Kategorie: SPORADISCHES TAGEBUCH

Dienstag 11.Mai 2021

Es gibt kreative Tage und andere. Ich habe heute einen anderen. Es fing schon damit an, dass ich keine Lust hatte, ins Atelier zu gehen, was ja kaum jemals vorkommt. Zu den Texten, die mir so vorschweben, fiel mir rein gar nichts ein und obendrein ist es viel zu heiß.
Also ein idealer Tag um wieder einmal dem Lavendel auf meiner Terrasse zu Leibe zu rücken. Ich weiß nicht warum, aber er wächst und wächst praktisch überall und ist sehr schwer auszureißen, weil er tief und fest wurzelt. Aber heute war ich diesbezüglich schon sehr erfolgreich und habe statt des Lavendels etliche Pflänzchen gesetzt. Zum Beispiel drei Mais-Pflanzen und eine sehr hübsche Pflanze mit lila Blüten, die man mir auf dem Markt als „Vanille-Blume“ verkauft hat. Allerdings stammt die Bezeichnung von der Verkäuferin, die, als ich sie fragte ob „diese Blumen dort“ stark riechen über den halben Markt rief „Chefin, stinken die a ?“. Also keine Pflanzenliebhaberin.
Mehrere Feuerblumen in verschiedenen rot-orange Schattierungen habe ich auch eingesetzt. Die sind bildschön und überleben alles. Glockenblumen und verschiedene Blümchen, von denen ich auch nicht weiß, wie sie heißen. Die Blumenverkäuferin hat mir Fingerhutpflanzen für demnächst versprochen. Die vom Vorjahr, die eine wahre Pracht war, lebt und hat drei kleine Blütenstände ausgefahren, aber sie wird es schon aushalten, wenn ich ein zweites Exemplar einsetze. Vielleicht wird sie sogar angespornt.
Pflanzen sind doch immer eine Quelle der Freude. Naja, der Lavendel nicht unbedingt immer …

Fischwanderhilfe

Wir gingen über das Kraftwerk, das den hübschen Namen der Umgebung „Freudenau“ führt zur anderen Seite der Donau. Es wurde 1992 eröffnet und ist daher für ein Kraftwerk noch verhältnismäßig neu.

An diesem Tag wehte ein Sturm und beim Überqueren der „Brücke“ hatte ich das dringende Bedürfnis nach irgendeiner Kopfbedeckung, sogar ein Radhelm wäre mir willkommen gewesen. Der F als studierter Wasserbauingenieur zeigte aber einige Motivation um mir an Ort und Stelle zu erklären, wie das Ding funktioniert. wir wurden nicht wirklich umgeblasen, aber beinahe.

Es ist ein Laufkraftwerk mit 6 Turbinen und es leuchtet ein, dass es nötig ist, etwas zu unternehmen um zu vermeiden, dass die Fische in die Turbinen gezogen werden.
Meine Motivation bei Sturm über das Kraftwerk zu gehen, war, zu sehen wie diese sogenannte „Fischwanderhilfe“ aussieht. Fischtreppen bei kleinen Kraftwerken habe ich schon gesehen, aber das ist hier kein Vergleich.
Die „Umleitung“ für Fische und sonstige Wasserbewohner ist eindrucksvoll weitläufig.

Die renaturierten Strecken der „Umleitung“ sehen geradezu idyllisch aus. Fische habe ich zwar keine gesehen, aber das hing vielleicht mit der Tageszeit zusammen. Ganz in der Nähe des Kraftwerks, in der Lobau, liegt Wiens FKK-Bereich. Die FKK-Leute haben angeblich mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen und so finden sich dort in der Mehrheit ältere Leute im Adams- oder Evakostüm.

Wahrheiten?

Wenn es so etwas wie universelle Wahrheiten geben sollte, so müsste es auch möglich sein, auf verschiedenen Wegen dorthin zu gelangen. Wenn es eine gute Zukunft für die Menschheit auf diesem Planeten geben soll, müssen viele verschiedene Richtungen einen Grundkonsens finden. Leider sieht es danach derzeit nicht aus. Möglicherweise fehlt mir aber auch nur die Sicht von einem höher gelegenen Standpunkt aus.

