la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 7.12.18

Nachdem sich ja niemand 10 Stunden lang auf das Korrigieren von Prüfungen konzentrieren kann, habe ich immer wieder kürzere oder längere Pausen gemacht, jede fertig korrigierte Arbeit gefeiert, immer wieder auf die Uhr geschaut und durchgerechnet, um welche Zeit ich die Ergebnisse dann in der Schule deponieren werde. Kurz gesagt, bis auf eine Kleinigkeit, die ich noch irgendwann am Wochenende machen werde, bin ich fertig. Ich deute einen Luftsprung an!

Im Radio habe ich im Rahmen einer Buchbesprechung eine ebenso unfassbare wie berührende Geschichte gehört. In den vierziger Jahren, während des Weltkriegs, soll in Australien eine Gruppe von Aborigines bei der deutschen Botschaft gegen die Deportation von Juden protestiert haben. Und das obwohl die Aborigines in Australien bis in die 1960er Jahre hinein ganz legal abgeschossen werden durften, wie Vieh, also ein Volk waren, das höchst gefährdet von totaler Auslöschung war.

Eine ganze Menge von von verschiedenen Seiten gespendeten Schoko-krampussen und -Nikoläusen haben wir in der Schule dann verspeist und mit dem ausgezeichneten Kakao aus dem Automaten vor dem Lehrerzimmer angestoßen. Nun, man muss die Feste feiern wie sie fallen.

Ab heute bin ich nun also im Krankenstand, gehe Montag ins Spital und werde Dienstag operiert. Darüber hinaus kann ich mir nichts vorstellen. Alles, was man nicht selbst erlebt hat, kann man sich immer nur sehr vage vorstellen und den Grad einer Beeinträchtigung schon gar nicht. Ich habe mir bei vielem überlegt, wie es in ziemlich steifem Zustand ein paar Wochen lang erledigt werden kann. So habe ich etwa gelernt die Heizkörper, die man auf Bodenhöhe aufdrehen muss, mit dem Fuss zu öffnen und zu schließen.

Es ist ja durchaus auch verlockend 2 Monate oder wahrscheinlich länger nicht arbeiten zu müssen.

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Donnerstag 6.12.18 – Nieselregen, mein Lieblingswetter

Dass es regnet, sieht man nur wenn man auf die Straßenbeleuchtung schaut oder auf die Autoscheinwerfer. Die Öffis stauen sich irgendwo und es ist wenig Weiterkommen. Mich stört das nicht sehr. Ich habe einen Sitzplatz in dem gläsernen Haltestellenhäuschen ergattert und vertilge ein erstklassiges Schoko-Croissant. Sobald ich nachhause komme, muss ich beginnen die letzten Prüfungsarbeiten zu lesen damit ich sie morgen, an meinem freien Tag, den Kollegen überreichen kann. Es ist völlig unrealistisch zu denken, dass sich das heute ausgeht, nicht einmal mit Nachtschicht und somit werde ich wahrscheinlich erst morgen Nachmittag fertig. Das ist auch der beste Zeitpunkt um in der Schule vorbeizukommen, um die Zeit sind am wenigsten Leute da und ich muss mich nicht noch von fünfzig weiteren verabschieden. Es ist ja alles nett gemeint, die guten Wünsche und die Fragen, aber ich habe einfach keine Lust mehr alles x-mal zu erzählen.

Die Füße rings um mich herum beginnen zu scharen, es kommt endlich wieder eine Straßenbahn und die meisten stürzen sich gleich auf die erste, die natürlich bummvoll ist. Ich nehme erst die zweite Bahn und finde wieder einen Sitzplatz. Sitzplätze sind mir dieser Tage wichtig, wenn ich länger stehe, protestiert das Hüftgelenk vehement und zieht das ganze Bein samt Muskeln, Sehnen und Nerven mit in den Protest hinein. Das muss ja nicht sein.

Also zurück an die Arbeit, an den Küchentisch. Ich habe zwar einen Riesenschreibtisch arbeite aber meistens am Küchentisch, das ist eben so.


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15-Stunden-Tage

Das Bild ist vom Vorjahr um diese Jahreszeit. Derzeit bin ich nur auf nützlichen Wegen unterwegs, um zu arbeiten um nötige Dinge zu besorgen und zu erledigen, um vieles abzuschließen oder einzuleiten. Aus der Stadt komme ich in den nächsten Wochen wohl auch nicht hinaus. Die Straßen sind hart, die Häuser auch und alles ist mühsam, anstrengend und energieraubend. Noch drei solche Tage, dann werde ich alles abgeschlossen haben und zunächst einmal beruflich bis auf weiteres loslassen können.

 


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Wässriges Licht

Schön ist das wenn die Lichterkette und die Regentropfen sich am Fenster begegnen. Auch wenn ich zu später Stunde daneben sitze und Prüfung nach Prüfung nach Prüfung zusammenstelle. Ab morgen kommt dann das Korrigieren der tausend Prüfungen. Ich liege aber gut in der Zeit und mit etwas Glück schaffe ich alles bis Freitag. Dann werde ich mich 2 Monate lang mit dem Kennenlernen und der Aktivierung des neuen Hüftgelenks beschäftigen und das Unterrichten anderen überlassen.

Ein seltsames Foto, aber für mich hat es was ….


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Donnerstag 20.11.18

Ich beschäftige mich intensiv mit der empirischen Beweisführung des Sprichworts, dass einem das Hemd näher ist als der Rock. Mit anderen Worten ich befasse mich so gut wie ausschließlich mit meinen beiden derzeitigen Themen: Abschluss und Übergabe aller meiner Klassen an die für mich supplierenden Kollegen und die Vorbereitung der OP in einer Woche und ein paar Tagen.

