la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Samstag 26.September 2020 – Er war´s !

Der F war´s der 400 € gespendet hat! Obendrein noch quasi auf meinen Namen, weil er die Daten des Erlagscheins der Caritas benützt hat, der an mich adressiert war. Erzählt hat er mir nichts davon, nur irgendwann nebenbei erwähnt, dass er für Beyrouth spenden wollte. Ich bin beeindruckt, sehr beeindruckt. Noch nie habe ich eine annähernd so hohe Summe gespendet.

Bodhichitta nennt sich die buddhistische Praxis, bei der man anderen Menschen gute Gedanken schickt, unter anderem solchen mit denen man kein besonders gutes Verhältnis hat. Leuten, die man mag oder solchen denen man neutral gegenübersteht freundliche Gedanken zu schicken, ist ja keine Kunst. Es ist einfach und hinterlässt ein gutes Gefühl. Bei Menschen, die man eigentlich nicht leiden kann, ist das eine andere Sache eine ziemlich schwierige sogar, aber das Gefühl danach ist mindestens genauso gut.

Ich glaube ja nicht daran, dass die freundlichen Gedanken tatsächlich bei anderen ankommen, aber ich bemerke, dass es etwas mit mir macht, wenn es mir gelingt, an jemanden den/die ich so gar nicht leiden kann mit Freundlichkeit zu denken. Eine gute Übung, die man immer und überall praktizieren kann.


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Donnerstag 24. September 2020 – Niveau und Spenden

Ich habe überlegt, ob ich meine sporadischen Tagebucheinträge auf ein etwas höheres Level befördern sollte, inhaltlich und sprachlich. Aber dann müsste ich sie mehrmals durchlesen und ein bissl daran feilen und könnte nicht mehr so spontan in die Tasten hauen. Nein, ich beschränke das Gefeile auf sonstige Texte.

Die Caritas dankt mir schriftlich, dass ich 400 € für den Südsudan gespendet habe. Ein kleiner Haken ist dabei: ich habe keine 400 € gespendet sondern 50 und nicht für den Südsudan sondern für ein Wiener Obdachlosenprojekt. Ich gestehe, ich habe mein Bankkonto durchforstet um zu sehen, ob die Bank womöglich von sich aus von meinem Geld gespendet hat. Nein, hat sie nicht. Es ist nur ein Irrtum. Es tut mir leid, dass der edle Spender/die edle Spenderin nun wahrscheinlich keinen Dankesbrief mit näheren Infos über das Südsudan-Projekt der Caritas bekommt, habe jetzt aber keine Lust, die Sache aufzurollen. Macht mich das zu einem schlechten Menschen?

Ach ja, und heute regnet es. So ein Glück, dass ich gestern den kaputten Gartenschlauch ersetzt habe.


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Menschen am Wien-Fluß 4/5

Jetzt wird es bald vorbei sein mit der sommerlichen Stimmung, aber am Mittwoch herrschte am Wien-Fluß noch Strand-Ambiente, allerdings mit verschiedenartigeren Aktivitäten als in der Sonne herumliegen. Derzeit ist der Fluß an vielen Stellen so seicht, dass man – wie diese beiden – ganz problemlos durchgehen kann. „Die Furt“ wäre der Titel einer Geschichte, die ich zu diesem Foto schreiben könnte. Es könnte eine Alltagsgeschichte sein, eine Liebesgeschichte, eine Horrorgeschichte, eine Science-Fiction Geschichte, ein Gedicht, eine Fahrradwerbung, eine Sportgeschichte und fast unendlich viel anderes.

Dazu demnächst mehr.

 


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Sonntag 20.September 2020

Das Leben plätschert dahin. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es so mag oder nicht. Es fließt in einem sehr angenehmen, hübschen, abwechslungsreichen Flussbett. Auch der Hochwasserschutz ist bestmöglich. Es gibt aber mehrere Dinge, die ich tun würde, wenn nicht überall das widerwärtige Virus gegenwärtig wäre. Wenn ich also normal leben könnte, würde mir das Plätschern wahrscheinlich noch besser gefallen.

Ein in Österreich lebender Mann aus Weißrussland sagte bei einem Interview über die Situation in seinem Land: „die Wahrheit stimmt nicht“. Ein denkwürdiger Satz, auch wenn man berücksichtigt, dass er sich vielleicht auf Deutsch nicht ganz so ausdrücken kann, wie er gerne möchte.

