Kategorie: SPORADISCHES TAGEBUCH

Preiswunder

Übers kleine deutsche Eck sind wir aus Zell am See nachhause gefahren und haben im deutschen Bad Reichenhall Pause gemacht. Viel Zeit hatten wir nicht und sind daher gerade einmal durchs Stadtzentrum gebummelt. Eine hübsche Kurstadt mit entsprechender Architektur, obwohl das Stadtzentrum nichts darüber aussagt, wie es sich in einer Stadt lebt. Ordentlich nass geworden sind wir auch, weil natürlich die vorsorglich mitgenommenen Schirme im Auto geblieben sind. Das ist aber nicht wirklich überraschend.

Da uns zuhause ein leerer Kühlschrank erwartete und direkt auf dem Weg ein Aldi-Markt lag, gingen wir einkaufen. Als Österreicher:in bleibt einem der Mund offen stehen bei den niedrigen Preisen! In Österreich gibt es die Supermarkt-Kette „Hofer“, die zu Aldi-Süd gehört und auch um einiges billiger ist als andere österreichische Supermärkte, aber immer noch um einiges teurer als der deutsche Aldi. Auch Bekleidung und Bücher und wahrscheinlich einfach alles ist in Deutschland billiger als in Österreich.

Nun haben wir noch ein langes Wochenende in PB angehängt bei dem der F heldenhaft gelitten hat, weil wir wieder stundenlang beim Tischler waren. Ihm ist es ja ziemlich egal welches Holz, welche Farbe, abgerundete Kanten oder nicht etc.pp Jetzt haben wir aber alles ziemlich geklärt und können beim nächsten Termin wahrscheinlich bestellen. Es dauert dann ohnehin alles mindestens bis Ende des Jahres. Aber, wie ist das mit der Vorfreude.

Saudi-Arabien en marche

Abgesehen von einer sehr schönen Landschaft mit See und Bergen gibt es im salzburgischen Zell am See eine weitere Attraktion: eine große Anzahl von Urlauber*innen aus Saudi-Arabien. Von der total verschleierten Frau unter einer Abaya, über Kopftuchträgerinnen mit freiem Gesicht bis zu ganz unverhüllten Frauen in bunter Bekleidung ist alles vertreten.

Vor etlichen Jahren, vor Corona, wurde in Österreich ein Vermummungsverbot eingeführt, das auch das Tragen von Burkas, Abayas und ähnlichen Kleidungsstücken, die das Gesicht verhüllen umfasst. Schon damals wurde die Frage diskutiert, wie denn nun mit Touristinnen aus arabischen Ländern verfahren werden sollte. Dann kam Corona und löste die Frage: die Frauen, die sich verschleiern wollten/ mussten, trugen statt des Gesichtsschleiers eine FFP2-Maske. Diese Lösung kenne ich, denn sie wird auch in Wien praktiziert. Dass das Tragen dieser Masken nichts mit medizinischen Erwägungen zu tun hat, sieht man daran, dass kein einziger arabischer Mann eine Maske trägt.

Es ist nun natürlich sehr unhöflich, zu starren oder gar zu fotografieren. Ich habe mich allerdings beider Faux-Pas schuldig gemacht. Ich dachte, was der Schwan darf, darf ich auch.

Ein nettes Erlebnis war es mit diesen beiden Frauen, die ich fotografiert habe, allerdings von weitem. Sie haben es trotzdem bemerkt. Die eine hat sich das Gesicht mit der Hand bedeckt, die andere hat ein Victory-Zeichen gemacht. Als wir dann aneinander vorbei gingen, haben wir alle drei gelacht.

Wir haben die saudischen Touristen überall angetroffen, rund um den See, beim Picknick in der Wiese, lächelnd im Regen, auf den Bergen, im Schnee. In mehr oder weniger geeigneter Bekleidung. Sehr gut gefallen hat mir eine Gruppe von fünf jungen Männern, die sich Anoraks und Stiefel ausgeliehen hatten, alle bei demselben Verleih, weswegen sie die gleichen Jacken und Stiefel trugen, was schon sehr urig aussah. Besonders lustig war aber, dass auf den Leihstiefeln hinten drauf, groß in weiß, die Schuhgröße zu lesen war. Diese fünf waren unmöglich zu fotografieren, denn sie sind mit der Energie und dem Schwung von Fünfjährigen im Schnee herumgekugelt.

