Schlagwort: Alltag –

Sie heißen alle Brun(n)hilde,

und es gibt in Wien viele von ihnen. Man kann aus ihnen trinken und sie versprühen feuchten Nebel, was bei Hitze eine wahre Wohltat ist. Wenn ich unterwegs an so einer Brunnhilde vorbeikomme, lasse ich mich immer eine Weile berieseln.

Montag 5.Juli 2020

Wenn ich – nach über einem Jahr – wieder einmal G´wandl einkaufen gehen möchte ohne einen Hitzeschlag zu erleiden, so musste das heute oder morgen sein, denn ab Mittwoch sollen die Temperaturen wieder über dreißig klettern und ab Donnerstag bis zu siebenunddreißig. So habe ich mich auf den Weg gemacht.

Einkaufszentren sind für mich so eine Art Vorhölle, aber eines meiner liebsten Kleidergeschäfte liegt nun einmal in einem Einkaufszentrum, noch dazu in einem, das ich freiwillig nicht betreten würde. Obwohl das eigentlich auf alle Einkaufszentren zutrifft. Ich wundere mich immer wieder, wie viele Leute gerne ihre Freizeit an solchen Orten verbringen. Sie gehen ins Kino, essen etwas, Einkäufe stehen da gar nicht im Mittelpunkt. Ein soziologisch interessantes Phänomen.

Der Marsch durch die Vorhölle hat sich aber durchaus gelohnt. Es gibt heuer wieder eine größere Auswahl an Leinenhosen, nachdem das Material sich für eng anliegende Hosen nicht eignet und in diesem Sommer wieder weitere Hosen dran sind. Ich mag Leinen bei allen Temperaturen. Es ist angenehm zu tragen und ein klassisches europäisches Material, das nicht unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wird. Wenn von Bio-Leinen die Rede ist, so kann man davon ausgehen, dass die Pflanzen tatsächlich ohne Schadstoffe angebaut wurden. Bei der Bio-Baumwolle habe ich so meine Zweifel. Baumwolle wird im Normalfall sehr stark gespritzt und an Bio-Standards in den meisten Ländern, in denen Baumwolle angebaut wird, zweifle ich sehr.

Ein Gewebe namens Cupro wollte mir die Verkäuferin andrehen, Kupferseide. Nie gehört. Klingt auch sehr unsympathisch. Viskose mag ich, Seide ohnehin, auch Baumwolle. Jedenfalls bin ich für diesen Sommer reichlich eingekleidet. Für PB und das Waldviertel schon eher overdressed …

Donnerstag 17. Juni 2021- Sie ist da, die erste

Heute früh habe ich mit dem Wasserschlauch elegante Drehungen und Wendungen geprobt um sowohl die Pflanzen als auch mich zu begießen. Denn sie ist da, die erste Hitzewelle. Ich habe beschlossen heuer zur Abwechslung nicht über die Hitze zu jammern. Erstens tun das ohnehin schon praktisch alle anderen und zweitens bringt es ja nichts. Aber ich werde die Hitzewellen mitzählen. Ich glaube im Vorjahr waren es sechs oder sieben, wenn nicht noch mehr.

Samstag beginnt der Maler in PB zu arbeiten. Der Arme hat große Hitze erwischt. Andererseits trocknet natürlich alles viel schneller. Er muss die bunten Streifen übermalen, die die Vorbesitzer überall an den Wänden hatten und wenn die Übermalung schnell trocknet, kann er auch schnell den nächsten Anstrich machen. Sonntag mag er nicht arbeiten, aber er plant einen extrem langen Samstag. Nun, das ist seine Sache. Ich habe es nicht eilig, weil die Tischlerfrage ohnehin erst im Planungsstadium ist.

