Schlagwort: Alltag –

Montag 5.September – Diktatoren und Spiegelungen

Wie viele Diktatoren schon daran gescheitert sind, dass ihre Berater – wahrscheinlich aus guten Gründen – nicht wagten, ihnen anderes zu sagen, als das, was sie hören wollten. Oft war und ist aber, das was sie hören wollen sehr weit entfernt von der Realität und so führen falsche Einschätzungen über kurz oder lang zum Fall der Diktatoren. Ausnahmen gibt es natürlich auch, etwa die kommunistische Erbmonarchie in Nord-Korea, die ja an sich schon ein wahnwitziges Konstrukt ist, nun aber schon in der dritten Generation funktioniert.

Doch, es gibt Tatsachen und Wahrheiten. Man kann sie aber so verdrehen und verknoten und durch Spiegelungen und Verschleierungen so verändern, dass sie kaum mehr erkenntlich sind. Dennoch sind die Wolkenkuckucksheime der Diktatoren meist nicht stabil genug gebaut um lange zu halten. Freilich kann man auch in kurzer Zeit sehr viel Schaden anrichten …

Supermarktgeflüster

Sehr bemerkenswert finde ich, dass auf dem Gurkensalat „vegetarisch“ draufsteht. Ob es auch eine fleischige Variante davon gibt?

An der Wursttheke sagt der freundliche junge Mann wie alle seine Kolleginnen und Kollegen „noch was, Dame?“ Langsam gewöhne ich mich an diesen Spruch, zumal am Tonfall erkenntlich ist, dass es nicht unhöflich gemeint ist. Allerdings gibt es neuerdings auch einen einzigen einheimischen Angestellten, der das klassische „noch einen Wunsch?“ benützt. Es wird spannend, wie sich die Wursttheke sprachlich orientieren wird.

An diesem Supermarkt dessen einziger Vorzug es ist, in der Nähe meiner Wohnung zu sein, sieht man die großen Personalprobleme, die es nicht nur in der Lebensmittelbranche gibt. Wenn ich irgendetwas suche und jemanden danach frage, ist es mir noch kaum jemals passiert, dass der/die angesprochene Angestellte die Antwort gewusst hätte. Es werden dann noch eine/r, zwei, drei …. andere herbeigerufen, die dann miteinander rätseln, ob sie das gesuchte Produkt wohl haben könnten und wenn ja wo. Oft kommt die Filialleiterin dazu und kann das Problem lösen …

Aber alle diese fachlich völlig unbeleckten, jungen Menschen (man muss ihnen einmal dabei zusehen, wie unglaublich ungeschickt und langsam sie sich dabei anstellen zB ein Stück Kuchen in eine Box zu befördern oder ein Stück Fleisch abzuschneiden) sind überdurchschnittlich freundlich und nett. Irgendwann werde ich mich hoffentlich dazu durchringen können, diese Freundlichkeit höher einzustufen als den Mangel an Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Wissen über die einzelnen Produkte.

Montag 29.August 2022- Geselligkeiten

In letzter Zeit habe ich eine für meine Verhältnisse extrem gesellige Phase. Wenn ich in einer Woche viermal weggehe, so ist mir das fast zuviel. Aber am Montag Abend mit einer Gruppe ehemaliger Kolleginnen abends im Museumsquartier zu sitzen, neben dem Leopoldmuseum war doch entspannt und informativ. In Wien gibt es ja schon wieder einen gewaltigen Aufreger über unseren lokalen Energieversorger und auch sonst hat es an Themen nicht gefehlt.

Auch allein

Ich bin über den Blog Klapperhorn auf Drabbels (Texte mit genau 100 Wörtern) gestoßen. Ich versuche mich jetzt daran, „Alltagsdrabbels“ zu schreiben, ohne Wortvorgabe, mit Inspiration aus meinem täglichen Leben.

