Schlagwort: ABC-Etüden

Wie man mit dieser und jener Vorliebe blühende Geschäfte macht

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal aus dem Bodenlosz-Archiv

Dezember. Gerade hatte sie den Text für das Weihnachtsangebot für Stammkunden abgeschickt. Nun saß sie im üppig begrünten Glashaus auf ihrer Dachterrasse und schaute dem dampfenden Whirlpool zu. Ihre private Wohlfühloase zu der die Kunden und Angestellten keinen Zutritt hatten. Und wie immer um diese Jahreszeit erinnerte sie sich zurück an den Tag in ihrem Leben an dem sie die zündende Idee zu ihrer Firma hatte.

Der Eingangsbereich war von neutraler Eleganz aber mit einigen für ihre Kunden erfreulichen und aufschlussreichen Details ausgestattet. Neben der Rezeption ein Bildschirm von gigantischen Ausmaßen auf dem in Dauerschleife ein Video gezeigt wurde, das Angestellte in ihrer Berufskleidung bei der Ausführung typischer beruflicher Tätigkeiten zeigte. Stammkunden – und das waren fast alle – gingen an dem Bildschirm vorbei in den hinteren Bereich des Gebäudes, wo sie ein intimerer Empfang erwartete. Von der Bio-Bar, wo neben Sekt auch rechtsdrehende Joghurt-Variationen und frisch gepresste Gemüsesäfte angeboten wurden, holten ihre jeweiligen Kundenbetreuer*innen sie ab.

Sogar der Abgang in den Keller, inklusive Treppenlift für schon sehr reife Kunden, war im oberen Bereich noch von konventioneller Eleganz. Unten sah es naturgemäß anders aus.

Der Whirlpool dampfte, der Jasmin duftete und es begann zu schneien. Mit unendlicher Dankbarkeit dachte sie an ihre Großmutter. In jener Zeit als sie am tiefsten Punkt ihrer Lebenskrise angekommen war, kramte sie noch einmal in den Besitztümern ihrer Großmutter in dem alten Haus, das ab dem nächsten Tag endgültig der Bank gehören würde. Dort fand sie den Gegenstand, der den Grundstein für ihre heutige befriedigende berufliche Situation legte: ein Korsett.

Ihr Betrieb befriedigte sie im wahrsten Sinn des Wortes. Dass sie trotz fantastischer Gewinne gelegentlich selbst mitarbeitete, trug nicht nur zum Florieren der Firma sondern auch zu ihrem positiven Lebensgefühl bei. Eines nur fehlte ihr, ein altertümliches Firmenschild mit der Aufschrift „Bärbels Dominastudio. Wir erfüllen ihre Wünsche“.

300 Wörter

ABC-Etüde – vom Glücklichsein

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal von Doroart

Glücklich zu sein war immer Magdas Thema gewesen. Schon in ihren Schulaufsätzen und in ihren Kinder-Tagebüchern gab es kaum andere Themen als das Glücklichwerden. Wie es zu erreichen war, was man dafür brauchte und wie man sich verhalten musste um den richtigen Weg zu finden.
Nachdem ihre Eltern sich getrennt hatten, wurde das Thema „wie werde ich glücklich“ zur Obsession. Sie bearbeitete es nun von einem anderen Zugang aus „was muss ich vermeiden, wenn ich glücklich werden will“. Menschen, die nur ein einziges Thema kennen, sind immer in Gefahr, ihre Umgebung zu langweilen, umso mehr je länger sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf ein einziges Gebiet konzentrieren. So ging es auch Magda.
Wurde sie von den wenigen Menschen, die noch Zeit mit ihr verbringen wollten zu irgendetwas eingeladen, so waren ihre Standardantworten „das wird mich auch nicht glücklich machen“, „macht euch sowas glücklich ?“ und ähnliches. Irgendwann wurde es auch den freundlichsten zu viel und die Einladungen blieben ganz aus. Von sich aus ging Magda nicht auf andere Menschen zu. Sie war bei ihren Glücksforschungen zu dem Schluss gekommen, dass es nicht die anderen waren, die sie glücklich machen würden. Sie selbst musste diesen Zustand erreichen. Leider blieben die Erfolge immer noch aus.
Magda war seit einigen Jahren freie Mitarbeiterin bei einer Firma die glücklich machende Kosmetik- und Wellnessprodukte verkaufte. Da Menschen sie nicht interessierten, war sie in dieser Tätigkeit ziemlich erfolglos. Seit sie aber zu dem Schluss gekommen war, dass materielle Dinge sie auch nicht glücklich machen würden, kümmerte sie das nicht weiter.

