la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Wellen, Kurven, Schwingungen

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Baustellenästhetik, Camus und Al-Andalus

In Mitteleuropa hatte man bisher nicht so oft Gelegenheit zu erleben wie eine längere Zeit extremer Hitze sich auf den Alltag auswirkt. Es ist ja nicht dasselbe, ob es in der Sommerfrische im Gebirge oder am Meer oder sonstwo im Urlaub 35 Grad  hat, oder in der normalen Wohnumgebung.

An Camus muss ich denken, an „L´été“ oder L´étranger“, wo die Hitze und ihre Wirkung auf Menschen Thema ist. Ein Sommer in Algerien vor 80 Jahren (Camus wurde 1913 geboren) wird wohl temperaturmäßig nur mehr wenig heißer gewesen sein, als unsere aktuellen Hitzewellen in Europa. Und so können wir gut nachvollziehen, wie es sich anfühlt von der flirrenden Hitze eingeschlossen zu sein, die genaue Beschreibung Camus der Hitze und des salzigen Schweißes und der Sonne nachempfinden.

Ich war gestern zum Fotografieren auf einer Baustelle unterwegs, in einem neugebauten Stadtteil. Zwar lag die Baustelle einigermaßen im Schatten, aber die Betonflächen rundherum strahlten gewaltig und so war es nicht lange auszuhalten. In der Wohnung der Freundin, bei der wir uns die Bilder angesehen haben, war es aber ohnehin auch unerträglich. Ein Anlass darüber nachzudenken, wie viel scheinbar Unerträgliches man doch erträgt. Manchmal sogar bei bester Laune. In der Baumscheibe vor dem Haus hat der Sohn der Freundin Sonnenblumen gezogen, die er dreimal täglich gießt indem er den Schlauch vom Balkon auf der anderen Seite durch die halbe Wohnung zieht. Trotzdem sehen die Sonnenblumen leicht welk aus.

Würde ich die Hitze etwas besser vertragen, wäre ich mit der U-Bahn gefahren und hätte mir ansehen können, welche Auswirkungen das neue Alkoholverbot am Praterstern auf die Obdachlosenszene hat. Es gibt zu dem Thema ganz unterschiedliche Meinungen, die ich nicht wirklich beurteilen kann. Optisch jedenfalls hat die Praterstraße sehr gewonnen, es wurde ein breiter Mittelstreifen mit üppigem, blühendem Grün bepflanzt und die relativ neuen Bäume sind auch schon recht groß. So könnte die Stadt der Zukunft im Idealfall aussehen: Schatten durch Bäume im öffentlichen Raum, viel Wasser. Die Vorstellung erinnert sehr an Al-Andalus im Mittelalter. Heute ist von diesen Paradiesen nur die eindrucksvolle Architektur übrig geblieben.

 


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Klare Linien, die Schönheit hervorbringen

Am Wochenende findet in meinem Meditationszentrum ein Kunstfestival statt. Heute waren die letzten Vorbereitungen im Gange. Bilder gehängt, Ikebana gemacht, beides miteinander kombiniert. Sehr Schönes ist dabei herausgekommen.


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Nachteulen auf Katzenkopfpflaster

Für mich riecht es nach Jasmin, aber es müssen Linden sein. Linden sehe ich aber auch weit und breit keine. Sollte eine mit Wohlgerüchen großzügig umgehende Göttin den Duft über den Spittelberg gesprüht haben?

Der Spittelberg ist ein Wiener Viertel mit niedrigen, alten Häusern aus der Biedermeierzeit, früher Rotlichtviertel heute pippifein renoviert. Hier residiert auch eine Burschenschaft, in einem besonders schönen Haus gegenüber eines sehr bunten, vielfältigen Kulturzentrums, das auf der homepage der Burschen als linksradikal bezeichnet wird. Von den Burschenschaftern habe ich noch nie auch nur einen auf der Straße gesehen, vielleicht fühlen sie sich in der Gegend auch nicht allzu wohl und wollen als stramme Rechte mit den kulturbewegten Linken nichts zu tun haben. Verfeindete Nachbarn sind ja in Wien keine Seltenheit.

Wir sitzen im Schanigarten des Amerlinghauses und überlegen wie wir die ausgesuchten Fotos für die Wochenend-Ausstellung in zwei Wochen am besten hängen.

Ausgiebiges Geplauder, heftige Diskussionen, eine verspätete Teilnehmerin findet an dem ohnehin zu kleinen Tisch auch noch Platz. Dort wo im Winter weihnachtliche Lichterketten hängen, baumeln jetzt bunte Glühbirnen. Wo wir sitzen, steht zu Weihnachten ein Stand mit herausragend gutem Lebkuchen.

Wenn das Katzenkopfpflaster vereist ist, schlittert man öfter ein Stück oder fällt nieder, aber auch im Sommer geht es sich nicht besonders gut darauf; schön ist es halt, obwohl sicher nicht original  sonst könnte es nicht mehr so viele Kanten und Ecken haben.

Die Gegend rund um den Spittelberg und das Museumsquartier ist heute sehr belebt. Die meisten Leute sitzen im Freien, aber auch im Inneren sind die Lokale gut besucht. Es ist nicht viel Verkehr und Grüppchen von Menschen wechseln von einem Lokal zum nächsten. Mir gefällt das Gewusel von Jungen und Alten, gut und gleichgültig gekleideten Menschen; manche spazieren geruhsam, andere haben es eilig. Über jeden einzelnen könnte man Geschichten erzählen. Wir sind hier 5 Minuten zu Fuß vom Ring entfernt, dennoch haben manche Gassen einen fast ländlichen Charakter.

Mir war gar nicht klar, wie sehr mir ein bissl Nachtleben gefehlt hat. Eine Stadt ist einfach untertags völlig anders als abends und ich bin nun mal eine Nachteule. Es war nicht sehr spät als ich nachhause kam, F. schlief aber schon. Er ist eine Lerche. Zum Glück können sich auch verschiedene Vogelarten ohne allzu große Schwierigkeiten untereinander verständigen.


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Ausbeute

unseres heutigen Fotospaziergangs durch die Wiener Innenstadt. Lange hatten wir uns nicht mehr zu diesem Zweck getroffen und es gab abgesehen vom Fotografieren viel zu beplaudern.

Es ist erst Anfang April, aber es wuseln  schon so viele Touristen herum, dass man sich durch die Menge durchschieben muss wie ein Schiff durchs Meer, jeder fotografiert jeden, manchmal gibt es da auch höchst seltsame Objekte ……


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Keine Hasen am See

Intensiv melancholische Stimmung, heute am Neusiedleersee. Wunderschöne hohe Himmel, die weite Steppenlandschaft des Seewinkels, aber kühl und windig.Viel Nähe und Entspannung. F. hat in letzter Zeit so viel gearbeitet, dass ich schon das burn-out am Horizont sehe, aber es ist ein gutes Zeichen, dass er sich noch so gut entspannen und loslassen kann. Unseren geplanten, gemeinsamen Frühlingsurlaub mussten wir stornieren. Wildenten und -gänse fliegen in streng geometrischen Formationen und die Ornithologen laufen mit überdimensionierten Objektiven herum.Insgesamt sind aber nur wenige Menschen unterwegs, zu Fuß, auf dem Rad, auf Pferden.

Kalter Wind, auf den ersten Blick keine Spur von Grün, aber der Frühling bricht doch durch, auch wenn man es kaum mehr glauben würde. Wahrscheinlich wird jetzt alles sehr schnell aufbrechen und ausschlagen und innerhalb von ein paar Tagen wird es hier ganz anders aussehen.

Auch alte Bretter haben Frühlingsgefühle und können die unwahrscheinlichsten Farben annehmen.


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Durch die Jahrmillionen – Momentaufnahme im Mitmachblog

Zuerst lebten sie – manche kürzer manche länger, dann starben sie – die einen völlig unspektakulär, andere als Folge von großen erdgeschichtlichen Katastrophen. Und dann kam es auf die Umweltbedingungen an, was aus ihren Knochen wurde. Sie sind die Momentaufnahmen der Erdgeschichte, die Möglichkeit in die Vergangenheit zu sehen, die Studienobjekte der Wissenschaft, ein Hinweis auf die Vielfalt des Lebens

Diese Fossilien und viele ihrer Artgenossen sind – durch  je nach Betrachtungsweise günstige oder widrige Umstände –  zu Bodenplatten einer Strandpromenade verarbeitet worden und bieten so wiederum eine Momentaufnahme ….