Schlagwort: Geschichte –

Energie aus der Höhe

Zuerst fuhren wir in den elften Stock eines Parkhauses und stellten dort das Auto ab. Dann ein Stück zufuß, Bus Nummer 1, Ein offener Lift um eine Steilwand hinaufzukommen, dann noch ein Bus und man ist beim oberen Stausee des Kraftwerks Kaprun. Es handelt sich um ein Wasserkraftwerk mit zwei gewaltigen Staumauern, eine davon auf über 2000 Metern

Die obere Staumauer
Blick auf die untere Staumauer und den dazugehörigen Stausee

Es ist eine gewaltige Anlage, die nicht nur aus zwei Stauseen besteht sondern auch aus zahlreichen unterirdischen Verbindungen, die durch die Berge gebaut wurden. Schon jetzt erzeugt es eine Menge Strom soll aber noch weiter ausgebaut werden.

Wir mussten da unbedingt hinauf, denn ich bin ja mit einem studierten Wasserbauingenieur unterwegs. Aber, ich muss schon sagen, ich bin sehr beeindruckt! Die Landschaft ist gewaltig, die Seen, die Berge, die Gletscher und diese Leistung der Ingenieurskunst. Ich kann ja sonst auf Berge durchaus verzichten, aber diesem Eindruck konnte ich mich nicht verschließen.

Wie es aber nun so ist in österreichischen Landen und sicher auch in deutschen, wo man hinkommt stolpert man über neuere Geschichte von der beschämenden Art.

Der Bau wurde mitten im 2. Weltkrieg, im Jahr 1940 begonnen. Nachdem die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter nach Ende des Krieges nicht mehr zur Verfügung standen, sprang der Marshallplan ein. Kann man das nun geschickt finden oder moralisch verwerflich ? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass das beeindruckende Werk fertig gebaut wurde und heute einen wichtigen Beitrag zur Energiegewinnung leistet.

Auf dem Gelände bei der oberen Staumauer steht auch noch ein seltsames Bauwerk „Heidnische Kirche“ genannt. Das Bauwerk ist eindrucksvoll, auf der Tafel fällt allerdings auf, dass die Toten erst ab 1947 gezählt werden, obwohl die Bauarbeiten 1940 begonnen wurden.

Heidnische Kirche

Ich halte nichts von Sippenhaft und es ist auch nicht so, dass es mir lieber wäre, wenn es dieses Kraftwerk nicht gäbe, ganz im Gegenteil, so wie die Zeiten sind. Trotzdem …

Ein Schritt neben dem Weg

Auf der Flucht vor den Touristenmassen am Graben und am Kohlmarkt gingen wir über den Hof zum Judenplatz. Dort steht das Mahnmal für die geschätzt 65.000 vom Nazi-Regime ermordeten österreichischen Juden. Hier war es nicht ganz leer, aber kein Vergleich…

Das Mahnmal ist ein Werk der britischen Künstlerin Rachel Whiteread und wurde im Jahr 2000 enthüllt. Es ist insofern bemerkenswert als sich unter dem Mahnmal die Ruinen einer 1420 niedergebrannten mittelalterlichen Synagoge befinden, die besichtigt werden können.

Rein optisch gefällt mir das Werk nicht besonders, aber die Symbolik finde ich doch eindrucksvoll: die Außenflächen des Baus sind nach außen gewendete Bibliothekswände. Die darin stehenden Bücher stellen zahlreiche Exemplare ein und desselben Buchs dar, die für die Opfer und ihre Lebensgeschichte stehen. Die Flügeltüren sind nicht nur geschlossen, sie haben auch keine Türklinken. Vorne auf dem Sockel gedenkt eine Inschrift der österreichischen Opfer der Shoah, auf den anderen drei Seiten sind die Namen der KZs eingraviert, in denen diese Menschen ermordet wurden.

