la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Hüftchroniken #10 – Socken oder Halsketten?

Dass das Tragen von Socken völlig überbewertet wird, habe ich in diesem Winter eindeutig bewiesen. Seit dem 17. Dezember bin ich sockenlos unterwegs und mir ist schon gelegentlich kalt, aber nicht an den Füßen. Bis ein Titan- Hüftgelenk einigermaßen eingewachsen ist, sollte man bestimmte Bewegungen vermeiden und das An- und Ausziehen von Socken besteht im Wesentlichen aus dieser Art von Bewegungen. Es gibt ein „Gerät“ bestehend aus einem Stück Plastik und langen Bändern über das man einen Socken stülpen kann um ihn dann ohne Verrenkungen anzuziehen.

Das Ding sieht ganz praktisch aus, aber ich konnte mich damit nicht anfreunden und bin nun mit meinem derzeit nacktfüssigen Zustand sehr zufrieden.

Ebenso zufrieden bin ich mit der Kettensituation. Ich trage sehr gerne auch lange Ketten, was mir aber im letzten Jahr ziemlich verleidet war, weil ich so schief gehen musste, dass die Ketten immer auf eine Seite schwangen, was ganz katastrophal blöd aussah. Inzwischen bin ich noch nicht wieder bei einem normalen Gang angelangt, aber immerhin ist er ausreichend gerade um die Ketten an ihrem Platz zu halten. Es hängt auch vom Gewicht und der allgemeinen Beschaffenheit der Kette ab, aber im wesentlichen funktioniert der Indikator fehlerfrei. Die „Kettenprobe des geraden Ganges“ könnte ich mir vielleicht patentieren lassen.

Das erste Mal nach über sechs Wochen war ich heute in einem Lokal essen. Auch hier war das Thema die Position des Hüftgelenks: die Sitzgelegenheit durfte nicht zu niedrig sein. Ich bin jetzt aber schon so weit, dass ein normal hoher Sessel kein Problem mehr darstellt. Das heißt auch, dass ich wieder ins Kaffeehaus gehen kann ………. Juhuuuu !

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Freitag 18.1.19

Ganz komisch bin ich heute drauf. So eine Mischung aus Langeweile und ich weiß nicht was sonst noch alles. Einerseits ist mir so richtig fad, andererseits kann ich mich zu gar nichts aufraffen. Ob das wohl ein Fall von einfach ausleben und vorbeigehen lassen ist oder doch ein aktiv zu verändernder Zustand? Wahrscheinlich eher letzteres.

Ich glaube der F. ist schon ziemlich froh, dass wir den Wocheneinkauf heute – nach Wochen – wieder gemeinsam machen werden. Zwar habe ich natürlich nicht laut genörgelt, dass er dies oder das nicht gekauft hat, aber er kennt mich ja mittlerweile recht gut und wird schon mitbekommen haben, wenn mir dies oder das abgegangen ist. Ja, das Leben normalisiert sich, das war jetzt schon allerhöchste Zeit und ich hatte das Zwischenstadium zwischen rekonvaleszent und gesund ziemlich satt. Jetzt brauche ich aber wohl noch eine Weile um einen aktiveren Rhythmus wiederzufinden.

Stille ist so eine Sache. Habe ich sie nicht, sehne ich mich danach, in unterschiedlichem Ausmaß aber doch. Ist es aber still, so halte ich das auch nicht den ganzen Tag lang aus. Es nützt nichts: der Mensch ist doch ein Herdentier. Irgendwo bei Ortega y Gasset heißt es, dass die Schafe „lana a lana“, also Wolle an Wolle nebeneinander laufen…….


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Samstag 12.1.19

Es war ein guter Tag, Tag 25 nach der OP. Die Zeit ist so schnell vergangen. Ein längerer Spaziergang, noch mit zwei Krücken, aber ich stütze mich kaum mehr darauf. Es ist ein sehr gutes Gefühl wieder draußen zu sein, unter vielen Menschen, bei geöffneten Geschäften und Lokalen, ein Teil des Ganzen. Ein Fuß vor den anderen, in einen Rhythmus kommen, nichts tut weh.

