la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Sündig, der Mensch – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Sündig die Hand, sündig, sündig der ganze Körper, hart die Zellenmauer, wenn der Kopf dagegen geschlagen wird, immer wieder, immer härter um die sündigen Gedanken zu vertreiben.

Kalt der Körper, Raureif auf der Decke, aber immer noch eine Decke, immer noch dieses sündige Verlangen nach Bequemlichkeit, immer noch nicht geläutert, immer noch dieser unwürdige Körper, geißeln, geißeln bis aufs Blut, bis die Haut aufspringt, bis die Seele Macht über das sündige Fleisch gewinnt.

Barfuß auf den Steinen, zittern vor Kälte, gefühllos werden die Zehen und Finger, der Wind der Veränderung bläst herein, aber nicht stark genug, zu sündig ist dieser armselige Mensch, zu sehr hängt er noch an seinem irdischen Körper, an seinem Fleisch, an seiner Lust.

Steif werden Sehnen und Gelenke, die Kälte des Steinbodens durchdringt alles, die Kälte der Unzulänglichkeit, der Sünde.

Die wenigen Möbelstücke in der Zelle verrückt, vor die Tür geschoben, das Benzin über den fast schon empfindungslosen Körper gegossen und dann ein Streichholz. Verglühen aller Sünden im Feuer der Reinigung, Verglühen des Körpers, des Menschen, des Lebens.

 

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Sonnenwende – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Durch den Eiswald gingen sie, durch das niedrige Unterholz,  in der rituellen Bekleidung für die Sonnwendfeier, in der von alters her vorgegebenen Prozessionsordnung. Ihr Ziel war die heilige Höhle des Stamms. Die mit Kaninchensehnen vernähten Bärenfelle, die sie trugen, wurden vom leichten Schnee durchnässt.

An diesem Tag hatte es um die Mittagszeit leicht getaut und daher trieften auch die mitgetragenen uralten Banner vor Nässe, teilweise waren die alten Stoffe aber auch fest gefroren. Die meisten hingen in Fetzen und man konnte kaum mehr die Farben erkennen. Auch die ursprüngliche Bedeutung der Banner kannte niemand mehr. Mit wenigen Ausnahmen bestand die Prozession aus ganz jungen Menschen, die energisch ausschritten und einen unmelodischen Singsang angestimmt hatten, der der Ausgangspunkt für das nachfolgende Ritual war.

In der Höhle angekommen, gruppierten sich alle feierlich im Kreis. In Halterungen steckten Fackeln, die die Wände schwärzten  und ein flackerndes Licht auf die versammelten Menschen in ihrer rituellen Bärenfellbekleidung warfen. Nun traten die fünf Menschen vor, die an diesem Tag der Sonnenwende ausgezeichnet wurden und den Stein bewegen durften. Sie traten nacheinander in den Kreis, die Versammlung stimmte ein tiefes Brummen aus vielen Kehlen an, und nacheinander hoben sie den massiven Stein an und verrückten ihn jeweils ein kleines Stück, bis das darunterliegende Loch sichtbar wurde. Die Stammesanführerin öffnete die Metallkassette und entnahm ihr die heilige Schriftrolle. Niemand konnte die stark verblassten Zeichen deuten, niemand konnte noch lesen. Sie hob das Schriftstück zum Himmel ohne es entziffern zu können.

„Heute am 21. Juni, dem fünfzigsten  Sonnwendtag nach Verschwinden des Golfstroms, versuchen wir bei Raureif zu feiern und unser Schicksal anzunehmen. Während große Teile der Welt bei extremer Hitze verdorren, wird es in der Alpenregion immer kälter. Immer mehr Zulauf haben die Fundamentalisten, die unsere Lage auf sündige Gedanken zurückführen. Wir haben der extremen Kälte nicht mehr viel entgegenzusetzen.

