Kategorie: Drabbles

Weiter gedrabbelt.

Wilhelm hat darüber sinniert, ob nicht Fotos, neu oder aus dem Archiv als Ausgangspunkt für Drabbles geeignet wären. Ja, sagt er. Ja, sage auch ich, unbedingt. In meinem Fall aber nicht jeden Tag und nicht in regelmäßigen sondern in unregelmäßigen Abständen.

Ein Brückengeländer schützt nicht vor Regen und Schnee oder sonstiger Unbill des Wetters, noch nicht einmal einen Raben und auch dann nicht wenn es Schmiedeeisen im Jugendstil ist. Es schützt auch nicht vor Überschwemmungen und Erdbeben. Ob in Höhlen, auf Bäumen, in hochtechnisierten Hochhäusern oder an Brückengeländern hängt Leben am seidenen Faden.

Ob man als Obdachloser und ohne Krankenversicherung unter der Brücke schläft oder mit verstopften Arterien im bequemen Lehnsessel sitzt und raucht, immer knapp am Herzinfarkt vorbei. Aus philosophischen Höhen betrachtet, ist es nur ein gradueller Unterschied, denn Leben ist immer ungeschützt.

Für den einzelnen ist der Unterschied enorm.


Drabble Nr. 12

Leben – Fotodrabbel

Eine Wurzel muss nicht starr sein, muss nicht wie ein Betonpfeiler in Blut und Boden gemauert werden. Wenn Wasser über lebendige Wurzeln fließt, leuchten sie, der Wind bringt sie zum Summen und manchmal schwimmen sie sogar ein Stück weit. Sonnenvergoldete Schönheit des Weges. Wurzeln wachsen und verzweigen sich und wie bei allem Lebendigem liegt ihre Ewigkeit in der Veränderung. Nur tote Wurzeln faulen und fesseln, brechen schließlich, ziehen Menschen in Schlamm und Verwesung. Es wächst nur mehr der Hass.

Lebendige Wurzeln aber, atmende, leuchtende, fließende sind von Flügeln kaum mehr zu unterscheiden und behalten doch immer die Verbindung zur Erde.

Drabbel Nr. 11

Der Wind – Impulswerkstatt

Diesmal kann ich selbst auch etwas mit meinen Rahmen anfangen. Wieder ein Drabble

Der Wind schmirgelt die sattgrünen Blätter ab, sie werden erst sonnengelb, wie in einem zweiten Frühling, dann aber saftlos braun, beige, grau, schwarz, eigentlich anthrazit. Wo die Säfte fehlen, fehlt auch die Geschmeidigkeit, das Tanzen im Wind, das kokette umeinander Ringeln.
Grün blüht und lebt. Beige und braun versuchen sich im unauffälligen Mittreiben, im Festhalten an den anderen um nicht weggerissen zu werden. Das solidarische Heer der Dunkelgrauen widersteht dem Wind nicht aber einem Orkan, der sie zerfasern würde.
Sie stehen noch gerade, genießen die Herbstsonne. Auch die entfärbten Blätter lassen sich noch im sanften Wind wiegen bis ganz zuletzt.

Drabble Nr. 10

Flechten-Drabble

Leider gibt es bei Lyrix derzeit kein Drabble-Projekt, also muss ich mich selbst inspirieren. Aus solchen Fotomotiven wie dieses, die mich anspringen, lässt sich meistens auch ein Textchen machen, warum also kein Drabble

Flechten, eine uralte Erfolgsgeschichte der Symbiose, nicht Pilz, nicht Alge, gemeinsam unüberwindlich. Das Ganze viel mehr und ganz anders als die Summe der Teile. Die leuchtend gelben Flechten auf dem rostigen Metall können sich in alles verwandeln, von mythisch bis heiter. Kommt da nicht ein Löwe von rechts, darüber eine Gewitterwolke? Es könnte auch ein Esel sein mit einem Zwerg auf dem Rücken oder eine Kuhgottheit mit Krone. Im Rhythmus der Menschen ist diese langsamere und wandelbare Welt schwer wahrzunehmen und zu durchdringen.

Auch die Löcher im Metall werden von den Flechten eingegliedert werden, im Tempo des Herzschlags der Vegetation.

Drabbel Nr.9

Auch allein

Ich bin über den Blog Klapperhorn auf Drabbels (Texte mit genau 100 Wörtern) gestoßen. Ich versuche mich jetzt daran, „Alltagsdrabbels“ zu schreiben, ohne Wortvorgabe, mit Inspiration aus meinem täglichen Leben.

Es ist einfach so, dass meine Füße genau wissen, wo das Parkett knarrt, wenn ich bei der Gehmeditation draufsteige, meine Hände wissen, wie man das leicht verzogene Fenster bewegt und ich finde mit geschlossenen Augen von einem Raum in den anderen. Viele der Anwesenden sind mir vertraut, äußerlich und innerlich. Wir leben schon lange mit ähnlicher Philosophie.

