Schlagwort: Alltag –

Mittwoch, 29.Juni 2022 – Gedankenfetzen

Den letzten Ungarischkurs in diesem Semester habe ich absolviert. In letzter Zeit habe ich etwas geschwächelt, weil anderweitig gar so viel los war, aber ich habe mich schon für zwei Intensivwochen im Juli angemeldet um die Grundpfeiler besser einzuzementieren. Hoffentlich werde ich das nicht bereuen, denn die Stadt glüht jetzt schon und es ist erst Ende Juni. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe…

Ich überlege, mir im Herbst jemanden zur Konversation zu engagieren. Sehr viel geht da noch nicht, aber man muss ja irgendwie damit anfangen, die Grammatik und Vokabel zusammenzusetzen und ins Leben zu bringen.

Aus gegebenem Anlass rätsle ich gerade über „schlagen“, „vorschlagen“, „zuschlagen“, „beschlagen“. Deutsch ist nicht ganz so schwierig wie ungarisch, aber auch ziemlich furchtbar.

Auch im Atelier hätte ich sturmfreie Bude, der D ist in Irland und kommt erst gegen Ende August zurück, aber zum Malen fehlt s mir gerade an Motivation, kommt auch nicht oft vor. Heute um 11h hat es bereits 30 Grad, da kann man sich auf den Nachmittag richtig freuen ! Der F sagt, im Sommer wäre die Hitze mein vorrangiges Thema. Das ist nicht falsch, aber wenigstens findet er nicht, dass sie mein einziges Thema ist. Wenn er heute nachhause kommt und unter der Hitze stöhnt, es werden wahrscheinlich mehr als 36 Grad, werde ich bedeutungsschwer die Stirn runzeln oder so

Mittwoch 22. Juni – Räder, Unfälle, Traumata

Dass ich aus zwei selbst gebauten Autounfällen ein ordentliches Trauma zurückbehalten habe, war mir schon klar. Nicht umsonst fahre ich nicht Auto. Ich habe auch erfahren, dass mir sogar bei einem Computerspiel das Autofahren unangenehm ist. So weit so schlecht. Dass es aber nicht nur ums Autofahren sondern um die Teilnahme am Verkehrsgeschehen mit egal welchem Fahrzeug geht, ist mir erst kürzlich klar geworden, beim Radfahren in PB.

Ich habe das Thema nie ernsthaft bearbeitet. Ich weiß, dass es da ist, aber es ist in meinem städtischen Alltag kein Problem, nicht selbst Auto zu fahren. Auf dem Land sieht die Sache anders aus.

Es ist ein seltsames Gefühl, sich zu fürchten und genau zu wissen, dass der Grund für die Angst nicht das ist, was ich gerade tue – nämlich Radfahren – sondern sehr alte Geschichten. Ich habe ja nicht wirklich Angst davor in eine ohnehin sehr schwach befahrene Straße einzubiegen, steige aber trotzdem ab und auf der anderen Seite der Straße wieder auf. Sehr unangenehm ist das und ich hoffe, ich bekomme es in den Griff. Ich denke schon, aber es wird eine Weile dauern. Genau das gleiche Problem habe ich mit dem Scooter.

Foto: Pixabay

Es war nicht annähernd so schlimm wie auf diesem Foto

Sonntag 19.Juni 2022 – Ich habe es ja geahnt

Sonntag. Wir wohnen in einem Außenbezirk, leere Straßen und wegen großer Hitze überhaupt kaum jemand im Freien, außer in den Bädern vermute ich. Ich stehe mitten auf einer freien Fläche, die kein Parkplatz ist und rund um mich herum kurvt der F auf dem neuen Scooter. „Der ist cool“ ruft er und verschwindet um die nächste Ecke. Ich habe ja geahnt, dass er ihn mögen wird!

Ich habe die Produktion von Eiswürfeln aufgenommen. In einem Wasserkrug mit Orangen und Minze aus eigener Produktion, die Minze nicht die Orangen, sind sie genau richtig. An extremen Hitzetagen trinke ich immer literweise Wasser vorzugsweise mit Kräutern und Obst.

Mitten in der ersten Hitzewelle des Jahres ist es aber eigentlich gar nicht so schlimm. Zu wissen, dass ich ja zuhause jederzeit das Klima aufdrehen kann, wenn es zu arg wird, führt dazu, dass ich es gar nicht aufdrehe. Verstehe jemand sich selbst.

