la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


3 Kommentare

15. Station der Literaturweltreise – Afghanistan

Es liest sich gut auf Yvonnes Spuren ! Ich habe nicht das von ihr rezensierte Buch gelesen sondern das andere, das sie viel besser fand:

Khaled Hosseini ist ein großer Geschichtenerzähler; es ist mir richtig schwer gefallen, Lesepausen zu machen. Die Geschichte ist erschütternd, aber sie hat zumindest für einige der Figuren so was Ähnliches wie ein happy-end; wenn auch der Begriff „happy end“ gar nicht passend ist. Würde das Buch nicht in Afganistan spielen, würde ich sagen, dass soviel Unglück in einem Leben in einem Roman etwas dick aufgetragen ist, aber diese Geschichte kommt mir absolut möglich vor

Erzählt wird das Leben von zwei afghanischen Frauen aus völlig anderen Milieus kommend, mit völlig anderer Geschichte und anderen Charakteren, die denselben Mann heiraten. Keine von beiden tut dies wirklich freiwillig. Der Zwang der Eltern, der Zwang der Gesellschaft, der Zwang der Lebensumstände. Man erfährt vieles vom Leben in Afganistan, von der großen Geschichte und von vielen kleinen.

Wie in allen diesen und ähnlichen Geschichten frage ich mich, wie es geschieht, dass Menschen derartig verrohen können. Auch wenn die gesellschaftlichen Normen es erlauben oder gar fördern, wundert es mich trotzdem. Schließlich wachsen die meisten Männer auch in Afganistan mit Müttern, Großmüttern, Schwestern und Cousinen auf. In diesem Roman ist das Verhältnis zwischen positiven und negativen Männergestalten allerdings ziemlich ausgeglichen.

Die Buchvorstellung bleibt kurz, weil ich noch dringend anderes lesen möchte …..

Advertisements


3 Kommentare

Netter Krimi – Ruth Rendell

Viel gelesen habe ich im Sommer und werde langsam einiges vorstellen. Zunächst einen netten Krimi.

Ruth Rendell ist eine meiner Lieblingskrimiautorinnen, vor allem ihre unter dem Namen Barbara Vine veröffentlichten Bücher schätze ich sehr. Das sind auch eigentlich keine Krimis.

Hier handelt es sich aber um ein Inspektor-Wexford-Buch. „Die Besucherin“. Ja, nicht ihr allerbestes aber auch nicht das schlechteste. Wobei ein schlechter Rendell-Krimi immer noch mindestens im Mittelfeld der veröffentlichten Krimis liegt. Wie bei allen ihren Krimigeschichten geht es nicht nur um die Mord-Story sondern um einige gesellschaftlich relevante Themen. In diesem Buch um Rassismus, Arbeitslosigkeit und die Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern.

Die Geschichte liest sich flüssig, ist logisch aber nicht allzu linear aufgebaut- es gibt überraschende Wendungen – bietet ein bisschen Stoff zum Nachdenken und ist insgesamt eine angenehme, mittelseichte Lektüre, die sich für Urlaubstage blendend eignet oder für häusliche Regentage. Man kann die Geschichte auch problemlos in Etappen lesen.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars


6 Kommentare

13. Station der Literaturweltreise – Japan

Auf den Spuren von Yvonne  habe ich Kanae Minatos „Geständnisse“ gelesen.

Nach dem Buch, das ich zuvor gelesen hatte (klick) , war es ein so angenehmer, distanzierter, fast kühler Stil in dem die dramatischen Ereignisse geschildert werden. Ob diese Art der Darstellung  „das japanische“ an dem Roman ist oder einfach der persönliche Stil der Autorin, kann ich nicht beurteilen, ich werde mich aber auf jeden Fall nach weiteren Werken von Kanae Minato umsehen.

Obwohl ein Mord im Zentrum der Geschehnisse steht, handelt es sich nicht um einen Krimi. Die Geschichte um die es geht, ist von Anfang an bekannt: die vierjährige Tochter einer Lehrerin wurde getötet. Zu Beginn des Buches eröffnet die Lehrerin ihrer Klasse von 13-jährigen Schülerinnen und Schülern, dass sie weiß, wer die Tat begangen hat und dass sie sich an diesen Personen zu rächen gedenkt. Die handelnden Personen kommen nacheinander als Ich-Erzähler zu Wort und so werden die Hintergründe und der Ablauf der Geschehnisse langsam zusammengesetzt.

