la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


Hinterlasse einen Kommentar

Demos, Skulpturen und Sklavenhändler

Immer schon stand diese Statue da, auf einem Sockel, hoch über uns. In einer Pose, die zum Ausdruck brachte, wie unendlich gut, wie unendlich barmherzig und wohltätig dieser Mensch doch gewesen war. Es war geradezu eine Schande, dass manchmal Hunde gegen den Sockel pinkelten. Dadurch wurde eine weitere der Funktionen eines solchen Sockels klar: Hunde in den unteren Bereichen vom Sakrileg der Bepinkelung abzuhalten. Dass die Hauptfunktion eines Sockels darin besteht, den Dargestellten, entsprechend seiner übermenschlichen Verdienste über alle anderen zu erheben, leuchtet ja allen ein.

Wer da dargestellt wird? Keine Ahnung, irgendein wichtiger Bürger. Viel Geld soll er in die Förderung von Spitälern und Schulen gesteckt haben. Ein Wohltäter und vorbildlicher Christ, eine Stütze der Gesellschaft. Sein Geld stammte aus dem Sklavenhändler? Naja, das war damals üblich und er hat ja dann später so viel gespendet und so vielen geholfen.

Was muss das für ein wunderbares Gefühl gewesen sein, diese Statue ins Hafenbecken zu kippen, diese Bigotterie umzustürzen, der berechtigten Empörung Luft zu machen.

https://www.theguardian.com/global/video/2020/jun/11/bristol-slave-trader-statue-toppled-by-blm-protesters-retrieved-from-harbour-video


5 Kommentare

Bemerkenswert aber realistisch ?

„Es gibt in Österreich die schöne Tradition der höflichen Beharrung. Man sagt ja, meint aber: nein, niemals, auf gar keinen Fall. Dahinter steckt oft gar keine böse Absicht sondern reine Gewohnheit. Manchmal rettet es auch Leben. So beschreibt Stefan Melichar wie die Reformresistenz im heimischen Spitalswesen dazu führte, dass trotz jahrelang von höchster Stelle eingemahnter Kapazitätsreduktion immer noch genügend Notfallbetten zur Verfügung stehen. Melichar nennt es einen „Faktor, mit dem sicher niemand kalkuliert hat: das Glück der Untüchtigen (…) Das dogmatische Sparen um des Sparens willen möge der Vergangenheit angehören, meint die Gründerin des Thinktanks „Momentum Institut“, Barbara Blaha (…) „Unser Zusammenleben muss nicht schlank, effizient und leistungsverdichtet sein.“

Aus: Profil Nr. 17. 19.April 2020

Eine bemerkenswerte Äußerung, finde ich. Wohin kommt man, wenn man nicht schlank, effizient und leistungsverdichtet ist? Kommt man als Person nirgendwohin oder womöglich gar in paradiesische Gefilde? Oder bezieht sich Barbara Blaha nur auf Gesellschaften, Wirtschaftssysteme ….

https://www.zeit.de/2019/28/barbara-blaha-projekt-360-oesterreich-spoe

 


15 Kommentare

Farbe und Politik – bordeauxrot

Man kann alles mögliche farbig gestalten.

Auch den Mundschutz. Wie die slowakische Staatspräsidentin bei Angelobung der neuen Regierung vorführte. Womöglich entsteht eine neue Mode  https://www.tagesschau.de/ausland/slowakei-regierung-101.html

 


8 Kommentare

Sonntag 26.1.20

Sehr erfreulich! Bei den Regionalwahlen im Burgenland sind die rechten Recken der FPÖ noch ein Stück abgestürzt. Gerade im Burgenland, der Heimatregion des FPÖ-Chefs. Wahlsonntage haben  eine eigene Dynamik. Ich habe keinen Schritt aus dem Haus gemacht, was natürlich auch ein Ergebnis des nicht anzubringenden Hochnebels ist. Eine trostlose Wetterlage. Ganz im Gegensatz zu diesen Wahlergebnissen, die ich alles andere als trostlos finde.

