Kategorie: GESCHREIBSEL

ABC- Etüden – Das Pergament

Wie immer bei Christiane

3 vorgegebene Wörter in einem 300 Wörter-Text unterbringen

Die Wörter stammen diesmal von Tanja Stachelbeermond

Die Burgruine stand tief in den Felsen gehauen, von dort aus sah man über das ganze Land. Seit zwei Jahren liefen im Sommer Ausgrabungen. Der Ausgrabungsleiter, ein Professor der Archäologie beschäftigte praktisch alle seine Studenten zumindest einen Großteil des Sommers und sie gruben unverdrossen. Von den Grabungen versprach man sich Erkenntnisse über die Vorratshaltung in Burgen. Die angehenden Archäologen waren mit viel Begeisterung und Einsatz bei der Sache. In diesem Sommer gab es auch eine Gruppe unter den Studenten die glaubte, dass in dieser Burg auch Merlin gelebt hatte. Der Grabungsleiter äußerte sich nur vage zu dieser Theorie, da er sehr zu Recht annahm, dass der Arbeitseifer dieser Studenten durch die romantische Theorie eher beflügelt werden würde. Dennoch hatte er gar kein gutes Gefühl bei der Sache.

Immer noch tiefere, in den Felsen gehauene Gewölbe entdeckten sie. Halb zerfallene hölzerne Vorratsgefäße entdeckten sie, auch Keramik und Glasbehälter mit fast zu Staub gewordenen Lebensmitteln. Für Archäologen, die sich für Vorratshaltung interressierten alles sehr spannend.

Eines Tages aber, die große Entdeckung. Einer der Merlin-Studenten hatte in einer Ecke eine Pergamentrolle gefunden. Als er das verhaltene Grinsen einer der Nicht-Merlin-Studentinnen sah, befürchtete der Grabungsleiter Ärger und folgte nach einer Weile dem Finder des Artefakts zum Container in dem die Archäologen ihre Funde aufbewahrten und erste Analysen wie Entzifferungen und Altersbestimmungen durhführten.

Und tatsächlich kam der Entdecker des Pergaments ihm schon entgegen. Empört schwenkte er das zerknüllte Schriftstück. „Sind Sie wahnsinnig, wie gehen Sie denn mit einem kostbaren Artefakt um“ rief der Professor. „Ach von wegen kostbar, ganz primitiv mit Tee gefärbt und soooo witzig! “ schnaubte der Student, warf das Papier weg und verschwand in Richtung seines Fahrrads.

Der Grabungsleiter hob das Pergament auf. „Merlins Zauberspruch um einen Wackelpudding zum Knirschen zu bringen“ stand darauf und im Hintergrund hörte man lautes Gelächter.

Myriade zu Gerda – Impulswerkstatt

Gerdas Idee hat mir so gut gefallen, dass ich mir erlaubt habe auf ihren kreativen Impuls zu antworten. In den Strukturen unter den Eiszapfen kann man vieles sehen. Ich habe mich bemüht die Linien so genau wie möglich herauszuholen, aber so ein Bemühen ist nicht so einfach durchzuhalten

Nach den Händen, die Augen

Der neue Text steht ganz unten, was leider nicht sehr leserfreundlich ist

Meine ursprüngliche Idee war, einen kleinen Text zu schreiben , in dem möglichst viele Wörter vorkommen sollten, die von „Hand“ abgeleitet sind bzw möglichst viele Ausdrücke, in denen „Hand“ in irgendeiner Weise vorkommt.

Dabei entstand dieses:

Händeringend eilte der Professor durch sein Institut. Einen umfangreichen, erhellenden und obendrein handlichen Handapparat hatte er eigenhändig zu seinem Seminar zusammengestellt. Handverlesen waren die kostbaren Werke, doch als er die Bücher nochmals zur Hand nehmen wollte, musste er feststellen, dass alle abhanden gekommen waren.
„Ist das Ihre Handschlagsqualität, Hannelore?“ rief er empört und bedauerte jeden – wenn auch nur angedeuteten – Handkuss, den er der Bibliothekarin jemals hatte zukommen lassen.
„Wie?“ rief Hannelore zurück „Ihre Beschuldigungen haben weder Hand noch Fuß! Ich soll an diesem Fiasko schuld sein! Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie sie gestern Abend händchenhaltend mit dieser verhuschten Person, die sie da an der Hand haben, durch den Park geschlichen sind mit den Büchern in der Hand. Nicht einmal die Hand geben wollten Sie mir und murmelten etwas von einem Handwerker, dem Sie die kostbaren Werke zur Reparatur bringen wollten. Die Dinge sind Ihnen wohl etwas aus der Hand geglitten!“
„Ach ja, jetzt wo sie es sagen“ murmelte der Professor beschämt und rieb an seinen Händen herum.
„Wenn Sie damit andeuten wollen, dass eine Hand die andere wäscht, so könnte ich gut ein verlängertes Wochenende gebrauchen um beim Bau unseres Gartenhäuschens Hand anlegen zu können.“

Handzahm schlich der Professor zurück in sein Büro um einen Termin bei seinem Handaufleger zu vereinbaren. Er hörte gar nicht mehr, dass die Bibliothekarin noch triumphierend rief „Und die Handwaschungen, die Sie am Institut angeordnet haben, könnten Sie selbst auch gelegentlich ins Auge fassen, aber Hände weg von meinem handwarmen Schokoladendepot neben dem Handwaschbecken.“