Vielleicht gibt es aber diese universellen Wahrheiten gar nicht, oder auf einer Ebene, die uns Menschen nicht zugänglich ist und wir hauen einander wegen Banalitäten die Schädel ein.

Manchmal versuche ich Fs Faszination für Baumaschinen, Brücken, Dämme, Züge nachzuvollziehen. Es gelingt mir eh nicht

„Ahhh, ein Zug“
„Ja und?“
“ —-„
„Ah ja, toll, ein Zug“

Freitag 7.Mai 2021

In letzter Zeit sehe ich auf Blogs, die ich regelmäßig besuche immer häufiger Serien von Bildern. Wobei die Bilder entweder thematisch, von der Technik oder von der Farbe her zusammenhängen. Ich sehe mir diese Serien sehr gerne an und denke über die Zusammenhänge nach. Es beschäftigt mich auch die Frage, was der Unterschied zwischen einer Serie von mehreren Bildern und einem Diptychon oder Triptychon ist.

Im Grunde sind meine drei Bilder mit planlos aufgetragener Strukturpaste auch so etwas wie eine Serie, obwohl das nicht sichtbar ist, wenn man nichts über ihre Entstehung weiß. KLICK 1 KLICK 2 KLICK 3

In Wüsten können die Temperaturen zwischen Tag und Nacht um fünfzig Grad schwanken. Ganz so extrem ist es in Wien nicht, aber man braucht derzeit schon einen soliden Kreislauf um gut durch die Schwankungen zu kommen

Donnerstag 6.Mai 2020 – Flieder und „Volksgenossen“

Auf dem Weg ins Atelier komme ich an unzähligen Fliederhecken vorbei. Das ganze Jahr über sind es einfach irgendwelche Büsche, die die Sicht der Vorübergehenden und so auch meine einschränken, aber zu ihrer Blütezeit verbreiten sie einen geradezu paradiesischen Duft. Gerade lese ich, dass der Flieder zu den Ölbaumgewächsen zählt. Ein bisschen Weiterbildung im Rahmen des Bloggens kann ja nicht schaden.

Auch sehr Interessant ist, dass die Blüten sich dort häufen, wo Vorübergehende weder mit den Händen noch mit einer arglistig mitgebrachten Gartenschere hinkommen. Dabei handelt es sich bestimmt um ein botanisches Phänomen, denn es würde doch niemand die unteren Blüten …. nein, nie und nimmer, niemals würde ich meinen Mitmenschen zutrauen, dass der Flieder in ihren Vasen irgendwo anders herstammt als aus dem eigenen Garten oder einem Blumengeschäft.

„Arglistig“ ist mir kürzlich beim Unterzeichnen des Wohnungs-Kaufvertrags untergekommen. Da stand „arlistiges Verschweigen von baulichen Mängeln“. Meine juristische Schwägerin meinte, dass es da drei Stufen von Verschweigen gäbe, „arglistiges Verschweigen“ wäre die oberste und in einem Vertrag für die Käuferseite sehr ungünstig, weil sich die Arglist kaum beweisen ließe. Nachdem ich darauf bestanden habe, hat der Notar „arglistig“ gestrichen. Er musste ja aufgrund seiner falschen Berechnungen ohnehin eine ganze Seite umschreiben.

Bis vor kurzem konnte ich noch nicht wirklich nachvollziehen, wie die Zusammenhänge einer totalitären Ideologie wie dem Nationalsozialismus mit einer esoterischen Mystik funktionieren können. In letzter Zeit verstehe ich besser wie man, wenn sich Wissen und Logik verweigern auf Mystik zurückgreift. Wenn ich da höre wie jedes Wochenende vom starken Immunsystem „unseres“ gesunden Volkes gebrüllt wird. Die Nazis waren auch auf der Suche nach dem Gral, wenn ihnen dafür noch Zeit blieb neben der Errichtung und Besiedelung von Vernichtungslagern und dem Einkleiden von „Volksgenossen“ bis hinunter zu Kindern als Kanonenfutter und Mörder, je nachdem.
Geschichte wiederholt sich nicht wirklich. Die Bedingungen sind andere, die Akteure verschieden, es kann zu Verwechslungen zwischen Täter- und Opferrollen kommen. Manche Reminiszenzen an untergegangene Zeiten können aber trotz einer gewissen Komik, die man darin auch sehen kann, durchaus bedrohlich wirken, nicht zuletzt die mystischen.