Auf der anderen Seite des Platzes steht eine Lessing-Statue, die zum Mahnmal hinsieht. Das Lokal dahinter, das auf Fotos unweigerlich zu sehen ist heißt „Bierparadies“. Auch Kulinarik ist vertreten. In einer Nebengasse mit Blick auf den Platz haben wir sehr gute tapas gegessen. Leben, Tod, Literatur, Tragödie und Genuss vereint …

Awarische Goldschmiedekunst

Die Ausstellung über die nomadischen Reitervölker war zwar bestenfalls so so la la , aber ein paar schöne Stücke gab es doch zu sehen. Darunter Schmuckstücke von den Awaren, einem Volk das völlig verschwunden ist bzw sesshaft geworden und in der einheimischen Bevölkerung aufgegangen ist.

Nochmals Melk

Eine gute Erklärung für den Prunk, der in Melk und vielen anderen Klöstern betrieben wurde, ist die Monarchie. Die Monarchen und Monarchinnen wurden schließlich als von Gott eingesetzt betrachtet und so war auch außerhalb des sakralen Bereichs Prunk zu ihrer Ehre angesagt. Ein Satz von Maria Theresia wird in Melk gleich am Eingang der Austellungsräume prominent gezeigt, man kann nicht daran vorbeigehen.

Ein wunderbarer Treppenwitz der Geschichte ist, dass ihr ältester Sohn und Nachfolger, Josef II alle kontemplativen Klöster schließen ließ und auch allen anderen strenge Vorgaben machte. Im Gegensatz zu seiner konservativen Mutter war er ein aufgeklärter Herrscher, der viele Reformen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft und das Toleranzpatent für Protestanten und Juden einführte.

Stefanskrone, die zweite

Nun denn liebe Interessierte, hier ist sie nochmals die Stephanskrone mit etwas mehr Information.

Die Krone besteht aus zwei Teilen, von denen einer, die beiden sich überkreuzenden Bügel, nicht gesichert datiert werden kann. Die Spezialisten gehen davon aus, dass die beiden Teile der Krone um 1185 zusammengefügt wurden.Diese Krone hat somit nichts mit dem in Ungarn sehr verehrten König Stephan I (969-1038) zu tun. Dennoch wird sie im ungarischen Parlament als wichtigste Reichsinsignie aufbewahrt und geschätzt.

Das Original der Krone, das Papst Silvester II im Jahr 1000 dem zuvor zum Christentum übergetretenen König Stephan I von Ungarn zu dessen Krönung schenkte, ist um das Jahr 1047 irgendwo in Österreich verschollen. So ist es bei uns immer schon zugegangen.

Dafür warum das Kreuz auf der Krone seitwärts schief ist, habe ich drei mögliche Erklärungen gefunden. Die einfachste und am wenigsten phantasieanregende ist, dass es sich um eine Beschädigung handelt, zu dem Zeitpunkt als die Krone in Zeiten politischer Wirren über weite Strecken transportiert wurde.
Die zweite Theorie besagt, dass das Kreuz von den Habsburgern verbogen wurde, weil sie die „magischen Kräfte“ der Ungarn, die auf dieses Kreuz bzw diese Krone zurückgeführt wurden, brechen wollten. Das kommt mir ziemlich glaubwürdig vor, egal ob sie an diese magischen Kräfte selbst glaubten oder nur davon ausgingen, dass die Ungarn es taten.
Die dritte Theorie schließlich besagt, dass die Schieflage des Kreuzes eine Verneigung vor Gott darstellt. Das kommt mir auch nicht besonders wahrscheinlich vor, aber theologische Theorien sind ja nicht immer ohne weiteres nachvollziehbar.

Ich danke euch fürs Nachfragen, dadurch habe ich mich ein bisschen über ungarische Geschichte informiert.

Kinder des Krieges

Es geht nicht um die Ukraine. Es geht um den Zweiten Weltkrieg und Kinderschicksale aus dieser Zeit. Ich habe eine dreiteilige Artikelreihe zum Thema gelesen, von der Historikerin Maria Krell, die die Geschichte von Kriegskindern unter anderem anhand von Tagebucheintragungen und Aufsätzen von Kindern untersucht hat. Ich fasse die drei Artikel kurz zusammen. Der Inhalt ist schwer zu ertragen.

