Schlagwort: Menschen –

Abwarten und Obst essen …

… kann man doch wohl in der gleichen Bedeutung wie „Abwarten und Tee trinken“ benützen. Das Entscheidende ist schließlich das Abwarten, das einen Schritt zurücktreten und sehen, was passiert oder auch nicht passiert oder ganz anders passiert als erwartet. Mit steigendem Alter und Lebenserfahrung steigert sich allerdings die Trefferrate bei den erwarteten Geschehnissen. Grund zur Freude ist das nicht unbedingt.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich einmal bei Agatha Christie gelesen habe, dass die Ermittlungserfolge ihrer Miss Marple darauf zurückzuführen seien, dass sie einfach im Laufe ihres langen Lebens sehr viele Menschen und Situationen kennen gelernt hätte, unter denen sich immer irgendwelche „Präzedenzfälle“ für aktuelle Herausforderungen fänden. Interessante Sichtweise, die voraussetzt dass wir Menschen in vielerlei Hinsicht nicht annähernd so einmalig und originell sind wie wir das gerne wären.

Lichtermeer – Sonntag 19.Dezember 2021

Die Ringstraße in Wien wurde an diesem Sonntag Abend gesperrt für eine Veranstaltung, die nicht als Gegenveranstaltung gemeint war zu den lauten, oftmals gewalttätigen Demos des Konglomerats aus Corona-Maßnahmen-Gegnern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremen und sonstigen ähnlich gesinnten Gruppierungen. Bei dieser Veranstaltung wurden weder Parolen gebrüllt, noch Passanten beschimpft und angegriffen, es wurden auch keine Fahnen geschwenkt.

Es wurden Lichter jeder Art mitgebracht, vom Teelicht bis zur Lichterkette, über Laternen, Handys und jede Art von Kerzen. Zwar war es sehr kalt, aber der angekündigte Sturm blieb aus und so konnten nicht nur die phantasievollen Konstruktionen mit geschützten Kerzen in diversen Behältern angezündet werden sondern auch ganz phantasielos ungeschützte Kerzen.

Es war eine unspektakuläre Veranstaltung. Dennoch war die gemeinsame Schweigeminute von zigtausenden Leuten überaus eindrucksvoll. Die Innenstadt war leise, keine Autos, keine Gespräche nur zwitschernde Kinder. Das geht schon unter die Haut. Der über 13.000 Corona-Toten wurde schweigend gedacht. Dann wurde geklatscht als Dank für die Arbeit der Mediziner*innen und Pfleger*innen. Es wurden keine Reden gehalten, keine Musik gespielt, es gab keine Einpeitscher, keine Megaphone. Klingt nicht nach viel, aber es war ein sehr starkes Gruppenerlebnis und ich bin froh, dass ich dabei war.

Trotzdem

Gestern in der Buchhandlung sah ich eine Frau, Mitte siebzig, die äußerst mühsam und gebückt mit zwei Stöcken ging. Im Rucksack trug sie eine kleine Tanne, vermutlich vom Christbaumhändler gleich vor der Buchhandlung. Sie betrachtete Bücher, stöbern konnte sie wohl nicht, denn es sah so aus als könnte sie sich unmöglich mit nur einem Stock aufrecht halten. Sie stand dort mit ihrem Baum am Rücken und plauderte freundlich mit einer der Buchverkäuferinnen.

So etwas imponiert mir. So ein lautes, deutliches „TROTZDEM“.

Mittwoch, 15.Dezember 2021

Nach drei Wochen zoom-Kommunikation fand mein Ungarischkurs wieder einmal in Präsenz statt. Es war nett die Leute wieder in natura zu sehen. Fünf waren wir ursprünglich. Einer ist de facto schon abgesprungen. Er ist nicht regelmäßig gekommen, hat überhaupt nichts gelernt und sein Beitrag bestand darin, wortreich zu erklären, warum er überhaupt keine Ahnung hat, worum es gerade geht.

Diesen Typus kenne ich aus dem Unterricht in der Abendschule. Die Phase zwischen Anmeldung und Abschluss, in der der Erwerb von Kenntnissen und Kompetenzen stattfinden sollte, wird ausgeblendet. Anstatt sich mit dem Stoff des Unterrichts zu befassen, träumen solche Menschen davon, was sie mit dem vielen Geld machen, das sie aufgrund ihrer Abschlüsse verdienen werden.

Bleiben also vier Leute von denen ich annehme, dass sie zumindest das erste Semester beenden werden. dann wird man weitersehen.

Ich bin zu Fuß durch die Stadt gegangen und habe mir die Weihnachtsbeleuchtung angesehen. Die roten Riesenkugeln in der Rotenturmstraße finde ich besonders beeindruckend, alle Jahre wieder. Die Stimmung insgesamt war allerdings nicht gerade euphorisch. Am Schwedenplatz, vor dem U-Bahneingang stand eine Impfbim. Impfbusse habe ich schon viele gesehen, aber eine Impf-Straßenbahn noch nicht. Dabei ist so eine Straßenbahn von ihrer Form her für diesen Zweck recht geeignet.

