la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Mittwoch 1. Juli – Sie steigen wieder

Die Covid-Infektionszahlen  steigen wieder in Österreich; nachdem schon Urlaubs- und Sommerstimmung geherrscht hat, die allgemeine Aufmerksamkeit sich anderen Themen zugewandt hatte. An solchen Themen herrscht ja kein Mangel, keine Rede von Sommerloch ist im Sommer 2020. Leider wird die Stadt auch nicht halbleer bleiben. Sehr viele Geschäfte, Kleinbetriebe, Lokale werden heuer überhaupt keinen Urlaub machen, weil sie mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen.

Für mich fällt die Ansteckungsgefahr in der Schule nunmehr weg, die Ferien haben begonnen. Dadurch fahre ich auch weniger mit Öffis bzw zu Zeiten, in denen nicht viele Leute unterwegs sind. Trotzdem liegt die schwarze Wolke über allem, als hätte man eine Folie über die ganze Welt gezogen, die zusehends undurchsichtiger wird. Letztlich bin ich sehr froh, dass ich für Juli keine Reisen irgendwelcher Art geplant habe und sonstige Aktivitäten auch alle kurzfristig stornierbar sind. Meine Kollegen sind sehr besorgt über die schulischen Perspektiven im September. Manche arbeiten schon jetzt daran, ihren gesamten Unterricht so umzustellen, dass er auch jederzeit online stattfinden kann. In diesem Fall wären sicher alle froh, wenn der Aufwand umsonst gewesen wäre. Leider sieht es gar nicht danach aus. Der F ist auch nicht mehr im home-office. Zwar fährt er mit dem Rad ins Büro, aber dort isst er oft in der Kantine. Es macht aber nun gar keinen Sinn ständig darüber nachzudenken, wie und wo man sich anstecken könnte.

 


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Montag 29. Juni 2020

Ein Teil der Kollegen war gemeinsam in einem Raum im noch aktuellen Schulgebäude anwesend, andere waren über das restliche Haus verteilt. Der größte Teil des Kollegiums saß zuhause oder sonst irgendwo vor einem Computer oder ähnlichem Gerät. Im neuen bzw renovierten Schulgebäude, das im September eingeweiht werden soll, gab es auch schon ein WLAN-Netz und dort saßen diejenigen, die heute mit Übersiedlungsarbeiten dran waren. So lief unsere heutige Notenkonferenz ab, ziemlich zerstreut würde ich sagen. Insgesamt sehr improvisiert, denn das Ministerium schmeißt einen Erlass nach dem nächsten raus, wirft wieder alles um und verlautbart das Gegenteil… Nachdem es keine Vergleichswerte gibt, ist es auch schwer zu beurteilen wie gut oder schlecht alles läuft bzw ob es nicht noch verworrener laufen könnte.

Gestern habe ich ein Interview mit Christine Nöstlinger gehört, anlässlich ihres zweiten Todestages. Ihre Stimme finde ich unverwechselbar obwohl ich nicht besonders gut im Erkennen von Stimmen bin. Sie erzählte, dass man als Tochter seiner Mutter nicht entkommen könnte auch wenn man – wie sie – als Jugendliche und junge Frau heftige Konflikte mit ihr ausgetragen hätte. Im Alter würden Töchter nolens volens ihren Müttern immer ähnlicher. Ein Körnchen Wahrheit finde ich da schon. Ich kenne zwei Frauen für die es geradezu ein Lebensziel war, nicht so zu werden wie ihre Mütter. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass Christine Nöstlinger einer ihrer beiden Töchter auch den Namen Christine gegeben hat.