Die Jugendlichen, die den Mord begangen haben, leben unter schwierigen Familienverhältnissen. Der eine wird von seiner Mutter gegängelt, der andere völlig vernachlässigt. Man erfährt so nebenbei auch einiges über den allgemeinen Leistungsdruck im Leben japanischer Schulkinder. Neben den Rückblenden, läuft auch die Handlung nach dem Vortrag der Lehrerin weiter. Sie selbst hat die Schule verlassen und wurde durch einen Kollegen ersetzt, der – absichtlich oder nicht – zur Eskalierung der Geschehnisse beiträgt.

Der Roman ist ein erschreckender Einblick in menschliche Abgründe, die sich unter anderem durch die Lebenserfahrung von Kindern aus Mittelschichtfamilien in schwierigen persönlichen Situationen auftun. Es gelingt nicht immer wirklich zwischen Opfern und Tätern zu unterscheiden. Auch die Gesetzeslage und die Rechtspraxis werden thematisiert. Kinder werden einerseits unter sehr großen Leistungsdruck gesetzt, was unter anderen zu dem in Japan weitverbreiteten Phänomen der Hikikomori führt. Hikikomori sind Jugendliche, die sich weigern das Haus zu verlassen und die Schule zu besuchen. Andererseits werden aber Straftaten von Jugendlichen von den Gerichten mit größter Milde behandelt.

Die Rache der Lehrerin schließlich ergibt sich zwar aus weiteren Plänen eines der Täter, ist aber dennoch ebenfalls von ungeheurer Brutalität. Alles in allem ein ebenso hartes wie interessantes Buch.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars 


2 Kommentare

Kim Stanley Robinson – Spärenklänge

„Aurora“, ebenfalls von Kim Stanley Robinson habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Ja, es hatte Längen, ja, es wird mit großer Detailverliebtheit beschrieben und ja, der Spannungsbogen bricht immer wieder zusammen, trotzdem ein Buch, das mir sehr gefallen hat, weil es da um ökologische Systeme und um Humanbiologie ging; Themen, die mich nicht nur interessieren sondern von denen ich auch einiges verstehe.

Um „Sphärenklänge“ so richtig genießen zu können, muss man aber in Musiktheorie, Mathematik und Physik bewandert sein. Leider ist das bei mir nicht der Fall. Ich bewundere übrigens den Autor, der offenbar in zahlreichsten wissenschaftlichen Disziplinen zuhause ist, zumindest ausreichend um überzeugende plots mit einem gewissen naturwissenschaftlichen Anspruch schreiben zu können.

Robinson hat auch „Sphärenklänge“ in einer weiten Zukunft angesiedelt, in der das gesamte Sonnensystem inklusive Monde diverser Planeten und kleine Gesteinsbrocken von Menschen besiedelt sind.

Das Holywelkinsche Orchester, eine gewaltige Konstruktion von Instrumenten, die es einer einzigen Person ermöglichen sämtliche Instrumente eines Orchesters von einer zentralen Stelle aus zu spielen, geht auf Tournee durch das Sonnensystem. Der Meister des Orchesters wird von einer Truppe von Spezialisten, Journalisten und Sicherheitsleuten begleitet. Im Zuge der Tournee findet der Meister des Orchesters aufgrund von Hinweisen eine Art Tagebuch von Holywelkin, der ein genialer Physiker, Mathematiker und Mystiker war, der – wie sich herausstellt – von einem Geheimbund verehrt wird. Dieser Geheimbund scheint die tieferen Geheimnisse des Lebens mithilfe Holywelkinscher Formeln ergründet zu haben.

Ich habe das Buch gerne gelesen, weil mir die Sprache gefällt und ich auch den plot interessant fand (soweit ich ihm folgen konnte) habe aber sehr lange dazu gebraucht. Gegen Ende wird es immer mysteriöser und zuletzt läßt der Autor alles kippen. Insgesamt ein recht anspruchsvolles Buch.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars  


15 Kommentare

11. Station der literarischen Weltreise – Who the fuck is Kafka ?

Endlich habe ich es geschafft wieder eine Literaturreise-Etappe abzuschließen. Es war eine ganz besonders interessante Gratwanderung durch Jerusalem und Tel Aviv.

