la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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41. Station der Leseweltreise – Polen

Wieder einmal eine Strecke der Leseweltreise

Nachdem David Ben Gurion als David Grün in Polen, das damals zum russischen Reich gehörte, geboren wurde,  und aufgewachsen ist, „verrechne“ ich ihn hier unter Polen.

Diese von Tom Segev verfasste Biographie David Ben Gurions lässt sich trotz großer Detailgenauigkeit flüssig lesen. Das ist bei einer wissenschaftlich angelegten Biographie keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es sind etwa 700 Seiten Text und  weitere  etwa 100 Seiten Anmerkungen.

Eine Biographie lässt sich nicht zusammenfassen, es sei denn man erzählte das ganze Leben der beschriebenen Person und das würde doch weit über einen Leseeindruck hinausgehen. Ich beschränke mich also darauf einige Aspekte hervorzustreichen, die mich beeindruckt haben.

Ganz besonders interessant fand ich die Geschichte der Beziehungen zwischen den im heutigen Israel ansässigen Palästinensern und den großteils eingewanderten Juden, vom Anfang der jüdischen Besiedlung unter britischer Regierung bis zur heutigen Situation, die mehr oder weniger klugen und mehr oder weniger gerechten Ansätze zu einem friedlichen Zusammenleben, die politisch hochkomplizierte Zusammenarbeit zwischen britischer Kolonialmacht, eingewanderten Juden und Palästinensern, die ebenfalls sehr schwierigen Prioritätssetzungen der zionistischen Bewegung, der Blick aus anderer Perspektive auf den zweiten Weltkrieg.

Sehr gut gefiel mir auch, dass Ben Gurion nicht auf ein Podest erhoben und mit heroischen Zügen ausgestattet wurde, sondern dass auch seine weniger bewundernswerten Eigenschaften und Handlungen im politischen und privaten Bereich beleuchtet werden. Auch so bleibt noch die Beschreibung eines Menschen, den man aus verschiedenen Gründen bewundern kann, eines Großen des 20. Jahrhunderts.

 


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Sonntag 9.6. – Kooperation mit Spinnen

Vor mein Küchenfenster hat eine riesige, eine wirklich riesige, schwarze Spinne ein Netz gespannt. Entsprechend der Größe der Spinne ist auch das Netz gewaltig. Nachdem gleich daneben eine Tür ist, mache ich das Fenster praktisch nie auf, kippe es höchstens. Die Spinne durfte also jagen und sie tat das sehr erfolgreich: nach einem Nachmittag hingen jede Menge winzige Insekten im Netz, die aber bald wieder verschwunden waren, nicht weil sie sich hätten befreien können sondern weil sie die Vorräte der Spinne erweitert hatten.  Ich fand, dass ich so ein natürliches Fliegengitter durchaus eine Weile hängen lassen könnte. Nachdem ich ja auch gelegentlich kleine Leckerbissen für die Fleischfressende jage, habe ich doch ein gewisses Verständnis für Spinnen entwickelt. Der Wind war nicht so freundlich gesinnt und hat das Netz ordentlich zerzaust. Jetzt wird man sehen, ob die Spinne noch da ist und Ausbesserungen vornimmt oder ob sie sich ein windstilleres Plätzchen sucht.

Ende Juni ist für mich immer die Zeit der Abschlußfeste. Leider haben diese Feste die Tendenz alle gleichzeitig stattzufinden und anstatt eines genießen zu können, muss ich mehrere gleichzeitig jonglieren und genieße dadurch keines. Schade, aber nicht zu ändern. Mit dem Abendunterricht kollidiert schon einmal die Maturafeier meiner Lieblingsklasse in dieser Woche, da werde ich mir sicher etwas einfallen lassen.

Die Stadt beginnt sich aufzuheizen, diesmal nicht politisch sondern temperaturmäßig. Politisch herrscht derzeit Sommerfrieden, die Übergangsregierung wurde so zusammengestellt, dass offenbar alle zufrieden sind. Man kann den Bundespräsidenten gar nicht  genug loben dafür , wie gut er die Krise in ruhige Fahrwasser geleitet hat. Auch werden trotz gegenteiliger Behauptungen von Kurz viele der Absurditäten, die die FPÖ ins Regierungsprogramm gebracht hatte, entweder nicht durchgeführt oder rückgängig gemacht. Auf diese Art kommt endlich das Rauchverbot in allen Lokalen, das im Rest der Welt schon zur Normalität geworden ist. Und die wirklich widerwärtigen Tafeln mit „Ausreisezentrum“ vor dem Erstaufnahmelager Traiskirchen sind verschwunden. Zwar wurden sie von Aktivisten abmontiert aber unter Duldung der Polizei.


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Mittwoch 29.5.19 – Aktion und Reaktion

41.000 Vorzugsstimmen hat Strache bei den Europawahlen von den Stammwählern der FPÖ bekommen. 41.000 !! Mit dem alten „Jetzt-erst-recht“-Schmäh mit dem schon Waldheim gewählt wurde. Ob er das Mandat annimmt, weiß man noch nicht.

In der Wiener Innenstadt gibt es derzeit im öffentlichen Raum eine Ausstellung von Portraits von KZ-Überlebenden. Eine Ausstellung, die schon an mehreren Orten zu sehen war, bis jetzt ohne Zwischenfälle. Ausgerechnet in Wien wurden nun einige zerrissen und beschmiert, mit Hakenkreuzen. Es ist ebenso empörend wie beschämend. Aber aus der Empörung heraus hat sich spontan eine  Gruppe von Menschen gefunden, die die Bilder genäht hat und nun werden sie nächtens von Freiwilligen bewacht, hauptsächlich von Jugendgruppen darunter auch die muslimische Jugendorganisation. Verrohung hat immer einen Ursprung, nicht zuletzt das durch die Politik bedingte gesellschaftliche Klima, aber daraus kann auch Positives entstehen. Der Satz von Bundespräsident Van der Bellen „Wir sind nicht so“, bezogen auf die moralischen Abgründe, die im Ibiza-Video zu sehen waren, hat einen Nerv in der Gesellschaft getroffen.