Vorgestern saß ich abends mit einer Freundin in einem sehr stimmungsvollen Gastgarten. Hinterhof von einem Biedermeierhaus mit Wandelgang im ersten Stock, mit Efeu überwuchert. Das Essen war koreanisch und ziemlich köstlich. Ja, und unser Hauptthema waren Tischler. Bei der S ist ein Ikea-Kasten zusammengebrochen und sie hat sich für Qualität entschieden und ist auf die Suche nach Tischlern gegangen. Der erste hatte Long-Covid und kann derzeit maximal zwei Stunden pro Tag arbeiten, was alle seine laufenden Aufträge immens verzögert von neuen ganz zu schweigen. Beim zweiten ist seine Frau schwer erkrankt, nicht an covid sondern an irgendetwas anderem. Beim dritten ist sie fündig geworden. Gute Arbeit und auch noch schnell, im Juli will er fertig sein.
Ich werde darüber nachdenken, ob er auch was für mich wäre. Eigentlich wollte ich einen lokalen Tischler in PB beschäftigen, aber nachdem sich der Raumausstatter, der den Boden machen wird, sehr vorsichtig ausgedrückt hat und sich zu keiner Empfehlung durchringen konnte, sind mir Zweifel an diesem Tischler gekommen.

Mittwoch 16. Juni – Blablablu

Vor allem im Sommer ist es ein großer Luxus in einem Land zu leben, das über so viel Wasser noch dazu in bester Qualität verfügt, dass Sprüh- und Trinktürme auf den Straßen aufgestellt werden können. Wenn die Temperaturen immer höher über dreißig steigen, ist es fantastisch, mit kühlem Wasser besprüht zu werden.
Bisher kannte ich nur Sprühtürme, die von der Stadt aufgestellt wurden, aber heute habe ich gesehen, dass der Eissalon ums Eck auch solche Düsen installiert hat. Allerdings beschert – wer immer sich das System dort ausgedacht hat – eher den Passanten Abkühlung als den Leuten, die in einer Art Plastikkäfig vor dem Eissalon sitzen.

Es ist eine Tatsache, dass das ganze Haus praktisch immer intensiv nach Curry riecht. Mich stört das gar nicht, im Gegenteil, ich mag den Geruch gerne, fürchte aber, dass dies nicht auf alle Nachbarn zutrifft.

Der neue Putzmann, der einmal in der Woche Gänge, Stiegenhaus und Gemeinschaftsräume putzt, ist ein freundlicher Mensch und hat meinen vor der Wohnungstür platzierten Müllsack von sich aus in den Container befördert. Die Frage ist, ob etwas anderes, was ich dort deponiert hätte auch im Müll gelandet wäre.

An tiefsinnigeren Betrachtungen mangelt es hier ein bissl, aber ab bestimmten Temperaturen finde ich jeden Tiefsinn sehr schwer zu erreichen.

Montag 8.März 2021

Heute Abend traf ich meine indische Nachbarin aus dem ersten Stock in der Waschküche und schwärmte ihr vor, wie großartig der Geruch aus ihrer Küche durch das ganze Stiegenhaus zieht. Ich mag den Geruch von den vielen Gewürzen wirklich sehr gerne, manchmal riecht die halbe Straße nach indischem Essen. Und zehn Minuten später überreichte sie mir eine wunderbar duftende Box mit dem Hinweis, dass es ein bisschen scharf wäre. Wenn eine Inderin von „ein bisschen scharf“ spricht, gehe ich davon aus, dass mir Flammen aus dem Mund schlagen werden. Genauso war es auch. Das indische Gericht landete im Kühlschrank. Der Plan ist, es morgen mit mindestens einem Becher Joghurt zu entschärfen, oder vielleicht doch lieber gleich zwei Becher … Und dann muss ich mir überlegen, womit ich mich revanchiere, Blümchen, Malstifte für die Kinder, irgend sowas.