In diesem Jahr gibt es in Wien nicht nur die Brunnhilden, Trinkbrunnen, die auch Wasser zum Abkühlen versprühen sondern auch viele neue Wasserversprühsäulen. Was für ein Luxus in einer Region zu leben, wo es genügend Wasser gibt um es bei Hitze auf Passanten zu versprühen! Der F fordert allerdings die Version für Brillenträger ohne aber konkrete Vorschläge zu haben, wie diese Version aussehen könnte.

Freitag 17. Juni 2022 – doch keine Querulanten

Immer dachte ich, dass die Leute, die sich ständig über Paketdienste und Zustellungen beschweren einfach Querulanten sind, die über alles und jedes schimpfen und ohnehin nie mit irgendetwas zufrieden zu stellen sind. Eine einzige ungute Erfahrung hatte ich bisher selbst gemacht. Ein Paket, das nie bei seinem Empfänger in Deutschland angekommen ist, zurückgeschickt wurde und dann auch erst nach größerem Hin- und Her wieder bei mir gelandet ist. Aber einmal – so dachte ich – ist kein Mal und alle anderen Lieferungen haben immer funktioniert. Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich, weil Stadtbewohnerin und haptischer Typ eine sehr schwache Online-Käuferin bin.

Aber nun hat der F zur Aufrüstung unseres „Fahrzeugparks“ in PB ganz spontan einen kleinen Scooter erworben, der von DHL geliefert werden sollte. Und dadurch haben wir so ungefähr alles erlebt, was in den als querulantisch empfundenen Beschwerden so vieler Leute vorkommt. Aber immerhin nach drei und einigen Wirren Tagen ist das Paket angekommen. Der F ist obendrein gleich hinuntergestürzt und hat dem Zusteller das ziemlich schwere Paket abgenommen, weil der ja eh so einen Scheißjob hätte, das man ihm auch einmal helfen könnte.

Ich entschuldige mich also in aller Form bei allen, die ich insgeheim als Querulanten gesehen habe und werde weiterhin so wenig wie irgend möglich online bestellen.

Freitag 29.April 2022 – Blätter und Geist

Einmal geht´s noch, Salat aus jungen Spinatblättern. Die Blätter sind eigentlich schon etwas zu groß und hart an der Grenze zu dem Zeitpunkt, an dem sie beginnen Oxalsäure zu produzieren. Dann sollte man sie nicht mehr roh essen sondern kurz blanchieren. Bei mir herrscht gerade eine Grünphase: in letzter Zeit hatte ich in der Biokiste hauptsächlich Obst bestellt, in der gestrigen Lieferung waren aber hauptsächlich Blätter von verschiedenen Gemüsesorten in verschiedenen Grüntönen. Und diese ungewöhnlich aussehenden dunkelroten Karotten, aus denen das Provitamin A nur so herausschwappt. Sogar der F, ein extremer Apfeltiger, mag gelegentlich keine Äpfel und dann haben wir, so wie gerade, mehrere große Schüsseln Äpfel in der Küche herumstehen, die darauf warten, dass sie verputzt oder verarbeitet werden.

Ganz wichtig finde ich es im Alltag eine gute Balance zwischen intellektuellen und „erdigen“ Themen zu bewahren. Manchmal hat man ja längere Phasen von der einen oder der anderen Seite, in glücklichen Momenten lässt sich beides vereinen, auf jeden Fall aber sollte doch mittelfristig die Balance gewahrt bleiben. Ich halte es ja längere Zeit weder ohne das eine noch ohne das andere aus und meist reguliert sich daher das Gleichgewicht von selbst. Kochen und Fotografieren gehört zu den erdverbundenen Themen, Besuche im Tiergarten fallen unter sowohl als auch.

Da habe ich doch tatsächlich auch ein passendes Foto zu Karotten und Salat.

Donnerstag 14.April 2022

Gestern war ich recht lange im Atelier. Es ist derzeit sehr schön, man kann weit aufmachen und die frischgrünen Bäume bewundern. Die Kräuter, die ich im Vorjahr gesetzt habe und die im trockenen Sommer verschwunden waren, haben doch überlebt und treiben wieder. Eine angenehme Überraschung.

