la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Vogelintelligenz

Sehr beeindruckt hat mich ein Artikel, den ich kürzlich gelesen habe. Ein Professor für Biopsychologie beschäftigt sich mit der Intelligenz von Vögeln. Mit der Bezeichnung „Biopsychologie“ kann ich zwar nicht viel anfangen, aber Onur Güntürkün leitet ein Forschungsprojekt zum Thema „Lernen und Vergessen“ an dem immerhin um die 100 Wissenschaftler beteiligt sind und da werden wohl auch Gehirnforscher und Neuropsychologen dabei sein. Jedenfalls beschäftigt sich Güntürkün mit der Intelligenz von Vögeln und kommt dabei zu dem Schluss, dass sowohl die Wichtigkeit der Größe eines Gehirns für seine Leistungen überschätzt wird, als auch die angenommen wesentliche Rolle des menschlichen Kortex. Manche Vogelhirne, die zwar klein, aber sehr kompakt gebaut sind, gleichen die geringere Masse durch Geschwindigkeit aus. Die Forschergruppe kam zu dem Ergebnis, dass Krähen in ihrer Intelligenzleistung mit Schimpansen zu vergleichen seien.

Die Vögel, die uns vom Dach gegenüber zusehen, sind also ebenso intelligent wie Primaten? Die Vorstellung finde ich doch etwas beunruhigend. Verblüfft hat mich auch, dass sogar Tauben angeblich einen Menschen vom anderen unterscheiden können.

Profil.19.11.18

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Mohammed und die Hochhäuser

Sogar Aussprüche des Propheten Mohammed lassen sich als Kritik an Saudi-Arabien auslegen. Ein großartiges Zitat!

„Mohammed war wohl schon weiter fortgeschritten in seinem Denken als die heutigen Hüter der heiligsten Stätten des Islam. So ist es in einem seiner Hadithe überliefert. Der Erzengel Gabriel fragte den Propheten: Wie lässt sich denn erkennen, wann das Ende der Welt naht, wann der Jüngste Tag anbricht ? Und der antwortete nach der Überlieferung „Dann wenn verwirrte Kamelhirten miteinander wetteifern, die höchsten Gebäude zu erbauen“ Erich Follath „Jenseits aller Grenzen“ p.168

Was mich an dem Zitat überrascht hat, ist, dass ein Erzengel Rat bei Mohammed sucht. Aber ich verstehe ja auch nichts von religiösen Hierarchien im Islam.


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Sollte gelesen werden

Einen wunderschönen Text für ein neugeborenes Kind kann man hier lesen. Gefühlvoll ohne sentimental zu sein, ernsthaft und humorvoll, lebensklug und hoffnungsvoll, die Generationen umfassend…

Und so schöne Bilder „Vertraue auf die Liebe. Sie ist die wackligste Bank mit dem stärksten Fundament. “

Ich gestehe, ich bin ein fan von read-on.


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Fanatisches

„Der Report der Magd“. Ein gut geschriebener spannender und unterhaltsamer Roman, dann der letzte Teil, durch den diese Geschichte in einen größeren Zusammenhang gestellt und ein Blick von außerhalb auf das Geschehen ermöglicht wird. Natürlich ist es eine fiktive Dystopie, aber so manche darin enthaltene Elemente lassen sich sehr leicht aus real vorhandenen gesellschaftlichen Strömungen entwickeln. Wo sich Fanatismus und Fundamentalismus mit Skrupellosigkeit und Machtgelüsten paaren, entsteht Hölle. Dazu fallen mir leider ohne größere Anstrengung einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte und der Gegenwart ein.

Zufällig habe ich vor ein paar Tagen auch diesen Film über Sophie Scholl gesehen. Besonders gelungen fand ich die Szenen des Verhörs, in dem der Gestapo-Mann fast väterliche Gefühle entwickelt und der jungen Frau eine Brücke bauen möchte um dem Todesurteil zu entkommen. Er wankt nicht in seiner Ideologie, aber das menschliche Empfinden behindert ihn doch. Auch Sophie bleibt standhaft, was – sollte es sich tatsächlich so oder so ähnlich abgespielt haben – ungemein beeindruckend ist. „Die Sonne scheint noch“ soll sie kurz vor der Hinrichtung zu ihrem ebenfalls zum Tod verurteilten Bruder gesagt haben.

