la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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38. Station der Literaturweltreise – Kenia

Wieder unterwegs 

Yvonne Adhiambo Owuor

„Der Ort, an dem die Reise endet“ 2014

deutsche Ausgabe: Dumont 2017

Ein wahrhaft sprachgewaltiger Roman. Dennoch habe ich sehr lange gebraucht um in die Geschichte hineinzufinden und wollte unterwegs schon mehrmals aufgeben. Die Autorin hat eine epische, ausufernde Erzählweise. Der Ausgangspunkt: ein junger Mann ist in Nairobi gestorben und wird von Vater und Schwester in das heimatliche Dorf zurückgebracht von wo die Mutter des Verstorbenen sehr bald verschwindet. Ausgehend von dieser Situation werden die Geschichten mehrerer Familien aufgerollt. Beim Auftauchen jeder neuen Figur wird eine Schleife eröffnet, die entweder in die Vergangenheit dieser Person führt oder einen Aspekt ihrer Gegenwart besonders beleuchtet. So tun sich Kreiswege auf, die einander immer wieder berühren aber dann wieder auseinander driften.

Ich habe bis zu den letzten 120 von 500 Seiten gezweifelt, ob es der Autorin gelingen kann, alle diese vielen Fäden auf so vielen Zeitebenen und so vielen Erzählperspektiven irgendwie zusammenzuführen. Aber ja, es ist ihr gelungen. Sie wechselt sprachlich meisterhaft nur durch den Perspektivenwechsel in ihren Bildern von einer Erzählperspektive in die andere und schließlich fügt sich alles zusammen und ergibt ein sehr starkes Gesamtbild, das das Leben der Hauptpersonen in Kenia kurz vor, während und nach der Unabhängigkeit zeichnet.

Für die Leser*innen setzt sich das Gesamtbild erst spät zusammen. Am Ende des Romans bleibt der Eindruck, dass das Leben der Protagonisten in großen Schleifen weiterläuft und das Ende des Romans an einem fast beliebigen Punkt gesetzt wurde.

Es ist eine originelle, sehr dramatische Erzählweise, an die man sich gewöhnen muss und die auch viel Zeit erfordert, weil der Text so gut geschrieben ist, dass es schade wäre, ihn nur zu überfliegen. Gestört hat mich, dass nicht nur einzelne Wörter sondern ganze Sätze in einer kenianischen oder äthiopischen Sprache vorkommen, die nur manchmal,  übersetzt werden. Zwar gibt es ein Glossar, dort wird aber lange nicht alles übersetzt und ich finde es auch mühsam mitten in einer wunderbar geschilderten Szene die Bedeutung von Wörtern oder ganzen Sätzen nachsehen zu müssen.

Ein Buch, das mich erst ungefähr ab der Mitte gefesselt hat, obwohl es wirklich hervorragend geschrieben ist. Von einer Autorin, deren Erstling dieser Text ist, wird man wohl noch einiges zu lesen bekommen, wenn ich auch hoffe, dass ihre literarische Entwicklung eine gewisse Straffung des Erzählens bringen wird.

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Eine deutsche Karriere

Monatelang habe ich an dem Buch gelesen, in winzigen Portionen, weil mir der beschriebene Mensch gar so zuwider war mit seiner ungebremsten Gier, seiner gnadenlosen Biederkeit, seinem skrupellosen, mörderischen Geltungsdrang und schließlich mit der beispiellos erfolgreichen Verlogenheits- und Verstellungstaktik mit der er als einziger bedeutender Nazi bei den Nürnberger Prozessen im wahrsten Sinn des Wortes seinen Kopf aus der Schlinge gezogen hat.

Auf ca 600 Seiten Text und ca 300 Seiten Quellen- und Literaturverzeichnis wird Albert Speer in allen seinen Facetten beschrieben. Magnus Brechtken hat eine minutiös recherchierte Biographie geschrieben, für Nicht-Historiker*innen bzw Leser*innen, die nicht bis ins kleinste Detail an der Person interessiert sind, vielleicht etwas zu minutiös. Ich zumindest habe vieles überblättert und dennoch eine massive Albert-Speer-Dosis abbekommen.

