la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Fortsetzung folgt nicht – ABC Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Stepnwolf

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Übermächtig war die Zerstörungswut gewesen und fast alles in dem riesigen, luftigen Labor war ihr zum Opfer gefallen. Von schlichten Reagenzgläsern über gewaltig auflösende Elektronenmikroskope bis zu den perfekten DNS-Sequenzierern. Alles lag unbrauchbar in Stücken und in Scherben. Nichts davon würde jeweils wieder benützt werden können, nicht zum Guten und nicht zum Bösen. Weder vom Großen Uhrmacher noch vom Bockfüßigen. Das letzte hier geschaffene Wesen, der homo sapiens sapiens, ein Lacherfolg dieser Name, der eigentlich nur durch den DNS-Anteil von seinem Vorgänger dem Neandertaler einigermaßen psychisch stabil gehalten werden konnte, hatte sich zum größten Flopp überhaupt, zum Zerstörer seiner Biosphäre entwickelt.

Dann übernahm der Zauberlehrling das Labor mit den zahllosen DNA-Proben diverser Hominiden und experimentierte mit Photosynthese, mit CO2-Atmung, Stoffwechsel auf Plastikbasis, Kiemen mit Bio-Filtern und diversen anderen Wegen, die das aufwändige Biotop vielleicht wieder stabilisieren könnten.

Doch der Große Uhrmacher und der Bockfüßige waren sich einig – zuviel ist zuviel, eine so misslungene Kreatur musste ausgelöscht werden. Zahlreiche Optimierungsversuche entweder durch großflächige Ausrottung oder durch Vorhalten eines Extremspiegels waren erfolglos geblieben. Die Sintflut, Sodom und Gomorrha, der Holocaust, Hiroshima, Donald Trump als letzter Versuch. Als Trump mit triumphalen 60 % wiedergewählt wurde, war die Zukunft des Labors besiegelt. Andere Biotope versprachen bessere Ergebnisse. Der Große Uhrmacher und der Bockfüßige zogen um in eine andere Ecke des Universums.

Das luftige Labor war völlig zerstört. Das gesamte Labor? Nein. Eine kleine Ecke war vergessen worden. Klein für die Verhältnisse des Riesenlabors. Hier standen unzerstört ein paar hundert Brutkästen, in denen der letzte Versuch des Zauberlehrlings ausgebrütet wurde. Menschliche Babys mit intensiv grüner Haut und hübschen orangen Kiemen, in ihrer synthetischen Muttermilch wurde Plastik aufgelöst durch das die Babys wunderbar gediehen. Ihr Stoffwechsel war aber so vielseitig, dass sie sich praktisch von allem ernähren konnten.  

Und eines Tages glitten sie in die verschmutzten Ozeane der Erde. 

(301 Wörter)

 


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Endlich hemmungslos kreativ sein können – ABC Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von books2cats

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Der Unfall war leider tödlich und da stand ich nun ….. ja wo eigentlich? Das Himmelstor hatte ich mir anders vorgestellt. Vielleicht war das der Hintereingang für Atheisten. Ein äußerst fescher junger Mann kam aus dem Tor auf mich zu. „Entschuldige den Schwefelgeruch“ sagte er mit sonorer Stimme. „Man riecht ihn aber eh nur außerhalb der Liegenschaften“

Liegenschaften?

„Hölle klingt nicht so gut. Herzlich willkommen! Du bist die 5trillionste Aufnahmebewerberin und bekommst eine Führung vom Chef persönlich.“ Was konnte ich anderes tun als ihm zu folgen, in eine wunderschöne, blühende Landschaft übrigens.

„Die eigentliche Chefin hier ist meine Großmutter. Die Dame dort drüben mit der bronzefarben-nilgrünen Frisur. Vor ein paar Äonen hat sie beschlossen die Bude hier völlig umzuorganisieren, sie wollte mehr feiern und weniger foltern. Daher haben wir von der calvinistischen Leiharbeiterfirma von oben Geräteschuppen bauen lassen für die Kessel, Zangen und sonstigen überflüssig gewordenen Folterinstrumente“

Leiharbeiterfirma?  

„Na, du weißt doch, die Calvinisten sind nur glücklich wenn sie viel arbeiten, deswegen hatte einer der himmlischen Engelchorleiter diesen glücklichen Gedanken. Eine eindeutige win-win-Situation.

Hier sind wir ja nicht nach Religionen organisiert sondern nach Interessensgebieten. Ungefähr 95% aller menschlichen Forscher, Philosophen, Küchenchefs, Künstler leben bei uns. Die Aufnahmebedingungen da oben sind praktisch unerfüllbar. Wer zum Beispiel bekommt denn heutzutage noch die letzte Ölung! Außerdem gefällt es den Menschen bei uns viel besser „

Ach, und die Verbrecher und so ?

„Für die hat die Oma eine Sonderabteilung eingerichtet. Zur Inspiration hat sie ein paar Wochen in den chinesischen Uiguren-Lagern verbracht. Das dortige System hat sie mit deutlichen Abmilderungen dann auch hier eingeführt.“  

„Aber du stehst auf der Liste für die kreative Abteilung. In aller Bescheidenheit möchte ich darauf hinweisen, dass die Zufriedenheitswerte dort bei 99,9% liegen.“

PLOPP

„Ich hab ja gewusst, dass die letzte Ölung sie wieder aufwecken wird“  sagt ein Mann in schwarzer Kutte zu einer Frau mit grüner Chirurgenmaske.  NEIN ……

 


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Letztlich haben Schnecken und Menschen ähnliche Interessen – ABC-Etüden

Die unten stehenden 6 Begriffe sollen in einem höchstens 500 Wörter langen Text vorkommen

Wie immer bei  Christiane

Erstens läuft der alte Editor tatsächlich noch und zweitens kommt in diesem Text 3x (in Worten „dreimal“ ) „Katamaran vor.

