la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Dienstag 13.11.18 – Aufzüge und Granatäpfel

Ein Tag, an dem ich mit Aufzügen gekämpft habe und mit dadurch sehr schwierig gewordenen Arbeitsbedingungen. Der im Normalfall sehr zuverlässige Aufzug im Schulgebäude war kaputt, die Türen öffneten und schlossen sich ohne Ende, aber er setzte sich nicht in Bewegung. Die Schulwarte bemühten sich eventuell vorhandene Steinchen oder sonstige Teile aus dem Eingangsbereich zu entfernen. Leider blieben sie erfolglos und so musste ich die Treppe nehmen. Ein dritter Stock ist hoch oben, wenn man nur mit einem Bein voraus steigen kann. Wieder eine Gelegenheit daran zu denken, wie es wohl war, als es noch keine medizinischen Möglichkeiten zum Austausch der Hüftgelenke gab. Arthrose ist ja keine seltene Erkrankung und es muss sehr viele Menschen gegeben haben, die damit leben mussten, dass ihre Gelenke immer unbeweglicher wurden und immer mehr Schmerzen verursachten ohne irgendeine positive Perspektive. Wenn ich nicht darauf vertrauen würde, dass ich nach gelungener OP in absehbarer Zeit wieder normal werde gehen können, wäre es wahrscheinlich um meine Stimmungslage sehr schlecht bestellt. Schwierig genug ist es so auch, noch vier Wochen durchzuhalten. Ach ja, und auf dem Heimweg um 22h war dann auch der Aufzug zur Straßenbahnstation außer Betrieb, da geht es zumindest hinunter, das schaffe ich noch beidbeinig.

Dass Granatapfelkerne sich gut im Salat machen, habe ich von zwei irakischen Schülerinnen erfahren. Kochrezepte sind ein Bereich, in dem die Interkulturalität ganz hervorragend funktioniert. In meiner Gemüsekiste gibt es außer heimischem Kraut und Rüben auch immer wieder Exotisches zu finden, das ich auch in dem einen oder anderen Gericht unterbringen möchte.

Bei den Spaniern ist Dienstag der 13, was sonstwo Freitag der 13 ist. Martes trece, ni te cases ni te embarques, ni de tu casa te apartes, also Dienstag, den 13 soll man sich weder verheiraten noch einschiffen und am besten überhaupt nicht aus dem Haus gehen. Naja ……

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Samstag 10.11.18 – Unerträglich?

„Unerträglich“, ein Wort, das mir leicht über die Lippen kommt. Dies ist unerträglich und das und jenes, tatsächlich ist vieles schwer auszuhalten, aber nicht wirklich unerträglich, sonst wäre ich daran schon gestorben oder verrückt geworden. Und wenn Situationen knapp am Unerträglichen vorbeischrammen, fahren die psychischen Schutzmechanismen hoch und es breitet sich eine gewisse wohltuende Gleichgültigkeit aus, eine Art Betäubung. Betäubung ist halt nur kein besonders kreativer, freudvoller Zustand.

Auf einem großen Müllplatz war ich heute und konnte mich nicht entscheiden, ob ich es gut finden sollte, dass dort so viele Leute ihre Abfälle deponieren, oder ob ich es erschreckend finden sollte, wie viel Müll verschiedenster Art in kurzer Zeit so anfällt. Wir haben vier große, sehr große Kartons mit Elektro-Schrott in den dafür bestimmten Container befördert. Was sich so ansammelt an Kabeln, Ladegeräten für diverse Geräte, Computerteilen, kaputten Haushaltsgeräten, etliche sehr skurrile strombetriebene Gerätschaften und und. Und ja, nach dem stundenlangen Aussortieren wird das ökologische Gewissen immer dehnbarer und es wandert so manches in den Müll, was noch die eine oder andere Verwendung hätte finden können.

Man weiß ja, dass das Universum zum Chaos tendiert. In diesem Sinne ist mein Schreibtisch ein physikalisches Versuchsgebiet und ich freue mich bekanntgeben zu können, dass die Experimente die Theorie voll bestätigt haben.

