Schlagwort: Politik –

Irgendetwas gibt es an jedem/jeder zu loben

In diesem Sinne möchte ich darauf hinweisen, dass unser neuer Kanzler von Kurzens Gnaden eine sehr angenehme Stimmlage hat und eine wirklich äußerst kultivierte Sprache. Von Burgtheater aufwärts. Von dem, was er sagt, bin ich deutlich weniger begeistert. Es ist aber alles noch in Bewegung und im Umbruch und man kann noch gar nicht sagen, wie sich die Machtstrukturen entwickeln werden. Offenbar sind die Landeshauptleute aus ihrer türkisen Starre erwacht und daraus kann sich noch so einiges ergeben. Ob mir das, was die erzkonservativen ÖVP-Landeshauptleute vielleicht ausbrüten werden besser gefällt, ist aber unwahrscheinlich.

Ich gehe also in einen hedonistischen retreat, fahre ans Meer und lasse mich überraschen. Der Laptop bleibt zuhause.

Das Foto kann man interpretieren: Es wird finster und die Lampen leuchten noch nicht. Aber zum Glück gibt es ja rundherum andere Arten der Beleuchtung.

Sonntag 10. Oktober – Überraschungen

Wir waren den ganzen Tag in PB und hätten mit dieser Überraschung nun wirklich nicht gerechnet. Kurz ist doch tatsächlich vom Amt des Bundeskanzlers zurückgetreten. Er wird Clubchef seiner Partei im Parlament, was ihm als Kollateraleffekt parlamentarische Immunität verleiht. Zum neuen Regierungschef macht er einen seiner engen Vertrauten, den derzeitigen Außenminister. Es kann sich wohl jede/r ausmalen, wie sich die Machtverhältnisse de facto gestalten werden.

Auf einer Demo vor dem Kanzleramt wird „Tango Korrupti“ gespielt. Da wäre ich vielleicht hingegangen, aber wir sind zu spät nach Wien gekommen und wurden von den Ereignissen überrascht. Gestern erklärte Kurz noch er würde selbstverständlich und unter allen Umständen im Amt bleiben und schickte zwei seiner Getreuen vors Mikrofon, die verkündeten, dass die ganze Partei „wie ein Mann“ hinter ihm stünde. Offenbar hatten einiger der Elemente dieses „Mannes“ Hackln dabei, die sie von hinten schwangen. Vorläufig hat er nicht viel an Macht verloren, aber sein Strahlemann-Effekt ist vorbei, er ist moralisch schwer angeschlagen und die Ermittlungen werden auch irgendwann weiter laufen.

Langweilig ist es in der österreichischen Innenpolitik derzeit wirklich nicht

Freitag 8.Oktober 2021- Bei uns geht´s zu !

Es hätte eine kleine Spur unredlich sein können, Zetter und Mordio zu schreien ohne die mittlerweile berühmt-berüchtigten 104 Seiten der Staatsanwaltschaft gelesen zu haben. Vielleicht tue ich es noch. Das Interview mit dem Kanzler, das ich gestern Abend gehört habe, hat mir aber vorläufig gereicht. Die perfekte Opfermasche, Fehlverhalten gibt es keines, aber falls sich doch etwas beweisen ließe, stellt er schon einmal vorbeugend fest, dass andere schuld sind, die er plötzlich gar nicht kennt und nie gekannt hat und ER auf jeden Fall nichts mit nichts zu tun hat. Diese Leute, die er ja gar nicht kennt, haben ganz von sich aus in seinem Interesse gehandelt. Und diese unsäglichen SMS-Protokolle, in denen man mitlesen kann, mit welcher kindischen, korrupten Unverantwortlichkeit der Herr K und seine Freunde, die er plötzlich gar nicht mehr kennt mit der Republik umgehen! Angetreten ist der neugefärbte Herr K mit dem Anspruch neue, ehrliche, unkorrupte Politik zu machen. Es ist zum Kotzen! Was für ein Glück, dass ich hier keinen politischen Blog betreibe !

Mittwoch 14. Juli 2021 – Allons enfants de la patrie

Hymnen sind nicht so meines. die Texte sind oft blutrünstig und nationalistisch. Die Marseillaise macht da keine Ausnahme. Man marschiert damit das unreine Blut des Feindes nicht die französischen Ackerfurchen tränken soll. Furchtbar. Aber das stört anscheinend niemanden. Während „meine Damen und Herren“ als politisch unkorrekte Anrede gelten soll. Themenwechsel.

