Schlagwort: Politik –

Montag 27. Juni 2022- Margaret Attwoods USA

Mir kommt vor, dass die Gesellschaft der USA sich immer mehr in Richtung der Horrorvision von Margaret Atwoods „The Handmaid´s Tale“ (die Geschichte der Magd). bewegt. Völliges Verbot von Abtreibungen, was dazu führt, dass jene Frauen, die es sich leisten können in Kanada abtreiben, die anderen in finsteren Hinterzimmern. Die erzkonservativen Höchstrichter, die durch Trumps Ernennungen in der Mehrheit sind, sollen sogar über ein Verbot der Empfängnisverhütung nachdenken. Das ist kaum exekutierbar, dennoch erstaunt es doch sehr, dass es möglich ist, derartig rückschrittliche Gesetze zu erlassen und gleichzeitig von der Freiheit der Einzelnen zu reden. Die Freiheit soll man dann wohl hauptsächlich daran merken, dass noch mehr Waffen gekauft werden können.

Es beginnt immer mit der Beschneidung der Rechte der Frauen und dann ist die jeweilige Gesellschaft schon auf dem Weg in Realität gewordene Dystopien.

Themenwechsel, weil ich mich ja nicht zu politischen Themen äußern will und das schon wieder nicht schaffe.
Wie gerne hätte ich annähernd die Energie eines kleinen Kinds, das gehen lernt. Ein Schritt – plumps, umgefallen – wieder aufstehen, vier Schritte, plumps , – wieder aufstehen usw usf solange bis das Gehen funktioniert. Und diese absolute Konzentration und Zielgerichtetheit … Ich dagegen hänge wie eine müde Fliege herum.

Manchmal ist die Donau doch blau

Sonntag 15.Mai 2022 – Schwarz und türkis

Remineszenzen an die Sowjetunion mit Wahlergebnissen über 90% für die jeweiligen Parteivorsitzenden in Abwesenheit alternativer Kandidaten kann man derzeit auch in Österreich beobachten. Am Parteitag der ÖVP am vergangenen Samstag wurde der neue Parteichef und derzeitige Bundeskanzler, Karl Nehammer, mit 100% Zustimmung (in Worten: hundert) gewählt. Ob das wohl heißt, dass er dabei keine Stimme hatte oder dass er sich selbst auch gewählt hat ? „Gewählt“ kann man sowas ja eigentlich nicht nennen, es gab keinen Gegenkandidaten und etliche sollen dem Parteitag fern geblieben sein.

„Und das ist erst der Anfang“ verkündete er nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses, auf das er stolz zu sein schien. Aha, nächstes Mal 200% ? In der derzeitigen Lage der ÖVP, in einem bekannt gewordenen Sumpf aus Korruption und Machtmissbrauch, der in zahlreichen Untersuchungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft und ebenso zahlreichen Gerichtsverfahren behandelt wird, klingt die Ankündigung „und das ist erst der Anfang“ eher wie eine wilde Drohung. Die Beliebtheit, in der sich die ÖVP zu Zeiten von Kurz sonnen konnte, ist dahin, die Umfragewerte sinken und sinken. Auch in diesem Zusammenhang ist „das ist erst der Anfang“ unglücklich gewählt. Eventuell wurde der Satz aber auch bei der Berichterstattung über den Parteitag etwas aus dem Zusammenhang gerissen, trotzdem.

Dennoch ist Nehammer für mich, im Vergleich zu seinen Vorgängern als ÖVP-Parteivorsitzende und Kanzler wie Kurz oder Schüssel eher sympathisch, was nicht heißt, dass ich ihn und/oder seine Partei jemals wählen würde.

Gestern sah ich dann noch eine Diskussion zum Thema „ÖVP, was nun?“. Die Generalsekretärin der ÖVP, Sachslehner, war da zu bewundern, eine Frau, die hervorragend ins Team Kurz gepasst hätte. So eine Ansammlung von leeren Phrasen, Vermeidung der Erwähnung jeglicher Fakten und aggressivem Grundtenor! Einen großen Punkt für die ÖVP machte in meinen Augen der ehemalige EU-Agrarkommissar Fischler, dem diese Dame offenbar auch heftig auf die Nerven ging und der ihr nach Vorausschicken von „niemals würde ich ihnen vor der Kamera Ratschläge erteilen“ empfahl, über die Grundlagen nachzudenken auf die sie ihre Kommunikationsstrategie aufbauen wollte. Im Klartext heißt das höchstwahrscheinlich „Reden sie nicht so einen Schmarrn daher!“

Ein politiklastiger Tag war das.

