la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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So vor mich hin

Die Schwalben sind heute ganz besonders aktiv und schwirren ums Haus. Unter dem Dach des Kurhauses gibt es Mengen von Schwalbennestern mit hungrigen Jungschwalben.

Mit den beiden strahlend sonnigen Tagen ist es vorbei. Die Wolken sind dicht und Regen und sogar Hagel für den Nachmittag angesagt. Das Wetter ist völlig außer Rand und Band: unkontrollierbare Waldbrände in Schweden statt in Portugal oder Süditalien. Meine Freundin A. schreibt, dass ihr irischer Garten ganz braun ist und Irland insgesamt völlig unkenntlich vor Trockenheit. In Wien ist für die nächsten Wochen Hitze angesagt, um die 35 Grad. Mit diesem blödsinnig triumphalen Unterton der Meteorologen, als würde irgendjemand sich über 35 Grad in der Stadt freuen.

Leider gibt es heuer auch kein Sommerloch in der Politik, es jagt vielmehr eine Ungeheuerlichkeit die andere. Die Funktionäre der Burschenpartei werden immer dreister. Namentliche Registrierung von Menschen, die geschächtetes Fleisch kaufen, also Juden und Muslime fordert da einer. Beleidigungen des ohnehin sehr gemäßigt agierenden Bundespräsidenten kommen aus dem Mund eines besonders Dummen. Das Innenministerium unter dem Pferdefan streicht alle möglichen Förderungen für Kindergärten etwa, für Frauenhäuser, für ein Projekt zur Eindämmung von Gewalt in den Familien. Und der Kanzler schweigt und schweigt bzw gibt gelegentlich Grundsätzliches von sich, ohne wenigstens zu kommentieren, dass sein Koalitionspartner sich keineswegs an diese Grundsätze hält. Die rechten Recken dürfen alles um den Preis ihn an der Macht zu erhalten. Die tägliche Morgenzeitung, die das Kurhaus zur Verfügung stellt, fördert nicht die Erholung.

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34. Station der Leseweltreise – Malediven

Sehr lange habe ich für dieses Buch gebraucht, immer wieder kam anderes dazwischen.

Es handelt sich um ein Reisebuch, in dem es um die halbe Welt geht und so suche ich mir ein Land daraus aus zu dem es wahrscheinlich schwierig ist, Lesestoff zu finden: die Malediven.

Erich Follath

„Jenseits aller Grenzen“

Auf den Spuren des großen Abenteurers Ibn Battuta durch die Welt des Islam 

Penguin: 2017

Ibn Battuta war ein Abenteurer, ein Reisender aus dem 14. Jahrhundert, der wesentlich weiter gereist ist und mehr gesehen hat als der in Europa viel bekanntere Marco Polo.

Ibn Battuta stammt aus einer in Tanger ansässigen Berberfamilie. Er studiert islamisches Recht und bricht 1325 mit 21 Jahren zu einer Pilgerfahrt nach Mekka und Medina auf. Erst 25 Jahre später kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Drei Jahre nach seiner Rückkehr bricht er noch einmal zu einer großen Reise bis nach Timbuktu auf.

Während seines bewegten Lebens beschäftigt er sich mit allen möglichen Professionen: Richter, Diplomat, Gelehrter, Makler und Kaufmann. Was sein Privatleben betrifft, so würde ich ihn nicht unbedingt als Sympathieträger bezeichnen. Er heiratete über ein halbes Dutzend Frauen und hatte zahllose Konkubinen und Sklavinnen, zeugte über 15 Kinder und verließ alle diese Frauen und Kinder wieder ohne Skrupel und Sentimentalitäten. Er liebte Macht und Geld, war aber auch ein Mensch mit großer Liebe zur Spiritualität.

Nach der Rückkehr von seiner Rreise nach Timbuktu regt der einflußreichste Mann Marrokos, der Sultan von Fez, Abu Inan Faris an, Ibn Battuta möge doch einen Bericht über seine ausgedehnten Reisen schreiben. Dazu stellt er ihm eine Art Ghostwriter zur Seite, einen jungen andalusischen Schriftsteller.

