Kategorie: GESCHREIBSEL

Impulswerkstatt – Müssen es Menschen sein ?

Manchmal war der Himmel über dem Bosporus so eindrucksvoll, dass die Meerjungfrau sich einen bequemen, versteckten Ort suchte und stundenlang zusah wie die Wolken zogen und wie das Licht immer wieder durchbrach. Bei strahlend blauem Himmel sah man die Brücken gestochen scharf, als Erzeugnisse menschlicher Technologie, bei düsterem Wetter verschwammen die Stahlbetonlinien als wären es die Nebel der Zeit, die sie verwischten. Manchmal schwamm sie auch ins Schwarze Meer hinüber, wo der Himmel wieder völlig anders aussah. Der Bosporus war zwar der Ort an dem sie schon lange lebte, doch ihr Wander-Schwimm Radius reichte weit. Sie hatte alle Kontinente besucht, schon bevor sie die jetzige Form angenommen hatten.

Natürlich war die Meerjungfrau keine Jungfrau. Nach Tausenden von Jahren, die sie allein schon im Bosporus gelebt hatte, wäre das nun wirklich nicht zu erwarten gewesen. Es hatte sie auch überrascht als der jungfräuliche, weibliche Zustand im Lauf der Jahrhunderte erstrebenswert wurde. Sie war es gewohnt, dass Völker und Kulturen sich immer wieder veränderten, aber dies empfand sie als verblüffende Entwicklung. Jedenfalls wollen wir sie Meerfrau nennen, was auch viel besser zu ihr passt.

Bei aller landschaftlichen und architektonischen Schönheit in und um den Bosporus funktioniert dort auch eine ausgeklügelte Logistik, die Boote und Schiffe aller Größen sicher aneinander vorbeifahren lässt. Die Meerfrau fühlte sich dieser Meeresenge so verbunden, dass sie ein Gespür entwickelt hatte durch die kleinsten Bewegungen des Wassers bei Tag und Nacht genau zu wissen, welche Schiffe sich wo befanden und ob ihre Routen sich kreuzen würden. Eine nützliche Fähigkeit für die Schifffahrt, die sie gelegentlich nutzte um kleinere Kurskorrekturen herbeizuführen. Davon wusste die Istanbuler Behörde natürlich nichts. Eine nackte Frau mit Fischschwanz hätte sie möglicherweise nicht ernst genommen, auch wenn sie sich im Bosporus noch so gut auskannte.

Früher, als hier noch wenige Menschen lebten, erfuhr die Meerfrau die Neuigkeiten aus der Menschenwelt indem sie ein wenig an den Ufern lauschte. In den letzten Jahrhunderten wurde aber von so vielen Neuigkeiten gesprochen, dass sie sich nicht mehr alles anhörte und auch gelegentlich die Übersicht verlor. Nur wenn es um Frauen-Themen ging, hörte sie immer genau hin. So erfuhr sie, dass die Türkei, so nannte sich das Land rund um den Bosporus seit noch nicht einmal 200 Jahren – aus dem internationalen Frauenschutz-Abkommen ausgetreten war. Nunmehr war Gewalt gegen Frauen auch und vor allem innerhalb der Familie völlig legal. Die Meerfrau konnte über die Skurrilität so mancher politischer und sozialer Entwicklungen schallend lachen, doch diese Neuigkeit bestürzte sie.
Sie nutzte einige unterirdische Wasserwege, die ihr zur Verfügung standen und schwamm in die Stadt hinein. Sie begab sich dadurch in Gefahr, wollte aber unbedingt selbst sehen, was vorging. Große Frauen-Demonstrationen zogen nah an ihr vorbei. Viele junge Frauen, auch ältere, sie skandierten und schrien, sie schwenkten Transparente. Dass die Polizei Wasserwerfer benutzte, gefiel der Meerfrau, aber sie wusste schon, dass es ganz und gar nicht freundlich gemeint war und dass die Demonstrantinnen es nicht genossen, wenn sie mit Wasser besprüht wurden.

Nachdenklich schaukelte die Meerfrau an diesem Abend im Bosporus. Die winzigen Wellen, die an ihren linken Ellenbogen tippten, zeigten ihr an, dass das Containerschiff, das gerade in die Meerenge eingefahren war, auf dem richtigen Kurs lag. Ob das gesamte Land auch auf dem richtigen Kurs lag, konnte sie daraus nicht erschließen. Der aggressive Lärm, der aus der Stadt kam, erinnerte sie an einen Meermann, mit dem sie eine kurze Beziehung von ein paar Jahrhunderten gehabt hatte. Er liebte den Krieg und siedelte sich immer dort an, wo die Menschen gerade Konflikte austrugen. Oft beteiligte er sich sogar daran.
Als sie ihn kennenlernte, betätigte er sich gerade als Meeresgott und ging in dieser Rolle voll auf. Dann wurde es ihr zu dumm, dass er sie auch wie eine an seine Göttlichkeit Glaubende behandelte und sie zog zurück in den Bosporus. Ein sehr attraktiver Mann war er dennoch, vielleicht sollte sie ihn besuchen. Sie würde ohnehin sehr gerne erfahren, ob es ihm immer noch gelang seinen Fischschwanz zu verstecken oder irgendwie umzudefinieren um hin und wieder eine Rolle in einer menschlichen Gesellschaft zu spielen.
Sie fühlte sich – wie schon so oft – in einem Identitätskonflikt. War sie eher ein Meereswesen, den Meeren und Ozeanen und deren Bewohnern verpflichtet oder war sie primär eine Frau, deren Loyalität den Frauen dieser Welt gehörte. Ließ sich beides vereinen? Die bittere Erfahrung schloss ein Leben in beiden Welten aus. Immer wenn sie Kopenhagen besuchte, schwamm sie einen großen Bogen um das dort errichtete Denkmal eines Moments großer Verblendung. Dorthin wollte sie nicht wieder, ganz auf den Kontakt mit Menschen zu verzichten kam aber auch nicht in Frage.