Morgen werden wir dann voraussichtlich erfahren, dass jemand anderer die Wohnung bekommt. Der Verkäufer ist ein ganz ungewöhnlicher Mensch, der auf das Angebot etwas mehr zu zahlen und damit auf seiner Liste vorgereiht zu werden nicht einmal mit der Wimper gezuckt hat. Außerdem wäre  fast die gesamte Möblierung im Preis inbegriffen. Erstaunlich, aber wir bekommen sie ja eh nicht…

 

Menschenfreund

Womöglich behauptet der ehemalige Besitzer dieses Thronsessels er hätte den Schrott aus altruistischen Gründen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.

Freitag 19. Februar 2021 – Augenblicke

„Ich schau aus wie die Hexe Soundso“ sage ich zum F und wühle vor dem Spiegel in meiner Nichtfrisur.

„Du schaust aus wie eine Corona-Königin“ antwortet er. Bevor ich das unter ganz herausragend charmante Komplimente verbuche, sehe ich seinen sehr breiten Grinser. Nett ist es aber auf jeden Fall, schließlich hätte er auch sagen können, dass er in seiner Beurteilung zwischen der Hexe Kniesebein und Mme Mim schwankt. Verbuche ich es halt unter „Prinzipiell Liebevolles, aber …“

Einen möglichst ähnlichen Sinn für Humor zu haben, finde ich in einer Beziehung sehr wichtig. Man erspart sich vieles an Missverständnissen und Kränkungen.

Hin und wieder darf man doch ……

Man soll sich ja über seine Mitmenschen nicht lustig machen, aber wenn jemand monatelang täglich in hysterisch anmutendem Eifer mehrere Verschwörungslinks postet, die anscheinend bald wieder gelöscht werden, weil sie sogar nicht zimperlichen Plattformen wie you tube zu blöd und/oder zu hetzerisch sind, in regelmäßigen Abständen den Weltuntergang prophezeit und auch sonst intensiv über Bedrohungen und Verfolgungen schwadroniert,  dann schreibt “ da könnte man doch glatt paranoid werden“, dann darf ich schon wenigstens schmunzeln, oder ? Eine rhetorische Frage, ich möchte keine Diskussion zum Thema führen

Es häufen sich die Hinweise darauf, dass ich ganz bestimmt nicht auf Twitter aktiv sein möchte. Wie bei allen Kommunikationsmitteln und Medien kommt es darauf an, wie man sie nützt, natürlich. Ich meine hier das „tägliche Geschäft“ wo die Leute darüber berichten, in welchem Gang sie gerade durch den Supermarkt gehen oder Ähnliches. Der alte Spruch, aufs Fernsehen gemünzt, trifft auf die „neuen Medien“ noch viel mehr zu “ Vom Fernsehen (hier durch Internet zu ersetzen) werden die Klugen klüger und die Dummen dümmer“

„Mutationsgebiet“ halte ich ganz unabhängig von virologischen und politischen Fragen für eine sehr misslungene Wortschöpfung. Ähnlich arg wie „freitesten“.

Ich habe heute einen kritisch-spitzen Tag, was sich hoffentlich bald wieder ändern wird …

Mittwoch 10. Februar 2021

3700 % soll die Inflation in Venezuela betragen. Das muss man sich in der Praxis vorstellen, Preise ändern sich mehrmals täglich beträchtlich. Bei Anfällen von Selbstmitleid, wie furchtbar doch alles derzeit ist, muss man sich solche Lebenssituationen vor Augen führen. Diese und viele andere. Sehr imponiert hat mir in diesem Zusammenhang, dass Kolumbien sämtlichen Flüchtlingen aus Venezuela Unterstützungen und Zugang zum Arbeitsmarkt, der Gesundheitsversorgung und der Bildung gewährt. Das ist ungeheuer großzügig und ich hoffe, nicht demnächst zu erfahren, dass irgendwelche finsteren Motive dahinter stecken.

