Schlagwort: Tiere –

Weil ich sie so schön finde

Allein schon die Augen! Dieser macht den Eindruck als wollte er etwas untersuchen, aber das ist natürlich reine Einbildung, den von einer Mimik kann hier nicht die Rede sein und menschliche Empathie mit Echsen kann es auch nicht geben. Dafür dieses Grün!

Urzeitlich jung

Im Haus des Meeres war ich heute, einer der drei Wiener Tiergärten, der aus einem Flak-Turm aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Das Gebäude wurde völlig renoviert, die alte Bausubstanz in Glas eingehüllt. Jede Menge Aquarien und Terrarien samt Bewohnern in verschiedenen Klimazonen. Viele der Tiere gehen, hüpfen, fliegen frei herum und man wird vor „Glückstreffern“ gewarnt, die eventuell von oben kommen könnten.

Die alten Luftschutzkeller wurden erhalten und können besichtigt werden. Wäre ich mit dem F dort gewesen, hätten wir sie uns wahrscheinlich angesehen. Meine heutige Begleitung wollte aber nicht hinunter. Ich fand es auch recht erstaunlich, dass viele der zahlreichen ukrainischen Familien, die da heute unterwegs waren in die Luftschutzkeller hinunter gingen. Vielleicht war ihnen nicht klar, was es zu sehen gab.

Ich finde die Renovierung sehr gelungen, aber mir fehlt der Schriftzug auf dem Flakturm, der mich jedesmal wenn ich ihn gesehen habe aufs Neue berührt und beeindruckt hat.

Er gehörte zu den bekanntesten künstlerischen Schriftzugen Wiens: „Smashed to Pieces (in the still of the night)“ des Künstlers Lawrence Weiner. Seit 1991 war diese Wortskulptur – ein Mahnmal gegen den Faschismus – auf dem Flakturm in Mariahilf zu sehen, in dem das Haus des Meeres untergebracht ist.

Nun ist, wie der „Standard“ berichtet, eine Nachahmung dieses bekannten Schriftzugs, der Ende April am Dach des Haus des Meeres übermalt worden war, wieder aufgetaucht  – und zwar auf einem anderen Flakturm: Jenem im Arenbergpark. Wer für diese Guerilla-Aktion verantwortlich ist, ist ebenso ungeklärt wie die Frage, wie der oder die Aktionisten den – an sich gesperrten- Flakturm überhaupt betreten konnten.

Das ist eine Guerilla-Aktion, die mir sehr gefällt und ich hoffe, dass man die „Schuldigen“ nicht findet. Inzwischen hat sich eine andere Lösung gefunden, aber es ist einfach nicht dasselbe.

Montag 19.Dezember 2022 – Schmetterlinge, Geschenke und Corona

Von mir gibt es heuer nur Neujahrsgeschenke, zu Weihnachten werden sie nicht fertig, auch wenn wir erst am 26. feiern. Einwerfen kann man, dass ich ja schon im August mit dem Thema hätte beginnen können, habe ich aber nunmal nicht. Der Dezember ist schließlich mein Horrormonat, weil ich immer schon darauf warte, dass irgendwelche gröberem gesundheitlichen Probleme hereinbrechen. Der vorige Dezember hat meinen Pereneus-Nerv in die Luft gesprengt, im Jahr davor hat sich der F einen sehr großen Nierenstein zugelegt, den er dann auch so günstig platziert hat, dass die Chirurgin sich genötigt sah ihn um 1Uhr früh zu operieren. Und so weiter und so fort, es lässt sich weit zurückblicken.

Aber vielleicht wurde die Serie heuer unterbrochen, denn – Juhuuuuuu – es sieht so aus als hätte ich mich nicht bei Martha angesteckt, obwohl wir gemeinsam in Museen und auf Weihnachtsmärkten unterwegs waren und einander in voll besetzten Lokalen gegenüber gesessen sind. Sowohl der PCR-Test, den ich aus ganz anderen Gründen gemacht habe, als auch der „Wohnzimmertest“ sind negativ. Ich werde jetzt die Illusion kultivieren, dass ich immun gegen Corona im Allgemeinen und Omicron im Besonderen bin. Hochmut kommt vor dem Fall, es muss aber nicht immer so sein.

Zukünftige Schmetterlinge hängen hier einträchtig nebeneinander. Sie werden bald schlüpfen und dann zwischen den Zuschauern herumfliegen. Das Foto ist leider miserabel, weil die Kamera die extrem feuchte Luft nicht vertragen hat und in den Streik getreten ist.

Planet B – Impulswerkstatt

In den Hügeln lebten die Ameisen. In diesem Land der Vulkane und Lavafelder, der geschmolzenen Gletscher, der überschwemmten Küstenlandschaften und der sich ausweitenden Spalte zwischen den Kontinentalplatten. Die Ameisen hatten in den Hügeln riesige, ausgeklügelte Wohnstätten für ihre Völker errichtet. Sie waren auch um vieles größer als ihre Vorfahrerinnen. Wäre jemand da gewesen um diese Entwicklung zu beobachten und zu analysieren, hätte er sich wohl gewundert, dass die Ameisen bei so geringem Nahrungsangebot so groß geworden waren. Bis dieser fiktive Beobachter von den Würmern erfahren hätte.

