la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 12.4.19 – Teppichgewäsch äh….. -gewasch

Am anderen Ende der Stadt, im immer noch nicht fertig ausgeräumten Haus, war ich mit dem Abholservice vom Teppichwäscher und -restaurierer verabredet. Ein Fachmann ist ein Fachmann, er sieht sofort, dass der große Teppich kein Nain ist sondern ein Isfahan, dass die  kleinen angeblichen Seidenteppiche aus Wolle sind, chinesische Teppiche mit tibetischen Mustern. Die changierenden Farben, die die Seide vortäuschen, werden durch irgendeine Bearbeitung der Wolle erreicht. Handgeknüpft sind sie alle.

Ein kulturgeschichtliches Detail am Rande: die Firma Adil Besim, ein renommiertes Wiener Teppichgeschäft dessen Namen an orientalischen Teppichhandel erinnnert, gehört tatsächlich einer Familie, die Böhm hieß. Im Jahr 1946 fand Adolf Böhm, dass sein Name wohl gerade nicht zu den allerbeliebtesten gehörte und gründete seine Firma unter dem Namen Adil Besim.

In Null komma nix waren die Teppiche von der Wand geholt, vermessen und eingerollt und ich erfuhr noch manches für mich erstaunliche Detail über die Pflege von Teppichen. Etwa, dass es ihnen viel besser bekommt, wenn man täglich darüber geht als wenn sie an der Wand hängen. Umso besser, ich mag ohnehin keine Wandteppiche sondern solche über die man gehen und auf denen man sitzen kann.

Ein (fast) leeres Haus hat etwas sehr bedrückendes. Von allen Seiten fallen die Erinnerungen, die guten und die schlechten. Der vor Kompetenz strotzende Teppichmann hielt die Erinnerungsbilder in den Wänden fest, aber kaum war er weg, setzten sie sich in Bewegung und ich flüchtete ziemlich schnell. Unterwegs dachte ich mir, dass der für den Nachmittag vereinbarte Friseurtermin mir das genau richtige Maß an Erdung bringen würde. In emotional angespannten Situationen finde ich Banalitäten manchmal entspannend und manchmal machen sie mich aggressiv. Dieser Friseurbesuch war sehr entspannend, weil die Friseurin mit ihren Gedanken ganz woanders war und ich keine Fragen über Urlaube, Weihnachtsgeschenke oder Osterplanung beantworten musste.

Tiefe und Banalität liegen immer eng beieinander, man muss sich nicht bemühen sie auseinander zu halten.

 

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Natur übernimmt

Was immer man eine Weile draußen herumliegen oder herumstehen lässt und sich nur irgendwie zur Besiedlung eignet, wird auch besiedelt.

Ein Sack Blumenerde, ein Rohr mit hineingewehter Erde………


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Samstag 6.4.19 – Pflanzungsbeginn

Der leider eingegangene Birnbaum wurde heute durch einen neuen, kleinen Apfelbaum ersetzt. Nun sind es zwei Apfelbäume und ein Pfirsichbaum. Einen weiteren Baum haben wir erworben: Hakuro Nishiki – Salix integra oder Flamingobaum. Ein sehr interessantes Gewächs, das schon recht groß ist und nur schwer im Auto unterzubringen war. Er stand ganz hinten im großen Kofferraum und kitzelte mich vorne an der Nase. Ein geselliges Bäumchen, und wenn er nur annähernd so attraktiv wird wie auf Fotos, wird er auch noch eine wahre Augenweide sein. Bambus haben wir auch gekauft, der große, schwarze Bambus, der ein paar Jahre lang vor meinem Schlafzimmer gerauscht hat, hat leider den Winter 2017/18 nicht überlebt.

Im vorigen Sommer war die Terrasse ziemlich vernachlässigt, weil ich kaum etwas machen konnte, das kaputte Hüftgelenk jaulte nach kurzer Zeit gärtnerischer Betätigung schon ziemlich laut und rächte sich mit anschließender Steifheit. Jetzt geht alles wieder prächtig, das Bücken, das Heben, das Sitzen.

Die Obstbäumchen sind fast abgeblüht, der Flieder hat schon Blüten angesetzt, der neue Feigenbaum hat Knospen, die sehr verheißungsvoll aussehen, der Ginkgo ist schon ganz grün. Das Gärtnerinnenherz lacht. Geschleppt hat allerdings der F. (Bussi) und mehrere kaputte Stümpfe ausgerissen. Viele blühende Kleinpflanzen haben wir auch mitgebracht. Der Gartenmarkt war so voll, dass man den Eindruck hatte, ganz Wien wäre heute auf Pflanzenjagd gegangen, weil es der einzig richtige Tag für den Beginn der Blütensaison ist. Vielleicht ist es das auch, es hat sich jedenfalls sehr gut angefühlt. Im Gastgarten war es dann allerdings zu kalt und wir sind drinnen geblieben. Allzuviel Frühling ist noch nicht und es soll die ganze Woche über sehr unbeständig und teilweise regnerisch sein. Regen nach dem Pflanzen passt ideal, daher ist dieses Wochenende vielleicht wirklich der ideale Ausgangspunkt.

