la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Montag 27.April 20

Heute am ersten Tag der 7. Woche Bewegungsbeschränkungen ist auch mein erster Tag Normalisierung. Meine Wohnung strahlt vor Sauberkeit, man kann geradezu von einem Staubmangel sprechen. Alles gesaugt, gewischt, gebügelt, aber ich war es nicht und der F auch nicht. Jaaaaaa, die Perle Nr. 2 war da. Sie ist in Kurzarbeit und hat daher viel Zeit für Nebenjobs. Glücklicherweise stehe ich auf ihrer Liste der möglichen Nebenjobs ganz oben.

Die Carnivoren-Erde ist eingetroffen, zwar nicht am Freitag wie angekündigt, aber immerhin heute. Die Verpackung war halb aufgerissen, ich dachte schon jemand hätte den Inhalt des Pakets herausgeholt und für eigene Zwecke verwendet. War aber nicht so.

Es sammeln sich schon etliche Schul-Termine an. Eine abschließende Prüfung da, eine Zulassungsprüfung dort. Alles nur Schein, denn de facto werden alle überall durchkommen. Wenn sich der Minister hinstellt und milde lächelnd verkündet, man möge großzügig sein… Ob das im Endeffekt wirklich großzügig ist, für keine Kenntnisse positive Noten zu vergeben, wird sich erst herausstellen. Ob dieses Leitmotiv ein gutes für ein Schulsystem sein kann ?

Das soll natürlich kein Symbolbild für lückenhafte Kenntnisse sein.

 


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Das richtige Maß eines Christbaums

Eine Tanne muss es sein, eine die genug Licht bekommen hat und so richtig dunkelgrün ist, so frisch gefällt wie möglich und aus der näheren Umgebung. Viele der in Wien verkauften Bäume stammen aus dem Waldviertel. Das passt. Dicht sollen die Zweige sein, dann können die Kugeln geheimnisvoll herausleuchten aus dem Grün.

Die Frage der Größe stellt sich. Die Höhe der Wohnung begrenzt den Baum nach oben. Soll er aber überhaupt so groß sein? Ich bin für das menschliche Maß. Für eine Familie mit mehreren Kindern soll der Baum wohl so hoch sein wie alle Kinder übereinander gestapelt. Von meinem Baum erwarte ich, dass er so hoch ist, dass es mir gerade gelingt die Spitze daraufzusetzen ohne auf irgendetwas draufsteigen zu müssen. Für Menschen, die sich ihrem Baum sitzend annähern, kann er problemlos auf dem Boden stehen und dafür sehr breit sein. Für jeden Menschen, für jede Gruppe von Menschen der richtige Baum. Für die lieber Baumlosen, zu denen ich viele Jahre gezählt habe, eben keinen Baum.

Wenn man christlich-religiös ist, passt vielleicht eine Krippe besser als ein Baum. Vor allem ein Nadelbaum, der in Wüstengebieten nicht unbedingt zu den häufigsten Pflanzen gehört. Trotzdem sieht man viele Krippen unter Tannenbäumen. Im Grunde ist der Weihnachtsbaum eine Verbindung von sehr altem und sehr neuem Brauchtum

Der Brauch Zweige zur Sonnenwende ins Haus zu holen ist uralt. Schließlich waren sowohl bei den diversen Germanenstämmen als auch bei den Kelten Bäume sehr wichtig. Geschmückte Weihnachtsbäume soll es ab dem 15.Jahrhundert geben, ausgehend von Nordeuropa. Gerade habe ich gelesen, dass man in Riga das 500 Jahre Jubiläum des geschmückten Weihnachtsbaums feiert. Diese Arten von Jubiläen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen. Der Wettstreit um den ersten geschmückten Weihnachtsbaum gehört aber zu den harmlosen Nationalismen.

Jedenfalls haben der F und ich heuer einen Weihnachtsbaum und schmücken ihn mit Kugeln, die in den letzten Jahren vor den Fenstern hingen oder an großen Zimmerpflanzen. Unhektisches Baumschmücken zieht sich über Tage. Heute ein Kugerl oder zwei , morgen ein Gewürzgesteck. Nichts Essbares. Der Baum soll ja gleichbleibend schön sein und nicht nach ein paar Tagen wie ein Emmentaler aussehen.


