la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Etwas Romantik

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Schwarz-weiß-beige

Ich schaue nur auf die Füße der Vorbeigehenden: Sneakers in Gold und Silberfärbungen, Sneakers in weiß und schwarz mit frierenden Knöcheln darüber. Leggins in schwarz oder im Raubtierdesign, meistens schwarz, wie eine zweite Haut. Wer braucht eine zweite Haut in Kunstfasern? Stiefeletten in schwarz, rot, braun, selten blau, meistens schwarz. Uiiiii, ein Lederschuh, sehr einsam in seiner Art. Ein Paar silberne Sneakers, schwarze Leggins, dazwischen Gänsehaut, eine Jugendliche? Nein, eine Frau in den Fünfzigern. Auch die Jacken sehen alle gleich aus. Auf unseren 6 Haken im Lehrerzimmer für 30 Leute hängen sie alle übereinander, die gleichartigen, gleichfärbigen Jacken. Wenn ich meine suche, probiere ich immer erst zwei, drei andere. Alle laufen wir in schwarz/weiß/dunkelblau/beige herum. Warum eigentlich? Gerade im Winter, könnte etwas Farbe doch nicht schaden. Wie skandinavische Holzhäuser, die sich  in allen Regenbogenfarben gegen die Dunkelheit und den Schnee behaupten oder Kleidung aus den bunten, afrikanischen Wax-Stoffen (ja, ja ich weiß, die werden zu großen Teilen in Holland hergestellt). Da behaupten sich die Farben mehr gegen allgemeine Misere. Unsere Farben behaupten sich gegen gar nichts sondern beteiligen sich an der Schaffung novemberlicher Atmosphäre


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Verwirrung

Es ist über ein Jahr her, dass ich den letzen buddhistischen Vortrag gehört habe und der hatte mir nicht gefallen, aber gestern abend war es wieder so weit. Ich habe mir Lama Tsültrim Allione angehört, eine Frau mit einem sehr imponierenden Lebenslauf, die sich gegen das streng patriarchalische System des tibetischen Buddhismus durchgesetzt und eine eigene Gemeinschaft gegründet hat.

Hier gemeinsam mit Pema Chödrön (rechts) zu sehen, auch eine sehr beeindruckende Frau in diesem Umfeld.

Die Veranstaltung fand in der Sigmund-Freud-Privatuniversität statt, von der ich nicht einmal gehört hatte, auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität. Viele meiner buddhistischen Freunde waren auch zu diesem Vortrag gekommen und ich habe die liebevolle, wertschätzende Atmosphäre, die in dieser Gruppe herrscht sehr genossen. Der Vortrag hat mir Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel gezeigt.

Immer wenn ich in Berührung komme mit buddhistischer Weisheit fühle ich mich davon sehr angezogen und habe daher gestern nacht noch in der buddhistischen Abteilung meiner Bücher gekramt und bin dabei auf einen kleinen Text gestoßen, den ich sehr mag, der im Grunde die gesamte Philosophie des Buddhismus zusammenfasst und dem, so finde ich, nichts hinzuzufügen ist. Vor allem der letzte Satz beschreibt ganz trefflich, was die Welt im großen und jeder einzelne von uns dringend brauchen würde.

Möge mein Geist eins mit dem Dharma sein

Möge der Dharma zum Weg werden

Möge der Weg Verwirrung klären

Möge Verwirrung als Weisheit erwachen

 


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Ein Fall von „naja“

Es war ein spontaner Kauf und tatsächlich haben mir ungefähr die ersten zwei Drittel des Buchs ganz gut gefallen. Eine originelle Idee, etwas überzogen, aber es handelt sich eben um eine Dystopie. Anfangs recht spannend und vielversprechend, wenn auch die Charaktere sehr seicht sind und nicht besonders gut dargestellt, aber eben ganz spannend.

Dann kommt der Moment, ab dem man den Eindruck hat, dass die Autorin nur irgendwie schnell mit dem Buch fertig werden will. Die Glaubwürdigkeit der Handlung bricht völlig zusammen, man kennt sich nicht mehr aus, wer nun zu welchem Lager gehört, die Personen werden nur noch mit sehr dürren Worten durch die Handlung geführt, alles wird gerafft und irgendwie runtergeschrieben, das Ende kommt zu schnell, zu konfus und ist weder glaubwürdig noch angenehm zu lesen.

Insgesamt hat mir die Idee mit dem Armband, das Frauen und sogar schon weiblichen Kindern nur erlaubt wenige Worte pro Tag zu sprechen gut gefallen, aber die Autorin war ihrem Plot nicht gewachsen. Kein Vergleich mit Margaret Atwoods „Geschichte einer Dienerin“


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Nein, leider nix für mich

Ich habe mich durch annähernd 100 Seiten durchgequält, aber leider ist nicht der allerkleinste Funke übergesprungen.

Die Troubadourin Beatriz wird von der Zauberin Melusine für 800 Jahre eingeschläfert und erwacht schließlich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Soweit ist das eine Fantasy-Handlung von der ich annahm, dass sie semi-seicht unterhaltsam dahinplätschern würde. Tatsächlich wird hier aber Fantasy und Politik bzw Klassenkampf und Feminismus vermischt und damit kann ich leider wenig anfangen.

Die Handlung beginnt in Frankreich während der 68er Bewegung und verlegt sich dann in die DDR. Liebesgedichte der Trobadora wechseln sich mit Passagen aus kommunistischer Basic-Lektüre und dann wieder Fantasy-Elementen ab und die Mischung ergibt für mich kein schlüssiges Leseerlebnis. Auch die Hauptfigur erscheint mir nur schemenhaft skizziert und ich kann in dem Text die Leichtigkeit nicht erkennen, von der in manchen Kritiken aus den 70er Jahren die Rede ist.

Tja, es muss einem ja nicht alles gefallen. Vielleicht es das Buch für irgendjemand anderen ein Erlebnis, gut geschrieben ist es ja ….

 


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36.Station der Literaturweltreise – Russland

Lena Gorelik

„Die Listensammlerin“

Rowohlt 2013

Schon seit längerer Zeit habe ich keinen Roman gelesen, der mir so gut gefallen hat wie dieser. Hochinteressante Personen daher auch eine ebenso fesselnde wie nachdenklich machende Handlung.

Sofia heißt die Ich-Erzählerin, die mit ihrem Partner lebt und ihrer zweijährigen Tochter, die mit nur einem halben Herz geboren wurde und demnächst operiert werden soll. Außerdem gibt es eine Mutter und einen Stiefvater, eine alzheimerkranke Großmutter und einen bis vor kurzem unbekannten Onkel. Die Familie stammt aus Sankt Petersburg, der Onkel und der biologische Vater Sofias sind in einem sowjetischen Straflager verschwunden.

Sowohl Sofia als auch ihr mysteriöser Onkel haben die Gewohnheit ihr Leben in Listen zu sammeln. DA gibt es so ungewöhnliche Listen wie „typische Sätze von X“, „Alles was ich über Grischa weiß“, „Männer mit schönen Händen“ und hunderte mehr. Es klingt wie eine wesentlich verfeinerte und differenziertere Form eines Bullet-Journals.

Jedenfalls hat mich das Buch so fasziniert, dass ich in die Bücherei geeilt bin und weitere drei Romane und einen soziologischen Essay von Lena Gorelik mitgenommen habe. Freu mich schon drauf!

Hier kann man meine Literaturreise verfolgen


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Fanatisches

„Der Report der Magd“. Ein gut geschriebener spannender und unterhaltsamer Roman, dann der letzte Teil, durch den diese Geschichte in einen größeren Zusammenhang gestellt und ein Blick von außerhalb auf das Geschehen ermöglicht wird. Natürlich ist es eine fiktive Dystopie, aber so manche darin enthaltene Elemente lassen sich sehr leicht aus real vorhandenen gesellschaftlichen Strömungen entwickeln. Wo sich Fanatismus und Fundamentalismus mit Skrupellosigkeit und Machtgelüsten paaren, entsteht Hölle. Dazu fallen mir leider ohne größere Anstrengung einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte und der Gegenwart ein.

Zufällig habe ich vor ein paar Tagen auch diesen Film über Sophie Scholl gesehen. Besonders gelungen fand ich die Szenen des Verhörs, in dem der Gestapo-Mann fast väterliche Gefühle entwickelt und der jungen Frau eine Brücke bauen möchte um dem Todesurteil zu entkommen. Er wankt nicht in seiner Ideologie, aber das menschliche Empfinden behindert ihn doch. Auch Sophie bleibt standhaft, was – sollte es sich tatsächlich so oder so ähnlich abgespielt haben – ungemein beeindruckend ist. „Die Sonne scheint noch“ soll sie kurz vor der Hinrichtung zu ihrem ebenfalls zum Tod verurteilten Bruder gesagt haben.

In diesem Zusammenhang ermutigend ist der Gedanke, dass in jedem noch so diktatorischen und menschenverachtendem Regime Widerstandsbewegungen entstehen, dass es immer Menschen gibt, die Ideale und Werte in Wort und Tat hochhalten. Ob das für einzelne Menschen, die unter solchen Regimen leben, leiden und sterben relevant und hilfreich ist ? Wohl manchmal und für einige. Wirklich allgemein sichtbar werden diese positiven menschlichen Eigenschaften erst durch den Blick aus zeitlicher oder räumlicher Distanz. Der Glaube an die Menschheit ist möglicherweise vom Standpunkt der Geschichtswissenschaften einfacher aufrecht zu erhalten als vom Standpunkt der Soziologie aus.