Schlagwort: Kunst –

Servus, Peter Patzak

Er war einer, der wusste, dass Ernsthaftigkeit und Humor, auch von der schwärzesten Sorte, einander nicht ausschließen. Dass sie sich gegenseitig bereichern, dass man über alles lachen kann und sei es todtraurig oder überaus ernsthaft. Ich weiß, dass die Spitzen der Wiener Polizei inklusive Präsidenten sich zum Kottan-Schauen getroffen und herzlich gelacht haben. Die offizielle Haltung war dann allerdings etwas anders.

Humor macht vieles erträglich zB das Leben und auch das Leiden. Über nichts kann man besser lachen als über sich selbst. Verbissenheit hat keinerlei Potential dafür, jemanden glücklich zu machen.

Anlässlich seines Todes habe ich ein Interview von Peter Patzak gehört, der auch über seine Malerei sprach. Seine Regie-Arbeiten wären ja öffentlich zu sehen, aber seine Malerei – sagte er –  sei ein Bereich, der nur ihm gehöre. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Montag 8. März 2021 – Prunk

Solange die Museen offen haben, möchte ich mir noch einige Ausstellungen ansehen. Es gibt so viel Interessantes, dass die Wahl schwer fällt. Nachdem die B und ich uns ohnehin treffen wollten, haben wir uns für einen Museumsbesuch entschieden. Meine Idee war eigentlich, dass es in einem Museum wochentags und ohne Touristen angenehm leer und angenehm warm im Vergleich zu draußen sein würde. Die Plauderspaziergänge im Park mag ich prinzipiell gerne, nur wenn es kalt ist, hält man sie nicht lange durch und wenn man dann zwischendurch in ein Museum geht, so kann man sich dort wieder aufwärmen. So weit die Theorie.

Leider ist dieses Museum aber nicht geheizt. Wenn man reingeht, versteht man warum: die Räume sind sehr groß und sehr hoch. Die gewaltigen kaiserlich-königlichen Kutschen, die dort ausgestellt werden, wirken klein. Vielleicht ist auch irgendwie geheizt und man merkt es nur nicht. Jedenfalls war es richtig kalt. Aber die B und ich waren schließlich in Bildung unterwegs und sind nicht nur im Museum nicht erfroren, sondern auch nicht auf einer großen Parkrunde.

In der Wagenburg von Schönbrunn gibt es also zusätzlich zu den üblichen Exponaten, die ich auch noch nie gesehen hatte, eine kleine Ausstellung über Seuchen und deren Bekämpfung in Wien.

scheinbare Realität – reeller Schein

Es spiegeln sich alle, die vorbeigehen, alle, die stehen bleiben, alles was an den Wänden hängt, spiegelt sich. Vieles wird verzerrt, anderes wirkt gerader, stabiler als es tatsächlich ist. Glanz, der aus dem Nichts entsteht

Kann sich auch Inexistentes in die Realität hineinspiegeln?

Genau so etwas …

… hatte ich auch einmal an der Wand. Vielleicht nicht ganz so verzweigt, aber auch aus Klorollen. Und es kam mir unendlich originell vor. Wie man sieht, ist aber zumindest ein anderer – ich vermute es werden wohl mehrere sein  – auf dieselbe Idee gekommen.

Endlich wieder !!

Die Gastronomie ist geschlossen, aber die Geschäfte sind offen und auch die Museen. Zu meiner ganz großen Freude. Schon im Mai hat die Albertina modern eröffnet und seitdem mache ich immer wieder Anläufe um mir das neue Museum anzusehen. Nicht dass das besonders kompliziert wäre: die Albertina modern liegt im Zentrum von Wien mit einer U-Bahn-Station gleich daneben. Heute bei strahlendem Sonnenschein habe ich es endlich geschafft.

Die Albertina Modern ist im Künstlerhaus untergebracht, einem Gebäude, das 1868 fertiggestellt wurde und einen reizvollen Kontrast zu der darin ausgestellten modernen Kunst darstellt.

Ich hatte damit gerechnet ein eher leeres Museum anzutreffen, schließlich gibt es in Wien derzeit keine Touristen und die paar wenigen würden ja wohl nicht ausgerechnet heute Nachmittag die Albertina modern besuchen wollen. Tatsächlich waren keine Menschenmassen unterwegs, aber doch wesentlich mehr Museumsbesucher als ich vermutet hätte. Sehr viele junge Menschen, sogar eine englischsprachige Gruppe mit Führerin war unterwegs. Unter normalen Umständen ist das ja nicht bemerkenswert, heute schon.