Eines Tages als Magda – wie immer einmal völlig in Gedanken versunken – eine Straße überqueren wollte, wurde sie von einem LKW erfasst. Wegen zahlloser Verletzungen lag sie wochenlang im Koma doch zum Erstaunen der Ärzte erholte sie sich und wachte wieder auf. Von diesem Moment an machte sie große Fortschritte.
Heute wurde ihr der Katheter entfernt, der lange in ihrem Körper gewesen war und sie würde nunmehr eine Bettpfanne benützen können. Und das Erstaunliche geschah: Magda fühlte sich glücklich.

Die wahren Abenteuer – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Die Wörter stammen diesmal von ihr selbst und dem Etüdenerfinder
Drei vorgegebene Wörter müssen in einem Text von höchstens 300 Wörtern untergebracht werden

Den Krückstock mit dem Papageienkopf benützte sie schon den ganzen Vormittag. Sie hüpfte fröhlich an der Garderobe vorbei und schwang den Sonnenhut, den sie sich zu ihrem 85er gegönnt hatte. Groß, weiß mit einem Blumenschal um die Krempe gebunden. Tatsächlich ging sie langsam und vorsichtig und stützte sich auf ihren Stock. Aber „die wahren Abenteuer sind im Kopf“ sagte sie sich als sie an ihrer Wohnungstür ankam.

Sie massierte ihre gefühllos gewordenen Finger eine Weile, fasste den Papageienkopf fester und schritt elegant die paar Stufen bis zum Straßentor hinunter. Es dauerte eine Weile, denn sie musste sich nach jeder Stufe ein bisschen aufrichten und am Geländer festhalten. Sie kam aber gerade richtig, denn auf der Straße zog gerade die diesjährige Pride Parade vorbei. Eine Menge geschmückter Wagen, bunt, laut, schräg. Viele Menschen auf den Wagen und auf der Straße. Sie stürzte sich in die Menge, tanzte begeistert mit, schwang die Hüften und ihren Stock, ließ ihr Haar im Wind wehen und vibrierte auf den schreiend pinken Stöckelschuhen.
Als ein junger Mann in Strapsen, Netzstrümpfen und rot geschminkten Brustwarzen haltlos an ihr vorbei torkelte, fing sie ihn auf und konnte gar nicht aufhören zu lachen. Miteinander tanzten sie zwischen den Wagen, warfen den Zuschauenden Kusshände zu und verrenkten sich im Rhythmus der Musik. Sie hatte noch lange nicht genug und müde wurde sie ohnehin nie.
Plötzlich war neben ihr eine Frau, die sie umkreiste, mit Hüfte und Schulter berührte. Sie lachte ausgelassen, lockend und doch fröhlich. In ihrem langen Leben hatte sie vieles nicht ausprobiert, vielen Verlockungen widerstanden. Warum eigentlich?

Sie saß nun seit über einer Stunde auf der Bank und sah dem Faschingsumzug der Kindergärten zu. Süß waren die ausgelassenen kleinen Frösche in ihren Kostümen. Sie winkten der freundlichen Oma. Die wahren Abenteuer sind im Kopf


Alex, die dritte – ABC Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter  stammen diesmal von Puzzleblume

Die unten stehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Das ist eine gemeinschaftliche Fortsetzungsgeschichte

Der erste Teil der Geschichte (Myriade)

Der zweite Teil der Geschichte (Werner)

Und hier der dritte Teil (Myriade)

Alex war wieder einmal unrund. Wenn er so unzufrieden mit sich und der Welt herumschwamm, konnte er seine Dackelfalten so richtig runzeln und zusammenziehen. Wenn er es darauf anlegte, konnte er damit sogar das Schilf zum scheppern bringen.
Er war unzufrieden, denn es scharwenzelten zwar alle um ihn herum, wollten seine Meinung hören und ihm irgendwie gefällig sein, aber Alex war ein kluger Fisch, der solche Manöver durchschaute und die schleimenden Mitfische nur gewähren ließ, weil ihm jede andere Reaktion zu viel Energie abverlangt hätte. Er hatte aber keine Energie zu verschenken, denn er war verliebt, über alle Flossen. Er war schon lange verliebt, hatte sich nur noch nie getraut etwas davon durchblicken zu lassen und getraute sich immer noch nicht.