 


11 Kommentare

Das ist eigentlich ein Kommentar …

… zu dem Beitrag von Rainer Hartwich . Nachdem es wahrscheinlich etwas länger wird und das Getippsel in der Kommentarspalte mühsam ist, mache ich einen Beitrag daraus.

Im Normalfall führe ich auf dem Blog keine politischen Debatten, weil ich es sinnlos finde in dieser Form irgendetwas besprechen zu wollen und gar Themen bei denen das Missverständnis eher die Regel als die Ausnahme ist. Nachdem ich aber heute ohnehin schon am Blogdiskutieren bin, mache ich hier gleich weiter. Ich beziehe mich also auf den oben verlinkten Beitrag ohne aber auf jeden Punkt direkt einzugehen.

Sehr beeindruckt hat mich die Schilderung dieses Erlebnisses in der Schule, während der DDR-Zeit. Wer selbst nicht in einer Diktatur aufzuwachsen ist, kann sich kaum vorstellen wie es ist, mit permanenter Gehirnwäsche zu leben. Ich kann nachvollziehen, dass der hier geschilderte Vorfall das ganze Leben beeinflussen kann. Und es wird wohl kein Einzelfall gewesen sein. Tatsächlich erklären sich mir viele Dinge, die ich im Zusammenhang mit in der DDR aufgewachsenen Menschen oft nicht wirklich verstehen kann.

Aber auch von jemandem, der selbst Gehirnwäsche, Einschränkungen und Demütigungen erleiden musste, finde ich es dennoch unfair, allen Menschen zu unterstellen, dass sie sich wenn sie sich für ihre Überzeugungen einsetzen wie die Mitläufer der Nazis verhalten, weil es angeblich nicht sein kann, dass es Menschen gibt, die tatsächlich eigene Meinungen und Überzeugungen haben und dafür einstehen. Unabhängig davon, ob andere Gleichgesinnte gerade an der Macht sind. Ich weiß schon, dass es in der DDR keinerlei Aufarbeitung der Nazizeit gegeben hat, trotzdem …

Bei aller Relativierung von Meinungen, bei aller Vielfalt und Denkfreiheit ziehe ich bei der Nazi-Ideologie eine Grenze. Ich halte es für nicht gerechtfertigt, an einem  System, das Millionen Menschen auf allen Seiten ermordet hat, direkt oder indirekt und einen Krieg vom Zaum gebrochen hat, der mehr als halb Europa in Schutt und Asche gelegt hat, irgendetwas Positives zu finden.

Mitläufer zu verurteilen ist eine andere Frage. War man selbst nicht in der Situation, kann man nicht wissen, wie man sich verhalten hätte und sollte sich daher bei der Verurteilung anderer zurückhalten. Im übrigen haben Menschen ja viele Facetten und man kann jemanden für manche seiner Eigenschaften und Haltungen schätzen und für andere nicht.

Ich selbst mag keine Fanatiker, egal von welcher Seite und bin eine große Verfechterin des Gesprächs, der Suche nach eventuellen Gemeinsamkeiten (die Unterschiede kennt man ohnehin), des Zuhörens, gewaltfreier Kommunikation. Es gibt nicht immer eine Einigung, aber oft einen geringsten, gemeinsamen Nenner auf den man vielleicht etwas aufbauen kann. Dazu bedarf es aber eines minimalen gegenseitigen Vertrauens. Und dieses Vertrauen, sei es noch so gering, kann man nur durch in Kontakt bleiben irgendwie aufbauen. Ja, es geht nicht immer … Ich finde es auch wichtig, die eigene Position nicht dadurch zu definieren, dass man gegen jemanden oder etwas ist sondern dadurch dass man für diese oder jene Position ist. Ebenso finde ich es besser, Positives zu verstärken, als nur immer auf Negativem herumzureiten.

