la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Mittwoch 3. Juni 2020

So hat denn die Präsenz-Phase in der Schule wieder begonnen, die dann Ende Juni in die Sommerferien übergehen wird. Jede Klasse ist in zwei Gruppen geteilt von denen eine an den geraden Tagen, die andere an den ungeraden kommt. Es hat etwas leicht Gespenstisches wenn so wenige Leute in den Gängen aneinander vorbeihuschen. Alles in allem habe ich mich gefreut, die Kollegenschaft und die Schülerinnen wiederzusehen. Es hat auch ziemlich gut getan, die wenig bodenhaftenden Vorstellungen unseres Ministers ausgiebig zu besprechen und Geschichten aus dem Leben der Schüler*innen zu erfahren. Weniger begeistert hat mich das Versprühen des garantiert am scheußlichsten riechenden Desinfektionsmittels. Es muss reiner Fusel sein, aus der Zeit als Desinfektionsmittel nicht aufzutreiben waren und die Schulen doch mit irgendetwas ähnlichem versorgt werden mussten. Wir rochen also alle ziemlich durchdringend.

Nachdem es in Wien heute offiziell nur mehr 254 Covid-19-Infizierte gab, erschien es mir ziemlich lächerlich mich zu einer Risikogruppe zu rechnen und weiterhin von zuhause aus zu arbeiten. Obendrein hätte mir das um einiges mehr Arbeit verursacht. 80% aller Lehrer*innen, die sich zur Risikogruppe hätten zählen können, sind zum Präsenzunterricht  gekommen. Welcher der beiden Fakten mich stärker beeinflusst hat, sei nun dahingestellt.

Ebenso gespenstig wie die Schule zeigte sich das Kieser Studio, wo ich gestern war. Man muss sich auf die Viertelstunde genau anmelden, wobei aber nicht genau zu eruieren ist, wie viele Leute auf einmal hinein dürfen. Die Trainingsmaschinen wurden umgestellt, so dass nicht mehr nebeneinander sondern hintereinander trainiert wird. Dieser Position der Geräte kann ich viel abgewinnen, man sieht nicht mehr aus den Augenwinkeln die Nachbarn zur Rechten und zur Linken sondern die Hinterfront des Geräts vor einem. Man wird sehen, wie lange die Situation so bleibt.

Vielleicht lerne ich es doch noch, manchmal den Mund zu halten, wenn bodenloser Schwachsinn verzapft wird von Leuten, die sich durch das Lesen von drei Artikeln als Expert*innen zu einem Thema fühlen, über das ihnen aber in Wirklichkeit die allergrundlegendsten Kenntnisse fehlen. Ja, ich bin ganz optimistisch vielleicht wird da noch was draus. Wenigstens manchmal.

 


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Luftraum

Seit nur noch ganz selten einmal ein Flugzeug zu sehen ist, gibt es auch viel weniger Wolken. Damit ob dies auch Einfluss auf Häufigkeit und Intensität von Niederschlägen hat, werden sich die Meteorologen beschäftigen. Tatsache ist auch, dass die Wettervorhersagen in letzter Zeit miserabel sind. Das wiederum hängt damit zusammen, dass die Flugzeuge Messgeräte haben, über die sie, wenn sie unterwegs sind, Daten über meteorologisch Relevantes liefern.

Keine Flugzeuge am Himmel, keine Zusatzdaten. Ich glaube aber nicht, dass es soweit geht, dass die Wetterfrösche wieder Einzug halten in die meteorologischen Stationen. Falls doch, dann sicher nur in einer Nacht- und Nebelaktion. Ich erinnere mich dunkel, einmal eine ABC-Etüde über einen Wetterfrosch geschrieben zu haben. Hmmm ….


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Samstag 23.5.20 – Präsenz und Idylle