Werner gefiel die Sache und er schrieb eine Fortsetzung:

„Hand aufs Herz, meine liebe Bibliothekarin, so handzahm, wie Sie sind, werden Sie mir schon nichts tun. Schließlich sind Sie je noch eine von meinen handverlesenen Angestellten. Zwar habe ich Sie damals nur per Handschlag eingestellt, aber der Handel gilt nach wie vor, auch ohne Handout!“
„Ja, Herr Professor. Aber um ehrlich zu sein: ohne das Handgeld, das Sie damals meinem Vater haben zukommen lassen, wäre ich gar nicht geblieben! Das Hand-in-Hand mit Ihnen war mir nämlich schon immer suspekt und ehrlich gesagt egal wie ein Handkäse. Wenn ich auch nur an Ihre widerliche Handcreme denke, wird mir schon schlecht. Da kann doch kein Handgriff sitzen, bei dem Geruch! Und dann auch immer Ihre zuckenden Handbewegungen! Mein Gott, und Ihre arroganten Blicke, wenn Sie Ihr Handdiktiergerät vor Ihren Mund halten um Ihre nichtssagenden Handlungsanweisungen da hinein zu krächzen. Ich weiss gar nicht, wie ich das ausgehalten habe!“
„Tun Sie doch nicht so, Sie sind noch nur eine minderbemittelte Handlangerin für mich gewesen, Sie! Wie herablassend haben Sie mich immer behandelt, wenn ich mal etwas privater werden wollte. In den Buchhandel hätten Sie gehört, aber nicht an meine Lehranstalt! Hätte ich das doch nie mit Ihrem Vater ausgehandelt, der Sie eigentlich in eine Fischhandlung stecken wollte! Nie haben Sie mich unterstützt, wenn ich die Aussenhandelsprognosen für das Ministerium aufbereiten musste. Da hätte mir doch eher jemanden aus einer Bahnhofsbuchhandlung zur Seite stehen können. Handlungsunfähig waren Sie. Aber eingedenk des Gleichbehandlungsgrundsatzes habe ich mir verkniffen, Sie abzumahnen. Habe mich als Treuhänder Ihrem Vater gegenüber verpflichtet gefühlt. Aber nun reicht es mir mit Ihnen!“
WERNER

Und hier kommt Teil 3, der sich von den Händen abgewandt hat zu den Augen:

„OHO, Herr Professor haben Sie etwa ernsthaft ins Auge gefasst, mich zu entlassen. Mich, die ich ihr kaum lebensfähiges Institut in Schwung halte, auf alles ein Auge hat. Die Augen würden ihnen herausfallen, wenn Sie auch nur einen Augenblick ein Auge auf die Buchhaltung werfen würden, statt auf Ihre verhuschten Damen mit den augenfälligen Charakterfehlern.“
„Das sagen Sie, mit ihren glubschäugigen Lovern!“
„Wenn schon dann glutäugig, werter Professor und eine Augenweide. Meine Lover haben immerhin den Vorzug, dass ich mein Bankkonto nicht im Auge behalten muss, wenn sie vorbeischweben. Stielaugen dagegen machen Ihre Damen, wenn Sie ihr Portemonnaie aus der Tasche ziehen. Jeden einzelnen Schein würden sie ganz augenscheinlich gerne beäugen.“

„Bevor wir einander nun über die Augenfarben unserer jeweiligen Begleiter in die Augen …äh … Haare geraten, sollten wir vielleicht ganz auf Augenhöhe zu unserem ursprünglichen Thema zurückkehren, ganz auf Augenhöhe natürlich“

„Auf Augenhöhe? Ha, Sie haben wohl jedes Augenmaß verloren! Nicht einmal dem Augenschein nach sind sie hier noch der Chef. Darf ich ihr Augenmerk darauf lenken, dass ich augenblicklich ein Dutzend Augenzeugen benennen kann um zu beweisen, dass ich dieses Institut lenke und nicht nur zum Augenschein“

UND WIE GEHTS NUN WEITER?

Viele Hände wenig Handlung – Impulswerkstatt

Wie viele Hände kommen im „Text“ vor, inklusive alle von „Hand“ abgeleiteten Wörter? Möchte jemand weiter schreiben? Zum Beispiel mit „Augen“ ließe sich auch eine Menge machen !

Händeringend eilte der Professor durch sein Institut. Einen umfangreichen, erhellenden und obendrein handlichen Handapparat hatte er eigenhändig zu seinem Seminar zusammengestellt. Handverlesen waren die kostbaren Werke, doch als er die Bücher nochmals zur Hand nehmen wollte, musste er feststellen, dass alle abhanden gekommen waren.
„Ist das Ihre Handschlagsqualität, Hannelore?“ rief er empört und bedauerte jeden – wenn auch nur angedeuteten – Handkuss, den er der Bibliothekarin jemals hatte zukommen lassen.
„Wie?“ rief Hannelore zurück „Ihre Beschuldigungen haben weder Hand noch Fuß! Ich soll an diesem Fiasko schuld sein! Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie sie gestern Abend händchenhaltend mit dieser verhuschten Person, die sie da an der Hand haben, durch den Park geschlichen sind mit den Büchern in der Hand. Nicht einmal die Hand geben wollten Sie mir und murmelten etwas von einem Handwerker, dem Sie die kostbaren Werke zur Reparatur bringen wollten. Die Dinge sind Ihnen wohl etwas aus der Hand geglitten!“
„Ach ja, jetzt wo sie es sagen“ murmelte der Professor beschämt und rieb an seinen Händen herum.
„Wenn Sie damit andeuten wollen, dass eine Hand die andere wäscht, so könnte ich gut ein verlängertes Wochenende gebrauchen um beim Bau unseres Gartenhäuschens Hand anlegen zu können.“