Dieser Satz ist der eigentliche Grund, warum ich so ausführlich antworte:

Zu meinem Misstrauen gehört u.a. auch die heute gängige Floskel, „man müsse darauf achten nicht etwa von der falschen Seite Beifall zu bekommen“. Ich zumindest weiss nach 70 Jahren immer noch nicht, was im Leben die „richtige“ und was die „falsche“ Seite ist. Und ich bewundere den Mut oder die Selbstgefälligkeit derer, die vorgeben es zu wissen.

Ich habe ohnehin bei den Kommentaren schon darauf geantwortet, tue es aber nochmals, weil mir das Thema wichtig ist. Mit „falsche Seite“ meine ich nicht, dass die Seite an sich falsch – im Gegensatz zu richtig – ist, sondern, dass ich nicht möchte, dass jemand mir „applaudiert“ der/die meine geäußerte Meinung falsch interpretiert und glaubt, dass ich so denke wie er/sie obwohl das nicht der Fall ist.

Wenn niemand wüsste, was richtig und was falsch ist, wäre die Welt in einem noch schlimmeren Zustand als sie ohnehin schon ist. Wohlbegründete  Überzeugungen als selbstgefällig zu sehen, kann ich nicht nachvollziehen.

Damit mache ich Schluss und wende mich von der „Blogpolitik“ wieder ab 🙂


23 Kommentare

Schule vor dem Kollaps

Ein sehr eindringlicher und leider wohl kaum übertriebener Titel.

Das Buch beschreibt die Situation in Deutschland, die sich von jener in Österreich diesbezüglich kaum unterscheidet. Auch in Österreich gibt es Parallelgesellschaften, die wenig bis keinen Wert auf Bildung legen, Kinder, die grundlegende Dinge wie zB die Benutzung einer Schere zum Ausschneiden von Papier kaum beherrschen, Kinder, die keine Beziehung zur Natur haben, weil sie aus ihren Wohnungen kaum herauskommen. Kinder, die kaum Deutsch können. Auch in Österreich muss man sehr darauf achten für solche Lagebeschreibungen keinen Applaus von der falschen Seite zu bekommen.

Die Autorin, Ingrid König, ist seit Jahrzehnten Schuldirektorin und durch alle möglichen Höhen und Tiefen der Bemühungen um sprachliche und kulturelle Integration gegangen. Sie beschreibt sehr engagiert die Veränderungen, die im Lauf der Zeit stattgefunden haben und die aktuelle Lage. Durch zahlreiche Fallbeschreibungen gewinnt man einen Einblick in die schwierige Situation vieler Kinder und Lehrer*innen.

„Es gibt viele nachvollziehbare Gründe für Inklusion, aber die wenigsten Verantwortlichen machen sich bewusst, was es bedeutet ein lernbehindertes Kind in der Klasse zu haben (wobei es oft nicht bei einem bleibt) gemeinsam mit Kindern, die vielfältige Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten neben Kindern mit Rechenschwäche, vielen Kindern mit Migrationshintergrund ohne wirklich ausreichende Deutschkenntnisse, Kindern, die als Seiteneinsteiger mitten im Schuljahr kommen, Kindern, die mit Chipstüten als Frühstück in die Schule kommen, Kindern, die mit winzigen , müden Augen am Morgen im Unterricht sitzen, weil sie nachts und am Wochenende stundenlang Playstation oder PC-Spiele spielen, Kindern, die zu nichts Lust haben, Kindern, die nach ein paar Monaten wieder weg sind. Und dazwischen ein paar leistungsstärkere und begabtere, die etwas lernen wollen und sich schnell langweilen, wenn man ihnen nicht auch immer wieder Futter gibt – dies alles unter einen Hut zu bringen, ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Wir versuchen es trotzdem.“ p. 168

Ein sehr empfehlenswertes Buch für jene, die meinen, dass Lehrer*innen zu viel Urlaub und kaum irgendetwas zu tun hätten und dass es ja ganz einfach wäre, jungen Kindern etwas beizubringen Der Einblick in die „Idylle“ einer Grundschule (in Österreich: Volksschule) in einem Brennpunkt-Bezirk in Frankfurt ist sehr überzeugend.


