la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Denn die einen sind im Dunklen und die anderen sind im Licht

Wien, Rotenturmstraße zu Adventzeiten. Rechts das erzbischöfliche Palais

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Regenbogenparade – love parade – Wien 2018

Die Wiener Regenbogenparade feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum

Fotos: Wien Info 

Ich wäre gerne hingegangen, habe es aber nicht geschafft. Sehr schade, es ist ein buntes, entspanntes Fest mit einer klaren Aussage für das Ermöglichen gesellschaftlicher Vielfalt.  Allein schon über den autofreien Ring zu spazieren, ist ein seltenes Vergnügen und obendrein ist es heuer nicht so heiß wie sonst. Der Umzug wird „andersrum“ also gegen die Fahrtrichtung über den Ring ziehen. Ganz schrill gestylte Menschen defilieren neben anrührenden Teilnehmer*innen und vielen Zuschauern.

Ob wohl die Regenbogenparade eine Veranstaltung ist zu der die meisten Zuschauer hauptsächlich oder nur wegen des Spektakels kommen oder ob doch auch von den 200.000 erwarteten Teilnehmern viele dabei sind, die aus Solidarität anwesend sind? Wüsste ich gerne. Der ehemalige Bundeskanzler Kern zählt zu den Rednern der Abschlussveranstaltung, der aktuelle Bundeskanzler Kurz wäre wohl eher bei der Gegendemo zu finden, falls er solche Veranstaltungen besuchen würde.

Zu der Gegendemo werden etwa 400 Teilnehmer erwartet. „Marsch für die Familie“ nennen sie sich und bestehen aus weniger fröhlich erscheinenden Menschen, die Plakate und Transparente hochhalten mit Aufschriften wie „Familie = Vater, Mutter, Kinder“ , „Abtreibung ist Mord“, „Der Körper ist von Gott gegeben, benütze ihn mit Würde“, „Für Jesus“ und Ähnliches. Diese Veranstaltung wird vom christlichen Verein „Pro Vita“ organisiert und unter anderen Rednern tritt dort auch der ehemalige PEGIDA- Sprecher Georg Immanuel Nagel auf. Dieser Herr Nagel leitet die „Aktionsgruppe gegen Dekadenz und Werteverfall“, deren geplanter Protest gegen den Eurovisions Song Contest wegen Schlechtwetters abgesagt wurde. Die Kirche wäre wahrlich gut beraten, würde sie sich überlegen mit welchen Leuten sie sich ins Bett legt.

Natürlich gibt es auch Gegendemos gegen die Gegendemo: „Religiöse Fundamentalisten stoppen“ und „‚Marsch für die Familie‘ verhindern!“ letztere wurde von der Polizei verboten, weil die erfahrungsgemäß gewalttätigen Autonomen dazu aufgerufen haben.

Also, heute tut sich einiges auf dem Ring in Wien

 


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Die vielfältigen Verwendungen des Wörtchens „brav“

Personen der Handlung: eine Frau in den Endziebzigern, Patientin,

ein Mann Anfang Zwanzig, medizinisch-technischer Assistent.

Ort der Handlung: die Umkleidekabine vor einem Computertomographen.

Ich saß im Wartebereich und habe mitgehört.

junger Mann: „bei mir brauchen Sie sich überhaupt nicht auszuziehen“

alte Frau: „brav“

Möge sich jede/r  selbst etwas dazu denken.


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Daggi 21- Amerikanisches Idyll

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Philip Roth

„Amerikanisches Idyll“

Carl Hanser Verlag 1998

Aufgabe 22: Ein Buch mit einem der vier Elemente (Feuer) auf dem Cover

 

Ich habe mehrere Bücher von Philip Roth hintereinander gelesen. Dieses ist ein besonderes, weil es im Jahr seines Erscheinens den Pulitzerpreis gewonnen hat. Ich habe es mit entsprechenden Erwartungen aufgeschlagen, dann aber eine Weile gebraucht, bis ich begann den Text zu schätzen.

