Schlagwort: Atelier

Jetzt , glaube ich, ist es fertig

Das war der letzte Stand als ich dachte, das Bild wäre fertig.

Dann kam die Malmeisterin zu Besuch ins Atelier und meinte zu diesem Bild, es wäre noch nicht so ganz richtig angekommen. Das war Anfang September und ich habe inzwischen sehr lange auf das Bild gestarrt. Heute habe ich es fertig gemacht. Also zumindest kommt es mir jetzt wirklich fertig vor. Das kann sich aber durchaus noch einmal ändern.

Mittwoch 21. Juli 2021

Sehr froh bin ich, dass die Grünfläche vor dem Atelier nicht vertrocknet ist wie so viele öffentliche Grünflächen in Wien. Sie wird nun doch gegossen und ich überlege, ob ich mein Blumenpflanzpojekt nicht doch weiterführen möchte. von allem, was ich im Frühling gepflanzt habe, haben nur der Rosmarin und die Zitronenmelisse überlebt. Einen gewaltigen Stresstest haben sie da bestanden, denn während der ersten großen Hitzewelle wurden sie nicht gegossen, oder nur ganz selten.

Ich mache eine Kreativpause, weil alles auf einmal nun mal nicht geht, aber es zeichnen sich gleich zwei Projekte ab, die allerdings noch eine Weile warten müssen, bis die Wohnung in PB übernachtungsfit ist und der Stress des Hin und -Zurückfahrens wegfällt. Der D kommt erst Mitte September aus Irland zurück, die A wird wahrscheinlich Ende August wieder einsteigen. Derzeit habe ich also gewissermaßen sturmfreie Bude im Atelier.

Es ist sehr nett, denn es hat sich alles halb nach außen verlagert: auf der grün gebliebenen Grünfläche haben Bewohner des Hauses Liegestühle und sogar einen Tisch mit mehreren Sesseln aufgestellt. Ich werde den ungeliebten Tisch vom D auch hinausstellen. Ich glaube nicht, dass er gestohlen wird, aber falls doch wäre ich nicht allzu traurig….

Eine Freundin war im Atelier zu Besuch, wir haben lang und intensiv geplaudert. Am liebsten wäre mir, ich könnte zoom-meetings vergessen, aber ich fürchte, das wird noch nicht gehen.

Atelier – Übermalbild 3 – die Verwandlung

Ein altes Bild, von dem es kein Foto gibt, soll verändert werden, also übermalt. Ich überlegte hin und her und erinnerte mich an Gerdas Kommentar, dass sie, wenn sie übermalt, ganz übermalt, weil alles andere eine zögerliche Angelegenheit ist. „Recht hat sie“ dachte ich und außerdem hatte ich Lust auf richtiges Anstreichen. Das Bild bekam also einen durchgehenden hellblau-türkisen Anstrich.

Dann lies ich die Strukturen aus dem Bild herauskommen, markierte sie ein bisschen mit Kohle und stellte fest, dass so manches dem darunter liegenden, übermalten Bild nicht so unähnlich war. Nach vielem Drehen entstand eine erste Version, an der mir der weiße Teil zunächst sehr gut gefiel. Dann fand ich den Hintergrund zu hell und aus zwei „Fenstern“ wurde eines. Nun sah das ganze einem Schuh zu ähnlich.

Das menschliche Gehirn bemüht sich ja immer, aus dem was es sieht, Bekanntes heraus zu lesen. Wenn ein abstraktes Gebilde ungewollt starke Assoziationen zu einem Objekt hervorruft, ist das nicht unbedingt ideal. Weiteres Drehen war angesagt, dann fand ich die Position mit der ich zufrieden war

Das Bild war mir aber zu blaß und zu unbelebt um nicht zu sagen fad. Ich habe hier mit Gouache gemalt. Ich mag sie sehr, aber sie kommt in der Leuchtkraft nicht an Öl heran. Ich arbeitete also an der Belebung und hier ist das Endergebnis.