300 Wörter


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Alltag #1

Als ich Ullis Ankündigung zu diesem Projekt las, gefiel mir die Idee sehr gut. Inzwischen gefällt mir die Idee immer noch sehr gut, aber es ist mir klar geworden, dass mein Alltag nur sehr wenig mit jahreszeitlichem Ablauf zu tun hat und ich mir daher etwas anderes werde einfallen lassen müssen um zu einem Thema zu kommen. Ich habe darüber nachgedacht und festgestellt, dass es mir schwer fällt, aus meinen Tagesabläufen herauszufiltern, was genau Alltag nun ist. Daher werde ich mich einfach hinsetzen und schreiben, was mir gerade Alltägliches einfällt. Dies ist Nummer 1

 

Betrachtungen über das Wäschewaschen

In dem Haus, in dem ich wohne gibt es im Keller eine Waschküche für alle Hausbewohner, die mit zwei sehr großen Waschmaschinen, einer Schleuder, einem riesigen Trockner und zwei Bügelmaschinen ausgestattet ist. Wir haben dort einen Kalender liegen, in den man sich eintragen kann. Das System funktioniert im Normalfall klaglos. Die Eintragungen im Kalender bieten obendrein Einblicke in das Leben der Bewohner. Wenn jemand einen neuen Kalender zur Verfügung stellt, das geschieht meist im Dezember für das nächste Kalenderjahr, trägt sich zum Beispiel Frau S. für jeden einzelnen Freitag Nachmittag des nächsten Jahres ein und das seit Jahrzehnten. Weder Herrn S. noch Sohn S, der inzwischen über 30 ist, habe ich jemals in der Waschküche oder auf dem Weg dorthin gesichtet. Herr S. ist eher für Informationen rund um das Leben im Haus zuständig. Er weiß schlicht und einfach alles, was sich im und rund um das Haus ereignet, wobei mir völlig schleierhaft ist, wie er das macht. F und ich nennen ihn zwar „Blockwart“, was aber gar nicht böse gemeint ist, weil es eigentlich sehr angenehm ist, wenn jemand immer alle Informationen zur Verfügung hat, nach denen man gerade sucht.

Die Cs waschen meistens am Wochenende, so wie ich auch und daher treffen wir uns immer wieder in der Waschküche. Herr C ist ein Sauberkeitsfanatiker. Während ich mich mit ihm unterhalte – im Normalfall darüber, was viel zu schmutzig ist in diesem Haus – pflegt er die ohnehin sauberen Wäschewagerln zu putzen oder die Tische abzuwischen, manchmal bearbeitet er auch die Außenflächen der Waschmaschinen. Wer mit Herrn C. eine Waschküche teilt, kann sich auf die dort herrschende Hygiene verlassen. Frau C wiederum gehört zu den ungeduldigen Menschen. Wenn ich vor ihr wasche kommt sie nachfragen, ob ich schon fertig bin. Wäscht sie nach mir, kommt sie mehrmals vorbei um mir mitzuteilen, dass sie eh bald fertig ist.

Unsere Waschküche ist recht groß und so haben sich im Laufe der Jahre dort eine Menge Wäscheständer und Kleiderhaken angesammelt, die nach Ausmusterung aus den Wohnungen eine zweite Berufskarriere starten, so dass man bequem in der Waschküche seine Wäsche auch  aufhängen kann. Offenbar ist noch nie etwas verschwunden, sonst wüsste Herr S. das und würde alle vor Langfingern warnen.

Das Führen eines gemeinsamen Haushalts beinhaltet auch das Sammeln und Waschen von schmutziger Wäsche. Wenn man jahrelang zusammenlebt, ist das so eine Selbstverständlichkeit, dass man keinen Gedanken daran verschwendet. F und ich sind aber ein noch ziemlich frisches Paar und ich finde, dass eine gemeinsame Wäscheverwaltung durchaus einen intimen Aspekt hat. Wenn sich durchgeschwitzte Wäsche von zwei Menschen in einem Wäschekorb begegnet so ist das nichts, was von romantischen Dichtern besungen wird, aber ein solides Element von alltäglicher Gemeinsamkeit. Schließlich ist in einer Beziehung jenseits der Teenagerjahre ein geglückter Alltag wesentlich herausfordender als geglückte Höhepunkte des Lebens, letztere gelingen ja fast von selbst.


