la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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54. Station der Literaturweltreise – Republik Moldau

Meine literarische Weltreise

Die Republik Moldau ist eines jener Länder aus denen unsere mitteleuropäischen Altenpflegerinnen, Kindermädchen, Putzfrauen, Gärtner etc kommen. Viele von ihnen haben Kinder, aber die Eltern kommen allein, die Kinder bleiben eventuell in der Obhut von Verwandten oder auch allein zurück. Sozialwaisen nennt man sie. Es sind keine Einzelfälle sondern ein weit verbreitetes Phänomen in den östlichen Ländern Europas innerhalb und außerhalb der EU-Grenzen.

Liliana Corobca, die selbst in Moldawien aufgewachsen ist, lebt heute in Rumänien, wo sie Literaturwissenschaft studiert hat. „Der erste Horizont meines Lebens“ ist nicht autobiographisch und heißt im rumänischen Original „Kinderland“. Ein Titel des Verlags, der in der Übersetzung vielleicht nicht ganz nachvollziehbar war

Der Roman handelt von drei Geschwistern, einem 12-jährigen Mädchen, einem 6-jährigen und einem 3-jährigen Buben, die in einem moldawischen Dorf allein leben. Die Mutter arbeitet in Italien, der Vater in Russland, selten kommen sie zu Besuch, einmal in der Woche ruft die Mutter an. Es gibt eine Großmutter im Hintergrund, die aber sehr krank ist und von der man annimmt, dass sie bald sterben wird. Es gibt einen Patenonkel und eine Patentante, die im ärgsten Notfall bereit sind, den Kindern zu helfen, denn im Dorf herrscht das Recht des Stärkeren und es sind praktisch alle stärker als drei auf sich selbst gestellte Kinder.

Die Hauptfigur des Romans ist das 12-jährige Mädchen, das ziemlich idealisiert wird. Sie führt den gesamten Haushalt inklusive der Haltung eines Schweins und etlicher Hühner. Sie betreut die beiden kleinen Brüder, sie geht auch zur Schule und sie stellt Überlegungen an, die man einem Kind ihres Alters nicht wirklich zutraut. Sie sinniert über das Leben im allgemeinen und ihres im Speziellen, über ihr Dorf und die Welt. Obwohl sie aufgrund ihrer Lebenssituation schnell erwachsen werden muss, sind doch ihre Betrachtungen nicht die einer 12-jährigen. Auch wieder ein Problem der Erzählperspektive.

Wenn auch manche Figuren dieses Romans nicht ganz authentisch wirken, so ist doch das Thema ein heißes Eisen der europäischen Sozialpolitik und so ist schon weger seiner Thematik ein sehr interessantes Buch, das in Welten führt, von denen wir als Mitteleuropäer meist nur eine sehr vage Vorstellung haben, wenn überhaupt.


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Donnerstag – 10. September 2020 – Mediziner

Die größte Massenveranstaltung dieses Sommers in Wien war der Aufnahmetest für Medizinstudent*innen. Ein 8 stündiges Event nach dessen Ergebnissen jeder zehnte Kandidat einen Studienplatz bekommt. Es soll Anwärter*innen geben die in aufeinanderfolgenden Jahren drei oder viermal angetreten sind. Ich frage mich immer, was diese jungen Leute zwischen den Test machen, die es ja nur einmal im Jahr gibt.

Klassische Student*innenjobs sind derzeit Verkäufer*innen von allem möglichen und vor allem die Gastronomie. In Wiener Lokalen gibt es ungemein viele deutsche Kellner*innen. Nachdem Wiener Kellner*innen traditionell unfreundlich sind, bringen die vielen jungen Deutschen einen deutlich freundlicheren Touch in die Gastronomieszene. Das können aber nun nicht alles gescheiterte Medizinstudenten sein.

Ob die Aufnahmsprüfung, die es noch nicht so lange gibt, bessere Student*innen bringt, frage ich eine Freundin, die an der Meduni forscht und lehrt und immer wieder Vorlesungen für Studienanfänger*innen abhält. Bessere Student*innen brächte es schon, also kognitiv bessere, meinte sie, ob es im Endeffekt aber bessere Ärzte werden ? Es können und sollen ja nicht alle Medizin-Absolvent*innen in die Forschung gehen.

