la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Montag 30. März 2020

So !! Ich habe alle Übungsaufträge fertig gestellt und verschickt. Damit sind die SchülerInnen in meinem Fach bis nach Ostern beschäftigt. Das fühlt sich sehr gut an. Natürlich muss ich nach wie vor korrigieren und Feedback geben, aber das läuft nebenbei und erfordert nicht allzuviel Energie und schon gar keine Kreativität, die wäre dabei eher hinderlich und darf sich nun frei austoben.

Ich spiele gerade eine Runde candy-crash und summe dabei die Marseillaise. Sehr bedenklich, wenn ich mir das so überlege, klarer Fall von Corona-Syndrom.

Voraussichtlich ab Mittwoch spenden also alle Supermärkte am Eingang allen Kunden je einen Mund- und Nasenschutz, den dann alle beim Einkaufen tragen sollen. So weit so gut. Über kurz oder lang, nach Maßgabe der Anzahl der verfügbaren Masken wird man sie wohl eine Zeit lang überall tragen müssen. Ich werde es hassen, was mir nicht viel nützen wird, also werde ich mich bemühen es zu lieben. Unrealisierbare Pläne gehören auch zum Corona-Syndrom. Der Wiener Bürgermeister bekommt morgen vom chinesischen Botschafter ein paar zigtausende Masken geschenkt. Wir sind in der dritten Woche Shut-down. Morgen soll es regnen, wenn nicht gar schneien und hageln. Das wird die Gelegenheit für einen langen, genüsslichen, einsamen Spaziergang.


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Freitag 27.3.2020 – 12. Tag der Coronabeschränkungen

Ich sitze täglich stundenlang am Computer. E-mails von den Schüler*innen kommen herein. Viel mehr als ich gedacht hätte, von Leuten von denen ich es nicht erwartet hätte. Die Situation ist wohl auch für die Studierenden  verwirrend und unsicher, sie fürchten wohl nicht zu Unrecht, um den Abschluss des Sommersemesters und sind bemüht den Kontakt zu halten.

In Wiener Brennpunkt-Pflichtschulen hört man, gibt es Kinder, die einfach von der Bildfläche verschwunden sind, ihren Lehrer*innen nicht antworten. Teilweise, weil es an der technischen Ausrüstung fehlt, teilweise weil sie keine Möglichkeiten haben zuhause zu lernen oder die jüngeren Geschwister betreuen müssen. Es ist eine ziemliche Katastrophe, weil da die ohnehin großen Abgründe zwischen geförderten und nicht geförderten Kindern noch mehr aufbrechen werden, ohne dass die Kinder etwas dagegen tun könnten. Die Stadtverwaltung hat nun offenbar das Sozialamt auf das Problem angesetzt. Ob das Ergebnisse bringen wird. Ziemlich sicher scheint jedenfalls, dass die Schulen nach den Osterferien nicht gleich wieder hochgefahren werden.

Langsam schlägt mir die Isolation auf´s Gemüt


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Sonntag 15. März 2020

Nun hat Fs Chef endlich home office angeboten mit der hübschen Formulierung, ob er sich vorstellen könne zuhause effizient zu arbeiten. Kann er. Allerdings ist er gerade per Rad aufgebrochen um sich seinen Kopfhörer aus dem Büro abzuholen. Ich hätte gesagt, na kauf dir doch einen gleich ums Eck, aber nein, das geht ja nicht, ab Morgen ist ja alles zu und heute ist Sonntag. Ursprünglich hatte man ja überlegt, die Elektronikgeschäfte offen zu lassen, weil die vielen Menschen, die ins home office gehen wahrscheinlich dies und das brauchen werden, das wurde aber dann nicht verwirklicht. Nur der Lebensmittelhandel, die Apotheken und Drogerien, Tankstellen, Trafiken, Post bleiben offen.

