Schlagwort: Herbst –

Preiswunder

Übers kleine deutsche Eck sind wir aus Zell am See nachhause gefahren und haben im deutschen Bad Reichenhall Pause gemacht. Viel Zeit hatten wir nicht und sind daher gerade einmal durchs Stadtzentrum gebummelt. Eine hübsche Kurstadt mit entsprechender Architektur, obwohl das Stadtzentrum nichts darüber aussagt, wie es sich in einer Stadt lebt. Ordentlich nass geworden sind wir auch, weil natürlich die vorsorglich mitgenommenen Schirme im Auto geblieben sind. Das ist aber nicht wirklich überraschend.

Da uns zuhause ein leerer Kühlschrank erwartete und direkt auf dem Weg ein Aldi-Markt lag, gingen wir einkaufen. Als Österreicher:in bleibt einem der Mund offen stehen bei den niedrigen Preisen! In Österreich gibt es die Supermarkt-Kette „Hofer“, die zu Aldi-Süd gehört und auch um einiges billiger ist als andere österreichische Supermärkte, aber immer noch um einiges teurer als der deutsche Aldi. Auch Bekleidung und Bücher und wahrscheinlich einfach alles ist in Deutschland billiger als in Österreich.

Nun haben wir noch ein langes Wochenende in PB angehängt bei dem der F heldenhaft gelitten hat, weil wir wieder stundenlang beim Tischler waren. Ihm ist es ja ziemlich egal welches Holz, welche Farbe, abgerundete Kanten oder nicht etc.pp Jetzt haben wir aber alles ziemlich geklärt und können beim nächsten Termin wahrscheinlich bestellen. Es dauert dann ohnehin alles mindestens bis Ende des Jahres. Aber, wie ist das mit der Vorfreude.

Energie aus der Höhe

Zuerst fuhren wir in den elften Stock eines Parkhauses und stellten dort das Auto ab. Dann ein Stück zufuß, Bus Nummer 1, Ein offener Lift um eine Steilwand hinaufzukommen, dann noch ein Bus und man ist beim oberen Stausee des Kraftwerks Kaprun. Es handelt sich um ein Wasserkraftwerk mit zwei gewaltigen Staumauern, eine davon auf über 2000 Metern

Die obere Staumauer
Blick auf die untere Staumauer und den dazugehörigen Stausee

Es ist eine gewaltige Anlage, die nicht nur aus zwei Stauseen besteht sondern auch aus zahlreichen unterirdischen Verbindungen, die durch die Berge gebaut wurden. Schon jetzt erzeugt es eine Menge Strom soll aber noch weiter ausgebaut werden.

Wir mussten da unbedingt hinauf, denn ich bin ja mit einem studierten Wasserbauingenieur unterwegs. Aber, ich muss schon sagen, ich bin sehr beeindruckt! Die Landschaft ist gewaltig, die Seen, die Berge, die Gletscher und diese Leistung der Ingenieurskunst. Ich kann ja sonst auf Berge durchaus verzichten, aber diesem Eindruck konnte ich mich nicht verschließen.

Wie es aber nun so ist in österreichischen Landen und sicher auch in deutschen, wo man hinkommt stolpert man über neuere Geschichte von der beschämenden Art.

Der Bau wurde mitten im 2. Weltkrieg, im Jahr 1940 begonnen. Nachdem die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter nach Ende des Krieges nicht mehr zur Verfügung standen, sprang der Marshallplan ein. Kann man das nun geschickt finden oder moralisch verwerflich ? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass das beeindruckende Werk fertig gebaut wurde und heute einen wichtigen Beitrag zur Energiegewinnung leistet.

Auf dem Gelände bei der oberen Staumauer steht auch noch ein seltsames Bauwerk „Heidnische Kirche“ genannt. Das Bauwerk ist eindrucksvoll, auf der Tafel fällt allerdings auf, dass die Toten erst ab 1947 gezählt werden, obwohl die Bauarbeiten 1940 begonnen wurden.

