la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Da schlage ich gleich zu mit ABC-Krone #1

EWIG JUNG – 14.1.19

Zu meinem großen Erstaunen ist das meine Etüde mit den meisten Zugriffen,  nicht aber mit den meisten likes. Ich habe da so eine Theorie warum das so ist, behalte sie aber für mich. Es ist auch einer der ganz wenigen Sachtexte, die ich zu den Etüden geschrieben habe.

Können Menschen ein Verfallsdatum haben, eine Ablauffrist, abgesehen von der unausweichlichen Vergänglichkeit des Daseins?

Entgeht man diesen Ablauffristen, wenn man sich Nervengift in die Falten spritzen lässt oder Haare implantieren. Machen Kunststoffbällchen im Pornostarformat – oder auch kleiner – wirklich jünger und glücklicher? Ist es nicht lächerlich sondern bewundernswert, wenn Schlagerstars mit siebzig die gleichen Liedchen trällern wie mit zwanzig? Ist es ein gutes Gefühl von einem schleimigen Exemplar Mensch als jüngere Schwester der eigenen Tochter angesprochen zu werden? Macht es Sinn nicht Eltern sondern Freunde seiner Kinder sein zu wollen, meistens auch noch die besten Freunde. Alles nur um diesen Ablauffristen zu entgehen, die dann unweigerlich ins Verfallsdatum münden.

Ist es klug, sich immer nur mit den Augen anderer zu betrachten? Wobei die Kriterien nach denen uns andere betrachten auch immer nur eigene Hypothesen sind. Wer weiß denn, ob der Unbekannte, dem wir irgendwo begegnen „hat die aber viele Falten“ denkt oder etwas völlig anderes.

Vielleicht kann man mit hunderten Runzeln, schütterem Haar und zitternden Händen am Rollator gehend durchaus glücklich und zufrieden sein, wenn die im Laufe eines Lebens angesammelten inneren Ressourcen tragen. Erwirbt man sich innere Ressourcen, wenn man sich hauptsächlich dem völlig aussichtslosen Projekt des Anti-agings widmet?


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Etüdensommerpausenintermezzo #3

Christiane hat immer gute Ideen, so auch diese mit dem Hervorkramen einer oder mehrerer Lieblings-ABC-Etüden. Ich habe in meinen Etüdentexten gewühlt und festgestellt, dass ich mich an viele selbst kaum erinnern kann und so werde ich hier mehrere Lieblingsetüden wieder ans Licht bringen. Hier das Produkt eines späten Abends nach einem über 12-Stunden Arbeitstag

Auf einem Kreuzfahrtschiff treffen sich die Welten, ziehen sich an, stoßen sich ab, treiben wieder auseinander oder vermischen sich für kürzere oder längere Zeit.

Die Primaballerina

an Bord mit ihrem Diener

Ferse  Spitze, Ferse  Spitze

hüpf, hüpf, hüpf

Röckchen schwing und Röckchen lüpf

hüpf, hüpf, hüpf

 

Der Geheimrat mit Gattin

Sie machte äußerst matt ihn

Er: klonk wisch klonk wisch klonk wisch es johlt der Fisch

Sie: stelz, stöckel, schwank, klimper, klimper, wank

 

Gemeingefährlich die zum ersten Mal engagierten Capoeira-Tänzer. Der Primaballerina gefallen sie sehr, vor allem der eine, auch die Geheimratsgattin ist angetan, der Geheimrat selbst weniger.

Die dienstbaren Geister haben auf so einem großen Schiff nichts zu lachen aber viel zu tun.

 

Putz, putz, die Kabinen

Es lauern Trichinen

Rühr, rühr um im Topf

Tu ins Häubchen rein den Zopf

Flatter flatter über Deck

Und vernichte dort den Dreck.

 

Schüttel, schüttel, rühr

Alkohols Geflirr, Eiswürfels Geklirr

 

Das Barpersonal ist besonders gefordert, von den Arbeitszeiten und von den
Gästen her. Manche saufen sich durch die ganze Kreuzfahrt.

Torkel, Umfall, Kotz, Abschlepp, möglichst diskret. Es gilt ja auch Rücksicht zu nehmen auf die Romantischen.

Küsse im Mondlicht, Sex nächtens im Pool, Titaniczitate auswendig lernen und nur ein wesentliches Wort vergessen. Kuscheln im Liegestuhl, „Exodus“ lesen, war ja auch eine Kreuzfahrt, oder „das Narrenschiff“ das passt ganz gut.

