la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Samstag 8. August 2020

Zu den sommerlichen Dingen, die ich gerne mag, gehört es, an Abenden nach einem heißen Tag in einem Lokal mit schönem Ausblick zu sitzen. Wenn schon kein Meer, dann doch sehenswerte Architektur mit Planzenumrahmung. Zu den Grundelementen des chinesischen bzw japanischen Gartens gehören Pflanzen, Stein und Wasser. Auch in einem gut angelegten europäischen Park sind diese Elemente vertreten

Vor dem letzten Besuch im „Theater im Park“ saßen wir auch in diesem griechischen Lokal, nur das Wetter war ein ganz anderes und das „wir“ bestand aus anderen Personen. Beim ersten Besuch im Juli saßen wir streckenweise im Regen mit Jacken und Pelerinen diesmal war es ein ziemlich heißer Tag. Ich hatte schon befürchtet, dass der „Zuschauerraum“ der ins Freie verlegten Bühne noch in der Sonne liegen könnte, aber offenbar wurde alles sehr gut geplant und alle Sitze lagen im Schatten der riesigen, alten Platanen, die in diesem Privatpark stehen. Die in Orangetönen leuchtenden Bäume gehören auch zur Inszenierung.

Der Kabarettist, Viktor Gernot, war recht unterhaltsam. Er ist auch ein erstklassiger Stimmenimitator von sprechenden und singenden Stimmen und hat etliche seiner Kollegen durch den Kakao gezogen, manche durchaus liebevoll andere …. eben anders.

Im Juli durften erst 500 Zuschauer in den Park, jetzt im August sind es schon über 1000. Vielleicht rechnet sich da so eine Veranstaltung doch. Ich habe keine freien Sitzplätze gesehen und es gibt offenbar einen Großsponsor und vermutlich noch mehrere kleinere. Viktor Gernot erzählte, dass er in fünf Monaten das zweite Mal auf einer Bühne stehen durfte. Er wird nicht zu jenen gehören, denen wirklich alle Einnahmen weggebrochen sind, doch leicht haben es die Künstler im allgemeinen nicht. Wenn aber Gelegenheiten geboten werden für kulturelle Veranstaltungen im Freien so gehen die Leute auch hin. Wie unbequem die Sitzgelegenheiten auch sein mögen.


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Samstag 1. August 2020

Drei vor, zwei zurück, oder doch vier zurück ? Vor einer Woche ein Wochenende oder vielmehr vier Tage mit über zwanzig Leuten, davon 2 Spanierinnen, 1 Ungar, ein Amerikaner, der noch nicht einmal eine Maske besaß. Wir waren viel im Freien, trotzdem. Wir haben Abstand gehalten, trotzdem.

In hangle mich von einer Veranstaltung zur nächsten und wenn ich vier, fünf Tage später nicht krank bin, gehe ich davon aus, dass ich mich nicht angesteckt habe, weder mit Covid 19 noch mit sonst irgend etwas. An diesem Mal-Wochenende sind wir sieben, inklusive Aktmodell. Bei 35 Grad ist die Rolle des Aktmodells die bei weitem kühlste allerdings auch die langweiligste.


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Donnerstag 23. Juli 2020

Sie steigt und steigt wieder in Wien, die Zahl der Covid-19-Infizierten; im restlichen Österreich nicht annähernd so stark. Die Versuchung nach Sündenböcken zu suchen ist groß und macht doch überhaupt keinen Sinn. Die aus den Balkanstaaten heimgekehrten Urlauber, diverse Kirchen, fleischverarbeitende Betriebe, Erntearbeiter in empörenden Behausungen…. Ich kann und will aber einfach nicht für die nächsten Jahre aufhören nach außen zu leben und so setze ich auf Abstandhalten und Glück. Naja, und nachdem es vorgeschrieben wurde halt auch auf Masken, obwohl ich Abstandhalten für viel effizienter halte. Es kommt mir auch irgendwie entgegen, ich mag das ständige Abbusseln fremder Leute ohnehin nicht.