Er flattert elegant und orange und ist der Sonnenschirm, den wir am Wochenende erworben haben. Ganz erstaunlich wie einfach es ist, mit so einem Sonnenschirm Sommer- und Urlaubsstimmung zu erzeugen. Ich würde es ja bei weitem vorziehen, im Regen unter dem Schirm zu sitzen; aber der Verkäufer, der so unfreundlich war, dass er nur ein umgeschulter Aussteiger aus der Wiener Gastronomieszene sein kann, versicherte mir, dass der Stoff nicht wasserdicht ist. Ich werde es natürlich ausprobieren. Nachdem wir nun einen granitenen Schirmfuss haben, der schwer genug ist, den F zu überzeugen, dass ihn der Wind nicht wegtragen kann, liegt ein Aufrüsten mit einem zweiten Schirm aus wasserdichtem Stoff im Bereich des leicht Verwirklichbaren.


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Donnerstag 25.6.20

Seltsam finde ich es, wenn jemand von einem Leben mit Häusern in verschiedenen Kontinenten, mit Yachten und schnellen Autos schwärmt, andererseits aber mit einer Billigfluglinie fliegt, auch in Coronazeiten. Das fällt wohl unter Geiz und Gier im Verbund. Eine Kollegin wiederum, die ich heute getroffen habe, hat eine viermonatige Weltreise gemacht auf einem Schiff. Das Schiff verstehe ich nicht wirklich, ich wollte nicht mit tausend Leuten auf so einem Monsterschiff herumfahren, aber die verschiedenen Stationen, die sie beschrieben hat, verlocken mich schon, zum Beispiel prähistorische, afrikanische Felszeichnungen. Eine andere Kollegin hat ein Jahr in Norwegen verbracht und dort das Fahren mit Hundeschlitten erlernt. Allein schon die Nordlichter und der meterhohe Schnee… Ach, ich merke schon, die Reiselust naht auf leisen Sohlen trotz Hitze und Corona.

Kazuo Ishiguros „Alles, was wir geben mussten“ . Ein eindringliches, aufwühlendes Buch. Die Verfilmung steht dem Buch um nichts nach: großartig gespielt, poetisch gefilmt und äußerst bedrückend. Ishiguro vom Feinsten!

Im Kopf bearbeite ich meinen Projekt X-Text von mehreren Seiten, öfter vor dem Einschlafen, was zur Folge hat, dass ich mir die Fragmente erstaunlich gut merke. Trotzdem wäre es an der Zeit etwas aufzuschreiben.

Ich treffe mich gerne, auch mit mehreren Leuten, im Freien, aber nicht drinnen. Die Abschiedsfeier der Abendlehrer nächsten Mittwoch werde ich ausfallen lassen. Mir sitzen noch die Salzburger Rotarier im Nacken: in einem großen Saal mit viel Luftraum hat sich die Hälfte der Anwesenden infiziert. Keine Leiharbeiter aus prekären Wohn-und Arbeitsverhältnissen.

Das Schuljahr zerflattert an den Rändern, keine richtigen Abschlussfeiern, die Notenkonferenz per teams, manche Kollegen habe ich seit März nicht mehr gesehen. Nicht, dass ich alle meine Kollegen heiß liebe, aber verabschieden möchte ich mich schon von ihnen.


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Eine kleine Aufheiterung

Sind heute eingetroffen. Der F bekommt den Wandersmann und ich den mit der Pestmaske. Passt doch.

Sehr gelungen sind sie, liebe Alice. Transport und Bezahlung problemlos. Auch der Stoff ist von recht guter Qualität. Der einzige Kritikpunkt: der Geruch ! Aber der wird sich durch Waschen hoffentlich beseitigen lassen. Ich habe uns beide größenmäßig etwas überschätzt: die T-Shirts sind zu groß, aber das ist in zu erwartenden heißen Sommern sicher kein Problem. Außerdem gefallen sie mir so gut, dass ich sicher noch ein paar bestellen werde.


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Einschlag auf der Zielgeraden

Es hat nicht mich persönlich getroffen, sondern eine Schülerin meiner Schule, die seit gestern mit Covid-19 im Krankenhaus liegt. Schon ein Schock! So etwas trifft doch immer nur Leute, die man nicht kennt. Eine Flut von Bürokratie rollt über uns, gefühlte zweitausend Formulare zum Ausfüllen, ein Dutzend Schüler*innen und ebenso viele Lehrer*innen für zwei Wochen in Quarantäne. Wie alles im Leben hat es auch eine positive Seite: wir werden alle durchgetestet.