Von einem markerschütternden Donnerschlag bin ich aufgewacht, der Regen prasselte gegen die Metall-Jalousie. Kurz dachte ich daran, dass das Wasser vielleicht durch die Lamellenabstände hereinspritzen könnte, weil das Fenster ja offen war, konnte mich aber nicht entschließen nachzusehen. Nach einem unbestimmten Zeitabstand wachte ich wieder auf, es donnerte und blitzte nach wie vor wild, aber inzwischen war der F aufgestanden und würde sich schon um die gekippten und geöffneten Fenster kümmern. Als ich endgültig aufwachte, war das Gewitter vorbei und meine Gefäße zum Auffangen von Regenwasser recht gut gefüllt.

Die Hauptabnehmerin für das Regenwasser ist die Venusfliegenfalle, die den Kalk im Leitungswasser angeblich nicht verträgt. Angeblich deswegen, weil ich nicht versucht habe, sie mit etwas anderem als Regenwasser zu gießen. Sie gehört zur Familie der carnivoren Sonnentaugewächse und heißt Dionaea muscipula. Das ist ein Jugendbildnis meiner Venus, inzwischen habe ich sie in einen größeren Topf umgesetzt. Sie dürfte recht zufrieden sein, denn kürzlich waren zwei ihrer Fallen geschlossen, sie hatte offenbar Beute gemacht und war am Verdauen.

Faszinierendes habe ich über die Evolution fleischfressender Pflanzen gelesen. Der Weg zur fleischfressenden Lebensweise wurde von Pflanzenarten mehrmals beschritten, aber wieder aufgegeben, weil es energetisch sehr aufwändig ist, die Fallen zu bauen und die Verdauungssäfte zu produzieren. Das Charakteristische an den carnivoren Pflanzen ist, dass sie die nötigen Nährstoffe nicht wie andere Pflanzen über die Wurzeln aus dem Boden holen können, sondern auf dem Umweg über das Fangen und „Fressen“ von Tieren an die notwendigen Nährstoffe herankommen. Der Artikel schließt mit der Bemerkung, dass wir Tiere Glück gehabt hätten, dass keine größeren Pflanzen wie etwa Bäume sich in Richtung Fleischfressen entwickelt hätten.

Das Abo vom „Spektrum der Wissenschaft“ war eine meiner besten Ideen in letzter Zeit. Zwar bin ich gerade erst mit dem Juni-Heft fertig geworden, aber es hat ja wirklich keine Eile. Es interessiert mich auch nicht alles, was drin steht, bzw fehlt mir bei manchen Themen das Grundlagenwissen, aber es gibt eine Menge Artikel zu Themen, die mich interessieren und in denen ich einigermaßen kompetent bin.

Donnerstag 6.Mai 2020 – Flieder und „Volksgenossen“

Auf dem Weg ins Atelier komme ich an unzähligen Fliederhecken vorbei. Das ganze Jahr über sind es einfach irgendwelche Büsche, die die Sicht der Vorübergehenden und so auch meine einschränken, aber zu ihrer Blütezeit verbreiten sie einen geradezu paradiesischen Duft. Gerade lese ich, dass der Flieder zu den Ölbaumgewächsen zählt. Ein bisschen Weiterbildung im Rahmen des Bloggens kann ja nicht schaden.

Auch sehr Interessant ist, dass die Blüten sich dort häufen, wo Vorübergehende weder mit den Händen noch mit einer arglistig mitgebrachten Gartenschere hinkommen. Dabei handelt es sich bestimmt um ein botanisches Phänomen, denn es würde doch niemand die unteren Blüten …. nein, nie und nimmer, niemals würde ich meinen Mitmenschen zutrauen, dass der Flieder in ihren Vasen irgendwo anders herstammt als aus dem eigenen Garten oder einem Blumengeschäft.

