la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Strohkinder

Doppelte Schicht Gewand, Haube, Kapuze, Stiefel, aber eiskalte Finger. Mit Handschuhen kann ich nicht fotografieren und so frieren die Finger vor sich hin. Wir  üben uns im Miksang-Fotografieren auf einem Weihnachtsmarkt im Stadtzentrum. Es ist eher schwierig sich zu konzentrieren, aber auch unkonzentriert entstehen immer wieder ganz nette Fotos. Das riesige Brunnenbecken vor der Karlskirche, in dem die derzeit abgedeckte Henry Moore-Skulptur steht, ist mit Stroh gefüllt und die Kinder tauchen geradezu hinein.


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Samstag 30.11.19

So wenig ich Rudolf Steiners Ideologie schätze, so sehr gefallen mir die Schulen, die in seinem Namen geführt werden, wohl aber nicht nach allen seinen Ideen. Und ganz besonders mag ich den Advent-Bazar der Waldorfschulen. Viel Stimmung, viel Musik, sehr gutes Essen aus hochwertigen Zutaten, originelles Kusthandwerk weitgehend völlig plastikfrei und ganz frische Adventkränze. Selbstbewusste und sehr freundliche Schüler*innen, eine Menge Workshops für Kinder, viele Schüler*inneneltern, die mitarbeiten. Eine äußerst gelungene Veranstaltung, der ich wünsche, dass sie auch so viel wie irgend möglich eingenommen hat um die Finanzierung ihrer vielfältigen Projekte zu unterstützen.

Beim Fotografieren war ich sehr kettenorientiert und habe mit der Dame, die diese Schalketten und Wollketten gemacht hat ein sehr anregendes „fachliches“ Gespräch geführt. Nein, ich habe keine gekauft, ich habe beschlossen, mir die Freude zu machen, selbst welche zu fabrizieren.


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Freitag 29.11-

Ob wohl eine fortgeschrittene Demenz die absolute Erfahrung des „Hier und Jetzt“ bewirkt ? Wohl eher nicht. Es wird , wie so vieles, ganz anders sein, als man es sich vorstellen kann. Die medizinische Forschung ist beim Thema „Demenz“ nach wie vor um keinen konkreten Schritt weitergekommen. In einer an sich ganz guten medizinischen Zeitschrift, deren neueste Ausgabe ich gestern beim Zahnarzt gelesen habe, wird Vorbeugung empfohlen: Bewegung, gesunde Ernährung und Pflegen von sozialen Kontakten. Genau dasselbe, was auch für langes Leben und zur Behandlung von allem wofür es keine Behandlung gibt, empfohlen wird.

Seit ein paar Tagen hängt ein Plakat des  Wiener St.Anna-Kinderspitals:  ein Kind mit haarlosem Kopf, also in Chemotherapie, und in ziemlich großen Lettern „forscht schneller“. Seltsam, an wen das wohl gerichtet ist. Das St. Anna ist selbst auch ein Ort der Forschung zum Krebs bei Kindern.

Die conditio humana lauert hinter vielen Ecken mit vielen Tragödien. Kaum jemand schafft es, seinen Slalomkurs durchs Lebens so zu gestalten, dass alle diese Ecken vermieden werden.


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Zugehörigkeit – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter kommen diesmal von Bernd (Red Skies over Paradise)

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

 

Im Gras liegend, mit den Händen in der Erde, Pflanzen zwischen den Fingern, ein Käfer, der über einen Fuß kriecht, der Blick in den Himmel auf ziehende Wolken, kreisende Vögel, unscharfe Horizonte, die Geräusche des Winds in den Blättern, die Vorstellung des Innenlebens eines Baumes, die zahllosen Bewohner seiner Rinde. Das Brausen der Wellen, der Sand zwischen den Zehen, das Wasser, das die Felsen schleift, Schiffe mit bunten Segeln, der Blick in undefinierbare Weite, das Lachen von Kindern. Die Oberfläche von Steinen, rau oder glatt, trocken oder feucht, stechende Nadelbäume, kalter, geschmeidiger Schnee. Die Geometrie von modernen Bauten, Straßenmusikanten und Symphonieorchester, farbenprächtige Wiesen, geradewachsende Halme und wuschelige Blüten. Schönheit und Leben. Natur und Kultur. Als Teil der Welt fühle ich mich. Was muss ich mühsam erhaschen, was nicht schon da wäre ?

Schwermut kann die Verbindung zum Leben unterbrechen, kann jemanden hinauskatapultieren aus dem Gefühl der Eingebundenheit und Verbundenheit mit der Welt. Muss aber nicht. Auch in schwermütigem Gemütszustand kann es ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Verbundenheit geben. Die Überzeugung das Schicksal alles Lebenden zu teilen. Wachsen und Vergehen.

„Unbehaustheit“  ein Begriff, den eine naturabgewandte Denkrichtung geschaffen hat. Lebendigkeit ist nicht anzustreben, auch keine Freude, zum Leiden wäre der Mensch geboren, je mehr desto verdienstvoller. Empfinden Menschen sich als unbehaust in ihrem Leben, sind sie leicht zu lenken und zu manipulieren, zu vielem zu verführen. Wer seinen Platz in Leben und Tod fühlt, muss keinen Heilsversprechungen nachlaufen, muss Leiden nicht verherrlichen.


