Kategorie: BILDER

Mittwoch 7. Dezember 2022 – Kunst und Gewalt

Meine Begeisterung fürs Zugfahren ist heute etwas gedämpft worden. Vorige Woche als ich aus Linz zurückkam, war der Zug voll und viele Leute sind gestanden. Heute war es schlimmer, denn ich war selbst unter denjenigen, die gestanden sind, eine gute halbe Stunde. Das Ambiente im Zug war eigentlich sehr nett, aber trotzdem…

Die Ausstellung, die ich mir in Krems angesehen habe, war sehr interessant und entschädigend für die unbequeme Art der Hin- und Rückfahrt. Heute kann ich mir die vollen Züge durch den morgigen Feiertag erklären. Es waren viele Schüler*innen mit Koffern unterwegs, die wahrscheinlich über ein verlängertes Wochenende nachhause fahren.

Eine Menge Bilder habe ich gesehen, viele Einflüsse erkannt, viele Besonderheiten kennengelernt. Ich muss meine Eindrücke ein bisschen sortieren und in Zusammenhänge bringen. Vielleicht muss ich mir auch erst vorher noch die Pasquiat-Ausstellung ansehen, die in den Themenkreis hineinpasst. Zwar zieht mich Pasquiat nicht besonders an, aber ich möchte trotzdem Original-Bilder von ihm sehen.

Der Aufenthalt auf zugigen, eiskalten Bahnsteigen in Erwartung überfüllter Züge wird nicht zu einer Lieblingsbeschäftigung werden, aber auch dort gibt es immer wieder Sehenswertes. Eine gut gemachte Kampagne finde ich, die darauf setzt, dass Männer andere Männer davon abhalten könnten gewalttätig zu werden. In Österreich haben wir ja traurige Rekorde an Frauenmorden und -vergewaltigungen.

Kunst und Psychiatrie

Kürzlich war ich in der Albertina um mir die Skulpturen von Tony Cragg anzusehen ( hier und hier ) und habe bei dieser Gelegenheit auch noch eine andere Ausstellung durchwandert. Dort gab es Art Brut aus Gugging zu sehen.

Das Haus der Künstler in Gugging ist eine vollbetreute Wohneinrichtung für Kunstschaffende mit Psychiatriehintergrund oder Behinderung. In der Wohneinrichtung wird die Basis für die künstlerische Tätigkeit der Bewohner geschaffen. Im Haus der Künstler und besonders im offenen Atelier werden Kunstschaffende individuell im schöpferischen Prozess unterstützt und gefördert. Das museum gugging und die galerie gugging bieten die Infrastruktur für einen den Kunstschaffenden und deren Werken entsprechenden professionellen Ausstellungsbetrieb.
Das Jahr 1954 markierte den Beginn der Entstehung von Bildwerken in der damaligen psychiatrischen Klinik Heil- und Pflegeanstalt Gugging: Der Psychiater Leo Navratil führte mit seinen Patienten spezielle Zeichentests zu diagnostischen Zwecken durch. Angeregt dazu wurde er durch die Auseinandersetzung mit der Methode „Personality projection in the drawing of a human figure: A method of personality investigation“ der amerikanischen Psychologin Karen Machover aus dem Jahr 1949. Navratil wurde überrascht von der Kreativität und dem künstlerischen Potenzial einzelner seiner Patienten.

Nachdem Navratil im Rahmen seiner Korrespondenz mit Jean Dubuffet, unter anderem der Begründer des Terminus „Art Brut“, zwei Radierungen von Johann Hauser an Dubuffet geschickt hatte, erwuchs Dubuffets Interesse an den Kunstschaffenden in der Anstalt in Gugging. In weiterer Folge kam es zur Zuteilung der Werke aus Gugging und der Kategorisierung zur Art brut durch Dubuffet selbst. Werke aus Gugging wurden ab diesem Zeitpunkt verstärkt innerhalb dieser Zuschreibung rezipiert, die im wissenschaftlichen Diskurs fortlaufend kritisch diskutiert wird.

