la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Die Wahrsagerin – ABC-Etüden 2/2020

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Von der diesmal auch die Wörter kommen 

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Die Wahrsagerin zupfte fahrig an ihrem Fransenturban herum und polierte ihre Kristallkugel nun schon zum zweiten Mal. Die Geschäfte liefen nicht gut, sie hatte einige Kundinnen verloren. Insgesamt hatte sich die freiberufliche Existenz als wesentlich schwieriger erwiesen als sie sich vorgestellt hatte. Die Branche war sensibel, sie war auf Mundpropaganda angewiesen. Wenn sie weitere Kundinnen verlieren sollte, wäre es gut möglich, dass sie wieder im Büro und bei den Buchhaltungsprogrammen landen könnte. Sie straffte die Schultern, schaltete die Maximalvariante von geheimnisvollem Blick ein und schritt hoheitsvoll ins Nebenzimmer zu ihrer Kundin.

„Schi-ur-laub“ sagte die Wahrsagerin vorsichtig,

„Was?? Dieses idiotische Hinauf und Hinunter, das Kommandieren über Berg- und Talschi und der ganze Schmarrn. Ich hasse Sport! und gar in den Bergen, die hasse ich auch!“ Die Kundin war aufgebracht.

„Das eben sehe ich. Wie sehr Sie diesen Zirkus hassen und die mickrigen Leute, die sich daran beteiligen“ sagte die Wahrsagerin salbungsvoll.

„Hmmmm, ja das stimmt.  Sehen Sie in der Kugel auch, was ich mache, während die Irren im Schnee herumhüpfen? “

„Im Hintergrund….. eine noch sehr verschwommene, attraktive Männerfigur …“

„Attraktiv? Na, das kann nicht mein Mann sein. Verschwommen würde eher passen“

„Ihren Mann kann ich gar nicht sehen“

„Ganz verschwinden soll er aber auch nicht“

„Er ist nur nicht im Fokus der Kugel“

„Ach so. Und wo bin jetzt also ich? Doch in so einem blöden Schiurlaub? “

„Ich sehe Umrisse, verschwommene Umrisse von ……“

„Vielleicht von einem Schiff? Eine Kreuzfahrt wollte ich ja immer schon machen“

„Ja, warten Sie, warten Sie …… das könnte wirklich …..“ Die Wahrsagerin drehte die Kugel ein wenig hin und her „Ich sehe ein Schiff, ein großes….“

„So groß muss es auch nicht sein“

„… ein großes könnte es sein, es ist aber kleiner“

„Ach so“

Die Kundin war überaus zufrieden und das Buchhaltungsprogramm rückte wieder etwas mehr in die Ferne.

 

Genau 300 Wörter.


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Kalte Illusionen – ABC-Etüde 1/2020

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Von der diesmal auch die Wörter kommen 

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Zu seinem Unglück sah Max genauso aus, wie die klassische Flachland-Schikurs-Touristin sich einen feschen Schilehrer vorstellte. Oft fragte er sich, was sein berufliches Anforderungsprofil von jenem eines Gigolos in südlichen Tourismusländern unterschied. Sexy sollte er sein, sportlich getrimmt, über die mickrigsten Witzchen seiner Kursteilnehmerinnen sollte er natürlich-herzlich-alpenländisch lachen, flirten musste seine zweite Natur sein, obwohl die Kursteilnehmerinnen andererseits auch einen tiefsinnig-melancholischen Charakterzug erwarteten.  Und jede erwartete obendrein, dass er ihr zum Après-Ski in jeder Hinsicht und ausschließlich zur Verfügung stand. Eiserne Potenz wurde vorausgesetzt, gepaart mit romantischem Geflüster. Kenntnisse im Jodeln und Schuhplattln fielen wenigstens nicht in sein Ressort. Dafür waren die Kollegen vom Hüttenzauber zuständig.

Heute allerdings hatte er mit einem Kollegen getauscht und einen Hüttenzauber-Dienst übernommen. Der lokale Tourismusverband war straff durchorganisiert, auch wenn die Touristinnen es nicht bemerkten. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Die hohe Kunst effizienter  Organisation, die den Eindruck von charmantem Chaos weckt, beherrschte man hierzulande meisterhaft.