Das ist Otto-Sylvia mit frisch geputztem Haus an einem wundervollen, regnerischen Vormittag. Die Blätter und die Steine leuchten feucht, die Luft atmet sich von selbst. ErSie ist unterwegs zu einem Date mit Sybille-Jochen, unten an der Marina zwischen dem blauen Katamaran und dem kleinen Ruderboot „Schrecken des Meeres“. Aus reiner Lebensfreude versucht Otto-Sylvia seineihre Fühler zu ringeln und vibrieren zu lassen. Das gelingt nicht ganz, ist aber nicht weiter schlimm, sieer hält ohnehin nichts von den angeberischen, großspurigen Schnecken, die ständig ihre Begabungen zum schnellen Sex heraushängen lassen. Vulgär, so was! Natürlich muss man den Sex nicht totschweigen, aber so öffentlich und ohne PartnerPartnerin … Otto-Sylvia ist ganz entspannt: den Zeitplan für die Hin- und Rückreise wird ersie problemlos einhalten können, die Wetterfrösche garantieren Regen bis in den frühen Morgen hinein. Da werden sieer und Sybille-Jochen ausreichend Zeit haben um sich miteinander so richtig einzuschleimen und abzufühlern. Diese langen Trockenzeiten waren doch ein Horror, echte Notstandszeiten für temperamentvolle Schnecken. Auf dem Rückweg im angenehmen Rieselregen wird ihrihm eine Mondsichel leuchten, falls sie hinter den Wolken zu sehen sein wird. Wenn nicht, wird ersie eben auf der eigenen Schleimspur zurückfinden. Wäre nicht das erste Mal. Um mit Sybille-Jochen zu kopulieren, lohnt sich das auf jeden Fall.   In ihrerseiner üblichen, rasanten Fortbewegungsart gleitet Otto-Sylvia über die nassen Steine. Hin und wieder fällt ein Wassertropfen auf seineihre Fühler, elektrisierend fühlt sich das an, die Vorfreude wird langsam zur Gier. Aus genau denselben Gründen wie Otto-Sylvia ist auch Richard unterwegs, zur Disco an der Marina. Aus reinem Übermut hüpft er beidbeinig über die Schnecke und schwenkt seine Regenjacke wie Flügel. Seltsam, denkt Otto-Sylvia, dass man bei Menschen sofort sieht, ob sie gerade männlich oder weiblich sind. Das ist aber nicht die einzige Seltsamkeit bei Menschen denkt sieer und konzentriert sich wieder auf den Weg. Nach ein paar Stunden, als Richard gerade überlegt, ob es heute der Mühe Wert ist zu verkünden, dass sein Katamaran jederzeit bereit zum Ablegen ist, ist Otto-Sylvia beinahe angekommen. Sybille-Jochen kommt ihmihr entgegen, die beiden richten sich aneinander auf, entscheiden schnell, ob es Otto mit Sybille oder Sylvia mit Jochen sein soll und lassen sich dann in die schleimigen Freuden fallen. Bei Richard läuft es nicht so gut. Kein einziges weibliches Wesen scheint sich für ihn und seinen Katamaran zu interessieren. Klar, geschlechtlich unflexibel, was soll das schon werden, würde Otto-Sylvia denken, wenn ersie nicht intensiv anderweitig beschäftigt wäre.   ALTERNATIV: Richard sieht Otto-Sylvia nicht, oder ist ein Barbar oder mag keine Schnecken und daher glitsch, spritzt, schleim, Haus zu vergeben. Aber das wollen wir ja alle nicht.    


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Kritische Menschen – ABC Etüde

Die untenstehenden 6 Begriffe sollen in einem höchstens 500 Wörter langen Text vorkommen

Wie immer bei  Christiane

Der neue Texteditor ist doch etwas spröde, aber wunderbar geeignet für Turnübungen für die Synapsen. Bei solchen Gelegenheiten kann ich ganz beträchtliche Sturheit entwickeln.

In furchtbarer Erinnerung habe ich noch heute den Strandurlaub mit meiner Freundin Yolanda. Es war gegen Ende des Sommers 2020, als man in Europa nach der Corona-Pandemie endlich wieder reisen durfte. Wir wollten beide unbedingt ans Meer und mieteten uns gemeinsam ein Haus in der Altstadt der Insel Rab.

Die ersten Tage verbrachten wir gemeinsam an verschiedenen Stränden, schlenderten durch die Altstadt und den Yachthafen, probierten Fischgerichte, kauften bunte Kleider und Taschen und plauderten ohne Punkt und Komma. In einem der Fischrestaurants, das auf verschiedene Zubereitungsarten von Tintenfisch spezialisiert war, trafen wir am vierten Abend zufällig meinen ehemaligen Arbeitskollegen Markus, in den ich immer schon ein bisschen verliebt war. Er war nur für weitere zwei Tage allein auf der Insel. Yolanda verschwand schnell auf die Toilette und machte mir hinter Markus Rücken eindeutige Zeichen: ich sollte doch diese Gelegenheit auf keinen Fall vorbeigehen lassen. So kam es, dass Yolanda und ich einander in den folgenden Tagen kaum zu Gesicht bekamen.   

