la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Kim Stanley Robinson – Spärenklänge

„Aurora“, ebenfalls von Kim Stanley Robinson habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Ja, es hatte Längen, ja, es wird mit großer Detailverliebtheit beschrieben und ja, der Spannungsbogen bricht immer wieder zusammen, trotzdem ein Buch, das mir sehr gefallen hat, weil es da um ökologische Systeme und um Humanbiologie ging; Themen, die mich nicht nur interessieren sondern von denen ich auch einiges verstehe.

Um „Sphärenklänge“ so richtig genießen zu können, muss man aber in Musiktheorie, Mathematik und Physik bewandert sein. Leider ist das bei mir nicht der Fall. Ich bewundere übrigens den Autor, der offenbar in zahlreichsten wissenschaftlichen Disziplinen zuhause ist, zumindest ausreichend um überzeugende plots mit einem gewissen naturwissenschaftlichen Anspruch schreiben zu können.

Robinson hat auch „Sphärenklänge“ in einer weiten Zukunft angesiedelt, in der das gesamte Sonnensystem inklusive Monde diverser Planeten und kleine Gesteinsbrocken von Menschen besiedelt sind.

Das Holywelkinsche Orchester, eine gewaltige Konstruktion von Instrumenten, die es einer einzigen Person ermöglichen sämtliche Instrumente eines Orchesters von einer zentralen Stelle aus zu spielen, geht auf Tournee durch das Sonnensystem. Der Meister des Orchesters wird von einer Truppe von Spezialisten, Journalisten und Sicherheitsleuten begleitet. Im Zuge der Tournee findet der Meister des Orchesters aufgrund von Hinweisen eine Art Tagebuch von Holywelkin, der ein genialer Physiker, Mathematiker und Mystiker war, der – wie sich herausstellt – von einem Geheimbund verehrt wird. Dieser Geheimbund scheint die tieferen Geheimnisse des Lebens mithilfe Holywelkinscher Formeln ergründet zu haben.

Ich habe das Buch gerne gelesen, weil mir die Sprache gefällt und ich auch den plot interessant fand (soweit ich ihm folgen konnte) habe aber sehr lange dazu gebraucht. Gegen Ende wird es immer mysteriöser und zuletzt läßt der Autor alles kippen. Insgesamt ein recht anspruchsvolles Buch.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars  


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11. Station der literarischen Weltreise – Who the fuck is Kafka ?

Endlich habe ich es geschafft wieder eine Literaturreise-Etappe abzuschließen. Es war eine ganz besonders interessante Gratwanderung durch Jerusalem und Tel Aviv.

Ein außerordentlich empfehlenswertes Buch. Es geht nicht um große politische Linien, nicht darum wer Recht oder Unrecht hat. Die wahrhaftig tragischen Konflikte sind ja bekanntlich jene, bei denen beide oder alle Seiten von ihrem Standpunkt aus Recht haben. Es geht um die ganz persönlichen, alltäglichen Befindlichkeiten zweier Menschen, eines Palästinensers und einer Israelin, beide Friedensaktivisten. Es ist keine Liebesgeschichte, es ist die Geschichte einer Begegnung, die nur außerhalb von Israel einigermaßen entspannt sein kann. Der Alltag der beiden ist schwierig und immer sind an den Schwierigkeiten die jeweils anderen beteiligt.

Wahre Lebenskunst besteht auch darin in schwierigsten Lebenssituationen Heiteres sehen zu können. Das beherrscht Lizzie Doron. Obwohl hier ein praktisch auswegloser, hoffnungslos verfahrener Konflikt beschrieben wird, gibt es doch immer wieder Gelegenheit zu schmunzeln.

Ungewöhnlich an dem Buch ist, dass es weder um Erklärungen noch um Rechtfertigungen geht, es wird einfach beschrieben wie eine Israelin im heutigen Tel Aviv und ein Palästinenser mit israelischem Pass im heutigen Jerusalem lebt. Die Frau des Palästinensers lebt auch in Jerusalem aber ohne israelischen Pass und könnte daher falls sie ihre Familie in Gaza besuchte nicht mehr zurück nach Jerusalem zu Mann und Kindern.