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Montag 2.12.19 – Dächer und warmes Essen

Eiskalt ist es geworden. Die Dachspengler, die meine Terrasse aufgerissen haben, müssen ordentlich gefroren haben. Es geht wie schon öfter um die Abdichtung, die Nachbarn darunter haben einen Wasserfleck in der Decke und die undichte Stelle muss gefunden werden.  Geplant war, dass sie heute fertig werden, aber als ich am späten Nachmittag nachhause kam, war ein großes Stück aufgerissen, nicht einmal irgendwie zugedeckt, die Spengler verlassen sich offenbar auf den Wetterbericht. Von den Arbeitern war weit und breit nichts zu sehen, sie hatten nur ein paar Flaschen Limonaden zurückgelassen. Eindeutig besser als leere Bierflaschen. Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass der Konsum von Alkohol auf Baustellen stark zurückgegangen ist. Eine eindeutig positive Entwicklung, vor allem bei nicht ungefährlichen Berufen wie Dachspengler.

Wegen Verkühlung und allgemeinem Zeitmangel war ich fast drei Wochen nicht beim Kieser-Training, bin aber heute gut wieder reingekommen und habe meine verspannte Schulter wieder „entspannt“. Die Wirkung ist eigentlich erstaunlich, weil bei Kieser nur Kraftmaschinen stehen, trotzdem funktioniert die Sache mit der Schulter immer. Umso besser.

Der F und ich ernähren uns eigentlich zuhause nicht besonders gesund. Zu Mittag esse ich meistens in irgendeinem Lokal und der F befüllt die Mikrowelle in seiner Firma. Aber an den meisten Abenden hat niemand Lust zu kochen. Vielleicht spielt sich das wieder ein, schließlich ist die wöchentliche Bio-Kiste nicht gerade herausragend preisgünstig und wenn das Gemüse immer nur verschenkt wird, freut das meistens die Nachbarn, bringt aber für uns selbst gar nix. Tja, von selbst wird es sich kaum einspielen, es braucht wohl etwas Energie, die irgendwo anders abgezogen werden muss, was derzeit etwas schwierig ist. Manchmal genügt aber auch ein kleiner Anstoß ….


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Mittwoch 17.7.19 – Putzchroniken bei Vollmond

Vor ein paar Wochen ist unser jahrzehntelanges Hausmeisterpaar in Pension gegangen. Sie haben ein Abschiedsfest veranstaltet, wir haben alle – etwas dramatisch – gejammert, dass sie uns doch nicht so allein lassen können und wer wird denn dann……. und wie werden wir denn dann etc. Alles ganz klassisch und wie es sich gehört.

Als Nachfolge wurde eine Firma engagiert, die so einen blöden Irgendwas-4you – Namen hat, Putzen4you oder Sauber4you oder etwas Ähnliches. Heute habe ich unsere neuen Putzmänner das erste Mal gesehen, sehr nett waren sie und sehr fleißig. Einmal in der Woche kämen sie. Aha, also einmal in der Woche hat der Hausmeister bzw seine Frau sicher nicht geputzt. Den Putzwagen mit allen Utensilien haben die Neuen im Aufzug auf und ab fahren lassen. Die Nachbarin mit der ich in Begleitung des Putzwagens hinuntergefahren bin, meinte recht begeistert, dass die Garage noch nie so sauber gewesen wäre. Womöglich hätten wir es immer schon sauberer haben können.

Gestern habe ich endlich einmal eine Mondfinsternis von Anfang bis Ende gesehen. Zwar nur eine sehr partielle aber immerhin. Ich fand es sehr interessant, wie verschwommen das Licht gewirkt hat während ein Teil des Mondes dunkel war. Die genauen Konturen des Vollmondes sah man est wieder als er voll beleuchtet und die Erde weitergezogen war.


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Wir standen beim Ikea-Schalter …….

„Was ? 200 € für die Montage von 2 Kästen ?“ sagte der F. „Lächerlich, das machen wir selbst!“

„Äh, wir ?“ sagte ich.

Nach den fünf ersten Stunden höchst schweißtreibender Tätigkeit: „Also eigentlich wären die 200 doch gar nicht so teuer gewesen“

Nach zwei Tagen Arbeit und unendlich vielen Kleinigkeiten, die wahrscheinlich jeder Handwerker im kleinen Finger hat, wir uns aber mühsam erarbeiteten mussten: „Also 200 sind für die Schufterei durchaus angemessen“

Und nach drei Tagen Arbeit, 20 Litern Schweiß, x-maligen Neuanfängen, dem Adjustieren von Türen im Blindflug und und …. „eigentlich preiswert die 200, ich glaube ich hätte sogar das Doppelte bezahlt, wenn ich vorher gewusst hätte, was ich mir da erspart hätte“Zu spät !

