Kategorie: BÜCHER

68. Station meiner Literaturweltreise – Norwegen

ABKÜHLUNG

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Ich interessiere mich sehr für den „großen Norden“ wie die Franzosen sagen, habe vieles darüber gelesen und gesehen. An „Amundsens letzte Reise“ von Monica Kristensen konnte ich daher nicht vorbeigehen. Einmal ganz abgesehen davon, dass bei den derzeitigen Temperaturen das Lesen über Schnee und Eis gerade richtig kommt.

Die Autorin dieses Buchs aus dem btb-Verlag, Monica Kristensen, ist eine norwegische Glaziologin, Meteorologin und Schriftstellerin. Sie war die erste Frau, die eine Antarktisexpedition geleitet hat. Als Polarforscherin wurde sie 1989 mit der Founder’s Medal der Royal Geographical Society ausgezeichnet. Offenbar eine sehr vielseitige Frau, denn sie hat auch eine Krimireihe geschrieben, die in Svalbard spielt, einem Archipel zwischen dem Atlantischen und dem Arktischen Ozean.

Das Buch bewegt sich rund um das Jahr 1928. Die Vorgeschichte dazu:

„Die Zeiten der heroischen Expeditionen mit Fellkleidung, Hundegespannen und langen Jahren der Entbehrungen, Erfrierungen und Leiden waren vorüber. Roald Amundsen ergriff die Möglichkeiten, die sich ihm boten. 1925 führte er zusammen mit einer Mannschaft von fünf Teilnehmern, darunter auch Leif Dietrichson, einen Flug mit zwei Dornier Wal-Flugzeugen von Ny-Alesund auf Spitzbergen in den Norden durch. Das Ziel war der Nordpol: Sie landeten jedoch auf 88 Grad nördlicher Breite. Ein neuer Rekord, aber eben nicht der Pol selbst. 1926 erreichte Amundsen endlich sein persönliches Ziel. Auch dieses Mal war er der Erste. Das italienische Luftschiff „Norge“, gelenkt von dem Konstrukteur selbst, Umberto Nobile, erreichte am 12.Mai 1926 um 02.20 Uhr den Nordpol“ S.15

Nach dieser erfolgreichen Expedition trennten sich Amundsen und Nobile aber nicht im Frieden. Aus meiner Sicht war es ein Problem des Zusammenstosses von zwei überzeugten Alphamännern. Das schreibt allerdings nicht die Autorin, die eine große Bewunderin von Amundsen ist.

Am 23.Mai 1928 startete Nobile mit dem Luftschiff „Italia“ eine eigene Expedition zum Nordpol bei der auch die Inselgruppe östlich von Franz-Josef-Land kartografiert werden sollte. Damals hieß sie „Nikolaus-II-Land“, heute nennt man sie „Sewernaja Semlja“. Die „Italia“ kam am Nordpol an, umkreiste ihn zwei Stunden lang und setzte dort ein riesiges Kreuz und eine italienische Fahne ab. Beim Weiterflug wurden die Wetterbedingungen aber immer schwieriger, die letzte Funknachricht kam am Freitag, dem 25. Mai und schließlich stürzte das Luftschiff ab. Dabei sprangen einige der Expeditionsteilnehmer über dem Eis ab, einige wurden bei dem Absturz getötet und einige wurden mit dem Ballon des Flugzeugs mitgerissen.

Es wird nun die Suche nach den eventuellen Überlebenden dieses Absturzes insbesondere General Umberto Nobile selbst geschildert. Die Autorin hat bis in kleine Details recherchiert. Die zahlreichen Schiffe und Flugzeuge aus verschiedenen Ländern, Italien, Norwegen, Frankreich, Schweden, Finnland, Russland werden sowohl in ihren technischen Details als auch was die Besatzung betrifft, genau beschrieben. Für meine Begriffe etwas zu genau, denn die technische Beschreibung verschiedener Flugzeugtypen und die Aufzählung der Karriereschritte der Teilnehmer an diversen Expeditionen hat mich nicht so interessiert. Das kann man aber natürlich dem Buch nicht vorwerfen.

Sehr spannend dagegen fand ich, wie die vielen beteiligten Nationen mehr oder weniger diplomatisch miteinander umgingen und wie wichtig die Nationalität der Polarforscher genommen wurde. Es war alles nicht ganz einfach, weil die Besatzung nicht unbedingt aus demselben Land kam in dem die Flugzeuge und Schiffe gebaut worden waren und auch die Rechte der Verwaltung mancher Gebiete nicht restlos geklärt war.

Amundsen wollte sich aus Motivationen, die wir wohl nicht mehr erfahren werden unbedingt an der Suche nach Nobile beteiligen und nachdem ihn weder die norwegische noch die italienische Regierung mit der Organisation einer Expedition betraute, rüstete er auf eigene Faust eine private Rettungsexpedition aus und weihte auch niemanden in seine genauen Pläne ein. Dies wurde ihm zum Verhängnis, denn auch sein Luftschiff stürzte ab und er selbst und die Teilnehmer seiner Expedition konnten im Gegensatz zu Nobiles Expedition nicht mehr gefunden werden.

„Amundsens letzte Reise“ ist auch nicht als reines Sachbuch konzipiert. Die Autorin hat auch Passagen mit Beschreibungen des Überlebens der Nobile-Expedition, wobei sie darauf verweist, dass auch diese Schilderungen alle auf Fakten beruhen. Ziemlich schaurig ist die Beschreibung des Auffindens von zwei von drei Männern, die sich von Nobiles Zeltlager entfernt hatten und versuchten zu Fuß Land zu erreichen (Nobiles Zeltlager befand sich auf einer driftenden und immer weiter schmelzenden Eisscholle) Einer der ursprünglich drei Männer war unterwegs verstorben, von den beiden übrig gebliebenen war einer fast verhungert und fast nackt, während der andere gut genährt und mit beinahe allen vorhandenen Kleidungsstücken aufgefunden wurde.

Mich hat die Schilderung eines russischen Eisbrechers besonders beeindruckt, die gewaltigen Mengen an Kohle, die so ein Schiff verbrauchte und die enorme Umweltverschmutzung, die dadurch entstand aber auch die Kraft dieser Schiffe, die beim Einsatz der vollen Kraft der Maschinen das Eis buchstäblich brechen konnten. Letztlich – nach vielen Flügen und Schifffahrten war es so ein Eisbrecher, der die Überlebenden von Nobiles Zeltlager an Bord nahm, ebenso wie die beiden verbliebenen italienischen Offiziere, die sich zu Fuß aufgemacht hatten. Jene Männer der Nobile-Expedition, die mit dem Ballon weggerissen worden waren, konnten nicht gefunden werden, ebenso wenig wie Amundsen und die französische Besatzung seines ebenfalls französischen Luftschiffs.

Ein letztes Detail oder Indiz in dieser gewaltigen Suchaktion hebt die Autorin für das Ende des Buchs auf. Es lässt aufhorchen, Theorien wurden erstellt, aber trotz etlicher Indizien konnten keine Gewissheiten gefunden werden.

