Schlagwort: Menschen –

Donnerstag 14.Oktober 2021 – Austausch

Für mich hat der Austausch mit Gleichaltrigen, die in ähnlichen Umständen leben eine ganz besondere Qualität. Ebenso wie für Teenager die Peergroup von großer Bedeutung ist, ist sie das auch für Ältere. Manche Themen kann man am besten oder ausschließlich mit Menschen ungefähr gleichen Alters besprechen. Das hat mit Lebenserfahrung zu tun und mit dem „Zeitgeis“, auch mit gemeinsam Erlebtem in Gesellschaft und Politik.

Auch der Austausch zwischen Generationen hat viel zu bieten, ist aber doch wieder ganz anders. Ebenso wie der Austausch zwischen Menschen, die verschiedenen Meinungsblasen angehören, der oft sehr schwierig, aber auch sehr lohnend ist. Der ausschließliche „Aufenthalt“ in einer Meinungsblase tut nicht gut

Austausch jedenfalls braucht es, außer man möchte Eremit*in werden, was sicher auch seine Vorzüge hat aber nach einiger Zeit dazu führt, dass man nur mehr mit großen Schwierigkeiten oder gar nicht mehr in der Lage ist, sich in der Gesellschaft zu bewegen. „Blogbeziehungen“ liegen da irgendwo dazwischen. Ich setze sie in Anführungszeichen, weil es meiner Meinung nach keine echten Beziehungen gibt, wo keinerlei persönliche Begegnung stattfindet.

Ein recht geniales Modell

Der Besitzer des Fischteichs lässt die Spaziergänger das Futter für seine Fische bezahlen. Wie gut das funktioniert weiß ich nicht, aber die Idee ist ja vielversprechend. Vielleicht „darf“ man die Fische gegen Gebühren auch selbst fangen. Eine Weiterentwicklung wäre noch, den Koch dafür zu bezahlen, dass man seine Fische selbst zubereitet. Dann fehlt nur noch, das ganze System mit einem coolen Image zu versehen und schon geht´s. Schließlich „darf“ man am Flughafen seine Koffer selbst einchecken, die Bank erlaubt, dass man seine Geldgeschäfte selbst durchführt und trotzdem eine Kontoführungsgebühr bezahlt usw usf. Warum muss sich ein Fischteichbesitzer zurückhalten …

Von einer, die auszog, einen Laptop zu jagen

Heiß war´s und laut und staubig. Der auf dem Foto zu bewundernde Gemeindebau hitzeflirrend in der gegenüberliegenden Glasfront gespiegelt. Dicht verbautes Stadtgebiet und ich mittendrin auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geschäft, das umgezogen ist, aus meiner nahen Wohnumgebung ganz woanders hin. Ich habe das Geschäft sehr geschätzt, weil dort richtige Bastler am Werk waren. Fast jedes Teil ihrer Laptops hatten sie auf Lager und konnten es auch einbauen. Man musste nichts einschicken und keine Gebrauchsanweisungen studieren. Ein kompetenter Handgriff und das Graffl funktionierte wieder. Wobei es gar kein Graffl war sondern sehr gute Qualität. Die ohnehin seltenen, kleinen Probleme, die ich hatte, lagen eigentlich an mir und nicht an dem Laptop, der wahrscheinlich immer sehr erleichtert war, wenn er von einer sachkundigen Person wieder eingerichtet wurde. Es war keine Garage, aber vom Ambiente her hätte es eine sein können.

Dann sind sie umgezogen, ich hatte jahrelang keinerlei Probleme mit meinem Laptop und nun kann ich sie nicht mehr finden. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht mehr. Würde mich aber wundern. Die Kombination von Qualitätsgeräten und bestem Service und Beratung ist doch ein sehr gutes Geschäftsmodell. Jedenfalls bin ich in einer ziemlich unangenehmen Gegend bei großer Hitze herum geirrt, immer wieder auf falsche Fährten geschickt worden und nach Kreisen immer wieder vor dem Gebäude mit der in der Homepage angegebenen Adresse gelandet, an der das Geschäft aber niemand kannte.