Es sind über 1200 Wörter geworden. Man verzeihe mir Rechtschreib- und Beistrichfehler sowie das schwache Layout. Ich habe kaum mehr darauf geachtet, weil mich der Inhalt ziemlich mitgenommen hat.


Der erste Teil der Artikelreihe trägt den Titel „Interniert, ausgehungert, ermordet“ und befasst sich mit Leben, Überleben und Tod von Kindern in Gettos und Konzentrationslagern, auch in belagerten Städten. Ich lasse die Autorin sprechen bzw die von ihr zitierten Tagebucheintragungen oder Aufsätze von Kindern.

Der damals 13-jährige Zanwel Krigman, der im Warschauer Ghetto lebte, schrieb 1942 in einem Aufsatz zum Thema „Wie es unserer Familie erging“ :

„Einmal wollte mir ein Gendarm den Proviant wegnehmen und fragte mich, was ich vorziehe: 30 Schläge oder das Geschmuggelte hergeben. Ich antwortete, die 30 Schläge – er ließ mich frei.“ Zanwel sorgte für seine Mutter, bis sie „im März 1942 vor Hunger“ starb. „Und dieser Hunger in Warschau, und der Übergang auf „die andere Seite“, immer diese Schüsse, die Junaken, die Deutschen, Angst gab es genug „ (1. Teil S 47)

Aus dem Getto Theresienstadt ist eine Zeichnung von einem Mädchen namens Ilona Wissowa erhalten. Sie malte auf, was wohl ihr sehnlichster Wunsch war. Im Bild hat sie sich zwischen allerlei Lebensmitteln platziert. Gabeln stecken in gebratenem Fisch, in Schwein und Huhn, es gibt Kuchen und Kakao. Hinter der 11-jährigen steht ein Schild mit der Beschriftung „Märchenland. Eintritt 1 Krone“ (1.Teil S47)

Verstörend ist auch der Bericht darüber, was die Kinder in den KZs spielten. Beim Spiel „Bestrafungsaktion“ etwa wollten die am Spiel teilnehmenden Kinder immer am liebsten der NS-Offizier sein.

„Schätzungen zufolge wurden etwa 232.000 Kinder und Jugendliche nach Auschwitz-Birkenau deportiert, etwas mehr als 23.500 wurden im Lager registriert. Als sowjetische Soldaten das Lager befreiten, fanden sie noch 700 Kinder und Jugendhäftlinge vor, 500 davon jünger als 15 Jahre“ (1. Teil S 48)

„Die Belagerung von Leningrad, dem heutigen St. Petersburg (…) gehört zu den furchtbarsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht. Von 1941 bis 1944 , 872 Tage lang belagerte das deutsche Heer die Stadt. Dabei kamen mehr als eine Million Menschen ums Leben. Wenige der 400.000 Kinder wurden rechtzeitig aus der Stadt evakuiert, ebenfalls nur wenigen gelang die Flucht aus der Belagerung. Die Notlage war derart immens, dass in den mehr als zwei Jahren eine Lebensmittelration 125 Gramm Brot am Tag pro Person betrug. (…)

Am 27.Januar 1944 endete die Blockade von Leningrad. Die elfjährige Tatjana Sawitschewa überlebte die Befreiung der Stadt nur wenige Monate, bevor sie an den Folgen des Hungers starb. Ihr kurzes Tagebuch gilt heute als Mahnmal für die Belagerung (…) Darin schrieb das Mädchen:

Schenja starb am 28 Dezember um 12 Uhr Vormittags, 1941. Oma starb am 25. Jänner, 3 Uhr Nachmittags, 1942. Ljoscha starb am 17. März um 5 Uhr morgens, 1942. Onkel Wasja starb am 13. April um 2 Uhr nach Mitternacht, 1942. Mutter am 13. Mai um 7:30 morgens, 1942. Die Sawitschews sind tot. Alle sind tot. Nur Tanja ist übrig geblieben“ (Erster Teil S 49)

Der zweite Artikel ist mit „Auf der Flucht“ überschrieben und legt wieder den Schwerpunkt auf das Schicksal von Kindern.

