la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Einen Hut habe ich mir gekauft

Einen Strohhut. Strohhut, Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Ursprünglich hatte er ein schwarzes Band, das ich nicht haben wollte, jetzt hat er ein rotes, das im Wind flattern wird. Hoffentlich fliegt nicht der ganze Hut davon. Ich erinnere mich an Bilder: die bestrohhuteten Damen haben ein Band um den Hut gelegt und unterm Kinn befestigt. Szenen aus den Seebädern vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Bademode, gestreift, mit Bein bis gerade noch übers Knie und Umkleidekabinen ebenfalls gestreift, die entfernt an die Zelte der türkischen Belagerer vor Wien anno 1683 erinnern. Sultan Süleyman hatte allerdings ganz sicher ein hübscheres Zelt.

Ein ausgesprochen schönes Hutgeschäft habe ich entdeckt, Familienbetrieb, Handarbeit. Ich habe beschlossen eine behutete alte Dame zu werden mit mindestens einem Hut für jede Gelegenheit und mit vielen edlen Hutschachteln. Auf irgendwas muss man sich ja freuen können.


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Montag 28.1.19

Im Pensionistenheim pflegen die Einwohner eine beinharte Hackordnung. Wer dement ist, steht in der Hierarchie ganz unten. Diese Gruppe ist allerdings sehr groß und daher gibt es noch weitere Unterteilungen. Wer sich noch in die Selbstdarstellung retten kann, nur ein bissl vergesslich zu sein, steht noch besser da als jemand, der ständig nachfragen muss, welchen Monat wir gerade haben. Es wird wohl so sein, dass die nicht-dementen Menschen den dementen ausweichen, aus der uneingestandenen Angst heraus, dass dieser Zustand doch irgendwie ansteckend sein könnte. Und die langsam dement werdenden sehen in den anderen ihre sehr nahe Zukunft, die sie verzweifelt verdrängen möchten. Wenige Menschen sehe ich dort, die einfach nur alt,  mit sich und ihrem Leben aber im großen und ganzen im reinen sind.

Heute früh hat es wild geschneit, den restlichen Tag ist alles wieder weggetaut. Die Gehsteige sind ganz gut begehbar, aber um die Straße zu überqueren, brauchte man eigentlich ein Boot, oder Goretex-Schuhe. Nicht der letzte modische Schrei, aber funktional, sehr funktional. Mit Verwandten meiner derzeit im Gebrauch befindlichen bin ich auch schon trockenen Fusses am Rand des Atlantik im Wasser gegangen.

Ebenso wie ein Besuch beim Friseur, erfreut ein Besuch bei der Fusspflegerin. Ein Berufsstand, der wohl auch nicht sehr viele männliche Mitglieder hat, falls überhaupt irgendeines. Gestern habe ich eine Statistik gesehen, die darstellt, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen bis zum ersten Kind äußerst gering sind, dann aber aus dem Ruder laufen. Wird schon so sein, Tatsache ist aber auch, dass zum Beispiel KFZ-Mechaniker nun einmal mehr verdienen als zum Beispiel Fußpflegerinnen. Schon klar, eine Fußpflegerin hätte ja auch KFZ-Mechanikerin werden können …..


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Alle Lebensalter gleichzeitig

Mein kleiner Orangenbaum zeigt vor, wie das gemacht wird: Blüten und Früchte gleichzeitig. Derzeit hat er nur Früchte, die noch ganz klein und grün sind. Das liegt daran, dass ich ihn in einen größeren Topf umgesetzt habe und er monatelang nur mit dem Wachstum von Ästen und Blättern beschäftigt war. Aber in den letzten Monaten hat er schon mehrmals geblüht und jetzt wachsen jede Menge Orangen und dazwischen blüht er wieder, dass es eine Freude ist. Und der Duft! Orangenblüten riechen ähnlich wie Jasmin, blumig und intensiv.Bei uns Menschen geht das ja nun leider nicht, wir sind entweder jung oder alt oder irgendwas dazwischen, wenn auch die Industrie sich heftig bemüht ihre Produkte mit dem Versprechen der ewigen Jugend zu verkaufen. Je teurer desto ewiger die Jugend vermute ich. Leider treibt dieser Jugendwahn die seltsamsten Blüten, die keineswegs so ästhetisch und duftend sind wie die Orangenblüten. Groteske Lippen nach missglücktem Aufspritzen, mimiklose
Gesichter, die in ihrer Starrheit trotz glatter Haut alles andere als jung aussehen, seltsame Haarbüschel auf männlichen Köpfen.


