la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Ein Fall von „naja“

Es war ein spontaner Kauf und tatsächlich haben mir ungefähr die ersten zwei Drittel des Buchs ganz gut gefallen. Eine originelle Idee, etwas überzogen, aber es handelt sich eben um eine Dystopie. Anfangs recht spannend und vielversprechend, wenn auch die Charaktere sehr seicht sind und nicht besonders gut dargestellt, aber eben ganz spannend.

Dann kommt der Moment, ab dem man den Eindruck hat, dass die Autorin nur irgendwie schnell mit dem Buch fertig werden will. Die Glaubwürdigkeit der Handlung bricht völlig zusammen, man kennt sich nicht mehr aus, wer nun zu welchem Lager gehört, die Personen werden nur noch mit sehr dürren Worten durch die Handlung geführt, alles wird gerafft und irgendwie runtergeschrieben, das Ende kommt zu schnell, zu konfus und ist weder glaubwürdig noch angenehm zu lesen.

Insgesamt hat mir die Idee mit dem Armband, das Frauen und sogar schon weiblichen Kindern nur erlaubt wenige Worte pro Tag zu sprechen gut gefallen, aber die Autorin war ihrem Plot nicht gewachsen. Kein Vergleich mit Margaret Atwoods „Geschichte einer Dienerin“

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Nein, leider nix für mich

Ich habe mich durch annähernd 100 Seiten durchgequält, aber leider ist nicht der allerkleinste Funke übergesprungen.

Die Troubadourin Beatriz wird von der Zauberin Melusine für 800 Jahre eingeschläfert und erwacht schließlich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Soweit ist das eine Fantasy-Handlung von der ich annahm, dass sie semi-seicht unterhaltsam dahinplätschern würde. Tatsächlich wird hier aber Fantasy und Politik bzw Klassenkampf und Feminismus vermischt und damit kann ich leider wenig anfangen.

Die Handlung beginnt in Frankreich während der 68er Bewegung und verlegt sich dann in die DDR. Liebesgedichte der Trobadora wechseln sich mit Passagen aus kommunistischer Basic-Lektüre und dann wieder Fantasy-Elementen ab und die Mischung ergibt für mich kein schlüssiges Leseerlebnis. Auch die Hauptfigur erscheint mir nur schemenhaft skizziert und ich kann in dem Text die Leichtigkeit nicht erkennen, von der in manchen Kritiken aus den 70er Jahren die Rede ist.

Tja, es muss einem ja nicht alles gefallen. Vielleicht es das Buch für irgendjemand anderen ein Erlebnis, gut geschrieben ist es ja ….

 


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36.Station der Literaturweltreise – Russland

Lena Gorelik

„Die Listensammlerin“

Rowohlt 2013

Schon seit längerer Zeit habe ich keinen Roman gelesen, der mir so gut gefallen hat wie dieser. Hochinteressante Personen daher auch eine ebenso fesselnde wie nachdenklich machende Handlung.

Sofia heißt die Ich-Erzählerin, die mit ihrem Partner lebt und ihrer zweijährigen Tochter, die mit nur einem halben Herz geboren wurde und demnächst operiert werden soll. Außerdem gibt es eine Mutter und einen Stiefvater, eine alzheimerkranke Großmutter und einen bis vor kurzem unbekannten Onkel. Die Familie stammt aus Sankt Petersburg, der Onkel und der biologische Vater Sofias sind in einem sowjetischen Straflager verschwunden.

Sowohl Sofia als auch ihr mysteriöser Onkel haben die Gewohnheit ihr Leben in Listen zu sammeln. DA gibt es so ungewöhnliche Listen wie „typische Sätze von X“, „Alles was ich über Grischa weiß“, „Männer mit schönen Händen“ und hunderte mehr. Es klingt wie eine wesentlich verfeinerte und differenziertere Form eines Bullet-Journals.

Jedenfalls hat mich das Buch so fasziniert, dass ich in die Bücherei geeilt bin und weitere drei Romane und einen soziologischen Essay von Lena Gorelik mitgenommen habe. Freu mich schon drauf!

Hier kann man meine Literaturreise verfolgen


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Fanatisches

„Der Report der Magd“. Ein gut geschriebener spannender und unterhaltsamer Roman, dann der letzte Teil, durch den diese Geschichte in einen größeren Zusammenhang gestellt und ein Blick von außerhalb auf das Geschehen ermöglicht wird. Natürlich ist es eine fiktive Dystopie, aber so manche darin enthaltene Elemente lassen sich sehr leicht aus real vorhandenen gesellschaftlichen Strömungen entwickeln. Wo sich Fanatismus und Fundamentalismus mit Skrupellosigkeit und Machtgelüsten paaren, entsteht Hölle. Dazu fallen mir leider ohne größere Anstrengung einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte und der Gegenwart ein.

