la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Mittwoch 4. November 2020 – Terror, Wahlen und Kunst

Ich starre gebannt abwechselnd auf den derzeitigen Stand der Wahlergebnisse in den USA und die Berichterstattung über den Terroranschlag am Montag in der Wiener Innenstadt. Gäbe es keine Berichterstattung wäre heute einfach ein eher düsterer Herbsttag ohne besondere Vorkommnisse. Natürlich könnte ich mich einfach ausklinken aus dem Internet im allgemeinen und aus dieser Berichterstattung im besonderen. In vielen Fällen wäre das wahrscheinlich klug, heute aber nicht, denn diese beiden Themen, Islamistischer Terror und US-Regierung, haben ganz direkten Einfluss auf mein Leben und auf die menschliche Gesellschaft im allgemeinen und da hilft es nicht, einfach nicht hinzusehen.

Zusehends heftiger gehen mir die Art „Kunstdiskussionen“ auf die Nerven bei denen zB jemand eine Stunde lang erörtert, warum er zwei blaue Striche parallel gezogen hat. Ich bin ohnehin ein Kopfmensch und wenn ich Kunst auch noch intellektuell analysieren soll, dann vergeht mir die Freude daran. Meine Vorstellung ist es, den Weg aus dem Inneren über die Hand auf die Leinwand zu finden. Daraus entstehen im Idealfall Ansichten der Innenwelt, die vielleicht auch bei anderen Resonanz auslösen können oder auch nicht. Es gibt viele verschiedene Zugänge zur Kunst, die nicht unbedingt kompatibel und mehr oder weniger gefällig sind. Auch viele allgemein anerkannte Künstler gibt es, die miteinander nicht viel anfangen könnten.


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Warum so schlank?

Eine Zeitgenossin der Venus von Willendorf (Altsteinzeit, ca 30.000 Jahre alt). Neben den sehr üppigen weiblichen Figuren, gab es auch realistischer gebaute Figuren.

Ich sollte mich aber demnächst gedanklich aus der Urgeschichte zurückziehen, sonst geht es mir noch wie der Protagonistin meiner Impuls-Werkstatt-Geschichte, die bald fertig wird.


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Schon sehr lange …

Webstühle haben mich immer schon fasziniert. Wie einfach und wie genial diese Verschränkung von Fäden zu einem Gewebe doch ist. Das Erzeugen von vielseitig verwendbarem Stoff durch Verknoten und Verweben gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit, die allerdings Stein- und Holzbearbeitung voraussetzt.

Und die Muster ….. auch der Wunsch zur Gestaltung, das Streben nach Schönheit gehört zum Menschen, von den allerersten handwerklichen und künstlerischen Schritten an.

Diese Webstühle wurden von Archäologen nachgebaut


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Der Oktopus und die Wurzel

Wieder einmal ein Foto, aus dem sich Abstraktionen ohne Ende ableiten lassen. Mein malerisches Jahresprojekt steht. Es gibt bis jetzt vier Ansätze, die ich weiterentwickeln möchte, in verschiedene Richtungen: Blitze, brechendes Eis, Reisfelder von oben, ein Oktopus. Unglaublicherweise ähneln sich die Grundstrukturen und lassen sich miteinander kombinieren. Die Strukturen dieser Wurzel zum Beispiel sind mit den Strukturen des Oktopus verwandt.

Es ist eigenartig, realistisches Abzeichnen interessiert mich überhaupt nicht. Vergrößerte Bildausschnitte dagegen faszinieren mich oft und das Hinübergleiten aus so einem Ausschnitt in Abstraktionen ist genau die Art Zeichnen, die ich gerne mag. Bisher habe ich auch oft abstrakt gezeichnet, aber nie anhand von abgewandelten, vergrößerten oder verkleinerten oder sonstwie anders gesehenen natürlichen Strukturen.

