la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 8.2.19

Es ist ja wahrhaftig eine banale, allgemein bekannte Tatsache, dass „nahe“ und „weit weg“ je nach Verkehrsmittel und körperlicher Kondition sehr relative Begriffe sind. Aber das Erleben, dass eine Strecke, die zu fuß mit einem kaputten Hüftgelenk trotz Anstrengung kaum zu bewältigen war, plötzlich nicht mehr der Rede wert ist, dieses Erleben ist schon eine große Sache. Wie man ja überhaupt nur wirklich begreifen kann, was man selbst erlebt hat.

U-Bahnfahrten ohne Handynutzung können auch zum Erlebnis werden. Vor allem auf U-Bahnlinien, die nicht unterirdisch geführt sind. Wenn man den Blick abwendet von den heftig wischenden aufs Display starrenden Mitreisenden, tauchen Dinge auf wie orange Baukräne vor dem Hintergrund des blitzblauen Himmels, eine Orgie der Gegenfarben. Oder Teile der alten, sehr gut renovierten Stadtbahnstationen von Otto Wagner vor dem blauen Himmel.

Zwei Buben, der eine vielleicht acht der andere so um die zwölf Jahre herum, sitzen mir schräg gegenüber. Sie haben beide die gleiche Modefrisur und üben eifrig wie man mit gespreizten Fingern den ins Gesicht hängenden Teil der Frisur am coolsten nach hinten oder zur Seite legen kann. Ihre Selbstbilder sehen ihnen dabei zufrieden zu.

Unfassbares aus der Welt der Pflanzen: bei einer Studie mit Nachtkerzen konnte nachgewiesen werden, dass die Pflanzen in irgendeiner Weise hören können. Spielt man ihnen das Summen von Bienen vor, so reichern sie innerhalb von 3 Minuten ihren Nektar mit um 20% mehr Zucker an. Ein unendlich wiederholbares Experiment. Interessant fand ich auch den Kommentar einer der Wissenschafterinnen, die meinte womöglich wären die Geräusche der Menschenwelt sehr störend für die Pflanzenwelt. Das erinnert mich an einen Film, den ich irgendwann gesehen habe, vom Genre Genetikhorror, da hatten die Pflanzen beschlossen die Menschheit loszuwerden und gaben Giftstoffe in die Luft ab sobald ein Mensch vorbeikam. Man muss da immer sehr aufpassen eine ganz exakte Grenze zwischen wissenschaftlich Nachweisbarem und Fabuliertem zu ziehen, denn in der Grauzone zwischen beidem bereichern sich die Scharlatane.

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Ach, Max – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.   

– Hallo Max, hast du gesehen, ich habe die Winterreifen schon drauf.

– Ja, allerdings, wer, wer frage ich dich hat dir die montiert? Du hast das noch nie selbst gemacht. Du kannst das gar nicht

– Na wer schon, die Leute in der Werkstatt, wo ich die Reifen gelagert hab.

– Ach ja, „die Leute in der Werkstatt“, wahrscheinlich das Bürscherl mit der tätowierten Glatze mit dem du immer flirtest. Ein ganz besonders geschmackloser Ausrutscher von dir.

– Geht das schon wieder los !

– Es hat ja noch nie aufgehört ! Ständig und überall stolpere ich über deine Liebhaber!

– Phantomstolpern !

– Aha !!! Gibst du jetzt also endlich zu, dass du beim Faschingsball mit diesem lächerlichen Leintuchträger  plötzlich  verschwunden bist ??

– Ich war am Klo, wo er war, hast du doch sicher herausgefunden.

– Oh nein, ich spioniere dir nicht nach, wofür hältst du mich ?! Außerdem ist ohnehin alles klar, wozu sollte man da noch spionieren. Der Briefträger, der Mann in der Tierhandlung, deine Kollegen, der Sonnenschirmvermieter im Bad, der Nachbar über uns und alle, von denen ich noch nichts bemerkt habe. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern !!

– Mein lieber Max, bei allem Verständnis, jetzt wird es mir in sehr naher Zukunft zu blöd werden!!! Jeden einzelne Mann, den du irgendwo siehst, erklärst du sofort zu meinem Liebhaber. Wie du drauf kommst, kann ein einigermaßen gesundes Hirn nicht nachvollziehen. Sogar das Atmen würdest du mir gerne verbieten, weil ja die Luft schon durch die Lungen von  einem Mann gegangen ist. Das ist so krankhaft, dass es nicht mehr als lästige Marotte durchgeht …

– Willst du damit andeuten, dass ich irgendwie übertrieben eifersüchtig bin??

– !!!

– ???

– …….

– …….


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Die perfekte nachbarliche Harmonie – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

René gehörte zu jenen Hobbygärtnern von denen weniger fleißige Menschen abschätzig behaupten, sie würden den Rasen mit der Nagelschere bearbeiten. Früher hatte er einen perfekten Rasen, Bäume und Blumen und einen kleinen Teich. Kurz nachdem die neuen Nachbarn eingezogen waren und er ihr großes Vereinsschild am Gartentor gesehen hatte, begann er damit Gemüsebeete anzulegen. Direkt an der Grenze zum Nachbargarten wuchsen nun Salat, Kohl, Radieschen und Karotten und wurden selbstverständlich genauso perfekt gepflegt wie alles andere. Am späten Nachmittag wenn die Nachbarn und immer einige Mitglieder ihres Vereins im Garten waren, goss und erntete er das Gemüse.