„Flucht bestimmte auch das Leben zahlreicher Menschen in der späten Kriegsphase. Seit Herbst 1944 versuchten sie, aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und der Neumark Brandenburg vor der heranrückenden russischen Armee in Richtung Westen zu entkommen. Darunter jede Menge Kinder, die sich im Winter bis ins Baltikum durchschlugen. „Wolfskinder“ nannte man sie, weil sie einige Zeit ohne menschliche Fürsorge blieben und sich von der Gesellschaft entfremdeten. Derartige Eindrücke traumatisierten eine ganze Generation, die während des Zweiten Weltkrieges Kinder und Jugendliche waren.“ (2. Teil S 77)

Das Trauma ließ die Kinder emotional erstarren. So schilderten Beobachter, dass Kinder, die nach Kriegsende zur Erholung an die Nordsee und in andere Gegenden verschickt wurden, an sich tot stellende Tiere erinnerten. Ihre Erfahrungen würden die Kleinen sachlich, emotionslos und knapp schildern. Ihre Gesichter blieben dabei unbewegt. Die Kalendernotizen einer 17-jährigen Berlinerin bestätigen die Nachkriegsberichte. Am 30. April 1945 notierte das Mädchen “ Die Russen sind da. Nachts Vergewaltigungen. Ich nicht, Mutti, ja“ ( 2. Teil S.78)

Waisenkinder mussten am Kriegsende oft komplett auf sich allein gestellt zurechtkommen. Sie flohen nach der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee auf eigene Faust in Richtung Litauen (…) von den Höfen verjagt, schliefen die Kinder mal in Schuppen und Ställen, mal im Unterholz. In den Wäldern ernährten sie sich von Baumrinden, Gras und Fröschen. Als sie schließlich 1946 barfuß Litauen erreichten, hatten sie bereits viele ihrer Altersgenossen sterben sehen.
Schätzungsweise irrten etwa 25.000 Kinder alleine durch die Sümpfe und Wälder Litauens und Ostpreußens.
Die „Vokietukai“ , die „kleinen Deutschen“hatten in den Wirren des Krieges nicht nur ihr Zuhause und ihre Familie, sondern ebenso ihre Identität verloren. (…) Die Wolfskinder durften kein Deutsch sprechen, Erinnerungsstücke wie Fotos oder Briefe wurden verbrannt, selbst die Namen der Kinder wurden geändert. (…) Alles auszulöschen, was zum früheren Leben der Kinder gehörte, geschah zu ihrem Schutz und zu dem ihrer Helfer. Litauen war 1945 Teil der Sowjetunion, die Aufnahme von Feinden, also auch deutschen Kindern, stand unter hoher Strafe. (2. Teil S 81)

Forscher schätzen die Zahl der Waisenkinder zu Kriegsende in Europa auf etwa 13 Millionen. Europa war nach dem Zweiten Weltkrieg eine Nomadenlandschaft (2. Teil S81)

Der dritte Teil der Artikelreihe behandelt unter dem Titel „Hitlers Kindersoldaten“ ein besonders finsteres Thema: die Indoktrinierung der Jugend und wie sie schließlich als Kanonenfutter missbraucht wurde.

„In den prägendsten Lebensjahren verinnerlichte eine ganze Generation nationalsozialistische Parolen und Werte wie Pflichterfüllung oder Gefolgstreue. Sie wuchs im Glauben an Adolf Hitler und die eigene „rassische Überlegenheit“ auf. Und zu einem übersteigerten Pflichtgefühl erzogen, trieb es etliche in den letzten Kriegsmonaten dazu, sich und andere zu opfern. (3. Teil S53)

Die 15-jährige Lieselotte schreibt am 8. November 1943 in ihr Tagebuch „Ist es nicht heilige Verpflichtung weiterzukämpfen, und sollte Deutschland ausgerottet werden, dann wären wir alle gleich tapfer gewesen (…) Und wenn wir alle untergehen sollten, es kommt kein 1918 mehr. Adolf Hitler, ich glaube an dich und den deutschen Sieg.“ (3. Teil S53)