Der Gastronomie in Wien geht es schlecht, weil die Lokale geschlossen sind, aber beim Herumstromern sehen ich immer, dass auch die kleinsten Cafés, Imbissstuben, Restaurants über die Gasse verkaufen und bei vielen stehen die Kunden Schlange. Es haben wohl alle genug vom immer nur selbst produzierten Essen und vom ständigen Kochen.Trotzdem werden viele Betriebe eingehen oder zumindest nicht alle Angestellten halten können. Man kann nur hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie es aussieht.

Samstag 6. Februar 2021

Der sonnige Kurzfrühling vom Freitag ist wieder in Nebel übergegangen. Nebel und nieseln. Ich genieße diese feuchte Luft sehr und auch die Bäume im Nebel. Der F weniger, aber er weiß natürlich auch, dass die Psyche an solch trüben Tagen Aufmunterung durch Tageslicht braucht. Eigentlich wollte ich einen Kochtag veranstalten, aber Flexibilität muss man üben und so kommen wir vom Spaziergang mit einem nährreichen Papiersackerl nachhause. Kein Plastik ist ja sehr löblich, aber bei Regen ist so ein Papiertransporter risikoreich.

Würde ich Landschaften malen, wäre so ein Nebelmotiv interessant. Aber Landschaftsmalen ist so gar nicht meins.

Mittwoch 3.Februar 2021

Ich kann und will es mir nicht erlauben, nicht regelmäßig Bewegung zu machen. Das Kieser-Studio ist seit unendlichen Zeiten geschlossen. Zwar wird der Vertrag um die Zeit der Schließung verlängert, davon habe ich aber derzeit gar nichts. Für die Gymnastik allein zuhause bin ich zu undiszipliniert, es bleibt mir also nichts anderes übrig, als herumzustromern und viele, viele Schritte zu machen. Prinzipiell mache ich das durchaus gerne, weil es meinen zu Verkürzungen tendierenden Hüftheber-Muskel zur Räson bringt, aber die überraschenden neuen Entdeckungen in der näheren Umgebung halten sich in Grenzen.

Hin und wieder ein winterliches Stillleben:

Donnerstag 28. Jänner 2021

Aus dem Home-Office-Zustand ist eine Tradition des gemeinsamen Frühstücks entstanden. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber unser Satz des Tages wurde „wer nur einen Hammer als Werkzeug hat, sieht in jedem Problem einen Nagel“. Ein wirklich interessanter, tiefgründiger Gedanke, der im Lauf des Tages immer wieder aufgetaucht ist und in immer wieder andere Zusammenhänge gepasst hat.

Das Problem mit den Adventkränzen ist, dass sie, je trockener sie werden, umso besser riechen. Der Weihnachtsbaum ist längst abgeräumt und wird wahrscheinlich von den Ziegen auf der Mülldeponie gefressen, aber die Adventkränze sind noch da und riechen wunderbar. Nachdem sie für mich eine rein dekorative Bedeutung haben, dürfen sie noch eine Weile herumstehen. Zwar gibt es überall schon diverse vorgetriebene Zwiebelpflanzen und Berge von Tulpen zu kaufen, aber ich bin noch im Wintermodus und rieche lieber die Adventkränze

Trügerisches – OOps eine irrtümlich entstandene Mini-Etüde

Es wird Zeit, dass ich mich mit anderen Motiven als Spiegelungen befasse, aber sie verfolgen mich unverdrossen. Es ist erschütternd. Von jedem Gehsteig, von jeder Wand wacheln sie mir zu. Von Wasserflächen will ich gar nicht reden, daran komme ich überhaupt nicht vorbei. Spiegel von Motorrädern, Windschutzscheiben von Autos, Scheinwerfer, Lautsprecher, Fenster, Glasscheiben jeder Art. Die Welt scheint hauptsächlich aus Spiegelungen zu bestehen.

Und bei der extremen Farblosigkeit, die derzeit vorherrscht, ist so ein oranger Streifen unwiderstehlich.

Außerdem winke ich Christiane zu