la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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ABC Etüden – grenzenlos

Die ABC-Etüden werden von Christiane organisiert und von Ludwig illustriert. 

Es geht darum aus 3 Wörtern eine Geschichte aus genau 10 Sätzen zu basteln

Nach dem Unfall hatte er immer an die Brücke denken müssen und an das Dorf auf der anderen Seite des Flusses. „Du kannst da allein nicht mehr hin“ hatte seine Mutter gesagt „aber am Sonntag gehen wir gemeinsam“. Dann hatte ihn aber sein bester Freund begleitet und sie hatten gemeinsam die Schritte gezählt und die Wegmarkierungen ausgewählt.

Wochenlang hatte er geübt, mit dem weißen Stock vor sich her getastet. Zweiundzwanzig, Einundzwanzig, verdammt jetzt war er gestolpert und hatte die Spur verloren. Er verbiss sich die Tränen und tastete sich zurück nachhause. Nochmals von vorne. Viele, viele Male. Neunundneunzig – Achtundneunzig – er zählte immer rückwärts – Fünfunddreißig …. Siebzehn ……  Zwei – Brücke ! Jaaaa, es war gelungen und damit wurden seine Möglichkeiten der Orientierung grenzenlos.

 

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ABC-Etüden – Dubiose Verwaltungsmaßnahmen

Wieder einmal eine 10-Satz-Geschichte. Hier geht es zu Christiane, der Projektverwalterin

Ich gehe jetzt einfach wieder hin und erkundige mich nochmals. Da werden wieder alle hinter meinem Rücken die Augen verdrehen, weiß ich doch, ist ja immer dasselbe ! Und sie werden sagen, mit dieser mühsamen Geduld in der Stimme, dass sie es mir doch schon so oft erklärt haben oder dass das eben so ist. Letztes Mal hat der Huber einmal was anderes gesagt, er hat mich gefragt, wieso das so wichtig ist. Ausgerechnet der Huber, der immer auf dem Behindertenparkplatz steht, direkt vor dem Eingang zum Supermarkt. Die Müller-Hinterprup  ist auch nicht besser, die seufzt immer, wenn sie mich sieht. Gestern hat sie gesagt „Oh Gott, früher war es wenigstens nur einmal im Monat“  Dumme Person, gibt es denn in diesem fragwürdigen Amt eine Bestimmung darüber wie oft man etwas fragen darf  ? Sie könnten ja mal eine Antwort geben, wäre ja nicht so schwer. Warum kommt denn die Müllabfuhr am Dienstag und nicht an einem anderen Tag ?

 


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ABC- Etüden – ANTON ?!

„Anton“ hat sie mich genannt, die Frau Flumsel, „Anton !!“, wo doch nur „Luzifer“ oder „Nosferatu“ oder vielleicht „Belphegor“ meiner vielschichtigen Persönlichkeit gerecht würden ! Gut, die Sache ist entschieden, ist ziehe samt Fressnapf und Schlafdecke zu der Myriade. Gut, die hat auch ihre Mucken. Wenn sie „Quadratscheißer“ hört, runzelt sie die Stirn und findet sich zu kultiviert für solche Vokabel, aber immerhin hat sie eine präfaktische ebenso wie eine postfaktische, eigentlich eine von überhaupt keinen Fakten getrübte Einstellung zu Katzen. Da kann ich mich aufführen wie ich will, mit gelegentlichem Schnurren wickle ich sie dann schon wieder um den Finger und mit einem Blinzeln, egal ob mit dämonisch roten oder elegant grünen Augen bringe ich die sofort dazu, mir Delikatessen jeder Art zu servieren. Da ist gar nix ergebnisoffen ……


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ABC-Etüden – Liebe auf zwänglerisch

„Heute oder nie“ dachte Anna und verwurschtelte die rosa-grüne Decke auf ihrem Bett. Leichte Panik stieg in ihr auf als sie das Ergebnis betrachtete: Unordnung, keine einzige gerade Linie mehr, die Farben nicht mehr in geometrischen Mustern. Sie schloss die Augen um es nicht sehen zu müssen und warf die beiden ebenfalls rosa-grünen Kissen auf den Boden. Nur durch extreme Konzentration und Achtsamkeit schaffte sie es durch das Zimmer zu gehen und die Tür zu öffnen. Draußen stand Maxi. Er begrüßte sie wie immer herzlich aber mit dieser gewissen Zurückhaltung, die die intuitive Anna immer hart traf. Sie schlenderten in ihr Zimmer, Maxi sah die zerknutschte Überdecke und meinte erfreut „Da ist es ja heute richtig gemütlich“ Er warf sich aufs Bett und zog sie mit sich und es kam wie es schon lange hätte kommen sollen. Nachdem sie nun endlich wusste, was es mit dem körperlichen Teil der Liebe auf sich hatte, überlegte Anna ziemlich entspannt, wie sie die auf den Boden geworfenen Kleidungsstücke ordentlich falten könnte um gerade Linien und Symetrien zu erzeugen. Es war ja ganz nett gewesen, nur war es diese Unordnung wert ??


