Schlagwort: Alltag –

Freitag 19. Februar 2021 – Augenblicke

„Ich schau aus wie die Hexe Soundso“ sage ich zum F und wühle vor dem Spiegel in meiner Nichtfrisur.

„Du schaust aus wie eine Corona-Königin“ antwortet er. Bevor ich das unter ganz herausragend charmante Komplimente verbuche, sehe ich seinen sehr breiten Grinser. Nett ist es aber auf jeden Fall, schließlich hätte er auch sagen können, dass er in seiner Beurteilung zwischen der Hexe Kniesebein und Mme Mim schwankt. Verbuche ich es halt unter „Prinzipiell Liebevolles, aber …“

Einen möglichst ähnlichen Sinn für Humor zu haben, finde ich in einer Beziehung sehr wichtig. Man erspart sich vieles an Missverständnissen und Kränkungen.

Hin und wieder darf man doch ……

Man soll sich ja über seine Mitmenschen nicht lustig machen, aber wenn jemand monatelang täglich in hysterisch anmutendem Eifer mehrere Verschwörungslinks postet, die anscheinend bald wieder gelöscht werden, weil sie sogar nicht zimperlichen Plattformen wie you tube zu blöd und/oder zu hetzerisch sind, in regelmäßigen Abständen den Weltuntergang prophezeit und auch sonst intensiv über Bedrohungen und Verfolgungen schwadroniert,  dann schreibt “ da könnte man doch glatt paranoid werden“, dann darf ich schon wenigstens schmunzeln, oder ? Eine rhetorische Frage, ich möchte keine Diskussion zum Thema führen

Es häufen sich die Hinweise darauf, dass ich ganz bestimmt nicht auf Twitter aktiv sein möchte. Wie bei allen Kommunikationsmitteln und Medien kommt es darauf an, wie man sie nützt, natürlich. Ich meine hier das „tägliche Geschäft“ wo die Leute darüber berichten, in welchem Gang sie gerade durch den Supermarkt gehen oder Ähnliches. Der alte Spruch, aufs Fernsehen gemünzt, trifft auf die „neuen Medien“ noch viel mehr zu “ Vom Fernsehen (hier durch Internet zu ersetzen) werden die Klugen klüger und die Dummen dümmer“

„Mutationsgebiet“ halte ich ganz unabhängig von virologischen und politischen Fragen für eine sehr misslungene Wortschöpfung. Ähnlich arg wie „freitesten“.

Ich habe heute einen kritisch-spitzen Tag, was sich hoffentlich bald wieder ändern wird …

Mittwoch 10. Februar 2021

3700 % soll die Inflation in Venezuela betragen. Das muss man sich in der Praxis vorstellen, Preise ändern sich mehrmals täglich beträchtlich. Bei Anfällen von Selbstmitleid, wie furchtbar doch alles derzeit ist, muss man sich solche Lebenssituationen vor Augen führen. Diese und viele andere. Sehr imponiert hat mir in diesem Zusammenhang, dass Kolumbien sämtlichen Flüchtlingen aus Venezuela Unterstützungen und Zugang zum Arbeitsmarkt, der Gesundheitsversorgung und der Bildung gewährt. Das ist ungeheuer großzügig und ich hoffe, nicht demnächst zu erfahren, dass irgendwelche finsteren Motive dahinter stecken.

Der Gastronomie in Wien geht es schlecht, weil die Lokale geschlossen sind, aber beim Herumstromern sehen ich immer, dass auch die kleinsten Cafés, Imbissstuben, Restaurants über die Gasse verkaufen und bei vielen stehen die Kunden Schlange. Es haben wohl alle genug vom immer nur selbst produzierten Essen und vom ständigen Kochen.Trotzdem werden viele Betriebe eingehen oder zumindest nicht alle Angestellten halten können. Man kann nur hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie es aussieht.