Dann wurde es mir zu blöd und ich ging in ein anderes Geschäft meines Vertrauens und siehe da, sie boten genau das an, was ich gesucht hatte. Nachdem ich dort Stammkundin bin, spielen sie mir alles rauf, was ich brauche und stehen auch für eventuell nötige Erklärungen zur Verfügung. Zwar werden sie die Kompetenz der Bastler nicht erreichen, aber immerhin.

Nie wird mich jemand von Online-Käufen überzeugen können, wenn ich alternativ in einem Geschäft zum Kauf auch Beratung und Betreuung von Menschen bekomme.

60. Station der Kunst- und Literaturweltreise – Österreich 2 – Xenia Hausner

Es handelt sich um eine – zu Unrecht – noch nicht sehr bekannte Künstlerin. Xenia Hausner wurde 1951 geboren, hat sehr erfolgreich als Bühnenbildnerin gearbeitet und widmet sich erst seit 1992 ausschließlich der Malerei. Die Ausstellung hat mich wegen der Intensität ihrer Bilder sehr beeindruckt

Ich lasse die Künstlerin zu Wort kommen und bin absolut mit ihr einverstanden: Bilder sollten für sich sprechen und die Betrachter*innen nicht mit langen Erklärungen gegängelt und zu einer Sichtweise gedrängt werden:

Interessant als biografisches Detail finde ich noch, dass die Malerin eine Tochter von Rudolf Hausner ist, einem Mitglied der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ihre beiden Schwestern sind ebenfalls künstlerisch tätig: die Filmregisseurin Jessica Hausner und die Kostümbildnerin Tanja Hausner.

Ein paar ihrer Bilder gibt es hier zu sehen, einige in den nächsten Tagen. Viele habe ich in natura fotografiert, aber ich habe auch einen Katalog erstanden. Nachdem mir die Bilder nicht nur sehr gut gefallen, sondern mich persönlich berühren, werden auf dem Blog wohl noch etliche zu sehen sein.

Dieses Bild stammt aus der Serie „Exiles“

Die Figuren der meisten Bilder konzentrieren sich auf die Betrachtenden ( KLICK ) und treten mit ihnen in Verbindung. Dieses nicht.

Xenia Hausner bietet Möglichkeiten für für eigene Interpretationen und Geschichten an. Dieses Bild zB hat zahlreiche mögliche Lesearten. Es ist ein Angebot, keine Verpflichtung.

Homo sapiens sapiens

Im Beitrag, den Random heute veröffentlicht hat, geht es um Musik aus dem KZ Theresienstadt, dem Vorzeige Ghetto-KZ der Nazis, wo Vertreter des Roten Kreuz Zutritt bekamen und sehen durften, wie gut die Lagerhäftlinge dort angeblich behandelt wurden. Die Musiker hatten sich erhofft, dass sie in Theresienstadt bleiben und der Vernichtung entgehen könnten. Viele von ihnen wurden trotzdem ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert und dort ermordet wie Millionen andere Menschen. Es gibt zB einen leicht zu findenden, aber sehr gut recherchierten, umfassenden Bericht über Das KZ Theresienstadt und die dort inhaftierten Künstler*innen. Für Interessierte KLICK

Was mich jedes Mal umtreibt, wenn ich auf das Thema stoße, ist, wie ein Mensch gleichzeitig Kunstliebhaber sein kann, liebevoll mit seinen Kindern spielen, mit dem Hund spazierengehen und dann einen Befehl unterschreiben, der zigtausenden den Tod bringt, oder selbst zur Waffe greifen und zum Mörder werden. Wie ich schon bei Random kommentiert habe, ist das für mich einer der verstörendsten Aspekte des Naziregimes.

