Kategorie: BILDER

Atelier – Übermalbild 3 – die Verwandlung

Ein altes Bild, von dem es kein Foto gibt, soll verändert werden, also übermalt. Ich überlegte hin und her und erinnerte mich an Gerdas Kommentar, dass sie, wenn sie übermalt, ganz übermalt, weil alles andere eine zögerliche Angelegenheit ist. „Recht hat sie“ dachte ich und außerdem hatte ich Lust auf richtiges Anstreichen. Das Bild bekam also einen durchgehenden hellblau-türkisen Anstrich.

Dann lies ich die Strukturen aus dem Bild herauskommen, markierte sie ein bisschen mit Kohle und stellte fest, dass so manches dem darunter liegenden, übermalten Bild nicht so unähnlich war. Nach vielem Drehen entstand eine erste Version, an der mir der weiße Teil zunächst sehr gut gefiel. Dann fand ich den Hintergrund zu hell und aus zwei „Fenstern“ wurde eines. Nun sah das ganze einem Schuh zu ähnlich.

Das menschliche Gehirn bemüht sich ja immer, aus dem was es sieht, Bekanntes heraus zu lesen. Wenn ein abstraktes Gebilde ungewollt starke Assoziationen zu einem Objekt hervorruft, ist das nicht unbedingt ideal. Weiteres Drehen war angesagt, dann fand ich die Position mit der ich zufrieden war

Das Bild war mir aber zu blaß und zu unbelebt um nicht zu sagen fad. Ich habe hier mit Gouache gemalt. Ich mag sie sehr, aber sie kommt in der Leuchtkraft nicht an Öl heran. Ich arbeitete also an der Belebung und hier ist das Endergebnis.

Atelier – Übermalbild 2

Diese beiden kleinen Bilder empfand ich als absolut verhunzt. Sie sind in einem Kurs entstanden, dessen Leiterin eine Bastelphase hatte und sämtliche Leinwände mit Seidenpapier beklebte. Dazu hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Zugang und klatschte lustlos irgendwelche Papiere irgendwie auf eine möglichst kleine Leinwand. Das Ergebnis sah entsprechend aus. Von diesem Zustand gibt es kein Foto, weil ich nicht angenommen habe, dass daraus jemals irgendetwas wird, was ich in einem Foto festhalten wollte.

Die beiden Ungeliebten waren weiß und ich beschloss an ihnen wenigstens zu üben, wie man mit Ölfarbe umgeht. Sie wurden also orange und schwarz übermalt und dann laaange zum Trocknen aufgestellt. Das Ergebnis fand ich nichtssagend. Nachdem mein Generalplan aber lautet aus jeder vorhandenen Leinwand etwas zu machen, zwischen „naja“ und „gefällt mir sehr“, ging ich in die Offensive mit dem Gedanken „wenn ich das blöde Seidenpapier nicht entfernen kann, dann klebe ich halt noch viel mehr darüber“

Das sah dann so aus und gefiel mir auch nicht

Also noch mehr schwarzes Seidenpapier, ein Stück oranges Papiergewebe fand auch noch seinen Weg auf das Bild. Inzwischen hatte ich gerade einen gewissen, kleinen Zugang zu Materialmix. Und viel Weiß. Das brachte mir auch die Beantwortung meiner Frage, ob man mit Ölfarbe lasieren kann: nicht so gut wie mit Farben auf Wasserbasis aber doch.

So sieht das Endergebnis aus. Der F meinte, es wäre ein geeignetes Cover für ein Science Fiction Buch …

Detail

Jedenfalls freut es mich, dass sich mein Generalplan „aus allem etwas machen, was mir zumindest einigermaßen gefällt“ bisher verwirklichen ließ. Es ist sehr ermutigend, dass aus einem Produkt, dass ich so absolut scheußlich fand, etwas geworden ist, mit dem ich ganz gut leben kann. Ich habe da ja noch etliche Kandidaten für tiefgreifende Veränderungen.

Atelierbild Nummer 3

Es ist mein drittes und vorläufig letztes Bild, das ich ohne jeden Plan mit weißer Strukturpaste angelegt und dann wochenlang immer wieder angestarrt habe um zu sehen, was denn aus dieser Leinwand heraus will

Ich entschied mich für rot-grün, das sind Gegenfarben, die einander zum Leuchten bringen. Ein leuchtendes Bild sollte es werden. Die Leinwand bekam rote Farbe, ein richtiges signalrot über die Strukturmasse, grün hatte ich als Hintergrundfarbe gewählt, war mir aber über die Grünschattierung noch nicht schlüssig. Grün ist neben Grau die Farbe mit den meisten Schattierungen, da kann man lange probieren und übermalen, aufhellen und abdunkeln ….