Nachdem der F und ich beide Jahreskarten für den Schönbrunner Tiergarten haben, fanden wir es gestern an der Zeit wieder einmal vorbeizuschauen und die Amortisierung des Preises voranzutreiben. Bei dieser Gelegenheit haben wir erfahren, dass die Jahreskarten um 65 Tage verlängert werden, wegen des Lockdowns und dass sie wesentlich teurer geworden sind.

Etwas grimmig schaut der Pelikan drein. Tatsächlich war es auch schon wieder ziemlich voll im Tiergarten. Ich konnte bei dieser Gelegenheit gut beobachten, dass der F, der immer gegen überzogene Corona-Hysterie wettert, durchaus verinnerlicht hat, Abstand zu Menschengruppen zu halten.

Im Schlosspark wurden die letzten Teile der Aufbauten für das alljährlich stattfindende Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker abgebaut. Bei dieser Gelegenheit wird immer das Schloss, der Neptunbrunnen, diverse Skulpturen und auch die Blumenrabatten mit für diese Gelegenheit montierten starken Scheinwerfern beleuchtet. In den letzten Jahren haben wir uns das Konzert öfter im Park selbst angehört. Heuer war der Park aber gesperrt, nur etwa 1000 Sitzplätze in einem abgesperrten Areal wurden vergeben. Dafür wurde das Konzert am vergangenen Freitag aber im Fernsehen übertragen. Etwas Wien-lastig war das Programm schon „Wiener Blut“ und „Wien, Wien nur du allein“ und so weiter aber in Philharmoniker Qualität.


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Donnerstag 17.September 2020

Vom kürzesten Weg zum Meditationszentrum bin ich auf den schöneren umgestiegen. Es ist aufmuntender durch die schöne Innenstadt zu fahren als über einen Bahnhof mit der unangenehmsten U-Bahnlinie der Stadt. Leider kommt Covid19 näher, zwei Mitglieder des Meditationszentrums hat es erwischt. Eine der beiden hat sich an ihrer Schule bei der Abschiedsfeier für in Pension gehende Kollegen angesteckt, die andere bei ihrem Mann, mit dem sie nur noch im selben Haus wohnt. Stoff für zwei Geschichten.

Abschiedsfeiern, bei denen sich jemand hätte anstecken können, gab es in meiner Schule ja nicht. Ich verfolge die Geschehnisse dort immer noch und bin immer froher, dass ich nicht vor Ort sein muss. Die Bedingungen für den Unterricht sind sehr bescheiden. Das neue Gebäude hat nicht nur Vorzüge und es gibt auch andere Arten von Problemen: einen Brand in der funkelnagelneuen Garderobe, der von der Polizei untersucht wird. Alles in allem recht herausfordernd.

Laut Meinung der deutschen Regierung ist Wien ja verseuchtes Gebiet. Als Bürgerin, die nicht direkt vom Tourismus lebt, kann man sich durchaus darüber freuen, dass weniger Touristen unterwegs sein werden, für den ohnehin angeschlagenen Tourismus und die österreichische Wirtschaft im allgemeinen ist das eine ziemliche Katastrophe. Wobei die Infektionszahlen in Wien tatsächlich – verglichen mit der vorherigen Situation – stark steigen. Nachdem wir aber noch immer kein Zweitdomizil gefunden haben, bietet sich mir auch keine Ausweichmöglichkeit an. Nett wäre natürlich ein Häuschen hoch in den Ästen in den von Donald Trump beschriebenen österreichischen Waldstädten. Seltsamerweise ist da auch nichts frei.

Gerade hatte ich die Kamera gezückt um ein paar Stadtaufnahmen zu machen, als meine Freundin I. auftauchte. Die I ist einer der Gründe warum ich immer wieder dieses Meditationszentrum besuche und dort an diversen Veranstaltungen teilnehme. Ich packte die Kamera wieder ein und es blieb bei einem Foto, nämlich diesem:


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Dienstag 15. September 2020 – Weichenstellungen und Umwegrentabilitäten

Blick von der Caféterrasse auf der ich heute das erste Mal eine Gruppe meiner pensionierten Kolleginnen getroffen habe. Im Hintergrund ein als Mahnmal an die schlechte alte Zeit stehen gelassener Flakturm. Im selben Park befinden sich auch die Augarten-Porzellanmanufaktur und das Schlösschen der Wiener Sängerknaben.