Der erste Bereich macht sehr viel Arbeit, weil ich in einem Anfall von Edelmut allen Kollegen versprochen habe, die schriftlichen Prüfungen entweder noch selbst zu machen oder die Angaben vorzubereiten. Fast würde ich sagen, dass mir das Versprechen schon leid tut, aber jetzt ist es eben zu spät und ich arbeite ziemlich viel. Die Administration ist auch mit mir beschäftigt und baut den Stundenplan um, was offenbar ziemlich schwierig ist zumal etliche Kollegen im Krankenstand sind oder demnächst zurückkommen.

Den zweiten Bereich, die OP-Vorbereitung, habe ich natürlich immer im Kopf, egal was ich sonst mache. Das orthopädische Spital hat seit kurzem die Regelung eingeführt, dass die Patienten erst am selben Tag aufgenommen werden, an dem auch die Operation stattfindet und obendrein um 7Uhr früh. Ich habe also die Dame am Aufnahmeschalter telefonisch bekniet, ob das denn wirklich so sein muss und dass sie doch sicher weder dem OP-Team noch mir antun wolle, dass da ein nervliches Wrack operiert werden soll. Wenn ich bedenke, was alles unterwegs passieren kann und dass ich dann womöglich zu meiner OP zu spät kommen könnte. Na gut, hat sie gesagt, sie dürfen schon am Tag davor kommen. Ich war ganz verblüfft und habe gefragt :“geht das denn?“. „Nein, hat sie gesagt, aber ich mache gerne Ausnahmen“. Manchmal liebe ich den österreichischen Mangel an Konsequenz! Allerdings vermute ich, dass sie eben die Direktive hat, dass besonders insistierende Patienten, die -hüstel – auch noch den Aufschlag auf ein Einbettzimmer bezahlen, besonders gut zu behandeln sind.

Wie auch immer, jedenfalls kann ich am Nachmittag des Vortags in aller Ruhe „einziehen“ und erspare mir den Stress des Anreisens am selben Tag und das ganze Procedere, das da stattfindet mit Wegsperren des Gepäcks während der OP und dem Aufenthalt im Aufwachraum und dann in noch halbbetäubtem Zustand das Umziehen in ein anderes Zimmer. Die Rahmenbedingungen sind also gut und geklärt und alles andere wird sich hoffentlich auch fügen.

 


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Dienstag 13.11.18 – Aufzüge und Granatäpfel

Ein Tag, an dem ich mit Aufzügen gekämpft habe und mit dadurch sehr schwierig gewordenen Arbeitsbedingungen. Der im Normalfall sehr zuverlässige Aufzug im Schulgebäude war kaputt, die Türen öffneten und schlossen sich ohne Ende, aber er setzte sich nicht in Bewegung. Die Schulwarte bemühten sich eventuell vorhandene Steinchen oder sonstige Teile aus dem Eingangsbereich zu entfernen. Leider blieben sie erfolglos und so musste ich die Treppe nehmen. Ein dritter Stock ist hoch oben, wenn man nur mit einem Bein voraus steigen kann. Wieder eine Gelegenheit daran zu denken, wie es wohl war, als es noch keine medizinischen Möglichkeiten zum Austausch der Hüftgelenke gab. Arthrose ist ja keine seltene Erkrankung und es muss sehr viele Menschen gegeben haben, die damit leben mussten, dass ihre Gelenke immer unbeweglicher wurden und immer mehr Schmerzen verursachten ohne irgendeine positive Perspektive. Wenn ich nicht darauf vertrauen würde, dass ich nach gelungener OP in absehbarer Zeit wieder normal werde gehen können, wäre es wahrscheinlich um meine Stimmungslage sehr schlecht bestellt. Schwierig genug ist es so auch, noch vier Wochen durchzuhalten. Ach ja, und auf dem Heimweg um 22h war dann auch der Aufzug zur Straßenbahnstation außer Betrieb, da geht es zumindest hinunter, das schaffe ich noch beidbeinig.

Dass Granatapfelkerne sich gut im Salat machen, habe ich von zwei irakischen Schülerinnen erfahren. Kochrezepte sind ein Bereich, in dem die Interkulturalität ganz hervorragend funktioniert. In meiner Gemüsekiste gibt es außer heimischem Kraut und Rüben auch immer wieder Exotisches zu finden, das ich auch in dem einen oder anderen Gericht unterbringen möchte.

Bei den Spaniern ist Dienstag der 13, was sonstwo Freitag der 13 ist. Martes trece, ni te cases ni te embarques, ni de tu casa te apartes, also Dienstag, den 13 soll man sich weder verheiraten noch einschiffen und am besten überhaupt nicht aus dem Haus gehen. Naja ……


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Interkulturelles

Am späten Nachmittag mache ich einen Test und sage den Studierenden, dass wir nach dem Test 10 Minuten Pause machen. Wenn ich dann nach den 10 Minuten zurückkomme und es ist noch jemand von Ihnen da, sage ich deutlich und mehrmals, dann arbeiten wir noch eine halbe Stunde. Falls niemand mehr da ist, wünsche ich Ihnen schöne Herbstferien. Die Herbstferien beginnen morgen und dauern dann eine Woche.

Ich lasse nicht 10 sondern 20 Minuten verstreichen und gehe dann nochmals in den Klassenraum um zu sehen, ob die Fenster geschlossen sind und der Computer heruntergefahren ist. Ich rechne nicht damit, dass auch nur ein einziger Studiereder noch anwesend ist. Alle haben verstanden und haben sich in die Ferien verabschiedet außer die Gruppe der Mongolen. Die sitzen noch ganz diszipliniert und erwartungsvoll da.