In diesem Zusammenhang ermutigend ist der Gedanke, dass in jedem noch so diktatorischen und menschenverachtendem Regime Widerstandsbewegungen entstehen, dass es immer Menschen gibt, die Ideale und Werte in Wort und Tat hochhalten. Ob das für einzelne Menschen, die unter solchen Regimen leben, leiden und sterben relevant und hilfreich ist ? Wohl manchmal und für einige. Wirklich allgemein sichtbar werden diese positiven menschlichen Eigenschaften erst durch den Blick aus zeitlicher oder räumlicher Distanz. Der Glaube an die Menschheit ist möglicherweise vom Standpunkt der Geschichtswissenschaften einfacher aufrecht zu erhalten als vom Standpunkt der Soziologie aus.

 


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Köhlmeiers Rede in Wort und Bild

Sehr geehrte Damen und Herren, Präsident Sobotka hat mir Mut gemacht, als er gesagt hat: ‚Man muss die Dinge beim Namen nennen‘. Und bitte erwarten Sie nicht von mir, dass ich mich dumm stelle. Nicht an so einem Tag und nicht bei so einer Zusammenkunft.

Ich möchte nur eines: Den Ermordeten des NS-Regimes von deren Leben die jungen Damen und Herren vorhin so unglaublich eindringlich berichtet haben in die Augen sehen können. Und sei es auch nur mit Hilfe Ihrer und mit Hilfe meiner Einbildungskraft.

Und diese Menschen höre ich fragen: Was wirst Du zu jenen sagen, die hier sitzen und einer Partei angehören, von deren Mitgliedern immer wieder einige nahezu im Wochenrhythmus naziverharmlosende oder antisemitische oder rassistische Meldungen abgeben. Entweder gleich in der krassen Öffentlichkeit oder klammversteckt in den Foren und Sozialen Medien. Was wirst du zu denen sagen?

Willst du so tun, als wüsstest du das alles nicht? Als wüsstest du nicht, was gemeint ist, wenn sie ihre Codes austauschen. Einmal von gewissen ‚Kreisen in der Ostküste‘ sprechen? Dann mit der Zahl ’88‘ spielen? Oder wie eben erst den Namen ‚George Soros‘ als Klick verwenden zu Verschwörungstheorien in der unseligen Tradition der Protokolle der ‚Weisen von Zion‘? Der Begriff ’stichhaltige Gerüchte‘ wird seinen Platz finden im Wörterbuch der Niedertracht und der Verleumdung.

Gehörst du auch zu denen, höre ich fragen, die sich abstumpfen haben lassen, die durch das gespenstische immer wieder dieser Einzelfälle nicht mehr alarmiert sind, sondern im Gegenteil, das häufige Auftreten solcher Fälle als Symptom der Landläufigkeit abtun, des Normalen, das kennen wir eh schon, des einschläfernden ‚ist nix Neues‘?

Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem Schritt. Nie. Sondern mit vielen kleinen. Von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung. Erst wird gesagt, dann wird getan.
Willst du es dir – so höre ich fragen – des lieben Friedens willen widerspruchslos gefallen lassen, wenn ein Innenminister wieder davon spricht, dass Menschen konzentriert gehalten werden sollen?

Willst du feige die Zähne zusammenbeißen, wo gar keine Veranlassung zur Feigheit besteht? Wer kann dir in deinem Land, in deiner Zeit schon etwas tun, wenn du die Wahrheit sagst!
Wenn diese Partei, die ein Teil unserer Regierung ist, heute dazu aufruft, dass Juden in unserem Land vor dem Antisemitismus mancher Muslime, die zu uns kommen, geschützt werden müssen, so wäre das recht. Und richtig. Alleine – ich glaube – den Aufrufen nicht.

Anti-Islamismus soll mit Philosemitismus begründet werden. Das ist genauso verlogen wie ehedem die neonkreuzfuchtelnde Liebe zum Christentum. Sündenböcke braucht das Land. Braucht unser Land wirklich Sündenböcke? Wer traut uns solche moralische Verkommenheit zu? Kann man in einer nahe stehenden Gazette schreiben, die befreiten Häftlinge aus Mauthausen seien eine Landplage gewesen‘ und zugleich zu Verteidigern und Beschützern der Juden aufschwingen? Man kann. Ja man kann.