Sonntag 2.Mai 2021

Aus den Lockdowns beibehalten haben wir die Spaziergänge auf Friedhöfen. Viel Grün, wenig Leute, interessante Grabsteine, über die man Geschichten spinnen kann. Einer dieser Friedhöfe bietet theoretisch auch eine tierische Attraktion: Wildhamster, die dort frei leben und sich angeblich heftig vermehren. Theoretisch, weil wir bei zahlreichen Spaziergängen nie auch nur einen einzigen gesehen haben. Bis gestern.

Nach dem Besuch beim Friedhofsgärtner, der ebenso wie im Vorjahr im Lockdown nicht nur überhaupt offen hatte sondern auch an Sonntagen, luden wir die Blumen ins Auto und beschlossen noch eine Friedhofsrunde zu drehen, wo wir doch schon dort waren. Und nachdem wir nicht auf den Hauptwegen sondern zwischen den Gräbern spazierten, wurden wir mit einer Feldhamster-Sichtung belohnt. Ein sehr putziges Viecherl kam aus einem Loch unter einer Grabplatte und sah uns an. Irgendwo zwischen Hamster und Meerschweinchen sah es aus. Ich fand es größer als ich es mir vorgestellt hatte, der F fand es kleiner. Gut, es war so groß wie es eben ist und verschwand in einem ziemlich kreisrunden Loch.

Eine Infotafel am Eingang hatte uns darüber informiert, dass die Hamster unterirdische Sommer- und Winterbauten errichten, mit Kammern, die verschiedene Funktionen haben und mit mehreren Eingängen in Form von Fallröhren mit kreisrundem Eingangsloch. Nun sahen wir sie auch, die zahlreichen Löcher im Boden ….

Foto habe ich leider keines zu bieten, aber für wen es interessiert, gibt es ja im Internet nicht nur Katzenfotos

Friedliche Nachbarn ?

Es gibt viele Arten von Vorurteilen. Dass die Bäume blühen und im Vorgarten eine Regenbogenfahne steht, heißt ja nicht, dass hier nette, friedliche Menschen leben, aber vielleicht doch.

Donnerstag 29.April 2021

Der kürzlich verstorbene Hugo Portisch war ein herausragender österreichischer Journalist. Was ihn für mich noch bemerkenswerter macht, ist das Interesse und die Begeisterung, die er in seiner Berichterstattung bei egal welchem Thema ausstrahlte. Kürzlich habe ich ein Zitat von ihm gehört „ich habe mich jeden Tag so gefreut am Leben zu sein“. Das halte ich für eine ebenso bewundernswerte wie nachahmungswürdige Lebenseinstellung, was man macht mit Begeisterung oder gar nicht zu machen.

Der F wettert wieder einmal über den verheerenden Zustand der österreichischen Verwaltungs-IT. Ob er recht hat oder übertreibt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Es gibt schon einige Beispiele für schlecht Funktionierendes aber auch für das Gegenteil. Der sogenannte „grüne Impfpass“ zum Beispiel ist derzeit ein beliebtes Thema bei der Ankündigungs-Politik unseres Kanzlers. Schon vor Wochen behauptete er, dass dieser Impfpass in Österreich schon im April umgesetzt werden würde, schneller als überall anders. Das höhnische Lachen vom F bei dieser Ankündigung habe ich noch im Ohr. Inzwischen ist der Gesundheitsminister zurückgetreten mit einer recht langen Rede, in der er sich bei vielen bedankt, den Kanzler aber nicht einmal erwähnt hat.
Den Impfpass gibt es derzeit also nur in der Theorie, aber die Impfungen selbst laufen sehr gut. Ich persönlich hätte jetzt gerne einfache Möglichkeiten für Anti-Körper-Tests um zu sehen wie wirksam die Impfung(en) sind. Restlos klar ist die Sache dann auch noch nicht, weil das Immungedächtnis der T-Zellen auch eine große Rolle spielt, aber es ist doch eine Referenz, die ich gerne hätte. Ich werde nicht die einzige sein, die sich für solche Tests interessiert, die Chancen, dass man sie bald bei jedem Labor machen kann, stehen ganz gut.

