la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


22 Kommentare

Mittwoch 18.11.20 – Ateliergesäusel

JUHUUU, es ist soweit. Heute haben wir den Mietvertrag unterschrieben; mit Zusatz aus der Juristenfeder meiner Schwägerin, aber die beiden jungen Männer, deren Agentur das Atelier vermietet, sind so sympathisch und authentisch, dass es wohl gar nicht notwendig gewesen wäre. Vorsicht schadet ja aber nie. Es ist ein Vertrag für 4 Jahre geworden mit 3monatiger Kündigungsfrist für alle Beteiligten.

Ab 1. Dezember bin ich also 1/3 Teilhaberin an einem Atelier. Ein sehr schönes Gefühl und der Beginn von etwas. Was genau ist noch nicht definiert, aber es wird sich entwickeln in welche Richtung auch immer.

Zunächst müssen wir dann einmal einziehen. Vorläufig haben wir jede/r eine Staffelei, der D. spendet zum Einstieg zwei Klappsessel und die A. hat einen Tisch zu vergeben. Der D. freut sich schon auf den Tag, an dem die Baumärkte wieder aufsperren um Farbe und sonstiges zu erwerben. Ich hätte so meine Bedenken, wenn ich nicht selbst gesehen hätte, wie gut und kompetent er an seinem Haus in Irland selbst gearbeitet hat. Die Wände des Ateliers sind holzverschalt und dieses Holz soll heller gestrichen werden. Über die Farbe müssen wir uns noch verständigen, aber ein heller Anstrich macht einen Raum freundlicher und größer. Bei einer Größe von 40 m2 ist das kein Luxus.

Wir haben ja einen Shut-Down, aber mit hundert Ausnahmen, so dass sich ohnehin für jeden Aufenthalt im öffentlichen Raum eine passende Begründung findet und so ist es natürlich auch kein Problem einen Vertrag unterschreiben zu gehen. Ich bin 3 Stationen mit dem Bus gefahren und den Rest zu Fuß gegangen, es ist wirklich sehr nah von meiner Wohnung. Unterwegs habe ich auch ein paar abstrakte Nachtlichtbilder probiert. Das ist der Eingang des Ateliers von außen, beleuchtet, weil die Handwerker dort noch arbeiten.


26 Kommentare

Montag 16.November 2020 – Der zweite

Der Lockdown Nummer 2 also, ab morgen. Beim ersten Mal war ich froh, dass alles heruntergefahren wurde, inklusive Schulen. Es kam mir damals etwas unheimlich vor, mit den Öffis zu fahren, große Gruppen zu unterrichten. Dabei waren die Infektionszahlen im März bei gerade 100 pro Tag, vor kurzem waren sie bei fast 10.000. Angeblich sollen die österreichischen Zahlen pro Million Einwohner die höchsten der Welt sein. Das glaube ich nicht so ganz, denn die Zahlen, die aus manchen Ländern gemeldet werden, sind wahrscheinlich nicht besonders glaubwürdig. Aber schlimm genug wäre es schon, die höchsten Zahlen Europas zu haben.

Tatsächlich hat sich das distance-learning als ziemlich anstrengend für alle Beteiligten entpuppt und in weiterer Folge als Ursache für eine katastrophale Vergrößerung der Gräben zwischen von zuhause geförderten Kindern und solchen, deren Eltern sie gar nicht unterstützen können oder wollen. Beim zweiten Durchgang des Lockdown soll wieder der gesamte Unterricht auf distance-learning umgestellt werden. Die älteren Schüler*innen schaffen das ganz gut, die kleineren aber nicht. Abgesehen vom Kanzler war so ziemlich die gesamte Regierung und viele andere Entscheidungsträger gegen die Schulschließungen. Aber der Herr Kurz lässt ja keine großen Zweifel darüber, wer das letzte Wort hat.
Es haben aber schon viele Schulen Systeme ausgeklügelt, wie sie doch unterrichten können. Die Schulen sind ja nicht geschlossen, es findet eine Betreuung statt und immerhin beim zweiten Durchgang ist man darauf gekommen, dass man ja statt die Kinder nur zu bespaßen die Gelegenheit nützen könnte, gerade die schlechteren Schüler*innen zu fördern. Das Unterrichtsministerium verteilt Tablets und Laptops an Schüler*innen und Sonderverträge an Lehramts-Studierende in hohen Semestern. Eine österreichische Lösung: bei ungeliebten Bestimmungen gibt es so viele Ausnahmen und Sonderfälle , dass man sich die Regelungen genauso gut hätte ersparen können. Wir Österreicher sind noch aus Habsburgszeiten ein ziemlich autoritätsgläubiges Volk, andererseits ist aber die kreative Umgehung von Gesetzen und Bestimmungen, die einem selbst nicht sinnvoll erscheinen, ein beliebter Volkssport.

