Schlagwort: Geschichte –

Ein graziöser Huf …

Nur im Detail mag ich Reiterstatuen manchmal ganz gerne. Das ist eine der zahlreichen Prinz-Eugen-Statuen, die in Österreich so herumstehen. Dieser Prinz Eugen ist auf der Tullner Donaulände in der Bewegung eingefroren und blickt sinnend aufs Wasser.

Schloss Hof mit den barocken Gartenanlagen, den Kamelen, Eseln und Alpakas gehörte auch Prinz Eugen, einem der reichsten Männer der damaligen Monarchie.

Sonntag 27. September – Feurige Stille

Nein, es geht nicht um den Vulkanausbruch auf La Palma sondern um die Schmiedewerkstatt in der Kartause Mauerbach.

Den zweiten „Tag des Denkmals“ haben wir für eine Besichtigung der Kartause genützt und dies beide nicht bereut. Wir hatten eine wirklich großartige Führung, die uns über das Gebäude und seine Geschichte, über den Orden der Kartäuser und seine Besonderheiten und auch über den heutigen Stand der Dinge informierte. Ein Mitarbeiter des Bundesdenkmalamts betätigte sich als Führer und aus dem vorgesehenen 50 Minuten-Rundgang wurden 3 Stunden. Drei sehr interessante Stunde.

Besonders ist an dieser Kartause, das sie Werkstätten enthält, in denen alte Handwerkskunst ausgeübt und weitergegeben wird. Es finden permanent Kurse zB. Schmiedekurse statt, bei denen ausgebildete Handwerker alte Techniken erlernen können. Wir erfuhren, dass die Schmiedekurse ungemein beliebt und immer ausgebucht wären.

Es werden Kurse abgehalten, Aufträge auch von Privaten durchgeführt und die Kartause mit allen Gebäuden instand gehalten. Dies ist beispielsweise ein barocker Wasserspeier, der repariert wurde.

Allein schon die herumstehenden und -liegenden Werkzeuge hätte ich mir stundenlang ansehen können.

Wir sahen auch eine Parkett-Ausstellung und erfuhren, dass Kaiser Maximilian bevor ihn die Revolution von Benito Juarez überrannte, Parkettböden aus seiner Heimatstadt Wien bestellte.

Andere Böden wurden restauriert und man konnte zusehen, wie der Restaurator die wunderschönsten Intarsienarbeiten unter diversen Schichten von allen möglichen Materialien befreite. Zum Glück waren die Kleber damals noch wasserlöslich

Mitnichten war früher alles besser

Wann immer dieses „früher“ genau gewesen sein soll, dieser Zeitpunkt zu dem angeblich alles viel besser war. Während des dreißigjährigen Kriegs, des hundertjährigen Kriegs, des ersten oder zweiten Weltkriegs, während einer von vielen Epidemien: Pest, Cholera, die spanische Grippe, zu Zeiten der Kreuzzüge oder der Inquisition vielleicht als es 16-Stunden Arbeitstage gab, Sklaverei, die Ächtung unehelicher Kinder, oder vor der Entdeckung von Antibiotika und Impfungen ? Die Auswahl ist umfangreich. Ich möchte jedenfalls in keiner dieser Zeiten leben

Auch der Anblick dieses Kessels aus dem 17. Jahrhundert versetzt mich nicht in Verzückung. Abgesehen davon, dass es ein nettes Foto ist, bin ich doch sehr froh, dass meine Küche in wesentlichen Punkten anders aussieht.

Zu Beginn des Bankwesens …

… stellten die ersten italienischen Bankiers vor ihre Häuser einen Tisch und eine Bank. Die Kunden setzten sich und die Geschäfte wurden abgewickelt. Hatte einer der Bankiers kein Geld mehr, so zerschlug man seine Bank und sprach von „banca rota“. Eine verblüffende Erklärung für den Ursprung des Begriffs zu der mir dieses Foto eingefallen ist.

