la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Montag 30.9.19 – Die Ruhe nach der Schlacht

Die Stimmung heute Vormittag hat mich an 1. Jänner erinnert, alles ruhig, müde, verschlafen, die Emotionen erschöpft. Ich weiß nicht, ob es nur meine Stimmung war oder eine allgemeine ….

Die Wahlen sind geschlagen. Das martialische Vokabular passt in diesem Fall großartig. Der Sieger ist keine Überraschung, es war völlig klar, dass Sebastian Kurz und die Volkspartei gewinnen würden. Das freut mich nicht besonders, aber die ÖVP ist eine erzkonservative, aber doch demokratisch völlig legitimierte Partei, in der es durchaus auch Führungspersönlichkeiten gibt, die das christlich-soziale Weltbild hochhalten; auch wenn dies für ihren obersten Chef nicht unbedingt zutrifft.

Aber die Überraschung, die eigentlich für alle – außer die unmittelbar Betroffenen – eine außerordentlich angenehme Überraschung war, ist der Absturz der FPÖ auf 16%. Nicht nur mich hat dieses Ergebnis mit meinem Land wieder versöhnt. Es ist schon ein scheußliches Gefühl  bei Wahlen zu erfahren, dass 25% der Bevölkerung des Landes, also jeder vierte Mensch, Anhänger*in einer völlig korrupten, faschistoiden, rassistischen, deutschtümelnden, ignoranten, rückwärtsgewandten Truppe ist, deren führende Mitglieder praktisch alle bei irgendwelchen deutschnationalen Burschenschaften sehr aktiv sind und bei denen es in immer kürzer werdenden Abständen zu sogenannten „Einzelfällen“ kommt. Ein solcher Einzelfall ist meist ein Riesenskandal, der zu Massenrücktritten von Politikern führen müsste. Von „der siebten Million“ bis zur „Zellenreinigung mit Zahnbürsten“ wurden uns die ungeheuerlichsten Dinge vorgesetzt, die der Kanzler Sebastian Kurz mit stoischer Miene an sich vorbeirauschen ließ, bis zum Ibiza-Video-Skandal, den er dann doch nicht mehr ignorieren konnte. Man kann durchaus befürchten, dass es gar nicht der Ibiza-Skandal war, der die FPÖ so viele Wähler gekostet hat, sondern die Aufdeckung von Straches unmäßigem Lebenstil auf Kosten seiner Partei und damit letztlich des Steuerzahlers. Um die 42.000 € hatte das Ehepaar Strache monatlich zur Verfügung, ein Betrag, den die meisten ihrer Wähler im Jahr brutto nicht verdienen und das war nicht genug, er soll auch noch seine Parteispesenabrechnungen gefälscht haben. Es gilt *hüstel* die Unschuldsvermutung.

Nun ja und jetzt beginnen die Koalitionsverhandlungen. Mögen sich unter den Verhandlern so viele wie möglich ihrer Verantwortung bewusst sein.


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44. Station der Leseweltreise – Nepal im Wiener Weltmuseum

Ich habe beschlossen, meine Literaturweltreise auch für darstellende Kunst zu öffnen. Der Ausstellungskatalog von „Nepal Art Now“ wird also zu meiner Nepal-Station.

Es ist eine Ausstellung von der ich nicht besonders viel erwartet hatte, der F. ist überhaupt nur mir zuliebe mitgegangen und hat sich noch weniger erwartet, aber wir waren beide angenehm überrascht.

Das Titelbild des Katalogs sieht auf den ersten Blick nicht besonders interessant aus, ist aber Teil einer mehrteiligen Serie von Anil Shahi zum Thema gesellschaftliche Verlogenheit, die als Serie durchaus eindrucksvoll ist.

Verschiedenste Stilrichtungen gab es zu sehen, von ganz klassisch-buddhistischen über abstrakte, expressionistische, fotorealistische  Bilder.

Dieses Bild stammt von Laxman Shresta und er nannte es „Ohne Titel 1“

Das große Erdbeben  in Nepal war ein wiederkehrendes Thema .