Mich bestürzt das eine – das andere glaube ich nicht.
Und wer das glaubt, ist entweder ein Idiot oder er tut so, als ob. Dann ist er ein Zyniker. Und beides möchte ich nicht sein.
Meine Damen und Herren, Sie haben diese Geschichten gehört, die von den jungen Menschen gesammelt wurden. Und sicher haben Sie sich gedacht, hätten diese armen Menschen damals doch nur fliehen können. Aber Sie wissen doch, es hat auch damals schon Menschen gegeben, auf der ganzen Welt, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich heute vor Ihnen sagen soll. Und mir wäre lieber gewesen, man hätte mich nicht gefragt, ob ich sprechen will. Aber man hat mich gefragt und ich empfinde es als meine staatsbürgerliche Pflicht es zu tun. Es wäre so leicht, all die Standards von ‚Nie wieder‘ und bis ‚Nie vergessen‘, diese zu Phrasen geronnen Betroffenheiten aneinander zu reihen wie es für Schulaufsätze vielleicht empfohlen wird um eine gute Note zu bekommen. Aber dazu müsste man so tun als ob. Und das kann ich nicht und das will ich nicht. Schon gar nicht an diesem Tag, schon gar nicht bei dieser Zusammenkunft. Ich möchte den Opfern, die mit Hilfe der Recherchen und der Erzählungen dieser jungen Menschen und mit ihrer und mit meiner Einbildungskraft zu mir und zu Ihnen sprechen und mir zuhören. Ihnen möchte ich in die Augen sehen können. Und mir selbst auch.

Und mehr habe ich nicht zu sagen. Danke.


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Wir sagen uns Dunkles

Helmut Böttiger

„Wir sagen uns Dunkles. Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan“

DVA 2017

ISBN:978-3-421-04631-4

Ich wollte dieses Buch lesen, weil ich dachte, es wäre eine Gedichtesammlung und ich sowohl die Gedichte von Paul Celan als auch die von Ingeborg Bachmann sehr schätze. Tatsächlich handelt es sich um eine Doppelbiographie mit dem Fokus auf die Beziehung zwischen den beiden. Eine durchaus interessante, detailreiche Biographie aus der ich eine Menge erfuhr, nicht nur über die beiden Lyriker sondern auch über etliche andere Personen, die in ihren Leben wichtig waren sowie über finstere Seiten des Literaturbetriebs. Die erste Begegnung zwischen Celan und Bachmann fand in Wien statt, was mir das Lesen der biographischen Daten erleichterte, weil ich viele der erwähnten Personen zumindest dem Namen nach kenne.

Die Liebesbeziehung zwischen Celan und Bachmann war nicht nur unkonventionell sondern auch äußerst schwierig bis sie völlig unmöglich wurde. Ein ständiges Hin und Her zwischen Anziehung und Ablehnung, kurze gemeinsame Zeiten, dann wieder langes Schweigen und Entfremdung. Bachmann lebte zum Zeitpunkt der ersten intimen Begegnung mit Celan mit Hans Weigel zusammen. Celan heiratete kurz nach einem zweiten gescheiterten Versuch mit Bachmann zusammenzuleben Gisèle de Lestrange. Zwischen den kurzen Episoden des Zusammenlebens gab es manchmal eine sehr intensive Korrespondenz, manchmal lange Phasen des Schweigens. Zum Beispiel schrieb Celan zu einem Zeitpunkt an dem Bachmann den Eindruck hatte, dass es zu einer Annäherung gekommen war:

„Lass uns nicht mehr von Dingen sprechen, die unwiederbringlich sind, Inge – sie bewirken nur, dass die Wunde wieder aufbricht, sie beschwören bei mir Zorn und Unmut herauf, sie scheuchen das Vergangene auf – und dieses Vergangene schien mir so oft ein Vergehen. Du weißt es, ich habe es dich fühlen ja wissen lassen – sie tauchen die Dinge in ein Dunkel, über dem man lange hocken muss, um sie wieder hervorzuholen, die Freundschaft weigert sich hartnäckig, rettend auf den Plan zu treten, – du siehst, es geschieht das Gegenteil von dem, was Du wünschst, Du schaffst, mit ein paar Worten, die die Zeit in nicht gerade kleinen Abständen vor dich hinstreut, Undeutlichkeiten, mit denen ich nun wieder ebenso schonungslos ins Gericht gehen muss wie seinerzeit mit Dir selber“ p.88

Sehr interessant fand ich die Analyse von Werken beider Autoren, die die gegenseitige Beeinflussung und das sich aufeinander Beziehen zeigen. Eigentlich unabhängig voneinander aber steuerten ihrer beider Leben auf die Katastrophe zu.

