la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Lehrerinnenlebensrhythmus

In meinem Leben endet vieles im August und anderes beginnt im September. Nicht nur die Lieben und die Reisen und die Schulferien. In diesem Jahr ist alles etwas anders. Abgesehen von 2 Wochen im Waldviertel bin ich den ganzen Sommer zuhause. Extreme Hitze und Bewegungseinschränkung lassen Motivation für eine kleine Reise erst gar nicht aufkommen und eine große traue ich mir nicht zu. Obendrein mangelt es mir nicht an Beschäftigung. Nächstes Jahr um die Zeit aber ……

Dieser „Im-September-beginnt-alles-neu-Rhythmus“ zieht sich überall durch: die Kreditkarte und die Bankomatkarte und die Jahreskarte für die Öffis alles beginnt im September neu. Und es gehört auch zu den positiven Aspekten des Lehrberufs, dass alles immer wieder neu beginnt, neues Schuljahr, neue Schüler und wenn man will, kann man ein völlig neues Konzept ausprobieren, völlig neue Methoden einführen. Man kann sich selbst neu erfinden, zumindest didaktisch.

Nun haben wir schon eine Weile einen schweigenden Kanzler, einen Vizekanzler, der die intellektuell und kompetenzmäßig wenig belasteten Recken seiner Partei für die gröbsten Ausrutscher immer wieder in Schutz nimmt, einen Innenminister, der den eigenen Verfassungsschutz sabotiert damit nichts weiteres über besagte Recken bekannt wird. Eine Sozialministerin, die allen Ernstes verkündet, dass man von 150 Euro im Monat leben kann. Nun haben wir noch eine Außenministerin, die Putin zu ihrer Hochzeit einlädt. So ein richtig großes, leeres Sommerloch wäre fantastisch!

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So vor mich hin

Die Schwalben sind heute ganz besonders aktiv und schwirren ums Haus. Unter dem Dach des Kurhauses gibt es Mengen von Schwalbennestern mit hungrigen Jungschwalben.

Mit den beiden strahlend sonnigen Tagen ist es vorbei. Die Wolken sind dicht und Regen und sogar Hagel für den Nachmittag angesagt. Das Wetter ist völlig außer Rand und Band: unkontrollierbare Waldbrände in Schweden statt in Portugal oder Süditalien. Meine Freundin A. schreibt, dass ihr irischer Garten ganz braun ist und Irland insgesamt völlig unkenntlich vor Trockenheit. In Wien ist für die nächsten Wochen Hitze angesagt, um die 35 Grad. Mit diesem blödsinnig triumphalen Unterton der Meteorologen, als würde irgendjemand sich über 35 Grad in der Stadt freuen.

Leider gibt es heuer auch kein Sommerloch in der Politik, es jagt vielmehr eine Ungeheuerlichkeit die andere. Die Funktionäre der Burschenpartei werden immer dreister. Namentliche Registrierung von Menschen, die geschächtetes Fleisch kaufen, also Juden und Muslime fordert da einer. Beleidigungen des ohnehin sehr gemäßigt agierenden Bundespräsidenten kommen aus dem Mund eines besonders Dummen. Das Innenministerium unter dem Pferdefan streicht alle möglichen Förderungen für Kindergärten etwa, für Frauenhäuser, für ein Projekt zur Eindämmung von Gewalt in den Familien. Und der Kanzler schweigt und schweigt bzw gibt gelegentlich Grundsätzliches von sich, ohne wenigstens zu kommentieren, dass sein Koalitionspartner sich keineswegs an diese Grundsätze hält. Die rechten Recken dürfen alles um den Preis ihn an der Macht zu erhalten. Die tägliche Morgenzeitung, die das Kurhaus zur Verfügung stellt, fördert nicht die Erholung.


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Ohne Kamera in der freien Natur?

Kurz nach Wien schoss mir durch den Kopf, dass ich womöglich meine Kamera vergessen hatte. Das darf ja nicht wahr sein! Wo habe ich sie das letzte Mal gesehen? Eindeutig auf dem Küchentisch, neben dem Rucksack in den ich sie hineintun wollte. Aber hab ich sie auch hineingetan ? Ich atme tief durch und stelle mir vor, wie das wäre ohne Kamera. Furchtbar! Der Rucksack liegt auf dem Rücksitz, ich müsste nur den Gurt aufmachen, mich umdrehen und den Rucksack über die Lehne zu mir nach vorne befördern. Tue ich aber nicht. Ich werde erst nachschauen wenn wir angekommen sind, so bleibt die ganze Fahrt lang ungewiss, ob sie nun drin ist oder nicht. Schrödingers Katze – Myriades Kamera – Miau.

Ich sage zu F, dass ich fürchte, meine Kamera vergessen zu haben. Da musst du auf Entzug gehen, meint der trocken. Das ist mir klar. Ich taste mich an die Vorstellung heran mit dem handy zu fotografieren und nein, die gefällt mir gar nicht. Ich mache es nicht spannend: die Kamera war genau dort wo sie sein sollte. Ich habe – so weit ich das überblicke – auch sonst nichts vergessen. Nur der F ist wieder zurückgefahren, weil er keinen Urlaub hat. Hoffentlich hält er das noch eine Weile durch, seine Nerven sind streckenweise schon ziemlich blank, kein Wunder, kein Wochenende, kein Urlaub, keine Entspannung.