Hier „Aftermath“ von Asha Dangol

 

Viele Bilder waren in ihrer Ikonographie als Bilder von Künstlern erkennbar, die in einer hinduistisch-buddhistischen Kultur aufgewachsen sind. Es gab Bilder, die ungeheuer fein und detailreich hinduistische Götterwelten oder buddhistische Lebensräder darstellten.

Es gab auch etliche Portraits bekannter Persönlichkeiten in einem modernen hinduistischen Stil. Hier handelt es sich um eine Serie von Sunil Sigdel, der unter der ironischen Bezeichnung „peace owners“ Donald Trump, Vladimir Putin und Mao darstellt. (Ernst beiseite, ich finde Trump gewinnt in dieser Darstellung).

Was mir an der Ausstellung und auch an dem Katalog sehr gut gefällt, ist, dass die Künstler selbst zu Wort kommen und ihre Werke kommentieren. So schreibt Sunil Sigdel zu seinen „peace owners“

„Peace Owners ist eine Satire auf Führer auf der ganzen Welt und ihr Wettrüsten im Namen der Friedenssicherung. Ich habe ihre Portraits mit buddhistischer Bildsprache durchdrungen, Motive aus den traditionellen Newar-Paubha und tibetischen Thanka-Werken aufgenommen und ihre kriegsähnliche Haltung Symbolen des Buddhismus gegenüber gestellt, die für Frieden stehen.“

Etliche Installationen wurden auch ausgestellt. Sehr beeindruckt hat mich eine von Sheelasha Rajbhandari genannt „Agony of the New Bed“ aus der der Serie „Marriage Taboos“, in der es um die gesellschaftliche Unterdrückung der Frauen geht. Die Installation besteht aus einer großen Anzahl vergoldeter Betten mit Frauenportraits darin.

Ein sehr interessanter Nachmittag im Wiener Weltmuseum

 


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Nein, nein, nicht ich habe mir den Namen ausgedacht

Man konnte das Insekt unter genau diesem Namen im Tiergarten bewundern, eine völlig unpolitische Angelegenheit. Zur Erklärung für Nicht-Österreicher: Türkis ist die neue Farbe der konservativen Partei unter Sebastian Kurz und Blaue nennen sich die rechten Recken der FPÖ.


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Donnerstag 29.8.19 – Hitler im Bunker, Lebensmittel im Müll

„Der Untergang“, ein Film über Hitlers letzte Tage im Bunker in Berlin, im Hintergrund ein heftiges Gewitter über Wien, gewaltige Blitze und Donner. Bruno Ganz beklemmend gut als Adolf Hitler, krank und/oder unter Drogen, mit gelegentlichen jovialen Anklängen. Kein Monster hat nicht auch menschliche Züge. Ich schaffe es ja kaum mir einen Kriegsfilm anzusehen. Ererbtes Trauma. Das Interview mit der Sekretärin, die irgendwie den Auszug aus dem Bunker überlebt hat. Sie sagt, dass sie ihrem jüngeren Ich kaum verzeihen kann. Die Szene in der Frau Goebbels im Einvernehmen mit ihrem Mann die gemeinsamen sechs Kinder tötet, weil sie zu gut für eine post-nationalsozialistische Welt sind. Das Leben ist beim Erfinden perverser Verbrechen der Literatur weit voraus ….

Die Hälfte aller Lebensmittel in Österreich werden weggeworfen, das sind im Schnitt ca 170 Kg pro Kopf und Jahr. Würde man die Babys wegrechnen wären es noch mehr. Einerseits der Überfluss der einen und der Mangel der anderen und andererseits auch der Energieverbrauch für die Erzeugung dieser Lebensmittel, die auf dem Müll landen.

Weitere fröhliche, erbauliche Details erspare ich mir. Schließlich führe ich einen Großteils-Tralala-Blog.


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Montag 5. August 2019 – Im Auge des Orkans

Zuhause einrichten für eine Woche, dann geht´s ins schöne Waldviertel. Womöglich habe ich da viel Zeit zum Schreiben und Zeichnen und Fotografieren und so zu tun, als ob die Welt in bester Ordnung wäre.