Zufällig habe ich vor ein paar Tagen auch diesen Film über Sophie Scholl gesehen. Besonders gelungen fand ich die Szenen des Verhörs, in dem der Gestapo-Mann fast väterliche Gefühle entwickelt und der jungen Frau eine Brücke bauen möchte um dem Todesurteil zu entkommen. Er wankt nicht in seiner Ideologie, aber das menschliche Empfinden behindert ihn doch. Auch Sophie bleibt standhaft, was – sollte es sich tatsächlich so oder so ähnlich abgespielt haben – ungemein beeindruckend ist. „Die Sonne scheint noch“ soll sie kurz vor der Hinrichtung zu ihrem ebenfalls zum Tod verurteilten Bruder gesagt haben.

In diesem Zusammenhang ermutigend ist der Gedanke, dass in jedem noch so diktatorischen und menschenverachtendem Regime Widerstandsbewegungen entstehen, dass es immer Menschen gibt, die Ideale und Werte in Wort und Tat hochhalten. Ob das für einzelne Menschen, die unter solchen Regimen leben, leiden und sterben relevant und hilfreich ist ? Wohl manchmal und für einige. Wirklich allgemein sichtbar werden diese positiven menschlichen Eigenschaften erst durch den Blick aus zeitlicher oder räumlicher Distanz. Der Glaube an die Menschheit ist möglicherweise vom Standpunkt der Geschichtswissenschaften einfacher aufrecht zu erhalten als vom Standpunkt der Soziologie aus.

 


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True Crime?!

Offenbar schon wieder einmal ein neues „genre“ von dem ich noch nichts gehört hatte. Ich dachte in dem Buch ginge es um Betrachtungen zum Thema Schuld, aber es ist ganz anders,

Hanna und Nora Ziegert

„Die Schuldigen“

Penguin 2017

Eine Reihe von wahren Fällen einer forensischen Psychiaterin werden in diesem Buch vorgestellt. Interessante Fälle, zweifellos, ziemlich erschütternde Fälle. Alle nach dem Kriterium ausgesucht, dass die Mutter der Straftäter eindeutig als Quelle allen Übels identifiziert wird. Was die Tätigkeit der forensischen Psychiatrischen Begutachterin betrifft, so hat mich verblüfft, dass so weit in die Tiefe der Psyche eines Menschen hineinreichende Zusammenhänge in einigen wenigen oder gar nur einem Gespräch zu klären sind. Bei allem Respekt für Kompetenz und Erfahrung der Psychiaterin.

Das Buch ist sensationalistisch aufgezogen: auf dem cover prangt die Frage: „Ist das Böse weiblich?“  Und weiter wird ausgeführt: „Denn in jedem Täter steckt ein Mensch mit einer Vergangenheit. Begleitet von der Person, die er zuerst geliebt hat: seiner Mutter. “ So etwas mag ich nicht, das finde ich einseitig und undifferenziert, aber es hätte mich nicht weiter gewundert, schließlich wollen Verlage ihre Bücher verkaufen. Was mich aber sehr wohl gewundert hat, ist die Distanzierung der Autorin dazu. Wobei sie sich nicht nur von der Verkaufsstrategie des Verlags distanziert, sondern auch gleich zu einem Rundumschlag ausholt auf potentielle Leser und viele andere.

“ (…) …. wird Ihnen möglicherweise auffallen, dass das Innere unseres Buches andere Begrifflichkeiten verwendet als sein Äußeres. „Schuld“ und „Unschuld“, „gut“ und „böse“ – das sind Maßstäbe, die Juristen, Journalisten und eine von Verbrechen faszinierte Öffentlichkeit an Straftäter anlegen. Mir als Psychiaterin sind diese Kategorien fremd…. “

Kurios, sehr kurios. Ich stelle mir dazu interessante Verwicklungen in der Beziehung zwischen Autorinnen und Verlag vor.

Wie auch immer sich das verhalten möge, habe ich die Fälle als solche und auch die psychiatrische Interpretation interessant und lesenswert gefunden.

 


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31.Station der Buchweltreise – Saudi Arabien

Rana Ahmad

„Frauen dürfen hier nicht träumen“

btb;  ISBN: 978-3-442-75748-0

Zugegeben es hätte zum Thema Saudi Arabien auch eine andere Art von Lektüre gegeben, aber fürs Krankenhaus war das Buch goldrichtig. Die Erzählerin berichtet zunächst von ihrer Kindheit und Jugend als Syrerin in Saudi-Arabien und von den Sommerferien in Syrien bei der Familie.

Es ist eine für eine europäische Frau beängstigende Welt aber dennoch etwas schwer vorstellbar, dass abgesehen von der ohnehin frauenfeindlichen Gesellschaftsordnung auch noch in der Familie der Autorin eine so große Anzahl an Männern zu finden sind, die sie entweder einschränken oder sexuell belästigen. Angefangen vom Großvater, der ihr mit 10 Jahren ihr Fahrrad wegnimmt und es einem Cousin schenkt, weil Mädchen nicht Rad fahren sollen bis zum Schwiegervater eines ihrer Geschwister, der sie belästigt.

Über internet beginnt sie eine Vorstellung davon zu bekommen, dass es auch ein anderes Leben für Frauen gibt und dass keineswegs alle Menschen an einen Gott glauben. Unter Bedingungen, die aus meiner Sicht wiederum absolut menschenverachtend sind, arbeitet sie an einer Rezeption und dann in einem Krankenhaus. Nachdem ein Verwandter sieht, wie sie mit einem Arbeitskollegen spricht, wird sie von ihren Eltern zuhause eingesperrt und darf das Haus nicht mehr verlassen.

Wiederum über internet lernt sie einen jungen Ex-Muslimen kennen, der ihr finanziell bei der Flucht hilft. Im Grunde kann sie das Land ziemlich leicht verlassen, weil sie einen syrischen Pass hat und Syrerinnen sich ganz im Gegensatz zu saudi-arabischen Frauen ohne männliche Begleitung im öffentlichen Raum aufhalten dürfen. Sie fliegt in die Türkei und von dort aus beginnt ihr Weg nach Deutschland über Griechenland und das Mittelmeer.

Es ist ein Buch aus dem man das eine oder andere interessante Detail über das Leben in Saudi-Arabien und über die Pilgerfahrt nach Mekka erfährt. Es ist einfach geschrieben, ich habe es an einem Krankenhaustag fertig gelesen. Ein bissl irritiert hat mich, dass die Berichte der Autorin über ihre Anfänge in Deutschland klingen wie aus dem Handbuch der perfekten Integration, aber vielleicht hat sie ihren Neubeginn tatsächlich so erlebt.


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24. Station der Literaturweltreise – Tschechien

Lenka Hornaková-Civade

„Das weiße Feld“

Verlag Blessing: 2017

ISBN 978-3-89667-582-8

Meine Literaturweltreise

Das Leben von drei Generationen von Frauen, die alle ohne Vater aufwachsen, wird in diesem Roman beschrieben. Magdalena, die in den 1930er-Jahren in Wien lebt und von dem jüdischen Arzt für den sie arbeitet eine Tochter hat, zieht nach Verschwinden dieses Mannes in ein winziges Dorf in der heutigen tschechischen Republik. Magdalenas Tochter Libuce wächst dort auf und bekommt ihrerseits auch eine Tochter: Eva.

Ein interessantes Buch, das gewissermaßen einen Nebenschauplatz des 2. Weltkriegs beschreibt, das Leben von Menschen an der Peripherie des großen Weltgeschehens. Vom aufkommenden Naziregime bis zum Realkommunismus erlebt Magdalena die beiden ganz großen Katastrophen des Jahrhunderts; Von der Flucht aus Wien bis zu der Konfiszierung ihres erfolgreichen Gasthofs in dem kleinen mährischen Dorf unter kommunistischem Regime.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Erzählperspektive von einer Frau an die nächste übergeht und dadurch die Personen und Geschehnisse von verschiedenen Blickpunkten aus beleuchtet werden.

Die Autorin Lenka Hornaková-Civade wurde in der damaligen Tschechoslowakei in der Provinz Mähren geboren und wanderte 1991 nach Frankreich aus, wo sie an der Pariser Sorbonne Wirtschaft und Philosophie studierte. Der vorliegende Roman ist ihr erster, der  in französischer Sprache geschrieben wurde. Eva, die Enkelin von Magdalena, hat die große Sehnsucht nach Paris zu reisen. Vielleicht hat der Roman einen zumindest teilweise autobiographischen Hintergrund.