Schlagwort: Kunst –

Seit gefühlt ewigen Zeiten

habe ich keine live-Musik mehr gehört und fast vergessen, wie groß der Unterschied ist, echte Menschen statt irgendwelche Trägermedien zu erleben. Es ist wie bei den Bildern. Natürlich kann man sich Bilder auf Fotos ansehen, aber es ist doch überhaupt kein Vergleich mit einer persönlichen Begegnung.

Sie waren beide sehr gut, der Gitarrist gar hervorragend. Eine unerwartete und höchst erfreuliche Zugabe zu einer Ausstellung, die von einem Ärzte-Kunstverein alljährlich abgehalten wird. Einer der Musiker ist Untermieter eines der Mitglieder des Vereins und so kamen wir zu dem Konzert. Von den Bildern und Skulpturen hat mir kaum etwas gefallen. Ich war aber zufrieden, weil ich immer wusste, warum mir etwas nicht gefiel. Und das war nicht immer so.

Auch wenn er mir nicht gefällt, respektiere ich doch jeden eigenen Stil, aber muss Van Gogh oder Dali als Inspiration herhalten, wenn man so gar nicht an sie herankommt ?

Der Zeit ihre Kunst …

Neben dem Portrait des deutschen Diktators und in gebührendem Abstand hing ein kleines ungerahmtes Ölgemälde, das einen Strand mit Uferböschung und Felsen im Abendlicht zeigte. Es war sehr ordentlich gemalt, besaß aber die Beliebigkeit von Bildern, die einem längst vergangenen Kunstgeschmack nacheifern und selbst in der gewinnendsten Ausführung unstimmig bleiben.

Ulrich Tukur „der Ursprung der Welt“ p.206

Bei der Formulierung dieses Gedankens, den ich an sich durchaus nachvollziehen kann, sind mir die Begriffe „Beliebigkeit“ und „unstimmig“ aufgefallen. Dass man ein realistisches Landschaftsbild schon seit längerer Zeit nicht mehr besonders schätzt, verstehe ich, aber dass es dadurch „beliebig“ wird, finde ich erstaunlich. Gemeint ist wahrscheinlich „beliebig“ im Sinn von „austauschbar“. Der persönliche Stil des Künstlers/der Künstlerin wäre also nicht mehr zu erkennen oder unbedeutend.

Ebenso geht es mir mit „unstimmig“. Es ist wohl hier als Synonym für „unpassend“ zu verstehen. In diesem speziellen Fall leuchtet mir das überhaupt nicht ein, denn im beschriebenen Raum hängt auch ein Hitler-Portrait. Über dessen Kunstgeschmack weiß man ja immerhin, dass er selbst auch Landschaften gemalt hat, die unglücklicherweise dem Akademie-Geschmack nicht entsprachen. Unglücklicherweise, weil besagter Diktator wäre er Künstler geworden, seine massenmörderischen Ideen vielleicht nicht in die Tat umgesetzt hätte. Dies nur nebenbei. „Unstimmig“ ist auch ein in höchstem Maß subjektiver Zustand. Betrachter*in A findet es scheußlich, dass zwischen den abstrakten Bildern eine Landschaft mit röhrendem Hirsch hängt, Betrachter*in B sieht darin eine faszinierende Mischung.

Mit ist diese Textstelle aufgefallen, weil es sich um ein Thema handelt, mit dem ich konfrontiert bin. Komme ich in unser Atelier sehe ich da die Portraits von Malfreund D. Technisch werden sie immer besser, ich kann damit aber trotzdem wenig anfangen. Sein Bestreben ist das, was Tukur „einem längst vergangenen Kunstgeschmack nacheifern“ nennt. Es geht ihm um die möglichst ähnliche Darstellung seiner Modelle. Ausdruck, der über die rein äußerliche Ähnlichkeit hinausgeht, ist ihm nicht wichtig.