Mir ist schon ziemlich unheimlich, dass mir das Virus nun so nahe kommt. Zwar ist es ohnehin seit Monaten ganz in der Nähe und ich habe einfach nur Glück gehabt, aber in Verdrängung bin ich Weltspitze und das geht gerade nicht so gut. Die Lehrerzimmer sind so perfekt durchlüftet wie noch nie, was auch nicht unproblematisch ist, weil die Schule ja im Sommer zurückzieht in das renovierte frühere Schulgebäude und derzeit Gebirge von Büchern und Papier herumliegen, bereit zum Einpacken. Vor der Tür steht der erste LKW der Spedition. Die Kollegin, die die Operationen heute dirigiert, hat gerade ein mail geschickt, wir mögen doch bitte in die Umzugskartons nicht mehr hineinpacken als wir selbst tragen könnten. Die Herren von der Spedition müssten 3 Kisten auf einmal transportieren. Die sind also dreimal so stark wie jeder von uns ? Ob es die gesamte männliche Kollegenschaft schaffen wird, diese Schätzung unwidersprochen zu lassen.

Alles Galgenhumor ! Tatsächlich fürchte ich mich ziemlich und werde gleich die 375 Formulare für die Anmeldung zum Test ausfüllen, komplett und richtig …


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Samstag 14.Juni 2020

Der erste Schwimm des Jahres bei meinem Bruder im Garten. Öffentliche Bäder sind mir noch etwas unheimlich, aber nachdem eine kürzlich getroffene Freundin eine Saisonkarte für das Schönbrunner Bad erstanden hat, ist es im Grunde nur eine Frage der Zeit, wann ich mich überreden lasse dort hinzugehen. Der Pool der Verwandtschaft hat ein sehr angenehmes Desinfektionssystem: es wird Salz hineingeschüttet, durch irgendein Elektrolyse-Verfahren entsteht im Endeffekt Chlor. Das Wasser ist aber viel angenehmer für die Haut und riecht auch überhaupt nicht nach Chlor.

Samstag: strahlender Sonnenschein mit recht hohen Temperaturen, Sonntag: Gewitter, Abkühlung, ein paar Stunden Regen. So könnte es von mir aus den ganzen Sommer lang weitergehen. Keine Trockenheit, keine Aufheizung der Stadt, Lebensqualität im Alltag.

Ab morgen muss man in Supermärkten keine Masken mehr tragen, nur noch in Öffis und Gesundheitseinrichtungen. Einerseits werden die Masken mit steigenden Temperaturen immer unangenehmer, andererseits bringen sie aber vielleicht doch einen gewissen Schutz. Ich kann mich nicht entschließen, wofür oder wogegen ich in diesem Zusammenhang bin.

Im Kieser-Studio gab es schon heute keine Maskenpflicht mehr, viele Leute trugen aber beim Trainieren Masken. Auf freiwilliger Basis können ja alle machen, was sie wollen. Ob es aber klug ist, die ausgeatmete Luft wieder einzuatmen, noch dazu bei sportlicher Betätigung, wenn man eigentlich mehr Sauerstoff braucht als sonst.


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Donnerstag 11. Juni 2020 – Meine zweite Infizierte

Ich habe den Eindruck, dass auf der ganzen Welt sehr viele Menschen und Organisationen darauf warten, dass Präsident Trump von der Bühne verschwindet um vielfältige und sinnvolle internationale Projekte weiterführen oder neu beginnen zu können, von der WHO bis zum internationalen Gerichtshof. Einer und seine Anhänger stehen bei so vielem im Weg.