Heidnische Kirche

Ich halte nichts von Sippenhaft und es ist auch nicht so, dass es mir lieber wäre, wenn es dieses Kraftwerk nicht gäbe, ganz im Gegenteil, so wie die Zeiten sind. Trotzdem …

Geschmacksverirrungen

Ich schaue mir überall wo ich hinkomme die Gedenkstätten für Kriegsopfer an. Ob da die Rede ist von „Helden“ und „Gefallenen fürs Vaterland“ etc oder ob es eine verhältnismäßige neutrale Stätte ist, etwa mit Namen und/oder einem Hinweis auf die Schrecken des Krieges, einer Mahnung für den Frieden oder Ähnliches.

Was sich der Pfarrer von Zell am See gedacht hat, oder wer immer dieses Objekt dort aufgestellt hat, ist mir unverständlich. Viel geschmackloser geht es kaum. Es spricht ja nichts dagegen, Kerzen für Kriegsopfer anzuzünden und auch Geld dafür zu sammeln, aber in einem blank polierten, überdimensionalen Geschoss ? Eine Kanone in deren Rohr man Münzen hineinwerfen kann, wäre doch auch nicht schlecht, oder vielleicht ein Sarg ….

Saudi-Arabien en marche

Abgesehen von einer sehr schönen Landschaft mit See und Bergen gibt es im salzburgischen Zell am See eine weitere Attraktion: eine große Anzahl von Urlauber*innen aus Saudi-Arabien. Von der total verschleierten Frau unter einer Abaya, über Kopftuchträgerinnen mit freiem Gesicht bis zu ganz unverhüllten Frauen in bunter Bekleidung ist alles vertreten.

Vor etlichen Jahren, vor Corona, wurde in Österreich ein Vermummungsverbot eingeführt, das auch das Tragen von Burkas, Abayas und ähnlichen Kleidungsstücken, die das Gesicht verhüllen umfasst. Schon damals wurde die Frage diskutiert, wie denn nun mit Touristinnen aus arabischen Ländern verfahren werden sollte. Dann kam Corona und löste die Frage: die Frauen, die sich verschleiern wollten/ mussten, trugen statt des Gesichtsschleiers eine FFP2-Maske. Diese Lösung kenne ich, denn sie wird auch in Wien praktiziert. Dass das Tragen dieser Masken nichts mit medizinischen Erwägungen zu tun hat, sieht man daran, dass kein einziger arabischer Mann eine Maske trägt.

Es ist nun natürlich sehr unhöflich, zu starren oder gar zu fotografieren. Ich habe mich allerdings beider Faux-Pas schuldig gemacht. Ich dachte, was der Schwan darf, darf ich auch.

Ein nettes Erlebnis war es mit diesen beiden Frauen, die ich fotografiert habe, allerdings von weitem. Sie haben es trotzdem bemerkt. Die eine hat sich das Gesicht mit der Hand bedeckt, die andere hat ein Victory-Zeichen gemacht. Als wir dann aneinander vorbei gingen, haben wir alle drei gelacht.

Wir haben die saudischen Touristen überall angetroffen, rund um den See, beim Picknick in der Wiese, lächelnd im Regen, auf den Bergen, im Schnee. In mehr oder weniger geeigneter Bekleidung. Sehr gut gefallen hat mir eine Gruppe von fünf jungen Männern, die sich Anoraks und Stiefel ausgeliehen hatten, alle bei demselben Verleih, weswegen sie die gleichen Jacken und Stiefel trugen, was schon sehr urig aussah. Besonders lustig war aber, dass auf den Leihstiefeln hinten drauf, groß in weiß, die Schuhgröße zu lesen war. Diese fünf waren unmöglich zu fotografieren, denn sie sind mit der Energie und dem Schwung von Fünfjährigen im Schnee herumgekugelt.

Wenn man bedenkt, wie teuer und wie umweltschädigend eine Anreise im Flugzeug über mehr als 4000 Km ist, wäre es doch wünschenswert, wenn die Reisenden sich ihres Lebens erfreuen und ihre Umwelt wahrnehmen würden. Ist halt nicht immer der Fall

Ausklänge

Urlauben mit dem F ist ebenso interessant wie anstrengend. Vor der Kulisse des Sommerausklangs sehen und erleben wir viel, es bleibt aber keine Energie zum NIederschreiben. Dafür ist dann der Herbst da.