Es ist einfach so, dass meine Füße genau wissen, wo das Parkett knarrt, wenn ich bei der Gehmeditation draufsteige, meine Hände wissen, wie man das leicht verzogene Fenster bewegt und ich finde mit geschlossenen Augen von einem Raum in den anderen. Viele der Anwesenden sind mir vertraut, äußerlich und innerlich. Wir leben schon lange mit ähnlicher Philosophie.

Ich habe die Gruppe aus eigenem Entschluss verlassen, weil es einiges gab, das ich nicht mittragen wollte, aber die Situation hat sich verändert und ich werde mich vielleicht wieder anschließen. Meinem Körper sind solche Gedanken und Überlegungen egal, er fühlt sich ohnehin zuhause.


Drabbel Nr.8

Sonntag 7.August 2022

Eine Lichtgestalt der Pünktlichkeit war die Freundin, mit der ich heute verabredet bin noch nie, sie hat andere Qualitäten. Ich höre ihr also mit mildem Lächeln zu, wie sie mir schildert, wo sie zu finden sein wird, wenn sie möglicherweise eine halbe Stunde früher als ich zum vereinbarten Treffpunkt kommen sollte. Nachdem dieses Szenario nicht unwahrscheinlich sondern undenkbar ist, schicke ich das milde Lächeln durchs Telephon. Sie kann es zwar weder sehen noch hören, aber vielleicht kommt es trotzdem irgendwie an.

Im Portugiesischen gibt es den Ausdruck „por a conversa al día“ was wörtlich übersetzt heißt „die Unterhaltung auf den neuesten Stand bringen“. Gemeint ist so etwas wie an den letzten Stand der Beziehung anknüpfen bzw den Wissenstand über das Leben der jeweils anderen Person aktualisieren. Genau das haben wir gemacht, ausführlich

Und – wie schön- plötzlich begann es unerwarteterweise zu regnen und der F hatte ,wie versprochen, schon alles gegossen, lange bevor ich nachhause kam.

Samstag 6.August 2022 – Kraken und Homeoffice

Die Nacht war eine der ärgsten Tropennächte, die ich erlebt habe, auch unter Einberechnung der sommerlichen Nächte in Sevilla, die ich in heißester Erinnerung habe, in jeder Hinsicht. Aber heute hat es gut zehn Grad weniger, hat gerade begonnen zu nieseln. Wenn sich die Hitzeschwaden aus dem Kopf verziehen, besteht wieder die Möglichkeit sich mit anderen Themen zu beschäftigen.

Zum Beispiel mit Kraken. Diese Wesen faszinieren mich ja schon lange. Die Verhaltensforschung stellt ihre Intelligenz mittlerweile auf die gleiche Stufe, wenn nicht höher, als jene von Hunden, Katzen, Rabenvögeln und kleinen Primaten. Auch von Seiten der Genetik gibt es erstaunliche Erkenntnisse über besondere Methoden und Frequenz des Umbaus der DNA durch die eigene messenger-RNA.
Eine sehr beliebte These ist , dass die Entwicklung von Intelligenz durch das Leben in der Gemeinschaft, im Rudel, durch Möglichkeit und Notwendigkeit von Interaktionen stark gefördert wird. Die Intelligenz der Kraken bestätigt diese These nicht: Kraken sind nicht im mindesten sozial sondern Einzelgänger.