Drakonische Maßnahmen, ja. Jetzt wurde auch eine Ausgangssperre auf österreichisch verhängt. Man soll wenn irgend möglich zuhause bleiben, aber man kann einkaufen gehen, spazieren, aber nur allein oder mit Personen mit denen man ohnehin zusammen wohnt, dringende Erledigungen sind auch ausgenommen. Krisen erfordern drastische Maßnahmen und ich persönlich kann damit gut leben. Das Problem ist , dass man die Erfolge oder Nicht-Erfolge erst zeitversetzt sehen kann. Der heutige Tote hat sich vor mehreren Tagen angesteckt.

Eine der positiven Seiten dieses „Urlaubs“ wird sein, dass meine Terrasse in diesem Frühling wunderbar gepflegt werden wird. Wir kaufen meistens bei einem großen Interspar, bei dem es zwar am vergangenen Panik-Freitag kein Klopapier und keine Küchenrollen gab, aber Pflanzen und Blumenerde. Weiters werde ich viel Zeit zum Lesen und Wohnungräumen haben. Ich muss noch nicht einmal in die Schule, weil das Ministerium die ursprüngliche Idee, die Schularbeiten und sonstigen Prüfungen der Abschlussklassen in Kleingruppen abzuhalten aufgegeben hat. Nicht so gut geht es den Kollegen in den Unterstufen, die die Kinder, die zuhause nicht betreut werden können bespaßen müssen. Man weiß aber noch gar nicht, wie viele das sein werden. Es ist alles flexibel zu improvisieren. An und für sich sind solche Situationen in gewisser Weise auch prickelnd.


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Dienstag 10. März 2020

Es herrscht eine seltsame Stimmung. „panische Ruhe“ nennt sie ein von mir sehr geschätzter Journalist. Es werden höchstwahrscheinlich alle Schulen geschlossen werden, es ist nur noch nicht klar wann, und wir Lehrer*innen wurden vom Minister aufgefordert ein Konzept für den Fernunterricht zu erstellen um „den Unterrichtsertrag sicherzustellen“. Solche Konzepte legen wir ja locker an einem Abend hin. Die Unis wurden bereits geschlossen, das Problem bei den Schulen ist die Betreuung der jüngeren Schüler*innen. Wo sollen Eltern so plötzlich eine oder mehrere vertrauenswürdige Betreuungspersonen hernehmen? Es ist momentan alles recht schwierig und steht auf tönernen Füssen, aber wir werden´s schon packen. Morgen also zehn Stunden Unterricht und dazwischen Fernlernkonzept erstellen und natürlich sämtliche nicht-digitale Unterlagen sortieren und nachhause befördern.


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Mittwoch 26. Februar 2020

Was mich erstaunt ist, dass ich an meinen Arbeitsmarathon-Mittwochen nicht mehr und nicht weniger müde bin, egal ob ich in der Mittagspause herumlaufe und diverses erledige oder ob ich irgendwo herumhänge. Ein Sprung nachhause und eine Runde schlafen, wäre auch eine Möglichkeit, die aber zeitlich schwer einzubauen ist.

Gestern war es obendrein sehr galgenhumorig in der Schule. In Wien gab es eine Lehrerin, die in Italien war und deren Grippe zunächst als mögliche Corona-Infektion gedeutet wurde. Wir bekamen die ganze Geschichte brühwarm mit, weil der Neffe einer Kollegin Schüler dieser Schule ist. Zunächst sollte diese Schule evakuiert werden, dann wurde sie gesperrt und alle „Insassen“ durchgetestet. Schließlich Entwarnung. Wir haben Szenarien entworfen, wie wir – 150 Lehrer*innen  und 1200 Schüler*innen im Schulgebäude kampieren würden. Es war lustig. „Der Schmäh rennt“ nennt man so eine Stimmung in Wien. Naja, eine kleine Spur Hysterie war möglicherweise auch dabei. Aber insgesamt war es eher beruhigend. Wir haben auch Pläne gemacht, was wir nicht alles zuhause endlich erledigen könnten, falls demnächst die Schulen geschlossen würden. Auf jeden Fall war es wesentlich unterhaltsamer als eine Faschingssitzung, wenn auch einen Tag zu spät.