Freitag 13. Mai 2022

Der Plausch am Ententeich, temperatur- und stimmungsmäßig mitten im Sommer hat mir gut gefallen. Ich treffe eigentlich meine ehemaligen Kolleginnen lieber einzeln als in der Gruppe. Zumal die Gruppe von Frühaufsteherinnen dominiert ist und sich immer zum Frühstück trifft. Frühstück ist für mich kein angenehmes „soziales Ereignis“. Es macht mir keine Freude um 7 aufzustehen, ans andere Ende der Stadt zu fahren und dort zu frühstücken. Ich treffe also lieber diejenigen Mitglieder der Gruppe, die ich gerne treffen möchte am Nachmittag oder Abend.

Im übrigen ärgere ich mich gerade sehr über mich selbst, weil ich doch glatt übersehen habe, dass die Frist für die Unterstützung von sieben Volksbegehren geendet hat ohne dass ich eines unterschrieben hätte. Es waren sieben und davon hätte ich gerne das Anti-Korruptionsvolksbegehren unterschrieben und die Forderung für mehr und bessere psychologische und psychiatrische Behandlung von Jugendlichen. Es ist ziemlich erschütternd wie viel Bedarf es dafür gibt. Aber nein, ich habe das Ende der Frist übersehen.

Strudel und Strömungen

Die Fotos sind nicht gerade gelungen, aber anders war es nicht möglich. Man sieht die Strudel des Strudengaus und die alte Inschrift.

Es ist schon ein Jammer in wie vielen Ländern der Welt Menschen Politiker wählen, die sie sehr kritisch betrachten, weil die einzige Alternative Menschen sind, die sie auf keinen Fall an der Spitze ihres Staates haben wollen. Immer nur das kleinere Übel. Schon viele Jahre, an vielen Orten. Das ständige Politiker-bashing verschlimmert die Lage noch. Wer will es sich – vor allem auf den unteren Ebenen – antun Politiker*in zu werden? Es wird zB immer schwieriger, Leute zu finden, die Bürgermeister werden wollen.

Macron wurde ohne Begeisterung gewählt, wieder einmal um LePen zu vermeiden. Ich selbst habe schon oft Parteien bzw Personen gewählt, die mir als das kleinere Übel vorkamen. Waren sie auch, keine Frage, trotzdem wäre es schön, jemanden mit Begeisterung zu wählen, mit der Überzeugung , dass er/sie die genau richtige Person für diese Amt ist.

Dienstag 12. April 2022 – Antikörper und Bäche

Ich bin begeistert! Vier Monate nach meiner zweiten Covidimpfung, habe ich einen Antikörpertest machen lassen. Das Ergebnis war 300. Nicht berauschend aber immerhin doch weit über 15, dem Wert, ab dem das Vorhandensein von Antikörpern als nachgewiesen gilt. Gestern, fast fünf Monate nach meiner dritten Impfung habe ich wieder so einen Antikörpertest machen lassen und siehe da, mir sind fast die Augen herausgefallen, der Wert war über 20 Mal höher als nach der zweiten Impfung, 7000, in Worten siebentausend. Ich weiß schon, dass das nicht der einzige Faktor ist, der wichtig ist um vor Infektionen zu schützen, aber trotzdem … Wie schön, dass mein Immunsystem so gut drauf ist.

Als Sprachliebhaberin begegnet man immer wieder den hübschesten Blüten: „jeder spricht miteinander“ lese ich da, oder „wir treffen uns gemeinsam“. Wenn es schon sonst nichts zu lachen gibt in der derzeitigen Situation, auf Sprachblüten ist immer Verlass. Verlass ist auch darauf, dass mir nichts zu schreiben einfällt, wenn ich gerade Zeit hätte.

Über die Reise unseres Kanzlers, Karl Nehammer, zuerst in die Ukraine, dann nach Moskau, mag ich auch nichts schreiben. Dass dabei nichts herauskommen wird, war wohl klar und alles was es für mich persönlich dazu zu sagen gäbe, ist: alles ist besser als Sebastian Kurz und seine Truppe. Wobei unbegreiflicherweise einige von dieser Truppe immer noch in der Regierung sitzen.