Butscha und Andau

Über die grauenhaften Bilder und Berichte aus Butscha, einem Vorort von Kiew muss ich nichts sagen, es fehlen einem ohnehin die Worte.
Dies ist eine der Figuren auf dem Weg zu der Brücke von Andau, über die 1956 im letztmöglichen Moment noch viele Flüchtlinge aus Ungarn ins österreichische Burgenland kamen.
Vergleicht man die beiden Ereignisse, so hatten die Menschen bei der Invasion Ungarns durch die Sowjetunion 1956 insgesamt mehr „Glück“ als die Menschen in der Ukraine 2022 bei der Invasion ihres Landes durch die Russische Föderation.

Modiglianis Hälse

Nachdem ich – wie bereits HIER erwähnt- den Begriff „Primitivismus“ furchtbar finde, fällt bei mir Modigliani unter „Avantgarde“. Eine Bezeichnung, die ich im Zusammenhang mit seinem Werk auch sehr oft gelesen habe. Gemeint ist die künstlerische Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts, deren allgemein bekanntester Vertreter wahrscheinlich Picasso ist.

Die Ausstellung in der Albertina in Wien bietet abgesehen von zahlreichen Werken von Modigliani auch Werke anderer Künstler darunter eben auch Picasso. Schließlich hat Picasso so viel gemalt, dass sich einige Bilder vom ihm in praktisch jedem Museum, das europäische Malerei ausstellt finden lassen.

Ich will hier keine Ausstellungskritik schreiben sondern nur die Punkte erwähnen, die mich besonders angesprochen haben.

Modigliani war auch Bildhauer und hat kleine Plastiken mit extrem reduzierten Gesichtszügen geschaffen. Karyatiden hatten es ihm angetan, von denen er auch viele gezeichnet hat und afrikanische Kleinplastiken und Masken

Eine Plastik, die bei ich weiß nicht mehr welchem afrikanischen Volk vor der Hütte aufgestellt wurde, in der die jungen Männer initiiert wurden. Sie wurden unter Drogen gesetzt und dann den Ahnen vorgestellt. Die Plastiken dienten dazu, bei dieser Gelegenheit die Frauen fern zu halten. Ob das durchgehend gelungen ist, weiß ich nicht, aber irgendwie zweifle ich daran.

Und das ist einer von Modiglianis typischen Köpfen, die auch in seinen Bildern unverkennbar sind, mit langen Hälsen und extrem in die Länge gezogenen Gesichtern und Nasen. Die Kunstkritik sagt, dass durch in die Länge gezogene Figuren und Gesichter ein Eindruck von Spititualität erzeugt wird.

Am oben stehenden Bild und auch am unteren Portrait von Max Jacob sieht man eines von Modiglianis Stilmitteln, das mich fasziniert hat: der Katalog spricht von „totem Blick“. Man sieht keine Augäpfel sondern nur leere Augenhöhlen, die farblich ausgefüllt sind, aber in den verschiedenen Gesichtern ganz andere Wirkungen erzielen.

Man sieht hier auch das strahlende Inkarnat, das Modigliani verwendet. Die Hautfarbe ist keineswegs bei allen Portraits gleich, aber sie leuchtet, auch bei den Aktbildern. Bemerkenswert finde ich auch die wenigen Striche, mit denen er seine Gesichter darstellt, eine Spur von Kubismus haben sie meiner Meinung nach.

Ein weiterer Punkt, der mich fasziniert hat, ist die auch farbliche Beziehung zwischen Hintergrund und Figur. Eines der ersten Bilder, die mir in der Ausstellung aufgefallen sind, ist das folgende. Es sah für mich aus als wäre das Gesicht nur durch ein paar wenige Striche entstanden, die es aus dem Hintergrund herausheben. Die Idee, dass die Substanz des Hintergrunds und jene der Figur sich nicht unterscheiden, hat mich fasziniert. Auch die paar schwarzen Striche im Hintergrund, die das Gesicht halten, waren mir vertraut.

Amadeo Modigliani ist sehr jung, mit gerade 35 Jahren gestorben. Wir werden nicht erfahren, wie sich seine Kunst weiter entwickelt hätte ….