 


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Wie mein Oktober roch und schmeckte

Es ist wieder einmal soweit Fräulein Read On lädt ein zu olfaktorischen Betrachtungen des vergangenen Monats und ich habe beschlossen auch den Geschmackssinn einzubeziehen, schließlich liegen riechen und schmecken eng aneinander.

Anfang Oktober roch bei mir nach viel Arbeit. Altes Papier hat einen charakteristischen Geruch, neues Papier dagegen riecht nach nicht viel,  auch Bildschirme haben keinen charakteristischen Geruch und so roch der Anfang meines Oktobers sehr stark nach nicht viel. Er roch ein bisschen nach warmen Nächten, nach noch immer blühenden Blumen und einem neuen Waschmittel, das sich in der Bettwäsche geruchlich ausgebreitet hatte.

Der Anfang des Monats roch und schmeckte asiatisch: Huhn mit Nudeln, Nudeln mit Huhn, Huhn mit Reis, Reis mit Huhn, hin und wieder eine Bento-Box und viele Liter Miso-Suppe. Das asiatische Lokal liegt einfach so günstig für die Mittagspause und für den Kolleginnenplausch. Auch zuhause schmeckt es nach Algen mit Ingwer, scharf aber nicht zu scharf und unendlich gesund. Und es riecht so angenehm danach, dass F immer das Geschirr wäscht. Auch das ist ein Geruch-Geschmack, jener des Zusammenwachsens und der Freundlichkeit und der Zartheit. Meine Gefühle für F sind das zarteste in meinem Leben,  vorsichtig und doch verlässlich.

Immer stärker versuchte die Natur nach Herbst zu riechen, es gelang nur schlecht und streckenweise. Die unpassend hohen Temperaturen verschlangen den erwarteten Modergeruch der nassen Blätter, den Geruch nach feuchten Mauern, durchnässtem Leder und streunenden Katzen. Hinter der Kulisse der lauen Sommernächte, die dazu einluden den Herbst völlig zu vergessen, lauerten Regen und kalter Wind. Sie waren zu spüren, schafften es aber nicht hervorzubrechen hinter den Bühnendekorationen des ewig währenden Scheinsommers.

Fast jeder Augenblick vor dem Fernseher schmeckte nach Trump, Orban, Salvini, Strache, Chemnitz, ein eintöniger, bitterer, alter Geschmack, ein undefinierbares und unverdauliches Plastik-Schlamm-Gemisch, das Brechreiz und Verzweiflung weckt. Im Hintergrund der Geruch von Obdachlosigkeit, Armut, und unendlicher Ignoranz. Dieser Geruch-Geschmack zieht sich ja nun schon durch das ganze Jahr, im Oktober angereichert durch den Rauch brennender Lokale und gar einer brennenden Synagoge.

Der feinste, angenehmste Duft des Oktobers aber war mein wochenlang blühender Orangenbaum. Ein Geruch, der durch die ganze Wohnung zog und von dem ich gewollt hätte, dass er auch über die Welt ziehen möge.

 


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Mittwoch 31.10.18

Gut sind die Nachrichten in letzter Zeit nicht. Die Überschwemmungen und Stürme in Kärnten waren katastrophal und es soll nochmal mehr Regen geben. Eine surreale Seite hat die Wetterprognose: man kann zwar noch nichts wahrnehmen, es werden aber Häuser evakuiert, man schaut zum Himmel auf und es hat noch nicht einmal zu regnen begonnen, von einem Sturm ist auch keine Spur zu bemerken. Trotzdem kann schon realistisch mit großen Schäden, Verletzten und Toten gerechnet werden. Es fällt uns Menschen nicht leicht, Ereignisse, die wir mit unseren Sinnen noch nicht wahrnehmen können, als Realität zu betrachten. Trotz ständigem Online-seins.

