la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Cixin Liu, wieder einmal

Cixin Liu „Weltenzerstörer“ Heyne 2018

Chinesische Erstausgabe 2012

Zuerst war ich enttäuscht, weil ich dachte, dass dies der lang erwartete dritte Teil der Solaris-Trilogie wäre. Es ist aber nur ein schmales Bändchen, das als ersten Teil eine kurze Novelle enthält. Allerdings entwickelt sich auf knappen 70 Seiten eine durchaus fesselnde Geschichte, die sogar eine Prise skurrilen Humor enthält, ein Element, das ich bei Cixin Liu bisher nicht erlebt habe.

Die Menschheit bekommt von einer anderen intelligenten Species eine Warnung: ein fremdes, gewaltiges Raumschiff ist unterwegs um auch die Erde zu zerstören. Soweit wäre das nicht besonders originell. Was dann kommt, ist aber spannend und endet mit der völlig unerwarteten Information über die Herkunft des Raumschiffs und seiner Besatzung und hat auch noch ein weiteres Highlight für das Ende bereit. Ich verrate nur soviel, dass  Cixin Lius freundlicher Blick auf Ameisen, den die Leser schon aus dem zweiten Band der Trisolaris-Triologie kennen, wieder zum tragen kommt.

Das Büchlein enthält auch eine wirklich lesenswerte Abhandlung über die Entwicklung der Science Fiction in China aus einer Literaturgattung, die den Kommunismus verherrlichte und sich an die sovietische Jugendliteratur anlehnte zu einem Genre, das durchaus die Probleme der modernen chinesischen Gesellschaft behandelt, aber auch über das Schicksal der Menschheit spekuliert.

Weiters gibt es eine kurze Leseprobe des tatsächlichen 3.Bandes der Trisolaris-Trilogie „Jenseits der Zeit“. Ich war doch etwas verblüfft, dass diese Leseprobe im Jahr 1453 spielt, zu dem Zeitpunkt als Konstantinopel von den Osmanen erobert wird. Das erhöht die Spannung. „Jenseits der Zeit“ soll in der deutschen Übersetzung im April 19 herauskommen.

 

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Einstimmung in die Drei Sonnen

Cixin Liu

„Der Spiegel“

Heyne Verlag: deutschsprachige Ausgabe 2017

ISBN: 978-3-453-31912-7

Dieses Buch enthält eine Novelle, „Spiegel“, einen Kommentar zu der Kosmogonie von Cixin Liu, eine Leseprobe aus „die drei Sonnen“, die ich schon mit großem Vergnügen gelesen habe und eine Leseprobe aus „der dunkle Wald“, dem zweiten Band der Trisolaris-Trilogie, die auf Deutsch noch nicht erschienen ist.

Cixin Liu ist ein neuer Stern am Himmel der Science Fiction, von dem wohl noch viel zu erwarten ist. Der Heyne Verlag hat sogar ein statement von Barack Obama auf dem Cover

„Spiegel“ ist auch ein recht faszinierendes Produkt von Cixin Liu. Wie in „Die drei Sonnen“ tauchen wir auch hier in wissenschaftliche Theorien ein, die die Grundlage für die Handlung darstellt. Hier geht es um die Erschaffung von Welten, um die Dimension der Zeit, um Reales und Virtuelles. Die Handlung ist in aktuelles chinesisches Leben eingebettet und allein schon dadurch wäre sie interessant.


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21. Station der Leseweltreise – China

Bisher bereist

 

Ich bin begeistert !

Ein echter Science-Fiction-Roman:Wissenschaft ist ein wichtiger Teil der Handlung. Nachdem der Autor Techniker ist, kann man wohl davon ausgehen, dass die wissenschaftlichen Schilderungen sich im Bereich der Realität oder zumindest im Bereich des Möglichen befinden.