Sie krochen durch die neu entstandenen Landschaften sobald die Lava einigermaßen verfestigt war. Ihre Haut war so hitzebeständig, wie es bei einem Lebewesen nur möglich war, hornig, undurchlässig, mit einem grünen Schimmer. Die Würmer gab es hier schon länger als die großen Ameisen. Der fiktive Beobachter hätte vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit mit manchen Reptilien aus dem Anthropozän festgestellt oder auch zu den mythischen, feuerspeienden Drachen.

Nachdem die Intelligenz von Einzelwesen in eine evolutionäre Sackgasse und zur extremen Erhitzung des Planeten geführt hatte, war es lange sehr still gewesen auf dieser vulkanischen Insel im Nordatlantik, bis zum Auftauchen der beinahe feuerfesten Würmer, die sich – wie unser Beobachter mit Staunen feststellen würde – großteils von erkalteter Lava ernährten. Noch mehr staunen würde er bei der Erkenntnis, dass die Würmer auch Photosynthese betrieben und somit ein Zwischenglied zwischen Tieren und Pflanzen darstellten.

Wie die Ameisen nicht nur überlebt sondern sogar groß geworden waren, hing auch mit den Würmern zusammen. In den Kellerräumen der Ameisenpaläste unter den Hügeln wurden die gefangenen Würmer zerlegt. Die sehr großen und starken Mandibeln der Ameisen konnten die feuerfeste Haut der Würmer ebenso wie den Rest ihrer Körper in kleine Teile zerlegen mit denen sie Königinnen und Brut fütterten. Unter den jungen Ameisen waren jene mit besonders starken Mandibeln im Vorteil.

Auf älteren Lavafeldern erschienen da und dort wieder Pflanzen, die die immer noch große Hitze ertrugen und das üppige Angebot an Kohlendioxid in der Luft nutzen konnten.

Gespenstisch waren die Landschaften schon den Menschen erschienen. In der Nacht wurden die bizarren Formationen der Lavafelder zu allem möglichen, je nach Phantasie der Betrachter. Aber menschliche Betrachter gab es schon sehr lange keine mehr.

Auf der obersten Etage eines Ameisenpalastes, knapp über dem Bodenniveau des Hügels standen mehrere junge Königinnen mit aufgerichtetem Oberkörper, ihre Fühler berührten einander. Sie schauten in die gleiche Richtung und bewegten sich koordiniert. Das Gehirn jeder einzelnen Ameise war immer noch klein und begrenzt, doch wenn sich Gruppen zusammenschlossen, so wurden die Sinneseindrücke jeder einzelnen stärker.

Die Gruppe der Königinnen schaute in Richtung des aktiven Vulkans Eyjafjallajökull, der am Horizont dominierte, um den immer ein schwacher roter Schimmer zu sehen war. Die Emotion, die noch verschwommen und schwach durch ihre sich entwickelnden Gehirne strömte, hätten Menschen als Ehrfurcht oder gar Anbetung bezeichnet. Sie begannen zu summen, die Königin in der Brutkammer summte auch und mit ihr die gerade geschlüpften Ameisen.

Gespinste

Bei strahlendem Sonnenschein bin ich am Montag an der Donau entlang geradelt. Teilweise noch sommerliche Blüten aber hauptsächlich flammendes Laub. Ich hatte den Eindruck, dass mir ständig einzelne Haare übers Gesicht wehten, einzelne Haare, die ich nicht und nicht wegstreifen konnte. Aber nein, es waren keine Haare sondern ganz dünne bis ganz dicke Spinnenfäden, aus Netzen durch die ich offenbar ständig durchbrach oder die teilweise auch vom Wind vertragen wurden. Sie hängten sich überall an, an Gesicht, Hände, Kleidung und waren nur sehr schwer abzustreifen. Einmal kam auch eine Spinne samt ihrem Netz mit. Damit, mich einzuspinnen hat sie sich vielleicht doch etwas zu viel vorgenommen.

Eine fantastische Sache die Spinnfäden, sehr dehnbar, hochgradig reißfest, flexibel. Da kommen wir mit unserem Plastik, das obendrein die Welt verseucht gerade noch so mit. Ich habe irgendwo gelesen, dass daran geforscht wird abgetrennte Nerven über Spinnfäden irgendwie wieder zusammenwachsen zu lassen, allerdings habe ich davon dann nie wieder gehört.

Inzwischen freue ich mich einmal auf den Bodensee. Spinnweben wird es dort auch geben, aber kein Rad.

Krakenfreundschaft

Craig Foster & Ross Frylink
„Seachange“
Mosaik Verlag: 2022

Beim Salzburger Mosaik Verlag, der zur Randomhouse-Gruppe gehört, gibt es Vielfältiges zu entdecken und nicht zuletzt diesen umwerfenden Bildband.