Der Text beginnt als Ich-Erzählung eines Schriftstellers, der über seine alten Schulkollegen im allgemeinen und über einen im besonderen sinniert. Dieser eine, Seymour Levov genannt der Schwede, ein begnadeter Baseballspieler war sein Kindheits- und Jugendidol. Seymour Levov tritt mit ihm in Verbindung, weil er ihm etwas Wichtiges mitteilen möchte. Die beiden treffen sich, aber Seymour erzählt nur eher Banales von seinen Kinder aus zweiter Ehe, der Erzähler fragt auch nicht nach, was es Wichtiges wäre, über das er mit ihm sprechen wollte.

Eine Weile danach erfährt der Erzähler von Seymours Bruder, dass dieser vor kurzem an Krebs gestorben sei und dass sein Leben keineswegs die Idylle war, die man von außen sehen konnte.

Den Übergang von dieser Rahmenhandlung zur zentralen Geschichte habe ich nicht so gelungen gefunden, die Geschichte selbst hat mich aber gefesselt.

Wir befinden uns im Milieu jüdischer Einwanderer in Amerika. Seymour Levov ist der Enkel eines Einwanderers, der sich mit unglaublicher Tüchtigkeit und enormem Einsatz aus dem Nichts herausgearbeitet hat. Sein Vater hat nahtlos übernommen und bringt es mit einer Handschuhfabrik zu Wohlstand. Seymour selbst heiratet eine nicht-jüdische Schönheitskönigin und bringt es zu Reichtum und  einem völlig angepassten konservativen amerikanischen Lebensgefühl und Lebensstil. Aber er hat eine Tochter, die die vierte Generation konservativen Amerikanertums vertreten sollte, dies aber keineswegs tut. Sie engagiert sich in der Anti-Vietnambewegung und wird durch Bombenlegen zur mehrfachen Mörderin. Sie gibt ihrem Leben dann wieder eine andere Wendung indem sie sich zum Jainismus bekehrt. Einer indischen Religion deren zentrales Konzept es ist, keinem Lebewesen irgendwie zu schaden.Die Anhänger dieser Lehre sind natürlich Vegetarier, sollten im Grunde gar nichts essen, weil ja auch Pflanzen Lebewesen sind, sie waschen sich nicht und tragen einen Mundschutz um Kleinstlebewesen nicht zu schaden.

Das zentrale Thema ist die Vater-Tochter in dieser Situation. Es hat mich fasziniert, wie die beiden einander teilweise genau dasselbe vorwerfen. Zum Beispiel meint Seymour, dass seine Tochter nicht selbst denkt, sondern sich von Ideologien und den Gedanken anderer lenken läßt. Dasselbe meint die Tochter von ihrem Vater und sie haben wohl beide Recht, sind beide in Ideologien gefangen, die sie als solche nicht erkennen.

Abgesehen von den Hauptpersonen, gibt es noch mehrere andere interessante Charaktere wie Seymours Eltern und sein Bruder, ein Bilderbogen amerikanisierter Schicksale. Es geht auch um Integration, um persönliche oder eben fremdbestimmte Werte, um bröckelnde Fassaden von Idyllen, um den Preis der Aufrechterhaltung fragwürdiger, idyllischer Scheinwelten, aber auch um Anständigkeit und Loyalität, um Liebe und Zusammenleben. Ein Buch, das die Komplexität der Welt darstellt und sich nicht auf einfache Scheinlösungen zurückzieht.

Einen Nebensatz von den letzen Seiten des Buchs habe ich gespeichert “ …..dass das Idyll niemals weit vom Trümmerfeld ist “

 


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Daggi 16 – Jakob der Knecht

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Isaac Bashevis Ainger

„Jakob der Knecht“

Rowohlt 1965

Aufgabe 51: ein Buch, das du einer Wanderbuchkiste entnommen hast. (Nun es war keine Wanderbuchkiste, es war der Büchertauschort in meinem Wohnhaus)

 

Nach dem fürchterlichen Aztekenbuch, das mich in einige Eigenabgründe blicken ließ, habe ich ein wirklich gutes Buch gelesen, das mir zufällig über den Weg gelaufen ist.

