Impulswerkstatt

Nicht Aikido hat es mir angetan, aber Qi Gong. Schon vor vielen Jahren habe ich damit begonnen, aber aus irgendwelchen schlechten Gründen wieder aufgehört. An vieles erinnere ich mich, an anderes nicht, daher beginne ich nochmals von vorne.

QI steht also für die Vitalkraft, die Lebensenergie, die alles durchdringt. Bei den Qi Gong Übungen geht es darum diese Lebensenergie durch körperliche und geistige Übungen so zu bewegen, dass Gleichgewicht und Harmonie entsteht.

Wichtig zu bedenken ist, dass die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) im Gegensatz zur westlichen Medizin ihren Schwerpunkt auf die Vorbeugung legt und es daher im Qi Gong nicht nur eine weiche und eine harte Variante gibt sondern auch eine medizinische.

Jing ist die von den Eltern ererbte Lebenskraft, Qi die alles durchdringende universelle Lebenskraft und Shen ist die psychische und spirituelle Kraft. Shen ist letztlich die wichtigste der drei, denn durch die Stärkung des Shen kann man zur Leere gelangen, die das Ziel ist. Unter Leere ist hier Klarheit zu verstehen, die Befreiung von Vorstellungen und Begrifflichkeiten. Das, was man im Buddhismus „Erleuchtung“ nennt.

Man kann versuchen, verschiedene Vorstellungen zu vergleichen oder unter einen Hut zu bringen. Man könnte zum Beispiel sagen, dass Jing für die von den Eltern ererbte DNA steht, dass Shen der Geist oder die Seele ist. Ich halte von solchen Vergleichen nicht viel. Jedes System ist in sich kohärent.

Ich möchte mich auch gar nicht in weltanschauliche oder gar mystische Dimensionen versenken, sondern mich auf die Übungen konzentrieren. Mit der Theorie kann ich mich ja irgendwann beschäftigen oder auch nicht.

Dienstag 11.Mai 2021

Es gibt kreative Tage und andere. Ich habe heute einen anderen. Es fing schon damit an, dass ich keine Lust hatte, ins Atelier zu gehen, was ja kaum jemals vorkommt. Zu den Texten, die mir so vorschweben, fiel mir rein gar nichts ein und obendrein ist es viel zu heiß.
Also ein idealer Tag um wieder einmal dem Lavendel auf meiner Terrasse zu Leibe zu rücken. Ich weiß nicht warum, aber er wächst und wächst praktisch überall und ist sehr schwer auszureißen, weil er tief und fest wurzelt. Aber heute war ich diesbezüglich schon sehr erfolgreich und habe statt des Lavendels etliche Pflänzchen gesetzt. Zum Beispiel drei Mais-Pflanzen und eine sehr hübsche Pflanze mit lila Blüten, die man mir auf dem Markt als „Vanille-Blume“ verkauft hat. Allerdings stammt die Bezeichnung von der Verkäuferin, die, als ich sie fragte ob „diese Blumen dort“ stark riechen über den halben Markt rief „Chefin, stinken die a ?“. Also keine Pflanzenliebhaberin.
Mehrere Feuerblumen in verschiedenen rot-orange Schattierungen habe ich auch eingesetzt. Die sind bildschön und überleben alles. Glockenblumen und verschiedene Blümchen, von denen ich auch nicht weiß, wie sie heißen. Die Blumenverkäuferin hat mir Fingerhutpflanzen für demnächst versprochen. Die vom Vorjahr, die eine wahre Pracht war, lebt und hat drei kleine Blütenstände ausgefahren, aber sie wird es schon aushalten, wenn ich ein zweites Exemplar einsetze. Vielleicht wird sie sogar angespornt.
Pflanzen sind doch immer eine Quelle der Freude. Naja, der Lavendel nicht unbedingt immer …

Fischwanderhilfe

Wir gingen über das Kraftwerk, das den hübschen Namen der Umgebung „Freudenau“ führt zur anderen Seite der Donau. Es wurde 1992 eröffnet und ist daher für ein Kraftwerk noch verhältnismäßig neu.

An diesem Tag wehte ein Sturm und beim Überqueren der „Brücke“ hatte ich das dringende Bedürfnis nach irgendeiner Kopfbedeckung, sogar ein Radhelm wäre mir willkommen gewesen. Der F als studierter Wasserbauingenieur zeigte aber einige Motivation um mir an Ort und Stelle zu erklären, wie das Ding funktioniert. wir wurden nicht wirklich umgeblasen, aber beinahe.