Für das Verhältnis mit seinen Nachbarn musste man Verantwortung übernehmen, lautete Renés Lebensphilosophie. Er war durchaus auch bereit sich für Frieden und Harmonie etwas zu verbiegen und anzupassen. Wenn das alle täten, pflegte er zu sagen, wäre die Welt ein besserer Ort.

Heute hatte er die Nachbarn samt Verein zum Abendessen im Garten eingeladen. Kunstvoll drapierte er seidige Tischtücher in Pastellfarben über mehrere Gartentische und arrangierte darauf ein Dutzend überquellender Salatschüsseln mit dem Gemüse aus eigener Produktion.

Nun musste er sich aber beeilen. Die Lederschuhe und -jacken mussten verschwinden, die Teppiche aus Tierfellen auch. Zumindest die Strecke aus dem Garten zur Gästetoilette musste einwandfrei sein. Alle anderen Räume wurden abgesperrt. Nun eilte René noch in seine Küche, die seit Monaten einem Hochsicherheitstrakt glich: der Dunstabzug ausgeschaltet, die Fenster hinter geschlossenen Jalousien. Gelüftet wurde nur manchmal in der Nacht.

Eine Stunde vor dem Eintreffen seiner Gäste saß René bei fest verschlossenen Fenstern und Türen in seiner Küche. Auf seinem schönsten und größten Teller lag ein saftiges Stück Schweinsbraten, das er langsam und verzückt genoss. Dann versenkte er den Teller im Geschirrspüler, versprühte Tannenduft in Küche und Flur und versperrte das Sicherheitsschloss an der Küchentür. Er war bereit, den veganen Verein der Freunde der Karotte zu empfangen.


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Montag 28.1.19

Im Pensionistenheim pflegen die Einwohner eine beinharte Hackordnung. Wer dement ist, steht in der Hierarchie ganz unten. Diese Gruppe ist allerdings sehr groß und daher gibt es noch weitere Unterteilungen. Wer sich noch in die Selbstdarstellung retten kann, nur ein bissl vergesslich zu sein, steht noch besser da als jemand, der ständig nachfragen muss, welchen Monat wir gerade haben. Es wird wohl so sein, dass die nicht-dementen Menschen den dementen ausweichen, aus der uneingestandenen Angst heraus, dass dieser Zustand doch irgendwie ansteckend sein könnte. Und die langsam dement werdenden sehen in den anderen ihre sehr nahe Zukunft, die sie verzweifelt verdrängen möchten. Wenige Menschen sehe ich dort, die einfach nur alt,  mit sich und ihrem Leben aber im großen und ganzen im reinen sind.

Heute früh hat es wild geschneit, den restlichen Tag ist alles wieder weggetaut. Die Gehsteige sind ganz gut begehbar, aber um die Straße zu überqueren, brauchte man eigentlich ein Boot, oder Goretex-Schuhe. Nicht der letzte modische Schrei, aber funktional, sehr funktional. Mit Verwandten meiner derzeit im Gebrauch befindlichen bin ich auch schon trockenen Fusses am Rand des Atlantik im Wasser gegangen.

Ebenso wie ein Besuch beim Friseur, erfreut ein Besuch bei der Fusspflegerin. Ein Berufsstand, der wohl auch nicht sehr viele männliche Mitglieder hat, falls überhaupt irgendeines. Gestern habe ich eine Statistik gesehen, die darstellt, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen bis zum ersten Kind äußerst gering sind, dann aber aus dem Ruder laufen. Wird schon so sein, Tatsache ist aber auch, dass zum Beispiel KFZ-Mechaniker nun einmal mehr verdienen als zum Beispiel Fußpflegerinnen. Schon klar, eine Fußpflegerin hätte ja auch KFZ-Mechanikerin werden können …..


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Fundstücke

Gestern im Rahmen der Heizungswiederherstellungsmaßnahmen habe ich eine bemalte Schiefertafel gefunden, die ich ganz vergessen hatte. Manche Bilder gefallen mir nach einer Weile gar nicht mehr, andere gefallen mir viel besser als vorher. Diese Schiefertafel fällt in die zweite Kategorie. Einige Blautöne gefallen mir nicht so gut, aber insgesamt mag ich sie.


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Freitag 18.1.19

Ganz komisch bin ich heute drauf. So eine Mischung aus Langeweile und ich weiß nicht was sonst noch alles. Einerseits ist mir so richtig fad, andererseits kann ich mich zu gar nichts aufraffen. Ob das wohl ein Fall von einfach ausleben und vorbeigehen lassen ist oder doch ein aktiv zu verändernder Zustand? Wahrscheinlich eher letzteres.

Ich glaube der F. ist schon ziemlich froh, dass wir den Wocheneinkauf heute – nach Wochen – wieder gemeinsam machen werden. Zwar habe ich natürlich nicht laut genörgelt, dass er dies oder das nicht gekauft hat, aber er kennt mich ja mittlerweile recht gut und wird schon mitbekommen haben, wenn mir dies oder das abgegangen ist. Ja, das Leben normalisiert sich, das war jetzt schon allerhöchste Zeit und ich hatte das Zwischenstadium zwischen rekonvaleszent und gesund ziemlich satt. Jetzt brauche ich aber wohl noch eine Weile um einen aktiveren Rhythmus wiederzufinden.

Stille ist so eine Sache. Habe ich sie nicht, sehne ich mich danach, in unterschiedlichem Ausmaß aber doch. Ist es aber still, so halte ich das auch nicht den ganzen Tag lang aus. Es nützt nichts: der Mensch ist doch ein Herdentier. Irgendwo bei Ortega y Gasset heißt es, dass die Schafe „lana a lana“, also Wolle an Wolle nebeneinander laufen…….