Schlagwort: Tiere –

Krakenfreundschaft

Craig Foster & Ross Frylink
„Seachange“
Mosaik Verlag: 2022

Beim Salzburger Mosaik Verlag, der zur Randomhouse-Gruppe gehört, gibt es Vielfältiges zu entdecken und nicht zuletzt diesen umwerfenden Bildband.

Vorausgeschickt: die Fotos sind eine wahre Augenweide, man wird richtig hineingezogen in diese fantastische Wasserwelt. Ebenso vorausgeschickt: es gibt auch einen Film zu diesem Projekt. Unter „Mein Lehrer der Krake“ findet man ihn leicht, es gibt ihn aber auch bei Netflix. Er ist sehr sehenswert.

Die beiden Autoren zeigen fantastische Makros von sehr vielen Bewohnern – tierischen und pflanzlichen – der Tangwälder an der südafrikanischen Westküste vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Agulhas. Wegen meines großen Interesses für Oktopusse begeistern mich besonders die Portraits der Kraken. Diese faszinierenden bunten Strukturen, der Blick in ihre Augen aus größter Nähe! Ich liebe diese Darstellungen, bei denen man die Strukturen der Haut und sonstiger Organe genau sieht. Viele dieser Fotos haben Qualitäten von abstrakten Gemälden.

Aus meiner Sicht rund um die Fotos gibt es auch Text. Man kann es natürlich auch so sehen, dass der Text von den Fotos illustriert wird. Es ging Craig Foster und Ross Frylink jedem für sich um das
Eintauchen in eine äußere faszinierende Welt ebenso wie um das Tauchen in die eigene Psyche und Vergangenheit. Beide sind gerade ein paar Meter von der Küste und den Tangwäldern aufgewachsen und haben sehr früh zu tauchen begonnen.

Auch die Texte sind ein Eintauchen in eine fremde, faszinierende Welt mit Bewohnern, die die unglaublichsten Eigenschaften und Fähigkeiten haben.

„Ich war überwältigt als ich zum ersten Mal in das Auge eines Gestreiften Katzenhais blickte und sich darin ein ganz anderes Universum spiegelte. Der Hai sammelt Aragonit (eine Kristallform von Calciumcarbonat) aus dem Meerwasser und baut daraus auf der Rückseite seines Auges einen glänzenden Spiegel auf. dies befähigt ihn, in dem dunklen Wald das schwache Mondlicht zu verstärken und sich nachts zu orientieren. Er sieht bei schwachem Licht zehnmal besser als ich“ S 44

Bei den Tauchgängen, den Reisen ins Abenteuer, lebt Craig Foster seine eigene Theorie über die Verbindung des Menschen zur Natur.

„Wir sind überaus anpassungsfähig, aber unser frühes evolutionäres Erbe taucht immer wieder in unserem Seelenleben auf. Wir sehnen uns nach unseren Wurzeln in der Wildnis. Wenn wir sie nicht nähren, fühlen wir uns entfremdet, nicht mit uns selbst in Einklang. Wir fühlen uns gespalten, als verlorene Wesen, die sich in einem immer enger werdendem Kreis des Wahnsinns drehen. Jeder Schritt zurück zu unserer Quelle, zu unserem Ursprung, bringt uns jener positiven Kraft näher, die man Liebe nennen könnte. Die Wildnis lebt als ein Archetypus in den Tiefen unserer Seele fort. Diese Prägung lässt sich nicht auslöschen.“ S 90

Auch für das in der Kalahari lebende Volk der San und ihre Felsmalereien interessieren sich die beiden Autoren und integrieren deren Kunst und Kultur in ihre Betrachtungen über das Verhältnis von Mensch und Natur. Es gibt daher in dem Buch auch einige Fotos von solchen Felsmalereien.

Die nicht ganz einfachen Lebensgeschichten der beiden Autoren werden ebenfalls in die Begegnungen mit den Meereslebewesen verwoben. Am meisten beeindruckt hat mich die Begegnung zwischen Mensch und Krake. Foster schildert seine Freundschaft mit einem Krakenweibchen und es kommt kein Zweifel auf, dass es sich um eine Beziehung handelt, die man als Freundschaft zwischen zwei Species bezeichnen kann. Besonders eindrucksvoll kann man im Film sehen, wie die beiden einander berühren, ja geradezu miteinander kuscheln.