Samstag 6. Februar 2021

Der sonnige Kurzfrühling vom Freitag ist wieder in Nebel übergegangen. Nebel und nieseln. Ich genieße diese feuchte Luft sehr und auch die Bäume im Nebel. Der F weniger, aber er weiß natürlich auch, dass die Psyche an solch trüben Tagen Aufmunterung durch Tageslicht braucht. Eigentlich wollte ich einen Kochtag veranstalten, aber Flexibilität muss man üben und so kommen wir vom Spaziergang mit einem nährreichen Papiersackerl nachhause. Kein Plastik ist ja sehr löblich, aber bei Regen ist so ein Papiertransporter risikoreich.

Würde ich Landschaften malen, wäre so ein Nebelmotiv interessant. Aber Landschaftsmalen ist so gar nicht meins.

Mittwoch 3.Februar 2021

Ich kann und will es mir nicht erlauben, nicht regelmäßig Bewegung zu machen. Das Kieser-Studio ist seit unendlichen Zeiten geschlossen. Zwar wird der Vertrag um die Zeit der Schließung verlängert, davon habe ich aber derzeit gar nichts. Für die Gymnastik allein zuhause bin ich zu undiszipliniert, es bleibt mir also nichts anderes übrig, als herumzustromern und viele, viele Schritte zu machen. Prinzipiell mache ich das durchaus gerne, weil es meinen zu Verkürzungen tendierenden Hüftheber-Muskel zur Räson bringt, aber die überraschenden neuen Entdeckungen in der näheren Umgebung halten sich in Grenzen.

Hin und wieder ein winterliches Stillleben:

Donnerstag 28. Jänner 2021

Aus dem Home-Office-Zustand ist eine Tradition des gemeinsamen Frühstücks entstanden. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber unser Satz des Tages wurde „wer nur einen Hammer als Werkzeug hat, sieht in jedem Problem einen Nagel“. Ein wirklich interessanter, tiefgründiger Gedanke, der im Lauf des Tages immer wieder aufgetaucht ist und in immer wieder andere Zusammenhänge gepasst hat.

Das Problem mit den Adventkränzen ist, dass sie, je trockener sie werden, umso besser riechen. Der Weihnachtsbaum ist längst abgeräumt und wird wahrscheinlich von den Ziegen auf der Mülldeponie gefressen, aber die Adventkränze sind noch da und riechen wunderbar. Nachdem sie für mich eine rein dekorative Bedeutung haben, dürfen sie noch eine Weile herumstehen. Zwar gibt es überall schon diverse vorgetriebene Zwiebelpflanzen und Berge von Tulpen zu kaufen, aber ich bin noch im Wintermodus und rieche lieber die Adventkränze

Trügerisches – OOps eine irrtümlich entstandene Mini-Etüde

Es wird Zeit, dass ich mich mit anderen Motiven als Spiegelungen befasse, aber sie verfolgen mich unverdrossen. Es ist erschütternd. Von jedem Gehsteig, von jeder Wand wacheln sie mir zu. Von Wasserflächen will ich gar nicht reden, daran komme ich überhaupt nicht vorbei. Spiegel von Motorrädern, Windschutzscheiben von Autos, Scheinwerfer, Lautsprecher, Fenster, Glasscheiben jeder Art. Die Welt scheint hauptsächlich aus Spiegelungen zu bestehen.

Und bei der extremen Farblosigkeit, die derzeit vorherrscht, ist so ein oranger Streifen unwiderstehlich.

Außerdem winke ich Christiane zu

Mittwoch 20.1.2021-grau

Nachgedacht habe ich heute darüber, ob es wohl unangenehmer ist, alt zu werden oder alt zu sein. Antwort habe ich keine gefunden, aber die Erkenntnis dass die Frage absurd gestellt ist, es überhaupt keinen Sinn macht, sich über Unvermeidliches den Kopf zu verbrechen und sich in  einer Art Selbstmitleid zu suhlen. Furchtbar! So eine Gemütslage kenne ich sonst gar nicht von mir. Dass der Lockdown beginnt an die Substanz zu gehen, wenn schon ein Ende absehbar ist! Nicht gleich für morgen aber doch immerhin. Nicht einmal die wunderbare Tatsache, dass die Ära Trump vorbei ist, hat mich heute aufgemuntert. Aber morgen wird sicher ein besserer Tag.