Ich werde nicht die Handlung nacherzählen. Es ist ein äußerst origineller Plot, in dem Physik und Astrophysik eine Rolle spielen, ebenso wie ein Computerspiel, das in Verbindung mit einer geheimnisvollen Organisation steht. Es gibt auch eine außerirdische Zivilisation, deren Beschreibung ebenfalls ein Beweis für sehr viel Kreativität ist. Die Bedeutung der außerirdischen Zivilisation wird vermutlich im zweiten Band steigen. Cixin Liu hat seine Geschichte als Trilogie angelegt. Leider ist mir das Buch gewissermaßen zu früh untergekommen, denn der zweite Band erscheint erst im März und der dritte irgendwann.

Sehr interessant finde ich auch, dass die Handlung in China spielt und Einblicke in die neue chinesische Geschichte und Politik bietet. Cixin Liu hat Personen geschaffen, von denen einige wohl typische Erscheinungen ihrer Zeit und des eigenwilligen chinesischen Kommunismus sind.

Hier geht es zu Yvonne unserer literarischen Reiseleiterin.


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Daggi 4 – Die Konkubine von Shanghai

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Aufbau Verlag, Berlin 2011

Copyright Hong Ying 2005

ISBN 978- 3-7466-2707-6

Aufgabe 54: ein Buch mit mindestens 400 Seiten (es sind 459)

 

Meine erste Begegnung mit der Autorin fand über Frau Tonari statt. Sie ist book-crosser und hat dieses mir sehr interessant erscheinende Buch angeboten. Die Autorin beschreibt darin ihre Kindheit in einem Slum am Yang-tse in den 1960er und 70er Jahren. Das Buch hat mir so gut gefallen, dass ich mir gleich vier weitere Bücher der Autorin besorgt habe.

„Die chinesische Geliebte“ habe ich als zweites gelesen. Auch dieses Buch hat mir gefallen. Die Handlung spielt im China der 1930er Jahre und eine der beiden Hauptpersonen ist Julian Bell, ein Neffe von Virginia Woolf, der an einer chinesischen Universität englische Literatur unterrichtet und dabei die zweite Hauptperson kennenlernt. Skurril finde ich, dass dieses Buch in China 2003 verboten wurde, auch wegen pornographischer Darstellungen, vor allem aber wegen „Ahnenverleumdung“. Hong Ying meint dazu aber, dass es eigentlich wegen ihrer „kühnen Beschreibung weiblicher Selbstbestimmung“ zensuriert wurde.

„Die Konkubine von Shanghai“ finde ich verglichen mit den beiden anderen etwas enttäuschend. Der Text spielt im Shanghai des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. In China herrscht noch die Quing-Dynastie.

Angezogen hat mich der Hinweis der Autorin „Der Inhalt dieses Buchs ist nicht fiktiv; alle Charaktere und Ereignisse beruhen auf realen Vorbildern und Begebenheiten. Die Autorin ist auf eventuelle Klagen gut vorbereitet.“

Wenn ich das nicht vorher gelesen hätte, wäre mir die Handlung möglicherweise etwas klischeehaft vorgekommen: die Hauptperson, ein Waisenmädchen vom Land wird von ihrer Tante an ein florierendes Bordell in Shanghai verkauft. Auf ihrem weiteren Lebensweg wird sie die Geliebte von gleich drei aufeinanderfolgenden Anführern einer mächtigen Triade, dem Hong-Bund. An der Ermordung eines dieser Herren ist sie durch die Erarbeitung des Mordkomplotts persönlich beteiligt. Außerdem wird sie zu einer höchst populären Sängerin und Schauspielerin, die sogar einer volkstümlichen Form chinesischer Oper zu großem Erfolg verhilft.

Es gibt am Ende des Buchs auch ein Interview mit der Autorin und einen kurzen Abschnitt über politische und soziale Verhältnisse im damaligen Shanghai, zum Beispiel über Geschichte und Bedeutung der Triaden.

Insgesamt hat mir das Buch doch ganz gut gefallen, wenn auch nicht so gut wie die beiden anderen. Aber ich habe ja noch zwei weitere mit denen mich die Autorin vielleicht wieder begeistert …