Der wissenschaftliche Zugang zum Meer wird in einem Vorwort von dem Meeresbiologen Jannes Landschoff vertreten, der auch mit Foster und Frylinck im Rahmen des Sea Change Projekts taucht und in einer Einleitung von Jane Goodall, die meint,

(…) dass Menschen tiefe und starke Beziehungen zu vielen verschiedenen Lebensformen aufbauen können S11

Dass Sea Change Projekt entwickelt sich offenbar prächtig:

In dieser Gruppe der „Waldfans“ sind alle Altersgruppen vertreten – von 15 bis 75 – über Generationen hinweg sind Freundschaften entstanden, miteinander verflochten durch die Kraft des Meeres. Dieses gemeinsame Interesse daran, Geschichten zu erzählen und sich über Flora und Fauna auszutauschen, steht im Zentrum der ursprünglichen Naturerfahrung des Menschen, und es verbindet den Menschen mit der Wildnis und die Wildnis mit dem Menschen“ S 329

Mittwoch 17. August 2022

Die Preise für Biofleisch vom Bauern befinden sich in Bereichen, die auch für nicht armutsgefährdete Menschen nicht mehr schmerzfrei sind. Ich bin keine Vegetarierin, aber mir ist es wichtig, dass die Tiere, deren Fleisch ich esse, ein artgerechtes, schönes Leben hatten, daher kaufe ich Biofleisch. Tatsächlich gibt es auch beim Bio-Fleisch noch verschiedene Preiskategorien. Einerseits die ganz teuren Bio-Supermärkte und andererseits gibt es auch bei Supermärkten wie Spar zB etwas günstigeres Biofleisch. Zufällig bekam ich heute einen Bescheid vom Finanzamt, der mich über meinen Jahresausgleich informiert. Ich muss nichts nachzahlen, sondern bekomme etwas zurück. Eine Summe mit der ich ziemlich genau vier große, frische Bio-Hühnerfilets von der ganz teuren Sorte kaufen könnte.

Besonders viele Neuigkeiten gibt es von dem neuen Moderna – Omicron-Impfstoff nicht. In den USA und in GB soll er ab Herbst zum Einsatz kommen. In Europa wird er noch von der EMA geprüft. Ich kann mich nur nicht entscheiden, ob ich mir eine weitere Impfung mit dem ursprünglichen Impfstoff holen soll oder doch lieber auf das Variantenprodukt warten, das speziell auf Omicron B4/B5 zugeschnitten ist. Wenn ich noch lange herum überlege, wird sich die Frage von selbst lösen

Samstag 6.August 2022 – Kraken und Homeoffice

Die Nacht war eine der ärgsten Tropennächte, die ich erlebt habe, auch unter Einberechnung der sommerlichen Nächte in Sevilla, die ich in heißester Erinnerung habe, in jeder Hinsicht. Aber heute hat es gut zehn Grad weniger, hat gerade begonnen zu nieseln. Wenn sich die Hitzeschwaden aus dem Kopf verziehen, besteht wieder die Möglichkeit sich mit anderen Themen zu beschäftigen.

Zum Beispiel mit Kraken. Diese Wesen faszinieren mich ja schon lange. Die Verhaltensforschung stellt ihre Intelligenz mittlerweile auf die gleiche Stufe, wenn nicht höher, als jene von Hunden, Katzen, Rabenvögeln und kleinen Primaten. Auch von Seiten der Genetik gibt es erstaunliche Erkenntnisse über besondere Methoden und Frequenz des Umbaus der DNA durch die eigene messenger-RNA.
Eine sehr beliebte These ist , dass die Entwicklung von Intelligenz durch das Leben in der Gemeinschaft, im Rudel, durch Möglichkeit und Notwendigkeit von Interaktionen stark gefördert wird. Die Intelligenz der Kraken bestätigt diese These nicht: Kraken sind nicht im mindesten sozial sondern Einzelgänger.

