la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 22-6-19 – Verabschiedungsfeste

Vormittags in der Schule „The final show“, die früher „Fest der Kulturen“ hieß und unsere schulische Abschlussfeier für die SchülerInnen ist. Es werden nach wie vor verschiedene Workshops veranstaltet, deren Ergebnisse dann präsentiert, vorgelesen, vorgetanzt, vorgespielt, vorgetrommelt ….. werden. Bis vor einem Jahr beschäftigten sich viele der Workshop mit den Tänzen verschiedener Volksgruppem. Es gab serbische, kroatische, türkische, bosnische, tschetschenische Tänze. Volkstänze mögen gefallen oder auch nicht, wir hatten aber auf jeden Fall genug von den nationalistischen Auftritten vieler SchülerInnen, vom Fahnengeschwenke und dem sich Einwickeln in Fahnen. Es ist ganz und gar erstaunlich, welch große Rolle Volksmusik und Volkstänze bei den MigrantInnen der zweiten und dritten Generation noch spielen.

Jedenfalls wurden die Workshops verändert und diversifiziert. Im Bereich Tanz gab es einen Salsa-  und einen Latin-dance-Workshop. Das Tanzen war bei der großen Hitze im Haus ohnehin eine ziemliche Leistung, egal in welcher Bekleidung. Salsa in schwarzen Schleiern fand ich bewundernswert.

Einen kleinen nationalistischen Rückschlag gab es dann doch. Im Graffiti-Workshop sollten die TeilnehmerInnen zunächst einmal eine kleine Überlegung anstellen, was sie darstellen wollten. Ein Teilnehmer erfreute mit dem Schriftzug „Balkan“, zwei andere sprühten je eine Fahne, die mazedonische und die pakistanische. Ich finde es wirklich bedenklich, wenn Jugendliche ihre Kreativität nur aus nationalistischen Symbolen schöpfen, noch dazu junge Menschen, die die Heimatländer ihrer Eltern und Großeltern nur von kurzen Besuchen und teilweise überhaupt nicht kennen.

Abgesehen von diesen Details hat alles wunderbar funktioniert von Schachspielen über Origami bis zum poetry-slam waren die Workshops weit gestreut und trotz der Hitze hat es den TeilnehmerInnen offensichtlich Spaß gemacht.

Ein ganz anderes Abschiedsfest besuchte ich dann noch am Abend: unser langjähriges Hausbesorger-Paar geht in Pension und zieht aus, ein wahrer Jammer. Die Nachfolge wird von irgendwelchen Reinigungs- und Schneeräumfirmen angetreten, die in keiner Weise Ersatz sein können für im Haus wohnende und arbeitende Hausbesorger. Die Stadt Wien hat in ihren Gemeindebauten seit vielen Jahren die Hausbesorger durch anonyme Reinigungsfirmen ersetzt, hat aber in letzter Zeit doch den Wert der Berufsgruppe der Hausmeister erkannt und es gibt einen Gegentrend. Aber es ist ja immer das gleiche, niemand will von anderen lernen und alle Gruppen müssen die gleichen Fehler machen, bevor es eine zufriedenstellende Lösung gibt.

 


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Dienstag 18.6.19 – Unbesonderes

Umgeben von den Kindern einer Kindergartengruppe fuhr ich heute früh in die Schule. Eines von den Zwergerln sang mit Inbrunst und völlig textsicher „O Tannenbaum“. Bei “ auch im Winter wenn es schneit“ war mir nach einem seligen Lächeln zumute. Der kleine Abkühler des Tages.

Es ist heute nicht ganz so heiß, knapp unter 30, aber das Schulgebäude glüht, weil natürlich über Nacht niemand da ist um zu lüften. Von 8:00 bis 22:00 sind alle Türen und Fenster offen und es weht heiße Zugluft durchs ganze Haus. Im vierten Stock brütet Wüstenklima. Es ist drinnen deutlich heißer als draußen. Morgen findet unsere Notenkonferenz statt, das heißt über 150 Leute in einem Raum auf den ab Mittag die Sonne hinbrennt. Freu mich schon riesig.