Der Bundespräsident ist in den letzten Tagen äußerst beschäftigt, nicht nur politisch. Er spricht zB auch bei den Begräbnisfeierlichkeiten für Niki Lauda. Van der Bellen hat sich viel Respekt und Vertrauen erworben, eventuell auch bei einigen Hofer-Wählern, oder doch nicht …..


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Sonntag 26.5.19

Ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dass ich zu brav oder zu alt oder zu feig bin, um Plakate zu beschmieren. Das Europawahl-Plakat mit Strache und Vilimsky und der Textzeile „Österreich braucht dich“ ist ja auch fast unwiderstehlich. Entlang meiner täglichen Wege hängen mehrere von der Sorte und gestern konnte ich mit viel Freude feststellen, dass andere der Versuchung nicht widerstanden haben und die beiden ….. äh ….. Herren mit Hitlerbärtchen und Hörnern versehen haben und ABER EUCH NICHT draufgeschrieben haben. Genau so ist es, diese Gestalten braucht Österreich nicht und Europa nicht und diejenigen, die sie vorgeblich vertreten am allerwenigsten.

Freitag und Samstag Malwochenende. So gerne ich politisiere, aber beim Malen kann/will ich nicht reden und das macht die Sache etwas anstrengend, denn die politische Lage ist brisant und ich komme kaum irgendwo hin, wo nicht mehr oder weniger emotional diskutiert wird. Trotzdem war das Malen erholsam. Ich habe mich weiter mit der Technik Öl über Acryl beschäftigt und bin von der Intensität der Ölfarben begeistert.

Leider harren auch an diesem Sonntag noch etliche Prüfungsarbeiten ihrer Korrektur, aber immerhin kann ich mich damit ins Freie setzen. Und zuvor gehen wir natürlich noch wählen.

 


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Dienstag 20.5.19 – Stiegen, Treppen und Villen

Politisch turbulente Zeiten, sehr turbulente, aber auch überaus interessante Zeiten und es besteht durchaus Hoffnung, dass sich nach dem reinigenden Sturm so manches anders zusammenfindet und neu bildet. Jedenfalls,  was für ein Glück, dass in der Hofburg Alexander van der Bellen residiert und nicht der andere Kandidat zum Amt des Bundespräsidenten, der nun FPÖ-Obmann geworden ist. „Wir kriegen das schon hin“ hat van der Bellen in einer unerwarteten Rede gemeint. Die Formulierung würde mir gut gefallen, wenn sie mich nicht an „wir schaffen das“ erinnern würde.

Wunderschöne Häuser aus dem 19. Jahrhundert gibt es in Wien. Barrierefrei sind sie nicht. Viele solche Häuser, mit geschnitzten Toren, bunten Glasfenstern in den Gängen, schmiedeeisernen Geländern sind von der Straße her nur über Treppen zugänglich. In vielen wurden nachträglich Lifte eingebaut, man muss aber um bis zu den Liften zu kommen Treppen steigen. Gehbehinderte und/oder Rollstuhlfahrer können in solchen Häusern nicht wohnen. Auch Kinderwagen, Einkaufswagen, Koffer sind mühsam zu transportieren. In den Zeiten als diese Häuser gebaut wurden, setzte man offenbar auf unerschöpfliche menschliche Arbeitskraft. Schleppen musste das Gesinde.

In der Hofburg und in den diversen Ministeriumsgebäuden gibt es Lifte im Hintergrund. In sämtlichen Reportagen aber sieht man Politiker und Beamte immer die Prachttreppen zu fuß hinauf und hinuntergehen, elastisch und sportlich natürlich, eigentlich schweben sie mehr als sie gehen, wie Filmstars der alten Schule. Treppen gehören im Öffentlichkeitsgeschäft  zu den ganz wichtigen Requisiten und Hintergründen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass manche der aktiv-elastischen eher als Treppenwitz der Geschichte enden auch wenn die Villen ihres Untergangs ebenerdig waren.


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Ja ……. Jaaaaaa ………Jaaaaaaaaaa !!!

Was für ein großartiger, wunderbarer, denkwürdiger Tag: die FPÖ ist erledigt, der „Vizekanzler Strache“ samt seinem Protégé Gudenus zurückgetreten, die Koalition gekündigt, so bald wie möglich Neuwahlen. Endlich ist auch Kanzler Kunz nicht mehr darum herum gekommen, die FPÖ als nicht regierungsfähig und moralisch verkommen öffentlich wahrzunehmen. Natürlich ist das Filmen mit versteckter Kamera auch sehr bedenklich, aber bei diesem Ergebnis kann man nur dankbar sein, dass es jemand gemacht hat.

Wir sind zur Feier des Tages an die Donau, in die Wachau gefahren. Zu dem Zeitpunkt wussten wir erst, dass Strache zurückgetreten war, was uns auch schon sehr gefreut hat. Ein schöner sonniger Tag. Den F. hat es aufwärts gezogen, mich zur Donau hinunter. Als wir uns zum Abendessen im Gasthaus zum Goldenen Schiff wieder trafen, hörten wir dann die Erklärung vom Kanzler, dass er die Koalition aufkündigt. Ein Grund zum Jubeln.