Gestern habe ich einen langen Tratsch mit einer seit längerem nicht gesehenen Freundin geführt und sie hat sich als die zweite mir persönlich bekannte Person entpuppt, die Covid-19 hatte. Ganz zu Beginn, Anfang Februar als die Ärzte noch gar nichts von der neuen Krankheit wussten. Es wäre irgendwas Virales hätte der erste Arzt gesagt und sie solle sich ins Bett legen und Ruh geben. Der zweite Arzt, den sie konsultierte, gab den gleichen Rat ohne Theorien aufzustellen über den Ursprung des tief sitzenden Hustens. Diese Freundin, Sabine, ist Apothekerin und hat eine Chefin, deren Hobby diverse Arten von Testungen zu diesem und jenem sind. Deswegen hat es Sabine zu zwei positiven Covid-19-Antikörpertests gebracht, zu ihrer großen Überraschung. Zwar weiß man ja noch nicht. wie lange die Immunisierung nach überstandener Krankheit anhält, trotzdem war es für sie eine große Erleichterung von ihrer aktuellen Immunität zu erfahren, denn sie hat die ganze Zeit über in der Apotheke gearbeitet und auch – als sozial denkender Mensch- der sie ist, Medikamente an Kranke nachhause gebracht. Da ist es natürlich äußerst beruhigend zu wissen, dass man sich selbst nicht anstecken kann, zumindest nicht mit Covid-19.

Ständig habe ich das Gefühl, dass jetzt der Herbst kommt. Die Schule hat nach Monaten gerade wieder begonnen und das ist ein subjektiv so starkes Indiz für Herbst, dass gegenteilige Indizien wie steigende Temperaturen sich erst langsam durchsetzen müssen.


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Mittwoch 3. Juni 2020

So hat denn die Präsenz-Phase in der Schule wieder begonnen, die dann Ende Juni in die Sommerferien übergehen wird. Jede Klasse ist in zwei Gruppen geteilt von denen eine an den geraden Tagen, die andere an den ungeraden kommt. Es hat etwas leicht Gespenstisches wenn so wenige Leute in den Gängen aneinander vorbeihuschen. Alles in allem habe ich mich gefreut, die Kollegenschaft und die Schülerinnen wiederzusehen. Es hat auch ziemlich gut getan, die wenig bodenhaftenden Vorstellungen unseres Ministers ausgiebig zu besprechen und Geschichten aus dem Leben der Schüler*innen zu erfahren. Weniger begeistert hat mich das Versprühen des garantiert am scheußlichsten riechenden Desinfektionsmittels. Es muss reiner Fusel sein, aus der Zeit als Desinfektionsmittel nicht aufzutreiben waren und die Schulen doch mit irgendetwas ähnlichem versorgt werden mussten. Wir rochen also alle ziemlich durchdringend.

Nachdem es in Wien heute offiziell nur mehr 254 Covid-19-Infizierte gab, erschien es mir ziemlich lächerlich mich zu einer Risikogruppe zu rechnen und weiterhin von zuhause aus zu arbeiten. Obendrein hätte mir das um einiges mehr Arbeit verursacht. 80% aller Lehrer*innen, die sich zur Risikogruppe hätten zählen können, sind zum Präsenzunterricht  gekommen. Welcher der beiden Fakten mich stärker beeinflusst hat, sei nun dahingestellt.

Ebenso gespenstig wie die Schule zeigte sich das Kieser Studio, wo ich gestern war. Man muss sich auf die Viertelstunde genau anmelden, wobei aber nicht genau zu eruieren ist, wie viele Leute auf einmal hinein dürfen. Die Trainingsmaschinen wurden umgestellt, so dass nicht mehr nebeneinander sondern hintereinander trainiert wird. Dieser Position der Geräte kann ich viel abgewinnen, man sieht nicht mehr aus den Augenwinkeln die Nachbarn zur Rechten und zur Linken sondern die Hinterfront des Geräts vor einem. Man wird sehen, wie lange die Situation so bleibt.