Handzahm schlich der Professor zurück in sein Büro um einen Termin bei seinem Handaufleger zu vereinbaren. Er hörte gar nicht mehr, dass die Bibliothekarin noch triumphierend rief „Und die Handwaschungen, die Sie am Institut angeordnet haben, könnten Sie selbst auch gelegentlich ins Auge fassen, aber Hände weg von meinem handwarmen Schokoladendepot neben dem Handwaschbecken.“

Dienstag 4. Jänner 2022 – PB+

Schön wäre es, wenn wir die Zweitwohnung in PB in diesem Jahr richtig in Betrieb nehmen könnten. Die letzten dafür nötigen Teile, die Betten wurden nach fünf(!) Monaten endlich fertig montiert. Die speziellen Schrauben, die bei der Lieferung am 24. November gefehlt hatten, kamen am 29. Dezember endlich an und somit konnte die Montage stattfinden. Nachdem ich es zu diesem Zeitpunkt nicht einmal bis in die Garage und ins Auto geschafft hätte, fuhr der F allein um die Monteure in Empfang zu nehmen. Er war nicht begeistert, ich auch nicht, weil ich die fertig montierten Objekte gerne gleich gesehen hätte, aber es ging eben nicht anders.

Der Kaufvertrag ist vom 23.Juli, fertig montiert waren die Betten am 29. Dezember, Lieferverzögerungen bei allen Beteiligten hin oder her, da ist schon ein Preisnachlass fällig oder doch zumindest ein Gutschein. Dieser Gutschein ist recht großzügig ausgefallen und erfreulicherweise verkauft diese Firma nicht nur Möbel sondern auch alle Art von Wohnzubehör. Ich werde mich also mit schöner Bettwäsche eindecken und dabei daran arbeiten, den ganzen Ärger zu vergessen und mich über das nunmehr bequem benutzbare Domizil an der Donau zu freuen.

Eigentlich wollten wir die Wohnung zum Jahresende einweihen mit mitternächtlichem Spaziergang an der Donau. Es hat nicht sein sollen und so verschieben wir es halt auf nächstes Jahr oder auf beliebige andere Tage im Jahr. Gelegenheit und Anlass werden sich schon finden lassen.

Das nächste Thema ist das Verstauen. Ich mag keine Kleiderkästen in Schlafzimmern und daher kommt in das erfreulich geräumige Vorzimmer ein großer Kleiderkasten. Solche Berge an Gewand werden wir dort auch nicht haben. Zuerst dachte ich an einen Tischler. Nachdem ich mir aber die Tischlerarbeit bei einer Freundin angesehen habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Die Kästen und Regale schauen genauso aus wie die von IKEA. Der Unterschied ist das Material und natürlich der Preis. Die PAX-Schränke haben ein sehr ausgeklügeltes Innenleben und verschiedene Türen, darunter auch Spiegel. Die Freude, die es macht gemeinsam mit einem Tischler ein Möbelstück zu planen und dann vor sich zu sehen, fällt bei fertigen Möbeln weg, im Fall von IKEA das Vollholz auch. Ich muss noch eine Weile nachdenken.

Die Pubertät unbeschadet überleben

Die ABC Etüden wie immer bei Christiane
3 Wörter (siehe Illustration) werden in einen Text von höchstens 300 Wörtern eingebaut.
Die Wörter stammen diesmal vom mythischen Etüdenerfinder Ludwig Zeidler

Eigentlich war es ein Wunder, dass die neugierige Nachbarin erst heute auftauchte um sich nach den unerhörten Vorkommnissen in der Sylvesternacht zu erkundigen. Die Nachbarin konnte es selbst kaum glauben, aber sie war im falschen Moment nicht zuhause gewesen. Üblicherweise entging ihr nichts, wenn es auch eine traurige Tatsache war, dass in dieser öden Gegend kaum jemals irgendetwas los war.

Die Teenagermutter öffnete seufzend die Tür. Es gab nicht den leisesten Schimmer einer Hoffnung, dass die Nachbarin aufgeben würde, bevor sie die Geschehnisse aus erster Hand erfahren hätte. Als sie „erste Hand“ dachte, zuckte die Teenagermutter etwas zusammen.