„Arglistig“ ist mir kürzlich beim Unterzeichnen des Wohnungs-Kaufvertrags untergekommen. Da stand „arlistiges Verschweigen von baulichen Mängeln“. Meine juristische Schwägerin meinte, dass es da drei Stufen von Verschweigen gäbe, „arglistiges Verschweigen“ wäre die oberste und in einem Vertrag für die Käuferseite sehr ungünstig, weil sich die Arglist kaum beweisen ließe. Nachdem ich darauf bestanden habe, hat der Notar „arglistig“ gestrichen. Er musste ja aufgrund seiner falschen Berechnungen ohnehin eine ganze Seite umschreiben.

Bis vor kurzem konnte ich noch nicht wirklich nachvollziehen, wie die Zusammenhänge einer totalitären Ideologie wie dem Nationalsozialismus mit einer esoterischen Mystik funktionieren können. In letzter Zeit verstehe ich besser wie man, wenn sich Wissen und Logik verweigern auf Mystik zurückgreift. Wenn ich da höre wie jedes Wochenende vom starken Immunsystem „unseres“ gesunden Volkes gebrüllt wird. Die Nazis waren auch auf der Suche nach dem Gral, wenn ihnen dafür noch Zeit blieb neben der Errichtung und Besiedelung von Vernichtungslagern und dem Einkleiden von „Volksgenossen“ bis hinunter zu Kindern als Kanonenfutter und Mörder, je nachdem.
Geschichte wiederholt sich nicht wirklich. Die Bedingungen sind andere, die Akteure verschieden, es kann zu Verwechslungen zwischen Täter- und Opferrollen kommen. Manche Reminiszenzen an untergegangene Zeiten können aber trotz einer gewissen Komik, die man darin auch sehen kann, durchaus bedrohlich wirken, nicht zuletzt die mystischen.

Verhetzung zum Wohle des Landesvaters – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die wunderbar vielseitigen Wörter  stammen von  Blaupause7

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

In einem ebenso armen wie korrupten Land im Jahr 2021.

Arm ist das Land, weil die Erträge für den Verkauf der gewaltigen Mengen an kostbaren Rohstoffen ihren direkten Weg in die Taschen des „Landesvaters“ finden. Aus demselben Grund regiert die Korruption.

Die blechernen Lautsprecher wummern, die Menge schwingt mit, stroboskopisches Licht, gelb, orange. Die Menschen recken die Fäuste, die Frust-Energie ihres elenden, manipulierten Lebens fließt kraftvoll in die Fäuste. „Niemals lassen wir uns unsere Freiheit nehmen“ brüllt der Einpeitscher auf der wackligen Bühne. „Hängt-sie-auf“. Die Menge skandiert mit. Die ganze Wut, die ganze Verzweiflung über ihr prekäres Leben, über den Mangel am Grundlegensten, auch an Freiheit, alles fließt in die Fäuste, die sie im Rhythmus hochstoßen. Der Einpeitscher ist zufrieden und leitet den Höhepunkt der Veranstaltung ein. „Keine Impfung!!“ brüllt er „Keine Impfung“ brüllt die Menge und stampft rhythmisch durch den Hinterhof. Die Emotionen kochen hoch, der Einpeitscher lenkt sie geschickt weg von den tatsächlichen Problemen.

In seinem Palast freut sich der vor kurzem wieder einmal in seinem Amt bestätigte Landesvater. Niemals würde er seine Untertanen der Gefahr der Freiheitsberaubung oder gar der Impfung aussetzen.Er selbst ist natürlich geimpft, ebenso seine Hauptfrau und andere wichtige Verwandte und einige politische Weggefährten, je nach deren Loyalität. Der von Oxfam gespendete Impfstoff reicht natürlich nicht für alle. Impfungen für´s Volk müsste man kaufen und das wäre nicht nur teuer sondern auch gefährlich. Das ganze sensible Gleichgewicht  des Aufhetzens der einen gegen die anderen und des Belohnens seiner bedingungslosen Anhänger würde zusammenbrechen. Eventuell könnte man Impfstoff auf dem Weltmarkt kaufen und an die Regierungstreuen um den fünffachen,  besser zehnfachen Preis weiterverkaufen. Divide et impera hat er irgendwann gelernt. Dass man als Diktator nicht zulassen darf, dass sich Vernunft und Solidarität durchsetzen, hat er im Gefühl, als Nachfahre vieler absoluter Herrscher unter verschiedenen Bezeichnungen. 

Erschüttert das jemanden?

Punkte

Regentropfen, Dalmatiner, Sommerkleider und Blätter, vor allem im Herbst.