 


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Obsidian

Obsidian, der harte Stein mit dem die Mayas den zu opfernden Menschen die Herzen lebend herausgeschnitten haben. Liter von Blut um den Göttern Regen abzuringen. Aber die Götter blieben hart und der Klimawandel zerstörte die blühende Kultur der Maya. Trotz aller Opfer und allen Bluts. Vielleicht waren die angerufenen Götter schon im Blut ertrunken …

 

 


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Samstag 8. August 2020

Zu den sommerlichen Dingen, die ich gerne mag, gehört es, an Abenden nach einem heißen Tag in einem Lokal mit schönem Ausblick zu sitzen. Wenn schon kein Meer, dann doch sehenswerte Architektur mit Planzenumrahmung. Zu den Grundelementen des chinesischen bzw japanischen Gartens gehören Pflanzen, Stein und Wasser. Auch in einem gut angelegten europäischen Park sind diese Elemente vertreten

Vor dem letzten Besuch im „Theater im Park“ saßen wir auch in diesem griechischen Lokal, nur das Wetter war ein ganz anderes und das „wir“ bestand aus anderen Personen. Beim ersten Besuch im Juli saßen wir streckenweise im Regen mit Jacken und Pelerinen diesmal war es ein ziemlich heißer Tag. Ich hatte schon befürchtet, dass der „Zuschauerraum“ der ins Freie verlegten Bühne noch in der Sonne liegen könnte, aber offenbar wurde alles sehr gut geplant und alle Sitze lagen im Schatten der riesigen, alten Platanen, die in diesem Privatpark stehen. Die in Orangetönen leuchtenden Bäume gehören auch zur Inszenierung.

Der Kabarettist, Viktor Gernot, war recht unterhaltsam. Er ist auch ein erstklassiger Stimmenimitator von sprechenden und singenden Stimmen und hat etliche seiner Kollegen durch den Kakao gezogen, manche durchaus liebevoll andere …. eben anders.

Im Juli durften erst 500 Zuschauer in den Park, jetzt im August sind es schon über 1000. Vielleicht rechnet sich da so eine Veranstaltung doch. Ich habe keine freien Sitzplätze gesehen und es gibt offenbar einen Großsponsor und vermutlich noch mehrere kleinere. Viktor Gernot erzählte, dass er in fünf Monaten das zweite Mal auf einer Bühne stehen durfte. Er wird nicht zu jenen gehören, denen wirklich alle Einnahmen weggebrochen sind, doch leicht haben es die Künstler im allgemeinen nicht. Wenn aber Gelegenheiten geboten werden für kulturelle Veranstaltungen im Freien so gehen die Leute auch hin. Wie unbequem die Sitzgelegenheiten auch sein mögen.


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Samstag 1. August 2020

Drei vor, zwei zurück, oder doch vier zurück ? Vor einer Woche ein Wochenende oder vielmehr vier Tage mit über zwanzig Leuten, davon 2 Spanierinnen, 1 Ungar, ein Amerikaner, der noch nicht einmal eine Maske besaß. Wir waren viel im Freien, trotzdem. Wir haben Abstand gehalten, trotzdem.

In hangle mich von einer Veranstaltung zur nächsten und wenn ich vier, fünf Tage später nicht krank bin, gehe ich davon aus, dass ich mich nicht angesteckt habe, weder mit Covid 19 noch mit sonst irgend etwas. An diesem Mal-Wochenende sind wir sieben, inklusive Aktmodell. Bei 35 Grad ist die Rolle des Aktmodells die bei weitem kühlste allerdings auch die langweiligste.


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Diesmal nicht …

Manchmal passt moderne Kunst, auch die allerseltsamsten Installationen, in ein historisches Ambiente. Hier kann ich keinen irgendwie gearteten Zusammenhang zwischen dieser Installation – die mir obendrein nicht gefällt – und dem Raum, in dem sie steht, finden. Der Raum gefällt mir übrigens auch nicht. Es wäre also ohnehin sehr unwahrscheinlich, dass mir die Kombination von beiden gefallen würde.


