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Immer wieder Albertina, die klassische

Ich freue mich immer wieder darüber, dass man seit Jahren in praktisch jeder Ausstellung fotografieren darf. Ohne Blitz, klar, trotzdem war das lange nicht so. Wie vielen Museumswärtern bin ich nachgeschlichen um im richtigen Moment hinter ihrem Rücken Fotos zu machen. Rucksäcke , und seien sie noch so klein, darf man nicht mitnehmen in die Austellungsräume. Es kann zwar sicher niemand eines der Riesenbilder von Xenia Hausner unbemerkt in eine Handtasche stopfen, aber gut, das sind halt die Spielregeln. Eine positive Nicht-Veränderung dagegen ist, dass die Ausstellungs-Kataloge nicht teurer geworden sind.

Ich bin immer noch bei Xenia Hausner. Obwohl das manche behaupten, ist es einfach nicht dasselbe, ob man sich ein Bild auf einem Foto, in einem Katalog, im Internet ansieht oder ob man ihm gegenüber steht. Vielleicht gehe ich nochmals in die Ausstellung.

60. Station der Kunst- und Literaturweltreise – Österreich 2 – Xenia Hausner

Es handelt sich um eine – zu Unrecht – noch nicht sehr bekannte Künstlerin. Xenia Hausner wurde 1951 geboren, hat sehr erfolgreich als Bühnenbildnerin gearbeitet und widmet sich erst seit 1992 ausschließlich der Malerei. Die Ausstellung hat mich wegen der Intensität ihrer Bilder sehr beeindruckt

Ich lasse die Künstlerin zu Wort kommen und bin absolut mit ihr einverstanden: Bilder sollten für sich sprechen und die Betrachter*innen nicht mit langen Erklärungen gegängelt und zu einer Sichtweise gedrängt werden:

Interessant als biografisches Detail finde ich noch, dass die Malerin eine Tochter von Rudolf Hausner ist, einem Mitglied der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ihre beiden Schwestern sind ebenfalls künstlerisch tätig: die Filmregisseurin Jessica Hausner und die Kostümbildnerin Tanja Hausner.

Ein paar ihrer Bilder gibt es hier zu sehen, einige in den nächsten Tagen. Viele habe ich in natura fotografiert, aber ich habe auch einen Katalog erstanden. Nachdem mir die Bilder nicht nur sehr gut gefallen, sondern mich persönlich berühren, werden auf dem Blog wohl noch etliche zu sehen sein.

Dieses Bild stammt aus der Serie „Exiles“

Die Figuren der meisten Bilder konzentrieren sich auf die Betrachtenden ( KLICK ) und treten mit ihnen in Verbindung. Dieses nicht.

Xenia Hausner bietet Möglichkeiten für für eigene Interpretationen und Geschichten an. Dieses Bild zB hat zahlreiche mögliche Lesearten. Es ist ein Angebot, keine Verpflichtung.

Expressiv !

Ein guter Tag war es, weil es ein paar Tropfen geregnet hat und weil ich mich endlich aufgerafft habe, mir die Xenia-Hausner-Ausstellung anzusehen. Zum Glück habe ich mich von den vielen Leuten vor dem Museum nicht abschrecken lassen. Die Besucher*innen haben sich ganz gut auf sechs verschiedene Ausstellungen verteilt. Es waren zwar nicht gerade wenige Menschen, in der Ausstellung, die ich sehen wollte, aber auch nicht so viele, dass sich die Massen durch die Räume geschoben hätten und die Bilder nicht zu sehen gewesen wären.

Was mir da entgangen wäre! Bilder, die irgendetwas in mir ganz stark ansprechen, die mich richtig glücklich gemacht haben und wieder einmal ganz sicher in der Überzeugung, dass Ausdruck wichtiger ist als Form. Dabei ist es nicht so, dass die Form bei Xenia Hausners Bildern vernachlässigt würde, sie sind nur extrem ausdrucksstark. Es gibt Bilder, die mir wie Puzzlesteine vorkommen. Es klickt und sie fügen sich zu anderen Steinen hinzu und die Welt wird ein Stück klarer und verständlicher.

Servus, Peter Patzak

Er war einer, der wusste, dass Ernsthaftigkeit und Humor, auch von der schwärzesten Sorte, einander nicht ausschließen. Dass sie sich gegenseitig bereichern, dass man über alles lachen kann und sei es todtraurig oder überaus ernsthaft. Ich weiß, dass die Spitzen der Wiener Polizei inklusive Präsidenten sich zum Kottan-Schauen getroffen und herzlich gelacht haben. Die offizielle Haltung war dann allerdings etwas anders.