Markus entpuppte sich allerdings als hohler, großspuriger Angeber, mit dem ich kaum mehr als zwei Tage hätte verbringen wollen, eigentlich war das auch schon zu viel und so war es alles andere als schlimm, als wir uns verabschiedeten und er in Richtung Flughafen aufbrach. 

Am nächsten Tag saß ich wieder vergnügt mit Yolanda am Strand und erzählte ihr, dass diese Episode so peinlich war, dass sie am besten totgeschwiegen werden sollte. Yolanda nickte und meinte, es gäbe ja schließlich auch Männer von ganz anderem Kaliber, die sich über die Welt und das Leben Gedanken machten und handelten. Ich stimmte ihr zu und wollte zum Meer hinunter gehen. Aber Yolanda wollte mir etwas Wichtiges erzählen.

„Kommt es dir nicht auch seltsam vor, dass Präsident Trump so oft genau das Richtige tut, obwohl ihm das in Europa niemand zutraut“ fragte sie mich. Ich war verblüfft. „Und wolltest du noch nie wissen, was er und andere kritische, freiheitsliebende Menschen vorhaben um uns alle zu retten?“ fragte sie mich mit großen, glänzenden Augen. Bevor ich fragen konnte, wovor genau sie uns retten sollten, sprang sie auf, murmelte etwas von einem Zeitplan, der eingehalten werden müsse und lief davon.

Nun stand ich gegen zwei Uhr morgens am Yachthafen und starrte auf ein Schiff am Anleger. Es war ein Katamaran mit einer hell erleuchteten Kabine. Musik und Partygeräusche wehten von anderen Schiffen ans Ufer. Mir war aufgefallen, dass Yolanda ihren Pass und ihre Kreditkarten mithatte, als sie an Bord des Schiffs ging in Begleitung eines Mannes mit hartem Gesicht.

Wie konnte ich Yolanda dort nur wieder herausholen! Sie hatte wirre Geschichten erzählt von unterirdischen Gängen, Folterkammern für Kinder betrieben von den amerikanischen Demokraten, einer weltweiten Verschwörung, Reptiloiden … Kritikfähige Menschen – sagte sie –  müssten unbedingt G5-Handymasten abfackeln und Donald Trump und seinen Abgesandten blind  vertrauen, denn sie seien der Garant für Freiheit und Selbstbestimmung.

„Sie wollen sicher auch zur Q-anon- Versammlung“ sagte eine Stimme hinter mir. Jemand fasste mich hart am Arm und zerrte mich in Richtung Anleger. Gerade war auf dem Katamaran das Licht ausgegangen.


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Unerwartetes in Gerhards Garten – ABC- Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Gerhard von  Kopf und Gestalt.  

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Es summt und schwirrt und leuchtet ganz besonders intensiv in der linken hinteren Ecke von Gerhards Garten. Dort hat die Tarantula ihre Insekten-Fotomodel-Agentur eröffnet. Nachdem ihr schon als ganz kleiner Spinne schmerzhaft bewusst wurde, dass sie bei den Menschen nicht gerne gesehen war, auch nicht bei Gerhard, hatte sie sich dazu entschlossen, gewissermaßen im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Heute herrschte Vollbetrieb. Es hatten sich einerseits besonders viele Interessierte gemeldet und andererseits wankte der Zeitplan gewaltig. Manche Insekten waren eben zeitmäßig extrem undiszipliniert.

Der hübsche Schiffermuelleria schaeferella, auch Mülli genannt, was der eitlen Motte sehr mißfiel, war deutlich verspätet. „Hopp, hopp, hopp“ rief die Tarantula “ dort kommt Gerhard schon und wer hängt noch nicht malerisch an der Hausmauer ?! “ „Aber ich bitte dich, das ist doch nicht schlimm, wenn er dann so etwas Hübsches wie mich zu sehen bekommt“ flötete Mülli selbstgefällig. Die Tarantula verdrehte die Augen und ließ sich an einem ihrer praktisch unzerreißbaren Fäden bis knapp über Müllis Kopf fallen. Das wirkte. Gerhards Freudenschrei im Hintergrund war Beweis genug für Müllis Arbeitseinsatz.

„Wen haben wir denn da heute ?“ fragte die Tarantula “ Oh, ein Homotropus Signatus., wie schön, aber du bist leider viel zu klein. Damit Gerhard dich mit seinem Makro fotografieren kann, muss er dich doch überhaupt einmal wahrnehmen.“ „Schaff ich schon, schaff ich schon“ sirrte die Miniwespe und flutsch war sie weg.

Die Tarantula blickte wieder über die Kandidaten  und entschied sich für einen Käfer, den sie besonders gerne zum Frühstück in ihrem Netz … „Nein, du Barbarin“ sagte sie zu sich selbst „kein Wunder, dass Gerhard dich nicht mag, obwohl du doch als erste vegetarisch lebende Spinne eine Art Weltwunder bist.“ Nein, diesen interessanten Valgus hemipterus werde ich Gerhard als besonderen fotografischen Leckerbissen auf einer Pusteblume präsentieren. „Ach Gerhard“ seufzte sie „es wäre so schön mit uns beiden“

300 Wörter


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Zwischen Theorie und Praxis – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Gerhard von  Kopf und Gestalt.  

