la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 27.November 2020 – Reisigsarten und Preisgestaltung

In den letzten Jahren haben wir Adventkränze und sonstige Weihnachts- und Winterdeko auf dem Adventbazar einer Waldorfschule gekauft. Dort gibt es immer sehr hübsche originelle Dinge aus den verschiedensten Materialien, aber es ist auch ein Riesengedränge, weil der Bazar nur an einem Wochenende abgehalten wird und das Haus nicht so groß ist. Nun, in diesem Jahr gibt es den Bazar nur online und es werden auch keine Adventkränze verkauft. Also musste ich mich anderweitig umschauen.

Zuerst ein Irrweg über ein Blumengeschäft, das in seiner Homepage sehr hübsche Adventkränze anbot, ziemlich teuer aber wirklich schön. Telefonisch konnte man sie bestellen nach den Fotos auf der homepage und sie wurden nachhause geliefert. So weit so gut. Das Ding, das ich dann geliefert bekam, hatte allerdings mit dem Foto wenig gemeinsam. Zwar war es ein Kranz aus verschiedenen Reisigarten gebunden, mit Kerzen und sonstigem Dekor und tatsächlich hatte man mir am Telefon gesagt, dass es so unerwartet viele Aufträge gebe, dass sie nur mehr ganz wenig Material zur Verfügung hätten. Ein reizendes Mädel kam zum Liefern, das mir versicherte, dass es nicht nur Lieferantin sondern auch Floristin sei. Zwar konnte ich an dem gelieferten Ding keine Spur von floristischem Talent erkennen, aber sie war so jung und nett, dass ich eine heftige Beisshemmung hatte und nicht nur die höchst berechtigte Kritik hinunterschluckte sondern auch anstandlos den geforderten Preis bezahlte und ihr obendrein noch ein üppiges Trinkgeld gab. Wofür eigentlich könnte ich nicht sagen. „Corazón de abuelita“ nennen die Spanier solche Verhaltensweisen.

Die Deko war gelinde gesagt mickrig und irgendwie auf den Kranz draufgeklebt. Keine Spur von irgendeiner Ästhetik. Es gab insgesamt 4 trockene Orangenscheiben, vier Herzen und vier Zimtstangen genau symetrisch auf dem Kranz verteilt und dazu vier Kerzen, die statt fröhlich Rot blutiges Bordauxrot waren. Eine Farbe, die ich überhaupt nicht leiden kann. Die sehr bescheidene Deko war obendrein festgeklebt, so dass ich sie richtig herunterreißen musste um sie ein bisschen umzugruppieren. Viel zu gruppieren war eh nicht vorhanden.

Das war Freitag am frühen Nachmittag. Etwas später fuhren wir zum Wocheneinkauf in den Supermarkt, wo es auch keine Kränze gab, die mir irgendwie gefallen hätten. Ziemlich angegrantelt beschloss ich dann noch einen Sprung auf den gegenüber liegenden Markt zu machen. Und siehe da: alles voller Adventkränze. Es gab auch die von mir sehr geschätzten Reisigkränze ohne irgendeine Deko und ohne Kerzen und auch eine Menge sehr verschieden dekorierter Exemplare in allen Farben und Größen und wesentlich billiger als im Blumengeschäft. Ich weiß selbst nicht, warum ich nicht an den Markt gedacht hatte.

Nun haben wir also drei Adventkränze, zwei schöne und einen teuren.


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Mittwoch 25.11.2020 – Augen in die Welt

Eiskalt war es in meiner Wohnung, bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt. Nein, zum Glück ist nicht die Heizung ausgefallen, ich hatte nur „Besuch“ von einem Fenstermonteur, der die Verglasung an einer meiner Terrassentüren auswechselte. Wenn in die Vakuum-Verglasung Luft eintritt, verringert sich die Isolierwirkung beträchtlich und außerdem laufen die Scheiben an. Nachdem der Mann keine Maske trug und sehr gesprächig war, setzte ich auf Frischluft und riss alle Türen und Fenster auf. Er war sehr gründlich, wechselte nicht nur die eine Scheibe aus, sondern kontrollierte auch alle anderen Türen und Fenster, schmierte sie, stellte sie neu ein. Auf meine Frage, wie denn sein Geschäft ginge in diesen Zeiten, erzählte er, dass eigentlich recht gut, die Auftragslage sei weitgehend gleich geblieben und er würde ja selbstverständlich seine Stammkunden nicht im Stich lassen, falls es irgendwelche Probleme gäbe. Im Klartext heißt das wohl, dass ein Teil seines Geschäfts auf Pfusch beruht. Das ist nun nicht besonders außergewöhnlich. Die Genossenschaft zu der meine Wohnung gehört, beschäftigt meistens kleine Firmen, die natürlich billiger sind als große, und flexibler.