Vielleicht zur Klärung ihres Geistes ein längerer Aufenthalt im Marianengraben. In ihrem langen an Herausforderungen reichem Leben hatte sie gelernt nicht nur auf ausschließliche Kiemenatmung umzustellen sondern auch extremen Druck als angenehm zu empfinden. Es sprach also nichts gegen ein retreat im Marianengraben. Vielleicht waren die Menschen nicht mehr da, wenn sie zurückkam, der Bosporus höchstwahrscheinlich schon.

Gerade habe ich erfahren, dass die Meerfrau an ihrem Ziel angekommen ist und dass es in 11.000 Metern Meerestiefe Geschöpfe gibt, die um nichts weniger interessant sind als die Menschen.

ABC -Etüden – der Marsch der Mädels

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal von Nellindreams

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Keineswegs zufällig war sie die Anführerin der Beschaffungstruppe. Sie roch schon von weitem, wo es welche Lebensmittel zu finden gab, sie fand die kürzesten und sichersten Wege und setzte die Truppe in Bewegung. Heute war es wieder einmal so weit, ein vielversprechendes Lager war ausfindig gemacht, es musste nur noch abgebaut werden. Möglichst schnell und effizient natürlich. Sie schaute jedes einzelne der Mädels streng an und setzte sich an die Spitze der Truppe. Und los marschierten sie, siegessicher, zielorientiert und ein bisschen verwegen.

Auch Hanne war so etwas wie eine Truppenanführerin. Sie hatte eine Art Picknickdecke aufgelegt und die Köder für die Ameisen in geblümtem Geschirr angerichtet.
“ Du bist doch eine alte Kitschtante“ sagte ihr Mitstreiter Bruno lachend. „Eine Umsiedlungsaktion ist doch kein Picknick“
„Das Leben auch nicht“ meinte Hanne wenig originell dafür umso lauter. Bei der Jagd auf Ameisen waren andere Kriterien als die Lautstärke zu beachten.
Hanne hatte alles recherchiert. Es handelte sich um ein Nest von Formica pressilabris Nylander, einer vom Aussterben bedrohten Ameisenart, das auf keinen Fall einer Baustelle zum Opfer fallen sollte. Einige der Tiere wurden angelockt, dann das ganze Nest ausgegraben und umgesiedelt.

Die Mädels marschierten diszipliniert wie immer. Die Fühler abwechselnd am Boden und in der Luft. Ha, da vorne musste das Lager sein. Köstliche Düfte. Und es war gar nicht weit. Sie begannen die Logistik für den Abtransport aufzubauen.

Hanne beobachtete ihre Decke und konnte keine einzige Ameise entdecken. „Sie werden schon her finden“ meinte Bruno „inzwischen können wir ja selbst essen“ Hanne wartete. Dann hörte man einen Schrei und ein lautes Lachen. „Die Schwarmintelligenz hat uns ausgetrickst“ rief Bruno. Er hielt eine Plastikdose in der Hand, überall auf der Dose und auf Brunos Händen krabbelten Ameisen. Der Kuchen und das Obst waren schon zu einem guten Teil verladen. Die Picknickdecke blieb leer.

301 Wörter

Impulswerkstatt – Paula, Ich und das Pseudomonster

„Eine Bartagame ist das, eine australische Echse. Die Farbe ist natürlich eine Züchtung, es gibt sie in diesem Sonnengelb und in rot. Sie heißt Yuendumu nach einer australischen Künstlergruppe und wir nennen sie Yuemi.“
Meine Freundin Paula hatte dieses gelbe Ding auf der Schulter sitzen und sah es zärtlich an.

Mehr als „aha“ fiel mir dazu im ersten Moment nicht ein. Fröhlich sonnengelb, aber die Augen, die Nasenlöcher, der Gesichtsausdruck … Ich zog meine Oberlippe noch oben um ein Lächeln zu simulieren. Meine mangelnde Begeisterung fiel Paula nicht auf, sie war in eine ausufernde Schilderung der guten Eigenschaften des gelben Tiers ausgebrochen. Es saß auf ihrer Schulter und hatte alles im Blick. „Sie ist so süß“ sagte Paula „Sie geht sogar mit mir spazieren. Die Leute, die wir treffen, sind immer ganz begeistert. „Wie ein Schmuckstück“ sagen sie. Und wenn sie wie jetzt auf meiner Schulter sitzt, schmusen wir miteinander“.

„Aha“ sagte ich nochmals. Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen, aber alle nichtssagenden, scheinbar zustimmenden Äußerungen waren irgendwie aus meinem Kopf verschwunden.

