la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Montag 5. August 2019 – Im Auge des Orkans

Zuhause einrichten für eine Woche, dann geht´s ins schöne Waldviertel. Womöglich habe ich da viel Zeit zum Schreiben und Zeichnen und Fotografieren und so zu tun, als ob die Welt in bester Ordnung wäre.

Dabei ist die Weltlage derzeit geradezu apokalyptisch. In Sibirien brennen gewaltige Flächen, die Permaböden tauen auf, das gespeicherte CO2 wird freigesetzt und heizt die Atmosphäre noch mehr auf. Überschwemmungen in einigen Gebieten, extreme Dürre und Wassermangel in anderen. Und die politischen Anführer sind macht- und geldgierig und obendrein blind.

Das politische Klima in Österreich ist auch ungemütlich, aber wir jammern auf einem ziemlich hohen Niveau. Ich gehöre auch zu den zahlreichen Menschen, die finden, dass die Übergangsregierung ihre Sache ziemlich gut macht, vor allem im Vergleich zu vorherigen und bestimmt wieder kommenden Zuständen.


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Danke, Ulli

Ein interessantes Buch, das Ulli mir da empfohlen hat. Es beginnt wie eine gute, aber nicht besonders bemerkenswerte Dystopie, entwickelt sich aber zu einem Buch mit äußerst interessanten Betrachtungen über Mensch und Gesellschaft.

Eine kleine Kostprobe:

„Weißt du, was eine Hexe ist, Mia?“

Überrascht hebt die Angesprochene den Kopf und muss sich anstrengen um ihre Konzentration auf den neuen Begriff zu richten.

„Eine Hexe, mit Buckel und Besen?“ Die im Backofen oder auf dem Scheiterhaufen endet?“

„Das Wort kommt von Hagazussa. Die Hexe ist ein Heckengeist. Ein Wesen, das auf Zäunen lebt. Der Besen war ursprünglich eine gegabelte Zaunstange“

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Zäune und Hecken sind Grenzen, Mia. Die Zaunreiterin befindet sich auf der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Körper und Geist. Zwischen Ja und Nein, Glaube und Atheismus. Sie weiß nicht, zu welcher Seite sie gehört. Ihr Reich ist das Dazwischen. Erinnert dich das an jemanden?“

(…)

„Wer keine Seite wählt“ sagt die ideale Geliebte „ist ein Außenseiter. Und Außenseiter leben gefährlich. Von Zeit zu Zeit braucht die Macht ein Exempel, um ihre Stärke unter Beweis zu stellen. Besonders wenn im Inneren der Glaube wackelt. Außenseiter eignen sich, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Sie sind Fallobst. “ p. 144

 


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41. Station der Leseweltreise – Polen

Wieder einmal eine Strecke der Leseweltreise

Nachdem David Ben Gurion als David Grün in Polen, das damals zum russischen Reich gehörte, geboren wurde,  und aufgewachsen ist, „verrechne“ ich ihn hier unter Polen.

Diese von Tom Segev verfasste Biographie David Ben Gurions lässt sich trotz großer Detailgenauigkeit flüssig lesen. Das ist bei einer wissenschaftlich angelegten Biographie keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es sind etwa 700 Seiten Text und  weitere  etwa 100 Seiten Anmerkungen.

Eine Biographie lässt sich nicht zusammenfassen, es sei denn man erzählte das ganze Leben der beschriebenen Person und das würde doch weit über einen Leseeindruck hinausgehen. Ich beschränke mich also darauf einige Aspekte hervorzustreichen, die mich beeindruckt haben.

Ganz besonders interessant fand ich die Geschichte der Beziehungen zwischen den im heutigen Israel ansässigen Palästinensern und den großteils eingewanderten Juden, vom Anfang der jüdischen Besiedlung unter britischer Regierung bis zur heutigen Situation, die mehr oder weniger klugen und mehr oder weniger gerechten Ansätze zu einem friedlichen Zusammenleben, die politisch hochkomplizierte Zusammenarbeit zwischen britischer Kolonialmacht, eingewanderten Juden und Palästinensern, die ebenfalls sehr schwierigen Prioritätssetzungen der zionistischen Bewegung, der Blick aus anderer Perspektive auf den zweiten Weltkrieg.

Sehr gut gefiel mir auch, dass Ben Gurion nicht auf ein Podest erhoben und mit heroischen Zügen ausgestattet wurde, sondern dass auch seine weniger bewundernswerten Eigenschaften und Handlungen im politischen und privaten Bereich beleuchtet werden. Auch so bleibt noch die Beschreibung eines Menschen, den man aus verschiedenen Gründen bewundern kann, eines Großen des 20. Jahrhunderts.

 


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Sonntag 9.6. – Kooperation mit Spinnen

Vor mein Küchenfenster hat eine riesige, eine wirklich riesige, schwarze Spinne ein Netz gespannt. Entsprechend der Größe der Spinne ist auch das Netz gewaltig. Nachdem gleich daneben eine Tür ist, mache ich das Fenster praktisch nie auf, kippe es höchstens. Die Spinne durfte also jagen und sie tat das sehr erfolgreich: nach einem Nachmittag hingen jede Menge winzige Insekten im Netz, die aber bald wieder verschwunden waren, nicht weil sie sich hätten befreien können sondern weil sie die Vorräte der Spinne erweitert hatten.  Ich fand, dass ich so ein natürliches Fliegengitter durchaus eine Weile hängen lassen könnte. Nachdem ich ja auch gelegentlich kleine Leckerbissen für die Fleischfressende jage, habe ich doch ein gewisses Verständnis für Spinnen entwickelt. Der Wind war nicht so freundlich gesinnt und hat das Netz ordentlich zerzaust. Jetzt wird man sehen, ob die Spinne noch da ist und Ausbesserungen vornimmt oder ob sie sich ein windstilleres Plätzchen sucht.