Zuerst gefielen mir die im Rot durch die Strukturmasse und durch vieles Farben-laufen-lassen erzeugten Muster. Dann fand ich das ganze zu rot und zu unstrukturiert, daher bekam es mehr grün und Strukturen, die an Blätter erinnern sollten, mir aber nach kurzem überhaupt nicht mehr gefielen. Die Vorstellung einer Pflanzenmasse hielt nicht lange auch wenn mich die rechte Seite heftig an eine Tulpe erinnerte. Es sollte aber kein Blumenbild werden.

Inzwischen verschwanden die roten fließenden Muster, die mir so gut gefallen hatten auch immer mehr. Ich hatte den Eindruck, dass es mir nicht gelingen würde aus dieser rot-grünen Masse ein zusammenhaltendes Bild zu bekommen. Wenn ich mir das zweite Bild jetzt so ansehe, denke ich, dass es vielleicht doch auch in die Richtung „Pflanzen“ Möglichkeiten gegeben hätte

Langsam, nachdem das Bild wochenlang herum gestanden war, nahm die Sache Gestalt an. Eine Spur Blau kam dazu und die schwarze Figur, die mich langsam darauf brachte, worum es in diesem Bild ging.

Der zweite schwarze Umriss war als Gegengewicht zum ersten auf der Diagonalachse gedacht, gefiel mir aber bald nicht mehr. Ich sollte beim Malen nicht denken. Die letzten Reste der fließenden roten Muster passten jetzt auch nicht mehr und wurden übermalt. Es fällt mir immer sehr schwer, mich von Details zu trennen, die mir zwar gefallen, die das Gesamtbild aber nicht voranbringen.

Und so sieht das Bild derzeit aus. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob es fertig ist. Was man allein schon daran sieht, dass ich es noch nicht signiert habe, das mache ich nur, wenn ein Bild so weit ist, dass ich es loslassen kann …

Donnerstag 23.April – Ateliergeflüster

Heute habe ich Ds absolute Teamunfähigkeit so richtig kennengelernt. Abgesehen von riesigen Kartons, in denen die Neuerwerbungen angekommen sind, fand ich im Atelier dieses total überdimensionierte Stück vor. Der D will offenbar unser stilechtes Bohème-Atelier in ein Schrebergartenhaus verwandeln ! Wenigstens einen kleinen Hinweis vorher auf seine Pläne, aber nix!
Nachdem ich mich – zwar aus sehr guten Gründen aber dennoch – nicht am Ausmalen des anderen Raums beteiligt habe, ist meine moralische Position leider etwas geschwächt. Trotzdem, hätte er mich vorher gefragt, hätte ich zu dem Ding „nein“ gesagt. Die beiden Sessel, die die A gespendet hat, gefallen mir ganz gut, aber der Rest… Er hat aber nun mal weder mich noch die A gefragt und jetzt haben wir das Trumm da stehen. So was nenne ich „vor vollendete Tatsachen stellen“ und mir fallen auch noch ein paar unschönere Ausdrücke dafür ein.
Die Lebenserfahrung hat mich davon abgehalten sofort zum Telefon zu greifen und ihm womöglich die unschöneren Ausdrücke an den Kopf zu werfen. Mittlerweile hat der D angefragt, wie ich unseren neuen Konferenztisch finde. Meine schriftliche Antwort habe ich dem F gezeigt der deutlich diplomatischer ist als ich.

Abgesehen von diesem Monster hat der D auch noch einen Tischkühlschrank gekauft und einen wirklich genialen Platz dafür gefunden. Er ist ja an und für sich beim Einrichten wirklich gut und ich habe jetzt – so hoffe ich – freundlich aber sehr deutlich darauf hingewiesen, dass es mir sehr wichtig ist, noch genügend Platz für Bilder-Stauraum zu haben.

Gute Neuigkeiten gibt es auch. Eine gemeinsame Freundin, die ziemlich in der Nähe des Ateliers wohnt, hat sich mit großer Begeisterung als Babysitter für As Baby angeboten wodurch A mit dem Malen wieder einsteigen könnte. Das wäre ein Beispiel für eine absolute win-win-Situation.

Ich werde also -mit guten Erfolgsaussichten – versuchen mich über das Ding auf dem Foto nicht weiter zu ärgern.

Zur Abrundung

Ein Hinweis (Danke an Resi), schwarze Striche weg, weiße hin und der untere Strich nach links gezogen und voilà, es ist fertig. Verblüffend, was so ein kleiner Strich verändert.

Atelierbild 2

An diesem Bild habe ich monatelang gemalt. Nicht ununterbrochen, es ist immer auch eine Weile herumgestanden. Ich habe es angeschaut und herumgedreht, versucht zu interpretieren und wieder umgearbeitet. Es ist durch sehr viele Stadien und Schichten gegangen.

Ich nenne es jetzt „Versinkende Insel“
Über die schwarzen Kohlestriche vorne verhandle ich noch mit mir. vielleicht bleiben sie so, vielleicht kommen sie weg, vielleicht werden sie weiß. Ich habe mir vor kurzem weiße Kreidestifte gekauft. Das wunderbare an Kreide oder Kohle ist, dass man sie spurlos beseitigen kann solange sie nicht nass wird.