Mittwoch 2. Juni 2021 – Organisation

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich wohl sehr beschäftigt sein. Im Atelier gibt es noch einiges zu organisieren. Wir haben mit 1. Juni zum halbjährlichen Jubiläum wieder die sturmfreie Bude eröffnet, alle können kommen, wann und wie oft sie wollen.
Ich war gleich am ersten Tag dort, weil ich mir ziemlich sicher war, den D dort anzutreffen, mit dem ich einiges zu besprechen hatte, was für ein Telefongespräch nicht so geeignet war. Tatsächlich war er auch dort und hatte sich gleich zwei Modelle bestellt. Er schöpft da aus dem großen Reservoir ehemaliger Schüler*innen. Es hat sich trotzdem die Gelegenheit ergeben, unser Thema zu besprechen und die Sache harmonisch abzuschließen.
Sehr gut fand ich, dass D mit dem einen Modell, einem jungen Mann aus Kasachstan, englisch gesprochen hat wodurch ich auch in den Genuss von englischer Konversation gekommen bin. Man muss so ein ruhig sitzendes Modell ja unterhalten. Dann kam noch der F vorbei, der eine kleine Radrunde gedreht hatte und es wurde richtig nett.

Sehr viel mehr Organisation braucht die neue Wohnung. Damit die Sache ins Laufen kommt, müssen viele kleine Rädchen angestoßen werden. Tatsächlich organisiere ich gerne und bin auch recht gut dabei und jetzt schon so richtig in Schwung gekommen. Meine bukolischen Chroniken werden wahrscheinlich zuerst einmal von Renovieren und Ausstatten berichten, vom Erwerb diverser Fahrzeuge und dem Erkunden aller vorhandenen lokalen Firmen …. Ich bin ganz energiegeladen …

Atelier – Übermalbild 2

Diese beiden kleinen Bilder empfand ich als absolut verhunzt. Sie sind in einem Kurs entstanden, dessen Leiterin eine Bastelphase hatte und sämtliche Leinwände mit Seidenpapier beklebte. Dazu hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Zugang und klatschte lustlos irgendwelche Papiere irgendwie auf eine möglichst kleine Leinwand. Das Ergebnis sah entsprechend aus. Von diesem Zustand gibt es kein Foto, weil ich nicht angenommen habe, dass daraus jemals irgendetwas wird, was ich in einem Foto festhalten wollte.

Die beiden Ungeliebten waren weiß und ich beschloss an ihnen wenigstens zu üben, wie man mit Ölfarbe umgeht. Sie wurden also orange und schwarz übermalt und dann laaange zum Trocknen aufgestellt. Das Ergebnis fand ich nichtssagend. Nachdem mein Generalplan aber lautet aus jeder vorhandenen Leinwand etwas zu machen, zwischen „naja“ und „gefällt mir sehr“, ging ich in die Offensive mit dem Gedanken „wenn ich das blöde Seidenpapier nicht entfernen kann, dann klebe ich halt noch viel mehr darüber“

Das sah dann so aus und gefiel mir auch nicht

Also noch mehr schwarzes Seidenpapier, ein Stück oranges Papiergewebe fand auch noch seinen Weg auf das Bild. Inzwischen hatte ich gerade einen gewissen, kleinen Zugang zu Materialmix. Und viel Weiß. Das brachte mir auch die Beantwortung meiner Frage, ob man mit Ölfarbe lasieren kann: nicht so gut wie mit Farben auf Wasserbasis aber doch.

So sieht das Endergebnis aus. Der F meinte, es wäre ein geeignetes Cover für ein Science Fiction Buch …

Detail

Jedenfalls freut es mich, dass sich mein Generalplan „aus allem etwas machen, was mir zumindest einigermaßen gefällt“ bisher verwirklichen ließ. Es ist sehr ermutigend, dass aus einem Produkt, dass ich so absolut scheußlich fand, etwas geworden ist, mit dem ich ganz gut leben kann. Ich habe da ja noch etliche Kandidaten für tiefgreifende Veränderungen.