In der Theorie ist mir der Mechanismus schon klar: das Gegenüber wird kritisiert, verhöhnt, zum Nicht-Menschen oder Unter-Menschen erklärt und dadurch zum Mord freigegeben. Kinder und Jugendliche werden von ganz klein an indoktriniert. Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie es jemandem zum Beispiel gelingt, zuerst mit Genuss die Musik eines Komponisten zu hören und diesen dann als Unter-Menschen zu betrachten und in den Tod zu schicken. In vielen Diktaturen dieser Welt geschah und geschieht ähnliches. Es ist eine Binsenweisheit: der Mensch ist zum Besten und zum Schlimmsten fähig. Dass dieses aber auch für ein und denselben Menschen gleichzeitig zutrifft, finde ich eben verstörend.

Leider nicht gelungen

Von weitem sah ich einen Pfarrer in Soutane auf das Haus mit der Regenbogenfahne zugehen und freute mich schon im Voraus über das symbolträchtige Foto, das dabei entstehen würde. Aber nein, kurz bevor er unter der Fahne vorbei kam, bog er ab und betrat ein vietnamesisches Lokal.

So ist nur die Fahne übrig geblieben

Dienstag 16. März – Ateliergeflüster

Ja, es war von Anfang an vereinbart, wir haben sogar die Details schon vor einer Weile besprochen, aber ich dachte der D hätte es sich anders überlegt. Mir ist es gar kein Bedürfnis die Wände im Atelier zu streichen. Ich will dort ja nicht wohnen und mag den Ist-Zustand eigentlich ganz gerne. Es passt alles zusammen: alt und schäbig, aber Licht, Wasser und Heizung funktionieren problemlos. Ich habe mich daran gewöhnt, dass es dort eben nur gibt, was es gibt und finde es zum Malen wunderbar geeignet. Richtig gut fühle ich mich dort schon.

Der D hat aber sowas wie einen Holz-weiß-angestrichen-Fetisch. In seinem Haus in Irland ist auch alles mit weiß gestrichenem Holz getäfelt, inklusive Decke. Seine Frau hat diesbezüglich bewundernswerten Gleichmut entwickelt. Jedes Mal wenn ich bei ihnen zu Besuch war, habe ich einen neuen irischen Baumarkt oder Altwarenhändler oder Flohmarkt kennengelernt. Unser Atelier hat eine Holzverkleidung aus einem ganz miesen Holz mit unendlich vielen Astlöchern und an mehreren Stellen tritt Harz aus. Daher müsste man mindestens zweimal streichen, sagt der D. Meiner Meinung nach werden aber weder ein noch zwei Anstriche viel verändern. Es ist dann eben eierschalenfarben gestrichenes mieses Holz. Weiße Wände ohne Holz wären mir ohnehin lieber. Was soll´s,  wenn er es so haben möchte und ohnehin selbst streicht… Natürlich beteilige ich mich an den Kosten.

Mir ist wichtig, dass wir bald beginnen Regale aufzustellen um die Bilder zu trocknen und zu lagern und dann wird man ohnehin nicht mehr viel von den Wänden sehen. Ich habe zum Beispiel zwei Ölbilder, die, wenn sie in der gleichen Geschwindigkeit weiter trocken, noch geschätzte 200 Jahre dafür brauchen werden. Aber der D will unbedingt zuerst streichen und dann erst Regale kaufen. Meinetwegen, übe ich mich halt in Teamfähigkeit.  Ich weiß, dass er beim Vorstellen vom Endzustand seiner handwerklichen Arbeiten sehr gut ist, also wer weiß, ob ich dann im Endeffekt nicht überwältigt bin von den wunderbar gestrichenen Wänden.

Ich habe also heute meine Sachen von einem Raum in den anderen geräumt und bei dieser Gelegenheit als allerersten kleinen Anfang meiner geplanten Freiraumgestaltung diese beiden Primeln gesetzt. Viel ist das noch nicht, eher so ein kleiner Test, ob sie jemanden stören oder ob jemand drüber trampelt. Als nächsten Schritt plane ich den Kauf einer Sitzgelegenheit, möglichst etwas , das so groß, schwer und unhandlich ist, dass es auch stehen bleibt. Einen Picknicktisch oder Ähnliches. Es sollte möglichst einer sein, den man nicht gleich selbst streichen muss …

 

 

 

 

Servus, Peter Patzak

Er war einer, der wusste, dass Ernsthaftigkeit und Humor, auch von der schwärzesten Sorte, einander nicht ausschließen. Dass sie sich gegenseitig bereichern, dass man über alles lachen kann und sei es todtraurig oder überaus ernsthaft. Ich weiß, dass die Spitzen der Wiener Polizei inklusive Präsidenten sich zum Kottan-Schauen getroffen und herzlich gelacht haben. Die offizielle Haltung war dann allerdings etwas anders.