Ich habe die Gruppe aus eigenem Entschluss verlassen, weil es einiges gab, das ich nicht mittragen wollte, aber die Situation hat sich verändert und ich werde mich vielleicht wieder anschließen. Meinem Körper sind solche Gedanken und Überlegungen egal, er fühlt sich ohnehin zuhause.


Drabbel Nr.8

Drabbel – Woodstock permanent

Drabbel bei Klapperhorn.
Ein Drabbel ist ein Text aus genau 100 Wörtern. In diesem Fall sollten die drei folgenden Wörter, als Nomen oder auch abgewandelt zB als Verb oder Adjektiv verwendet werden:
Abwehr – Stock – Ruine

Um der Düsternis bei diesem Drabble-Durchgang bei Klapperhorn entgegenzuwirken, habe ich noch ein Textchen geschrieben. Zwar gefällt mir das düstere viel besser, das liegt aber auch daran, dass ich prinzipiell düstere Texte sehr gerne mag.

Woodstock permanent

In der grauen Ruine, in den Überresten des ersten Stocks leben Schmetterlinge, besonders in den Abwehranlagen wimmelt es nur so von ihnen. Die Ruine hat keinen guten Ruf, sie steht im Zusammenhang mit ungeklärten Verbrechen, die dort begangen wurden und die Menschen mieden sie. Seit die Schmetterlinge dort eingezogen sind, hat sich alles verändert. Jugendliche aus der näheren Umgebung aber auch von weiter her treffen sich rund um das früher verrufene Gemäuer, musizieren, tanzen, feiern die Nächte durch.

Im Morgengrauen fliegen zig-tausende Schmetterlinge auf und verdecken mit ihren prachtvollen Flügeln die zerfallende Ruine. Mitten drin zu sein, verändert die Menschen.

Drabbel Nr.7.

Drabbel – conditio humana

Drabbel bei Klapperhorn.
Ein Drabbel ist ein Text aus genau 100 Wörtern. In diesem Fall sollten die drei folgenden Wörter, als Nomen oder auch abgewandelt zB als Verb oder Adjektiv verwendet werden:
Abwehr – Stock – Ruine

Ein sehr düsterer Text ist das geworden. Wahrscheinlich sollte ich mit den gleichen Wörtern noch einen zweiten schreiben

Könnte man das Unglück doch abwehren, könnte man es zurückdrängen oder auflösen. Es protzt aber immer auf der Seite der Sieger, wie lange der Kampf auch geführt wurde. Die Verteidigungslinien bei den Überresten des Glücks zerfallen und bleiben als Ruinen in den Ebenen stehen. Sie ziehen die Blicke der Vorbeikommenden an, die sich fragen, welche Illusionen welchen Lebens hier verrotten.

Der Strom der Zeit stockt manchmal bei den Ruinen, umfließt sie, nimmt ein paar Brocken mit. Auch Wind und Regen tragen zu der Verbreitung der Niederlage bei. Sie fliegt mit dem Sturm durch die Welt und sickert schließlich ins Grundwasser.

Drabble Nr.6

Telegramgesäusel – Drabble

Ein Drabble ist ein Text mit genau 100 Wörtern. Außerdem sollten hier folgende Wörter eingebaut werden:
Öffnung Sicht Erde
Mit freundlichen Grüßen an Lyrix

Jeder frei denkende, nicht von Bilderbergern, sogenannten Wissenschaftern und ähnlichem Gesocks beeinflusste Mensch weiß, dass die Erde flach ist und auf vier Elefanten ruht, die ihrerseits auf einer riesigen Schildkröte stehen. Diese überaus ästhetische und im wahrsten Sinn des Wortes auf festen Beinen stehende Tatsache wird manchmal von Leuten bezweifelt, deren Sicht auf die Welt noch einer größeren Öffnung ihres Geistes bedarf.

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Drabble Nr.5

Drabble – brennbar

SCHIFF, MASKEN und FLAMMEN hat Klapperhorn für das Drabble dieser Woche vorgegeben. Ich habe alle drei Wörter untergebracht. Im ersten Text finde ich die Schiffe der Feuerwehr aber ziemlich aufgesetzt um nicht zu sagen an den Haaren herbeigezogen und habe daher eine zweite Variante geschrieben, die mir besser gefällt. Ich lasse sie beide stehen, weil ich die Veränderung interessant finde.

Auch Drabble Nr.4 passt zu meinem Feuerbild in der Impulswerkstatt

VERSION 1:

Hoffnungen sind leicht entflammbar. Oft genügt ein winziger Funken um sie in Brand zu setzen, die Flammen hoch lodern zu lassen und auch alles um die Hoffnung herum zu verbrennen. Die üblicherweise verfügbare Feuerwehr mit Wagen und Schiffen kann gerade noch den Flächenbrand verhindern. Meistens.