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Jeden Beruf muss man erlernen, auch Kaiserin

Und auch die Handhabung der berufstypischen Gegenstände verlangt Übung.

Im Oberen Belvedere – eine seltsame Skulptur der Kaiserin Maria Theresia (Regierungszeit 1740 -1780). Hier ist sie als junge Frau dargestellt. Was mich belustigt hat, ist die Art, wie sie das Szepter hält. Beeindruckt hat mich aber die meisterhafte Darstellung des üppig fallenden Stoffs ihres Kleids.


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Ich komme nicht so ganz drauf, ob sie mir gefällt oder nicht. Als rein abstraktes Gebilde würde sie mir gefallen, aber es ist eine Frauenskulptur ohne Gesicht und mit zerstörtem Körper. Es ist für mich auch nicht klar ersichtlich, ob die Zerstörung zur Originalskulptur gehört oder ob es der Zahn der Zeit ist, der hier aktiv geworden ist.


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Strammer Jüngling unter Rosen

Immer schauen sie mir nur auf den Hintern als hätte ich vorne nichts zu bieten! Kriechen sogar über und unter die Absperrung um mich von hinten zu fotografieren. Ist etwa mein wichtigstes männliches Teil unterentwickelt, zu klein, schief oder gar abgefallen? Ich bin manchmal etwas verunsichert. Als Bronzestatue tut man sich wirklich schwer damit, an sich selbst hinunterzusehen. Klar ist, dass mein Hintern im alten Glanz strahlt und der Gluteus Maximus die samtweiche Haut in perfekter Position hält. Seit ein paar Jahrzehnten begrapschen mich die Weiber sogar, aber immer nur hinten. Wahrscheinlich braucht es noch ein paar Jahrzehnte gesellschaftlicher Entwicklung bis sie auch mein allerbestes Stück begrapschen. Glück habe ich ja gehabt mit diesem würdigen Standort, den ich im Volksgarten bekommen habe obwohl mein Schöpfer politisch doch sehr angeknackst ist. Die Inschrift auf meinem Sockel hätten sie allerdings entfernen können, sie ist etwas penetrant im Stil meiner Entstehungszeit gehalten. Dass ich schön und jung bin, sieht man ja ohnehin schon von weitem.

Unter uns, ich freue mich schon auf die kommende Zeiten, in denen sich die Grapscherinnen auch an die Vorderfront wagen werden. 

Skulptur von Josef Müllner, 1921.

„Der Kraft und Schönheit unserer Jugend“ steht auf dem Sockel.


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Samstag 6.Juni 2020 – Ein rundherum gelungener Tag

Maler*innentreffen im Wiener Volksgarten zwischen Rosen, Rosen und Rosen und nur ganz wenigen Touristen, die sie fotografieren. Zwischen Brunnen, Skulpturen und gut gelaunten Menschen. Viel Sonne und grüner Schatten rund um das Denkmal der Kaiserin Elisabeth, ein Becken mit Seerosen, eine Harfinistin. Zwischen und über den Bäumen Türme und Kuppeln der Innenstadt.

Menschen, die in den Wiesen, rund um die Rosen und den Theseustempel sitzen, liegen, picknicken, malen, Chi Gong betreiben. Kinder, die mit verschiedensten  Rollern, Rädern, Traktoren, Laufrädern auf den Wegen unterwegs sind. All das erzeugt ein völlig anderes Klima als wenn Touristengruppen durch den Park hecheln, ein paar Rosen auf ihren Selfies unterbringen und vor der wirklich gelungenen Skulptur der Kaiserin Elisabeth in allen möglichen Sprachen ihre Reiseleiter fragen, ob das Sissi ist.

Mein Vorschlag, wie wir der Gruppe neuen Schwung verleihen könnten, wurde von allen Anwesenden gut aufgenommen und weiter gesponnen. Ich glaube, es wird was Neues und im Idealfall wäre es genau das, was ich schon seit langem haben wollte.