Vielleicht lerne ich es doch noch, manchmal den Mund zu halten, wenn bodenloser Schwachsinn verzapft wird von Leuten, die sich durch das Lesen von drei Artikeln als Expert*innen zu einem Thema fühlen, über das ihnen aber in Wirklichkeit die allergrundlegendsten Kenntnisse fehlen. Ja, ich bin ganz optimistisch vielleicht wird da noch was draus. Wenigstens manchmal.

 


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Donnerstag 28.5.2020 – Muskeln – Mangold -Mikro

Morgen öffnet das Kieser-Studio wieder mit den üblichen Desinfektionsmaßnahmen und mit einem wirklich einfachen online Reservierungssystem. Es dürfen offenbar nur eine begrenzte Anzahl von Personen gleichzeitig hinein und für jeden ist eine Trainingszeit von ca einer Stunde berechnet. Ich denke, das wird gut funktionieren. Die Organisation der Studios lief bei Kieser immer wie am Schnürchen. Prinzipiell mag ich das Resevierungssystem nicht besonders, weil ich gerne spontan beschließe, wann ich trainieren gehe. Es wird ja aber hoffentlich nach einer Weile wieder normalisiert werden. Andererseits ist so eine Reservierung eine gewisse Unterstützung der Motivation. Meine darniederliegenden Muskeln freuen sich schon sehr und ich merke, dass ich ganz eindeutig zu wenig Bewegung gemacht habe in letzter Zeit. Trotzdem werde ich frühestens am Montag hingehen. Warum auch immer brauche ich eine Anlaufzeit von ein paar Tagen.

Warmer Mangoldsalat mit Apfel und verschiedenen Nüssen, eine Eigenkreation. War erstaunlich gut. Erstaunlich deswegen weil Mangold in der regionalen Gemüsekiste immer einen sehr großen Platz einnimmt und wir ihn eigentlich schon gar nicht mehr sehen können. Aber nur kurz blanchiert, schmeckt er doch wieder anders als in Pürees, Strudeln und Suppen. Ich mag die Bio-Kiste auch wegen ihrer kochkreativ fördernden Wirkung.

Mein Headset ist eingegangen. Leider ist das Ding wegen der Fernlernerei und dem Bedürfnis unserer Direktorin nach Online-Konferenzen unerlässlich. Solange F auch im Homeoffice war, konnten wir problemlos seine Kopfhörer gemeinsam abwechselnd verwenden, aber diese idyllischen Zeiten sind ja vorbei und so habe ich wieder ein Trumm mehr mit dem Potential herumzuliegen, wenn ich es nicht brauche. Dabei hätte ich so gerne einen leeren Schreibtisch.

Jetzt wüsste ich noch gerne, wo man in dieser Block-Landschaft ein automatisches Wortzählen einstellen kann. Und die Aufzählung der bisher verwendeten Schlagwörter hätte ich auch gerne wieder. Ich hoffe, es wird alles zu gegebener Zeit „hier!!“ rufen.


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Samstag 23.5.20 – Präsenz und Idylle

Ich weiß nicht recht, wie ich die zwei letzten Tage nennen soll. „Schulisch überaktiv“, „Fernlernphase abschließend“, „Seit zwei Monaten inaktive Schüler*innen mit der Verkündung negativer Noten unangenehm aus dem Dornröschenschlaf reißen“. Jedenfalls sitze ich seit 48 Stunden praktisch ununterbrochen vor dem Computer. Es ist alles recht mühsam, weil ich wegen des Datenschutzes  jede Schülerin und jeden Schüler einzeln und privat verständigen und allen vor Beginn der Präsenzphase am 3.6. ihren derzeitigen Notenstand verkünden muss. Die Grundlagen für die Benotung des Fernunterrichts sind eine Kombination aus Vorurteilen, Illusionen und Wunschträumen. Bei den „Normalschüler*innen“ hat ja alles recht gut funktioniert, bei den Abendschülern eben noch ein bisschen schlechter als sonst. Viele sind zwei Monate lang einfach abgetaucht. Ob das an Problemen mit der Kommunikationstechnik, an mangelnden Fähigkeiten zur Selbstorganisation oder schlicht an Faulheit liegt, sei dahingestellt. Insgesamt war es eine interessante Erfahrung zum Abschluss meines Schulalltags.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich als zur Risikogruppe gehörig deklarieren soll und habe mich nun dagegen entschlossen. Wahrscheinlich würde ich es nachträglich bedauern, meine Schulzeit ausklingen zu lassen in Risiko und möglicher Krankheit und Zurückgezogenheit auf Kosten der Kollegenschaft, die mich dann vertreten müsste. Ich werde also die ohnehin nur vier Wochen dauernde Präsenzunterrichtphase mitmachen und dann verhältnismäßig normal in den Sommerurlaub gleiten. Obwohl mich die häusliche Idylle langsam etwas kribbelig macht. Ja, leider ertrage ich Idyllen nie sehr lange …