34 Kommentare

Weltweiter Fortschritt

Es wäre völlig falsch zu behaupten, dass es nicht überall auf der Welt, in allen Kulturen, zivilisatorische Fortschritte gibt. In Saudi-Arabien zum Beispiel ist es seit neuestem Frauen sogar gestattet durch die gleichen Eingänge wie Männer ein Restaurant zu betreten. Wenn das kein Meilenstein ist ! Durch die gleichen Eingänge!!

 


21 Kommentare

Nix Neues – Donnerstag 5.12.19

Der PISA-Test ist wieder einmal gegessen. Österreichs 15-jährige liegen wie immer weltweit in einem deprimierenden Mittelfeld, können schlecht sinnerfassend lesen und werden immer schlechter in Naturwissenschaften. Schuld daran sind selbstverständlich ausschließlich die Lehrer. Eine Gesellschaft, die den Schulanfängern erzählt, dass es nun vorbei sei mit dem schönen Leben und der „Ernst des Lebens“ beginnt, Eltern, die ihre Kinder in der Schule abgeben und zu deren Schulleben nur noch intensives Geschimpfe auf Lehrer und Bildung im allgemeinen beitragen, ein System, das 10 jährige(!) in zwei Kategorien teilt, das hat alles nicht das Mindeste mit den schwachen Ergebnissen  zu tun. Nein, es sind die Lehrer, die bekanntlich keine Ahnung von irgendwas haben. Sonst würden sie es doch locker schaffen im Alleingang  Klassen mit Kindern, von denen bis zu 100%  schlecht Deutsch können, in bildungsfernen bis bildungsfeindlichen Milieus aufwachsen und in den Familien keinerlei Hilfe zum Lernen bekommen ohne Unterstützung von zB Psychologen und Sozialarbeitern in gebildete, sozial integrierte, bildungsinteressierte Menschen zu verwandeln. Wären die Lehrer nicht so unfähig, würde die Gesellschaft ja ganz anders dastehen. Alle Jahre wieder!

Ich merke schon, mein vorweihnachtlicher Dekowahn wird langsam aber sicher von meinem klassischen Ärger über das undifferenzierte Klingelingeling  in allen Bereichen des Lebens abgelöst. „Stop talking Start making“ steht auf einem riesigen Transparent am Wiener Stephansdom. Sieh da !

Einen Nikolaus kann man mieten, habe ich gerade gelesen. Auch ein Geschäftsmodell. Ich bin ja eher ein fan von Perchten. Da gibt es manchmal großartige Holzmasken und sehr engagierte, wild herumhüpfende Tänzer.


9 Kommentare

Hüpfend auf dem Mond

Ich habe schon eine Menge von Kim Stanley Robinson gelesen. Alle seine Bücher haben mir gefallen, weil sie wissenschaftlich gut recherchiert sind. In einem Roman über ein Generationenraumschiff zeigt er beachtliche Kenntnisse über isolierte ökologische Systeme, schreibt er über ein futuristisches Orchester so sieht man, dass er sich mit Musik beschäftigt hat. Es geht in seinen Romanen um viele verschiedene Wissenbereiche. Auch seine Geschichten sind gut aufgebaut, die Figuren detailreich gezeichnet. Es gibt nur ein „aber“: Spannung ist nicht wirklich seine Stärke.

In diesem Buch hat er sich sichtlich bemüht seinen Spannungsbogen etwas zu straffen, etwas mehr Geschwindigkeit in die Handlung zu bringen. Ich finde es ist streckenweise gelungen, aber nicht durchgehend.

