la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


13 Kommentare

Chemnitz- von weitem betrachtet

Da hab ich doch einen vernünftigen Blogbeitrag zum Thema gefunden, der mir sehr gut gefällt und auf den ich mir erlaube hier hinzuweisen:

https://meikesbuntewelt.wordpress.com/2018/08/30/schoen-ausgedrueckt-besorgte-buerger/

Advertisements


17 Kommentare

Abschied

Etüdensommerintermezzo bei Christiane 

Aktenzahl: II-18/1

Du warst ein Kreativer, der sich Kreativität nur selten gestattete. Auf jeden Fall musste alles, was unter deinen Händen entstand einen Zweck erfüllen. Holz war dabei eines deiner Lieblingsmaterialien. Auch anderes wurde bearbeitet, verändert, nützlich gemacht. In der Zeit in der du Kind warst, waren das Fähigkeiten, die den Unterschied zwischen Hungern und  satt sein  ausmachen konnten, zwischen einem undichten und einem schützenden Dach über dem Kopf. Es ging nicht darum gestylte Lampions aufzuhängen sondern funktionierende Stromleitungen zu haben. Die Besitzlosen lebten in der Ungewissheit von Wanderbaustellen. Die Besitzlosen und die, die sich dem herrschenden Regime widersetzten. So einer war dein Vater. Als Kind war das für dich eine Katastrophe, der Grund für die Armut, die Benachteiligungen, den Hunger. Du hast diese Seite deines Vaters wohl nie so richtig geschätzt, aber ich bin heute stolz auf meinen Großvater.

Du hast studiert, hast Karriere gemacht, bist wohlhabend geworden. Deine Kinder wissen nicht, wie es ist, etwas das man unbedingt haben möchte nicht zu bekommen. Dein Sarkasmus war wohl Verteidigungslinie gegen Erinnerungen, ein Windhauch, der versuchte gegen den großen Sturm zu blasen. Gegen den großen Sturm aus Krieg und Hunger und Schmerzen. Es hat dich amüsiert, dass die Zeiten nun so sind, wie sie sind, dass Menschen versuchen möglichst wenige Kalorien zu essen, Knäckebrot, eine halbe Tomate und gegen mögliche Depressionen Johannisbeersaft trinken. Ein bissl herablassend hast du auf die Nachgeborenen geschaut, die eine behütete Kindheit hatten, genug zu essen und einen Arzt wenn sie krank waren, die ihre Lebensmittel an jeder Ecke kaufen können und nicht die Rüben aus den Feldern stehlen müssen. Du warst stolz auf deine gewaltige Resilienz und deine Erfolgsgeschichte. Waldeinsamkeit hast du nie gesucht, denn die Kontrolle wolltest du nie aufgeben. Die Kontrolle über die Erinnerungen und das Leben danach und schließlich auch den Tod. Du bist alt geworden, sehr alt und in Frieden gestorben.

Die Graugänse fliegen auf und deine Schritte verklingen im Blau.


Ein Kommentar

Partyzelt?

Für heute Abend ist unser schulisches Abschlussfest geplant. Schon gestern schickte das Organisationsteam ein Rundmail an alle Kollegen, ob denn jemand ein Partyzelt zur Verfügung stellen könne um zumindest die Grillmannschaft im Trockenen unterzubringen, da der Wetterbericht für Donnerstag sehr bescheiden ausgefallen sein. Ob das eine gute Idee ist! Ich erinnere mich an Partyzelte im Regen unter denen es alles andere als trocken war. Jedenfalls hat es in der Nacht recht ausdauernd geregnet und regnet zur Zeit immer noch. Es ist  wirklich erstaunlich wie oft es in den letzten Jahren an den Donnerstag Abenden in der letzten Schulwoche geregnet hat. Dafür ist es an Maturatagen glühend heiß. Mit diesem Naturgesetz muss man sich eben abfinden.

In unserem alten Schulgebäude gab es im Hof einen wunderschönen, großen Kastanienbaum mit einer Bank rundherum, unter dem bei Regen zumindest ein Teil des Kollegiums Platz fand. Das waren immer sehr gemütliche Feste. Undankbarerweise wird dieser Kastanienbaum im Zuge der Renovierungsarbeiten entfernt. Um diesen Baum tut es uns allen sehr leid, nachdem er um einen fünfstelligen Betrag gegen die Miniermotte geimpft wurde, stirb er jetzt doch. In unserem provisorischen Gebäude gibt es nur den „Gefängnishof“ genannten Innenhof. Er wurde verschönt (klick)  mit Sesseln, Tischen und Bänken versehen, er wurde auch mit allem Möglichen bepflanzt, aber dennoch erinnert er an einen Gefängnishof.

