la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Wir ?

Gruppendynamik gehört zu den Themen, die ich wirklich faszinierend finde. Als Lehrerin habe ich ja die Möglichkeit solche Prozesse  täglich live zu verfolgen. Die sozialen Strukturen, die in einer  Schulgruppe entstehen, sind sich oft ähnlich, aber es gibt doch immer wieder Überraschungen; angenehme und unangenehme. Manchmal genügt eine Person in der Gruppe um die Motivation aller entscheidend zu beeinflussen. Aus Lehrersicht ist es ideal, wenn die tonangebende(n) Person(en) interessiert und motiviert ist/sind. Es ist die reine Freude mit so einer Gruppe zu arbeiten, da tut sich was, lernmäßig und sozial. Die Version, in der nur allseits gähnende Langeweile und Egomanie herrscht, gibt es natürlich auch. Es fasziniert mich immer wieder, wie so eine Klasse oder Gruppe, die rein zufällig alphabetisch nach den Anfangsbuchstaben der Familiennamen der Schüler*innen  zusammengestellt wurde, in kürzester Zeit eine eigene charakteristische Dynamik entwickelt.

Genauso zufällig erfolgte die Zusammensetzung der Gruppe in der ich meine Rehab absolviere. Eine viel buntere Mischung als eine Schulklasse und so oft haben wir einander auch nicht gesehen, weil es Einzel- und Gruppentherapien gibt, dennoch hat sich eine Gruppe gebildet. Eine Gruppe von in jeder Hinsicht sehr verschiedenen Menschen, die ganz verschiedene Probleme und Ziele haben. Trotzdem sagt immer wieder jemand „wir“, trotzdem haben wir schon eine Menge voneinander erfahren, trotzdem hat sich eine gewisse Solidarität entwickelt, eine gewisse Kameradschaft wenn wir gemeinsam trainieren oder Unterwassergymnastik betreiben.

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Street Art im Gefängnishof

Jahrhundertelange Tradition erfordert, dass sich Schüler und Schülerinnen in ihrer Schule wie Gefangene vorkommen. Auch wenn dem nicht wirklich so ist, so gehört es doch zum guten Ton.

Der Schulhof unseres Ausweichquartiers, das wir nun schon das zweite Jahr benützen – und ein Ende ist noch nicht abzusehen – ähnelt allerdings wirklich einem Gefängnishof. Er ist auf allen vier Seiten von einem vierstöckigen Gebäude umgeben, hat eine grauenhafte Akustik und eine fast ebenso verheerende Optik. Die äußere Fassade des Gebäudes wurde renoviert, alles verputzt, die Fenster gestrichen, aber nicht erneuert, dennoch sieht es von außen ganz gut aus, aber der Innenhof, ein Graus ! Ein Begrünungsprojekt, Sitzgelegenheiten und Tische, hat alles nicht viel gebracht. Nun gab es vorige Woche ein Projekt, das 2 junge Graffiti-Profis mit einer Klasse von 17, 18-jährigen zusammenbrachte um den Hof künstlerisch zu gestalten.

Zwar finde ich nicht, dass der Hof insgesamt besonders gewonnen hätte, aber einzelne Graffitis finde ich sehr gelungen.

Zunächst wurde die „Gefängnissituation“ der Schülerinnen und Schüler dargestellt:

Unter der Stiege – berichteten die Jung-Künstler – sähe man die Kreativen, die sich immer verstecken müssten, damit sie vom System nicht eine auf den Deckel bekämen.

Der Slogan von dem dargestellten Taferl stammt aus einem Songtext von „Violator“, einer brasilianischen Thrash-Metal-Band. Den Slogan find ich sehr gut, den Bandnamen weniger, aber die Darstellung ist äußerst gemäßigt ausgefallen.

Zum Vergleich ein Violator-Original:

Der hier dargestellte Mann, so erklärte man mir, ist auf sämtlichen Plattformen der Social-Media, hat noch nie ein einziges like bekommen und hat keinen einzigen follower. Wie tragisch das ist, kann ich wenigstens entfernt nachvollziehen. Genial daran finde ich, dass ihm die Jugendlichen keine Füsse gemalt haben, er hat nämlich den Kontakt zur Realität verloren.

Und schließlich noch ein graffiti, das ganz ohne Hilfe der Profis entstanden ist.


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20. Station der Leseweltreise – Myanmar

Es ist mir zufällig zwischen die Finger gekommen, ein kleines Buch zu einem Land, von dem ich nicht viel weiß, das mich allerdings meiner Illusionen darüber beraubt hat, dass Buddhisten und gar buddhistische Mönche nicht gewalttätig werden. Auch meine Vorstellung, dass eine Friedensnobelpreisträgerin, die unter der Militärdiktatur in ihrem Land schwer gelitten hat, selbst eine gerechtere Herrschaft ausüben wird, hat sich leider in Luft aufgelöst.

