Schlagwort: Menschen –

Montag 5.Dezember 2022 – Unlust

Seit fünf Tagen im Hochnebel ohne den allerwinzigsten Sonnenstrahl und ohne Aussicht auf Veränderung, das kann schon auch chronische Frohnaturen in Richtung depressive Verstimmung ziehen. Duster von früh bis spät. Da ist es mir lieber wenn es wirklich dunkel ist und nieselt, anstatt eines Pseudotages, der so finster ist, dass man zu Mittag Licht braucht, und vorher und nachher auch.

So sieht´s aus, wenn die Kamera keine Lust zum Fotografieren hat.

Weiter gedrabbelt.

Wilhelm hat darüber sinniert, ob nicht Fotos, neu oder aus dem Archiv als Ausgangspunkt für Drabbles geeignet wären. Ja, sagt er. Ja, sage auch ich, unbedingt. In meinem Fall aber nicht jeden Tag und nicht in regelmäßigen sondern in unregelmäßigen Abständen.

Ein Brückengeländer schützt nicht vor Regen und Schnee oder sonstiger Unbill des Wetters, noch nicht einmal einen Raben und auch dann nicht wenn es Schmiedeeisen im Jugendstil ist. Es schützt auch nicht vor Überschwemmungen und Erdbeben. Ob in Höhlen, auf Bäumen, in hochtechnisierten Hochhäusern oder an Brückengeländern hängt Leben am seidenen Faden.

Ob man als Obdachloser und ohne Krankenversicherung unter der Brücke schläft oder mit verstopften Arterien im bequemen Lehnsessel sitzt und raucht, immer knapp am Herzinfarkt vorbei. Aus philosophischen Höhen betrachtet, ist es nur ein gradueller Unterschied, denn Leben ist immer ungeschützt.

Für den einzelnen ist der Unterschied enorm.


Drabble Nr. 12

Bitte nicht „Reichskristallnacht“

Im großen und ganzen bin ich keine Verfechterin sogenannter politischer Korrektheit in der Sprache, aber natürlich gibt es da auch Ausnahmen. Morgen ist der 9.November, Jahrestag eines Ereignisses, das immer noch von manchen als „Reichskristallnacht“ bezeichnet wird, im reinsten Nazi-Sprech. Wahrscheinlich ist den meisten gar nicht bewusst,was diese Bezeichnung bedeutet und wo sie herkommt. Es gibt auch Menschen, die bis heute den unsäglichen Ausdruck „bis zur Vergasung“ verwenden. Da frage ich mich schon, ob es glaubhaft ist, dass jemand sich bei dem Ausdruck nichts denkt. Dass man nicht weiß, dass „jedem das Seine“ die Aufschrift am Tor des KZ Buchenwald war, finde ich dagegen verständlich, es handelt sich ja auch um einen viel allgemeiner verwendbaren Ausdruck.

Dabei wurden zwischen dem 7. und 13. November im ganzen Reichsgebiet mehrere hundert Juden ermordet, mindestens 300 nahmen sich das Leben. Um die 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume jüdischer Menschen sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden gestürmt und zerstört. Ab dem 10. November folgten Deportationen jüdischer Menschen in Konzentrationslager. Mindestens 30.000 Menschen wurden dabei interniert, Hunderte starben an den Folgen der mörderischen Haftbedingungen oder wurden hingerichtet.
Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden ab 1933 hin zu ihrer systematischen Vertreibung und Unterdrückung. Inwieweit sie eine Vorstufe zu dem drei Jahre später beginnenden Holocaust, der Vernichtung allen jüdischen Lebens, darstellen, ist in der Geschichtswissenschaft umstritten.
Die lange im deutschsprachigen Raum verbreitete zynische und euphemistische Bezeichnung (Reichs-) Kristallnacht (benannt nach den Scherben zerstörter Fensterscheiben) wurde auch in andere Sprachen übernommen.

zitiert nach Wikipedia. 7.11.2022 um 22:30

Sonntag 2. November 2022

Unerfreuliches Thema beim Frühstück: Parallelen zwischen Hitler und Putin. Gröfaz. 2.0 nennt der F diesen Sachverhalt.
Der Größenwahn ein riesiges Reich zu errichten unter dem eigenen exklusiven Befehl und nach ideologischen vom Anführer erlassenen Richtlinien, der militärische Größenwahn und damit verbunden die Übernahme des Oberbefehls in der Armee und das Verbot des Rückzugs egal in welcher Lage, wobei das Überleben der Soldaten völlig egal ist. Das Leben der einzelnen zählt ohnehin nicht.
Das völlige Ausschalten der Opposition, durch Inhaftierung, durch Morde, durch Zwingen ins Exil, die weitgehende Ausschaltung der dem Regime nicht gehorchenden Medien und die Aufhebung der Meinungsfreiheit, allein die Erwähnung des Begriffs „Krieg“ statt „militärische Spezialoperation“ ist Grund für jahrelange Gefängnisstrafen.
Die frei erfundenen Lügen, die doch sehr einfach zu entlarven sind und die seit Beginn der Teilmobilmachung auch die russische Bevölkerung großteils nicht mehr glaubt. Die Paranoia und das Abheben von der Realität. Hitler war in seinen letzten Jahren schwer drogensüchtig, davon weiß man von Putin nichts.