Ja, die Rettung war wirklich sehr schnell gekommen und dann auch sehr schnell in der Klinik angekommen mit dem schreienden Paul und mitsamt den wichtigen Teilen.
Es wäre ja auch unverzeihlich wenn nicht, meinte die Nachbarin, bei einem so jungen Menschen.
Sie konnten beide Finger wieder annähen, sagte die Teenagermutter verhältnismäßig ruhig, sie wollte die sensationslüsterne Nachbarin nicht zu dramatischen Gefühlsausbrüchen ermutigen, die Chirurgen haben großartig gearbeitet und haben uns auch sehr viel Mut gemacht, dass alles wieder gut zusammenwachsen wird.
Ach wie schrecklich, tremolierte die Nachbarin.
Die Teenagermutter war fast am Rande ihrer Selbstbeherrschung angekommen .
Und wissen sie, was der Paul gesagt hat nachdem er aus der Narkose aufgewacht war?
Ja was denn gar? die Augen der Nachbarin wurden noch ein Stück größer. Heute wurde ihr doch wirklich einiges geboten.

Die Teenagermutter musste mehrmals ansetzen. Er hat gesagt, dass er nächstes Jahr nicht wieder so billiges Zeug kaufen wird, sondern gute Böller. Es ist alles so hoffnungslos sagte sie und brach in Tränen aus.
Auch der Nachbarin hatte es die Sprache verschlagen.

300 Wörter



Einladung zur Impulswerkstatt Jänner Februar 2022

Willkommen an alle, die schon mitgemacht haben und alle, die noch mitmachen werden und natürlich auch alle, die zusehen, zuhören, lesen und kommentieren.

Auch im Neuen Jahr 2022 bleiben wir bei dem inzwischen bewährten Schreibzeitraum von zwei Monaten. Ich denke, dass zwei Monate ein guter Zeitraum sind, zwei Monate Zeit für Beiträge, mit einem Zwischenbericht in der Mitte. So kann man sowohl einem Blitz-Impuls nachgehen und den Beitrag gleich posten als auch länger bei einem Thema bleiben und es ist auch Zeit für mehrere Beiträge zum selben Foto.

Vor den neuen Fotos wie immer die Beschreibung des Projekts KLICK

KLICK Hier könnt ihr nachlesen, wie dieses Projekt entstanden ist  

Bitte verlinkt eure Beiträge alle hierher.


KLICK Das Archiv des Projekts in dem alle Beiträge gesammelt sind und alles noch einmal nachgelesen werden kann, befindet sich auch hier
und ist topaktuell wofür ich mir stolz auf die Schulter klopfe


Die Teilnahme

ist für alle offen: Texte jeder Art, Bilder, Fotos, Töpferstücke, Zeichnungen, Betrachtungen, Musik, Installationen, Kochrezepte, Bastelanleitungen, Sachtexte usw usf. als Resonanz, als Reaktion auf die Fotos des Monats sollen hier gesammelt werden.
Meine Idealvorstellung ist so eine Art Puzzle aus verschiedensten Teilen. Natürlich können alle beliebig viele Beiträge beisteuern.

Und da sind sie die Impulsfotos für Jänner und Februar. Ich habe mich wie immer bemüht möglichst verschiedenartige Texte zu finden damit möglichst viele etwas finden, was sie inspiriert.

BILD 1:

Was soll ich dazu sagen außer ROSA.

BILD 2:

Damit der Winter nicht zu kurz kommt, die Kälte aber auch das Licht

BILD 3:

Blick in ein nächtliches Büro, wobei es – weil wir ja Winter haben zwar finster aber vielleicht noch gar nicht so spät ist

BILD 4:

Hände bieten sich für vielseitige Interpretationen an …

Ach ja und übrigens wer möchte, kann die Fotos gerne in jeder Weise bearbeiten, schneiden, umfärben, was immer. Ich habe da gar nichts dagegen. Gerda, Christiane und Olpo haben auf diese Weise schon sehr hübsche, originelle Dinge gemacht.

Nun also kann es los gehen. Ich freue mich schon auf auf eure Beiträge !

2. Jänner 2022 – alles glänzt

Einen Marathon der Aktualisierungen habe ich betrieben. Etliche Stunden bin ich vorm Kastl gesessen und habe meine beiden großen Projekte, das Kreativ- und das Literatur-und-Kunstprojekt, bis auf den letzten Beistrich aktualisiert. Ich nehme mir dann immer vor, die Verwaltung nicht wieder aufzuschieben, aber wie das halt so ist …

In der Impulswerkstatt, die unter „Menü“ bei den Seiten zu finden ist, sind sämtliche Fotos, Einladungen und Zusammenfassungen der Beiträge seit Oktober 2020 zu finden. Es fehlt nur noch die Einladung für das Mitmachen beim Jänner + Februar Durchgang. Die kann dort nicht stehen, weil es sie noch nicht gibt. Aber Montag wird es sie geben und ich bin schon sehr gespannt auf alle eure Beiträge beim nächsten Durchgang.

Meine Literatur- und Kunstweltreise, auch unter „Menü“ zu finden, habe ich auch völlig aktualisiert, was ein ziemlicher Aufwand war, weil die Seite eine Mischung aus altem und neuem Editor war. Ich habe alles Unnötige entfernt und jetzt glänzt auch sie. Schade ist nur, dass bei dem totalen Umbau und dem Löschen der vorherigen Versionen alle „likes“ gefressen wurden. Na, ich werde es schon aushalten.

Die größere Übersichtlichkeit zeigt mir, dass es Länder gibt mit schon mehreren Einträgen und natürlich auch noch sehr viele ohne irgendeinen Eintrag. Bei manchen Ländern habe ich so meine Zweifel, ob mir jemals etwas Passendes unterkommen wird. Ich suche ja nur ganz selten zielgerichtet, die meisten Bücher sind Zufallstreffer.