Ich habe meinen emotionsbehafteten ererbten Teppich um einiges mehr als ein Trinkgeld fachmännisch waschen und restaurieren lassen. Bekam ihn auch geliefert und nun liegt er im Wohnzimmer neben einem großen modernen Teppich und passt überhaupt nicht hin. Das kommt davon, wenn man sich Dinge in den Kopf setzt ohne genauer darüber nachzudenken. Jetzt ist wohl eine totale Teppichrochade angesagt.


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6. Tag der ersten Hitzewelle 2019 – Samstag 15.6.19

Die Prognosen lagen bei 37 Grad, und obendrein war es extrem schwül. Eigentlich wollte ich mir gerne die heute in Wien stattfindende Euro Pride anschauen, konnte mich aber nicht dazu überwinden. Die Hitze, die vielen Leute …. schade.

Die Hitze wirkt sich extrem bestimmend nicht nur auf mein Leben aus. Die ganze Stadt schwitzt und schleicht dahin. Die Architektur einer mitteleuropäischen Stadt ist eben nicht auf tagelange, große Hitze angelegt. Es fehlen die beschattenden Strukturen, die dicken Stein- oder Ziegelwände gibt es nur in alten Gebäuden, die Böden strahlen mit den Wänden um die Wette, es gibt Steinwüsten bei deren Durchquerung  Hitzekoller oder Kreislaufzusammenbruch drohen.

Das gestrige Abschlussfest unseres Maljahres war äußerst kuschelig: wir saßen eng aneinander in dem kleinen Atelier, schwitzten und machten Pläne für den Herbst. Trotzdem war es ein vergnüglicher Abend. Aber schon die Nacht war tropisch und heute zogen die Temperaturen nochmals an. Wir haben gerade nur einen Wocheneinkauf gemacht, alles verstaut und sind dann nochmals in die Hitze aufgebrochen um einen F-schen Schuheinkauf zu machen. War auch nicht besonders gemütlich: die Herrenabteilung des Geschäfts lag unter einem Glasdach, eh klimatisiert, trotzdem schrecklich drückend. Aber die Schuhe für längere Zeit sind unter Dach und Fach.

Bis vor nicht allzu langer Zeit habe ich den F hin und wieder einmal daran erinnert, dass es wohl kein Fehler wäre, Schuhe, Pullover oder sonstwas zu kaufen. Damit übernahm ich dann irgendwie die Verantwortung für diese Käufe und der F hatte die bequeme Position sich ziehen und bitten zu lassen obwohl es doch seine Sachen waren. Dieses Verhalten habe ich völlig eingestellt, ich sage zu diesem Thema gar nichts und siehe da, nun kommt der F und fragt mich, ob ich mitkomme wenn er einkaufen geht. Das ist doch deutlich besser.

Den Rest des Tages haben wir uns beide nicht mehr aus dem Haus bewegt. Man muss ohnehin irgendwann räumen, kochen, Wäsche waschen und das eine oder andere planen.

Das Außenthermometer auf dem Küchenfensterbrett, gegenüber dem Spinnennetz – auf welches am späten Nachmittag die Sonne direkt hinbrennt, zeigt 45 Grad. Morgen soll es etwas besser werden ….


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2. Tag der ersten Hitzewelle 2019 – Dienstag 11.6.2019

Noch kann man die schönen Seiten des Sommers genießen, noch kühlt es abends ab, die Häuser sind noch nicht extrem aufgeheizt, die Temperaturen sind noch nicht über 33 Grad gestiegen. In meinem Viertel gibt es viele begrünte Innenhöfe, manche Innenhöfe sind groß wie Gärten aber von der Straße aus nicht zu sehen. Die begrünten Dächer werden immer häufiger, Balkone und Terrassen sind bepflanzt und wohnlich eingerichtet. Solange sich die Hitze einigermaßen in Grenzen hält, lässt es sich gut leben. Sollte der Sommer aber – wie im Vorjahr -fünf oder sechs extreme Hitzewellen haben, ist es mit dem guten Leben vorüber und die Stadt und ihre Bewohner schalten auf überleben.

 


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Durch die Welt lesen in Zeiten des Klimawandels

Meine Literaturweltreise läuft derzeit sehr langsam, ist aber keineswegs beendet. Ich habe in letzter Zeit vieles gelesen, aber von Autoren aus Ländern, die auf meiner Liste alle schon vorgekommen sind, teilweise sogar mehrmals. Demnächst möchte ich daher gerne in afrikanische Länder expandieren, vielleicht auch in arabische und werde demnächst einmal auf die Suche gehen

Tatsächlich sind es bis jetzt nur 31 Länder, die ich lesend besucht habe, was nicht besonders viel ist. Meine „Reiseseite“ ist auch etwas vernachlässigt, weil es so mühsam ist, die Länder auf der Karte, die ich verwende einzutragen. Man muss jedes Mal alle löschen und alles neu eingeben. Ich habe mich aber auch noch nicht nach einer Alternative umgesehen.

