Schlagwort: Pflanzen –

Mittwoch 23. November – Elefantengras im Regen

Zugig ist es auf den Bahnsteigen, über die ich kürzlich gereist bin, zugig, dunkel und kalt. Ich wollte aber nun mal unbedingt zur Hausversammlung in PB, Thema: Energieversorgung. Am frühen Nachmittag dort angekommen, wollte ich eine Runde drehen. Zum Radfahren war es mir zu feucht und so bin ich ausgiebig im Regen spaziert. Laut Statistiken regnet es in PB etwa doppelt so viel wie in Wien. Eine gute Wahl für mich. Die Landschaft zeigte sich zwar eindeutig spätherbstlich, aber die Wiesen noch erstaunlich grün.

Es geht darum die derzeitige Öl-Heizung durch etwas Nachhaltigeres zu ersetzen. Der Kriegstreiber wird noch zum Heiligen der Energiewende werden. Ein sehr gelungener Treppenwitz der Geschichte.

Bei der letzten Versammlung waren wir bei Photovoltaik plus Wärmepumpe stehen geblieben. Diese Version ist Geschichte, weil dabei nicht genügend Energie für alle produziert werden könnte. Die Hausverwaltung hat nun den Gründer eines Projekts für regional-autonome Energieerzeugung geladen. Seine Präsentation klingt sehr überzeugend. Drastische Senkung der derzeit horrenden Kosten für Warmwasser und Heizung und regionale Autonomie durch Verwertung erneuerbarer Rohstoffe.

Das Elefantengras (Miscanthus), das von einem Bauern in der Nähe angebaut wird, soll 50% der Energiepflanzen ausmachen. Eine unkomplizierte Pflanze, die eine enorme Trockenmasse erzeugt und auch noch hübsch aussieht. Jetzt müssen noch 51% der Nachbarn zustimmen und es kann losgehen.

Samstag 19.November 2022 – Miksang und Punsch

Alle Jahre wieder, so um diese Zeit herum beginnt in Wien der Punsch-Ausschank an allen Ecken und Enden. Und alle Jahre wieder wundere ich mich darüber, dass von Punsch die Rede ist und von „Kinderpunsch“. In einem Land mit zahllosen Alkoholkranken herrscht für Erwachsene anscheinend Alkoholzwang. Wenn man diesen nicht beachtet, hat man sich unter die Kinder einzureihen. In dem Café, in dem wir heute nach dem Fotografieren eingekehrt sind, herrschte diesbezüglich Pioniergeist und auf der Karte stand „Punsch“ und „alkoholfreier Punsch“. Ein Grund zum Jubeln, denn was einmal in einem Lokal Einzug hält, verbreitet sich auch in anderen. Beide Punschsorten waren übrigens köstlich und eine Spur weniger teuer als an den Standln auf der Straße. Also ein Hoch auf die Konditorei Oberlaa!

Wir haben auf dem Wiener Hauptbahnhof fotografiert und alle übereinstimmend festgestellt, dass es ein Bahnhof mit hektischer Atmosphäre und sehr kalter Beleuchtung ist. Es gibt aber natürlich auch interessante Fotomotive, wenn man den Fotoblick einschaltet.

Bevor ich es vergesse: es hat doch tatsächlich geschneit und damit ist es wohl mit dem überwarmen Herbst vorbei.

Wenn es wahr ist, dass der Rosmarin blüht, wenn es zu großen Temperaturschwankungen kommt, dann müsste er jetzt bald von Blüten übersät sein.

Freitag 18.November 2022

Meine Netzkarte für sämtliche Öffis in Wien, Niederösterreich und Burgenland bekommt eine weitere Chance sich zu amortisieren. Ich fahre zunächst einmal zur Hausversammlung in PB, wo die Beratung über die zukünftige Energieversorgung des Hauses in die zweite Runde geht. Die Hausverwaltung ist effizient und ich bin gespannt, wie viel die geplanten Sonnenkollektoren samt Wärmepumpe kosten werden und ob es zu einem Mehrheitsbeschluss kommt. Die Lösung ist ja ziemlich alternativlos, aber es gibt immer wieder Leute, die gegen alles sind, selbst aber keine anderen Ideen beizusteuern haben.

