Kategorie: BILDER

Sonntag 9. Jänner 2022 – Trennung im Atelier

Bis jetzt waren wir zumindest theoretisch ein Dreiergespann: Der D, die A und ich, wobei die A. in dem ganzen Jahr, in dem wir das Atelier schon haben, nur ein einziges Mal dort war. Tja, nun es ist soweit und sie verlässt uns. Es war natürlich zu erwarten. Mit fünfzig ein erstes Kind zu bekommen, ist an sich schon keine Kleinigkeit auch ohne ein aufwändiges Hobby wie das Malen. Sie hat den Aufwand der Betreuung eines Kleinkinds einfach völlig unterschätzt und ein ganzes Jahr lang die Miete für das Atelier mitgezahlt ohne irgendeinen Nutzen davon zu haben.

Zwar war ursprünglich vereinbart, dass sie sich für zwei Jahre verpflichtet, aber ich bin ihr absolut nicht böse, wenn sie jetzt aussteigt und der D wohl auch nicht. Ich finde, sie hat sich durchaus fair verhalten. Wir werden die Miete durch zwei statt durch drei teilen und nicht jemand dritten suchen. Eigentlich ist ja für drei aktive Benutzer des Ateliers ohnehin kein Platz, zumal der D ja praktisch immer Modelle einlädt.

Es tut mir leid, dass die A nicht einsteigen kann. Wir haben ähnliche Pläne und Vorstellungen Mit dem D verstehe ich mich menschlich sehr gut, aber wir sind malerisch auf ganz anderen Wegen unterwegs und können einander nicht viel brauchbares Feedback geben.

Ach, alles frisch gestrichen und geputzt und noch ganz leer. Da hat sich doch einiges verändert

Und dann habe ich gestern auch dieses unfertige Bild ins Atelier befördert

Die Details gefallen mir sehr gut, aber wie aus diesen Einzelbereichen auf der riesigen Leinwand ein zusammenhängendes Bild entstehen soll, ist mir noch nicht klar.

Immerhin habe ich schon mal die Richtung gefunden und ich habe eine vage Vorstellung, wie ich die Einzelteile verbinden könnte, aber noch eine sehr vage. Ich werde mir das zukünftige Bild wohl noch eine Weile ansehen und es wirken lassen und dann wird (hoffentlich) der Tag kommen, an dem ich die entscheidenden Linien und/oder Flächen hinzufügen werde. So sieht es jetzt aus:

Donnerstag 6.Jänner 2022

Seit vor Weihnachten war ich heute das erste Mal wieder im Atelier. Das ging nur, weil der F mich hingeführt und wieder abgeholt hat. Es ist zwar nicht weit, aber das ist eben sehr relativ. Glücklicherweise funktioniert die Heizung wieder, denn es soll nun viel kälter werden.

Ich habe die Gelegenheit mit dem Auto unterwegs zu sein genutzt um eine Menge großer Bilder bzw Leinwände ins Atelier zu befördern. Wir haben ja dort noch keine Regale, der Platz wird langsam eng, auch der D hat viele zu lagernde Leinwände und so habe ich meinen Claim abgesteckt.

Vor zwei Jahren habe ich an einem Sommer-Malkurs teilgenommen. Er fand in einem alten Kloster statt und wir hatten sehr viel Platz. Das Ergebnis war viel Freude und das Erlernen diverser Techniken aber auch mehrere sehr große Bilder, die nicht wirklich fertig sind. Nun muss ich zunächst entscheiden, welche ich noch weiter bearbeiten möchte und welche nicht.

Kandidat Nr. 1 ist dieses Bild, zu dem mir auf den ersten Blick gar nichts einfällt. Ich denke, ich beginne einmal damit festzustellen, wo oben und unten ist …..

Modiglianis Hälse

Nachdem ich – wie bereits HIER erwähnt- den Begriff „Primitivismus“ furchtbar finde, fällt bei mir Modigliani unter „Avantgarde“. Eine Bezeichnung, die ich im Zusammenhang mit seinem Werk auch sehr oft gelesen habe. Gemeint ist die künstlerische Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts, deren allgemein bekanntester Vertreter wahrscheinlich Picasso ist.

