la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Mittwoch 20.5.2020 – die Seltsamkeiten des Tages

Meine Lieblingsbluse von vor einem Jahr um diese Zeit gefällt mir gar nicht mehr so besonders. Wie vergänglich und relativ die Begeisterung doch ist. Und über welche Banalitäten ich schreiben kann ohne dass es mir peinlich ist. Nein, es ist mir überhaupt nicht peinlich, es macht mir Freude, mich in schön gedrechselten flüssigen Sätzen zu üben.

Die Ablesung der Fernwärme, die im Fall meiner Wohnung normalerweise im Mai durchgeführt wird, übrigens von einem sehr netten jungen Mann, den ich schon ein paar Jahre kenne, muss heuer von den Fernwärmekunden selbst erledigt werden. Bei derzeit ungefähr 400 Covid-19- Infizierten in ganz Wien und weniger als 800 in ganz Österreich kommt mir das doch – sagen wir –  etwas übertrieben vorsichtig vor. Ja, andererseits, natürlich könnte einer dieser Ableser infiziert sein und dann mit sehr vielen Menschen Kontakt haben. Vorsichtsmaßnahmen sind zur Vorsicht da.

Derzeit sieht es ja so aus als würde man mit einem großen Vergrößerungsglas und einer starken Lampe in die düsteren Winkel der sozialen und arbeitsrechtlichen Ungerechtigkeiten hineinsehen und – welche Überraschung – da sind auch die Infizierten. In extrem engen Wohnverhältnissen, in prekären Arbeitssituationen, die es ihnen gar nicht erlauben wegen Krankheit von der Arbeit wegzubleiben, weil sie dann keine Arbeit mehr hätten. Ja doch, ich spreche von Europa, von Leiharbeiterfirmen, von Lohnsklavenbarracken, von Flüchtlingsunterkünften.

Zwei Weinstöcke haben wir erworben, einen mit dunklen, einen mit weißen Trauben, also zunächst theoretischen Trauben, weil es ja keineswegs sicher ist, ob sie auch im 6. Stock bei extremer Sommerhitze und viel Wind tragen werden. Das ist ein Projekt von F, der Bilder von schattigen Weinlauben im Kopf zu haben scheint.


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Wenn ich nicht zamezhem ? Aha!

Der afrikanische Bankdirektor, der mich verzweifelt sucht um mir Millionen zu vererben ist anscheinend auf Urlaub. Maria vertritt ihn gewissermaßen. Auch ein schönes Beispiel für die Leistungen von Übersetzungsprogrammen

 

Guten Tag !!!. Mein Name ist Maria. Wie geht es dir? Wie ist Ihr Tag?
Ich fand Ihr Profil in einer Ehe-Agentur. Ich denke, es war sicher. Ein wenig uber sich selbst. Ich bin 37 Jahre alt.
Ich denke, dass mein Foto, das Sie dieses Foto gefallt und sagen mehr uber mich als Worte.
Ich kann Ihnen sagen, dass ich es nicht tate, wenn ich nicht zamezhem. Ich habe keine Kinder. Ich bin ein schones Madchen.
Ich bin energisch und kreative Frau. Meine Freunde sagen, dass ich bin frohlich und gesellig Frau und mir sehr interessant.
Ich bin auch eine romantische Person. Ich mag Tiere. Ich sah Ihr Profil und ich glaube, du bist ein sehr interessanter Mann.
Und ich fuhle, dass du mich naher kennen wollen, und kennen zu lernen. Ich sah eine Menge von Mannern, aber alles,
was sie tun musste, war mit mir spielen, Fotos und vieles mehr, aber wer wurde nicht eine ernsthafte Beziehung mochte.
Also, ich mochte sagen, dass ich mich fur eine ernsthafte Beziehung und eine Familie suchen. Ich brauche einen Mann,
der mit mir leben und alles teilen. Ich hoffe, Sie haben die gleiche, eine ernsthafte Beziehung mochte.
Ich denke, wir haben eine Chance, einander besser kennen zu lernen. Wie viele Menschen haben ihre Seele mate online gefunden.
Ich hoffe, dass ich Ihr Interesse haben und schreiben Sie mir eine Antwort so schnell wie moglich. Ich freue mich auf Ihre Briefe.
Ihre Maria.