Tja, das Wochenende war mäßig erholsam, aber wir haben doch sehr an Stauraum gewonnen und Vielfältiges gelernt über den Möbelbau und über einander. Meine Kenntnisse im Südoberösterreichischen Idiom konnte ich auch ausweiten: ich weiß jetzt, dass „daune“ nach vorne heißt und nicht nach hinten, was ja nicht unwesentlich ist, wenn ein Teil eines schwereren Trumms in eine vorgegebene Öffnung gehoben werden soll.  Zwei von den Türen sind allerdings immer noch nicht gerade, eine Wissenschaft das Adjustieren von Türschanieren, aber das wird noch. Und was für wunderbare neue Werkzeuge wir jetzt besitzen, vom handlichen Akkuschrauber über einen Leichthammer bis zu diversen neuen Bohrern für die Bohrmaschine.

Sehr zufrieden bin ich mit meinem Hüftgelenk, das problemlos alles mitgemacht hat, das Bücken, das Heben, das Strecken, das Drehen und das am Boden Herumkriechen. Ich habe gar nicht daran gedacht ….


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Freitag 28.6.19 – Halbzeit

Turbulent war unser erster Montage -Tag. Auf dem Weg zum Baumarkt um einen Akku-Schrauber zu erwerben, gab ein Fensterheber von Fs Auto den Geist auf und er musste es in eine Werkstatt stellen. Auch sein handy lag in den letzten Zügen und musste ausgetauscht werden. Dann machten wir uns an die Montage der Kästen. Es ist nicht wirklich schwierig, doch manchmal liegt die Tücke im Detail. Glück hatten wir mit dem Wetter, die Temperaturen kamen nicht an dreißig Grad heran und man konnte fast den ganzen Tag lang alle Fenster offen halten und so einen leichten Luftzug erzeugen. Es war trotzdem alles recht schweißtreibend, aber doch erträglich. Das größere Stück steht, noch ohne Türen und Innenleben. Heute schaffen wir hoffentlich auch das zweite, kleinere Stück samt Türen und Innenleben. Falls nicht, ist es auch nicht schlimm, wir haben ja keinen Zeitdruck.


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Mittwoch 26.6.19 – Schattenslalom und Schwerstarbeit

Aus dem klimatisierten Bus gestiegen, jetzt circa fünf Meter zum nächsten beschattenden Vordach, Strecke geplant: immer an der Wand lang auf der Schattenseite der Straße, ein Schwenk in die Sonne dort wo die heiße Luft aus der Klimaanlage vom Ärzteturm kommt. Ein Schwall heißer Luft. Die vielen Klimaanlagen machen die Luft natürlich noch heißer. Andererseits kann niemand bei 35 Grad vernünftig arbeiten. Ein Teufelskreis. An der Einkaufsstraße angekommen, hier gibt es keine Schattenseite aber Bäume, also die kürzestmögliche Distanz schräg hinüber zu den Bäumen und dem Wasserbecken, wo ein paar Leute wie matte Fliegen auf den Bänken sitzen.  Dann die Arkaden, durch das klimatisierte Einkaufszentrum, kleiner Zwischenstopp in der Bücherei, von dort eine relativ lange Strecke bis zum U-Bahn-Eingang, hinunter in die relative Kühle der Passage, dort ist das ÖBB-Büro.

Zum Glück ist der unterdurchschnittlich kompetente Angestellte nicht da, der mir versichert hat, man könne bei ihm kein Ticket der Deutschen Bahnen erwerben, er könne noch nicht einmal über Preise Auskunft geben. Sein Kollege braucht für das Unmögliche 5 Minuten. Irgendwann werde ich meine diversen Tickets per Internet kaufen, aber noch bin ich dazu nicht frustriert genug und kaufe bei Reisebüros und Bahnschaltern. Außer die Hotels, die buche ich online.

Gerade sind die Möbelpakete-Lieferanten mit einem großzügigen Trinkgeld abgezogen. Unser Aufzug ist niedrig, Pakete, die 2,50 hoch sind, passen da nicht hinein. Die beiden mussten alles in den 6. Stock schleppen und haben extrem geschnauft und geschwitzt. Nun denn, jetzt steht das Rohmaterial da und die nächsten, die hier schwitzen werden, sind der F und ich.