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Die Verzweiflung der Tradition – abc-etüde

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„Knutschkugerl“ sagten die älteren Schüler im Schlafsaal des Stifsgymnasiums zu ihm, „Knutschkugerl“ weil sie es natürlich alle wussten. Alle wussten, dass er in diesem Schuljahr regelmäßig zu Pater Pius gehen musste und wahrscheinlich wussten sie auch, was er dort tat. Trotzdem konnte er mit niemandem darüber reden, auch im Beichtstuhl erwartete ihn Pater Pius. Einmal hatte er versucht in vorsichtigen Andeutungen mit seiner Mutter zu reden. Sie weinte, „Bub“ sagte sie „das sind doch heilige Männer, und das Gymnasium, denk an das Gymnasium und die Matura, ich kann´s dir nicht zahlen“.

Heute schaute er von seinem Balkon auf das Stift hinüber, zu den  Schlafsälen der Kinder. Die Konzerte in Japan waren wie immer erfolgreich gewesen. Die Sängerknaben füllten dort jeden Konzertsaal. Der Valentin hatte sich als Solist ganz passabel gemacht, eine erstaunliche Verwandlung, wenn auch von der Stimme her eigentlich der Florian oder der Max besser wären. Aber den Valentin hatte er für heute Abend bestellt, wie so oft in diesem Jahr.


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ABC- Etüde – Immer im Fokus, immer beleuchtet

Sie polierte ihn wohl jeden Morgen und hielt dann den ganzen Tag lang den Kopf so, dass alle ihn leuchten sehen konnten. Er sollte nicht zu übersehen sein, ihr Heiligenschein. Hier ein Almosen für den Bettler in der belebten  Einkaufsstraße, dort ein Zuckerl für das großäugigste Flüchtlingskind, könnte ja ein Fotograf in der Nähe sein, die Frequenz des lieblichen Lächelns stets im Auge behaltend. Ein Stirnrunzeln für Plastikverpackungen, ein Hinweis ins Mikrofon gesprochen, dass Liebe alles möglich macht. Charity Veranstaltungen mit der Abend-Version des Heiligenscheins, an die geringere Lichtintensität angepasst. Ach, diese Euphorie der öffentlichen Gutheit ! So warmherzig, wie sie  doch auch der Armen gedachte, der Benachteiligten, der Unwissenden. Konzerte in Waisenhäusern, Kleidersammlungen, Punschstände, Versteigerungen. Immer in Bewegung, immer scheinend.

Was bin ich erleichtert, wenn ich sie nicht sehen muss !


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Tristesse – ABC-Etüden

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Ich wollte einen ganz düsteren Text ausprobieren mit diesen potentiell fröhlichen Wörtern. Wahrscheinlich gibt es aber gar keine fröhlichen oder traurigen Wörter, man kann aus jedem „Rohstoff“ alles machen

Tristesse

Sie ging über das vor Feuchtigkeit glänzende Kopfsteinpflaster über den Hinterhof, vorbei an der Buddelkiste. Dort wurde Abfall jeder Art gelagert: von Exkrementen und Küchenabfällen bis zu kaputten Möbeln, alten Schuhen und einer Menge nicht mehr definierbarem Müll.

Die Buddelkiste war das einzige Thema, das die ansonsten von jeder Illusion und Leidenschaft befreiten Hausbewohner vorübergehend aus ihrer Lethargie wecken konnte. Endlos wurde darüber schwadroniert wer welche Objekte dort abgelegt haben könnte und was dagegen zu unternehmen wäre. Zwar hatte  noch nie jemand irgendetwas unternommen, aber es blieb doch die Möglichkeit, dass eines Tages über den Umweg der Buddelkiste etwas Aufregendes und Lebendiges entstehen könnte. Alle ahnten es, aber niemand hatte noch den entscheidenden Schritt gewagt.

Es begann wieder zu regnen und sie beeilte sich zu ihrer Wohnungstür auf der anderen Seite des Hofs zu kommen. Wie jeden Tag machte sie sich im Kopf einen genauen Plan, wie sie den Rest des Tages verbringen würde. Nur keine Leerläufe. Ihr Tanzbein war längst gebrochen.