Immerhin hat mir die Runde gut genug gefallen um zu beschließen demnächst einmal ins Zentrum fotografieren zu gehen. Ich ging über den Morzinplatz, wo es bis ins 16. Jahrhundert eine Schiffsanlegestelle gab und in den finstersten Zeiten die Leitstelle der Gestapo stand. In aller Seelenruhe ging vor mir eine ziemlich große, sehr wohlgenährte Ratte bis zum nächsten Gebüsch und verschwand dann. Mitten in der Stadt. Könnte man eventuell als symbolträchtig interpretieren.

Rennfahren oder Regieren

Unser Winterkanzler Nummer drei, Karl Nehammer wird es – denke ich – etwas länger schaffen als sein eh nur irgendwie interimistischer Vorgänger, der schon wieder Außenminister ist. Heute habe ich eine intressante Anekdote über Nehammers Familiengeschichte gelesen.

Ein direkter Vorfahre von Karl Nehammer, ein Mann namens Carl Nehammer war der Kammerdiener des Kronprinzen Rudolf, jenes Kronprinzen, der in Meyerling Selbstmord beging mit fatalen Folgen für die Habsburger-Monarchie. Der heutige „Kronprinz“ der Habsburger ist Rennfahrer geworden, wenn auch kein sehr schneller und der Nachfahre des Kammerdieners Kanzler einer Republik. Alles fließt

Neubeginn und Freiheit

Einen Neubeginn kann es nur für äußere Umstände geben. Uns selbst nehmen wir überallhin mit. Wir stehen am vermeintlichen Neustart mit allen unseren Erfahrungen, Erfolgen und Verletzungen und nehmen auch alle unsere Vorurteile und Gewissheiten mit.

Sowohl der Neubeginn als auch die freie Entscheidung sind schöne Märchen, die nichts mit den realen Gegebenheiten zu tun haben. Die in unseren Gehirnen eingegrabenen Verhaltensmuster, die sich durch Lernen und Erfahrung gebildet haben, können wohl umprogrammiert werden, aber nur in sehr langwierigen, mühsamen Prozessen. Spontanes Umorientieren, plötzliches Ausbrechen aus dem bestehenden System, braucht sehr stark aufrüttelnde, schockierende Erlebnisse und sogar dann funktioniert es nicht immer.

Was wir als wertvolles Gut „Freiheit“ auf einen hohen Sockel stellen, ist eigentlich in nur sehr geringem Ausmaß möglich. Obwohl dieser Zustand ja auch positive Seiten hat. Viele Arten der Programmierung führen gut durchs Leben. Je flexibler und ausbaufähiger sie sind, umso besser. Sehr, sehr schwierig wird irgendeine Veränderung bei tief eingegrabener Ideologie und gar Fanatismus.

Auch bei vielen großen DenkerInnen kann man die Programmierungen ihrer frühen Kindheit nachverfolgen. Auch wenn sie sich dessen bewusst sind, heißt das noch nicht, dass sie leicht daraus ausbrechen könnten, wenn sie das wollten.

Sonntag 21.November – Letzter Tag vor dem vierten Lockdown

Auch das Kieser-Studio schließt heute um 22 Uhr um – hoffentlich – am 13. Dezember wieder zu öffnen, aber das weiß man nicht so sicher, denn bisher sind alle Lockdowns verlängert worden. Es zog mich also zum Muskeltraining, weil ich ja ohnehin vorige Woche nicht dort war. Leider hatten sehr viele andere Menschen denselben Gedanken und es war ziemlich voll. Es war nicht so voll, dass man einander auf die Füße getreten wäre, aber doch.

Ich erinnere mich, dass ich auch vor dem vorigen Lockdown so ein unangenehmes Gefühl hatte, irgendetwas vergessen zu haben, was ich unbedingt erledigen müsste, weil es dann in den nächsten mindestens drei Wochen nicht möglich sein wird. Es fällt mir aber nichts Konkretes ein außer, dass ich eigentlich zum Friseur gehen müsste und in weiteren drei Wochen eine Langhaarfrisur oder einen Zopf tragen werde. Das sind beherrschbare Probleme.

Hamsterkäufe dürfte es auch keine mehr gegeben haben. Mit der Erfahrung von drei Lockdowns ausgestattet, befürchtet wahrscheinlich niemand mehr ohne Klopapier und Nudeln dazustehen.

Erfreulich finde ich, dass die Anzahl der Impfwilligen gestiegen ist. Es gibt auch einen Totimpfstoff der Firma Novovax, der den Impfverweigerern aus irgendwelchen Gründen weniger gefährlich vorkommt als die mRNA-Impfstoffe. Das Produkt ist in der letzten Testphase und wird demnächst oder wurde sogar schon bei der EMA eingereicht. Es sieht so aus als könnte sich eine größere Anzahl von Impfverweigerern zu dieser Impfung entschließen. Sie würden ihr Gesicht nicht verlieren und wären bei der Pandemie-Bekämpfung hilfreich. Man wird bald sehen. Die österreichische Impfpflicht, die mit Februar in Kraft treten soll, wird es wohl nicht, wenn die Rechnung mit dem Totimpfstoff aufgeht.