Nach Überblättern von für mich nicht so interessanten technischen Details und biografischen Anmerkungen zu sehr vielen Teilnehmern verschiedener (Such)Expeditionen fand ich das Buch spannend, informativ und sehr geeignet während einer Hitzewelle gelesen zu werden

Immer kleiner, immer kreativer

Ein Buch für Menschen, die wie ich gerne in Wohnzeitschriften und Büchern über Inneneinrichtung blättern und solche, die in kleinen Wohnungen oder Häusern leben. Es stammt aus dem Prestel Verlag, dessen Bildbände über Kunst im weitesten Sinn ich sehr schätze.

Es werden viele verschiedene Wohnungen vorgestellt, die nur gemeinsam haben, dass sie klein sind. Eine große Vielfalt von kleinen Häusern, die rund um die Welt zu finden sind, wird von innen und außen beschrieben, natürlich mit vielen Fotos bebildert. Dazwischen werden verschiedene Wohnthemen mit dem Fokus auf kleine Räume behandelt. Man findet auch Ratschläge zu diversen Bereichen wie Stauraum, Bad, flexible Möbel, Beleuchtung um nur einige zu nennen. Auch sehr viele Ideen, wie man verschiedene Gegenstände wie Körbe, Kisten, Regale jeder Art zu brauchbaren Möbeln mit viel Stauraum umfunktionieren kann, obwohl sie selbst wenig Platz wegnehmen.

Die Beispiele von kleinen Häusern und Wohnungen stammen aus den verschiedensten Ländern und Orten, darin wohnen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Vorgestellt wird zum Beispiel das 32m2 große Häuschen einer vierköpfigen Familie in Australien, das mobile 17-m2 Häuschen eines jungen Paars aus Südafrika, ein 44m2 großes Dachgeschoß einer Architektin in Amsterdam und viele andere.

Die höchst kreativen Lösungen, wie man Bäder und Küchen auf kleinstem Raum großzügig und funktional gestalten kann, haben mir besonders gefallen, auch die Einrichtungsideen sind einerseits originell und andererseits sehr praktisch. Was mir gefehlt hat, sind Ansichten von oben (davon gibt es nur eine) oder Pläne für einen Überblick über den gesamten Wohnraum.

Auch viele links zu Architektenbüros, Möbelerzeuger und Plattformen auf denen Leute, die in tiny houses leben, Fotos und sonstiges posten, findet man in dem Buch. Das kann man so oder so sehen. Ich finde es nicht störend und vielleicht findet der eine oder die andere Leserin wertvolle Hinweise. Sollte ich in so ein Häuschen umziehen wollen, könnte ich in diesem Buch jedenfalls eine Menge Information und Inspiration finden.



Identität und Spiegelung

Es gibt ja manchmal Textstellen in literarischen Werken, die genau gewissermaßen ins eigene Schwarze treffen. So geht es mir mit dieser Stelle. Die Stelle ist aus einem Buch, zu dem ich völlig zufällig gekommen bin. Jemand hat es mir in die Hand gedrückt und gemeint, ich sollte doch einmal schauen, ob es mir gefällt.

Eine Weile stand er fröstelnd am Quai und betrachtete ein paar Möwen, die auf dem Deck eines der Segelboote aufgereiht nebeneinander saßen und schliefen. Unter dem Rumpf des Bootes bewegten sich die Schatten kleiner Fische. Dann erblickte er im schwarzen Wasser vor sich in perspektivischer Verzerrung sein Spiegelbild, wie es schlingerte, schaukelte und schwankte, sich hin und her bewegte, auseinanderriss, zitternd wieder zusammenfloss und erneut in kleinen Wellen zerlief. Er musste lächeln, denn der Mann im Wasser, diese oszillierende Erscheinung dort unter ihm, die nie eine klare Form finden würde, war er.

Ulrich Tukur "Der Ursprung der Welt" Roman  S.Fischer: 2019  S63

Das Nichtvorhandensein einer starren, unwandelbaren Identität ist ein Thema, das ich nicht nur spannend sondern oft auch sehr entspannend finde. Wir können mehr und anders sein, als die klar umrissene Person, die wir in der eigenen Vorstellung meistens sind. Es ist mehr an uns dran, als immer nur die gleichen Verhaltensweisen und Muster.

67. Station meiner Literatur- und Kunstweltreise – Tanzania und Sansibar

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Abdulrazak Gurnah ist der Literaturnobelpreisträger 2021, aber sein Roman „das verlorene Paradies“ im englischen Original „paradise“ wurde 1994 veröffentlicht. In deutscher Übersetzung kam es 1998 beim S.Fischer Verlag heraus und wurde 2021 in der Übersetzung von Inge Leipold beim Penguin Verlag neu aufgelegt, wahrscheinlich anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises.

Der Proganonist der Geschichte ist der zwölfjährige Yussuf, der zunächst bei seinen Eltern aufwächst und dann von einem reichen arabischen Kaufmann als Schuldsklave für die Schulden seines Vaters mitgenommen wird. Yussuf wird im Geschäft seines Onkels eingesetzt, wo er gemeinsam mit einem anderen jungen Mann, der auf ähnliche Art in den Besitz des Kaufmanns gelang ist, unbezahlt arbeitet. Am Ende des Romans ist Yussuf erwachsen und seine Sicht der Welt hat sich entsprechend verändert.

Der Roman spielt in einer bewegten Zeit, zu Beginn des 20ten Jahrhunderts, vor dem ersten Weltkrieg. Die zukünftige Kolonialmacht Deutschland beginnt das Leben im heutigen Tanzania mehr und mehr zu beeinflussen und zu Beginn des ersten Weltkriegs werden unter den Einheimischen Soldaten für die deutsche Armee ausgehoben.

Yussuf landet, nachdem er von seinen Eltern weggebracht wurde, in einer bunten, multiethnischen, multi-religiösen Gesellschaft, die für die Leser*innen überraschend und eher unbekannt ist. Der Autor zeichnet das präkoloniale Leben in Sansibar illusionslos. Die arabischen Sklavenhändler sind allgegenwärtig, Gewalt und öffentliche Folter sind an der Tagesordnung. Der Kolonialismus wird nicht als Einbruch in ein Paradies dargestellt sondern als zusätzliche Erschwernis des Lebens. Diese objektive Sicht auf Land und Leute, auf Geschichte, Kultur und Religion ist sehr interessant zu lesen und die Sprache des Autors ist leicht, fließend und mitreissend.

Gurnah zeichnet keine psychologischen Profile seiner Figuren, er beurteilt die Geschehnisse auch nicht, er beschreibt sie. Weder Schönheit, noch Brutalität werden ausgespart, die Bilder sind sehr stark, vor allem die Handelskarawanenreise fand ich sehr eindringlich. Es wird hier nicht nur diese Form des Handels mit all ihren Gefahren und Gewinnen beschrieben, es wird auch sehr klar, dass es nicht mehr lange möglich sein wird auf diese Weise Geschäfte zu machen, dass die Strukturen dieser ostafrikanischen Welt dabei sind, sich radikal zu ändern.

Zwei große Themen sehe ich in diesem Roman: die innere Freiheit unter widrigen Umständen und das Thema der Entwurzelung, einerseits jener des Protagonisten und andererseits jener des gesamten Kulturkreises. Andere mögen andere Leitmotive finden. Der Roman ist für vieles offen.