„Man kann es nicht ohne Erschütterung lesen, wenn Klaus Demus, der jüngere, langjährige und bewundernde Freund, nach einem Besuch in Paris im März 1962 und einer Abweisung im April einen bewegenden Brief an Celan schrieb:

„Mein lieber, mein geliebter Paul! Wenn Du mich lieb gehabt hast in so vielen Jahren, wie ichs ja weiß, wenn du meine Liebe gespürt hast: dann gib diesem Brief dem schwersten meines Lebens, soviel Gehör als Du kannst. Ich habe Dir das Äußerste, das Allerletzte zu sagen. Ich schwöre es Dir, dass es allein aus mir kommt, dass niemand mich beeinflusst hat , dass ich allein von mir zu Dir spreche. Alles hängt davon ab, dass Du mir das glaubst. Was ich zu sagen habe, kannst du mir wohl nicht glauben – es geschähe denn ein Wunder: weil diese winzigste Chance besteht, die letzte und äußerste, die meiner Freundschaft zu dir aufgegeben ist, habe ich es zu sagen. Paul, ich habe den entsetzlichen ganz gewissen Verdacht, dass Du an Paranoia erkrankt bist.“ p.239

Celan fühlte sich immer mehr auch von den wohlwollendsten Freunden angefeindet und verfolgt. Nach tragischen Vorfällen und mehreren Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken, wählte er im April 1970 den Freitod. Bachmann starb 1973 mit 47 Jahren. Sie litt in  den letzten Jahre ihres Lebens an einer gravierenden Angstneurose und an Panikattacken und hatte eine ausgeprägte Medikamentensucht.

 

 


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28. Station der Lesereise – Großbritannien 2

Anne Perry

„Des anderen Feind“

Goldmann: 2018

ISBN: 978-3-48703-5

Anne Perry hat zwei Serien von historischen Krimis geschrieben, die beide im London des viktorianischen Zeitalters spielen. Die Serie zu der dieser Roman gehört, hat zwei Hauptfiguren: Esther Latterly, die gemeinsam mit Florence Nightingale im Krimkrieg Krankenschwester war und William Monk, der im Laufe der Geschichten Polizist, dann Privatdetektiv und schließlich Kommandant der Londoner Wasserpolizei wird. Es gibt Romane. in denen eine der beiden Figuren, die Hauptperson ist und solche, in denen beide für die Handlung ziemlich gleich wichtig sind. Im Laufe der Zeit kommen sie einander näher und heiraten schließlich. Im vorliegenden Buch sind sie schon ein paar Jahre verheiratet und das Straßenkind, das sie vor einigen Jahren zu sich genommen haben, ist so gut wie erwachsen und spielt in der Handlung auch eine Rolle.

Dieser Roman spielt in einer ungarischen Zuwanderer-Community in London. Allzu viel dürfte sich die Autorin nicht mit Ungarn beschäftigt haben, denn die Ungarn werden hauptsächlich dadurch beschrieben, dass sich ihr Essen durch hervorragende Würzung von der englischen Kost unterscheidet. Ich verkneife mir jede weitere Bemerkung dazu. Auch das viktorianische Ambiente kann die Autorin besser, was nicht heißt, dass es schlecht wäre. Es handelt sich hier nur nicht um ihren besten Roman.

Ich fand, dass die Geschichte eine Weile braucht um in die Gänge zu kommen, einen spannenden Mittelteil hat und dann ein für die Leserschaft unmöglich zu erratendes Ende. Nach dem gemächlichen Tempo der Handlung, ist das Ende etwas abrupt und überraschend. Insgesamt aber ein flüssig zu lesender Krimi mit vielen sehr gut herausgearbeiteten Personen und auch ein paar eher schemenhaften in einem viktorianischen Londoner Ambiente. Genau das richtige für leichte, unterhaltsame Schnell-Lektüre.

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