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Bemerkenswert aber realistisch ?

„Es gibt in Österreich die schöne Tradition der höflichen Beharrung. Man sagt ja, meint aber: nein, niemals, auf gar keinen Fall. Dahinter steckt oft gar keine böse Absicht sondern reine Gewohnheit. Manchmal rettet es auch Leben. So beschreibt Stefan Melichar wie die Reformresistenz im heimischen Spitalswesen dazu führte, dass trotz jahrelang von höchster Stelle eingemahnter Kapazitätsreduktion immer noch genügend Notfallbetten zur Verfügung stehen. Melichar nennt es einen „Faktor, mit dem sicher niemand kalkuliert hat: das Glück der Untüchtigen (…) Das dogmatische Sparen um des Sparens willen möge der Vergangenheit angehören, meint die Gründerin des Thinktanks „Momentum Institut“, Barbara Blaha (…) „Unser Zusammenleben muss nicht schlank, effizient und leistungsverdichtet sein.“

Aus: Profil Nr. 17. 19.April 2020

Eine bemerkenswerte Äußerung, finde ich. Wohin kommt man, wenn man nicht schlank, effizient und leistungsverdichtet ist? Kommt man als Person nirgendwohin oder womöglich gar in paradiesische Gefilde? Oder bezieht sich Barbara Blaha nur auf Gesellschaften, Wirtschaftssysteme ….

https://www.zeit.de/2019/28/barbara-blaha-projekt-360-oesterreich-spoe

 


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Ekel – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von fraggle

3 Begriffe in einem 300 Wörter langen Text einbauen

Sie genoss ihre Leberknödelsuppe. Kein Superfood, kein Matcha, Moringa, Acai, Goji oder Baobab, kein jodhaltiges Gemüse, noch nicht einmal Nüsse waren drin. Leber, ein ungeheuerlicher Ausrutscher für eine selbstoptimierte Leistungsträgerin. Aber köstlich !

Sie betrachtete das Firmengebäude gegenüber. Die Glasfront, die glänzenden Metallflächen, die Bäume im Dachgarten und dachte an das überdimensionierte Portrait des Firmeninhabers, das wie ein Konterfei des Großen Bruders in der Eingangshalle hing.  Alles war ihr vertraut. Die feucht-schwüle Atmosphäre in diesem Gewächshaus der Intrigen und Verleumdungen. Sie beherrschte das Metier: das Andeuten, das Fälschen von Informationen, das geheuchelte Bedauern auch das gemeinsame Joggen und Aushorchen. Sie kannte die Codes der Branche. Auch das Anwenden der samtig-gemeinen Stimme und des bedauernd-verachtungsvollen Blicks gehörten zu ihrer täglichen Routine.

Jetzt saß sie beim Wirten auf der anderen Straßenseite. Hierher verirrten sich ihre Kollegen und Mitarbeiter selten. Ein bodenständiges Lokal mit mittelmäßigem Essen. Mit Ausnahme der Leberknödel, die waren erstklassig. Das Auskundschaften solcher Perlen in schäbigem Dekor gehörte zu den Eigenschaften, die sie im Verborgenen kultivierte, von denen sie aber hoffte, dass sie ihr späteres Leben bereichern würden.

Auf ihrem privaten Laptop gab es zwei streng geschützte Bereiche: in einem ruhte das vollständig ausgearbeitete Rationalisierungskonzept, das die oberste Führungsebene der Firma bei ihr in Auftrag gegeben hatte, der andere Bereich enthielt eine einzige Seite: ihre Kündigung. Noch war sie nicht sicher, was sie am nächsten Tag weiterschicken würde. Vielleicht zuerst das Rationalisierungskonzept, für das sie eine sehr fette Prämie bekommen würde, das aber für gut ein Drittel der Belegschaft den Rausschmiss bedeutete und dann die Kündigung. Lange konnte sie diese Kündigung nicht mehr aufschieben, der Blick in den Spiegel unter die perfekte Fassade ekelte sie schon zu sehr.

