la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


9 Kommentare

Zwei schlechte Fotos mit leisem Selfieansatz von wunderschönen Büchern

Wir waren in der heurigen niederösterreichischen Landesausstellung, in der auch die Geschichte von Wiener Neustadt dokumentiert wurde. Das sind die zwei schlechtesten Fotos, die ich dort gemacht habe. Muss man auch mal herzeigen. Die Spiegelungen der Vitrinen und der Fenster im Hintergrund waren sehr schwierig, aber warum dem historischen Buch das oberste Stück fehlt dafür aber meine wandelnden Tupfen zu sehen sind, ist wirklich nicht ganz einsichtig. Im unteren Foto ist auch die halbe Welt mit drauf inklusive des Schattens der Fotografin. Ich könnte vielleicht die „umgebungsintegrierende Fotografie“ ausrufen ……


4 Kommentare

Dienstag 20.5.19 – Stiegen, Treppen und Villen

Politisch turbulente Zeiten, sehr turbulente, aber auch überaus interessante Zeiten und es besteht durchaus Hoffnung, dass sich nach dem reinigenden Sturm so manches anders zusammenfindet und neu bildet. Jedenfalls,  was für ein Glück, dass in der Hofburg Alexander van der Bellen residiert und nicht der andere Kandidat zum Amt des Bundespräsidenten, der nun FPÖ-Obmann geworden ist. „Wir kriegen das schon hin“ hat van der Bellen in einer unerwarteten Rede gemeint. Die Formulierung würde mir gut gefallen, wenn sie mich nicht an „wir schaffen das“ erinnern würde.

Wunderschöne Häuser aus dem 19. Jahrhundert gibt es in Wien. Barrierefrei sind sie nicht. Viele solche Häuser, mit geschnitzten Toren, bunten Glasfenstern in den Gängen, schmiedeeisernen Geländern sind von der Straße her nur über Treppen zugänglich. In vielen wurden nachträglich Lifte eingebaut, man muss aber um bis zu den Liften zu kommen Treppen steigen. Gehbehinderte und/oder Rollstuhlfahrer können in solchen Häusern nicht wohnen. Auch Kinderwagen, Einkaufswagen, Koffer sind mühsam zu transportieren. In den Zeiten als diese Häuser gebaut wurden, setzte man offenbar auf unerschöpfliche menschliche Arbeitskraft. Schleppen musste das Gesinde.

In der Hofburg und in den diversen Ministeriumsgebäuden gibt es Lifte im Hintergrund. In sämtlichen Reportagen aber sieht man Politiker und Beamte immer die Prachttreppen zu fuß hinauf und hinuntergehen, elastisch und sportlich natürlich, eigentlich schweben sie mehr als sie gehen, wie Filmstars der alten Schule. Treppen gehören im Öffentlichkeitsgeschäft  zu den ganz wichtigen Requisiten und Hintergründen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass manche der aktiv-elastischen eher als Treppenwitz der Geschichte enden auch wenn die Villen ihres Untergangs ebenerdig waren.


18 Kommentare

Dienstag 29.1.19

Erfreulich finde ich es, Zeit zu haben um Radio zu hören, OE1 mit seinen Sendungen zu den allerverschiedensten Themen, meistens oder sogar fast immer auf hohem Niveau. Heute gab es zum Beispiel für sprachinteressierte Menschen einen Bericht über das Buch einer jungen Historikerin zum Thema „Sprachenvielfalt im Heer der Donaumonarchie“. Es ging auch um das großteils vergessene Vokabular mit dem die verschiedenen Nationalitäten die jeweils anderen bezeichneten und um die Falsifizierung der Theorie, dass es eine große Chance sei, nur mit einer Sprache aufzuwachsen, weil man dann wüsste, wo man hingehört. Borniert finde ich diesen Ansatz, wenn man bedenkt was für eine große Bereicherung jede Sprache, die man lernt darstellt. Und je früher man sie lernt desto besser.

Ein Jammer, dass viele den Begriff „Heimat“ gleichsetzen mit „Beschränkung auf das, was es in der unmittelbaren Umgebung immer schon gegeben hat“. Als könnte man nicht Traditionelles und Neues erlernen und schätzen, als würde dies das Leben nicht enorm bereichern. Manchmal kommt mir vor, dass es in der alten Monarchie in manchen Bereichen viel weltoffener zuging als im heutigen Österreich.

Ich übe unverdrossen, eigentlich eher verdrossen, das Stiegensteigen. Mein Körper signalisiert „das geht nicht“. Es geht aber wohl, gut sogar, nur ist dieses Wissen nicht nachhaltig. Ich erinnere mich, dass ich völlig problemlos zwei Stockwerke genommen habe, aber die Erinnerung schafft es gewissermaßen nicht bis ins Körperbewußtsein. Ein frustrierendes Gefühl. Fein wäre es, wenn jemand in dem Reha-Team Feldenkrais-Methode gelernt hätte. Das wäre wohl genau der Ansatz.