Ich zweifle auch sehr daran, dass das irrwitzige deutsche Numerus-Clausus-System die besten herausfiltert. Die bravsten, die diszipliniertesten, die am besten angepassten, aber nicht unbedingt die klügsten, die kreativsten. So müssen also jene, die ihre Schulzeit nicht nur mit Lernen verbracht haben, in anderen Ländern studieren. Tatsächlich ist ja die Aufnahmsprüfung an den österreichischen medizinischen Fakultäten deswegen entstanden, weil es so gewaltig viele Deutsche gibt, die in Österreich Medizin studieren wollen. So schließt sich auch ein Kreis.


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Dienstag 8.September 2020 – Schuhbänder und Langlebigkeit

Prinz Charles – so lese ich in einem Artikel über europäische Monarchien – lässt sich täglich die Schuhbänder bügeln. Aha, inwiefern das wohl zu seiner Lebensqualität beiträgt, wüsste ich gerne. Haben diese gebügelten Schuhbänder irgendeinen symbolischen Wert, eine Bedeutung, die man nur bei den Windsors kennt? Andererseits ist ja der europäische Hochadel so eng verwandt, dass dieses Geheimnis sich herumgesprochen haben müsste. Könnte es sich auch um Arbeitsbeschaffung für einen oder mehrere Kammerdiener handeln? Kammerdiener gibt es am britischen Hof ganz bestimmt und auch ein schon etwas in die Jahre gekommener Kronprinz hat sicher Anspruch auf ihre Dienste. Die Queen ist 94 und bei beneidenswerter geistiger und körperlicher Gesundheit, Vater Philipp ist fast 100, da sehen Charles Chancen auf Langlebigkeit ganz hervorragend aus. Vielleicht eine Thronbesteigung mit 80 ?

82 und von nicht so eiserner Gesundheit wie die Queen ist Juan Carlos, der gewissermaßen emeritierte König von Spanien, der sich wegen massiven Steuerbetrugs in die Arabischen Emirate abgesetzt hat. Ob seine aktuelle Geliebte mitgekommen ist? und ob er dort Elefanten jagen kann? Aber nein, er hat ja versichert, dass er das bedauert und nie wieder tun wird. Trotzdem wird ihn der WWF nicht als Ehrenpräsidenten zurück haben wollen. Lo siento mucho. Me he equivocado. No volverá a ocurrir. Erinnert mich daran, dass damals etliche meiner Kollegen ihre Nicht-Spanisch-Kenntnisse durch diese Sätze bereichert haben, die sie bei vielen Gelegenheiten genüsslich zitiert haben.

Schade dass jemand, der beim Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie eine so gute Figur gemacht hat und beim spanischen Volk so beliebt war, sich selbst derartig demontiert hat. Ich sehe noch die eindrucksvollen Bilder vor mir, wie die bewaffneten anti-demokratischen Umstürzler das Parlament gestürmt hatten und König Juan Carlos fast der einzige war, der nicht hinter und unter den Bänken verschwunden sondern aufrecht stehen geblieben ist.

Tatsächlich liegt mein Interesse für das monarchische Personal irgendwo unter Null, nur die gebügelten Schuhbänder faszinieren mich. Noch mehr als die angeblich gebügelten Zeitungen in den Clubs.


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Oh Melania, geht`s noch tiefer ?

An Peinlichkeit und Verlogenheit kaum zu übertreffen: die Werberede von Melania Trump für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald T. Ein klassisches Beispiel für Mitläufertum und Gier. Noch dazu fand dieser unqualifizierbare Auftritt im Weißen Haus statt, das von Donald T als sein Privatbesitz betrachtet wird. Man hält es kaum für möglich, dass diese Frau nicht laut lachen oder weinen muss, wenn sie von der kompetenten, mitfühlenden Amtsführung ihres Mannes spricht. Dass ihr das Lachen vergangen ist, kann ich ja nachvollziehen. Schlimm ist aber, dass mit dem Lachen auch der Anstand und die Selbstbestimmung verdorrt sind. Denn, dass sie glaubt, was sie da sagt, kann man wohl ausschließen. Ebenso wie man ausschließen kann, dass ihr diese Rede nicht massiv vergoldet wurde. Am besten hat mir gefallen, dass sie den lieben Donald als völlig ehrlichen und authentischen Menschen bezeichnet hat, der diesbezüglich anders sei als die sonstige Politikerkaste. Zum Kotzen!