Die Ausstellung in der Albertina in Wien bietet abgesehen von zahlreichen Werken von Modigliani auch Werke anderer Künstler darunter eben auch Picasso. Schließlich hat Picasso so viel gemalt, dass sich einige Bilder vom ihm in praktisch jedem Museum, das europäische Malerei ausstellt finden lassen.

Ich will hier keine Ausstellungskritik schreiben sondern nur die Punkte erwähnen, die mich besonders angesprochen haben.

Modigliani war auch Bildhauer und hat kleine Plastiken mit extrem reduzierten Gesichtszügen geschaffen. Karyatiden hatten es ihm angetan, von denen er auch viele gezeichnet hat und afrikanische Kleinplastiken und Masken

Eine Plastik, die bei ich weiß nicht mehr welchem afrikanischen Volk vor der Hütte aufgestellt wurde, in der die jungen Männer initiiert wurden. Sie wurden unter Drogen gesetzt und dann den Ahnen vorgestellt. Die Plastiken dienten dazu, bei dieser Gelegenheit die Frauen fern zu halten. Ob das durchgehend gelungen ist, weiß ich nicht, aber irgendwie zweifle ich daran.

Und das ist einer von Modiglianis typischen Köpfen, die auch in seinen Bildern unverkennbar sind, mit langen Hälsen und extrem in die Länge gezogenen Gesichtern und Nasen. Die Kunstkritik sagt, dass durch in die Länge gezogene Figuren und Gesichter ein Eindruck von Spititualität erzeugt wird.

Am oben stehenden Bild und auch am unteren Portrait von Max Jacob sieht man eines von Modiglianis Stilmitteln, das mich fasziniert hat: der Katalog spricht von „totem Blick“. Man sieht keine Augäpfel sondern nur leere Augenhöhlen, die farblich ausgefüllt sind, aber in den verschiedenen Gesichtern ganz andere Wirkungen erzielen.

Man sieht hier auch das strahlende Inkarnat, das Modigliani verwendet. Die Hautfarbe ist keineswegs bei allen Portraits gleich, aber sie leuchtet, auch bei den Aktbildern. Bemerkenswert finde ich auch die wenigen Striche, mit denen er seine Gesichter darstellt, eine Spur von Kubismus haben sie meiner Meinung nach.

Ein weiterer Punkt, der mich fasziniert hat, ist die auch farbliche Beziehung zwischen Hintergrund und Figur. Eines der ersten Bilder, die mir in der Ausstellung aufgefallen sind, ist das folgende. Es sah für mich aus als wäre das Gesicht nur durch ein paar wenige Striche entstanden, die es aus dem Hintergrund herausheben. Die Idee, dass die Substanz des Hintergrunds und jene der Figur sich nicht unterscheiden, hat mich fasziniert. Auch die paar schwarzen Striche im Hintergrund, die das Gesicht halten, waren mir vertraut.

Amadeo Modigliani ist sehr jung, mit gerade 35 Jahren gestorben. Wir werden nicht erfahren, wie sich seine Kunst weiter entwickelt hätte ….

„Primitivismus“ und XIER! und Fortsetzung folgt

Derzeit sind die Museen offen, wer weiß wann sie wieder zusperren müssen und so habe ich mir heute endlich die schon lange geplante Modigliani-Austellung angesehen. Es gibt derzeit in der Albertina noch fünf andere Austellungen, das Kunsthistorische Museum ist auch nicht weit und dort haben sie gerade eine große Tizian-Ausstellung und, und … man könnte in Wien jeden Tag in eine andere Ausstellung gehen, oder in mehrere.

Ich konzentriere mich aber lieber auf einen Künstler bzw auf eine Richtung, denn bei den Ausstellungskurator*innen ist es ohnehin schon seit Jahren üblich zu den Werken eines Künstlers, einer Künstlerin auch andere Werke aus derselben Epoche, derselben Strömung zu zeigen. So auch in dieser Ausstellung. Abgesehen von Zeichnungen, Skizzen, Bildern und Skulpturen von Modigliani gab es auch Werke von Picasso und Brancusi zu sehen sowie afrikanische Masken und kleine Skulpturen aus verschiedenen Ländern. Die Ausstellung hieß „Modigliani, Revolution des Primitivismus“