„Dieser Ibn Juzayy erweist sich als ein Segen und ein klein wenig auch als ein Fluch für das gemeinsame Werk. Als Dichter hochbegabt. gelingt es ihm, die sprudelnden Erinnerungen seines Gegenübers in eine ansprechende, ja literarische Form zu gießen. Aber Ibn Juzayys primäres Interesse gilt nicht einem genauen zeitlichen Ablauf der Ereignisse, und Ibn Battuta, der offensichtlich kein Tagebuch geführt hat, gerät gelegentlich bei seinen Erzählungen so aus dem Takt- und aus der Zeit-, dass jeder neuzeitliche Wissenschaftler oder Nachreisende vor einigen Passagen kopfschüttelnd konstatiert und kapituliert: Ganz so kann es nicht gewesen sein.

(…)

Trotz dieser kleinen Abstriche: dem Autorenpaar gelingt inhaltlich wie sprachlich, ein großer Wurf. Im Frühjahr 1355 vollenden sie das Werk“ p. 21

In diesem Buch beschreibt Erich Follath, Politikwissenschaftler und bekannter Sachbuchautor, der als diplomatischer Korrespondent für den SPIEGEL vor allem im Nahen Osten, Indien und Ostasien tätig war, eine Reise auf den Spuren Ibn Battutas. Follath erzählt von Ibn Battutas Reisen und Leben im 14. Jahrhundert und von seinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen in den bereisten Ländern.

Zwischen Mittelalter und 21. Jahrhundert reisen die Leser*innen an folgende Orte:

Tanger, Ibn Battutas Geburtsstadt

Kairo 

Damaskus

Mekka, wohin er mehrere Male reiste, wohin ihm Erich Follath nicht folgen konnte; und sollte er es doch getan haben, kann er nicht in einem Buch darüber erzählen

Shiraz

Dubai, worüber hauptsächlich Follath berichtet, da zu Zeiten Ibn Battutas dort nicht viel mehr als Sand zu finden war

Istanbul

Samarkand

Delhi

Male, die Hauptstadt der Malediven

Jakarta

Hangzhou

Granada

An manchen Stationen fand ich die Berichte Ibn Battutas interessanter, an anderen die Berichte aus der Jetztzeit und immer die Verbindungen über 700 Jahre hinweg.

Ein außerordentlich interessantes Buch, das man allerdings nicht schnell einmal an einem Nachmittag liest.


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Heroin

Nach den vormittäglichen Kuranwendungen und einem wie immer sehr guten Essen nahm ich wieder an einem Ausflug teil. Es ging in ein Mohnmuseum.“Museum“ war eine etwas hochtrabende Bezeichnung für einen Austellungsraum zum Thema Mohn, in dem auch ein paar ganz interessante Kurzfilmchen gezeigt wurden.

Ich habe mir die Eckdaten gemerkt: es gibt drei Sorten von Mohn: den grauen, den blauen und den weißen. Der graue ist der bekannteste, die Sorte aus der man die Torten, Mohnzelten etc. erzeugt und die sich dadurch von den anderen unterscheidet, dass die  Kapsel Spalten hat, durch die man die reifen Mohnkörner herausschütteln kann. Der blaue Mohn wird praktisch ausschließlich für das Bestreuen von Gebäck und Brotsorten verwendet, Mohnstriezerl, Mohnflesserl, Mohnsemmel ….. Der weiße Mohn schließlich soll einen nussigen Geschmack haben und beim Backen als Ersatzprodukt für Nüsse verwendet werden. Weißer Mohn ist mir alleerdings noch nie untergekommen.

Der Bio-Anbau von Mohn – so hörten wir – wäre enorm arbeitsintensiv. Man müsste einmal die Woche jedes Feld händisch jäten und das wäre bei einer größeren Anzahl von Feldern und der Herstellung von Öl in einem Familienbetrieb nicht zu schaffen. Der eine oder andere Bauer würde es immer wieder versuchen, aber es würde sich einfach nicht rentieren. Dennoch gibt es ja Bio-Mohn.