„Mit zunehmender Kriegsdauer und Radikalisierung zeigte sich die volle Widersprüchlichkeit und skrupellose Brutalität des Regimes. Als die Niederlage längst absehbar war, opferte die NS-Führung ausgerechnet jene Menschen, die sie jahrelang als „Zukunft des Volkes“ beschwor. Im 1944 gebildeten Volkssturm wurden alle waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren für den „Endsieg“ eingezogen.

Hauptmann Otto Hafner erinnert sich später „Es waren Buben, blasse Kindergesichter, die Feldblusen viel zu groß. Ihre dünnen Finger verschwanden unter den langen Ärmeln, die schmalen Gesichter unter den viel zu großen Helmen (…) Ich war sehr betroffen. Sollte ich mit diesen Kindern die Russen angreifen. (3. Teil S.57)

„Von den 15 bis 17-jährigen deutschen Jungen der Jahrgänge 1927 bis 1929 sind fast 60.000 gestorben – sie wurden größtenteils 1944 und 1945 eingezogen. Unter allen Jahrgängen von 1920 bis 1929 waren es mehr als 1,5 Millionen (3. Teil S 57)

Auch Lieselottes Bruder wurde zum Volkssturm eingezogen. Sein wahrscheinlicher Tod bringt die lange begeisterte Nationalsozialistin zu der Einsicht “ So viele, viele Soldaten haben sich gedrückt und sind gekniffen, dazu war Bertel aber viel zu begeistert. Für wen denn? Für Hitler? Für Deutschland? Arme verhetzte Jugend? (3. Teil S 57)

Quelle: Spektrum Geschichte. Maria Krell
6/2021 „interniert, ausgehungert, ermordet“
1/2022 „Auf der Flucht“
2/2022 „Hitlers Kindersoldaten“



Paleodiät beruht auf falschen Vermutungen

Die sogenannte Paleodiät beruht auf der Vorstellung, dass es gesund sein soll, die gleichen Nahrungsmittel zu essen wie die Menschen in der Steinzeit. Lange Zeit herrschte in der Wissenschaft die Meinung vor, dass Menschen in der Steinzeit, vor der Sesshaftwerdung und dem Beginn der Landwirtschaft, keine stärkehältigen Lebensmittel und vor allem kein Getreide aßen und verarbeiteten und sich hauptsächlich von Fleisch ernährten.

Nun haben neuere Forschungen ergeben, dass Menschen schon lange vor Beginn des Ackerbaus neben Getreide, Brei und Bier auch andere stärkehältige Pflanzen konsumierten und sich damit für moderne Begriffe durchaus ausgewogen ernährten. Gemahlenes zu Brei verarbeitetes Getreide für Brei, fein gemahlenes Getreide zum Brotbacken und gegärtes Getreide zum Bierbrauen waren sogar mengenmäßig sehr wichtige Nahrungsmittel

In der etwa 12.000 Jahre alten Fundstelle Göbekli Tepe wurden hunderte Utensilien für die Getreidezubereitung und das Bierbrauen entdeckt. In Shubayqa, einer ausgegrabenen Siedlung in Jordanien, die auf etwa 14.500 Jahre datiert wurde, fand man ebenfalls Spuren von Brot. Noch weiter zurück, an einer 120.000 Jahre alten Herdstelle in Südafrika wurden stärkehaltige Pflanzen gekocht. Belegbar ist dies von vor 120.000 Jahren bis vor 65.000.

Auch bei den Neandertalern aß man nicht nur Fleisch sondern auch Pflanzen. Bei Individuen dieser Menschenart, die vor rund 40.000 bis 46.000 Jahren im heutigen Iran und im heutigen Belgien lebten, fand man im Zahnbelag Mikrofossilien von Pflanzen.

