Schlagwort: Herbst –

Samstag 16.Oktober 2021

Heute geht´s los. Ich bin registriert und eingecheckt und muss nur noch am Flughafen erscheinen, so pünktlich wie möglich. Mir graust vor den 3 1/2 Stunden Maske. Deswegen habe ich auch so lange gebraucht um mich endlich zu entscheiden.Wahrscheinlich wird es aber nicht so schlimm werden, denn es gibt etwas zu Essen und dazu muss man ja wohl den Mund frei machen.

Ziemlich furchtbar wäre, wenn es im Flugzeug eine/n Covid-Infizierten gäbe, denn dann müssten alle die rundherum gesessen sind in Quarantäne. Hotelquarantäne mit Meer in ein paar Metern Entfernung und nicht hin können, stelle ich mir ziemlich gruselig vor. Ebenso wie das unbemerkte Raus- und wieder Reinkommen ins Hotel. Aber das ist ja doch ein recht unwahrscheinliches Szenario. Wahrscheinlich sind ein paar sehr entspannte Tage an der Küste.

Die Erfahrung sagt mir, dass ich – egal wie nervös ich davor war – nachdem ich die Wohnungstür zugemacht habe in den Entspannungsmodus schalte und dass ist ja der Zweck der Übung.

Sonntag 10. Oktober – Überraschungen

Wir waren den ganzen Tag in PB und hätten mit dieser Überraschung nun wirklich nicht gerechnet. Kurz ist doch tatsächlich vom Amt des Bundeskanzlers zurückgetreten. Er wird Clubchef seiner Partei im Parlament, was ihm als Kollateraleffekt parlamentarische Immunität verleiht. Zum neuen Regierungschef macht er einen seiner engen Vertrauten, den derzeitigen Außenminister. Es kann sich wohl jede/r ausmalen, wie sich die Machtverhältnisse de facto gestalten werden.

Auf einer Demo vor dem Kanzleramt wird „Tango Korrupti“ gespielt. Da wäre ich vielleicht hingegangen, aber wir sind zu spät nach Wien gekommen und wurden von den Ereignissen überrascht. Gestern erklärte Kurz noch er würde selbstverständlich und unter allen Umständen im Amt bleiben und schickte zwei seiner Getreuen vors Mikrofon, die verkündeten, dass die ganze Partei „wie ein Mann“ hinter ihm stünde. Offenbar hatten einiger der Elemente dieses „Mannes“ Hackln dabei, die sie von hinten schwangen. Vorläufig hat er nicht viel an Macht verloren, aber sein Strahlemann-Effekt ist vorbei, er ist moralisch schwer angeschlagen und die Ermittlungen werden auch irgendwann weiter laufen.

Langweilig ist es in der österreichischen Innenpolitik derzeit wirklich nicht

Freitag 8.Oktober 2021- Bei uns geht´s zu !

Es hätte eine kleine Spur unredlich sein können, Zetter und Mordio zu schreien ohne die mittlerweile berühmt-berüchtigten 104 Seiten der Staatsanwaltschaft gelesen zu haben. Vielleicht tue ich es noch. Das Interview mit dem Kanzler, das ich gestern Abend gehört habe, hat mir aber vorläufig gereicht. Die perfekte Opfermasche, Fehlverhalten gibt es keines, aber falls sich doch etwas beweisen ließe, stellt er schon einmal vorbeugend fest, dass andere schuld sind, die er plötzlich gar nicht kennt und nie gekannt hat und ER auf jeden Fall nichts mit nichts zu tun hat. Diese Leute, die er ja gar nicht kennt, haben ganz von sich aus in seinem Interesse gehandelt. Und diese unsäglichen SMS-Protokolle, in denen man mitlesen kann, mit welcher kindischen, korrupten Unverantwortlichkeit der Herr K und seine Freunde, die er plötzlich gar nicht mehr kennt mit der Republik umgehen! Angetreten ist der neugefärbte Herr K mit dem Anspruch neue, ehrliche, unkorrupte Politik zu machen. Es ist zum Kotzen! Was für ein Glück, dass ich hier keinen politischen Blog betreibe !

Bohrer, Hämmer und Hobbies

Seit gut einer Woche – und noch ist kein Ende abzusehen – renovieren meine Unternachbarn. Es ist sehr laut. Das Hämmern wäre nicht so schlimm, aber die jaulenden Bohrgeräusche in der Betonwand sind sehr durchdringend. Heute und morgen ist die Küche dran, was man einem Zettel entnehmen kann, mit dem sie um Verständnis bitten. Ich habe eh Verständnis dafür, dass man seine Wohnung renovieren möchte, trotzdem nervt es nach einer Woche schön langsam.

Ich habe ja viele und recht zeitaufwändige Hobbies. Ich begeistere mich für alle, betreibe sie völlig freiwillig und mit viel Freude, aber es zeigt sich Stress am Horizont. Während der lockdowns war es nicht nur einfach möglich sondern auch psychologisch sehr hilfreich zweimal in der Woche viele Stunden im Atelier zu verbringen. Sonst fand ja das Leben hauptsächlich online statt und vieles war überhaupt nicht möglich.