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Helga und Ullrich saßen im Garten, wie üblich versuchte sie, sich auf ein Buch zu konzentrieren, während er ohne Punkt und Komma redete. Ullrichs Hobby war die Erfindung mehr oder weniger realistischer Szenarien mit denen er sich in allen Details beschäftigte. Das Ziel dabei war, die von ihm selbst erfundene Situation bestmöglich zu meistern. Das letzte Thema war gewesen, wie am besten mit einem Chef zu verfahren wäre, der sich als verkappter Außerirdischer erwiesen hätte.

Helga hielt diese Situation für eine der ganz besonders hirnverbrannten Ideen. Ullrich hatte dazu hunderte Seiten Arbeitsrecht gewälzt, sich über mögliche Formen außerirdischen Lebens umfassend informiert. Das Schlimmste waren die Vorträge von übel beleumundeten, selbsternannten Propheten, die er besucht und natürlich auch kommentiert hatte. Selten war ihr Ullrich so sehr auf die Nerven gefallen wie in seiner „der-Chef-ein-Außerirdischer-Phase“ . Sie war sehr erleichtert als er das Thema mit einem abschließenden „Keine Chance, besser nicht anstreifen“ beendete.

Ein paar Wochen lang hatte relative Ruhe geherrscht. Beinahe wäre sie dem Irrtum verfallen, dass sie nun ein normales Leben hätte. Aber leider, vor ein paar Tagen, hatte Ullrich begonnen, sie über einen neuen Themenbereich zu informieren. Sein erster Satz dazu, der sie wieder in ihr schwieriges Alltagsleben zurückkatapultiert hatte, war „Das wichtigste bei einem Banküberfall ist der Zeitplan“. Es war schon um die Auswahl der Bank mit den höchsten Bargeldreserven gegangen, um die Fluchtmöglichkeiten und die Notwendigkeit der Vermeidung einer Geiselnahme.

Helga hatte das Gefühl, dass sie es heute einfach nicht mehr aushalten konnte und beschloss eine Flasche Wein aus dem Keller zu holen. Manchmal half das. Sie flüchtete also in Richtung Haus. Der Keller war nie besonders aufgeräumt, aber das halbe Dutzend riesiger Sporttaschen vor dem Weinregal hatte sie noch nie gesehen. Befremdet öffnete sie die vorderste Tasche, zog den Zippverschluss auf und da quollen ihr die Geldscheine entgegen….

300 Wörter


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Vergebens – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Olpo Olponator 

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Anfangs leckten nur kleine Wellen über die rot gestrichenen Planken. Gefällige Wasserschnörkel mit Gischt verziert, Abwechslung fürs Auge und Abkühlung an einem glühend heißen Tag. Jede Meile, die wir uns vom Ufer entfernten, erfüllte mich gleichermaßen mit Schrecken und Genugtuung. Mit welcher Arroganz ich damals erklärt hatte, dass ich der Sache wegen zu allem bereit wäre und alles auf mich nehmen würde um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Sogar als ich meinen Verrat nicht mehr totschweigen konnte, nach dem Entschluss zur Flucht, hatte ich noch großspurig erklärt, dass keines der Weltmeere mir Angst machen könnte. Als ob nicht die gesamte Mannschaft wüsste, dass ich alle Schwüre gebrochen und alle Verbündeten verraten hatte. Nur noch um mein nacktes Leben ging es mir.

Die freundlichen, kleinen Wellen wurden zusehends energischer, Wolken zogen auf, das Meer hatte das Schiff bemerkt und wollte es in seinem Reich nicht dulden. Noch war es windstill, bedrohlich die Ruhe und Eleganz des schwarzgrauen Himmels. Das rote Schiff leuchtete wie ein Fremdkörper, der vernichtet werden musste. Immer höher nun die Wellen, immer näher der Ausbruch des Sturms. 

Götter wurden angerufen, so viele an der Zahl, dass einer uns hätte retten müssen, wäre ich nicht an Bord gewesen. Die Mannschaft brüllte um ihr Leben, hasste wohl den todbringenden Verräter an Bord. Immer größere Wellen brachen über das Schiff herein, rissen Ruder, Takelage, Vorräte und Menschen von Bord. Der archaische Überlebensinstinkt ließ uns nach allem greifen, was noch solide schien, befahl uns das Anklammern. Wir hörten alle das Brausen des Wassers über uns, sahen die Welle weit oben, grauweiß, mächtig, einen Augenblick lang festgefroren in absoluter Schönheit und Stille.   

Dann stürzte der Katamaran über den Rand der Welt.


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Nie wieder ! – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Olpo Olponator 

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Da war ich nun in Bratislava und haderte mit mir selbst. Was um alles in der Welt hatte mich dazu gebracht mit diesem Horrorpaar einen Tagesausflug zu machen. Sylvia und Harald, berüchtigt für ihre immer und überall kultivierten Konflikte. Ihre Zusammenlebensphilosophie rankte sich rund um das kategorische Gebot alles miteinander zu teilen, Ansichten, Aktivitäten, jeden Schritt machten sie gemeinsam, wenn auch eigentlich jeder in eine andere Richtung wollte und sie einander ständig darauf hinwiesen, dass sie „nur wegen dir“ und „du wolltest ja unbedingt“ und „eigentlich wäre ich….“ und so weiter und so fort, ununterbrochen.

