la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Und da habe ich an den Herrn Ärmel gedacht,

der meinte, dass Krabbenpulen eine passende Beschäftigung für Touristinnen wäre. Mangels Erfahrung mit Krabben musste mir Christiane die Ironie erst erklären. Aber hier, lieber Herr Ärmel ist die Antwort:

Krabben  fremdgepult aber selbst gegessen


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Sonntag, 14. Juli 19 – Allons enfants de la patriiiiiiie

14. Juli, französischer Nationalfeiertag. Ich mag die Marseillaise sehr, wenn sie auch einen wirklich grauslich nationalistischen Text hat, aber das unterscheidet sie ja nicht wirklich von anderen nationalen Hymnen. Ein einziges Mal habe ich den 14. Juli in Frankreich erlebt, in einer Stadt an der Rhone, ich weiß nicht mehr ob in Avignon oder in Arles. Es gab eine Parade und ich war geradezu empört über mich selbst, weil mir die weiß Uniformierten so gut gefielen, das energetische Klima, sogar die Militärmusik, die ja nun wirklich nicht meines ist, aber manchmal reißt einen das Ambiente mit. Das Feuerwerk, das von Schiffen aus geschossen wurde, war fantastisch, nicht einfach irgendwelche Lichter sondern Figuren, die sich  in mehreren Schichten entfalteten, das meiste in bleu-blanc-rouge, natürlich, aber ich erinnere mich auch an weiß-goldene Wasserfälle. Man konnte sich vorkommen wie in Versailles, zu Zeiten von Louis XIV.

In Sachen Geschichte waren wir heute unterwegs und haben uns die Heumühle angesehen, eine Wassermühle, die schon 1326 in einem Grundbuch verzeichnet war und somit der älteste noch vorhandene Profanbau Wiens ist. Man muss sich vorstellen, etwa 170 Jahre vor Kolumbus stand sie schon. Im 16 Jahrhundert ist sie teilweise abgebrannt, wurde wieder aufgebaut und bis 1856 war sie als Mühle in Betrieb dann wurde der Mühlbach aus hygienischen Gründen zugeschüttet. 2008 wurde sie um 850.000 € renoviert. Die Mühle war in ziemlich desolatem Zustand, daher wurden Stahlträger eingezogen, aber im Inneren sieht man noch das über 5oo Jahre alte Holz.

Mir gefallen ja die Bilder von dem halbverfallenen Gemäuer vor der Renovierung viel besser. Was jetzt da steht, sieht wenig eindrucksvoll und ziemlich seelenlos aus. Das Gebäude steht in einem Innenhof umgeben von Wohnhäusern und obendrein noch einer Tiefgarage. Eigentlich eine sehr respektlose Behandlung eines so alten Gebäudes.

Ein japanisches Lokal haben wir danach ausprobiert. Es war nicht umwerfend, aber ganz in Ordnung, hatte allerdings Anklänge an fast-food so gab es zum Beispiel etwas, das „japanische Mayo“ genannt wurde. Schon an der Struktur konnte man sehen, dass die „japanische Mayo“ eindeutig aus einer Tube gedrückt worden war. Vielleicht war es ja eine japanische Tube, aber das bezweifle ich eigentlich sehr. Es ist ein Jammer, dass überall dieser Einheitsbrei von Paniertem mit Mayonnaise und Ketchup und ein paar fantasielose grüne Blätter angeboten wird.


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Die perfekte nachbarliche Harmonie – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

René gehörte zu jenen Hobbygärtnern von denen weniger fleißige Menschen abschätzig behaupten, sie würden den Rasen mit der Nagelschere bearbeiten. Früher hatte er einen perfekten Rasen, Bäume und Blumen und einen kleinen Teich. Kurz nachdem die neuen Nachbarn eingezogen waren und er ihr großes Vereinsschild am Gartentor gesehen hatte, begann er damit Gemüsebeete anzulegen. Direkt an der Grenze zum Nachbargarten wuchsen nun Salat, Kohl, Radieschen und Karotten und wurden selbstverständlich genauso perfekt gepflegt wie alles andere. Am späten Nachmittag wenn die Nachbarn und immer einige Mitglieder ihres Vereins im Garten waren, goss und erntete er das Gemüse.