Ein außerordentlich empfehlenswertes Buch. Es geht nicht um große politische Linien, nicht darum wer Recht oder Unrecht hat. Die wahrhaftig tragischen Konflikte sind ja bekanntlich jene, bei denen beide oder alle Seiten von ihrem Standpunkt aus Recht haben. Es geht um die ganz persönlichen, alltäglichen Befindlichkeiten zweier Menschen, eines Palästinensers und einer Israelin, beide Friedensaktivisten. Es ist keine Liebesgeschichte, es ist die Geschichte einer Begegnung, die nur außerhalb von Israel einigermaßen entspannt sein kann. Der Alltag der beiden ist schwierig und immer sind an den Schwierigkeiten die jeweils anderen beteiligt.

Wahre Lebenskunst besteht auch darin in schwierigsten Lebenssituationen Heiteres sehen zu können. Das beherrscht Lizzie Doron. Obwohl hier ein praktisch auswegloser, hoffnungslos verfahrener Konflikt beschrieben wird, gibt es doch immer wieder Gelegenheit zu schmunzeln.

Ungewöhnlich an dem Buch ist, dass es weder um Erklärungen noch um Rechtfertigungen geht, es wird einfach beschrieben wie eine Israelin im heutigen Tel Aviv und ein Palästinenser mit israelischem Pass im heutigen Jerusalem lebt. Die Frau des Palästinensers lebt auch in Jerusalem aber ohne israelischen Pass und könnte daher falls sie ihre Familie in Gaza besuchte nicht mehr zurück nach Jerusalem zu Mann und Kindern.

Trotz durchaus auch kritischer Anmerkungen zu beiden Seiten gelingt es der Autorin sehr gut Verständnis zu wecken. Auch Verständnis für die israelische Seite, die davon international ja nicht allzuviel abbekommt. Sie schildert ihr Leben als Tochter einer schwer traumatisierten KZ-Überlebenden, die ihrer Tochter – in bester Absicht – beigebracht und vorgelebt hat, nichts und niemandem zu trauen und nicht zuviel zu reden in einem winzigen Land, das von allen Seiten von mehr oder weniger feindlichen Ländern umgeben ist, in ihrem Alltag in dem sehr häufige Gedenktage an ermordete Angehörige vorkommen und die allgegenwärtige Angst vor Anschlägen. Dabei betont aber die Autorin mehrmals, dass es ihr schon klar sei, dass es den Palästinensern noch schlechter gehe.

Ein Buch, das keine Friedenswölkchen am Horizont ausmachen kann, das aber sehr viele Einblicke ermöglicht.

 


2 Kommentare

AURORA

Dass ich sehr gerne science-fiction lese, habe ich an anderer Stelle ja schon gestanden. Vor allem science-fiction, in der es tatsächlich um „Wissenschaftsfiktion“ geht und das ist bei Kim Stanley Robinson eindeutig der Fall.

Wer gerne martialisch-aggressives liest, ist bei diesem Autor falsch. Es geht hier im Überlegungen dazu, wie sich wissenschaftlicher Fortschritt auf Menschen und ihre Gesellschaftsformen auswirken könnte. Es geht auch immer um zwischenmenschliche Beziehungen.

Die „Aurora“, das Raumschiff, auf dem der größte Teil der Handlung spielt, ist ein Generationenschiff. Science-Fiction-Leser wissen natürlich, was ein Generationenschiff ist. Noch-nicht-science-fiction-Leser wissen es vielleicht noch nicht. Es handelt sich um ein Raumschiff, in dem eine große Gruppe Menschen unterwegs ist, um neue Sonnensysteme zu erforschen und zu besiedeln. Wegen der großen Entfernungen kommen am Ziel nicht jene Menschen an, die von der Erde abgereist sind, sondern ihre Nachkommen.

Das hier beschriebene Raumschiff ist in ein Dutzend Biotope unterteilt mit verschiedenem Klima, verschiedener Flora und Fauna. Ziemlich ausführlich werden hier Probleme beschrieben, die dadurch entstehen, dass das Leben auf dem Schiff in einem geschlossenen Kreislauf stattfindet. Das heißt, dass alles , was an „Substanz“vorhanden ist immer wieder recycelt werden muss, jahrhundertelang. Dabei werden die einen und anderen Elemente immer weniger und dadurch entstehen bei Mensch und Tier Mangelerscheinungen verschiedenster Art. Ich gebe zu, dass man ein gewisses Interesse an biologischen Kreisläufen haben muss, wenn man diesen Aspekt des Buches genießen will.

