Schlagwort: Geschichte –

Zu Beginn des Bankwesens …

… stellten die ersten italienischen Bankiers vor ihre Häuser einen Tisch und eine Bank. Die Kunden setzten sich und die Geschäfte wurden abgewickelt. Hatte einer der Bankiers kein Geld mehr, so zerschlug man seine Bank und sprach von „banca rota“. Eine verblüffende Erklärung für den Ursprung des Begriffs zu der mir dieses Foto eingefallen ist.

Homo sapiens sapiens

Im Beitrag, den Random heute veröffentlicht hat, geht es um Musik aus dem KZ Theresienstadt, dem Vorzeige Ghetto-KZ der Nazis, wo Vertreter des Roten Kreuz Zutritt bekamen und sehen durften, wie gut die Lagerhäftlinge dort angeblich behandelt wurden. Die Musiker hatten sich erhofft, dass sie in Theresienstadt bleiben und der Vernichtung entgehen könnten. Viele von ihnen wurden trotzdem ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert und dort ermordet wie Millionen andere Menschen. Es gibt zB einen leicht zu findenden, aber sehr gut recherchierten, umfassenden Bericht über Das KZ Theresienstadt und die dort inhaftierten Künstler*innen. Für Interessierte KLICK

Was mich jedes Mal umtreibt, wenn ich auf das Thema stoße, ist, wie ein Mensch gleichzeitig Kunstliebhaber sein kann, liebevoll mit seinen Kindern spielen, mit dem Hund spazierengehen und dann einen Befehl unterschreiben, der zigtausenden den Tod bringt, oder selbst zur Waffe greifen und zum Mörder werden. Wie ich schon bei Random kommentiert habe, ist das für mich einer der verstörendsten Aspekte des Naziregimes.

In der Theorie ist mir der Mechanismus schon klar: das Gegenüber wird kritisiert, verhöhnt, zum Nicht-Menschen oder Unter-Menschen erklärt und dadurch zum Mord freigegeben. Kinder und Jugendliche werden von ganz klein an indoktriniert. Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie es jemandem zum Beispiel gelingt, zuerst mit Genuss die Musik eines Komponisten zu hören und diesen dann als Unter-Menschen zu betrachten und in den Tod zu schicken. In vielen Diktaturen dieser Welt geschah und geschieht ähnliches. Es ist eine Binsenweisheit: der Mensch ist zum Besten und zum Schlimmsten fähig. Dass dieses aber auch für ein und denselben Menschen gleichzeitig zutrifft, finde ich eben verstörend.

Unfreiwillige Komik: die K.u.k Feldmarschalleutnantsgattin und ihr Gatte. Der Gatte hat dann immerhin noch ein F.M.L bekommen, was ja nur Feldmarschalleutnant heißen kann. Der Sohn Rudolf oder dessen Nachkommen haben auch Wert darauf gelegt, dass er im k.k Handelsministerium tätig war, was nur möglich ist, wenn er sehr alt geworden sein sollte. Das weiß man aber nicht, weil es auf diesem Grabstein keine Geburtsdaten gibt, was ziemlich ungewöhnlich ist.

Viele, viele Geschichten könnten einem zu dieser Familie einfallen. Ob der Kunstmaler und der Regierungsrat Nazis waren? Soldaten der Wehrmacht? Hat der Kunstmaler germanische Götter mit Stahlhelmen gemalt oder friedliche Landschaften. Waren sie Monarchisten oder gar Widerstandskämpfer? Das Grab befindet sich auf einem Friedhof, der bei den Eliten der Beamtenschaft und des Militärs der Monarchie beliebt war.

Montag 8. März 2021 – Prunk

Solange die Museen offen haben, möchte ich mir noch einige Ausstellungen ansehen. Es gibt so viel Interessantes, dass die Wahl schwer fällt. Nachdem die B und ich uns ohnehin treffen wollten, haben wir uns für einen Museumsbesuch entschieden. Meine Idee war eigentlich, dass es in einem Museum wochentags und ohne Touristen angenehm leer und angenehm warm im Vergleich zu draußen sein würde. Die Plauderspaziergänge im Park mag ich prinzipiell gerne, nur wenn es kalt ist, hält man sie nicht lange durch und wenn man dann zwischendurch in ein Museum geht, so kann man sich dort wieder aufwärmen. So weit die Theorie.

