la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Kein Kommentar – Mitmachblog

Eine Zeit lang habe ich es interessant gefunden zu beobachten und zu studieren, wie es gelingen kann, seine Meinung und seinen Standpunkt ganz deutlich zu machen ohne dabei jemanden zu beleidigen oder zu verschrecken. Meine Freundin B beherrscht das großartig. Sie war auch 2o Jahre lang  Sozialarbeiterin und hat in wirklich schwierigen Projekten gearbeitet zB in der „Justizanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher“ , eine Anstalt, die man auch mit vielen anderen Namen bezeichnet. Als ich sie einmal darauf ansprach, wie sehr ich dieses Talent an ihr bewundere, lachte sie und meinte, ich hätte ja gar nie erlebt, wie sie jemandem wirklich schwierige Inhalte ganz freundlich vermitteln könnte.

Eine weitere Person, die ich diesbezüglich sehr bewundere, ist unsere ehemalige Außenministerin,Ursula Plassnik. Zunächst, ich muss es gestehen, gefiel mir diese Dame optisch. Sie ist 1.91 groß und überragte damit die meisten ihrer Kollegen im diplomatischen Dienst. Es hat mir zum Beispiel einfach gefallen, eine Gruppe von arabischen Scheich-Politikern zu sehen unter denen der Kopf der Frau Plassnik eindeutig herausragte. Oder zu Zeiten des Bundeskanzlers Schüssel, der von vielen so auch von mir richtiggehend verachtet wurde. Frau Plassnik war (leider) seine Kabinettchefin und es war ein wirklich interessanter Anblick, wie diese hochgewachsene Dame hinter dem auch körperlich kleinen Kanzler über den Ballhausplatz schritt.

Das sind natürlich Äußerlichkeiten. Wirklich bewunderswert finde ich ihre Kunst der Debatte und Gesprächsführung. Es gelingt ihr auf überzeugende Weise alles was sie sagen möchte zu sagen, auch wenn ihre Meinung in keinem Punkt mit der ihrer Gesprächspartner übereinstimmt ohne auch nur im mindestens unfreundlich oder gar aggressiv zu wirken. Sie ist ganz kultivierte Sachlichkeit. Und das imponiert mir ganz außerordentlich. Im übrigen imponiert es mir immer, wenn jemand seinen Beruf wirklich gut ausübt, egal um welchen Beruf es sich handeln möge.

Zu etwas keinerlei Kommentar abzugeben ohne „kein Kommentar“ zu sagen, fällt auch in die hohe Kunst der Diplomatie. Den Gesprächspartnern den Eindruck zu vermitteln, man hätte sich über das Thema ausgiebig ausgetauscht obwohl das keineswegs der Fall ist, ebenfalls.


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Daggi 21- Amerikanisches Idyll

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Philip Roth

„Amerikanisches Idyll“

Carl Hanser Verlag 1998

Aufgabe 22: Ein Buch mit einem der vier Elemente (Feuer) auf dem Cover

 

Ich habe mehrere Bücher von Philip Roth hintereinander gelesen. Dieses ist ein besonderes, weil es im Jahr seines Erscheinens den Pulitzerpreis gewonnen hat. Ich habe es mit entsprechenden Erwartungen aufgeschlagen, dann aber eine Weile gebraucht, bis ich begann den Text zu schätzen.

Der Text beginnt als Ich-Erzählung eines Schriftstellers, der über seine alten Schulkollegen im allgemeinen und über einen im besonderen sinniert. Dieser eine, Seymour Levov genannt der Schwede, ein begnadeter Baseballspieler war sein Kindheits- und Jugendidol. Seymour Levov tritt mit ihm in Verbindung, weil er ihm etwas Wichtiges mitteilen möchte. Die beiden treffen sich, aber Seymour erzählt nur eher Banales von seinen Kinder aus zweiter Ehe, der Erzähler fragt auch nicht nach, was es Wichtiges wäre, über das er mit ihm sprechen wollte.

Eine Weile danach erfährt der Erzähler von Seymours Bruder, dass dieser vor kurzem an Krebs gestorben sei und dass sein Leben keineswegs die Idylle war, die man von außen sehen konnte.

Den Übergang von dieser Rahmenhandlung zur zentralen Geschichte habe ich nicht so gelungen gefunden, die Geschichte selbst hat mich aber gefesselt.