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Mittwoch 20.5.2020 – die Seltsamkeiten des Tages

Meine Lieblingsbluse von vor einem Jahr um diese Zeit gefällt mir gar nicht mehr so besonders. Wie vergänglich und relativ die Begeisterung doch ist. Und über welche Banalitäten ich schreiben kann ohne dass es mir peinlich ist. Nein, es ist mir überhaupt nicht peinlich, es macht mir Freude, mich in schön gedrechselten flüssigen Sätzen zu üben.

Die Ablesung der Fernwärme, die im Fall meiner Wohnung normalerweise im Mai durchgeführt wird, übrigens von einem sehr netten jungen Mann, den ich schon ein paar Jahre kenne, muss heuer von den Fernwärmekunden selbst erledigt werden. Bei derzeit ungefähr 400 Covid-19- Infizierten in ganz Wien und weniger als 800 in ganz Österreich kommt mir das doch – sagen wir –  etwas übertrieben vorsichtig vor. Ja, andererseits, natürlich könnte einer dieser Ableser infiziert sein und dann mit sehr vielen Menschen Kontakt haben. Vorsichtsmaßnahmen sind zur Vorsicht da.

Derzeit sieht es ja so aus als würde man mit einem großen Vergrößerungsglas und einer starken Lampe in die düsteren Winkel der sozialen und arbeitsrechtlichen Ungerechtigkeiten hineinsehen und – welche Überraschung – da sind auch die Infizierten. In extrem engen Wohnverhältnissen, in prekären Arbeitssituationen, die es ihnen gar nicht erlauben wegen Krankheit von der Arbeit wegzubleiben, weil sie dann keine Arbeit mehr hätten. Ja doch, ich spreche von Europa, von Leiharbeiterfirmen, von Lohnsklavenbarracken, von Flüchtlingsunterkünften.

Zwei Weinstöcke haben wir erworben, einen mit dunklen, einen mit weißen Trauben, also zunächst theoretischen Trauben, weil es ja keineswegs sicher ist, ob sie auch im 6. Stock bei extremer Sommerhitze und viel Wind tragen werden. Das ist ein Projekt von F, der Bilder von schattigen Weinlauben im Kopf zu haben scheint.


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Freitag 15. Mai 2020 – Von Flaggen, Stühlen und der Gastronomie

Ob Themen wirklich in der Luft liegen, ob sie nur von Medien hochgepusht werden, oder ob die Medien sie aufgreifen, weil sie eben in der Luft liegen, ist sehr schwer zu beurteilen. In Österreich ist jedenfalls gerade das Thema „Auferstehung der Kulturveranstaltungen nach dem Lockdown“in aller Munde. Die zuständige Staatssekretärin wird von allen Seiten scharf kritisiert und man munkelt, dass sie bald zurücktreten wird.