Mein Atelierkollege, der D ist ja derzeit in Irland. Bevor er abgereist ist, hat er noch einen riesigen Scheinwerfer aufgestellt. Er braucht für die realistische Gestaltung seiner Portraits Licht und Schatten. Ich denke mir, er könnte ja einfach seine Modellsitzungen vor die Tür in die Wiese verlegen, da gäbe es genügend Licht und Schatten, aber gut, drinnen steht jetzt dieser Scheinwerfer. Ich hoffe für ihn, dass sich Modelle finden, die bereit sind, sich so stark anstrahlen zu lassen. Andererseits muss man schon sagen, dass die Schattenwirkungen bei den Portraits tatsächlich sehr viel hermachen.

Der F bekommt eine neue Kollegin, eine Dame aus Pakistan. Sie sollte schon vor ein paar Monaten beginnen, es war aber offenbar sehr schwierig Ausreisepapiere zu bekommen. Unbekannterweise imponiert mir die Frau. Ein Informatikstudium in einem Land wie Pakistan und dann ganz allein so weit weg auswandern ohne nennenswerte Sprachkenntnisse. Sie wird sehen, dass es in einer oberösterreichischen Kleinstadt nicht selbstverständlich ist, dass alle Englisch können. Sie lernt zwar schon Deutsch, aber bis zu einem Niveau, auf dem eine differenzierte Kommunikation möglich ist, dauert es wohl noch eine Weile. Deswegen stellt die Gruppe auf Arbeitssprache Englisch um. Was mich auch etwas betrifft, weil der F zwecks Übung nun gerne Filme auf englisch sieht. Ich nehme das als Vorbereitung darauf, dass auf dem gemeinsamen Fernseher irgendwann in nebliger Zukunft ungarische Filme zu sehen sein werden, also eventuell irgendwann. Derzeit schaffe ich es noch nicht einmal ungarische Untertitel schnell genug mitzulesen. Von Verstehen kann man auch noch nicht sprechen, wenn jedes zehnte Wort bekannt vorkommt und Filme, die so sind, dass man die Handlung auch ohne Sprache versteht, mag ich mir nicht anschauen.

Gescheitert oder verschoben?

So genau kann ich das noch nicht sagen. Hier sieht man eines der Objekte, aus denen im vergangenen Sommer ein Projekt werden sollte, ein Zeichen- oder Malprojekt. Die Objekte liegen nun aber schon seit Monaten im Atelier herum. Nachdem der D, mein Atelierskollege gerade für ein Monat in Irland ist, wäre es ein sehr geeigneter Zeitpunkt um ein Projekt zu beginnen oder wieder aufleben zu lassen. Aber wann tue ich Dinge schon zum geeigneten Zeitpunkt?

Andererseits können auch zu ungeeigneten Zeitpunkten interessante Dinge entstehen. Zum Beispiel wenn der D wieder einmal gefühlte siebzehn Modelle eingeladen hat. Sein neuestes Projekt, aus dem aber wahrscheinlich eh nichts werden wird, ist es, ein Podest zu bauen, auf dem seine Modelle sitzen sollen.

Dienstag 12. April 2022 – Antikörper und Bäche

Ich bin begeistert! Vier Monate nach meiner zweiten Covidimpfung, habe ich einen Antikörpertest machen lassen. Das Ergebnis war 300. Nicht berauschend aber immerhin doch weit über 15, dem Wert, ab dem das Vorhandensein von Antikörpern als nachgewiesen gilt. Gestern, fast fünf Monate nach meiner dritten Impfung habe ich wieder so einen Antikörpertest machen lassen und siehe da, mir sind fast die Augen herausgefallen, der Wert war über 20 Mal höher als nach der zweiten Impfung, 7000, in Worten siebentausend. Ich weiß schon, dass das nicht der einzige Faktor ist, der wichtig ist um vor Infektionen zu schützen, aber trotzdem … Wie schön, dass mein Immunsystem so gut drauf ist.

Als Sprachliebhaberin begegnet man immer wieder den hübschesten Blüten: „jeder spricht miteinander“ lese ich da, oder „wir treffen uns gemeinsam“. Wenn es schon sonst nichts zu lachen gibt in der derzeitigen Situation, auf Sprachblüten ist immer Verlass. Verlass ist auch darauf, dass mir nichts zu schreiben einfällt, wenn ich gerade Zeit hätte.

Über die Reise unseres Kanzlers, Karl Nehammer, zuerst in die Ukraine, dann nach Moskau, mag ich auch nichts schreiben. Dass dabei nichts herauskommen wird, war wohl klar und alles was es für mich persönlich dazu zu sagen gäbe, ist: alles ist besser als Sebastian Kurz und seine Truppe. Wobei unbegreiflicherweise einige von dieser Truppe immer noch in der Regierung sitzen.