Einzelgänger*in muss man nicht unbedingt sein, um gerne im Homeoffice zu arbeiten, zumindest gelegentlich. (Ich bemerke amüsiert, dass meine Überleitungen von einem Thema zum nächsten sehr an jene von Fernsehjournalisten erinnern) Während der Lockdowns wurde heftig über die Schwierigkeiten und negativen Aspekte des Arbeitens im Homeoffice geschimpft. Neuerdings aber zeigen Umfragen, dass das Arbeiten zuhause sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Zwei bis drei Tage pro Woche wird von den Befragten als optimale Situation angegeben. Das hat mit Zeitgewinn durch Einsparung von Wegen zu tun und auch damit, dass man ja – zumindest theoretisch – überall arbeiten kann und keine Rechenschaft über seinen Aufenthaltsort ablegen muss.
Beim F in der Firma sind zwei mögliche Homeoffice-Tage pro Woche die derzeitige Regelung, wobei bei allen Mitarbeitern einer dieser Tage der Freitag ist. Der F nimmt meistens Donnerstag und Freitag. Sehr oft arbeitet er den Freitag ein und hat dadurch lange Wochenenden.
Es gibt ja auch einen allgemeinen Trend, weniger arbeiten zu wollen, bzw sich die Arbeits- und Freizeiten flexibler einteilen zu können. Die 4-Tage-Woche halte ich für ein sehr positives Modell, das auch den Vorzug hätte, der Mehrzahl der Arbeitnehmer, die in Berufen arbeiten, in denen es keine Möglichkeit für Homeoffice gibt, eine Erneuerung und in den allermeisten Fällen Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu bieten.

Freitag 29.April 2022 – Blätter und Geist

Einmal geht´s noch, Salat aus jungen Spinatblättern. Die Blätter sind eigentlich schon etwas zu groß und hart an der Grenze zu dem Zeitpunkt, an dem sie beginnen Oxalsäure zu produzieren. Dann sollte man sie nicht mehr roh essen sondern kurz blanchieren. Bei mir herrscht gerade eine Grünphase: in letzter Zeit hatte ich in der Biokiste hauptsächlich Obst bestellt, in der gestrigen Lieferung waren aber hauptsächlich Blätter von verschiedenen Gemüsesorten in verschiedenen Grüntönen. Und diese ungewöhnlich aussehenden dunkelroten Karotten, aus denen das Provitamin A nur so herausschwappt. Sogar der F, ein extremer Apfeltiger, mag gelegentlich keine Äpfel und dann haben wir, so wie gerade, mehrere große Schüsseln Äpfel in der Küche herumstehen, die darauf warten, dass sie verputzt oder verarbeitet werden.

Ganz wichtig finde ich es im Alltag eine gute Balance zwischen intellektuellen und „erdigen“ Themen zu bewahren. Manchmal hat man ja längere Phasen von der einen oder der anderen Seite, in glücklichen Momenten lässt sich beides vereinen, auf jeden Fall aber sollte doch mittelfristig die Balance gewahrt bleiben. Ich halte es ja längere Zeit weder ohne das eine noch ohne das andere aus und meist reguliert sich daher das Gleichgewicht von selbst. Kochen und Fotografieren gehört zu den erdverbundenen Themen, Besuche im Tiergarten fallen unter sowohl als auch.

Da habe ich doch tatsächlich auch ein passendes Foto zu Karotten und Salat.

Flechten sind keine Pflanzen

Flechten sind nicht nur optisch interessant. Sie entstanden aus einer Symbiose von Pilzen und Algen. Älteste paläontologische Hinweise auf eine Symbiose aus Pilz und Alge belegen Fossilien aus Südchina, die rund 600 Millionen Jahre alt sind. Bis zu dieser Entdeckung  galten Fossilien aus dem frühen Devon vor etwa 400 Millionen Jahren als die ältesten Flechtenfossilien. Auch die individuelle Lebensspanne von  Flechten ist eindrucksvoll. Sie zählen zu den längstlebigen Lebewesen überhaupt und können ein Alter von mehreren hundert Jahren, in Einzelfällen sogar von über 4.500 Jahren erreichen. 

Symbiose als natürliches Phänomen fasziniert mich auch beträchtlich. Zwei Lebewesen, die beide von dem jeweils anderen profitieren. Kann es einen besseren Grund geben, einander gut zu behandeln? Natürlich sind Flechten keine bewussten Lebewesen, die entschieden hätten, miteinander in Symbiose zu gehen, dennoch gibt es in der Natur das Phänomen der Symbiose, für das man sich vielfältige Anwendungsformen in menschlichen Gesellschaften vorstellen kann. 

Ermutigend finde ich, dass in der neueren Evolutionsforschung kooperatives Verhalten als wichtiger Faktor für Entwicklung gesehen wird. Dass also die Zusammenarbeit in frühesten Gesellschaften von Menschen eine wichtige Rolle spielte. Ebenso wie bei anderen Primaten und auch bei anderen Herdentieren.