la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Baustellen aller Art

Die Wirtschaft boomt. Es wird gebaut, saniert, renoviert. So auch in meiner unmittelbaren Wohnumgebung. Wenn ich morgens die Jalousie hochkurble und im Evaskostüm verschlafen in die Welt blicke, sehe ich da normalerweise Dächer und dahinter die Stadt und noch ein Stück dahinter Wiens Hausberge. Derzeit aber wuseln immer wieder Bauarbeiter auf dem Dach gegenüber herum. Das nervt mich ganz gewaltig, weil einer der von mir hochgeschätzten Vorzüge meiner Wohnung darin besteht, dass auf Höhe meiner Terrasse rundherum Dächer sind und ich aus allen Fenstern und Türen wenn ich geradeaus schaue den Himmel sehe und wenn ich einen voyeuristischen Tag habe, kann ich mich übers Geländer beugen und sehe in die Wohnungen in den obersten Stockwerken der Häuser gegenüber. Derzeit herrscht auf dem einen Dach aber Hochbetrieb, weil ins Dach Balkone eingebaut werden. Zum Glück in die andere Richtung. Sobald die Arbeiten beendet sein werden, wird wieder Ruhe über den Dächern herrschen. Bis dahin aber Hochbetrieb, an manchen Tagen wird ein Kran benötigt, der plötzlich hinter dem Gegenüberhaus in die Luft sticht, an anderen Tagen werden vor dem Haus stehende Container mit hochauf staubendem Schutt aufgefüllt.

Im Café sitzen am Nebentisch mehrere Bauarbeiter. Einer von ihnen hat heftigste Zahnschmerzen und überlegt, ob er zum Zahnarzt gehen soll. Die anderen reden ihm gut zu. Einer sagt, da kriegst du eine Spritze, Wurzelbehandlung und alles passt wieder. Das war falsch. Ich muss mir das noch überlegen und nehm´ lieber ein Schmerzmittel murmelt der Betroffene. So ein Schmarrn sagt ein anderer, das wird doch nicht besser sondern nur immer schlechter, soll ich dir gleich einen Termin bei meiner Zahnärztin ausmachen, die ist super. Na ja, aber erst nach vier, ich muss ja arbeiten. Nicht nach vier, gleich, sagt der mit der tollen Zahnärztin. Der mit den Zahnschmerzen greift zu allen nur möglichen Abwehrmitteln und ruft, aber du bist doch mein Chef, du kannst doch nicht wollen, dass ich jetzt einfach weg geh´. Doch, sagt der Chef sonst landest du am Wochenende in der Notfallambulanz und hast einfach einen Zahn weniger. Nein, nein, heute nicht, sagt der mit den Zahnschmerzen, ihr habts mich da richtig überrumpelt, ich kann das nicht so schnell entscheiden. Der Chef macht eine resignierende Handbewegung, dann eben nicht, fesseln und hinschleppen kann ich dich auch nicht.

Auf Baustellen darf um 6 Uhr zu arbeiten begonnen werden, Hitzeferien bekommen nur noch die Fiakerpferde und mit der neuen Arbeitszeitregelung wird es dann auch kleine Baustellen geben, auf denen täglich von 6:00 bis 22:00 gearbeitet wird. Vielleicht wird ja auch die Ruhezeit von 22:00 bis 6:00 …äh ….. modernisiert. Der neoliberale Mensch schläft nicht sondern arbeitet, am besten rund um die Uhr

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French-Lackierung in Kleinbetrieben

Lackierte Fußnägel sind für mich ein Ausdruck der Lebensfreude. Im Gegensatz zu lackierten Fingernägeln, die ich nicht besonders mag. Man frage mich nicht, welche Art von Logik da dahintersteckt, wahrscheinlich gar keine, nur muss man ja für so private Entscheidungen, welche Nägel lackiert oder nicht lackiert werden sollen auch keine logischen Argumente bereit haben. Ich pilgere also regelmäßig zur Fußpflege und lasse mir dort auch – vor allem im Sommer – die Fußnägel lackieren. Heute habe ich mir eine French-Lackierung gegönnt und nach anfänglichem Gejammer, dass sie das schon so lange nicht mehr gemacht habe und wahrscheinlich gar nicht mehr könne, hat die Fußpflegerin die weißen Striche sehr gut hinbekommen.