Wie mit den Strömungs und Spiegelungsverhältnissen in einem Bach ist es. Je nach Art und Größe der Hindernisse gestaltet sich die Strömung und je nach Licht und Reflexion die Verhältnisse rundherum.

Sonntag 10. April 2022 – Kühe, Eier und Schellen

Immer schon habe ich mich gefragt, wieso die hübschen Frühlingsblumen Kuhschellen oder Küchenschellen heißen. Wieso „Kuh“ und „Küche“ austauschbar sind. Nun hat der F innerhalb eines Gärtner-Anfalls recherchiert, dass es sich nicht um „Küchenschellen“ sondern um Küh-chen-Schellen handelt. Ergibt Sinn. Auf diese Idee wäre ich aber nie gekommen, denn Kühchen gibt es in Österreich nicht, nur Kuhlis.

Zum derzeit allgegenwärtigen Thema „Eier“ habe ich Interessantes gehört. An der Farbe der Dotter erkennt man, wovon das Huhn sich ernährt hat. Sind die Dotter sehr hell, kann man davon ausgehen, dass das Tier kaum jemals aus dem Stall gekommen ist, sind die Dotter sonnengelb, so ist das auf die Carotinoide in den Pflanzen, die die Hühner gefressen haben, zurückzuführen. Es besteht eine gute Chance, dass die Hühner, die die sattgelben Eidottern produzieren, Auslauf hatten und Gras und sonstige Pflanzen gefressen haben. Sind die Eier aber strahlend orange, dann handelt es sich um Farbstoffe.

Samstag 2.April 2022 – Schnee und Ewigkeiten

Schnee, Schnee, Schnee, seit November hatte ich nicht mehr die Freude. Der F war weniger begeistert, er ist schließlich gefahren, während ich es genossen habe, dass der Schnee von vorne kam und uns – wäre da nicht die Windschutzscheibe gewesen – heftig ins Gesicht geblasen hätte. Riesige ganz leichte Flocken waren es, die in Gärten, auf Hecken, auf Blüten liegen blieben, nicht aber auf der Straße. Beim Fahren entstand der Eindruck in einen Tunnel aus in die Länge gezogenen Schneeflocken hineinzufahren.

Es schneit immer noch, in Wien nicht so stark wie im Wiener Wald, wo in der Nacht richtig winterliche Verhältnisse entstanden. Wir hatten die Heizungen ein paar Tage lang abgedreht, weil es viel zu heiß war, aber gestern wieder aufgedreht, weil ein echter Wintereinbruch stattgefunden hat. Morgen wird alles wieder weg geschmolzen sein, aber vorläufig bleiben die Temperaturen unten. Hoffentlich übersteht das blühende Birnbäumchen die Kälte. Der Apfelbaum blüht noch gar nicht richtig, hat also bessere Chancen.

Ich bin sehr gespannt, ob wir Ostern am Kaminfeuer oder in der Blumenwiese verbringen werden. Beides ist möglich und beides in seiner Weise schön.

Überrascht hat mich heute die Information, dass ein Quadratmeter Torf mehr CO2 aus der Luft speichert als ein Quadratmeter Wald. Trotzdem ist nach wie vor in der zu kaufenden Blumenerde viel Torf enthalten, ein Rohstoff, der in von Menschen wahrnehmbaren Zeitspannen nicht regenerierbar ist.

Scheinheiligkeit

Einen ganz klassischen Sonntagsspaziergang haben wir gemacht und in Wien an der Alten Donau gegessen. Das Lokal war nie besonders preisgünstig, aber inzwischen sind die Preise irrwitzig gestiegen. In diesem Fall allerdings wird wenigstens auch wirklich gutes Essen angeboten und ein recht idyllischer Blick. Im Sommer sieht man hier auch Badende und Boote und es ist am Wasser etwas kühler.

Ist es eine falsche Idylle? Nein, die Idylle ist ebenso real wie die Hölle anderorts. Auch am Standort der aktuellen Idylle herrschte schon Hölle, so lange ist das noch gar nicht her.