Trotz durchaus auch kritischer Anmerkungen zu beiden Seiten gelingt es der Autorin sehr gut Verständnis zu wecken. Auch Verständnis für die israelische Seite, die davon international ja nicht allzuviel abbekommt. Sie schildert ihr Leben als Tochter einer schwer traumatisierten KZ-Überlebenden, die ihrer Tochter – in bester Absicht – beigebracht und vorgelebt hat, nichts und niemandem zu trauen und nicht zuviel zu reden in einem winzigen Land, das von allen Seiten von mehr oder weniger feindlichen Ländern umgeben ist, in ihrem Alltag in dem sehr häufige Gedenktage an ermordete Angehörige vorkommen und die allgegenwärtige Angst vor Anschlägen. Dabei betont aber die Autorin mehrmals, dass es ihr schon klar sei, dass es den Palästinensern noch schlechter gehe.

Ein Buch, das keine Friedenswölkchen am Horizont ausmachen kann, das aber sehr viele Einblicke ermöglicht.

 


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AURORA

Dass ich sehr gerne science-fiction lese, habe ich an anderer Stelle ja schon gestanden. Vor allem science-fiction, in der es tatsächlich um „Wissenschaftsfiktion“ geht und das ist bei Kim Stanley Robinson eindeutig der Fall.

Wer gerne martialisch-aggressives liest, ist bei diesem Autor falsch. Es geht hier im Überlegungen dazu, wie sich wissenschaftlicher Fortschritt auf Menschen und ihre Gesellschaftsformen auswirken könnte. Es geht auch immer um zwischenmenschliche Beziehungen.

Die „Aurora“, das Raumschiff, auf dem der größte Teil der Handlung spielt, ist ein Generationenschiff. Science-Fiction-Leser wissen natürlich, was ein Generationenschiff ist. Noch-nicht-science-fiction-Leser wissen es vielleicht noch nicht. Es handelt sich um ein Raumschiff, in dem eine große Gruppe Menschen unterwegs ist, um neue Sonnensysteme zu erforschen und zu besiedeln. Wegen der großen Entfernungen kommen am Ziel nicht jene Menschen an, die von der Erde abgereist sind, sondern ihre Nachkommen.

Das hier beschriebene Raumschiff ist in ein Dutzend Biotope unterteilt mit verschiedenem Klima, verschiedener Flora und Fauna. Ziemlich ausführlich werden hier Probleme beschrieben, die dadurch entstehen, dass das Leben auf dem Schiff in einem geschlossenen Kreislauf stattfindet. Das heißt, dass alles , was an „Substanz“vorhanden ist immer wieder recycelt werden muss, jahrhundertelang. Dabei werden die einen und anderen Elemente immer weniger und dadurch entstehen bei Mensch und Tier Mangelerscheinungen verschiedenster Art. Ich gebe zu, dass man ein gewisses Interesse an biologischen Kreisläufen haben muss, wenn man diesen Aspekt des Buches genießen will.

Ganz originell finde ich, dass die Geschichte zum größten Teil vom Quantencomputer der Aurora erzählt wird, dem von seiner „Gesprächspartnerin“ der Auftrag erteilt wurde, die Geschichte des Schiffs literarisch zu bearbeiten. Es gibt der Geschichte eine humoristische Note, dass der Computer immer wieder von der literarischen Bearbeitung abweicht, Fakten und Zahlen bekannt gibt und sich dann selbst wieder auffordert, mehr zusammenzufassen und nicht so sehr ins Detail zu gehen. Nebenbei: ich weiß natürlich auch nicht, was ein Quantencomputer ist.

Auch die gesellschaftliche und politische Struktur, die diese Gruppe Menschen aufgebaut hat, ist ziemlich ungewöhnlich und nicht rasend erfolgreich. Sie geht übrigens auf die Ergebnisse einer Revolte zurück, die amüsanterweise im Jahre 68 der Reise stattgefunden hat.

Ich möchte nicht erzählen, was bei der Ankunft der Aurora an ihrem Ziel passiert. Wichtig finde ich es nur noch zu erwähnen, wie eindringlich und berührend am Ende der Geschichte die Verbindung des Menschen mit seinem Ursprung, der Erde, beschrieben wird. Man kann die Geschichte auch als sehr gelungene Öko-Saga betrachten.

Leider ist es mir noch nicht gelungen, die Mars-Trilogie desselben Autors aufzutreiben, aber ich arbeite daran.

Mit herzlichem Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar ! 