Ein letztes Stück Leberknödel ließ sie sich auf der Zunge zergehen. Vielleicht doch morgen zuerst die Kündigung?

294 Wörter


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Vorläufig abschließende Betrachtungen zum Thema „Triggerwarnung“ bei den ABC-Etüden

Muss ich jetzt nach hunderten Kommentaren (nachzulesen bei Christiane) auch nochmals meinen Senf dazugeben ? Müssen nicht, aber wollen.

Christiane – die Etüdenchefin – erfuhr, dass jemand von einem der Etüden-Texte getriggert worden war und dass es der betreffenden Person dabei ziemlich schlecht ging. Christianes Betroffenheit darüber hat die Debatte ausgelöst. Die Sache tut mir natürlich leid und ich wünschte auch, es wäre nicht passiert. Wäre es aber zu verhindern gewesen? Nur wenn allen Beteiligten bekannt gewesen wäre, wie genau dieser Trigger beschaffen ist. Und es wäre doch wohl eine heftige Zumutung für die Betroffene, ihre privaten Ängste und Traumata aufzuzählen damit bei einem Schreibprojekt niemand diese Bereiche thematisiert. Genau so eine Zumutung wäre es für die Schreibenden ihre Texte zensurieren zu müssen.

Es war und ist ein langes Hin und Her. Von allgemeiner Triggerwarnung zu Stichwörtern, die den Text zusammenfassen. Die dahinterstehenden Absichten gehen von „behüten“ bis zu „retten“. Damit kann ich wenig anfangen. Ich möchte mir nicht anmaßen, traumatisierte Menschen wie Kinder zu behandeln bzw dafür verantwortlich zu sein, was sie lesen oder nicht lesen sollen und ob sie eine Therapie machen sollten oder nicht. Rücksichtnahme ist eine Sache, Bevormundung eine andere.

Dazu lasse ich jetzt Sofie zu Wort kommen:

Hallo ihr Lieben,
ich bin durch die Verlinkung meines Beitrages von Myriade auf diese Diskussion aufmerksam geworden und selbst Gewaltbetroffene. Ich habe zu Triggerwarnungen für mich eine recht eindeutige Sicht: Für mich braucht es die nicht und es gibt sie auch auf meinem Blog zu 99,9% nicht. Bislang hat das immer gut geklappt. Man kann Trigger leider nicht verhindern und die Krux daran ist, dass sie sich auch in scheinbar völlig harmlosen Texten finden können, wenn der Auslöser gerade an ein Traumafragment anknüpft. Im Grunde könnte man da auch schreiben: „Die Sonne strahlte warm“. Wenn’s blöd läuft sitzt jemand danach in einer alten Situation, weil es ein Fragment davon anstuppst. Um‘s möglichst kurz zu fassen: Ich finde ihr seid nicht für die Emotionen euerer LeserInnen verantwortlich. Wenn ich auf einer Seite schmökere, dann muss ich damit rechnen auf einen Trigger zu stoßen und mich ggf. dann auch entsprechend selbst versorgen. Wenn ich Tage habe, an denen ich das nicht kann, lese ich nicht auf fremden Seiten und in unbekannten Texten. Die Verantwortung kann ich nicht den Autoren übergeben. Das verlange ich im Grunde auch von meinen LeserInnen. Ich bin auch dafür klare Worte zu finden und nicht um den heißen Brei zu reden oder aus zu viel Rücksicht zu spoilern. Das macht schwierige Themen noch schwammiger und undurchsichtiger, als sie es ohnehin meistens sind. Aber das ist nur meine Meinung dazu. 😊
Eins wollten wir auch noch zurückmelden: Wir wahren sehr positiv gerührt, dass ihr euch an sich mit dem Thema „Trigger“ beschäftigt und euch so empathisch damit auseinandersetzt. Zu merken, dass es grundsätzlich ein Bewusstsein dafür gibt, dass manche Dinge für andere Menschen schwierig sein können, bedeutet für uns mehr, als eine Triggerwarnung vor einem Beitrag. Danke dafür!
Liebe Grüße,
Sofie

