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Die Maximalflut

An der felsig-sandigen Küste hier sind viele Fluten spektakulär, am wildesten werden sie rund um den Vollmond, der heute am Himmel steht. Im November werde ich diesen Blog mit Meeresfotos pflastern, mit Flutfotos.

Ebenso spektakulär finde ich die Strukturen, die von der Flut hinterlassen werden, im Sand zwischen den Steinen und Felsen, auf den gebauten Steinmauern Jeder Künstler, jede Künstlerin könnte sich über solche Bilder freuen. Allein schon der Goldton, den der nasse Sand annimmt und die durch das. Zurückfluten entstehenden Gerinnsel, die durch Steine oder Muscheln umgelenkt werden

Der volle Mond steht über der Bucht, darüber ziehen Wolken, die sich leicht orange färben wenn sie in die Nähe des Mondes kommen. Es sieht auch so aus als würden die Wolken still stehen und der Mond sich bewegen. Der Mond im Deutschen, aber dies ist ja der portugiesische Mond und daher weiblich – a lua…

Der Ozean flutet nicht nur über Sand und Felsen, er bricht seine Wellen auch über Schiffen und Menschen. Die Natur ist immer gnadenlos, Menschen nur manchmal

Fisch, Jod und Palmen

Der Geruch des Meeres, Algen, Jod, Fisch, Bestandteile von denen ich nichts weiß. Ein nicht zu verwechselnder Geruch, der an den Küsten alles umwabert. Nach einer Weile Gewöhnung würde nur noch auffallen, wenn er plötzlich weg wäre.

Es kann wohl nicht die Erinnerung sein an die Uranfänge des Lebens auf diesem Planeten, an die ersten Zellen im Wasser. Überall aber kann man beobachten, wie die Menschen vom Meer angezogen werden.

Hier koexistiert ein Fischerhafen mit einem Yachthafen. Dazwischen liegt ein altes Fort, das heute als Austellungsort genützt wird. Aufgrund des gegenseitigen Misstrauens der beiden kleinen Häfen ist diese Pufferzone sehr günstig. Auch die Palmen wedeln freundlich in alle Richtungen und unterstützen den Frieden.

Inspirierend ist das Klima auch. Mir ist schon ein halbes Dutzend Texte eingefallen, die aber noch geschrieben werden müssen.

Wer fährt schon im Oktober nach Portugal

hieß es. Das Flugzeug wird auch leer sein und das Hotel ohnehin. Alle haben sich geirrt. Heute bin ich durch Lissabon spaziert und wäre fast gleich wieder umgedreht. Menschenmassen wälzen sich durch die Stadt mit Fremdenführern, die kleine Fahnen oder Taferln mit Nummern schwenken. Ich vergönne ja jeder einzelnen Person aus so einer Horde zu reisen und etwas von der Welt zu sehen, aber die Horde kann ich gar nicht leiden. Dann sah ich das mittelgroße Kreuzfahrtsschiff im Hafen liegen.Alles klar.

Jetzt sitze ich auf dem Balkon und sehe zu wie der Mond, der morgen voll sein wird, sich im Wasser spiegelt. Gestern war er von malerischen Wolken umgeben, heute ist der Himmel ganz klar.

Dienstag 19.Oktober 2021

Dass es hier derzeit keine Fotos zu sehen gibt, liegt nicht daran, dass ich keine mache sondern daran, dass ich sehr ungern und entsprechend selten mit dem Smartphone fotografiere. Die Bilder aus der Kamera kann man zwar ganz sicher auch irgendwie über Smartphone posten, ich habe aber gar keine Lust mich mit diesem Thema zu befassen. Ich bin ohnehin nur ein paar Tage hier.

Morgen wetde ich vielleicht doch nach Lissabon fahren. Zwar hatte ich heute gar keine Lust auf Kultur sondern nur auf Natur, aber das kann ja morgen auch wieder ganz anders sein.