Auch die Kinder schienen keine Angst zu haben obwohl dieses erschreckende, urzeitliche Tier auf der Schulter ihrer Mutter saß. Martin, Paulas Mann, war der einzige dem auffiel, dass meine Blicke in Richtung Bartagame nicht begeistert waren, noch nicht einmal freundlich. „Ich mochte sie anfangs auch nicht besonders“ sagte er „aber sie ist wirklich ganz harmlos. Die Tierhandlung würde sie auch jederzeit zurück nehmen. Sie sind sehr gefragt, es gibt sogar eine Warteliste.“ „Wir geben sie natürlich nicht wieder her“ sagte Paula und ihr Gesichtsausdruck bekam etwas echsenhaft-undurchsichtiges.

Paula hatte mich zum Wochenende eingeladen und ich verschwand kurz in meinem Zimmer und recherchierte zum Thema „Bartagame“. Zumindest waren sie nicht giftig. Ich erfuhr, dass sie Allesfresser sind und auch kleine Wirbeltiere nicht verschmähen. Nun, wer kleine Wirbeltiere nicht verschmäht, kann sich schließlich auch zu größeren durcharbeiten. Man muss ja große Mengen Fleisch nicht auf einmal ….. Leider habe ich so eine bildhafte Fantasie.

Das Abendessen war – gelinde gesagt- kein großer Erfolg. Bei angespannter Stimmung schleppte sich die Unterhaltung dahin. Ich überlegte, ob ich nicht doch gleich nach dem Essen wieder abreisen sollte. Wären die vierhundert Kilometer nächtlicher Fahrt nach einem üppigen Abendessen nicht so abschreckend gewesen, hätte ich das wohl getan.
Während des Essens war die Gelbe nicht etwa in einem Terrarium eingesperrt, sie hockte- provokant wie es mir schien – auf einer Sofalehne und ließ mich nicht aus den Augen. Deutlich spürte ich ihre Blicke in meinem Rücken.

Es gelang mir, den Abend mit einigem Anstand zu beenden und mich in mein Zimmer zurückzuziehen, wo ich mich bestmöglich verbarrikadierte . Natürlich achtete ich sorgsam darauf, dass die Bartagame nicht mit mir in das Zimmer hinein schlüpfen konnte. „Entweder sonnengelb oder unauffällig.“ dachte ich.

Ich träumte, dass das gelbe Tier, zwei Meter groß, Paula an der Leine führte. Sie musste immer wieder auf einem Bein hüpfen, was die Echse sehr amüsierte. Ihr Lachen klang wie eine diabolische Version des „Hohoho“ der kommerziellen Weihnachtsmänner.

Nach einer fürchterlichen Nacht mit weiteren Träumen war ich froh frühmorgens die Jalousie hochkurbeln zu können. Vor dem Fenster …. gelb …. gelb! Ich fuhr zurück, es waren aber nur Blumen in der gleichen Farbe wie die Echse. Kein guter Tagesbeginn. Ich beschloss, mich kurz nach dem Frühstück auf den Weg nachhause zu machen. Als ich in die Küche kam, wartete Paula schon auf mich und schlug vor, einen Spaziergang zu machen während Martin das Frühstück vorbereiten würde. „Yuemi hilft mir dabei und bleibt auch hier“ sagte Martin. Die beiden hatten offensichtlich über mich und die Gelbe gesprochen.

Paula und ich gingen am Bach entlang. Über die Bartagame vernünftig mit ihr zu sprechen, hielt ich für aussichtslos und schlug daher mehrere andere Themen an. Ein sehr vertrauter und entspannter Spaziergang wäre es geworden, wenn ich nicht ständig an die Echse gedacht hätte. Schließlich sagte Paula von sich aus „weißt du, Yuemi hat niemandem irgendetwas angetan, sie hat nicht einmal etwas kaputt gemacht. „Noch nicht“ dachte ich und sagte „Ach, es hat gar nichts mit eurer Gelben zu tun, ich mag einfach keine Echsen.“

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns in aller Freundschaft. Die Kinder verschwanden auf den Spielplatz und nahmen Yuemi mit. Paula und Martin begleiteten mich zum Auto. „Noch nicht“ dachte ich als wir durch den Vorgarten gingen und ebenso als ich um die Kurve fuhr, die Paula aus dem Rückspiegel verschwinden ließ.

„Noch nicht, noch nicht“ skandierte ich vor mich hin. Sonntag Früh, die Straßen waren leer. Fast leer. Der LKW-Fahrer mit der Sondergenehmigung für den Transport verderblicher Güter hatte an der Windschutzscheibe ein von weitem sichtbares, gelbes Schild mit seinem Namen. Der Polizei erzählte er später, dass die Straße völlig leer gewesen sei, außer ihm im LKW auf der anderen Straßenseite und der Frau, die aus unerfindlichen Gründen das Lenkrad nach rechts verrissen hatte und dann dem Baum nicht mehr ausweichen konnte.

In der Hölle wurde ich von einer riesigen gelben Bartagame empfangen, die sich nicht vorstellte. „Bevor du zu meiner Großmutter geladen bist, wollen wir zwei doch ein Tänzchen miteinander wagen“ sagte sie und starrte mich mit ihren Echsenaugen und ihrer undefinierbaren Miene an. Es muss die Hölle sein.

Dienstag 8. Juni – Böden und Busse

Mein Ziel war heute ein doppeltes einerseits das Kennenlernen des lokalen Raumausstatters in PB und andererseits die Erkundung der öffentlichen Verkehrsverbindungen dorthin. Dafür hatte ich eine Menge Fahrpläne studiert und auch eine sehr brauchbare app gefunden.