Von „Verantwortung“ wurde viel geschrieben, eher wenig von „Selbstverantwortung“ außer von den Betroffenen, die das Thema notgedrungen für sich geklärt haben. Ich finde, dass „Verantwortung“ und „kreatives Schreiben“ miteinander nicht gut vereinbar sind. Verantwortung ist in einem journalistischen Text zu einem bestimmten Thema gefragt, in einer wissenschaftlichen Studie, aber nicht in einem im weitesten Sinn literarischen Text.

Wiederum Sofie:

Ich weiß nicht, ob ihr euch mit der Betroffenheit über die Schilderungen der Betroffenen, dass euere Beiträge etwas furchtbares oder sogar retraumatisierendes ausgelöst hätten, nicht vor einen Karren spannen lasst, der nicht euere Baustelle ist, sondern Ihre. Das meine ich jetzt ganz und gar nicht unempathisch. Dass euere Beiträge überhaupt triggern konnten, liegt nicht an euch, sondern an der Geschichte hinter den jeweiligen Lesern. Wenn es nun schon so blöd gelaufen ist, dass ein Text vollkommen umhaut, dann habt ihr es dennoch mit erwachsenen Gegenübern zu tun, die ihrerseits die Verantwortung für sich haben, das erlebte entsprechend aufzuarbeiten und sich Hilfe zu holen. Nicht ihr habt Ihnen weh getan, sondern die Geschichte in Ihnen tut immer noch weh. So grausam sich das manchmal auch als Betroffene anfühlen mag, man kann darauf auch reagieren, indem man es als Hinweis sieht dringend für sich nochmal daran zu arbeiten. So halte ich das zumindest. Manchmal stolpert man eben über Texte und Begebenheiten, die einen lange sehr tief bewegen. Dafür kann man nun einen Schuldigen im Außen finden und sich von der eigenen Verantwortung distanzieren, weil der böse, böse Autor (der im Grunde nichts dafür kann, sofern er nicht bewusst gewaltverherrlichend textet) einen so verletzt hat oder man packt an und sieht zu, dass man Hilfe bekommt, den Ursprung dahinter anzuschauen und zu verarbeiten. Ich finde es reicht vollkommen ehrlich zu signalisieren, dass das beim Schreiben überhaupt nicht seine Absicht ist. Man kann dem Trauma nicht gänzlich ausweichen. Wenn es nicht irgendwelche Texte sind, lugt es eben an anderer Stelle um die Ecke, solange, bis es verarbeitet ist. Ich kann ja beispielsweise die Mitarbeiter im Einkaufsladen auch nicht fragen, ob sie sich was anderes anziehen, nur weil mich das ins Nirwana schießt…

Ausschlaggebend für mich sind nun die übereinstimmenden Meinungen von Sofie und einer weiteren Bloggerin, die beide selbst an gewaltinduzierten Traumata leiden. Beide weisen darauf hin, dass die Verantwortung für eventuelle Trigger nicht bei den Schreibenden liegt, dass es unmöglich ist, genau zu definieren was wen triggern könnte und obendrein, dass die Warnungshinweise selbst zum Trigger werden können.

Das bestärkt mich in meiner Meinung und ich habe beschlossen so weiter zu machen wie bisher, also eine oder mehrere Etüden zu schreiben, wenn aus den jeweiligen Wörtern ein Text werden möchte. Gewaltverherrlichungen habe ich nie geschrieben und bin auch bisher bei anderen Etüdenschreiber*innen nicht auf solche gestoßen.