Homo sapiens sapiens

Im Beitrag, den Random heute veröffentlicht hat, geht es um Musik aus dem KZ Theresienstadt, dem Vorzeige Ghetto-KZ der Nazis, wo Vertreter des Roten Kreuz Zutritt bekamen und sehen durften, wie gut die Lagerhäftlinge dort angeblich behandelt wurden. Die Musiker hatten sich erhofft, dass sie in Theresienstadt bleiben und der Vernichtung entgehen könnten. Viele von ihnen wurden trotzdem ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert und dort ermordet wie Millionen andere Menschen. Es gibt zB einen leicht zu findenden, aber sehr gut recherchierten, umfassenden Bericht über Das KZ Theresienstadt und die dort inhaftierten Künstler*innen. Für Interessierte KLICK

Was mich jedes Mal umtreibt, wenn ich auf das Thema stoße, ist, wie ein Mensch gleichzeitig Kunstliebhaber sein kann, liebevoll mit seinen Kindern spielen, mit dem Hund spazierengehen und dann einen Befehl unterschreiben, der zigtausenden den Tod bringt, oder selbst zur Waffe greifen und zum Mörder werden. Wie ich schon bei Random kommentiert habe, ist das für mich einer der verstörendsten Aspekte des Naziregimes.

In der Theorie ist mir der Mechanismus schon klar: das Gegenüber wird kritisiert, verhöhnt, zum Nicht-Menschen oder Unter-Menschen erklärt und dadurch zum Mord freigegeben. Kinder und Jugendliche werden von ganz klein an indoktriniert. Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie es jemandem zum Beispiel gelingt, zuerst mit Genuss die Musik eines Komponisten zu hören und diesen dann als Unter-Menschen zu betrachten und in den Tod zu schicken. In vielen Diktaturen dieser Welt geschah und geschieht ähnliches. Es ist eine Binsenweisheit: der Mensch ist zum Besten und zum Schlimmsten fähig. Dass dieses aber auch für ein und denselben Menschen gleichzeitig zutrifft, finde ich eben verstörend.

Unfreiwillige Komik: die K.u.k Feldmarschalleutnantsgattin und ihr Gatte. Der Gatte hat dann immerhin noch ein F.M.L bekommen, was ja nur Feldmarschalleutnant heißen kann. Der Sohn Rudolf oder dessen Nachkommen haben auch Wert darauf gelegt, dass er im k.k Handelsministerium tätig war, was nur möglich ist, wenn er sehr alt geworden sein sollte. Das weiß man aber nicht, weil es auf diesem Grabstein keine Geburtsdaten gibt, was ziemlich ungewöhnlich ist.

Viele, viele Geschichten könnten einem zu dieser Familie einfallen. Ob der Kunstmaler und der Regierungsrat Nazis waren? Soldaten der Wehrmacht? Hat der Kunstmaler germanische Götter mit Stahlhelmen gemalt oder friedliche Landschaften. Waren sie Monarchisten oder gar Widerstandskämpfer? Das Grab befindet sich auf einem Friedhof, der bei den Eliten der Beamtenschaft und des Militärs der Monarchie beliebt war.

Montag 8. März 2021 – Prunk

Solange die Museen offen haben, möchte ich mir noch einige Ausstellungen ansehen. Es gibt so viel Interessantes, dass die Wahl schwer fällt. Nachdem die B und ich uns ohnehin treffen wollten, haben wir uns für einen Museumsbesuch entschieden. Meine Idee war eigentlich, dass es in einem Museum wochentags und ohne Touristen angenehm leer und angenehm warm im Vergleich zu draußen sein würde. Die Plauderspaziergänge im Park mag ich prinzipiell gerne, nur wenn es kalt ist, hält man sie nicht lange durch und wenn man dann zwischendurch in ein Museum geht, so kann man sich dort wieder aufwärmen. So weit die Theorie.

Leider ist dieses Museum aber nicht geheizt. Wenn man reingeht, versteht man warum: die Räume sind sehr groß und sehr hoch. Die gewaltigen kaiserlich-königlichen Kutschen, die dort ausgestellt werden, wirken klein. Vielleicht ist auch irgendwie geheizt und man merkt es nur nicht. Jedenfalls war es richtig kalt. Aber die B und ich waren schließlich in Bildung unterwegs und sind nicht nur im Museum nicht erfroren, sondern auch nicht auf einer großen Parkrunde.

