la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


Ein Kommentar

Freitag 27.9.19

In zwei Tagen ist es endlich vorbei mit diesem widerwärtigen Wahlkampf. Unendlich viele Fernsehdebatten, , was sich auf den social medias abspielt, ist jenseitig, Grins-und-sonst-nix-Plakate. Allerdings bieten diese dümmlichen Plakate den kreativen Beschmierern Umgestaltern viele Möglichkeiten. Hofers Hitlerbärtchen gehört zu den weniger originellen Werken. Sehr gut gefällt mir die Variante des FPÖ-Plakats mit der Ansage „Rot-grün gefährdet deine Zukunft“, das „deine“ eingeringelt und mit einem Pfeil zu Hofers Foto hin versehen. Nicht dass es irgendeine halbwegs realistische Möglichkeit für eine rot-grüne Regierung gäbe, aber die türkis-blaue Variante ist eventuell auch nicht mehr so sicher, weil die „Einzelfälle“ der FPÖ ein Ausmaß annehmen, dass sogar Sebastian Kurz  leise Zweifel zu beschleichen scheinen.

Unerwartet anstrengend an meinem Stundenplan sind die beiden aufeinanderfolgenden Abende. Insgesamt wird aber das letzte wohl ein bequemes Schuljahr werden. Insgesamt komme ich mir total gesund und fit vor im Vergleich zu dem, was einigen Kollegen passiert. Sehleistung von 5% auf einem Auge, Oberschenkelhalsbruch beim Radfahren, totale Bettruhe wegen Schwindel aufgrund von extremem Augendruck, Herzmuskelentzündung. Unglaublich kurz ist der Schritt von jung und dynamisch zu sehr krank. Herbstliche Überlegungen, Vergänglichkeit und Verfall ….


2 Kommentare

6.9.19 – erste Woche abgehakt

Eine ganze Woche Schule durch und die Vorzüge und Nachteile des neuen Stundenplans sind ziemlich ausgelotet. Mir scheint, dass die Vorzüge deutlich überwiegen. Ein paar winzige Details sind nicht so toll, aber – wie ein Schüler sehr richtig über seinen eigenen Stundenplan sagte „man kann aus allem ein Drama bauen“. Also, ich baue nicht, bin sehr zufrieden und darf nicht vergessen, mich bei den Stundenplanmacherinnen zu bedanken.

Erstaunlich ist, was mein neues TV-Modem alles kann. Vielleicht gibt es das alles eh schon seit vielen Jahren und jeder Kabelfernsehnutzer findet es ganz banal, aber für mich ist es neu, dass es eine Funktion gibt, mit der man – wenn man mitten in einer Sendung den Fernseher aufdreht – die Sendung wieder von Anfang an sehen kann oder dass man Sendungen aufzeichnen und in einer persönlichen Mediathek speichern kann. Auf die Arte-Mediathek komme ich allerdings nach wie vor nur über internet. Nix ist perfekt.

Und schließlich merke ich, dass ich doch noch ziemlich gern unterrichte. Der administrative Kram rundherum wird immer mehr und nervt beträchtlich, aber die Kommunikation mit Schülern und Studierenden ist schön, nach wie vor. Beunruhigend finde ich, dass sich die Schulärztin aus unter ärztliche Schweigepflicht fallenden Gründen entschlossen hat, eine Notfallinterventionsgruppe von LehrerInnen zu bilden, und auch für alle anderen an der Schule beschäftigten Personen Verhaltensanweisungen für den Fall von Suizidankündigungen von SchülerInnen zusammenzustellen. Sie veranstaltet auch Impfaktionen, was ich sehr, sehr gut finde.

Der Lieblingsasiate gegenüber der Schule hat natürlich immer noch die genau gleiche Speisekarte wie Ende Juni. Never change a running system ! Ich gehe aber ohnehin höchstens einmal in der Woche hin, da passt das schon.


14 Kommentare

Montag 2.9.19 – Takelage

Sehr plötzlich ist die Hitze verschwunden und es war wunderbar vom Regen geweckt zu werden, der auf die Metalljalousie fiel. Meine Reserven an Gießwasser für die kalkempfindlichen Pflanzen haben sich ver-x-facht und der Schachtelhalm steht praktisch im Sumpf, wie er das gerne mag, hoffe ich zumindest.