Wanda kam wieder herangeflosst. Schon von weitem sah er, wie entschlossen sie war an die vermeintlich existierenden Perlen heranzukommen. Er wusste, dass es diese Perlen nicht gab, ließ aber Wanda ihre Manöveer und Strategien abwickeln. Sie war sehr hübsch und bunt, sie legte sich ordentlich ins Zeug um ihn zu verführen. Er hatte sich auch verzweifelt bemüht, sich an ihren Schuppen gerieben, sich dies und das vorgestellt. Doch es war dasselbe wie immer.

Er versuchte, sich auf Wandas Geblubber zu konzentrieren, doch es war sinnlos denn er sah den schönsten aller Fische heranschwimmen, den elegantesten, stärksten, begehrenswertesten. Allein schon diesr fruchtige Duft, der sich breitmachte. Alex spürte wie sein Herz hüpfte und Wanda hatte er sofort völlig vergessen. Ach, Otto! Er seufzte so tief, dass eine riesige Luftblase zur Oberfläche des Teichs aufstieg.

Am Ufer saß der Pfarrer, starrte ins Wasser und dachte darüber nach, wie er die neueste Verordnung des Vatikans umgehen könnte: er durfte homosexuelle Paare nicht segnen. „Ein Fisch möchte ich sein“ dachte er „die haben diese Art Probleme nicht“

294 Wörter

Die Geschichte von Alex- ABC- Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter  stammen diesmal von Puzzleblume

Die unten stehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Es war einmal ein Fisch namens Alex. Er lebte mit anderen Fischen in einem Teich mit klarem Wasser auf den zu allen Jahreszeiten die Sonne schien. Alex war mittelgroß, schnell und wendig. Er war freundlich zu seinen Mitfischen, hatte aber eine Besonderheit, die ihn von allen anderen unterschied und ihm das Fischleben schwer machte.

Vor Jahren hatte einer der Angler, die den Teich auch gerne besuchten einen Spiegel ins Wasser fallen lassen. Fische, vor allem die männlichen, sind bekanntlich sehr eitel und kaum hing der Spiegel auf halber Höhe des Teichs in einigen Algen verankert, kamen sie zahlreich um sich zu bewundern. Sie schwammen und schwebten um den Spiegel herum und waren alle sehr zufrieden mit ihrer Erscheinung. Mit Ausnahme von Alex, den der Spiegel sehr traurig machte, denn er konnte es nicht übersehen, dass er anders aussah.

Eines Tages hörte man am Ufer des Teichs heftiges Scheppern und laute Stimmen. Die Gerüche reichten von Gebratenem bis zu den fruchtigen Aromen von Obsttorten.

Die Fische ahnten nichts Gutes und die meisten zogen sich ans andere Ende des Teichs zurück. Alex aber kam gerade von einer seiner frustrierenden Begegnungen mit dem Spiegel, sah und hörte nichts und schnappte ganz automatisch nach der Fliege, die da vor seiner Nase hing.

„Um Himmels Willen, was ist denn das?“ rief der eine Angler, der Alex aus dem Wasser gezogen hatte.
„Ein Monster, wirf ihn wieder hinein !“ kreischte der andere. “ Wer hat nichts dabei gefunden, in die Nähe eines Atomkraftwerks zu ziehen ! “

In Rekordtempo packten sie ihre Sachen und verschwanden immer wieder vor sich hin murmelnd „Ein Fisch mit Dackelfalten !! „

Alex aber war seit diesem Tag der König des Teichs. Niemals hatte irgendein anderer die Begegnung mit einem Angler überlebt. Viele Fische überlegten, wie sie selbst auch zu solch hübschen Falten kommen könnten.

Eine sehr böse Geschichte – ABC Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter  stammen diesmal von  Berlinautor

Die unten stehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

EINE SEHR BÖSE GESCHICHTE

Wäre er nicht der Neffe des Bürgermeisters gewesen, hätte man Lehrer Adolf längst entlassen, aber da die Verwandtschaftsverhältnisse nun einmal so waren wie sie waren, durfte er weiterhin in der lokalen Volksschule seinen zweifelhaften Unterricht abhalten.

Engagiert war Lehrer Adolf, sehr sogar. Er investierte viel Zeit in seine Unterrichtsvorbereitung. Dass seine Schüler*innen sich vor dem  Unterricht fürchteten, lag nicht am Aufwand, den er für die Vorbereitung betrieb. Dass die Kinder immer so intensiv trödelten wie nur irgend möglich bis sie in seinem Klassenzimmer ankamen, hatte auch Gründe.