Mein Staubsauger ist eingegangen. Ich stand vor dem Geschäft und habe überlegt, ob ich hineingehen und einen neuen kaufen sollte. Es hätte ihn ja jemand anderer abholen können. Aber ich habe es mir anders überlegt, es ist da drinnen immer überheizt und dann hätte ich die Krücken und die Jacke und den Schal und die Mütze alles irgendwie halten müssen und das kam mir nicht sehr verlockend vor. So dringend ist es ja nicht, die neue Putzfrau, die ums Eck wohnt und eine ganz liebe Person ist, bringt ihren mit und dann ist noch etwas Zeit zum Kaufen eines neuen.

Das sind derzeit so die bedeutenden Ereignisse in meinem Leben, zumindest die, die sich dazu eignen hier aufgeschrieben zu werden. Ich lese sehr gerne, was andere über ihr Innenleben schreiben, wollte und könnte  es ihnen aber nicht gleichtun, schon aus Rücksicht auf andere. Ich finde es oft schrecklich wie die Autor*innen von Autobiografien über ihre Familien, Freunde, Kollegen und sonstige Menschen schreiben, ohne dass diese irgendein Mitspracherecht hätten. Auf einem blog ist das ja nicht anders.


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Freitag, 11.1.2019

Beklemmend beginnt das neue Jahr in der Politik. Die Regierung hat ein neues System der Sozialhilfe oder Mindestsicherung oder wie immer sie es nennen möge ausgetüftelt und die Stadt Wien weigert sich, es durchzuführen. Eine Verfassungsklage hängt in der Luft. Die unsägliche Sozialministerin, die bisher in praktisch allen ihren wichtigeren öffentlichen Äußerungen von ihrem Parteichef zurück gepfiffen wurde, weil offenbar auch in der FPÖ die Inkompetenz ihre Grenzen hat, lächelt bzw sie verzieht ihre Gesichtsmuskeln in einer Weise, die bei den meisten Menschen ein Lächeln erzeugt. Die regierende Koalition hält sich zugute, dass sie niemals in der Öffentlichkeit streitet. Dafür gehen die schon vorhandenen Gräben in der Gesellschaft immer weiter auf, wenn nicht sogar neue erzeugt werden.

Ich bin ja momentan irgendwie fern von allem, im goldenen Käfig, aber ich merke schon wie die Energie langsam zurückkommt und mit der Energie auch wieder das Interesse an der Welt.


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Hüftchroniken #8 – Die Mühen der Ebene

Die großen Schneeflocken fallen rund um mich herum und auf mich drauf und auch auf die Krücken und auf den Boden, aber es bleibt nichts liegen und so kommt mir mein Spaziergang ganz ungefährlich vor. Sogar falls eine Krücke auf dem nassen Boden wegrutschen sollte, wäre das kein Unglück weil ich mich kaum mehr darauf stütze.

Eigentlich sollten die Krücken nun dabei helfen wieder zu einem normalen Gang zurückzufinden. Das ist gar nicht einfach, weil ich lange gehinkt bin und sich dieses Gehmuster ins Hirn eingeprägt hat. Und wie tief!

Jedesmal wenn ich vor einem Randstein oder gar einer Stufe stehe, stehe ich so, dass die logische Fortsetzung wäre mit dem rechten Bein hinaufzusteigen, wie ich es monatelang gemacht habe, weil es mit dem linken einfach nicht mehr ging. Das Hirn hat die Schritte so gelenkt, dass die Position vor jeder Stufe die gleiche ist. Und das hat auch auch viele Wochen lang gut gepasst. Jetzt passt es aber ganz und gar nicht mehr. „Wir steigen jetzt aber mit dem linken zuerst“ sage ich zu meinem Hirn. Dieses aber zeigt sich stur und leistet Widerstand. Dabei habe ich es ausprobiert: ich kann ebenso problemlos wie schmerzfrei mit dem linken voraus steigen.

Mit.dem.linken!! Ich schaffe es, stelle mich dabei aber so ungeschickt an, dass ich mich beinahe in den Umhängegurt der Krücken verheddert hätte. Es ist deutlich zu sehen, dass ich mit meinen eigenen Verhaltensmustern kämpfe. Ich hoffe sehr auf den Sieg, aber es wird wohl noch eine Weile dauern.