Ich lese sehr viel mehr als ich hier aufliste, aber es passt nicht alles und mehr als maximal fünf Einträge pro Land möchte ich nicht machen. Gerne werde ich aber auch im nächsten Jahr etlichen der Anregungen, die ich auf den Blogs immer wieder finde nachgehen. Danke an viele von euch, manchmal sind die Wege auf denen ich interessanten Lesestoff finde sehr verschlungen

Impulswerkstatt November, Dezember 2021 – Zusammenfassung

Liebes Kreativteam der Impulswerkstatt

Ich glaube, dass ich jetzt die richtige Anrede gefunden habe. An diesem letzten Tag des Jahres 2021 seht ihr hier die Zusammenfassung der November-Dezember-Runde. Herzlichen Dank für euer Mitmachen. Trotz Advent, Weihnachten und Neujahr sind viele Beiträge zusammengekommen, wurden die vier Fotos von verschiedenen Seiten betrachtet und in Texten, Musik, Bildern und vielschichtigen Beiträgen reflektiert. Vieles davon war für mich überraschend und ich habe es sehr gerne als Horizonterweiterung betrachtet und mich darüber gefreut.

Weniger schön war es, dass ich meine eigenen Pläne, zu jedem Foto ein Bild zu malen, nicht verwirklichen konnte, weil mein Atelier derzeit außerhalb meiner Reichweite liegt. Das wird sich in ein paar Tagen wieder geändert haben, aber dann sind wir schon im neuen Durchgang mit neuen Fotos. Ich hatte zwei Bilder angelegt, die halbfertig sind. Ich vertraue darauf, dass sie flexibel sind und sich auch einem anderen Thema annähern können.

Am meisten inspiriert hat bei diesem Durchgang Bild Nr.2, die Bank mit dem Loch in der Wand dahinter und dem Rosenstock daneben gefolgt von Bild Nr.3, dem verschwommenen Gesicht. In beiden Fällen gab es gegenseitige Inspiration von Teammitgliedern. Die Inspiration ist so hin und her geflossen, dass es ein reines Vergnügen war. Es ist auch eine Bankgalerie entstanden, die ich gerne noch erweitert hätte. Leier hat es mir in den letzten Tagen an Motivation gefehlt.

Ansonsten ist es wie jedes Mal beim Ende eines Durchgangs: mir fallen gerade jetzt noch eine Menge Texte, Fotos und Bilder ein, die wunderbar gepasst hätten.

Nachdem es so viele Beiträge geworden sind (Juhuuuu) habe ich die Präsentation umgestellt und die chronologische Liste an den Anfang gestellt. Viel Freude beim Anschauen der Zusammenfassung. Die nächsten Fotos kommen am 3.Jänner, am 2. sind die ABC-Etüden dran.

Sollte heute noch ein Beitrag anfliegen, kommt er natürlich noch auf die Liste

Einen guten Rutsch nach 2022 wünsche ich dem Team und allen, die hier vorbeischauen

Chronologische Liste:

1. Natis graue Mauern 3.11.
2. Myriades Palmen 3.11
3. HeidiMarias In der Ruhe liegt die Kraft 3.11
4. Heidi Marias mobile Erinnerungswerkstatt 3.11
5. Heidi Marias Schätze im Eis 3.11
6. Heidi Marias Sein und Schein 3.11
7. HeidiMarias Eisfee 3.11
8. Randoms Zuversicht 4.11
9. Myriades Bank unter Bananen 4.11
10. Gerdas Überblendungen 4.11
11. Gerdas Fortsetzung der Überblendungen 4.11
12. HeidiMarias Jakobsweg 5.11
13. Heidi Marias Eiswesen 5.11
14. Bernhards Bank #127 6.11
15 Gerdas vieräugiger Clown 7.11
16 Marions „Wer bin ich“
17 Gerdas Klosterbankcollage 7.11.
18 Gerdas zweiter Akt des Klosterbesuchs 7.11
19 Lenes Sonnenbank 8.11
20 Gerdas dritter Teil der Klosterbank-Trilogie 8.11
21 Randoms kontemplativer Scarlatti 10.11
22 Sabines Mauer 11.11
23 Myriades Kartäusermönche 11.11
24 Sabines Fotorunde 12.11
25 Petras wechselnde Clowngesichter 12.11
26 Natis Mauer und Bank 13.11
27 Petras vielfältige Gesichter 16.11
28 Bernhards Bank vor dem Sturm 16.11
29 Bernhards schwirrende Zahlen 17.11
30 Gerdas Meer 19.11
31 Judiths verwaiste Bank 19.11
32 Petras Baltimores 20.11
33 Monikas Ausstellung 21.11
34 Lenes Weg 22.11
35 Myriades Verwirrung 23.11
36 Gerdas Doppelgesichter 23.11
37 Ullis Frauenbilder 23.11
38 Randoms vielgesichtiger Freddie 24.11
39 Randoms Eismusik 26.11
40 Latos, Jürgens und Buchalovs Beitrag 26.11
41 Gerdas Eismuseum 26.11
42 Bernhards Pfützenkunst 27.11
43 Gerdas Meerpferdchen 27.11
44 Ullis Bänke unter Bäumen 30.11
45 Ensemsems Palindrome 1.12.
46 Ines und ihr multiples Selbstportrait 2.12
47 Ullis Strandschatten 3.12
48 Myriades Zauberbank 4.12
49 Gerdas wildes Meer 4.12
50 Gerdas entfernt, entrückt 7.12
51 Ullis Seerosenblatt 8.12
52 Christians Rose 9.12
53 Natis Eiskalter 9.12
54 Ules Mole 9.12
55 Kathas Weihnachtshorror 11.12
56 Myriades Eis 12.12
57 Judiths gefrorener Beitrag 21.12
58 Monikas Eisgeschichte 22.12
59 Bernhards Eis und Stein 31.12
60 Bernhards Eispfützenkunst 31.12
61 Bernhards drittes Eisbild 31.1.