Der Raumausstatter hat sich als hauptsächlich Maler und Bodenleger entpuppt. Gut, ist mir auch Recht. Ein Zimmer braucht ohnehin einen neuen Boden und es ist praktisch, dass man Farben und Malerzubehör bei ihm kaufen kann, zumal sein Geschäft gerade ein paar hundert Meter von der Wohnung entfernt ist. Ich schicke also meinen Maler dorthin und er muss nur alles abholen und ans Werk gehen.

Die Zug- und Busverbindungen sind, nun sagen wir mal komplex. Es gibt verschiedene Möglichkeiten auf beiden Seiten der Donau. Die Zugstrecke, die uns einen Bahnhof im Ort beschert hätte, ist allerdings vor ein paar Jahren eingestellt worden . Naja, immer noch besser als es gäbe sie noch und sie würde demnächst eingestellt werden.
Die Anreise ist also mit mindestens zweimaligem Umsteigen verbunden. Kam mir zunächst ziemlich furchtbar vor, vor allem weil für das Umsteigen überall nur ein paar wenige Minuten zur Verfügung stehen. Aber überraschenderweise war es überhaupt nicht unangenehm, weil die Strecken in den verschiedenen Verkehrsmitteln immer kurz waren und alles geradezu auf die Sekunde genau pünktlich. Außerdem sind die Bahnhöfe überschaubar und die Zeiten wirklich so berechnet, dass man bequemen Schlenderschritts von einem Verkehrsmittel zum anderen gehen kann. Es waren auch ein paar bepackte Leute unterwegs, die das Umsteigen auch sehr gut geschafft haben.
Im Bus fährt man eine schöne Strecke entlang der Donau an Orten mit klingenden Namen wie Pöchlarn und Melk vorbei. Zwei von den Bussen, mit denen ich gefahren bin, standen mir als privates Taxi zur Verfügung, weil es gerade nicht die richtige Zeit für die Schulkinder war. Also, Experiment auf der ganze Linie erfolgreich.

Es war zwar den ganzen Tag über ziemlich heiß, aber am späten Nachmittag begann es leicht zu nieseln, was ich sehr angenehm fand.

Ein ganz spezielles Gefühl war es, mitten im Nirgendwo zu stehen (aus meiner Sicht) nur in Begleitung einer Tafel auf der die Abfahrtszeit des Busses stand. Kommt er, kommt er nicht, gibt es diesen Bus überhaupt? Tatsächlich bog er absolut pünktlich um die Kurve. Es mag ja seltsam erscheinen, aber für mich ist so ein kleiner Ort eine fremde Welt, in der ich Vertrauen erst aufbauen muss.

Bukolische Chroniken – vom Staub und der Gefahr – 5.6.21

Nachdem wir die Wohnung vorige Woche übernommen hatten, wollte ich gleich einmal die Vorzimmermöbel etwas umstellen und fand dahinter den Staub von Jahrhunderten. Wir haben daher als allererstes einen Staubsauger gekauft und heute haben wir jemanden getroffen, den ich gerne zum Ausmalen engagieren möchte. Malt man nicht sofort aus, macht man es nie wieder, meinte der F und ich kann ihm da nur zustimmen. Es wird also alles ausgemalt, inklusive Abstellraum und teilweise die Böden erneuert und dann werden wir weitersehen. Ich bin von meinem eigenen Schwung ganz überwältigt.

Mein nunmehriger Zweitwohnsitz ist ein kleiner Ort mit weniger als 2200 Einwohnern aber mit einem langen Namen, daher werde ich ihn vorläufig einmal mit PB abkürzen. Zuerst überlegte ich, ihn Macondo zu nennen, aber der Name hat doch eine Menge negativer Konnotationen und so bleibt es einmal bei PB.
Es ist eine sympathische Gemeinde. An jedem Eck sind Blumenbeete im öffentlichen Raum, alle grüßen einander auf der Straße, demnächst soll es eine öffentliche Versammlung geben zum Thema „kindergerechte Verkehrsgestaltung im Ort“
Wahrscheinlich laufe ich mit rosa Brille herum, aber sogar wenn, schadet das ja niemandem.

Die Übersetzung des Namens in aktuelle Sprache bedeutet so etwas wie „böse Kurve“. Der Ort liegt am Übergang zwischen Strudengau und Nibelungengau. Der Strudengau bekam seinen Namen durch die Strudel, die die Donauschiffahrt dort sehr gefährlich machten. Dies zu Zeiten von pferdegezogenen Schiffen. Heute gibt es diese Gefahr nicht mehr. Frühe Marktrechte brachten der Gemeinde Wohlstand, die sichere Schifffahrt folgte, aber der Ortsname ist geblieben.

Türme gibt es hier in verschiedenen Stilrichtungen:

Impulswerkstatt – Einladung für Juni

Willkommen an alle, die schon mitgemacht haben und alle, die noch mitmachen werden und natürlich auch alle, die zusehen, zuhören, lesen und kommentieren.

Vor den neuen Fotos wie immer die Beschreibung des Projekts

KLICK Hier könnt ihr nachlesen, worum es sich bei diesem Projekt handelt

Bitte verlinkt eure Beiträge alle hierher.