Humor macht vieles erträglich zB das Leben und auch das Leiden. Über nichts kann man besser lachen als über sich selbst. Verbissenheit hat keinerlei Potential dafür, jemanden glücklich zu machen.

Anlässlich seines Todes habe ich ein Interview von Peter Patzak gehört, der auch über seine Malerei sprach. Seine Regie-Arbeiten wären ja öffentlich zu sehen, aber seine Malerei – sagte er –  sei ein Bereich, der nur ihm gehöre. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Montag 8. März 2021 – Prunk

Solange die Museen offen haben, möchte ich mir noch einige Ausstellungen ansehen. Es gibt so viel Interessantes, dass die Wahl schwer fällt. Nachdem die B und ich uns ohnehin treffen wollten, haben wir uns für einen Museumsbesuch entschieden. Meine Idee war eigentlich, dass es in einem Museum wochentags und ohne Touristen angenehm leer und angenehm warm im Vergleich zu draußen sein würde. Die Plauderspaziergänge im Park mag ich prinzipiell gerne, nur wenn es kalt ist, hält man sie nicht lange durch und wenn man dann zwischendurch in ein Museum geht, so kann man sich dort wieder aufwärmen. So weit die Theorie.

Leider ist dieses Museum aber nicht geheizt. Wenn man reingeht, versteht man warum: die Räume sind sehr groß und sehr hoch. Die gewaltigen kaiserlich-königlichen Kutschen, die dort ausgestellt werden, wirken klein. Vielleicht ist auch irgendwie geheizt und man merkt es nur nicht. Jedenfalls war es richtig kalt. Aber die B und ich waren schließlich in Bildung unterwegs und sind nicht nur im Museum nicht erfroren, sondern auch nicht auf einer großen Parkrunde.

In der Wagenburg von Schönbrunn gibt es also zusätzlich zu den üblichen Exponaten, die ich auch noch nie gesehen hatte, eine kleine Ausstellung über Seuchen und deren Bekämpfung in Wien.

scheinbare Realität – reeller Schein

Es spiegeln sich alle, die vorbeigehen, alle, die stehen bleiben, alles was an den Wänden hängt, spiegelt sich. Vieles wird verzerrt, anderes wirkt gerader, stabiler als es tatsächlich ist. Glanz, der aus dem Nichts entsteht

Kann sich auch Inexistentes in die Realität hineinspiegeln?

Genau so etwas …

… hatte ich auch einmal an der Wand. Vielleicht nicht ganz so verzweigt, aber auch aus Klorollen. Und es kam mir unendlich originell vor. Wie man sieht, ist aber zumindest ein anderer – ich vermute es werden wohl mehrere sein  – auf dieselbe Idee gekommen.

Endlich wieder !!

Die Gastronomie ist geschlossen, aber die Geschäfte sind offen und auch die Museen. Zu meiner ganz großen Freude. Schon im Mai hat die Albertina modern eröffnet und seitdem mache ich immer wieder Anläufe um mir das neue Museum anzusehen. Nicht dass das besonders kompliziert wäre: die Albertina modern liegt im Zentrum von Wien mit einer U-Bahn-Station gleich daneben. Heute bei strahlendem Sonnenschein habe ich es endlich geschafft.

Die Albertina Modern ist im Künstlerhaus untergebracht, einem Gebäude, das 1868 fertiggestellt wurde und einen reizvollen Kontrast zu der darin ausgestellten modernen Kunst darstellt.

Ich hatte damit gerechnet ein eher leeres Museum anzutreffen, schließlich gibt es in Wien derzeit keine Touristen und die paar wenigen würden ja wohl nicht ausgerechnet heute Nachmittag die Albertina modern besuchen wollen. Tatsächlich waren keine Menschenmassen unterwegs, aber doch wesentlich mehr Museumsbesucher als ich vermutet hätte. Sehr viele junge Menschen, sogar eine englischsprachige Gruppe mit Führerin war unterwegs. Unter normalen Umständen ist das ja nicht bemerkenswert, heute schon.