Mehrere mögliche Impfstoffe sind in der Phase der klinischen Tests angelangt. Optimistische Schätzungen meinen, dass es in etwa einem Jahr oder sogar früher eine Impfung geben könnte. Ich glaube nicht, dass ich lange darüber nachdenken werde, ob ich sie haben möchte oder nicht.

Während wir alle im Corona-Schock dahin torkeln, schreitet die Klimakatastrophe offenbar unaufhaltsam voran. 38 Grad Celsius in Sibirien, die Permafrostböden tauen auf, Methan und CO2 werden freigesetzt. Der heurige Sommer in Mitteleuropa ist nicht so extrem, daher nähren wir die Illusion, dass alles nicht so schlimm ist, weil der Flugverkehr reduziert ist und die Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Es ist aber nun mal eine Illusion zu meinen, dass die Katastrophe nicht voranschreitet. Die Vogel Sträuße samt ihrer Politik sind allgegenwärtig.

Ecosia benütze ich schon seit einer Weile. Ich dachte, das wäre eine seriöse Organisation. Manchmal zweifle ich aber auch daran, denn die Zahlen der angeblich gepflanzten Bäume können doch nicht stimmen. Der laufende Zähler zeigt zwei bis drei gepflanzte Bäume pro Sekunde an und läuft zu allen Tages- und Nachtzeiten. Andererseits wird auch in atemberaubendem Tempo abgeholzt.

Ich lebe derzeit jedenfalls nach dem Motto carpe diem …


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Mittwoch 1. Juli – Sie steigen wieder

Die Covid-Infektionszahlen  steigen wieder in Österreich; nachdem schon Urlaubs- und Sommerstimmung geherrscht hat, die allgemeine Aufmerksamkeit sich anderen Themen zugewandt hatte. An solchen Themen herrscht ja kein Mangel, keine Rede von Sommerloch ist im Sommer 2020. Leider wird die Stadt auch nicht halbleer bleiben. Sehr viele Geschäfte, Kleinbetriebe, Lokale werden heuer überhaupt keinen Urlaub machen, weil sie mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen.

Für mich fällt die Ansteckungsgefahr in der Schule nunmehr weg, die Ferien haben begonnen. Dadurch fahre ich auch weniger mit Öffis bzw zu Zeiten, in denen nicht viele Leute unterwegs sind. Trotzdem liegt die schwarze Wolke über allem, als hätte man eine Folie über die ganze Welt gezogen, die zusehends undurchsichtiger wird. Letztlich bin ich sehr froh, dass ich für Juli keine Reisen irgendwelcher Art geplant habe und sonstige Aktivitäten auch alle kurzfristig stornierbar sind. Meine Kollegen sind sehr besorgt über die schulischen Perspektiven im September. Manche arbeiten schon jetzt daran, ihren gesamten Unterricht so umzustellen, dass er auch jederzeit online stattfinden kann. In diesem Fall wären sicher alle froh, wenn der Aufwand umsonst gewesen wäre. Leider sieht es gar nicht danach aus. Der F ist auch nicht mehr im home-office. Zwar fährt er mit dem Rad ins Büro, aber dort isst er oft in der Kantine. Es macht aber nun gar keinen Sinn ständig darüber nachzudenken, wie und wo man sich anstecken könnte.

 


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Und noch ein Fall

Eine weitere Covid-19-Infektion in einer anderen Klasse. Langsam werde ich unruhig. Insgesamt wird ja die Pandemie als ziemlich erledigt betrachtet, jeder Tag bringt mehr Normalität, aber wenn es in der eigenen, unmittelbaren Umgebung mehrere Ansteckungsfälle gibt, relativiert das die Normalität doch sehr. Ja, ich bin besorgt und unruhig, was natürlich nichts besser macht. Angst ist insgesamt ungesund und würgt die Kreativität, weiß man ja. Zwischen Theorie und Praxis klafft ein breiter Spalt, in dem das Leben stattfindet. Weiß man auch.