Wie mit den Strömungs und Spiegelungsverhältnissen in einem Bach ist es. Je nach Art und Größe der Hindernisse gestaltet sich die Strömung und je nach Licht und Reflexion die Verhältnisse rundherum.

Österreichs demokratischer Abstieg

Das erste, was ich heute früh las, war dieser ebenso vernichtende wie wahre Artikel aus dem Profil Newsletter. Nicht alles aber doch einen großen Teil dieses Desasters der Intransparenz und Korruption geht auf das Konto von Sebastian Kurz, dieser Fake-Lichtgestalt und seiner Entourage, die in mehr als einer Hinsicht an die Buberlpartie von Jörg Haider erinnert.

An der schwedischen Universität Göteborg gibt es ein Institut, das sich V-Dem nennt, denn es beschäftigt sich vor allem mit den diversen Varianten von Demokratien. Soeben stellte es seinen jährlichen Bericht online. 3700 Experten aus aller Welt haben dazu beigetragen.

Die Verfasser des Berichts unterscheiden liberale Demokratien von bloßen „Wahldemokratien“, in denen Bürgerinnen und Bürger zwar regelmäßig aufgerufen sind, ihre Stimmen abzugeben, davon abgesehen aber einiges im Argen liegt. Außerdem gibt es noch „Wahlautokratien“ wie beispielsweise Indien, das im 179 Länder umfassenden Liberal Democratic Index (LDI) auf Platz 93 liegt, und „abgeschottete Autokratien“.

Echte Verbesserungen gibt es nur aus zwei Ländern zu vermelden. Armenien und Bolivien wandelten sich im Vorjahr von einer „Wahlautokratie“ – also einer Staatsform, wo es Pseudo-Urnengänge gibt, um die sich die Herrschenden aber kaum scheren – zu einer „Wahldemokratie“. Und hier findet sich nun Österreich wieder. Allerdings: Während Armenien und Bolivien aus finsteren autokratischen Zeiten auftauchen, gehört Österreich – neben Ghana, Portugal, Trinidad und Tobago – zu jener Handvoll Ländern, denen im Ranking die zweifelhafte Ehre zuteil wird, von einer lupenreinen liberalen Demokratie zu einer bloßen Wahldemokratie abgestuft zu werden.

Als Grund dafür wird mangelhafte Transparenz ins Treffen geführt, die bekanntlich ein idealer Nährboden für Korruption ist.

Hoffentlich…

…bricht sie bald durch die Sonne der Vernunft, das Licht der Aufklärung und damit der Frieden. Dass die Menschheit den Nationalismus vergisst, kann man realistischerweise nicht erwarten, aber wenigstens etwas abmildern könnte er sich, etwas weniger dumpf und hasserfüllt auf alle anderen könnte er werden und auch das schon würde sehr viele Kriege, die in verschiedenen Weltgegenden toben, schnell beenden.

Donnerstag 24. Februar 2022

Ich bin aufgewachsen in einer heilen Welt, in der zwei große Kriege über Europa gezogen sind, aus denen alle viel gelernt haben und jetzt haben wir die EU und nie wieder Krieg. Natürlich war diese Sicht der Dinge immer schon falsch. Allzuviele haben gar nichts gelernt und es gab immer und gibt nach wie vor jede Menge Kriege und Konflikte in vielen Teilen der Welt, auch in Europa wurden die Jugoslawienkriege geführt. Den Weltfrieden gab es ohnehin nie.

Und nun schickt Putin in einer offensichtlich lange vorbereiteten Aktion mit völlig abstrusen Argumenten seine Truppen in die Ukraine und wir haben wiederum einen Krieg in Europa.

Viele sind gerade von der friedlichen Wolke 17 gefallen. Immer weniger andere sitzen noch auf einer Wolke mit unbekannter Nummer, wo Putin geschätzt wird und die europäischen Demokratien dafür als Diktaturen wahrgenommen werden. Diesen wünsche ich von Herzen, dass sie einmal nur 10 Minuten in Moskau gegen Putin demonstrieren und erfahren, was eine Diktatur ist und wie wenig wünschenswert der Aufenthalt in russischen Gefängnissen ist.

Aber gerade fällt mir ein, dass ich es noch nie bereut habe, hier auf dem blog zu politischen Themen den Mund zu halten und mich sowohl des Widerspruchs als auch der Zustimmung zu enthalten. Es fällt mir schwer, aber wenn der Impuls vorbeigezogen ist, unbedingt meinen Senf dazugeben zu müssen, bin ich anschließend sehr zufrieden.