Aber ich war nicht zum Sight-seeing dort sondern zum Wiederanknüpfen von Beziehungen. Mit Erfolg. Es war ein sehr nettes Treffen und ich wurde gleich in den Kreis aufgenommen. Obendrein hat sich herausgestellt, dass die aktiven Pensionistinnen auch eine Gruppe „Theater-Kabarett“ haben, in die ich ebenfalls aufgenommen wurde. Nachdem ich viele Jahre lang immer auch in der Abendschule unterrichtet habe, war es organisatorisch praktisch unmöglich ein Theater-Abo zu nehmen, was ich gerne getan hätte. Aber so eine Gruppe ist ja viel besser als ein Abo, man sucht sich aus, was man sehen möchte und es wird sich immer eine angenehme Begleitung finden. Derzeit ist es ja leider etwas schwierig ins Theater zu gehen. Erst gestern wurde ein größerer Cluster von Corona-Infizierten rund um eine Opern-Aufführung gefunden …

Aber das geht auch wieder vorbei, hoffentlich … Jedenfalls bin ich ziemlich beschwingt durch die halbe Stadt spaziert und kam dabei auch an meinem Lieblingswollgeschäft vorbei. Ich freute mich schon darüber, dass es überlebt hat und noch mehr freute ich mich als ich im Schaufenster einen Hinweis sah „wir nehmen Mützen und Schals für das St. Anna Kinderspital entgegen.“ Ich bin ja eine begeisterte Strickerin, weiß aber schon nicht mehr, was ich mit meinen Produkten anfangen soll. Es stapeln sich Berge von Pullovern, die ich aber gar nicht brauchen kann, weil sie mir viel zu warm sind, von Schals will ich gar nicht reden. Gestrickte Spenden an ein Kinderspital kommen mir da gerade recht. Und wenn das Spital gerade nichts braucht, sagte die Verkäuferin, unterstützen wir auch eine Initiative für obdachlose Frauen. Perfekt. Ich kann meiner Strickleidenschaft frönen und die Produkte sinnvoll verschenken. Es gibt dort auch ein offenbar sehr nettes Stricktreffen einmal in der Woche, aber das wird wohl momentan auch nicht stattfinden, weil es auf den Fotos auf der home-page sehr eng aussieht.

Also rundum ein sehr erfreulicher Tag. Auf meine alten Tage werde ich noch gesellig und sozial werden. Naja übertreiben muss ich es auch nicht.

 


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Stadtspaziergänge – Über Pflastersteine neben der Wien

Wien liegt nicht nur an der Donau sondern auch an der Wien, die im 18. Jahrhundert ein recht breiter Fluss mit mehreren Nebenarmen war. 1898 begann die Regulierung des Flusses und heute besteht er an den meisten Stellen aus etwas Wasser, das an vielen Stellen durch eine ziemliche Steinwüste fließt. Aber bei Hochwasser erkennt man sie nicht wieder die Wien, da wird sie wieder zum lebendigen Fluss und die Menschen stehen auch bei strömendem Regen staunend auf den Brücken und sehen ihr zu. Die Verwandlung vom sanft plätschernden Bach in einen Fluss kann sehr schnell gehen und es gibt daher auch entlang der Uferwege ein Warnsystem.

Im Rahmen meines Projekts „täglich 10.000 Schritte“ bin ich vom unattraktivsten Bereich aus weggegangen, Richtung stadtauswärts. Naja, Steine und ein sehr schmales Flüsschen. Immerhin kann man unter normalen Umständen im Flussbett gehen.

Es wird dann langsam etwas grüner und etwas flussartiger 

Ich wusste schon, dass es dort nicht besonders schön ist, wollte aber die ganze Strecke kennenlernen. Knapp bevor ich zum Beginn des renaturierten Flussufers gekommen bin, hatte ich genug. Habe mir aber vorgenommen beim nächsten Mal mit der U-Bahn bis zur Stadtgrenze zu fahren und dann von dort aus weiterzugehen. Dann gibt es hübschere Bilder


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Dienstag 8.September 2020 – Schuhbänder und Langlebigkeit

Prinz Charles – so lese ich in einem Artikel über europäische Monarchien – lässt sich täglich die Schuhbänder bügeln. Aha, inwiefern das wohl zu seiner Lebensqualität beiträgt, wüsste ich gerne. Haben diese gebügelten Schuhbänder irgendeinen symbolischen Wert, eine Bedeutung, die man nur bei den Windsors kennt? Andererseits ist ja der europäische Hochadel so eng verwandt, dass dieses Geheimnis sich herumgesprochen haben müsste. Könnte es sich auch um Arbeitsbeschaffung für einen oder mehrere Kammerdiener handeln? Kammerdiener gibt es am britischen Hof ganz bestimmt und auch ein schon etwas in die Jahre gekommener Kronprinz hat sicher Anspruch auf ihre Dienste. Die Queen ist 94 und bei beneidenswerter geistiger und körperlicher Gesundheit, Vater Philipp ist fast 100, da sehen Charles Chancen auf Langlebigkeit ganz hervorragend aus. Vielleicht eine Thronbesteigung mit 80 ?