Das kleine Buch ist aber 2007 herausgekommen und erzählt in kurzen Kapiteln über die Besonderheiten Myanmars, seine landschaftlichen und architektonischen Schönheiten, seine Volksgruppen und Kulturen:

„Asiens wahrem Antlitz ist Bernd Schiller auf seinen Reisen durch ein magisches Land begegnet: Der Ewigkeit auf der Schwedagon-Pagode hoch über Yangon, wenn die Morgensonne die Kuppel in glänzendes Gold taucht, den heilige Bergen, wo Buddha und diverse Geister in guter Nachbarschaft wohnen und dem beschwerlich-trägen Lauf des Lebens an den Ufern des Ayeyarwady, wo Ochsenkarren wie seit Jahrhunderten auf Lastkähne warten“

 

Aung San Suu Kyi: Myanmars Stimme der Freiheit, die zur Gewalt stumm bleibt


Die Friedensnobelpreisträgerin wird für ihr Schweigen angesichts der Verfolgung der Rohingya kritisiert. Dass Demonstranten in aller Herren Länder mit dem Antlitz von Aung San Suu Kyi für ihre Sache werben, überrascht nicht: Jahrelang war die heute 72-Jährige die prominenteste politische Gefangene der Welt. Ihr Name stand emblematisch für gewaltfreien Widerstand gegen Gewaltherrschaft – und gegen jene der myanmarischen Generäle im Speziellen, die sie von 1989 bis 2011 mit Unterbrechungen in Hausarrest isolierten, aber auch gegen alle anderen Diktatoren, für die Menschenrechte herzlich wenig zählen. Neu ist freilich, dass Demonstranten von Pakistan bis Indonesien die Plakate, auf denen die Friedensnobelpreisträgerin zu sehen ist, verbrennen, ihr Gesicht mit Hitler-Bart versehen oder schlicht durchstreichen.

Suu Kyi, die seit den ersten freien Wahlen 2015 Myanmar als „Staatsrätin“ de facto regiert, ist tief gefallen. „Nicht die Macht korrumpiert“, schrieb sie in ihrem 1991 erschienenen Buch „Freedom from Fear“, „sondern die Angst, sie zu verlieren.“ Nun scheint es so, als halte gerade sie ebenjene Angst fest im Griff. Die Mutter zweier Söhne, von denen sie während ihres Hausarrests so lange getrennt war, schwieg, als Myanmars Armee hunderte Zivilisten der muslimischen Rohingya-Minderheit ermordete, Dörfer brandschatzte und Hunderttausende vertrieb. Als die Uno das Vorgehen der Soldaten als „ethnische Säuberung“ bezeichnete, sprach sie von „Fake-News“ und von „Terroristen“, die man bekämpfen werde.

Den geplanten Besuch in New York, wo die Uno-Generalversammlung tagt, sagte Suu Kyi kurzfristig ab. Die einstige Ikone sei eben „eine Politikerin durch und durch und habe als Ziel einzig ihre Wiederwahl“, konstatierte die Uno-Sonderberichterstatterin. Tatsächlich werfen Kritiker der in Oxford ausgebildeten Tochter eines Unabhängigkeitskämpfers schon länger mangelnde Empathie für die Rohingya vor, die von vielen im mehrheitlich buddhistischen Land als Einwanderer betrachtet und abfällig „Bengalis“ genannt werden. Dass sich Suu Kyi weder mit der noch immer allmächtigen Armee überwerfen noch auf die Stimmen der buddhistischen Nationalisten, die den Muslimen sämtliche Bürgerrechte absprechen, verzichten will, könnte ein Grund dafür sein, dass Myanmars so lange unterdrückte Stimme der Freiheit nun nicht für die unterdrückte Minderheit im eigenen Land laut werden will.

Florian Niederndorfer, 13.9.2017 – derstandard

 


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Der ewige Deutsche ?

Schon lange habe ich das vom Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellte Hörbuch und habe einfach nicht geschafft, es bis zu Ende zu hören. Die nuancenreich modulierte Stimme von Hans Korte bietet anfangs reines Zuhörvergnügen. Allerdings geht es in weiterer Folge sehr militärisch-stramm zu und von Hörvergnügen kann man dann eigentlich nicht mehr sprechen.

Heinrich Manns „der Untertan“ beschreibt das Leben des Diederich Heßling, eines Menschen, der aus bescheidenen Verhältnissen kommend zu Macht aufsteigt. Zur Zeit Wilhelm I in Deutschland lebend, erfährt er eine Erziehung durch Elternhaus und Gesellschaft , die ihn durch brutale Verformung ebenso skrupellos wie duckmäuserisch macht. Das „weiche Kind „ wie er im ersten Satz des Romans genannt wird, entwickelt sich zu einem wahren Monster, einem Popanz seiner Zeit. Nur ganz zu Beginn des Romans, wenn Kindheit und erste Liebe des Protagonisten geschildert werden, gelingt gelegentlich eine zaghafte Identifizierung mit Diederich Heßling.

„Dieses Buch Heinrich Manns (…) ist das Herbarium des deutschen Mannes. Hier ist er ganz: in seiner Sucht zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Rohheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolganbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit. Leider: Es ist der deutsche Mann schlechthin gewesen; wer anders war, hatte nichts zu sagen, hieß Vaterlandverräter und war kaiserlicherseits angewiesen, den Staub des Landes von den Pantoffeln zu schütteln“ Kurt Tucholsky in Die Weltbühne, 15.Jahrgang Nr.13 (20.3.1919)