Die Handlung als solche ist durchaus interessant: die Wege eines amerikanischen Quantentechnikers und einer chinesischen Revolutionärin, die die Tochter eines hohen Politikers ist, kreuzen sich auf dem Mond, der von Chinesen und Amerikanern besiedelt wurde. Es gibt einen Mord, eine Reihe von gegeneinander arbeitenden Gruppierungen, es kommt zum Fast-Zusammenbrechen der politischen Systeme in den USA und China, chinesische Geschichte und Organisationsstrukturen werden beleuchtet. Robinson hat auch eine poetische Seite: in diesem Band beschreibt er das Aufgehen der Erde vom Mond aus betrachtet und lässt dabei einen Dichterwettbewerb stattfinden. Auch die Beschreibung des Lebens auf dem Mond bei geringer Schwerkraft hat ihren Reiz.

Es ist ein Buch, das ich gerne und mit Interesse gelesen haben. Es ist keines von den Büchern, die man die halbe Nacht durchliest, weil man sie nicht weglegen kann. Es unterliegt der Beurteilung der Leser*innen ob dies ein Fehler oder ein Vorzug ist.


4 Kommentare

Montag 11.11.19

Viel hört man derzeit in der politischen Debatte um Koalitionsverhandlungen zwischen Kurz und den Grünen von Max Weber und von Verantwortungsethik. Vor allem von Seiten der Grünen, deren Obmann offenbar zu vielem bereit ist um eine noch immer drohende Regierungsbeteiligung der FPÖ zu vermeiden.

Ein interessantes Thema ist die Gegenüberstellung von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Und keineswegs ein abstraktes, eigentlich begegnen einem täglich Situationen, in denen man sich für die eine oder andere entscheiden muss. Unter der Voraussetzung, dass man überhaupt die Absicht hat, ethisch zu handeln, was auch nicht unbedingt immer ganz selbstverständlich möglich ist.

Ach ja, und Faschingsbeginn ist heute auch….

 


8 Kommentare

Sonntag 10.11.19 – Kopfspuk

Nachdem die vorhandene Zeit nicht dehnbar ist, ebenso wenig wie die vorhandene Energie sich leicht aufstocken lässt, müsste ich, wollte ich Neues in mein Leben lassen anderes streichen oder vernachlässigen oder aber mein Stressniveau heftig anheben. Eine banale Feststellung, vielleicht auch eine banale Situation, aber sie beschäftigt mich in letzter Zeit und wird das wohl auch noch eine Weile tun.

Die Bedeutung der Benennung von Dingen und Ereignissen spuckt mir auch immer wieder im Kopf herum. Angefangen vom Gendern bis zur Bezeichnung von Ereignissen wie etwa die Pogromnacht am 9 und 10 November 1938. Auch Menschen, die des Antisemitismus und extremistischen Gedankenguts im allgemeinen völlig unverdächtig sind, haben dieses katastrophale Ereignis noch vor wenigen Jahren als „Reichskristallnacht“ bezeichnet. Weil das einfach das gängige Wort war, das ja auch nicht allzu oft benützt wurde und wird. Der brutale Zynismus, der in dieser Bezeichnung liegt, war den allermeisten sicher nicht bewusst. Doch man muss auf Worte achten, Worte schaffen Realität und setzen Ereignisse in Zusammenhänge, manchmal eben in die falschen, beabsichtigt oder unbeabsichtigt.

Die Politik bleibt spannend. Wird Kurz mit den Grünen Koalitionsgespräche führen oder doch nicht ? Die FPÖ, die nach wie vor laufend Skandale produziert, immer noch ein paar neue Parteigenossen mit unsäglichen Verhaltensweisen an den Tag spült, wartet im Hintergrund. Riesig müssen die Höhlen und Keller sein, aus denen diese Troglodyten hervorkriechen ….


3 Kommentare

Donnerstag 7.11.19

Was mir nicht alles eingefallen ist während ich am Meer spazierengegangen bin , was ich nicht alles hätte schreiben können. Aber Meer pfutsch, Inspiration pfutsch. Ein Binnenlandbewohnerin-Schicksal eben.