Ich fühlte mich völlig ignoriert. Das mag ich gar nicht.

Wir sahen vom Stadthügel auf Bratislava hinunter und auf die Donau bis in die Hainburger Au. „Statt mit diesem blöden Touristenzug zu fahren, hätten wir ……“ „und wozu du diesen scheußlichen Schirm gekauft hast ..“  Wir bummelten durch die Altstadt „das sieht genauso aus wie in Wien“ „Ah ja, du verstehst ja plötzlich was von Architektur“ 

Er dozierte großspurig über Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Politik. Sie trieb einen spitzen Finger in jedes Detail, das sie für unrichtig hielt. Keine Minute wurden die Kampfeshandlungen unterbrochen. Wir gingen in ein Restaurant, da wurde es erst so richtig schlimm. Jedes Gericht auf der Karte wurde zerpflückt. Er wusste genau, welche Gewürze für dies und das verwendet würden, sie kam aus dem Hohnlachen nicht heraus und wusste es besser. „An deiner Stelle wäre ich vorsichtiger mit meinen unqualifizierten Äußerungen“ „Immerhin muss ich nicht ein brandneues berufliches Fiasko totschweigen“. „Wir nehmen die Spinattascherln !“ „Ach so, hast du das gerade beschlossen!“ Auf die Idee, dass jeder ein eigenes Gericht aussuchen könnte, kamen sie gar nicht.

Ein grauenhafter Tag. Nie wieder, schwor ich mir. Nur schnell auf den Katamaran*) und nachhause. Ha, dort war ein einzelner freier Platz mit vielen Leute rundherum. Ich stürzte mich darauf. 

300 Wörter

 

*) Zwischen Wien und Bratislava verkehrt auf der Donau ein „City Liner“ genannter Katamaran.


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Flatternde E-mails – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal sind es meine Wörter, die Christiane aus mehreren Vorschlägen ausgewählt hat. 

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

 

Seit es kaum mehr Flugzeuge und Kondensstreifen am Himmel gibt, kann man an manchen Tagen sehen, wie die Emails eintreffen. Ein ungewohnter Anblick. Selbstverständlich sieht man nur die eigenen, denn bekanntlich sind ja alle größeren und kleineren IT-Konzerne ganz besonders auf Datenschutz bedacht.

Ich sehe ihnen gerne zu. Dort kommt ein ganz freches Mail auf haarscharf kalkulierter Flugbahn um die Ecke des Teppichgeschäfts geschossen. Ein frühlingshaftes grünweißes Band flattert hinter ihm her. Es kommt sicher von Christine, die immer fröhliche Mails schreibt und weiß, dass ich allergisch gegen die blauen Frühlingsbänder bin. Gleich dahinter allerdings folgt eines, das sich durch würdevolles Wellen weiterbewegt, etwas langsam und in den Kurven ein bisschen wacklig. Wahrscheinlich ein amtliches Schreiben.

Über das Dach des Gebäudes gebummelt, die Aussicht genossen, dann im Sturzflug die gläserne Fassade hinunter und rund um jeden einzelnen Baum gejagt, bevor es die kirschroten Stacheln ordnet und dann ganz manierlich dem Ziel entgegenschwebt. Wo das wohl herkommt? Vielleicht ein Programm für eine Kreativwerkstatt?

Etwas flügellahm flattert aus der anderen Richtung ein Mail heran. Es wirkt etwas zerzaust und nicht völlig überzeugt, ob es auf dem richtigen Weg ist. Freundlich aber der transportierten Daten nicht ganz sicher. Das ist wohl eine Botschaft des Unterrichtsministers. Wesentlich weniger freundlich, mit gierig blickenden Zacken sind auch etliche magentafarbene Werbenachrichten unterwegs zu meiner Mailbox. Sie dürfen aber nicht rein, der Spamfilter wacht.

Da kommt noch ein ganz interessantes Exemplar: ein gefälschter Geldschein, der sich unter einem Gewand mit afrikanischem Muster verbirgt und einen Speer schwingt, zum Aufspießen der willkürlich gewählten Adressaten. Ah, das muss so eine „afrikanischer-Bankdirektor-hat-dich-zum-Millionenerben-auserkoren“-Nachricht sein.  

Da hinten kommt eine ganze Armee von grauuniformierten, exakt quadratisch geschnittenen Mails in einer V-Formation angeflogen. Zum Beweis ihrer Fähigkeiten zeigen sie einige synchron ausgeführte Flugfiguren. Eindeutig handelt es sich da um Rechnungen. Gut, das reicht für heute.

300 Wörter


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Klaustrophobie – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal sind es meine Wörter, die Christiane aus mehreren Vorschlägen ausgewählt hat. 