 

 


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Die eisigen Säulen des Pluto

Der Autor, Kim Stanley Robinson, ist ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Science-Fiction Autor. Zurecht wie ich finde. „Die eisigen Säulen des Pluto“ (im Original „Icehenge“) ist ein ziemlich ungewöhnlicher Roman, der mir sehr gut gefallen hat.

Er spielt 500 Jahre in der Zukunft, sämtliche Planeten und Monde des Sonnensystems sind besiedelt. Was diesen Hintergrund betrifft, ist es ein klassischer Science-Fiction-Roman. Der Autor wusste allerdings noch nicht, dass Pluto seinen Status als Planet verlieren würde, aber das ist für die Handlung völlig unbedeutend. Wenn man die ausgefeilte Sprache Robinsons betrachtet, könnte man aber meinen, dass es sich hier um ein ganz anderes Genre als Science-Fiction handeln könnte.

Der Roman hat drei Teile, im ersten schreibt eine Ökologin auf einem Raumschiff Tagebuch über die Tage der Meuterei auf ihrem Schiff, im zweiten Teil wird dieses Tagebuch von einem Historiker entdeckt, der darauf seine Theorie über die Entstehung des Icehenge aufbaut. Es handelt sich dabei um eine gewaltige Konstruktion aus Eis auf Pluto, die an das prähistorische Stonehenge erinnert. Im dritten Teil stellt ein Enkel dieses Historikers die Theorie in Frage und erarbeitet eine eigene Theorie.

Soviel zum Plot. Wesentlich wichtiger als der Plot scheint mir aber der Hintergrund vor dem diese Handlung abläuft. Die menschliche Lebenszeit wurde auf Jahrhunderte ausgedehnt, man kann fast schon von Unsterblichkeit sprechen, aber das Gedächtnis der Menschen kommt mit dieser Situation nicht zurecht. Niemand erinnert sich an sein ganzes Leben.

Oft kam mir vor, dass das eigentliche Thema dieses Textes die Unsterblichkeit und das als sinnhaft empfundene Leben ist.

„Früher einmal waren wir wie gespannte Bogensehnen, wir vibrierten am Bogen der Sterblichkeit – nun ist der Bogen entspannt, und wir liegen schlaff herum, und der Pfeil ist zu Boden gefallen. “ p.87

„Doch die Dinge waren überall gleich, egal wo ich mich aufhielt; hier war meine Arbeit genauso sinnlos, mein Leben genauso leer. Ich erinnerte mich an Kavafis Gedicht „Die Stadt“

Du wirst keine neuen Länder entdecken, keine anderen Meer. Die Stadt wird dir folgen. du wirst durch dieselben Straßen streifen, in denselben Vierteln alt werden. Dein Haar wird weiß in denselben Häusern. Wo immer du hin fährst, hier wird deine Reise enden.“ p.137 *)

Das Ende ist ebenso ungewöhnlich wie der ganze Roman. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu einer Lösung gekommen. Welche verrate ich natürlich nicht, auch nicht welches das Rätsel war, über das ich nachgedacht habe.

*) Konstantin Kavafis , griechischer Dichter  (1863 – 1933)

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar in Form eines e-books


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9. Station der Leseweltreise – Iran

Es handelt sich um die Autobiografie von Shirin Ebadi, geboren 1947,  die als ganz junge Frau Richterin an einem Teheraner Gericht wurde, später vom Khomeini-Regime zur Schreibkraft in selben Gericht degradiert wurde und erst ab 1992 als Anwältin praktizieren durfte. Sie verteidigte – trotz persönlicher Gefährdung – Regimekritiker, misshandelte und diskriminierte Frauen und Kinder. 1994 gründete sie einen Kinderschutzbund. 2003 bekam sie den Friedensnobelpreis.

Shirin Ebadi ist verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.

Ich habe diese Autobiografie einer ungemein mutigen Frau mit großem Interesse gelesen. Zwei Aspekte haben mich besonders interessiert.

Shirin Ebadi führt ihren Mut darauf zurück, dass sie das große Glück hatte in einer Familie aufzuwachsen, in der die Töchter genauso geschätzt und gefördert wurden wie die Söhne. Dies war absolut keine Selbstverständlichkeit und sie wusste diese frühe Prägung sehr zu schätzen als sie bemerkte wie viele iranische Frauen das Gefühl der Minderwertigkeit, das sie schon als kleine Mädchen vermittelt bekommen hatten nicht abschütteln konnten.