KLICK Das Archiv des Projekts in dem alle Beiträge gesammelt sind und alles noch einmal nachgelesen werden kann, befindet sich auch hier

Die Teilnahme
ist für alle offen: Texte jeder Art, Bilder, Fotos, Zeichnungen, Betrachtungen, Musik, Installationen, Kochrezepte, Bastelanleitungen usw usf. als Resonanz auf die Fotos des Monats sollen hier gesammelt werden.
Meine Idealvorstellung wäre so eine Art Puzzle aus verschiedensten Teilen. Natürlich können alle beliebig viele Beiträge beisteuern.

Ich versuche die Gratwanderung zwischen „ein bisschen Anregung anbieten“ und „alles ist möglich“. Besonders spannend finde ich auch immer, wenn ein ernstes oder melancholisches Bild zu einer heiteren Resonanz führt oder umgekehrt. Kreativität bedeutet ja unter anderem, Dinge oder Ideen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun haben zu verbinden.

BILD 1:

Die Originalstimmung bei der Aufnahme dieses Fotos war überhaupt nicht melancholisch, es sieht aber so aus. Zu Brücken, Segelbooten und dem Bosporus kann einem so einiges einfallen, auch heiteres. Das Foto kann aber natürlich auch in eine ganz andere Richtung inspirieren. Ich freue mich besonders auf das, was mir dazu nicht eingefallen wäre.

BILD 2:

Das ist eine Bartagame, die laut Auskunft ihrer Besitzerin – die Dame, deren Ohr man hier sieht – äußerst anhänglich und schmusig ist. Ich habe da so meine Zweifel und zu Echsen eigentlich ganz andere Assoziationen, bin aber gespannt, was euch dazu einfällt.

BILD 3:

Es gibt auch ein jahreszeitlich passendes Foto. Ja, ich habe die Musikerin gefragt, ob ich sie fotografieren und veröffentlichen darf. Man sieht nichts von ihrem Gesicht, aber wer in Wien durch den Volksgarten spaziert, ist ihr vielleicht schon begegnet. Lebensgeschichten jeder Art bieten sich an, Blumen und Farben als Ausgangspunkt für Resonanzen.

BILD 4:

Ein Werk von Josef Elter, einem bildhauernden Geistlichen oder geistlichen Bildhauer, der im Waldviertel lebte und arbeitete, sowohl als Pfarrer einer kleinen Gemeinde als auch als Bildhauer. Von diesem Werk kann man sich in sehr viele Richtungen inspirieren lassen, finde ich, da möchte ich gar nichts weiter dazu sagen.

Ich versuche die Gratwanderung zwischen „ein bisschen Anregung anbieten“ und „alles ist möglich“. Besonders spannend finde ich auch immer, wenn ein ernstes oder melancholisches Bild zu einer heiteren Resonanz führt oder umgekehrt. Kreativität bedeutet ja unter anderem, Dinge oder Ideen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun haben zu verbinden.

Auf geht´s, meine Lieben. Viel Freude wünsche ich. Die Übung wird sicher gelingen !

Impulswerkstatt – Maienzusammenfassung

Liebe Impulswerkstattbesuchende

Eine Beschreibung des Projekts sowie alle Einladungen und Zusammenfassungen gibt es hier KLICK

Meinen herzlichen Dank für die vielfältigen Beiträge und auch die Besuche bei den beteiligten Blogs. Es gibt zwei neue Gäste zu begrüßen Bruni und Bernhard . Willkommen! Es würde mich sehr freuen, euch hier noch öfter begrüßen zu dürfen.
Ich habe ja die bildliche Vorstellung einer bestens ausgestattenen Werkstatt, in der gemalt, gezeichnet, geschrieben, Musik gemacht, gekocht, getöpfert, collagiert, fotografiert werden kann und die daraus entstandenen Werke dann allgemein zugänglich ausgestellt werden. Dafür gibt es diese monatliche Zusammenfassung und einen Zwischenstand in der Mitte des Monats.
Im Monat Mai herrschte zu Zeiten des Zwischenstands eine leichte Flaute, vielleicht war es auf dem Weg zur Werkstatt zu kalt und zu schlammig wegen dauerhaften Regens, aber gegen Ende des Monats hat sich diese Situation radikal geändert. Wir hatten alle kreative Hochs und die Liste ist deutlich länger geworden

Für mich ist hier in der Impulswerkstatt schon eine gewisse organisatoriche Routine eingekehrt. Ich führe die Liste im Hintergrund so, dass jeder Beitrag, den ich entdecke sofort auf die Liste kommt damit ich nichts übersehe und auch damit nicht am Ende des Monats ein Riesenbrocken an Verlinkungen anfällt. Dass soll aber niemanden davon abhalten einen Pingback zu setzen. Wenn ich ihn nicht gleich freischalte heißt das nicht, dass ich ihn nicht gesehen habe. Es ist mir nur lieber, wenn ich in einem Zug den Ping freischalte, den Beitrag auf die Liste setze und auch gleich kommentiere. Manchmal dauert es eine Weile, weil ich über einen Kommentar nachdenke oder gerade nicht am Blog bin. Aus meiner Sicht hat sich das alles ganz gut eingespielt, manchmal muss nur der eine oder die andere etwas Geduld haben.

