Schlagwort: Kunst –

75. Station meiner Kultur- und Literaturweltreise – Burkina Faso

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Ich habe in der Ausstellung nur ein Bild von Souleimane Barry fotografiert. Trotz des auch von ihm praktizierten Materialmix, der mir sehr gut gefällt, habe ich keinen Zugang zu seinen Bildern gefunden. Auch der Effekt der Begeisterung auf den zweiten Blick, den ich bei Atsoupé erlebt habe, ist hier nicht eingetreten.

Interessant fand ich den Hinweis darauf, dass der Künstler gerne angesichts seiner Bilder mit den Betrachter*innen spricht und immer wieder den Unterschied zwischen seiner eigenen Wahrnehmung von dargestellten kulturellen und religiösen Codes aus seiner Ursprungskultur und der Wahrnehmung des europäischen Publikums feststellt. Leider bot der Ausstellungskatalog dazu keine Beispiele an.

Als zwei der größten Künstler des 20. Jahrhunderts bezeichnet Barry Francis Bacon und Jean-Michel Basquiat. Zu letzterem gibt es in Wien gerade eine Ausstellung, die ich noch immer nicht gesehen, mir aber vorgenommen habe.

Die Texte, die man in Ausstellungen findet, sind nicht nur in durchaus unterschiedlichem Stil geschrieben, sie sind auch sehr unterschiedlich präzise in ihren Aussagen. Ich rätsele zum Beispiel, ob der letzte Satz dieser Beschreibung meint, dass Barrys Inspirationsquelle Bilder sind, die Menschen darstellen oder ob das irgendwie anders gemeint ist…

Einige Basics:
Burkina Faso, übersetzt Land des aufrichtigen Menschen, ist ein westafrikanischer Binnenstaat, Seine Unabhängigkeit erlangte das Land am 5. August 1960. Bis zum 4. August 1984 wurde der Name Republik Obervolta, den es in seiner Zeit als französische Kolonie erhielt, verwendet. Der panafrikanistisch-sozialistisch orientierte Präsident Thomas Sankara, der nach einer Phase politischer Instabilität 1983 durch einen Staatsstreich die Macht erlangt hatte, ließ das Land umbenennen.

Administrative und kulturelle Hauptstadt des rund 20,1 Millionen Einwohner zählenden Landes ist die zentral gelegene Millionenstadt Ouagadougou. Etwa die Hälfte der Burkiner zählt zur politisch dominierenden Ethnie der Mossi.

In Burkina Faso werden etwa 60 einheimische Sprachen gesprochen. Der Islam ist neben den traditionellen Glaubensvorstellungen die meist praktizierte Religion. Burkina Faso gehört seit langem zu den ärmsten Ländern der Welt, zeichnete sich aber nach der Revolution über längere Zeit durch eine gewisse Stabilität und das friedliche Miteinander der in der Bevölkerung vertretenen Ethnien aus. Regelmäßig wiederkehrende Dürreperioden sorgen oft für große Not der hauptsächlich als Bauern lebenden Bevölkerung.

Nach einem Putsch gegen die amtierende Regierung unter dem gewählten Präsidenten Roch Marc Kaboré am 24. Januar 2022 übernahm das Militär die Macht in Burkina Faso. Am 30. September 2022 kam es zu einem weiteren Putsch von rivalisierenden Militärs, die mit Russland sympathisieren. Teile des Landes stehen unter Kontrolle von Dschihadisten, die den Terrororganisationen Islamischer Staat oder al-Qaida angehören.

74. Station meiner Literatur- und Kunstweltreise – Togo

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Ich lasse den Katalog und die Beschreibungen in der Ausstellung sprechen:

„Diese Mischung aus Offenheit und dumpfer Gewalt zieht sich durch das Werk der Künstlerin. Sie verleiht der Leinwandoberfläche, dem Untergrund, den Charakter einer Haut, die die Spuren der Vergangenheit trägt.