Mir fällt gerade ein, dass ich heuer für das Fest weder Geld noch Fressalien beigesteuert habe. Es wird sich wohl heute eine Gelegenheit finden, dies nachzuholen und wenn nicht, wird das auch niemandem weh tun.


14 Kommentare

Die sublime Eitelkeit des Doktor X – eine Fremdanekdote

Meine Freundin E. hat ein großes gesundheitliches Problem. Durch einen Bandscheibenvorfall ist ein Nerv so stark beengt, dass sie starke Schmerzen hat und ihre Beine langsam gefühllos werden. Nun war sie um eine verlässliche Diagnose zu bekommen bei vier verschiedenen orthopädischen Chirurgen bzw Neuro-Chirurgen. Die drei ersten waren sich ziemlich einig und meinten, dass durch einen minimal-invasiven Eingriff das Problem weitgehend behoben werden könnte. Der vierte, den sie konsultierte war Doktor X.

Man muss vorausschicken, dass E. Kardiologin ist, also nicht jemand, die von medizinischen Themen keine Ahnung hat. Doktor X teilte ihr also mit, dass ihr Problem nur durch eine Stützung und damit Versteifung der Wirbelsäule zu lösen wäre, also Metallplatte, Schrauben, nix minimal-invasiv. E. war verunsichert und fragte, wie er sich erkläre, dass drei andere Spezialisten eine ganz andere Meinung hätten und nach welchen Kriterien sie sich seiner Meinung nach entscheiden solle. Der Doktor X antwortete ihr, dass sie die Ratschläge jenes Arztes befolgen solle, der ihr am sympathischsten und kompetentesten erschiene.

E sagte, dass sie es sich überlegen würde, wankte nachhause und beschloss der Meinung der drei zuerst konsultierten Ärzte zu folgen. Und dann – und jetzt kommst – bekam sie einen Anruf aus der Verwaltung eines Spitals. Es wurde ihr mitgeteilt, dass sie am 25.6. einen OP-Termin bei Doktor X habe. Der eitle Gockel war sich absolut sicher, dass sie ihn für den sympatischsten und kompetentesten halten würde und hatte schon einmal einen Termin für sie reserviert. Ob wohl der Dr. X samt seinem gewaltigen Ego in einem durchschnittlich dimensionierten OP-Saal überhaupt Platz hat?


17 Kommentare

Keppelzahn

Keppelzahn, der, Substantiv: geschlechtsneutrale Bezeichnung für Personen, die an allem und jedem etwas auszusetzen haben und dies in wenig diplomatischer Art kundtun

keppeln, Verb: liebste Aktivität aller Keppelzähne (und anderer)

mosern, Verb: eine von vielen Arten des keppelns

grantig, Adjektiv: permanenter Aggregatzustand des Keppelzahns

In manchen Gegenden der Welt sind Keppelzähne häufiger vertreten als in anderen. Es handelt sich keinesfalls um eine aussterbende oder auch nur entfernt vom Aussterben bedrohte Art. Vielmehr kann die Forschung eine immer größere Anzahl von neuen Unterarten der Species identifizieren.

Auch die Linguisten sind in der Keppelzahnforschung aktiv: keppeln, mosern, keifen, granteln sind nur einige wenige Basisformen zur Beschreibung der keppelzähnigen (oder keppelzahnigen) Aktivitäten, die sich über alle Lebensbereiche erstrecken

Die Sozio-Mathematiker befassen sich mit den Überschneidungsmengen von Keppelzähnen und Vertretern diverser Ideologien und politischen Richtungen. Endgültige Ergebnisse konnten noch nicht erzielt werden

Keppeln unterscheidet sich vom Sprechen insofern als die emotionalen Inhalte der Kommunikation beim Keppeln für andere meist nicht ganz nachvollziehbar sind bzw für vernachlässigungswert gehalten werden. Daran erkennt man die tragische Komponente im Leben der Keppelzähne.

Keppelzahn ist nicht unbedingt eine stabile Charaktereigenschaft. Sie kann je nach Wetter, Gemütslage und Qualität des letztkonsumierten Schnitzels variieren.

Beispielhafte Situation:

M (an der Supermarktkasse): Das sind Blumen und keine Bierkisten!

Die Kassierin (fetzt die von M gekauften Pfingstrosen über das Band) Sie müssen mir schon sagen, wenn Sie die Kundenkarte einstecken!

M: Hab´ ich doch grad vor ihrer Nase gemacht. Sie müssen halt hinschauen.

Beide grummeln und finden, dass sie ihre berechtigten Beschwerden angebracht und ihren Standpunkt klargemacht haben. Alle anderen verdrehen die Augen.