la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Paleicas magische Mottos Mai – Auf der Straße

Auf der Straße kann man als Fußgänger*in gehen, laufen, sitzen, stehen, schauen, kommentieren und natürlich fotografieren. Ich selbst empfinde es als Zumutung wenn ich auf der Straße fotografiert werde.Leider hält mich das aber nicht davon ab, andere Leute zu fotografieren. Es ist auch manchmal allzu verlockend.

Das dritte Bild ist wohl etwas sexistisch, aber ich vermute, dass die Besitzerin der Beine mir meine Begeisterung für ihre silbern leuchtenden Schuhe nicht übel nehmen würde. Sie war ohnehin konzentriertest mit der Erzeugung von Selfies beschäftigt.

Hier gehts zu Paleica  


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Ganz kurzer Themenwechsel

Eitelkeit hat ja nicht unbedingt immer mit tatsächlicher Attraktivität zu tun. Auch bei den Vögeln. Wir haben zu Ostern einen Besuch bei meinen Lieblings-Hassvögeln gemacht.

In Waidhofen an der Thaya gibt es eine große Volière für Waldrappe. Die Vögel werden von einem Team betreut zu dem auch einige geistig behinderte Menschen gehören. Wir konnten zufällig beobachten wie einer von ihnen die Vögel gefüttert und die Volière gereinigt hat. Er machte einen zufriedenen Eindruck. Das Projekt finde ich ziemlich gut. Das ist ein überschaubarer, einfacher Tätigkeitsbereich, der mit Tieren zu tun hat und bei dem die Mitarbeiter in einer klar definierten Position auch mit anderen Menschen in Kontakt kommen können aber nicht müssen.


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Paleicas Magische Mottos – April 17 – Kontraste

Kontraste

Manche fügen sich zu einem größeren Ganzen zusammen, manche kollidieren miteinander, manche sind die Grundlage größerer und kleinerer Harmonien.

Die Welt, das Leben, die Menschen bestehen aus Kontrasten daher sind sie uns so wichtig. Ein Foto, ein Bild ohne Kontraste wird als langweilig empfunden.

Oft sind es auch Kontraste, die den Reiz eines Motivs ausmachen und uns dazu bringen die Kamera zu zücken.

weich und spitz, Licht und Schatten, lebendig und tot

hart und weich, langlebig und kurzlebig, organisch und nicht-organisch, hell und dunkel


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Transparente Wasserläufer im Gegenlicht

Wir haben uns doch noch entschlossen einen kleinen Vorosterurlaub auf dem Land zu machen und haben es ganz und gar nicht bereut. Osterverkehr klingt für mich nach ziemlichem Verkehrschaos, aber wir sind antizyklisch gefahren, von Mittwoch bis Samstag und es gab nicht einen gefährlichen Moment. Einen Unfall allerdings  haben wir gesehen, beim Vorbeifahren, zum Glück hat es nicht sehr schlimm ausgesehen; ansonsten war der Verkehr völlig problemlos.

Im Waldviertel, dem nördlichsten Teil Österreichs kann man wunderbar entschleunigen. Sanfte Hügel, Felder in verschiedenen Braun- und Grünschattierungen, dazwischen sonnengelber Raps. Zahllose kleine Teiche und Bäche. Kühl ist es im „mystischen Waldviertel“, kühl und feucht und entspannend. Das Hotel war aber gut geheizt und die waldviertler Mohngerichte waren erstklassig; Karpfen (aus dem Teich hinter dem Hotel) in Mohnpanier, Mohnzelten, Mohnparfait …… köstlich.

Wir sind in einem ungewöhnlichen Hotel am Ende der Welt abgestiegen. Früher eine Mühle, heute ein Hotel direkt am Bach mit einem privaten kleinen Wasserkraftwerk und Zäunen mit Sonnenpaneelen. Für die Esoteriker eine Pyramide im Garten, riesige Gartenflächen mit 170 verschiedenen Obstbäumen, darunter sehr alte Sorten. Im Restaurant gab es neben erstklassiger Küche, uralte Möbel, riesige Lüster und eine sehr eigenwillige Sammlung von Bildern an der Wand: von kitschigen Acryl-Blümchen bis zu Ikonen. Das ganze wirkte ein bisschen wie Robinson Crusoes Insel in dritter Generation, exzentrisch, aber sehr komfortabel.

Wir haben auch vieles gesehen; von Burgen und Schlössern über Wackelsteine bis zur Moorforschungsanlage; schlechte Kunst, nachdenkliche Installationen und Mohn, Mohn, Mohn …

Jedenfalls sind meine Nerven gestählt für die Ergebnisse des baldigen Erdogan-Referendums.


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9. Station der Leseweltreise – Iran

Es handelt sich um die Autobiografie von Shirin Ebadi, geboren 1947,  die als ganz junge Frau Richterin an einem Teheraner Gericht wurde, später vom Khomeini-Regime zur Schreibkraft in selben Gericht degradiert wurde und erst ab 1992 als Anwältin praktizieren durfte. Sie verteidigte – trotz persönlicher Gefährdung – Regimekritiker, misshandelte und diskriminierte Frauen und Kinder. 1994 gründete sie einen Kinderschutzbund. 2003 bekam sie den Friedensnobelpreis.