Während viele Köpfe wie wild durchlöchert oder von Rissen gezeichnet sind, wie Narben, (…) vertritt die Malerin zugleich eine Kunst der Widerstandsfähigkeit. Geduldig repariert und flickt sie ihre älteren Arbeiten (…) auf Grundlagen ihrer eigenen Malerei. Diese Art der Wiederaneignung von Verletzungen durch eine regelrechte ästhetische Umwandlungsarbeit steht im Zentrum von Atsoupés künstlerischem Ansatz“ Ausstellungskatlog „The New African Portraiture“ S64

Auch bei dieser Künstlerin sieht man den ungewöhnlichen Materialmix. Hier sind es Rasta-Zöpfchen, Spitzen und Gehäkeltes. Auf den ersten Blick hat mir dieses Bild nicht gefallen, aber tatsächlich entfaltet es seine Wirkung, wenn man es länger ansieht.

ZUR ERINNERUNG:
Seit dem 16. Jahrhundert war die togolesische Küste ein Teil der sogenannten „Sklavenküste“. 1884 wurde Togo zur Kolonie Deutschlands. 1914, zu Beginn des ersten Weltkriegs wurde das Gebiet von Großbritannien und Frankreich besetzt. 1957 schloss sich Britisch-Togoland an das nun unabhängige Ghana an. Der französische Teil erhielt 1955 von Frankreich Autonomie und schließlich 1960 die Unabhängigkeit.

General Gnassingbé Eyadéma, 1967 als Militärchef in Togo an die Macht gekommen, war Afrikas am längsten regierender Staatschef. Hinter der Fassade von freien Mehrparteien-Wahlen, die zu Beginn der 1990er Jahre eingerichtet wurden, blieb die Regierung stets unter starker Kontrolle General Eyadémas. Seine Partei Rassemblement du peuple togolais (RPT) hat ihre Macht seit 1967 fast durchgehend halten können.

Ihm folgte 2005 sein Sohn Faure Gnassingbé. Trotz massiver Proteste des togolesischen Volks und der internationalen Gemeinschaft wurde Faure Gnassingbé 2020 wiedergewählt.

Christopher Myers Bildteppiche

Nachdem ich eine Menge Bilder von Künstlern ganz unterschiedlicher Stilrichtungen aus verschiedenen Ländern gesehen hatte und eigentlich gar nicht mehr viel aufnehmen konnte, sah ich mir noch die Bildteppiche von Christopher Myers an.

Christopher Myers, 1974 in New York geboren, ist ein transdisziplinärer Künstler, der sich mit Schreiben, textilen Arbeiten, Performance, Glasmalerei, Film und der Herstellung von skulpturalen Objekten befasst.

Für seine textilen Kunstwerke, von denen ich hier zwei fotografiert habe, setzt er eine Technik ein, die oft beim Quilten und Nähen von Bannern benützt wird: die Applikationsstickerei.

„Jeder Bildteppich schafft einen symbolischen Raum, in dem sich hybridisierte Narrative entfalten können“ Katalog von „The New African Portraits – Shariot Collections . Seite 114

Auch hier die Verwendung von Stoffen, wie sie auch bei den ghanesischen Malern zu finden ist. Solche Kunstwerke zusammengesetzt aus Materialien, die zum Angreifen einladen, finde ich sehr verführerisch. Zwar waren keine Alarmanlagen zu sehen, aber ich wollte doch nicht gerne von schrillen Sirenen mit einer Hand oder gar mit beiden auf einem Kunstwerk erwischt werden. Es ist ja nichts Neues, dass Museumskuratoren kein Herz für haptisch veranlagte Kunstliebhaber:innen haben.

Detail

73. Station meiner Literatur- und Kunstweltreise: Ghana 2

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Vor ein paar Tagen habe ich eine sehr interessante Ausstellung afrikanischer Maler aus mehreren Ländern gesehen. Etliche von ihnen sind aus Ghana, auch Amoako Boafo, von dem das Bild stammt, das auf dem Ausstellungskatalog zu sehen ist. Ich kann nicht sagen, ob das ein Zufall ist, ob es in Ghana besonders viele international bekannte Maler*innen gibt oder ob vielleicht der Kurator/die Kuratorin der Ausstellung dorthin besonders gute Beziehungen hat.

Ich habe mir jedenfalls vier Maler*innen aus Ghana ausgesucht.

Amoako Boafo geboren 1984 in Accra (Ghana). Lebt derzeit in Wien. Wird mit seinen charakteristischen Portraits gerade bekannt und hat einen interessanten Wikipedia-Eintrag.