Atelierbild Nummer 3

Es ist mein drittes und vorläufig letztes Bild, das ich ohne jeden Plan mit weißer Strukturpaste angelegt und dann wochenlang immer wieder angestarrt habe um zu sehen, was denn aus dieser Leinwand heraus will

Ich entschied mich für rot-grün, das sind Gegenfarben, die einander zum Leuchten bringen. Ein leuchtendes Bild sollte es werden. Die Leinwand bekam rote Farbe, ein richtiges signalrot über die Strukturmasse, grün hatte ich als Hintergrundfarbe gewählt, war mir aber über die Grünschattierung noch nicht schlüssig. Grün ist neben Grau die Farbe mit den meisten Schattierungen, da kann man lange probieren und übermalen, aufhellen und abdunkeln ….

Zuerst gefielen mir die im Rot durch die Strukturmasse und durch vieles Farben-laufen-lassen erzeugten Muster. Dann fand ich das ganze zu rot und zu unstrukturiert, daher bekam es mehr grün und Strukturen, die an Blätter erinnern sollten, mir aber nach kurzem überhaupt nicht mehr gefielen. Die Vorstellung einer Pflanzenmasse hielt nicht lange auch wenn mich die rechte Seite heftig an eine Tulpe erinnerte. Es sollte aber kein Blumenbild werden.

Inzwischen verschwanden die roten fließenden Muster, die mir so gut gefallen hatten auch immer mehr. Ich hatte den Eindruck, dass es mir nicht gelingen würde aus dieser rot-grünen Masse ein zusammenhaltendes Bild zu bekommen. Wenn ich mir das zweite Bild jetzt so ansehe, denke ich, dass es vielleicht doch auch in die Richtung „Pflanzen“ Möglichkeiten gegeben hätte

Langsam, nachdem das Bild wochenlang herum gestanden war, nahm die Sache Gestalt an. Eine Spur Blau kam dazu und die schwarze Figur, die mich langsam darauf brachte, worum es in diesem Bild ging.

Der zweite schwarze Umriss war als Gegengewicht zum ersten auf der Diagonalachse gedacht, gefiel mir aber bald nicht mehr. Ich sollte beim Malen nicht denken. Die letzten Reste der fließenden roten Muster passten jetzt auch nicht mehr und wurden übermalt. Es fällt mir immer sehr schwer, mich von Details zu trennen, die mir zwar gefallen, die das Gesamtbild aber nicht voranbringen.

Und so sieht das Bild derzeit aus. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob es fertig ist. Was man allein schon daran sieht, dass ich es noch nicht signiert habe, das mache ich nur, wenn ein Bild so weit ist, dass ich es loslassen kann …

Dienstag 27. April 2121 – Obstplantagen und Silikon

Drei Obstbäumchen stehen auf meiner Terrasse im sechsten Stock: ein Pfirsichbaum, ein Birnbaum und ein Apfelbaum. Im Vorjahr haben alle drei wunderschön geblüht, die Ernte aber bestand aus Null Pfirsichen, Null Birnen und zwei Äpfeln. Nicht gerade üppig. Die potentiellen Birnen und Pfirsiche sind entweder noch als Blüten erfroren, vom Sturm abgerissen oder in einem späteren Stadium von Ameisen gefressen worden. Die beiden Äpfel haben wir entsprechend feierlich verspeist.
Derzeit sieht es bei den Obstbäumen sehr gut aus. Es müssten etliche Pfirsiche und Birnen wachsen, sofern es nicht nochmal friert. Leider habe ich auch schon drei Ameisen gesehen. Wahrscheinlich war das die Vorhut, die den Standort für die Blattlauszuchtanstalten ausgekundschaftet hat. Verflixte Viecher!
Das Apfelbäumchen ist langsamer und beginnt gerade erst zu blühen, es sieht nach vielen Blüten aus, man kann aber noch nicht wirklich viel sagen.
Die beiden Weinstöcke, die wir im Vorjahr gepflanzt haben und die im Herbst so aussahen als würden sie keinen Winter überleben, treiben auch fleißig Blätter. Ob sie außer Blättern sonst noch etwas produzieren werden, ist noch nicht feststellbar. Viele winzige Blättchen glitzern auf dem Gingko, der ohnehin nicht umzubringen ist. Und der burgenländische Feigenbaum, der aus den von Freund K gespendeten Zweigen stammt, wird heuer sicher so groß wie ich und hat Knospen, die jeden Tag aufspringen können. Auch die Waldreben, die voriges Jahr eine wahre Pracht waren, tragen schon Blüten. Dafür dass alles nur in Töpfen und Kübeln wächst, ist es erstaunlich schön und resistent.