Die gläsernen Wahlurnen des „Referendums“ in den vier ukrainischen Provinzen erinnern frappierend an die „Volksabstimmung“ 1938 in Österreich, bei der über den Anschluss Österreichs an Hitlers Deutschland entschieden werden sollte. Die Abstimmung war nicht anonym, wer auf Anonymität bestehen wollte, musste mit Represssion durch das damalige und zukünftige Regime rechnen. Das „Ja“ Ergebnis war ebenso zustande gekommen wie das „ja“ in der Ukraine

Putins Sudetenland ist die Krim. Auch ein Faible für sogenannte Superwaffen, die allerdings nur in kleinster Anzahl vorhanden sind und für den Kriegsausgang irrelevant bleiben, verbindet die beiden Diktatoren.

Allein dieses Spektakel der „Rückkehr ins Reich“ von vier Regionen der Ukraine. Zum Vergleich Filme von einem Nazi-Parteitag. Nur die Fahnen unterscheiden sich und Putins Reden fehlt das neurotisch-charismatische Element, das Hitler hatte. Aber sonst … Man kann nur hoffen, dass der Krieg nicht sieben Jahre dauert.

Der Wind – Impulswerkstatt

Diesmal kann ich selbst auch etwas mit meinen Rahmen anfangen. Wieder ein Drabble

Der Wind schmirgelt die sattgrünen Blätter ab, sie werden erst sonnengelb, wie in einem zweiten Frühling, dann aber saftlos braun, beige, grau, schwarz, eigentlich anthrazit. Wo die Säfte fehlen, fehlt auch die Geschmeidigkeit, das Tanzen im Wind, das kokette umeinander Ringeln.
Grün blüht und lebt. Beige und braun versuchen sich im unauffälligen Mittreiben, im Festhalten an den anderen um nicht weggerissen zu werden. Das solidarische Heer der Dunkelgrauen widersteht dem Wind nicht aber einem Orkan, der sie zerfasern würde.
Sie stehen noch gerade, genießen die Herbstsonne. Auch die entfärbten Blätter lassen sich noch im sanften Wind wiegen bis ganz zuletzt.

Drabble Nr. 10

Flechten-Drabble

Leider gibt es bei Lyrix derzeit kein Drabble-Projekt, also muss ich mich selbst inspirieren. Aus solchen Fotomotiven wie dieses, die mich anspringen, lässt sich meistens auch ein Textchen machen, warum also kein Drabble

Flechten, eine uralte Erfolgsgeschichte der Symbiose, nicht Pilz, nicht Alge, gemeinsam unüberwindlich. Das Ganze viel mehr und ganz anders als die Summe der Teile. Die leuchtend gelben Flechten auf dem rostigen Metall können sich in alles verwandeln, von mythisch bis heiter. Kommt da nicht ein Löwe von rechts, darüber eine Gewitterwolke? Es könnte auch ein Esel sein mit einem Zwerg auf dem Rücken oder eine Kuhgottheit mit Krone. Im Rhythmus der Menschen ist diese langsamere und wandelbare Welt schwer wahrzunehmen und zu durchdringen.

Auch die Löcher im Metall werden von den Flechten eingegliedert werden, im Tempo des Herzschlags der Vegetation.

Drabbel Nr.9

Montag 29.August 2022- Geselligkeiten

In letzter Zeit habe ich eine für meine Verhältnisse extrem gesellige Phase. Wenn ich in einer Woche viermal weggehe, so ist mir das fast zuviel. Aber am Montag Abend mit einer Gruppe ehemaliger Kolleginnen abends im Museumsquartier zu sitzen, neben dem Leopoldmuseum war doch entspannt und informativ. In Wien gibt es ja schon wieder einen gewaltigen Aufreger über unseren lokalen Energieversorger und auch sonst hat es an Themen nicht gefehlt.

Samstag 20.August – Massentourismus

Seit langer Zeit wieder einmal sind der F und ich gemeinsam durch die Innenstadt gebummelt. Auf den Hauptdurchzugsstraßen des Tourismus wie etwa am Kohlmarkt (auf dem Foto) hat man den unangenehmen Eindruck als Kuh unter vielen an einem Almabtrieb oder vielleicht auch -auftrieb teilzunehmen.

Immer wieder erstaunlich ist aber auch, dass man nur in eine beliebige Seitengasse abbiegen muss um aus der Masse herauszukommen. Offenbar haben alle dieselbe Reiseführerbeschreibung gelesen und weichen keinen Zentimeter von der dort angegebenen Route ab. Hier zum Beispiel waren auf dem Platz nur diese beiden jungen Männer zu sehen, die wohl auch keine Touristen waren.

Die Kaiserin Elisabeth oder Sisi wird auch zum Geht-nicht-mehr ausgeschlachtet. Hier für den Souvenir-Hochpreissektor:

Ganz klar ist mir nicht, ob der K.U.K HOF U. KAMMER-JUWELIER U. GOLDSCHMIED der ursprüngliche Erzeuger der berühmten Sterne war oder ob man Kopien davon dort kaufen kann oder beides.