Humor macht vieles erträglich zB das Leben und auch das Leiden. Über nichts kann man besser lachen als über sich selbst. Verbissenheit hat keinerlei Potential dafür, jemanden glücklich zu machen.

Anlässlich seines Todes habe ich ein Interview von Peter Patzak gehört, der auch über seine Malerei sprach. Seine Regie-Arbeiten wären ja öffentlich zu sehen, aber seine Malerei – sagte er –  sei ein Bereich, der nur ihm gehöre. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Montag 8. März 2021 – Prunk

Solange die Museen offen haben, möchte ich mir noch einige Ausstellungen ansehen. Es gibt so viel Interessantes, dass die Wahl schwer fällt. Nachdem die B und ich uns ohnehin treffen wollten, haben wir uns für einen Museumsbesuch entschieden. Meine Idee war eigentlich, dass es in einem Museum wochentags und ohne Touristen angenehm leer und angenehm warm im Vergleich zu draußen sein würde. Die Plauderspaziergänge im Park mag ich prinzipiell gerne, nur wenn es kalt ist, hält man sie nicht lange durch und wenn man dann zwischendurch in ein Museum geht, so kann man sich dort wieder aufwärmen. So weit die Theorie.

Leider ist dieses Museum aber nicht geheizt. Wenn man reingeht, versteht man warum: die Räume sind sehr groß und sehr hoch. Die gewaltigen kaiserlich-königlichen Kutschen, die dort ausgestellt werden, wirken klein. Vielleicht ist auch irgendwie geheizt und man merkt es nur nicht. Jedenfalls war es richtig kalt. Aber die B und ich waren schließlich in Bildung unterwegs und sind nicht nur im Museum nicht erfroren, sondern auch nicht auf einer großen Parkrunde.

In der Wagenburg von Schönbrunn gibt es also zusätzlich zu den üblichen Exponaten, die ich auch noch nie gesehen hatte, eine kleine Ausstellung über Seuchen und deren Bekämpfung in Wien.

Montag 8.März 2021

Heute Abend traf ich meine indische Nachbarin aus dem ersten Stock in der Waschküche und schwärmte ihr vor, wie großartig der Geruch aus ihrer Küche durch das ganze Stiegenhaus zieht. Ich mag den Geruch von den vielen Gewürzen wirklich sehr gerne, manchmal riecht die halbe Straße nach indischem Essen. Und zehn Minuten später überreichte sie mir eine wunderbar duftende Box mit dem Hinweis, dass es ein bisschen scharf wäre. Wenn eine Inderin von „ein bisschen scharf“ spricht, gehe ich davon aus, dass mir Flammen aus dem Mund schlagen werden. Genauso war es auch. Das indische Gericht landete im Kühlschrank. Der Plan ist, es morgen mit mindestens einem Becher Joghurt zu entschärfen, oder vielleicht doch lieber gleich zwei Becher … Und dann muss ich mir überlegen, womit ich mich revanchiere, Blümchen, Malstifte für die Kinder, irgend sowas.

Morgen werden wir dann voraussichtlich erfahren, dass jemand anderer die Wohnung bekommt. Der Verkäufer ist ein ganz ungewöhnlicher Mensch, der auf das Angebot etwas mehr zu zahlen und damit auf seiner Liste vorgereiht zu werden nicht einmal mit der Wimper gezuckt hat. Außerdem wäre  fast die gesamte Möblierung im Preis inbegriffen. Erstaunlich, aber wir bekommen sie ja eh nicht…