Voll Abscheu, aber mit einem lange antrainierten naiv-sinnlichen Lächeln betrachtete er die Touristin, die ihm sein Kollege, der Xaver, besonders ans Herz gelegt hatte. Eine mittelalterliche Dame, die ihn in preußischem Tonfall herumkommandieren wollte. Er ließ die schrillen, spitzen Töne an sich abprallen. Den Teflon-Trick beherrschte er schon lange. Immer unter Beibehaltung des sexuell-interessierten-Naturburschen-Lächelns natürlich. Eine Stunde hatte er noch Dienst und hoffte sehr, sich die militärische Tussi so lange vom Hals halten zu können. In fünfzig Minuten würde auf die Großleinwand ein Sonnenaufgang über den Bergen projiziert werden und das war sein Stichwort. Er würde langsam die Küche ansteuern und dann unauffällig durch die Hintertür verschwinden. Den Rest übernahm das Gastronomie-Personal.

Und morgen das ganze Elend wieder von vorne. Irgendwann, so träumte er, würde er auch auf Schiurlaub fahren, dorthin wo die Flachland-Touristinnen nicht hinkamen, in die Berge hinauf, in die felsige Einöde ohne Lift, unter gführigem Pulverschnee.

301 Wörter

 


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Ein Blick von außen. – ABC-Etüden

Christiane hat eine Etüde über ein Paar vom Standpunkt der Frau aus geschrieben. Autopict hat den Standpunkt des Mannes beschrieben und mir ist nun noch der Standpunkt einer weiteren Person eingefallen, von deren Existenz die beiden anderen noch gar nichts wissen.

Eine Ergänzung zu Christianes Etüde „Dunkle Zeiten“  . Ein Blick von außen.

 

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter kommen diesmal von Bernd (Red Skies over Paradise)

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Hupsi war ein geradezu  deprimierend durchschnittlicher Mensch in seinem privaten wie in seinem beruflichen Leben. Doch manchmal erfasste ihn etwas, was er als euphorischen Schub beschrieb und dann musste er sich einfach wenigstens einmal seinem liebsten Hobby widmen: dem Einbruch in fremde Wohnungen. Es ging ihm dabei nicht etwa um schnöden Gewinn, niemals entwendete er irgendeinen Wertgegenstand. Es ging ihm nur um die faszinierenden Einblicke in das Leben anderer Menschen, ganz aus der Nähe und völlig ungeschminkt.

Heute hatte er sich die Wohnung eines mittelalterlichen Ehepaars ausgesucht, das in seiner Nachbarschaft wohnte. Kürzlich war ihm aufgefallen, dass sie in einer grellbunten Adjustierung abends allein ausging und das hatte seine Neugierde geweckt. Es war Samstag Vormittag und die beiden zu Untersuchenden waren zu einem gemeinsamen Wochenende irgendwo in der Pampa aufgebrochen. Hupsi war eher ein Stadtmensch.

Die Wohnung war groß und er wusste, dass beide je ein eigenes Zimmer hatten. Ideale Voraussetzungen. Das Türschloss war für einen Profi wie ihn bestenfalls eine symbolische Barriere. Nun stand er in seinem Zimmer und öffnete elegant eine versperrte Schreibtischschublade. Eine beträchtliche Menge joints quoll heraus, sowie ein dickes Paket mit Pferderennen-Wettscheinen.  „Aha, er wettet und hascht und sie …….“

Voll freudiger Erwartung eilte er in ihr Zimmer. In kürzester Zeit hatte er das schlecht versteckte Tablet gefunden und geknackt. „Mein allerliebster Ottokar“ stand da “ ich bin schon ganz schwermütig. Wie fehlen mir doch unsere Gespräche über Unbehaustheit und die Bedeutung des Strichpunkts in der romantischen Dichtung. Warum können wir uns bloß nicht treffen ? Ist es wegen Mimi? Die hat doch ohnehin jede Menge eigener Interessen. Mein Mann bemerkt sicher nichts. Du weißt doch, dass er sich, kaum dass ich aus dem Haus bin, auf seine Wetten stürzt und unser Vermögen verspielt. Aber, mein heißgeliebter Ottokar, dass ist mir doch völlig egal …..“

„Ach je, nur ein Liebhaber, wie banal“ murmelte Hupsi enttäuscht.