Wenn man bedenkt, wie teuer und wie umweltschädigend eine Anreise im Flugzeug über mehr als 4000 Km ist, wäre es doch wünschenswert, wenn die Reisenden sich ihres Lebens erfreuen und ihre Umwelt wahrnehmen würden. Ist halt nicht immer der Fall

Ausklänge

Urlauben mit dem F ist ebenso interessant wie anstrengend. Vor der Kulisse des Sommerausklangs sehen und erleben wir viel, es bleibt aber keine Energie zum NIederschreiben. Dafür ist dann der Herbst da.

Ich freue mich auf das Schreiben, habe aber jetzt gerade keine Lust dazu. Klingt absurd, ist aber ganz genau so. So eine Art Sammelphase vor der Winterruhe …

Mittwoch 14.September – glänzender Nebel

In der Nacht ballt er sich zusammen, dicht und grau und undurchdringlich hüllt er alles ein und hält es kompakt und undurchdringlich fest. Morgens ist es neblig, im Tal scheint ein trüber, novembriger Tag bevorzustehen. Die Nebelwolken ziehen hin und her, wirbeln und reißen ihre Körper in Fetzen. Dann erscheint irgendwo ein erster blauer Schimmer, der wieder verschwindet, wieder auftaucht. Plötzlich wird der Nebel transparent, die Wälder, die Berggipgel tauchen auf, liegen aber noch hinter verhüllenden Schleiern. Dann zieht sich der Nebel ganz zurück, ein strahlender Tag mit Fernsicht steht bevor.

Samstag 10. September 2022

Auf den ersten Blick besteht der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich in der Farbe der Straßenschilder, die österreichischen sind weiß, die deutschen gelb. An diesem angenehm kühlen, feuchten Tag fallen mir bei der kurzen Fahrt übers „kleine deutsche Eck“ keine weiteren herausragenden Unterschiede auf: in Bayern wie in Salzburg wolkenverhangene Bergspitzen, triefendes Grün. Nur die Saalach steht sehr niedrig, eine Schotterbank nach der anderen. Und die Schilder der Busstationen sehen in Bayern anders aus als in Österreich, aber nicht sehr anders …

Die Straßen sind wenig befahren, die Landschaft märchenhaft, mit den gezackten Bergen, die immer wieder aus den Wolken hervorblitzen. Im Gegensatz zur niederösterreichischen Landwirtschaft gibt es in Salzburg praktisch keine Felder, nur meist steile Wiesen und viel Vieh. Vor allem friedlich grasende Kühe, sanft braun-weißes Gebimmel, die zu ihrem Glück keine Ahnung haben in was für einer Welt sie leben.

Wir fahren durch ein Paradies der Umleitungen, dem das einfache Weltbild des Navis nicht gewachsen ist. Der F, der Navis ohnehin sehr zweifelnd gegenübersteht, zückt eine Karte, findet den „Denkfehler“ des „blöden Kistls“ und dann sind wir bald angekommen.

Farbecht

Ein Foto, das nur entfernt zum Kofferpacken passt, aber irgendwie doch wieder, also zumindest für mich.

Die richtigen Schuhe sind wichtig für den Aufenthalt in einer Gegend, wo sich einerseits ein See und andererseits Schneeberge anbieten. Wanderschuhe im Strandbad oder Flip-Flops im Schnee möchte ich vermeiden. Auch Badetaschen müssen mit, vertragen sich aber nicht sonderlich gut mit Winterjacken und Mützen. Es muss aber alles in einen Koffer. Ich möchte nicht verlernen, wie man packt, wenn es nicht mehr als zwanzig Kilo Gepäck sein dürfen.

Sonntag 4. September 2022

Im Vorjahr wogte ein Weizenfeld vor meinem Fenster in PB, heuer ist es ein Maisfeld. Natürlich wird ein Bauer die Fruchtfolge auf seinen Feldern nicht danach richten, welche Pflanzen, wem am besten gefallen. Das leuchtet mir ja ein, aber den hoch stehenden Kukuruz Ende August finde ich immer etwas unheimlich. Man kann dazwischen völlig verschwinden und es hat etwas durchaus Bedrohliches wenn man auf einem schmalen Weg zwischen zwei Feldern unterwegs ist. Nicht umsonst gibt es eine Menge Horrorgeschichten, in denen Maisfelder eine Rolle spielen.

Dieses Maisteuferl ist mir heute begegnet. Es war aber verhältnismäßig guter Laune und ließ mich ungeschoren vorbeiradeln.