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Die Wände und die Decke kommen immer näher. Ich kann sie in der Bewegung nicht beobachten, aber wenn ich auf eine Stelle hinsehe, so ist sie nähergekommen. Alles wird größer, schwerer, bedrängt mich. Meine Nerven flattern. Ich versuche der Bewegung auf die Spur zu kommen und drehe mich immer schneller um die eigene Achse. Auch der Boden ist nicht mehr stabil, er versinkt, nur noch das Parkett, nur noch der Teppich zwischen dem Abgrund und mir. Die Bewegung presst den Sauerstoff in meine Lungen, aus meinen Lungen. Der Raum wird sich schließen, um mich, über mir, auf mich herunterfallen und mich begraben. Ich renne gegen das Fenster. Luft! Die gläsernen Scherben zerschneiden mir die Arme, der Schmerz öffnet den Weg ins Freie. Die Decke und die Wände sind zurückgewichen.


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Hinauf und durch – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal sind es meine Wörter, die Christiane aus mehreren Vorschlägen ausgewählt hat. 

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Ich habe mich beeilt, weil ich die erste sein wollte, aber nein, mehrere waren schneller. Kompliment!

Zuerst ließ er die dunkelroten Fransen vibrieren, sich elegant wellen. Dann kamen die blauen dran, die sich drehten und glätteten und jedes  noch so geringe Staubflöckchen wegwirbelten. Schließlich streckte er sich ganz durch, ließ seine Kettfäden sich jung und elastisch fühlen. Ein kleiner Probeflug auf ganz geringer Höhe über dem Gebetsplatz vor der großen Moschee. Mittwochs war hier nie viel los. Die Chefin hatte ihn für kurz vor Sonnenuntergang bestellt. Er wusste, was sie vorhatte und wollte dafür in seiner allerbesten Form sein, als wäre er ein ganz junger, neugeknüpfter Teppich und nicht einer der letzten seiner Art.

Er machte eine schnelle Wendung, stabilisierte sich mit dem Rosenmusterteil und schoss knapp vor dem Brunnen senkrecht in die Höhe. Eine alte Frau, die gerade über den Hof ging, lächelte ihm zu „Früher gab es viele wie dich“ sagte sie „und vielleicht ……. Wir werden sehen“. Stolz schaukelte er ein bisschen und machte  noch schnell eine Mittelteilverstärkübung, bei der ihm wie immer die geometrischen Muster in seiner Mitte als Leitlinien dienten.

Die Chefin ging noch einmal durch die Produktionshalle. Morgen würden hier die Webstühle zu klappern beginnen. Händisch betriebene Webstühle. Andere taugten nicht für die Herstellung der Art von Teppichen, die sie plante. Über dem Tor prangte das funkelnagelneue Schild „Teppiche für Frauen“. Es gehörte zu ihren tiefsten Überzeugungen, dass jede Kultur mit ihren überlieferten Hilfsmitteln voran kommen musste.

Kurz vor Sonnenuntergang. „Teppich“ rief sie. Er bog um die Ecke und legte sich ihr millimetergenau zu Füßen. Sie setzte sich auf den aerodynamisch perfekten Platz und streichelte den Teppich. „Du bist doch der Allerbeste“ begrüßte sie ihn. „Hoffen wir, dass du deinen Urenkeln so manches beibringen wirst“. Der Teppich flatterte zustimmend. Beide wussten, dass sie mit vibrierenden Fransen und bestens verstärktem Sitzteil hinauffliegen würden über Bagdad um die gläserne Decke zu durchbrechen.

300 Wörter

 

 


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Morbus Alzheimer – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal kommen die Wörter von Ludwig Zeidler

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Ich kann mir selbst nicht verzeihen, dass ich nur mehr so schlecht funktioniere. Wie eine hoffnungslos chaotische Rumpelkammer kommt mir mein Kopf vor und wenn ich etwas beinahe fassen kann, wenn ein Gedanke fast greifbar wird, fliegt der aufgeschreckte Vogel davon. Fragmente, die ich nicht mehr zusammenfügen und weder in der Zeit noch im Kontext verankern kann. Von Erinnerungen kann man nur zehren wenn man sie zuordnen kann, wenn sie nicht wie Schatten über eine leere Bühne flimmern. 

Ich sehe Dinge und andere sagen mir, dass es das, was ich sehe gar nicht gibt oder nicht so gibt, wie ich es sehe. Ich höre und verstehe nicht immer, was gesagt wird. Oft macht mich das aggressiv oder ich muss mich bewegen, in einer Endlosschleife um den Tisch, zum Fenster und wieder zurück. Dann sind wieder andere Leute da und ich erinnere mich nicht an ihr Kommen und Gehen.

Sie erzählen mir von Ereignissen, aber ich erinnere mich nicht daran. Ich will sie ja nicht enttäuschen, aber ich weiß ja auch nicht, ob es überhaupt wahr ist und wer die Leute überhaupt sind. Es liegt alles hinter einem Nebel, der sich immer seltener lichtet. Die Welt ist so unberechenbar und unsicher geworden, so unverständlich beängstigend. Wie soll ich leben, wenn um mich und in mir nur lose Fäden flattern, die ich nicht verbinden kann, die nicht zusammenpassen, die mich verhöhnen mit ihren Informationen, die ich nicht mehr erschließen kann.

Mutvoll gehe ich jetzt in Richtung Ufer und  hoffe, dass ich mich werde erinnern können, was ich dort wollte.