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Freitag 22-6-19 – Verabschiedungsfeste

Vormittags in der Schule „The final show“, die früher „Fest der Kulturen“ hieß und unsere schulische Abschlussfeier für die SchülerInnen ist. Es werden nach wie vor verschiedene Workshops veranstaltet, deren Ergebnisse dann präsentiert, vorgelesen, vorgetanzt, vorgespielt, vorgetrommelt ….. werden. Bis vor einem Jahr beschäftigten sich viele der Workshop mit den Tänzen verschiedener Volksgruppem. Es gab serbische, kroatische, türkische, bosnische, tschetschenische Tänze. Volkstänze mögen gefallen oder auch nicht, wir hatten aber auf jeden Fall genug von den nationalistischen Auftritten vieler SchülerInnen, vom Fahnengeschwenke und dem sich Einwickeln in Fahnen. Es ist ganz und gar erstaunlich, welch große Rolle Volksmusik und Volkstänze bei den MigrantInnen der zweiten und dritten Generation noch spielen.

Jedenfalls wurden die Workshops verändert und diversifiziert. Im Bereich Tanz gab es einen Salsa-  und einen Latin-dance-Workshop. Das Tanzen war bei der großen Hitze im Haus ohnehin eine ziemliche Leistung, egal in welcher Bekleidung. Salsa in schwarzen Schleiern fand ich bewundernswert.

Einen kleinen nationalistischen Rückschlag gab es dann doch. Im Graffiti-Workshop sollten die TeilnehmerInnen zunächst einmal eine kleine Überlegung anstellen, was sie darstellen wollten. Ein Teilnehmer erfreute mit dem Schriftzug „Balkan“, zwei andere sprühten je eine Fahne, die mazedonische und die pakistanische. Ich finde es wirklich bedenklich, wenn Jugendliche ihre Kreativität nur aus nationalistischen Symbolen schöpfen, noch dazu junge Menschen, die die Heimatländer ihrer Eltern und Großeltern nur von kurzen Besuchen und teilweise überhaupt nicht kennen.

Abgesehen von diesen Details hat alles wunderbar funktioniert von Schachspielen über Origami bis zum poetry-slam waren die Workshops weit gestreut und trotz der Hitze hat es den TeilnehmerInnen offensichtlich Spaß gemacht.

Ein ganz anderes Abschiedsfest besuchte ich dann noch am Abend: unser langjähriges Hausbesorger-Paar geht in Pension und zieht aus, ein wahrer Jammer. Die Nachfolge wird von irgendwelchen Reinigungs- und Schneeräumfirmen angetreten, die in keiner Weise Ersatz sein können für im Haus wohnende und arbeitende Hausbesorger. Die Stadt Wien hat in ihren Gemeindebauten seit vielen Jahren die Hausbesorger durch anonyme Reinigungsfirmen ersetzt, hat aber in letzter Zeit doch den Wert der Berufsgruppe der Hausmeister erkannt und es gibt einen Gegentrend. Aber es ist ja immer das gleiche, niemand will von anderen lernen und alle Gruppen müssen die gleichen Fehler machen, bevor es eine zufriedenstellende Lösung gibt.

 


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Samstag 11.5.19 –

Ich freue mich ja jedesmal, wenn mir irgendetwas unterkommt, was in einem europäischen Land auf den ersten Blick anders ist als in allen anderen Ländern. Wir laufen ja alle im gleichen Gewand herum, wohnen in den gleichen Möbeln etc. Auch die Frühstückbuffets in den Hotels sind meistens sehr ähnlich. In Holland haben mich dann die Streusel überrascht. Der F hatte mir schon erzählt, dass man in Holland diverse Sorten von Zuckerstreusel aufs Brot frühstückt, ich hätte aber nicht erwartet sie auch im Hotel vorzufinden. Früher aß man sie aufs Brot, heute auf Pancakes. Pancakes unterscheiden sich wohl nicht besonders von Palatschinken oder Pfannkuchen.

