la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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#INKTOBER2018 #13 – guarded

Guarded heißt ja nicht nur beschützt oder bewacht im positiven Sinn sondern auch überwacht. Überwacht von anderen, die sich womöglich auch noch als wohlwollend verstehen. Ein bissl vielschichtiger als „Pfui, die Bösen“ ist es aber schon gemeint.

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Es gibt schöne Straßenfeste und solche, bei denen man den Eindruck hat, das Motto lautet „Mehr Ramsch für alle“. Gestern bin ich durch eine Veranstaltung der zweiten Kategorie geschlendert. Taschen um 10€, Schuhe um 20€. Dazu fällt mir Bangladesh, Pakistan, Brasilien ein, sklavenartige Arbeitsbedingungen für Kinder und Erwachsene, mit allen Giften der Welt behandelte Materialien. Die Preise sind absurd und sogar davon haben noch die Zwischenhändler 95% eingesteckt.

Die überwiegende Mehrheit der Standler waren interessanterweise Inder, die das gleiche Glumpert anboten wie das Standler aller Herkunftsländer tun, vermehrt durch indische Tücher, Kuschelelefanten in grellen Farben, deren ursprüngliches Modell vielleicht der Elefantengott Ganesha war. An allen Ständen gibt es abgesehen von den Taschen, Gürteln und T-Shirts dubiosen Ursprungs, Mini-Dirndln und Lederhosen und – kurioserweise – ganze Batterien von Hosenträgern mit den verschiedensten Motiven. Ich fotografiere so eine Kinderdirndlstange, der Standbetreiber kommt um mit mir zu plaudern, er vermutet, dass ich von den Kleidchen schwer begeistert bin, warum würde ich sie sonst auch fotografieren. Ich zeige ihm das Foto, er lacht und geht auf einen Plausch zu einem Obstsaftstand, der von  einer streng dreinblickenden Asiatin betrieben wird, die einen kleinen Buben herumkommandiert. So stelle ich mir eine Tiger-Mutter vor.

Dann sehe ich eine ältere Frau an einem sehr unprofessionell wirkenden kleinen Stand. Obendrein trägt sie ein nicht-muslimisches Kopftuch, was bei mir immer die Assoziation „Chemotherapie“ anstößt. Sie verkauft Schmuck und ich bin ein Schmuck-Freak und denke mir, dass schon irgendetwas dabei sein wird, was ich ihr abkaufen kann. Bei näherer Betrachtung der Ketten und Ohrringe kann ich mich dann doch nicht entschließen, ich bin ja derzeit immer noch mit dem Ausmisten beschäftigt und möchte auf keinen Fall Ramsch ansammeln, der nur Staub anzieht.

 

 


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Opfer des Schicksals? Viktor Frankl? HVB

Nie und niemals und unter gar keinen Umständen sollte sich ein Mensch selbst als Opfer betrachten. Als Opfer irgendwelcher höheren Mächte, als Opfer des Schicksals, als Opfer anderer Menschen, Als Opfer bestimmter Lebensumstände.

„Du Opfer“ sagen Jugendliche und meinen das als sehr grobe Beschimpfung. Das irritiert mich immer wieder. Es kann keine Schande sein, zum Opfer zu werden. Selbstschädigend ist es aber unbedingt, sich selbst als Opfer zu betrachten, als hilflos ausgeliefert, als unfähig zu irgendeinem Schritt zur Verbesserung der Lage und sei es nur in der Vorstellung, als immerwährende/r Ausfüller/in der Opferrolle. Immer, bis zum letzten Atemzug gibt es irgendeine Möglichkeit auf seine Lebensumstände zu reagieren. Vielleicht ist es nur eine ganz winzige, von außen kaum wahrnehmbare Reaktion und doch gibt sie dem Menschen die Würde der Selbstbestimmung wieder. Betrachtet man sich selbst als Opfer, überlässt man die Gewalt über das eigene Leben anderen.

Man denke nur an Viktor Frankl, der seine Logotherapie und Existenzanalyse, die von vielen als dritte Säule der Psychoanalyse betrachtet wird, während seiner Inhaftierung in mehreren KZs entwickelt hat und seinen „Willen zum Sinn“ nicht nur selbst gelebt sondern auch an andere in derselben Lage weitergegeben hat. Es gibt wohl nicht allzuviele Situationen, in denen man mehr Anlass hätte, sich als Opfer zu betrachten als Insasse eines Konzentrationslagers zu sein, errichtet und geführt von einem mörderischen Regime und zu den zu vernichtenden Feindbildern dieses Regimes zu gehören. Dennoch….  Ich halte Viktor Frankl nicht für einen Heiligen oder einen Übermenschen, aber für jemanden, dem es gelungen ist, sich selbst und anderen in einer absoluten Opfersituation die Menschenwürde und Selbstbestimmung zu erhalten.


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Schrecklich!!

Ich lebe in einem Land dessen Innenminister (möge er es bald nicht mehr sein) der Polizei Weisung erteilt hat, mit den Informationen für die kritischen Medien (mögen sie gut durch diese Regierung kommen) sparsam umzugehen. Diesmal schweigt der Kanzler zwar nicht, sondern hat sich zu der Erklärung durchgerungen, dass die Pressefreiheit unantastbar sei. Etwas wenig. Der Innenminister (möge er es bald nicht mehr sein), dessen letzter Skandal noch im U-Ausschuss behandelt wird, wirft den zu Recht Empörten ein Opfer hin: der Ressortsprecher hätte falsch formuliert. Wer wird das schlucken?