Jetzt sieht die Sache anders aus. Es ist mir stressfrei kaum mehr möglich, alles was ich tun möchte zweimal die Woche zu betreiben. Die Schwierigkeit liegt darin, mich weder zu stressen noch zu frustrieren noch alles auf einmal tun zu wollen und dann im Endeffekt womöglich gar nichts zu machen. Ich möchte auch unbedingt vermeiden, dass bei mir das Gefühl auftaucht, dass ich ständig hinter meinen eigenen Ansprüchen nachhinke, denn es sind im Grunde ja Ansprüche auch wenn es sich um lauter freiwillige, angenehme Beschäftigungen handelt.

Vielleicht sollte ich auf „Blockbetrieb“ umschalten, also zB. in einer Woche eine Sache intensiv betreiben und die anderen nur unter ferner liefen. Die nächste Woche die Prioritäten wieder verändern. Andererseits habe ich aber wenig Lust, mein Leben zu strukturieren wie im Gefängnis.

Ich denke, es wird sich von selbst ergeben und zurecht schütteln. Es ist für mich ja noch sehr ungewohnt, dass ich absolut tun und lassen kann, was und wann ich möchte.

Mittwoch 6.Oktober 2021 – ungarisches Geflüster

Der erste Ungarischkurs, mit etwas durchwachsener Bilanz. Die Kursleiterin war eine Vertretung der tatsächlichen Kursleiterin, die wir also erst in der zweiten Stunde kennenlernen werden. Das ist ja nicht so schlimm. Diese Lehrerin war sehr charmant, die Gruppe angenehmerweise auch nur aus fünf Personen bestehend, perfekt.

Bücher wurden verkauft, die sich zunächst niemand angesehen hat, was ein Fehler war. Es wird ein einsprachiges Lehrbuch und eine einsprachige Grammatik verwendet. Man stelle sich vor, ich beherrsche 3,5 Wörter ungarisch und soll nun die hochkomplizierte Grammatik dieser Sprache ausgehend von ungarischen Erklärungen, die ich natürlich nicht verstehe, erlernen. Schon in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wusste man, dass diese Lernmethode für Erwachsene und ohne sprachliches Umfeld völlig ungeeignet ist.

Ich möchte mich aber ungern als Horrorkursteilnehmerin profilieren nach dem Motto „ich habe jahrzehntelange Erfahrung als Sprachlehrerin und weiß, wie das geht“ und dann womöglich noch mit dem Zusatz „so nämlich nicht“. Ich will auch nicht jedes Mal bedeutungsvoll schauen, wenn irgendwas nicht funktioniert.

Nicht so toll fand ich auch, dass die Kursleiterin zuerst meinte, es wäre didaktisch völlig verkehrt gleich in der ersten Stunde in die nicht ganz einfache Grammatik des Ungarischen einzusteigen, aber zehn Minuten später mit hellen und dunklen Vokalen und dem Plural begann.

Die Lösungsmöglichkeit, zu der ich mich entschlossen habe, ist, großen Aufwand zu treiben. Mindestens ein anderes Lehrbuch und eine Grammatik erwerben, eine Vokabelkartei anlegen, die Arbeitsanweisungen und Erklärungen aus dem einsprachigen Buch durch DeepL jagen. Das wird recht mühsam, aber wahrscheinlich ist es letztlich recht effektiv, weil ich mir alles besser merken werde, wenn ich es abgeschrieben, eingetippselt und übersetzt habe.

Intrinsische Motivation übersteht schlechte Bedingungen, schlechte Lehrer*innen und ungeeignete Bücher.

„Tartalom“ wird wohl Inhaltsverzeichnis heißen

Montag, 4. Oktober – Qi Gong, der erste

Nachdem ich mich jetzt schon eine Weile theoretisch mit Qi Gong beschäftigt habe, war es an der Zeit, endlich einen Kurs zu besuchen. Und der Kurs hat sehr angenehm begonnen: von sechs angemeldeten Leuten sind nur drei erschienen. Na, mir soll es recht sein, wenn es so eine kleine Gruppe ist oder bleibt, mit einiger Wahrscheinlichkeit würde der Kurs aber teurer, wenn es bei drei Leuten bliebe.

Der Kursleiter war meiner Ansicht nach überhaupt nicht vorbereitet, hat seine Sache aber sehr gut gemacht. Wenn man in seiner Materie sattelfest ist, muss man sich ja auf einen Anfängerkurs auch nicht vorbereiten. Wir haben etliche einfache Übungen gemacht, die ich mir – zumindest bis jetzt – gemerkt habe.

Was die Theorie betrifft, so kommt mir vor, dass Qi Gong-Übungen ebenso wie im Großen und Ganzen sämtliche asiatischen Systeme letztlich die Synchronisierung von Körper und Geist anstreben. So sieht auch die Grundübung der Meditation aus, das Bleiben im Hier und Jetzt. Ich habe den Eindruck, dass ich nichts grundlegend Neues beginne, sondern eine andere Seite der Medaille betrachte.

.