An diesem Sonntag beschäftigte sich Adolf mit dem Bau von Unterrichtsmaterialien zum Thema „Gleichgewicht“ Anschaulich sollten die Materialien sein und gleichzeitig auch der moralischen Erbauung dienen. Man kann sich vorstellen, was für eine ungesunde Mischung bei so einem Vorhaben herauskommen musste.

Überlebensgroße Figuren aus verschiedenen Materialien hatte er gebaut, die im Museum für außerirdische Monster mit einem Stoffwechsel auf Chlorbasis nicht aufgefallen wären. Die Besonderheit seiner Figuren war, dass dort wo man so etwas wie ein Gesicht vermuten konnte Platz war für Kärtchen mit den Namen der Kinder. Zwei dieser Figuren hatte er probeweise im Garten aufgestellt. Mit Hilfe von Holzkeilen standen die Figuren gerade, es ging ja um Gleichgewicht. Zog man diese Stützen heraus, fielen die Figuren um, im Idealfall auf die Person, die genau vor ihr stand und deren Namensschild auf der Figur angebracht war. Das hätte lustig sein können, wenn die Figuren nicht aus einem übelriechenden, schwammigen Material gewesen wären und der Lehrer nicht so ein Terrorregime geführt hätte.

Sehr zufrieden stand er in seinem Garten mit einem Schnitzmesser in der Hand und Holzstücken, die er selbst zurechtschnitt. Die Figuren im Garten standen bereits, die Figuren für den Klassenraum waren ebenfalls fertig, es fehlten nur noch die Klassenkeile an denen er noch schnitzte. Das würde wieder eine einprägsame Unterrichtsstunde werden.

Für manche Geschäftsmodelle ist Covid ein Segen- ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter  stammen von Flumsi (Wortgeflumselkritzelkram)

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Das Foto zeigt die Protagonistin auf dem Weg zur Arbeit

 

„Ach wie so trügerisch sind Frauenhe-e-e-erz e-en“ schmetterte sie die ungelenke deutsche Übersetzung von „La donna è mobile“. Gerade war sie an ihrem Arbeitsplatz angekommen und fuhr den PC hoch. Das Geschäftsmodell, das sie entdeckt hatte war überaus erfolgreich und lief mit wenigen  Arbeitsstunden. Nach dem einmaligen Aufwand der Einrichtung  von Konten in mehreren Ländern, benötigte das laufende Geschäft nur wenig Zeit. Es erforderte allerdings große Sorgfalt bei der Verwaltung von Fotos und anderen Dokumenten.

„Mein allerliebster Otto“ tippte sie

„Kaum ertrage ich es,  immer noch getrennt von ihnen sein zu müssen. Einem so liebenswerten, großzügigen Mann mit der in Jahrzehnten entwickelten Empathie eines wahren Gentleman der alten Schule. Ich bin auch so glücklich zu hören, dass Sie doch einige soziale Kontakte pflegen wie zum Beispiel mit Ihrem Freund, dem Notar …. „

Notare brauchte man bekanntlich für das Verfassen von Testamenten. Die Geschenke des guten Otto bewegten sich ja meistens im 5-stelligen Bereich, was auf erhebliche Summen im Hintergrund schließen ließ. Hier hatte sie ein dezent pornografisches Foto geplant, was aber doch ein gewisses Risiko beinhaltete, denn die Gefühle des 95jährigen Otto schwankten zwischen erotisch und väterlich. Aber Mann bleibt Mann egal wie alt, dachte sie und hängte das Foto doch an.

“ Danke für Geld für Operation von Mütterlein ! Aber braucht noch einmal 20.000. Ukraine schlecht Land, Ärzte wollen viel Geld . Vorbereitung unser Hochzeit auch teuer. Danke du starke Mann. Foto hat gemacht Freund. Will auch heiraten, aber nicht so gute, starke Mann wie du.“

Eine kleine Eifersuchtsspitze wirkte manchmal Wunder. Dieser Kunde bekam die Fotos aus dem Ordner „Maria, Ukraine, schlecht deutsch“

Nun kam „Robert, wirklich nett, nur gemäßigte Forderungen“. Vielleicht strich sie ihn demnächst aus der Kundenkartei. Er war wirklich sympathisch und hatte ohnehin wenig Geld.

Sie lehnte sich entspannt zurück. Die Goldfäden in ihrer Strickjacke glänzten.