Ich habe mich heute im Zentrum von Wien herumgetrieben; zunächst um mir meine gewaschenen Teppiche anzusehen und zu entscheiden, ob die leichten Schäden ausgebessert werden sollen oder nicht. Eine Preisfrage. Viele, viele, viele Touristen schoben sich durch die Kärntnerstraße und über den Graben. Kaum weniger als zu Ostern. Aber immer noch muss man nur in eine beliebige Seitengasse wechseln und weg sind sie. Eigentlich seltsam, die Seitengassen sind oft, fast immer viel interessanter als die Hauptwege. Mein Highlight war ein asiatischer Tourist, der von seiner Begleiterin dabei fotografiert werden wollte, wie er an einem Nobelwürschtlstand in einen hotdog hineinbiss. So gerne hätte ich fotografiert, wie sie fotografiert, wie er …… naja lassen wir das. Der junge Mann, der an einem Stehtisch vor dem Trzesnieswki fast in seinen Teller hineinkroch bzw sicher sehr gerne – als ideale Fotoposition – vom Himmel gehängt wäre, war auch ein netter Anblick. Aber keineswegs möchte ich Leute kritisieren, die alles und jedes fotografieren. Ich kann das sehr gut verstehen, wenn es mir auch heftig auf die Nerven fällt, wenn es andere Leute tun.

Manchmal wundere ich mich darüber, was für immense Gewinnspannen viele Geschäfte haben müssen. Sie verdienen immer noch, wenn sie manches um 70% verbilligen, zu jeder Gelegenheit – wie zum Beispiel zum Muttertag 20% Rabatt gewähren ….. Andererseits müssen sie halt mit dem online-Handel mithalten.


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Freitag 12.4.19 – Teppichgewäsch äh….. -gewasch

Am anderen Ende der Stadt, im immer noch nicht fertig ausgeräumten Haus, war ich mit dem Abholservice vom Teppichwäscher und -restaurierer verabredet. Ein Fachmann ist ein Fachmann, er sieht sofort, dass der große Teppich kein Nain ist sondern ein Isfahan, dass die  kleinen angeblichen Seidenteppiche aus Wolle sind, chinesische Teppiche mit tibetischen Mustern. Die changierenden Farben, die die Seide vortäuschen, werden durch irgendeine Bearbeitung der Wolle erreicht. Handgeknüpft sind sie alle.

Ein kulturgeschichtliches Detail am Rande: die Firma Adil Besim, ein renommiertes Wiener Teppichgeschäft dessen Namen an orientalischen Teppichhandel erinnnert, gehört tatsächlich einer Familie, die Böhm hieß. Im Jahr 1946 fand Adolf Böhm, dass sein Name wohl gerade nicht zu den allerbeliebtesten gehörte und gründete seine Firma unter dem Namen Adil Besim.

In Null komma nix waren die Teppiche von der Wand geholt, vermessen und eingerollt und ich erfuhr noch manches für mich erstaunliche Detail über die Pflege von Teppichen. Etwa, dass es ihnen viel besser bekommt, wenn man täglich darüber geht als wenn sie an der Wand hängen. Umso besser, ich mag ohnehin keine Wandteppiche sondern solche über die man gehen und auf denen man sitzen kann.

Ein (fast) leeres Haus hat etwas sehr bedrückendes. Von allen Seiten fallen die Erinnerungen, die guten und die schlechten. Der vor Kompetenz strotzende Teppichmann hielt die Erinnerungsbilder in den Wänden fest, aber kaum war er weg, setzten sie sich in Bewegung und ich flüchtete ziemlich schnell. Unterwegs dachte ich mir, dass der für den Nachmittag vereinbarte Friseurtermin mir das genau richtige Maß an Erdung bringen würde. In emotional angespannten Situationen finde ich Banalitäten manchmal entspannend und manchmal machen sie mich aggressiv. Dieser Friseurbesuch war sehr entspannend, weil die Friseurin mit ihren Gedanken ganz woanders war und ich keine Fragen über Urlaube, Weihnachtsgeschenke oder Osterplanung beantworten musste.

Tiefe und Banalität liegen immer eng beieinander, man muss sich nicht bemühen sie auseinander zu halten.

 


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Samstag 6.4.19 – Pflanzungsbeginn

Der leider eingegangene Birnbaum wurde heute durch einen neuen, kleinen Apfelbaum ersetzt. Nun sind es zwei Apfelbäume und ein Pfirsichbaum. Einen weiteren Baum haben wir erworben: Hakuro Nishiki – Salix integra oder Flamingobaum. Ein sehr interessantes Gewächs, das schon recht groß ist und nur schwer im Auto unterzubringen war. Er stand ganz hinten im großen Kofferraum und kitzelte mich vorne an der Nase. Ein geselliges Bäumchen, und wenn er nur annähernd so attraktiv wird wie auf Fotos, wird er auch noch eine wahre Augenweide sein. Bambus haben wir auch gekauft, der große, schwarze Bambus, der ein paar Jahre lang vor meinem Schlafzimmer gerauscht hat, hat leider den Winter 2017/18 nicht überlebt.