„Primitivismus“ und XIER! und Fortsetzung folgt

Derzeit sind die Museen offen, wer weiß wann sie wieder zusperren müssen und so habe ich mir heute endlich die schon lange geplante Modigliani-Austellung angesehen. Es gibt derzeit in der Albertina noch fünf andere Austellungen, das Kunsthistorische Museum ist auch nicht weit und dort haben sie gerade eine große Tizian-Ausstellung und, und … man könnte in Wien jeden Tag in eine andere Ausstellung gehen, oder in mehrere.

Ich konzentriere mich aber lieber auf einen Künstler bzw auf eine Richtung, denn bei den Ausstellungskurator*innen ist es ohnehin schon seit Jahren üblich zu den Werken eines Künstlers, einer Künstlerin auch andere Werke aus derselben Epoche, derselben Strömung zu zeigen. So auch in dieser Ausstellung. Abgesehen von Zeichnungen, Skizzen, Bildern und Skulpturen von Modigliani gab es auch Werke von Picasso und Brancusi zu sehen sowie afrikanische Masken und kleine Skulpturen aus verschiedenen Ländern. Die Ausstellung hieß „Modigliani, Revolution des Primitivismus“

Was mich immer irritiert, ist der Ausdruck „Primitivismus“. Wenn man bedenkt wie groß der Einfluss afrikanischer und asiatischer Kunst auf die europäische Moderne war. Gut, man kann „primitiv“ auch als „ursprünglich“ interpretieren und behaupten, es wäre gar nicht abwertend. Wenn man aber bedenkt, dass alle menschlichen Völker und Kulturen aus demselben Ursprung hervor gegangen und somit gleich alt sind, leuchtet mir auch nicht ein, warum die einen „ursprünglicher“ sein sollen als die anderen. Sie haben unterschiedliche Entwicklungen genommen, das wohl.

Wirklich heftig fand ich aber den Text, der neben einer Reihe kleiner Skulpturen aus Südostasien zu finden war. Dort wurde deren Kunstfertigkeit gelobt, die schon „vor jeder Berührung mit der Zivilisation“ vorhanden war. Zivilisation so muss man wohl daraus schließen, ist ein europäisches Phänomen. Anderorts spricht man von primitiver Kunst und/oder Gesellschaft.

Das ist ein Gebiet, in dem es wirklich angebracht wäre, das verwendete Vokabular zu überdenken. Anstatt sich abstruse „geschlechtsneutrale“ Personalpronomen auszudenken wie etwa diese:

Eine Zusammenziehung von „sie“ und „er“: sier (sies/siem/sien), Possessivpronomen sieni(r/s), und Artikel/Relativpronomen dier (dies/diem/dien)

Dritte Version: Xier! Als Personalpronomen wären das dann: xier (xies, xiem, xien), Possessivpronomen „xiese_“, als Relativpronomen bleibt „dier“ bestehen.

Die Sylvain-Konvention, ausgehend von einer Experimentierwerkstatt kam 2008 auf „nin“.

Personal wären das dann nin (nims_, nim, nin). Bonus bei der Sylvain-Konvention: Das „neutrale“ Gender bekommt als Bezeichnung „liminal“, um es vom Neutrum abzugrenzen, und es gibt eine neue liminale Wortendung für bestehende Worte. „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“

Würde irgendjemand hier „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“ sagen? Ich jedenfalls nicht. Aber ich schweife ab.

Das ist nun schon ziemlich lang geworden. Was mir nun an der Ausstellung gefallen hat, folgt im nächsten Beitrag (Xiese Beitragx?)

22.November 2021- 1.Tag vierter Lockdown

Ich möchte hier auf keinen Fall eine Jammerplattform eröffnen. Ich bin sehr froh, im Oktober eine Woche am Atlantik gewesen zu sein und vorige Woche ein paar Tage in der Therme. Dabei habe ich viel Energie , Jod und Salzluft getankt und hoffe mit den geplanten drei Wochen lockdown gut zurecht zu kommen. Das ist zumindest der Plan.