Einzelgänger*in muss man nicht unbedingt sein, um gerne im Homeoffice zu arbeiten, zumindest gelegentlich. (Ich bemerke amüsiert, dass meine Überleitungen von einem Thema zum nächsten sehr an jene von Fernsehjournalisten erinnern) Während der Lockdowns wurde heftig über die Schwierigkeiten und negativen Aspekte des Arbeitens im Homeoffice geschimpft. Neuerdings aber zeigen Umfragen, dass das Arbeiten zuhause sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Zwei bis drei Tage pro Woche wird von den Befragten als optimale Situation angegeben. Das hat mit Zeitgewinn durch Einsparung von Wegen zu tun und auch damit, dass man ja – zumindest theoretisch – überall arbeiten kann und keine Rechenschaft über seinen Aufenthaltsort ablegen muss.
Beim F in der Firma sind zwei mögliche Homeoffice-Tage pro Woche die derzeitige Regelung, wobei bei allen Mitarbeitern einer dieser Tage der Freitag ist. Der F nimmt meistens Donnerstag und Freitag. Sehr oft arbeitet er den Freitag ein und hat dadurch lange Wochenenden.
Es gibt ja auch einen allgemeinen Trend, weniger arbeiten zu wollen, bzw sich die Arbeits- und Freizeiten flexibler einteilen zu können. Die 4-Tage-Woche halte ich für ein sehr positives Modell, das auch den Vorzug hätte, der Mehrzahl der Arbeitnehmer, die in Berufen arbeiten, in denen es keine Möglichkeit für Homeoffice gibt, eine Erneuerung und in den allermeisten Fällen Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu bieten.

Freitag 5. August 2022

Manchmal zweifle ich an meinem Verstand. Ausgerechnet heute am bislang heißesten Tag des Jahres habe ich mir in den Kopf gesetzt, Hirtenspießchen zu machen, im Backrohr. Gestern als es immerhin auch schon 35 Grad hatte, habe ich das Fleisch gekauft und dann ganz woanders die Metallspieße. Beim Nachhausekommen war ich dem Fleisch fast neidig, dass es in den Kühlschrank durfte und ich nicht.

Heute waren wir bei fast 37 Grad. Man muss immer bedenken: sechster Stock unter dem Flachdach, in der Stadt. Wildentschlossen habe ich alles geschält und geschnippelt und das Backrohr aufgedreht. Bestimmt hat das Rohr noch ein bisschen mitgeheizt, aber die Spießchen haben gut gerochen und geschmeckt und nichts ist abtörnender als den ganzen Tag bei geschlossenen Fenstern und Jalousien zuhause zu sitzen. Sicher Gazpacho, Gurkensalat oder Ähnliches wären vernünftiger gewesen. Ich pfeife auf die ewige Vernunft !

Heute Nacht soll die Abkühlung in Form von Gewittern kommen und für Morgen sind wunderbare 27 Grad vorhergesagt. In Erwartung wieder einiger angenehmerer Tage habe ich mich von einer Freundin überreden lassen, am Sonntag gemeinsam baden zu gehen. Es kann ja nicht viel passieren, ich gehe gerne auch bei Regen schwimmen und wir können uns auch in das Restaurant des Bades flüchten. Im Idealfall wären nicht so viele Leute im Bad, weil es nicht mehr heiß ist.

Donnerstag 28. Juli 2022 – Hundenasen und Schiffe

Wie intensiv die Hitze doch alle Gerüche macht. Sie verstärkt die angenehmen wie die unangenehmen. Von allen Seiten ploppen sie plötzlich auf, vor allem die Biomüllcontainer überfallen die Passanten aus dem Hinterhalt. In hundertfacher Verstärkung muss das eine Hundenase aufnehmen, wobei auch Hunde wahrscheinlich individuelle Geruchs-Vorlieben haben.

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich beschlossen von den Lehrer-Terminkalendern, die im Juli beginnen auf die üblichen im Januar beginnenden umzusteigen. Ich hätte gedacht, dass ich diesen Rhythmus: das Jahr beginnt im September und dauert bis Ende Juni, dazwischen sind neun Wochen flatternde, tanzende Zeit, beibehalten würde, schließlich hat er mein ganzes Leben strukturiert. Aber nein, heute kam ich an meinem Lieblingspapiergeschäft vorbei, wühlte ein bisschen in den diversen papierenen Schätzen und kaufte dann einen von meinen geschätzten „Leuchtturm“-Terminkalendern. Die sind wie die Moleskins nur eine Spur breiter, mit hübscheren Einbandfarben und um einiges billiger.

Blick von Stift Melk. Ein Altarm der Donau fließt hier in den Hauptfluss, die dadurch entstehende Insel ist ein Augebiet.