Dienstag 12. Jänner 2021 – Pharmazie und Stricken

Eisige Kälte und Pandemie treiben einen nicht direkt aus dem Haus. Ursprünglich wollte ich mit meiner Freundin S und etlichen Thermosflaschen einen Spaziergang machen, Ich fand es aber so kalt, dass mir der angebotene Besuch bei der S doch sehr viel angenehmer erschien.

Sie hatte Covid bereits im Februar, aber kein einziges Antikörperchen mehr. Schöne Aussichten sind das für die Impfung, Wahrscheinlich wird man sie jedes Jahr wiederholen müssen. Die S ist Apothekerin, also Pharmazeutin und wird nicht nur regelmäßig getestet sondern ist auch über den neuesten Stand der Forschung eingelesen. Worüber sie nicht eingelesen sein kann, ist der Stand der Impfplanung in diesem Land, der nahezu täglich verändert wird, wahrscheinlich um darüber hinwegzutäuschen, dass die ganze Truppe in Monaten nicht imstande war eine effiziente Strategie auszuarbeiten. Erschütternd welche grundlegenden Schwächen der Verwaltung durch die Covid-Pandemie sichtbar werden.

Erstaunlich wie sehr mir gewisse Verhaltensweisen schon in Fleisch und Blut übergegangen sind. Wie zum Beispiel niemals jemandem beim Essen gegenüber zu sitzen sondern im rechten Winkel zueinander, das ständige Lüften und Händewaschen. Trotzdem war es ein sehr gutes Gefühl zwischen Bergen von Fachbüchern und einem halben Dutzend begonnennen Strickprojekten zu sitzen und ein neues Rezept der S auszuprobieren. Sie kocht gerne und gut und hat vor ein paar Jahren eine Zusatzausbildung in Ernährungswissenschaft gemacht. Die S ist überhaupt die Königin der Zusatzausbildungen. Sehr beeindruckend, was sie alles tut und kann und dabei einen tiefenentspannten Eindruck macht. Die Stöße von buddhistischen Büchern, die ebenfalls herumstehen, werden da ihren Beitrag leisten. Auch die Anzahl der privaten „Sozialprojekte“ der S ist eindrucksvoll. Ich komme ja schon direkt ins Schwärmen, aber natürlich hat die S auch Fehler.

Dienstag 5. Jänner 2021

Die Heiligen Drei Könige haben uns schon gestern besucht. Nachdem sie nicht singen dürfen, rezitieren sie, mit Inbrunst. Ob das einen großen Unterschied ausmacht? Weder bei dieser Truppe noch bei denen, die ich später unterwegs gesehen habe, gab es einen schwarz angemalten König. Wenn es wichtig wäre, einen schwarzen König dabeizuhaben, könnten sie wohl ein echtes dunkelhäutiges Kind finden. Offenbar ist das aber doch nicht so wichtig.

Ich kam an der Botschaft der Mongolei vorbei. Von vielen mongolischen Studierenden mit unendlich langen Namen wusste ich, dass es eine mongolische Schrift gibt, habe sie aber noch nie in Form eines zusammenhängenden Textes gesehen. Eine schöne Schrift. Gefallen hat mir auch, dass sich in der Tafel Bäume spiegeln. Die Mongolei ist ja ein Land mit riesigen Steppen und ganz wenigen Bäumen. Wenn ich darüber nachdenke, weiß ich eigentlich eine Menge über die Mongolei. Von einem Freund, der einmal längere Zeit dort war und von den besagten Studierenden. Das Positive an solchen interkulturellen Situationen bleibt, mit dem Negativen, den Schwierigkeiten bei der Verständigung, den Unterschieden in vielen Sichtweisen muss ich mich nicht mehr beschäftigen. Wobei die Mongolen im Vergleich zu anderen eine völlig unproblematische Gruppe sind.