Die Essl-Sammlung inklusive Fotografie-Ausstellung habe ich mir vorgenommen, eine Anzahl von Werken, die nicht zu klein und nicht zu groß war. Mit zu wenig kann ich gut umgehen, aber zu große Ausstellungen sind immer frustrierend. Alles wahrzunehmen und aufzunehmen ist unmöglich, was also soll man weglassen? War die Entscheidung richtig ? Vielleicht doch lieber alles oberflächlich ansehen als irgendetwas auslassen usw usf

Vieles hat mir gefallen, anderes nicht. Vieles fand ich inspirierend, anderes ließ mich kalt. Schon vor langer Zeit habe ich für mich entschieden, dass mich Debatten darüber, was Kunst sein darf und was nicht, überhaupt nicht interessieren. Weder beschäftige ich mich mit Kunstkritik noch muss ich gar von Kunst leben. Ich genieße den absoluten Luxus, Werke betrachten zu können, die mich ansprechen, die mich irgendwie berühren, die ich schön, interessant, aufwühlend finde und alle anderen links liegen lassen zu können. Nichts zwingt mich im Bereich der Kunst objektiv, zurückhaltend, fair zu sein. Was mich anspricht, beachte ich, was nicht nicht. Ich kann durchaus die künstlerische und/oder handwerkliche Qualität eines Werks anerkennen ohne dass es mir irgendetwas gibt. Und manchmal dagegen finde ich ein paar Linien überwältigend.

Ein Beispiel von einem Werk, das ich heute sehr beeindruckend fand:

„Die Päpste“ oder „heilende Akrobatik“ von  Virgilius Moldowan, 2008.Der Künstler wurde 1955 in Brasow, Rumänien geboren und lebt seit 1986 in Wien

Überlebensgroße Silikonfiguren von den Päpsten Karol Wojtyla und Joseph Ratzinger.

Die Darstellung ist hyperrealistisch und zeigt die körperlichen Spuren des Alters

 

Reisen in 199 Länder dieser Erde

Meine Literaturweltreise begann auf Anregung von Yvonne   im Jänner 2017, geht also nun im Jänner 2021 ins fünfte Jahr und es ist noch kein Ende abzusehen.

Auf der Liste, die ich verwende, stehen 199 Länder, von denen ich ungefähr fünfzig „bereist“ habe. „Ungefähr“ deswegen, weil sich meine Seite dazu (zu finden unter Menü)  gerade als work in progress darbietet. So ein Lockdown ist der ideale Zeitpunkt für strukturierende Arbeiten auf dem Blog.

Was ich leider immer noch nicht gefunden habe, ist eine vernünftige Weltkarte auf der man Länder einfärben oder sonstwie markieren kann. Ich hatte zunächst eine solche Karte, die aber nur extrem mühsam funktioniert, weil man jedesmal, wenn man ein neues Land markieren möchte, von Null anfangen und alle Länder wieder neu eingeben muss. Ich bin auf der Suche nach einem anderen Modell. Bitte um Info, falls jemand so eine Karte ausprobiert hat.

In vier Jahren habe ich also ungefähr ein Viertel aller Länder dieser Erde besucht. Das ist nicht überwältigend viel, aber ich lese auch noch anderes und manche Länder habe ich auch mehrmals bereist, weil mir mehrere interessante Autor*innen untergekommen sind. Mehr als maximal vier Beiträge pro Land wird es aber nicht geben   Es kommt immer wieder vor, dass Länder umbenannt werden, dass neue Staaten entstehen. Ich halte mich an meine 199 Länder. Sollte ich lesend irgendwo unterwegs sein, wo solche geo-politischen Umwälzungen stattfinden, werde ich mir überlegen, wie ich damit umgehe.

Der ursprüngliche Plan war, Werke von Autoren aus dem jeweiligen Land oder Literatur jeder Art über das jeweilige Land zu lesen. Im Lauf der Zeit gab es bei Yvonne manchmal zusätzlich kulinarische Beiträge zu manchen Ländern. Ich habe meine Literaturstationen um „Kunststationen“ bereichert, also Berichte über Ausstellungen bzw Austellungskataloge.

Für manche Länder ist es nicht so einfach ein literarisches Werk zu finden. Etwa für kleine Inseln, die aber unabhängige Staaten sind zB Tonga oder Tuvalu. Aber mit Geduld und Interesse werde ich schon fündig werden.

Nachdem derzeit das Reisen nicht so einfach ist, schätze ich es ganz besonders „wenigstens“ literarisch unterwegs zu sein. „Wenigstens“ passt eigentlich gar nicht, denn aus Kunst und Literatur erfährt man viel und es gibt ja durchaus auch gar nicht so wenige Länder, in denen ich mich – aus verschiedenen Gründen – physisch gar nicht aufhalten möchte.

Derzeit bin ich in der Karoo, in Südafrika unterwegs.