Es ist ein Laufkraftwerk mit 6 Turbinen und es leuchtet ein, dass es nötig ist, etwas zu unternehmen um zu vermeiden, dass die Fische in die Turbinen gezogen werden.
Meine Motivation bei Sturm über das Kraftwerk zu gehen, war, zu sehen wie diese sogenannte „Fischwanderhilfe“ aussieht. Fischtreppen bei kleinen Kraftwerken habe ich schon gesehen, aber das ist hier kein Vergleich.
Die „Umleitung“ für Fische und sonstige Wasserbewohner ist eindrucksvoll weitläufig.

Die renaturierten Strecken der „Umleitung“ sehen geradezu idyllisch aus. Fische habe ich zwar keine gesehen, aber das hing vielleicht mit der Tageszeit zusammen. Ganz in der Nähe des Kraftwerks, in der Lobau, liegt Wiens FKK-Bereich. Die FKK-Leute haben angeblich mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen und so finden sich dort in der Mehrheit ältere Leute im Adams- oder Evakostüm.

Wahrheiten?

Wenn es so etwas wie universelle Wahrheiten geben sollte, so müsste es auch möglich sein, auf verschiedenen Wegen dorthin zu gelangen. Wenn es eine gute Zukunft für die Menschheit auf diesem Planeten geben soll, müssen viele verschiedene Richtungen einen Grundkonsens finden. Leider sieht es danach derzeit nicht aus. Möglicherweise fehlt mir aber auch nur die Sicht von einem höher gelegenen Standpunkt aus.

Vielleicht gibt es aber diese universellen Wahrheiten gar nicht, oder auf einer Ebene, die uns Menschen nicht zugänglich ist und wir hauen einander wegen Banalitäten die Schädel ein.

Manchmal versuche ich Fs Faszination für Baumaschinen, Brücken, Dämme, Züge nachzuvollziehen. Es gelingt mir eh nicht

„Ahhh, ein Zug“
„Ja und?“
“ —-„
„Ah ja, toll, ein Zug“

Freitag 7.Mai 2021

In letzter Zeit sehe ich auf Blogs, die ich regelmäßig besuche immer häufiger Serien von Bildern. Wobei die Bilder entweder thematisch, von der Technik oder von der Farbe her zusammenhängen. Ich sehe mir diese Serien sehr gerne an und denke über die Zusammenhänge nach. Es beschäftigt mich auch die Frage, was der Unterschied zwischen einer Serie von mehreren Bildern und einem Diptychon oder Triptychon ist.

Im Grunde sind meine drei Bilder mit planlos aufgetragener Strukturpaste auch so etwas wie eine Serie, obwohl das nicht sichtbar ist, wenn man nichts über ihre Entstehung weiß. KLICK 1 KLICK 2 KLICK 3

In Wüsten können die Temperaturen zwischen Tag und Nacht um fünfzig Grad schwanken. Ganz so extrem ist es in Wien nicht, aber man braucht derzeit schon einen soliden Kreislauf um gut durch die Schwankungen zu kommen

59. Station der Literaturweltreise – Äthiopien

Meine Literatur- und Kunstweltreise
KLICK

Francesca Melandri ist eine 1964 in Rom geborene italienische Schriftstellerin. Die deutsche Übersetzung ihres Romans „sangue giusto“ der 2017 bei Rizzoli Libri in Mailand erschienen ist, wurde unter dem Titel „Alle außer mir“ bei btb in einer Übersetzung von Esther Hansen herausgegeben.

Es beginnt damit, dass vor der Tür von Ilaria Profeti, einer römischen Lehrerin in den 40ern ein junger Äthiopier steht. Er hat sich von Addis Abeba durch die Sahara, die Internierungslager Libyens, übers Mittelmeer, die Inseln Lampedusa und Sizilien bis nach Rom durchgeschlagen und ist der Enkel ihres Vaters, also ihr Neffe.

Mit diesem Paukenschlag beginnt der Roman, eine italienische Familiengeschichte, die vier Generationen der Familie Profeti umfasst. Die Erzählung beginnt im Sommer 2010, im Italien Berlusconis und spannt eine Brücke zu Italiens unaufgearbeiteter Faschismus- und Kolonialgeschichte.