Ist der Brand gelöscht, die Gefahr eingedämmt, kann man dann in der Asche seiner Hoffnung wühlen und manchmal einige feuerresistente Teile finden, die aber bis zur Unkenntlichkeit verändert wurden durch die angeblich verwandlerische Kraft des Feuers. Als Betroffene sieht man nur die Zerstörung, das Ende.

Und im Hintergrund der Chor*) mit seinen hämisch blickenden Holzmasken.

——————————————————————————————————————–*) Der Chor ist ein Element des klassischen griechischen Theaters, der meist im Hintergrund die Geschehnissse kommentiert

VERSION 2:

Hoffnungen sind leicht entflammbar. Oft genügt ein winziger Funken um sie in Brand zu setzen, die Flammen auflodern zu lassen und auch alles um die Hoffnung herum zu verbrennen.

Ich sitze am Ufer des Flusses und beobachte die Schiffe. Das Feuer brennt auch ohne mich weiter. Später werde ich in der Asche wühlen, die Reste des Verbrannten bergen und aus den gleichen entflammbaren Materialien neue Hoffnungen formen. Nur Sisyphos versteht es noch besser, den Kreislauf aus Hoffnung und Verzweiflung aufrecht zu erhalten.

Sobald das Feuer erloschen ist, mache ich mich an die Arbeit.

Der Chor trägt die hämisch grinsenden Masken

Drabble Nr.4.

Ritual – Drabble

SCHIFF, MASKEN und FLAMMEN hat Klapperhorn für das Drabble dieser Woche vorgegeben. Drei Wörter, die zusammen passen, was die Sache leicht macht und ich habe alle drei untergebracht. Obendrein passen sie auch zu meinem Feuerbild in der Impulswerkstatt

Feuerbestattungen gibt es in vielen Kulturen, die Wikinger wurden in brennenden Schiffen bestattet, die aufs Meer hinaustrieben, die Hindus verbrennen die Toten auf Scheiterhaufen. Auch in Europa wird die Feuerbestattung immer populärer.

Geht der tote Körper in Flammen auf, verbrennen auch die Masken, die wir unser Leben lang tragen. Aus verschiedenen Materialien sind sie, doch alle brennbar: die Masken der Liebe, die Masken des Anstands. Die Masken hinter denen wir so vieles verstecken, hauptsächlich uns selbst.

Die meisten von uns wären um so vieles glücklicher würden sie schon zu Lebzeiten ihre Schutzmauern abtragen und ihre Masken entfernen. Pathetisch aber wahr.


Drabble Nr.3

Tabellenaktivitäten

Zum Warmschreiben habe ich – mit Zustimmung von Lyrix- eines der drei vorgegebenen Wörter benützt. Ich werde mir auch in weiterer Folge erlauben eines, zwei oder drei der vorgegebenen Wörter zu benützen. Wahrscheinlich werde ich auch nicht bei allen Runden mitmachen, aber Drabbles zu schreiben, gefällt mir momentan wirklich gut. Das eine oder andere wird auch in die Impulswerkstatt passen. Ein Strohfeuer? Wird sich herausstellen

Tabellenaktivitäten

Die Tabellen schmuggeln Irrationalitäten und blanke Lügen über die Brücke. Manchmal benützen sie auch Leitern, die sie über den Fluss legen um übers Wasser zu balancieren. Gar nicht so einfach ist es, das Gleichgewicht zu halten, denn viele Tabellen sind Schwergewichter übervoll mit frei erfundenen Inhalten. Sie wurden wegen ihres seriösen Aussehens für diese Tätigkeit ausgewählt wie harmlose alte Damen mit Taschen voller Heroin.

Mit Sinn für Dramatik hüllen sich die Tabellen in die klassischen schwarzen Capes der Schmuggler und transportieren in ihren Spalten und Zeilen große Mengen an angstschweren Phantasien, an angeblichen Todesursachen von Menschen, an angeblich existierenden Echsenmonstern.

Drabble Nr.2

Genau 100 Wörter

Ich habe mir schon öfter überlegt bei dem Drabble-Projekt von Lyrix mitzumachen. Aber drei vorgegebene Wörter bei einer Textlänge von nur 100 Wörtern sind mir dann doch zu viel. Wenn jedes 33,3te Wort vorgegeben ist, fühle ich mich total eingeengt. Wie soll denn da ein eigener Text herauskommen? Ohne Wortvorgabe kann ich mir die Sache vorstellen oder mit nur einem Wort oder einem Thema, …

Es gibt auch ein sehr interessantes Drabble-Projekt bei der Muetzenfalterin. Das ist aber nicht zum Mitmachen angelegt. Wollte ich drabbles schreiben, müsste ich mir also selbst etwas einfallen lassen.

Und flutsch schon ist es ein Drabble.

Drabble Nr. 1