la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


21 Kommentare

Während ich auf dem Parkplatz wartete ….

… lächelte mich diese Komposition an. Eine kaputte Mauer, verwelkte Blätter, eine halbtote Pflanze und doch so schön und harmonisch.

Advertisements


10 Kommentare

Freitag 16.11.18 – Nix Bruegel

Die Bruegel-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum wollten wir besuchen. Für mich ist das ja schon ein größeres Unternehmen: in die Innenstadt mit dem Auto zu fahren garantiert Stress, mit den Öffis zu fahren, verbraucht meine ohnehin schon sehr geringen Mobilitätsreserven, so ein  Museumsbesuch  ist ja anstrengend. Es blieb das Taxi, teuer aber bequem und effizient. Wir fuhren also vor dem Museum vor, winkten der Kaiserin Maria Theresia, die ausladend auf ihrem Denkmal zwischen den beiden großen Museen sitzt und in Richtung des Kunsthistorischen zeigt. F. philosophierte darüber, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn es mehr Denkmäler von solchen Matriarchinnen auf Sesseln gäbe statt in Bronze verewigte Kriegsherren auf Pferden. Pferde spielen ja derzeit auch in der österreichischen Innenpolitik eine Rolle. Aber ich schweife ab.

Wir freuten uns darüber, dass bei den Kassen kaum jemand stand. Einige meiner Kolleginnen, die schon in der Ausstellung waren, hatten gewarnt, dass sie ungeheuer überlaufen sei und die Tickets nur für Zeitfenster verkauft werden. Wir waren aber natürlich klüger, und vor den Kassen stand ja auch kaum jemand, also alles bestens. Ich machte eine kleine Foto-Runde, F. ging Tickets kaufen, kam kurz darauf zurück und ……. tja, für heute alles ausverkauft. Vor den Kassen standen nur diejenigen, die noch keine Tickets hatten und auch keine mehr bekamen. Wir konnten es gar nicht fassen. Es ist eine große, international beworbene Ausstellung, aber ausverkauft! F. war enttäuschter als ich. Bruegel ist nicht so unbedingt meines, aber schließlich war er mit mir bei einer Schiele-Ausstellung, die wiederum nicht unbedingt seines war. Nur auf den Bruegel hatte er sich gefreut, wegen der Szenen aus dem damaligen Alltagsleben, wegen der Bilder aus dem bäuerlichen Leben.

Da standen wir nun bei strahlendem Sonnenschein vor dem Museum und durften nicht in die gewünschte Ausstellung. Ins Gebäude selbst konnten wir wohl hinein und so landeten wir im Museums-Shop. Der Ausstellungskatalog ist im Kunsthistorischen immer um 10 € teurer als in allen anderen Museen, warum auch immer das so sein möge. Aber es gab abgesehen vom Katalog sehr viel Interessantes, neben heftigem Kitsch wie Klimt-Regenschirmen und Monet-Kochschürzen und vielem anderen in dieser Kategorie. So kamen wir beide recht zufrieden mit mehreren Büchern und einem Katalog wieder heraus.

Gibt es eigentlich ein Wort für die Mischung aus Mittag- und Abendessen? Wie immer es heißen möge, haben wir uns sowas einverleibt, beim Syrer, und über Monsterausstellungen nachgedacht.

Die Vermurksung des Fotos ist auf den Frust zurückzuführen. Aber immerhin sieht man den strahlenden Himmel hinter den imperialen Säulen.


Hinterlasse einen Kommentar

Lauriacum statt Friedhof

Das x-te letzte Wochenende mit schönem Wetter in diesem Jahr lockte uns hinaus. Und es war wirklich sogar die Fahrt auf der Autobahn ein Schwelgen in Herbstfarben.

In Enns, dem ehemaligen römischen Lauriacum findet die heurige oberösterreichische Landesausstellung statt. Ein bissl weit zu fahren für einen Halbtagsausflug, aber die Laubwälder entlang der Autobahn entschädigten reichlich für die längere Strecke.

Lauriacum war der Verwaltungssitz der römischen Provinz Noricum und spielte auch nach Untergang des weströmischen Reichs eine wichtige Rolle bei der Sammlung und Evakuierung der römischen Bevölkerung. In der Ausstellung sind Zeugnisse aus 4oo Jahren römischer Präsenz zu bewundern.