Dabei ist die Weltlage derzeit geradezu apokalyptisch. In Sibirien brennen gewaltige Flächen, die Permaböden tauen auf, das gespeicherte CO2 wird freigesetzt und heizt die Atmosphäre noch mehr auf. Überschwemmungen in einigen Gebieten, extreme Dürre und Wassermangel in anderen. Und die politischen Anführer sind macht- und geldgierig und obendrein blind.

Das politische Klima in Österreich ist auch ungemütlich, aber wir jammern auf einem ziemlich hohen Niveau. Ich gehöre auch zu den zahlreichen Menschen, die finden, dass die Übergangsregierung ihre Sache ziemlich gut macht, vor allem im Vergleich zu vorherigen und bestimmt wieder kommenden Zuständen.


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Danke, Ulli

Ein interessantes Buch, das Ulli mir da empfohlen hat. Es beginnt wie eine gute, aber nicht besonders bemerkenswerte Dystopie, entwickelt sich aber zu einem Buch mit äußerst interessanten Betrachtungen über Mensch und Gesellschaft.

Eine kleine Kostprobe:

„Weißt du, was eine Hexe ist, Mia?“

Überrascht hebt die Angesprochene den Kopf und muss sich anstrengen um ihre Konzentration auf den neuen Begriff zu richten.

„Eine Hexe, mit Buckel und Besen?“ Die im Backofen oder auf dem Scheiterhaufen endet?“

„Das Wort kommt von Hagazussa. Die Hexe ist ein Heckengeist. Ein Wesen, das auf Zäunen lebt. Der Besen war ursprünglich eine gegabelte Zaunstange“

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Zäune und Hecken sind Grenzen, Mia. Die Zaunreiterin befindet sich auf der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Körper und Geist. Zwischen Ja und Nein, Glaube und Atheismus. Sie weiß nicht, zu welcher Seite sie gehört. Ihr Reich ist das Dazwischen. Erinnert dich das an jemanden?“

(…)

„Wer keine Seite wählt“ sagt die ideale Geliebte „ist ein Außenseiter. Und Außenseiter leben gefährlich. Von Zeit zu Zeit braucht die Macht ein Exempel, um ihre Stärke unter Beweis zu stellen. Besonders wenn im Inneren der Glaube wackelt. Außenseiter eignen sich, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Sie sind Fallobst. “ p. 144

 


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41. Station der Leseweltreise – Polen

Wieder einmal eine Strecke der Leseweltreise

Nachdem David Ben Gurion als David Grün in Polen, das damals zum russischen Reich gehörte, geboren wurde,  und aufgewachsen ist, „verrechne“ ich ihn hier unter Polen.

Diese von Tom Segev verfasste Biographie David Ben Gurions lässt sich trotz großer Detailgenauigkeit flüssig lesen. Das ist bei einer wissenschaftlich angelegten Biographie keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es sind etwa 700 Seiten Text und  weitere  etwa 100 Seiten Anmerkungen.

Eine Biographie lässt sich nicht zusammenfassen, es sei denn man erzählte das ganze Leben der beschriebenen Person und das würde doch weit über einen Leseeindruck hinausgehen. Ich beschränke mich also darauf einige Aspekte hervorzustreichen, die mich beeindruckt haben.

Ganz besonders interessant fand ich die Geschichte der Beziehungen zwischen den im heutigen Israel ansässigen Palästinensern und den großteils eingewanderten Juden, vom Anfang der jüdischen Besiedlung unter britischer Regierung bis zur heutigen Situation, die mehr oder weniger klugen und mehr oder weniger gerechten Ansätze zu einem friedlichen Zusammenleben, die politisch hochkomplizierte Zusammenarbeit zwischen britischer Kolonialmacht, eingewanderten Juden und Palästinensern, die ebenfalls sehr schwierigen Prioritätssetzungen der zionistischen Bewegung, der Blick aus anderer Perspektive auf den zweiten Weltkrieg.

Sehr gut gefiel mir auch, dass Ben Gurion nicht auf ein Podest erhoben und mit heroischen Zügen ausgestattet wurde, sondern dass auch seine weniger bewundernswerten Eigenschaften und Handlungen im politischen und privaten Bereich beleuchtet werden. Auch so bleibt noch die Beschreibung eines Menschen, den man aus verschiedenen Gründen bewundern kann, eines Großen des 20. Jahrhunderts.