Wer nicht weiß, was die Impulswerkstatt ist und dies gerne erfahren möchte KLICK Eine Beschreibung des Projekts sowie alle Einladungen und Zusammenfassungen gibt es hier

Ich liebe Überraschungen und habe in jeder Runde Grund zum Staunen, weil ich offenbar prinzipiell falsch einschätze, zu welchem Foto es die meisten Beiträge geben wird.
Diesmal war es zu meiner Verblüffung die Wäsche mit dem roten Prachtstück in der Mitte, das aber auch gegen alle meine Erwartungen eigentlich nicht sehr dominant war. Die Wäsche brachte es zu Geschichten (Nati war im totalen Wäschegeschichtenrausch), zu interessanten Texten über Kindheitserinnerungen im Zusammenhang mit Wäsche, zu vielen Fotos
Die Pelikane dagegen bekamen am wenigsten Beiträge. Einen Sachtext über Pelikane hätte ich noch gerne geschrieben, der ist aber dem Wohnungsstress zum Opfer gefallen. Maren schreibt hier ja nicht mit, sonst hätte das ein interessanter Text über Konkurrenz und Kooperation werden können.

Auf jeden Fall ist wieder ein schönes Sammelsurium zusammengekommen und ich überreiche hiermit allen Beteiligten eine virtuelle Rose oder Tulpe, ganz nach persönlichem Geschmack und freue mich darauf im Juni von allen wieder zu hören oder zu sehen. Zum Thema „sehen“ gibt es bei der neuen Einladung dann noch etwas zu sagen.

Jetzt aber zu den Beiträgen. Ich habe sie wie immer nach Datum und nach den Impulsbildern geordnet.
Die neuen Fotos für Juni kommen diesmal am 2. Juni

Bild 1:

Bild 2:

Bild 3:

Bild 4:

Verbindung mehrerer Bilder:

Resonanz auf andere Beiträge:

Chronologische Liste

Übergeben – 31.Mai 2021

Gerade habe ich noch darüber gejammert, dass ich die Wohnung eh nicht bekommen werde und nun habe ich sie schon gekauft. Es fehlt nur noch der Eintrag im Grundbuch, das wird noch 2, 3 Monate dauern.

Erstaunlich schnell ist alles gegangen. Die Ummeldungen von Strom, Wasser und Heizung, die Schlüsselübergabe. Wir haben Wohnung, Keller und Garage in Besitz genommen. Ein komisches Gefühl muss das sein, anderen Leuten die Wohnung zu überlassen, in der man fünfzehn Jahre gelebt hat.

Die Wohnung ist halb möbliert, hat alle nötigen Geräte, die sogar noch recht neu sind. Natürlich ist nicht alles genauso, wie ich es gerne haben möchte, aber es muss ja nicht alles auf einmal sein. wenn ich mir allerdings dieses Prachtstück ansehe, freue ich mich schon auf den Winter. Es gibt auch eine Zentralheizung, aber das ist ja kein Vergleich !

Das Wasser der Alhambra- Extraetüde für die Impulswerkstatt

Wasserspiele als wesentliche Elemente der Gartenkunst, in persischen, chinesischen, arabischen Gärten. Steine, Wasser, Pavillons. Die Fontäne auf dem Foto stammt von einem nächtlichen Besuch im Planten un Blomen-Park in Hamburg

Eine Extraetüde wie immer bei Christiane
Extra, weil es fünf dieser Wörter in einem Text von höchstens 500 Wörtern sein müssen.

Tatsächlich sind es sogar weniger als 500

Beide Hände in den Brunnen gehalten. Jedesmal wenn ich vorbeigehe, habe ich die Hoffnung, dass es diesmal so weit sein wird. Das Wasser wird mich hochheben und wegtragen aus dem Palast mit den geometrischen Steinbecken, den blauen Fliesen und der ornamentalen Schrift an den Wänden, aus den Rosengärten, weg von den geschnitzten Holzfenstern, hinter denen sich die Frauen vor der Welt verbergen und den prächtigen Toren mit Metallbeschlägen, die alle Wege versperren. Wunderschöner Käfig in blau und weiß. Die kühlen Böden und die gleißende Sonne, der Schatten in den Höfen unter den Orangenbäumen und die leisen Geräusche der Wasserspiele.

Doch eines Tages werden die perfekten Gipsornamente im Wasser zerfließen und der Beherrscher aller hier wird vor Gier und Arroganz verdampfen.

Wegwerfen werden wir die Schleier und Korsette, die Hilfsmittel für die laue Potenz des Herrschers. Die Eunuchen werden die Männer aus den Baracken weit weg vom Palast einladen und alle, Frauen, Männer und Eunuchen werden auf ihre Art genießen und leben, unabhängig davon, was ihnen davor widerfahren ist. Dann wird der Palast geöffnet werden, die Schönheit der Gebäude und Gärten wird für alle zu sehen sein und aus dem Käfig wird ein Paradies werden.

Unerträglich wäre das Leben, würde dieses schöne Märchen nicht seit Generationen in den Haremsbereichen der Alhambra erzählt. Das Märchen fließt durch alle Wasserbecken, durch die Rohre, die den Löwenbrunnen speisen und es sprudelt auch durch alle Privaträume. Alle kennen es, die Frauen und die Eunuchen und die unzähligen Kinder des Herrschers, die auf vielen Wegen auf den ersehnten Thron gelangen können. Doch keiner dieser Wege führt an Mord und Verrat vorbei. Die möglichen Thronerben und ihre Mütter hören dem Märchen nicht zu, versuchen, es zum Schweigen zu bringen. Doch das ist noch niemandem gelungen. Es fließt und sprudelt durch die Räume, die Patios und die Gärten getragen vom lebendigen Wasser.