In der Wagenburg von Schönbrunn gibt es also zusätzlich zu den üblichen Exponaten, die ich auch noch nie gesehen hatte, eine kleine Ausstellung über Seuchen und deren Bekämpfung in Wien.

Helden?

In zahllosen österreichischen Gemeinden gibt es Kriegsdenkmäler jeder Art. Von den ganz schrecklichen mit „gefallen fürs Vaterland“ oder „Ehre und Vaterland“ und Ähnlichem bis zu einfachen Namenslisten von Gefallenen beider Weltkriege und anderer Kriegsopfer.

Heute haben der F und ich beim Stromern in Pottenstein in der Nähe von Wien Folgendes gesehen. So oder so ähnlich sollte es wohl sein:

Sonntag 6.Dezember 2020 – G´wandln und ausgeblendete Tragödien

So ein trister, düsterer Tag mitten im Hochnebel eignet sich zum Weitertreiben von Endlossprojekten wie dem Ausmustern von Kleidung. Wenn ich so in meinen Schrankraum schaue, habe ich den Eindruck, dass ich mir in diesem Leben eh nie wieder irgendetwas kaufen muss/soll. Aber die Weltordnung verhindert das. Ich finde ein halbes Dutzend Sakkos aus wunderschönem Stoff, bestens geschnitten, ja, aber man sieht ihnen von weitem an, aus welcher Zeit sie sind. Wenn sogar ich das sehe, obwohl mir modische Trends ziemlich wurscht sind, dann kann man die wirklich nicht mehr anziehen. Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Gelegenheiten, bei denen ich mich in ein Sakko hüllen möchte/muss in letzter Zeit extrem in Grenzen halten.

Üblicherweise verschenke ich noch brauchbare Kleidung an Obdachlosenprojekte. Was aber soll eine obdachlose Frau mit einem Sakko dieser Art anfangen, noch dazu mit einem, das absolut unmodisch ist und dann gar noch mit einem halben Dutzend davon? Also in einen Container damit. Irgendeinen, nur keinen von Humana, die gehören Scientology und diese verbrecherischen Ausbeuter bekommen von mir nicht einmal altes G´wandl gespendet.

Unkonventionelle Kleidungsstücke und Freizeitlook sind dem Modediktat nicht so unterworfen. Da kann man anziehen, was immer einem gefällt. Nachdem ich mich ja nun in Dauerfreizeit befinde, eröffnet das durchaus Perspektiven. Ein Schwung langer Röcke bekommt noch eine Chance. Und diese vielen wunderbaren selbstgestrickten Stücke …

Bei meinen Langzeitprojekten höre ich meistens Radio und erfahre dabei die kuriosesten Dinge. Gestern habe ich gehört, dass Kaiser Josef II (Mitregent mit seiner Mutter Maria Theresia von 1765 bis 1780, dann bis 1790 Alleinregent)  die Aufführung von Theaterstücken ohne happy end verboten hatte. Damals nannte man das happy end „Wiener Ende“ und verunstaltete notgedrungen so manches Stück. Was diese Vorgabe aus Stücken wie  „Othello“ , „Hamlet“, „Romeo und Julia“ gemacht haben wird? Ich stelle mir den verzweifelten Regisseur vor, der zur Desdemona sagt „und nachdem er dich erwürgt hat, stehst du auf und singst ein Liedchen“.  Auch griechische Tragödien mit happy end waren wohl eher gruselig. Zum Beispiel könnte Ödipus erfahren, dass Iokaste nur seine Adoptivmutter war und am Ende des Stücks tanzt der Chor Walzer und Ödipus wird in Theben zum beliebtesten König aller Zeiten erklärt oder so …

Das erinnert mich an so manche gutgemeinte Aktion, bei der nicht berücksichtigt wird, dass die Betroffenen von Armut und verzweifelten Lebenssituationen nicht zwangsläufig gute Menschen sind. Bei Joseph II war es gerade umgekehrt, er war ein großer Reformator, ein aufgeklärter Herrscher, aber beim Volk sehr unbeliebt. Tja…