306 Wörter


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Zugehörigkeit – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter kommen diesmal von Bernd (Red Skies over Paradise)

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

 

Im Gras liegend, mit den Händen in der Erde, Pflanzen zwischen den Fingern, ein Käfer, der über einen Fuß kriecht, der Blick in den Himmel auf ziehende Wolken, kreisende Vögel, unscharfe Horizonte, die Geräusche des Winds in den Blättern, die Vorstellung des Innenlebens eines Baumes, die zahllosen Bewohner seiner Rinde. Das Brausen der Wellen, der Sand zwischen den Zehen, das Wasser, das die Felsen schleift, Schiffe mit bunten Segeln, der Blick in undefinierbare Weite, das Lachen von Kindern. Die Oberfläche von Steinen, rau oder glatt, trocken oder feucht, stechende Nadelbäume, kalter, geschmeidiger Schnee. Die Geometrie von modernen Bauten, Straßenmusikanten und Symphonieorchester, farbenprächtige Wiesen, geradewachsende Halme und wuschelige Blüten. Schönheit und Leben. Natur und Kultur. Als Teil der Welt fühle ich mich. Was muss ich mühsam erhaschen, was nicht schon da wäre ?

Schwermut kann die Verbindung zum Leben unterbrechen, kann jemanden hinauskatapultieren aus dem Gefühl der Eingebundenheit und Verbundenheit mit der Welt. Muss aber nicht. Auch in schwermütigem Gemütszustand kann es ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Verbundenheit geben. Die Überzeugung das Schicksal alles Lebenden zu teilen. Wachsen und Vergehen.

„Unbehaustheit“  ein Begriff, den eine naturabgewandte Denkrichtung geschaffen hat. Lebendigkeit ist nicht anzustreben, auch keine Freude, zum Leiden wäre der Mensch geboren, je mehr desto verdienstvoller. Empfinden Menschen sich als unbehaust in ihrem Leben, sind sie leicht zu lenken und zu manipulieren, zu vielem zu verführen. Wer seinen Platz in Leben und Tod fühlt, muss keinen Heilsversprechungen nachlaufen, muss Leiden nicht verherrlichen.


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Die verpasste Gelegenheit – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane 

Die Wörter kommen diesmal von Anna-Lena

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Das adrette kleine Raumschiff hing schon eine Weile über der Erde. Schiff und Insasse stammten vom siebenten Planeten einer roten Sonne, der von seinen Bewohnern Uxmurk genannt wurde, was in Übersetzung ungefähr“der schönste Planet mit den klügsten Bewohnern heißt“. Unser Alien war auf seiner Jugend-forscht-Sprachtour mit dem Auftrag mindestens eine Sprache eines bislang unbekannten Planeten zu erlernen und zu dokumentieren.

Er war ziemlich frustriert, denn die Sprachen der Erde, die er bisher geprüft hatte, kamen ihm außerordentlich schwierig vor. Er hatte einen Test entwickelt, der darin bestand das Wort „wutschdihupp“ aus seiner Muttersprache in die angepeilte Sprache zu übersetzen und dadurch eine Vorstellung vom Komplexitätsgrad dieser Sprache zu bekommen. Seine eigene Sprache konnte sehr komplexe Zusammenhänge in nur wenigen Wörtern ausdrücken. So hieß etwa “ platschdiplumm“ „leider sind Sie bei Ihrer Galaktik-Sprachprüfung durchgefallen, weil Sie nicht in der Lage waren eine neue Sprache zu erlernen und zu dokumentieren.“ Als noch sehr junger Student war er natürlich daran interessiert, eine möglichst einfache Sprache zu finden, mit deren Erlernung er seine Jugend-forscht-Prüfung bestehen könnte.

Er gab also wieder einmal „wutschdihupp“ in sein System ein und saugte die Informationen zu einer weiteren hoffentlich unkomplizierteren Erdsprache auf seinen Infoschirm. „reisen , verreisen, abreisen, einreisen, ausreisen, bereisen, durchreisen und andere“ stand da. Das war der letzte Tropfen, der das außerirdische Fass zum Überlaufen brachte. „Krabaflllt Ybbszkiba“ fluchte er, was soviel heißt wie „primitive Typen mit widerwärtig komplizierten Sprachen und einem scheußlichen Planeten mit unendlich vielen herumstehenden nicht mehr recycelbaren riesigen Betontrümmern“

Damit war sein kurzer Besuch im Solarsystem beendet. Seine wütende Abreise wurde von den Menschen als ungewöhnliches Himmelsleuchten wahrgenommen. Einige bewerteten es als gutes, andere als schlechtes Omen, die meisten wunderten sich nur. So hatte die Menschheit wieder eine Chance verpasst.