James Mishio, geboren 1997 in Ghana, ein mixed-media Künstler, dessen ganz neue Portraits (2022) mir besonders gut gefallen haben

Afia Prempeh, geboren 1986 in Kumasi (Ghana). In ihren Bildern finde ich die Details aus dem Alltag ihrer Portraitierten besonders interessant

Cornelius Annor, geboren 1990 in Mamobi (Ghana) beschäftigt sich mit der Darstellung von Alltagsszenen aus Ghana. Seine Werke entstehen ebenso wie jene anderer Künstler*innen aus verschiedenen afrikanischen Länder in Mischtechnik.

Was mich an allen vier Künstler*innen richtiggehend inspiriert hat, ist der Materialmix mit dem sie arbeiten. Die Stoffe der Bekleidung etwa sind durchwegs nicht gemalt sondern aufgeklebt. Bei Cornelius Annor zB ist nicht nur die Bekleidung sondern sind auch die Wände bzw sonstige Hintergründe aus aufgeklebten Stoffen. Nicht irgendwelchen sondern eindeutig afrikanischen Stoffen.

Zu der Bedeutung der Portraitmalerei in Afrika,in Amerika, in Europa ließe sich viel sage, aber es geht hier ja nicht um Kunstkritik, es geht mir nur um Eindrücke.

Mittwoch 7. Dezember 2022 – Kunst und Gewalt

Meine Begeisterung fürs Zugfahren ist heute etwas gedämpft worden. Vorige Woche als ich aus Linz zurückkam, war der Zug voll und viele Leute sind gestanden. Heute war es schlimmer, denn ich war selbst unter denjenigen, die gestanden sind, eine gute halbe Stunde. Das Ambiente im Zug war eigentlich sehr nett, aber trotzdem…

Die Ausstellung, die ich mir in Krems angesehen habe, war sehr interessant und entschädigend für die unbequeme Art der Hin- und Rückfahrt. Heute kann ich mir die vollen Züge durch den morgigen Feiertag erklären. Es waren viele Schüler*innen mit Koffern unterwegs, die wahrscheinlich über ein verlängertes Wochenende nachhause fahren.

Eine Menge Bilder habe ich gesehen, viele Einflüsse erkannt, viele Besonderheiten kennengelernt. Ich muss meine Eindrücke ein bisschen sortieren und in Zusammenhänge bringen. Vielleicht muss ich mir auch erst vorher noch die Pasquiat-Ausstellung ansehen, die in den Themenkreis hineinpasst. Zwar zieht mich Pasquiat nicht besonders an, aber ich möchte trotzdem Original-Bilder von ihm sehen.

Der Aufenthalt auf zugigen, eiskalten Bahnsteigen in Erwartung überfüllter Züge wird nicht zu einer Lieblingsbeschäftigung werden, aber auch dort gibt es immer wieder Sehenswertes. Eine gut gemachte Kampagne finde ich, die darauf setzt, dass Männer andere Männer davon abhalten könnten gewalttätig zu werden. In Österreich haben wir ja traurige Rekorde an Frauenmorden und -vergewaltigungen.

Kunst und Psychiatrie

Kürzlich war ich in der Albertina um mir die Skulpturen von Tony Cragg anzusehen ( hier und hier ) und habe bei dieser Gelegenheit auch noch eine andere Ausstellung durchwandert. Dort gab es Art Brut aus Gugging zu sehen.

Das Haus der Künstler in Gugging ist eine vollbetreute Wohneinrichtung für Kunstschaffende mit Psychiatriehintergrund oder Behinderung. In der Wohneinrichtung wird die Basis für die künstlerische Tätigkeit der Bewohner geschaffen. Im Haus der Künstler und besonders im offenen Atelier werden Kunstschaffende individuell im schöpferischen Prozess unterstützt und gefördert. Das museum gugging und die galerie gugging bieten die Infrastruktur für einen den Kunstschaffenden und deren Werken entsprechenden professionellen Ausstellungsbetrieb.
Das Jahr 1954 markierte den Beginn der Entstehung von Bildwerken in der damaligen psychiatrischen Klinik Heil- und Pflegeanstalt Gugging: Der Psychiater Leo Navratil führte mit seinen Patienten spezielle Zeichentests zu diagnostischen Zwecken durch. Angeregt dazu wurde er durch die Auseinandersetzung mit der Methode „Personality projection in the drawing of a human figure: A method of personality investigation“ der amerikanischen Psychologin Karen Machover aus dem Jahr 1949. Navratil wurde überrascht von der Kreativität und dem künstlerischen Potenzial einzelner seiner Patienten.