Kleine Begegnungen sind manchmal sehr eindrucksvoll. Die Frau am Eissstandl, die vermutlich jeden Cent gut gebrauchen kann und mich darauf hinwies, dass ich ihr irrtümlich zwei statt einem euro gegeben hatte. Sowas imponiert mir. Wie der F zu sagen pflegt, die Welt funktioniert überhaupt nur deswegen einigermaßen weil die überwiegende Mehrheit der Menschen ehrlich und guten Willens ist.

Leider gibt es auch genügend andere, die weder ehrlich noch guten Willens sind, Mächtige und Ohnmächtige. Dass jemand weder Geld noch Einfluss hat, ist ja nunmal kein Beweis dafür, dass er oder sie ein guter Mensch ist.

Stimmungsbilder

Seltsam dunstig ist es. In der Nacht sieht es aus wie Nebel. Unter Tags erzeugt es eine unwirkliche Stimmung. Die Schiffe verschwimmen am Horizont. Auch die Menschen verschwimmen leicht, aber vielleicht bilde ich mir das nur ein.

Öfter bricht die Sonne durch, dann hat alles wieder klare Konturen. Bei mir allerdings überlagern sich Erinnerungen und neue Eindrücke zu einem faszinierenden Konglomerat mit ebenfalls leicht flackernden Konturen

Jetzt hat sich die Sonne durchgesetzt und meine Wahl ärmelloser T-Shirts erweist sich als richtig.

Montag 18.Oktober 2021 – fortgeschrittenes Stromern

Schön ist es, den ganzen Tag lang nur ziel-und planlos zu schlendern. Nur auf der Suche nach Meer und Wellen, nach Steinen und Gischt und gelegentlich auch nach einer Bäckerei in der es wenigstens eine einzige portugiesische Brotsorte gäbe, die mir schmeckt. Dafür mag ich den Frischkäse mit viel Pfeffer und den Milchreis mit viel Zimt.

Eigentlich wollte ich nur an der Küste bleiben, aber wahrscheinlich werde ich doch morgen nach Lissabon hineinfahren um alte Bekannte zu besuchen. Keine Menschen, Gebäude und Stimmungen. Nach bekannten Menschen ist mir gerade nicht. Aber mit Unbekannten rede ich gerne und viel.

Angekommen 16.10 21

Nach einem gefühlt mindestens 10 Stunden dauernden Flug mit diversen Verzögerungen und Verspätungen begrüßten mich die freundlichen Palmen vor dem lissaboner Flughafen. Die erste sprachliche Bewährungsprobe habe ich auch ganz gut gemeistert. Die Taxlerin hat hinter ihrer Maske leise und undeutlich geredet wie ein Wasserfall. Offenbar habe ich aber genügend sinnvolle Antworten gegeben um sie nicht zum Schweigen zu bringen.

Natürlich bin ich schon am Meer. Die Gischt spritzt die Steinmauern herauf, die Fischer meditieren über ihren Angeln, es sind aber auch gar nicht so wenige Leute unterwegs. Die Temperaturen sind angenehm. Es w ird Wassersport betrieben und auch am Strand gelegen.

Die Portugiesen sind mit 85% Durchimpfung Europameister im Impfen. Hier hat der unselige Schulterschluss zwischen Impfgegnetn aus diversen Gründen und Rechtspopulisten nicht stattgefunden.

Fotographisch reizen mich gerade – abgesehen vom Meer – Steine jeder Art.

Ein seltsamer Titel

Die 62. Station meiner Literaturweltreise: Kanada 2

Naomi Fontaine hat ein Buch leiser, zarter Töne geschrieben. Es spielt in einem First-Nations-Reservat in Québec, im französischsprachigen Kanada. Über das Innu Reservat wird kaum explizit Geschichtliches oder Soziologisches erzählt. Die Dinge wie sie sind werden durch die Streiflichter auf das Leben der Reservatsbewohner*innen dargestellt und mittendrin steht die Ich-Erzählerin, die in Québec studiert hat und nun als Französisch-Lehrerin in ihr Dorf zurückgekehrt ist. Um in dieser Schule unterrichten zu können, trennt sie sich von ihrem Freund, der ihr nicht folgen möchte. Ihre Begeisterung für den Ort und die Schule ist groß.