Energie und deren Preise sind ja derzeit ein Thema in aller Munde und es werden Sonnenkollektoren, Photovoltaikanlagen ohne Ende bestellt. Es gibt zwei sehr gute Ansätze: man speichert die in der eigenen Anlage produzierte Energie in einer Batterie, die man im Bedarfsfall verwenden kann. Das ist die in der Anschaffung teurere Lösung. Oder man speist die selbsterzeugte Energie ins allgemeine Netz und wird dafür bezahlt. Auch nicht schlecht. Das sind aber natürlich sehr kleine Beträge und auch diese Anlage ist nicht billig und es braucht auch lange bis sie sich amortisiert. Billig ist ja aber derzeit ohnehin gar nichts.

Ich bin richtig im Blätter-Fotografier-Modus. Meine Miksang-Gruppe hat allerdings beschlossen beim nächsten Treffen nicht Natur sondern Stadt zu fotografieren, zur Abwechslung. Also noch schnell ein Blätterbild.


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Weinbergtage

Die Weinlese ist in vollem Gang. Meine eigenen diesbezüglichen Erfolge sind leider mehr als dürftig. Zwei Weinstöcke haben wir auf der Terrasse stehen, die zwar sehr gewachsen sind, schöne Blätter haben, aber den Ertrag kann man im besten Fall als kümmerlich bezeichnen, winzige Trauben und nicht besonders gut

Krakenfreundschaft

Craig Foster & Ross Frylink
„Seachange“
Mosaik Verlag: 2022

Beim Salzburger Mosaik Verlag, der zur Randomhouse-Gruppe gehört, gibt es Vielfältiges zu entdecken und nicht zuletzt diesen umwerfenden Bildband.

Vorausgeschickt: die Fotos sind eine wahre Augenweide, man wird richtig hineingezogen in diese fantastische Wasserwelt. Ebenso vorausgeschickt: es gibt auch einen Film zu diesem Projekt. Unter „Mein Lehrer der Krake“ findet man ihn leicht, es gibt ihn aber auch bei Netflix. Er ist sehr sehenswert.

Die beiden Autoren zeigen fantastische Makros von sehr vielen Bewohnern – tierischen und pflanzlichen – der Tangwälder an der südafrikanischen Westküste vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Agulhas. Wegen meines großen Interesses für Oktopusse begeistern mich besonders die Portraits der Kraken. Diese faszinierenden bunten Strukturen, der Blick in ihre Augen aus größter Nähe! Ich liebe diese Darstellungen, bei denen man die Strukturen der Haut und sonstiger Organe genau sieht. Viele dieser Fotos haben Qualitäten von abstrakten Gemälden.

Aus meiner Sicht rund um die Fotos gibt es auch Text. Man kann es natürlich auch so sehen, dass der Text von den Fotos illustriert wird. Es ging Craig Foster und Ross Frylink jedem für sich um das
Eintauchen in eine äußere faszinierende Welt ebenso wie um das Tauchen in die eigene Psyche und Vergangenheit. Beide sind gerade ein paar Meter von der Küste und den Tangwäldern aufgewachsen und haben sehr früh zu tauchen begonnen.

Auch die Texte sind ein Eintauchen in eine fremde, faszinierende Welt mit Bewohnern, die die unglaublichsten Eigenschaften und Fähigkeiten haben.

„Ich war überwältigt als ich zum ersten Mal in das Auge eines Gestreiften Katzenhais blickte und sich darin ein ganz anderes Universum spiegelte. Der Hai sammelt Aragonit (eine Kristallform von Calciumcarbonat) aus dem Meerwasser und baut daraus auf der Rückseite seines Auges einen glänzenden Spiegel auf. dies befähigt ihn, in dem dunklen Wald das schwache Mondlicht zu verstärken und sich nachts zu orientieren. Er sieht bei schwachem Licht zehnmal besser als ich“ S 44

Bei den Tauchgängen, den Reisen ins Abenteuer, lebt Craig Foster seine eigene Theorie über die Verbindung des Menschen zur Natur.