Ich fand die Diskussion in vielerlei Hinsicht interessant, für mich ist das Thema aber einmal abgeschlossen. Sollten neue Aspekte auftauchen,  würde ich nochmals darüber nachdenken.


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Regenbogenparade – love parade – Wien 2018

Die Wiener Regenbogenparade feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum

Fotos: Wien Info 

Ich wäre gerne hingegangen, habe es aber nicht geschafft. Sehr schade, es ist ein buntes, entspanntes Fest mit einer klaren Aussage für das Ermöglichen gesellschaftlicher Vielfalt.  Allein schon über den autofreien Ring zu spazieren, ist ein seltenes Vergnügen und obendrein ist es heuer nicht so heiß wie sonst. Der Umzug wird „andersrum“ also gegen die Fahrtrichtung über den Ring ziehen. Ganz schrill gestylte Menschen defilieren neben anrührenden Teilnehmer*innen und vielen Zuschauern.

Ob wohl die Regenbogenparade eine Veranstaltung ist zu der die meisten Zuschauer hauptsächlich oder nur wegen des Spektakels kommen oder ob doch auch von den 200.000 erwarteten Teilnehmern viele dabei sind, die aus Solidarität anwesend sind? Wüsste ich gerne. Der ehemalige Bundeskanzler Kern zählt zu den Rednern der Abschlussveranstaltung, der aktuelle Bundeskanzler Kurz wäre wohl eher bei der Gegendemo zu finden, falls er solche Veranstaltungen besuchen würde.

Zu der Gegendemo werden etwa 400 Teilnehmer erwartet. „Marsch für die Familie“ nennen sie sich und bestehen aus weniger fröhlich erscheinenden Menschen, die Plakate und Transparente hochhalten mit Aufschriften wie „Familie = Vater, Mutter, Kinder“ , „Abtreibung ist Mord“, „Der Körper ist von Gott gegeben, benütze ihn mit Würde“, „Für Jesus“ und Ähnliches. Diese Veranstaltung wird vom christlichen Verein „Pro Vita“ organisiert und unter anderen Rednern tritt dort auch der ehemalige PEGIDA- Sprecher Georg Immanuel Nagel auf. Dieser Herr Nagel leitet die „Aktionsgruppe gegen Dekadenz und Werteverfall“, deren geplanter Protest gegen den Eurovisions Song Contest wegen Schlechtwetters abgesagt wurde. Die Kirche wäre wahrlich gut beraten, würde sie sich überlegen mit welchen Leuten sie sich ins Bett legt.

Natürlich gibt es auch Gegendemos gegen die Gegendemo: „Religiöse Fundamentalisten stoppen“ und „‚Marsch für die Familie‘ verhindern!“ letztere wurde von der Polizei verboten, weil die erfahrungsgemäß gewalttätigen Autonomen dazu aufgerufen haben.

Also, heute tut sich einiges auf dem Ring in Wien

 


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Die vielfältigen Verwendungen des Wörtchens „brav“

Personen der Handlung: eine Frau in den Endziebzigern, Patientin,

ein Mann Anfang Zwanzig, medizinisch-technischer Assistent.

Ort der Handlung: die Umkleidekabine vor einem Computertomographen.

Ich saß im Wartebereich und habe mitgehört.

junger Mann: „bei mir brauchen Sie sich überhaupt nicht auszuziehen“

alte Frau: „brav“

Möge sich jede/r  selbst etwas dazu denken.


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Daggi 21- Amerikanisches Idyll

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Philip Roth

„Amerikanisches Idyll“

Carl Hanser Verlag 1998

Aufgabe 22: Ein Buch mit einem der vier Elemente (Feuer) auf dem Cover

 

Ich habe mehrere Bücher von Philip Roth hintereinander gelesen. Dieses ist ein besonderes, weil es im Jahr seines Erscheinens den Pulitzerpreis gewonnen hat. Ich habe es mit entsprechenden Erwartungen aufgeschlagen, dann aber eine Weile gebraucht, bis ich begann den Text zu schätzen.