Der D war übers Wochenende im Atelier wieder fleißig, hat sämtliche Verpackungsreste von der gräßlichen Sitzgruppe weggeräumt und den Kühlschrank aufgestellt. Drinnen stehen die zwei Flaschen Prosecco, mit denen ich mich fürs Ausmalen bedankt habe und eine Flasche Schlagobers wahrscheinlich für den Kaffee. Auf dem Kühlschrank thront die riesige Kaffeemaschine und größere Vorräte Kaffeebohnen sind über den Raum verstreut. Immerhin gibt es auch den hübschen Wasserkocher für NichtKaffeetrinkerinnen wie mich.

Dieses Stillleben hat mir gefallen: essen, trinken und Silikon in trauter Eintracht und für Ds Verhältnisse in geradezu chaotischem Zustand.

Donnerstag 23.April – Ateliergeflüster

Heute habe ich Ds absolute Teamunfähigkeit so richtig kennengelernt. Abgesehen von riesigen Kartons, in denen die Neuerwerbungen angekommen sind, fand ich im Atelier dieses total überdimensionierte Stück vor. Der D will offenbar unser stilechtes Bohème-Atelier in ein Schrebergartenhaus verwandeln ! Wenigstens einen kleinen Hinweis vorher auf seine Pläne, aber nix!
Nachdem ich mich – zwar aus sehr guten Gründen aber dennoch – nicht am Ausmalen des anderen Raums beteiligt habe, ist meine moralische Position leider etwas geschwächt. Trotzdem, hätte er mich vorher gefragt, hätte ich zu dem Ding „nein“ gesagt. Die beiden Sessel, die die A gespendet hat, gefallen mir ganz gut, aber der Rest… Er hat aber nun mal weder mich noch die A gefragt und jetzt haben wir das Trumm da stehen. So was nenne ich „vor vollendete Tatsachen stellen“ und mir fallen auch noch ein paar unschönere Ausdrücke dafür ein.
Die Lebenserfahrung hat mich davon abgehalten sofort zum Telefon zu greifen und ihm womöglich die unschöneren Ausdrücke an den Kopf zu werfen. Mittlerweile hat der D angefragt, wie ich unseren neuen Konferenztisch finde. Meine schriftliche Antwort habe ich dem F gezeigt der deutlich diplomatischer ist als ich.

Abgesehen von diesem Monster hat der D auch noch einen Tischkühlschrank gekauft und einen wirklich genialen Platz dafür gefunden. Er ist ja an und für sich beim Einrichten wirklich gut und ich habe jetzt – so hoffe ich – freundlich aber sehr deutlich darauf hingewiesen, dass es mir sehr wichtig ist, noch genügend Platz für Bilder-Stauraum zu haben.

Gute Neuigkeiten gibt es auch. Eine gemeinsame Freundin, die ziemlich in der Nähe des Ateliers wohnt, hat sich mit großer Begeisterung als Babysitter für As Baby angeboten wodurch A mit dem Malen wieder einsteigen könnte. Das wäre ein Beispiel für eine absolute win-win-Situation.

Ich werde also -mit guten Erfolgsaussichten – versuchen mich über das Ding auf dem Foto nicht weiter zu ärgern.

Dienstag 6.April 2021

Bei heftigem Schneefall verpackt in Jacke und Kapuze habe ich frische Erde rund um meine Atelierpflanzen eingearbeitet. Nach viel sehen die zukünftigen Gartenanlagen noch nicht aus. Eigentlich wollte ich heute auch Unkraut jäten rund um alle Pflanzen, die ich eingesetzt habe, aber es war einfach zu kalt.
Auch die hängenden Gärten der Semiramis haben klein begonnen und bei einem für Pflanzen eindeutig günstigerem Klima. Man muss sich ja nicht immer gleich an den ganz großen Vorbildern orientieren.