Als Kreuzfahrt-Gigolo muss man schnell taxieren, sofort zuschlagen, die Besitzansprüche klar machen, schließlich weiß man nicht, wer im nächsten Hafen an Bord kommen wird und die Halbwertszeit mancher Charme-Offensiven ist kurz ganz im Gegensatz zu der Wut der übervorteilten Damen. Es gibt auch Ausnahmen: der Primaballerina zum Beispiel ist der Gigolo-Vorstoß nur eine hochgezogene Augenbraue wert, sie steht auf den Capoeira-Tänzer, der seinerseits die Geheimratsgattin in Erwägung zieht. Beamtentum ist finanziell solide.

Und das Schiff fährt aus dem Hafen, blubb, glugg, blubb, glugg

genau 300 Wörter


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Etüdensommerpausenintermezzo #4

Und warum muss man als Goldfisch immer am Boden der Realität bleiben?  In welches Wasser ist das eingraviert?

Verschwommen ist unsere Welt, farbig und undefiniert. Niemand weiß wirklich, was dort ist, wo sie endet. Bäume sollen diese fließenden Gebilde heißen, manchmal sind sie grün, dann ist die Atmosphäre naß-warm, wenn sie aber schwarz werden, oder gar weiß, dann atmen wir naß-kalt und manchmal wird der Himmel hart. Winterbäume heißen sie dann. Das hat mir der riesige, alte Goldfisch einmal erzählt. Er weiß viel zu erzählen von der anderen Welt, nur glaubt ihm niemand – außer mir. Dass es dort oben nicht überall Wasser gibt, dass die Dinge seltsam fest wirken und viele verschiedene Wesen in diesem Nicht-Wasser leben. Und wie bitte sollten diese Wesen atmen?  sagen dann alle und wie kann ein Ding fest wirken? So ein Unsinn sagen sie dann alle und schwimmen flossenschüttelnd davon.

Aber ich denke, vielleicht hat er recht, vielleicht hat er wirklich in der anderen Welt gelebt. Es ist doch möglich. Manchmal erzählt er, dass er dieser Welt ein bisschen nachtrauert, weil es dort so bequem ist. Die Nahrung fällt von oben ins Wasser und man muss nur das Maul aufmachen.

Wie sollte man denn dort oben überhaupt sehen können? fragen sie immer wieder, wenn doch die Sonne und der Mond immer in unserem Wasser schwimmen und nicht dort oben sind? Reine Erfindungen sind das. Ein Esoteriker ist der riesige Goldfisch, warum ist der überhaupt so riesig? Nein, nein, das sind alles Hirngespinste mit denen die Jugend verdorben wird. Du solltest ihm gar nicht zuhören, sagen sie dann zu mir, halte dich an die Realitäten und das alte Wissen, da oben ist nichts und die Welt ist naß.

Eines Tages werde ich es schon herausfinden. Ich muss ja nur da hinauf zu den Bäumen.


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Etüdensommerpausenintermezzo #2

 

Christiane hat immer gute Ideen, so auch diese mit dem Hervorkramen einer oder mehrerer Lieblings-ABC-Etüden. Ich habe in meinen Etüdentexten gewühlt und festgestellt, dass ich mich an viele selbst kaum erinnern kann und so werde ich hier mehrere Lieblingsetüden wieder ans Licht bringen.

Hier ist Nr.2.

Yersinia P

Rote Seide, blauer und gelber Samt, Drehungen und Verbeugungen. Die Männer in grün-weißem Leinen, violettem Leder, Balzsprünge, Choreografie der Lust. Fledermaus-Ärmel, Schleppen, Schleier, Schärpen, Schleifen. Kreiselnde, wirbelnde Bewegungen. Plötzlich verriet das Orange die warmen Farben und verband sich mit dem Blau, sofort fanden sich auch rot und grün in ekstatischem Funkeln und Gelb umschlang die Schwestern Lila-Rot und Lila-Blau. Vereinigung von Farben und Säften,Trommel- und Schalmeienklänge durch die schwülen, goldenen Säle

Blinkende Weinkelche auf Damast, schwitzende Körper, lustvolles Stöhnen, geschliffenes Glas, geschmiedetes Gold. Der Duft von Jasmin, der Schrei der Ekstase.

Einmal noch.

1349. Die Pest stand vor Wien.


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Veränderung ist Leben – ABC-Extra-Etüden

Die ABC-Extra-Etüden

Wie immer bei Christiane 

Die Wörter stammen diesmal von Viola-et-cetera und Werner Kastens

Fünf der sechs vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 500 Wörtern verpackt.