Ich weiß nicht recht, wie ich die zwei letzten Tage nennen soll. „Schulisch überaktiv“, „Fernlernphase abschließend“, „Seit zwei Monaten inaktive Schüler*innen mit der Verkündung negativer Noten unangenehm aus dem Dornröschenschlaf reißen“. Jedenfalls sitze ich seit 48 Stunden praktisch ununterbrochen vor dem Computer. Es ist alles recht mühsam, weil ich wegen des Datenschutzes  jede Schülerin und jeden Schüler einzeln und privat verständigen und allen vor Beginn der Präsenzphase am 3.6. ihren derzeitigen Notenstand verkünden muss. Die Grundlagen für die Benotung des Fernunterrichts sind eine Kombination aus Vorurteilen, Illusionen und Wunschträumen. Bei den „Normalschüler*innen“ hat ja alles recht gut funktioniert, bei den Abendschülern eben noch ein bisschen schlechter als sonst. Viele sind zwei Monate lang einfach abgetaucht. Ob das an Problemen mit der Kommunikationstechnik, an mangelnden Fähigkeiten zur Selbstorganisation oder schlicht an Faulheit liegt, sei dahingestellt. Insgesamt war es eine interessante Erfahrung zum Abschluss meines Schulalltags.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich als zur Risikogruppe gehörig deklarieren soll und habe mich nun dagegen entschlossen. Wahrscheinlich würde ich es nachträglich bedauern, meine Schulzeit ausklingen zu lassen in Risiko und möglicher Krankheit und Zurückgezogenheit auf Kosten der Kollegenschaft, die mich dann vertreten müsste. Ich werde also die ohnehin nur vier Wochen dauernde Präsenzunterrichtphase mitmachen und dann verhältnismäßig normal in den Sommerurlaub gleiten. Obwohl mich die häusliche Idylle langsam etwas kribbelig macht. Ja, leider ertrage ich Idyllen nie sehr lange …


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Mittwoch 20.5.2020 – die Seltsamkeiten des Tages

Meine Lieblingsbluse von vor einem Jahr um diese Zeit gefällt mir gar nicht mehr so besonders. Wie vergänglich und relativ die Begeisterung doch ist. Und über welche Banalitäten ich schreiben kann ohne dass es mir peinlich ist. Nein, es ist mir überhaupt nicht peinlich, es macht mir Freude, mich in schön gedrechselten flüssigen Sätzen zu üben.

Die Ablesung der Fernwärme, die im Fall meiner Wohnung normalerweise im Mai durchgeführt wird, übrigens von einem sehr netten jungen Mann, den ich schon ein paar Jahre kenne, muss heuer von den Fernwärmekunden selbst erledigt werden. Bei derzeit ungefähr 400 Covid-19- Infizierten in ganz Wien und weniger als 800 in ganz Österreich kommt mir das doch – sagen wir –  etwas übertrieben vorsichtig vor. Ja, andererseits, natürlich könnte einer dieser Ableser infiziert sein und dann mit sehr vielen Menschen Kontakt haben. Vorsichtsmaßnahmen sind zur Vorsicht da.

Derzeit sieht es ja so aus als würde man mit einem großen Vergrößerungsglas und einer starken Lampe in die düsteren Winkel der sozialen und arbeitsrechtlichen Ungerechtigkeiten hineinsehen und – welche Überraschung – da sind auch die Infizierten. In extrem engen Wohnverhältnissen, in prekären Arbeitssituationen, die es ihnen gar nicht erlauben wegen Krankheit von der Arbeit wegzubleiben, weil sie dann keine Arbeit mehr hätten. Ja doch, ich spreche von Europa, von Leiharbeiterfirmen, von Lohnsklavenbarracken, von Flüchtlingsunterkünften.

Zwei Weinstöcke haben wir erworben, einen mit dunklen, einen mit weißen Trauben, also zunächst theoretischen Trauben, weil es ja keineswegs sicher ist, ob sie auch im 6. Stock bei extremer Sommerhitze und viel Wind tragen werden. Das ist ein Projekt von F, der Bilder von schattigen Weinlauben im Kopf zu haben scheint.


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Freitag 15. Mai 2020 – Von Flaggen, Stühlen und der Gastronomie

Ob Themen wirklich in der Luft liegen, ob sie nur von Medien hochgepusht werden, oder ob die Medien sie aufgreifen, weil sie eben in der Luft liegen, ist sehr schwer zu beurteilen. In Österreich ist jedenfalls gerade das Thema „Auferstehung der Kulturveranstaltungen nach dem Lockdown“in aller Munde. Die zuständige Staatssekretärin wird von allen Seiten scharf kritisiert und man munkelt, dass sie bald zurücktreten wird.

Gestern bin ich an der Oper vorbeigefahren. Sie ist schwarz beflaggt. Ob es sich dabei um ein Symbol der Trauer um einen verstorbenen Menschen aus dem Opernmilieu handelt oder um die allgemeine Trauer um den Kulturbetrieb? „Kulturbetrieb bedeutet ja nicht, ein paar Stühle aufstellen und dann trägt jemand ein Gedicht vor“ sagte ich weiß nicht mehr wer. Ich hoffe sehr, dass sich zumindest bis Herbst alles einigermaßen normalisiert, vor allem natürlich wegen der finanziellen Lage so vieler Menschen, aber auch weil ich große Lust habe wieder regelmäßiger ins Theater und zu sonstigen Veranstaltungen zu gehen. Zeit werde ich dann ja haben. In dem Zusammenhang fällt mir ein Satz ein, der derzeit in aller Munde ist, wer immer ihn auch erfunden haben möge. Es gäbe derzeit schon mehr Virologen als Kranke.