Und nun doch noch ein paar Blätter

Donnerstag 14.Oktober 2021 – Austausch

Für mich hat der Austausch mit Gleichaltrigen, die in ähnlichen Umständen leben eine ganz besondere Qualität. Ebenso wie für Teenager die Peergroup von großer Bedeutung ist, ist sie das auch für Ältere. Manche Themen kann man am besten oder ausschließlich mit Menschen ungefähr gleichen Alters besprechen. Das hat mit Lebenserfahrung zu tun und mit dem „Zeitgeis“, auch mit gemeinsam Erlebtem in Gesellschaft und Politik.

Auch der Austausch zwischen Generationen hat viel zu bieten, ist aber doch wieder ganz anders. Ebenso wie der Austausch zwischen Menschen, die verschiedenen Meinungsblasen angehören, der oft sehr schwierig, aber auch sehr lohnend ist. Der ausschließliche „Aufenthalt“ in einer Meinungsblase tut nicht gut

Austausch jedenfalls braucht es, außer man möchte Eremit*in werden, was sicher auch seine Vorzüge hat aber nach einiger Zeit dazu führt, dass man nur mehr mit großen Schwierigkeiten oder gar nicht mehr in der Lage ist, sich in der Gesellschaft zu bewegen. „Blogbeziehungen“ liegen da irgendwo dazwischen. Ich setze sie in Anführungszeichen, weil es meiner Meinung nach keine echten Beziehungen gibt, wo keinerlei persönliche Begegnung stattfindet.

Ein recht geniales Modell

Der Besitzer des Fischteichs lässt die Spaziergänger das Futter für seine Fische bezahlen. Wie gut das funktioniert weiß ich nicht, aber die Idee ist ja vielversprechend. Vielleicht „darf“ man die Fische gegen Gebühren auch selbst fangen. Eine Weiterentwicklung wäre noch, den Koch dafür zu bezahlen, dass man seine Fische selbst zubereitet. Dann fehlt nur noch, das ganze System mit einem coolen Image zu versehen und schon geht´s. Schließlich „darf“ man am Flughafen seine Koffer selbst einchecken, die Bank erlaubt, dass man seine Geldgeschäfte selbst durchführt und trotzdem eine Kontoführungsgebühr bezahlt usw usf. Warum muss sich ein Fischteichbesitzer zurückhalten …

Von einer, die auszog, einen Laptop zu jagen

Heiß war´s und laut und staubig. Der auf dem Foto zu bewundernde Gemeindebau hitzeflirrend in der gegenüberliegenden Glasfront gespiegelt. Dicht verbautes Stadtgebiet und ich mittendrin auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geschäft, das umgezogen ist, aus meiner nahen Wohnumgebung ganz woanders hin. Ich habe das Geschäft sehr geschätzt, weil dort richtige Bastler am Werk waren. Fast jedes Teil ihrer Laptops hatten sie auf Lager und konnten es auch einbauen. Man musste nichts einschicken und keine Gebrauchsanweisungen studieren. Ein kompetenter Handgriff und das Graffl funktionierte wieder. Wobei es gar kein Graffl war sondern sehr gute Qualität. Die ohnehin seltenen, kleinen Probleme, die ich hatte, lagen eigentlich an mir und nicht an dem Laptop, der wahrscheinlich immer sehr erleichtert war, wenn er von einer sachkundigen Person wieder eingerichtet wurde. Es war keine Garage, aber vom Ambiente her hätte es eine sein können.

Dann sind sie umgezogen, ich hatte jahrelang keinerlei Probleme mit meinem Laptop und nun kann ich sie nicht mehr finden. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht mehr. Würde mich aber wundern. Die Kombination von Qualitätsgeräten und bestem Service und Beratung ist doch ein sehr gutes Geschäftsmodell. Jedenfalls bin ich in einer ziemlich unangenehmen Gegend bei großer Hitze herum geirrt, immer wieder auf falsche Fährten geschickt worden und nach Kreisen immer wieder vor dem Gebäude mit der in der Homepage angegebenen Adresse gelandet, an der das Geschäft aber niemand kannte.

Dann wurde es mir zu blöd und ich ging in ein anderes Geschäft meines Vertrauens und siehe da, sie boten genau das an, was ich gesucht hatte. Nachdem ich dort Stammkundin bin, spielen sie mir alles rauf, was ich brauche und stehen auch für eventuell nötige Erklärungen zur Verfügung. Zwar werden sie die Kompetenz der Bastler nicht erreichen, aber immerhin.

Nie wird mich jemand von Online-Käufen überzeugen können, wenn ich alternativ in einem Geschäft zum Kauf auch Beratung und Betreuung von Menschen bekomme.