 


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Einschlag auf der Zielgeraden

Es hat nicht mich persönlich getroffen, sondern eine Schülerin meiner Schule, die seit gestern mit Covid-19 im Krankenhaus liegt. Schon ein Schock! So etwas trifft doch immer nur Leute, die man nicht kennt. Eine Flut von Bürokratie rollt über uns, gefühlte zweitausend Formulare zum Ausfüllen, ein Dutzend Schüler*innen und ebenso viele Lehrer*innen für zwei Wochen in Quarantäne. Wie alles im Leben hat es auch eine positive Seite: wir werden alle durchgetestet.

Mir ist schon ziemlich unheimlich, dass mir das Virus nun so nahe kommt. Zwar ist es ohnehin seit Monaten ganz in der Nähe und ich habe einfach nur Glück gehabt, aber in Verdrängung bin ich Weltspitze und das geht gerade nicht so gut. Die Lehrerzimmer sind so perfekt durchlüftet wie noch nie, was auch nicht unproblematisch ist, weil die Schule ja im Sommer zurückzieht in das renovierte frühere Schulgebäude und derzeit Gebirge von Büchern und Papier herumliegen, bereit zum Einpacken. Vor der Tür steht der erste LKW der Spedition. Die Kollegin, die die Operationen heute dirigiert, hat gerade ein mail geschickt, wir mögen doch bitte in die Umzugskartons nicht mehr hineinpacken als wir selbst tragen könnten. Die Herren von der Spedition müssten 3 Kisten auf einmal transportieren. Die sind also dreimal so stark wie jeder von uns ? Ob es die gesamte männliche Kollegenschaft schaffen wird, diese Schätzung unwidersprochen zu lassen.

Alles Galgenhumor ! Tatsächlich fürchte ich mich ziemlich und werde gleich die 375 Formulare für die Anmeldung zum Test ausfüllen, komplett und richtig …


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Donnerstag 11. Juni 2020 – Meine zweite Infizierte

Ich habe den Eindruck, dass auf der ganzen Welt sehr viele Menschen und Organisationen darauf warten, dass Präsident Trump von der Bühne verschwindet um vielfältige und sinnvolle internationale Projekte weiterführen oder neu beginnen zu können, von der WHO bis zum internationalen Gerichtshof. Einer und seine Anhänger stehen bei so vielem im Weg.

Gestern habe ich einen langen Tratsch mit einer seit längerem nicht gesehenen Freundin geführt und sie hat sich als die zweite mir persönlich bekannte Person entpuppt, die Covid-19 hatte. Ganz zu Beginn, Anfang Februar als die Ärzte noch gar nichts von der neuen Krankheit wussten. Es wäre irgendwas Virales hätte der erste Arzt gesagt und sie solle sich ins Bett legen und Ruh geben. Der zweite Arzt, den sie konsultierte, gab den gleichen Rat ohne Theorien aufzustellen über den Ursprung des tief sitzenden Hustens. Diese Freundin, Sabine, ist Apothekerin und hat eine Chefin, deren Hobby diverse Arten von Testungen zu diesem und jenem sind. Deswegen hat es Sabine zu zwei positiven Covid-19-Antikörpertests gebracht, zu ihrer großen Überraschung. Zwar weiß man ja noch nicht. wie lange die Immunisierung nach überstandener Krankheit anhält, trotzdem war es für sie eine große Erleichterung von ihrer aktuellen Immunität zu erfahren, denn sie hat die ganze Zeit über in der Apotheke gearbeitet und auch – als sozial denkender Mensch- der sie ist, Medikamente an Kranke nachhause gebracht. Da ist es natürlich äußerst beruhigend zu wissen, dass man sich selbst nicht anstecken kann, zumindest nicht mit Covid-19.

Ständig habe ich das Gefühl, dass jetzt der Herbst kommt. Die Schule hat nach Monaten gerade wieder begonnen und das ist ein subjektiv so starkes Indiz für Herbst, dass gegenteilige Indizien wie steigende Temperaturen sich erst langsam durchsetzen müssen.