Vorausgeschickt: die Fotos sind eine wahre Augenweide, man wird richtig hineingezogen in diese fantastische Wasserwelt. Ebenso vorausgeschickt: es gibt auch einen Film zu diesem Projekt. Unter „Mein Lehrer der Krake“ findet man ihn leicht, es gibt ihn aber auch bei Netflix. Er ist sehr sehenswert.

Die beiden Autoren zeigen fantastische Makros von sehr vielen Bewohnern – tierischen und pflanzlichen – der Tangwälder an der südafrikanischen Westküste vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Agulhas. Wegen meines großen Interesses für Oktopusse begeistern mich besonders die Portraits der Kraken. Diese faszinierenden bunten Strukturen, der Blick in ihre Augen aus größter Nähe! Ich liebe diese Darstellungen, bei denen man die Strukturen der Haut und sonstiger Organe genau sieht. Viele dieser Fotos haben Qualitäten von abstrakten Gemälden.

Aus meiner Sicht rund um die Fotos gibt es auch Text. Man kann es natürlich auch so sehen, dass der Text von den Fotos illustriert wird. Es ging Craig Foster und Ross Frylink jedem für sich um das
Eintauchen in eine äußere faszinierende Welt ebenso wie um das Tauchen in die eigene Psyche und Vergangenheit. Beide sind gerade ein paar Meter von der Küste und den Tangwäldern aufgewachsen und haben sehr früh zu tauchen begonnen.

Auch die Texte sind ein Eintauchen in eine fremde, faszinierende Welt mit Bewohnern, die die unglaublichsten Eigenschaften und Fähigkeiten haben.

„Ich war überwältigt als ich zum ersten Mal in das Auge eines Gestreiften Katzenhais blickte und sich darin ein ganz anderes Universum spiegelte. Der Hai sammelt Aragonit (eine Kristallform von Calciumcarbonat) aus dem Meerwasser und baut daraus auf der Rückseite seines Auges einen glänzenden Spiegel auf. dies befähigt ihn, in dem dunklen Wald das schwache Mondlicht zu verstärken und sich nachts zu orientieren. Er sieht bei schwachem Licht zehnmal besser als ich“ S 44

Bei den Tauchgängen, den Reisen ins Abenteuer, lebt Craig Foster seine eigene Theorie über die Verbindung des Menschen zur Natur.

„Wir sind überaus anpassungsfähig, aber unser frühes evolutionäres Erbe taucht immer wieder in unserem Seelenleben auf. Wir sehnen uns nach unseren Wurzeln in der Wildnis. Wenn wir sie nicht nähren, fühlen wir uns entfremdet, nicht mit uns selbst in Einklang. Wir fühlen uns gespalten, als verlorene Wesen, die sich in einem immer enger werdendem Kreis des Wahnsinns drehen. Jeder Schritt zurück zu unserer Quelle, zu unserem Ursprung, bringt uns jener positiven Kraft näher, die man Liebe nennen könnte. Die Wildnis lebt als ein Archetypus in den Tiefen unserer Seele fort. Diese Prägung lässt sich nicht auslöschen.“ S 90

Auch für das in der Kalahari lebende Volk der San und ihre Felsmalereien interessieren sich die beiden Autoren und integrieren deren Kunst und Kultur in ihre Betrachtungen über das Verhältnis von Mensch und Natur. Es gibt daher in dem Buch auch einige Fotos von solchen Felsmalereien.

Die nicht ganz einfachen Lebensgeschichten der beiden Autoren werden ebenfalls in die Begegnungen mit den Meereslebewesen verwoben. Am meisten beeindruckt hat mich die Begegnung zwischen Mensch und Krake. Foster schildert seine Freundschaft mit einem Krakenweibchen und es kommt kein Zweifel auf, dass es sich um eine Beziehung handelt, die man als Freundschaft zwischen zwei Species bezeichnen kann. Besonders eindrucksvoll kann man im Film sehen, wie die beiden einander berühren, ja geradezu miteinander kuscheln.

Der wissenschaftliche Zugang zum Meer wird in einem Vorwort von dem Meeresbiologen Jannes Landschoff vertreten, der auch mit Foster und Frylinck im Rahmen des Sea Change Projekts taucht und in einer Einleitung von Jane Goodall, die meint,

(…) dass Menschen tiefe und starke Beziehungen zu vielen verschiedenen Lebensformen aufbauen können S11

Dass Sea Change Projekt entwickelt sich offenbar prächtig:

In dieser Gruppe der „Waldfans“ sind alle Altersgruppen vertreten – von 15 bis 75 – über Generationen hinweg sind Freundschaften entstanden, miteinander verflochten durch die Kraft des Meeres. Dieses gemeinsame Interesse daran, Geschichten zu erzählen und sich über Flora und Fauna auszutauschen, steht im Zentrum der ursprünglichen Naturerfahrung des Menschen, und es verbindet den Menschen mit der Wildnis und die Wildnis mit dem Menschen“ S 329