la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Die Knöpfe muss ich noch ändern

Fast alle sind wir in den gleichen wurstartig gestylten, gerippten Jacken unterwegs, hauptsächlich in schwarz oder dunkelblau, hin und wieder auch eine andere Farbe, aber selten. Den Unterschied machen nur die Kapuzen: manche Jacken haben eine, andere nicht; es gibt sie mit und ohne Futter mit und ohne Umrandung an der Kapuze. Aber praktisch alle sehen wir in diesen gleichmachenden Jacken nicht nur eintönig sondern auch ziemlich düster aus. Farbe bringen nur die Schals und Tücher, für Mützen und Handschuhe ist es noch nicht kalt genug. Wendet man sich mehr nach Süden, ist es dort bunter, wendet man sich mehr nach Norden, ebenso. Wenn der bunte Eindruck auch oft von den Häusern hervorgerufen wird. In Mitteleuropa ist winterliche Bekleidung farbmäßig absolut trist. Der langen Rede kurzer Sinn: ich habe mir einen roten Stoffmantel gekauft ….


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Neue und verfallende Schönheit

In manchem kann einem der Massentourismus schon die Freude am Reisen verderben. Das alte Lisboa nimmt es sehr gelassen. Offenbar kann nichts die Atmosphäre auf der Praca de Comercio zerstören. Die Wolken und der gelegentliche Nieselregen verstärken die zeitlose Melancholie obwohl die vielen Touristen laut sind und bunt. Der wunderschöne Platz wurde von den Autos wieder befreit, die hier eine Weile parken durften und öffnet sich wieder weit auf den Fluss. Die alten Marmorstufen führen ins Wasser. Ob es wirklich dieselben sind, die die großen Seefahrer benützt haben, sei dahingestellt, aber man kann es sich gut vorstellen.

Es hat sich einiges verändert, seit ich das letzte Mal hier war, vor drei Jahren glaube ich. Es wurde ein Weg angelegt entlang des Flusses vom Bahnhof Cais do Sodre zur Praca do Comercio. Für Touristen, angenehm zu gehen mit Sitzgelegenheiten, Lokalen, Fahrrädern und Scootern zu vermieten. Könnte überall auf der Welt sein und dann doch nicht, denn da ist der Blick auf die Brücke, an diesem Tag halb im Nebel.

Man kann also nun sehr bequem zu allen Anlegestellen der Fähren auf die andere Seite des Tejo gelangen. Ich war in Versuchung doch einen kleinen Besuch bei den Gespenstern zu machen, habe mich aber doch dagegen entschieden. Ich wollte keine lebenden Vertreter des Clans antreffen. Um diese Jahreszeit herrscht ja Hochbetrieb auf Friedhöfen.

Ich habe statt dessen eine Runde durch das neue Stadtviertel auf dem Expo-Gelände gedreht. Ein neues Wohnviertel mit sehr gelungener, moderner Architektur ist hier entstanden. Einige Elemente der Expo sind geblieben, das fantastische Aquarium, mehrere Theater, große Grünflächen, äußerst gelungen. Lissabons alte Viertel sind allerdings wie immer: abblätternder Verputz, kaputte Fenster, abenteuerliche Stromleitungen, extrem zerkratztes Glas. Eng, schmutzig, muffig, nie malerisch gewesen.

Die Altstadt ist auch nicht wirklich gepflegt, aber hier verfällt und vermodert vieles sehr wohl malerisch und die allgegenwärtige saudade hat alles im Griff, die romantisch gestimmten Touristen und die möglicherweise leicht genervten Bewohner.

 

 


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Regen und Licht

Es regnet. Trotzdem fahre ich nach Lissabon. Lissabon im Regen ist eine gewisse Herausforderung. Die Kanalisation ist miserabel. Ich habe den Verdacht, dass sie noch aus Zeiten des Marques de Pombal stammt. Das ist derjenige, der die Stadt nach dem verheerenden Erdbeben und dem fast vollständigen Niederbrennen 1755 wieder aufbauen ließ. Aber obwohl man ständig reißende Flüsse und mitteltiefe Seen durchqueren muss, bleibt Lissabon doch eine Stadt mit großartiger Anlage und Architektur, die auch Pombal zu verdanken sind und vor allem einem ganz speziellen Licht vom Tejo herauf in die Innenstadt. Jetzt freue ich mich schon richtig


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Mäßiges Holpern

Seit etlichen Jahren habe ich portugiesisch weder gehört noch gelesen noch gesprochen oder geschrieben. Mein portugiesisch ist also recht rostig und quietscht bei Benutzung etwas. Ich rede soviel wie möglich mit Leuten, die mir über den Weg laufen und es geht ganz gut. Zumindest hat mir noch niemand den/die ich auf portugiesisch angeypro hen habe auf englisch geantwortet. Bei schwierigeren Themen würde ich wahrscheinlich um Worte und Strukturen ringen aber für Unterhaltungen über die Schönheit des Meeres, die Obstpreise und Ähnliches bin ich gut gerüstet. Die Sache mit der Infinitivkkonstruktion im Konjunktiv traue ich mir auch zu, wenn vielleicht auch nicht immer absolut richtig. Ein/e Gesprächspartner/in für komplizierter Themen wäre mir sehr willkommen, aber ich habe mich ja bei keinem meiner portugiesischen Bekannten gemeldet, weil ich ja entspannt am Meer spazieren wollte. Das tue ich auch mit großer Freude nur etwas mehr Kommunikation – allerdings nur sporadisch – könnte ich gut vertragen. Das geht aber nicht, jeden Tag ganz oder gar nicht sind die Optionen….

 


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Die Portugiesen und das Meer

Immer hatte ich den Eindruck, dass durchschnittliche Portugiesen sehr wenig Beziehung zum Meer haben. Irgendwann habe ich eine Statistik gelesen, die besagte, dass ein hoher Prozentsatz dieser Nachfahren von Weltumseglern noch nicht einmal schwimmen können. Vielleicht konnten Vasco da Gama und Magalhaes auch nicht schwimmen.

Jedenfalls habe ich heute eine unrepräsentative Umfrage mit einem sample von gezählten 17 Personen gemacht. 100 Prozent der Befragten antworteten mit „weiß ich nicht“. Nicht ein/e einzige/r konnte meine Frage beantworten. Der Letztbefragte, ein Rezeptionist des Hotels, schaute bei Google nach. Sein Kollege, der Nummer 18 wäre, meinte, dass man „das“ hier nicht so merken würde, weiter weg schon. „weiter weg“ sind in diesem Fall 15 Minuten zu Fuß. Was habe ich diese an der Küste lebenden Menschen gefragt? Etwas, was sich täglich vor ihrer Haustür abspielt: wie viel Zeit zwischen einem Höchststand der Flut und dem nächsten ist.