Sehr überraschend fand ich das Ende der Geschichte. Andererseits ist die psychologische Struktur des Protagonisten wenig vertieft und so kann man auch nicht sagen, ob das Ende nun schlüssig ist oder nicht. Für mich ist es ein plötzlicher Einbruch des Irrationalen, der verblüfft, aber bei näherer Betrachtung auch ein Vorgeschmack auf die Zukunft ist, die Yussuf erwartet.

Literarische Weltreise – Station 66 – Schottland

Ich habe Schottland zum eigenen Staat erhoben, was er vielleicht irgendwann auch wird. Tatsächlich spielt dieser Roman nicht auf dem schottischen Festland sondern auf den Shetland-Inseln

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Wieder ein Glücksgriff aus dem Luchterhand Verlag, schon der dritte.

„Das Tal in der Mitte der Welt“ ist ein fließendes Buch. Es fließt im Rhythmus des Lebens in einem kleinen Tal auf den Shetland-Inseln. Der Roman beginnt an einem Tag, an dem eigentlich nichts besonderes passiert und endet mitten an einem Tag, an dem sich einiges verändern könnte. Ob dies aber geschieht, bleibt offen. Die Lebensgefährtin eines der Bewohner des Tals ist aufs Festland gezogen, am letzten Tag der Handlung kommt sie zurück, ob es allerdings bei einem Besuch bleibt, erfahren wir nicht.

Der ganze Roman ist so erzählt als würde man eine Kamera und einen Scheinwerfer auf einzelne Szenen richten und wieder ausschalten. Die Geschichte läuft immer weiter, kann aber von Lesern/Zusehern nicht immer beobachtet werden und bricht schließlich einfach ab.

Es gibt nur fünf Häuser und sechs bis acht Bewohner in diesem Tal in der Mitte der Welt. Für einige ist das Leben hart und monoton, andere haben sich bewusst zurückgezogen aus ihren vorherigen Lebensumständen.

Alice, zum Beispiel, eine sehr erfolgreiche Kriminalschriftstellerin hat sich nach dem dem Tod ihres Mannes ins Tal zurückgezogen und schreibt an einer völlig anderen Art von Buch. David wiederum hat sein ganzes Leben im Tal verbracht ohne jemals anderswohin gehen zu wollen. Der alkoholkranke Terry ist vor sich selbst und seiner Verantwortung auf der Flucht …

Im Tal geschieht einiges in der beschriebenen Zeitspanne von ungefähr einem Jahr, ein Tod, ein Brand, Umwälzungen im inneren und äußeren Leben der Bewohner. Doch der Autor behält seinen behäbigen, unaufgeregten Rhythmus bei. Malachy Tallack setzt in seinem Debütroman nicht auf Spannung dafür geht die Schilderung einiger seiner Personen in die Tiefe.

„Zu der Zeit dachte er, er wisse, wer er sei, wisse was für ein Leben er führen wolle. Freiheit war die Abwesenheit von Drama, von Angst. Er hatte in seiner Kindheit genug davon gehabt, wollte es nicht mehr . Also machte er sich unempfindlich für die zerstückelte Welt. Er machte sich fest und ganz. Oder zumindest glaubte er das.
Emma stellte diesen Gedanken in Frage. Sie war der erste Mensch, bei dem er je den Wunsch – das Bedürfnis – gehabt hatte, ein paar der Schutzschichten um sich herum abzuschälen“ S 122


Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und für mich hätte es noch ein paar hundert Seiten auf dem Lebensweg der Talbewohner weiter fließen und plätschern können.

Kaddish.com

Als „witzig“ und „übermütig“ wird dieses Buch am Cover beschrieben. Das kann ich gar nicht nachvollziehen, denn der Roman ist zwar humorvoll, man kann immer wieder schmunzeln, aber er ist weder „witzig“ noch „übermütig“.

Es geht in diesem Text um religiöse Identität und um Prägungen und Gewohnheiten, um einen Mann aus einer orthodoxen jüdischen Familie in Tennessee, Larry, der meint, die strengen Regeln und Gebräuche des Judentums, wie sie in seiner Familie gelebt werden hinter sich gelassen zu haben, an vieles nicht mehr zu glauben. Aber dann stirbt sein Vater und als einziger Sohn wäre es seine Aufgabe, elf Monate lang mehrmals täglich das Kaddish, das Totengebet zu sprechen. Wenn er auch nur ein Gebet ausließe, wäre das für seinen Vater im Jenseits ein Problem, so weiß die orthodoxe Familie und die gesamte Gemeinde.

„Glaubt wirklich jemand, dass Gott mit einer Punktekarte dahockt und jedes von Larrys Gebeten mit einem Häkchen versieht.“ p.32

Larry, der zu diesem Zeitpunkt, kurz nach dem Tod des Vaters, der Religion völlig distanziert gegenübersteht, findet eine Lösung für sein Dilemma. Als Leser*in wundert man sich, mit welcher Naivität er an die Lösung des Problems herangeht.

Tja, und dann kommt der zweite Teil des Buchs und wir finden keinen Larry mehr sondern einen Shuli, der sich in einem absolut orthodoxen Milieu bewegt. Ich habe es nicht kommen sehen und fand es sehr erstaunlich.

Was ich an dem Buch äußerst gelungen finde, ist, dass sich der Autor jeglicher Beurteilungen enthält. Er wertet nicht, er beschreibt einfach, was ist. Das behält er auch bei, als sich die Handlung im dritten und vierten Teil nach Jerusalem verlagert; und nicht irgendwohin sondern in eine Schul, eine orthodoxe Thora-Schule.

Ich finde, dass der Autor es wunderbar schafft, die Leser*innen einfach mitzunehmen in diese Welt, die den meisten doch skurril erscheinen wird. Aber es gelingt Nathan Englander, die Welt der orthodoxen Juden in Jerusalem einfach zu beschreiben ohne zu berücksichtigen, wie seltsam es doch eigentlich ist wenn zB die Zustimmung Gottes zu einer bestimmten Kopfbedeckung davon abhängt, ob diese Kopfbedeckung auch genau die richtigen Maße hat oder dass in einer orthodoxen Küche abgesehen von zwei Kühlschränken wegen der Trennung von Fleisch und Milch auch zwei getrennte Abwaschbecken vorhanden sein müssen und auch das gesamte Geschirr in eine Fleisch- und eine Milchausstattung geteilt ist.

Ein sehr gelungenes Buch, das in Welten entführt, die jemand, der/die nicht zum orthodoxen Judentum gehört, kaum kennenlernen wird und dies auch in einer Weise tut, die nicht Seltsamkeiten vorführt.

Und dann das Ende! Nein, ich verrate es nicht. Es ist sehr überraschend und wenn ich darüber nachdenke eigentlich sehr lebensbejahend. Ein Plädoyer dafür, dass vieles nebeneinander Platz finden kann und viele auf ganz verschiedene Art glücklich sein können innerhalb ihrer eigenen Welt.