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Leere Augen

Gestern war ich zu Besuch in einem Pensionistenheim. Das Heim als solches ist schön: kleine Wohnungen mit Balkon, ein großer Garten, viele Gemeinschaftsräume, viele möglichen Aktivitäten, gute Betreuung, ABER …… Die Gänge sind breit, es stehen dort kleine Sitzgruppen, es sitzen auch Menschen dort, aber viele blicken völlig unfokussiert, starren in die Luft. Es könnte sein, dass sie einander einfach schon sehr lange kennen und sich keine neuen Unterhaltungsthemen anbieten.Glaube ich aber nicht, schließlich haben alte Menschen ein ganzes Leben zu erzählen und tun das meistens auch gerne.

In der großen Eingangshalle gibt es eine Bibliothek, dort sehe ich niemanden und mehrere Computerplätze, an einem sitzt eine fröhlich wirkende alte Dame und studiert Fischrezepte, die anderen sind unbenutzt. Auch im Café sind alle Tische besetzt, aber auch hier gibt es viele Menschen, die zwar die physische Nähe anderer suchen, aber nicht kommunizieren wollen oder können.

In dem Heim lebt auch ein Kater, ein hübscher, schwarzer, freundlicher Kater. Seltsamerweise ist er nicht dick. Bei der üblichen Haltung von Katzen gegenüber Nahrung, hätte ich erwartet, dass er sich gerne von allen immer wieder einen kleinen Imbiss abholt und entsprechend unschlank wäre. Die stromlinienförmige Figur des Katers halte ich daher auch für ein Indiz für wenig Kommunikation in diesem Haus.

Ich habe auch die betreute Gruppe gesehen. Das System funktioniert ähnlich wie in einem Kindergarten, nur ist das Klima ein anderes. Lebensfreude ist mir nicht begegnet, obwohl die dort anwesenden alten Damen Beschäftigungsangebote hatten und die Räumlichkeiten sehr gemütlich und anregend ausgestattet sind. Meine allerhöchste Hochachtung gilt jedenfalls den dort arbeitenden Menschen. Alle waren sie freundlich, fröhlich und bemüht.

Deprimierend. Das Thema Alter, Krankheit, mögliche Demenz, mangelnde Eingebundenheit ins Leben. Klug ist es wohl, sich rechtzeitig selbst um gute Lösungen umzusehen; falls es die gibt und falls man selbst physisch und psychisch in der Lage ist, sie zu nutzen.


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Oh Robert, Oh Peter, Oh Silvio

In den letzten Tagen stoße ich immer wieder auf das Thema „loslassen“. Robert Mugabe, der ohne auch nur eine Spur von Altersweisheit auch mit 93 noch an der Macht klammerte. Peter Kraus, ein Schlagerstar aus den 1950er Jahren, der seit über 60 Jahren, die gleichen Liedchen trällert. Würdelos ist das, oder lächerlich, oder beides wenn jemand sich zwischen 20 und 80 nicht weiterentwickelt hat… Furchtbar auch diese ausdruckslosen, maskenhaften Gesichter, die Haut bis zum Zerreißen gespannt aber eben doch nicht mehr jugendlich. Die giftig zu grotesken Formen aufgespritzten Lippen. Der ungesunde Polit-Geist Berlusconi, der überhaupt keine Miene mehr verziehen kann vor lauter gezogener, weggeklammerter Haut. Das panische Ordinärsexgeschwafel alter Männer

Kann man sich den ewige Jugend erkaufen, durch gruselige Praktiken wie das Einspritzen von Stammzellen von Embryos ? Macht das glücklich ? Vermittelt das den Eindruck von Jugend ? Warum darf den eigentlich niemand, der alt ist auch alt scheinen ? Wieso ist es erstrebenswert mit über 80 die gleichen Interessen und Aktivitäten zu haben wie Teenager ? Wie ist eine Gesellschaft aufgestellt, in der die Alten nicht nach Weisheit streben sondern nach möglichst sorgloser Jugendlichkeit. Einmal ganz abgesehen davon, dass niemand neo-jung werden kann.