Eine Bürgerwehr namens Vikings Security Austria hat sich gebildet. Ausgerechnet Wikinger, ein Volk das nicht gerade wegen seiner Liebe zu Frieden und Harmonie in die Geschichte einging. Eine Beschreibung dieses Vereins gibt es HIER.   Wie meist bei solchen Themen sind die Kommentare noch ein Stück gruseliger als der Text als solcher. Nächstes Wochenende wollen sie in Linz patrouillieren. Noch vor wenigen Jahren hätte ich über so etwas gelacht, aber in letzter Zeit bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Natürlich darf dieser Verein nicht bewaffnet sein, auch eine Kickl-Polizei wird das Staatsmonopol auf Gewalt nicht aufgeben, aber was in den Statuten steht, ist eine Sache und was tatsächlich passiert eine andere und wie eventuelle Aktionen dieser Wikinger von der Polizei wahrgenommen und beurteilt würden noch eine andere.

Keine besonders gute Stimmung für eine Ferienwoche. Andererseits strahlt hier in Wien die Sonne vom Himmel, der dieses ganz spezielle Herbstblau hat.

Im orthopädischen Spital meines Vertrauens findet jeden Mittwoch eine Infoveranstaltung für Hüft- und Knieoperationen statt und es schien mir heute der geeignete Mittwoch zu sein um daran teilzunehmen. Der F. konnte sich auch rechtzeitig freimachen und so pilgerten wir gemeinsam zu der Quelle der neuen Gelenke. Die Veranstaltung war hochprofessionell gemacht, es traten auf: eine Stationsleiterin, ein Chirurg, der Chef der Anästhesie, eine Physiotherapeutin, eine Ergotherapeutin und eine Sozialarbeiterin. Alle freundlich und gut gelaunt. Man konnte jede Art von Fragen stellen und wurde mit einer Broschüre bedacht, die eventuelle weitere Fragen beantwortete. Sogar mögliche und unmögliche Positionen beim Sex in den vier Wochen nach der OP werden da thematisiert. Der Clou aber war der „Auftritt“ einer Frau, die am Montag Nachmittag operiert worden war, also vor noch nicht einmal 48 Stunden und die langsam und mit 2 Krücken aber völlig gerade und schmerzfrei vor den versammelten Zu-operierenden paradierte und Fragen beantwortete. Es war richtig fühlbar, wie alle Anwesenden aufgrund dieser positiven Aussichten mindestens einmal erleichtert durchatmeten. Der Chirurg freute sich auch.


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Sonntag 28.10.18

Das wunderbar lange Wochenende habe ich Donnerstag abend mit einem buddhistischen Vortrag begonnen. Der Vortrag war inspirierend ebenso wie das Treffen mit einer Reihe lieber Freundinnen und Freunde, die ich derzeit eher selten sehe. Ich bin ein Kopfmensch, aber es zieht mich doch immer wieder zur buddhistischen Philosophie, nicht zur Religion und nicht zur Mystik, aber zu dieser klugen, grundvernünftigen Philosophie und Lebensweisheit. Manchmal mache ich einen ganz kleinen, zögernden Schritt über die Grenzen der materiellen Welt, aber ich bleibe nie lange und glaube rückblickend auch nie, dass ich dort gewesen bin. Trotzdem zieht es mich immer wieder zu den Grenzposten. So bin ich eben ….

Meine Begeisterung für Nationalfeiertage,  Kriegsgeräteschauen und Fahnenschwenken hält sich sehr in Grenzen. Auch die Tanzvorführungen der Garde haben mich nicht verlockt. Der F und ich sind nach Hainburg gefahren um Herbstfarben zu genießen. Man sieht von Hainburg aus in den Auwald und überhaupt auf prächtige Laubwälder aber erstaunlicherweise war es noch ziemlich grün bei Sonnenschein und prächtigem Fotowetter, was für den F prächtiges Wanderwetter ist.

Hainburg ist eine nette, kleine Stadt mit Donaupromenade und einer Burg, die von dem Lösegeld für Richard Löwenherz erbaut wurde; neben anderen Bauwerken, es war ja ein recht substantielles Lösegeld. Bei der Gelegenheit habe ich ein bisschen nachgelesen, wie das so war mit dem Wiener Landespatron, dem Herzog Leopold, der Richard Löwenherz gefangen hielt und der uns am 15. November einen schulfreien Feiertag beschert. Wen´s interessiert .