Wir befinden uns im Milieu jüdischer Einwanderer in Amerika. Seymour Levov ist der Enkel eines Einwanderers, der sich mit unglaublicher Tüchtigkeit und enormem Einsatz aus dem Nichts herausgearbeitet hat. Sein Vater hat nahtlos übernommen und bringt es mit einer Handschuhfabrik zu Wohlstand. Seymour selbst heiratet eine nicht-jüdische Schönheitskönigin und bringt es zu Reichtum und  einem völlig angepassten konservativen amerikanischen Lebensgefühl und Lebensstil. Aber er hat eine Tochter, die die vierte Generation konservativen Amerikanertums vertreten sollte, dies aber keineswegs tut. Sie engagiert sich in der Anti-Vietnambewegung und wird durch Bombenlegen zur mehrfachen Mörderin. Sie gibt ihrem Leben dann wieder eine andere Wendung indem sie sich zum Jainismus bekehrt. Einer indischen Religion deren zentrales Konzept es ist, keinem Lebewesen irgendwie zu schaden.Die Anhänger dieser Lehre sind natürlich Vegetarier, sollten im Grunde gar nichts essen, weil ja auch Pflanzen Lebewesen sind, sie waschen sich nicht und tragen einen Mundschutz um Kleinstlebewesen nicht zu schaden.

Das zentrale Thema ist die Vater-Tochter in dieser Situation. Es hat mich fasziniert, wie die beiden einander teilweise genau dasselbe vorwerfen. Zum Beispiel meint Seymour, dass seine Tochter nicht selbst denkt, sondern sich von Ideologien und den Gedanken anderer lenken läßt. Dasselbe meint die Tochter von ihrem Vater und sie haben wohl beide Recht, sind beide in Ideologien gefangen, die sie als solche nicht erkennen.

Abgesehen von den Hauptpersonen, gibt es noch mehrere andere interessante Charaktere wie Seymours Eltern und sein Bruder, ein Bilderbogen amerikanisierter Schicksale. Es geht auch um Integration, um persönliche oder eben fremdbestimmte Werte, um bröckelnde Fassaden von Idyllen, um den Preis der Aufrechterhaltung fragwürdiger, idyllischer Scheinwelten, aber auch um Anständigkeit und Loyalität, um Liebe und Zusammenleben. Ein Buch, das die Komplexität der Welt darstellt und sich nicht auf einfache Scheinlösungen zurückzieht.

Einen Nebensatz von den letzen Seiten des Buchs habe ich gespeichert “ …..dass das Idyll niemals weit vom Trümmerfeld ist “

 


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Paradox – das Mondgrasprojekt 20

Paradox finde ich eines der gröbsten Schimpfwörter, mit denen Männer Frauen beschimpfen. Denn was genau soll „Hure“ aussagen ? Dass die so beschimpfte Frau Sex mit Männern hatte, manchmal für Geld manchmal auch nicht. Meistens hat sie nur mit einem anderen Mann getan, was der sie beschimpfende Mann gerne selbst mit ihr getan hätte.

Noch ein Stück paradoxer finde ich, wenn eine Frau eine andere „Hure“ schimpft.

Ein wirklich weites Feld im Bereich menschlicher Beziehungen…..

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Demnächst Klarsicht ?

Ich habe es endlich einmal geschafft zum Augenarzt zu gehen und mir eine Brille verschreiben zu lassen. Also, eine war meine Absicht, der etwas spezielle Augenarzt meinte, ich sollte mir drei besorgen. Eine für die Nähe, eine für die Ferne und eine für den Bildschirm. Die für den Bildschirm habe ich gleich gestrichen. Ich habe einen großen Bildschirm und im Bedarfsfall kann man ja alles vergrößern.

Bleiben zwei. Gut, also entweder eine Gleitbrille oder eine für die Ferne und eine für die Nähe. Gleitbrillen sind mir (noch) etwas unheimlich. Brillen eigentlich überhaupt. Ich hasse Brillen, sogar Sonnenbrillen, weil ich es so lästig finde ständig etwas auf der Nase zu tragen. Deswegen trage ich auch seit vielen Jahren keine, obwohl ich immer kurzsichtig war. Mittlerweile kommt die Altersweitsicht dazu.

Es muss ja doch irgendwie toll sein, Dinge von weitem lesen zu können …. Wie auch immer, ich habe mir also zwei Brillen bestellt. Das wird ja lustig werden, natürlich immer die falsche mitzuhaben ! Die Krankenkasse zahlt überhaupt nichts, außer man hat über 6 Dioptrien. Das klingt nach halbblind. Da kommt es die Krankenkasse wahrscheinlich billiger, Brillen zu bezahlen statt die Versorgung ständiger Unfälle.

In etwa zwei Wochen bin ich dann also angewiderte Besitzerin zweier Brillen und kann mich in das Abenteur stürzen damit zu manövrieren. Vielleicht kann ich ja die Technik des *Brille langsam herunternehmen und sreng schau* erlernen. Ach, es bieten sich ja so viele Möglichkeiten …… *seufz*


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Klammerwahn – *txt

Klammerwahn

Mein Beitrag zu *.txt

Du musst, du musst, du musst dich melden. Wie oft habe ich jetzt angerufen – es läutet viermal oder fünfmal bevor die mailbox anspringt. Vorhin waren es aber dreimal, hast du da irgendetwas verändert während ich angerufen habe ?