Leider ist dieses Museum aber nicht geheizt. Wenn man reingeht, versteht man warum: die Räume sind sehr groß und sehr hoch. Die gewaltigen kaiserlich-königlichen Kutschen, die dort ausgestellt werden, wirken klein. Vielleicht ist auch irgendwie geheizt und man merkt es nur nicht. Jedenfalls war es richtig kalt. Aber die B und ich waren schließlich in Bildung unterwegs und sind nicht nur im Museum nicht erfroren, sondern auch nicht auf einer großen Parkrunde.

In der Wagenburg von Schönbrunn gibt es also zusätzlich zu den üblichen Exponaten, die ich auch noch nie gesehen hatte, eine kleine Ausstellung über Seuchen und deren Bekämpfung in Wien.

Helden?

In zahllosen österreichischen Gemeinden gibt es Kriegsdenkmäler jeder Art. Von den ganz schrecklichen mit „gefallen fürs Vaterland“ oder „Ehre und Vaterland“ und Ähnlichem bis zu einfachen Namenslisten von Gefallenen beider Weltkriege und anderer Kriegsopfer.

Heute haben der F und ich beim Stromern in Pottenstein in der Nähe von Wien Folgendes gesehen. So oder so ähnlich sollte es wohl sein:

Sonntag 6.Dezember 2020 – G´wandln und ausgeblendete Tragödien

So ein trister, düsterer Tag mitten im Hochnebel eignet sich zum Weitertreiben von Endlossprojekten wie dem Ausmustern von Kleidung. Wenn ich so in meinen Schrankraum schaue, habe ich den Eindruck, dass ich mir in diesem Leben eh nie wieder irgendetwas kaufen muss/soll. Aber die Weltordnung verhindert das. Ich finde ein halbes Dutzend Sakkos aus wunderschönem Stoff, bestens geschnitten, ja, aber man sieht ihnen von weitem an, aus welcher Zeit sie sind. Wenn sogar ich das sehe, obwohl mir modische Trends ziemlich wurscht sind, dann kann man die wirklich nicht mehr anziehen. Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Gelegenheiten, bei denen ich mich in ein Sakko hüllen möchte/muss in letzter Zeit extrem in Grenzen halten.

Üblicherweise verschenke ich noch brauchbare Kleidung an Obdachlosenprojekte. Was aber soll eine obdachlose Frau mit einem Sakko dieser Art anfangen, noch dazu mit einem, das absolut unmodisch ist und dann gar noch mit einem halben Dutzend davon? Also in einen Container damit. Irgendeinen, nur keinen von Humana, die gehören Scientology und diese verbrecherischen Ausbeuter bekommen von mir nicht einmal altes G´wandl gespendet.

Unkonventionelle Kleidungsstücke und Freizeitlook sind dem Modediktat nicht so unterworfen. Da kann man anziehen, was immer einem gefällt. Nachdem ich mich ja nun in Dauerfreizeit befinde, eröffnet das durchaus Perspektiven. Ein Schwung langer Röcke bekommt noch eine Chance. Und diese vielen wunderbaren selbstgestrickten Stücke …

Bei meinen Langzeitprojekten höre ich meistens Radio und erfahre dabei die kuriosesten Dinge. Gestern habe ich gehört, dass Kaiser Josef II (Mitregent mit seiner Mutter Maria Theresia von 1765 bis 1780, dann bis 1790 Alleinregent)  die Aufführung von Theaterstücken ohne happy end verboten hatte. Damals nannte man das happy end „Wiener Ende“ und verunstaltete notgedrungen so manches Stück. Was diese Vorgabe aus Stücken wie  „Othello“ , „Hamlet“, „Romeo und Julia“ gemacht haben wird? Ich stelle mir den verzweifelten Regisseur vor, der zur Desdemona sagt „und nachdem er dich erwürgt hat, stehst du auf und singst ein Liedchen“.  Auch griechische Tragödien mit happy end waren wohl eher gruselig. Zum Beispiel könnte Ödipus erfahren, dass Iokaste nur seine Adoptivmutter war und am Ende des Stücks tanzt der Chor Walzer und Ödipus wird in Theben zum beliebtesten König aller Zeiten erklärt oder so …

Das erinnert mich an so manche gutgemeinte Aktion, bei der nicht berücksichtigt wird, dass die Betroffenen von Armut und verzweifelten Lebenssituationen nicht zwangsläufig gute Menschen sind. Bei Joseph II war es gerade umgekehrt, er war ein großer Reformator, ein aufgeklärter Herrscher, aber beim Volk sehr unbeliebt. Tja…

Echter als das Leben

Echter als das Leben

Herbstlicher Nebel lag über dem Dorf als Ayla zu der Keramikhütte hinüberging. Der Boden war schlammig durch den Regen und die andauernde Feuchtigkeit und das Holz und die halbverfaulten Blätter verströmten Spätherbstgeruch. Sie trug ihren mit Fell gefütterten gewebten Umhang, ein Webstück mit einem ganz neuartigen Muster, das ihre Schwester erfunden hatte.  Immer schon hatten die beiden Schwestern in allem wettgeeifert und daher dachte Ayla schon eine Weile darüber nach, wie dieses originelle Webmuster von einer neuen Idee beim Töpfern übertrumpft werden könnte. Vielleicht eine neue Art des Brennens?