Die zentrale Figur der Familiensaga, Attilio Profeti, ist zu Beginn der Erzählung 95 und ziemlich senil weshalb er von seinen Kindern über sein Leben nicht mehr befragt werden kann. Attilio Profeti war ein italienischer Lebemann der alten Schule und hat es mit allerlei mehr oder weniger krummen Geschäften zu Wohlstand gebracht. Als junges Mädchen erfuhr seine Tochter Ilaria, dass es neben ihren beiden älteren Brüdern noch einen deutlich jüngeren Halbbruder aus einer Parallelbeziehung des Vaters in Rom gibt. Dass der alte Herr aber als junger Mann in Äthiopien 1940 auch einen Sohn mit einer Afrikanerin zeugte, ist ihr neu. Der Sohn dieses Sohnes, steht nun vor ihrer Tür.

Die italienische Kolonialgeschichte, über die hier berichtet wird, ist um nichts weniger grausam und mörderisch als andere europäische Kolonialgeschichten. Der Faschismus unter Mussolini hatte auch eine starke rassistische Komponente, die das Regime in Nord- und Ostafrika prägte. Von ihren Kolonien Eritrea und Somalia aus marschierten die Italiener in Äthiopien (Abessinien) ein. Um den Widerstand der Abessinier zu brechen, setzen sie Senfgas ein. Tausende und abertausende Äthiopier werden während der nur fünfjährigen italienischen Herrschaft getötet.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist afrika_kolonisation_farben.png.


Die Doppelmoral des italienischen Kolonialismus propagiert strengste Apartheid, tatsächlich zeugten italienische Soldaten, Siedler und Schwarzhemden eifrig Kinder mit einheimischen Frauen. Mehr noch: in den Bordellen Italiens wurden Bilder nackter Äthiopierinnen aufgehängt, um die jungen Männer für den Einsatz in den Kolonien zu motivieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte in Italien niemand etwas von den kolonialen Schandtaten wissen, ebenso wenig wie von den Massakern, die Mussolinis Truppen in Griechenland, Kroatien oder Slowenien verübt hatten. «Die zwei blutigen Jahre der deutschen Besatzung hatten es möglich gemacht, dass eine Mehrheit der Italiener sich in einer der beiden Hauptpersonen des nationalen Bilderreigens wiederfand, entweder in dem wehrlosen Opfer oder in dem Partisanen, dem Helden des Widerstands», schreibt Melandri.

Melandri springt geschickt zwischen Gegenwart und Vergangenheiten, nur gegen Ende wird sie vielleicht etwas zu weitschweifig. Nach den Gräueln der Kolonialgeschichte und der Korruption unter Berlusconi war mir die zuletzt folgende Lebensgeschichte von Ernani Profeti, Attilios Vater, der als Bahnhofsvorsteher mit geschmeidigem Opportunismus durch den ersten Weltkrieg kommt, etwas zuviel.

Was mir gefehlt hat, war der Blick der afrikanischen Frauen auf das Geschehen. Sie werden von außen betrachtet und kommen eigentlich nicht selbst zu Wort.

Insgesamt ein höchst lesenswertes Buch über ein nicht nur italienisches, sondern auch europäisches Thema. Allerdings ist es nicht einfach diese vier Generationen Geschichte quer durch Kriege, Massaker und Elend des zwanzigsten Jahrhunderts in einem durchzustehen. Für mich war die Geschichte thematisch ein wenig überfrachtet: zwei Weltkriege, die italienische Kolonialgeschichte, der Faschismus, der Rassismus, das komplizierte Privatleben Attilio Profetis mit seinen vier Kindern von drei Müttern in zwei Kontinenten, das schwierige Privatleben Ilarias, die mit einem Abgeordneten der Berlusconi-Partei liiert ist mit dem sie weltanschaulich kaum etwas verbindet, die Flüchtlingsthematik … Es ist ein bissl viel in einem Roman auch wenn er 600 Seiten hat.