Zu den Qualitäten dieser Biographie zählt auch die zusammenfassende Einleitung:

„Albert Speer ist vermutlich, der am häufigsten zitierte Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Ein engagierter Nationalsozialist, Unterstützer Hitlers, Architekturmanager, Kriegslogistiker, Rüstungsorganisator, Mitbetreiber der NS-Rassenpolitik, eine Zentralfigur des Eroberungs- und Vernichtungskrieges: das ist der reale Albert Speer bis 1945.

In der Nachkriegszeit hat sich ein anders Bild von ihm verbreitet. Hier erscheint Speer meist als verführter Bürger, unpolitischer Technokrat, als fleißiger Fachmann, der vor allem seine Arbeit im Sinn hatte und dabei wenig wahrgenommen haben wollte, von den Verbrechen, die sich um ihn herum ereigneten, während er in Wahrheit mit der SS paktierte, Zwangsarbeiter in den Tod trieb und europaweit die Kriegsrüstung organisierte. Allenfalls dunkle Ahnungen habe er gehabt von dem, was doch vor seinen Augen und nicht selten auf seine direkte Initiative hin geschah.

Es war die Legende vom unwissend-arglosen Bürger Albert Speer auf der schuldfreien Seite der Geschichte. Auf der anderen standen die ungehobelten Parteimänner mit ihrem lauten Benehmen und den groben Visagen. Das waren „die Nazis“. Irgendwie war er in deren Nähe geraten.

(…)

Nach dem Einsatz für den Nationalsozialismus und der Täterschaft als Verbrecher strebte Speer die Interpretationsherrschaft über die Geschichte an um alles, was er getan hatte, umerzählen, vernebeln, in ablenkenden Fabeln auflösen zu können. In beiden Rollen war Speer ebenso energisch wie erfolgreich.

Gerade deshalb ist Speers Karriere exemplarisch, eine deutsche Karriere im 20. Jahrhundert, die bis in die höchsten Sphären der Macht führte, an die Schalthebel einer europäischen Kriegsmaschinereie mit Millionen Arbeitern und Soldaten und einem Arsenal von Waffen, wie sie in der Weltgeschichte zuvor nicht eingesetzt worden waren. Speer sorgte für die Verlängerung des Kriegs um Jahre, opferte dabei unzählige Menschen, um den Sieg des Nationalsozialismus zu erreichen und sah sich in der Endphase des Kriegs sogar ernsthaft als möglichen Nachfolger Hitlers.

(…)

Nimmt man die nationalsozialistische Herrschaft als Ganzes in den Blick und befreit man sich von der Täuschung, dass „die Nazis“ etwas „Fremdes“ waren, eine mysteriöse Macht, die das Land im Jänner 1933 irgendwie von außen überwältigte und im Mai 1945 wieder verschwand, wird klar, Albert Speer war einer von zahllosen Deutschen, die Nationalsozialisten sein wollten, die ihr Leben und ihr Streben danach ausrichteten. Sie wollten Hitler und damit auch sich selbst zur Macht verhelfen. Speer ragte heraus und ist doch zugleich exemplarisch für all jene, die sich mit ähnlichen, wenngleich bescheideneren Ambitionen so wie er für den Nationalsozialismus engagierten, ihn trugen und gestalteten.

nach Magnus Brechtken „Albert Speer, eine deutsche Karriere“ Siedler Verlag, München: 2017. p. 9, 10


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Doch nicht Ausschwitz

Zufall, dass ich diesen Menasse-Roman gerade gelesen hatte, als sich herausstellte, dass eine der zentralen Szenen des Buches eine reine Erfindung von Robert Menasse war. Ihr ließ in seinem Roman den ersten Präsidenten der EU-Kommission, Walter Hallstein seine Antrittsrede 1958 im ehemaligen KZ Ausschwitz halten, an einem Ort, der symbolisch dafür stünde, wohin die Nationalstaaten geführt hätten. Hier gibt es eine Zusammenfassung der Polemik. Nun hat Robert Menasse gemeinsam mit anderen eine Bewegung gegründet, die sich die Abschaffung der europäischen Nationalstaaten  zum Ziel gesetzt hat und man kann ihm vorwerfen, dass er zum Vorantreiben oder zumindest zur Erklärung dieses Ziels in seinem Roman Geschichtsfälschung betrieben hat.