Die erste Ausstellung von Kunst aus Gugging: „Pareidolien“

Im Jahr 1970 fand die erste Ausstellung von Kunstwerken aus Gugging statt. Schauplatz war die Galerie nächst St. Stephan im Stadtzentrum Wiens. Der Titel der Ausstellung lautete: „Pareidolien. Druckgraphik aus dem Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Klosterneuburg.“ Gezeigt wurden 84 teilweise kolorierte Radierungen. Die Ausstellung war ein öffentlicher Erfolg. Das Interesse der Medien sowie der Besucherandrang waren hoch. 500 Blätter der gezeigten Graphiken wurden verkauft. Unter anderem erfolgte ein Ankauf von Werken aus Gugging durch die Albertina Wien.

Quelle: Zusammenfassung aus Wikipedia

Alois Marksteiner (1928 – 2000 war der Klinikdirektor, der die künstlerischen Entwicklungen ermöglichte. Er hatte seit seinem Studienabschluss 1954 in Gugging gearbeitet.

Jean Dubuffet, unter anderem Begründer des Terminus Art brut kategorisierte selbst die Werke aus Gugging unter Art Brut nachdem er Radierungen von Johann Hauser gesehen hatte. Werke aus Gugging wurden ab diesem Zeitpunkt verstärkt innerhalb dieser Zuschreibung rezipiert, die im wissenschaftlichen Diskurs fortlaufend kritisch diskutiert wird.

Quelle: Wikipedia

Sie ist da!

Wer? die Kaltfront, die Abkühlung, der Regen. Leider genügt ja ein Tag nicht, um die zu warme Luft aus der Wohnung rauszukriegen, auch nicht bei Fenster und Türen in drei Himmelsrichtungen, aber wir tun unser Bestes.

Diesen wunderbaren kühlen Nieselregentag habe ich dazu genützt um ins Atelier zu stürmen. Mein Bild „sieben Tore“ steht nun schon seit vielen Wochen auf der Staffelei und wartet auf seine Fertigstellung. Jedes Mal denke ich, dass ich nun die Richtung habe, aber dann komme ich ein paar Tage später zurück und finde, dass es so doch auch wieder nicht passt. Erfahrungsgemäß bin ich irgendwann zufrieden, aber diesmal dauert es wirklich sehr lange.

Drei oder maximal vier Stunden hält die kreative Phase bei mir. Dann geht nur noch Grundieren oder Pinsel auswaschen oder Ähnliches. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber wenn bei mir der Fluss aufhört, geht es einfach nicht mehr, ich sehe keine Strukturen mehr, der Blick ist einfach weg. An und für sich ein deprimierender Zustand, wenn ich nicht wüsste, dass der Fluss und der Blick wiederkommen. Zwar nicht unbedingt dann, wenn ich sie haben möchte aber doch meistens zum richtigen Zeitpunkt.

Freitag 20.Mai 2022 – Leider Lieblingsthema

Schon begonnen hat die Zeit zu der ich jeden Weg danach aussuche, ob er im Schatten oder in der Sonne liegt. Daraus ergeben sich manchmal auch neue Wege, die ich gar nicht kenne, obwohl ich regelmäßig dicht daran vorbeikomme. Für den Weg ins Atelier bieten sich auch Möglichkeiten von brennend heiß bis einigermaßen beschattet. Die Glastüren des Ateliers selbst werden von einem sehr großen Baum beschattet, der ab dem frühen Nachmittag die Sonne in Schach hält. Glücklicherweise, denn so bleibt das Innere einigermaßen kühl. Leider bin ich in Sommerzeiten extrem auf die Hitze fokussiert, die zum sehr wichtigen bis bestimmenden Faktor bei allem und jedem wird.