Der Text beginnt als Ich-Erzählung eines Schriftstellers, der über seine alten Schulkollegen im allgemeinen und über einen im besonderen sinniert. Dieser eine, Seymour Levov genannt der Schwede, ein begnadeter Baseballspieler war sein Kindheits- und Jugendidol. Seymour Levov tritt mit ihm in Verbindung, weil er ihm etwas Wichtiges mitteilen möchte. Die beiden treffen sich, aber Seymour erzählt nur eher Banales von seinen Kinder aus zweiter Ehe, der Erzähler fragt auch nicht nach, was es Wichtiges wäre, über das er mit ihm sprechen wollte.

Eine Weile danach erfährt der Erzähler von Seymours Bruder, dass dieser vor kurzem an Krebs gestorben sei und dass sein Leben keineswegs die Idylle war, die man von außen sehen konnte.

Den Übergang von dieser Rahmenhandlung zur zentralen Geschichte habe ich nicht so gelungen gefunden, die Geschichte selbst hat mich aber gefesselt.

Wir befinden uns im Milieu jüdischer Einwanderer in Amerika. Seymour Levov ist der Enkel eines Einwanderers, der sich mit unglaublicher Tüchtigkeit und enormem Einsatz aus dem Nichts herausgearbeitet hat. Sein Vater hat nahtlos übernommen und bringt es mit einer Handschuhfabrik zu Wohlstand. Seymour selbst heiratet eine nicht-jüdische Schönheitskönigin und bringt es zu Reichtum und  einem völlig angepassten konservativen amerikanischen Lebensgefühl und Lebensstil. Aber er hat eine Tochter, die die vierte Generation konservativen Amerikanertums vertreten sollte, dies aber keineswegs tut. Sie engagiert sich in der Anti-Vietnambewegung und wird durch Bombenlegen zur mehrfachen Mörderin. Sie gibt ihrem Leben dann wieder eine andere Wendung indem sie sich zum Jainismus bekehrt. Einer indischen Religion deren zentrales Konzept es ist, keinem Lebewesen irgendwie zu schaden.Die Anhänger dieser Lehre sind natürlich Vegetarier, sollten im Grunde gar nichts essen, weil ja auch Pflanzen Lebewesen sind, sie waschen sich nicht und tragen einen Mundschutz um Kleinstlebewesen nicht zu schaden.

Das zentrale Thema ist die Vater-Tochter in dieser Situation. Es hat mich fasziniert, wie die beiden einander teilweise genau dasselbe vorwerfen. Zum Beispiel meint Seymour, dass seine Tochter nicht selbst denkt, sondern sich von Ideologien und den Gedanken anderer lenken läßt. Dasselbe meint die Tochter von ihrem Vater und sie haben wohl beide Recht, sind beide in Ideologien gefangen, die sie als solche nicht erkennen.

Abgesehen von den Hauptpersonen, gibt es noch mehrere andere interessante Charaktere wie Seymours Eltern und sein Bruder, ein Bilderbogen amerikanisierter Schicksale. Es geht auch um Integration, um persönliche oder eben fremdbestimmte Werte, um bröckelnde Fassaden von Idyllen, um den Preis der Aufrechterhaltung fragwürdiger, idyllischer Scheinwelten, aber auch um Anständigkeit und Loyalität, um Liebe und Zusammenleben. Ein Buch, das die Komplexität der Welt darstellt und sich nicht auf einfache Scheinlösungen zurückzieht.

Einen Nebensatz von den letzen Seiten des Buchs habe ich gespeichert “ …..dass das Idyll niemals weit vom Trümmerfeld ist “

 


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Daggi 16 – Jakob der Knecht

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Isaac Bashevis Ainger

„Jakob der Knecht“

Rowohlt 1965

Aufgabe 51: ein Buch, das du einer Wanderbuchkiste entnommen hast. (Nun es war keine Wanderbuchkiste, es war der Büchertauschort in meinem Wohnhaus)

 

Nach dem fürchterlichen Aztekenbuch, das mich in einige Eigenabgründe blicken ließ, habe ich ein wirklich gutes Buch gelesen, das mir zufällig über den Weg gelaufen ist.