303 Wörter

Hanuman – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter  stammen diesmal von  Wortman

Die obenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Die Sonne brannte herunter auf die breite Straße, die zum örtlichen Hanuman-Tempel führte und von tausenden fröhlich  gekleideten Menschen blockiert war, die alle in dieselbe Richtung drängten, die einen über die anderen stolpernd. Die bunten Pigmente und Früchte, die sie als Schmuck und Opfer mitgebracht hatten, ergossen sich über die Menge, wurden zertrampelt und verschmiert. Die Tore des Tempels waren verschlossen, aber die Gerüchte hatten schon ihren Weg nach draußen gefunden.

Blau ?  Blau ??

Er ist doch nicht blau !!

Und Federn ? Federn !!!

Die empörte Menge wogte, schwankte und schrie.

Die Hanuman-Priester waren ebenfalls ratlos. Der absolut fremdländisch aussehende blaue Affe, der plötzlich unter ihnen aufgetaucht war, konnte doch unmöglich der Gott Hanuman sein. Oder etwa doch ?

Blau ist ja nicht völlig unmöglich, auch Lord Shiva…

Die Farbe ist doch nicht der Punkt sondern die Federn !!! Welcher hinduistische oder meinetwegen auch buddhistische oder überhaupt irgendein Gott hat den Federn !!

Im Buddhismus gibt es keinen Gott, murmelte der Priester, der wegen seiner Liebe zum Detail bei seinen Kollegen nicht übermäßig beliebt war.

Der blaue Affe saß auf auf einem Podest zwischen Weihrauchstäbchen und wassergefüllten Schalen und knabberte geruhsam an einer Banane, dann kratzte er sich an seinen ornamentgeschmückten Ohren und schwang an einem Brokatvorhang wie an einer Liane über den Köpfen der Priester.

Was machen wir bloß, rief der Oberpriester pathetisch aus, wir können doch nicht einen neuen Gott verkünden ! Und obendrein einen so … äh …. lebendigen !

Höchstens wenn wir behaupten, wir hätten ihn von den Kiowa  oder den Apachen übernommen, murmelte sein detailverliebter Kollege.

Ganz in der Nähe in einem unauffälligen Haus fand ein Treffen der Liga für tätigen Atheismus statt. Alle Mitglieder waren erschienen und die Stimmung war ganz hervorragend. Das Gelächter der Mitglieder der Liga schallte bis zum Hanuman-Tempel hinüber.

ABC-Etüden – Grauen, zum Glück surreal

Die Extra-Etüden bei Christiane

 

Wir irren umher. Alle. Ziellos. Surreal ist das Leben oft.

„Die weichmütigen nach links“ knarzt ein unsichtbarer Lautsprecher. „ Die Verblendeten nach rechts. Es gibt keine Überschneidungsmengen“

Von den Bahngleisen zur Rampe vorbei an den Weichmütigen. Die Demütigen stehen da auch und die Gläubigen. Alle todgeweiht.

Schuhe, Haare, Zahngold und Haut. Und der alles erstickende, alles durchdringende, fettige Rauch. Die gnädige Natur lässt den Geruchssinn abstumpfen.

Das grelle, orange Licht der Duschen ist in ein stumpf-aggressives Braun übergegangen, das durch die sich verrenkenden Körper hindurchsticht. Falsche Freude, echtes Elend. Die staubige Ebene bietet sich als Tanzfläche an oder als Backstube, wo alles möglich ist außer das Backen. Ohnehin mündet alles in die Hölle.  

Der Tag der Auferstehung, an den sie glaubten, fällt aus. Es bleibt nur, darauf zu warten, dass der Planet wieder erschüttert wird und die Lava die Spuren der Duschen verwischt. Wenn´s nur nicht geht wie in Pompei, für Jahrtausende konserviert die Schuhe, die Haare, das Zahngold und die Haut.

„Spuren von Humanoiden. Sollen wir sie liegen lassen?“ fragt der Wurm die Ameise.

Trügerisches – OOps eine irrtümlich entstandene Mini-Etüde

Es wird Zeit, dass ich mich mit anderen Motiven als Spiegelungen befasse, aber sie verfolgen mich unverdrossen. Es ist erschütternd. Von jedem Gehsteig, von jeder Wand wacheln sie mir zu. Von Wasserflächen will ich gar nicht reden, daran komme ich überhaupt nicht vorbei. Spiegel von Motorrädern, Windschutzscheiben von Autos, Scheinwerfer, Lautsprecher, Fenster, Glasscheiben jeder Art. Die Welt scheint hauptsächlich aus Spiegelungen zu bestehen.