„Ich stellte mir vor, wie ich die nackten Wände schmücken würde. Mit Fragmenten der Literaturgeschichte, mit Zitaten aus Romanen, Fotos von Schriftstellern, Postern von berühmten Gemälden. Mit Werken, die in fremden Köpfen entstanden waren und dabei helfen, seine eigenen Weg zu finden.(…) Ich würde meinen Schülern von der Welt erzählen. Davon, wie man die Welt sehen kann. Wie man sie lieben kann. Und davon, wie man die unsichtbare, längst überholte Grenze überwinden kann, die um das Reservat verläuft, das wir selbst lieber als „Gemeinschaft“ bezeichnen, um unsere Herzen zu besänftigen“ S13

Von einem Jahr wird erzählt, das Yammie als Lehrerin in ihrem Dorf verbringt. „Rückkehr ist Schicksal“ lautet der bemerkenswerte erste Satz dieses Romans“ . „Eine Rückkehr in das kleine Dorf und die sandige, stachelige Natur, zusammengeträumt anhand von unveränderlichen Kindheitserinnerungen“ der erste Absatz (S9)

Die Schule, in der sie unterrichtet heißt Manekanetish, kleine Marguerite, zum Gedenken an eine Frau, die noch vor dem Bau der Schule im Reservat viele Kinder großgezogen hat, elternlose und schwierige Kinder. „Manekanetish, Petite Marguerite“ ist auch der Titel des französischen Originals dieses Buches. Die deutsche Übersetzung „Die kleine Schule der großen Hoffnung“ finde ich nicht sehr gelungen. Das liegt unter anderem daran, dass ich Bücher in deren Titel „klein“ vorkommt immer mit einigem Misstrauen betrachte. Im Fall dieses Buches ist das Misstrauen aber ganz und gar nicht angebracht.

Das Buch hat viele sehr kurze Kapitel, die alle jeweils ein kleines Geschehnis beleuchten. So klein ist es dann meist doch nicht, wenn man die Auswirkungen auf die betroffenen Personen betrachtet und die Aussagekraft über das Leben der Bewohner*innen des Reservats.

Sehr gut gefällt mir zum Beispiel die Geschichte der Theatergruppe, deren Gründung Yammie zunächst eher widerwillig übernimmt. Sie beschließt, dass die Truppe den „Cid“ von Corneille einstudieren soll, was zunächst großen Widerstand erzeugt später aber zu einem von den Schüler*innen begeistert getragenen Projekt wird.

„Es war eine Herausforderung. Genau das, was ich brauchte. Ein unmögliches Projekt“ S63

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, Yammie hat ihre Schüler*innen besser kennengelernt, ist ihnen näher gekommen. Immer wieder erfahren wir auch Details aus ihrer eigenen Kindheit. Die Art wie ihre Verbundenheit mit ihren Wurzeln im Reservat gezeigt wird, hat mich überrascht, ist aber sehr schlüssig.

Die Autorin, Naomi Fontaine wurde 1987 in Uashat geboren, dem Ort an dem auch dieser Roman spielt. Als Kind verließ sie mit ihrer Mutter das Reservat, um in Québec-Stadt zu leben, wo sie Pädagogik studierte. Ihr Debüt »Kuessipan« erschien 2011 und wurde preisgekrönt und verfilmt. Naomi Fontaine hat ihre beiden Romane auf französisch geschrieben.

»Die kleine Schule der großen Hoffnung«, ihr zweiter Roman, hat wohl sehr viele autobiographische Elemente. 2018 stand es auf der Shortlist des renommiertesten kanadischen Literaturpreises, des Governor General’s Award und war auch in Frankreich ein großer Erfolg. Das Buch wird derzeit als Fernsehserie verfilmt. Der Roman wurde auch bei der Frankfurter Buchmesse 2021 im Rahmen des Schwerpunkts „Kanada“ vorgestellt. Herausgekommen im C. Bertelsmann Verlag wurde der Text von Sonja Finck ins Deutsche übersetzt.

Glanzleistungen der EU -ABC Etüde

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal von Yvonne

Die internationale EU-Kulturkommission Abteilung Auszeichnungen und Titel (IEKAA – T) trat wieder einmal zusammen. Unerwarteterweise hatte man sich ziemlich schnell und problemlos auf einen Termin einigen können. Ein Tag, an dem es keine nationalen oder internationalen Feier- oder Gedenktage gab, der nicht zu nah an Weihnachten, Ostern, dem Ramadan oder gar einem verlängerten Wochenende lag.

Die Kommissionsmitglieder waren also recht zufrieden. Der Sitzungssaal war unendlich langweilig ausgestattet und suggerierte allerhöchste Seriosität.

„Nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen wir sind heute hier zusammengekommen um uns mit einer Bitte der interdisziplinären Kommission für die künstlerische Ausgestaltung der EU-Gebäude (IKKAEG) zu beschäftigen. Es geht um die Lösung folgenden Problems: unser schwierigstes Mitgliedsland, das auf jede Art von echten oder vermuteten kritischen Ansätzen zu seiner Politik mit sperrigen Anträgen reagiert, die das Parlament monatelang lahm legen, hat die Werke eines bestimmte Künstlers empfohlen. Bei der anonymen Bewertung der eingereichten Werke bekamen diese Skulpturen 10 von 2000 möglichen Punkten. Wie Sie sehen können, sind die Werke wirklich scheu……. äh Scheuklappen erzeugend, was wir hier ja auf keinen Fall fördern wollen. Hat jemand einen Vorschlag, wie wir die IKKAEG unterstützen könnten

Es meldete sich eine Delegierte mit verschmitztem Lächeln. „In unserem Land“ sagte sie „haben wir eine Jahrhunderte alte Tradition in der Vergabe von Auszeichnungen und Titeln. Von ehrenden bis beleidigenden über schwer definierbare haben wir alles im Angebot. Ich denke, wir sollten die Werke der am besten bewerteten Künstler ausstellen und den Bildhauer aus dem schwierigen Land mit einem besonderen Titel auszeichnen. Ich denke da an die Übersetzung eines neu geschaffenen Titels in eine der weniger gesprochenen Minderheitensprachen. Beispielshalber „Geheimkünstler“ auf rätoromanisch könnte ich mir gut vorstellen.“

Nach einer Schrecksekunde brach der Saal in frenetischen Applaus aus. Der Vorsitzende überlegte, welchen vielsagenden Titel er dieser Delegierten verleihen könnte, eventuell auf baskisch.

300 Wörter

Wichtige Herausforderungen der Menschheit – ABC-Etüden

Ich kann unmöglich eine Etüden-Runde verstreichen lassen ohne meinen Senf dazu zu geben. Deswegen habe ich mich in das mittlerweile eher schlecht beleumundete Wahrsage-Studio von Friederike Futura begeben. Leider ist Friederike sowohl beim Wahrsagen als auch bei der Kundenbindung sehr schwach und ihr Geschäft wird wohl recht bald den Bach hinunter gehen …

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal von Werner Kastens

„Friederike Futura, politisch korrekte, anständige Prophezeiungen“ stand auf dem Schild des Gassenlokals, das auf eine Vergangenheit als Café zurückblicken konnte.

Friederike Futura hatte wieder einmal eine Kundin, was in letzter Zeit gar nicht so oft vorgekommen war. Ihre Haushaltskasse war leer, die Miete zwei Monate nicht bezahlt, aber die Welt würde den Wert ihrer Prophezeiungen schon noch erkennen. Davon war sie überzeugt und entsprechend strahlend begrüßte sie ihre Kundin.

Also, sagte die Kundin, ich möchte gerne erfahren wann und wo und wie ich meinen Traummann kennenlernen werde, wie er aussieht und ob wir gemeinsam in die Karibik reisen werden.

Nun, sagte die Wahrsagerin, bevor ich mich in Trance versetze, müssen wir noch einiges klären. Meine Prophezeiungen beruhen auf den Aussagen meiner Kontaktperson aus dem Jenseits, die größten Wert auf politisch korrekte Formulierungen legt. Ich kann sie unmöglich fragen, ob sie ihren Traummann treffen werden. Es könnte ja auch eine Traumfrau sein, oder eine asexuelle Person oder eine Trans-Person, ein/e außerirdische Person….

Was ?? grummelte die Kundin. Ich möchte aber einen Mann

Was Sie möchten, sagte Friederike sehr entschieden, ist nicht ausschlaggebend. Es geht hier um korrekte Formulierungen, eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Wie ihre Traum äh …Person aussieht, kann meine Kontaktperson nicht beschreiben. Jeder Hinweis auf ein körperliches Merkmal führt schließlich zu Diskriminierungen anderer Personen.

Verstehe, sagte die Kundin. Und in die Karibik kann ich ohnehin nicht reisen wegen des CO2-Ausstosses des Flugzeugs.

Das wäre nicht so wichtig, überlegte die Wahrsagerin laut, solange die äh …. Personen der Karibik nicht irgendwie abwertend beschrieben und benannt werden.

Wenn das so ist, verzichte ich auf Ihre Dienste und Sie müssen gar nicht erst mit ihrem verblödeten Gespenst in Kontakt treten, sagte die erboste Nun-Doch-Nicht-Kundin. Am besten Sie verkrümeln sich beide und betreiben ihre hirnverbrannten Sprachspielchen woanders. Hier haben wir andere Probleme äh … Herausforderungen.

Nein, nicht schon wieder, dachte die Wahrsagerin innerlich seufzend.

ABC-Etüde – weltanschaulicher Mord

Die ABC-Etüden.

Wie immer bei Christiane

Die vorgegebenen 3 Wörter in einen Text von 300 Wörtern verpacken

Moritz Schlick ist mir zufällig vor die Tastatur gesprungen. Ich fand es recht interessant eine Kombination von Formulierungen aus Wikipedia und eigenen Formulierungen zu basteln und die drei Wörter einzubauen.

Moritz Schlick war Physiker und Philosoph. Er begann bei der Physik, wurde bei keinem geringeren als Max Planck promoviert, forschte an mehreren Universitäten, wandte sich dann der Philosophie zu und habilitierte sich mit der Arbeit „Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik“

Als sein Hauptwerk gilt die „Allgemeine Erkenntnislehre“. Ein Werk in dem er gegen positivistische und neukantische Positionen einen erkenntnistheoretischen Realismus verteidigte. Also ganz meine Richtung. Er pflegte auch freundschaftliche Beziehungen zu den damaligen Größen der Physik, etwa mit Albert Einstein und hatte einen langjährigen philosophischen Austausch mit Ludwig Wittgenstein.

1934, nach der Machtergreifung des ominösen Austrofaschismus blieb Schlick, der inzwischen an vielen europäischen und amerikanischen Universitäten gelehrt hatte in Wien. Hier hatte er sich in der Volksbildung engagiert und den Wiener Kreis, einen interdisziplinären Diskussionszirkel gegründet.  

Am 22. Juni 1936 wurde Schlick  im Gebäude der Wiener Universität von seinem ehemaligen Studenten Hans Nelböck, der 1931 bei ihm promoviert hatte, erschossen.  

Der Täter, der vom Gericht für zurechnungsfähig befunden wurde, war voll geständig, zeigte jedoch keinerlei Reue. Er rechtfertigte seine Tat damit, dass Schlicks antimetaphysische Philosophie seine moralische Überzeugung verunsichert habe, wodurch er seinen lebensweltlichen Rück- und Zusammenhalt verloren habe. Eine negativ faszinierende Begründung: überzeugende Positionen, die die eigenen Glaubenssätze ins Wanken bringen, rechtfertigen den Mord an einem Menschen, der diese Philosophie vertritt.

Nelböck wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt, 1938 wurde er von den Nationalsozialisten vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen. Obendrein wurde dem ermordeten Schlick von seinen Gegnern die Verantwortung für seine Ermordung selbst zugewiesen. Das Argument, dass ein durch Rassismus und Intoleranz vergiftetes geistiges Klima zur Tat beigetragen habe, wie heute auf dem Gedenkstein zu lesen steht, wurde von den Nazis in bewährter Art einfach weggeputzt.