Im Stadtteil Lorch – da hat sich offenbar das römische „Lauriacum“ erhalten – steht die Basilika Sankt Laurenz. Ein sehr interessanter Bau, heute eine gotische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die über einer frühchristlichen Kirche aus dem 4. Jahrhundert erbaut wurde, die ihrerseits über einem römischen Haus aus dem 2 Jahrhundert stand. In der Apsis der heutigen Kirche, hinter dem Altar sind die römischen Ausgrabungen frei zugänglich. Eine für mich höchst erstaunliche Situation in einer Kirche.

Ungewöhlich fand ich auch den Turm neben der Basilika mit den beiden Figuren am „Balkon“.

 Ein entspannter, harmonischer Tag, an dem wir einander sehr nahe waren. Der Sonnenuntergang in Enns auf dem gepflegten renovierten Hauptplatz mit den modernen Brunnen inmitten der historischen Häuser war auch ein Genuss. Die eine Front des Turms war sonnengold angestrahlt bis das Licht schwächer und von einer rosagoldenen Wolkenpracht abgelöst wurde. F bestieg den Turm und kam begeistert von dem Blick über sein Bundesland zurück.


9 Kommentare

Wie mein Oktober roch und schmeckte

Es ist wieder einmal soweit Fräulein Read On lädt ein zu olfaktorischen Betrachtungen des vergangenen Monats und ich habe beschlossen auch den Geschmackssinn einzubeziehen, schließlich liegen riechen und schmecken eng aneinander.

Anfang Oktober roch bei mir nach viel Arbeit. Altes Papier hat einen charakteristischen Geruch, neues Papier dagegen riecht nach nicht viel,  auch Bildschirme haben keinen charakteristischen Geruch und so roch der Anfang meines Oktobers sehr stark nach nicht viel. Er roch ein bisschen nach warmen Nächten, nach noch immer blühenden Blumen und einem neuen Waschmittel, das sich in der Bettwäsche geruchlich ausgebreitet hatte.

Der Anfang des Monats roch und schmeckte asiatisch: Huhn mit Nudeln, Nudeln mit Huhn, Huhn mit Reis, Reis mit Huhn, hin und wieder eine Bento-Box und viele Liter Miso-Suppe. Das asiatische Lokal liegt einfach so günstig für die Mittagspause und für den Kolleginnenplausch. Auch zuhause schmeckt es nach Algen mit Ingwer, scharf aber nicht zu scharf und unendlich gesund. Und es riecht so angenehm danach, dass F immer das Geschirr wäscht. Auch das ist ein Geruch-Geschmack, jener des Zusammenwachsens und der Freundlichkeit und der Zartheit. Meine Gefühle für F sind das zarteste in meinem Leben,  vorsichtig und doch verlässlich.

Immer stärker versuchte die Natur nach Herbst zu riechen, es gelang nur schlecht und streckenweise. Die unpassend hohen Temperaturen verschlangen den erwarteten Modergeruch der nassen Blätter, den Geruch nach feuchten Mauern, durchnässtem Leder und streunenden Katzen. Hinter der Kulisse der lauen Sommernächte, die dazu einluden den Herbst völlig zu vergessen, lauerten Regen und kalter Wind. Sie waren zu spüren, schafften es aber nicht hervorzubrechen hinter den Bühnendekorationen des ewig währenden Scheinsommers.

Fast jeder Augenblick vor dem Fernseher schmeckte nach Trump, Orban, Salvini, Strache, Chemnitz, ein eintöniger, bitterer, alter Geschmack, ein undefinierbares und unverdauliches Plastik-Schlamm-Gemisch, das Brechreiz und Verzweiflung weckt. Im Hintergrund der Geruch von Obdachlosigkeit, Armut, und unendlicher Ignoranz. Dieser Geruch-Geschmack zieht sich ja nun schon durch das ganze Jahr, im Oktober angereichert durch den Rauch brennender Lokale und gar einer brennenden Synagoge.

Der feinste, angenehmste Duft des Oktobers aber war mein wochenlang blühender Orangenbaum. Ein Geruch, der durch die ganze Wohnung zog und von dem ich gewollt hätte, dass er auch über die Welt ziehen möge.