2. Jänner 2022 – alles glänzt

Einen Marathon der Aktualisierungen habe ich betrieben. Etliche Stunden bin ich vorm Kastl gesessen und habe meine beiden großen Projekte, das Kreativ- und das Literatur-und-Kunstprojekt, bis auf den letzten Beistrich aktualisiert. Ich nehme mir dann immer vor, die Verwaltung nicht wieder aufzuschieben, aber wie das halt so ist …

In der Impulswerkstatt, die unter „Menü“ bei den Seiten zu finden ist, sind sämtliche Fotos, Einladungen und Zusammenfassungen der Beiträge seit Oktober 2020 zu finden. Es fehlt nur noch die Einladung für das Mitmachen beim Jänner + Februar Durchgang. Die kann dort nicht stehen, weil es sie noch nicht gibt. Aber Montag wird es sie geben und ich bin schon sehr gespannt auf alle eure Beiträge beim nächsten Durchgang.

Meine Literatur- und Kunstweltreise, auch unter „Menü“ zu finden, habe ich auch völlig aktualisiert, was ein ziemlicher Aufwand war, weil die Seite eine Mischung aus altem und neuem Editor war. Ich habe alles Unnötige entfernt und jetzt glänzt auch sie. Schade ist nur, dass bei dem totalen Umbau und dem Löschen der vorherigen Versionen alle „likes“ gefressen wurden. Na, ich werde es schon aushalten.

Die größere Übersichtlichkeit zeigt mir, dass es Länder gibt mit schon mehreren Einträgen und natürlich auch noch sehr viele ohne irgendeinen Eintrag. Bei manchen Ländern habe ich so meine Zweifel, ob mir jemals etwas Passendes unterkommen wird. Ich suche ja nur ganz selten zielgerichtet, die meisten Bücher sind Zufallstreffer.

Ich lese sehr viel mehr als ich hier aufliste, aber es passt nicht alles und mehr als maximal fünf Einträge pro Land möchte ich nicht machen. Gerne werde ich aber auch im nächsten Jahr etlichen der Anregungen, die ich auf den Blogs immer wieder finde nachgehen. Danke an viele von euch, manchmal sind die Wege auf denen ich interessanten Lesestoff finde sehr verschlungen

Im verarmten Wien

Diese Krimi-Reihe von Alex Beer ist eine, die ich gerne lese. Den ersten Band „Der zweite Reiter“ und auch den zweiten HIER habe ich gelesen. Dies ist der fünfte.

Was ich an Alex Beers Krimis mag, ist die historische Kulisse. Sie spielen im Wien der 1920er Jahre. Die spanische Grippe, die im ersten Band noch wütete, ist vorbei, dafür führt die enorme Inflation zu großer Armut, Hunger und Obdachlosigkeit. Das Szenario ist wenig erheiternd, vor allem wenn es sich um die eigene Stadt handelt, aber historisch durchaus korrekt. Auch manche Personen der Handlung sind historisch, etwa der Polizeipräsident Schober, der auch ein halbes Jahr Bundeskanzler und Begründer der Vorgängerorganisation der Interpol war.

Dieser Roman spielt in mehreren Ländern entlang der Donau, so auch in Ungarn. Das Lektorat war in diesem Teil des Textes sehr nachlässig: praktisch jeder einzelne ungarische Mini-Satz, der vermutlich wegen des Lokalkolorits verwendet wurde, ist falsch, sogar „guten Tag“!

Die Autorin, Alex Beer, stammt aus Bregenz und lebt in Wien, was ihre immer exakten Ortsbeschreibungen erklärt. Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass in Romanen, die an bestimmten Orten spielen, diese Orte auch realistisch beschrieben werden. Es gibt übrigens eine interessante Parallele zu einer anderen von mir geschätzten Krimi-Autorin nämlich Fred Vargas. Beide Autorinnen sind Archäologinnen.

Alex Beers Krimi-Reihe um den Ermittler August Emmerich ist preisgekrönt – neben zahlreichen Shortlist-Nominierungen (u.a. für den Friedrich Glauser Preis, Viktor Crime Award, Crime Cologne Award) erhielt sie den Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur 2017 und 2019 wurde ausgezeichnet mit dem Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels MIMI 2020 und mit dem Österreichischen Krimipreis 2019.

In diesem fünften Band ihrer Reihe wird dem bewährten Ermittler und Kriegsveteranen August Emmerich ein Psychoanalytiker zur Seite gestellt, was mich intensiv an „Vienna Blood“ erinnert hat. Nachdem in den 1920 er Jahren die freudsche Psychoanalyse tatsächlich immer bekannter wurde, muss man der Autorin die Verwendung dieser Idee nicht übel nehmen. Tatsächlich erreichte „Vienna Blood“ traurige Berühmtheit, weil genau am Tag der Ausstrahlung des ersten Teils im ORF das terroristische Attentat in Wien stattfand und die Krimi-Ausstrahlung mit dem aufgrund der Ereignisse dieses Tages geschmacklos gewordenen Titel unterbrochen wurde. Wenn ich mich recht erinnere, wurde der Film ein paar Tage später unter einem anderen Titel gezeigt.

Zurück zu „Der letzte Tod“ . Es ist ein gut geschriebener Krimi mit komplexer und origineller Handlung in atmosphärischem, historischen Milieu, schnell und einfach zu lesen. Was mir nicht gefallen hat, ist – neben dem Ungarisch-Fiasko – der extreme Cliffhanger am Ende des Romans, der eher zu einer sehr schlicht gestrickten Serie passen würde.

(…) er öffnete den Riegel und hob den Deckel der Kiste in die Höhe. „Was zur Hölle ……“ murmelte er, als er sah, was sich darin befand.
Diese Geschichte war noch nicht abgeschlossen.

Dieser Roman ebenso wie die vier anderen Bände der Reihe sind im zur Penguin/Randomhouse Verlagsgruppe gehörenden Limes-Verlag erschienen.

Der große Wind der Zeit

Den Luchterhand Literaturverlag habe ich kürzlich entdeckt. Sehr empfehlenswert für Leser*innen, die sich für zeitgenössische Literatur interessieren. Ich habe begonnen, mich durch das Verlagsprogramm zu arbeiten. Meine Nummer 1 war DIESES ebenso interessante wie verstörende Buch, dies ist nun meine Nummer 2, die für mich auch unter die Lesegenüsse fällt und eine Nummer drei wartet noch darauf gelesen zu werden.

Der Roman spielt im heutigen Israel und umfasst Szenen aus dem Leben von vier Generationen einer Familie, wobei die älteste Generation vertreten durch Omama Eva durch deren Tagebuch zu Wort kommt, das von ihrer Urenkelin Libby gelesen und szenisch fantasiert wird.

