la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Blick auf die Welt – 4

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Kitsch, Kunst und Pflanzen

Am Samstag waren wir bei einem sehr lieben Freund, von dem ich eine Menge weiß, außer wovon er eigentlich lebt. Von cranio-sacral Behandlungen ? Die habe ich ausprobiert und muss trotz absolut un-esoterischer Lebenseinstellung sagen, dass er das großartig macht und so eine Behandlung eine reine Wohltat ist. Natürlich bezahle ich dafür und ich weiß von etlichen anderen befreundeten Menschen, dass sie das auch tun. Vielleicht lebt er auch von seinen aus diversen übriggebliebenen Gegenständen hergestellten Figuren ? Ich finde immer wieder welche davon wunderschön, andere witzig; aber diese Figuren bietet er nur in der Adventzeit an und manchmal zu Ostern.

Das ist ein Kerzenständer aus dem Mundstück einer alten Schisha. Der Lichtträger steht auf einem Stück Marmor, der untere Teil besteht aus einer alten Puddingform Der Schirm dieser Figur ist ein lackierter Lotus. Die Figur steht auf einem Teil eines alten Schlosses Den mag ich besonders gerne. Er ist mit einem kaputten Armband bekleidet und steht auf dem Deckel eines Gemüseglases

Wovon er auch immer leben möge, so ist er äußerst großzügig. Nicht nur Coach-surfer finden bei ihm Unterkunft, eine Zeit lang hat er auch einen ihm vorher ganz unbekannten Obdachlosen untergebracht. Ein ungemein lieber Mensch. Besucht man ihn, wird man immer mit Marmeladen und Chutneys der kuriosesten Geschmacksrichtungen aus seiner eigenen Produktion beschenkt.

Irgendwann hat er eine Ausbildung als Gärtner gemacht und wohnt wie in einem Gewächshaus. Seine Wohnung liegt in einem Altbau, im dritten Stock. Schon von weitem erkennt man seine Fenster, an den davorhängenden winterharten Pflanzen. Erklimmt man den dritten Stock Altbau über Stufen, die so abgetreten sind wie die Stufen in einem alten Schloss, sieht man gleich welche Tür zu seiner Wohnung führt: dort wohnt ein riesiger Farn, den er vor Jahren am Fuße des Annapurna ausgegraben hat und der auf dem finsteren Gang eines Wiener Miethauses üppigst wuchert und gedeiht. Hier zeigt er einer gemeinsamen Freundin Bilder einer seiner Reisen in die Mongolei.


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Street Art im Gefängnishof

Jahrhundertelange Tradition erfordert, dass sich Schüler und Schülerinnen in ihrer Schule wie Gefangene vorkommen. Auch wenn dem nicht wirklich so ist, so gehört es doch zum guten Ton.

Der Schulhof unseres Ausweichquartiers, das wir nun schon das zweite Jahr benützen – und ein Ende ist noch nicht abzusehen – ähnelt allerdings wirklich einem Gefängnishof. Er ist auf allen vier Seiten von einem vierstöckigen Gebäude umgeben, hat eine grauenhafte Akustik und eine fast ebenso verheerende Optik. Die äußere Fassade des Gebäudes wurde renoviert, alles verputzt, die Fenster gestrichen, aber nicht erneuert, dennoch sieht es von außen ganz gut aus, aber der Innenhof, ein Graus ! Ein Begrünungsprojekt, Sitzgelegenheiten und Tische, hat alles nicht viel gebracht. Nun gab es vorige Woche ein Projekt, das 2 junge Graffiti-Profis mit einer Klasse von 17, 18-jährigen zusammenbrachte um den Hof künstlerisch zu gestalten.

Zwar finde ich nicht, dass der Hof insgesamt besonders gewonnen hätte, aber einzelne Graffitis finde ich sehr gelungen.

Zunächst wurde die „Gefängnissituation“ der Schülerinnen und Schüler dargestellt:

Unter der Stiege – berichteten die Jung-Künstler – sähe man die Kreativen, die sich immer verstecken müssten, damit sie vom System nicht eine auf den Deckel bekämen.

Der Slogan von dem dargestellten Taferl stammt aus einem Songtext von „Violator“, einer brasilianischen Thrash-Metal-Band. Den Slogan find ich sehr gut, den Bandnamen weniger, aber die Darstellung ist äußerst gemäßigt ausgefallen.

Zum Vergleich ein Violator-Original:

Der hier dargestellte Mann, so erklärte man mir, ist auf sämtlichen Plattformen der Social-Media, hat noch nie ein einziges like bekommen und hat keinen einzigen follower. Wie tragisch das ist, kann ich wenigstens entfernt nachvollziehen. Genial daran finde ich, dass ihm die Jugendlichen keine Füsse gemalt haben, er hat nämlich den Kontakt zur Realität verloren.

Und schließlich noch ein graffiti, das ganz ohne Hilfe der Profis entstanden ist.


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Sunnys Hände

Hände sind das Thema dieser Woche.

Eine Hand, daneben eine Hundepfote, gemalt von Lucian Freud. „The Freud Project“ in Dublin. Fotografieren war wieder einmal verboten obwohl die Ausstellungsräume Tageslicht hatten und es in keiner Weise nötig war, einen Blitz zu verwenden. Katalog konnte ich auch keinen kaufen, weil mein Koffer schon auf der Hinreise viel zu schwer war. Aber die Bilder im Original zu sehen, war eine große Freude. Das erste Bild von ihm sah ich zufällig in einem Museum in Schottland, ich weiß nicht mehr, ob es in Glasgow oder in Edinburgh war.

Lucian Freud, ein Enkel von Sigmund Freud, wurde 1922 in Berlin geboren. Lucians Vater, Ernst, der älteste Sohn Sigmund Freuds emigrierte als erster der Familie nach England, wohin ihm sein Vater und andere Familienmitglieder erst 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland folgten.

Lucian Freud war einer der bedeutendsten Portraitmaler des 20.Jahrhunderts, Expressionist, Realist. Seine Bilder zeigen seine Modelle, die im allgemeinen nicht den herrschenden Schönheitsidealen entsprechen schonungslos realistisch.
Lucian Freud, der ein auch zu seinen Lebzeiten anerkannter Künstler war, starb 2011 in London.