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Supermarktgeflüster

Sehr bemerkenswert finde ich, dass auf dem Gurkensalat „vegetarisch“ draufsteht. Ob es auch eine fleischige Variante davon gibt?

An der Wursttheke sagt der freundliche junge Mann wie alle seine Kolleginnen und Kollegen „noch was, Dame?“ Langsam gewöhne ich mich an diesen Spruch, zumal am Tonfall erkenntlich ist, dass es nicht unhöflich gemeint ist. Allerdings gibt es neuerdings auch einen einzigen einheimischen Angestellten, der das klassische „noch einen Wunsch?“ benützt. Es wird spannend, wie sich die Wursttheke sprachlich orientieren wird.

An diesem Supermarkt dessen einziger Vorzug es ist, in der Nähe meiner Wohnung zu sein, sieht man die großen Personalprobleme, die es nicht nur in der Lebensmittelbranche gibt. Wenn ich irgendetwas suche und jemanden danach frage, ist es mir noch kaum jemals passiert, dass der/die angesprochene Angestellte die Antwort gewusst hätte. Es werden dann noch eine/r, zwei, drei …. andere herbeigerufen, die dann miteinander rätseln, ob sie das gesuchte Produkt wohl haben könnten und wenn ja wo. Oft kommt die Filialleiterin dazu und kann das Problem lösen …

Aber alle diese fachlich völlig unbeleckten, jungen Menschen (man muss ihnen einmal dabei zusehen, wie unglaublich ungeschickt und langsam sie sich dabei anstellen zB ein Stück Kuchen in eine Box zu befördern oder ein Stück Fleisch abzuschneiden) sind überdurchschnittlich freundlich und nett. Irgendwann werde ich mich hoffentlich dazu durchringen können, diese Freundlichkeit höher einzustufen als den Mangel an Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Wissen über die einzelnen Produkte.

Montag 29.August 2022- Geselligkeiten

In letzter Zeit habe ich eine für meine Verhältnisse extrem gesellige Phase. Wenn ich in einer Woche viermal weggehe, so ist mir das fast zuviel. Aber am Montag Abend mit einer Gruppe ehemaliger Kolleginnen abends im Museumsquartier zu sitzen, neben dem Leopoldmuseum war doch entspannt und informativ. In Wien gibt es ja schon wieder einen gewaltigen Aufreger über unseren lokalen Energieversorger und auch sonst hat es an Themen nicht gefehlt.

Das war die erste Station des Fotospaziergangs

Nachdem ich mit meiner Architektinnenfreundin unterwegs war, sind wir an einer Menge Architektur vorbei geschlendert. Zuerst die Hundertwasser-Müllverbrennungsanlage, dann ein Uni-Komplex mit einer Papageienrettungsanlage, wo wir durch eine große Menge Papageien aller Arten spaziert sind, die alle zumindest „hallo“ sagen konnten. Zum Abschluss haben wir uns ein Essen bei einem Vietnamesen gegönnt, wo es ein Mango-Lassi mit Kokos gab und eine große Auswahl an Sommerrollen.

Mittwoch 24. August 2022

Ich komme gerade von der Physiotherapeutin, die meine Faszien wunderbar durchgeknetet hat. Während der Bearbeitung ist es grauslich, aber nachher wunderbar. Ein geradezu schwebendes Gefühl. Sie hat mir aus heiterem Himmel mitgeteilt, dass ich auch damit rechnen muss, dass der Nerv nicht wieder so wird, wie er war. Sie hätte schon so oft gesehen, dass gerade der Peroneus , wenn er einmal geschädigt wurde nur sehr schwer wieder zur vollen Funktion gebracht werden kann. Ja, danke, das weiß ich selbst auch. Mit sensibilisiertem Blick habe ich auch auf der Straße eine Menge Leute gesehen, die den einen Fuß anders aufsetzen als den anderen. Ich bemerke auch beim Radfahren, dass ich den gesunden Fuß mit dem Ballen aufs Pedal stelle, den anderen aber mit der vollen Sohle. Was sie als gutes Zeichen gewertet hat, ist, dass es bessere und schlechtere Tage gibt.

