la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Foto der Woche, dreizehn

Lockdown hin oder her, spazieren gehen an der frischen Luft muss der Mensch. Zum Glück sieht das die Stadt Wien ein. Beim Lockdown im März waren absurderweise die Bundesgärten geschlossen, weil es die Bundesregierung so haben wollte. Die diesbezügliche Auseinandersetzung zwischen Stadt und Bund dauerte sehr lange. Dann wurden die Bundesgärten, zu denen auch Schönbrunn gehört endlich wieder aufgesperrt.

Bei diesem Lockdown war vom Zusperren der Parks nie die Rede. Im Gegenteil derzeit ist sogar ein Teil des Schönbrunner Parks offen, der üblicherweise geschlossen ist: der Garten hinter der Orangerie. Das war der Blumen- und Obstgarten für den Kaiserhof. Der F ist absolut begeistert darüber, den er ist ein Apfelliebhaber und in diesem Garten gibt es eine große Anzahl von Spalieerapfelbäumen. Den ältesten davon, habe ich abgelichtet um ihn als Foto der Woche zu zeigen. Immer wieder wundere ich mich darüber, dass Äpfel zu den Rosengewächsen gehören. Naja, auch im Bereich der Menschen gibt es verwunderliche Verwandtschaften.


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Freitag 27.November 2020 – Reisigsarten und Preisgestaltung

In den letzten Jahren haben wir Adventkränze und sonstige Weihnachts- und Winterdeko auf dem Adventbazar einer Waldorfschule gekauft. Dort gibt es immer sehr hübsche originelle Dinge aus den verschiedensten Materialien, aber es ist auch ein Riesengedränge, weil der Bazar nur an einem Wochenende abgehalten wird und das Haus nicht so groß ist. Nun, in diesem Jahr gibt es den Bazar nur online und es werden auch keine Adventkränze verkauft. Also musste ich mich anderweitig umschauen.

Zuerst ein Irrweg über ein Blumengeschäft, das in seiner Homepage sehr hübsche Adventkränze anbot, ziemlich teuer aber wirklich schön. Telefonisch konnte man sie bestellen nach den Fotos auf der homepage und sie wurden nachhause geliefert. So weit so gut. Das Ding, das ich dann geliefert bekam, hatte allerdings mit dem Foto wenig gemeinsam. Zwar war es ein Kranz aus verschiedenen Reisigarten gebunden, mit Kerzen und sonstigem Dekor und tatsächlich hatte man mir am Telefon gesagt, dass es so unerwartet viele Aufträge gebe, dass sie nur mehr ganz wenig Material zur Verfügung hätten. Ein reizendes Mädel kam zum Liefern, das mir versicherte, dass es nicht nur Lieferantin sondern auch Floristin sei. Zwar konnte ich an dem gelieferten Ding keine Spur von floristischem Talent erkennen, aber sie war so jung und nett, dass ich eine heftige Beisshemmung hatte und nicht nur die höchst berechtigte Kritik hinunterschluckte sondern auch anstandlos den geforderten Preis bezahlte und ihr obendrein noch ein üppiges Trinkgeld gab. Wofür eigentlich könnte ich nicht sagen. „Corazón de abuelita“ nennen die Spanier solche Verhaltensweisen.

Die Deko war gelinde gesagt mickrig und irgendwie auf den Kranz draufgeklebt. Keine Spur von irgendeiner Ästhetik. Es gab insgesamt 4 trockene Orangenscheiben, vier Herzen und vier Zimtstangen genau symetrisch auf dem Kranz verteilt und dazu vier Kerzen, die statt fröhlich Rot blutiges Bordauxrot waren. Eine Farbe, die ich überhaupt nicht leiden kann. Die sehr bescheidene Deko war obendrein festgeklebt, so dass ich sie richtig herunterreißen musste um sie ein bisschen umzugruppieren. Viel zu gruppieren war eh nicht vorhanden.