Treffpunkte, Standpunkte, Ausgangspunkte

punktgenau

auf den Punkt bringen, das finde ich wichtig. In ausufernde, alles überschwemmende Gewässer eintauchen, vieles sehen, vieles sichten, dann die Fragen auf den Punkt bringen. Es gibt nicht immer Antworten, schon gar keine einfachen, aber die richtigen Fragen helfen auch weiter.

Allzu einfache, apodiktische Antworten auf komplexe Fragen versteinern das Lebendige. Je versteinerter die Position desto fanatischer, desto angstvoller die Anhänger. Je weniger sich die einfachen Antworten mit dem Leben und der Realität in Einklang bringen lassen, desto mehr wird die Vernunft zugeschüttet, desto mehr sucht man die Bestätigung Gleichdenkender. Ein Teufelskreis.

Dennoch wird es Herbst und dennoch gibt es Blätter mit Punkten.

Mittwoch 4. November 2020 – Terror, Wahlen und Kunst

Ich starre gebannt abwechselnd auf den derzeitigen Stand der Wahlergebnisse in den USA und die Berichterstattung über den Terroranschlag am Montag in der Wiener Innenstadt. Gäbe es keine Berichterstattung wäre heute einfach ein eher düsterer Herbsttag ohne besondere Vorkommnisse. Natürlich könnte ich mich einfach ausklinken aus dem Internet im allgemeinen und aus dieser Berichterstattung im besonderen. In vielen Fällen wäre das wahrscheinlich klug, heute aber nicht, denn diese beiden Themen, Islamistischer Terror und US-Regierung, haben ganz direkten Einfluss auf mein Leben und auf die menschliche Gesellschaft im allgemeinen und da hilft es nicht, einfach nicht hinzusehen.

Zusehends heftiger gehen mir die Art „Kunstdiskussionen“ auf die Nerven bei denen zB jemand eine Stunde lang erörtert, warum er zwei blaue Striche parallel gezogen hat. Ich bin ohnehin ein Kopfmensch und wenn ich Kunst auch noch intellektuell analysieren soll, dann vergeht mir die Freude daran. Meine Vorstellung ist es, den Weg aus dem Inneren über die Hand auf die Leinwand zu finden. Daraus entstehen im Idealfall Ansichten der Innenwelt, die vielleicht auch bei anderen Resonanz auslösen können oder auch nicht. Es gibt viele verschiedene Zugänge zur Kunst, die nicht unbedingt kompatibel und mehr oder weniger gefällig sind. Auch viele allgemein anerkannte Künstler gibt es, die miteinander nicht viel anfangen könnten.

Donnerstag 22.10.2020 – Callcenter und Machos

Jetzt habe ich endlich verstanden, wie man ein Callcenter benützt. Also als Basis ruft man zunächst mehrere Male an, sodass man die Informationen von drei bis vier Mitarbeitern vor sich hat. Selbstverständlich widersprechen sich die Auskünfte in wesentlichen Punkten. Man mixt also sowas wie einen Durchschnittswert und geht danach vor. Das kann natürlich auch voll ins Aug´ gehen, wie man in Wien sagt. Alternativ kann man auch auf Mehrheiten zurückgreifen: wenn 4 von 5 Mitarbeitern versichern, dass man eine bestimmtes Dokument vorweisen muss, macht es die Sache wahrscheinlicher als wenn es ein Meinungsverhältnis von 3:2 gibt. Absolute Gewissheiten gibt es aber nicht, wie halt auch sonst im Leben.

„Zuhausebleiben ist etwas für Schwächlinge“ sagt Bolsonaro, „Im Krieg sterben nur Loser“ sagt Präsident Trump. Macho-Getue ist im Vormarsch, Fanatismus jeglicher Richtungen ebenfalls. Ich überlege ernsthaft meinen Konsum von Politik zu beschränken, schaffe es aber vermutlich ohnehin nicht.

Montag 12.10.2020 – Wien

Die Wahlen sind geschlagen und ohne Überraschungen geblieben. Wien wurde von 1919 bis 1934 und nach finsteren Zeiten von 1945 bis heute immer sozialdemokratisch regiert, manchmal sogar mit absoluter Mehrheit. Bürgermeister Ludwig bleibt Bürgermeister und kann in seiner angenehm unaufgeregten Art zwischen drei Parteien als Koalitionspartner wählen.