„Wir sind überaus anpassungsfähig, aber unser frühes evolutionäres Erbe taucht immer wieder in unserem Seelenleben auf. Wir sehnen uns nach unseren Wurzeln in der Wildnis. Wenn wir sie nicht nähren, fühlen wir uns entfremdet, nicht mit uns selbst in Einklang. Wir fühlen uns gespalten, als verlorene Wesen, die sich in einem immer enger werdendem Kreis des Wahnsinns drehen. Jeder Schritt zurück zu unserer Quelle, zu unserem Ursprung, bringt uns jener positiven Kraft näher, die man Liebe nennen könnte. Die Wildnis lebt als ein Archetypus in den Tiefen unserer Seele fort. Diese Prägung lässt sich nicht auslöschen.“ S 90

Auch für das in der Kalahari lebende Volk der San und ihre Felsmalereien interessieren sich die beiden Autoren und integrieren deren Kunst und Kultur in ihre Betrachtungen über das Verhältnis von Mensch und Natur. Es gibt daher in dem Buch auch einige Fotos von solchen Felsmalereien.

Die nicht ganz einfachen Lebensgeschichten der beiden Autoren werden ebenfalls in die Begegnungen mit den Meereslebewesen verwoben. Am meisten beeindruckt hat mich die Begegnung zwischen Mensch und Krake. Foster schildert seine Freundschaft mit einem Krakenweibchen und es kommt kein Zweifel auf, dass es sich um eine Beziehung handelt, die man als Freundschaft zwischen zwei Species bezeichnen kann. Besonders eindrucksvoll kann man im Film sehen, wie die beiden einander berühren, ja geradezu miteinander kuscheln.

Der wissenschaftliche Zugang zum Meer wird in einem Vorwort von dem Meeresbiologen Jannes Landschoff vertreten, der auch mit Foster und Frylinck im Rahmen des Sea Change Projekts taucht und in einer Einleitung von Jane Goodall, die meint,

(…) dass Menschen tiefe und starke Beziehungen zu vielen verschiedenen Lebensformen aufbauen können S11

Dass Sea Change Projekt entwickelt sich offenbar prächtig:

In dieser Gruppe der „Waldfans“ sind alle Altersgruppen vertreten – von 15 bis 75 – über Generationen hinweg sind Freundschaften entstanden, miteinander verflochten durch die Kraft des Meeres. Dieses gemeinsame Interesse daran, Geschichten zu erzählen und sich über Flora und Fauna auszutauschen, steht im Zentrum der ursprünglichen Naturerfahrung des Menschen, und es verbindet den Menschen mit der Wildnis und die Wildnis mit dem Menschen“ S 329

Ausklänge

Urlauben mit dem F ist ebenso interessant wie anstrengend. Vor der Kulisse des Sommerausklangs sehen und erleben wir viel, es bleibt aber keine Energie zum NIederschreiben. Dafür ist dann der Herbst da.

Ich freue mich auf das Schreiben, habe aber jetzt gerade keine Lust dazu. Klingt absurd, ist aber ganz genau so. So eine Art Sammelphase vor der Winterruhe …

Der Wind – Impulswerkstatt

Diesmal kann ich selbst auch etwas mit meinen Rahmen anfangen. Wieder ein Drabble

Der Wind schmirgelt die sattgrünen Blätter ab, sie werden erst sonnengelb, wie in einem zweiten Frühling, dann aber saftlos braun, beige, grau, schwarz, eigentlich anthrazit. Wo die Säfte fehlen, fehlt auch die Geschmeidigkeit, das Tanzen im Wind, das kokette umeinander Ringeln.
Grün blüht und lebt. Beige und braun versuchen sich im unauffälligen Mittreiben, im Festhalten an den anderen um nicht weggerissen zu werden. Das solidarische Heer der Dunkelgrauen widersteht dem Wind nicht aber einem Orkan, der sie zerfasern würde.
Sie stehen noch gerade, genießen die Herbstsonne. Auch die entfärbten Blätter lassen sich noch im sanften Wind wiegen bis ganz zuletzt.

Drabble Nr. 10

Vitalität

Dieses unscheinbare Pflänzchen, das mit einer Spur Erde und hin und wieder einem Tropfen Wasser auskommt, könnte der Ausgangspunkt für die totale Überwucherung einer Wand, einer Strasse, einer Stadt werden.