Kleine Aufwärmphase, dann kam meine allerhöchst geschätzte Putzfrau, von der ich auch nicht verlange, dass sie mit Maske arbeitet. Auch in diesem Fall wird Frischluft eingesetzt und wir müssen uns ja auch nicht im gleichen Raum aufhalten. erfreulicherweise haben wir aber beide einen Hang zu offenen Fenstern bei allen möglichen Temperaturen. Im Bereich des Alltagslebens finde ich es nicht besonders schwierig, vernünftige Maßnahmen gegen Ansteckung zu ergreifen. Mein Risikofaktor ist der F, der zwar prinzipiell im homeoffice arbeitet, aber einen Tag in der Woche geht er ins Büro. Bislang hat sich einer seiner Kollegen mit Covid 19 infiziert, aber den hat er zum Glück schon eine Weile nicht gesehen. Hoffen wir das Beste.


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Dienstag 25.11.2020 – Stromern rund um´s Impfen

Ich bin ganz pünktlich und schlendere über die Schwedenbrücke. Die U-Bahn war nicht leer, aber auch nicht überfüllt, die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln wird praktisch 100%ig eingehalten, das aber ohnehin schon seit Monaten.  Hinter mir die Ruprechtskirche und darunter der Platz wo der Attentäter erschossen wurde. Aber nichts davon ist heute in meinem Fokus. Was mir dagegen zum Beispiel auffällt, sind die Steinchen am Boden, die offenbar wegen Glatteis gestreut wurden. Heute Nachmittag ist es zwar sehr kalt, aber trocken.

Durch die Taborstraße gehe ich, vorbei an der Gasse, in der ich aufgewachsen bin. Das Haus steht nicht mehr und es ist ein seltsames Gefühl, dass am richtigen Platz das falsche Haus steht. Die Geschäfte sind geschlossen, wir haben ja Lockdown. In sehr vielen Geschäftslokalen sind aber Menschen anwesend, vermutlich die Besitzer oder Geschäftsführer und werkeln mit irgendetwas herum, dekorieren die Auslagen um, sitzen an Schreibtischen und bearbeiten ihre Laptops, telefonieren. Man kann ihnen von der Straße aus bei ihren Aktivitäten zusehen. Die Geschäftslokale sind voll, es sieht aus als hätte man die Fülle der Waren gerade noch untergebracht und wartete ungeduldig auf die Menschenmassen, die demnächst hineinstürmen werden

Ich komme an einer Schneiderei vorbei, in der gearbeitet wird und habe  den Eindruck dass, wenn ich an irgendeine dieser Türen klopfen würde, sicher jemand käme um mich zu fragen, was ich kaufen möchte. An nahezu allen Geschäften steht angeschrieben, dass man die Produkte, welcher Art auch immer, online kaufen kann oder einfach nur anrufen soll und dann alles umsonst nachhause geliefert bekommt. Bei manchen wird der Umkreis angegeben, in dem sie liefern, bei anderen ist es die ganze Stadt. Es gibt viele kreative Ansätze, wie man ohne andere zu gefährden seine Geschäfte betreiben kann. Demnächst werde ich auf diese Art einen Adventkranz erwerben, aber nicht in dieser Straße.

Es gibt eine Gratis-Grippeimpf-Aktion in Wien, die man in verschiedenen Bezirksämtern in Anspruch nehmen kann. Warum immer habe ich mir dieses ausgesucht. Es funktioniert alles völlig problemlos, nach höchstens 10 Minuten bin ich geimpft und wieder auf der Straße. Es ist meine allererste Grippeimpfung, die ich aber schon vor Covid19 beschlossen hatte. Nachdem ich nun nicht mehr täglich mit mehreren Öffis fahre und mit hunderten Leuten zu tun habe, von denen immer einige krank sind, dachte ich, dass der ständige Immunisierungseffekt nachlassen und mein Immunsystem nicht mehr ganz so fit sein wird.