Was mich immer irritiert, ist der Ausdruck „Primitivismus“. Wenn man bedenkt wie groß der Einfluss afrikanischer und asiatischer Kunst auf die europäische Moderne war. Gut, man kann „primitiv“ auch als „ursprünglich“ interpretieren und behaupten, es wäre gar nicht abwertend. Wenn man aber bedenkt, dass alle menschlichen Völker und Kulturen aus demselben Ursprung hervor gegangen und somit gleich alt sind, leuchtet mir auch nicht ein, warum die einen „ursprünglicher“ sein sollen als die anderen. Sie haben unterschiedliche Entwicklungen genommen, das wohl.

Wirklich heftig fand ich aber den Text, der neben einer Reihe kleiner Skulpturen aus Südostasien zu finden war. Dort wurde deren Kunstfertigkeit gelobt, die schon „vor jeder Berührung mit der Zivilisation“ vorhanden war. Zivilisation so muss man wohl daraus schließen, ist ein europäisches Phänomen. Anderorts spricht man von primitiver Kunst und/oder Gesellschaft.

Das ist ein Gebiet, in dem es wirklich angebracht wäre, das verwendete Vokabular zu überdenken. Anstatt sich abstruse „geschlechtsneutrale“ Personalpronomen auszudenken wie etwa diese:

Eine Zusammenziehung von „sie“ und „er“: sier (sies/siem/sien), Possessivpronomen sieni(r/s), und Artikel/Relativpronomen dier (dies/diem/dien)

Dritte Version: Xier! Als Personalpronomen wären das dann: xier (xies, xiem, xien), Possessivpronomen „xiese_“, als Relativpronomen bleibt „dier“ bestehen.

Die Sylvain-Konvention, ausgehend von einer Experimentierwerkstatt kam 2008 auf „nin“.

Personal wären das dann nin (nims_, nim, nin). Bonus bei der Sylvain-Konvention: Das „neutrale“ Gender bekommt als Bezeichnung „liminal“, um es vom Neutrum abzugrenzen, und es gibt eine neue liminale Wortendung für bestehende Worte. „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“

Würde irgendjemand hier „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“ sagen? Ich jedenfalls nicht. Aber ich schweife ab.

Das ist nun schon ziemlich lang geworden. Was mir nun an der Ausstellung gefallen hat, folgt im nächsten Beitrag (Xiese Beitragx?)

Mittwoch 1.Dezember 2021 – Genau ein Jahr

Unglaublich trist waren die letzten Tage. Finster, sehr kalt, stürmisch, grausliche Nachrichten aus aller Welt. Aber heute gibt es etwas zu feiern: vor einem Jahr haben die A, der D und ich unser Atelier übernommen.

Was die örtlichen Gegebenheiten betrifft, so handelt es sich immer noch um eine Garage und zwei Kellerabteile, die zusammengelegt und mit einer Glasfront versehen wurden. Es laufen nach wie vor jede Menge Leitungen über die Decke, darunter leider auch gelbe. Die Gastherme für unsere Heizung und die Heizung und das Warmwasser im ersten Stock hängt auch noch da, aber immerhin hat es der Vermieter endlich geschafft, einen Kohlenmonoxydmesser anzubringen. Das räumliche ist also nach wie vor sehr bescheiden.

Aber der ideelle Wert! Für mich ist das Atelier nach wie vor ein Ort der Freude und der Inspiration, auch gleichzeitig ein Ort der Kommunikation und der Möglichkeit des Rückzugs. Also der ideelle Gewinn liegt um vieles höher als die Ausgaben. Beim D ist es wohl ähnlich. Er meinte, dass das Atelier ihn während der Lockdowns gerettet hätte. Die A hat noch nichts von sich hören lassen, ob sie nun aussteigt oder nicht wissen wir noch nicht.

Berücksichtigen muss man aber wohl auch, wie glücklich unsere Mitbewohner die zahlreichen Spinnen sind und was für eindrucksvolle Netze sie immer wieder herstellen, da können unsere Bilder nicht mithalten.

Ateliersgeplauder und Männerwelten

„Wie hat denn der A-D der letzte Kurs gefallen?“ frage ich den D. und mache einen energischen grünen Strich. Die A-D ist seine Frau mit der ich auch befreundet bin.