Diese Sorte Kukuruz, sagt der F, aber ich bin mir nicht so sicher ob er wirklich was davon versteht, müsste man, wollte man sie essen, stundenlang kochen um sie weich zu bekommen. Das wäre eine Sorte aus der man Maismehl macht. Ob tatsächlich aus dieser oder einer anderen Sorte Kukuruz macht man auf jeden Fall Maismehl …

Nun wird man sehen, was der Bauer für das nächste Jahr geplant hat. Wie ich lese kommen für Felder, deren Kulturen erst spät geerntet werden, wie der Mais, sogenannte Zwischenfrüchte in Frage, etwa, Gelbsenf, Rettich, Klee. Diese Zwischenfrüchte werden selten geerntet sondern zwecks Gründüngung in den Boden eingearbeitet, was den Boden wiederum vor Erosion und Trockenheit schützt.

Eigentlich wollte ich ja einen Maiskolben fladern und daraus das Abendessen in Wien machen, hab es aber dann doch nicht gemacht …

Samstag 3.September 2022 – Balkonmöbel aus der Pampa und versäumtes Sesselpicknick

Wir haben alles erledigt, was für diesen Samstag geplant war. Die lange Planungssitzung mit dem Tischler hat zumindest mir viel Freude gemacht. Pläne, Materialien, Farben, vielleicht doch einen Ladenturm, den Schreibtisch eher um die Ecke oder doch nicht… Fertigstellung? In etwa zu Weihnachten. Damit haben wir gerechnet. Zwar macht der Tischler einiges selbst, aber einiges bestellt er auch und die Lieferfristen sind zum Schaudern. Aber auch das wussten wir.

Als zweite Aktion an der PB-Wohnfront haben wir Sessel und Tisch für den Balkon vom Lager eines Möbelhauses mitten in der Pampa abgeholt. Das Navi kannte sich in der Gegend leider auch nicht aus, aber nach einer kleinen Runde, haben wir gut hingefunden und unsere auch lange erwarteten Balkonmöbel in Empfang genommen. Aufgebaut haben wir sie auch gleich und ich freue mich schon darauf, dort zu sitzen wenn es rundherum regnet. Ich weiß, ich weiß, in Sachen Regen bin ich leicht verrückt. Es freut mich sehr, dass es hier deutlich mehr regnet als in Wien. Nicht nur gefühlt sondern in harten Zahlen. Ah, und wie bestellt, gerade beginnt es zu blitzen und zu donnern und ich rieche die nasse Erde, es regnet.

Durch einen Ort mit einem ebenso alten wie sensibel renovierten Ortskern wollten wir eigentlich nur durchfahren, sind aber dann doch ein bissl gebummelt. Das alte Rathhaus ist angeblich von 1468, zu diesem Zeitpunkt war Kolumbus ein Teenager. Im gleichen Gebäude gibt es ein Theater aus dem 18. Jahrhundert. Ob es noch funktioniert, muss ich in Erfahrung bringen. Eine Menge Geschichte kann man entlang der Donau entdecken.

An dieser für heute angekündigten Veranstaltung konnten wir uns mangels Picknick nicht beteiligen. Die Sessel hätten wir ja im Kofferraum gehabt aber gar nichts zu essen und wir waren beide ziemlich hungrig.

Ersatzweise haben wir ein Lokal mit offenbar griechischem Koch/Köchin gefunden, wo wir sehr gut gegessen und aus gegebenem Anlass über den Unterschied zwischen Intransparenz und Korruption diskutiert haben. Ich komme an Calamari auf einer Speisekarte selten vorbei und diese waren ausgezeichnet. Die Portionen waren gewaltig, aber bestanden hauptsächlich aus Grünzeug, mediterran gesund

Supermarktgeflüster

Sehr bemerkenswert finde ich, dass auf dem Gurkensalat „vegetarisch“ draufsteht. Ob es auch eine fleischige Variante davon gibt?

An der Wursttheke sagt der freundliche junge Mann wie alle seine Kolleginnen und Kollegen „noch was, Dame?“ Langsam gewöhne ich mich an diesen Spruch, zumal am Tonfall erkenntlich ist, dass es nicht unhöflich gemeint ist. Allerdings gibt es neuerdings auch einen einzigen einheimischen Angestellten, der das klassische „noch einen Wunsch?“ benützt. Es wird spannend, wie sich die Wursttheke sprachlich orientieren wird.

An diesem Supermarkt dessen einziger Vorzug es ist, in der Nähe meiner Wohnung zu sein, sieht man die großen Personalprobleme, die es nicht nur in der Lebensmittelbranche gibt. Wenn ich irgendetwas suche und jemanden danach frage, ist es mir noch kaum jemals passiert, dass der/die angesprochene Angestellte die Antwort gewusst hätte. Es werden dann noch eine/r, zwei, drei …. andere herbeigerufen, die dann miteinander rätseln, ob sie das gesuchte Produkt wohl haben könnten und wenn ja wo. Oft kommt die Filialleiterin dazu und kann das Problem lösen …

Aber alle diese fachlich völlig unbeleckten, jungen Menschen (man muss ihnen einmal dabei zusehen, wie unglaublich ungeschickt und langsam sie sich dabei anstellen zB ein Stück Kuchen in eine Box zu befördern oder ein Stück Fleisch abzuschneiden) sind überdurchschnittlich freundlich und nett. Irgendwann werde ich mich hoffentlich dazu durchringen können, diese Freundlichkeit höher einzustufen als den Mangel an Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Wissen über die einzelnen Produkte.