Es spielt im Polen des 17 Jahrhunderts, teilweise in einem polnischen Dorf, teilweise in verschiedenen jüdischen Shtetln. Der Autor, selbst 1904 in Polen geboren, wurde 1978 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Ich muss gestehen, dass ich noch nie etwas von ihm gehört hatte.

Isaac Bashevis Ainger schreibt eine dichte, poetische Sprache, die das Beschriebene fast zum Angreifen real macht.Ich habe das Buch verschlungen !

Der Protagonist ist Jakob, ein junger Mann aus einer Rabbiner-Familie, der durch die Folgen eines Pogroms, bei dem seine Frau und seine Kinder getötet werden, zum Knecht eines polnischen Bauern wird. Der Status eines Knechts, war wohl zur damaligen Zeit der eines Leibeigenen. Es entsteht eine Liebesbeziehung zu der Tochter dieses Bauern, die abrupt beendet wird, weil Jakob von seinen Glaubensbrüdern freigekauft und wieder in seine Stadt zurückgebracht wird. Dort möchte ihn die Gemeinde mit einer aus ihrer Sicht passenden Frau wiederverheiraten, aber Jakob lehnt sich dagegen auf, holt das polnische Mädchen aus ihrem Dorf und zieht mit ihr in eine andere Stadt, in der ihn niemand kennt. Aus Wanda wird Sarah, die stumme Sarah, weil sie kein akzentfreies jiddisch sprechen kann und sofort als Nicht-Jüdin enttarnt würde. Obwohl sie sich zur jüdischen Religion bekennt und darüber mehr weiß als die meisten anderen, würden aber weder sie noch ihre Kinder als vollwertige Gemeindemitglieder anerkannt werden.

Man gewinnt durch diesen Text Einblicke in eine Welt, die von außen stark bedroht wird: es kam immer wieder zu Pogromen, bei denen ganze Dörfer ermordet wurden. Es ist auch eine Welt, die in sich sehr restriktiv ist, in die man nur durch Abstammung von einer jüdischen Mutter Aufnahme finden konnte. Es gibt auch Einblick in Sitten, Gebräuche und gesellschaftliche Strukturen der damaligen Zeit in Polen.

Wanda-Sarah stirbt bei der Geburt ihres ersten Kindes. Hier verläßt die Geschichte dann ein wenig den Boden der Realität und geht von detaillierter zu skizzenhafter Schilderung über. Jakob wandert mit dem Säugling nach Palästina aus. Die Geschichte überspringt dann 20 Jahre von Jakobs Leben, bis zu dem Zeitpunkt als dieser wieder zurück nach Polen kommt, weil er die Gebeine seiner Frau nach Palästina überführen möchte. Der letzte Teil des Buchs beschreibt kurz wie Alte und Kranke in dieser Gesellschaft leben und endet mit Jakobs plötzlichem Tod.

Ein äußerst empfehlenswertes Buch.


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roma locuta causa finita ?

Im Vatikan sitzen 350 mittelalterliche und alte Männer, die – zumindest theoretisch – seit Jahrzehnten zölibatär leben und beraten darüber, wie aus ihrer Sicht das Leben in Partnerschaften und Familien zu gestalten wäre. Die Standpunkte von Frauen werden offenbar als irrelevant betrachtet. Wahrscheinlich weil ja Frauen an Partnerschaften und Familien nicht beteiligt sind, oder nicht in der Lage etwas zu deren Gestaltung beizutragen. *hüstel*

Es stellen sich überhaupt ziemlich viele Fragen zu dieser Synode. Zuallererst frage ich mich für wen die Ergebnisse überhaupt noch relevant sind und  inwiefern die Teilnehmer der Versammlung für das Thema eigentlich kompetent sind.

Polemischere Fragen gäbe es da noch etliche ……