Mit diesem Skandal ist es der österreichischen Regierung gelungen die ebenfalls skandalösen Vorkommnisse in Deutschland zu toppen. Ist das doch immer unser größtes Anliegen.

Ich empfehle dazu und überhaupt den ausgezeichneten blog von Stefan Kappacher , einem Ö1-Journalisten.


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gallertiges Rückgrat

Sehr lesenswerte Betrachtungen zum Thema Mitläufertum  habe ich hier gefunden.

Auch mir sind klar definierte Meinungen, auch wenn sie mit meinen nicht übereinstimmen, meist lieber als diffuse Positionen, die sich verändern je nachdem mit wem es die klassischen Mitläufer gerade zu tun haben.


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Formulierungen

Ein Tag ohne nennenswerte Strukturen nur zum Ausruhen und Genießen und Nachdenken. Immer mehr Menschen aller möglichen Berufssparten arbeiten allerdings Freitag nicht mehr, was Pläne zur Erledigung von tausend Dingen, für die sonst keine Zeit ist, zunichte macht. Auch gut, so bleibt an Freitagen mehr Zeit um nichts zu tun. Zeitungen zu lesen zum Beispiel. Abgesehen von den Inhalten gefallen mir oft Formulierungen.

„wer nicht demnächst die Welt untergehen sieht, darf im Chor der Guten offenbar nicht mitsingen“

Profil Nr.36. 3.9.18 p 33 „Im Alarmzustand“ Rosemarie Schwaiger

Viele, auf allen Seiten sind extrem aufgebracht, exaltiert, empört über die jeweils anders Denkenden und Handelnden. Wenigstens eine Spur von Gelassenheit und Nüchternheit würde allen gut anstehen und womöglich zu konstruktivem Handeln führen.

Und abends Malgruppe, Monotypien. Mir geht es da weniger um Kunst als um Entspannung und das funktioniert perfekt. Weniges macht mir so viel Freude wie etwas zu gestalten, darzustellen, auszudrücken ohne Worte. Ich rede ohnehin genug. Morgen geht es den ganzen Tag weiter, dann bin ich wieder fit für eine Woche reden und handeln.


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12-Stunden-Tage und Rausschmisse

In aller Munde ist der 12-Stunden-Tag derzeit in Österreich. Wir haben ein neues Gesetz, das von der Regierung in derartigem Eiltempo durchgedrückt wurde, dass den Betroffenen Menschen die Ohren schlackern. Die einen meinen, es wäre eine lange fällige „Modernisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt“, die anderen sehen darin eher eine in Gesetze gegossene Möglichkeit der Ausbeutung der Arbeitnehmer. Beide Seiten  haben natürlich exemplarische Beispiele für ihre Position anzubieten.

Für Lehrerinnen und Lehrer gibt es ohnehin keine Arbeitszeitregelungen. Ich habe schon viele 12, 13 und sogar 14-Stunden-Tage gehabt. Stundenplanmäßig jede Woche. Es ist nur als ziemlich junger Mensch gut auszuhalten und die Qualität der Arbeit ist eigentlich nicht zweifelhaft sondern eindeutig schlecht. Schlechter Unterricht wirkt sich halt nicht so dramatisch plakativ aus, wie wenn jemand aus Müdigkeit einen Arbeitsunfall hat.

Mein erster Schultag war gleich mal ein 12-Stunden-Tag. Kein ganz echter, weil immerhin in den Zwischenräumen Zeit für ein gemeinsames Essen unter Kollegen beim Asiaten schräg gegenüber war, aber es war für mich schon ein heftiger  Einstieg nach zwei Monaten Krankenstand und anschließend zwei Monaten Ferien.

Neuigkeiten gibt´s auch bei Schulgesetzen. Im Produzieren umstrittener Gesetze ist die rechtskonservative Regierung stark. Schülerinnen und Schüler, die eine bestimmte Anzahl von unentschuldigten Fehlstunden haben, sollen „angezeigt“ und dann von Amts wegen von der Schule abgemeldet, sprich rausgeschmissen werden. Drastisch. Und gesellschaftspolitisch kontraproduktiv. Was passiert denn mit diesen Jugendlichen? Sollen sie gleich eine Karriere auf der Straße beginnen, oder schiebt man sie dann von einer Schule in eine andere? Wunderbar durchdachte Maßnahme ….

Nicht dass ich nicht dafür wäre, dass Schülerinnen und Schüler regelmäßig in den Unterricht kommen, aber diesen Ansatz halte ich für sinnlos. Denn es handelt es sich um „unentschuldigte Stunden“, was heißt, wenn die Eltern oder die eigenberechtigten Jugendlichen irgendeinen Zettel produzieren auf dem „Kopfweh, Bauchweh, Zahnartbesuch….“ steht, fällt die Abwesenheit nicht mehr unter „unentschuldigte Stunden“.

Sinnvoller wäre es auszubauen, was tatsächlich stattfindet, nämlich das Nichtbeurteilen, wenn Schüler und Schülerinnen in einem Fach nicht mindestens 75% der Stunden anwesend waren. Dann findet eine Einstufungsprüfung statt und diejenigen, die zu oft gefehlt haben, können dieses Verhalten durch Lernen und Bestehen einer Prüfung ausbügeln. Wir werden dieses neue Gesetz österreichisch umsetzen, also ignorieren. Unsere Direktorin sagte bei der Eröffnungskonferenz, dass sie doch sehr großen Wert darauf legte, dass wir zu Weihnachten noch die gleiche Anzahl von Schülern hätten wie zu Schulbeginn. Das sehe ich auch so.