Donnerstag 14. Juli 2022 – Was es in Österreich alles gibt, sagenhaft

Kaiser Franz Josef I (verstorben 1916, mitten im ersten Weltkrieg) sagte gerne bei allen möglichen Gelegenheiten: „es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“. Wenn in Österreich von DEM Kaiser gesprochen wird, ist immer von Franz Joseph I die Rede. Dass aber die Marketing-Abteilung von Rewe, Abteilung „Werbung in Österreich“ monarchistisch unterwandert ist, erstaunt mich schon. Ebenso erstaunlich finde ich, dass junge Leute, diesen Spruch überhaupt noch kennen. Gemüse wird aber doch wohl nicht nur für ältere Generationen als Zielgruppe beworben. Oder doch? Oder sind die Zielgruppe Monarchisten, oder vielmehr Bio-Gemüse kaufende Monarchisten? Da werden sich die Einnahmen aber sehr in Grenzen halten.

Was so ein Packl Tiefkühlgemüse für Fragen aufwirft!

Ich bin dazu übergegangen Schreib-Ideen, die mir so kommen als Entwurf zu speichern. Gerade bin ich aber erschrocken, was sich da alles so angesammelt hat. Für mein eigenes Schreibprojekt, die Impulswerkstatt, für Christianes Etüden, sonstiges wie der Text mit den vielen Adjektiven. Ich könnte den ganzen Tag schreiben, was ich nicht vorhabe. Obwohl bei den herrschenden Temperaturen … Derzeit hat es „erst“ 32 Grad, es ist aber auch noch nicht der heißeste Zeitpunkt des Tages.

Sonntag 3. Juli 2022 – Sie stehen da

In einer Ecke vor meinem Schlafzimmer steht ein Paar Krücken mit einem hellgrünen Stoffband, das sie miteinander verbindet. Wenn ich vorbeigehe, begrüße ich sie und freue mich darüber, dass ich auf ihre Gesellschaft derzeit gut verzichten kann. Seit Anfang Februar brauche ich sie nicht und davor waren es an die vier Jahre, in denen ich nicht einmal an sie gedacht habe. Warum ich sie wohl noch nicht in den Keller geräumt habe, damit sie dort mit ihresgleichen verstauben können? Staub lässt sich ja wieder abwischen.

Vielleicht ist es magisches Denken: solange sie dort stehen, brauche ich sie nicht, wie das auch mit Regenschirmen so sein soll. Nur dass diese magischen Zusammenhänge reine Einbildung sind und nie in einer annähernd signifikanten Häufigkeit auftreten. Ich habe keinen Streit mit den Krücken, sie können nichts dafür, dass mein Rückenmarkskanal zu eng ist, sie waren mir immer nützlich und hilfreich, was also könnte ich gegen sie anführen ? Sie haben mich gestützt, geschützt, gerade ausgerichtet, von A nach B gebracht, wenn auch nicht gerade in Turbo-Geschwindigkeit, dafür verlässlich. Nein, nein, ich mag meine Krücken, wenn ich sie auch aus der Entfernung lieber mag als aus der Nähe.

Samstag 2. Juli 2022 – Entspannung der Lage

Beachtlich ist es, wenn die Temperatur innerhalb von zwei Stunden um nahezu zwanzig Grad sinkt, wenn sie von „unerträglich“ über „immer noch recht heiß“ bis zu „genau richtig“ und „schon etwas kühl“, von 35 bis 15 Grad herunterrasselt. Für meinen Geschmack ein wunderbarer Abend! Zwar begann es zu regnen nachdem ich ausgiebig gegossen hatte, aber das sind Kleinigkeiten, schließlich gieße ich gerne und freue mich darüber, dass wir keine Wasserknappheit haben.