Auf dem Rückweg gehe ich quer durch das Viertel und komme an einem kleinen Platz vorbei. Dort steht eine mir wohlbekannte Kirche mit weit offenen Toren. Wahrscheinlich wird auch hier fleißig gelüftet. Auf einer Bank direkt vor dem geöffneten Tor sitzen zwei klassisch-muslimisch gekleidete Mädchen, die miteinander kichern und schräg dahinter ist ein koscherer Supermarkt. Wie in Andalusien im Mittelalter, wo die allgemeine religiöse Toleranz eine blühende Kultur gefördert wenn nicht gar hervorgebracht hat.


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Sonntag 22. November 2020 – Aloe Vera

Zwei hübsche Pflänzchen habe ich geschenkt bekommen (danke schön, liebe E) und nachdem sie im Wasser schon ordentliche Wurzeln gebildet hatten, kamen sie heute in die Erde. Die Erde kam von draußen und musste sich noch etwas aufwärmen, weil es heute Nacht gefroren hat. Die eine Pflanze kommt an ein Westfenster, in einen Raum, in dem es ihr hoffentlich nicht zu warm sein wird, die andere an ein Südfenster in einen kühleren Raum.

Eigentlich wollte ich sie in mein Regenwasser-Gieß-Programm aufnehmen, aber nachdem die Aloe Vera Kalk mag, wird sie Wiener Leitungswasser mögen. Als Sukkulente trinkt sie ohnehin nicht viel. „Immer nur von unten gießen“ schreibt der Net-Gärtner. Das ist nicht weiter schwierig, das kenne ich auch von der Fleischfressenden, die übrigens vor kurzem tatsächlich eine Spinne und eine Fliege erwischt hat, wie auch immer sie das geschafft haben mag. Ich hatte schon den F im Verdacht, ob er ihr Leckerbissen zukommen lassen wollte, aber er beschwört seine Unschuld. Dann muss sie es selbst geschafft haben. Beachtlich!

Es hat in diesem Jahr sehr viel geregnet und alle meine Auffanggefäße für Regenwasser sind voll. Seit heute Nacht sind sie auch schon gefroren, ziemlich tief, nicht nur in einem Film an der Oberfläche.

Ich schätze den Saft der Aloe Vera als Behandlung für kleine Wunden. Zu diesem Zweck verwende ich Stifte, die an sich als Lippenstifte gedacht sind, von einer Firma, die sich großspurig Forever living nennt. Dieses Versprechen wird sie nicht halten, aber manche ihrer Produkte finde ich ganz gut. Abgesehen von Wundheilung soll die Aloe auch die Luft in Innenräumen reinigen. Ich vermute, dass sie dafür noch etwas wachsen muss, aber dann…


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Freitag 20.November 2020

Der Hermann Schmidt Verlag schickt einen Newsletter mit dem Hinweis auf ein Buch mit dem Titel  „Erfolgreiches eigenes Atelier“. Lustiger Zufall. Auf „erfolgreich“ in dem hier genannten Sinn lege ich ja keinen Wert, erfolgreich für meine Vorstellungen soll es aber schon werden. Es soll mich zum regelmäßigen Malen motivieren, dazu meine derzeitigen Themen „Brücke“  und „Abstrahierung“ endlich auch anders als im Kopf anzugehen.

Der D hat bei der Vertragsunterzeichnung die gesamte Kaution bezahlt, in bar. Eine seltsame, irgendwie anachronistische Vorgangsweise. Und jetzt warte ich darauf, dass er mir seine Kontonummer mitteilt, damit ich meinen Anteil überweisen kann, denn wir sehen einander derzeit ja nicht. Aber nix, keine Kontonummer. Manchmal können auch großzügige Menschen leise nerven!