Dienstag 27. April 2121 – Obstplantagen und Silikon

Drei Obstbäumchen stehen auf meiner Terrasse im sechsten Stock: ein Pfirsichbaum, ein Birnbaum und ein Apfelbaum. Im Vorjahr haben alle drei wunderschön geblüht, die Ernte aber bestand aus Null Pfirsichen, Null Birnen und zwei Äpfeln. Nicht gerade üppig. Die potentiellen Birnen und Pfirsiche sind entweder noch als Blüten erfroren, vom Sturm abgerissen oder in einem späteren Stadium von Ameisen gefressen worden. Die beiden Äpfel haben wir entsprechend feierlich verspeist.
Derzeit sieht es bei den Obstbäumen sehr gut aus. Es müssten etliche Pfirsiche und Birnen wachsen, sofern es nicht nochmal friert. Leider habe ich auch schon drei Ameisen gesehen. Wahrscheinlich war das die Vorhut, die den Standort für die Blattlauszuchtanstalten ausgekundschaftet hat. Verflixte Viecher!
Das Apfelbäumchen ist langsamer und beginnt gerade erst zu blühen, es sieht nach vielen Blüten aus, man kann aber noch nicht wirklich viel sagen.
Die beiden Weinstöcke, die wir im Vorjahr gepflanzt haben und die im Herbst so aussahen als würden sie keinen Winter überleben, treiben auch fleißig Blätter. Ob sie außer Blättern sonst noch etwas produzieren werden, ist noch nicht feststellbar. Viele winzige Blättchen glitzern auf dem Gingko, der ohnehin nicht umzubringen ist. Und der burgenländische Feigenbaum, der aus den von Freund K gespendeten Zweigen stammt, wird heuer sicher so groß wie ich und hat Knospen, die jeden Tag aufspringen können. Auch die Waldreben, die voriges Jahr eine wahre Pracht waren, tragen schon Blüten. Dafür dass alles nur in Töpfen und Kübeln wächst, ist es erstaunlich schön und resistent.

Der D war übers Wochenende im Atelier wieder fleißig, hat sämtliche Verpackungsreste von der gräßlichen Sitzgruppe weggeräumt und den Kühlschrank aufgestellt. Drinnen stehen die zwei Flaschen Prosecco, mit denen ich mich fürs Ausmalen bedankt habe und eine Flasche Schlagobers wahrscheinlich für den Kaffee. Auf dem Kühlschrank thront die riesige Kaffeemaschine und größere Vorräte Kaffeebohnen sind über den Raum verstreut. Immerhin gibt es auch den hübschen Wasserkocher für NichtKaffeetrinkerinnen wie mich.

Dieses Stillleben hat mir gefallen: essen, trinken und Silikon in trauter Eintracht und für Ds Verhältnisse in geradezu chaotischem Zustand.