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Die fünfgeteilte Forsythie – ABC-Etüden

Den heutigen Vorschlag von Jutta Reichelt, ebenso inspirierend wie bisher alle ihre Anregungen, wollte ich gleich ausprobieren. Es geht darum kleine Texte in irgendeiner Art miteinander zu verbinden. Ich habe den Vorschlag mit einer ABC-Etüde verbunden. Es ist also quasi alles mit allem verbunden. Mein verbindendes Element war die Forsythie, die ich ursprünglich als zu verwendendes Wort kreativitätsvernichtend gefunden habe. Aber, die Zeiten ändern sich, gewissermaßen …

AC-Etüden bei Christiane  

Diesmal mit 5 Begriffen, die in 500 Wörtern untergebracht werden

Der Hund grub mit vollem Elan neben der Forsythie, dann ließ er sich mit einem Plumps auf dem ausgehobenen Hügel nieder und blickte herausfordernd um sich. Ha, sollte die blöde gestreifte Katze mit ihrer lächerlichen Schwanzkringlerei nur kommen, er war bereit und gerüstet, absolut Herr der Situation. Heute konnte sie ihre Krallen woanders schärfen als in seinem Gesicht. Heimtückische Wesen diese Felinen.  Zuerst zuckten sie freundlich mit dem Schwanz, was jeder Hund als Begrüßung interpretierte. Kam man aber näher um sie etwas zu beschnüffeln, fuhren sie in aberwitziger Geschwindigkeit die Krallen aus und schlugen auf den wehrlosen Hund ein.

Am späten Nachmittag rückte ein Filmteam rund um die Forsythie an. Die Darsteller, ein junges Paar brachten sich auf einer schmiedeeisernen Gartenbank in Position. Sie trug ein Kleid mit Krinoline und ein Spitzenhäubchen, er enganliegende Pantalons und ein Sakko in himbeerrot und einer sehr großen Schleife um den Hals. „Nächstes Mal muss ich dann als Marienkäfer auftreten“ murmelte der Schauspieler grimmig. Das Team wartete auf den Sonnenuntergang und der Regisseur nutzte die Gelegenheit den beiden ihren Text nochmals vorzusagen. Du sagst „ach, Herr Adalbert, es ist heute so warm hier“ und du sagst „Ach Fräulein Hildegund, an meiner Seite sollen sie niemals erfrieren“

Hinter der Forsythie begann das Nachbargrundstück. Mitten auf der verwahrlosten Wiese war ein Hügel aufgeschüttet worden. Darunter befand sich der vollständig ausgestattete Bunker von Herrn Helmer. Eine Zeit lang ging es sehr laut und geschäftig zu, die Wagen vieler unterschiedlicher Firmen standen vor dem Haus. Dann wurde es ruhig. Der Bunker war perfekt ausgestattet. Es fehlte weder an Lebensmitteln noch an Filteranlagen für Luft und Wasser. Die Betten waren bezogen, die Antennen ausgefahren, das Kurbelradio und die Wiederaufbereitungsanlagen betriebsbereit. Viele Tage verbrachte Herr Helmer in seinem Bunker, den er immer wohnlicher ausgestaltete. Nur manchmal fehlte ein wenig Farbe. Heute hatte er sich einen Forythienzweig abgeschnitten. 

Der junge Mann kam gerade an der Forsythie vorbei als ihm einfiel, dass er vergessen hatte für den morgigen Geburtstag seiner netten, immer hilfsbereiten Nachbarin einen Strauß zu besorgen. Er blieb abrupt stehen und dachte nach. Konnte er … Wäre es sehr unverschämt … Sollte er tatsächlich… Der Garten der Nachbarin war riesig, sie hatte ganz bestimmt keinen Überblick über alle ihre Pflanzen. Ein Forsythienzweig, ein besonders schön verzweigter, zwei Birnenblütenzweige, vielleicht fand er auch noch Palmkätzchen. Im Teil des Gartens, vor dem er stand, hielt sich nie jemand auf. Mit einem Sprung war er über der Mauer. (98)

Eine Biene flog über die Forsythie. Ein angewiderter Blick aus Facettenaugen traf den blühenden Strauch. Gelb – eine furchtbare Farbe. Manche Bienen hatten ja überhaupt keinen Kunstverstand und von Farben verstanden sie auch nichts. Schlimm genug wenn man mit einem wuselnden Volk voller Banausinnen leben musste, besonders im Frühling. Sie liebte die warmen Töne, rot, rosa, manche blaue Blüten mochte sie auch. Aber gelb ! Selbstverständlich suchte sie die Blüten, die sie besuchte nach rein künstlerischen Kriterien aus, nach ihren Proportionen, dem Schwung der Blütenblätter, den farblichen Harmonien. Das Leben war schön.  

497 Wörter


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„Bleisund“ – ABC-Etüden

AC-Etüden bei Christiane  

Diesmal mit 5 Begriffen, die in 500 Wörtern untergebracht werden

Ganz glücklich bin ich mit dem Text nicht. Die Idee gefällt mir, aber er hätte noch ein paar hunderte Wörter mehr gebraucht und ist so zu  gerafft.

Ich bin Historikerin, Fachgebiet „Geschichte der Barbaren“, also zwanzigstes, einundzwanzigstes Jahrhundert wie wir die Epoche heimlich nennen. Sie werden sagen, dass das keine besonders interessante Zeit ist, aber ich halte Ihnen entgegen, dass das nur die offizielle Haltung des Regimes ist.  Darf ich Sie an den Mythos „Europäische Union“ erinnern, der zwar von der Weltregierung in Beijing für lächerlich erklärt wird, über den aber doch immer wieder Hinweise auftauchenIch bin unterwegs zum Institut für Geschichte, zu Fuß. Es ist nicht verboten historisch zu forschen, aber die Anzahl der Minuspunkte auf dem Bürgerkonto ist allein aufgrund dieser Berufswahl immer sehr hoch. Fliegen oder die Benützung irgendeines anderen Verkehrsmittels ist mir praktisch nie möglich. Nach zwei Stunden Weg nähere ich mich jetzt der Universität. Der Sonnenuntergang hinter dem Gebäude der Historiker ist an Symbolik kaum zu überbieten.