Es hat heute zwar schlecht angefangen, denn meine hochgeschätzte Putzfrau traut sich nicht aus dem Haus, weil sie sich vor Polizeikontrollen fürchtet. Das ist recht absurd, denn sie kann immer sagen, dass sie spazieren geht oder einkaufen, aber ja, ich verstehe das. Sie ist Bosnierin, hat einen Krieg miterlebt und kann die hiesigen Verhältnisse nicht wirklich abschätzen. Sie meinte aus ihrer Erfahrung heraus, dass die ersten Tage die schlimmsten sein würden und sie könnte am Freitag kommen. Wäre mir sehr recht, hoffentlich tut sie das wirklich. Der F hat jedenfalls in negativer Voraussicht heute Früh schon einmal das Bügelbrett eröffnet.

Sehr leid tut es mir um die Modigliani-Ausstellung, die ich mir diese Woche ansehen wollte. Es gibt sie noch bis Jänner und mit etwas Glück dauert der lockdown tatsächlich nur drei Wochen. Auch andere Ausstellungen und Aufführungen sind abgesagt, werden aber vielleicht in absehbarer Zeit nachgeholt. Erfreulicherweise gibt es derzeit viel Bewegung bei den Impfungen, die Rate steigt und hoffentlich sinken die Zahlen durch den lockdown. Die Impfungen, die jetzt stattfinden können ja frühestens in zwei Wochen zum Tragen kommen.

Meine Begegnung des Tages ist die Assistentin „meiner“ Goldschmiedin, die ihre Werkstatt in Linz hat und fertige Stücke persönlich überbringt. Eine sehr nette junge Frau, die vor kurzem das Architekturstudium beendet hat aber hobbiemäßig bei der Goldschmiedin mitarbeitet. Die beiden haben ein für Architekten konzipiertes Zeichenprogramm zum designen von Schmuckstücken adaptiert. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt. Mein letzter Erwerb sind Ringe, die von Baumrinde abgedruckt wurden, die dazugehörigen Ohrringe bekomme ich heute geliefert. Ich finde sie wunderschön und stelle somit den Tag unter das positive Zeichen der Schönheit.

Aus einem Koala-Projekt

Die Malereien sind dem traditionellen Stil der australischen Aborigines nachempfunden. Die Kultur der Aborigines ist wirklich uralt, schließlich gehörten sie zu den ersten Völkern des homo sapiens, die aus dem heimatlichen Afrika auswanderten, nach Australien kamen und dann sehr lange von anderen Menschengruppen isoliert blieben.

Der Koalamann träumt den Menschen

Besteck.Kunst

Bei näherer Betrachtung sieht man, dass die einzelnen Teile nicht beliebig herumliegen sondern sehr wohl komponiert sind. Es ist auch eine große Vielfalt an verschiedenen Materialien und Designs.

Zusatz: dank Benita hat sich auch der Name des Künstlers gefunden: Daniel Spoerri. Jahrgang 1930, Erfinder der Eat-Art.

Donnerstag 16.September – Ateliergeflüster

Langsam komme ich ins Malen wieder hinein. Bei weit offenen Toren und an die dreißig Grad habe ich heute einen richtig südlichen Maltag abgehalten. Morgen kommt der D aus Irland zurück. Er wird nicht gleich ins Atelier gestürzt kommen, aber nächste Woche sicher. Die A war auch ein erstes Mal da, samt Baby und Babysitter und nun hat sich die Babysitterin noch einen Hund zugelegt. Es wird eng werden in der Bude.

Dieses Bild ist natürlich noch nicht fertig, es hat erst gefühlte 35 Schichten und ist noch nicht ganz dort, wo es hin soll. Wobei ich gar nicht weiß, wo es eigentlich hin soll.

Es ist eines der alten Bilder, die ich übermale, was in diesem Fall sehr schwierig ist, weil ich keine Ahnung mehr habe, welche Farben ich da eigentlich verwendet habe. Ich denke das Grün war eine Schwarz-Gelb-Mischung, es gibt aber auch noch eine Menge anderer Möglichkeiten. Nun hat es jedenfalls einiges an Schwarz bekommen. Die dunklen Bilder werden mir immer lieber.