Donnerstag 6.Mai 2020 – Flieder und „Volksgenossen“

Auf dem Weg ins Atelier komme ich an unzähligen Fliederhecken vorbei. Das ganze Jahr über sind es einfach irgendwelche Büsche, die die Sicht der Vorübergehenden und so auch meine einschränken, aber zu ihrer Blütezeit verbreiten sie einen geradezu paradiesischen Duft. Gerade lese ich, dass der Flieder zu den Ölbaumgewächsen zählt. Ein bisschen Weiterbildung im Rahmen des Bloggens kann ja nicht schaden.

Auch sehr Interessant ist, dass die Blüten sich dort häufen, wo Vorübergehende weder mit den Händen noch mit einer arglistig mitgebrachten Gartenschere hinkommen. Dabei handelt es sich bestimmt um ein botanisches Phänomen, denn es würde doch niemand die unteren Blüten …. nein, nie und nimmer, niemals würde ich meinen Mitmenschen zutrauen, dass der Flieder in ihren Vasen irgendwo anders herstammt als aus dem eigenen Garten oder einem Blumengeschäft.

„Arglistig“ ist mir kürzlich beim Unterzeichnen des Wohnungs-Kaufvertrags untergekommen. Da stand „arlistiges Verschweigen von baulichen Mängeln“. Meine juristische Schwägerin meinte, dass es da drei Stufen von Verschweigen gäbe, „arglistiges Verschweigen“ wäre die oberste und in einem Vertrag für die Käuferseite sehr ungünstig, weil sich die Arglist kaum beweisen ließe. Nachdem ich darauf bestanden habe, hat der Notar „arglistig“ gestrichen. Er musste ja aufgrund seiner falschen Berechnungen ohnehin eine ganze Seite umschreiben.

Bis vor kurzem konnte ich noch nicht wirklich nachvollziehen, wie die Zusammenhänge einer totalitären Ideologie wie dem Nationalsozialismus mit einer esoterischen Mystik funktionieren können. In letzter Zeit verstehe ich besser wie man, wenn sich Wissen und Logik verweigern auf Mystik zurückgreift. Wenn ich da höre wie jedes Wochenende vom starken Immunsystem „unseres“ gesunden Volkes gebrüllt wird. Die Nazis waren auch auf der Suche nach dem Gral, wenn ihnen dafür noch Zeit blieb neben der Errichtung und Besiedelung von Vernichtungslagern und dem Einkleiden von „Volksgenossen“ bis hinunter zu Kindern als Kanonenfutter und Mörder, je nachdem.
Geschichte wiederholt sich nicht wirklich. Die Bedingungen sind andere, die Akteure verschieden, es kann zu Verwechslungen zwischen Täter- und Opferrollen kommen. Manche Reminiszenzen an untergegangene Zeiten können aber trotz einer gewissen Komik, die man darin auch sehen kann, durchaus bedrohlich wirken, nicht zuletzt die mystischen.

KLAPP —

Die Personen der Handlung: Pelikan G und Pelikan Z. Das G weist auf den Charakter des einen Pelikans hin, das Z auf die Stellung in der Rangordnung des anderen.

G: Zootechniker nennt sich dieser Mensch und hat keine Ahnung davon, wie man einen Wasserschlauch in Betrieb
setzt. Indigniertes KLAPP-KLAPP

Z: Das Wasser läuft ja eh

G: Ich habe ja nicht gesagt, dass das Wasser nicht läuft, sondern dass der Zootechniker unfähig ist. Besonders lautes KLAPP

Z: Ach so. Verhaltenes KLAPP

G: Und es könnte auch noch anfangen zu regnen. KLAPP, KLAPP, KLAPP

Z: Du hast doch vorhin gerade gesagt, dass es endlich wieder einmal regnen könnte. Leises KLAPP

G: Ja, genau. Siehst du da irgendeinen Widerspruch KLAPP KLAPP KLAPP KLAPP. Ein optimistischer, lebensbejahender, flexibler Pelikan wie ich, kann sich selbstverständlich allen möglichen Situationen anpassen. KLAPPERDIKLAPP

Z: Äh …. ja, optimistisch und lebensbejahend…. Ersticktes KLAPP

G: Man weiß gar nicht, was ärger ist, wenn zu viele Besucher da sind oder gar keine. Das Leben ist ein Jammertal. Und wenn man dann gar keinen anderen Gesprächspartner hat als dich, der nie irgendwas sagt!

Z: ——-

G: Die Fische waren heute auch letztklassig. Der Pfleger ist nicht einmal imstande, die richtigen Fische auszusuchen. Dabei sind Pelikane doch wirklich pflegeleicht. Vor allem so kluge und fröhliche wie ich.