Das Scheinheiligkeitsthema Nummer eins ist derzeit die unterschiedliche Beurteilung von Flüchtlingen aus der Ukraine einerseits und aus Afghanistan und Tschetschenien andererseits. Es wäre unmoralisch Ukrainer*innen mit kleinen und größeren Kindern, meist beruflich ausgebildet aus einem europäischen Land mit einer kompatiblen Kultur einer Gruppe von Flüchtlingen vorzuziehen, die hauptsächlich aus jungen Männern besteht, mit kaum irgendeiner Ausbildung, aus aggressiven, patriarchal organisierten Kulturen, die sich in europäischen Ländern nur sehr schlecht zurechtfinden. Nicht zuletzt deswegen, weil sie eine völlig realitätsferne Vorstellung von Europa haben.
Das ist halt der Unterschied zwischen Theorie und Praxis zwischen Stadt- und Landerfahrungen, zwischen realistischen Bemühungen anderen zu helfen ohne allgemeines Chaos zu erzeugen und weit vom Boden der Tatsachen abgehobenem Tirilieren.
Ich sage wohlgemerkt nicht, dass man keine Vertreter der zweitgenannten Gruppe aufnehmen soll. Mich irritiert aber die Scheinheiligkeit mit der manche Leute behaupten, es gäbe damit überhaupt keine Probleme und es wäre somit unverständlich und höchst unmoralisch, Menschen aus der Ukraine lieber aufzunehmen als solche beispielsweise aus Tschetschenien.

Dienstag 22. März 2022

Zwei Termine pro Tag, egal welche, schaffe ich gut. Einer am Vormittag, einer am Nachmittag oder am Abend, eindeutige Pause dazwischen. Drei, außer drei ganz kurze sind mir zuviel. Es stresst mich, wenn ich irgendwo bin oder irgendetwas tue und ständig auf die Uhr schauen muss und berechnen, wie lange ich noch allerhöchstens bleiben kann um zum nächsten Termin wenigstens einigermaßen rechtzeitig zu kommen. Muss ja zum Glück meistens nicht sein, manchmal geht es aber nicht anders.

Vor unserer Haustür in Wien stehen zwei Autos mit ukrainischem Kennzeichen. Am vorigen Wochenende haben wir auf der Westautobahn viele UA-Kennzeichen gesehen und auf dem Dach eines Hauses gegenüber weht eine blaugelbe Fahne. Dieses Wochenende im Stadtzentrum wohin man schaut Plakate und Transparente gegen den Krieg. Es ist tragisch allgegenwärtig. Die Bilder aus den Medien kann man ausblenden, bei den selbst erzeugten Bildern ist das nicht so einfach.

Mittwoch 17.März 2022

Als wären die Zustände und die allgemeine Stimmung nicht schon apokalyptisch genug, hat uns der Saharastaub gerade noch gefehlt. Bis Ende der Woche soll er noch massiv in der Luft sein. In der Nacht von gestern auf heute hat es ganz wenig aber doch geregnet und dabei ist auch viel Sand vom Himmel gefallen. Ansonsten ist es sehr trocken, noch nicht katastrophal, aber nahe daran.

Ich bemühe mich um Aufmunterung. Gestern sagte die Physio, dass alles deutlich besser wäre und dass sie das nicht sagt um mich aufzumuntern, sondern dass es wirklich so ist. Ich bin mir da nicht so sicher, nehme es aber wie es gemeint ist, als freundliche Motivation.

Nachdem der F derzeit gar nicht und in weiterer Folge höchstens zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeitet und obendrein in zwei Wochen schon zweimal zwischen dem Hauptsitz der neuen Firma und Wien hin- und hergefahren ist, brauche ich dringend Gesellschaft und habe heute ein paar Treffen vereinbart. Ich wollte ich könnte die völlig in der Luft schwebende Theorie glauben, dass man sich mit Blutgruppe 0 nicht mit Covid anstecken kann. Leider gibt es dafür keinerlei Belege. Hat es jemand erraten? Jaa, ich habe Blutgruppe 0.

Samstag 5.März 2022

Auf der Suche nach ein paar interaktiven Ungarischübungen bin ich auf die Werbung für eine app gestoßen, die verspricht, dass man mit 15 bis 20 Minuten lernen pro Tag schnell und effizient in drei Monaten ungarisch lernen kann. Der Lacher des Tages. In diesem Tempo schafft man vielleicht nach zehn Jahren den ersten Satz. Zur Zeit bin ich aber eh froh über alles, was mich irgendwie zum Lachen bringt.

Positiv ist, dass der F mit seinem neuen Job auf die ersten Blicke ziemlich zufrieden ist. Mittelfristig wird auch PB mehr genutzt werden, weil er zwar hauptsächlich in Wien arbeitet, seine neue Firma aber ihren Hauptsitz im Westen Österreichs hat und er immer wieder hin und her fahren muss/darf.