Shirin Ebadi hatte aus Abneigung gegen das korrupte Shah-Regime anfangs die Khomeini-Revolution unterstützt. Sehr bald wurde ihr klar, dass sich die Situation des Landes, vor allem die Situation der Frauen keineswegs verbessert hatte. Mit größtem persönlichen Mut und Einsatz führte sie ihren Kampf für Menschenrechte, trotz Schikanen jeder Art, trotz Gefängnisaufenthalten und Morddrohungen verstummte sie nicht. Besonders bemerkenswert fand ich, dass sie nie den Islam in Frage stellte, sondern die Meinung vertrat, dass alles, was sie forderte innerhalb des schiitischen Islam möglich wäre. Sie legte sich mit hochrangigen Geistlichen an, die ihre Standpunkte offenbar aus religiöser Sicht nicht widerlegen konnten. Trotzdem konnte sie sich gegen das Regime und jeden einzelnen Mullah nicht durchsetzen.

„Im Islam gibt es eine als ijtihad bekannte Tradition der rationalen Auslegung, die seit Jahrhunderten von Juristen und Geistlichen gepflegt wird, um die Bedeutung der Lehren des Korans sowie deren Anwendung auf moderne Vorstellungen und Situationen zu diskutieren. Im sunnitischen Islam, der den ijtihad ablehnt, wird dieser seit Jahrhunderten nicht mehr praktiziert, doch im schiitischen Islam sind der Prozess und der Geist des ijtihad lebendig. Ijtihad ist ein wesentliches Element des islamischen Rechts, weil es sich bei der Scharia  eher um eine Sammlung von Grundsätzen als um kodifizierte Normen handelt. Gelangt man durch den Prozess des ijtihad zu einer Entscheidung oder bestimmten Meinung, so bedeutet dies, dass ein Jurist eine bestimmte Frage (ob zum Beispiel eine Frau im 20.Jahrhundert wegen Ehebruchs gesteinigt werden sollte) durch die Anwendung von Vernunft und durch Deduktion bewertet und die mit dieser Frage zusammenhängenden Interessen nach Prioritäten ordnet“ p.260

Ich persönlich finde es ja schlimm genug, dass eine Steinigung überhaupt zur Debatte steht. Aber für jemanden der/die in einem System lebt, in dem Hinrichtungen jeder Art, das Abschlagen von Händen und die Verherrlichung des „Märtyrertodes“ normale Praxis sind, wäre  wohl die Anwendung des ijtihad ein deutlicher Fortschritt in Richtung Menschenrechte. Shirin Ebadi gibt uns auch ein Beispiel dafür:

„Während der ersten Jahre nach der Revolution entschied Ayatollah Khomeini trotz der strengen Einstellung der führenden Geistlichen, dass die nationalen Medien Musik senden durften. Er kam zu dem Schluss, dass die jungen Leute sonst vom westlichen Radio geködert würden und dies letztendlich schädlicher für die islamische Republik wäre. Durch den Prozess des ijtihad also gelangte er zu der Einsicht, dass eine Praxis aus dem siebten Jahrhundert für die Gegenwart ungeeignet sei“ p.260

Man könnte natürlich auch vermuten, dass Khomeini im Interesse des Machterhalts durchaus zu pragmatischen Entscheidungen kommen konnte. Derselbe Khomeini, der Tausende junge Iraner mit ihren Todeshemden im Gepäck dorthin schickte wo die Iraker Minenfelder gelegt hatten. Die jungen Männer wurden über diese Felder geschickt um mit ihrem Leben die Minen zu entschärfen, sodass die nachfolgende reguläre iranische Armee geringere Verluste hatte. Natürlich kamen sie als Märtyrer direkt ins Paradies.

2009 schließlich tat Shirin Ebadi, was sie nie tun wollte, sie ging ins Exil nach London.

Ein sehr aufschlussreiches Buch, dass allerdings für Menschen wie mich, die mit den Ereignissen in der islamischen Republik Iran nicht im Detail vertraut sind gewisse Längen aufweist, wenn es um die Schilderung von Verbrechen und Prozessen geht. Aber das kann man dem Buch nicht vorwerfen.