Trotz aller touristischen Auswüchse, die angeblich noch harmlos sind im Vergleich zu Venedig oder Barcelona, über die sich die Legionen und Horden von Kreuzfahrt-Touristen ergießen, bleibt Wien eine wunderschöne Stadt.

Donnerstag 18. August 2022

Im Westen und Süden Österreichs heftige Unwetter aus heiterem Himmel, Orkanböen und Starkregen, Strommaste geknickt wie Streichhölzer, an einem Badesee zwei Kinder von entwurzelten Bäumen erschlagen, weitere Tote und Verletzte. Im Osten des Landes, so auch in Wien, kein Tropfen Regen. Die erwartete Regenfront ist nach Nordwesten abgebogen.

Ganz klar ist es ja noch nicht, ob die Menschheit durch die Klimakrise ausgelöscht werden wird oder durch die Einwirkungen der Algorhitmen der social media. Wir werden es ja früh genug erfahren. Das Revolverblatt „Heute“ titelt online “ Orkanunwetter kommt. Warnstufe rot jetzt in ganz Wien“ Ähnliches schreiben sie jeden Tag. Bei „Heute“ braucht man solche Feinheiten wie Algorithmen nicht.

Sonntag 14.August – bequeme Schubladen

Ich bin beim Radfahren eine spät Berufene. Nie hätte ich gedacht, dass es mir Freude machen könnte, durch die Gegend insbesondere entlang der Donau zu radeln. Das Spätberufensein hat durchaus seine Vorteile. Ich muss mit niemandem in Konkurrenz treten wegen der Länge der Strecke, der sportlichen Ausführung des Rades, der Geschwindigkeit, dem Outfit.
Ich setze mich selbst in die Schublade freundliche, ältere Dame und kann somit fahren wie, wann, womit und wohin ich will. Mein Outfit unterliegt nur meiner eigenen Beurteilung und ich bin auf jeden Fall zu loben, weil ich mich sportlich betätige. Ich lächle, die Entgegenkommenden lächeln zurück und es fällt wahrscheinlich nicht weiter auf, dass ich keinen Helm trage. Ich fahre eher in der Mitte des Wegs als rechts, niemand keppelt mich an, ich bin eindeutig nicht in Wien und auch nicht jung.

Älter werden, hat definitiv einen Aspekt der Befreiung von gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Zwar bin ich eigentlich nicht besonders schrullig, genieße aber das Gefühl, dass mir eine gewisse Schrulligkeit zugebilligt wird und dass andere darauf Rücksicht nehmen.

Schwer vorstellbar

…ist es derzeit, dass man jemals wieder heizen möchte und etwas schwummrig wird einem, denkt man an die verdreifachten Energiepreise, trotzdem haben mir die Kachelöfen in den Prunkräumen der Albertina gefallen. In jedem Raum steht ein Unikat. Sie sind einander ähnlich aber nicht gleich.

Hinter den Tapetentüren liegen die schmalen Gänge, von denen aus die Kachelöfen beheizt wurden. Es sollte alles so unauffällig wie irgend möglich geschehen, die Dienstboten sollten effizient aber möglichst unsichtbar sein. Es waren harte Zeiten für die Menschen auf der anderen Seite, hinter den Tapetentüren

Samstag 13.August

Nach wie vor finde ich es schwierig, meine Besitztümer vom Badeanzug bis zum Fahrrad einfach dort liegen zu lassen, wo sie gerade sind in festem Vertrauen darauf, dass niemand sie mitnehmen wird. Es ist hier in PB aber so üblich. Vor unserem Haus stehen immer nicht abgeschlossene Räder von Kindern und Erwachsenen, auch sonstige Sportgeräte, seit gestern Abend zum Beispiel ein Kanu, vor den Wohnungen stehen Einkaufswagen, tagelang … Es verblüfft mich schon sehr, dass hier offenbar davon ausgegangen wird, dass alle Leute ehrlich sind. Vielleicht sind sie es ja auch.

Wir haben endlich den Badeteich ganz in der Nähe erkundet, alle unsere Sachen inklusive Geldbörsen mit tausend Karten, Ausweisen etc auf einer Bank am Ufer deponiert und sind schwimmen gegangen. Und eigentlich war ich gar nicht besorgt. Gut, es waren nicht viele Leute am Teich, wir hatten die Bank immer in Sichtweite, dennoch …

Es ist hier sehr ruhig und friedlich, aber immer wieder einiges los. Heute gab es sowohl ein open air am Badeteich als auch ein Altstadtfest auf der anderen Seite der Donau mit diversen Attraktionen für Kinder, Flohmarktständen, mehreren Musikbühnen und natürlich eine Fressmeile. Am nettesten fand ich den Stand, bei dem Kinder geschminkt oder besser bemalt wurden, nach Vorlagen, die sie aus einer großen Auswahl wählen konnten. Ich bin ungemein entspannt während in die Brandherde auf der Welt immer weiter Öl gegossen wird.