Sonntag 25.April 2021- Probleme am Horizont

Ich bin sehr besorgt. Kommenden Freitag möchte ich den Kaufvertrag für die Wachau-Wohnung unterschreiben, aber es gibt Probleme. Die Verkäufer haben offenbar die Erklärungen des Notars nicht verstanden, haben jetzt plötzlich erkannt, dass sie vom Kaufpreis für die Wohnung ihre offenen Kredite, die im Grundbuch stehen, auszahlen müssen und sind irgendwo zwischen verwirrt und verärgert.
Genau so entsteht die Empörung gegen „die da oben“. Man glaubt alles zu durchblicken, hat aber keine Ahnung und kommt auch nicht auf die Idee jemanden zu fragen. Und dann steht man da, hat sich völlig verkalkuliert, kennt sich überhaupt nicht mehr aus und nachdem jemand daran schuld sein muss, kommt hier halt nur der Notar in Frage, der eh auf den Punkt mehrmals hingewiesen hat. Die Verkäufer haben aber anscheinend nichts von dem verstanden, was ihnen der Notar erklärt hat, aber zu allem freundlich genickt.
Ich komme zum Glück als Schuldige an dem Debakel nicht in Frage, aber wenn sie sich womöglich entschließen, doch nicht verkaufen zu wollen, würde mir das extrem leid tun. Geduld ist angesagt …

Mittwoch 21.April 2021

Es gibt hervorragende, einleuchtend und übersichtlich geschriebene Bücher zum Thema gesunde Ernährung. Die Leser*innen werden umfassend informiert über die verschiedenen Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und deren Auswirkungen auf den Stoffwechsel im allgemeinen und einzelne Organe im Besonderen. Diverse Aufstellungen, Tabellen, Rezepte, alles da. Niemand könnte zu Recht behaupten, dass es an Information fehlt, an allgemein zugänglicher, verständlicher, umfangreicher Information.

Die Umsetzung allerdings muss man selbst übernehmen, da holpert die Sache …

„Ins Tun kommen“ ist übrigens ein wunderbarer Ausdruck für eine Situation, in der die Praxis der Theorie um riesige Strecken nachhinkt.

Montag 19.April 2021 – Entscheidungen

Schwierig ist es derzeit, eine Entscheidung zu treffen, wenn man ein neues Auto braucht. Bei Fs Auto wurde in den letzten Jahren schon dies und das repariert und wir haben darüber nachgedacht, ab wann die Reparaturen zu teuer werden und der Kauf eines neuen Wagens letztendlich billiger kommt. Der Moment wäre eigentlich gekommen, denn die Klimaanlage ist kaputt, was in den 40-Grad Sommern und den Treibhaustemperaturen in einem Auto auch für kurze Strecken eigentlich unerträglich ist.
Wir haben nun hin und her überlegt. Ein E-Auto, ein Hybrid, doch noch ein Verbrennungsmotor ? Wenn man weder zuhause noch am Arbeitsplatz eine Möglichkeit zum Aufladen hat, ist ein Elektroauto ein Stressfaktor und Zeitfresser. Wenn dann noch die Planung dazukommt, die es braucht für eine längere Strecke die Aufladungsmöglichkeiten unterwegs ausfindig zu machen, wird das zum enormen logistischen Aufwand und eine spontane Entscheidung irgendwo hinzufahren wird praktisch unmöglich. Gut, für ein E-Auto ist die Zeit noch nicht reif.
Ein Hybrid also. Nun ja, ein Hybrid lohnt sich nur dann, wenn man doch beträchtliche Strecken elektrisch fährt, was aber – siehe oben – unwahrscheinlich wäre. Fährt man mit dem Verbrennungsmotor eines Hybridautos verbraucht man mehr als mit einem klassischen Motor. Auch keine gute Entscheidung.
Ein Auto kaufen, von dem man doch eine gewisse Lebensdauer erwartet mit einer Technologie, die auf dem absterbenden Ast ist und obendrein sehr umweltbelastend? Allerdings ist es ja auch noch nicht wirklich klar, ob die Produktion der Batterien für Elektrofahrzeuge sowie deren Entsorgung wirklich umweltverträglicher ist als Verbrennungsmotoren.
Tja, leasing statt kaufen haben wir auch bedacht. Allerdings bringt das auch nicht wirklich eine Entscheidung, obwohl es keine schlechte Sache wäre.
Letztendlich haben wir eine Entscheidung getroffen: wir haben uns entschlossen, die Klimaanlage reparieren zu lassen und hoffen, dass die Entscheidung in einem Jahr schon einfacher geworden sein wird. Mit diesem Hinausschieben kann ich jetzt eine Weile gut leben.