Die Essl-Sammlung inklusive Fotografie-Ausstellung habe ich mir vorgenommen, eine Anzahl von Werken, die nicht zu klein und nicht zu groß war. Mit zu wenig kann ich gut umgehen, aber zu große Ausstellungen sind immer frustrierend. Alles wahrzunehmen und aufzunehmen ist unmöglich, was also soll man weglassen? War die Entscheidung richtig ? Vielleicht doch lieber alles oberflächlich ansehen als irgendetwas auslassen usw usf

Vieles hat mir gefallen, anderes nicht. Vieles fand ich inspirierend, anderes ließ mich kalt. Schon vor langer Zeit habe ich für mich entschieden, dass mich Debatten darüber, was Kunst sein darf und was nicht, überhaupt nicht interessieren. Weder beschäftige ich mich mit Kunstkritik noch muss ich gar von Kunst leben. Ich genieße den absoluten Luxus, Werke betrachten zu können, die mich ansprechen, die mich irgendwie berühren, die ich schön, interessant, aufwühlend finde und alle anderen links liegen lassen zu können. Nichts zwingt mich im Bereich der Kunst objektiv, zurückhaltend, fair zu sein. Was mich anspricht, beachte ich, was nicht nicht. Ich kann durchaus die künstlerische und/oder handwerkliche Qualität eines Werks anerkennen ohne dass es mir irgendetwas gibt. Und manchmal dagegen finde ich ein paar Linien überwältigend.

Ein Beispiel von einem Werk, das ich heute sehr beeindruckend fand:

„Die Päpste“ oder „heilende Akrobatik“ von  Virgilius Moldowan, 2008.Der Künstler wurde 1955 in Brasow, Rumänien geboren und lebt seit 1986 in Wien

Überlebensgroße Silikonfiguren von den Päpsten Karol Wojtyla und Joseph Ratzinger.

Die Darstellung ist hyperrealistisch und zeigt die körperlichen Spuren des Alters

 

Reisen in 199 Länder dieser Erde

Meine Literaturweltreise begann auf Anregung von Yvonne   im Jänner 2017, geht also nun im Jänner 2021 ins fünfte Jahr und es ist noch kein Ende abzusehen.

Auf der Liste, die ich verwende, stehen 199 Länder, von denen ich ungefähr fünfzig „bereist“ habe. „Ungefähr“ deswegen, weil sich meine Seite dazu (zu finden unter Menü)  gerade als work in progress darbietet. So ein Lockdown ist der ideale Zeitpunkt für strukturierende Arbeiten auf dem Blog.

Was ich leider immer noch nicht gefunden habe, ist eine vernünftige Weltkarte auf der man Länder einfärben oder sonstwie markieren kann. Ich hatte zunächst eine solche Karte, die aber nur extrem mühsam funktioniert, weil man jedesmal, wenn man ein neues Land markieren möchte, von Null anfangen und alle Länder wieder neu eingeben muss. Ich bin auf der Suche nach einem anderen Modell. Bitte um Info, falls jemand so eine Karte ausprobiert hat.

In vier Jahren habe ich also ungefähr ein Viertel aller Länder dieser Erde besucht. Das ist nicht überwältigend viel, aber ich lese auch noch anderes und manche Länder habe ich auch mehrmals bereist, weil mir mehrere interessante Autor*innen untergekommen sind. Mehr als maximal vier Beiträge pro Land wird es aber nicht geben   Es kommt immer wieder vor, dass Länder umbenannt werden, dass neue Staaten entstehen. Ich halte mich an meine 199 Länder. Sollte ich lesend irgendwo unterwegs sein, wo solche geo-politischen Umwälzungen stattfinden, werde ich mir überlegen, wie ich damit umgehe.

Der ursprüngliche Plan war, Werke von Autoren aus dem jeweiligen Land oder Literatur jeder Art über das jeweilige Land zu lesen. Im Lauf der Zeit gab es bei Yvonne manchmal zusätzlich kulinarische Beiträge zu manchen Ländern. Ich habe meine Literaturstationen um „Kunststationen“ bereichert, also Berichte über Ausstellungen bzw Austellungskataloge.

Für manche Länder ist es nicht so einfach ein literarisches Werk zu finden. Etwa für kleine Inseln, die aber unabhängige Staaten sind zB Tonga oder Tuvalu. Aber mit Geduld und Interesse werde ich schon fündig werden.