Freitag bin ich bei jemandem eingeladen, der im dritten Stock Altbau ohne Lift wohnt. Wenn ich mich recht erinnere, haben die Stiegen auch kein Geländer zum Anhalten und der F hat auch keine Lust mitzukommen. Na gut, Motivation ist alles, ich werde das schon hinkriegen.


7 Kommentare

Freitag, 11.1.2019

Beklemmend beginnt das neue Jahr in der Politik. Die Regierung hat ein neues System der Sozialhilfe oder Mindestsicherung oder wie immer sie es nennen möge ausgetüftelt und die Stadt Wien weigert sich, es durchzuführen. Eine Verfassungsklage hängt in der Luft. Die unsägliche Sozialministerin, die bisher in praktisch allen ihren wichtigeren öffentlichen Äußerungen von ihrem Parteichef zurück gepfiffen wurde, weil offenbar auch in der FPÖ die Inkompetenz ihre Grenzen hat, lächelt bzw sie verzieht ihre Gesichtsmuskeln in einer Weise, die bei den meisten Menschen ein Lächeln erzeugt. Die regierende Koalition hält sich zugute, dass sie niemals in der Öffentlichkeit streitet. Dafür gehen die schon vorhandenen Gräben in der Gesellschaft immer weiter auf, wenn nicht sogar neue erzeugt werden.

Ich bin ja momentan irgendwie fern von allem, im goldenen Käfig, aber ich merke schon wie die Energie langsam zurückkommt und mit der Energie auch wieder das Interesse an der Welt.


16 Kommentare

Novembergedanken

Diese Tage sind so geschichtsträchtig, jeder Stein, jede Wand scheint ihre Erinnerungen abzustrahlen, verstärkt durch die unbewegliche Düsterheit des Wetters. Noch nie habe ich das so intensiv erlebt wie in diesem Jahr. Die menschlichen Abgründe erscheinen bodenlos und meine Gedanken darüber, wie ich selbst mich wohl verhalten hätte, kreisen in einer Endlosschleife, die sich nicht auflösen lässt. Wohl gab es Menschen, die sich menschlich verhalten haben, die ihre Überzeugungen nicht der Angst geopfert haben, selbst in Gefahr zu geraten, quer durch alle Gesellschaftsschichten hindurch gab es sie. Aber es waren so wenige, so wenige im Vergleich zu jenen, die entweder feige oder auch völlig verführt, verblendet und verroht waren.

Ich war nur einmal in Israel, im Februar 2000 und natürlich haben wir Yad Vashem besucht. Warum tut man sich das an? Aus Interesse oder doch aus einem diffusen Sippen-Schuldgefühl heraus? Es war genauso schrecklich, wie ich es mir vorgestellt hatte, wie es sich wohl alle Mitglieder der Reisegruppe vorgestellt hatten. Wir waren, ich weiß nicht mehr genau, zehn, zwölf Leute und ausnahmslos alle waren mit großen Sonnenbrillen erschienen. Als ließen sich die heftigen Emotionen, die an einem solchen Ort unweigerlich entstehen hinter Sonnenbrillen verbergen. Einmal ganz abgesehen davon, dass es gar nicht verständlich ist, warum man sie verbergen möchte. Welche Österreicher, welche Deutschen könnten sich ungerührt an so einem Ort aufhalten, wo immer die Möglichkeit besteht, die eigenen Väter, Großväter, Brüder, Onkel, Cousins als Schlächter auf irgendeinem Foto wiederzufinden, die Orte an denen man lebt, als Orte eines Massakers, eines Pogroms, eines Mordes oder der massiven Erniedrigung von Menschen zu entdecken. Wer da nicht weint …

Zwei Dinge sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein kleines Gebäude. Man geht hinein, es ist völlig finster und es werden die Namen ermordeter Kinder vorgelesen in einer endlosen Abfolge; es scheint als wäre die halbe Welt schon im Kindesalter ermordet worden, man taumelt wieder hinaus, ans Licht. Persönlich sehr berührt haben mich auch einige ganz andere Ausstellungsstücke; vergilbte Hefte, in denen die ersten Schreibversuche in hebräischer Schrift von nach Israel  Eingewanderten zu sehen sind. Viele Menschen, die sich von ihrer Herkunft her als Juden fühlen, sind ja gar nicht religiös. Damals wie heute. Ich kenne einige solche „jüdische Atheisten“, die sich alle mit der Frage auseinandersetzen, was denn  jüdische Identität ausmacht. Allerdings ist mir noch niemand begegnet, der/die seine Zugehörigkeit zum Judentum prinzipiell in Frage gestellt hätte. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der europäischen Intelligenz wurde ihrer Heimat, ihrer Menschenrechte, ihrer Sprache und Schrift beraubt und musste ganz von vorne beginnen: sie mussten eine für viele völlig neue Sprache und Schrift lernen.