Und bei der extremen Farblosigkeit, die derzeit vorherrscht, ist so ein oranger Streifen unwiderstehlich.

Außerdem winke ich Christiane zu

Verhetzung zum Wohle des Landesvaters – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die wunderbar vielseitigen Wörter  stammen von  Blaupause7

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

In einem ebenso armen wie korrupten Land im Jahr 2021.

Arm ist das Land, weil die Erträge für den Verkauf der gewaltigen Mengen an kostbaren Rohstoffen ihren direkten Weg in die Taschen des „Landesvaters“ finden. Aus demselben Grund regiert die Korruption.

Die blechernen Lautsprecher wummern, die Menge schwingt mit, stroboskopisches Licht, gelb, orange. Die Menschen recken die Fäuste, die Frust-Energie ihres elenden, manipulierten Lebens fließt kraftvoll in die Fäuste. „Niemals lassen wir uns unsere Freiheit nehmen“ brüllt der Einpeitscher auf der wackligen Bühne. „Hängt-sie-auf“. Die Menge skandiert mit. Die ganze Wut, die ganze Verzweiflung über ihr prekäres Leben, über den Mangel am Grundlegensten, auch an Freiheit, alles fließt in die Fäuste, die sie im Rhythmus hochstoßen. Der Einpeitscher ist zufrieden und leitet den Höhepunkt der Veranstaltung ein. „Keine Impfung!!“ brüllt er „Keine Impfung“ brüllt die Menge und stampft rhythmisch durch den Hinterhof. Die Emotionen kochen hoch, der Einpeitscher lenkt sie geschickt weg von den tatsächlichen Problemen.

In seinem Palast freut sich der vor kurzem wieder einmal in seinem Amt bestätigte Landesvater. Niemals würde er seine Untertanen der Gefahr der Freiheitsberaubung oder gar der Impfung aussetzen.Er selbst ist natürlich geimpft, ebenso seine Hauptfrau und andere wichtige Verwandte und einige politische Weggefährten, je nach deren Loyalität. Der von Oxfam gespendete Impfstoff reicht natürlich nicht für alle. Impfungen für´s Volk müsste man kaufen und das wäre nicht nur teuer sondern auch gefährlich. Das ganze sensible Gleichgewicht  des Aufhetzens der einen gegen die anderen und des Belohnens seiner bedingungslosen Anhänger würde zusammenbrechen. Eventuell könnte man Impfstoff auf dem Weltmarkt kaufen und an die Regierungstreuen um den fünffachen,  besser zehnfachen Preis weiterverkaufen. Divide et impera hat er irgendwann gelernt. Dass man als Diktator nicht zulassen darf, dass sich Vernunft und Solidarität durchsetzen, hat er im Gefühl, als Nachfahre vieler absoluter Herrscher unter verschiedenen Bezeichnungen. 

Erschüttert das jemanden?

Einbruch bei Olpo – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter vom bloglosen Ludwig Zeidler

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Diese Etüde bezieht sich auf die Unterhaltung zwischen Christiane, Olpo und mir über Vorzimmer, Kernseife und redundante Türen

Hademar Backen war nicht etwa Bäcker.Backen gehörte noch nicht einmal zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Sein Beruf, der gleichzeitig auch als Hobbie betrachtet werden konnte, war um vieles profitabler: er war Einbrecher.

Heute stand er nachdenklich vor einer Tür. Er konnte geradezu hindurchsehen und wusste ganz sicher, dass dahinter noch eine zweite sein musste. Die mit Kreide gemalten Zeichen an der Wand ignorierte er. Auf die Meinung schon vorbei gekommener Kollegen war er nicht angewiesen.

Flink, effizient und spurenlos öffnete er beide Türen und fand sich in einer chaotischen Waschküche wieder, die er auf den ersten Blick als Tarnung entlarvte. Ein ganz schlauer wohnte hier, aber Hademar war nicht umsonst Profi, wie ihm absolut seriöse Referenzen wie jene der Polizei und der Staatsanwaltschaft bestätigten.

Er schlängelte sich durch die Waschküchen-Kulisse, nahm die herumliegende Kernseife als phantasievolles Requisit zur Kenntnis und betrat das Wohnzimmer. Dinge, die viele seiner Kollegen als lohnenswerte Beute betrachtet hätten, ließ er links liegen. Es irritierte ihn nie, wenn er keine Kollektionen von Diamantschmuck mitnehmen konnte. Mit solchen Anfänger-Aktionen gab er sich nicht ab. Eine gar nicht unbeträchtliche Erbschaft erlaubte es ihm, sich auf die Suche nach wahren Werten zu machen und – er konnte es förmlich riechen – die gab es hier irgendwo.