Im vorigen Sommer war die Terrasse ziemlich vernachlässigt, weil ich kaum etwas machen konnte, das kaputte Hüftgelenk jaulte nach kurzer Zeit gärtnerischer Betätigung schon ziemlich laut und rächte sich mit anschließender Steifheit. Jetzt geht alles wieder prächtig, das Bücken, das Heben, das Sitzen.

Die Obstbäumchen sind fast abgeblüht, der Flieder hat schon Blüten angesetzt, der neue Feigenbaum hat Knospen, die sehr verheißungsvoll aussehen, der Ginkgo ist schon ganz grün. Das Gärtnerinnenherz lacht. Geschleppt hat allerdings der F. (Bussi) und mehrere kaputte Stümpfe ausgerissen. Viele blühende Kleinpflanzen haben wir auch mitgebracht. Der Gartenmarkt war so voll, dass man den Eindruck hatte, ganz Wien wäre heute auf Pflanzenjagd gegangen, weil es der einzig richtige Tag für den Beginn der Blütensaison ist. Vielleicht ist es das auch, es hat sich jedenfalls sehr gut angefühlt. Im Gastgarten war es dann allerdings zu kalt und wir sind drinnen geblieben. Allzuviel Frühling ist noch nicht und es soll die ganze Woche über sehr unbeständig und teilweise regnerisch sein. Regen nach dem Pflanzen passt ideal, daher ist dieses Wochenende vielleicht wirklich der ideale Ausgangspunkt.

Am nächsten Wochenende ist Raritätenbörse im Belvedere. Ich hoffe auf Schachtelhalme!!


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Alltag #4 – Wandlungen oder Stufen

Ullis Alltagsprojekt

Alltag ist nicht gleich Alltag, je nachdem in welcher Phase unseres Lebens wir uns befinden, in welchem körperlichen oder psychischen Zustand. Unsere Befindlichkeiten verändern unsere Wahrnehmung der Umwelt ebenso wie unsere eigenen Handlungen und Beschäftigungen. So war mein Alltag in den letzen Wochen sehr stark von meiner Hüftoperation bestimmt, von der Einschränkung in den ersten Tagen und der langsamen Normalisierung und vom Thema Stufen, um das es hier gehen soll.

Monate vor der OP konnte ich nur noch mit einem Bein voraus Stufen steigen, nun geht alles wieder und völlig schmerzfrei, aber ich muss mich erst selbst davon überzeugen, dass das wirklich so ist. So waren gestern Abend die drei Stockwerke im Altbau ohne Lift, die ich erklimmen musste um einen Freund zu besuchen in meinem Kopf eine echte Hürde. Nur im Kopf allerdings, denn tatsächlich bin ich völlig normal hinauf und hinuntergegangen.

Das ist eine Bassena. Das war in dieser Art Wiener Zinskaserne die einzige Wasserquelle für alle Wohnungen des Stockwerks. „Bassenatratsch“ nannte man die Informationen, die beim Wasserholen ausgetauscht wurden. Heute haben die meisten dieser Substandardwohnungen Wasser in der Küche und eine irgendwo eingebaute Duschkabine. Das allgemeine Klo am Gang gibt es aber durchaus noch.

Der Beginn des „Aufstiegs“. Die Steinstufen sind von über hundert Jahren Benützung abgenützt. Ich bin dieses Stiegenhaus schon oft hinaufgegangen, aber noch nie sind mir diese Figuren am Geländer aufgefallen. Ich habe auch einen Moment gebraucht um mich zu überzeugen, dass ich Stufen steigen kann.

Natürlich gab es auch ein Geländer. Wie Benita Wiese so richtig anmerkte, gehört das wahrscheinlich zur Bauvorschrift. Es war noch nicht einmal rostig, weil aus Holz. Das Haus ist insgesamt nicht allzu verwahrlost, da habe ich schon andere gesehen, und das Schmiedeeisen eigentlich sehr hübsch. Das ist nun die positive Seite meiner Stiegenangst, das Bemerken von Details.

  Ich hoffe diesen speziellen Aspekt meines derzeitigen Alltags möglichst bald wieder vergessen zu können, davor muss ich aber leider erst vergessen, dass Stiegensteigen ein Problem ist und das gestaltet sich etwas zäh.