Noch lacht der Herrscher darüber. Alles um ihn ist ihm untertan, wartet auf seinen Befehl. Seine Leibwachen ebenso wie die Rosen und das Wasser. Und er hat zurecht gelacht, ebenso wie sein Vorgänger und sein Nachfolger. Niemals hat das Wasser in den Palästen irgendjemanden befreit, nicht die Frauen, Kinder und Eunuchen und am allerwenigsten den Herrscher über sie alle.

Resonanz auf Ullis Foto in der Impulswerkstatt

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Resonanzen nehmen oft Umwege , die man schon selbst schwer nachvollziehen kann, geschweige denn, dass sie jemand anderem einleuchtend erscheinen. Hier ist eine solche auf ein Foto von Ulli


Das riesige trojanische Pferd steht noch offen. Über dem mittleren Eingang wurden geschnitzte, mit Gold überzogene Blätter angebracht, die aber an die todbringenden Spitzen eines Burgtors erinnern. Die Seiteneingänge scheinen direkt in den blauen Himmel zu führen. Doch das täuscht, sowohl durch den zentralen Eingang als auch durch die vier Nebeneingänge gelangt man in den Innenraum des Pferdes.

Niemand weiß, warum es hier steht, niemand weiß wie der Innenraum aussieht. Neugierde treibt die Menschen hinein, doch warum sie drinnen auch bleiben, konnte noch niemand berichten. Genauso wenig weiß man, von wem und warum dieses Pferd, dieses Symbol der Täuschung und der Hinterlist hier aufgebaut wurde, offen für alle, die hineingehen wollen. Hier mitten auf dem öffentlichen Platz.

Es wurde nicht hastig aus übrig gebliebenem Brennholz zusammen gezimmert. Der Kopf wurde schön geformt, Teile des Körpers ziseliert, das Haupttor mit Schmiedekunst geschmückt. Jenen, die vorbei gehen, scheint es oft, als würde das Pferd sich ausdehnen. An manchen Tagen so schnell, dass man zusehen könnte, wenn nicht der Sog, den das Bauwerk ausstrahlt so stark wäre. Niemand steht jemals dort und betrachtet das Trojanische Pferd, man muss weitergehen oder hinein, anderes ist nicht möglich.

Resonanz auf Jürgens Zwilling in der Impulswerkstatt

Nicht nur Reaktionen auf meine ursprünglichen Bildimpulse finde ich interessant sondern auch Reaktionen auf Reaktionen ……. Lene hat gerade eine Reaktion auf Kathas Bewegungsgedicht beigesteuert. Und so ließ ich mich auch inspirieren. Nachdem ich schon vor einer Weile bei Ulli und Jürgen die Erlaubnis eingeholt habe, möchte ich ein paar Reaktionen auf Reaktionen schreiben

Zu spät ist es jetzt. Die Schatten haben sich verdichtet und verformt von verspielten Linien zu eisenharten Stöcken. Nur noch eine Frage der Zeit, dass mein eigener Schatten mich erschlägt, begräbt unter seiner widernatürlichen Verhärtung. Der Schatten meines Kopfes ist noch leichter, hat noch Luft, ist noch wandelbar, doch die Balken von oben kommen näher.
Ich hauche noch einen Angriff nach oben, ich versuche auf die weiche Basis zu treten, die der Verdunklung noch widersteht, aber wie lange noch? Würden sich der durchlässige Kopf des Schattens und die weiße Stützstruktur zusammenfinden, gäbe es vielleicht eine Möglichkeit. Aber nur, wenn mein Schatten sich von mir löste. Kann denn mein aus mir entstandener Zwilling ohne mich existieren?
Wenn die Schatten mich verschlingen können, kann dann nicht auch ich die Schatten auslöschen? Können wir nicht beide in einer eigenen Welt existieren und wiederum neue Zwillinge entstehen lassen?
Doch es ist zu spät.