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Idyllisch ?

Für die Zuhörer*innen unbedingt. Aber die Harfinistin saß den ganzen Tag dort und wurde auch schon an anderen Stellen in Wien gesehen, immer in Parks, auf der Straße. Vielleicht gehört sie zu einem Orchester, das gerade nicht auftreten kann. Sie verkauft CDs und transportiert ihre Harfe in einem Kinderwagen.


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Mittwoch 3. Juni 2020

So hat denn die Präsenz-Phase in der Schule wieder begonnen, die dann Ende Juni in die Sommerferien übergehen wird. Jede Klasse ist in zwei Gruppen geteilt von denen eine an den geraden Tagen, die andere an den ungeraden kommt. Es hat etwas leicht Gespenstisches wenn so wenige Leute in den Gängen aneinander vorbeihuschen. Alles in allem habe ich mich gefreut, die Kollegenschaft und die Schülerinnen wiederzusehen. Es hat auch ziemlich gut getan, die wenig bodenhaftenden Vorstellungen unseres Ministers ausgiebig zu besprechen und Geschichten aus dem Leben der Schüler*innen zu erfahren. Weniger begeistert hat mich das Versprühen des garantiert am scheußlichsten riechenden Desinfektionsmittels. Es muss reiner Fusel sein, aus der Zeit als Desinfektionsmittel nicht aufzutreiben waren und die Schulen doch mit irgendetwas ähnlichem versorgt werden mussten. Wir rochen also alle ziemlich durchdringend.

Nachdem es in Wien heute offiziell nur mehr 254 Covid-19-Infizierte gab, erschien es mir ziemlich lächerlich mich zu einer Risikogruppe zu rechnen und weiterhin von zuhause aus zu arbeiten. Obendrein hätte mir das um einiges mehr Arbeit verursacht. 80% aller Lehrer*innen, die sich zur Risikogruppe hätten zählen können, sind zum Präsenzunterricht  gekommen. Welcher der beiden Fakten mich stärker beeinflusst hat, sei nun dahingestellt.

Ebenso gespenstig wie die Schule zeigte sich das Kieser Studio, wo ich gestern war. Man muss sich auf die Viertelstunde genau anmelden, wobei aber nicht genau zu eruieren ist, wie viele Leute auf einmal hinein dürfen. Die Trainingsmaschinen wurden umgestellt, so dass nicht mehr nebeneinander sondern hintereinander trainiert wird. Dieser Position der Geräte kann ich viel abgewinnen, man sieht nicht mehr aus den Augenwinkeln die Nachbarn zur Rechten und zur Linken sondern die Hinterfront des Geräts vor einem. Man wird sehen, wie lange die Situation so bleibt.

Vielleicht lerne ich es doch noch, manchmal den Mund zu halten, wenn bodenloser Schwachsinn verzapft wird von Leuten, die sich durch das Lesen von drei Artikeln als Expert*innen zu einem Thema fühlen, über das ihnen aber in Wirklichkeit die allergrundlegendsten Kenntnisse fehlen. Ja, ich bin ganz optimistisch vielleicht wird da noch was draus. Wenigstens manchmal.

 


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Luftraum

Seit nur noch ganz selten einmal ein Flugzeug zu sehen ist, gibt es auch viel weniger Wolken. Damit ob dies auch Einfluss auf Häufigkeit und Intensität von Niederschlägen hat, werden sich die Meteorologen beschäftigen. Tatsache ist auch, dass die Wettervorhersagen in letzter Zeit miserabel sind. Das wiederum hängt damit zusammen, dass die Flugzeuge Messgeräte haben, über die sie, wenn sie unterwegs sind, Daten über meteorologisch Relevantes liefern.

Keine Flugzeuge am Himmel, keine Zusatzdaten. Ich glaube aber nicht, dass es soweit geht, dass die Wetterfrösche wieder Einzug halten in die meteorologischen Stationen. Falls doch, dann sicher nur in einer Nacht- und Nebelaktion. Ich erinnere mich dunkel, einmal eine ABC-Etüde über einen Wetterfrosch geschrieben zu haben. Hmmm ….