Neues gibt´s im Atelier drinnen: einen Staubsauger, na ja, den hätte ich nicht unbedingt gebraucht, einen äußerst edel aussehenden Wasserkocher in Schwarz und der D hat den zukünftigen Tisch mit allem Werkzeug und Farben in den hinteren Raum geräumt, so dass der vordere voll genützt werden kann. Es ist Platz für drei Staffeleien mit Luftraum rundherum, eventuell sogar für vier.

Abends habe ich per zoom mit der A geplaudert und das Baby wenigstens einmal auf dem Bildschirm gesehen. Sie meinte aber, dass es für sie derzeit utopisch wäre, ins Atelier zu kommen. Das Baby wurde im Dezember geboren und sie arbeitet schon einmal in der Woche ein paar Stunden und wirkte richtig erschöpft.Es sieht also danach als würden der D und ich noch eine gute Weile zu zweit sein.

Donnerstag 1. April 2021 – alles weiß

Heute war ich im Atelier um davor ein paar Blümchen und Kräuter einzusetzen. Die Primeln haben zwei Wochen überlebt, Wie lange die heute eingesetzten Pflanzen überleben werden, weiß ich nicht recht. Die Erde ist steinhart und lehmig, allerdings habe ich auch zwei Regenwürmer angetroffen, die ich ersucht habe, noch etwas aktiver zu werden. Vielleicht bringe ich nächstes Mal auch einen Sack Erde mit …

Habe ich schon erwähnt, dass der D eine Vorliebe für weiß gestrichene Bretter hat ?

Aber er war wirklich gründlich und exakt. Zweimal grundiert, weil das schlechte Holz enorm gesaugt hat und dann mit einer Eierschalenfarbe drüber. Die Leiste rundherum an den Wänden ist auch genial und breit genug um sowohl Bilder als auch Bücher aufstellen zu können. Einige liebevolle Details wie dieser Haken, den er von alten Möbeln abmontiert und aufgehoben hat.
Insgesamt schaut es viel besser aus als vorher, auch heller und größer. Der D ist zwar nicht wirklich sehr teamorientiert, sprich die geplante Leiste zum Beispiel hat er nur irgendwann in einem Nebensatz erwähnt, und nicht in fragendem Ton. Tatsache ist aber auch, dass er in puncto Ausgestaltung von Innenräumen immer weiß, was er tut und man sich darauf verlassen kann, dass das Endprodukt ästhetisch und praktisch ist.

Die Drähte, die überall aus den Wänden kamen, sind auch verschwunden aber die Steckdosen und Lichtschalter funktionieren. Das ist bei Hobby-Handwerkern nicht immer selbstverständlich und auch bei den Profis kann man diesbezüglich allerhand erleben.

Ich werde dem Malteam eine oder besser zwei Flaschen Sekt überreichen. Die Gläser stehen schon bereit.

Jeder Baum mehrere Kunstwerke 4/4

Das vorletzte Bild seiner Art. Es gibt so viel Natur-Kunst, dass man sich nicht auf zwei Bäume beschränken muss. Wenn auch derzeit der Bewegungsradius recht klein ist, mangelt es doch nie an visuellen Eindrücken über die man sich freuen kann.

Ich beginne heute mit den Aufräumarbeiten auf der Terrasse lasse aber das Laub vom Vorjahr noch liegen in der Hoffnung, dass dort Marienkäfer überwintert haben könnten und sich schon auf die Blattläuse freuen, die ihrerseits ganz sicher gut über den Winter gekommen sind.

Das Atelier geht mir richtig ab, aber dort malt noch der D, der gerade erzählt hat, dass er das Ausmaß der Arbeit ziemlich unterschätzt hat. Allerdings hat er auch die aus der Wand hängenden Drähte und ähnliches saniert bevor er nur mit der Grundierung beginnen konnte und das miserable Holz saugt die Farbe ein wie die Wüste das Wasser nach einem Regenguss. Ich habe hoch und heilig versprochen, mich an der Bearbeitung des zweiten Raums zu beteiligen aber – ganz unter uns – in der Hoffnung, dass es ihm nach einem Raum reicht. Mir ist es ja völlig egal, ob die Wände gestrichen sind oder nicht.