Am nächsten Wochenende ist Raritätenbörse im Belvedere. Ich hoffe auf Schachtelhalme!!


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Alltag #4 – Wandlungen oder Stufen

Ullis Alltagsprojekt

Alltag ist nicht gleich Alltag, je nachdem in welcher Phase unseres Lebens wir uns befinden, in welchem körperlichen oder psychischen Zustand. Unsere Befindlichkeiten verändern unsere Wahrnehmung der Umwelt ebenso wie unsere eigenen Handlungen und Beschäftigungen. So war mein Alltag in den letzen Wochen sehr stark von meiner Hüftoperation bestimmt, von der Einschränkung in den ersten Tagen und der langsamen Normalisierung und vom Thema Stufen, um das es hier gehen soll.

Monate vor der OP konnte ich nur noch mit einem Bein voraus Stufen steigen, nun geht alles wieder und völlig schmerzfrei, aber ich muss mich erst selbst davon überzeugen, dass das wirklich so ist. So waren gestern Abend die drei Stockwerke im Altbau ohne Lift, die ich erklimmen musste um einen Freund zu besuchen in meinem Kopf eine echte Hürde. Nur im Kopf allerdings, denn tatsächlich bin ich völlig normal hinauf und hinuntergegangen.

Das ist eine Bassena. Das war in dieser Art Wiener Zinskaserne die einzige Wasserquelle für alle Wohnungen des Stockwerks. „Bassenatratsch“ nannte man die Informationen, die beim Wasserholen ausgetauscht wurden. Heute haben die meisten dieser Substandardwohnungen Wasser in der Küche und eine irgendwo eingebaute Duschkabine. Das allgemeine Klo am Gang gibt es aber durchaus noch.

Der Beginn des „Aufstiegs“. Die Steinstufen sind von über hundert Jahren Benützung abgenützt. Ich bin dieses Stiegenhaus schon oft hinaufgegangen, aber noch nie sind mir diese Figuren am Geländer aufgefallen. Ich habe auch einen Moment gebraucht um mich zu überzeugen, dass ich Stufen steigen kann.

Natürlich gab es auch ein Geländer. Wie Benita Wiese so richtig anmerkte, gehört das wahrscheinlich zur Bauvorschrift. Es war noch nicht einmal rostig, weil aus Holz. Das Haus ist insgesamt nicht allzu verwahrlost, da habe ich schon andere gesehen, und das Schmiedeeisen eigentlich sehr hübsch. Das ist nun die positive Seite meiner Stiegenangst, das Bemerken von Details.

  Ich hoffe diesen speziellen Aspekt meines derzeitigen Alltags möglichst bald wieder vergessen zu können, davor muss ich aber leider erst vergessen, dass Stiegensteigen ein Problem ist und das gestaltet sich etwas zäh.


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Baustellen aller Art

Die Wirtschaft boomt. Es wird gebaut, saniert, renoviert. So auch in meiner unmittelbaren Wohnumgebung. Wenn ich morgens die Jalousie hochkurble und im Evaskostüm verschlafen in die Welt blicke, sehe ich da normalerweise Dächer und dahinter die Stadt und noch ein Stück dahinter Wiens Hausberge. Derzeit aber wuseln immer wieder Bauarbeiter auf dem Dach gegenüber herum. Das nervt mich ganz gewaltig, weil einer der von mir hochgeschätzten Vorzüge meiner Wohnung darin besteht, dass auf Höhe meiner Terrasse rundherum Dächer sind und ich aus allen Fenstern und Türen wenn ich geradeaus schaue den Himmel sehe und wenn ich einen voyeuristischen Tag habe, kann ich mich übers Geländer beugen und sehe in die Wohnungen in den obersten Stockwerken der Häuser gegenüber. Derzeit herrscht auf dem einen Dach aber Hochbetrieb, weil ins Dach Balkone eingebaut werden. Zum Glück in die andere Richtung. Sobald die Arbeiten beendet sein werden, wird wieder Ruhe über den Dächern herrschen. Bis dahin aber Hochbetrieb, an manchen Tagen wird ein Kran benötigt, der plötzlich hinter dem Gegenüberhaus in die Luft sticht, an anderen Tagen werden vor dem Haus stehende Container mit hochauf staubendem Schutt aufgefüllt.