Rennfahren oder Regieren

Unser Winterkanzler Nummer drei, Karl Nehammer wird es – denke ich – etwas länger schaffen als sein eh nur irgendwie interimistischer Vorgänger, der schon wieder Außenminister ist. Heute habe ich eine intressante Anekdote über Nehammers Familiengeschichte gelesen.

Ein direkter Vorfahre von Karl Nehammer, ein Mann namens Carl Nehammer war der Kammerdiener des Kronprinzen Rudolf, jenes Kronprinzen, der in Meyerling Selbstmord beging mit fatalen Folgen für die Habsburger-Monarchie. Der heutige „Kronprinz“ der Habsburger ist Rennfahrer geworden, wenn auch kein sehr schneller und der Nachfahre des Kammerdieners Kanzler einer Republik. Alles fließt

Jedes für sich

Derzeit finde ich es sehr schwierig, Vor- und Nachteile des Föderalismus gegeneinander aufzuwiegen. Warum ein so kleines Land wie Österreich neun Bundesländer braucht, mit neun Landeshauptleuten, die sich auf nichts einigen können und wenn doch, dann zu spät !

Das ist die Fahne des Burgenlands, des jüngsten österreichischen Bundeslandes, das erst vor 100 Jahren als Ergebnis langer Verhandlungen und einer Volksabstimmung von Ungarn an Österreich abgetreten wurde. Ungarn und Österreich haben eine lange und bewegte gemeinsame Geschichte.

Werbeplakate für Volksabstimmungen sind im Normalfall nicht gerade kühl abwägend und von objektiven Argumenten geprägt

Irgendetwas gibt es an jedem/jeder zu loben

In diesem Sinne möchte ich darauf hinweisen, dass unser neuer Kanzler von Kurzens Gnaden eine sehr angenehme Stimmlage hat und eine wirklich äußerst kultivierte Sprache. Von Burgtheater aufwärts. Von dem, was er sagt, bin ich deutlich weniger begeistert. Es ist aber alles noch in Bewegung und im Umbruch und man kann noch gar nicht sagen, wie sich die Machtstrukturen entwickeln werden. Offenbar sind die Landeshauptleute aus ihrer türkisen Starre erwacht und daraus kann sich noch so einiges ergeben. Ob mir das, was die erzkonservativen ÖVP-Landeshauptleute vielleicht ausbrüten werden besser gefällt, ist aber unwahrscheinlich.

Ich gehe also in einen hedonistischen retreat, fahre ans Meer und lasse mich überraschen. Der Laptop bleibt zuhause.

Das Foto kann man interpretieren: Es wird finster und die Lampen leuchten noch nicht. Aber zum Glück gibt es ja rundherum andere Arten der Beleuchtung.

Sonntag 10. Oktober – Überraschungen

Wir waren den ganzen Tag in PB und hätten mit dieser Überraschung nun wirklich nicht gerechnet. Kurz ist doch tatsächlich vom Amt des Bundeskanzlers zurückgetreten. Er wird Clubchef seiner Partei im Parlament, was ihm als Kollateraleffekt parlamentarische Immunität verleiht. Zum neuen Regierungschef macht er einen seiner engen Vertrauten, den derzeitigen Außenminister. Es kann sich wohl jede/r ausmalen, wie sich die Machtverhältnisse de facto gestalten werden.

Auf einer Demo vor dem Kanzleramt wird „Tango Korrupti“ gespielt. Da wäre ich vielleicht hingegangen, aber wir sind zu spät nach Wien gekommen und wurden von den Ereignissen überrascht. Gestern erklärte Kurz noch er würde selbstverständlich und unter allen Umständen im Amt bleiben und schickte zwei seiner Getreuen vors Mikrofon, die verkündeten, dass die ganze Partei „wie ein Mann“ hinter ihm stünde. Offenbar hatten einiger der Elemente dieses „Mannes“ Hackln dabei, die sie von hinten schwangen. Vorläufig hat er nicht viel an Macht verloren, aber sein Strahlemann-Effekt ist vorbei, er ist moralisch schwer angeschlagen und die Ermittlungen werden auch irgendwann weiter laufen.

Langweilig ist es in der österreichischen Innenpolitik derzeit wirklich nicht

Freitag 8.Oktober 2021- Bei uns geht´s zu !