Das war Freitag am frühen Nachmittag. Etwas später fuhren wir zum Wocheneinkauf in den Supermarkt, wo es auch keine Kränze gab, die mir irgendwie gefallen hätten. Ziemlich angegrantelt beschloss ich dann noch einen Sprung auf den gegenüber liegenden Markt zu machen. Und siehe da: alles voller Adventkränze. Es gab auch die von mir sehr geschätzten Reisigkränze ohne irgendeine Deko und ohne Kerzen und auch eine Menge sehr verschieden dekorierter Exemplare in allen Farben und Größen und wesentlich billiger als im Blumengeschäft. Ich weiß selbst nicht, warum ich nicht an den Markt gedacht hatte.

Nun haben wir also drei Adventkränze, zwei schöne und einen teuren.


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Impulswerkstatt – Betrachtungen zum Schreiben

Ich eröffne eine Abteilung in der Impulswerkstatt, in der ich mich mit den „handwerklichen“ Aspekten des Schreibens befassen möchte. Ich nehme natürlich meine eigenen Texte als Beispiel und die konstruktiven Kommentare, die ich dazu bekomme als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit den Themen. Selbstverständlich werden hier nicht die Texte anderer Leute zerlegt, nur meine eigenen, damit habe ich genug zu tun.

Dieser erste Beitrag bezieht sich auf den Text „Der Bauer, der meinte, die Natur zu unterstützen“.

Punkt Nr.1 – Personengestaltung. Zunächst die Darstellung der Kinder in dieser Geschichte (Danke Nati, Danke Christiane) . Ich gebe den beiden ganz recht darin , dass die Figuren der Kinder mehr als schemenhaft sind. Womöglich ist nicht einmal ganz klar geworden wie viele es sind. Da müsste ich ein bissl nachbessern. Zwar waren die Kinder, wie schon erwähnt, nur als Dekoelement gedacht, die zu einem Bauernhof einfach dazugehören, aber etwas mehr Ausarbeitung würde nicht schaden. In diesem Punkt wie in anderen zeigt sich, dass ich ein Problem mit der Länge der Texte habe. Würde ich die Stränge, die in diesem Text angelegt sind ausarbeiten , würde der Text wesentlich länger. Ja, und dazu fehlt mir noch die Geduld, oder die Disziplin oder die Motivation oder alle drei.

Vielleicht fehlt mir auch das persönliche Interesse an den Figuren. Ich erfinde sie schnell und lasse sie dann sofort wieder los. Darüber grüble ich noch. In diesem Zusammenhang: danke Katha für den Kommentar zum Bauern

Punkt Nr.2 – der Dauerbrenner „Erzählperspektive„. (Danke Ule). Tja, innere Monologe mag ich sehr, sie bieten viele Möglichkeiten über die Wahrnehmungen und Gefühlslage der Personen zu schreiben. Die auktoriale Position wiederum ermöglicht mehr Überblick über sämtliche Figuren und Handlungsstränge und mehr Abstand. Ideal finde ich den Wechsel zwischen verschiedenen Erzählperspektiven. Nur erschwert dieser Wechsel die Strukturierung von kurzen Texten und führt oft dazu, dass sich die Leser*innen nicht auskennen. Je kürzer der Text desto linearer sollte wohl die Erzählstruktur sein.

Punkt Nr.3 – die Sprache. Flumsi meinte einmal, dass ich eine barocke Sprache hätte. Das hat mir gefallen, also in meiner Interpretation von „barock“. Gerda hat dem Bauern am Anfang dieses Textes sogar eine gewisse archetypische Qualität zugesprochen. Das hängt wahrscheinlich auch mit der Sprache zusammen und hat mir auch gefallen. Insgesamt bin ich mit meiner Sprache ganz zufrieden.Zum Training: viel schreiben und möglichst verschiedene Dinge würde ich sagen.

Zum Anfang bietet sich die Kurzgeschichte an. Ich habe mir eine Charakterisierung von Kurzgeschichten aus dem Netz gefischt und lege sie einmal an mein Geschreibsel an.