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Abschied

Etüdensommerintermezzo bei Christiane 

Aktenzahl: II-18/1

Du warst ein Kreativer, der sich Kreativität nur selten gestattete. Auf jeden Fall musste alles, was unter deinen Händen entstand einen Zweck erfüllen. Holz war dabei eines deiner Lieblingsmaterialien. Auch anderes wurde bearbeitet, verändert, nützlich gemacht. In der Zeit in der du Kind warst, waren das Fähigkeiten, die den Unterschied zwischen Hungern und  satt sein  ausmachen konnten, zwischen einem undichten und einem schützenden Dach über dem Kopf. Es ging nicht darum gestylte Lampions aufzuhängen sondern funktionierende Stromleitungen zu haben. Die Besitzlosen lebten in der Ungewissheit von Wanderbaustellen. Die Besitzlosen und die, die sich dem herrschenden Regime widersetzten. So einer war dein Vater. Als Kind war das für dich eine Katastrophe, der Grund für die Armut, die Benachteiligungen, den Hunger. Du hast diese Seite deines Vaters wohl nie so richtig geschätzt, aber ich bin heute stolz auf meinen Großvater.

Du hast studiert, hast Karriere gemacht, bist wohlhabend geworden. Deine Kinder wissen nicht, wie es ist, etwas das man unbedingt haben möchte nicht zu bekommen. Dein Sarkasmus war wohl Verteidigungslinie gegen Erinnerungen, ein Windhauch, der versuchte gegen den großen Sturm zu blasen. Gegen den großen Sturm aus Krieg und Hunger und Schmerzen. Es hat dich amüsiert, dass die Zeiten nun so sind, wie sie sind, dass Menschen versuchen möglichst wenige Kalorien zu essen, Knäckebrot, eine halbe Tomate und gegen mögliche Depressionen Johannisbeersaft trinken. Ein bissl herablassend hast du auf die Nachgeborenen geschaut, die eine behütete Kindheit hatten, genug zu essen und einen Arzt wenn sie krank waren, die ihre Lebensmittel an jeder Ecke kaufen können und nicht die Rüben aus den Feldern stehlen müssen. Du warst stolz auf deine gewaltige Resilienz und deine Erfolgsgeschichte. Waldeinsamkeit hast du nie gesucht, denn die Kontrolle wolltest du nie aufgeben. Die Kontrolle über die Erinnerungen und das Leben danach und schließlich auch den Tod. Du bist alt geworden, sehr alt und in Frieden gestorben.

Die Graugänse fliegen auf und deine Schritte verklingen im Blau.


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Partyzelt?

Für heute Abend ist unser schulisches Abschlussfest geplant. Schon gestern schickte das Organisationsteam ein Rundmail an alle Kollegen, ob denn jemand ein Partyzelt zur Verfügung stellen könne um zumindest die Grillmannschaft im Trockenen unterzubringen, da der Wetterbericht für Donnerstag sehr bescheiden ausgefallen sein. Ob das eine gute Idee ist! Ich erinnere mich an Partyzelte im Regen unter denen es alles andere als trocken war. Jedenfalls hat es in der Nacht recht ausdauernd geregnet und regnet zur Zeit immer noch. Es ist  wirklich erstaunlich wie oft es in den letzten Jahren an den Donnerstag Abenden in der letzten Schulwoche geregnet hat. Dafür ist es an Maturatagen glühend heiß. Mit diesem Naturgesetz muss man sich eben abfinden.

In unserem alten Schulgebäude gab es im Hof einen wunderschönen, großen Kastanienbaum mit einer Bank rundherum, unter dem bei Regen zumindest ein Teil des Kollegiums Platz fand. Das waren immer sehr gemütliche Feste. Undankbarerweise wird dieser Kastanienbaum im Zuge der Renovierungsarbeiten entfernt. Um diesen Baum tut es uns allen sehr leid, nachdem er um einen fünfstelligen Betrag gegen die Miniermotte geimpft wurde, stirb er jetzt doch. In unserem provisorischen Gebäude gibt es nur den „Gefängnishof“ genannten Innenhof. Er wurde verschönt (klick)  mit Sesseln, Tischen und Bänken versehen, er wurde auch mit allem Möglichen bepflanzt, aber dennoch erinnert er an einen Gefängnishof.

Mir fällt gerade ein, dass ich heuer für das Fest weder Geld noch Fressalien beigesteuert habe. Es wird sich wohl heute eine Gelegenheit finden, dies nachzuholen und wenn nicht, wird das auch niemandem weh tun.