Das Wühlen in fremden Besitztümern war tief unter seinem Niveau. Er suchte mit Augen und kleinen grauen Zellen. Hier wohnte jemand, der wahrscheinlich des öfteren in Zetermordio ausbrach, aber eigentlich ein freundlicher, weichmütiger Mensch war. Es gehörte zu Hademars größten Triumphen, Beweise für seine Theorien zu finden. Er schaltete seinen Blick auf Farbendetektor und da bemerkte er einen Fleck Zyklamfarben, der aus einem Regal hervorleuchtete. „ 5000 Kilometer Urlaub und 390 Euro“ hießen die Bücher, die dort lagen.

„Na bitte“ sagte Hademar laut. Nahm sich den ganzen Stoß und hinterließ einige fingerabdruckfreie Geldscheine. Für Schätze bezahlte er.

Der blaue Nil -ABC-Etüde

 

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Ulli vom Café Weltenall

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Nachdem mir derzeit absolut keine Geschichten einfallen wollen, greife ich auf das bewährte Einfach-drauflos-Schreiben zurück. Und siehe da, das geht auch in genau 300 Wörtern

„Die Quelle des Blauen Nil“ hatte für mich immer einen ganz besonderen Reiz, dessen Ursprung ich nicht nachverfolgen kann. Habe ich als Kind irgendwo gehört oder gelesen, dass diese Quelle für die europäischen Erforscher des afrikanischen Kontinents eine große Herausforderung darstellte, dass sie lange nicht gefunden wurde ? Jedenfalls entwickelte sich die „Quelle des Blauen Nil“ zu einem Ausdruck, den ich immer noch richtig gerne höre und schreibe, der abenteuerliche, mystische Bilder aufsteigen lässt.   

Der blaue Nil ist nicht blau, er führt eine Menge Sedimente mit und ist daher dunkel, was in der Übersetzung aus dem Arabischen in europäische Sprachen zu „blau“ wurde. Es würde sich unbedingt lohnen, in Bibliotheken und auch im Netz nach Übersetzungsfehlern zu stöbern, die im Laufe der Geschichte wichtige Auswirkungen hatten. Beim Blauen Nil ist das nicht der Fall, aber wenn ich zum Beispiel an den Apfelbaum im Garten Eden denke. Ein überaus interessantes Thema.

Ganz griesgrämig werde ich, wenn ich denke, mit welchen Banalitäten des Alltags ich mich beschäftige, statt mich in die lichten Höhen der Forschung zu begeben. Ich weiß, dass auch mein Bild der Forschung in alten Dokumenten ein stark romantisiertes ist. Tatsächlich ist das ein Kampf gegen Staub, Verwesung und unleserliche Handschriften in den Tagebüchern längst selbst zu Staub gewordener Menschen.

Andere Menschen träumen von Prinzen auf weißen Rössern. Nur zu. Bei mir sind es die alten Dokumente und die Quelle des blauen Nil. Wobei das Zusammentreffen von Quellen und Dokumenten für letztere sehr schlecht ausgehen könnte. Die Tinte löst sich auf und fließt in den Nil, der dadurch tatsächlich blau wird.

Solche Bilder sind wohl eine Art Selbstbefriedigung des Hirns in Zeiten des Shut-Downs bzw eine Entschuldigung für meine Antriebslosigkeit. Wer oder was hindert mich daran, zu einem Thema, das mich interessiert zu forschen? Nur ich selbst.

300 Wörter

Mein inneres Kind – ABC Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Kain Schreiber (bei dem ich mich frage, ob er Kain mit Vornamen heißt?)

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Gutenberg-Anmerkungen: Den Text habe ich von Word rüberkopiert. die Formatierung blieb erhalten. Der größere Abstand zwischen vorletztem und letztem Absatz ist beabsichtigt. Lästig fand ich, dass ich die selbstkomponierte Textfarbe über jeden Absatz einzeln legen musste.

ICH WILL, ICH WILL, ICH WILL. Keine Spur von lieblichem Augenaufschlag, süßen Patschhändchen und reizendem Gebrabbel. Mein inneres Kind ist sehr energisch, energiegeladen, neugierig und abenteuerlustig. Und sehr hartnäckig im Verfolgen ihrer Ziele. Sie ist natürlich kein „es“ sondern eine „sie“, ganz eindeutig.