Die „Galerie“ ist also doch eine Block-Art mit der ich gelegentlich etwas anfangen kann

Atelierbild, übermalt Nr.1

Ein altes Bild, mit dem ich sehr unzufrieden war. Das ist schon eine mehrmals geänderte Version, an der ich ausprobiert habe, ob und wie man Gouache und Öl mischen kann. Das eigentliche Problem war und ist, dass ich keine Verbindung mehr mit dem Bild habe. Es ist etliche Jahre alt und ich kann mich nicht mehr hineinversetzen.

Ich habe es farblich gedämpft, viele Male weiß lasiert ein paar Kohlestriche drübergelegt. Es hat sich verändert, sieht jetzt anders aus, aber ich habe immer noch keine Verbindung dazu. Auch keinen Namen. Das namenlose Bild …

Ich habe noch nicht den Eindruck, dass es fertig ist. Zuerst wird es eine Weile herumstehen, vor dem weißen Holz sieht es nicht schlecht aus. Vielleicht kommt es dann nochmals dran. Ich habe viele alte Bilder, die für eine Umgestaltung oder Übermalung in Frage kommen. An welchem ich arbeite, ist meist eine spontane Entscheidung.

Der gelbe Mann – Atelierbild Nr.1

Der gelb-goldene Mann ist das erste Bild, das im neuen Atelier fertig geworden ist.

Drei Bilder habe ich in den ersten Dezembertagen im Atelier mit weißer Strukturpaste „angelegt“, wobei „angelegt“ die Sache nicht so richtig trifft, denn ich hatte keinen Plan, was daraus werden würde.

Der Bildtitel ist „Soldat“. Warum das so ist, erläutere ich hier nicht, das ist sehr persönlich. Tatsächlich habe ich – unerwarteterweise- sehr viel Emotion in dieses Bild gesteckt. Der gelb-goldene Mann entstand folgendermaßen:

Weiße, grobe Strukturmasse gemischt mit gelber Gouache-Farbe und Goldpigmenten mit Schwung aber ohne bewussten Plan  aufgetragen. Leider habe ich da nur ein Detail fotografiert auf dem man noch gar kein Gelb sieht.

Daraus entstand eine …… Abbildung, die noch völlig unbestimmt war, ein Bild-Embryo gewissermaßen. Ob er ebenso wie ein Embryo schon alle Information zu seiner weiteren Entwicklung enthielt, kann ich nicht sagen. Ich hatte diese Informationen jedenfalls nicht bewusst. Das Bild stand an die Wand gelehnt, wochenlang, und immer wieder drehte ich es in alle Richtungen und „überlegte“, was auch nicht das richtige Wort ist, wie ich weitermachen sollte. Irgendwann stellte ich es in eine bestimmte Richtung und malte weiter im Detail daran.

Aber mitten drin fand ich, dass es doch die falsche Ausrichtung war, stellte es auf den Kopf und so war es richtig. Es hat sich schon noch mehr verändert als man hier sieht, Teile der Figur sind im Grau verschwunden, ich habe das nur nicht im Detail dokumentiert.

Nun war die Frage offen, was auf der rechten Seite passieren sollte. die Kohlestriche, die man hier sieht, waren da noch nicht vorhanden. Die gelbe nunmehr Figur ist übrigens auch ein bisschen mit Kohle bearbeitet. Weitere Tage stand das Bild an der Wand und schaute mich an. Dann kam die Idee, dass es irgendeine Art von Tor werden sollte und ich machte die Kohlestriche.

Nun blieb die Entscheidung zu treffen, welche Farbe(n) das Tor bekommen sollte. Noch etwas Ruhiges wie das Grau um die gelbe Figur zu dämpfen. eigentlich wollte ich sie aber gar nicht dämpfen, sie sollte die pure Energie vermitteln. An sich wird Gelb immer stärker je weniger davon zu sehen ist, aber ich mag das Gelb-Gold-Grau sehr gerne. Und so beschloss ich noch einen Punkt Energie draufzusetzen und es wurde rot. Das „Tor“ ist auch auf der rechten Seite weiß lasiert, vielleicht mache ich das mit den anderen weißen Teilen auch noch. Ich könnte auch das rot einschmelzen und das Tor weiß lassen. Meine Bilder sind nie fertig …

Die Kohlestriche müssten fixiert werden. Ich kann aber diese Fixiersprays nicht leiden, daher fixiere ich die Kohle nur mit Wasser, was ich sehr reizvoll finde, weil die Linien dadurch leicht verwischt werden. Besonders haltbar ist das nicht, aber man kann es dafür jederzeit erneuern.

Gestern, als ich ein anderes Bild fertig machte, hatte ich den angenehmen Gedanken, dass ich mich freigeschwommen hätte.

Eigentlich passt dieses Gold-Grau auch zu dem gold-grauen Foto in der Impulswerkstatt, daher stelle ich es auch dorthin