Merkmale von Kurzgeschichten

Kurzgeschichten sind durch mehrere relativ eindeutige Besonderheiten gekennzeichnet. Jedoch weist nicht immer jede Kurzgeschichte alle dieser Eigenschaften auf. Typische Merkmale sind:

  • Überschaubare Textlänge: Meistens sind Kurzgeschichten zwischen zwei und fünf Seiten lang. Diese ist noch etwas zu kurz

  • Unmittelbarer Beginn: Es gibt keine Einleitung, die grundlegende Fragen zu Personen, Ort und Zeit klärt. Passt

  • Geringe Anzahl von Charakteren: Es treten nur wenige Personen auf. Diese werden nicht detailliert beschrieben oder vorgestellt. Oft werden keine Namen verwendet, sondern lediglich Personalpronomen wie „er“ oder „sie“. Passt

  • Alltags- oder Umgangssprache: Die Sprache in der Kurzgeschichte ist meist schlicht gehalten. Naja, passt teilweise

  • Alltägliche Handlung: Üblicherweise werden in der Kurzgeschichte relativ gewöhnliche Geschehnisse dargestellt. Allerdings kommt es dabei zu einem Konflikt oder einem überraschenden Wendepunkt. Passt

  • Offener oder halb offener Schluss: Das Ende der Kurzgeschichte bleibt unklar. Oft bricht die Handlung einfach ohne Hinweis auf den Ausgang ab. Beim halb offenen Schluss kann es diesbezüglich Andeutungen geben. Passt

  • Chronologische und lineare Erzählung: Normalerweise treten in Kurzgeschichten keine Zeitsprünge auf. Meist wird außerdem lediglich ein sehr kurzer Zeitraum betrachtet. Da  gibt es in diesem Text kein Problem. Im allgemeinen mag ich aber Zeitsprünge , das Verflechten verschiedener Zeitebenen und Handlungsstränge sehr gerne. Fazit: schwierige zeitliche Konstruktionen lassen sich nur in längeren Texten verwirklichen.

Nun, das ist jetzt schon ziemlich lang geworden. Fortsetzungen werden folgen.


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Mittwoch 25.11.2020 – Augen in die Welt

Eiskalt war es in meiner Wohnung, bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt. Nein, zum Glück ist nicht die Heizung ausgefallen, ich hatte nur „Besuch“ von einem Fenstermonteur, der die Verglasung an einer meiner Terrassentüren auswechselte. Wenn in die Vakuum-Verglasung Luft eintritt, verringert sich die Isolierwirkung beträchtlich und außerdem laufen die Scheiben an. Nachdem der Mann keine Maske trug und sehr gesprächig war, setzte ich auf Frischluft und riss alle Türen und Fenster auf. Er war sehr gründlich, wechselte nicht nur die eine Scheibe aus, sondern kontrollierte auch alle anderen Türen und Fenster, schmierte sie, stellte sie neu ein. Auf meine Frage, wie denn sein Geschäft ginge in diesen Zeiten, erzählte er, dass eigentlich recht gut, die Auftragslage sei weitgehend gleich geblieben und er würde ja selbstverständlich seine Stammkunden nicht im Stich lassen, falls es irgendwelche Probleme gäbe. Im Klartext heißt das wohl, dass ein Teil seines Geschäfts auf Pfusch beruht. Das ist nun nicht besonders außergewöhnlich. Die Genossenschaft zu der meine Wohnung gehört, beschäftigt meistens kleine Firmen, die natürlich billiger sind als große, und flexibler.

Kleine Aufwärmphase, dann kam meine allerhöchst geschätzte Putzfrau, von der ich auch nicht verlange, dass sie mit Maske arbeitet. Auch in diesem Fall wird Frischluft eingesetzt und wir müssen uns ja auch nicht im gleichen Raum aufhalten. erfreulicherweise haben wir aber beide einen Hang zu offenen Fenstern bei allen möglichen Temperaturen. Im Bereich des Alltagslebens finde ich es nicht besonders schwierig, vernünftige Maßnahmen gegen Ansteckung zu ergreifen. Mein Risikofaktor ist der F, der zwar prinzipiell im homeoffice arbeitet, aber einen Tag in der Woche geht er ins Büro. Bislang hat sich einer seiner Kollegen mit Covid 19 infiziert, aber den hat er zum Glück schon eine Weile nicht gesehen. Hoffen wir das Beste.


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Der Bauer, der meinte, die Natur zu unterstützen – Impulswerkstatt

Endlich ist mir zu meinem Foto auch was eingefallen, im vierten Anlauf!  Dafür liebäugle ich mit einem zweiten Blasentext und einem weiteren Getreidetext. Es geht wieder.