Sie kann auch sehr charmant sein, richtig lieb und anschmiegsam solange, ja solange alles nach ihrem Kopf geht. Sie ist wie alle Kleinkinder ein Monster an Egoismus. Die Möglichkeit mit anderen zu teilen oder deren Bedürfnisse zu respektieren gehört noch nicht zu ihrem Verhaltensrepertoire. Soziales Verhalten lernt ein Mensch erst später in seinem Leben, oder gar nicht.

Manchmal muss ich sie aus gefährlichen Situationen retten. Lebenserfahrungen hat sie ja noch keine und sie stürmt immer voran, wenn etwas ihre Neugier geweckt hat. Dass auf dem Weg dahin vielleicht eine tiefe Grube mit Krokodilen liegt, ein dicker LKW um die Ecke biegen könnte oder der Nachbar Schmidt mit gierigen Augen lauert, ist ihr nicht klar. In solchen Fällen muss ich dann eingreifen.

Verspielt ist sie auch und sehr kreativ, ein Vergnügen ihr zuzusehen, meistens darf ich auch mitmachen bei den schwankenden Konstruktionen und wilden Bildern. Die versteinerten Gedankengänge wellen sich dann plötzlich und tuten und piepen. Wenn man keine Konsequenzen und Risiken in Betracht zieht, ist das Leben zwar sehr gefährlich aber auch sehr bunt und vielfältig. Wir lachen oft und viel miteinander. Alles in allem sind wir ein höchst erfolgreiches Team.

 

Bei Tageslicht entdeckt sie die Welt, wenn das Nachtlicht zum Fenster hereinscheint, schläft sie. Beides tut sie mit vollem Einsatz. Auf ihre Energie, ihre Neugierde, ihre Kreativität und Verspieltheit greife ich gerne zurück. Manchmal gestattet sie mir das, manchmal auch nicht. Manchmal ärgere ich mich so heftig über sie, dass ich sie gerne zur Adoption freigeben würde, aber was würde mir da nicht alles fehlen !  

300 Wörter

Das rechte Schreiben – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Judith von „mutiger leben“

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Echt, Mit „tz“ schreibt man „putzen“?? Wer hat sich denn das ausgedacht !!

Das ist momentan völlig wurscht. Können musst du es. „Trotz“ schreibt man übrigens auch mit „tz“ und „Schutz“ und „Schmutz“ und „Schmutzfink“. Nimm die Finger aus dem Marmeladeglas ! „Fink“ allerdings nicht mit „ck“

Geh, Mama, jetzt reicht´s aber für heute

Noch nicht ganz. Wie schreibst du zum Beispiel „fabelhaft“? Eben, mit „f“ nicht mit „v“ ! Was schreibt man denn sonst noch mit „f“ am Anfang ?

Fliege

Super!

Falter

Genau!

Fiel

„fiel“ von fallen schon, aber viel wie wenig mit „v“.

Grauslich ist das. Wozu braucht man das überhaupt ?

Fürs Leben, beziehungsweise für die nächste Schularbeit.

Wenn ich 1 … na sagen wir lieber 3 bekomme, darf ich dann mit Stefan und Flopsi auf den Abenteuerspielplatz ?

Wer ist denn Flopsi? Und wie schreibt man den?

Na, F-L-O-B-S-I natürlich

Aha, nicht so wie Mops oder mopsen?

Was heißt denn „mopsen“ ?

„stehlen“. Aber gut, das musst du nicht wissen. Dass man stehlen mit „h“ schreibt dagegen schon

Weiß ich, so wie „Pläne“ und „Mehlspeise“. Darf ich mir eine Esterhazy-Schnitte kaufen?

Wenn du weißt, wie man sie schreibt

Nicht mit „s“ weil sie ja nix mit „Hasen“ zu tun hat. Und mit „y“ nicht mit „i“ weil denen ja das halbe Land gehört, sagt der Papa.

Oho, der Papa arbeitet mit politischen Ansätzen. Wie schreibt man übrigens „Ansatz“?

Lang, also mit „tz“ weil ein Ansatz länger dauert als ein Hieb, den schreibt man mit „i“

Auch vom Papa?

Klar

Na dann. Also gut, mein Sohn. Wir werden weiterhin alle gemeinsam an deiner Rechtschreibung arbeiten. Aber für heute reicht´s !

300 Wörter