Dafür habe ich gestern und heute Abend ganz hervorragende Vorträge zum Thema Extremismus und Radikalisierung gehört. Zwei Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands haben über Theorie und Praxis ihrer Arbeit berichtet. Beide konnten die Abendschüler sehr gut mitnehmen, was ja keineswegs einfach ist. Sie haben aber viel Erfahrung mit Jugendlichen dieser Altersstufe, 17 bis Mitte 20, um die 95% Migrationshintergrund, genau die Zielgruppe junger Menschen, die für Radikalisierung empfänglich ist. Ich habe auch eine Menge gelernt: gut die Hälfte der Symbole zahlreicher extremistischer Vereinigungen hatte ich noch nie gesehen, die Unterscheidungsmerkmale verschiedener extremistischer Gruppierungen hätte ich auch nicht aus dem Ärmel geschüttelt.

 


2 Kommentare

Montag 30.9.19 – Die Ruhe nach der Schlacht

Die Stimmung heute Vormittag hat mich an 1. Jänner erinnert, alles ruhig, müde, verschlafen, die Emotionen erschöpft. Ich weiß nicht, ob es nur meine Stimmung war oder eine allgemeine ….

Die Wahlen sind geschlagen. Das martialische Vokabular passt in diesem Fall großartig. Der Sieger ist keine Überraschung, es war völlig klar, dass Sebastian Kurz und die Volkspartei gewinnen würden. Das freut mich nicht besonders, aber die ÖVP ist eine erzkonservative, aber doch demokratisch völlig legitimierte Partei, in der es durchaus auch Führungspersönlichkeiten gibt, die das christlich-soziale Weltbild hochhalten; auch wenn dies für ihren obersten Chef nicht unbedingt zutrifft.

Aber die Überraschung, die eigentlich für alle – außer die unmittelbar Betroffenen – eine außerordentlich angenehme Überraschung war, ist der Absturz der FPÖ auf 16%. Nicht nur mich hat dieses Ergebnis mit meinem Land wieder versöhnt. Es ist schon ein scheußliches Gefühl  bei Wahlen zu erfahren, dass 25% der Bevölkerung des Landes, also jeder vierte Mensch, Anhänger*in einer völlig korrupten, faschistoiden, rassistischen, deutschtümelnden, ignoranten, rückwärtsgewandten Truppe ist, deren führende Mitglieder praktisch alle bei irgendwelchen deutschnationalen Burschenschaften sehr aktiv sind und bei denen es in immer kürzer werdenden Abständen zu sogenannten „Einzelfällen“ kommt. Ein solcher Einzelfall ist meist ein Riesenskandal, der zu Massenrücktritten von Politikern führen müsste. Von „der siebten Million“ bis zur „Zellenreinigung mit Zahnbürsten“ wurden uns die ungeheuerlichsten Dinge vorgesetzt, die der Kanzler Sebastian Kurz mit stoischer Miene an sich vorbeirauschen ließ, bis zum Ibiza-Video-Skandal, den er dann doch nicht mehr ignorieren konnte. Man kann durchaus befürchten, dass es gar nicht der Ibiza-Skandal war, der die FPÖ so viele Wähler gekostet hat, sondern die Aufdeckung von Straches unmäßigem Lebenstil auf Kosten seiner Partei und damit letztlich des Steuerzahlers. Um die 42.000 € hatte das Ehepaar Strache monatlich zur Verfügung, ein Betrag, den die meisten ihrer Wähler im Jahr brutto nicht verdienen und das war nicht genug, er soll auch noch seine Parteispesenabrechnungen gefälscht haben. Es gilt *hüstel* die Unschuldsvermutung.

Nun ja und jetzt beginnen die Koalitionsverhandlungen. Mögen sich unter den Verhandlern so viele wie möglich ihrer Verantwortung bewusst sein.