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Samstag 23.5.20 – Präsenz und Idylle

Ich weiß nicht recht, wie ich die zwei letzten Tage nennen soll. „Schulisch überaktiv“, „Fernlernphase abschließend“, „Seit zwei Monaten inaktive Schüler*innen mit der Verkündung negativer Noten unangenehm aus dem Dornröschenschlaf reißen“. Jedenfalls sitze ich seit 48 Stunden praktisch ununterbrochen vor dem Computer. Es ist alles recht mühsam, weil ich wegen des Datenschutzes  jede Schülerin und jeden Schüler einzeln und privat verständigen und allen vor Beginn der Präsenzphase am 3.6. ihren derzeitigen Notenstand verkünden muss. Die Grundlagen für die Benotung des Fernunterrichts sind eine Kombination aus Vorurteilen, Illusionen und Wunschträumen. Bei den „Normalschüler*innen“ hat ja alles recht gut funktioniert, bei den Abendschülern eben noch ein bisschen schlechter als sonst. Viele sind zwei Monate lang einfach abgetaucht. Ob das an Problemen mit der Kommunikationstechnik, an mangelnden Fähigkeiten zur Selbstorganisation oder schlicht an Faulheit liegt, sei dahingestellt. Insgesamt war es eine interessante Erfahrung zum Abschluss meines Schulalltags.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich als zur Risikogruppe gehörig deklarieren soll und habe mich nun dagegen entschlossen. Wahrscheinlich würde ich es nachträglich bedauern, meine Schulzeit ausklingen zu lassen in Risiko und möglicher Krankheit und Zurückgezogenheit auf Kosten der Kollegenschaft, die mich dann vertreten müsste. Ich werde also die ohnehin nur vier Wochen dauernde Präsenzunterrichtphase mitmachen und dann verhältnismäßig normal in den Sommerurlaub gleiten. Obwohl mich die häusliche Idylle langsam etwas kribbelig macht. Ja, leider ertrage ich Idyllen nie sehr lange …


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Mittwoch 20.5.2020 – die Seltsamkeiten des Tages

Meine Lieblingsbluse von vor einem Jahr um diese Zeit gefällt mir gar nicht mehr so besonders. Wie vergänglich und relativ die Begeisterung doch ist. Und über welche Banalitäten ich schreiben kann ohne dass es mir peinlich ist. Nein, es ist mir überhaupt nicht peinlich, es macht mir Freude, mich in schön gedrechselten flüssigen Sätzen zu üben.

Die Ablesung der Fernwärme, die im Fall meiner Wohnung normalerweise im Mai durchgeführt wird, übrigens von einem sehr netten jungen Mann, den ich schon ein paar Jahre kenne, muss heuer von den Fernwärmekunden selbst erledigt werden. Bei derzeit ungefähr 400 Covid-19- Infizierten in ganz Wien und weniger als 800 in ganz Österreich kommt mir das doch – sagen wir –  etwas übertrieben vorsichtig vor. Ja, andererseits, natürlich könnte einer dieser Ableser infiziert sein und dann mit sehr vielen Menschen Kontakt haben. Vorsichtsmaßnahmen sind zur Vorsicht da.

Derzeit sieht es ja so aus als würde man mit einem großen Vergrößerungsglas und einer starken Lampe in die düsteren Winkel der sozialen und arbeitsrechtlichen Ungerechtigkeiten hineinsehen und – welche Überraschung – da sind auch die Infizierten. In extrem engen Wohnverhältnissen, in prekären Arbeitssituationen, die es ihnen gar nicht erlauben wegen Krankheit von der Arbeit wegzubleiben, weil sie dann keine Arbeit mehr hätten. Ja doch, ich spreche von Europa, von Leiharbeiterfirmen, von Lohnsklavenbarracken, von Flüchtlingsunterkünften.