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Eine Enttäuschung oder vielleicht doch nicht ?

Ich habe das Buch gekauft, weil ich dachte, es wäre so etwas wie eine Schreibschule mit Tipps und Tricks. Es kommt mir ja an und für sich recht zweifelhaft vor, ob man kreatives Schreiben lernen kann, so nach dem Motto: „Sätze beginnt man mit ……“, „keinesfalls sollte man Wörter wie …….. “ verwenden und „die Anzahl der Adjektive wäre mit x pro fünfzig Wörtern gerade noch erträglich“. Dass dabei mit großer Wahrscheinlichkeit nur Steifheit und kein persönlicher Stil herauskommen kann, scheint mir klar. Trotzdem fand ich den Untertitel „Leben, schreiben, atmen“ doch sehr verlockend.

Gar nicht enttäuscht bin ich von den Texten der Autorin. Sie schreibt Alltägliches und Autobiografisches in einer Sprache, die mich wegen ihrer Schlichtheit und mangelnden Dramatik sehr anspricht. Am Ende jedes Textes gibt sie dann den Lesenden einen kleinen Anstoß zum Schreiben eines eigenen Textes.

Zum Beispiel endet ein Text mit dem Titel „wir lernen uns kennen“ folgendermaßen:

(…) Sie bringt mir Englisch bei, wie sie es spricht. Eine Menge selbsterfundener Wörter, die mich begeistern. Sie mischt sie mit jiddisch und spanisch. Sie sagt zu mir „Vámonos meschuggene chick“ p.68

Und dann die anschließende Schreibanregung:

Welche Wörter kennst du, die sonst niemand gebraucht? Wie nennst du den Matsch, den man braucht, um Sandburgen zu bauen? Bei uns hieß er Kalamatsch, die genau richtige Mischung aus Wasser und Sand, die man über Sandburgen tröpfelt.

Fällt es dir nicht ein? Fällt dir gar nichts ein? Es gibt eine Zauberformel, die immer funktioniert. Sie lautet: Ich erinnere mich an. Wenn mir nichts einfällt schreibe ich diese Zauberformel wieder und wieder: Ich erinnere mich an, ich erinnere mich an ….(1. Regel: Mach keine Pause!) Und irgendwann erinnere ich mich. Garantiert.   p.68

„Kalamatsch erinnert mich an Kala Nag. So hieß eine bestimmte Stelle auf einem Baum, auf den ich als Kind gerne kletterte. Kala Nag war ein Elefant und entsprechend hoch auf dem Baum war der Sitzplatz-auf-dem-Elefanten. Den Namen hatte er wahrscheinlich von meiner Mutter bekommen, die eine große Vorliebe für Geschichten aus aller Herren Länder hatte. Womöglich wäre sie gerne eine der großen reisenden Frauen geworden, wie Isabelle Eberhardt oder  Ida Pfeiffer. Tatsächlich wurde sie nach einem kurzen Intermezzo in der Arbeitswelt Hausfrau …….. „

Ich glaube gerne, dass durch so einen Ansatz persönliche, biografische Texte entstehen, mutige Texte, die eigene und fremde Erinnerungen wachrufen. Kein banales Aneinanderreihen von Wörtern. Wollte ich tatsächlich ernsthaft schreiben, müsste ich sicher durch eine biografische Phase, das eigene Leben abstecken, in Worte fassen. Erinnerung und Katharsis.

Nein, das Buch war keine Enttäuschung ….

 

 


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Sonntag 27.10.19 –

Eine erstaunliche und aus meiner Sicht sehr positive Begegnung hatte ich heute. Eine meiner Kolleginnen ist vor Jahren zum Islam übergetreten und trug seitdem immer bodenlange Röcke und ein Kopftuch. Nicht eines von der Sorte wie sie türkische Mädchen und Frauen tragen sondern eine gemäßigte Variante, im Nacken gebunden. Nun war ich heute beim Kieser-Training, jemand rief mich beim Namen, ich erkannte sie zuerst gar nicht, denn sie trug kein Kopftuch und keinen langen Rock sondern Sportbekleidung wie alle anderen Anwesenden. Wir plauderten eine Weile. Fast bin ich ja zersprungen vor Neugierde, habe es aber geschafft, sie nicht zu fragen, ob sie das Kopftuch generell an den Nagel gehängt hätte. Sie ging dann vor mir und ich sah ihre Straßenkleidung: eine völlig „normale“ Hose und eine ziemlich schicke Jacke.

Die Begegnung hat mich sehr gefreut. Einerseits weil ich die Kollegin gerne mag und wir vor ihrer „Islamisierung“ einen sehr guten Kontakt hatten, der dann irgendwie abgerissen ist und sich vielleicht wieder herstellen lässt. Und andererseits, weil sie offenbar entweder ihre Überzeugungen neu durchdacht und verändert hat oder aber flexibel damit umgehen kann. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Ärmelloses, Westen und Regenjacke, Sandalen und wasserfeste Schuhe. Um diese Jahreszeit kann das Wetter an der Atlantikküste alles werden, vom Spätsommer bis zur Regenzeit.