Nicht dass meine Füße so besonders herausstreichenswert wären, aber ich zähle es zu den ganz, ganz kleinen Freuden des Lebens die Lackierungen zu bewundern. Eine Zeit lang gefiel mir Kirschrot, dann ein ganz sattes Blau, aber diese starken Farben ziehen sich in die Nägel hinein und sie sehen unlackiert dann ganz gelb aus, daher bin ich wieder einmal für eine Weile bei french gelandet.

Bildergebnis für french lackierung zehen

Mein Fußpflegestudio, gleich um die Ecke ist ein Kleinstbetrieb. Derzeit arbeiten dort die Chefin und eine Angestellte, früher hatte sie zwei Angestellte, aber die eine, die ich sehr geschätzt habe, war leider immer wieder krank. Die Chefin hat sie sehr lange gehalten, durch eine Schulteroperation, eine schwere Lungenentzündung und einen Armbruch, alles mit langen Krankenständen verbunden. Aber dann ging es um eine psychische Erkrankung mit völlig ungewisser Dauer und das konnte der Betrieb finanziell nicht mehr tragen. Sie machen nun also – auf unbestimmte Zeit – zu zweit die Arbeit, die sie zu dritt gemacht haben. Es dürfte ein Balanceakt sein, weil beide nur vier Tage in der Woche arbeiten bzw auch Urlaube haben oder womöglich krank werden. Die Angestellte macht Überstunden ohne Ende, die Chefin wahrscheinlich auch, dennoch muss diese Situation günstiger kommen als eine dritte Person anzustellen, zu bezahlen und zu versichern. Nicht einfach ist es, so eine Kleinstfirma zu führen, wenn man als Personalreserve immer nur selbst zur Verfügung steht und auch nicht einfach für die einzige Angestellte, die, sollte sie einmal krank sein nur von ihrer Chefin vertreten werden kann.

Diese Art von Problemen hat der Hausitaliener offensichtlich nicht. Das ist ein mittelgroßes Gasthaus mit vielen Angestellten, das vor einer Weile seine Preise ziemlich in die Höhe geschraubt hat. Bei näherer Betrachtung sind mehrere der Angestellten allerdings Familienmitglieder. Vielleicht wird das so gehandhabt wie bei den kleinen chinesischen Lokalen, wo jedes Mitglied der gesamten Großfamilie ein bissl mitarbeitet.

Der F meinte, dass die kürzlich begonnene Hauszustellung so gut funktioniere, dass sie sich leisten könnten, die Preise so zu erhöhen und die im Lokal anwesenden Kunden zu verärgern. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Jedenfalls gibt es auch Menüs, täglich mehrere verschiedene, die preislich ganz in Ordnung und abwechslungsreich sind. Am Geschmack war ohnehin noch nie was auszusetzen.


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Für Regenfans und solche, die es werden könnten

Der Boden sieht gepunktet aus und verströmt den Geruch der ersten Regentropfen, die in den Staub fallen. Es ist ein Geruch zwischen staubig und feucht, zwischen erdig und luftig und er löst sich bald wieder auf, denn es beginnt sehr viel stärker zu regnen und bald kann  man die nasse Erde riechen und das Gras.

Die Menschen hechten in geduckter Position zum nächsten Dach. Nur wenige sind mit einem Schirm ausgerüstet. Die Dächer der Kinderwagen werden vorgezogen und die Einkäufe möglichst regengeschützt um die Kinder herum drapiert.