Wenn dann – hoffentlich in ein paar Monaten und nicht erst in vier Jahren – diese albtraumartige Präsidentschaft beendet sein wird, kann man fast sicher sein, dass ein Abrechnungsbuch von Melania an Donald herauskommen wird. Es schweben mir da mögliche Titel vor wie „Meine Hölle im Weißen Haus“, „Der Teufel an meiner Seite“ etc. Selbstverständlich ist auch Melania T ein völlig ehrlicher, authentischer Mensch. Vorausschauende Ghostwriter haben vielleicht schon ein paar hundert Seiten im Angebot.


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Demos, Skulpturen und Sklavenhändler

Immer schon stand diese Statue da, auf einem Sockel, hoch über uns. In einer Pose, die zum Ausdruck brachte, wie unendlich gut, wie unendlich barmherzig und wohltätig dieser Mensch doch gewesen war. Es war geradezu eine Schande, dass manchmal Hunde gegen den Sockel pinkelten. Dadurch wurde eine weitere der Funktionen eines solchen Sockels klar: Hunde in den unteren Bereichen vom Sakrileg der Bepinkelung abzuhalten. Dass die Hauptfunktion eines Sockels darin besteht, den Dargestellten, entsprechend seiner übermenschlichen Verdienste über alle anderen zu erheben, leuchtet ja allen ein.

Wer da dargestellt wird? Keine Ahnung, irgendein wichtiger Bürger. Viel Geld soll er in die Förderung von Spitälern und Schulen gesteckt haben. Ein Wohltäter und vorbildlicher Christ, eine Stütze der Gesellschaft. Sein Geld stammte aus dem Sklavenhändler? Naja, das war damals üblich und er hat ja dann später so viel gespendet und so vielen geholfen.

Was muss das für ein wunderbares Gefühl gewesen sein, diese Statue ins Hafenbecken zu kippen, diese Bigotterie umzustürzen, der berechtigten Empörung Luft zu machen.

https://www.theguardian.com/global/video/2020/jun/11/bristol-slave-trader-statue-toppled-by-blm-protesters-retrieved-from-harbour-video


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Bemerkenswert aber realistisch ?

„Es gibt in Österreich die schöne Tradition der höflichen Beharrung. Man sagt ja, meint aber: nein, niemals, auf gar keinen Fall. Dahinter steckt oft gar keine böse Absicht sondern reine Gewohnheit. Manchmal rettet es auch Leben. So beschreibt Stefan Melichar wie die Reformresistenz im heimischen Spitalswesen dazu führte, dass trotz jahrelang von höchster Stelle eingemahnter Kapazitätsreduktion immer noch genügend Notfallbetten zur Verfügung stehen. Melichar nennt es einen „Faktor, mit dem sicher niemand kalkuliert hat: das Glück der Untüchtigen (…) Das dogmatische Sparen um des Sparens willen möge der Vergangenheit angehören, meint die Gründerin des Thinktanks „Momentum Institut“, Barbara Blaha (…) „Unser Zusammenleben muss nicht schlank, effizient und leistungsverdichtet sein.“

Aus: Profil Nr. 17. 19.April 2020

Eine bemerkenswerte Äußerung, finde ich. Wohin kommt man, wenn man nicht schlank, effizient und leistungsverdichtet ist? Kommt man als Person nirgendwohin oder womöglich gar in paradiesische Gefilde? Oder bezieht sich Barbara Blaha nur auf Gesellschaften, Wirtschaftssysteme ….

https://www.zeit.de/2019/28/barbara-blaha-projekt-360-oesterreich-spoe

 


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Farbe und Politik – bordeauxrot

Man kann alles mögliche farbig gestalten.

Auch den Mundschutz. Wie die slowakische Staatspräsidentin bei Angelobung der neuen Regierung vorführte. Womöglich entsteht eine neue Mode  https://www.tagesschau.de/ausland/slowakei-regierung-101.html

 


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Sonntag 26.1.20

Sehr erfreulich! Bei den Regionalwahlen im Burgenland sind die rechten Recken der FPÖ noch ein Stück abgestürzt. Gerade im Burgenland, der Heimatregion des FPÖ-Chefs. Wahlsonntage haben  eine eigene Dynamik. Ich habe keinen Schritt aus dem Haus gemacht, was natürlich auch ein Ergebnis des nicht anzubringenden Hochnebels ist. Eine trostlose Wetterlage. Ganz im Gegensatz zu diesen Wahlergebnissen, die ich alles andere als trostlos finde.