„Paketbote!  Frau Hilde Novak ?“

„Wer? Nein, ach so, Entschuldigung, ja Hilde Novak. Danke. Nein, das Paket für die Nachbarn nehme ich nicht.“

Auch wenn sie nicht mitging auf die Jagd kannte Ayla sich doch mit den Waffen der Männer aus. Sie konnte Holzspeere herstellen, zielsichere Waffen über viele Meter, sachkundig gebaut mit Schwerpunkt im vorderen Drittel. Stoßlanzen gehörten ebenso zu ihren Produkten wie Wurfhölzer für die Vogeljagd. Die Herstellung von Gerätschaften aus Holz und Stein, manchmal auch aus Bronze faszinierte sie. Ihre große Geschicklichkeit dabei hatte sie durch lange Übung erworben. Sie strich gerne über das geglättete Holz, war stolz auf die Perfektion. Manchmal hätte sie gerne ihren Namen eingraviert, aber etwas Starkes hielt sie davon ab, eine innere Stimme, keine Buchstaben, keine Namen.

In ihrem Haus hingen Waffen an den Wänden ebenso wie Keramikgeschirr um die Feuerstelle stand. Ein gut gebautes Haus aus Flechtwerk mit Lehm verstrichen, das Dach tief herunter gezogen und wasserableitend konstruiert. Ein wohlbestelltes Haus mit Webstuhl, Fellen und gefüllten Vorratskörben. Lange wohnte sie hier schon, konnte sich an ein Davor nicht erinnern.

„…. Und dann noch die Krüge. Hilde, wie schaut´s mit den Krügen aus?“

„Hilde !! “

„Was? Entschuldige, ich habe nicht zugehört.“

„Die Krüge, Hilde, die sind doch fertig, oder? Du hast noch nicht an der Uni angerufen“

„Ja sicher, die drei roten Krüge. Stehen in meinem Haus.“

„Ach, bist du jetzt schon hier eingezogen?“

Alle lachten, aber Hildes verwirrter Blick erschreckte sie und beschämte sie auch ein bisschen. Ihr herausragendes handwerkliches Geschick und ihre umfassenden Sachkenntnisse sicherten Hildes Platz im Team von Professor Stangl.  Dass sie in letzter Zeit immer zerstreuter, immer seltsamer geworden war, hatte bisher keinen sichtbaren Einfluss auf die Haltung des Professors gehabt, es führte aber zu Unruhe in der Gruppe.

„Wenn sie nicht so kompetent wäre“ sagte Professor Stangl zu seinem Kollegen, dessen Spezialgebiet urzeitliche Waffen waren. „Sie ist in Theorie und Praxis unschlagbar, nicht nur beim Töpfern. Als wäre sie damals dabei gewesen“

„Das ist ein Teil des Problems“ murmelte der Waffenspezialist .

 

Montag. Sie parkte auf dem leeren Parkplatz vor dem Dorfeingang. Im Dorf war niemand zu sehen. Das lag natürlich an der Kälte. Wer nicht auf der Jagd war, blieb im Haus und beschäftigte sich mit Winterarbeiten. Das würde sie auch tun. Ayla setzte sich vor ihr Haus und schnitzte weiter an einem Stück Holz, das eine glatte, gerade Fläche bekommen sollte.

Ein junger Mann kam quer durch das Dorf auf sie zu. Er gefiel Ayla ausnehmend gut  und sie winkte ihm zu. Kräftig gebaut, groß, mit langen Haaren. Er rief etwas, das klang wie „Hallo Hilde“. Komisch. Er kam näher, sie sah fröhliche Augen und einen meisterhaft gestrickten Pullover. Wieso konnte er einen gestrickten Pullover haben? Auch seltsam. Übermütig lief er die Böschung vor ihrem Haus hinauf. Sie sah ihn so irritiert an, dass er annahm, dass sie sich nicht an ihn erinnerte.