 

Gleich um die Ecke, im übernächsten Haus wurde ein neues Geschäftslokal eröffnet. Früher befand sich hier eine Firma, die sich mit den administrativen Seiten des Todes beschäftigte. Sie versprach den Angehörigen der Verstorbenen in blumigen Worten sämtliche Amtswege wie Vorsprachen bei Notaren oder die Organisation der Bestattung zu übernehmen.

Bei der neu eröffneten Firma ist die Abweichung von diesem Geschäftsmodell gar nicht so groß. Ein paar Stufen hinunter und man betritt Räume mit eher trüber Beleuchtung und findet dort eine lange Reihe von Türen vor, wie in einem Keller, in einem Gefängnis, an einem Ort, an den ein unabwendbares Schicksal führt. In den Abteilen modern die Requisiten so manchen Lebens, verstauben  Erinnerungen, deren Besitzer sie nicht behalten wollten und sich auch nicht von ihnen trennen konnten. Wenn die Lebenshorizonte sich verengen, scheint der Besitz vieler Dinge Halt zu geben.

Wir blicken in ein solches Abteil hinein, ein ziemlich großes. Hier lagern Möbel. Die Besitzerin des Abteils konnte sich nicht von der Kommode trennen, in der sie den Schmuck aufbewahrte, der ihr von einem kurzfristigen Liebhaber gestohlen worden war. Später erfuhr sie, dass er mit dem Erlös die Bank in einem Casino sprengen und dann als finanzkräftiger Held eventuell zu ihr zurückkehren wollte. Die Kommode blieb. Ebenso der Tisch auf dem sie mit dem Nachfolger des gescheiterten Casinokönigs diese und jene Kamasutra-Position ausprobiert hatte. Dieser Liebhaber verschwand, weil er sie letztlich doch zu spießig fand. Der Tisch blieb, doch wollte sie ihn ebenso wenig wie die Kommode ständig vor Augen haben und so landeten beide in diesem Speicherabteil und verstauben vor sich hin. Überall auf der Kommode, auf und unter dem Tisch stehen Unmengen von Schachteln, in denen Erinnerungen lagern, staubige Erinnerungen, Glück, Katastrophen, nicht verarbeitete, nicht losgelassene Vergänglichkeit. Bierdeckel mit Telefonnummern, Eintrittskarten in Theater und Kinos, Kleidungsstücke, die zu bestimmten Gelegenheiten getragen wurden, Tagebücher, die von längst Vergessenem berichten, falls die Schrift nicht schon ausgebleicht ist. Es riecht nach Schimmel, Staub und verzweigten Wegen ins Unglück.

Das Nebenabteil beherbergt einerseits die Winterreifen seines Besitzers und andererseits einen Chellokasten umgeben von hohen Stapeln von Partituren. Über den Besitzer dieses Abteils wissen wir nur, dass er zweimal jährlich seine Reifen austauscht und dabei dem musikalischen Bereich des Abteils keinen Blick schenkt. Vielleicht ein Teil seines Lebens mit dem er abgeschlossen hat. Ganz hinten, vom Chellokasten großteils versteckt, lagert noch eine Kiste mit Kleidern. Sie sehen aus wie selbst genäht, aus kostbaren, seidigen  Stoffen, in leuchtenden Farben, sorgfältig zusammengefaltet und nicht sehr staubig. Die Kiste ist fest verschnürt und darauf steht in unübersehbaren, großen  Buchstaben „Eisenbahn“.  Erstaunlicherweise riecht es hier nicht staubig, der Geruch ist schwer zu fassen, eine Komponente scheint Parfum zu sein, die anderen Anteile erlauben mehrere Interpretationen.

Wie erschlagen vom Leben anderer verlässt man den Ort. Es hilft dann nicht viel zu vermuten, dass alle Geschichten, die hier herumspucken frei erfunden sind. Dadurch werden sie nicht weniger bedrückend. Hier fehlt der Wind der Veränderung, der überall durchblasen und die festgefahrenen Leben wieder in Bewegung bringen sollte.

Ich hatte überlegt, hier ein kleines Abteil zu mieten um meine Wohnung von den vielen herumstehenden Bildern zu befreien. Nein. Ich werde sie alle übermalen und neue Bilder daraus machen. Veränderung ist Leben.

 


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Putzfrau und Froschkönig – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter stammen diesmal von Viola-et-cetera

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

Missmutig schwenkte die Putzfrau den Staubsauger in Richtung siebentes Schlafzimmer. Sie hasste ihren Job, ganz besonders in diesem Schloss, wo sie hautnah miterleben konnte, in welchem Luxus andere Leute lebten. In trübe Gedanken versunken saugte sie die kostbaren Teppiche, die hier sogar in den unbenutzten Gästezimmern lagen.