 


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Das ist eigentlich ein Kommentar …

… zu dem Beitrag von Rainer Hartwich . Nachdem es wahrscheinlich etwas länger wird und das Getippsel in der Kommentarspalte mühsam ist, mache ich einen Beitrag daraus.

Im Normalfall führe ich auf dem Blog keine politischen Debatten, weil ich es sinnlos finde in dieser Form irgendetwas besprechen zu wollen und gar Themen bei denen das Missverständnis eher die Regel als die Ausnahme ist. Nachdem ich aber heute ohnehin schon am Blogdiskutieren bin, mache ich hier gleich weiter. Ich beziehe mich also auf den oben verlinkten Beitrag ohne aber auf jeden Punkt direkt einzugehen.

Sehr beeindruckt hat mich die Schilderung dieses Erlebnisses in der Schule, während der DDR-Zeit. Wer selbst nicht in einer Diktatur aufzuwachsen ist, kann sich kaum vorstellen wie es ist, mit permanenter Gehirnwäsche zu leben. Ich kann nachvollziehen, dass der hier geschilderte Vorfall das ganze Leben beeinflussen kann. Und es wird wohl kein Einzelfall gewesen sein. Tatsächlich erklären sich mir viele Dinge, die ich im Zusammenhang mit in der DDR aufgewachsenen Menschen oft nicht wirklich verstehen kann.

Aber auch von jemandem, der selbst Gehirnwäsche, Einschränkungen und Demütigungen erleiden musste, finde ich es dennoch unfair, allen Menschen zu unterstellen, dass sie sich wenn sie sich für ihre Überzeugungen einsetzen wie die Mitläufer der Nazis verhalten, weil es angeblich nicht sein kann, dass es Menschen gibt, die tatsächlich eigene Meinungen und Überzeugungen haben und dafür einstehen. Unabhängig davon, ob andere Gleichgesinnte gerade an der Macht sind. Ich weiß schon, dass es in der DDR keinerlei Aufarbeitung der Nazizeit gegeben hat, trotzdem …

Bei aller Relativierung von Meinungen, bei aller Vielfalt und Denkfreiheit ziehe ich bei der Nazi-Ideologie eine Grenze. Ich halte es für nicht gerechtfertigt, an einem  System, das Millionen Menschen auf allen Seiten ermordet hat, direkt oder indirekt und einen Krieg vom Zaum gebrochen hat, der mehr als halb Europa in Schutt und Asche gelegt hat, irgendetwas Positives zu finden.

Mitläufer zu verurteilen ist eine andere Frage. War man selbst nicht in der Situation, kann man nicht wissen, wie man sich verhalten hätte und sollte sich daher bei der Verurteilung anderer zurückhalten. Im übrigen haben Menschen ja viele Facetten und man kann jemanden für manche seiner Eigenschaften und Haltungen schätzen und für andere nicht.

Ich selbst mag keine Fanatiker, egal von welcher Seite und bin eine große Verfechterin des Gesprächs, der Suche nach eventuellen Gemeinsamkeiten (die Unterschiede kennt man ohnehin), des Zuhörens, gewaltfreier Kommunikation. Es gibt nicht immer eine Einigung, aber oft einen geringsten, gemeinsamen Nenner auf den man vielleicht etwas aufbauen kann. Dazu bedarf es aber eines minimalen gegenseitigen Vertrauens. Und dieses Vertrauen, sei es noch so gering, kann man nur durch in Kontakt bleiben irgendwie aufbauen. Ja, es geht nicht immer … Ich finde es auch wichtig, die eigene Position nicht dadurch zu definieren, dass man gegen jemanden oder etwas ist sondern dadurch dass man für diese oder jene Position ist. Ebenso finde ich es besser, Positives zu verstärken, als nur immer auf Negativem herumzureiten.