„Die Spreu vom Weizen trennen“ war der Lieblingsspruch des Bauern. Nicht nur auf seine Getreideernte bezog er sich damit, sondern auf das Leben im allgemeinen, auf die Menschen in seinem Dorf, seine Nachbarn, seine Familie.

Er hatte einen schönen Betrieb und war so reich wie man es mit einem bestenfalls mittelgroßen Hof nur werden konnte. Getreide, Hühner, Schafe, eine Käserei, Obstgärten und einen prächtigen Hofladen, der von seiner Frau geführt wurde. Nicht alle Produkte, die dort verkauft wurden, stammten tatsächlich vom eigenen Hof und nicht alles, was als Bio-Produkt angepriesen wurde, verdiente diesen Namen, aber die Städter konnten da ohnehin keinen Unterschied feststellen.

Unzufrieden kam der Bauer an diesem Sonntag aus der Messe zurück. Der neue Pfarrer war ihm zu jung und zu eifrig. Der alte Pfarrer hatte langweilige aber verlässliche Predigten gehalten, immer am Ablauf des Kirchenjahres orientiert und niemand musste damit rechnen, dass irgendwelche Geschehnisse aus dem Dorfleben für die Predigt verwertet wurden. Niemals hätte der alte Pfarrer von der Bergpredigt gesprochen und dabei erwähnt, dass ihn das Verhältnis zwischen der Anzahl der Schafe des Bauern und den Mengen an Käse, die er als Eigenprodukt verkaufte, sehr an die Brotvermehrung erinnere, er aber in diesem Fall keine göttliche Intervention erkennen könne. Und der strafende Blick, den er dem Bauern zugeworfen hatte! Eine unverschämte Einmischung der Kirche in seine Geschäfte. Diese Zeiten sollten doch wohl vorbei sein, dachte der Bauer sehr verärgert und überlegte, ob so ein Pfarrer besonders wenn er jung und somit sicher völlig unerfahren in seinem Amt war, auch zur Spreu gezählt werden konnte.

Die zwei jüngeren Kinder des Bauern sprangen um ihn herum. Sie hatten die Sache mit der gottlosen Vermehrung des Schafkäses wohl nicht verstanden, Kinder hörten ja bei Predigten ohnehin nicht zu. Der Bauer erinnerte sich gut, wie langweilig er selbst als Kind jeden Sonntag wieder die Messe des alten Pfarrers erlebt hatte. Aber, so dachte er, da konnte man wieder sehen, dass nicht alles, was auf den ersten Blick schlecht erschien auch so war. Manchmal musste man ein bisschen warten, bis man die Spreu vom Weizen trennen konnte. Den alten und den neuen Pfarrer hatte er nun endgültig in die richtigen Kategorien eingeteilt, den einen zur Spreu verbannt den anderen im Rückblick als Weizen identifiziert.

Ebenso lag die Sache bei seinem ältesten Sohn, der in die Stadt gezogen war und nichts davon wissen wollte, den Hof zu übernehmen. Musiker war er geworden, ein Bauernsohn, der sich nichts Besseres zu tun wusste, als in einem Orchester zu spielen, die Klarinette noch dazu. Nicht einmal ein solides Instrument!

Aber auf die beiden Kleinen aus zweiter Ehe hatte der Bauer große Hoffnungen gesetzt. Ihr Großvater mütterlicherseits, Besitzer eines großen Weinguts hatte schon angedeutet, dass er einen seiner Enkel, wenn sie erst groß genug wären, gerne als seinen Erben anlernen wollte und der andere würde dann natürlich den Bauernhof übernehmen.

Sein jüngstes Kind, seine Tochter, die gerade zu krabbeln begann, würde er an den anderen Nachbarhof verheiraten. Dort war der älteste Sohn zehn, genau richtig im Alter. Gerne malte der Bauer sich aus, wie er sein Leben gestaltete, sein Schicksal selbst formte und seine Kinder an die richtigen Plätze im Leben stellte. Der Verrat des ältesten Sohnes hatte allerdings einen Riss in sein gefestigtes Weltbild gesprengt, der gelegentlich aufklaffte. Die Pläne zur Gestaltung des Lebens seiner anderen Kinder wirkten da wie Zement, der diese Risse wieder verschloss und das Wohlbefinden des Bauern in der Welt wieder herstellte, wenn auch in letzter Zeit immer mühsamer.