Dienstag 16. März – Ateliergeflüster

Ja, es war von Anfang an vereinbart, wir haben sogar die Details schon vor einer Weile besprochen, aber ich dachte der D hätte es sich anders überlegt. Mir ist es gar kein Bedürfnis die Wände im Atelier zu streichen. Ich will dort ja nicht wohnen und mag den Ist-Zustand eigentlich ganz gerne. Es passt alles zusammen: alt und schäbig, aber Licht, Wasser und Heizung funktionieren problemlos. Ich habe mich daran gewöhnt, dass es dort eben nur gibt, was es gibt und finde es zum Malen wunderbar geeignet. Richtig gut fühle ich mich dort schon.

Der D hat aber sowas wie einen Holz-weiß-angestrichen-Fetisch. In seinem Haus in Irland ist auch alles mit weiß gestrichenem Holz getäfelt, inklusive Decke. Seine Frau hat diesbezüglich bewundernswerten Gleichmut entwickelt. Jedes Mal wenn ich bei ihnen zu Besuch war, habe ich einen neuen irischen Baumarkt oder Altwarenhändler oder Flohmarkt kennengelernt. Unser Atelier hat eine Holzverkleidung aus einem ganz miesen Holz mit unendlich vielen Astlöchern und an mehreren Stellen tritt Harz aus. Daher müsste man mindestens zweimal streichen, sagt der D. Meiner Meinung nach werden aber weder ein noch zwei Anstriche viel verändern. Es ist dann eben eierschalenfarben gestrichenes mieses Holz. Weiße Wände ohne Holz wären mir ohnehin lieber. Was soll´s,  wenn er es so haben möchte und ohnehin selbst streicht… Natürlich beteilige ich mich an den Kosten.

Mir ist wichtig, dass wir bald beginnen Regale aufzustellen um die Bilder zu trocknen und zu lagern und dann wird man ohnehin nicht mehr viel von den Wänden sehen. Ich habe zum Beispiel zwei Ölbilder, die, wenn sie in der gleichen Geschwindigkeit weiter trocken, noch geschätzte 200 Jahre dafür brauchen werden. Aber der D will unbedingt zuerst streichen und dann erst Regale kaufen. Meinetwegen, übe ich mich halt in Teamfähigkeit.  Ich weiß, dass er beim Vorstellen vom Endzustand seiner handwerklichen Arbeiten sehr gut ist, also wer weiß, ob ich dann im Endeffekt nicht überwältigt bin von den wunderbar gestrichenen Wänden.

Ich habe also heute meine Sachen von einem Raum in den anderen geräumt und bei dieser Gelegenheit als allerersten kleinen Anfang meiner geplanten Freiraumgestaltung diese beiden Primeln gesetzt. Viel ist das noch nicht, eher so ein kleiner Test, ob sie jemanden stören oder ob jemand drüber trampelt. Als nächsten Schritt plane ich den Kauf einer Sitzgelegenheit, möglichst etwas , das so groß, schwer und unhandlich ist, dass es auch stehen bleibt. Einen Picknicktisch oder Ähnliches. Es sollte möglichst einer sein, den man nicht gleich selbst streichen muss …

 

 

 

 

Die Geschichte zum Bild

Vielen Dank an alle für die Infos !

An diesem Bild hängt eine kleine Geschichte: Mein Atelierkollege hat es gemalt. Ich habe es zum ersten Mal noch ohne Schrift gesehen und vermutet, dass es sich um einen altirischen Helden handelt, der versonnen über Tara blickt. Daraufhin hat der D geantwortet, dass er ganz zerknirscht ist, weil das doch die Kathy Soundso ist, die ihm 3 Stunden Modell gesessen ist. Beim nächsten Mal hatte das Bild dann diesen Schriftzug. Unsere Diskussion über Charakteristika  weiblicher bzw männlicher Gesichter steht noch aus.

Es wird also wohl Katjuscha heißen sollen und der D, der keine kyrillische Schrift beherrscht  hat „M“ und „T“ verwechselt.