Die Kirche wiederum gab Schlick die Schuld für etwas, was für viele eine begrüßenswerte Entwicklung war, nämlich die liberale Scheidung von Wissenschaft, Metaphysik und Religion.

Dienstag 17.August 2021 –

Diese Kur-Erholungs-Besichtigungswoche sieht ganz anders aus als die vorige, weil ich allein hier bin und es etwas geruhsamer angehe. Außerdem hat sich das Wetter total gedreht und es ist wieder Waldviertel-like, also kühl, wolkig, regnerisch. Nicht, dass mich das stören würde.

Ich habe nun meine persönliche Vierhand-Technik auch „fotografieren mit Wanderstöcken“ genannt ausgearbeitet. Sie ist nun soweit ausgereift, dass ich nichts am Boden ablegen muss, was bei ständig feuchten bis nassen Bodenverhältnissen ein sehr großer Vorteil ist. Wanderstöcke sind überhaupt toll, für vielfältige Zwecke zu gebrauchen. Besonders beim Hinuntergehen durch Unterholz und über viele Granitsteinchen und Steine finde ich sie sehr hilfreich. Hier geht man ja ständig hinauf und hinunter und leider gehen die meisten Wege zunächst hinunter und am Rückweg wieder hinauf. Umgekehrt wäre es mir lieber

Zum Lesen nehme ich mir jetzt auch mehr Zeit und habe gerade entdeckt, dass mein hochgeschätztes „Spektrum der Wissenschaft“ ein nach Themen sortiertes Archiv online anbietet. Ich habe es mir noch nicht genau angeschaut, aber es dürfte ziemlich groß sein und ziemlich weit zurückgehen. Die Versuchung ein weiteres Studium zu beginnen, ist auch recht groß, aber das muss ich mir noch gut überlegen. Leider hat so ein Tag eben nur 24 Stunden und die Energie wird mit fortschreitendem Alter auch nicht mehr. Das „Problem“ ist ja auch, dass ich mich für so vieles interessiere und mich gar nicht entscheiden kann, was ich gerne vertiefen möchte. Einmal wollte ich mir nur eine einzige Vorlesung in der Woche leisten, aber nachdem gleich in den ersten Wochen jedesmal irgendein beruflicher Termin dazwischen gekommen ist, hat sich das ganze nur als Frust erwiesen.

Der Garten im Zentrum des Kreuzgangs von Stift Zwettl ist in den Farben von Goethes Farblehre angelegt, wobei die Farbe Blau durch ein Brunnenhaus dargestellt wird. Es ist leider ein husch-husch-Foto mit sehr seltsamen Lichtverhältnisssen weil wir die letzten Besucher waren und uns die Angestellten schon los werden wollten

Besuch aus Quatar …

habe ich in den letzten Tagen mehrmals bekommen. Ich würde sehr gerne einen Blog aus Quatar verfolgen. Vielleicht meldest du dich liebe Bloggerin, lieber Blogger aus dieser interessanten Gegend. Auch wenn nicht: herzliche Grüße !

Mittwoch, 26.Mai 2021 – rote Lippen und Strom

Eine bizarre Szene. Ein Stand, der irgendwelche religiösen Flyer verteilt. Mormonen sind es nicht, das sind immer junge Männer in schwarzen Anzügen und Rucksäcken, Zeugen Jehovas auch nicht, die führen ihre Leuchttürme auf so einer Art Zeitschriftenständer auf Rädern herum, auch keine Scientologen, die verkaufen im Normalfall Hubbard-Bücher, alle anderen Sekten, die mir einfallen, wären an ihrer Kleidung zu erkennen. Die etablierten Kirchen verteilen keine Prospekte auf der Straße. Gibt´s die Heilsarmee noch? Vielleicht Evangelikale, eine Pfingstkirche, etwas ganz anderes?

Jedenfalls schauen die beiden Frauen, die die Flyer verteilen sehr verbissen drein. Aus Lautsprechern ertönt „Rote Lippen, soll man küssen …“. Ja, wirklich. Ich habe mich umgesehen, ob das nicht vielleicht eine parallele oder eine Gegenveranstaltung ist. Nein, die Lautsprecher sind an dem Stand montiert, zu dem die beiden Zettelverteilerinnen gehören. Inzwischen sind ihnen die Zettel ausgegangen, das Marketing war also erfolgreich. Die Krönung des ganzen sind vier alte Damen, mindestens in den späten Siebzigern, die jeweils zu zweit völlig synchron einen perfekt choreographierten Tanz aufführen und die herumstehenden und herumsitzenden Leute auch zum Tanzen animieren wollen.

Die bizarrste Vorführung, die ich seit langem gesehen habe und in letzter Zeit herrscht ja kein Mangel an bizarren Veranstaltungen. Leider hatte ich keine Zeit einem Flyer nachzujagen, der mich möglicherweise informiert hätte.

Nachjagen ist heute meine Hauptbeschäftigung. Mein Wohnungsverkäufer muss bis spätestens Montag die Wohnung übergeben und davor natürlich Strom, Wasser und Heizung ablesen. Im Idealfall so, dass wir uns gleich anmelden können, aber es zieht sich dahin. Jetzt fehlt ihm noch dies und dann das und er ruft später an und dann doch nicht. Es nervt!

Über Hürden geschafft

Juhuu, ich bin glückliche Besitzerin einer Wohnung in der Wachau !! Der Vertrag ist unterschrieben, jetzt kann keiner mehr zurück.

Es war nicht ganz einfach. Wir waren am Nachmittag mit dem Notar in 120 Kilometern Entfernung verabredet und sind nicht und nicht weggekommen. Der F ist noch in einem meeting gesessen und als er sich endlich losgeeist hatte, ist uns beiden eingefallen, dass das Auto ja schon am Vortag Abend nach Benzin gejault hatte. Also auch noch tanken.

Tatsächlich sind wir zwar verspätet aber eigentlich mehr als rechtzeitig angekommen, denn der Notar saß mit den beiden Verkäufern in seinem Büro und man hörte Stimmen, die von der Lautstärke und der Emotion her sehr nach Streit klangen. Ich versuchte mich schon darauf vorzubereiten, dass es zu keiner Vertragsunterzeichnung kommen würde und wir unverrichteter Dinge und ohne Wohnung wieder nachhause fahren würden.

Wir kamen in das Büro hinein, da saßen die Wohnungsverkäufer, wirkten zwischen geknickt und empört und empfingen uns gleich mit den Worten „wir haben Probleme und wissen nicht, was wir machen sollen“. Der nächste Satz wäre sicher gewesen „wir können nicht unterschreiben“

Mein letzter Wissensstand war ja, dass die beiden von der Höhe ihrer Schulden, die im Grundbuch vermerkt waren, völlig überrascht waren und ich hatte den Eindruck, dass es Leute sind, die nicht in der Lage sind, ihr Leben zu verwalten. Denn wenn jemand nicht weiß, dass ein nicht ausbezahltes Objekt auf welches Schulden aufgenommen wurden eigentlich der Bank gehört und auch von der Höhe der Schulden überrascht ist, so macht das keinen guten Eindruck. Aber nein, das war ein falscher Eindruck, so war es gar nicht.

Die Schuld lag eindeutig beim Notar, der irrtümlich bei seiner Berechnung nicht den aktuellen Stand der Schulden, sondern den Stand von vor fünfzehn Jahren verwendet hatte. Ein wirklich übler Fehler, der nicht passieren sollte. Zumindest aber sollte man einige Entschuldigungen erwarten, denn schließlich wäre wegen seines Fehlers der Handel beinahe nicht zustande gekommen. Gut, er hat den Vertrag sofort umschreiben lassen und hat gemeint, so etwas könne ja passieren, aber peinlich war ihm die Sache nicht. Na, vielleicht ist das sein üblicher Standard. Ich werde jedenfalls die Dienste dieses Notars nicht noch einmal in Anspruch nehmen und hoffe, dass die Grundbucheintragung problemlos über die Bühne geht.

Aber, juhuuuu, es hat geklappt und Ende Mai ist die Übergabe.