Ich habe sogar überlegt, die Kamera mitzunehmen und ein paar ästhetische Alltagsbilder einzufangen, nasses, schneebedecktes, gefrorenes, habe es mir aber wieder anders überlegt. Derzeit bin ich so zentriert auf die Basics des Lebens, dass jede kreative Inspiration brach liegt. Ein wandelndes Beispiel für die Maslow´sche Bedürfnispyramide: wenn die Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, funktioniert „Höheres“ gar nicht. Andererseits ist auch Maslow nicht unumstritten. Und überhaupt, ich glaube ich mache morgen eine Fototour auf den Markt vielleicht, je nach Wetter.


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Alltag #3 – eine Hass-Liebe

Alltag #3, Dezember bei Ulli 

Es geht hier um Gegenstände, die für ein Paar Wochen zu meinem Alltag gehören

Ihr seid mir überaus nützlich, ja sogar notwendig, um von A nach B zu kommen, nicht für jeden einzelnen Schritt aber für etwas längere Strecken von etwa 20 Schritten aufwärts;  „größere Entfernung“ kann sich ungemein relativieren. Ihr seid für vieles nützlich: zum Anziehen ohne sich vorzubeugen, zum Aufheben von kleineren Dingen. Warum, wenn man sich nicht bücken soll, ständig alles auf den Boden fällt, gehört wohl zu den ewigen Rätseln.

Ich habe euch mit einem nilgrünen Bademantelgürtel aneinander gebunden. Der Nil ist sicher im Normalfall genauso grün wie die Donau blau ist, aber ich mag „nilgrün“. Es ist sehr praktisch euch um den Hals zu tragen, weil ihr dann keine Chance habt umzufallen und ihr – wenn ich freie Hände brauche – „bei Fuß“ neben mir steht. Man muss die Angestellten nur richtig einschulen und darf sie nicht aus den Augen lassen, dann geht das wunderbar. Aber trotz allem, ich mag euch nicht.

Ihr schlaft neben meinem Bett, samt nilgrünem Gürtel, ich schleppe euch ständig herum, stelle euch an den unmöglichsten Orten ab damit ihr nicht umfallt, sitze ich auf einem Sessel binde ich euch an der Lehne an und fotografiert habe ich euch auch schon. Auf diesem Foto sieht man auch meinen praktischen Servierwagen mit dem ich alles transportiere, was sich nicht unter den Arm klemmen oder in Taschen verstauen lässt.

Als ich mich von meiner Lieblingsklasse verabschiedet habe und ihnen erzählte, dass ich keine Ahnung hätte, wie lange ich mit Krücken unterwegs sein müsste, meinte ein Schüler „Krücken sind ja ein ganz trendiges Accessoire“ Es sei ihm verziehen, weil er selbst sich einen Kreuzbandriß zugezogen hatte und lange mit Krücken unterwegs war. Für einen jungen sportlichen Mann ist das aber nicht dasselbe wie ….. äh … für mich.

Es schneit seit Mittwoch. Ich liebe dieses Wetter. Seit Jahren hat es nicht mehr mehrere Tage hintereinander so richtig geschneit. Und ausgerechnet jetzt kann ich nicht hinaus oder vielmehr traue ich mich nicht hinaus. Es schneit nicht nur, es ist auch kalt und vielleicht liegt unter dem Schnee die eine oder andere Eisplatte zu der ich mich nicht dazulegen möchte. Hätte ich euch doch Spikes kaufen sollen? Na, jetzt ist es zu spät.

So sieht das dann aus, wenn ich abends in eurer werten Begleitung sehnsüchtig in den Schnee hinausschaue.

Hoffentlich kann ich euch in zwei Wochen im Keller verstauen. vielleicht nicht ganz hinten, man weiß nicht. Ich werde euch auch nicht von mir werfen so dass ihr womöglich irgendwie kaputt geht; schließlich habe ich auch eine zweite Hüfte, die schon etwas angenagt aussieht. Also insgesamt bin ich froh, dass es euch gibt, aber mögen, nein mögen tue ich euch nicht.