Andere nerven lauter. Es gibt da die alte Geschichte vom buddhistischen Meister, der gefragt wird, warum er bloß mit jemandem befreundet ist, der ein extrem unangenehmer, unhöflicher, unverläßlicher Mensch ist und in allem und jedem andere Standpunkte auf äußerst rechthaberische Weise vertritt. Und der Meister erklärt, dass dies sein wichtigster und  liebster Freund sei, weil er an ihm und seinen Verhaltensweisen Gelassenheit und Loslassen üben kann. Ich übe auch. Wenn auch vielleicht nicht mit so viel Erfolg wie der besagte Meister. Andererseits ist ja der Erfolg seiner Bemühungen nicht überliefert, was vielleicht seine Gründe hat.

Es nervt mich außerdem, dass mir zu meinem grünen Foto in der „impulswerkstatt“ so gar nichts einfällt, abgesehen von zwei möglichen Fantasygeschichten zu denen ich aber keine Lust habe. Eine dritte Idee hatte ich gestern, sie nimmt aber auch noch keine konkreten Formen an. Dabei habe ich gestern Unkraut gejätet und Pflanzen aus dem Wasser in die Erde befördert. Gärtnerisches wirkt oft sehr inspirierend. Diesmal nicht. Es gibt ja eigentlich viele Ansatzpunkte: das Grün, die Ähre, der Stacheldraht, die Verbindung von Stacheldraht und Ähre, Krieg und Frieden, Durchhaltevermögen, Behinderungen, Freiheit und und und aber nichts will sich zu einem Text formen.

 

 


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Montag 16.November 2020 – Der zweite

Der Lockdown Nummer 2 also, ab morgen. Beim ersten Mal war ich froh, dass alles heruntergefahren wurde, inklusive Schulen. Es kam mir damals etwas unheimlich vor, mit den Öffis zu fahren, große Gruppen zu unterrichten. Dabei waren die Infektionszahlen im März bei gerade 100 pro Tag, vor kurzem waren sie bei fast 10.000. Angeblich sollen die österreichischen Zahlen pro Million Einwohner die höchsten der Welt sein. Das glaube ich nicht so ganz, denn die Zahlen, die aus manchen Ländern gemeldet werden, sind wahrscheinlich nicht besonders glaubwürdig. Aber schlimm genug wäre es schon, die höchsten Zahlen Europas zu haben.

Tatsächlich hat sich das distance-learning als ziemlich anstrengend für alle Beteiligten entpuppt und in weiterer Folge als Ursache für eine katastrophale Vergrößerung der Gräben zwischen von zuhause geförderten Kindern und solchen, deren Eltern sie gar nicht unterstützen können oder wollen. Beim zweiten Durchgang des Lockdown soll wieder der gesamte Unterricht auf distance-learning umgestellt werden. Die älteren Schüler*innen schaffen das ganz gut, die kleineren aber nicht. Abgesehen vom Kanzler war so ziemlich die gesamte Regierung und viele andere Entscheidungsträger gegen die Schulschließungen. Aber der Herr Kurz lässt ja keine großen Zweifel darüber, wer das letzte Wort hat.
Es haben aber schon viele Schulen Systeme ausgeklügelt, wie sie doch unterrichten können. Die Schulen sind ja nicht geschlossen, es findet eine Betreuung statt und immerhin beim zweiten Durchgang ist man darauf gekommen, dass man ja statt die Kinder nur zu bespaßen die Gelegenheit nützen könnte, gerade die schlechteren Schüler*innen zu fördern. Das Unterrichtsministerium verteilt Tablets und Laptops an Schüler*innen und Sonderverträge an Lehramts-Studierende in hohen Semestern. Eine österreichische Lösung: bei ungeliebten Bestimmungen gibt es so viele Ausnahmen und Sonderfälle , dass man sich die Regelungen genauso gut hätte ersparen können. Wir Österreicher sind noch aus Habsburgszeiten ein ziemlich autoritätsgläubiges Volk, andererseits ist aber die kreative Umgehung von Gesetzen und Bestimmungen, die einem selbst nicht sinnvoll erscheinen, ein beliebter Volkssport.