Diesmal bin ich am Tag vor dem Lockdown ziemlich nervös. Den ganzen Tag lang habe ich den Eindruck, dass ich irgendetwas vergessen haben muss, dass ich unbedingt vor dem Schließen des gesamten Handels besorgen müsste. Aber was ? Sicher keine Gegenstände des täglichen Gebrauchs, ich bin immer schon eine große Vorratshalterin gewesen, ganz abgesehen davon, dass die Supermärkte nicht schließen. Ich weiß einfach nicht, woher diese Unruhe gekommen ist. Jetzt ist es auf jeden Fall ohnehin zu spät.


18 Kommentare

9. November 2020

Heute kommt zu der allgemein wunderbar heiteren Stimmung bedingt durch Pandemie und Attentat noch der Faktor des Gedenktages an das Novemberpogrom 1938 hinzu. 82 Jahre ist das her und noch immer stehen überall auf der Welt aus gegebenem Anlass Polizei und Soldaten vor Synagogen und sonstigen jüdischen Einrichtungen. Bis vor wenigen Jahren sprach man noch in reinstem Nazijargon von der „Reichskristallnacht“. Ich werfe das niemandem vor, ich habe den eigentlich unsäglichen Begriff auch verwendet.


13 Kommentare

Stadt, Wasser, Dunkelheit

Derzeit bin ich ja nicht oft nachts unterwegs, noch nicht einmal im Dunklen am Nachmittag. Umso mehr begeistern mich die nächtlichen städtischen Regenimpressionen. An manchen Bildern könnte man sicher auch noch ausgiebig herumschneiden und sonstwie bearbeiten, aber diese und die noch folgenden sind alle unbearbeitet mit Ausnahme von einem Ausschnitt.

 Fortsetzung folgt


17 Kommentare

Donnerstag 5. November, sehen und fühlen

Ich hatte die Fernsehbilder des Attentats gesehen, Analysen und Berichte gehört, jede Menge, aber ich spürte es nicht. Ein Attentat in meiner Stadt, an Orten, die ich sehr gut kenne und ich spüre nicht mehr und nicht weniger als ob es irgendwo auf der Welt wäre? Die Abstumpfung durch die ständigen Nachrichten von den Gräueln auf der Welt ? Ich hatte das dringende Bedürfnis den Ort des Geschehens zu sehen und so fuhr ich in die Wiener Innenstadt.

Die Bodenmarkierungen, wo Tote und Verletzte lagen, durchnummeriert in leuchtendem Grün, rote Friedhofskerzen, weiße Rosen, der ein oder andere Spruch, Kränze. Viele Polizisten waren präsent, hielten sich aber so gut wie möglich im Hintergrund. In den engen Gassen ist das nicht so einfach. Sehr viele Menschen, aber eine große Stille, eine eigenartige Stimmung, mehr nach Weinen als nach Wut. Jetzt war ich eingetaucht.