Für das Verhältnis mit seinen Nachbarn musste man Verantwortung übernehmen, lautete Renés Lebensphilosophie. Er war durchaus auch bereit sich für Frieden und Harmonie etwas zu verbiegen und anzupassen. Wenn das alle täten, pflegte er zu sagen, wäre die Welt ein besserer Ort.

Heute hatte er die Nachbarn samt Verein zum Abendessen im Garten eingeladen. Kunstvoll drapierte er seidige Tischtücher in Pastellfarben über mehrere Gartentische und arrangierte darauf ein Dutzend überquellender Salatschüsseln mit dem Gemüse aus eigener Produktion.

Nun musste er sich aber beeilen. Die Lederschuhe und -jacken mussten verschwinden, die Teppiche aus Tierfellen auch. Zumindest die Strecke aus dem Garten zur Gästetoilette musste einwandfrei sein. Alle anderen Räume wurden abgesperrt. Nun eilte René noch in seine Küche, die seit Monaten einem Hochsicherheitstrakt glich: der Dunstabzug ausgeschaltet, die Fenster hinter geschlossenen Jalousien. Gelüftet wurde nur manchmal in der Nacht.

Eine Stunde vor dem Eintreffen seiner Gäste saß René bei fest verschlossenen Fenstern und Türen in seiner Küche. Auf seinem schönsten und größten Teller lag ein saftiges Stück Schweinsbraten, das er langsam und verzückt genoss. Dann versenkte er den Teller im Geschirrspüler, versprühte Tannenduft in Küche und Flur und versperrte das Sicherheitsschloss an der Küchentür. Er war bereit, den veganen Verein der Freunde der Karotte zu empfangen.


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Besinnliche Worte zum baldigen Ende – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Nachdem die Wörter von Ludwig stammen, der ganz andere Wortgebilde im Sinn hatte, als die, die wir jetzt so schreiben, dachte ich mir, ich fasse mich kurz.

Näher rückt das endgültige Verfallsdatum unseres Abfallglücks, unseres Plastiklebens aus dritter Hand.

Unschuldig ist niemand und überleben wird auch keiner.

Die Ameisen werden uns nachfolgen, oder die Kraken,

solange bis sie das Konsumglück entdecken.

Dann kommen die nächsten dran

Falls der Planet das noch hergibt.


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Sauerteig und Philosophie

Ein sehr ungewöhnliches Buch, es ist weder ein Bildband, noch ein Kochbuch oder eine Kulturgeschichte des Sauerteigs, es ist alles gemeinsam. Geschichten rund um den Sauerteig an vielen Orten, von vielen Menschen. Geschichten aus der Geschäftswelt und aus dem Kloster. Schöne Bilder, verschiedenste Rezepte und Philosophie rund um den Sauerteig. Der Starter für den Sauerteig, höchst einfach zu machen, ist nicht gerade ewig aber doch äußerst langlebig und bietet das Grundmaterial für vielfältigste Brotsorten.

Das Buch hat mich so inspiriert, dass ich auch gleich einen Sauerteig angesetzt habe. Faszinierend, dass eine Mischung aus nichts anderem als Mehl und Wasser aufgeht, Bläschen bildet, gewissermaßen lebendig wird. Der erste Ansatz bekam den Namen Seneca. Er war zunächst sehr gut unterwegs, ist schnell und hoch aufgegangen, dann aber leider – warum auch immer – wieder zusammengefallen und ich musste sein Leben beenden. Mein zweiter ist nun gerade 35 Stunden alt. Man sieht ihn unscharf aber doch auf dem Foto. Er ist ungefähr doppelt so hoch wie gestern und  hat viele Bläschen gebildet. Wir nannten ihn Epikur in der Hoffnung, dass er weniger stoisch und vitaler als Seneca sein würde.