Diesmal bin ich am Tag vor dem Lockdown ziemlich nervös. Den ganzen Tag lang habe ich den Eindruck, dass ich irgendetwas vergessen haben muss, dass ich unbedingt vor dem Schließen des gesamten Handels besorgen müsste. Aber was ? Sicher keine Gegenstände des täglichen Gebrauchs, ich bin immer schon eine große Vorratshalterin gewesen, ganz abgesehen davon, dass die Supermärkte nicht schließen. Ich weiß einfach nicht, woher diese Unruhe gekommen ist. Jetzt ist es auf jeden Fall ohnehin zu spät.


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Samstag 14. November 2020 – Zooooooooom

Der schulische online-Unterricht findet über MS-Teams statt, da kenne ich mich inzwischen recht gut aus. Mein buddhistischer Kurs aber findet über zoom statt. Gut, noch eine Kommunikations-Plattform. Neues zu lernen, erhält das Hirn in Schwung. Es wird so sein wie bei den Sprachen, je mehr man schon kann, desto leichter fällt jede weitere zu lernen.

Eigentlich ist zoom ganz einfach zu bedienen, leider hat aber mein PC bisher das Einschalten des Mikros verweigert. War etwas mühsam per Telefon an einem meeting teilzunehmen. Eigentlich nicht etwas, sondern sehr mühsam, auch für die anderen. Wenn ich schon Kontakte vor dem PC hockend abwickeln muss, möchte ich doch wenigstens nicht nur zuhören, sondern auch mühelos mitreden können. Der Herr Diplomingenieur, vulgo F, hat irgendwas umgeschaltet, jetzt funktioniert das Mikro wieder. Eine Kamera möchte ich nicht dazu schalten, da fühle ich mich beobachtet. Andererseits ist es ein bissl unhöflich, sein Gesicht nicht herzuzeigen. Vielleicht ein Foto. Daran muss ich noch tüfteln. Die Teilnehmer*innen am buddhistischen Kurs kennen mich eh persönlich, aber wie´s ausschaut werde ich vielleicht noch anderes auch online abwickeln müssen.

Der neue Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen für den ganzen Tag beginnt am Dienstag. Am Mittwoch Abend gehe ich meinen Mietvertrag fürs Atelier unterschreiben. Naja, das verrechne ich als wichtige Ausnahme für die psychische Gesundheit oder als sportliche Betätigung, vielleicht gehe ich zu Fuß. Ab 1. Dezember zahlen wir Miete und können das Objekt benützen, aber der Lockdown dauert mindestens bis 6. Dezember. Der Einzug wird sich daher etwas schwierig gestalten, aber für den Anfang wird eine Staffelei und ein Sessel pro Person als Einrichtungsgegenstände ausreichen. Pinsel, Farben und sonstiges Material werden nach und nach folgen und wir müssen ja nicht alle drei gleichzeitig dort sein.


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Punkte

Regentropfen, Dalmatiner, Sommerkleider und Blätter, vor allem im Herbst.

Treffpunkte, Standpunkte, Ausgangspunkte

punktgenau

auf den Punkt bringen, das finde ich wichtig. In ausufernde, alles überschwemmende Gewässer eintauchen, vieles sehen, vieles sichten, dann die Fragen auf den Punkt bringen. Es gibt nicht immer Antworten, schon gar keine einfachen, aber die richtigen Fragen helfen auch weiter.

Allzu einfache, apodiktische Antworten auf komplexe Fragen versteinern das Lebendige. Je versteinerter die Position desto fanatischer, desto angstvoller die Anhänger. Je weniger sich die einfachen Antworten mit dem Leben und der Realität in Einklang bringen lassen, desto mehr wird die Vernunft zugeschüttet, desto mehr sucht man die Bestätigung Gleichdenkender. Ein Teufelskreis.

Dennoch wird es Herbst und dennoch gibt es Blätter mit Punkten.


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Freitag, 30. Oktober 2020

Gerade haben wir das letzte Stück Kuchen, von der letzten Gästin verputzt. Ein veganer Mohnkuchen, der sehr gut geschmeckt hat. Erstaunlich für mich, weil ich mich gar nicht erinnern kann schon irgendwann einen veganen Kuchen gegessen zu haben und meine Vorstellung davon, war so ein vor Trockenheit wie Sand zwischen den Zähnen knirschendes  eher ungenießbares Produkt . Aber nein, gar nicht. Nicht nur der mitgebrachte, selbst gemachte war sehr gut, auch der von mir gekaufte ebenfalls vegane Kuchen aus der Bäckerei hat mir geschmeckt. Man lernt eben noch immer dazu.