Heute bin ich zum Miksang-Fotografieren mit anschließender gemeinsamer Bildbetrachtung verabredet, bis zu 33 Grad sind vorhergesagt. Es ist noch nicht ganz so schlimm, weil die Stadt noch nicht aufgeheizt ist, aber mir reicht es völlig. Jedenfalls werde ich mich sehr bemühen den Nachmittag und Abend trotzdem zu genießen. Wenn man sich allerdings bemühen muss um zu genießen ….

Ich war in letzter Zeit selten im Atelier, weil einfach nicht alles gleichzeitig geht, wenn ich das auch gerne hätte, aber gestern ging es wieder einmal. Der D. hat sich erkundigt, ob es mich eh noch gibt und ob ich nicht im Sommer nach Irland kommen möchte. Daraus ist für mich ein Plan entstanden, im Herbst nach Irland zu fahren. Falls sich nicht die erwartete herbstliche Coronawelle wieder gewaltig aufbaut. Man wird sehen.

Der D hat inzwischen zwei neue Portraits angelegt und überlegt, ob er nicht in Irland bei einer Landschaftsmalerin Unterricht nehmen soll. Mein Tore-Bild, das schon lange unfertig herumsteht, verändert und entwickelt sich wieder. Fertig? Aber doch noch lange nicht …

Montag 15.April 2022 – Kreativer Nachmittag quasi im Wasser.

Die ältesten Jeans mit einem dreiviertelkaputten Umschlag, die schäbigsten sneakers, die bei einem Farbfleck nur kühl lächeln würden, ein Malhemd, das ohnehin schon so voller Farbflecke ist, dass es auf ein Dutzend weiterer nicht ankommt und ab ins Atelier.

Vor der Tür in der Wiese sehe ich, dass eine von den Primeln, die ich im Vorjahr gepflanzt habe ganz wider Erwarten nicht nur überlebt hat, sondern ganz lieblich lila blüht. Vielleicht vermehren sie sich auch, wer weiß.

Ausnahmsweise habe ich die letzten Male einen Arbeitstitel für ein Bild gewählt. Es sollte „die sieben Tore der Weisheit heißen“ und auch eine Blümchenwiese beinhalten. Die fröhlichen Bilder widersetzen sich mir aber immer. Die sieben Tore der Weisheit sahen zwischenzeitlich eher wie Ragnarök oder sonst ein Weltuntergang aus. Dann habe ich sie etwas gezähmt und jetzt bin ich gespannt, was morgen daraus wird.

Ein kleiner Eindruck kurz nach dem Ragnarök-Stadium, das ganze Bild ist viel größer und noch lange nicht fertig. Falls überhaupt irgendeines meiner Bilder jemals fertig wird.

Es macht einen Unterschied

… ob man Objekte in der Natur vorfindet und sie genauso fotografiert, wie sie liegen/stehen/hängen etc oder ob man sie komponiert. Ich mag das Komponieren nicht allzu gerne, aber nachdem diese Objekte schon sehr lange herumliegen und ich sie auch nicht nebeneinander gefunden habe, muss es halt so auch gehen.

Gescheitert oder verschoben?

So genau kann ich das noch nicht sagen. Hier sieht man eines der Objekte, aus denen im vergangenen Sommer ein Projekt werden sollte, ein Zeichen- oder Malprojekt. Die Objekte liegen nun aber schon seit Monaten im Atelier herum. Nachdem der D, mein Atelierskollege gerade für ein Monat in Irland ist, wäre es ein sehr geeigneter Zeitpunkt um ein Projekt zu beginnen oder wieder aufleben zu lassen. Aber wann tue ich Dinge schon zum geeigneten Zeitpunkt?

Andererseits können auch zu ungeeigneten Zeitpunkten interessante Dinge entstehen. Zum Beispiel wenn der D wieder einmal gefühlte siebzehn Modelle eingeladen hat. Sein neuestes Projekt, aus dem aber wahrscheinlich eh nichts werden wird, ist es, ein Podest zu bauen, auf dem seine Modelle sitzen sollen.