Bild 1:

8. Randoms Zuversicht 4.11
2. Myriades Palmen 3.11
30 Gerdas Meer 19.11
34 Lenes Weg 22.11
47 Ullis Strandschatten 3.12
49 Gerdas wildes Meer 4.12
50 Gerdas entfernt, entrückt 7.12
54 Ules Mole 9.12

Bild 2:

1. Natis graue Mauern 3.11.
4. Heidi Marias mobile Erinnerungswerkstatt 3.11
9. Myriades Bank unter Bananen 4.11
12. HeidiMarias Jakobsweg 5.11
14. Bernhards Bank #127 6.11
17 Gerdas Klosterbankcollage 7.11.
18 Gerdas zweiter Akt des Klosterbesuchs 7.11
19 Lenes Sonnenbank 8.11
20 Gerdas dritter Teil der Klosterbank-Trilogie 8.11
21 Randoms kontemplativer Scarlatti 10.11
22 Sabines Mauer 11.11
23 Myriades Kartäusermönche 11.11
26 Natis Mauer und Bank 13.11
28 Bernhards Bank vor dem Sturm 16.11
44 Ullis Bänke unter Bäumen 30.11
48 Myriades Zauberbank 4.12
52 Christians Rose 9.12
55 Kathas Weihnachtshorror 11.12

Bild 3:

6. Heidi Marias Sein und Schein 3.11
10. Gerdas Überblendungen 4.11
11. Gerdas Fortsetzung der Überblendungen 4.11
15 Gerdas vieräugiger Clown 7.11
16 Marions „Wer bin ich“
25 Petras wechselnde Clowngesichter 12.11
27 Petras vielfältige Gesichter 16.11
29 Bernhards schwirrende Zahlen 17.11
32 Petras Baltimores 20.11
33 Monikas Ausstellung 21.11
35 Myriades Verwirrung 23.11
36 Gerdas Doppelgesichter 23.11
37 Ullis Frauenbilder 23.11
38 Randoms vielgesichtiger Freddie 24.11
45 Ensemsems Palindrome 1.12.
46 Ines und ihr multiples Selbstportrait 2.12

Bild 4:

5. Heidi Marias Schätze im Eis 3.11
7. HeidiMarias Eisfee 3.11
13. Heidi Marias Eiswesen 5.11
39 Randoms Eismusik 26.11
41 Gerdas Eismuseum 26.11
42 Bernhards Pfützenkunst 27.11
43 Gerdas Meerpferdchen 27.11
51 Ullis Seerosenblatt 8.12
53 Natis Eiskalter 9.12
56 Myriades Eis 12.12
57 Judiths gefrorener Beitrag 21.12
58 Monikas Eisgeschichte 22.12
59 Bernhards Eis und Stein 31.12
60 Bernhards Eispfützenkunst 31.12
61 Bernhards drittes Eisbild 31.1.

Mehrere oder alle Bilder:

3. HeidiMarias In der Ruhe liegt die Kraft 3.11
24 Sabines Fotorunde 12.11
40 Latos, Jürgens und Buchalovs Beitrag 26.11

Resonanzen:

25 Petras wechselnde Clowngesichter 12.11 zu 15 Gerdas vieräugiger Clown 7.11
37 Ullis Frauenbilder 23.11 zu 36 Gerdas Doppelgesichter 23.11


Eis – Impulswerkstatt

Der Wind feilt eiskörnig über meine Haut. Dabei drängt er den Atem weg, lässt seine Wärme in eigenwilligen Figuren verdampfen. Mit dem Finger fahre ich die vielfältigen Strukturen entlang, die Erhebungen, Einbuchtungen, Schnörkel, ein Flussdelta, ein Bergpass, gefrorenes Meer, ein filigraner Braille-Text der Natur, den ich entziffern wollte.

Jeder mühsame, schwankende Schritt zeigt, dass das Eis sich nicht entschlüsseln lassen will. In Kristalle dringt es sich nicht ohne weiteres ein, ihre Abwehrmechanismen bringen mich an den Rand meiner Möglichkeiten aber nicht darüber hinaus, wie ich gehofft hatte. An der lächelnden Gelassenheit der Natur scheitert meine teure Ausrüstung erbärmlich. Das Moos hat bessere Strategien, es lässt sich umfließen, einfrieren und taut dann wieder auf, bleibt aber in jedem Zustand von der Umgebung unterscheidbar.