Den Samstag nachmittag verbrachten wir in „Konsumhöllen“ wie F gerne zu sagen pflegt. Es war aber nicht besonders höllisch, schließlich ist ja erst Oktober und da sind nicht annähernd so viele Leute unterwegs wie im Dezember. Ich besorge mir nur rechtzeitig eine Menge Hilfsmittel für die Phase nach meiner Hüft-OP, in der ich eher steif unterwegs sein werde und daher diverse Hilfsmittel brauche um nicht bei jedem Handgriff Unterstützung zu benötigen. Und nachdem diese postoperative Phase auch Weihnachten einschließt, leuchtet es sogar dem F ein, dass dann Lichtketten vor dem Fenster und ein Servierwagen mit Rädern sinnvolle Anschaffungen sind.

Die neue Gemüsekiste bietet immer wieder Überraschungen. Diesmal gab es ein Blattgemüse namens Catalogna, nie gehört, nie gesehen, aber Google teilt mir mit, dass es sich um ein Trend-Gemüse handelt. Irgendwie deprimierend, dass es auch bei Gemüse schon Trends gibt. Jedenfalls schmeckt das Zeug sehr bitter auch mit viel Knoblauch und Schlagobers. Ich werde ihn nicht in den Olymp meiner Lieblingsgemüse aufnehmen.


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Interkulturelles

Am späten Nachmittag mache ich einen Test und sage den Studierenden, dass wir nach dem Test 10 Minuten Pause machen. Wenn ich dann nach den 10 Minuten zurückkomme und es ist noch jemand von Ihnen da, sage ich deutlich und mehrmals, dann arbeiten wir noch eine halbe Stunde. Falls niemand mehr da ist, wünsche ich Ihnen schöne Herbstferien. Die Herbstferien beginnen morgen und dauern dann eine Woche.

Ich lasse nicht 10 sondern 20 Minuten verstreichen und gehe dann nochmals in den Klassenraum um zu sehen, ob die Fenster geschlossen sind und der Computer heruntergefahren ist. Ich rechne nicht damit, dass auch nur ein einziger Studiereder noch anwesend ist. Alle haben verstanden und haben sich in die Ferien verabschiedet außer die Gruppe der Mongolen. Die sitzen noch ganz diszipliniert und erwartungsvoll da.


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Montag 22.10.18

Eigentlich ein sehr angenehmer Tag: Wetter, Arbeitspensum, Treffen mit der Goldschmiedin. Montag ist aber auch der Tag, an dem in unserem Lehrerzimmer üblicherweise Politik diskutiert wird. Viele tragen Stückchen bei und das Gesamtbild wird immer gruseliger.

Nach dem Motto: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ – Bertolt Brecht, Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, Epilog, 1958 – Das beunruhigendste daran ist das „aufhaltsam“. Tun wir genug dafür? Kann man genug dafür tun? Sehr beunruhigend finde ich auch die strammen Rechten, die früher immer ein Bild der geradezu unüberbietbaren Dummheit geboten haben und nun – wie sich herausstellt – so dumm gar nicht sind, zumindest wenn es darum geht das Land in ihre Richtung umzugestalten und noch ein paar weitere Burschenschafter in Machtpositionen zu hieven.

Der F. und ich haben unabhängig voneinander beschlossen, zum Abendessen Olivenbrot mitzubringen. Davon haben wir nun eine Menge. Ob man das unter Harmonie verbuchen kann? Die Verkäuferin der Bäckerei, wo ich meinen Teil Olivenbrot gekauft habe, schimpft und jammert vor sich hin, über die Verkehrsmittel, immer wenn sie nachhause fahren will, gibt es irgendein Problem mit dem Bus, über die Kunden, niemand will warten bis er oder sie an der Reihe ist, über die Kaffeemaschine, die sie ganz allein bedienen muss, über das Leben im allgemeinen, eine Wienerin wie sie im Buche steht.