Nachdem Navratil im Rahmen seiner Korrespondenz mit Jean Dubuffet, unter anderem der Begründer des Terminus „Art Brut“, zwei Radierungen von Johann Hauser an Dubuffet geschickt hatte, erwuchs Dubuffets Interesse an den Kunstschaffenden in der Anstalt in Gugging. In weiterer Folge kam es zur Zuteilung der Werke aus Gugging und der Kategorisierung zur Art brut durch Dubuffet selbst. Werke aus Gugging wurden ab diesem Zeitpunkt verstärkt innerhalb dieser Zuschreibung rezipiert, die im wissenschaftlichen Diskurs fortlaufend kritisch diskutiert wird.

Die erste Ausstellung von Kunst aus Gugging: „Pareidolien“

Im Jahr 1970 fand die erste Ausstellung von Kunstwerken aus Gugging statt. Schauplatz war die Galerie nächst St. Stephan im Stadtzentrum Wiens. Der Titel der Ausstellung lautete: „Pareidolien. Druckgraphik aus dem Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Klosterneuburg.“ Gezeigt wurden 84 teilweise kolorierte Radierungen. Die Ausstellung war ein öffentlicher Erfolg. Das Interesse der Medien sowie der Besucherandrang waren hoch. 500 Blätter der gezeigten Graphiken wurden verkauft. Unter anderem erfolgte ein Ankauf von Werken aus Gugging durch die Albertina Wien.

Quelle: Zusammenfassung aus Wikipedia

Alois Marksteiner (1928 – 2000 war der Klinikdirektor, der die künstlerischen Entwicklungen ermöglichte. Er hatte seit seinem Studienabschluss 1954 in Gugging gearbeitet.

Jean Dubuffet, unter anderem Begründer des Terminus Art brut kategorisierte selbst die Werke aus Gugging unter Art Brut nachdem er Radierungen von Johann Hauser gesehen hatte. Werke aus Gugging wurden ab diesem Zeitpunkt verstärkt innerhalb dieser Zuschreibung rezipiert, die im wissenschaftlichen Diskurs fortlaufend kritisch diskutiert wird.

Quelle: Wikipedia

Tony Cragg

heißt der Künstler, der gerade – unter anderen – in der Albertina ausgestellt wird. Schon lange wollte ich mir die Ausstellung ansehen, heute war es soweit. Neben Skulpturen aus Holz, Glas, und Metall waren auch Bleistiftzeichnungen des Künstlers zu sehen, den ich einmal zu Wort kommen lasse:

Diese Ausstellung findet in dem für mich schönsten Ausstellungsbereich der Albertina statt: nicht zu groß, nicht zu klein, jeder Raum eine eigene Persönlichkeit, Gewölbebögen. Es muss eine Freude sein, Kunstwerke in solchen Räumen aufzustellen.

Ein höchst charmanter junger Security-Mann machte allen Besuchern die Tür auf und erläuterte jedem einzeln, dass man ganz nach Belieben fotografieren könne, die Skulpturen aber auf keinen Fall berühren dürfe. Nun muss ich Metall- oder Glasobjekte nicht unbedingt begrapschen, aber an Holzskulpturen komme ich nicht vorbei ohne wenigstens einmal mit dem Finger darüber zu streichen.

Sonntag 17.Juli 2022 – Kommt sie bald ?

Es tut mir ausgesprochen leid, weil ich gerade so viele Ideen habe, aber wenig Zeit zum Schreiben, was sich nächste Woche möglicherweise wieder ändern wird. Wir warten schon gebannt auf die angekündigte Hitzewelle, von der momentan noch nichts zu bemerken ist. Auf der gestrigen Geburtstagsfeier im Garten haben sich die allermeisten nach Sonnenuntergang in Tücher und Westen drapiert. Ich nicht, ich bin so froh, wenn mir im Sommer gelegentlich nicht heiß ist, dass ich dieses Gefühl auskosten möchte. Klingt leicht verrückt. Und? Ich bin schließlich in der glücklichen Lage tun und lassen zu können, was ich will.