Die Dame des Hauses kam gerade aus ihrem Umkleideraum und sah die grimmig dreinblickende Putzfrau. Sie schwankte sichtbar, seufzte,  wickelte sich zittrig eine Haarsträhne um den Finger und sagte: „Was haben Sie doch für ein schönes Leben“ Man hörte auch ihrer Stimme an, dass sie entweder betrunken war oder unter sonstigen Drogen stand.

„Blöde Tussi“ dachte die Putzfrau „das darf ja wohl nicht wahr sein.“

„Froschkönig nennen alle meinen Mann, das haben Sie sicher schon gehört. Den Spitznamen hat er von meiner Vorvorgängerin bekommen. Er bezieht sich auf seine sexuellen Vorlieben.“

„Iiihhh“ dachte die Putzfrau und erinnerte sich an einige seltsame Gegenstände, die sie kürzlich poliert hatte

„Meine Vorvorgängerin, das war die Dame, die unter ungeklärten Umständen aus dem Fenster gefallen ist. Von meiner Vorgängerin weiß ich nur, dass sie verschwunden ist, angeblich freiwillig. Und mit mir geht´s auch bergab.“ Sie taumelte, wollte sich an irgendetwas festhalten, fiel aber hin.

Die Putzfrau überlegte kurz, ob sie ihr helfen sollte, entschied sich aber dagegen, weil die seltsame Tussi einfach weiter redete. „Aber Sie, Sie sind völlig unabhängig von fliegenfressenden, quackenden Schleimfröschen. Wenn Sie nachhause kommen, erwartet Sie ein normaler Mann und wenn Sie ihn nicht mehr mögen, dann gehen Sie einfach und überleben das auch“

Der Putzfrau leuchtet nicht ganz ein, was an ihrem Leben als alleinerziehende Mutter mit Putzjob beneidenswert sein sollte. Sie hatte es aber auch noch nie mit einem Leben verglichen, in dem ihr Sexualpartner ein Froschkönig war, inklusive Fliegen und Schleim ….


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Der Meteorologe, der Frosch und die Kugel – ABC-Etüden

 

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter stammen diesmal von Viola-et-cetera

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

Der Froschkönig rang seine grünen Hände und immer auf und ab hüpfend versuchte er zu analysieren, wie er nur in diese Situation gekommen war. Ungeduldig war er gewesen, voreilig, gierig, gar nicht erwarten konnte er es, dass die goldene Kugel endlich in den Brunnen fallen würde. Die Prinzessin wäre sicher auch eine nette Draufgabe, aber vor allem wollte er König werden, König, dafür war er geboren und erzogen. Weil er so ungeduldig war, sah er das Netz nicht und sprang mitten hinein.

Im Meteorologischen Institut mit dem alten Brunnen im Garten war man mit den  eigenen Vorhersagen nicht restlos zufrieden. Besonders Theo war unzufrieden mit seinen Wettermodellen und obwohl die Kollegen sehr darüber lachten, hatte er neben seinem Bildschirm ein eher trübes Glas mit einer kleinen Leiter und einem Frosch stehen. Wenn er brütend vor seinem Bildschirm saß und die Ergebnisse der Wechselwirkungen zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten sich ihm nicht erschließen wollten, sah er dem Frosch zu, wie er auf seiner Leiter auf und ab hüpfte und nichts zur Klärung der Frage beitrug, wie das Wetter werden würde. Ein völlig neurotisches Vieh dachte Theo, nahm sein Netz und ging auf die Jagd nach einem gemütsmäßig ausgeglicheneren Zweitwetterfrosch, der ihm bei seinen Prognosen helfen könnte.

Die anderen Meteorologen im Institut waren um einen Bildschirm versammelt und rätselten an einer ungewöhnlichen Meeresströmung herum, als Theo plötzlich in der Tür stand. Völlig verwirrt sah er aus und in seinem Netz lag eine gelb glitzernde, strahlende Kugel.

Gleichzeitig versuchte der Frosch mit allen Kräften aus dem Glas zu entkommen.

Verblüfft wandten die Wissenschafter sich ihrem Kollegen zu.

– He, Theo, was ist denn das, ein runder Goldbrocken

– Um Himmels Willen, Theo, du flimmerst ja.

blink-blink-aus-ein-aus-ein ……… und verschwunden war er mitsamt der Kugel