82 und von nicht so eiserner Gesundheit wie die Queen ist Juan Carlos, der gewissermaßen emeritierte König von Spanien, der sich wegen massiven Steuerbetrugs in die Arabischen Emirate abgesetzt hat. Ob seine aktuelle Geliebte mitgekommen ist? und ob er dort Elefanten jagen kann? Aber nein, er hat ja versichert, dass er das bedauert und nie wieder tun wird. Trotzdem wird ihn der WWF nicht als Ehrenpräsidenten zurück haben wollen. Lo siento mucho. Me he equivocado. No volverá a ocurrir. Erinnert mich daran, dass damals etliche meiner Kollegen ihre Nicht-Spanisch-Kenntnisse durch diese Sätze bereichert haben, die sie bei vielen Gelegenheiten genüsslich zitiert haben.

Schade dass jemand, der beim Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie eine so gute Figur gemacht hat und beim spanischen Volk so beliebt war, sich selbst derartig demontiert hat. Ich sehe noch die eindrucksvollen Bilder vor mir, wie die bewaffneten anti-demokratischen Umstürzler das Parlament gestürmt hatten und König Juan Carlos fast der einzige war, der nicht hinter und unter den Bänken verschwunden sondern aufrecht stehen geblieben ist.

Tatsächlich liegt mein Interesse für das monarchische Personal irgendwo unter Null, nur die gebügelten Schuhbänder faszinieren mich. Noch mehr als die angeblich gebügelten Zeitungen in den Clubs.


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Samstag 5.9.20 – ständige Ferien

Montag beginnt die Schule ohne mich. Losgelassen habe ich definitiv noch nicht. Ich verfolge die hausinternen e-mails, habe die Stundenpläne der alten und neuen Kollegen studiert, es war mir wichtig, dass die Zugänge alle noch offen sind. Ich denke, in ein paar Monaten wird mir das alles weitgehend egal sein, zumindest aber werde ich innerlich um einiges weiter weg sein.

Den Moment der Pensionierung hätte ich nicht besser wählen können: die Schule zieht in ein renoviertes Haus, das mir nicht besonders sympathisch ist. Es gibt keine Schlüssel mehr sondern nur noch Chipkarten auf denen die jeweiligen Berechtigungen für den Eintritt in diverse Räume gespeichert sind. Hat für mich einen Geschmack von Misstrauen. Es dürfen nicht mehr alle Lehrer*innen überall hinein, wie das davor der Fall war.

Für über 150 Lehrer gibt es nur 25 Arbeitsplätze, jede/r bekommt aber ein privates Stehpult. Ein Stehpult!! Klingt für mich wie die Zustände auf dem Arbeitsmarkt im 19. Jahrhundert: Stehpult und Ärmelschoner. Das wird sich sicher irgendwie einspielen, man gewöhnt sich an alles, aber ich bin froh, dass ich mir das erspare.

Obendrein gibt es die Corona-Ampel, die in Wien auf gelb steht, was für die Schulen heißt, dass auf den Gängen Masken getragen werden sollen. Auf eine Beteiligung an diesem Zustand verzichte ich auch gerne.

Was mir wirklich fehlen wird, ist der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen. Es ist schon ein feiner Zustand, wenn man täglich zwanglos viele Menschen trifft ohne dass man erst Treffen vereinbaren muss. Nicht dass ich alle meine Kollegen heiß geliebt hätte, aber ich habe mit sehr vielen gerne geredet und bin mit anderen persönlich befreundet. Die Aufrechterhaltung von Freundschaften, die aus dem beruflichen Umfeld kommen, halte ich aber für recht schwierig, weil ein sehr großer Teil der gemeinsamen Interessen weg fällt. Natürlich trifft man einander noch, aber es nicht mehr dasselbe. Verschiedene Lebensphasen, verschiedener Freundeskreis. Was ja nicht negativ ist aber eine gewisse Flexibilität erfordert.