Im Café sitzen am Nebentisch mehrere Bauarbeiter. Einer von ihnen hat heftigste Zahnschmerzen und überlegt, ob er zum Zahnarzt gehen soll. Die anderen reden ihm gut zu. Einer sagt, da kriegst du eine Spritze, Wurzelbehandlung und alles passt wieder. Das war falsch. Ich muss mir das noch überlegen und nehm´ lieber ein Schmerzmittel murmelt der Betroffene. So ein Schmarrn sagt ein anderer, das wird doch nicht besser sondern nur immer schlechter, soll ich dir gleich einen Termin bei meiner Zahnärztin ausmachen, die ist super. Na ja, aber erst nach vier, ich muss ja arbeiten. Nicht nach vier, gleich, sagt der mit der tollen Zahnärztin. Der mit den Zahnschmerzen greift zu allen nur möglichen Abwehrmitteln und ruft, aber du bist doch mein Chef, du kannst doch nicht wollen, dass ich jetzt einfach weg geh´. Doch, sagt der Chef sonst landest du am Wochenende in der Notfallambulanz und hast einfach einen Zahn weniger. Nein, nein, heute nicht, sagt der mit den Zahnschmerzen, ihr habts mich da richtig überrumpelt, ich kann das nicht so schnell entscheiden. Der Chef macht eine resignierende Handbewegung, dann eben nicht, fesseln und hinschleppen kann ich dich auch nicht.

Auf Baustellen darf um 6 Uhr zu arbeiten begonnen werden, Hitzeferien bekommen nur noch die Fiakerpferde und mit der neuen Arbeitszeitregelung wird es dann auch kleine Baustellen geben, auf denen täglich von 6:00 bis 22:00 gearbeitet wird. Vielleicht wird ja auch die Ruhezeit von 22:00 bis 6:00 …äh ….. modernisiert. Der neoliberale Mensch schläft nicht sondern arbeitet, am besten rund um die Uhr


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French-Lackierung in Kleinbetrieben

Lackierte Fußnägel sind für mich ein Ausdruck der Lebensfreude. Im Gegensatz zu lackierten Fingernägeln, die ich nicht besonders mag. Man frage mich nicht, welche Art von Logik da dahintersteckt, wahrscheinlich gar keine, nur muss man ja für so private Entscheidungen, welche Nägel lackiert oder nicht lackiert werden sollen auch keine logischen Argumente bereit haben. Ich pilgere also regelmäßig zur Fußpflege und lasse mir dort auch – vor allem im Sommer – die Fußnägel lackieren. Heute habe ich mir eine French-Lackierung gegönnt und nach anfänglichem Gejammer, dass sie das schon so lange nicht mehr gemacht habe und wahrscheinlich gar nicht mehr könne, hat die Fußpflegerin die weißen Striche sehr gut hinbekommen.

Nicht dass meine Füße so besonders herausstreichenswert wären, aber ich zähle es zu den ganz, ganz kleinen Freuden des Lebens die Lackierungen zu bewundern. Eine Zeit lang gefiel mir Kirschrot, dann ein ganz sattes Blau, aber diese starken Farben ziehen sich in die Nägel hinein und sie sehen unlackiert dann ganz gelb aus, daher bin ich wieder einmal für eine Weile bei french gelandet.

 

Mein Fußpflegestudio, gleich um die Ecke ist ein Kleinstbetrieb. Derzeit arbeiten dort die Chefin und eine Angestellte, früher hatte sie zwei Angestellte, aber die eine, die ich sehr geschätzt habe, war leider immer wieder krank. Die Chefin hat sie sehr lange gehalten, durch eine Schulteroperation, eine schwere Lungenentzündung und einen Armbruch, alles mit langen Krankenständen verbunden. Aber dann ging es um eine psychische Erkrankung mit völlig ungewisser Dauer und das konnte der Betrieb finanziell nicht mehr tragen. Sie machen nun also – auf unbestimmte Zeit – zu zweit die Arbeit, die sie zu dritt gemacht haben. Es dürfte ein Balanceakt sein, weil beide nur vier Tage in der Woche arbeiten bzw auch Urlaube haben oder womöglich krank werden. Die Angestellte macht Überstunden ohne Ende, die Chefin wahrscheinlich auch, dennoch muss diese Situation günstiger kommen als eine dritte Person anzustellen, zu bezahlen und zu versichern. Nicht einfach ist es, so eine Kleinstfirma zu führen, wenn man als Personalreserve immer nur selbst zur Verfügung steht und auch nicht einfach für die einzige Angestellte, die, sollte sie einmal krank sein nur von ihrer Chefin vertreten werden kann.

Diese Art von Problemen hat der Hausitaliener offensichtlich nicht. Das ist ein mittelgroßes Gasthaus mit vielen Angestellten, das vor einer Weile seine Preise ziemlich in die Höhe geschraubt hat. Bei näherer Betrachtung sind mehrere der Angestellten allerdings Familienmitglieder. Vielleicht wird das so gehandhabt wie bei den kleinen chinesischen Lokalen, wo jedes Mitglied der gesamten Großfamilie ein bissl mitarbeitet.

Der F meinte, dass die kürzlich begonnene Hauszustellung so gut funktioniere, dass sie sich leisten könnten, die Preise so zu erhöhen und die im Lokal anwesenden Kunden zu verärgern. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Jedenfalls gibt es auch Menüs, täglich mehrere verschiedene, die preislich ganz in Ordnung und abwechslungsreich sind. Am Geschmack war ohnehin noch nie was auszusetzen.