Dann die Eiswand. Sie spiegelt die Zeit in Facetten der Erinnerung. Das Eis steht dem Wahnsinn nicht nahe, seine Berührung ist kalt und leidenschaftslos aber folgenschwer.

Es beginnt zu schneien und der Wind lässt die Kälte tanzen zum Vergnügen jener, die hier überleben können. Ich liege rücklings auf dem Eis, die Wärme beginnt in meinen Fingern, dringt prickelnd in die Muskeln in die Blutgefäße, dehnt die Kapillaren. Ein verwirrender Angriff auf die Verlässlichkeit der Welt durch die völlige Umkehr der Sinneswahrnehmungen. Die Haut brennt am Eis fest, erfriert im kochenden Wasser, die Eiswand erhebt sich ins Unendliche hinunter um irgendwann den unterirdischen Himmel zu berühren.

Kann Blut zu kochen beginnen, kurz vor dem Zusammenbruch des Systems? Das dumpfe Brummen, ein gelblicher Schimmer rund um mich, die Knochen brechen, das Hirn löst sich auf in Synapsen brennenden Eises und ein paar gefrorene Proteine.

Gelb ist der Hubschrauber der Bergrettung, gelb wie die Sonne.

An diesem Text habe ich ein paar Tage gefeilt. Was aber nichts damit zu tun hat, dass „feilen“ gleich im ersten Satz vorkommt.

Ein möglicher Abschluss wäre auch „….. doch das Eis hat mich in Besitz genommen/ umschlossen/eingearbeitet/ zu einem Teil seines Organismus gemacht ….“

Bank im Zauberwald – Impulswerkstatt

HeidiMaria, Bernhard, Ulli und ich haben schon Fotos von Bänken beigesteuert. Heute möchte ich noch eines hinzufügen. Es herrschen auf diesem Foto äußerst ungewöhnliche Lichtverhältnisse und meine damalige Kamera hat auch schon etwas gesponnen. Das Ergebnis gefällt mir aber sehr gut

Mittwoch 24.November 2021

Es ist kaum zu glauben, dass es dieses Möbelhaus immer noch gibt, dass keine Lynchtrupps aus unzufriedenen Kunden die Firmenleitung belagern. Nach über drei Monaten Wartezeit war heute der lang ersehnte Liefertermin für die Betten in PB endlich gekommen. Der F hatte sich einen Tag frei geschaufelt damit ich nicht während des Lockdowns mit dem Zug fahren musste.

Zunächst alles wunderbar. Der Monteur rief eine halbe Stunde vor Eintreffen an und die Lieferung war pünktlich. Zwei Monteure trugen alle Bettenteile herauf und ich begann schon mich zu freuen. Das war eindeutig zu früh, denn es stellte sich heraus, dass ein kleines Päckchen fehlte, nämlich jenes, in welchem sich die Schrauben befanden. Logisch, keine Schrauben, keine Betten, nur hübsche Holzteile.

Das Problem in solchen Situationen ist immer, dass die Leute, die man ans Telefon bzw. zwischen die Finger bekommt, nie diejenigen sind, die für das Chaos verantwortlich sind und daher Mäßigung in Worten und Taten angesagt ist, wie schwer es auch fallen möge. Heute fiel es mir wirklich schwer.

Titellos – Impulswerkstatt

Der Blick schweift. Alles verschwommen, ineinander fließende Farben und Linien. Töne schwirren durch den Raum, ergeben auch keinen Sinn. Das Drehen des Kopfs bringt mehr Bilder und mehr Töne aber keine größere Klarheit, keine Orientierung. Der Weg ist kaum erkennbar, schwebt frei im Raum, kann jederzeit trudelnd im Nichts verschwinden.

Verwirrung als Geisteszustand aus dem alles hervorgeht, Emotionen, Überzeugungen. Wir lavieren durchs Leben.

Das Texterl ist noch deutlich ausbaubar

Damals ….. zwei Kartäusermönche – Impulswerkstatt

Zur Zeit der Hochblüte des Kartäuserordens, im späten Mittelalter lebte in einem der Klöster Bruder Anselm. Er war der vierte Sohn einer Familie niedrigen Adels und hatte wenig andere Möglichkeiten sein Leben zu gestalten als sich in ein Kloster zurückzuziehen. Dieser Lebensweg entsprach seinem Charakter und seinen Neigungen immerhin viel mehr als das Kriegshandwerk und so schloss er sich als noch recht junger Mann einem Kartäuserorden an.

Nach vielen Jahren der Prüfung und Vorbereitung hatte Anselm es zum Chormönch gebracht und lebte nun zu Beginn seiner mittleren Jahre in einer der an den Kreuzgang angeschlossenen Mönchszellen. Der Begriff „Zelle“ vermittelt einen falschen Eindruck, denn die Kartäuser lebten jeder in einem eigenen Häuschen mit drei Räumen und einem Garten, die direkt aus dem Kreuzgang betreten werden konnten. Der Kreuzgang führte auch zu den Gemeinschaftsräumen und der Kirche. Ein nicht nur räumlich abgeschlossenes Universum.