Die Ruprechtskirche, die älteste Kirche Wiens angeblich aus dem 8 Jahrhundert, urkundlich erstmals erwähnt im Jahr 1200, das alte Kopfsteinpflaster, die vielen kleinen Lokale. Wir befinden uns in Wiens Ausgehviertel in der Altstadt, Bermudadreieck genannt. Es ist auch ein altes jüdisches Viertel. Die Synagoge in der Seitenstettengasse mitten drin, daneben das Verwaltungszentrum der jüdischen Religionsgemeinschaft. Auch hier keine Nervosität, es stand noch nicht einmal Polizei genau vor diesen Gebäuden. Man geht ja auch nicht davon aus, dass dieser Anschlag einen antisemitischen Kern hatte. Auch die sonst überall in Gruppen herumstehende Polizei ist gelassen, von Nervosität merkt man nichts.

Die Leute stehen rund um die Plätze wo Kerzen und Blumen hingelegt werden. Meist ist das dort, wo die grünen Markierungen wahrscheinlich erst vom nächsten Regen wieder weggewaschen werden. Es gibt ja derzeit kaum Touristen in Wien und erstaunlich wenige Handys werden gezückt, ein paar Kameras mit riesigen Objektiven. Ich habe zwar eine Kamera mit, möchte aber keine voyeuristischen Fotos machen. Ich habe schlichtweg nicht das Bedürfnis irgendwelche Fotos zu machen. Es wundert mich selbst, ist aber so. Unter normalen Umständen springen mich die Motive von allen Seiten an. Es könnte sein, dass das nicht funktioniert, wenn der Blick nach innen gerichtet ist.

Die grün leuchtenden Zahlen, die für die Toten und Verletzten stehen, sind eng beieinander. Man kann sich gut vorstellen, dass eine Person in neun Minuten an allen diesen Orten geschossen hat, dass es tatsächlich ein Einzeltäter war. Die Leute gehen herum wie zwischen Gräbern, betroffen, leise. Hin und wieder spricht jemand und merkt selbst, dass er zu laut ist.

Ich bin froh, dass ich hingefahren bin, es ist doch meine Stadt.


30 Kommentare

Steiniger Herbst

Schon von weitem sah diese kleine Steinmauer zwischen den Weinbergen attraktiv aus, mit den verschiedenen Bauelementen und den Steinmännchen oben drauf. Die Details aus der Nähe waren noch ungewöhnlicher

Außerdem wurde ich wieder einmal in meiner Überzeugung bestärkt, dass man entweder gar keinen Lavendel hat oder sehr viel


3 Kommentare

Montag 26.Oktober 2020 – Weinberge und Wälder

Den heutigen Nationalfeiertag haben wir begangen indem wir die Reste von gestern verspeist und dann einen Herbstfarbenschau-Spaziergang unternommen haben. Nur ein paar Kilometer südlich von Wien durch die Weinberge und ein Stück im Wald. Wir waren nicht allein auf weiter Flur aber es war natürlich auch nicht wie in der Stadt. Unglaublich wie die gelben Blätter, die im Wald am Boden liegen, geleuchtet haben.

Derzeit ist fast alles gelb mit wenig rot dazwischen. Wir hoffen, dass noch alles richtig schön rot wird, bevor die ganze Pracht von Regen und Nebel gefressen wird.


4 Kommentare

Sonntag. 25.Oktober 2020

Die Gemüseschlacht ist geschlagen. Das Essen hat allen gemundet und die Gäste haben ihrerseits einen köstlichen Obststrudel mitgebracht und hinterlassen. Dank dem F, er sei gelobt und gepriesen, sind auch die Überbleibsel der Schlacht in Form von benütztem Geschirr schon wieder verschwunden statt mich hämisch anzusehen, wenn ich in die Küche komme und mir jede Lust auf weitere Kochaktionen zu verderben.

Das Projekt „Atelier im Gemeindebau“ dürfte schon gestorben sein bevor es überhaupt so richtig in die Gänge gekommen ist. Es gibt schon 10 Anmeldungen vor mir und in solchen Systemen kommt man nie beim ersten Mal dran. Ich müsste mich wahrscheinlich für ein Dutzend anderer Objekte auch bewerben und wäre dann irgendwann an der Reihe. Das bringt mir aber nichts, weil ich mich nur für dieses bestimmte Atelier interessiere.