„Äh“ sagt der D und blickt sinnend auf seine Palette „Ich höre ja immer nur mit einem halben Ohr zu, aber ich glaube sie war recht begeistert“.

Na ja …

22.November 2021- 1.Tag vierter Lockdown

Ich möchte hier auf keinen Fall eine Jammerplattform eröffnen. Ich bin sehr froh, im Oktober eine Woche am Atlantik gewesen zu sein und vorige Woche ein paar Tage in der Therme. Dabei habe ich viel Energie , Jod und Salzluft getankt und hoffe mit den geplanten drei Wochen lockdown gut zurecht zu kommen. Das ist zumindest der Plan.

Es hat heute zwar schlecht angefangen, denn meine hochgeschätzte Putzfrau traut sich nicht aus dem Haus, weil sie sich vor Polizeikontrollen fürchtet. Das ist recht absurd, denn sie kann immer sagen, dass sie spazieren geht oder einkaufen, aber ja, ich verstehe das. Sie ist Bosnierin, hat einen Krieg miterlebt und kann die hiesigen Verhältnisse nicht wirklich abschätzen. Sie meinte aus ihrer Erfahrung heraus, dass die ersten Tage die schlimmsten sein würden und sie könnte am Freitag kommen. Wäre mir sehr recht, hoffentlich tut sie das wirklich. Der F hat jedenfalls in negativer Voraussicht heute Früh schon einmal das Bügelbrett eröffnet.

Sehr leid tut es mir um die Modigliani-Ausstellung, die ich mir diese Woche ansehen wollte. Es gibt sie noch bis Jänner und mit etwas Glück dauert der lockdown tatsächlich nur drei Wochen. Auch andere Ausstellungen und Aufführungen sind abgesagt, werden aber vielleicht in absehbarer Zeit nachgeholt. Erfreulicherweise gibt es derzeit viel Bewegung bei den Impfungen, die Rate steigt und hoffentlich sinken die Zahlen durch den lockdown. Die Impfungen, die jetzt stattfinden können ja frühestens in zwei Wochen zum Tragen kommen.

Meine Begegnung des Tages ist die Assistentin „meiner“ Goldschmiedin, die ihre Werkstatt in Linz hat und fertige Stücke persönlich überbringt. Eine sehr nette junge Frau, die vor kurzem das Architekturstudium beendet hat aber hobbiemäßig bei der Goldschmiedin mitarbeitet. Die beiden haben ein für Architekten konzipiertes Zeichenprogramm zum designen von Schmuckstücken adaptiert. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt. Mein letzter Erwerb sind Ringe, die von Baumrinde abgedruckt wurden, die dazugehörigen Ohrringe bekomme ich heute geliefert. Ich finde sie wunderschön und stelle somit den Tag unter das positive Zeichen der Schönheit.

Jetzt , glaube ich, ist es fertig

Das war der letzte Stand als ich dachte, das Bild wäre fertig.

Dann kam die Malmeisterin zu Besuch ins Atelier und meinte zu diesem Bild, es wäre noch nicht so ganz richtig angekommen. Das war Anfang September und ich habe inzwischen sehr lange auf das Bild gestarrt. Heute habe ich es fertig gemacht. Also zumindest kommt es mir jetzt wirklich fertig vor. Das kann sich aber durchaus noch einmal ändern.

Aus einem Koala-Projekt

Die Malereien sind dem traditionellen Stil der australischen Aborigines nachempfunden. Die Kultur der Aborigines ist wirklich uralt, schließlich gehörten sie zu den ersten Völkern des homo sapiens, die aus dem heimatlichen Afrika auswanderten, nach Australien kamen und dann sehr lange von anderen Menschengruppen isoliert blieben.

Der Koalamann träumt den Menschen

Besteck.Kunst

Bei näherer Betrachtung sieht man, dass die einzelnen Teile nicht beliebig herumliegen sondern sehr wohl komponiert sind. Es ist auch eine große Vielfalt an verschiedenen Materialien und Designs.

Zusatz: dank Benita hat sich auch der Name des Künstlers gefunden: Daniel Spoerri. Jahrgang 1930, Erfinder der Eat-Art.