Z: KLAPP-URGS-KLAPP

G: Wie? Ist dir übrigens aufgefallen – falls dir überhaupt jemals etwas auffällt – dass die Pfauen von nebenan immer eitler werden. Haben noch nie einen Fisch gefangen, haben einen Schnabel wie er lächerlicher nicht sein könnte und leisten sich eine Krone. Eine Krone!! Ein Glück. dass ich Philosoph bin KLAPP-KLAPPER_KLAPP

Z überlegt ob er den Techniker oder den Pfleger beißen könnte um in ein anderes Gehege versetzt zu werden. Vielleicht zu einem Fischteich. Er beginnt schon einmal damit, den Schnabel zu wetzen.

G: Pass nur auf, die Zoologin interessiert sich für neue Verhaltensweisen durch artfremde Zoohaltung. Dieser blöde Wasserschlauch ist sicher artfremd. Du kannst gar nicht so schnell schauen wie du versetzt wirst.

Z überlegt, ob es auffallender wäre, nach Fliegen zu schnappen oder ein Liedchen zu klappern. Er beschliesst mit der Zoologin zu schmusen oder ihr einen Fisch anzubieten das müsste ihr doch auffallen und sie würde ihn von diesem Grantscherben befreien und irgendwo anders unterbringen.

Atelierbild Nummer 3

Es ist mein drittes und vorläufig letztes Bild, das ich ohne jeden Plan mit weißer Strukturpaste angelegt und dann wochenlang immer wieder angestarrt habe um zu sehen, was denn aus dieser Leinwand heraus will

Ich entschied mich für rot-grün, das sind Gegenfarben, die einander zum Leuchten bringen. Ein leuchtendes Bild sollte es werden. Die Leinwand bekam rote Farbe, ein richtiges signalrot über die Strukturmasse, grün hatte ich als Hintergrundfarbe gewählt, war mir aber über die Grünschattierung noch nicht schlüssig. Grün ist neben Grau die Farbe mit den meisten Schattierungen, da kann man lange probieren und übermalen, aufhellen und abdunkeln ….

Zuerst gefielen mir die im Rot durch die Strukturmasse und durch vieles Farben-laufen-lassen erzeugten Muster. Dann fand ich das ganze zu rot und zu unstrukturiert, daher bekam es mehr grün und Strukturen, die an Blätter erinnern sollten, mir aber nach kurzem überhaupt nicht mehr gefielen. Die Vorstellung einer Pflanzenmasse hielt nicht lange auch wenn mich die rechte Seite heftig an eine Tulpe erinnerte. Es sollte aber kein Blumenbild werden.

Inzwischen verschwanden die roten fließenden Muster, die mir so gut gefallen hatten auch immer mehr. Ich hatte den Eindruck, dass es mir nicht gelingen würde aus dieser rot-grünen Masse ein zusammenhaltendes Bild zu bekommen. Wenn ich mir das zweite Bild jetzt so ansehe, denke ich, dass es vielleicht doch auch in die Richtung „Pflanzen“ Möglichkeiten gegeben hätte

Langsam, nachdem das Bild wochenlang herum gestanden war, nahm die Sache Gestalt an. Eine Spur Blau kam dazu und die schwarze Figur, die mich langsam darauf brachte, worum es in diesem Bild ging.

Der zweite schwarze Umriss war als Gegengewicht zum ersten auf der Diagonalachse gedacht, gefiel mir aber bald nicht mehr. Ich sollte beim Malen nicht denken. Die letzten Reste der fließenden roten Muster passten jetzt auch nicht mehr und wurden übermalt. Es fällt mir immer sehr schwer, mich von Details zu trennen, die mir zwar gefallen, die das Gesamtbild aber nicht voranbringen.

Und so sieht das Bild derzeit aus. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob es fertig ist. Was man allein schon daran sieht, dass ich es noch nicht signiert habe, das mache ich nur, wenn ein Bild so weit ist, dass ich es loslassen kann …

So sieht das aus …

wenn die kontemplativen Fotografen alle dieselbe Idee haben:

Das Objekt wird von verschiedenen Seiten anvisiert, abgelichtet und arrangiert. Das Arrangieren gehört eigentlich nicht zur kontemplativen Fotografie