Auf das Glasdach vor dem Eingang zur U-Bahn trommelt jetzt der Regen und spritzt allen, die darunter stehen ins Gesicht und auf die Füsse. Nackte Zehen in offenen Schuhen, Sandalen und Flip-Flops werden ziemlich nass. Die Leute, die aus dem Stationsgebäude hinaus gehen wollten, überlegen es sich anders und verproviantieren sich zunächst für eine längere Wartezeit. Die beiden Ströck-Angestellten verkaufen hektisch Weckerln und Wasserflaschen, Nussschnecken, Mohnzelten, Topfengolatschn und sonstiges Hochkaloriges. Nach dem schwülen Tag und dem Warten aufs Gewitter ist die allgemeine Stimmung fast ausgelassen.

Aus Richtung des Möbelhauses, das knapp vor dem Konkurs steht, kommen Menschen mit riesigen Plastiksäcken und dem im-Ausverkauf-viel-ergattert-Gesichtsausdruck. Nass sind sie allerdings geworden, weil der Regen stark und plötzlich gekommen ist und zwischen Möbelhaus und U-Bahnstation eine  Brücke überquert werden muss. Ich komme vom Trazerberg.


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Leere Augen

Gestern war ich zu Besuch in einem Pensionistenheim. Das Heim als solches ist schön: kleine Wohnungen mit Balkon, ein großer Garten, viele Gemeinschaftsräume, viele möglichen Aktivitäten, gute Betreuung, ABER …… Die Gänge sind breit, es stehen dort kleine Sitzgruppen, es sitzen auch Menschen dort, aber viele blicken völlig unfokussiert, starren in die Luft. Es könnte sein, dass sie einander einfach schon sehr lange kennen und sich keine neuen Unterhaltungsthemen anbieten.Glaube ich aber nicht, schließlich haben alte Menschen ein ganzes Leben zu erzählen und tun das meistens auch gerne.

In der großen Eingangshalle gibt es eine Bibliothek, dort sehe ich niemanden und mehrere Computerplätze, an einem sitzt eine fröhlich wirkende alte Dame und studiert Fischrezepte, die anderen sind unbenutzt. Auch im Café sind alle Tische besetzt, aber auch hier gibt es viele Menschen, die zwar die physische Nähe anderer suchen, aber nicht kommunizieren wollen oder können.

In dem Heim lebt auch ein Kater, ein hübscher, schwarzer, freundlicher Kater. Seltsamerweise ist er nicht dick. Bei der üblichen Haltung von Katzen gegenüber Nahrung, hätte ich erwartet, dass er sich gerne von allen immer wieder einen kleinen Imbiss abholt und entsprechend unschlank wäre. Die stromlinienförmige Figur des Katers halte ich daher auch für ein Indiz für wenig Kommunikation in diesem Haus.

Ich habe auch die betreute Gruppe gesehen. Das System funktioniert ähnlich wie in einem Kindergarten, nur ist das Klima ein anderes. Lebensfreude ist mir nicht begegnet, obwohl die dort anwesenden alten Damen Beschäftigungsangebote hatten und die Räumlichkeiten sehr gemütlich und anregend ausgestattet sind. Meine allerhöchste Hochachtung gilt jedenfalls den dort arbeitenden Menschen. Alle waren sie freundlich, fröhlich und bemüht.

Deprimierend. Das Thema Alter, Krankheit, mögliche Demenz, mangelnde Eingebundenheit ins Leben. Klug ist es wohl, sich rechtzeitig selbst um gute Lösungen umzusehen; falls es die gibt und falls man selbst physisch und psychisch in der Lage ist, sie zu nutzen.


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Wien im Dezember

„Ich freu mich wenn dieser Monat endlich vorbei ist“ grummelt der arabisch aussehende Taxler während er geschickt durch die Staus manövriert. Ich kann ihm da nur zustimmen. Das Wort „Schleichwege“ kann er nicht gut aussprechen, aber die Technik beherrscht er. Ganz ohne Navi kurvt er zielsicher durch die engen Innenstadtstraßen ohne mit einem der zahllosen Weihnachtsmärkte samt Besucherströmen zu kollidieren. Und schließlich setzt er mich punktgenau und unerwarteterweise rechtzeitig bei der gewünschten Adresse ab. Ein Held des Dezemberverkehrs in Wien.