Eva ist eine Tänzerin, die in den 1930er Jahren in Berlin lebt und intensive Beziehungen zu Nazis unterhält. Sie heiratet in Israel einen Jemeniten, bekommt einen Sohn, pendelt zwischen Orten und zwischen ihrer Leidenschaft als Tänzerin und politischem Engagement in Israel. In einer sehr starken Szene versucht sie erfolglos ihre in Wien lebenden Eltern davon zu überzeugen nach Israel auszuwandern. Die Eltern glauben nicht an die Schrecken, die ihnen ihre Tochter für die nahe Zukunft ausmalt. Es wird dann nur noch lakonisch berichtet, in welchen KZs sie ermordet wurden

Auch die Urenkelin Libby ist eine ungewöhnliche Frau. Zu Beginn des Romans hat sie gerade ihre Tätigkeit als Verhörspezialistin für palästinensische Häftlinge bei der israelischen Armee gekündigt. Bei einem ihrer letzten Verhöre lernt sie einen Palästinenser kennen, der des Terrors verdächtigt wird, einen Historiker, der in Coventry an seiner Doktorarbeit scheibt und nur nach Israel gekommen ist um am Begräbnis seiner kleinen Cousine teilzunehmen, die von der Armee erschossen wurde, weil sie mit einer Stricknadel herumspielte, die von den Soldaten für eine Waffe gehalten wurde. Libby und der als Terrorist verdächtigte interessieren sich für die Sicht des jeweils anderen

„Was für ein Spaß, mit dir zu streiten“ Er schmolz förmlich vor Vergnügen „Wenn alle Israelis so wären wie du, wäre das super unterhaltsam“
„An dem Tag, an dem alle Palästinenser wie du sind, Adib, werden sie entdecken, dass die meisten Israelis so wie ich sind“ S 356

„Du bist die dritte Generation der Flüchtlinge und ich bin die vierte Generation von Flüchtlingen“ erwiderte Libby. „Willst du einen Krieg zwischen mir und dir und unseren Kindern wegen Leuten, die wie Fausi al-Kawukdschi oder sein Kontrahent Hadsch Amin al-Husseini in Nazibegriffen einer totalen Vernichtung dachten ?“
„Ich möchte keinen Krieg mit dir“ entgegnete Adib „aber wir haben eine Menge zu bereden“
„Eine Menge“ stimmte ihm Libby zu „und wir werden reden“
„Also wann kommst du nach Coventry? fragte er
„Am Tag nach meiner Entlassung aus der Armee“ antwortete sie „in genau zwei Wochen“ S 444

Ich möchte hier nicht alle Personen vorstellen, die in diesem bunten Gemälde des israelischen Alltags vorkommen. Orthodoxe Armeekommandanten gehören ebenso dazu wie korrupte Politiker, übergriffige Psychologen, rebellische Töchter, Lebemänner und -frauen …

Eine weitere Hauptgestalt dieses Romans ist Uri, der sich Dave nennt, der Sohn von Eva ist und der Großvater von Libby. Er ist über achzig, Mitbegründer eines Kibbuz, durch dessen Geschäfte er gerade reich wird. Er fährt oft und gerne mit seinem Motorrad (Harley-Davidson WLC 43 aus den Tagen von Pearl Harbor S34 ) durchs Land, je unwegsamer die Strecken durch die Wüste umso lieber. Eine meiner Lieblingsszenen in diesem Roman ist die Unterhaltung zwischen Dave und einem langjährigen palästinensischen Freund.

Die beiden alten Herren unterhalten sich auf einer Ebene von Mensch zu Mensch, sie kennen und respektieren die jeweils andere Sprache und Kultur und nehmen die politische Situation, wie sie nun einmal ist.

„Inschallah. Adib macht schon den Doktor fertig. Redet englischeres Englisch als euer Regierungschef.
„Unser Ministerpräsident spricht Amerikanisch, kein Englisch“ präzisierte Dave.
„Der Junge wird nachhause zurückkommen und der Kulturminister in unserer Regierung, wenn wir einen Staat haben“
„Ihr werdet einen Staat haben, ihr werdet eine Regierung haben, ihr werdet Schmach und Schande haben wie wir“ tröstete Dave seinen Gastgeber und langjährigen Freund.
(…)
„Die Liebe sieht das Gute. Die Enttäuschung sieht das Schlechte. Die enttäuschte Liebe sieht das Ganze“ zitierte Dave ein altes arabisches Sprichwort
„Du hast drei Söhne, alhamdulillah, einer erfolgreicher als der andere, warum enttäuschte Liebe?“ wunderte sich Saliman über seinen Gast.
„Wir haben das, was wir geschaffen und erreicht haben mit viel Leid erreicht“ sagte Dave „doch wie haben eine Generation von Vergnügungsjägern großgezogen. Strecken die Beine über den Deckenrand hinaus und bringen sich um für teure Leichenhemden.“
„Die Unterhaltung mit dir, chawadscha Daud, ist wie in einem Buch lesen“
„Auch mit dir, Saliman “ (…) S169

Tatsächlich ist dieser Roman ein Aufruf zu menschlichem Miteinander in einer politisch unlösbar erscheinenden Situation. Der Autor schreibt auch gegen die Klischeevorstellungen von der israelischen Geschichte und Gesellschaft, die nicht so stereotyp ist, wie wir uns das in Europa vorstellen.

Joshua Sobol, Der heute wohl bekannteste Dramatiker Israels verfasste neben zahlreichen Bühnenstücken auch Romane, die sich immer mit dem Thema Israel oder dem jüdischen Glauben befassen. Er wurde 1939 geboren, noch zu Zeiten des Völkerbundmandats für Palästina, lebte zeitweise in einem Kibbuz, studierte Literatur und Geschichte in Israel und Philosophie in Paris.

Es ist ein anspruchsvoller Roman, ich habe zum Beispiel einiges an Geschichte Israels und Palästinas nachgelesen. Es ist auch ein Roman, der Lösungen für möglich hält auf die kaum jemand mehr wetten wollte. Schließlich ist es auch ein sehr liebevoll geschriebener Roman, der sich aber fernhält von jeder Sentimentalität.

Sehr empfehlenswert

Es ist schon sehr lang geworden, trotzdem gäbe es jede Menge Textstellen, die ich noch gerne zitieren würde, denn der Text hat sehr viele Facetten. Auf keinen Fall verzichten kann ich aber auf die Erwähnung der Textstelle, die dem Buch seinen Namen gegeben hat:

„(…) und dann lebten sie wieder zusammen, bis ein großer Wirbelwind kam, der ihn in die Arabische Abteilung und sie in die Deutsche Abteilung des Palmach blies, und da haben sie selbst die Flügel ausgebreitet, schwangen sich auf den großen Wind der Zeit und flogen mit ihm wie die Kraniche, die keine Angst vor Höhe und Weite haben, und sperrten sich nicht ein wie panische Mäuse in ihren Löchern…“ S 429

Keine Macht den Psychopathen

Zunächst gefiel mir das Buch recht gut. Es beginnt mit der Aufzählung von „Warnsignalen, an denen man einen toxischen Menschen erkennt“. Diese Aufzählung fand ich recht erhellend ebenso wie die Beschreibung der „Technik“, die ein psychopathischer Mensch anwendet um einen anderen Menschen zunächst zu erobern und dann eiskalt links liegen zu lassen.