Flexibilität ist überhaupt gefragt. Eigentlich wollte ich in diesem Herbst viel reisen. Daraus wird nichts werden, weil ich mir das komplizierte rundherum nicht antun will. Ich erinnere mich an einen Ausspruch von Konrad Lorenz „jeden Tag vor dem Frühstück eine Lieblingstheorie einstampfen, das erhält jung“. In meinem Fall geht es nicht um Theorien sondern um Pläne, aber vielleicht hält deren Einstampfung auch jung, zumindest geistig


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Donnerstag 3.September 2020 – die mythischen 10.000

Es ist ja allseits bekannt, dass man täglich 10.000 Schritte gehen sollte, quer durch die verschiedenen Niveaus sportlicher Kompetenz ist man der Meinung, dass 10.000 Schritte am Tag die magische Grenze zur gesunden und sportlichen Lebensführung sind. Kürzlich habe ich gelesen, dass es zwar Langzeitstudien mit Menschen über 70 gibt, die eindeutig belegen, dass tägliche Bewegung positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, dass die 10.000 Schritte aber eine recht willkürlich gesetzte Größe sind.

Dass es gesund ist, sich zu bewegen, weiß man ja nun auch ohne Studien jeglicher Art, aber die 10.000 Schritte geistern nun einmal überall herum. Mein Schrittzähler zum Beispiel jubelt bei Erreichung der 10.000 indem er grünes Feuerwerk auf dem Display produziert und vibriert. Kindisch sich darüber zu freuen, zugegeben, ich freue mich aber trotzdem und habe nun beschlossen an fünf Tagen in der Woche 10.000 anzuvisieren. Das geht besser als ich gedacht hätte. Der Schmäh an der Sache ist, dass man Wege verlängern muss, also nicht einfach von A nach B zu gehen sondern ein paar Schleifen und Umwege einzulegen. Nach einer Weile Sitzen ein paar hundert Schritte machen und natürlich die üblichen Wege vielleicht auch mit ein paar Schleifen. Wenn man längere Spaziergänge macht, sind die 10.000 ohnehin kein Problem.

Irgendetwas Neues möchte ich auch lernen und zu diesem Zweck einen Kurs besuchen, aber einen mit anwesenden Menschen, keinen online-Kurs. Nachdem alles erst im Oktober anfängt, ist noch unklar, wie sich Kurse gestalten werden. Der F ist unernst und schlägt mir vor, ich solle doch einen Perchtentanzkurs nehmen, da würde man sich bewegen und hätte eine – noch dazu höchst originelle – Holzmaske auf. Na ja ……


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Natur auf dem Dach

Anfang August war ich bei einer Malfreundin. Wir hatten eines unserer Treffen zu ihr verlegt, in den wunderschönen begrünten Innenhof mit anschließendem großen Gemeinschaftsraum, einem Brunnen und vielen Bäumen. Olpos Artikel hat mich daran erinnert, dass es auch gelungene Gemeinschaftswohnprojekte gibt. So sieht das Haus von außen aus. Sehr durchschnittlich für einen Wiener Innenstadtbezirk.

Aber drinnen gibt es nicht nur einen begrünten Hof, der von den Hausbewohnern gemeinsam gegossen und gepflegt wird, in dem es gut vier, fünf Grad kühler ist als auf der Straße, es gibt auch ein begrüntes Dach. Weniger als ein Meter Erde wurde hier aufgeschüttet, aber es ist von einem Garten nicht zu unterscheiden. Abgesehen von Blumen und Sträuchern gibt es hier auch große Obstbäume. Eine richtige Oase mitten in der Stadt. Wenn man mit GoogleEarth über die Stadt wandert, sieht man wie viele kleinere und größere Oasen und Paradiese dieser Art es gibt.

Auffallend fand ich, dass in diesem Haus überdurchschnittlich viele Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater wohnen. Die Frage ist, ob die Hausgemeinschaft deswegen oder trotzdem so gut funktioniert. Ich denke nun schon Wochen darüber nach, mit welcher höflichen Formulierung ich danach fragen könnte.


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Sonntag 30. August 2020 – die Hexe Kniesebein und meine Titanhüfte

Da stehe ich mitten im Wald vor einem steilen Abwärtsweg. In die andere Richtung geht es steil bergauf, auch nicht besser. Viele Steine und Zapfen wenig Wurzeln über die man gut gehen könnte. Obendrein stehe ich da ganz allein. Der F ist bergauf unterwegs.