Ende Juni ist für mich immer die Zeit der Abschlußfeste. Leider haben diese Feste die Tendenz alle gleichzeitig stattzufinden und anstatt eines genießen zu können, muss ich mehrere gleichzeitig jonglieren und genieße dadurch keines. Schade, aber nicht zu ändern. Mit dem Abendunterricht kollidiert schon einmal die Maturafeier meiner Lieblingsklasse in dieser Woche, da werde ich mir sicher etwas einfallen lassen.

Die Stadt beginnt sich aufzuheizen, diesmal nicht politisch sondern temperaturmäßig. Politisch herrscht derzeit Sommerfrieden, die Übergangsregierung wurde so zusammengestellt, dass offenbar alle zufrieden sind. Man kann den Bundespräsidenten gar nicht  genug loben dafür , wie gut er die Krise in ruhige Fahrwasser geleitet hat. Auch werden trotz gegenteiliger Behauptungen von Kurz viele der Absurditäten, die die FPÖ ins Regierungsprogramm gebracht hatte, entweder nicht durchgeführt oder rückgängig gemacht. Auf diese Art kommt endlich das Rauchverbot in allen Lokalen, das im Rest der Welt schon zur Normalität geworden ist. Und die wirklich widerwärtigen Tafeln mit „Ausreisezentrum“ vor dem Erstaufnahmelager Traiskirchen sind verschwunden. Zwar wurden sie von Aktivisten abmontiert aber unter Duldung der Polizei.


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Mittwoch 29.5.19 – Aktion und Reaktion

41.000 Vorzugsstimmen hat Strache bei den Europawahlen von den Stammwählern der FPÖ bekommen. 41.000 !! Mit dem alten „Jetzt-erst-recht“-Schmäh mit dem schon Waldheim gewählt wurde. Ob er das Mandat annimmt, weiß man noch nicht.

In der Wiener Innenstadt gibt es derzeit im öffentlichen Raum eine Ausstellung von Portraits von KZ-Überlebenden. Eine Ausstellung, die schon an mehreren Orten zu sehen war, bis jetzt ohne Zwischenfälle. Ausgerechnet in Wien wurden nun einige zerrissen und beschmiert, mit Hakenkreuzen. Es ist ebenso empörend wie beschämend. Aber aus der Empörung heraus hat sich spontan eine  Gruppe von Menschen gefunden, die die Bilder genäht hat und nun werden sie nächtens von Freiwilligen bewacht, hauptsächlich von Jugendgruppen darunter auch die muslimische Jugendorganisation. Verrohung hat immer einen Ursprung, nicht zuletzt das durch die Politik bedingte gesellschaftliche Klima, aber daraus kann auch Positives entstehen. Der Satz von Bundespräsident Van der Bellen „Wir sind nicht so“, bezogen auf die moralischen Abgründe, die im Ibiza-Video zu sehen waren, hat einen Nerv in der Gesellschaft getroffen.

Der Bundespräsident ist in den letzten Tagen äußerst beschäftigt, nicht nur politisch. Er spricht zB auch bei den Begräbnisfeierlichkeiten für Niki Lauda. Van der Bellen hat sich viel Respekt und Vertrauen erworben, eventuell auch bei einigen Hofer-Wählern, oder doch nicht …..


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Sonntag 26.5.19

Ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dass ich zu brav oder zu alt oder zu feig bin, um Plakate zu beschmieren. Das Europawahl-Plakat mit Strache und Vilimsky und der Textzeile „Österreich braucht dich“ ist ja auch fast unwiderstehlich. Entlang meiner täglichen Wege hängen mehrere von der Sorte und gestern konnte ich mit viel Freude feststellen, dass andere der Versuchung nicht widerstanden haben und die beiden ….. äh ….. Herren mit Hitlerbärtchen und Hörnern versehen haben und ABER EUCH NICHT draufgeschrieben haben. Genau so ist es, diese Gestalten braucht Österreich nicht und Europa nicht und diejenigen, die sie vorgeblich vertreten am allerwenigsten.

Freitag und Samstag Malwochenende. So gerne ich politisiere, aber beim Malen kann/will ich nicht reden und das macht die Sache etwas anstrengend, denn die politische Lage ist brisant und ich komme kaum irgendwo hin, wo nicht mehr oder weniger emotional diskutiert wird. Trotzdem war das Malen erholsam. Ich habe mich weiter mit der Technik Öl über Acryl beschäftigt und bin von der Intensität der Ölfarben begeistert.

Leider harren auch an diesem Sonntag noch etliche Prüfungsarbeiten ihrer Korrektur, aber immerhin kann ich mich damit ins Freie setzen. Und zuvor gehen wir natürlich noch wählen.