Heute gibt es allerdings den ersten bestätigten Corona-Fall in Wien


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Donnerstag 13.Februar

Der neue Stundenplan ist einmal durch und meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Es sind nicht mehr Stunden als im Wintersemester, aber sie sind extrem konzentriert und ich hätte mir das Ausklingen etwas gemütlicher vorgestellt. Ich werde mich auch nicht beschweren gehen, weil die Stundenplanmacher ohnehin am Zahnfleisch und mit blanken Nerven unterwegs sind. Es gab eine Reihe von Klassen, die unerwartet zusammengelegt, neu eröffnet, anders oder gar nicht geteilt wurden. Alles sehr kompliziert, weil doch in gewissem ausmaß und nach Möglichkeit auf Wünsche eingegangen wird. Computerprogramme schaffen unseren komplizierten  Stundenplan schon lange nicht mehr.

Ein neues Mittagslokal muss gefunden werden. Nachdem ich im bisherigen zweimal eindeutig alte Nudeln serviert bekam und ich obendrein noch gesehen habe, wie an der Schank – völlig ungeniert – aus den Resten von zwei gerade abservierten Gläsern ein „neues“ komponiert wurde, gehe ich dort nicht mehr hin und eine Menge Kollegen haben sich angeschlossen. So werde ich eben die Mittagspause am Dienstag nützen um eines der etwas weiter entfernten Lokale auszuprobieren. Eines davon wurde schon gelobt, vielleicht nehme ich das als erstes. In der näheren Umgebung gibt es mehrere Gasthäuser, die aber alle nicht besonders gut kochen, einen Serben, der hauptsächlich Fleischmassen mit Fleischbeilagen bietet, ein paar Hochpreislokale, einen anderen Asiaten, der möglicherweise höhere Standards hat, einen Vietnamesen, wo man sehr gut isst, der aber immer sehr voll ist und viele Pizzerias. Die Lokale mit gutem Essen und Qualitätslebensmitteln sind alle etwas weiter weg, aber sie sollten es auch wert sein, etwas weiter zu gehen.


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Freitag 17.1.2020 – das ewig Weibliche …

Es findet sich doch für alles und jedes ein passendes Zitat aus „Faust“. Manche sind schon so richtig abgelutscht. Trotzdem für „das ewig Weibliche zieht uns hinan“ finde ich immer wieder Beispiele. Es gibt ja Leute, die prinzipiell „das ewig Weibliche zieht uns hinab“ zitieren. Mein Bruder zum Beispiel. Ich gestehe ja zu, dass die Definition des „ewig Weiblichen“ voller Fallstricke und Bodenminen steckt. Trotzdem. Mein neuester Anlass: ein Studierender an der Abendschule, der sich bislang eigentlich durch gar nichts ausgezeichnet hat, höchstens durch seine unauffällige Art, hat eine neue Freundin, die ihn so richtig zum Glänzen bringt. Es ist eine Freude, wie da plötzlich Intelligenz deutlich sichtbar wird, wie Kenntnisse und Fähigkeiten auftauchen, und wie er Freude daran hat diese auch herzuzeigen.

„Siehst du“ sage ich – aber nicht im Ernst – zum F. „da sieht man wieder, was wir für euch tun“ . „Pffff“ sagt der F „aus blankem Eigennutz. Schließlich sind es ja die Frauen, die Wert legen auf Glänzen und Strahlen. Wir Männer sind bescheiden, zurückhaltend und per definitionem völlig uneitel.“ Nun ja …

Ich glaube, ich bin am Beginn einer Gern-Koch-Phase. Das merke ich daran, dass ich beim Betrachten des Inhalts der wöchentlichen Gemüsekiste überlege, was ich mit diesem und jenem Grünzeug anfangen werde und dass ich dazu dann Rezepte studiere. Das liegt auch daran, dass ich fast alle Prüfungen für dieses Semester zusammengestellt, abgehalten, korrigiert und benotet habe und somit mein Arbeitsrhythmus deutlich gemütlicher wird. Einen Durchgang mündliche Prüfungen braucht es noch. Die mache ich aber aus dem Stegreif.