Der Bauer war nicht nur reich sondern auch geizig und immer darum besorgt, dass ihm weniger zuteil werden könnte, als ihm zustand; dass sein Getreide nicht hoch genug wachsen würde, das seine Schafe zu wenig Milch gäben und das Obst zu spärlich oder zu spät reifte. Längst hatte er alle seine Nachbarn in Spreu und Weizen getrennt und nachdem er kaum jemanden zum Weizen zählen konnte, war er zu dem Schluss gekommen, dass er seine Besitztümer besser schützen musste.

Sein erster Schritt war ein Zaun um den Obstgarten. Es war ein Holzzaun, der nicht weiter aufgefallen wäre, wäre er nicht deutlich höher gewesen als alle Zäune der Umgebung. Zu diesem Zeitpunkt schwankte die Bäuerin zwischen Ärger und Sorge.  Sie war nicht nur um vieles jünger als der Bauer, sie war auch von Natur aus umgänglich und freundlich und wollte ihren Kindern das Bild einer Welt vermitteln, in der alle ihren selbst gewählten Platz finden konnten. Nun musste sie jedes Mal wenn sie in den Obstgarten ging, mehrere Schlösser am Zaungatter auf- und zusperren. Wenn sie auch selbst die Schlösser immer offen ließ, so wachte doch der Bauer darüber, dass sie nie lange offen blieben. Meistens schickte er eines der Kinder mit dem Auftrag den Obstgarten zu versperren und erboste die Bäuerin damit noch mehr.

Die Lage verbesserte sich nicht und eines Tages kam der Bauer mit seinem Kleintransporter vom nächstgelegenen Lagerhaus zurück und sie sah, dass er mehrere große Rollen Stacheldraht auf der Ladefläche liegen hatte. Er ging nicht weiter darauf ein, dass sie keinen Stacheldraht auf dem Hof haben wollte, schon wegen der Kinder. Es war ihm nicht einmal zu entlocken, was er genau vorhatte. Er arbeitete mit dem Stacheldraht hinter dem Rücken der Bäuerin, die mit dem gut besuchten Hofladen und den drei kleinen Kindern stark ausgelastet war und keine Zeit hatte auf dem gesamten Hof zu patrouillieren.

War der Bauer in ihrer Nähe hörte sie ihn von Spreu und Weizen murmeln, er sprach auch von den diebischen Nachbarn, die sein Getreide holen wollten, den boshaften Städtern, die die Ähren niedertrampelten um schneller in den Wald dahinter zu gelangen und vom jungen Pfarrer, von dem er annahm, dass er ihn beobachtete. Eigentlich war er sich diesbezüglich ganz sicher.

Der Pfarrer und einige Nachbarn, mit denen der Bauer früher am Stammtisch regelmäßig Karten gespielt hatte, machten in letzter Zeit Andeutungen über seine Aktivitäten bei den Feldern und die Bäuerin war nun schon sehr besorgt um den Geisteszustand ihres Mannes. Als er eines Tages mit blutigen Händen und zerrissener Kleidung nachhause kam, wurde es ihr zu viel und sie ging mit dem jüngsten Kind auf dem Arm zu den Getreidefeldern um zu sehen, was dort vor sich ging.

Was sie vorfand, erinnerte an den Alptraum eines Paranoikers. Der Bauer hatte alle Getreidefelder mit Stacheldraht umzäunt und auch innerhalb der Umzäumung kreuz und quer durch die Felder weitere Bahnen Stacheldraht gezogen.

Damit hatte er seine gesamte Getreideernte vernichtet um sie der vermeintlichen Gier anderer zu entziehen. Das Weltbild des Bauern hatte nun keine Risse mehr, es war alles wohl gefügt und geschützt, alles und jedes auf seinem Platz, unverrückbar für alle kommenden Zeiten. Mithilfe des Stacheldrahts hatte er sogar der Natur geholfen, Spreu vom Weizen zu trennen.