Geometrisches Glück mit Kaktus

Zufrieden sah ich in den Garten hinaus. Mit einer Hand schob ich meine Brille so, dass die Bügel parallel zur Kante des Fensterbretts lagen. Wer mich zwänglerisch nennt, hat einfach noch nie über die tiefere Bedeutung der Geometrie im menschlichen Leben nachgedacht.
Vorhin zum Beispiel: Sex auf dem Küchentisch. Da trägt die Einhaltung des rechten Winkels entscheidend zum Erfolg bei. Ohne einen akkuraten rechten Winkel, der sich selbst aufrecht erhält wohlgemerkt, bleibt alles recht müde. Wenn wir schon beim Thema sind: aus auf dem Boden liegenden nassen Handtüchern forme ich Halbkreise, die – genau gleich groß – an die gerade Linie der Badewanne anschließen. Soll mir doch niemand erzählen, dass das kein erhebender, geradezu spiritueller Anblick ist.
Dein Blick auf meine Gewürzdosen in der Küche, die alle als gleichschenkelige Dreiecke angeordnet sind, war etwas befremdet. Möglicherweise lag das daran, dass ich dir erzählt hatte, dass ich meine Küche alle zwei Tage mit einem Maßband und einem Geo-Dreieck kontrolliere um etwaige Abweichungen von den idealen Figuren zu finden. Eigentlich wollte ich dir noch etwas zu essen anbieten, aber bei deiner schockierten Frage über meine perfekt arrangierte Besteck-Lade überlegte ich es mir anders. Schon wieder so ein Chaot, der keinerlei Sinn für Ästhetik, Geometrie und Lebensfreude hatte.
So musstest du leider mit leerem Magen in dein irritierend schief geparktes Fahrzeug steigen. Wahrscheinlich stehen die Sitzlehnen in den eigenartigsten Winkeln und im Kofferraum …. man muss sich nicht alles vorstellen. Aber an deinem rechten Winkel am Küchentisch war wirklich nichts auszusetzen.
Meine Bürokollegen haben mir heute einen Kaktus mit perfekten Proportionen geschenkt und ein Maßband. Maßbänder habe ich zwar genug, aber ich nehme das als Hinweis darauf, dass sie langsam zu verstehen beginnen, wie echte Lebensqualität aussieht. Alles in allem ein guter Tag.
Nur das Wetter hat nicht ganz mitgespielt: der Wind hat das weiße Tuch vor die rote Tischdecke geblasen. Sieht unmöglich aus. Also muss ich noch hinausgehen und diesen Fehler beseitigen. Oder ich lasse die Jalousien herunter und freue mich so über die parallelen Lamellen, dass ich das schiefe, weiße Tuch vergesse…

Immer mit einem Fuß im Gefängnis – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal von Red Skies Over Paradise

„Wie konnte denn die Situation nur so eskalieren! “ fragte der Schuldirektor mühsam beherrscht. Ihm gegenüber saßen wie zwei Häufchen Elend die Unterrichtspraktikanten Helmut X und Anita Y.

Ein Schulausflug mit Jugendlichen an einem lauen Tag im Mai. Das perfekte Frühlingsszenario: grün, warm, Blüten und Blümchen, Vogelgesang. Die Baracken, die Zäune, die Gaskammern alles ging unter im übermächtigen Frühling, in der Flut der jugendlichen Hormone. Wenn man wollte, konnte man übersehen, dass hier irgendjemandem irgendetwas widerfahren sein könnte, dass hier Menschen in industriellem Ausmaß ermordet wurden.

Mitten unter den von der Ausstellung aufgewühlten Jugendlichen die beiden Praktikanten, denen die Situation sichtlich entglitt. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis des Unterrichts flog ihnen schmerzhaft um die Ohren. Es gelang ihnen gerade noch, eine Gruppe ihrer Schüler davon abzuhalten mitten auf dem Gelände ein Picknick zu veranstalten, dann brachen die Strukturen zusammen.

Mit einem „alles Erfindung!“ des Schülers M begann es und endete in einer wüsten Schlägerei und zwei Festnahmen.

„Haben Sie denn nicht gelernt, dass der erhobene moralintriefende Zeigefinger zu Aggressionen führt?“ „Meinen Sie nicht, dass der Zeitgeschichteunterricht an einer Brennpunktschule wie der unseren etwas mehr braucht als die Vermittlung von Zahlen und Fakten?“ Der Schuldirektor erinnerte sich an sein erstes Unterrichtsjahr als bei einer Schiwoche ein Schüler beinahe an einer Alkoholvergiftung starb und er dafür verantwortlich gewesen wäre.


„Ich erwarte ihre Anmeldung zu diesem Kurs“ sagte der Schuldirektor wesentlich milder und schob den Praktikanten einen Zettel über den Schreibtisch „Außerdem können Sie an dieser Schule sehr viel für Ihren weiteren beruflichen Weg lernen. Und machen Sie sich keine Sorgen, Ihre Zeugnisse sind noch nicht geschrieben. Ach, und fragen Sie bei Gelegenheit den Kollegen A nach seinen Erlebnissen bei der vorjährigen Sprachwoche in London.“

„Wenn ich noch einmal höre, dass Lehrer am Vormittag recht und am Nachmittag frei haben….“ sagte Unterrichtspraktikantin Anita Y. …

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Zwischenstand Impulswerkstatt Mai

Herzliche Grüße aus der Impulswerkstatt an alle, die sich schon beteiligt haben oder sich noch beteiligen wollen und natürlich auch an alle, die mitlesen

Für diejenigen, die nicht wissen, worum es hier geht und sich womöglich auch beteiligen möchten: KLICK

Es sind noch fünfzehn Tage Zeit bis Ende des Monats und da kann noch sehr viel entstehen. Ich habe noch eine Menge Pläne, aber manchmal sind die Impulse langsam und die Inspiration löchrig. Andererseits kann auch das Gegenteil eintreten und die Inspiration uns geradezu umwerfen vor lauter Ideen. Ich hoffe natürlich auf Letzteres.

Die Beiträge sind wie immer nach Bildern geordnet und es gibt auch eine chronologische Liste.

Es tut mir leid, dass es diesmal eine Kollision mit den ABC-Etüden gibt, aber das kommt dann etliche Monate lang nicht vor. Die Zusammenfassung für Mai gibt es am Montag, dem 31. und die neuen Impulse für Juni am 1. oder 2. Juni.

Ich wünsche allen noch inspirierte Maitage und eine schöne Zeit, was immer ihr vorhabt

Bild 1:

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Verbindung mehrerer Bilder:

Chronologische Liste