Ich dagegen bin gut angekommen, habe gut gegessen und mein Zimmer in Besitz genommen, auf fast 1000 Metern mitten im Waldviertler Granit, also kühl und ruhig. Das erste Mal seit Februar komme ich zu mehr als einem Ausflug aus der Stadt raus.

Ich liebe leere, anonyme Hotelzimmer, in denen man nur wenige wichtige Dinge bei sich hat. Aha, zum Beispiel einen Laptop und eine Kamera *hüstel* würde der F sagen, aber der liest ja hier nicht mit und kann daher auch keine sarkastischen Bemerkungen machen.

Abendschwimmen wäre heute schön, aber da käme erstmals meine Narbe ins Wasser und dafür brauche ich noch ein bissl psychologische Vorbereitung, also morgen abend

Ach ja, etwas habe ich doch vergessen, einen Regenschirm. Ich hätte ihn in Wien vergessen, aber der F war so lieb daran zu denken, wie gerne ich im Regen spazieren gehe und hat einen Schirm ins Auto geschmissen, leider blieb er dort dann auch und ist mit ihm wieder zurückgefahren. Aber das Hotel hat gerade eine neue Lieferung Schirme bekommen und die Rezeptionisten hat mir einen geschenkt.

Insgesamt ist also alles auf dem besten Weg.


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Es wimmelt vor Leibwächtern

Der russische Präsident besucht Wien und daher wird nicht nur er sondern alles und jedes in seiner Umgebung heftigst bewacht. Nicht nur die heimischen Eliteeinheiten der Polizei sondern auch Putins eigene Leibwächter wuseln herum, der Ballhausplatz zwischen Bundeskanzleramt und Hofburg – dem Sitz des Bundespräsidenten wurde geräumt.

Der noch rechtere Teil der neuen österreichischen Regierung hat ja ein bewunderndes Verhältnis zu Putin, ebenso wie zu den polnischen und ungarischen Regierungschefs. Präsident Erdogan bewundern sie nicht, das liegt aber nicht an seiner Politik.

Staatsbesucher werden natürlich immer intensiv bewacht, beim Staatsbesuch des letzten amerikanischen Präsidenten, der auch von einer ganzen Armee von Leibwächtern begleitet wurde, hat man sogar ganz normale Bürger aus ihren Wohnungen ausquartiert damit sie keine Bomben aus den Fenstern werfen konnten oder ähnliche feindselige Handlungen begehen. Ob man das auch schon im Mittelalter praktiziert hat, um die Gefahr der Entleerung von Nachttöpfen auf unbeliebte Besucher zu vermeiden? Blöde Idee – zugegeben ….

Eine große Ausstellung aus Beständen der Eremitage und dem Wiener Kunsthistorischen Museum, die von Gazprom und der OMV gesponsert wird, soll von Putin und unserem Bundespräsidenten heute Abend eröffnet werden. Immer positiv, wenn man Kunstobjekte aus  Museen anderer Länder zu sehen bekommt, ohne dort hinreisen zu müssen, aber politisch und wirtschaftlich motiviertes Mäzenentum ist halt so eine Sache ….

Eigentlich müsste ich mich nun ganz besonders gut beschützt und bewacht fühlen. Leider ist eher das Gegenteil der Fall.


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Keppelzahn

Keppelzahn, der, Substantiv: geschlechtsneutrale Bezeichnung für Personen, die an allem und jedem etwas auszusetzen haben und dies in wenig diplomatischer Art kundtun

keppeln, Verb: liebste Aktivität aller Keppelzähne (und anderer)

mosern, Verb: eine von vielen Arten des keppelns

grantig, Adjektiv: permanenter Aggregatzustand des Keppelzahns

In manchen Gegenden der Welt sind Keppelzähne häufiger vertreten als in anderen. Es handelt sich keinesfalls um eine aussterbende oder auch nur entfernt vom Aussterben bedrohte Art. Vielmehr kann die Forschung eine immer größere Anzahl von neuen Unterarten der Species identifizieren.

Auch die Linguisten sind in der Keppelzahnforschung aktiv: keppeln, mosern, keifen, granteln sind nur einige wenige Basisformen zur Beschreibung der keppelzähnigen (oder keppelzahnigen) Aktivitäten, die sich über alle Lebensbereiche erstrecken

Die Sozio-Mathematiker befassen sich mit den Überschneidungsmengen von Keppelzähnen und Vertretern diverser Ideologien und politischen Richtungen. Endgültige Ergebnisse konnten noch nicht erzielt werden

Keppeln unterscheidet sich vom Sprechen insofern als die emotionalen Inhalte der Kommunikation beim Keppeln für andere meist nicht ganz nachvollziehbar sind bzw für vernachlässigungswert gehalten werden. Daran erkennt man die tragische Komponente im Leben der Keppelzähne.

Keppelzahn ist nicht unbedingt eine stabile Charaktereigenschaft. Sie kann je nach Wetter, Gemütslage und Qualität des letztkonsumierten Schnitzels variieren.

Beispielhafte Situation:

M (an der Supermarktkasse): Das sind Blumen und keine Bierkisten!

Die Kassierin (fetzt die von M gekauften Pfingstrosen über das Band) Sie müssen mir schon sagen, wenn Sie die Kundenkarte einstecken!

M: Hab´ ich doch grad vor ihrer Nase gemacht. Sie müssen halt hinschauen.

Beide grummeln und finden, dass sie ihre berechtigten Beschwerden angebracht und ihren Standpunkt klargemacht haben. Alle anderen verdrehen die Augen.