Es beginnt mit einer totalen Idealisierung, inhaltlich und zeitlich massiver Zuwendung und Spiegelung des Opfers. Der psychopathische Mensch gibt vor, alle Neigungen und Meinungen des Opfers zu teilen. Dann folgt unweigerlich die Phase der Entwertung. Die ehemals über alles Geliebte und Geschätzte wird plötzlich als verrückt bezeichnet, als klammernd, obsessiv und pathologisch eifersüchtig. Wahrheiten und Tatsachen werden verdreht, das Opfer steht plötzlich als Lügnerin und emotional Bedürftige da, während ihre potentielle Nachfolgerin heftig hofiert wird. Dieses Dreieck mit wechselnder Besetzung der Rollen gehört laut Autor zu der typischen Entwicklung. Und der Zyklus geht immer so weiter. Das unendliche Bedürfnis nach Anerkennung, ja Verehrung, das den Psychopathen auszeichnet, braucht immer wieder neue Nahrung aus neuen Quellen.

So weit so gut. Der Text ist interessant, allerdings auch sehr redundant, man könnte ihn ohne Verlust von Information auf etwa ein Drittel wenn nicht noch weniger kürzen.

Gestört hat mich auch, dass es hier ausschließlich um Liebesbeziehungen geht, die noch weiter darauf reduziert werden, dass der psychopathische Mensch immer ein Mann ist, das Opfer immer eine Frau. Ich denke, dass sich solche pathologischen Beziehungsstrukturen auch in anderen Bereichen des Lebens finden lassen und ich hätte es wissenswert gefunden, wie die Sache aussieht, wenn man es zum Beispiel mit einem narzisstischen Chef zu tun hat oder etwa mit einem psychopathischen Sporttrainer

Im zweiten Teil geht es darum, wie ein Opfer eines psychopathisch veranlagten Mannes sich aus dieser Beziehung befreien kann. Zweifellos gibt es da ein paar gute Ratschläge für Betroffene und einiges an Information für sonstige Leser*innen, aber auch dieser zweite Teil ist extrem in die Länge gezogen und alles wird mehrmals wiederholt, einmal so herum und einmal so herum.

Ganz besonders gestört hat mich, dass der Autor die Leserinnen persönlich anspricht auf sehr sensationalistische Art und Weise und dabei vorgibt, genau zu wissen, wie sie sich fühlen.

„Anstelle der Selbstzweifel empfinden Sie nun ungeheure Wut. Sie haben die Wahrheit erkannt. Ihnen ist bewusst geworden, dass Sie benutzt, umgarnt und einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Sie sind außer sich. Sie würden ihn am liebsten umbringen“ S 288

„In dieser Phase versuchen Sie verzweifelt, sich in alles und jeden in Ihrer Umgebung einzufühlen. Sie schließen neue Bekanntschaften, versuchen Ihnen das zu geben, was sie nach Ihrer Einschätzung brauchen könnten und hoffen, im Gegenzug, Liebe und Anerkennung zu erhalten.“ S 191

Diesen zweiten Teil habe ich nur noch quer gelesen, weil mich einerseits der Stil (siehe obige Zitate) sehr irritiert hat und andererseits auch die Reduzierung verschiedener und in verschiedener Stärke ausgeprägter Persönlichkeitsstörungen auf einen einzigen Typus, der „der Psychopath“ genannt wird.

Ein letzter Punkt, der mich auch sehr gestört hat, ist, dass der Autor für das Verfassen eines solchen Buches offenbar nur durch ein eigenes Erlebnis mit einem psychopathischen Partner qualifiziert scheint. Seine Analysen beziehen sich daher möglicherweise nur auf sein eigenes Erleben, das er als Grundlage nimmt für die Darstellung angeblich immer gleicher Abläufe einer solchen Beziehung.

Alles in allem würde ich den ersten Teil dieses Buch als recht generalisierenden aber doch ganz interessanten Einstieg in die Thematik bezeichnen. Den zweiten Teil würde ich auf der Suche nach einem hilfreichen Ratgeber nicht unbedingt auswählen.

64. Station meiner Literatur – und Kunstweltreise – Schweden 2

Hier ist meine Weltreise zu finden

Wollte ich dieses Buch mit einem Wort beschreiben, so würde ich „verstörend“ wählen. Ich habe lange gebraucht um hineinzufinden, aber dann hat mich die gleichzeitig harte und lyrische Sprache völlig überschwemmt und die Handlung eben ziemlich verstört.

Ein schizophrenes Mädchen aus Belgien verliebt sich als 14-jährige in einen Moslem und konvertiert zum Islam. Sie trampt nach Schweden wo sie an einem islamistischen Attentat teilnimmt. All das geschieht verzerrt durch die Nebel ihrer Krankheit. Sie weiß weder wer sie ist noch warum sie was tut. Sie überlebt und wird in den Hochsicherheitstrakt einer schwedischen psychiatrischen Klinik eingeliefert.

Dort besucht sie ein Schriftsteller, dessen Bücher ihr gefallen haben. Und so kommt der zweite Ich-Erzähler ins Spiel, ein Moslem, Schwede mit nordafrikanischen Wurzeln, der überlegt mit Frau und Tochter nach Kanada auszuwandern. Diesem Mann übergibt das Mädchen einen von ihr geschriebenen Text, in dem sie beschreibt, dass sie aus der Zukunft kommt. Eine Zukunft, in der Schweden zu einer Gesellschaft geworden ist, in der Muslime, die den „Bürgervertrag“ nicht unterzeichnen, als „Schwedenfeinde“ stigmatisiert und in einem eigenen Wohnviertel untergebracht werden. Es gibt verschiedene Stufen der Diskriminierung, die zu verschiedenen Arten der Unterbringung führen. Eine schaurige dystopische Geschichte, die im Laufe der Geschehnisse den Ich-Erzähler zusehends beeinflusst.

Es wird die Theorie aufgestellt, dass das Mädchen in einem Foltergefängnis namens al-Mima in der jordanischen Wüste gewesen sein soll. Ob es dieses Gefängnis gibt, ob es eine Fiktion oder ein durch Abu Ghraib inspirierter Ort ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist die Beschreibung dieses Orts einer der Punkte in dem Roman, an dem sich eine reale und eine mystische Welt überschneiden und zwar auf eine Art, die den Leser*innen die Orientierung erschwert, eigentlich unmöglich macht.

„Dort, in der jordanischen Wüste, an einem Ort auf der Grenze zwischen Technologie und Theologie, war das Mädchen in der Klinik in diesen seltsamen Zustand ohne Kontakt zur Außenwelt geraten, in dem sie sich befunden hatte, als man sie nach Belgien zurückgebracht hatte.“ S 161

Die Schicksale des Autors und des Mädchens beginnen sich zu berühren. Die erschreckenden Beschreibungen einer in der Zukunft liegenden islamophoben, gewalttätigen schwedischen Gesellschaft aus der das Mädchen behauptet zu kommen, die Pläne des Autors, nach Kanada auszuwandern. Immer mehr drängt sich die Frage auf, ob man Moslem und Schwede sein kann, ob der Islam und seine Gläubigen in einer westlichen Gesellschaft eine positive Zukunft haben können.