Endlich, deine Stimme klingt komisch.Was ich will ? Na, mit dir reden, so kann das doch nicht stehen bleiben. Es gibt nichts mehr zu sagen?  Das sehe ich aber anders, ich muss unbedingt wissen, was du damit gemeint hast, dass das keine Zukunft hat, wieso denn nicht, was hat sich denn geändert?

Jetzt ruf ich nochmal an. Spätestens genau jetzt. Eigentlich müsste ich arbeiten gehen, aber unterwegs kann ich das nicht besprechen, außerdem bist du ja in einer Stunde in einer Besprechung – ich kenn doch deinen Tagesablauf – und dann geht gar nichts mehr. Jetzt muss ich mit dir sprechen, jetzt, jetzt, jetzt

Wenn es wieder zuerst viermal und dann fünfmal läutet, gehst du bestimmt ran. Es gibt nichts mehr zu sagen, du hast ohnehin schon eine Engelsgeduld mit mir ? Dann sag mir doch, warum du unlängst gesagt hast, dass wir nicht zusammenpassen. Du hast doch immer gesagt, wir passen so gut zusammen, genau das hast du immer und immer wieder gesagt. Was soll denn in meinen Kopf hineingehen ? Hast du es denn nicht gesagt ? Erklär mir das doch

Jetzt müsste ich wirklich zur Arbeit gehen, egal, ich bin krank. Du fährst jetzt sicher zu deiner Besprechung. Früher haben wir auch immer von Auto zu Auto telefoniert. Ich muss das jetzt unbedingt noch wissen. Als wir unter dem Baum in deinem Garten gesessen sind, hast du doch gesagt, das ist unser Baum. Was ist denn jetzt unerträglich, hast du das denn nicht gesagt ?

Du drehst das Telefon nach der Besprechung sicher wieder auf. Ich muss noch so viel wissen. Inzwischen werde ich mir das alles aufschreiben, was ich dich fragen muss.


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Fanatismus

Immer öfter sehe ich, dass Fanatismus nicht unbedingt mit den fanatisch vertretenen Ansichten, Ideologien, Religionen zu tun hat sondern mit der Denkweise und der Persönlichkeitsstruktur der Fanatiker. Wohl gibt es Ideologien und Religionen, die sich mehr dazu eignen fanatisch vertreten zu werden, aber offenbar gibt es keine Einstellungen, die niemals irgendjemanden fanatisiert hätten.

Im Grunde ist Fanatismus nichts anderes als das verzweifelte Bestreben sich selbst und anderen zu beweisen, dass die Welt so ist, wie man sie sehen möchte. Je verzweifelter der Versuch, je versteinerter die Denkweise umso intensiver wird die Aggression gegen „die anderen“. Es kann keine Verständigung und keinen Weg geben, wenn eine oder beide Seiten eines Konflikts von der absoluten Wahrheit ihrer eigenen Positionen überzeugt sind. Das fanatische Festhalten woran auch immer soll Sicherheit bieten, soll das Treffen von Entscheidungen und das Übernehmen von Verantwortung  überflüssig machen.

Es gibt aber keine Sicherheit im Leben. Immer wieder muss man Vertrautes hinter sich lassen und Schritte ins Leere wagen. Wer glaubt, sich durch zementierte Glaubenssätze und eine Unmenge von Regeln absichern zu können, wird sich nur in den vielen vermeintlichen Sicherheitsnetzen verheddern.

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Finnische Lektüre – 1 –

Vor zwei Jahren war ich mit einer Gruppe von Kollegen in Finnland zwecks Studium des finnischen Schulsystems. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch einiges über finnische Literatur erfahren und eine Lyrikerin hat mir besonders gut gefallen. Auch in der Übersetzung sehr stimmungsvolle, meist traurige Gedichte, eine eindringliche, starke Sprache ohne Schnörksel, gewaltige Bilder ohne ein Wort zuviel …

PS: Ach ja, dass ich nicht vergesse dazu zu sagen: ich liebe melancholische bis völlig trostlose Gedichte. Warum auch immer ….

KURZE NACHRICHT

Das Gewicht der Morgen.
Die Weite der Abende.
Die hautlose Sehnsucht der Nacht.

Eigentlich nichts weiter.

Das Licht der Wolken.
Kahle Bäume.
Noch kein Huflattich zu sehen.

Staubige Straßen.
Gefühllose Blicke
Unter dem Schnee wächst bleiches Gras.

Das Licht der Wolken.
Kahle Bäume.
Niemand auf dem Spielplatz.

Staubige Straßen.
Empfindungslose Erinnerungen.
Auf der Parkbank ein Mann im Wintermantel

Das Gewicht der Morgen.
Die Weite der Abende.
Die hautlose Sehnsucht der Nacht.

Anna Krogerus