Ganz originell finde ich, dass die Geschichte zum größten Teil vom Quantencomputer der Aurora erzählt wird, dem von seiner „Gesprächspartnerin“ der Auftrag erteilt wurde, die Geschichte des Schiffs literarisch zu bearbeiten. Es gibt der Geschichte eine humoristische Note, dass der Computer immer wieder von der literarischen Bearbeitung abweicht, Fakten und Zahlen bekannt gibt und sich dann selbst wieder auffordert, mehr zusammenzufassen und nicht so sehr ins Detail zu gehen. Nebenbei: ich weiß natürlich auch nicht, was ein Quantencomputer ist.

Auch die gesellschaftliche und politische Struktur, die diese Gruppe Menschen aufgebaut hat, ist ziemlich ungewöhnlich und nicht rasend erfolgreich. Sie geht übrigens auf die Ergebnisse einer Revolte zurück, die amüsanterweise im Jahre 68 der Reise stattgefunden hat.

Ich möchte nicht erzählen, was bei der Ankunft der Aurora an ihrem Ziel passiert. Wichtig finde ich es nur noch zu erwähnen, wie eindringlich und berührend am Ende der Geschichte die Verbindung des Menschen mit seinem Ursprung, der Erde, beschrieben wird. Man kann die Geschichte auch als sehr gelungene Öko-Saga betrachten.

Leider ist es mir noch nicht gelungen, die Mars-Trilogie desselben Autors aufzutreiben, aber ich arbeite daran.

Mit herzlichem Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar ! 

 

 


3 Kommentare

Die eisigen Säulen des Pluto

Der Autor, Kim Stanley Robinson, ist ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Science-Fiction Autor. Zurecht wie ich finde. „Die eisigen Säulen des Pluto“ (im Original „Icehenge“) ist ein ziemlich ungewöhnlicher Roman, der mir sehr gut gefallen hat.

Er spielt 500 Jahre in der Zukunft, sämtliche Planeten und Monde des Sonnensystems sind besiedelt. Was diesen Hintergrund betrifft, ist es ein klassischer Science-Fiction-Roman. Der Autor wusste allerdings noch nicht, dass Pluto seinen Status als Planet verlieren würde, aber das ist für die Handlung völlig unbedeutend. Wenn man die ausgefeilte Sprache Robinsons betrachtet, könnte man aber meinen, dass es sich hier um ein ganz anderes Genre als Science-Fiction handeln könnte.

Der Roman hat drei Teile, im ersten schreibt eine Ökologin auf einem Raumschiff Tagebuch über die Tage der Meuterei auf ihrem Schiff, im zweiten Teil wird dieses Tagebuch von einem Historiker entdeckt, der darauf seine Theorie über die Entstehung des Icehenge aufbaut. Es handelt sich dabei um eine gewaltige Konstruktion aus Eis auf Pluto, die an das prähistorische Stonehenge erinnert. Im dritten Teil stellt ein Enkel dieses Historikers die Theorie in Frage und erarbeitet eine eigene Theorie.

Soviel zum Plot. Wesentlich wichtiger als der Plot scheint mir aber der Hintergrund vor dem diese Handlung abläuft. Die menschliche Lebenszeit wurde auf Jahrhunderte ausgedehnt, man kann fast schon von Unsterblichkeit sprechen, aber das Gedächtnis der Menschen kommt mit dieser Situation nicht zurecht. Niemand erinnert sich an sein ganzes Leben.

Oft kam mir vor, dass das eigentliche Thema dieses Textes die Unsterblichkeit und das als sinnhaft empfundene Leben ist.

„Früher einmal waren wir wie gespannte Bogensehnen, wir vibrierten am Bogen der Sterblichkeit – nun ist der Bogen entspannt, und wir liegen schlaff herum, und der Pfeil ist zu Boden gefallen. “ p.87

„Doch die Dinge waren überall gleich, egal wo ich mich aufhielt; hier war meine Arbeit genauso sinnlos, mein Leben genauso leer. Ich erinnerte mich an Kavafis Gedicht „Die Stadt“

Du wirst keine neuen Länder entdecken, keine anderen Meer. Die Stadt wird dir folgen. du wirst durch dieselben Straßen streifen, in denselben Vierteln alt werden. Dein Haar wird weiß in denselben Häusern. Wo immer du hin fährst, hier wird deine Reise enden.“ p.137 *)

Das Ende ist ebenso ungewöhnlich wie der ganze Roman. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu einer Lösung gekommen. Welche verrate ich natürlich nicht, auch nicht welches das Rätsel war, über das ich nachgedacht habe.

*) Konstantin Kavafis , griechischer Dichter  (1863 – 1933)

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar in Form eines e-books