Ein anderer Pfeiler österreichischen Selbstverständnisses nämlich die Lokale sperren ab heute wieder auf, wenn auch unter recht ungemütlichen Bedingungen: Tische ziemlich weit auseinander, vier Personen pro Tisch, das Servierpersonal muss Masken tragen. Völlig absurd finde ich, dass Gäste beim Betreten des Lokals Masken tragen sollen, die sie erst an ihrem Tisch abnehmen dürfen. Eine Augenauswischerei ist das. Entweder ist es gut und sinnvoll Masken zu tragen oder eben nicht. Dass es auf ein paar Metern Entfernung  Sinn machen soll, beim Sitzen am Tisch aber nicht, hat doch einen sehr schildbürgerlichen Anstrich. Ursprünglich hieß es ja, in den Lokalen müssen auch von den Gästen Masken getragen werden. Dass das Einschieben fester und flüssiger Nahrung dadurch doch sehr erschwert worden wäre, hat man beim Krisenstab dann auch eingesehen. Zwar würde ich sehr gerne endlich wieder einmal in einem Lokal sitzen und mit Leuten plaudern, die ich lange nicht gesehen habe, aber unter diesen Bedingungen werde ich noch eine Weile darauf verzichten.

Im Nebenzimmer brummt der Staubsauger, der bald einen besseren Nachfolger finden wird. Frau S. ist am Werk, was für mich ein sehr großer und wichtiger Schritt in die Vor-Corona Normalität ist.

Ich hasse ja das Putzen, obwohl ich derzeit eventuell doch lieber putzen würde als Schuldirektorin zu sein. Aus dem Unterrichtsministerium strömen jede Menge recht widersprüchlicher und unvollständiger Anweisungen aber nur sehr wenige Resssourcen. Man hat auch plötzlich zur Kenntnis genommen, dass viele Schulen in bedauernswertem baulichen und empörendem hygienischen Zustand sind. Es soll gebaut werden, „auch zum Ankurbeln der Bauwirtschaft“ sprach der Kanzler. Für seine Verhältnisse ist das eine der Wahrheit verpflichtete Aussage.

 


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Käse, Käse …..

Die ersten eigenen Erdbeeren geerntet. Die eigenen schmecken schon ganz besonders, saftig, süß, erfrischend. Und der Geruch! Ganz wunderbar. Er triumphiert eindeutig über den Schimmelkäsegeruch. Der F liebt Käse, meine Nase und ich nicht. Eigentlich wären wir also in der Mehrheit, aber es herrscht in diesem Haus bezüglich Käse kein Mehrheitsrecht. Was ich sehr bedaure. Zwar werfe ich nächtens immer wieder die Restbestände weg, die besonders intensiv riechen, aber das reicht bei weitem nicht aus. Im Kühlschrank steht eine Schale Essig, das hilft. Wenn alle Fenster offen sind, ist das alles nicht so tragisch, aber derzeit ist es gerade wieder ziemlich kalt und da zieht der Käsegeruch durch die Wohnung. Der F behauptet, dass ich maßlos übertreibe. Das liegt daran, dass ich eine viel bessere Nase habe als er. Naja, solange man gut riecht, ist man angeblich nicht mit Covid-19 infiziert, weil das Virus die Geruchsnerven vorübergehend außer Funktion setzen soll. Manchmal ist es aber echt nicht einfach einen positiven Aspekt an einem Ärgernis wie dem Käse zu finden. Ich muss eine Recherche starten über die fatalen Wirkungen von großem Käsekonsum. Wer weiß, was sich da finden lässt. Aber ich fürchte, was immer es ist, wird dem F völlig egal sein, seine Käseleidenschaft übersteht alle meine Sabotageakte. Immerhin haben wir uns darauf geeinigt, dass der Käse in gläserne Behälter mit Deckel verpackt wird. Der F nennt sie Sarkophage. Ob das eine passende Bezeichnung ist, kann ich nicht sagen, weil ich glücklicherweise noch nicht erlebt habe, wie eine frisch einbalsamierte zukünftige Mumie riecht. Sehr viel intensiver als manche Käsesorten kann es aber nicht sein.