Dieser Satz ist der eigentliche Grund, warum ich so ausführlich antworte:

Zu meinem Misstrauen gehört u.a. auch die heute gängige Floskel, „man müsse darauf achten nicht etwa von der falschen Seite Beifall zu bekommen“. Ich zumindest weiss nach 70 Jahren immer noch nicht, was im Leben die „richtige“ und was die „falsche“ Seite ist. Und ich bewundere den Mut oder die Selbstgefälligkeit derer, die vorgeben es zu wissen.

Ich habe ohnehin bei den Kommentaren schon darauf geantwortet, tue es aber nochmals, weil mir das Thema wichtig ist. Mit „falsche Seite“ meine ich nicht, dass die Seite an sich falsch – im Gegensatz zu richtig – ist, sondern, dass ich nicht möchte, dass jemand mir „applaudiert“ der/die meine geäußerte Meinung falsch interpretiert und glaubt, dass ich so denke wie er/sie obwohl das nicht der Fall ist.

Wenn niemand wüsste, was richtig und was falsch ist, wäre die Welt in einem noch schlimmeren Zustand als sie ohnehin schon ist. Wohlbegründete  Überzeugungen als selbstgefällig zu sehen, kann ich nicht nachvollziehen.

Damit mache ich Schluss und wende mich von der „Blogpolitik“ wieder ab 🙂


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Schule vor dem Kollaps

Ein sehr eindringlicher und leider wohl kaum übertriebener Titel.

Das Buch beschreibt die Situation in Deutschland, die sich von jener in Österreich diesbezüglich kaum unterscheidet. Auch in Österreich gibt es Parallelgesellschaften, die wenig bis keinen Wert auf Bildung legen, Kinder, die grundlegende Dinge wie zB die Benutzung einer Schere zum Ausschneiden von Papier kaum beherrschen, Kinder, die keine Beziehung zur Natur haben, weil sie aus ihren Wohnungen kaum herauskommen. Kinder, die kaum Deutsch können. Auch in Österreich muss man sehr darauf achten für solche Lagebeschreibungen keinen Applaus von der falschen Seite zu bekommen.

Die Autorin, Ingrid König, ist seit Jahrzehnten Schuldirektorin und durch alle möglichen Höhen und Tiefen der Bemühungen um sprachliche und kulturelle Integration gegangen. Sie beschreibt sehr engagiert die Veränderungen, die im Lauf der Zeit stattgefunden haben und die aktuelle Lage. Durch zahlreiche Fallbeschreibungen gewinnt man einen Einblick in die schwierige Situation vieler Kinder und Lehrer*innen.

„Es gibt viele nachvollziehbare Gründe für Inklusion, aber die wenigsten Verantwortlichen machen sich bewusst, was es bedeutet ein lernbehindertes Kind in der Klasse zu haben (wobei es oft nicht bei einem bleibt) gemeinsam mit Kindern, die vielfältige Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten neben Kindern mit Rechenschwäche, vielen Kindern mit Migrationshintergrund ohne wirklich ausreichende Deutschkenntnisse, Kindern, die als Seiteneinsteiger mitten im Schuljahr kommen, Kindern, die mit Chipstüten als Frühstück in die Schule kommen, Kindern, die mit winzigen , müden Augen am Morgen im Unterricht sitzen, weil sie nachts und am Wochenende stundenlang Playstation oder PC-Spiele spielen, Kindern, die zu nichts Lust haben, Kindern, die nach ein paar Monaten wieder weg sind. Und dazwischen ein paar leistungsstärkere und begabtere, die etwas lernen wollen und sich schnell langweilen, wenn man ihnen nicht auch immer wieder Futter gibt – dies alles unter einen Hut zu bringen, ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Wir versuchen es trotzdem.“ p. 168

Ein sehr empfehlenswertes Buch für jene, die meinen, dass Lehrer*innen zu viel Urlaub und kaum irgendetwas zu tun hätten und dass es ja ganz einfach wäre, jungen Kindern etwas beizubringen Der Einblick in die „Idylle“ einer Grundschule (in Österreich: Volksschule) in einem Brennpunkt-Bezirk in Frankfurt ist sehr überzeugend.


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Weltweiter Fortschritt

Es wäre völlig falsch zu behaupten, dass es nicht überall auf der Welt, in allen Kulturen, zivilisatorische Fortschritte gibt. In Saudi-Arabien zum Beispiel ist es seit neuestem Frauen sogar gestattet durch die gleichen Eingänge wie Männer ein Restaurant zu betreten. Wenn das kein Meilenstein ist ! Durch die gleichen Eingänge!!