Verwirrend an diesem Roman ist, dass er nicht chronologisch erzählt wird und es nicht sofort klar ist, wer gerade in Ich-Form erzählt: das Mädchen oder der Autor. Es ist auch oft unklar, ob man sich gerade in der realen Welt, in der phantasierten Dystopie des Mädchens oder in einer mystischen Parallelwelt befindet. Sehr schwer zu lesen ist dieser Text, sprachlich und inhaltlich anspruchsvoll und ganz bestimmt kein Unterhaltungsroman. Aber er wirkt nach. Ich habe den Roman schon vor einer Weile ausgelesen mich aber noch nicht wirklich davon gelöst.

Johannes Anyuru, geboren 1979, ist ein sehr interessanter Autor, Sohn einer Schwedin und eines Uganders, debütierte er 2003 mit der Gedichtsammlung Det är bara gudarna som är nya ( Nur die Götter sind neu). Es folgten weitere Gedichtsammlungen und das Buch, das ich gelesen habe, ist sein zweiter Roman, der 2017 erschienen ist. Anyuru arbeitete auch an Theaterstücken mit und beschäftigte sich mit Poesie in Klangform. Er wird als Vertreter der schwedischen Einwandererliteratur betrachtet, obwohl er in Schweden aufgewachsen ist.
Ein Wanderer zwischen Kulturen dürfte der mehrfach preisgekrönte Autor sein, der 2007 zum Islam konvertierte. Auf jeden Fall keiner, der versucht, den Erwartungen seiner potentiellen Leserschaft gerecht zu werden

Ein seltsamer Titel

Die 63. Station meiner Literaturweltreise: Kanada 2

Naomi Fontaine hat ein Buch leiser, zarter Töne geschrieben. Es spielt in einem First-Nations-Reservat in Québec, im französischsprachigen Kanada. Über das Innu Reservat wird kaum explizit Geschichtliches oder Soziologisches erzählt. Die Dinge wie sie sind werden durch die Streiflichter auf das Leben der Reservatsbewohner*innen dargestellt und mittendrin steht die Ich-Erzählerin, die in Québec studiert hat und nun als Französisch-Lehrerin in ihr Dorf zurückgekehrt ist. Um in dieser Schule unterrichten zu können, trennt sie sich von ihrem Freund, der ihr nicht folgen möchte. Ihre Begeisterung für den Ort und die Schule ist groß.

„Ich stellte mir vor, wie ich die nackten Wände schmücken würde. Mit Fragmenten der Literaturgeschichte, mit Zitaten aus Romanen, Fotos von Schriftstellern, Postern von berühmten Gemälden. Mit Werken, die in fremden Köpfen entstanden waren und dabei helfen, seine eigenen Weg zu finden.(…) Ich würde meinen Schülern von der Welt erzählen. Davon, wie man die Welt sehen kann. Wie man sie lieben kann. Und davon, wie man die unsichtbare, längst überholte Grenze überwinden kann, die um das Reservat verläuft, das wir selbst lieber als „Gemeinschaft“ bezeichnen, um unsere Herzen zu besänftigen“ S13

Von einem Jahr wird erzählt, das Yammie als Lehrerin in ihrem Dorf verbringt. „Rückkehr ist Schicksal“ lautet der bemerkenswerte erste Satz dieses Romans“ . „Eine Rückkehr in das kleine Dorf und die sandige, stachelige Natur, zusammengeträumt anhand von unveränderlichen Kindheitserinnerungen“ der erste Absatz (S9)

Die Schule, in der sie unterrichtet heißt Manekanetish, kleine Marguerite, zum Gedenken an eine Frau, die noch vor dem Bau der Schule im Reservat viele Kinder großgezogen hat, elternlose und schwierige Kinder. „Manekanetish, Petite Marguerite“ ist auch der Titel des französischen Originals dieses Buches. Die deutsche Übersetzung „Die kleine Schule der großen Hoffnung“ finde ich nicht sehr gelungen. Das liegt unter anderem daran, dass ich Bücher in deren Titel „klein“ vorkommt immer mit einigem Misstrauen betrachte. Im Fall dieses Buches ist das Misstrauen aber ganz und gar nicht angebracht.

Das Buch hat viele sehr kurze Kapitel, die alle jeweils ein kleines Geschehnis beleuchten. So klein ist es dann meist doch nicht, wenn man die Auswirkungen auf die betroffenen Personen betrachtet und die Aussagekraft über das Leben der Bewohner*innen des Reservats.

Sehr gut gefällt mir zum Beispiel die Geschichte der Theatergruppe, deren Gründung Yammie zunächst eher widerwillig übernimmt. Sie beschließt, dass die Truppe den „Cid“ von Corneille einstudieren soll, was zunächst großen Widerstand erzeugt später aber zu einem von den Schüler*innen begeistert getragenen Projekt wird.

„Es war eine Herausforderung. Genau das, was ich brauchte. Ein unmögliches Projekt“ S63

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, Yammie hat ihre Schüler*innen besser kennengelernt, ist ihnen näher gekommen. Immer wieder erfahren wir auch Details aus ihrer eigenen Kindheit. Die Art wie ihre Verbundenheit mit ihren Wurzeln im Reservat gezeigt wird, hat mich überrascht, ist aber sehr schlüssig.

Die Autorin, Naomi Fontaine wurde 1987 in Uashat geboren, dem Ort an dem auch dieser Roman spielt. Als Kind verließ sie mit ihrer Mutter das Reservat, um in Québec-Stadt zu leben, wo sie Pädagogik studierte. Ihr Debüt »Kuessipan« erschien 2011 und wurde preisgekrönt und verfilmt. Naomi Fontaine hat ihre beiden Romane auf französisch geschrieben.

»Die kleine Schule der großen Hoffnung«, ihr zweiter Roman, hat wohl sehr viele autobiographische Elemente. 2018 stand es auf der Shortlist des renommiertesten kanadischen Literaturpreises, des Governor General’s Award und war auch in Frankreich ein großer Erfolg. Das Buch wird derzeit als Fernsehserie verfilmt. Der Roman wurde auch bei der Frankfurter Buchmesse 2021 im Rahmen des Schwerpunkts „Kanada“ vorgestellt. Herausgekommen im C. Bertelsmann Verlag wurde der Text von Sonja Finck ins Deutsche übersetzt.

Die Unschuld der Opfer

Nachdem mir das Buch, das Irvin und Marilyn Yalom gemeinsam zu schreiben begonnen haben und das von Irvin Yalom nach dem Tod von Marilyn fertiggestellt wurde, sehr gut gefallen hat KLICK, wollte ich gerne etwas von Marilyn Yalom lesen.

Zwar habe ich fast alle Romane und Kurzgeschichten von Irvin Yalom gelesen, wusste aber nichts über seine Frau. Marilyn Yalom (1932-2019) war Kulturhistorikerin mit einem besonderen Faible für Frankreich, die einen Frauensalon führte bei dem sich Literatinnen und Wissenschaftlerinnen diverser Gebiete regelmäßig trafen. Sie hat im Bereich der Kulturgeschichte mit Schwerpunkt Feminismus geforscht und geschrieben.

Dieses Buch besteht aus in der Ich-Form erzählten Geschichten von Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs Kinder waren. Kinder aus verschiedenen Ländern, aus Familien mit unterschiedlichen politischen Ansichten, jüdische Kinder und nicht-jüdische Kinder, Kinder, die in relativer Sicherheit lebten, andere, die mit oder ohne ihre Familien vertrieben oder verschickt wurden, auch Marilyn selbst hat einen Text über ihre Kindheit beigetragen.