Gestern und heute habe ich sehr viel Zeit online verbracht, was ich nicht gut finde. Wenn ich etwa wie heute vor der Tür der Therapeutin stehe und noch schnell etwas auf dem Blog lese, dann ist das eindeutig ungesund, eine Stunde später steht auch noch dasselbe da. Ich freue mich also darauf heute Abend mit den Atelierkollegen zu essen und einen großen Sommertratsch zu halten.

Eine Art Spiegelung der Spiegelung

Ein ganz seltsames Foto. Ich wollte die Uhr hinter Glas fotografieren und habe mich, wie ich das immer tue zur Seite gestellt um selbst nicht auf dem Bild zu sein. Das Gebilde hinter der Kamera ist nicht mein Kopf sondern ein Tor. Nun war aber einerseits die Scheibe extrem dreckig und andererseits die Spiegelung dreimal ums Eck und herausgekommen ist das …..

Ein Schritt neben dem Weg

Auf der Flucht vor den Touristenmassen am Graben und am Kohlmarkt gingen wir über den Hof zum Judenplatz. Dort steht das Mahnmal für die geschätzt 65.000 vom Nazi-Regime ermordeten österreichischen Juden. Hier war es nicht ganz leer, aber kein Vergleich…

Das Mahnmal ist ein Werk der britischen Künstlerin Rachel Whiteread und wurde im Jahr 2000 enthüllt. Es ist insofern bemerkenswert als sich unter dem Mahnmal die Ruinen einer 1420 niedergebrannten mittelalterlichen Synagoge befinden, die besichtigt werden können.

Rein optisch gefällt mir das Werk nicht besonders, aber die Symbolik finde ich doch eindrucksvoll: die Außenflächen des Baus sind nach außen gewendete Bibliothekswände. Die darin stehenden Bücher stellen zahlreiche Exemplare ein und desselben Buchs dar, die für die Opfer und ihre Lebensgeschichte stehen. Die Flügeltüren sind nicht nur geschlossen, sie haben auch keine Türklinken. Vorne auf dem Sockel gedenkt eine Inschrift der österreichischen Opfer der Shoah, auf den anderen drei Seiten sind die Namen der KZs eingraviert, in denen diese Menschen ermordet wurden.

Auf der anderen Seite des Platzes steht eine Lessing-Statue, die zum Mahnmal hinsieht. Das Lokal dahinter, das auf Fotos unweigerlich zu sehen ist heißt „Bierparadies“. Auch Kulinarik ist vertreten. In einer Nebengasse mit Blick auf den Platz haben wir sehr gute tapas gegessen. Leben, Tod, Literatur, Tragödie und Genuss vereint …

Samstag 20.August – Massentourismus

Seit langer Zeit wieder einmal sind der F und ich gemeinsam durch die Innenstadt gebummelt. Auf den Hauptdurchzugsstraßen des Tourismus wie etwa am Kohlmarkt (auf dem Foto) hat man den unangenehmen Eindruck als Kuh unter vielen an einem Almabtrieb oder vielleicht auch -auftrieb teilzunehmen.

Immer wieder erstaunlich ist aber auch, dass man nur in eine beliebige Seitengasse abbiegen muss um aus der Masse herauszukommen. Offenbar haben alle dieselbe Reiseführerbeschreibung gelesen und weichen keinen Zentimeter von der dort angegebenen Route ab. Hier zum Beispiel waren auf dem Platz nur diese beiden jungen Männer zu sehen, die wohl auch keine Touristen waren.

Die Kaiserin Elisabeth oder Sisi wird auch zum Geht-nicht-mehr ausgeschlachtet. Hier für den Souvenir-Hochpreissektor:

Ganz klar ist mir nicht, ob der K.U.K HOF U. KAMMER-JUWELIER U. GOLDSCHMIED der ursprüngliche Erzeuger der berühmten Sterne war oder ob man Kopien davon dort kaufen kann oder beides.

Trotz aller touristischen Auswüchse, die angeblich noch harmlos sind im Vergleich zu Venedig oder Barcelona, über die sich die Legionen und Horden von Kreuzfahrt-Touristen ergießen, bleibt Wien eine wunderschöne Stadt.