Gestern bin ich an der Oper vorbeigefahren. Sie ist schwarz beflaggt. Ob es sich dabei um ein Symbol der Trauer um einen verstorbenen Menschen aus dem Opernmilieu handelt oder um die allgemeine Trauer um den Kulturbetrieb? „Kulturbetrieb bedeutet ja nicht, ein paar Stühle aufstellen und dann trägt jemand ein Gedicht vor“ sagte ich weiß nicht mehr wer. Ich hoffe sehr, dass sich zumindest bis Herbst alles einigermaßen normalisiert, vor allem natürlich wegen der finanziellen Lage so vieler Menschen, aber auch weil ich große Lust habe wieder regelmäßiger ins Theater und zu sonstigen Veranstaltungen zu gehen. Zeit werde ich dann ja haben. In dem Zusammenhang fällt mir ein Satz ein, der derzeit in aller Munde ist, wer immer ihn auch erfunden haben möge. Es gäbe derzeit schon mehr Virologen als Kranke.

Ein anderer Pfeiler österreichischen Selbstverständnisses nämlich die Lokale sperren ab heute wieder auf, wenn auch unter recht ungemütlichen Bedingungen: Tische ziemlich weit auseinander, vier Personen pro Tisch, das Servierpersonal muss Masken tragen. Völlig absurd finde ich, dass Gäste beim Betreten des Lokals Masken tragen sollen, die sie erst an ihrem Tisch abnehmen dürfen. Eine Augenauswischerei ist das. Entweder ist es gut und sinnvoll Masken zu tragen oder eben nicht. Dass es auf ein paar Metern Entfernung  Sinn machen soll, beim Sitzen am Tisch aber nicht, hat doch einen sehr schildbürgerlichen Anstrich. Ursprünglich hieß es ja, in den Lokalen müssen auch von den Gästen Masken getragen werden. Dass das Einschieben fester und flüssiger Nahrung dadurch doch sehr erschwert worden wäre, hat man beim Krisenstab dann auch eingesehen. Zwar würde ich sehr gerne endlich wieder einmal in einem Lokal sitzen und mit Leuten plaudern, die ich lange nicht gesehen habe, aber unter diesen Bedingungen werde ich noch eine Weile darauf verzichten.

Im Nebenzimmer brummt der Staubsauger, der bald einen besseren Nachfolger finden wird. Frau S. ist am Werk, was für mich ein sehr großer und wichtiger Schritt in die Vor-Corona Normalität ist.

Ich hasse ja das Putzen, obwohl ich derzeit eventuell doch lieber putzen würde als Schuldirektorin zu sein. Aus dem Unterrichtsministerium strömen jede Menge recht widersprüchlicher und unvollständiger Anweisungen aber nur sehr wenige Resssourcen. Man hat auch plötzlich zur Kenntnis genommen, dass viele Schulen in bedauernswertem baulichen und empörendem hygienischen Zustand sind. Es soll gebaut werden, „auch zum Ankurbeln der Bauwirtschaft“ sprach der Kanzler. Für seine Verhältnisse ist das eine der Wahrheit verpflichtete Aussage.

 


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Käse, Käse …..

Die ersten eigenen Erdbeeren geerntet. Die eigenen schmecken schon ganz besonders, saftig, süß, erfrischend. Und der Geruch! Ganz wunderbar. Er triumphiert eindeutig über den Schimmelkäsegeruch. Der F liebt Käse, meine Nase und ich nicht. Eigentlich wären wir also in der Mehrheit, aber es herrscht in diesem Haus bezüglich Käse kein Mehrheitsrecht. Was ich sehr bedaure. Zwar werfe ich nächtens immer wieder die Restbestände weg, die besonders intensiv riechen, aber das reicht bei weitem nicht aus. Im Kühlschrank steht eine Schale Essig, das hilft. Wenn alle Fenster offen sind, ist das alles nicht so tragisch, aber derzeit ist es gerade wieder ziemlich kalt und da zieht der Käsegeruch durch die Wohnung. Der F behauptet, dass ich maßlos übertreibe. Das liegt daran, dass ich eine viel bessere Nase habe als er. Naja, solange man gut riecht, ist man angeblich nicht mit Covid-19 infiziert, weil das Virus die Geruchsnerven vorübergehend außer Funktion setzen soll. Manchmal ist es aber echt nicht einfach einen positiven Aspekt an einem Ärgernis wie dem Käse zu finden. Ich muss eine Recherche starten über die fatalen Wirkungen von großem Käsekonsum. Wer weiß, was sich da finden lässt. Aber ich fürchte, was immer es ist, wird dem F völlig egal sein, seine Käseleidenschaft übersteht alle meine Sabotageakte. Immerhin haben wir uns darauf geeinigt, dass der Käse in gläserne Behälter mit Deckel verpackt wird. Der F nennt sie Sarkophage. Ob das eine passende Bezeichnung ist, kann ich nicht sagen, weil ich glücklicherweise noch nicht erlebt habe, wie eine frisch einbalsamierte zukünftige Mumie riecht. Sehr viel intensiver als manche Käsesorten kann es aber nicht sein.