Die rechtspopulistische FPÖ, die in jedem Wahlkampf in der Verbreitung ihres einzigen Themas noch ein Stück ungustiöser wird, ist von den erschreckenden 30% bei der letzten Wien-Wahl auf 7 Komma irgendwas % gestürzt, im freien Fall. Eine wahre Freude! Der F meinte vor jedem FPÖ-Wahlplakat, dass man die dort gezeigten Bilder völlig unauffällig im „Stürmer“ unterbringen könnte. Grauslich! Ein kleiner Wehmutstropfen ist aber die geringe Wahlbeteiligung und die Wählerstromanalysen zeigen, dass die FPÖ-Wähler vom letzten Mal zu einem hohen Prozentsatz gar nicht gewählt haben statt eine andere Partei zu wählen.

Der Untote H.C, wie immer völlig aufgeputscht  und unter Strom stehend, hat es nur auf 3,6% Prozent gebracht und sein Einzug in den Wiener Landtag, für den es 5% braucht, findet nicht statt. Er hat das Volk noch nicht mit einer Stellungnahme zu diesem missglückten come-back erfreut.

 

Mary Trump und ihr Onkel

Leider ein sehr enttäuschendes Buch. Am besten gelungen, finde ich den Titel. Wenige Fakten und sehr viele davon  stammen vom Hörensagen, aus Erzählungen anderer Familienmitglieder. Ein paar Anekdoten, in denen auch Donald Trump vorkommt. Viel Interpretation auf Basis von  psychologischen Ferndiagnosen der Autorin. Sogar die biographischen Daten von Donald Trump sind spärlich gesät, es fehlen sogar Eckdaten wie Heiraten und die Geburt von Kindern. Donald Trump ist noch nicht einmal die Hauptperson in diesem Buch, das man nicht als Biographie bezeichnen kann. Er tritt als Nebenfigur auf, als gleichgültiger Onkel und völlig unfähiger Geschäftsmann, der sich in permanentem Ruin befinden würde ohne die ständige finanzielle Unterstützung seines Vaters, Fred Trump.

Ich fand es ganz interessant und ziemlich gruselig über das Leben einer völlig dysfunktionalen, reichen amerikanischen Familie zu lesen. Die Autorin beschreibt eigentlich das Leben ihres Vaters, dem ältesten Bruder von Donald Trump, der laut ihrer Interpretation durch die Kälte und mangelnde Wertschätzung seines Vaters in den Alkoholismus getrieben wurde, an dem er letztlich wahrscheinlich starb.  Ebenso hätte dieser Vater seinen Sohn Donald zu dem gemacht, was er heute ist. Das mag alles so sein oder auch nicht. Mary Trump ist Psychologin, aber ihre Diagnose von der psychischen Instabilität und dem Charakter ihres Onkels geht kaum über das hinaus, was ohnehin alle sehen können.

Auch die Geschichte von Mary Trumps Vater, die den größten Teil des Textes ausmacht, ist spekulativ und bruchstückhaft und eigentlich auch nicht besonders überzeugend was ihren Wahrheitsgehalt bzw die Interpretation seiner Handlungen betrifft.

Erstaunlich finde ich, dass Donald Trump, sein Image von diesem Buch so bedroht sah, dass er es verbieten lassen wollte. Ich finde nicht, dass viel drinsteht, was ein politisch interessierter Mensch nicht ohnehin wüsste, und was der US-Präsident nicht täglich demonstrieren würde. Wer also entweder biographische Daten oder irgendwelche enthüllte Geheimnisse erwartet, sollte sich anderweitig informieren.

 

54. Station der Literaturweltreise – Republik Moldau

Meine literarische Weltreise

Die Republik Moldau ist eines jener Länder aus denen unsere mitteleuropäischen Altenpflegerinnen, Kindermädchen, Putzfrauen, Gärtner etc kommen. Viele von ihnen haben Kinder, aber die Eltern kommen allein, die Kinder bleiben eventuell in der Obhut von Verwandten oder auch allein zurück. Sozialwaisen nennt man sie. Es sind keine Einzelfälle sondern ein weit verbreitetes Phänomen in den östlichen Ländern Europas innerhalb und außerhalb der EU-Grenzen.