Im Chinarestaurant werden im verschneiten Gastgarten zwischen den Schnüren an denen im Sommer Lampions hängen und neben dem hölzernen Buddha Weihnachtsbäume zum Verkauf angeboten.

Der Busfahrer trägt an der rechten Hand an fünf Fingern ungefähr 15 Ringe, die alle als Schlagringe durchgehen könnten.Die Tätowierungen, die aus dem Uniformkragen herauskriechen sehen auch recht martialisch aus. Bei jeder Station drückt er mindestens einmal auf die Taste, die die gezwitscherte Ansage abspielt : „liebe Fahrgäste, Sie behindern die Weiterfahrt. Bitte halten Sie den Türbereich frei“ . Man muss eh froh sein, dass er die Sache nicht selbst in die Hand nimmt und die missliebigen Türversteller eigenhändig von der Tür wegzerrt oder hinauswirft. Zwar sehe ich gar niemanden im Bereich der Lichtschranke stehen und der Bus hält auch nicht länger als normal. Vielleicht gefällt dem Fahrer die Ansage so gut ….

Im Supermarkt versucht ein chinesisch aussehender Angestellter einer afrikanisch aussehenden  Kundin irgendein Rezept zu erklären. Es kommen da offenbar eine Menge verschiedener Obstsorten hinein. Er kann zwar nicht besonders gut deutsch ist aber gestisch und mimisch perfekt. Leider habe ich keine Zeit mich dem Kochunterricht anzuschließen.

Was wäre Wien ohne die positiven Seiten der multikulturellen Gesellschaft ! Ja, und natürlich, auf die negativen Seiten könnten wir gut verzichten ….

 


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Netz zum Einhängen

Meine 6 Wochen berufsbegleitende Rehab sind vorbei. Doch, sie haben einiges gebracht. Natürlich habe ich keine neue Hüfte, aber es fühlt sich doch alles wesentlich besser an als vorher und die Operation kann dadurch etwas aufgeschoben werden. Nicht jahrelang, wie der äußerst optimistische Physiotherapeut meinte, aber doch eine Weile. Ich werde notgedrungen aus blanker Begeisterung weiterturnen und Unterwassergymnastik betreiben und mich ansonsten eine Weile ruhig verhalten. Schließlich war ich dumm genug, nicht in Krankenstand zu gehen und dadurch war der Entspannungseffekt zwischen den Therapien nicht vorhanden.

Vorläufig ist von Entspannung allerdings noch keine Rede. Es hat sich natürlich jede Menge Arbeit angehäuft, die ich gerne vor den Weihnachtsferien erledigt haben möchte. Vorläufig habe ich mir einen Überblick verschafft, ein Netz zum Einhängen der diversen Detailarbeiten. Es wird sich schon alles ausgehen, schließlich bin ich eine routinierte unter-Stress-im-letzten-Moment Arbeitende. Heute habe ich einen 12-Stunden-Tag absolviert, morgen noch einer und die Sache wird schon viel lichter aussehen. F. arbeitet auch wie ein Irrer, wir sehen uns – wenn überhaupt – ein paar Stunden abends. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen….

Allerfreundlichste Gedanken an meine Haushaltshilfe, die alles gebügelt und die ganze Wohnung geputzt hat.


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Fertig !

So hat es gestern noch ausgesehen. Jetzt ist endlich alles fertig ! Trotz extremer Hitze waren die Maler sehr schnell fertig und haben möbelmäßig den vorherigen Zustand wieder hergestellt. Das Einräumen und Ausmisten kann weitergehen.

Bezahlt habe ich noch nichts. Der Firmenchef hat die beiden Arbeiter geschickt und ansonsten noch nichts von sich hören lassen. Sollte es sich etwa um ein Geschenk handeln oder um durch Hitze bedingten totalen Gedächtnisverlust ? Jedenfalls finde ich es erfreulich, dass es möglich ist, nur auf Vertrauensbasis zu arbeiten.