Es spielt im Polen des 17 Jahrhunderts, teilweise in einem polnischen Dorf, teilweise in verschiedenen jüdischen Shtetln. Der Autor, selbst 1904 in Polen geboren, wurde 1978 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Ich muss gestehen, dass ich noch nie etwas von ihm gehört hatte.

Isaac Bashevis Ainger schreibt eine dichte, poetische Sprache, die das Beschriebene fast zum Angreifen real macht.Ich habe das Buch verschlungen !

Der Protagonist ist Jakob, ein junger Mann aus einer Rabbiner-Familie, der durch die Folgen eines Pogroms, bei dem seine Frau und seine Kinder getötet werden, zum Knecht eines polnischen Bauern wird. Der Status eines Knechts, war wohl zur damaligen Zeit der eines Leibeigenen. Es entsteht eine Liebesbeziehung zu der Tochter dieses Bauern, die abrupt beendet wird, weil Jakob von seinen Glaubensbrüdern freigekauft und wieder in seine Stadt zurückgebracht wird. Dort möchte ihn die Gemeinde mit einer aus ihrer Sicht passenden Frau wiederverheiraten, aber Jakob lehnt sich dagegen auf, holt das polnische Mädchen aus ihrem Dorf und zieht mit ihr in eine andere Stadt, in der ihn niemand kennt. Aus Wanda wird Sarah, die stumme Sarah, weil sie kein akzentfreies jiddisch sprechen kann und sofort als Nicht-Jüdin enttarnt würde. Obwohl sie sich zur jüdischen Religion bekennt und darüber mehr weiß als die meisten anderen, würden aber weder sie noch ihre Kinder als vollwertige Gemeindemitglieder anerkannt werden.

Man gewinnt durch diesen Text Einblicke in eine Welt, die von außen stark bedroht wird: es kam immer wieder zu Pogromen, bei denen ganze Dörfer ermordet wurden. Es ist auch eine Welt, die in sich sehr restriktiv ist, in die man nur durch Abstammung von einer jüdischen Mutter Aufnahme finden konnte. Es gibt auch Einblick in Sitten, Gebräuche und gesellschaftliche Strukturen der damaligen Zeit in Polen.

Wanda-Sarah stirbt bei der Geburt ihres ersten Kindes. Hier verläßt die Geschichte dann ein wenig den Boden der Realität und geht von detaillierter zu skizzenhafter Schilderung über. Jakob wandert mit dem Säugling nach Palästina aus. Die Geschichte überspringt dann 20 Jahre von Jakobs Leben, bis zu dem Zeitpunkt als dieser wieder zurück nach Polen kommt, weil er die Gebeine seiner Frau nach Palästina überführen möchte. Der letzte Teil des Buchs beschreibt kurz wie Alte und Kranke in dieser Gesellschaft leben und endet mit Jakobs plötzlichem Tod.

Ein äußerst empfehlenswertes Buch.


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roma locuta causa finita ?

Im Vatikan sitzen 350 mittelalterliche und alte Männer, die – zumindest theoretisch – seit Jahrzehnten zölibatär leben und beraten darüber, wie aus ihrer Sicht das Leben in Partnerschaften und Familien zu gestalten wäre. Die Standpunkte von Frauen werden offenbar als irrelevant betrachtet. Wahrscheinlich weil ja Frauen an Partnerschaften und Familien nicht beteiligt sind, oder nicht in der Lage etwas zu deren Gestaltung beizutragen. *hüstel*

Es stellen sich überhaupt ziemlich viele Fragen zu dieser Synode. Zuallererst frage ich mich für wen die Ergebnisse überhaupt noch relevant sind und  inwiefern die Teilnehmer der Versammlung für das Thema eigentlich kompetent sind.

Polemischere Fragen gäbe es da noch etliche ……