Shirin Ebadi ist verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.

Ich habe diese Autobiografie einer ungemein mutigen Frau mit großem Interesse gelesen. Zwei Aspekte haben mich besonders interessiert.

Shirin Ebadi führt ihren Mut darauf zurück, dass sie das große Glück hatte in einer Familie aufzuwachsen, in der die Töchter genauso geschätzt und gefördert wurden wie die Söhne. Dies war absolut keine Selbstverständlichkeit und sie wusste diese frühe Prägung sehr zu schätzen als sie bemerkte wie viele iranische Frauen das Gefühl der Minderwertigkeit, das sie schon als kleine Mädchen vermittelt bekommen hatten nicht abschütteln konnten.

Shirin Ebadi hatte aus Abneigung gegen das korrupte Shah-Regime anfangs die Khomeini-Revolution unterstützt. Sehr bald wurde ihr klar, dass sich die Situation des Landes, vor allem die Situation der Frauen keineswegs verbessert hatte. Mit größtem persönlichen Mut und Einsatz führte sie ihren Kampf für Menschenrechte, trotz Schikanen jeder Art, trotz Gefängnisaufenthalten und Morddrohungen verstummte sie nicht. Besonders bemerkenswert fand ich, dass sie nie den Islam in Frage stellte, sondern die Meinung vertrat, dass alles, was sie forderte innerhalb des schiitischen Islam möglich wäre. Sie legte sich mit hochrangigen Geistlichen an, die ihre Standpunkte offenbar aus religiöser Sicht nicht widerlegen konnten. Trotzdem konnte sie sich gegen das Regime und jeden einzelnen Mullah nicht durchsetzen.

„Im Islam gibt es eine als ijtihad bekannte Tradition der rationalen Auslegung, die seit Jahrhunderten von Juristen und Geistlichen gepflegt wird, um die Bedeutung der Lehren des Korans sowie deren Anwendung auf moderne Vorstellungen und Situationen zu diskutieren. Im sunnitischen Islam, der den ijtihad ablehnt, wird dieser seit Jahrhunderten nicht mehr praktiziert, doch im schiitischen Islam sind der Prozess und der Geist des ijtihad lebendig. Ijtihad ist ein wesentliches Element des islamischen Rechts, weil es sich bei der Scharia  eher um eine Sammlung von Grundsätzen als um kodifizierte Normen handelt. Gelangt man durch den Prozess des ijtihad zu einer Entscheidung oder bestimmten Meinung, so bedeutet dies, dass ein Jurist eine bestimmte Frage (ob zum Beispiel eine Frau im 20.Jahrhundert wegen Ehebruchs gesteinigt werden sollte) durch die Anwendung von Vernunft und durch Deduktion bewertet und die mit dieser Frage zusammenhängenden Interessen nach Prioritäten ordnet“ p.260

Ich persönlich finde es ja schlimm genug, dass eine Steinigung überhaupt zur Debatte steht. Aber für jemanden der/die in einem System lebt, in dem Hinrichtungen jeder Art, das Abschlagen von Händen und die Verherrlichung des „Märtyrertodes“ normale Praxis sind, wäre  wohl die Anwendung des ijtihad ein deutlicher Fortschritt in Richtung Menschenrechte. Shirin Ebadi gibt uns auch ein Beispiel dafür:

„Während der ersten Jahre nach der Revolution entschied Ayatollah Khomeini trotz der strengen Einstellung der führenden Geistlichen, dass die nationalen Medien Musik senden durften. Er kam zu dem Schluss, dass die jungen Leute sonst vom westlichen Radio geködert würden und dies letztendlich schädlicher für die islamische Republik wäre. Durch den Prozess des ijtihad also gelangte er zu der Einsicht, dass eine Praxis aus dem siebten Jahrhundert für die Gegenwart ungeeignet sei“ p.260

Man könnte natürlich auch vermuten, dass Khomeini im Interesse des Machterhalts durchaus zu pragmatischen Entscheidungen kommen konnte. Derselbe Khomeini, der Tausende junge Iraner mit ihren Todeshemden im Gepäck dorthin schickte wo die Iraker Minenfelder gelegt hatten. Die jungen Männer wurden über diese Felder geschickt um mit ihrem Leben die Minen zu entschärfen, sodass die nachfolgende reguläre iranische Armee geringere Verluste hatte. Natürlich kamen sie als Märtyrer direkt ins Paradies.

2009 schließlich tat Shirin Ebadi, was sie nie tun wollte, sie ging ins Exil nach London.

Ein sehr aufschlussreiches Buch, dass allerdings für Menschen wie mich, die mit den Ereignissen in der islamischen Republik Iran nicht im Detail vertraut sind gewisse Längen aufweist, wenn es um die Schilderung von Verbrechen und Prozessen geht. Aber das kann man dem Buch nicht vorwerfen.