Zuerst meinte er, er sei weder Historiker noch Journalist sondern Dichter und man könne ihm somit gar keine Geschichtsfälschung vorwerfen. In weiterer Folge entschuldigte er sich aber für die Verwirrungen. Schade ist es allemal, dass es diese Rede in Ausschwitz nicht tatsächlich gegeben hat, ich habe ihre Argumentation und Inszenierung recht überzeugend gefunden. Nur stammt diese Rede eben von von Walter Hallstein, 1958 sondern von Robert Menasse 2018. Schade.

Man mag nun von Robert Menasse als Person halten, was immer man möchte, eine unumstößliche Tatsache ist aber, dass er großartig schreibt und dass auch seine Exkurse in die nähere und weitere Vergangenheit immer interessant sind. Bis jetzt hätte ich gesagt „interessant und seriös recherchiert“. Tja, die Sache mit der Ausschwitz-Rede weckt Zweifel an der historischen Richtigkeit vieler Passagen in vielen seiner Bücher. Daran hat er nicht gedacht, oder aber sein Umgang mit historischen Wahrheiten war immer schon ein dichterischer, der nur von niemandem überprüft wurde.

Wie dem auch immer sein möge, so ist sein Roman „die Hauptstadt“ ein hervorragend aufgebautes Panorama wenn nicht gar Panoptikum in und um die EU-Behörden, die Menschen, die dort arbeiten und über die erfundene Ausschwitzrede wird europäische Geschichte in die Gegenwart hereingeholt. Die einzelnen Figuren werden detailreich beschrieben: die junge zypriotische EU-Beamtin, die an ihrer Karriere feilt, der letzte Überlebende der Flüchtlinge aus einem KZ-Transport, der in ein Altersheim übersiedelt ist, der emeritierte Wirtschaftsprofessor, der zu einem think tank eingeladen wurde, ein Auftragsmörder, der sich in der Zielperson geirrt hat und last not least ein Schwein, das in den Straßen von Brüssel auftaucht und dessen Wege durch die Hauptstadt ein verbindendes Element der Geschichte sind. Die eigentliche Hauptperson aber ist die EU in vielen ihrer Ausprägungen. Wobei man sich nun leider fragen muss woher Robert Menasse seine genauen Kenntnisse von den EU-internen Abläufen bezieht …….

Lesenswert ist der Roman ohne Frage, schon wegen Menasses Schreibkünsten.


Ein Kommentar

38. Station der Literaturweltreise – Kongo

Meine Literaturweltreise wird von Yvonne begleitet.

Gerade noch rechtzeitig vor Ende des Jahres habe ich eine weitere Literaturreisestation erreicht, den Kongo. Nicht jenen Kongo in dem heute gewählt wurde, sondern den kleineren Kongo, mit der Hauptstadt Brazzaville nicht Kinshasa. Interessantes Detail am Rande: Brazzaville war von 1940 bis 1943 nominell die Hauptstadt des Freien Frankreichs.

Der Roman spielt allerdings nicht in Brazzaville sondern in Pointe-Noire, einer Küstenstadt. Es ist der klassische Kindheitserinnerungsroman, von denen ich von afrikanischen Autoren schon so viele gelesen habe. Allerdings ist Alain Mabanckou als er nach 23 Jahren Abwesenheit der Stadt seiner Kindheit einen Besuch abstattet schon ein bekannter Autor und wurde vom dortigen Institut Francais eingeladen.

Alain Mabanckou ist ein Jahrgang 1960, er wurde im gleichen Jahr geboren, in dem sein Land die Unabhängigkeit von Frankreich erhielt. Während seiner Kindheit hieß das Land „Volksrepublik Kongo“ und lehnte sich in Regierungsform und Verwaltung stark an die Sowjetunion an. Es sind recht bunte Kindheitserinnerungen, die man in diesem Buch lesen kann. Für die europäische Leser*in sind es recht unbekannte Familienstrukturen, von denen da die Rede ist; einerseits die polygamen Familien: ein Mann, mehrere Frauen und im Normalfall sehr viele Kinder, die einander als Geschwister betrachten und andererseits die weit verzweigten Großfamilien, deren sämtliche Mitglieder sich auf ein wohlverdientes Geschenk des in Europa lebenden Verwandten freuen.

Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, um kulturelle Besonderheiten, um eine Lebensbilanz des Autors. Lieber hätte ich das Buch im französischen Original gelesen, aber diese deutsche Übersetzung hat mich in der Bücherei gefunden.

„Lange Zeit habe ich meine Leser im glauben gelassen, meine Mutter lebe noch. Ich will mich bemühen von nun an zur Wahrheit zurückzukehren, in der Hoffnung, diese Lüge abzuschütteln, mit der ich bisher meine Trauer nur aufgeschoben habe. Mein Gesicht ist noch immer von diesem Verlust gezeichnet, und selbst wenn es mir gelingt, die Narbe durch eine aufgesetzte Fröhlichkeit zu kaschieren, tritt sie wieder zutage wenn mein lautes Lachen plötzlich verstummt und in meinen Gedanken die Silhouette jener Frau auftaucht, die ich nicht alt werden sah, die ich nicht sterben sah und die mir in meinen schlimmsten Albträumen den Rücken zuwendet und ihre Tränen vor mir verbirgt.“

 

 


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Immer wieder Adamsberg

Lange habe ich gewartet auf eine neue Vargas. Fred Vargas ist nicht eine, die ihre Bücher im Akkord schreibt, eines pro Jahr oder noch mehr. Ich habe es auch nur zufällig in der Buchhandlung gesehen und konnte unmöglich darauf warten, dass es im Taschenbuch erscheint. Und gut war´s, denn es hat mir ausnehmend gut gefallen.

Frédérique Vargas ist neben Ruth Rendell und Batya Gur meine liebste Krimiautorin. Die drei Autorinnen haben gemeinsam, dass  in ihren Büchern die Krimihandlung im Grunde nur ein Vorwand für Milieuschilderungen oder Psychogramme ist.

Bei Fred Vargas gibt es den ungemein skurrilen Kommissar Adamsberg und seine ihm an Skurrilität in nichts nachstehende Truppe. Jede einzelne dieser Figuren wird, man könnte sagen in liebevoller Schonungslosigkeit beschrieben. Viele von ihnen könnten sich aufgrund ihrer diversen psychischen und sonstigen Probleme kaum in ein „normales „Leben eingliedern, aber Adamsberg führt seine Truppe auf seine Art mit klarem Blick im Nebel und holt aus allen ihre Qualitäten heraus. Mir kommen Vargas Bücher immer vor, wie ein Plädoyer für die Buntheit und Vielfalt menschlicher Gesellschaften.

Natürlich ist dieser Krimi auch spannend, es geht um eine bestimmte Spinnenart und ihr Gift, es geht auch um Kindheitserinnerungen und eine Einsiedlerin. In verschiedenste Richtungen mäandert die Geschichte wieder einmal, hat mehrere sehr überraschende Wendungen und eine ungewöhnliche Auflösung. Natürlich, was wäre an Fred Vargas nicht ungewöhnlich. Es tritt auch eine Figur auf, die eigentlich in eine andere Reihe gehört: ein Archäologe. Vargas selbst ist ja ausgebildete Archäologin und lässt ihre beiden Krimiuniversen, jenes um Adamsberg und das andere einander immer wieder gerne überlappen.


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Neuer Aufbruch in der Literaturweltreise

In  den letzten Wochen hatte ich wirklich viel Zeit zum Lesen. Nachdem der F und ich beide sehr gerne und sehr viel lesen, haben wir auch immer genügend „Material“ herumliegen und so bin ich wieder zu einer etwas intensiveren Phase der Literaturweltreise aufgebrochen. Das letzte Quartal des Jahres bei Yvonne ist ja noch nicht vorbei.

Xiaolu Guo

„Es war einmal im Fernen Osten“

Es ist die Autobiographie einer chinesischen Autorin und Filmemacherin, die heute in Berlin lebt und in den 1970er Jahren in Südchina aufgewachsen ist.