Liliana Corobca, die selbst in Moldawien aufgewachsen ist, lebt heute in Rumänien, wo sie Literaturwissenschaft studiert hat. „Der erste Horizont meines Lebens“ ist nicht autobiographisch und heißt im rumänischen Original „Kinderland“. Ein Titel des Verlags, der in der Übersetzung vielleicht nicht ganz nachvollziehbar war

Der Roman handelt von drei Geschwistern, einem 12-jährigen Mädchen, einem 6-jährigen und einem 3-jährigen Buben, die in einem moldawischen Dorf allein leben. Die Mutter arbeitet in Italien, der Vater in Russland, selten kommen sie zu Besuch, einmal in der Woche ruft die Mutter an. Es gibt eine Großmutter im Hintergrund, die aber sehr krank ist und von der man annimmt, dass sie bald sterben wird. Es gibt einen Patenonkel und eine Patentante, die im ärgsten Notfall bereit sind, den Kindern zu helfen, denn im Dorf herrscht das Recht des Stärkeren und es sind praktisch alle stärker als drei auf sich selbst gestellte Kinder.

Die Hauptfigur des Romans ist das 12-jährige Mädchen, das ziemlich idealisiert wird. Sie führt den gesamten Haushalt inklusive der Haltung eines Schweins und etlicher Hühner. Sie betreut die beiden kleinen Brüder, sie geht auch zur Schule und sie stellt Überlegungen an, die man einem Kind ihres Alters nicht wirklich zutraut. Sie sinniert über das Leben im allgemeinen und ihres im Speziellen, über ihr Dorf und die Welt. Obwohl sie aufgrund ihrer Lebenssituation schnell erwachsen werden muss, sind doch ihre Betrachtungen nicht die einer 12-jährigen. Auch wieder ein Problem der Erzählperspektive.

Wenn auch manche Figuren dieses Romans nicht ganz authentisch wirken, so ist doch das Thema ein heißes Eisen der europäischen Sozialpolitik und so ist schon weger seiner Thematik ein sehr interessantes Buch, das in Welten führt, von denen wir als Mitteleuropäer meist nur eine sehr vage Vorstellung haben, wenn überhaupt.

Donnerstag – 10. September 2020 – Mediziner

Die größte Massenveranstaltung dieses Sommers in Wien war der Aufnahmetest für Medizinstudent*innen. Ein 8 stündiges Event nach dessen Ergebnissen jeder zehnte Kandidat einen Studienplatz bekommt. Es soll Anwärter*innen geben die in aufeinanderfolgenden Jahren drei oder viermal angetreten sind. Ich frage mich immer, was diese jungen Leute zwischen den Test machen, die es ja nur einmal im Jahr gibt.

Klassische Student*innenjobs sind derzeit Verkäufer*innen von allem möglichen und vor allem die Gastronomie. In Wiener Lokalen gibt es ungemein viele deutsche Kellner*innen. Nachdem Wiener Kellner*innen traditionell unfreundlich sind, bringen die vielen jungen Deutschen einen deutlich freundlicheren Touch in die Gastronomieszene. Das können aber nun nicht alles gescheiterte Medizinstudenten sein.

Ob die Aufnahmsprüfung, die es noch nicht so lange gibt, bessere Student*innen bringt, frage ich eine Freundin, die an der Meduni forscht und lehrt und immer wieder Vorlesungen für Studienanfänger*innen abhält. Bessere Student*innen brächte es schon, also kognitiv bessere, meinte sie, ob es im Endeffekt aber bessere Ärzte werden ? Es können und sollen ja nicht alle Medizin-Absolvent*innen in die Forschung gehen.

Ich zweifle auch sehr daran, dass das irrwitzige deutsche Numerus-Clausus-System die besten herausfiltert. Die bravsten, die diszipliniertesten, die am besten angepassten, aber nicht unbedingt die klügsten, die kreativsten. So müssen also jene, die ihre Schulzeit nicht nur mit Lernen verbracht haben, in anderen Ländern studieren. Tatsächlich ist ja die Aufnahmsprüfung an den österreichischen medizinischen Fakultäten deswegen entstanden, weil es so gewaltig viele Deutsche gibt, die in Österreich Medizin studieren wollen. So schließt sich auch ein Kreis.