Faszinierend finde ich den Methodenmix mit dem die Archäologen arbeiten. Vom Nachbau gefundener Kochinstrumenten bis zur Betrachtung verkohlter Speisereste im Rasterelektronenmikroskop ist alles dabei.

Diese Erkenntnisse widersprechen dem weit verbreiteten Klischee, unsere Vorfahren hätten ihre Zeit am Lagerfeuer verbracht und dabei nur Mammutsteaks verspeist – Stichwort Paläodiät.. Deren Anhänger fordern, auf Getreide oder Kartoffeln zu verzichten, weil sich unsere Jäger-und-Sammlervorfahren nicht davon ernährt hätten, wir seien demnach evolutionär nicht darauf eingestellt. Doch inzwischen ist klar, dass seit der Altsteinzeit verschiedene Menschenformen, sobald sie das Feuer kontrollieren konnten, auch kohlenhydrathaltige Nahrung zubereiteten und verspeisten. „Die altmodische Vorstellung, Jäger und Sammler hätten keine Stärke gegessen, ist Unsinn“ sagt Archäobotaniker Dorian Fuller. S23

Bleibt nur die – allerdings sehr unerhebliche Frage- zu klären, warum die Anhänger der Paläodiät „Paleodiät“ schreiben.

QUELLE: Andrew Curry „Am Anfang waren Brot, Brei und Bier“ in Spektrum der Wissenschaft – Geschichte. 06/21 S12

Rennfahren oder Regieren

Unser Winterkanzler Nummer drei, Karl Nehammer wird es – denke ich – etwas länger schaffen als sein eh nur irgendwie interimistischer Vorgänger, der schon wieder Außenminister ist. Heute habe ich eine intressante Anekdote über Nehammers Familiengeschichte gelesen.

Ein direkter Vorfahre von Karl Nehammer, ein Mann namens Carl Nehammer war der Kammerdiener des Kronprinzen Rudolf, jenes Kronprinzen, der in Meyerling Selbstmord beging mit fatalen Folgen für die Habsburger-Monarchie. Der heutige „Kronprinz“ der Habsburger ist Rennfahrer geworden, wenn auch kein sehr schneller und der Nachfahre des Kammerdieners Kanzler einer Republik. Alles fließt

Ein graziöser Huf …

Nur im Detail mag ich Reiterstatuen manchmal ganz gerne. Das ist eine der zahlreichen Prinz-Eugen-Statuen, die in Österreich so herumstehen. Dieser Prinz Eugen ist auf der Tullner Donaulände in der Bewegung eingefroren und blickt sinnend aufs Wasser.

Schloss Hof mit den barocken Gartenanlagen, den Kamelen, Eseln und Alpakas gehörte auch Prinz Eugen, einem der reichsten Männer der damaligen Monarchie.

Sonntag 27. September – Feurige Stille

Nein, es geht nicht um den Vulkanausbruch auf La Palma sondern um die Schmiedewerkstatt in der Kartause Mauerbach.

Den zweiten „Tag des Denkmals“ haben wir für eine Besichtigung der Kartause genützt und dies beide nicht bereut. Wir hatten eine wirklich großartige Führung, die uns über das Gebäude und seine Geschichte, über den Orden der Kartäuser und seine Besonderheiten und auch über den heutigen Stand der Dinge informierte. Ein Mitarbeiter des Bundesdenkmalamts betätigte sich als Führer und aus dem vorgesehenen 50 Minuten-Rundgang wurden 3 Stunden. Drei sehr interessante Stunde.

Besonders ist an dieser Kartause, das sie Werkstätten enthält, in denen alte Handwerkskunst ausgeübt und weitergegeben wird. Es finden permanent Kurse zB. Schmiedekurse statt, bei denen ausgebildete Handwerker alte Techniken erlernen können. Wir erfuhren, dass die Schmiedekurse ungemein beliebt und immer ausgebucht wären.

Es werden Kurse abgehalten, Aufträge auch von Privaten durchgeführt und die Kartause mit allen Gebäuden instand gehalten. Dies ist beispielsweise ein barocker Wasserspeier, der repariert wurde.