„Tief im Walde ganz allein wohnt die Hexe Kniesebein (aus „Hatschibratschis Luftballon“)“

Einmal ganz abgesehen davon, dass ich nicht tief im Walde bin und Häuser und Kirchen des schönen Mödlings von weitem zu sehen sind, hat ja die Kniesebein sicherlich einen besseren Orientierungssinn als ich. Was zwar keine Kunst ist, aber hilfreich. 

Ich schweife ab, also Weg hinunter oder hinauf? Andere Möglichkeiten gibt’s nicht. Es sei denn ich wollte quer durch den Wald. Will ich nicht. Was hat doch der Orthopäde am Mittwoch bei Betrachtung meiner Röntgenbilder gesagt. Da haben Sie aber Glück gehabt, hat er gesagt. Bei so einem Sturz passiert der Prothese selten etwas, aber der Knochen ist das fragilere Teil und kann leicht splittern. Aber ich erinnere mich an die OP, Sie waren eine mit besonders harten Knochen. Und schön eingewachsen ist die Prothese, hat er gesagt und dass ich mir die Kontrolluntersuchung im Dezember zum zweijährigen Jubiläum der OP ersparen kann. Es steht alles zum Besten. 

Trotzdem werde ich mein Glück jetzt nicht überstrapazieren und den Weg gaaaanz vorsichtig hinuntergehen. Die erprobten und bewährten Wanderstöcke aus Gastein liegen gemütlich im Auto. Die werden sich die äh.. Hände reiben. Das Auto steht irgendwo, der F war sich auch nicht ganz sicher wo sein ausgewählter Wanderweg beginnt. 

Wenn ich unten ankomme, setze ich mich in eines der zahlreichen Lokale in der Fußgängerzone. Bobo-Lokale würde die Frau Erkurt sagen. Frau Erkurt ist eine türkischstämmige Germanistin, die ich als Journalistin beim Biber sehr schätze. Sie hat ein Jahr an einem Gymnasium unterrichtet und darüber ein Buch geschrieben. Dann ist sie in ihren ursprünglichen Job als Journalistin zurückgekehrt. Jetzt wird sie heftig von allen Seiten zu ihrem Buch interviewt. Ich bin auch ganz ihrer Meinung, dass unsere Schulen für Kinder, die bildungsmäßig von ihren Eltern nicht unterstützt werden (können), schlecht funktionieren. Was ich irritierend an ihr finde, ist, dass sie immer nur von zwei Gruppen von Menschen spricht: von den Migranten und den Bobos. Das ist denn doch eine sehr verkürzte Darstellung der gesellschaftlichen Realität, im Bildungsbereich und überhaupt. 


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Samstag 29. August 2020 – Blasen im Sumpf

Was  mir an die 10 Jahre des Meditierens und eine Annäherung an buddhistische Philosophie gebracht haben, merke ich, wenn der Boden auf dem ich normalerweise gut stehe und gehe Tendenzen zum Sumpf entwickelt. Seltsame Vegetation, leichtes Einsinken beim Gehen, es steigen ein paar Blasen auf, die anzeigen, dass im Untergrund etwas gärt.

Dann lasse ich die Blasen aufsteigen aus dem sumpfigen Untergrund und sehe ihnen zu, wie sie von einer Spur von Luftbewegung wild herum gewirbelt werden, wie sie durch verschiedene Schichten von Emotionen durch tauchen, verschieden gefärbt werden, ihre Form verändern. Viele von ihnen kenne ich gut. Im Lauf der Jahre sind sie mir vertraut geworden und wir haben eine ganz gute Beziehung zueinander entwickelt. Ich tue nicht mehr so, als würde ich sie nicht kennen. Nein, ich begrüße sie ganz artig, weiß woher sie kommen und dass sie bald weiterfliegen werden, wenn ich ihnen das ermögliche.

Es ist eigentlich so einfach, nur dazusitzen und sich selbst zuzusehen beim Denken und beim Fühlen und den schillernden Blasen zuzusehen und gar nichts zu tun um die Situation zu verändern. Mir fällt es allerdings manchmal ziemlich schwer, nicht sofort irgendetwas zu unternehmen um Probleme zu lösen, um unangenehme Situationen zu verändern. Lösungsorientierung ist nicht in jedem Zusammenhang eine glückliche Eigenschaft. Denn Emotionen kann man nicht lösen, man kann sie nur aushalten, durchgehen und am anderen Ende gestärkt herauskommen und die Blasen fliegen lassen.