Die Bäuerin lachte hysterisch, das Kind hüpfte auf ihrem Arm. Der Pfarrer und die anderen Honoratioren des Dorfes überlegten, einen Wohltätigkeitsbasar zu veranstalten, für die armen Kinder. Der Bauer aber war glücklich und zufrieden mit seiner perfekten Abgrenzung von der Welt.


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Dienstag 25.11.2020 – Stromern rund um´s Impfen

Ich bin ganz pünktlich und schlendere über die Schwedenbrücke. Die U-Bahn war nicht leer, aber auch nicht überfüllt, die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln wird praktisch 100%ig eingehalten, das aber ohnehin schon seit Monaten.  Hinter mir die Ruprechtskirche und darunter der Platz wo der Attentäter erschossen wurde. Aber nichts davon ist heute in meinem Fokus. Was mir dagegen zum Beispiel auffällt, sind die Steinchen am Boden, die offenbar wegen Glatteis gestreut wurden. Heute Nachmittag ist es zwar sehr kalt, aber trocken.

Durch die Taborstraße gehe ich, vorbei an der Gasse, in der ich aufgewachsen bin. Das Haus steht nicht mehr und es ist ein seltsames Gefühl, dass am richtigen Platz das falsche Haus steht. Die Geschäfte sind geschlossen, wir haben ja Lockdown. In sehr vielen Geschäftslokalen sind aber Menschen anwesend, vermutlich die Besitzer oder Geschäftsführer und werkeln mit irgendetwas herum, dekorieren die Auslagen um, sitzen an Schreibtischen und bearbeiten ihre Laptops, telefonieren. Man kann ihnen von der Straße aus bei ihren Aktivitäten zusehen. Die Geschäftslokale sind voll, es sieht aus als hätte man die Fülle der Waren gerade noch untergebracht und wartete ungeduldig auf die Menschenmassen, die demnächst hineinstürmen werden

Ich komme an einer Schneiderei vorbei, in der gearbeitet wird und habe  den Eindruck dass, wenn ich an irgendeine dieser Türen klopfen würde, sicher jemand käme um mich zu fragen, was ich kaufen möchte. An nahezu allen Geschäften steht angeschrieben, dass man die Produkte, welcher Art auch immer, online kaufen kann oder einfach nur anrufen soll und dann alles umsonst nachhause geliefert bekommt. Bei manchen wird der Umkreis angegeben, in dem sie liefern, bei anderen ist es die ganze Stadt. Es gibt viele kreative Ansätze, wie man ohne andere zu gefährden seine Geschäfte betreiben kann. Demnächst werde ich auf diese Art einen Adventkranz erwerben, aber nicht in dieser Straße.

Es gibt eine Gratis-Grippeimpf-Aktion in Wien, die man in verschiedenen Bezirksämtern in Anspruch nehmen kann. Warum immer habe ich mir dieses ausgesucht. Es funktioniert alles völlig problemlos, nach höchstens 10 Minuten bin ich geimpft und wieder auf der Straße. Es ist meine allererste Grippeimpfung, die ich aber schon vor Covid19 beschlossen hatte. Nachdem ich nun nicht mehr täglich mit mehreren Öffis fahre und mit hunderten Leuten zu tun habe, von denen immer einige krank sind, dachte ich, dass der ständige Immunisierungseffekt nachlassen und mein Immunsystem nicht mehr ganz so fit sein wird.

Auf dem Rückweg gehe ich quer durch das Viertel und komme an einem kleinen Platz vorbei. Dort steht eine mir wohlbekannte Kirche mit weit offenen Toren. Wahrscheinlich wird auch hier fleißig gelüftet. Auf einer Bank direkt vor dem geöffneten Tor sitzen zwei klassisch-muslimisch gekleidete Mädchen, die miteinander kichern und schräg dahinter ist ein koscherer Supermarkt. Wie in Andalusien im Mittelalter, wo die allgemeine religiöse Toleranz eine blühende Kultur gefördert wenn nicht gar hervorgebracht hat.