Arbeitsbeginn ist für mich erst Dienstag Nachmittag, dafür ist und bleibt der Mittwoch ein Neunstundentag. Insgesamt ist mein Stundenplan für dieses Schuljahr aber recht entspannt. Die Kolleginnen waren äußerst nett zu mir und haben alle meine Wünsche berücksichtigt. Das ist ja nicht immer möglich, aber wenn dann doch alles gut ineinandergreift, erzeugt es sehr viel an Lebensqualität.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich eine Menge Energie darauf verwende, Irrationales aus meinem Leben fernzuhalten obwohl es mich beträchtlich fasziniert. Dann komme ich immer wieder an den Punkt, an dem die Balance zwischen Nüchternheit und  …. ja, was eigentlich ….. ins Wanken gerät und dann eine Weile wankt. Das ist gut so, dann gehen so manche innere Türen auf


22 Kommentare

Freitag 30.8.19 – Rollstühle und Toiletten

Zwei Rollstuhlfahrerinnen soll es in diesem Schuljahr unter unseren Schülerinnen geben. Zwei scheinbare Barrieren mussten dafür beseitigt werden. Vom Gehsteig zum Erdgeschoss des Schulgebäudes führen ein Dutzend Stufen. Ziemlich absurd, aber so hat man eine Zeit lang alle Häuser gebaut. Sehr hohe Stufen übrigens, wie ich aus meiner letzten Zeit vor der Hüft-OP weiß. Aber es gibt daneben auch einen kleinen Treppenlift, der zwar noch nie benutzt wurde, aber offenbar funktioniert, sonst hätten die beiden Mädels nicht aufgenommen werden können, denn es gibt nur diesen Eingang. Die zweite Scheinbarriere waren die Toiletten. Das Haus hat in jedem Stockwerk eine Behindertentoilette, die von den Lehrerinnen und Lehrern genützt und mit dem Generalschlüssel gesperrt wird. Natürlich sind diese Generalschlüssel nicht für die Schülerschaft bestimmt, daher müssen die Schlösser gewechselt werden, sodass die beiden Rollstuhlfahrerinnen Schlüssel bekommen, die diese Klos sperren nicht aber die Lehrerzimmer. Eigentlich wirklich einfach …..

Klug finde ich, dass die beiden Mädchen zu zweit sind, also nicht eine Rollstuhlfahrerin als Pionierin durch die Schule rollen muss. In diesem Gebäude gibt es keinen bautechnischen Grund, warum keine gehbehinderten Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden könnten. In unserem alten Schulgebäude, dass umgebaut wird, wäre das nicht möglich gewesen, weil es keinen Aufzug gab. Interessierte Jugendliche und deren Eltern wurden wohl darauf hingewiesen, dass es in Wien alle Oberstufenschulformen auch in einer Integrationsform gibt sogar mit angeschlossenem Internat. Trotzdem ist es doch sehr begrüßenswert, wenn junge Rollstuhlfahrerinnen aus ihrem geschützten Kosmos herauskommen und eine ganz normale Schule besuchen. Kleinigkeiten wie geeignete Computerplätze für Rollstühle oder Ähnliches werden sich sicher einrichten lassen


Ein Kommentar

Dienstag 27.8.19 – Stadt-Land

Einen meterhohen Ameisenhaufen mit fleißiger Bevölkerung möchte ich nicht auf meiner Terrasse haben. Ich hätte auch keine Freude damit, würde plötzlich ein Reh von hinter einem Pflanzencontainer um die Ecke biegen. Auf dem federnden Waldboden aus Blättern und Nadeln geht man wie auf Wolken, doch Steinplatten sind für meinen Alltag auch nicht übel. Aber der Geruch des Waldes, dieser Geruch kurz nach einem Regen und die Stille vor einem Gewitter hätte ich schon gerne vor meiner Tür.

Sämtliche vor Ferienende zu erledigenden Dinge habe ich in diese Woche gepackt. Es ist etwas viel, aber wenn ich alles schaffe, wird die nächste Woche trotz Arbeitsbeginn recht entspannt werden.


11 Kommentare

Ein vorsichtiger junger Mann mit Zukunft – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter stammen diesmal von  Kopf und Gestalt

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

 

 

Mit beiden Füßen trampelte er auf dem Zettel herum, auf dem unnötigen, lächerlichen, peinlichen Zettel, der ihm das Leben schwer machte. Allerdings war es eine Kopie des Originals auf der er herumtrampelte, schließlich wollte er sich nicht noch zusätzlich schaden. Er hätte das blöde Papier natürlich auch zerreißen, verbrennen, ins Wasser werfen können.