Samstag 17. April 2021

Seit über einem Monat habe ich einen wunderbaren Schreibtischbegleiter. Er steht dekorativ da und riecht betörend. Leider riecht er nicht mehr so stark wie anfangs, weil er langsam doch abblüht, aber es wachsen schon neue Ranken, die es vielleicht auch bis zur Blüte bringen. Ich habe den Jasminstock bei einem mir äußerst unsympathischen Blumenhändler gekauft, der auf die Frage, ob ich den Jasmin viel oder wenig gießen soll „wenig“ geantwortet hat. Deswegen gieße ich ihn eher viel und mit bestem Erfolg.

Der Geruch von Jasmin entführt mich immer nach Sevilla, in die „Casa de Pilatos“, einem Renaissance-Mudéjar-Palast, der abgesehen von seinen architektonischen Schönheiten auch eine Jasminlaube im Garten hat, die für diejenigen, die den Geruch so gerne mögen wie ich ein olfaktorisches Paradies darstellt. Mein Arbeitszimmer ähnelt zwar in keinem einzigen Detail einem andalusischen Palast, aber es riecht schon seit Wochen so.

Heute habe ich bei einem Spaziergang durch Bloghausen einen rumänisch geschriebenen Blog gefunden, der über diverse Reisen und Länder berichtet. Ich habe einmal – vor vielen Jahren – begonnen rumänisch zu lernen. Die Mischung aus romanischen und slawischen Elementen hat mich fasziniert. Es ist dann nichts weiter daraus geworden, weil ich keine native speaker kannte, mit denen ich mich gerne unterhalten hätte. Beim Lesen verstehe ich schon eine Menge, aber es passiert immer wieder, dass ein für das Verstehen entscheidendes Wort eine slawische Wurzel hat. Leider beherrsche ich keine einzige slawische Sprache und kann daher auch nichts ableiten. Das sieht dann so aus wie ein Weg, der über viele verständliche, landschaftliche Elemente plötzlich vor einem unverrückbaren Felsen endet. Natürlich gibt es Wörterbücher und Übersetzungsprogramme, aber es macht mir mehr Freude, mich selbst durchzuschlängeln und dann die unverständlichen Teile irgendwann aus dem Kontext zu verstehen

Freitag 16. April 2021 – er ist da !

Es hat recht lange gedauert, aber gestern ist der Kaufvertragsentwurf für die Wohnung an der Donau gekommen. In geschliffenem Juristendeutsch, sprich für Nicht-Juristen über lange Strecken unverständlich. Ich weiß ja, was da stehen soll, aber wenn ich mir durchlese, was da steht, so verstehe ich das genaue Gegenteil. Was bin ich froh, dass meine Schwägerin Juristin ist und mir gerade versichert hat, dass für das Lesen von Grundbuchauszügen eine gewisse Einschulung erforderlich ist. Immerhin nicht ein ganzes Jus-Studium, schon ein kleiner Lichtblick.
Ich muss es ja auch nicht im Detail verstehen. Wenn sie mir versichert, dass in dem Vertrag in seltsamen Schnörkeln das steht, was drinnen stehen soll, so bin ich zufrieden. Vertrauen ist etwas Schönes. Der Notar wird natürlich auch alles nochmals mit uns durchgehen, aber es ist mir schon wichtig, vorher zu wissen, ob ich diesen Vertrag problemlos unterschreiben kann.
Meine juristische Schwägerin hat gerade sehr gelacht, weil ich sie gefragt habe, ob „Fahrnisse“ etwas ähnliches wie „Fahrzeuge“ bedeutet oder vielleicht „schicksalshafte Wendungen“ oder sonstwas. Das Wort ist mir bewusst noch nie untergekommen.