Trotz

Manche Bilder lassen sich nicht malen. Diese beiden weigern sich seit Monaten. Nicht nur habe ich sie schon gefühlte zwanzig Mal völlig verändert, sie wollen auch auf gar keinen Fall zusammen gehören.

Ursprünglich hatte ich eine Darstellung des Dharma im Sinn. Daraus ist nichts geworden. Über x Zwischenstufen haben sie sich immer wieder verändert, doch konnte ich einfach nicht erkennen, ob sie nun fertig sind oder nicht. Sie bleiben also weitere Monate am selben Platz stehen, jedes Mal wenn ich ins Atelier komme, sehe ich sie da stehen und denke „was mache ich mit euch?“ Leider antworten sie nicht. Unsere Kommunikation beschränkt sich darauf, dass sie mir mitteilen, was sie nicht wollen.

Wenn ich sie mir jetzt so ansehe, könnte ich sie „Krieg“ nennen und sie würden plötzlich doch zusammenpassen …

Nicht sehr heiter

Das ist ein altes Bild, das weder mit Covid noch mit der Ukraine zu tun hat. Je nach Beleuchtung sieht es ziemlich verschieden aus, aber beide „Versionen“ falls man sie so nennen kann, denn es ist ja ein und dasselbe Bild, sind wenig fröhlich.

einmal vor einer Fensterscheibe also mit Licht von hinten
und einmal im Freien

Sonntag 9. Jänner 2022 – Trennung im Atelier

Bis jetzt waren wir zumindest theoretisch ein Dreiergespann: Der D, die A und ich, wobei die A. in dem ganzen Jahr, in dem wir das Atelier schon haben, nur ein einziges Mal dort war. Tja, nun es ist soweit und sie verlässt uns. Es war natürlich zu erwarten. Mit fünfzig ein erstes Kind zu bekommen, ist an sich schon keine Kleinigkeit auch ohne ein aufwändiges Hobby wie das Malen. Sie hat den Aufwand der Betreuung eines Kleinkinds einfach völlig unterschätzt und ein ganzes Jahr lang die Miete für das Atelier mitgezahlt ohne irgendeinen Nutzen davon zu haben.

Zwar war ursprünglich vereinbart, dass sie sich für zwei Jahre verpflichtet, aber ich bin ihr absolut nicht böse, wenn sie jetzt aussteigt und der D wohl auch nicht. Ich finde, sie hat sich durchaus fair verhalten. Wir werden die Miete durch zwei statt durch drei teilen und nicht jemand dritten suchen. Eigentlich ist ja für drei aktive Benutzer des Ateliers ohnehin kein Platz, zumal der D ja praktisch immer Modelle einlädt.

Es tut mir leid, dass die A nicht einsteigen kann. Wir haben ähnliche Pläne und Vorstellungen Mit dem D verstehe ich mich menschlich sehr gut, aber wir sind malerisch auf ganz anderen Wegen unterwegs und können einander nicht viel brauchbares Feedback geben.

Ach, alles frisch gestrichen und geputzt und noch ganz leer. Da hat sich doch einiges verändert

Und dann habe ich gestern auch dieses unfertige Bild ins Atelier befördert

Die Details gefallen mir sehr gut, aber wie aus diesen Einzelbereichen auf der riesigen Leinwand ein zusammenhängendes Bild entstehen soll, ist mir noch nicht klar.

Immerhin habe ich schon mal die Richtung gefunden und ich habe eine vage Vorstellung, wie ich die Einzelteile verbinden könnte, aber noch eine sehr vage. Ich werde mir das zukünftige Bild wohl noch eine Weile ansehen und es wirken lassen und dann wird (hoffentlich) der Tag kommen, an dem ich die entscheidenden Linien und/oder Flächen hinzufügen werde. So sieht es jetzt aus: