Schlagwort: Frühling –

Mittwoch 1.Juni 2022 – Stock und Stein

Anfangs habe ich den Eindruck, dass das Geräusch der Wanderstöcke, die auf den Asphalt treffen auf der Seite mit dem gesunden Peroneusnerv anders klingt als auf der Seite mit dem angeknacksten. Später im Wald höre ich das nicht mehr, habe im Gegenteil den Eindruck, dass ich mit den Stöcken wesentlich regelmäßiger und auch schneller gehe als ohne. „Gehen Sie auf möglichst unregelmäßigem Boden, Wurzeln, Steine, alles trainiert den Fuß“ sagen die Physios.

Tatsächlich bin ich für meine Verhältnisse sehr flott durch den Wald gegangen. Keinem einzigen Menschen bin ich begegnet, aber vielen sehr großen Granitblöcken. Es fasziniert mich, mir vorzustellen, dass seit Erkalten der Erde so viel Zeit vergangen ist, dass ein riesiges Gebirge fast verschwunden ist, dass nur ein paar Felsen zurückbleiben. Gigantische Felsen, aber im Vergleich zu einem Gebirge doch nicht besonders groß. Und dass an anderen Orten weitere Gebirge entstanden sind. Der Himalaya etwa ist für ein Gebirge sehr jung.

Sie sind überall

Möchte man hier in der Gegend ein Haus bauen, einen Garten anlegen oder nur einen Zaun aufstellen, so muss man immer beachten, dass genau dort, wo man ihn nicht brauchen kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Stein liegt. Also „Stein“, „Felsen“ beschreibt die Sache besser. Manche dieser Granitbrocken, Überbleibsel eines Gebirges aus Zeiten der Kindheit des Planeten, sind so groß und schwer, dass man sie ohne gewaltigen maschinellen Aufwand nicht entfernen kann. Der findige Waldviertler Zaunbauer muss sich kreative Lösungen einfallen lassen. Wie etwa diese:

Die Welt in Karikaturen

Wir haben uns einen Karikaturgarten angesehen.

Einige recht böse Zeichnungen gab es da. Diese erinnert sehr heftig an den spanischen Ex-König, Juan Carlos II, der mit (s)einer Geliebten Elefanten gejagt hat, obwohl er Ehrenpräsident vom WWF war. Er hat sich mit den Worten entschuldigt „Lo siento mucho, no volverá a pasar“ (Es tut mir sehr leid, es soll nicht wieder vorkommen). Gehört wohl in die nicht mehr zu überschauende Sammlung von unglaubwürdigen Entschuldigungen oder doch eher in die Abteilung „alle für dumm verkaufen“ Dort ist aber auch nicht mehr viel Platz, eigentlich gar keiner.

Harmloses Regionales gab es auch. Dazu muss man wissen, dass Mohnzelten ein beliebtes und meiner Ansicht nach köstliches Gebäck mit viel Mohn ist. Es gibt sie auch in allen möglichen Varianten, mit Topfen mit Kirschen …. aber das Original ist mit Mohn gefüllt.

Mehr Sauerstoff !

Dieser Fischteich bekommt frisches Wasser ud dadurch mehr Sauerstoff. Auch mein zu regenerierender Nerv braucht möglichst viel Sauerstoff . Die Methoden zur Erreichung dieser Ziele sind nur verschieden.

Morgen geht´s beim Kuren intensiv los. Warum man Kneipp´sches Wassertreten nur um 8:00 Früh betreiben kann, erschließt sich mir nicht wirklich. Nachdem dieses Gehen abwechselnd durch kaltes und warmes Wasser aber sehr belebend ist, gehe ich eben vorübergehend unter die Frühaufsteher. Noch drei weitere Anwendungen kommen morgen dran, ich bin sehr beschäftigt.

Sonntag 29.Mai 2022 – Gemächliches Wasser

Wenn man sich im Waldviertel herumtreibt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es kalt ist und regnet ziemlich groß. Es passt alles zusammen, die Landschaft, die Wolken, der Regen, der strahlende Raps. Mohnblüten habe ich noch keine gesehen, aber schon viel Mohn in diversen Speisen geschlemmt

Wenn das Klopfen des Regens auf den Schirm aufhört, plötzlich, dann hat sich ein Baum über mich gebeugt. Ich bedanke mich, stelle den Schirm neben mich und sehe dem Regen zu.

Freitag 27.5.2022 – Granit, Flieder und Raps

Gekühlter Glasnudelsalat mit Cashew, Zander mit Brokkoli-Pürree und ein regionales Schmankerl: Mohnnudeln mit Zwetschgen-Ragout. Schon eine Sache, wenn gut gekocht wird. Am Eingang zum Restaurant steht: „Essen ist eine Nowendigkeit, Genießen ist eine Kunst.“ Ja, da schließe ich mich an. Vor allem auch Kochen ist eine Kunst. Schade, dass die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie im Allgemeinen und auch bei den Köchen und Köchinnen so schlecht sind, dass es immer weniger Leute gibt, die diesen Beruf wählen. Es geht da sicher so manches Talent verloren.

Überall verstreute Granitblöcke unter einem hohen, weiten selten nur langweilig einfarbigen Himmel. Würde man keine Felder bebauen und keine Wiesen mähen, würde der Wald sehr schnell wieder die Herrschaft antreten. Die Region heißt nicht umsonst Waldviertel.

Wir sind hier auf ungefähr 900 Metern Höhe und der Frühling hat sehr viel später begonnen als in Wien in der Tiefebene. Hier gibt es noch letzte blühende Obstbäume, der Flieder ist gerade erst aufgeblüht, der Löwenzahn ist stellenweise noch gelb, der Raps glüht sonnig.

Dienstag 24.Mai 2022

Meinen letzten Programmpunkt des Tages „gießen“ konnte ich gestern abhaken. Das Wasser fiel reichlich vom Himmel. Gut für die Landwirtschaft, fürs Grundwasser, für die Nasenschleimhäute um nur einige Punkte zu nennen. Natürlich hatte ich keinen Schirm mit und wurde klitschnass.

Das ist ein Foto des Wiener Donaukanals, gedreht und leicht bearbeitet. Gefällt mir sehr, könnte auch gemalt sein. Man könnte es auch umdrehen, also den dunklen Teil nach unten, aber ich finde es so besser.

Echtes Lángos

Lángos gibt es in Wien seit Jahrhunderten. Es gehört zum Besuch des Wurstlpraters unbedingt dazu. Das Lángos, das im Prater verkauft wird, ist ein dünnes, knuspriges Fladenbrot. Das Lángos, das bei einem ungarischen Stand verkauft wurde, dem Original also näher, war völlig anders, mit allem Möglichen gefüllt. Es gab sogar eine süße Variante mit Schoko und Zimt.

Die Version mit Rahm und Käse
Die Version mit Schinken und Käse

Ungarn in Wien

Ein kleines ungarisches Festival gab es an diesem Wochenende im Prater. Es war nicht umwerfend, aber doch ganz nett. Zum Abschluss wurde ein Musical aufgeführt. Ich war ziemlich begeistert, dass ich doch hin und wieder ein Wort verstanden habe, solche, die auf der Bühne gesprochen oder gesungen wurden und solche, die von den anwesenden Ungarn gesagt wurden. Ein paar Monate bei so intensiver Berieselung und ich könnte die Sprache einigermaßen fließend. Das schönste, was ich verstanden habe war „Gulyaskommunismusban“, das -ban ist eine Ortsangabe