung ab. Es fühlt sich schon fast zuhause an.

Was Gewässer betrifft, so liebe ich am meisten das Meer, allerdings muss es Gezeiten haben, sonst ist es für meine Begriffe kein Meer sondern ein großer Salzwassersee. Wobei ein See sich wie ein Ersatz für das Meer, den Ozean anfühlt. Ein Fluss aber steht für sich selbst. Nicht als Metadon für den Ozeanjunkie sondern als lebendiges, fließendes Gewässer. Diese etwas wirren Betrachtungen stellte ich an, als ich noch einen Spaziergang an der Donau machte. Die Donau steht hoch und fließt lebendig. Von der Donaulände ließ ich mich abholen und erreichte einen der ganz seltenen Züge, die mich direkt nach Wien bringen. Ein durch und durch guter Tag war das !

Dominanz der Kirche

F. hat mich von meinem Lieblingskurhaus abgeholt und wir haben auf dem Heimweg nach Wien Station in Melk gemacht.

Möglicherweise haben sich die Bewohner von Melk irgendwann gewissermaßen vom Himmel beschützt gefühlt. Ich finde die Dominanz des Stifts über der Stadt eher bedrückend. Es ist eine sehr hübsche, kleine Stadt, die wir aber bei der Wohnungssuche eben deswegen ausgeklammert hatten. Wir sind in der heiteren, belebten Fußgängerzone spaziert. Das letzte Mal als wir dort waren, war gerade harter Lockdown und wir haben das Auto mit dem Wiener Kennzeichen diskret abgestellt. Heiter war die Stimmung damals nicht und das Stift hat noch etwas dominanter gewirkt als sonst. Aber im Normalbetrieb ist Melk ein sehr angenehmer Aufenthaltsort. Gegenüber liegt auch ein großes Stück Donauauen, in dem wir schon gegangen sind.

Das Stift selbst ist auch barock-prächtig. Ein Benediktiner-Stift, das in seiner heutigen Form von Jakob Prandtauer in den Jahren 1702 bis 1746 errichtet wurde, aber schon auf mehr als 900 Jahre Geschichte zurück blicken kann. Die Stiftsbibliothek ist eine Fundgrube für alte Texte. Es wurden dort auch etliche Fragmente des Nibelungenlieds gefunden. Auch die Gärten sind eine Pracht, die ich bei nächster Gelegenheit mit Freude erkunden werde, PB liegt schließlich ganz in der Nähe. Allein schon der Ausblick von der Terrasse des Stifts ist einen Besuch wert.

Das Nibelungenlied, in dem Melk als „Medelick“ erwähnt wird, ist omnipräsent. Ich habe nie Mittelhochdeutsch gelernt, kann den Text also nur ungefähr verstehen.

Nachtrag

Wir wollten den Sonntag nicht vorbeigehen lassen ohne ein bissl rauszukommen. Es regnete gerade nicht und wir fuhren mit dem Bus in einen Park an der Stadtgrenze, wo wir auch ein Lokal ausprobieren wollten.

Die Gewitterstimmung war nicht zu übersehen, aber wir hofften auf ein trockenes Zeitfenster. Tatsächlich blieb es trocken bis wir unsere übrigens erstklassigen Palatschinken bestellt hatten. Ich sitze sehr gerne bei Regen draußen und hatte daher den bestgeschützten Platz unter der Markise ausgesucht damit wir nicht nach drinnen übersiedeln müssten. Und der Regen begann wieder und wir saßen fest. Gemütlich und bestens versorgt, aber doch.

Wie man sehen kann, vergnügte ich mich mit dem Schießen miserabler Fotos wie diesem. Irgendwann hörte der Regen etwas auf und wir machten noch einen kleinen Spaziergang.

Doch dann ging das Zeitfester mit relativ schwachem Regen entgültig zu und wir fanden uns mitten in der gleichen Regenintensität wieder wie gestern nacht. Zwar waren wir mit Schirmen ausgerüstet aber bei Starkregen hilft das nicht viel. Zusammengefasst kamen wir beide völlig durchnässt nachhause. Innerhalb eines bisher so glühenden Sommers ist das gar nicht schlimm.

Schlimm aber sind die Überschwemmungen. Bisher gab es zum Glück keine Toten, aber die Flüsse steigen noch. Sogar wenn es in den nächsten Tagen keinen Tropfen mehr regnen sollte, ist der Höchstpegelstand noch nicht erreicht. Der Inn ist hoch und mündet in die Donau. In der Wachau ist man im Alarmzustand, von PB im speziellen war aber noch nichts zu hören. Wahrscheinlich wird trotzdem der Hochwasserschutz aufgebaut werden, wozu hat man ihn, denn es gibt eine Reihe von Häusern direkt an der Donaulände, in denen man heute wahrscheinlich nicht gut schlafen wird.

Was hält das Schiff?

Gestern in PB fotografiert. Neben einer Bootsrampe an der Donau

Abrupter Themenwechsel: gerade ist mir ein Stichwort bzw Ausgangswort zu einem Impulswerkstattbeitrag eingefallen. Ich lege ihn im Kopf ab mit dem Auftrag zur Bearbeitung und heute Abend oder morgen schaue ich dann mal nach, ob schon was daraus geworden ist. Die Methode ist bewährt, mein ganzes Studium lang bin ich alle schriftlichen Arbeiten so angegangen. Erfolgreich, muss ich dazu schreiben hat die Eitelkeit angeordnet, eine sehr lästige Mitbewohnerin …

Sonntag 27.Juni 2021 – Forellen am Abend

Die Maler haben doch tatsächlich die ganze Wohnung in PB zu zweit in zweieinhalb Tagen gestrichen. Alle Wände, alle Decken und die Türrahmen geschliffen und lackiert. Ich bin sehr beeindruckt. Der nächste Schritt ist, dass ein Zimmer einen neuen Boden bekommt. Dann können wir uns mit Möbeln beschäftigen.

Endlich haben wir es geschafft, dass der Vorbesitzer der Wohnung die Fernbedienung für die Garagentür herausgerückt hat. Er hatte sie, so sagte er, in einem seiner Umzugskartons versenkt und nicht und nicht gefunden. Aber gut, jetzt haben wir sie auch. Die Garage ist ebenerdig mit Fenstern und das Tor besteht aus Gittern sodass es nicht dunkel ist, wie in einer dieser entrischen Tiefgaragen, aber andererseits auch nicht so kühl. Die Garagenplätze selbst sind um einiges größer als in Wien.

Es war ein großartiges Wochenende. Warm, aber nicht zu heiß, mit Sonne, Wolken, Wasser, Geselligkeit und Plänen. Das freundliche Gesicht des Sommers.

Von PB zurück nach Wien fuhren wir diesmal auf der anderen Donauseite. Die Strecke ist ein bisschen länger, aber viel schöner. Wir fanden ein Fischlokal mit Blick auf einen kleinen Hafen in einem Nebenarm der Donau. Die Forellen waren gar nicht schlecht und der Blick auf die Schiffe sehr nostalgisch. Ich war so lange nicht mehr am Meer und der kleine Hafen erzeugte eine ganz maritime Atmosphäre, die von dem barocken Kirchturm im Hintergrund etwas verfremdet wurde.

Der F an der Donau

Aus Gründen der Anonymität schwerst überbelichtet, wodurch man leider nicht viel von der Donau sieht. Aber schließlich gibt es hier jede Menge Wasserfotos zu sehen, den F dagegen sehr selten.