Allein schon die herumstehenden und -liegenden Werkzeuge hätte ich mir stundenlang ansehen können.

Wir sahen auch eine Parkett-Ausstellung und erfuhren, dass Kaiser Maximilian bevor ihn die Revolution von Benito Juarez überrannte, Parkettböden aus seiner Heimatstadt Wien bestellte.

Andere Böden wurden restauriert und man konnte zusehen, wie der Restaurator die wunderschönsten Intarsienarbeiten unter diversen Schichten von allen möglichen Materialien befreite. Zum Glück waren die Kleber damals noch wasserlöslich

Mitnichten war früher alles besser

Wann immer dieses „früher“ genau gewesen sein soll, dieser Zeitpunkt zu dem angeblich alles viel besser war. Während des dreißigjährigen Kriegs, des hundertjährigen Kriegs, des ersten oder zweiten Weltkriegs, während einer von vielen Epidemien: Pest, Cholera, die spanische Grippe, zu Zeiten der Kreuzzüge oder der Inquisition vielleicht als es 16-Stunden Arbeitstage gab, Sklaverei, die Ächtung unehelicher Kinder, oder vor der Entdeckung von Antibiotika und Impfungen ? Die Auswahl ist umfangreich. Ich möchte jedenfalls in keiner dieser Zeiten leben

Auch der Anblick dieses Kessels aus dem 17. Jahrhundert versetzt mich nicht in Verzückung. Abgesehen davon, dass es ein nettes Foto ist, bin ich doch sehr froh, dass meine Küche in wesentlichen Punkten anders aussieht.

Zu Beginn des Bankwesens …

… stellten die ersten italienischen Bankiers vor ihre Häuser einen Tisch und eine Bank. Die Kunden setzten sich und die Geschäfte wurden abgewickelt. Hatte einer der Bankiers kein Geld mehr, so zerschlug man seine Bank und sprach von „banca rota“. Eine verblüffende Erklärung für den Ursprung des Begriffs zu der mir dieses Foto eingefallen ist.

Homo sapiens sapiens

Im Beitrag, den Random heute veröffentlicht hat, geht es um Musik aus dem KZ Theresienstadt, dem Vorzeige Ghetto-KZ der Nazis, wo Vertreter des Roten Kreuz Zutritt bekamen und sehen durften, wie gut die Lagerhäftlinge dort angeblich behandelt wurden. Die Musiker hatten sich erhofft, dass sie in Theresienstadt bleiben und der Vernichtung entgehen könnten. Viele von ihnen wurden trotzdem ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert und dort ermordet wie Millionen andere Menschen. Es gibt zB einen leicht zu findenden, aber sehr gut recherchierten, umfassenden Bericht über Das KZ Theresienstadt und die dort inhaftierten Künstler*innen. Für Interessierte KLICK

Was mich jedes Mal umtreibt, wenn ich auf das Thema stoße, ist, wie ein Mensch gleichzeitig Kunstliebhaber sein kann, liebevoll mit seinen Kindern spielen, mit dem Hund spazierengehen und dann einen Befehl unterschreiben, der zigtausenden den Tod bringt, oder selbst zur Waffe greifen und zum Mörder werden. Wie ich schon bei Random kommentiert habe, ist das für mich einer der verstörendsten Aspekte des Naziregimes.

In der Theorie ist mir der Mechanismus schon klar: das Gegenüber wird kritisiert, verhöhnt, zum Nicht-Menschen oder Unter-Menschen erklärt und dadurch zum Mord freigegeben. Kinder und Jugendliche werden von ganz klein an indoktriniert. Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie es jemandem zum Beispiel gelingt, zuerst mit Genuss die Musik eines Komponisten zu hören und diesen dann als Unter-Menschen zu betrachten und in den Tod zu schicken. In vielen Diktaturen dieser Welt geschah und geschieht ähnliches. Es ist eine Binsenweisheit: der Mensch ist zum Besten und zum Schlimmsten fähig. Dass dieses aber auch für ein und denselben Menschen gleichzeitig zutrifft, finde ich eben verstörend.