la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 7.6.19 – Pfingstrosen und Missionare

Um diese Jahreszeit kann man Maturanten und mormonische Missionarsknaben weder vom Outfit her noch aufgrund ihres Alters unterscheiden. Sehr, sehr junge Männer in schwarzen Anzügen, manchmal auch noch mit Krawatten und im Normalfall mit einem Rucksack ausgestattet, sind eben entweder Gymnasiasten, die an diesem Tag ihre mündliche Matura hatten oder junge Amerikaner mormonischen Glaubens, die in Europa missionieren. Ich glaube, das gehört zu deren religiösen Pflichten.

A propos junge Männer und religiöse Pflichten: in Israel kämpft die säkulare Gesellschaft gegen die Weigerung der religiösen Fundamentalisten, den Wehrdienst ebenso wie alle anderen zu leisten. Aufgrund ihres enormen Kinderreichtums machen die Fundamentalisten schon 20% der israelischen Bevölkerung aus. Ich habe ein Interview mit einem Vertreter der Religiösen gehört, der meinte, dass „die anderen“ nicht verstehen wollten, dass es in Israel eben eine völlig gerechtfertigte „Arbeitsteilung“ gebe, die darin besteht, dass die einen zur Armee gehen und die anderen die Torah studieren. Wobei beide Seiten meinen, dass ihr Beitrag für das Land wichtig ist. Sehr schwierige Situation.

Ich mag ja rosa als Farbe nur in homöopathischen Mengen , aber bei Magnolien und Pfingstrosen mache ich da eine Ausnahme. Kürzlich habe ich daher einen Strauß Pfingstrosen gekauft, 11 Stück um 4 €, von denen 10 wunderschön aufgeblüht sind, die 11. wird vielleicht noch. Nachdem sie so schön sind und so gut riechen, wollte ich noch einen zweiten Strauß und ging in das Blumengeschäft an der U-Bahn, wo es ebenfalls Pfingstrosen gab, allerdings  zu einem Preis von sage und schreibe 5€ pro Blüte. Ich fragte die Blumenhändlerin, ob sie ihre Preisgestaltung nicht überdenken wolle, denn ich würde ihr ihren Bestand abkaufen, aber natürlich nicht um diesen Preis. Ach, sie wäre ja abhängig von den Preisen ihres Lieferanten. Gut, dann nicht. Ich empfahl ihr, den Lieferanten zu wechseln und kaufte nichts, in der Hoffnung im Supermarkt oder auf dem Markt andere Pfingstrosen zu finden, heute oder morgen. Wirklich unverschämt sowas!

Im Rahmen der Read-on-Geschichte schrieb Nathalie vom Fundevogelnest, dass sie den Sog zum Erfinden fiktiver Identitäten verstehen kann. Inzwischen habe ich darüber nachgedacht und kann ihn wohl auch verstehen, aber die Gefahr durch die intensive Beschäftigung mit einer fiktiven Persönlichkeit völlig den Bezug zur Realität und den Boden unter den Füßen zu verlieren, sehe ich auch sehr deutlich. Habe ich denn überhaupt Lust zu schreiben ? Doch, aber …….. Es gibt da mehrere Abers.

 


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Alltag #8.2 – Die Fleischfressende blüht

Ullis Alltagsprojekt

Eine Fortsetzung zu Alltag#7.

Die Fleischfressende blüht, und wie. Das ist nun kein Wunder bei dem Luxusleben, das sie führen darf. Sie bekommt extra für sie gesammeltes Regenwasser, hin und wieder etwas Fleisch in Form von Fliegen oder Ameisen, wobei Fliegen ihr eigentlich zu groß sind. Beim Zerlegen einer Fliege ist eine der grünen Fallen nach über einer Woche eingegangen, samt Fliegenresten. Zum Sammeln von Regenwasser habe ich großen Aufwand betrieben, es hat auch im Mai sehr viel geregnet und die Vorräte sind derzeit noch groß.

Sie hat diese Blüte fünffach angelegt, auf dem Foto sieht man eine davon , derzeit sind es zwei und ich nehme an, dass die drei anderen auch noch aufgehen werden. Und ein weiterer Blütenstengel ist auch noch angelegt. Ein Hoch auf die artgerechte Haltung ! Wenn die Blattfallen richtig rot werden, so täuscht die Pflanze damit eine Blüte vor um Insekten anzulocken. Diese schlaue Strategie wird noch durch den Geruch eines Nektar vortäuschenden Sekrets verstärkt.

So eine beutefangende und fleischfressende Pflanze hat etwas leicht verstörendes, weil sie in die bewährten Schubladen „Tiere“ und „Pflanzen“ nicht hineinpasst. Andererseits sind diese Übergänge eigentlich fließend: Pilze zum Beispiel stehen auch zwischen Tieren und Pflanzen, weil sie kein Chlorophyll haben und sich ausschließlich über das Bodensubstrat ernähren. Leben ist eben vielfältig.


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Freitag 17.5.19 – Positive Seiten der schönbrunner Bürokratie

Im Vorjahr habe ich sie versäumt, dieses Jahr bin ich gleich am ersten Tag hingeeilt zu den Wiener Zitrustagen in der Orangerie in Schönbrunn. Sogar an einer Führung habe ich teilgenommen, die auch recht interessant war: Geschichte der Zitrussammlung in Schönbrunn. Dabei konnte man über die positiven Aspekte von Bürokratie erfahren: über die genaueren Bedingungen der Zucht und gärtnerischen Betreuung der Zitrusbäume, die im 18. Jahrhundert durch Theodora Gonzaga nach Schönbrunn kamen, erfährt man unter anderem durch die Holzanforderungen der Gärtner. Die Gewächshäuser für exotische Pflanzen wurden im Winter durch Holzfeuer temperiert. Ein ausgeklügeltes System mit Rauch-Leitungen, die unter Steinplatten verlegt sind und das noch heute funktioniert und benützt wird. Auch das Holz für das Feuer kommt noch heute aus dem Schönbrunner Wäldchen über dem Schloss.

Eigentlich empörend, was man zu Kaiserzeiten allein dafür ausgegeben hat, frische Datteln oder Orangen auf den Tisch der Majestäten zu bekommen. Die andere Seite ist, dass eben Pflanzen aus südlicheren Gefilden den Weg nach Mittel- und Nordeuropa gefunden haben. Eine große Bandbreite an verschiedenen Orangen- und Zitronenbäumen gibt es hier zu sehen und zu kaufen. Natürlich blühen und duften alle und tragen auch reife Früchte, sehr verlockend. Ich bin sehr stolz auf  mich, dass ich keinen davon  mitgenommen habe. In meinem Wohnzimmer steht bereits ein Orangenbaum und der ist eigentlich schon etwas zu groß. Aber allein schon der Geruch der Blüten ist so eine Freude.

Es gibt auch etliche Stände von Gärtnereien, die Zitrusbäume und viele andere Pflanzen verkaufen. Ich mag solche Stände sehr, weil im Normalfall einer oder mehrere Gärtner*innen für Fragen zur Verfügung stehen, nicht nur zu den angebotenen Pflanzen sondern auch zu gärtnerischen Themen im allgemeinen. Die Versuchungen waren groß und vielfältig, abgesehen von den diversen Zitrusbäumchen, gab es auch winterharte Bananenstauden, Feigenbäume verschiedener Sorten, jede Menge mir unbekannter Kräuter und auch Blühendes.