Juristensprache hat aber durchaus auch poetische Qualitäten. Zum Beispiel:

(…) in den tatsächlichen Besitz und Genuss der Käuferseite, mit Übergang von Gefahr und Zufall, Last und Vorteil, erfolgt (…)

oder

„grundbücherlich einverleibt wird“

Die nächste Herausforderung besteht darin, überhaupt zu dem Notar vorzudringen. Ich verfolge die Lockdown-Bestimmungen nicht so genau, weil ohnehin niemand weiß, was gerade gilt. Zu irgendeinem Zeitpunkt war es aber verboten von Wien nach Niederösterreich zu fahren. Allerdings war es immer erlaubt, von einem Bundesland ins andere zu fahren um dort wandern zu gehen. An Absurdität schwer zu übertreffen, aber Österreich ist ein Land der Wanderer. Schlimmstenfalls müssen wir also behaupten, dass wir zum Wandern unterwegs sind

Mein erster Blogeintrag ohne Blogeintrag

Jules van der Ley veranstaltet eine Blogparade zum Thema Blog(ger)gerschichte, an der ich mich gerne beteiligen möchte.

Meinen ersten Blog stellte ich 2008 auf blogspot. Ich lernte gerade Portugiesisch und dachte, es wäre eine gute Übung, regelmäßig in der zu lernenden Sprache zu schreiben und eine ebenso gute Gelegenheit ein paar Nativespeaker mehr kennenzulernen. Der Plan ist aufgegangen. Mein Portugiesisch war damals sehr flüssig, auf einem B1+-Niveau und ich lernte drei portugiesische Blogger persönlich kennen.

Die eine Begegnung war ein ziemlicher Reinfall, aber mit den beiden anderen war ich ein paar Jahre in Kontakt und wir haben uns mehrmals in Portugal getroffen.
Die eine war eine höchst reiselustige Bibliothekarin, die Theaterwissenschaften studiert, das Studium aber abgebrochen hatte, weil sie sich mit einem Professor nicht über eine Brecht-Inszenierung einigen konnte. Hat sie erzählt, ob es auch so war, kann ich natürlich nicht beurteilen. Jedenfalls habe ich mit ihr eine extrem originelle Theater-Aufführung gesehen. Das Besondere daran war, dass die Figuren von Schauspielern dargestellt wurden, die weder im Alter noch im Geschlecht passten. So wurde zB ein fünfjähriges Mädchen von einem 30-jährigen Mann dargestellt. Ich erinnere mich nach über zehn Jahren an diese Aufführung, die mich sehr beeindruckt hat.
Die andere Frau, die ich über diesen Blog kennen lernte, war eine überzeugte Buddhistin und nahm mich unter anderem zu einem Diskussionsabend in ihrer Gruppe mit. Diese Bekanntschaft war für mich sprachlich sehr herausfordernd, aber sie bescherte mir so manchen Abend am Atlantik bei interessanten Gesprächen und angenehmen Temperaturen zu Jahreszeiten zu denen es in Wien schon wieder oder immer noch kalt war.

Dieser alte Blog steht noch auf Blogspot, aber irgendwann hatte ich das Bedürfnis einen Blog auf Deutsch zu schreiben und daraus ist https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/ geworden. Eigentlich ein völlig absurder Name für einen Blog, denn das ganze Zitat (von La Rochefoucauld) lautet „la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée“, die Sprache wurde dem Menschen gegeben um seine Gedanken zu verbergen. Nachdem aber die Blogadresse nur die Hälfte des Zitats umfasst, passt es wiederum ganz gut und heißt jetzt einfach „Die Sprache wurde dem Menschen gegeben“. Es passt nur relativ gut, weil es den falschen Eindruck erwecken könnte, dass ich religiös bin, was nicht der Fall ist. Ganz bestimmt ändere ich diesen Namen aber nicht mehr.

Mein Blog ist meine Spielwiese. Er hat weder ein bestimmtes Thema noch ein zeitliches Schema für die Beiträge. Ich veröffentliche nach Lust und Laune dies und das und jenes. Das einzige was ich sehr strukturiert betreibe, ist die Impulswerkstatt, ein Kreativprojekt, das einmal monatlich neue Impulse gibt aber auch keine komplizierten Regeln hat.

Diese Blogparade nun gefällt mir sehr sehr, weil ich eben wieder einmal Lust habe, auch neue Blogger-Blasen kennenzulernen.