„Bleisund“ begrüßt mich mein Kollege Gün-Ter, der sich gerade auf den Heimweg macht, mit der Flugbahn natürlich und in einem Schutzanzug der neuesten Generation. So heiß kann es nicht sein, dass es da drinnen nicht genau die individuelle Wohlfühltemperatur hat, nicht zu warm nicht zu kalt.

„Bleise“ antworte ich höflich. Gün-Ter ist der politische Hauptspitzel an unserem Institut. Er gibt vor, über die  Trumpbol Sonaro-Renaissance zu forschen, mit der angeblich der Klimabetrug der Europäischen Union ein Ende fand. Nachdem man aber offiziell die Europäische Union in den Bereich der Mythen verbannt hat, kompliziert das seinen Stand am Institut etwas. Natürlich frieren alle Gesichter ein, wenn Gün-Ter die neuesten Forschungsergebnisse erfahren möchte und es gelingt uns ganz gut ihn auszuschalten. Vielleicht fährt die Regierung aber auch eine Doppelstrategie und wir stehen alle mit einem Bein in einem Straflager.Vorläufig forschen wir aber noch und ich bin mit Kollegen von der linguistischen Abteilung verabredet. Sie haben mir auf komplizierten Wegen von einem Durchbruch erzählt, den sie in der Forschung über die Sprache des einundzwanzigsten Jahrhunderts erzielt haben wollen. Eine Entdeckung, die die illegale These stützt, dass es bevor der Held Trumpbol aus der Familie der Sonaro die chinesische kommunistische Partei angefleht hat, die Weltherrschaft zu übernehmen nicht nur ein Staatengebilde mit dem Namen Europäische Union sondern auch ein anderes mit dem Namen Vereinigte Staaten von Amerika gegeben haben soll. Die offizielle Geschichtsschreibung bezeichnet alle Gebiete außerhalb des chinesischen Kernlandes als ursprünglich wirtschaftlich und kulturell barbarisch. Wir vermuten aber, dass sie dies keineswegs waren, sondern dass ihre Staatsformen mit dem Chinesischen Kommunismus nicht vereinbar waren. Darüber warum sie so vollständig zusammengebrochen sind, gibt es eine offizielle Version und einen Mythos. Die Kollegen behaupten nun starke Hinweise zur Stützung dieses Mythos  gefunden zu haben.Gebannt höre ich der Kollegin zu, die darüber referiert, wie sie den zufälligen Fund eines uralten Archivs vor der Uni-Verwaltung und vor Gün-Ter geheimhalten und was für ungeheuerliche Fakten sie dort entdecken konnten. Über Bürgerrechte und Meinungsfreiheit, über regionale Regierungen und nicht staatlich gelenkte Kultur. Und über eine Pandemie, die alles vernichtete.

Und gegrüßt haben sie damals mit „Bleib gesund“, wir sagen heute noch „Bleisund“ und sie sagten „Bleiben Sie zuhause“, daraus ist „Bleise“ geworden.  

 


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Berg – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal kommen die Wörter von Corlys Lesewelt

Die 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

 

Es ist eine wahre Begebenheit von vor sicher schon über zehn Jahren. „Sonnenuntergang“ hat mich daran erinnert. 

„Sie waren erfahrene Tourengeher“ erzählte Petra. Ein Paar und eine gemeinsame Freundin brachen zu dritt auf um Sylvester im Freien, in den Bergen zu feiern. Das Wetter war freundlich, sie waren gut ausgerüstet, sie kannten sich in der Gegend aus. Aber es lag hoher Schnee, der viele topographische Merkmale veränderte. Es kam zu einem Unfall, die drei stürzten in eine unter dem Schnee verborgene Senke. Der Mann verletzte sich schwer, die beiden Frauen blieben unverletzt. Sie beschlossen das Zelt aufzustellen, in dem es wärmer wäre als im Freien und die Freundin des Paares wollte eine Stelle suchen an der es Handyempfang geben würde. Es gelang ihr aus der Senke hinauszuklettern und ein Stück zu gehen, dann wurde es dunkel, sie fiel schwer gegen einen Felsen und brach sich das Becken. Es vergingen die Nacht, der Neujahrstag und noch eine Nacht bevor die Bergrettung zu suchen begann. Die drei waren niemandem abgegangen, weil es ja geplant war, dass sie die Nacht im Freien verbringen würden. Nachts konnten die Hubschrauber der Bergrettung nicht fliegen und so dauerte es an die 48 Stunden bis alle gefunden wurden. 

„Sie hatten noch einen Sonnenaufgang miteinander, aber er hat nach dem Unfall nur ein paar Stunden überlebt“ erzählte Petra. Die Freundin war schwer unterkühlt, überlebte aber. Die beiden Kinder des Paars warteten im Krankenhaus, das vom Rettungshubschrauber angeflogen wurde.