„Du weißt doch, ich bin der Wolfgang, ich dissertiere beim Professor Stangl

„Ja“ sagte Ayla „ja, ja. Ich habe gehört, ihr wollt eine neue Getreidemischung für´s Brot ausprobieren.“

„Ja, genau, deswegen bin ich heute da. Magst du kosten?“

Wolfgang war erst seit ein paar Tagen beim Team der experimentellen Archäologen und er konnte Hilde noch nicht so recht einordnen. Er wusste, dass der Professor sie  sehr schätzte und als seine Hauptassistentin betrachtete. Die anderen respektierten ihre Kompetenz, behandelten sie aber ansonsten wie eine schrullige Außenseiterin, genau betrachtet noch etwas mehr als schrullig.

Gar nicht schlecht das neue Brot, Ayla wollte selbst dahinterkommen, wie das Getreide gemischt worden war. Sie kaute aufmerksam und beschäftigte sich weiter mit ihrer Holzplatte. Wolfgang war verschwunden und würde wohl so bald nicht wiederkommen. Schade irgendwie, aber daran wollte sie nicht denken.

Ayla packte ihre mitgebrachten Schätze aus, der selbstgemischte Rötel aus dem richtigen Gestein war eine besondere Kostbarkeit. Damals hatte sie regelmäßige Bergtouren gemacht und verschiedene Gesteine geklopft. Schatten von  Erinnerungen, die ihr oft bizarr vorkamen und Unbehagen verursachten, wenn sie sie weiter verfolgen wollte.

Die rote Farbe für die Schlange, die sich im Kreis bewegte und schließlich selbst verschlang. Auch das schwarze Pigment und das ganz helle hatte sie selbst hergestellt und trug die Farben mit dem zu Urzeiten verwendeten Bindemittel auf. Mit ruhiger Hand malte sie auf das geglättete Holz, mit den Werkzeugen zu denen sie lange geforscht hatte bevor sie sie herstellte.

Da stand nun die fertige Holzplatte. Ein schönes Stück, ein Beweis für die Bedeutung der Schlange und auch für die Bedeutung der Kunst seit jeher. Die verwendeten Farbpigmente, die nicht aus der näheren Umgebung stammen konnten, bewiesen auch die Existenz uralter Handelswege quer durch Europa bis weit in den asiatischen Raum hinein.

Sie nahm einen der Nägel, die ihre Kollegen kürzlich geschmiedet hatten, schlug ihn in die Wand und hängte die fertige Platte auf. Sie war sehr zufrieden mit dem Werk, die warnende Stimme war gerade leicht zu überhören. Sie missachtete deren dringende Warnung vor Buchstaben als sie „Bronzezeit“ auf ein Stück Rinde schrieb und es unter die Zeichnung hängte.

 

„Was haben Sie sich dabei nur gedacht, Hilde ! Eine selbstbemalte Holzplatte auszustellen, mit Datierung in die Bronzezeit! Ausgerechnet am Tag der Inspektion für die Genehmigung der neuen Forschungsgelder ! Sind Sie denn noch bei Trost! Sollte das womöglich ein Scherz sein ?!“

„Alles Originalwerkzeuge, nur echte Werkstoffe“ murmelte Hilde. Es gelang ihr nicht, ihren Blick zu fokussieren und den wütenden Professor Stangl anzusehen.

 

Ein Hochhaus aus viel Glas, in dem sich der Himmel spiegelte. Manchmal waren es auch die Vorzimmer der Hölle mit glänzenden Namensschildern. Facharzt für Psychiatrie Prof. Dr. Müller, Verhaltenstherapie Evelyne Huber, Coaching Adalbert Hübsch …

 

„Wissen Sie Frau Novak, so etwas kann jedem von uns passieren, vor allem wenn sie in ihrem Beruf so kompetent sind wie man mir berichtet hat. Wenn die Balance zwischen Beruf und Privatleben ins Schwanken gerät, wenn man sich mit dem Beruf stark identifiziert und das Gegengewicht im Privatleben fehlt.“

„Ja, sagte Ayla das sollte nicht passieren.“ Sie überlegte dabei, ob sie mit den Männern auf die Jagd gehen könnte. Vielleicht kam Wolfgang auch mit.

Warum so schlank?

Eine Zeitgenossin der Venus von Willendorf (Altsteinzeit, ca 30.000 Jahre alt). Neben den sehr üppigen weiblichen Figuren, gab es auch realistischer gebaute Figuren.

Ich sollte mich aber demnächst gedanklich aus der Urgeschichte zurückziehen, sonst geht es mir noch wie der Protagonistin meiner Impuls-Werkstatt-Geschichte, die bald fertig wird.