Lange hatten wir schon vor, auf dem nahe gelegenen Markt zum Essen einzukehren zum Beispiel in ein vietnamesisches Lokal. Ich habe mir selbst zu rollende Sommerrollen ausgesucht. Zum selbst Rollen, klang verlockend. Geschmeckt haben sie mir sehr, es war irgendein Gewürz dabei, das ich nicht identifizieren konnte. Es wurden Reispapierscheiben auf den Tisch gestellt, die man zunächst durch Drehen im Wasser weich machen musste. Dann kam die Füllung hinein, da gab es verschiedene Möglichkeiten an Fleisch und Gemüse und dann musste man aus diesen Teilen eine Rolle machen, die dann in verschiedene Saucen getaucht wurde.

Ich fürchte ich habe mich ziemlich blöd angestellt, denn die Kellnerin hat mir eine Weile zugesehen und mir dann in einer Mischung aus amerikanischem Englisch und einer Sprache, die eventuell vietnamesisch gewesen sein könnte, erklärt und vorgemacht, wie dieses klebrige Reispapier am besten gerollt werden kann. Sie war sehr nett und wir haben gemeinsam darüber gelacht, was für ein Schlachtfeld ich auf meiner Seite des Tisches hinterlassen habe. Aber es war köstlich und ich denke, ich werde als fortgeschrittene Reispapierwicklerin wiederkommen. Der F hat es sich leichter gemacht und ein Gericht gewählt, das man mit einem Löffel aus einer großen Schale essen konnte. War auch sehr gut.

Endlich einmal wieder ein rundherum angenehmer Tag, den ich durch Nichthören oder Lesen von Nachrichten gekrönt habe. Die Weltnachrichten sind insgesamt furchtbar und die nationalen auch nicht gut, obwohl das ein Jammern auf hohem Niveau bleibt.

Mittwoch, 29.Juni 2022 – Gedankenfetzen

Den letzten Ungarischkurs in diesem Semester habe ich absolviert. In letzter Zeit habe ich etwas geschwächelt, weil anderweitig gar so viel los war, aber ich habe mich schon für zwei Intensivwochen im Juli angemeldet um die Grundpfeiler besser einzuzementieren. Hoffentlich werde ich das nicht bereuen, denn die Stadt glüht jetzt schon und es ist erst Ende Juni. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe…

Ich überlege, mir im Herbst jemanden zur Konversation zu engagieren. Sehr viel geht da noch nicht, aber man muss ja irgendwie damit anfangen, die Grammatik und Vokabel zusammenzusetzen und ins Leben zu bringen.

Aus gegebenem Anlass rätsle ich gerade über „schlagen“, „vorschlagen“, „zuschlagen“, „beschlagen“. Deutsch ist nicht ganz so schwierig wie ungarisch, aber auch ziemlich furchtbar.

Auch im Atelier hätte ich sturmfreie Bude, der D ist in Irland und kommt erst gegen Ende August zurück, aber zum Malen fehlt s mir gerade an Motivation, kommt auch nicht oft vor. Heute um 11h hat es bereits 30 Grad, da kann man sich auf den Nachmittag richtig freuen ! Der F sagt, im Sommer wäre die Hitze mein vorrangiges Thema. Das ist nicht falsch, aber wenigstens findet er nicht, dass sie mein einziges Thema ist. Wenn er heute nachhause kommt und unter der Hitze stöhnt, es werden wahrscheinlich mehr als 36 Grad, werde ich bedeutungsschwer die Stirn runzeln oder so

Mittwoch 22. Juni – Räder, Unfälle, Traumata

Dass ich aus zwei selbst gebauten Autounfällen ein ordentliches Trauma zurückbehalten habe, war mir schon klar. Nicht umsonst fahre ich nicht Auto. Ich habe auch erfahren, dass mir sogar bei einem Computerspiel das Autofahren unangenehm ist. So weit so schlecht. Dass es aber nicht nur ums Autofahren sondern um die Teilnahme am Verkehrsgeschehen mit egal welchem Fahrzeug geht, ist mir erst kürzlich klar geworden, beim Radfahren in PB.

Ich habe das Thema nie ernsthaft bearbeitet. Ich weiß, dass es da ist, aber es ist in meinem städtischen Alltag kein Problem, nicht selbst Auto zu fahren. Auf dem Land sieht die Sache anders aus.