Anselm schätzte seine Lebensweise, das eremitische Dasein inmitten von Gleichgesinnten, die man auch mehrmals täglich traf, obwohl anfangs sein Zugang zu dem Gott, der im Kloster verehrt wurde, ein sehr zurückhaltender war. Er schien ihm unzugänglich, sehr weit entfernt und gleichgültig gegenüber den Belangen des menschlichen Lebens. Dennoch nahm Anselm sehr gerne an den Gebeten, Gesängen und Ritualen teil, die im Kloster praktiziert wurden und seinem Leben Rahmen und Struktur gaben. Er hatte sich entschlossen, diesen Gott so gut kennenzulernen, dass er ihn eines Tages auch besser verstehen würde.

Nach und nach entwickelte sich die Beziehung zwischen Bruder Anselm und seinem Gott. Anfangs hatte er eine Menge Zweifel, ob seine Gottesvorstellung mit jener seiner Mitbrüder und vor allem mit jener des Abts übereinstimmte oder zumindest vereinbar war. Anselm spürte aber immer klarer, dass sein Gott ihn wohlwollend und liebevoll in allen Situationen seines Lebens begleitete und so beschäftigten ihn Zweifel und Vergleiche immer weniger. Er erkannte, dass er sich wohl in manchem Bereich noch etwas mehr bemühen sollte, dass er aber prinzipiell gut war, genauso wie er eben war und Gott nicht von ihm verlangte, sich zu kasteien und zu geiseln um seine Natur zu verändern und zu etwas anderem zu werden als ein Mensch guten Willens.  

Er schätzte es, dass Gott ihn milde lächelnd beim Masturbieren allein ließ, sich nicht daran störte, wenn er bei der Lektüre der Schriften so mancher Kirchenväter ablehnend die Stirn runzelte und auch das allergrößte Verständnis dafür hatte, wenn Anselm gelegentlich bei einer mitternächtlichen Messe einschlief.  

Bruder Anselm hatte seine ganz persönliche Beziehung zu Gott gefunden und war zufrieden. Glücklich machte ihn, dass auch die irdische Liebe ihm in Gestalt von Bruder Ludovic, seinem Zellennachbarn begegnete. Ludovic war später als Anselm in die Kartause eingetreten, hatte es aber aufgrund größeren materiellen Reichtums schneller zum Chormönch gebracht als Anselm.

Langsam aber stetig kamen sich die beiden näher. Aus heutiger Perspektive kann man sagen, dass es selten ein so großes und dauerhaftes Glück gibt wie jenes dieser beiden eremitischen Mönche.

Anfangs waren beide sehr unsicher sowohl über die Berechtigung als auch über die Möglichkeiten einer Form des Zusammenlebens. Sie waren schließlich durch hohe Mauern getrennt und es bestand im Kloster ein absolutes Kommunikationsverbot zwischen den Mönchen. Abgesehen vom Austausch notwendiger Informationen herrschte auch ein strenges Schweigegebot. Es war schon ein kleines Wunder, dass die beiden sich überhaupt näher kennenlernen konnten.

Dieses gar nicht so kleine Wunder nahm Anselm als Zeichen seines Gottes, als Bestätigung dafür, dass er wohlwollend auf diese Liebe blickte. Anselms Gott, der bald auch jener von Ludovic wurde, legte mehr Wert auf gelebte Liebe als auf von Menschen ersonnene theologische Spitzfindigkeiten. Durch seine Zustimmung zu dieser Beziehung, die in jeder Hinsicht gegen die Regeln von Kirche und Kloster verstieß, bot er den beiden Mönchen die größtmögliche Unterstützung in ihrem Leben, das sie als gottgewollt betrachten konnten.

Aus Steinen gemauerte Gartenmauern sind nicht so unüberwindlich wie die Mauern in den Köpfen. Das ständige Schweigen und die Verweigerung jeder persönlichen Kommunikation ist derart gegen die menschliche Natur, dass es eigentlich unvermeidlich ist, dass jene Klosterbewohner, die nicht an einen versteinerten, alles Menschliche bestrafenden Gott glauben, eigene Wege finden um ihre Spiritualität zu leben ohne ihre Menschlichkeit aufzugeben.

Kürzlich besuchte ich wieder einmal die nun von Mönchen verlassene Kartause Mauerbach und dachte darüber nach, dass ein noch so guter Gedanke, eine noch so überzeugende Organisation, die die menschliche Natur nicht berücksichtigen, immer zum Scheitern verurteilt sind. Und ich dachte an Anselm und Ludovic, die in Kopf und Herz flexibel genug waren, ihre Überzeugungen nicht aufzugeben sondern so anzupassen dass sie ein glückliches Leben führen konnten.

Ich saß in dem schönen Klostergarten mit den duftenden Kräutern und den Rosen an den Wänden. Vielleicht ist das Loch in der Steinmauer hinter der Bank noch ein Überbleibsel aus der mittelalterlichen Kommunikationsstrategie von Anselm und Ludovic und vielleicht haben auch andere Mönche Mittel und Wege gefunden zu Anselms Gott zu gelangen. Ich bin mir da nicht so sicher, aber ich wünsche es ihnen.

Varianten – Impulswerkstatt

Eine südlichere Variante der Bank im Kartäusergarten. Die Wand hinter den Bananenbäumen gehört auch zu einem Klostergarten. Das Licht ist einfach ein ganz anderes. Das obere Foto ist vom August, bei warmem Wetter, das untere ist vom letzten Oktoberdrittel. Aber die Bank ist in der oberen Version eindeutig solider