la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Fanatisches

„Der Report der Magd“. Ein gut geschriebener spannender und unterhaltsamer Roman, dann der letzte Teil, durch den diese Geschichte in einen größeren Zusammenhang gestellt und ein Blick von außerhalb auf das Geschehen ermöglicht wird. Natürlich ist es eine fiktive Dystopie, aber so manche darin enthaltene Elemente lassen sich sehr leicht aus real vorhandenen gesellschaftlichen Strömungen entwickeln. Wo sich Fanatismus und Fundamentalismus mit Skrupellosigkeit und Machtgelüsten paaren, entsteht Hölle. Dazu fallen mir leider ohne größere Anstrengung einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte und der Gegenwart ein.

Zufällig habe ich vor ein paar Tagen auch diesen Film über Sophie Scholl gesehen. Besonders gelungen fand ich die Szenen des Verhörs, in dem der Gestapo-Mann fast väterliche Gefühle entwickelt und der jungen Frau eine Brücke bauen möchte um dem Todesurteil zu entkommen. Er wankt nicht in seiner Ideologie, aber das menschliche Empfinden behindert ihn doch. Auch Sophie bleibt standhaft, was – sollte es sich tatsächlich so oder so ähnlich abgespielt haben – ungemein beeindruckend ist. „Die Sonne scheint noch“ soll sie kurz vor der Hinrichtung zu ihrem ebenfalls zum Tod verurteilten Bruder gesagt haben.

In diesem Zusammenhang ermutigend ist der Gedanke, dass in jedem noch so diktatorischen und menschenverachtendem Regime Widerstandsbewegungen entstehen, dass es immer Menschen gibt, die Ideale und Werte in Wort und Tat hochhalten. Ob das für einzelne Menschen, die unter solchen Regimen leben, leiden und sterben relevant und hilfreich ist ? Wohl manchmal und für einige. Wirklich allgemein sichtbar werden diese positiven menschlichen Eigenschaften erst durch den Blick aus zeitlicher oder räumlicher Distanz. Der Glaube an die Menschheit ist möglicherweise vom Standpunkt der Geschichtswissenschaften einfacher aufrecht zu erhalten als vom Standpunkt der Soziologie aus.

 

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Die grüne Basis der industriellen Revolution

Diese Pflanze hat vor Millionen Jahren die Weichen für die gesellschaftliche Entwicklung der Mensch gestellt. Aus Schachtelhalmen entstand Kohle, die Kohle ermöglichte die Entwicklung der Industrie, daraus entstand das städtische Proletariat, der Kommunismus, der Kapitalismus, der kalte Krieg, die nordkoreanische Diktatur, die Wahl von Donald Trump ………

Man sieht es ihm nicht an, dem Schachtelhalm


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Achtsamkeit in der Fotografie

Der Begriff „Achtsamkeit“ bedeutet in diesem Zusammenhang „achtsame Wahrnehmung“ oder auch „direkte Wahrnehmung“. Damit ist gemeint, dass man das, was man wahrnimmt nicht interpretiert, oder so wenig wie möglich. Es ist der Versuch, die Welt direkt auf uns wirken zu lassen, ohne Filter. Mögliche Filter sind die persönlichen und allgemeinen Vorstellungen und Vorurteile, ideologische Ausrichtungen, Moralvorstellungen und, und, und …….. Eine Wahrnehmung wäre dann nicht schön, häßlich, gut, böse oder was auch immer, sondern einfach ein nicht näher definierter, starker Eindruck.

Momente der direkten Wahrnehmung sind sehr intensiv. Ein Eindruck ploppt auf und Sekundenbruchteile lang, ist alles andere verschwunden. Diesen Eindruck dann möglichst authentisch in einem Foto festzuhalten, macht viel Freude. Daraus werden Fotos, an die man sich erinnert. Von meinen Fotos, die aus einer solchen Wahrnehmung entstanden sind, weiß ich auch noch Jahre später, wie und wo ich sie gemacht habe.

 


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Sunnys Bänke

Ich habe viele Fotos von Bänken und Bänckchen an verschiedenen Orten, in verschiedenen Farben, mehr oder weniger einladend.Gerade aber sind mir besondere Parkbänke eingefallen:

Der Tiergarten Schönbrunn in Wien hat ein ziemlich geniales Marketing-team, dem immer wieder etwas Neues einfällt um Sponsoren für dies oder das zu finden. Zum Beispiel Paten für die Tiere. Deren Namen steht dann auf einem Schild. „Max Mustermann“ Pate der Giraffe Sheherezade zum Beispiel.

Auch Parkbänke innerhalb des Tiergartens können gespendet werden, die edlen Spender dürfen dann eine Widmung für eine Person ihrer Wahl drauf schreiben lassen. Eigentlich eine wirklich nette Idee


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Transparente Wasserläufer im Gegenlicht

Wir haben uns doch noch entschlossen einen kleinen Vorosterurlaub auf dem Land zu machen und haben es ganz und gar nicht bereut. Osterverkehr klingt für mich nach ziemlichem Verkehrschaos, aber wir sind antizyklisch gefahren, von Mittwoch bis Samstag und es gab nicht einen gefährlichen Moment. Einen Unfall allerdings  haben wir gesehen, beim Vorbeifahren, zum Glück hat es nicht sehr schlimm ausgesehen; ansonsten war der Verkehr völlig problemlos.

Im Waldviertel, dem nördlichsten Teil Österreichs kann man wunderbar entschleunigen. Sanfte Hügel, Felder in verschiedenen Braun- und Grünschattierungen, dazwischen sonnengelber Raps. Zahllose kleine Teiche und Bäche. Kühl ist es im „mystischen Waldviertel“, kühl und feucht und entspannend. Das Hotel war aber gut geheizt und die waldviertler Mohngerichte waren erstklassig; Karpfen (aus dem Teich hinter dem Hotel) in Mohnpanier, Mohnzelten, Mohnparfait …… köstlich.

Wir sind in einem ungewöhnlichen Hotel am Ende der Welt abgestiegen. Früher eine Mühle, heute ein Hotel direkt am Bach mit einem privaten kleinen Wasserkraftwerk und Zäunen mit Sonnenpaneelen. Für die Esoteriker eine Pyramide im Garten, riesige Gartenflächen mit 170 verschiedenen Obstbäumen, darunter sehr alte Sorten. Im Restaurant gab es neben erstklassiger Küche, uralte Möbel, riesige Lüster und eine sehr eigenwillige Sammlung von Bildern an der Wand: von kitschigen Acryl-Blümchen bis zu Ikonen. Das ganze wirkte ein bisschen wie Robinson Crusoes Insel in dritter Generation, exzentrisch, aber sehr komfortabel.

Wir haben auch vieles gesehen; von Burgen und Schlössern über Wackelsteine bis zur Moorforschungsanlage; schlechte Kunst, nachdenkliche Installationen und Mohn, Mohn, Mohn …

Jedenfalls sind meine Nerven gestählt für die Ergebnisse des baldigen Erdogan-Referendums.