Es ist ein seltsames Gefühl, sich zu fürchten und genau zu wissen, dass der Grund für die Angst nicht das ist, was ich gerade tue – nämlich Radfahren – sondern sehr alte Geschichten. Ich habe ja nicht wirklich Angst davor in eine ohnehin sehr schwach befahrene Straße einzubiegen, steige aber trotzdem ab und auf der anderen Seite der Straße wieder auf. Sehr unangenehm ist das und ich hoffe, ich bekomme es in den Griff. Ich denke schon, aber es wird eine Weile dauern. Genau das gleiche Problem habe ich mit dem Scooter.

Foto: Pixabay

Es war nicht annähernd so schlimm wie auf diesem Foto

Sonntag 19.Juni 2022 – Ich habe es ja geahnt

Sonntag. Wir wohnen in einem Außenbezirk, leere Straßen und wegen großer Hitze überhaupt kaum jemand im Freien, außer in den Bädern vermute ich. Ich stehe mitten auf einer freien Fläche, die kein Parkplatz ist und rund um mich herum kurvt der F auf dem neuen Scooter. „Der ist cool“ ruft er und verschwindet um die nächste Ecke. Ich habe ja geahnt, dass er ihn mögen wird!

Ich habe die Produktion von Eiswürfeln aufgenommen. In einem Wasserkrug mit Orangen und Minze aus eigener Produktion, die Minze nicht die Orangen, sind sie genau richtig. An extremen Hitzetagen trinke ich immer literweise Wasser vorzugsweise mit Kräutern und Obst.

Mitten in der ersten Hitzewelle des Jahres ist es aber eigentlich gar nicht so schlimm. Zu wissen, dass ich ja zuhause jederzeit das Klima aufdrehen kann, wenn es zu arg wird, führt dazu, dass ich es gar nicht aufdrehe. Verstehe jemand sich selbst.

In diesem Jahr gibt es in Wien nicht nur die Brunnhilden, Trinkbrunnen, die auch Wasser zum Abkühlen versprühen sondern auch viele neue Wasserversprühsäulen. Was für ein Luxus in einer Region zu leben, wo es genügend Wasser gibt um es bei Hitze auf Passanten zu versprühen! Der F fordert allerdings die Version für Brillenträger ohne aber konkrete Vorschläge zu haben, wie diese Version aussehen könnte.

Freitag 17. Juni 2022 – doch keine Querulanten

Immer dachte ich, dass die Leute, die sich ständig über Paketdienste und Zustellungen beschweren einfach Querulanten sind, die über alles und jedes schimpfen und ohnehin nie mit irgendetwas zufrieden zu stellen sind. Eine einzige ungute Erfahrung hatte ich bisher selbst gemacht. Ein Paket, das nie bei seinem Empfänger in Deutschland angekommen ist, zurückgeschickt wurde und dann auch erst nach größerem Hin- und Her wieder bei mir gelandet ist. Aber einmal – so dachte ich – ist kein Mal und alle anderen Lieferungen haben immer funktioniert. Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich, weil Stadtbewohnerin und haptischer Typ eine sehr schwache Online-Käuferin bin.

Aber nun hat der F zur Aufrüstung unseres „Fahrzeugparks“ in PB ganz spontan einen kleinen Scooter erworben, der von DHL geliefert werden sollte. Und dadurch haben wir so ungefähr alles erlebt, was in den als querulantisch empfundenen Beschwerden so vieler Leute vorkommt. Aber immerhin nach drei und einigen Wirren Tagen ist das Paket angekommen. Der F ist obendrein gleich hinuntergestürzt und hat dem Zusteller das ziemlich schwere Paket abgenommen, weil der ja eh so einen Scheißjob hätte, das man ihm auch einmal helfen könnte.

Ich entschuldige mich also in aller Form bei allen, die ich insgeheim als Querulanten gesehen habe und werde weiterhin so wenig wie irgend möglich online bestellen.