Im angeschlossenen Geschäft haben wir alle brav Mohnöl gekauft und Mohnschokolade, Mohnseife, Mohnsenf. Es wurde auch Geschirr und Servietten und was weiß ich sonst noch mit Mohnmotiven angeboten.

In Deutschland, so lese ich, ist der Anbau von Schlafmohn verboten. Im Waldviertel dagegen hat der Anbau des papaver somniferum lange Tradition. Waldviertler Graumohn ist auch eine geschützte Bezeichnung.

Prinzipiell kann aus Schlafmohn Opium und Heroin hergestellt werden. Allerdings ist der Waldviertler Graumohn eine Sorte, die arm an Opiaten ist. Der Mohn stammt aus den reifen Kapseln der Pflanze. Zur Gewinnung des Alkaloids aus dem Opium und Heroin hergestellt werden. entnimmt man den unreifen Kapseln des Schlafmohns einen milchigen Saft. Die reifen Samen enthalten diese Alkaloide aber nicht mehr.

Langsam habe ich das Thema Mohn dann ausgeschöpft und werde erst beim Ausprobieren des Öls wieder darauf zurückkommen.

Ich habe es ja schon nicht mehr geglaubt, aber der F ist heute tatsächlich wie ursprünglich geplant im Kurhaus angekommen. Es ist zwar nur für vier Tage, aber es wird ihm trotzdem gut tun. Das Wetter war strahlend und im Pool war es richtig sommerlich.


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Ja wenn …..

Hätte ich nicht bei meinem Abendspaziergang vergessen die Speicherkarte in die Kamera zu stecken, könnte man hier zwei Bilder bewundern:

  • eine alte Mühle, in den 1920er Jahren gebaut von einem Bauern, der im Krieg in Russland war und dieses Mühlensystem kennengelernt hat. Es ist ein hölzernes kleines Häuschen mit Windmühlenflügeln auf Rädern. Bis in die 50er Jahre war die Mühle ständig in Betrieb, dann stand sie still und begann zu verfallen. Die Gemeinde restaurierte sie dann. Sie ist ziemlich windschief, was für eine Windmühle ja ganz gut passt, aber sie steht.
  • Bilder von einem Mann, der zur allgemeinen Freude auf dem Weg zwischen Mühle und Kurhaus auf seinem Horn spielte. Ich sehe da so ein Foto vor mir „Hornbläser im Sonnenuntergang“ oder nur das Horn vor einem Getreidefeld. Wie großartig wären die doch geworden, zumindest in meiner Vorstellung


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Entspannender Mangel an Aufregung

Der Kurbetrieb geht weiter. Die Physiotherapeutin hat immer noch ein paar interessante Übungen im Ärmel, die sie kompetent herausbeutelt. Aha, der gluteus medius soll gekräftigt und gedehnt werden. Der gluteus maximus war mir ein Begriff, das ist der Po-Muskel. Es geht aber um den medius.

Beim Mittagessen habe ich erfahren, dass Soldaten nicht im Gleichschritt über eine Brücke marschieren sollen/dürfen. Ob das wohl stimmt …  Erzählt hat das mein neuer Tischnachbar, der für Andreas Gabalier und Helene Fischer schwärmt und diese Begeisterung beim Mittagessen ausgebreitet hat. Ich habe heute sehr schnell gegessen. Aber seine musikalischen Vorlieben machen ihn natürlich nicht automatisch inkompetent für Brücken- und Vibrationsthemen.

Wetter kühl und angenehm. Es donnert dezent im Hintergrund. Wie es aussieht- aber ganz sicher bin ich noch nicht – schafft es der F doch von Donnerstag bis Sonntag ins Kurhotel einzuziehen. Das würde ihm sehr gut tun, das Waldviertel entstresst und entschleunigt. Ob das wohl auch für Menschen zutrifft, die hier leben und arbeiten? Die Veronika wird das wissen.

Wenn sich noch eine weitere interessierte Person findet, besuche ich morgen ein Mohnmuseum, natürlich wird man dort auch Tonnen von Mohnprodukten zum Verkauf anbieten.