„Ich kam als Waise zur Welt. Nicht, weil meine Eltern gestorben waren, nein, sie waren beide quicklebendig. Doch meine Eltern haben mich weggegeben. (…) Gleich nach meiner Geburt wurde ich zu einem Bauernpaar gebracht, das in einem entlegenen Bergdorf unserer Provinz am Ostchinesischen Meer lebte“ p.19

Aber auch diesen „Adoptiveltern“ wird das Baby zur Belastung und so bringen sie sie zu ihren Großeltern in ein Fischerdorf auf der Halbinsel Shitang. Dort wächst Xiaolu auf bis ihre Eltern sie zu sich in eine größere Stadt holen.

Besonders eindringlich fand ich die Schilderung der Großmutter und deren sklavenähnlichen Lebens im Haus ihres Mannes :

„Meine Großmutter war eine gute, manchmal ein wenig ängstliche Frau. Obwohl sie fast nie einen Pfennig in der Tasche hatte, schaffte sie es immer, ein paar kleine Geschenke für die Kinder, die draußen auf der Straße spielten, zusammenzukratzen: Bonbons, Reisreste oder eine Handvoll bunter Muscheln. Sie war gutmütig, still und der bescheidenste Mensch, der mir jemals begegnet ist. Ich bildete mir ein, dass ihr Buckel eine Folge dieser Demut war. Er machte sie langsam, sie konnte noch nicht einmal in einem normalen Tempo gehen. Natürlich spielten dabei auch ihre winzigen, gebundenen Füße eine Rolle, über die sie sich aber nie beklagte“ p. 29

Als 7jährige lernt sie ihre Eltern kennen und lebt von da an mit Eltern und Bruder in Wenling, wo sie 1980 eingeschult wird. Ihre Erinnerungen an ihre Kindheit sind nicht allzu gut, für westliche Leser*innen aber höchst interessant. Ihre Mutter war eine begeisterte Rotgardistin, ihr Vater dagegen ein „Klassenfeind“. Dieses – zumindest für meine Begriffe – ungewöhnliche Paar hat einen Sohn und eine Tochter, die sehr verschieden behandelt werden und einander auch nicht mögen. Die Familie wohnt in einem kommunistischen Wohnhof, dessen Beschreibung allein es schon wert gewesen wäre das Buch zu lesen.

Aus diesen Verhältnissen heraus gelingt es Xiaolu einen Studienplatz an der Filmhochschule in Peking zu ergattern. Während sie noch in china lebt, beginnt sie zu schreiben. Fasziniert hat mich auch ihre Beschreibung der chinesischen Zensur ihrer Romane, was warum geschrieben werden soll oder nicht geschrieben werden darf.

Der Roman beginnt damit, dass Xiaolu 2013 mit 40 Jahren in einem Londoner Krankenhaus eine Tochter zur Welt bringt und dann beschließt sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ihre Mutter in China zu besuchen.


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Sauerteig und Philosophie

Ein sehr ungewöhnliches Buch, es ist weder ein Bildband, noch ein Kochbuch oder eine Kulturgeschichte des Sauerteigs, es ist alles gemeinsam. Geschichten rund um den Sauerteig an vielen Orten, von vielen Menschen. Geschichten aus der Geschäftswelt und aus dem Kloster. Schöne Bilder, verschiedenste Rezepte und Philosophie rund um den Sauerteig. Der Starter für den Sauerteig, höchst einfach zu machen, ist nicht gerade ewig aber doch äußerst langlebig und bietet das Grundmaterial für vielfältigste Brotsorten.

Das Buch hat mich so inspiriert, dass ich auch gleich einen Sauerteig angesetzt habe. Faszinierend, dass eine Mischung aus nichts anderem als Mehl und Wasser aufgeht, Bläschen bildet, gewissermaßen lebendig wird. Der erste Ansatz bekam den Namen Seneca. Er war zunächst sehr gut unterwegs, ist schnell und hoch aufgegangen, dann aber leider – warum auch immer – wieder zusammengefallen und ich musste sein Leben beenden. Mein zweiter ist nun gerade 35 Stunden alt. Man sieht ihn unscharf aber doch auf dem Foto. Er ist ungefähr doppelt so hoch wie gestern und  hat viele Bläschen gebildet. Wir nannten ihn Epikur in der Hoffnung, dass er weniger stoisch und vitaler als Seneca sein würde.