Montag 29.August 2022- Geselligkeiten

In letzter Zeit habe ich eine für meine Verhältnisse extrem gesellige Phase. Wenn ich in einer Woche viermal weggehe, so ist mir das fast zuviel. Aber am Montag Abend mit einer Gruppe ehemaliger Kolleginnen abends im Museumsquartier zu sitzen, neben dem Leopoldmuseum war doch entspannt und informativ. In Wien gibt es ja schon wieder einen gewaltigen Aufreger über unseren lokalen Energieversorger und auch sonst hat es an Themen nicht gefehlt.

Sonntag 28. August – Hütte mit Katzen

Auf einer Hütte im Wienerwald wollte meine Schwägerin ihren Geburtstag feiern. Wir trafen uns also auf einem Parkplatz und gingen alle gemeinsam hinauf, bei eher angenehmem Wetter. Das Essen war mittelprächtig, die Gesellschaft nett, von allen Seiten lächelten mich die Fotomotive an, aber leider hatte ich bei morgendlich überstürztem Aufbruch die Kamera vergessen. Allein schon die vier Katzen, die es dort gab, eine hübscher und anschmiegsamer als die andere…

Man weiß als Mensch ja, dass Katzen niemanden umschmeicheln, weil sie ihn oder sie so sympathisch finden, sondern weil sie sich kulinarische Vorteile versprechen. Trotzdem ist es nett, wenn die Schnurrtiger den Tisch zunächst auf der untersten Ebene umkreisen, dann in den ersten Stock aufsteigen und sich von einem Schoß zum nächsten vorarbeiten, bevor sie die dritte Ebene, den Tisch mit dem Essen anvisieren. Das ist dann der Zeitpunkt zu dem sie üblicherweise auch von den Katzenfreunden und -freundinnen wieder zurück auf die erste Ebene befördert werden.

Am späteren Nachmittag wurde es sehr still in den Bäumen und im Hintergrund sehr dunkel und wir beeilten uns aufzubrechen, weil wir ja noch den ganzen Weg wieder hinunter mussten. Kaum waren wir aufgebrochen, begann es zu regnen, ziemlich heftig sogar. Während wir Jacken und Schirme aus den Rucksäcken zerrten, wurden wir schon ziemlich nass und als wir nach einer längeren Weile unten bei den Autos ankamen, hatte sich das Wasser schon die Hosenbeine hinauf gesaugt und war von den Bäumen in den Kragen geronnen.

Ich mag ja den Regen, sogar in solchen Situationen, alle anderen waren weniger begeistert. Es wurde auch langsam immer dunkler zwischen den Bäumen und wir mäanderten zwischen den großen Lacken auf dem Weg. Schlimmer als dass alle ziemlich trieften bevor sie in ihren trockenen Autos verschwanden wurde es nicht mehr. Ich bedaure nur die schönen Fotomotive, die nicht von mir geknipst wurden

Auch allein

Ich bin über den Blog Klapperhorn auf Drabbels (Texte mit genau 100 Wörtern) gestoßen. Ich versuche mich jetzt daran, „Alltagsdrabbels“ zu schreiben, ohne Wortvorgabe, mit Inspiration aus meinem täglichen Leben.

Es ist einfach so, dass meine Füße genau wissen, wo das Parkett knarrt, wenn ich bei der Gehmeditation draufsteige, meine Hände wissen, wie man das leicht verzogene Fenster bewegt und ich finde mit geschlossenen Augen von einem Raum in den anderen. Viele der Anwesenden sind mir vertraut, äußerlich und innerlich. Wir leben schon lange mit ähnlicher Philosophie.

Ich habe die Gruppe aus eigenem Entschluss verlassen, weil es einiges gab, das ich nicht mittragen wollte, aber die Situation hat sich verändert und ich werde mich vielleicht wieder anschließen. Meinem Körper sind solche Gedanken und Überlegungen egal, er fühlt sich ohnehin zuhause.