Der Vordruck des Zettels war harmlos, ein anonymes Formular auf etwas besserem Papier. Dann aber, wenn es durch den Drucker gegangen war und neben jedem Stichwort eine Zahl stand, wurde jedes einzelne Formular personalisiert. Auf manchen – wie auf seinem auch – waren  noch ein paar zusätzliche Hinweise aufgedruckt. Bei manchen stand „ist berechtigt den Jahrgang zu wiederholen“ oder „ist berechtigt, eine Wiederholungsprüfung in Mathematik abzulegen“. Bei ihm stand „mit ausgezeichnetem Erfolg“ und die Zahlen neben den Stichwörtern waren alle ident, eins.

Eine solche Peinlichkeit gab es in seiner Klasse sonst nicht. Der Grad der Zufriedenheit im Lächeln der Lehrer verhielt sich umgekehrt proportional zu seiner Beliebtheit bei den Mitschülern, auch bei Lisa, seiner Freundin, seiner ersten, echten Sexualpartnerin. „Das ist zuviel“ hatte die dumme Kuh gesagt und war mit Otto abgezogen, der das Jahr nun zum zweiten Mal wiederholen würde.

Auf dem (kopierten) Zeugnis stehend, vollführte er eine 180 Grad-Drehung, wünschte dabei alle Idioten zum Teufel, war sich nicht ganz aber ziemlich sicher, dass Lisa auch zu dieser Gruppe zu zählen war und zündete das zerfetzte Papier doch noch an. Gefahrlos, in einer Metallschale. ER war ja nicht blöd.

Das Originalzeugnis, in einer soliden Plastikfolie lag in seiner Dokumentenmappe, neben anderen Fundamentsteinen seiner zukünftigen Karriere, auf denen er selbstverständlich nicht herumtrampeln würde. Wirklich peinlich war ihm das Zeugnis ja nicht, er wollte sich ja durchaus  von den anderen unterscheiden. Dass das nicht so ganz harmonisch vor sich gehen konnte, war eigentlich  klar, nur eben Lisa ….

 


2 Kommentare

Dienstag 25.6.19 – Zwischen Schuljahresausklang und Ferieneinläuten.

Die Vorteile von Kollegen habe ich gestern Abend so richtig ausgekostet. Ein potentiel extrem öder Abend stand an, fünf Stunden in der Abendschule ohne Abendschüler, die sich nur noch Mittwoch Abend ihre Zeugnisse abholen kommen werden, aber letztendlich war es sehr interessant. Eine Kollegin erzählte ihre dramatische Familiengeschichte, in der von Adoptionen bis Sucht und Selbstmord so ziemlich alles stattgefunden hat, was man sich vorstellen kann. Warum sie das alles erzählt hat und warum gerade zur Unterhaltung gelangweilter Kollegen verstehe ich zwar nicht, aber es geht mich ja auch nichts an.

Kollegin Nummer 2 berichtete von den diversen bürokratischen Schleifen und Kosten beim Kauf bzw Verkauf eines Hauses, was mich sehr interessiert hat, weil wir ja auch ein Haus zu verkaufen haben. Und Kollege Nummer 3 war kürzlich in Hamburg und erzählte von seinen dortigen Aktivitäten. Also wurde es unerwarteterweise ein angenehmer Abend, wenn man davon absieht, dass das ganze Gebäude vor Hitze glüht.

Ich versuche, mich so gut wie möglich an die Hitze zu gewöhnen. So gut wie möglich ist in meinem Fall leider nicht besonders gut. Trotzdem möchte ich ja nicht noch weitere 2 Monate jammernd herumsitzen und tue also mein bestes um die frei Zeit zu genießen.

Heute Abend beteilige ich mich an einer Meditationspraxis, die sich für mich sehr attraktiv anhört. Ähnliches habe ich schon oft praktiziert, aber genau dieses Dakini-Mandala noch nicht. Ich bin sehr gespannt und erwartungsvoll. Für eine nicht-esoterische Person wie mich, ist es sehr bereichernd die Essenz solcher Praktiken zu erfassen und sie – für mich – von kulturell und religiös motiviertem Schnick-Schnack zu befreien. Man verzeihe mir den Ausdruck. Was dann übrig bleibt ist zumeist sehr Menschliches und sehr Tiefgründiges oder – wie in diesem Fall – eine wunderbare Methode der Psychohygiene, die vollkommen ohne Esoterik und Religion auskommt.