Zwei Weinstöcke haben wir erworben, einen mit dunklen, einen mit weißen Trauben, also zunächst theoretischen Trauben, weil es ja keineswegs sicher ist, ob sie auch im 6. Stock bei extremer Sommerhitze und viel Wind tragen werden. Das ist ein Projekt von F, der Bilder von schattigen Weinlauben im Kopf zu haben scheint.


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Freitag 15. Mai 2020 – Von Flaggen, Stühlen und der Gastronomie

Ob Themen wirklich in der Luft liegen, ob sie nur von Medien hochgepusht werden, oder ob die Medien sie aufgreifen, weil sie eben in der Luft liegen, ist sehr schwer zu beurteilen. In Österreich ist jedenfalls gerade das Thema „Auferstehung der Kulturveranstaltungen nach dem Lockdown“in aller Munde. Die zuständige Staatssekretärin wird von allen Seiten scharf kritisiert und man munkelt, dass sie bald zurücktreten wird.

Gestern bin ich an der Oper vorbeigefahren. Sie ist schwarz beflaggt. Ob es sich dabei um ein Symbol der Trauer um einen verstorbenen Menschen aus dem Opernmilieu handelt oder um die allgemeine Trauer um den Kulturbetrieb? „Kulturbetrieb bedeutet ja nicht, ein paar Stühle aufstellen und dann trägt jemand ein Gedicht vor“ sagte ich weiß nicht mehr wer. Ich hoffe sehr, dass sich zumindest bis Herbst alles einigermaßen normalisiert, vor allem natürlich wegen der finanziellen Lage so vieler Menschen, aber auch weil ich große Lust habe wieder regelmäßiger ins Theater und zu sonstigen Veranstaltungen zu gehen. Zeit werde ich dann ja haben. In dem Zusammenhang fällt mir ein Satz ein, der derzeit in aller Munde ist, wer immer ihn auch erfunden haben möge. Es gäbe derzeit schon mehr Virologen als Kranke.

Ein anderer Pfeiler österreichischen Selbstverständnisses nämlich die Lokale sperren ab heute wieder auf, wenn auch unter recht ungemütlichen Bedingungen: Tische ziemlich weit auseinander, vier Personen pro Tisch, das Servierpersonal muss Masken tragen. Völlig absurd finde ich, dass Gäste beim Betreten des Lokals Masken tragen sollen, die sie erst an ihrem Tisch abnehmen dürfen. Eine Augenauswischerei ist das. Entweder ist es gut und sinnvoll Masken zu tragen oder eben nicht. Dass es auf ein paar Metern Entfernung  Sinn machen soll, beim Sitzen am Tisch aber nicht, hat doch einen sehr schildbürgerlichen Anstrich. Ursprünglich hieß es ja, in den Lokalen müssen auch von den Gästen Masken getragen werden. Dass das Einschieben fester und flüssiger Nahrung dadurch doch sehr erschwert worden wäre, hat man beim Krisenstab dann auch eingesehen. Zwar würde ich sehr gerne endlich wieder einmal in einem Lokal sitzen und mit Leuten plaudern, die ich lange nicht gesehen habe, aber unter diesen Bedingungen werde ich noch eine Weile darauf verzichten.

Im Nebenzimmer brummt der Staubsauger, der bald einen besseren Nachfolger finden wird. Frau S. ist am Werk, was für mich ein sehr großer und wichtiger Schritt in die Vor-Corona Normalität ist.

Ich hasse ja das Putzen, obwohl ich derzeit eventuell doch lieber putzen würde als Schuldirektorin zu sein. Aus dem Unterrichtsministerium strömen jede Menge recht widersprüchlicher und unvollständiger Anweisungen aber nur sehr wenige Resssourcen. Man hat auch plötzlich zur Kenntnis genommen, dass viele Schulen in bedauernswertem baulichen und empörendem hygienischen Zustand sind. Es soll gebaut werden, „auch zum Ankurbeln der Bauwirtschaft“ sprach der Kanzler. Für seine Verhältnisse ist das eine der Wahrheit verpflichtete Aussage.