Drabbel Nr.8

Mittwoch 24. August 2022

Ich komme gerade von der Physiotherapeutin, die meine Faszien wunderbar durchgeknetet hat. Während der Bearbeitung ist es grauslich, aber nachher wunderbar. Ein geradezu schwebendes Gefühl. Sie hat mir aus heiterem Himmel mitgeteilt, dass ich auch damit rechnen muss, dass der Nerv nicht wieder so wird, wie er war. Sie hätte schon so oft gesehen, dass gerade der Peroneus , wenn er einmal geschädigt wurde nur sehr schwer wieder zur vollen Funktion gebracht werden kann. Ja, danke, das weiß ich selbst auch. Mit sensibilisiertem Blick habe ich auch auf der Straße eine Menge Leute gesehen, die den einen Fuß anders aufsetzen als den anderen. Ich bemerke auch beim Radfahren, dass ich den gesunden Fuß mit dem Ballen aufs Pedal stelle, den anderen aber mit der vollen Sohle. Was sie als gutes Zeichen gewertet hat, ist, dass es bessere und schlechtere Tage gibt.

Gestern und heute habe ich sehr viel Zeit online verbracht, was ich nicht gut finde. Wenn ich etwa wie heute vor der Tür der Therapeutin stehe und noch schnell etwas auf dem Blog lese, dann ist das eindeutig ungesund, eine Stunde später steht auch noch dasselbe da. Ich freue mich also darauf heute Abend mit den Atelierkollegen zu essen und einen großen Sommertratsch zu halten.

Ein Schritt neben dem Weg

Auf der Flucht vor den Touristenmassen am Graben und am Kohlmarkt gingen wir über den Hof zum Judenplatz. Dort steht das Mahnmal für die geschätzt 65.000 vom Nazi-Regime ermordeten österreichischen Juden. Hier war es nicht ganz leer, aber kein Vergleich…

Das Mahnmal ist ein Werk der britischen Künstlerin Rachel Whiteread und wurde im Jahr 2000 enthüllt. Es ist insofern bemerkenswert als sich unter dem Mahnmal die Ruinen einer 1420 niedergebrannten mittelalterlichen Synagoge befinden, die besichtigt werden können.

Rein optisch gefällt mir das Werk nicht besonders, aber die Symbolik finde ich doch eindrucksvoll: die Außenflächen des Baus sind nach außen gewendete Bibliothekswände. Die darin stehenden Bücher stellen zahlreiche Exemplare ein und desselben Buchs dar, die für die Opfer und ihre Lebensgeschichte stehen. Die Flügeltüren sind nicht nur geschlossen, sie haben auch keine Türklinken. Vorne auf dem Sockel gedenkt eine Inschrift der österreichischen Opfer der Shoah, auf den anderen drei Seiten sind die Namen der KZs eingraviert, in denen diese Menschen ermordet wurden.

Auf der anderen Seite des Platzes steht eine Lessing-Statue, die zum Mahnmal hinsieht. Das Lokal dahinter, das auf Fotos unweigerlich zu sehen ist heißt „Bierparadies“. Auch Kulinarik ist vertreten. In einer Nebengasse mit Blick auf den Platz haben wir sehr gute tapas gegessen. Leben, Tod, Literatur, Tragödie und Genuss vereint …

Samstag 20.August – Massentourismus

Seit langer Zeit wieder einmal sind der F und ich gemeinsam durch die Innenstadt gebummelt. Auf den Hauptdurchzugsstraßen des Tourismus wie etwa am Kohlmarkt (auf dem Foto) hat man den unangenehmen Eindruck als Kuh unter vielen an einem Almabtrieb oder vielleicht auch -auftrieb teilzunehmen.

Immer wieder erstaunlich ist aber auch, dass man nur in eine beliebige Seitengasse abbiegen muss um aus der Masse herauszukommen. Offenbar haben alle dieselbe Reiseführerbeschreibung gelesen und weichen keinen Zentimeter von der dort angegebenen Route ab. Hier zum Beispiel waren auf dem Platz nur diese beiden jungen Männer zu sehen, die wohl auch keine Touristen waren.

Die Kaiserin Elisabeth oder Sisi wird auch zum Geht-nicht-mehr ausgeschlachtet. Hier für den Souvenir-Hochpreissektor:

Ganz klar ist mir nicht, ob der K.U.K HOF U. KAMMER-JUWELIER U. GOLDSCHMIED der ursprüngliche Erzeuger der berühmten Sterne war oder ob man Kopien davon dort kaufen kann oder beides.

Trotz aller touristischen Auswüchse, die angeblich noch harmlos sind im Vergleich zu Venedig oder Barcelona, über die sich die Legionen und Horden von Kreuzfahrt-Touristen ergießen, bleibt Wien eine wunderschöne Stadt.