Man kann sagen, dass es absurd ist, nach diesen Kriterien seinen Lesestoff auszusuchen. Mag sein, aber ich finde es auch ziemlich bereichernd, nicht nur vom literarischen Standpunkt aus. Das Eintauchen in völlig fremde Welten und Denkweisen bringt so manche Erkenntnis mit sich.

Bedauerlich ist, dass „Weltraum, Zukunft“ nicht zu den bereisten Orten gezählt wird. Da hätte ich drei Bände von Becky Chambers zu bieten, die ich kürzlich gerne gelesen habe. Erfreulicherweise haben sie dem F. auch gefallen. Japanische Bücher habe ich auch schon mehrere auf der Liste und solche aus Israel, will also die zuletzt gelesenen nicht mehr dazuschreiben.

Die erste Hitzewelle des Sommers ist ja schon da und da würden sich Bücher von den Polen anbieten, vielleicht Grönland oder Feuerland. Sibirien eignet sich schon nicht mehr. Ich habe gehört, dass dort schon der Permafrostboden auftaut und dadurch sehr gefährliche Situationen entstehen, weil Häuser einsinken und instabil werden. Wohin man schaut, der Blick fällt auf den Klimawandel …


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Sonntag 9.6. – Kooperation mit Spinnen

Vor mein Küchenfenster hat eine riesige, eine wirklich riesige, schwarze Spinne ein Netz gespannt. Entsprechend der Größe der Spinne ist auch das Netz gewaltig. Nachdem gleich daneben eine Tür ist, mache ich das Fenster praktisch nie auf, kippe es höchstens. Die Spinne durfte also jagen und sie tat das sehr erfolgreich: nach einem Nachmittag hingen jede Menge winzige Insekten im Netz, die aber bald wieder verschwunden waren, nicht weil sie sich hätten befreien können sondern weil sie die Vorräte der Spinne erweitert hatten.  Ich fand, dass ich so ein natürliches Fliegengitter durchaus eine Weile hängen lassen könnte. Nachdem ich ja auch gelegentlich kleine Leckerbissen für die Fleischfressende jage, habe ich doch ein gewisses Verständnis für Spinnen entwickelt. Der Wind war nicht so freundlich gesinnt und hat das Netz ordentlich zerzaust. Jetzt wird man sehen, ob die Spinne noch da ist und Ausbesserungen vornimmt oder ob sie sich ein windstilleres Plätzchen sucht.

Ende Juni ist für mich immer die Zeit der Abschlußfeste. Leider haben diese Feste die Tendenz alle gleichzeitig stattzufinden und anstatt eines genießen zu können, muss ich mehrere gleichzeitig jonglieren und genieße dadurch keines. Schade, aber nicht zu ändern. Mit dem Abendunterricht kollidiert schon einmal die Maturafeier meiner Lieblingsklasse in dieser Woche, da werde ich mir sicher etwas einfallen lassen.

Die Stadt beginnt sich aufzuheizen, diesmal nicht politisch sondern temperaturmäßig. Politisch herrscht derzeit Sommerfrieden, die Übergangsregierung wurde so zusammengestellt, dass offenbar alle zufrieden sind. Man kann den Bundespräsidenten gar nicht  genug loben dafür , wie gut er die Krise in ruhige Fahrwasser geleitet hat. Auch werden trotz gegenteiliger Behauptungen von Kurz viele der Absurditäten, die die FPÖ ins Regierungsprogramm gebracht hatte, entweder nicht durchgeführt oder rückgängig gemacht. Auf diese Art kommt endlich das Rauchverbot in allen Lokalen, das im Rest der Welt schon zur Normalität geworden ist. Und die wirklich widerwärtigen Tafeln mit „Ausreisezentrum“ vor dem Erstaufnahmelager Traiskirchen sind verschwunden. Zwar wurden sie von Aktivisten abmontiert aber unter Duldung der Polizei.