 


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Nix Neues – Donnerstag 5.12.19

Der PISA-Test ist wieder einmal gegessen. Österreichs 15-jährige liegen wie immer weltweit in einem deprimierenden Mittelfeld, können schlecht sinnerfassend lesen und werden immer schlechter in Naturwissenschaften. Schuld daran sind selbstverständlich ausschließlich die Lehrer. Eine Gesellschaft, die den Schulanfängern erzählt, dass es nun vorbei sei mit dem schönen Leben und der „Ernst des Lebens“ beginnt, Eltern, die ihre Kinder in der Schule abgeben und zu deren Schulleben nur noch intensives Geschimpfe auf Lehrer und Bildung im allgemeinen beitragen, ein System, das 10 jährige(!) in zwei Kategorien teilt, das hat alles nicht das Mindeste mit den schwachen Ergebnissen  zu tun. Nein, es sind die Lehrer, die bekanntlich keine Ahnung von irgendwas haben. Sonst würden sie es doch locker schaffen im Alleingang  Klassen mit Kindern, von denen bis zu 100%  schlecht Deutsch können, in bildungsfernen bis bildungsfeindlichen Milieus aufwachsen und in den Familien keinerlei Hilfe zum Lernen bekommen ohne Unterstützung von zB Psychologen und Sozialarbeitern in gebildete, sozial integrierte, bildungsinteressierte Menschen zu verwandeln. Wären die Lehrer nicht so unfähig, würde die Gesellschaft ja ganz anders dastehen. Alle Jahre wieder!

Ich merke schon, mein vorweihnachtlicher Dekowahn wird langsam aber sicher von meinem klassischen Ärger über das undifferenzierte Klingelingeling  in allen Bereichen des Lebens abgelöst. „Stop talking Start making“ steht auf einem riesigen Transparent am Wiener Stephansdom. Sieh da !

Einen Nikolaus kann man mieten, habe ich gerade gelesen. Auch ein Geschäftsmodell. Ich bin ja eher ein fan von Perchten. Da gibt es manchmal großartige Holzmasken und sehr engagierte, wild herumhüpfende Tänzer.


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Hüpfend auf dem Mond

Ich habe schon eine Menge von Kim Stanley Robinson gelesen. Alle seine Bücher haben mir gefallen, weil sie wissenschaftlich gut recherchiert sind. In einem Roman über ein Generationenraumschiff zeigt er beachtliche Kenntnisse über isolierte ökologische Systeme, schreibt er über ein futuristisches Orchester so sieht man, dass er sich mit Musik beschäftigt hat. Es geht in seinen Romanen um viele verschiedene Wissenbereiche. Auch seine Geschichten sind gut aufgebaut, die Figuren detailreich gezeichnet. Es gibt nur ein „aber“: Spannung ist nicht wirklich seine Stärke.

In diesem Buch hat er sich sichtlich bemüht seinen Spannungsbogen etwas zu straffen, etwas mehr Geschwindigkeit in die Handlung zu bringen. Ich finde es ist streckenweise gelungen, aber nicht durchgehend.

Die Handlung als solche ist durchaus interessant: die Wege eines amerikanischen Quantentechnikers und einer chinesischen Revolutionärin, die die Tochter eines hohen Politikers ist, kreuzen sich auf dem Mond, der von Chinesen und Amerikanern besiedelt wurde. Es gibt einen Mord, eine Reihe von gegeneinander arbeitenden Gruppierungen, es kommt zum Fast-Zusammenbrechen der politischen Systeme in den USA und China, chinesische Geschichte und Organisationsstrukturen werden beleuchtet. Robinson hat auch eine poetische Seite: in diesem Band beschreibt er das Aufgehen der Erde vom Mond aus betrachtet und lässt dabei einen Dichterwettbewerb stattfinden. Auch die Beschreibung des Lebens auf dem Mond bei geringer Schwerkraft hat ihren Reiz.

Es ist ein Buch, das ich gerne und mit Interesse gelesen haben. Es ist keines von den Büchern, die man die halbe Nacht durchliest, weil man sie nicht weglegen kann. Es unterliegt der Beurteilung der Leser*innen ob dies ein Fehler oder ein Vorzug ist.