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7. Station der Literaturweltreise

Obwohl ich weder Zeit zum Lesen noch Zeit zum Schreiben habe, tue ich doch beides. Sogar ein Malwochenende ist mir gelungen. Man darf sich ja von äußeren Gegebenheiten nicht die Lebenslust verderben lassen und seien diese Gegebenheiten noch so traurig und herausfordernd.

Beim Lesen hat es mich nach Schweden verschlagen. Zwar bin ich ein großer Fan von Skandinavien und war mehrmals in Norwegen und auch in Finnland, aber in Schweden, nein in Schweden war ich noch nie. Mit Ausnahme mehrerer Zwischenlandungen am Flughafen von Stockholm. Es wäre wirklich an der Zeit !

Das Buch also, ein Nesser, aber kein Krimi. Allerdings kommt ein Mord vor, der aber von niemandem aufgedeckt wird. Zu welchem Genre dieses Buch zu rechnen ist, könnte ich nicht mit Überzeugung sagen. Es gibt eine recht langsame Handlung in der Gegenwart des Erzählers, eine Handlungsebene in der Vergangenheit und zeitlose Betrachtungen. Die Verflechtung  dieser Elemente ergibt ein interessantes Buch, aber kein schnell zu lesendes.

Sehr gut gefallen hat mir die Zeichnung der Personen, der beinharte Realismus des Ich-Erzählers, die detaillierten Schilderungen der Befindlichkeiten (Ingmar Bergmann lässt grüßen)

„Man kann nicht erwarten, dass ein Mensch allen Anforderungen gerecht wird, nur weil jemand auf die Idee kommt, sie zu stellen.

Aber das reine Leben ? „

Sollte ich diesen Text in Farben beschreiben, so würde ich sagen, dass vor einem weißen Hintergrund graue Figuren agieren, die hin und wieder in gewaltigen Explosionen rot aufleuchten.

Es geht um das Verstehen der Vergangenheit, von Ereignissen und emotionalen Verwirrungen. Ich hatte den Eindruck, dass der Text auf einen bestimmten Punkt hinsteuert, tatsächlich ist er dort nicht angekommen. Auch von einem Text kann man wohl nicht erwarten, dass er dorthin steuert, wo die Leser hinwollen.

Ein sehr nachdenkliches, empfehlenswertes Buch, in einer sehr präzisen, sezierenden Sprache geschrieben.


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Menschenfresser

… lautet der Titel eines Artikels über Hans Fallada. Ein Schriftsteller von dem ich gerade einmal irgendwann den Namen gehört hatte. Offenbar kein besonders bewundernswerter Mensch:

„Falladas Lebenslauf ist auch eine Geschichte über Feigheit, Eigennutz, Mitläufertum. Sein Landgut Carwitz war an Feiertagen mit Hakenkreuz-Bannern beflaggt, seine Geschäftskorrespondenz  zeichnete er mit „Heil Hitler“. Als Sonderführer des Reichsarbeitsdienstes beschwor Fallada 1943 auf seinen drei Reisen durch Frankreich seine Briefpartner: „Glauben Sie mir: wir verteidigen wirklich die Kultur der Welt gegen die Unkultur, gegen das Chaos.“

Der Autor selbst verstand sich zeitlebens als unpolitisch.

Der Titel des Artikels „Menschenfresser“ stammt aus einer Passage aus Falladas Gefängnistagebuch „In meinem fremden Land“

„Ich habe all mein Lebtag Menschen gefressen, ich habe sie mit ihren Bewegungen, Redensarten, Gefühlen in meinem Hirn notiert. (…) Nichts hat mich je so interessiert wie die Erkenntnis, warum Menschen so handeln wie sie handeln“

Eigentlich hat mich an dem Artikel aber die Einleitung interessiert, genauer gesagt ein Satz:

„Wolfgang Paterno über den deutschen Bestsellerautor, der eisern der größte Feind seines eigenen Lebens war“

Wie ist man der größte Feind seines eigenen Lebens ? Wie wäre man dessen größter Freund oder Freundin ? Wie sehen da die Übergangsschritte aus ? Liegt es in der  Natur, im Charakter, in der Lebensweise eines Menschen sein größter Feind zu sein ? Kann man die Freundlichkeit zu sich selbst lernen ?

Fragen, die auch angesichts der weltpolitischen Lage nicht bedeutungslos sind ……

Zitiert aus:

Profil 4 – 23. Jänner 2017 ; Wolfgang Paterno „Menschenfresser“