Es hätte eine kleine Spur unredlich sein können, Zetter und Mordio zu schreien ohne die mittlerweile berühmt-berüchtigten 104 Seiten der Staatsanwaltschaft gelesen zu haben. Vielleicht tue ich es noch. Das Interview mit dem Kanzler, das ich gestern Abend gehört habe, hat mir aber vorläufig gereicht. Die perfekte Opfermasche, Fehlverhalten gibt es keines, aber falls sich doch etwas beweisen ließe, stellt er schon einmal vorbeugend fest, dass andere schuld sind, die er plötzlich gar nicht kennt und nie gekannt hat und ER auf jeden Fall nichts mit nichts zu tun hat. Diese Leute, die er ja gar nicht kennt, haben ganz von sich aus in seinem Interesse gehandelt. Und diese unsäglichen SMS-Protokolle, in denen man mitlesen kann, mit welcher kindischen, korrupten Unverantwortlichkeit der Herr K und seine Freunde, die er plötzlich gar nicht mehr kennt mit der Republik umgehen! Angetreten ist der neugefärbte Herr K mit dem Anspruch neue, ehrliche, unkorrupte Politik zu machen. Es ist zum Kotzen! Was für ein Glück, dass ich hier keinen politischen Blog betreibe !

Mittwoch 14. Juli 2021 – Allons enfants de la patrie

Hymnen sind nicht so meines. die Texte sind oft blutrünstig und nationalistisch. Die Marseillaise macht da keine Ausnahme. Man marschiert damit das unreine Blut des Feindes nicht die französischen Ackerfurchen tränken soll. Furchtbar. Aber das stört anscheinend niemanden. Während „meine Damen und Herren“ als politisch unkorrekte Anrede gelten soll. Themenwechsel.

Von einem markerschütternden Donnerschlag bin ich aufgewacht, der Regen prasselte gegen die Metall-Jalousie. Kurz dachte ich daran, dass das Wasser vielleicht durch die Lamellenabstände hereinspritzen könnte, weil das Fenster ja offen war, konnte mich aber nicht entschließen nachzusehen. Nach einem unbestimmten Zeitabstand wachte ich wieder auf, es donnerte und blitzte nach wie vor wild, aber inzwischen war der F aufgestanden und würde sich schon um die gekippten und geöffneten Fenster kümmern. Als ich endgültig aufwachte, war das Gewitter vorbei und meine Gefäße zum Auffangen von Regenwasser recht gut gefüllt.

Die Hauptabnehmerin für das Regenwasser ist die Venusfliegenfalle, die den Kalk im Leitungswasser angeblich nicht verträgt. Angeblich deswegen, weil ich nicht versucht habe, sie mit etwas anderem als Regenwasser zu gießen. Sie gehört zur Familie der carnivoren Sonnentaugewächse und heißt Dionaea muscipula. Das ist ein Jugendbildnis meiner Venus, inzwischen habe ich sie in einen größeren Topf umgesetzt. Sie dürfte recht zufrieden sein, denn kürzlich waren zwei ihrer Fallen geschlossen, sie hatte offenbar Beute gemacht und war am Verdauen.

Faszinierendes habe ich über die Evolution fleischfressender Pflanzen gelesen. Der Weg zur fleischfressenden Lebensweise wurde von Pflanzenarten mehrmals beschritten, aber wieder aufgegeben, weil es energetisch sehr aufwändig ist, die Fallen zu bauen und die Verdauungssäfte zu produzieren. Das Charakteristische an den carnivoren Pflanzen ist, dass sie die nötigen Nährstoffe nicht wie andere Pflanzen über die Wurzeln aus dem Boden holen können, sondern auf dem Umweg über das Fangen und „Fressen“ von Tieren an die notwendigen Nährstoffe herankommen. Der Artikel schließt mit der Bemerkung, dass wir Tiere Glück gehabt hätten, dass keine größeren Pflanzen wie etwa Bäume sich in Richtung Fleischfressen entwickelt hätten.

Das Abo vom „Spektrum der Wissenschaft“ war eine meiner besten Ideen in letzter Zeit. Zwar bin ich gerade erst mit dem Juni-Heft fertig geworden, aber es hat ja wirklich keine Eile. Es interessiert mich auch nicht alles, was drin steht, bzw fehlt mir bei manchen Themen das Grundlagenwissen, aber es gibt eine Menge Artikel zu Themen, die mich interessieren und in denen ich einigermaßen kompetent bin.