Ich freue mich auf das Schreiben, habe aber jetzt gerade keine Lust dazu. Klingt absurd, ist aber ganz genau so. So eine Art Sammelphase vor der Winterruhe …

Samstag 10. September 2022

Auf den ersten Blick besteht der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich in der Farbe der Straßenschilder, die österreichischen sind weiß, die deutschen gelb. An diesem angenehm kühlen, feuchten Tag fallen mir bei der kurzen Fahrt übers „kleine deutsche Eck“ keine weiteren herausragenden Unterschiede auf: in Bayern wie in Salzburg wolkenverhangene Bergspitzen, triefendes Grün. Nur die Saalach steht sehr niedrig, eine Schotterbank nach der anderen. Und die Schilder der Busstationen sehen in Bayern anders aus als in Österreich, aber nicht sehr anders …

Die Straßen sind wenig befahren, die Landschaft märchenhaft, mit den gezackten Bergen, die immer wieder aus den Wolken hervorblitzen. Im Gegensatz zur niederösterreichischen Landwirtschaft gibt es in Salzburg praktisch keine Felder, nur meist steile Wiesen und viel Vieh. Vor allem friedlich grasende Kühe, sanft braun-weißes Gebimmel, die zu ihrem Glück keine Ahnung haben in was für einer Welt sie leben.

Wir fahren durch ein Paradies der Umleitungen, dem das einfache Weltbild des Navis nicht gewachsen ist. Der F, der Navis ohnehin sehr zweifelnd gegenübersteht, zückt eine Karte, findet den „Denkfehler“ des „blöden Kistls“ und dann sind wir bald angekommen.

Farbecht

Ein Foto, das nur entfernt zum Kofferpacken passt, aber irgendwie doch wieder, also zumindest für mich.

Die richtigen Schuhe sind wichtig für den Aufenthalt in einer Gegend, wo sich einerseits ein See und andererseits Schneeberge anbieten. Wanderschuhe im Strandbad oder Flip-Flops im Schnee möchte ich vermeiden. Auch Badetaschen müssen mit, vertragen sich aber nicht sonderlich gut mit Winterjacken und Mützen. Es muss aber alles in einen Koffer. Ich möchte nicht verlernen, wie man packt, wenn es nicht mehr als zwanzig Kilo Gepäck sein dürfen.

Der Wind – Impulswerkstatt

Diesmal kann ich selbst auch etwas mit meinen Rahmen anfangen. Wieder ein Drabble

Der Wind schmirgelt die sattgrünen Blätter ab, sie werden erst sonnengelb, wie in einem zweiten Frühling, dann aber saftlos braun, beige, grau, schwarz, eigentlich anthrazit. Wo die Säfte fehlen, fehlt auch die Geschmeidigkeit, das Tanzen im Wind, das kokette umeinander Ringeln.
Grün blüht und lebt. Beige und braun versuchen sich im unauffälligen Mittreiben, im Festhalten an den anderen um nicht weggerissen zu werden. Das solidarische Heer der Dunkelgrauen widersteht dem Wind nicht aber einem Orkan, der sie zerfasern würde.
Sie stehen noch gerade, genießen die Herbstsonne. Auch die entfärbten Blätter lassen sich noch im sanften Wind wiegen bis ganz zuletzt.

Drabble Nr. 10

Sonntag 12. Dezember – Wir haben es getan !

Was? Nun einen Christbaum gekauft. Am ersten Tag, an dem dies möglich war. Wir dachten sogar, wir wären unter den ersten, aber der Verkäufer, der seine Tannen anbot, erzählte uns, dass er den allerersten Baum an das chinesische Lokal gleich hinter ihm verkauft habe. Tatsächlich leuchtete und blinkte der große Baum schon in allen Farben. Meine Vorstellung von einem stimmungsvoll dekoriertem Baum sieht zwar anders aus, aber über Geschmack lässt sich nicht streiten und schon gar nicht wenn es um Christbäume geht.

Heute öffnet das Kieser-Studio wieder. Ich muss nicht gleich am ersten Tag hingehen, aber doch spätestens Dienstag. Nicht dass es schon wieder geschlossen wird bevor ich dort war. Auch die Museen sind ab heute wieder geöffnet. Modigliani, ich komme! Etliche andere Ausstellungen habe ich auch noch auf der Liste, aber es muss nicht alles auf einmal sein. Bei Veranstaltungen jeder Art bin ich noch sehr zurückhaltend, ich habe einfach keine Lust mit Maske im Theater zu sitzen.