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Dienstag 12. Mai 2020

Seit über acht Wochen habe ich den Ort nicht mehr betreten. Das ist so lange her wie Sommerferien dauern. Im Eingangsbereich sind mehrere Tische zusammengestellt wie zu einem Buffet, nur stehen dort ausschließlich Flaschen mit Desinfektionsmittel und auf der verbleibenden freien Fläche sonnt sich eine Liste zum Ein- und Austragen der im Haus anwesenden Personen. Die Aufsicht über diese Schleuse führt der Portier, der einen größeren Vorrat an Zigaretten vor sich aufgetürmt hat und sehnsüchtig nach der Straße schielt, wo er sie rauchen könnte.

Im Lehrerzimmer liegen die Drehsessel mit der Sitzfläche auf den Tischen, dazwischen steht noch das Foto der kürzlich verstorbenen Kollegin. Ich reiße das Fenster auf und fahre einen Computer hoch. Wozu eigentlich, ich brauche ihn ja gar nicht. Einige Prüfungskandidaten stehen schon vor der Tür, brav maskiert, die meisten mit Masken in Fantasiedesigns. Ich bin überzeugt, dass der Nasen-Mundschutz in kürzester Zeit zum modischen Accessoire werden wird. Ein Kollege behauptet, dass die Fpp2-Masken viel angenehmer zu tragen sind, als die aus dem Supermarkt. Später, auf dem Heimweg habe ich mir welche besorgt und tatsächlich. Man bekommt nicht mehr und nicht weniger Luft als bei den anderen, sie sitzen aber besser und verrutschen nicht ständig wodurch man besser sieht und der Schutz ist vielleicht auch eine Spur besser.

Die Bücherregale sehen genauso schief und chaotisch aus wie am 13. März. In einem Regal liegt das Staberl der toten Kollegin, mit dem sie die an den Decken der Klassen befestigten Beamer ein- und ausgeschaltet hat, anstatt – wie wir anderen alle –  die größten Schüler damit zu beauftragen. Meistens sind auch die größten Schüler nicht groß genug und müssen noch auf einen Sessel oder gar einen Tisch steigen, und das erschien ihr gefährlich. Ach, Monica…

Wir sind uns alle nicht sicher, ob wir wie sonst üblich die Prüfungen schriftlich und mündlich abhalten sollen/müssen/dürfen. Die ministeriellen Erlässe zeichnen sich nicht so sehr durch Klarheit als vielmehr durch Länge aus, ohne aber alle Möglichkeiten zu berücksichtigen. Ein Prüfungskandidat hat ein Papierröllchen bedeckt mit einer winzigen Schrift in einen Kugelschreiber gepackt. Im Normalfall, hätte man die Arbeit für ungültig erklärt und er dürfte/müsste zum nächsten Termin nochmals antreten. Aber in Corona-Zeiten ist  die Arbeit nur negativ.

Die Öffis waren nicht annähernd so leer wie vor ein paar Wochen, aber akzeptabel. Wie sich die Situation entwickeln wird, wenn ab nächstem Montag die Kinder aus Volksschulen und Unterstufen wieder unterwegs sind, wird man sehen.