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Falsche Zielgruppe

 

Helliconia: Frühling

So wurde dieser erste Teil einer Trilogie angekündigt:

Helliconia ist ein Planet in einem Doppelsternsystem, auf dem ein Jahr zweieinhalb Tausend irdische Jahre dauert. Nach mehr als tausend Jahren erbarmungslosem Winter beginnen die Gletscher auf Helliconia zurückzuweichen. Das erste Grün zeigt sich, die Tierwelt erwacht. Nun kehren auch die Menschen, Nachfahren der Forscher, die diese Welt einst entdeckten, an die Oberfläche ihres Planeten zurück – doch zuerst müssen sie die Fesseln der Barbarei abschütteln und sich von der Unterdrückung der einheimischen Phagoren befreien …

Wenn sich die  Handlung eines 485 Seiten langen Romans umfassend in 3 Sätzen zusammenfassen lässt ist das aus meiner Sicht kein gutes Zeichen. Wenn man gerne seitenlang liest wer wen wie geprügelt und/oder abgestochen hat, ist das wahrscheinlich anders.

An und für sich lese ich diese Art von Fluchtgeschichten ganz gerne, wenn sie flüssig geschrieben sind und so, dass es eine Welt gibt, in die man sich hineindenken kann und ausgearbeitete Figuren. Bei diesem Text hatte ich den Eindruck, dass es sich um ein Drehbuch oder Regieanweisungen für einen Action-Film handelt. Der Autor verwendet eine sehr einfache, abgehackte Sprache. Es kommen sehr viele Personen vor, aber nur ganz wenige werden wenigstens ein kleines bisschen entwickelt. Es geht von einer Kampf- und Schlachtenszene zur nächsten, wobei es sehr schwierig ist, die zahlreichen Personen mit sehr langen Namen überhaupt auseinanderzuhalten und kaum hat man sich eine Person irgendwie gemerkt, ist sie schon wieder weg und kommt nicht mehr vor.

Ich gehöre eindeutig nicht zum Zielpublikum dieser Trilogie, deren Lektüre ich nach einem Drittel des ersten Bands auf extremes Querlesen umgestellt habe und deren zweiten und dritten Band ich nicht lesen möchte.


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Sonntag 22. November 2020 – Aloe Vera

Zwei hübsche Pflänzchen habe ich geschenkt bekommen (danke schön, liebe E) und nachdem sie im Wasser schon ordentliche Wurzeln gebildet hatten, kamen sie heute in die Erde. Die Erde kam von draußen und musste sich noch etwas aufwärmen, weil es heute Nacht gefroren hat. Die eine Pflanze kommt an ein Westfenster, in einen Raum, in dem es ihr hoffentlich nicht zu warm sein wird, die andere an ein Südfenster in einen kühleren Raum.

Eigentlich wollte ich sie in mein Regenwasser-Gieß-Programm aufnehmen, aber nachdem die Aloe Vera Kalk mag, wird sie Wiener Leitungswasser mögen. Als Sukkulente trinkt sie ohnehin nicht viel. „Immer nur von unten gießen“ schreibt der Net-Gärtner. Das ist nicht weiter schwierig, das kenne ich auch von der Fleischfressenden, die übrigens vor kurzem tatsächlich eine Spinne und eine Fliege erwischt hat, wie auch immer sie das geschafft haben mag. Ich hatte schon den F im Verdacht, ob er ihr Leckerbissen zukommen lassen wollte, aber er beschwört seine Unschuld. Dann muss sie es selbst geschafft haben. Beachtlich!

Es hat in diesem Jahr sehr viel geregnet und alle meine Auffanggefäße für Regenwasser sind voll. Seit heute Nacht sind sie auch schon gefroren, ziemlich tief, nicht nur in einem Film an der Oberfläche.

Ich schätze den Saft der Aloe Vera als Behandlung für kleine Wunden. Zu diesem Zweck verwende ich Stifte, die an sich als Lippenstifte gedacht sind, von einer Firma, die sich großspurig Forever living nennt. Dieses Versprechen wird sie nicht halten, aber manche ihrer Produkte finde ich ganz gut. Abgesehen von Wundheilung soll die Aloe auch die Luft in Innenräumen reinigen. Ich vermute, dass sie dafür noch etwas wachsen muss, aber dann…