Mit den Gästen wird es in nächster Zeit eher traurig aussehen. Es scheint, dass es im Rahmen eines kleinen Lockdowns eine Ausgangsbeschränkung ab 20:00 geben wird. Dass man seine Gäste dann um 19h rausschmeißen müsste, damit sie noch gut nachhause kommen, ist eher unlustig. Aber ich versteh´s, es steigen die Infektionszahlen sehr stark an, die freien Intensivkrankenbetten werden weniger und das medizinische Personal wird bald überlastet sein.

Die Theater werden wohl wieder gesperrt werden und ich fürchte auch die Fitness-Center. Heute war ich noch einmal beim Kieser-Training in einem sehr wenig besuchten Studio und hoffe, dass Montag oder Dienstag auch nochmal geht und dann eben wieder vier Wochen Pause. Auch nicht gesund.

Ich gönne mir einen buddhistischen Kurs in fünf Teilen an fünf aufeinander folgenden Donnerstagen. Gestern war der erste Teil, der nächste wird wohl notgedrungen über zoom stattfinden müssen. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was mir unangenehmer ist: ein Präsenzkurs mit Maske oder ein online-Kurs. Lustigerweise hat das Meditationszentrum den Status eines religiösen Zentrums und darf daher auch offen haben, aber die Abendkurse werden sich wahrscheinlich mit den abendlichen Ausgangsbeschränkungen überschneiden oder auch nicht, man wird sehen. Morgen sollen die neuen Bestimmungen verkündet werden. Ich habe sie schon satt diese Pressekonferenzen deren Hauptinhalt die Ankündigung einer nächsten Pressekonferenz ist …

Morgen Vormittag wird es aber interessant: der D hat wieder ein potentielles Atelier aufgetrieben und wir können es morgen besichtigen. Ich bin schon sehr gespannt.


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Donnerstag 22.10.2020 – Callcenter und Machos

Jetzt habe ich endlich verstanden, wie man ein Callcenter benützt. Also als Basis ruft man zunächst mehrere Male an, sodass man die Informationen von drei bis vier Mitarbeitern vor sich hat. Selbstverständlich widersprechen sich die Auskünfte in wesentlichen Punkten. Man mixt also sowas wie einen Durchschnittswert und geht danach vor. Das kann natürlich auch voll ins Aug´ gehen, wie man in Wien sagt. Alternativ kann man auch auf Mehrheiten zurückgreifen: wenn 4 von 5 Mitarbeitern versichern, dass man eine bestimmtes Dokument vorweisen muss, macht es die Sache wahrscheinlicher als wenn es ein Meinungsverhältnis von 3:2 gibt. Absolute Gewissheiten gibt es aber nicht, wie halt auch sonst im Leben.

„Zuhausebleiben ist etwas für Schwächlinge“ sagt Bolsonaro, „Im Krieg sterben nur Loser“ sagt Präsident Trump. Macho-Getue ist im Vormarsch, Fanatismus jeglicher Richtungen ebenfalls. Ich überlege ernsthaft meinen Konsum von Politik zu beschränken, schaffe es aber vermutlich ohnehin nicht.


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Montag 19.Oktober 20

An Mrs Ariadne Oliver musste ich heute denken, eine Figur aus den Poirot-Romanen von Agatha Christie. Mrs Olivers Eingebungen, die gelegentlich zur Lösung von Poirot-Fällen beitragen, stammen öfters aus ihren alten Terminkalendern, die sie auf dem Dachboden aufbewahrt und zwecks Stöbern nach eventuellen Hinweisen von ihrer Sekretärin suchen lässt. Leider habe ich keine Sekretärin, der ich das Umorganisieren meines Arbeitszimmers auftragen könnte, aber eingedenk Mrs. Olivers Erfahrungen mit dem Finden wichtiger Informationen habe ich ein Regalfach mit alten Terminkalendern nicht ins Altpapier befördert sondern in wunderschöne Schachteln verpackt und dann wieder ins selbe Regalfach drapiert. Davor habe ich das Fach entstaubt. Na, immerhin.