Ai WeiWeis Tore aus Syrien. Es ist eine endlos diskutierbare Frage, ob es ethisch vertretbar ist, ästhetische Aspekte von Krieg, Gewalt und Grauen zu sehen. Dies natürlich ohnehin nur wenn man daran nicht aktiv beteiligt ist. Tore zu zerschießen um interessante Strukturen aus rostigem Metall zu bewundern ist eher krank als künstlerisch.
Ansonsten führt die Erwähnung von Syrien gedanklich gleich wieder in die Ukraine. Der sich als Zar denkende ist schließlich an beiden Tragödien heftig beteiligt.

Besuch bei Ai Weiwei

Es ist eine gut gemachte Ausstellung, die verschiedene Seiten dieses vielfältigen Künstlers zeigt. Ich beschränke mich auf drei Projekte, denen Ai WeiWei viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet hat. Es werden in nächster Zeit noch Bilder von anderen Installationen hier auftauchen. Ich mag aber keinen langen Bericht schreiben, ich bin ja keine Kunstkritikerin.

Projekt Nummer 1 gefiel mir sehr, ganz im Gegensatz zu Nummer 2, das ich nur destruktiv finde. Nummer 3 wiederum zeigt auch die verspielte Seite eines sehr begabten Menschen.

Nummer 1 ist ein Projekt, dem Ai WeiWei viel Zeit gewidmet hat. Er hat in Bauernhöfen und alten Häusern Möbelstücke gesammelt, die er mit Unterstützung von Handwerkern, die mit traditionellen Techniken arbeiteten zu Skulpturen zusammengesetzt hat. Gemeinsam haben diese Installationen, dass sie ihre ursprüngliche Funktion verloren haben … Ich fand diese zur Sinnlosigkeit umfunktionierten Möbelstücke mit ihren wunderschönen Holzflächen und Schnitzarbeiten sehr ansprechend.

Nummer 2 ist in meinen Augen eine rein zerstörerische Aktion, die mich schockiert hat. Vor allem von jemandem wie Ai WeiWei, der als Kind unter der Kulturrevolution gelitten hat, da sein Vater, Ai Quing, ein bekannter Dichter und Maler war, der beim Regime in Ungnade fiel. In meinen Augen findet hier nur Zerstörung statt, in der ich keinerlei künstlerischen Ansatz sehen kann.

Zunächst die Verschandelung einer klassischen Vase und dann das Beklecksen in Gold eines steinzeitlichen Gefäßes.

Der Gipfel dieses Projekts war es, steinzeitliche Keramik zu verbrennen und die Asche in dafür angefertigten Gefäßen in einer Art Urnenwand auszustellen. Ich könnte 2000 Wörter Empörung darüber schreiben, was aber die Jahrtausende alten Kunstwerke nicht zurückbringt, es befreit sie noch nicht einmal von dem Schriftzug dieses Zuckerwasser-Gesöffs.

Das dritte Projekt hat mir wiederum gefallen: ich sage nur LEGO. Einfache Bilder bis zu überaus komplizierten mit Legosteinen erzeugt. Man beachte den Panda in der oberen Ecke. Der Panda ist auch ein Symbol der chinesischen Geheimpolizei.

Unterwegs zu verschiedenen Kunst-Ansätzen

Je eine Ausstellung dieser beiden gab es im selben Museum zu sehen. Viel haben sie nicht gemeinsam, der chinesische Menschenrechtsaktivist aus dem 21. Jahrhundert und der Wiener Jugendstilkünstler vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Engagiert und provokant der eine, dekorativ der andere.

Ich beschloss zunächst einmal Klimt zu besuchen, wo es wohl keine großen Überraschungen geben würde und schon gar keine Irritationen. Einmal winken und genießen.

Bei Ai WeiWei gab es aber beides, Überraschungen und Irritationen. Dazu beim nächsten Mal.