Ich habe lange daran gelesen, dazwischen immer wieder anderes, denn es sind emotional sehr fordernde Texte. Obwohl die Geschichten von Erwachsenen geschrieben wurden, kann man doch immer wieder die kindliche Perspektive erkennen.

Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte von Winfried Weiss, dem Sohn eines regimetreuen Gendarmen. Weiss hat seine Memoiren unter dem Titel „A Nazi Childhood“ 1983 in Kanada veröffentlicht. Der Blick des Kindes, das keine andere Ideologie kennt, als die seiner Eltern und gleich denkenden Umgebung und diese Meinungen einfach wiedergibt, kindgemäß unreflektiert, ist sehr eindringlich.

Aus allen Geschichten kann man herauslesen, wie sehr ihre auf verschiedene Arten schwierige Kindheit das weitere Leben der Erzähler*innen geprägt hat.

“ Jede dieser Geschichten zeigt uns einen Mikrokosmos des Zweiten Weltkriegs, gesehen durch die Augen eines Kindes und erlebt mit den Gefühlen eines Kindes, und führt uns in die Welt des jeweiligen Kindes. Natürlich kannte ich all diese Zeugen des Krieges nur als Erwachsene und musste mich auf ihre rückblickenden Erinnerungen verlassen. Dennoch, trotz der Fallstricke, die dies birgt (…) vertraue ich der Substanz dieser Berichte. Kinder erleben die alltäglichen Mechanismen des Krieges, und wenn das Erlebte wieder ans Tageslicht kommt, machen uns die Erinnerungen der Kinder zu Zeugen der brutalen Realität des Krieges.

Alles, was ich von Irvin Yalom gelesen habe und auch auch dieses Buch, ist in der deutschen Übersetzung beim btb-Verlag erschienen. Der btb Verlag wurde 1996 in München als Taschenbuch-Verlag gegründet und gehört heute zur Penguin Random House Verlagsgruppe.

Über den Tod und das Leben

Von Irvin Yalom habe ich fast alle Romane und Kurzgeschichten gelesen. Laut seiner eigenen Einschätzung sind es diese literarischen Werke, die ihn aus der Schar amerikanischer Psychoanalytiker hervorheben und den Weg dahin – schreibt er – habe ihm seine Frau Marilyn gewiesen. Marilyn Yalom (1932-2019) war Kulturhistorikerin mit einem besonderen Faible für Frankreich, die einen Frauensalon führte bei dem sich Literatinnen und Wissenschafterinnen diverser Gebiete regelmäßig trafen)

Dieses Buch ist anders, es ist kein Roman sondern eine Art Tagebuch, das von Irvin und Marilyn Yalom gemeinsam begonnen und nach Marilyns Tod von Irvin beendet wurde. Das Projekt für dieses gemeinsame Buch entstand nach Marilyns Krebsdiagnose als absehbar wurde, dass sie bald sterben würde.

Es sind nachdenkliche Betrachtungen über Leben und Tod, auch Biografisches beider Autoren und Erinnerungen an eine 65 Jahre dauernde Ehe, die in diesem Buch zu finden sind.

Besonders beeindruckt hat mich Irvin Yaloms schonungsloser, offener Umgang mit den Beschwernissen seines Alters. Er hat Gleichgewichtsprobleme, die ihn zum Benützen eines Gehstocks zwingen und sein Gedächtnis wird immer schlechter. Der Text erweckt den Eindruck akribischer Beobachtung des eigenen Gemütszustands und absoluter Ehrlichkeit bei dessen Beschreibung. Ob das tatsächlich so ist, weiß nur der Autor selbst.

Nach Marilyns Tod kramt Irvin Yalom in seinen eigenen Romanen und beschließt, sie nochmals zu lesen.

„Die Schopenhauer Kur“ zu lesen, ist eine wirksame Therapie für mich. Seite um Seite werde ich ruhiger und zufriedener mit meinem Leben. In meinen Augen sind die Sätze schön komponiert, meine Wortwahl ist gut, und ich glaube, dass es mir gelungen ist, den Leser zu erreichen (…) Der Kerl, der dieses Buch geschrieben hat, ist um einiges gescheiter als ich es bin, und er weiß sehr viel mehr über Philosophie und Psychotherapie als ich. Und manche meiner Sätze rauben mir den Atem. Habe ich das wirklich geschrieben?

(…)

Mein alterndes Gedächtnis hat zum ersten Mal etwas Gutes: ich erinnere mich an so wenig aus dem Buch, dass mich die Ereignisse überraschen und unterhalten.

S 251 – 253

Ein Kernstück dieses Berichts ist auch die Verzweiflung über Marilyns baldigen Tod auf einer Seite und deren Wunsch nach einem baldigen assistierten Suizid auf der anderen Seite. Auch dieser „Kampf“ wird sehr offen beschrieben.

Ein empfehlenswertes Buch für Zeiten in denen der Tod weit weg und abstrakt erscheint und auch für Zeiten, in denen die Vergänglichkeit hinter jeder Ecke lauert.

Alles, was ich von Yalom gelesen habe, auch dieses Buch, ist in der deutschen Übersetzung beim btb-Verlag erschienen. Der btb Verlag wurde 1996 in München als Taschenbuch-Verlag gegründet und gehört zur Penguin Random House Verlagsgruppe.

Ulli Gaus Memorandum in Buchform

Gestern ist es ganz erstaunlich schnell mit der Post aus Deutschland eingeflogen. Mit herzlichen Grüßen, Ulli, falls du aus der Sommerpause mit Umzug vorbeischaust

Das Titelbild gefällt mir schon sehr, es ist ungewöhnlich, dass in dieser Generation Fotos vom Alltagsleben gemacht wurden, dass man Leute sieht, die nicht bei besonderen Anlässen für die Kamera aufgestellt wurden zur Dokumentation von Taufen, Hochzeiten, Familienfesten.

Die Fotos in diesem Buch sind Zeitdokumente, sowohl die gestellten als auch die Schnappschüsse. Diese Frauen, die wahrscheinlich teilweise noch im neunzehnten Jahrhundert geboren wurden, einen oder gar zwei Weltkriege erlebt und überlebt haben, irgendwie halt, wie es möglich war. Die meisten von ihnen haben wohl mehr als den ihnen durchschnittlich zustehenden Anteil an Leid und Katastrophen zugeteilt bekommen. Ich denke, dass die Motivation für Ullis Projekt aus dem ein Büchlein geworden ist, war zu zeigen, wie viel Frauen aller Generationen zum Leben und Überleben beitragen und beigetragen haben.

Die Texte zwischen den sehr zahlreichen Fotos sind sehr persönlich, sehr privat und doch werden viele dieser Gedanken und Gefühle den Nachgekommenen bekannt oder zumindest verständlich sein.

Mein Lieblingsfoto ist jenes auf dem einander Großmutter und sehr kleine Enkeltochter beide irgendwie belustigt ansehen. Und über jedes Foto auf dem gelächelt oder gelacht wird, freue ich mich.