Bei solchen Aktivitäten lasse ich mich gerne vom Ö1-Radioprogramm berieseln. Es wurde ein Musiker interviewt, der einen kroatischen Vater und eine ungarische Mutter hatte, selbst aber beide Sprachen seiner Eltern nicht beherrscht. Der Interviewer fragte ihn, ob er deswegen so etwas wie kulturelle Phantomschmerzen hätte. Ein interessanter Ausdruck „kulturelle Phantomschmerzen“ und ein Problem, das alle betreffen müsste, die von der Ursprungskultur ihrer Eltern nichts oder wenig wissen.


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Sonntag 18. Oktober 2020

Langsam richte ich mich ein, im neuen Leben und beginne mich zu fragen, wie und wann ich denn eigentlich einen eher anstrengenden Vollzeitjob in meinem Leben untergebracht habe. Die vergangene Woche etwa war in vielerlei Hinsicht turbulent und wenn ich zusätzlich zu dem, was ich gemacht habe an vier oder fünf Tagen Vormittags und Nachmittags hätte unterrichten müssen und das mit den vielen Corona-Maßnahmen im Nacken hätte ich – glaube ich – nicht alles geschafft. Gut, ich hätte schon im Vorfeld alles anders organisiert und einiges, was ich erledigt habe wahrscheinlich vor mir hergeschoben. Trotzdem finde ich es recht erstaunlich, wie schnell so eine totale Veränderung des Lebens vor sich gehen kann.

Ich habe immer noch nicht wirklich losgelassen. Nach wie vor lese ich die internen Schulmails – wenn auch nicht mehr jeden Tag – und informiere mich auf diese Art darüber, was so vor sich geht. Am kommenden Freitag bin ich mit zwei Kolleginnen verabredet, die mir das neue Schulgebäude zeigen werden.

Toni Morrison: „Beloved“ Die deutsche Übersetzung des Titels ist „Menschenkind“. Der Roman gewann den Pulitzer-Preis 1988 und ist fantastisch gut geschrieben. Es fällt mir nur schwer in die beschriebene Welt hinein zu finden, in der das Übernatürliche in Form von Geistern und wiedergeborenen Toten als selbstverständlicher Teil des Lebens genommen wird. Beeindruckend finde ich auch wie die Protagonisten mit Schicksalsschlägen umgehen, an denen es in ihrem Leben wirklich nicht mangelt.

Bei dieser Gelegenheit habe ich erfahren, dass es „slave narratives“ und „neo-slave narratives“ als Literaturgattung gibt.

Im Hinblick auf die gesellschaftlichen Umstände im 19 Jhd. der USA mussten slave narratives anders wiedergegeben werden, als es heutzutage möglich ist. Damals konnte man die Sklavenhändler, Sklavenhalter, etc. nicht als schlechte Menschen darstellen, da die slave narratives für ein weißes Publikum geschrieben wurden. Folglich kritisieren slave narratives eher das System hinter dem Sklavenhandel; die Dehumanisierung war eine Folge des Systems.

Während ein slave narrative also eher beschreibend und sachlich dargestellt ist, unterscheidet es sich von einer neo-slave narrative insofern, als dass dort die traumatischen Erlebnisse und ihre Folgen sowie das Verhalten der Sklavenhalter in ihrer gesamten Bandbreite und Brutalität dargestellt werden konnte.

Slave narratives sind auf Grund der autobiographischen Schreibweise in der Ich-Perspektive geschrieben und somit auf die Sichtweise dieser Person beschränkt, während neo slave narratives die Freiheit haben, auch in der 3. Person geschrieben werden zu können und somit nicht auf eine Sichtweise beschränkt sein müssen, somit auch deutlich objektiver sind. WIKIPEDIA


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Malus domestica Paradis Fantasia

So heißt der hübsche. Wohin das „e“ aus dem Paradies gekommen ist, weiß ich auch nicht.

Ganze zwei Stück hat der kleine, neue Baum im Topf getragen. Nicht gerade viel trotz vieler Blüten, aber die zwei haben sehr gut geschmeckt.