Nachdem derzeit das Reisen nicht so einfach ist, schätze ich es ganz besonders „wenigstens“ literarisch unterwegs zu sein. „Wenigstens“ passt eigentlich gar nicht, denn aus Kunst und Literatur erfährt man viel und es gibt ja durchaus auch gar nicht so wenige Länder, in denen ich mich – aus verschiedenen Gründen – physisch gar nicht aufhalten möchte.

Derzeit bin ich in der Karoo, in Südafrika unterwegs.

Mittwoch 4. November 2020 – Terror, Wahlen und Kunst

Ich starre gebannt abwechselnd auf den derzeitigen Stand der Wahlergebnisse in den USA und die Berichterstattung über den Terroranschlag am Montag in der Wiener Innenstadt. Gäbe es keine Berichterstattung wäre heute einfach ein eher düsterer Herbsttag ohne besondere Vorkommnisse. Natürlich könnte ich mich einfach ausklinken aus dem Internet im allgemeinen und aus dieser Berichterstattung im besonderen. In vielen Fällen wäre das wahrscheinlich klug, heute aber nicht, denn diese beiden Themen, Islamistischer Terror und US-Regierung, haben ganz direkten Einfluss auf mein Leben und auf die menschliche Gesellschaft im allgemeinen und da hilft es nicht, einfach nicht hinzusehen.

Zusehends heftiger gehen mir die Art „Kunstdiskussionen“ auf die Nerven bei denen zB jemand eine Stunde lang erörtert, warum er zwei blaue Striche parallel gezogen hat. Ich bin ohnehin ein Kopfmensch und wenn ich Kunst auch noch intellektuell analysieren soll, dann vergeht mir die Freude daran. Meine Vorstellung ist es, den Weg aus dem Inneren über die Hand auf die Leinwand zu finden. Daraus entstehen im Idealfall Ansichten der Innenwelt, die vielleicht auch bei anderen Resonanz auslösen können oder auch nicht. Es gibt viele verschiedene Zugänge zur Kunst, die nicht unbedingt kompatibel und mehr oder weniger gefällig sind. Auch viele allgemein anerkannte Künstler gibt es, die miteinander nicht viel anfangen könnten.

Warum so schlank?

Eine Zeitgenossin der Venus von Willendorf (Altsteinzeit, ca 30.000 Jahre alt). Neben den sehr üppigen weiblichen Figuren, gab es auch realistischer gebaute Figuren.

Ich sollte mich aber demnächst gedanklich aus der Urgeschichte zurückziehen, sonst geht es mir noch wie der Protagonistin meiner Impuls-Werkstatt-Geschichte, die bald fertig wird.

Schon sehr lange …

Webstühle haben mich immer schon fasziniert. Wie einfach und wie genial diese Verschränkung von Fäden zu einem Gewebe doch ist. Das Erzeugen von vielseitig verwendbarem Stoff durch Verknoten und Verweben gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit, die allerdings Stein- und Holzbearbeitung voraussetzt.

Und die Muster ….. auch der Wunsch zur Gestaltung, das Streben nach Schönheit gehört zum Menschen, von den allerersten handwerklichen und künstlerischen Schritten an.

Diese Webstühle wurden von Archäologen nachgebaut

Der Oktopus und die Wurzel

Wieder einmal ein Foto, aus dem sich Abstraktionen ohne Ende ableiten lassen. Mein malerisches Jahresprojekt steht. Es gibt bis jetzt vier Ansätze, die ich weiterentwickeln möchte, in verschiedene Richtungen: Blitze, brechendes Eis, Reisfelder von oben, ein Oktopus. Unglaublicherweise ähneln sich die Grundstrukturen und lassen sich miteinander kombinieren. Die Strukturen dieser Wurzel zum Beispiel sind mit den Strukturen des Oktopus verwandt.

Es ist eigenartig, realistisches Abzeichnen interessiert mich überhaupt nicht. Vergrößerte Bildausschnitte dagegen faszinieren mich oft und das Hinübergleiten aus so einem Ausschnitt in Abstraktionen ist genau die Art Zeichnen, die ich gerne mag. Bisher habe ich auch oft abstrakt gezeichnet, aber nie anhand von abgewandelten, vergrößerten oder verkleinerten oder sonstwie anders gesehenen natürlichen Strukturen.