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Himmelsleuchtend absurd – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane 

Die Wörter kommen diesmal von Anna-Lena

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Nachdem mir so gar nichts einfällt, habe ich mich mit einem dadaistischen Text vergnügt.

„He, Sie können doch nicht Ihre Socken bei mir abgeben“ rief die Garderobiere.

„Nein, nein, nein, eh nicht“ sagte der Theaterbesucher „die brauche ich ja noch zum Ausreisen.

„Vielleicht vorher waschen“ sagte die Garderobiere, was ihr einen missbilligenden Blick ihrer theatererfahrenen Kollegin einbrachte.

Die Garderobiere ersparte sich jeden weiteren Kommentar und nahm die standardmäßige nur in ganz seltenen Fällen recycelbare Überbekleidung anderer Theaterbesucher in Empfang. Was für ein öder Job! Der Ort würde ja andere Möglichkeiten bieten ……

Es wurde eine Bühnenfassung von Strindbergs „Ehestandsgeschichten“ aufgeführt, inszeniert von einem dadaistischen Jungregisseur. Das Publikum war erstarrt, aus verschiedenen Gründen.

In einem Kostüm aus mehreren Pelzmänteln, einem Designercape und einem klassischen Zylinder hüpfte die Garderobiere auf die Bühne.  „Himmelsleuchten verscheuchten die feuchten Verseuchten“ rezitierte sie dramatisch. Einige, sehr wenige, Zuseher waren  schockiert wegen der Entweihung des Stücks, die meisten lachten. „Recycelbar und immer wahr, das alles kaufen Sie bei Spar“ skandierte sie. Es gelang ihr auch noch „ausreisen, verweisen, Fußeisen, Busreisen“ zu trällern bevor der diensthabende Polizist auf die Bühne stieg, stürmte, stolperte und sie nach hinten zerrte. „Recycelbare Polizeigewalt bringt alle Bürger in den Wald“ rief sie. Das Polizeiorgan ließ sich von der lyrischen Stimmung anstecken und brummte:  „Nun halte du den Mund, so tue ich dir kund“

Das Publikum applaudierte begeistert.

Bevor das ungleiche Paar in der Backstage verschwand, sang es noch „Alle meine Entchen“ in einer spontan enstandenen Rapp-Variante. Ein Zeuge berichtet, dass die beiden auf der Straße vor dem Theater um den Polizeiwagen herumtanzten und „Nein, da woll´n wir nicht hinein, nein, so wollen wir nicht sein“ riefen.

Es geht die Mär, dass die ehemalige Garderobiere und der ehemalige Polizist gemeinsam den Künstlerverein der „Himmelsleuchtend Recycelbaren“ gründeten und ihre Auftritte  von allem Anfang an in der alternativen Kunstszene höchst beliebt waren.

 


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Evolution – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von Ulli Gau

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Der Alte sah wie jeden Abend starr den Vögeln zu, wie sie kreisten und schwebten und den Himmel in Besitz genommen hatten. Er dachte sehr langsam darüber nach, was die Vögel konnten und seine fast ausgestorbene Art nicht zuwege gebracht hatte, was denn den Vogelflug vom Flug der Dinosaurier unterscheiden könnte. Wie jeden Abend kam Wind auf, blies durch seine Federn und reinigte seine Schuppen.

Vielleicht war er der allerletzte seiner Art, der letzte, der noch wusste wie die Dinosaurier wirklich gewesen waren. Der Letzte, der darüber trauern konnte, dass die Evolution andere Wege eingeschlagen hatte und seine Art vergessen sein würde. Ängstlich flatterten die Vögel auf, wenn er Abends zu seinem Schlafplatz donnerte. Sie schwangen sich in die Luft und flogen davon. Sie wussten wohl noch nicht, dass die Zukunft ihnen gehörte.

„Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen“