la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Sonntag 20.September 2020

Das Leben plätschert dahin. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es so mag oder nicht. Es fließt in einem sehr angenehmen, hübschen, abwechslungsreichen Flussbett. Auch der Hochwasserschutz ist bestmöglich. Es gibt aber mehrere Dinge, die ich tun würde, wenn nicht überall das widerwärtige Virus gegenwärtig wäre. Wenn ich also normal leben könnte, würde mir das Plätschern wahrscheinlich noch besser gefallen.

Ein in Österreich lebender Mann aus Weißrussland sagte bei einem Interview über die Situation in seinem Land: „die Wahrheit stimmt nicht“. Ein denkwürdiger Satz, auch wenn man berücksichtigt, dass er sich vielleicht auf Deutsch nicht ganz so ausdrücken kann, wie er gerne möchte.

Nachdem der F und ich beide Jahreskarten für den Schönbrunner Tiergarten haben, fanden wir es gestern an der Zeit wieder einmal vorbeizuschauen und die Amortisierung des Preises voranzutreiben. Bei dieser Gelegenheit haben wir erfahren, dass die Jahreskarten um 65 Tage verlängert werden, wegen des Lockdowns und dass sie wesentlich teurer geworden sind.

Etwas grimmig schaut der Pelikan drein. Tatsächlich war es auch schon wieder ziemlich voll im Tiergarten. Ich konnte bei dieser Gelegenheit gut beobachten, dass der F, der immer gegen überzogene Corona-Hysterie wettert, durchaus verinnerlicht hat, Abstand zu Menschengruppen zu halten.

Im Schlosspark wurden die letzten Teile der Aufbauten für das alljährlich stattfindende Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker abgebaut. Bei dieser Gelegenheit wird immer das Schloss, der Neptunbrunnen, diverse Skulpturen und auch die Blumenrabatten mit für diese Gelegenheit montierten starken Scheinwerfern beleuchtet. In den letzten Jahren haben wir uns das Konzert öfter im Park selbst angehört. Heuer war der Park aber gesperrt, nur etwa 1000 Sitzplätze in einem abgesperrten Areal wurden vergeben. Dafür wurde das Konzert am vergangenen Freitag aber im Fernsehen übertragen. Etwas Wien-lastig war das Programm schon „Wiener Blut“ und „Wien, Wien nur du allein“ und so weiter aber in Philharmoniker Qualität.


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Dienstag 15. September 2020 – Weichenstellungen und Umwegrentabilitäten

Blick von der Caféterrasse auf der ich heute das erste Mal eine Gruppe meiner pensionierten Kolleginnen getroffen habe. Im Hintergrund ein als Mahnmal an die schlechte alte Zeit stehen gelassener Flakturm. Im selben Park befinden sich auch die Augarten-Porzellanmanufaktur und das Schlösschen der Wiener Sängerknaben.

Aber ich war nicht zum Sight-seeing dort sondern zum Wiederanknüpfen von Beziehungen. Mit Erfolg. Es war ein sehr nettes Treffen und ich wurde gleich in den Kreis aufgenommen. Obendrein hat sich herausgestellt, dass die aktiven Pensionistinnen auch eine Gruppe „Theater-Kabarett“ haben, in die ich ebenfalls aufgenommen wurde. Nachdem ich viele Jahre lang immer auch in der Abendschule unterrichtet habe, war es organisatorisch praktisch unmöglich ein Theater-Abo zu nehmen, was ich gerne getan hätte. Aber so eine Gruppe ist ja viel besser als ein Abo, man sucht sich aus, was man sehen möchte und es wird sich immer eine angenehme Begleitung finden. Derzeit ist es ja leider etwas schwierig ins Theater zu gehen. Erst gestern wurde ein größerer Cluster von Corona-Infizierten rund um eine Opern-Aufführung gefunden …

Aber das geht auch wieder vorbei, hoffentlich … Jedenfalls bin ich ziemlich beschwingt durch die halbe Stadt spaziert und kam dabei auch an meinem Lieblingswollgeschäft vorbei. Ich freute mich schon darüber, dass es überlebt hat und noch mehr freute ich mich als ich im Schaufenster einen Hinweis sah „wir nehmen Mützen und Schals für das St. Anna Kinderspital entgegen.“ Ich bin ja eine begeisterte Strickerin, weiß aber schon nicht mehr, was ich mit meinen Produkten anfangen soll. Es stapeln sich Berge von Pullovern, die ich aber gar nicht brauchen kann, weil sie mir viel zu warm sind, von Schals will ich gar nicht reden. Gestrickte Spenden an ein Kinderspital kommen mir da gerade recht. Und wenn das Spital gerade nichts braucht, sagte die Verkäuferin, unterstützen wir auch eine Initiative für obdachlose Frauen. Perfekt. Ich kann meiner Strickleidenschaft frönen und die Produkte sinnvoll verschenken. Es gibt dort auch ein offenbar sehr nettes Stricktreffen einmal in der Woche, aber das wird wohl momentan auch nicht stattfinden, weil es auf den Fotos auf der home-page sehr eng aussieht.

Also rundum ein sehr erfreulicher Tag. Auf meine alten Tage werde ich noch gesellig und sozial werden. Naja übertreiben muss ich es auch nicht.

 


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54. Station der Literaturweltreise – Republik Moldau

Meine literarische Weltreise

Die Republik Moldau ist eines jener Länder aus denen unsere mitteleuropäischen Altenpflegerinnen, Kindermädchen, Putzfrauen, Gärtner etc kommen. Viele von ihnen haben Kinder, aber die Eltern kommen allein, die Kinder bleiben eventuell in der Obhut von Verwandten oder auch allein zurück. Sozialwaisen nennt man sie. Es sind keine Einzelfälle sondern ein weit verbreitetes Phänomen in den östlichen Ländern Europas innerhalb und außerhalb der EU-Grenzen.

Liliana Corobca, die selbst in Moldawien aufgewachsen ist, lebt heute in Rumänien, wo sie Literaturwissenschaft studiert hat. „Der erste Horizont meines Lebens“ ist nicht autobiographisch und heißt im rumänischen Original „Kinderland“. Ein Titel des Verlags, der in der Übersetzung vielleicht nicht ganz nachvollziehbar war

Der Roman handelt von drei Geschwistern, einem 12-jährigen Mädchen, einem 6-jährigen und einem 3-jährigen Buben, die in einem moldawischen Dorf allein leben. Die Mutter arbeitet in Italien, der Vater in Russland, selten kommen sie zu Besuch, einmal in der Woche ruft die Mutter an. Es gibt eine Großmutter im Hintergrund, die aber sehr krank ist und von der man annimmt, dass sie bald sterben wird. Es gibt einen Patenonkel und eine Patentante, die im ärgsten Notfall bereit sind, den Kindern zu helfen, denn im Dorf herrscht das Recht des Stärkeren und es sind praktisch alle stärker als drei auf sich selbst gestellte Kinder.

Die Hauptfigur des Romans ist das 12-jährige Mädchen, das ziemlich idealisiert wird. Sie führt den gesamten Haushalt inklusive der Haltung eines Schweins und etlicher Hühner. Sie betreut die beiden kleinen Brüder, sie geht auch zur Schule und sie stellt Überlegungen an, die man einem Kind ihres Alters nicht wirklich zutraut. Sie sinniert über das Leben im allgemeinen und ihres im Speziellen, über ihr Dorf und die Welt. Obwohl sie aufgrund ihrer Lebenssituation schnell erwachsen werden muss, sind doch ihre Betrachtungen nicht die einer 12-jährigen. Auch wieder ein Problem der Erzählperspektive.

Wenn auch manche Figuren dieses Romans nicht ganz authentisch wirken, so ist doch das Thema ein heißes Eisen der europäischen Sozialpolitik und so ist schon weger seiner Thematik ein sehr interessantes Buch, das in Welten führt, von denen wir als Mitteleuropäer meist nur eine sehr vage Vorstellung haben, wenn überhaupt.


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Dienstag 8.September 2020 – Schuhbänder und Langlebigkeit

Prinz Charles – so lese ich in einem Artikel über europäische Monarchien – lässt sich täglich die Schuhbänder bügeln. Aha, inwiefern das wohl zu seiner Lebensqualität beiträgt, wüsste ich gerne. Haben diese gebügelten Schuhbänder irgendeinen symbolischen Wert, eine Bedeutung, die man nur bei den Windsors kennt? Andererseits ist ja der europäische Hochadel so eng verwandt, dass dieses Geheimnis sich herumgesprochen haben müsste. Könnte es sich auch um Arbeitsbeschaffung für einen oder mehrere Kammerdiener handeln? Kammerdiener gibt es am britischen Hof ganz bestimmt und auch ein schon etwas in die Jahre gekommener Kronprinz hat sicher Anspruch auf ihre Dienste. Die Queen ist 94 und bei beneidenswerter geistiger und körperlicher Gesundheit, Vater Philipp ist fast 100, da sehen Charles Chancen auf Langlebigkeit ganz hervorragend aus. Vielleicht eine Thronbesteigung mit 80 ?

82 und von nicht so eiserner Gesundheit wie die Queen ist Juan Carlos, der gewissermaßen emeritierte König von Spanien, der sich wegen massiven Steuerbetrugs in die Arabischen Emirate abgesetzt hat. Ob seine aktuelle Geliebte mitgekommen ist? und ob er dort Elefanten jagen kann? Aber nein, er hat ja versichert, dass er das bedauert und nie wieder tun wird. Trotzdem wird ihn der WWF nicht als Ehrenpräsidenten zurück haben wollen. Lo siento mucho. Me he equivocado. No volverá a ocurrir. Erinnert mich daran, dass damals etliche meiner Kollegen ihre Nicht-Spanisch-Kenntnisse durch diese Sätze bereichert haben, die sie bei vielen Gelegenheiten genüsslich zitiert haben.

Schade dass jemand, der beim Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie eine so gute Figur gemacht hat und beim spanischen Volk so beliebt war, sich selbst derartig demontiert hat. Ich sehe noch die eindrucksvollen Bilder vor mir, wie die bewaffneten anti-demokratischen Umstürzler das Parlament gestürmt hatten und König Juan Carlos fast der einzige war, der nicht hinter und unter den Bänken verschwunden sondern aufrecht stehen geblieben ist.

Tatsächlich liegt mein Interesse für das monarchische Personal irgendwo unter Null, nur die gebügelten Schuhbänder faszinieren mich. Noch mehr als die angeblich gebügelten Zeitungen in den Clubs.


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Der Dienstag dichtet, sieben – Eigentlich kein Gedicht, Kriegsberichterstattung

Katha hat das Projekt ins Leben gerufen, bei ihr gibt es auch eine Teilnehmerliste

Es handelt sich hier nicht um verdichtete Sprache sondern um Kriegsberichterstattung,

aber nachdem es gerade Dienstag ist ….

Und natürlich nehme ich mich selbst bei den geschilderten Geschehnissen nicht aus

Alle haben Recht

Am rechtesten immer der Letzte

Die in alle Richtungen fliegenden Pfeile der Missverständnisse strahlen vor Begeisterung

Die blutigen Speere finden ihr Ziel oder auch ein anderes, Hauptsache sie stecken in jemandem

Am besten äußert man sich zu dem, was niemand gesagt hat

dabei können ganz nebenbei auch gleich ein paar alte Rechnungen beglichen werden

Alle sagen, was ihnen gerade durch den Kopf geht, unverbrämt

damit schafft man Möglichkeiten sich später zu entschuldigen

oder in den Olymp der alles überschauenden Weisen einzugehen, je nach Grad der eigenen Arroganz

Ein Schlachtfeld wie jedes andere

Arbeitsbeschaffung für Totengräber und Kriegsgewinnler

Am Ende wissen weder die Toten noch die Überlebenden wie es so weit kommen konnte

Da waren doch irgendwann, irgendwo Gründe, Argumente, Überzeugungen

Der Humor und die Toleranz sitzen weinend unter einem verbrannten Baum

Die degradierten Friedensengel scharren unlustig in der Asche

Der Funke kann jederzeit wieder aufflammen und überspringen, das Gemetzel weitergehen

Eine Blogdebatte

 


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Oh Melania, geht`s noch tiefer ?

An Peinlichkeit und Verlogenheit kaum zu übertreffen: die Werberede von Melania Trump für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald T. Ein klassisches Beispiel für Mitläufertum und Gier. Noch dazu fand dieser unqualifizierbare Auftritt im Weißen Haus statt, das von Donald T als sein Privatbesitz betrachtet wird. Man hält es kaum für möglich, dass diese Frau nicht laut lachen oder weinen muss, wenn sie von der kompetenten, mitfühlenden Amtsführung ihres Mannes spricht. Dass ihr das Lachen vergangen ist, kann ich ja nachvollziehen. Schlimm ist aber, dass mit dem Lachen auch der Anstand und die Selbstbestimmung verdorrt sind. Denn, dass sie glaubt, was sie da sagt, kann man wohl ausschließen. Ebenso wie man ausschließen kann, dass ihr diese Rede nicht massiv vergoldet wurde. Am besten hat mir gefallen, dass sie den lieben Donald als völlig ehrlichen und authentischen Menschen bezeichnet hat, der diesbezüglich anders sei als die sonstige Politikerkaste. Zum Kotzen!

Wenn dann – hoffentlich in ein paar Monaten und nicht erst in vier Jahren – diese albtraumartige Präsidentschaft beendet sein wird, kann man fast sicher sein, dass ein Abrechnungsbuch von Melania an Donald herauskommen wird. Es schweben mir da mögliche Titel vor wie „Meine Hölle im Weißen Haus“, „Der Teufel an meiner Seite“ etc. Selbstverständlich ist auch Melania T ein völlig ehrlicher, authentischer Mensch. Vorausschauende Ghostwriter haben vielleicht schon ein paar hundert Seiten im Angebot.


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Nummer 25 der Buchchallenge – alles fließt

Nr. 25

EIN BUCH, AUF DAS DU DURCH DEN KLAPPENTEXT NEUGIERIG WURDEST

Endlich habe ich wieder einmal ein Buch zu bieten, und ein sehr gutes. Der Klappentext ist zwar etwas dramatisch formuliert, aber ich fand das Thema so interessant, dass ich gleich zugeschlagen habe. Die Geschichte ist nicht in Ich-Form, aber doch aus der Perspektive der alzheimerkranken Frau erzählt. Die Situationen reichen von heiter bis tragisch. Sehr eindrucksvoll wie gut sich die junge Autorin in die alte Frau versetzen konnte.

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 16 der Buchchallenge – Trobadora in der DDR

Nr. 16

EIN BUCH,DAS DU NICHT MAGST, OBWOHL ES AUS DEINEM LIEBLINGSGENRE IST

Wie schon mehrmals erwähnt, habe ich kein Lieblingsgenre und könnte dazu nicht viel sagen, wenn nicht … Mir ist ein Buch eingefallen, das mir gar nicht gefallen hat, obwohl ich angenommen hatte, dass es mir gefallen würde. Meistens habe ich ein gutes Händchen für das Finden von Büchern, die ich gerne lese, aber in diesem Fall habe ich schwer daneben gegriffen.

Ich habe mich durch annähernd 100 Seiten durchgequält, aber leider ist nicht der allerkleinste Funke übergesprungen.

Die Troubadourin Beatriz wird von der Zauberin Melusine für 800 Jahre eingeschläfert und erwacht schließlich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Soweit ist das eine Fantasy-Handlung von der ich annahm, dass sie semi-seicht unterhaltsam dahinplätschern würde. Tatsächlich wird hier aber Fantasy und Politik bzw Klassenkampf und Feminismus vermischt und mit dieser Mischung kann ich leider wenig anfangen.

Die Handlung beginnt in Frankreich während der 68er Bewegung und verlegt sich dann in die DDR. Liebesgedichte der Trobadora wechseln sich mit Passagen aus kommunistischer Basic-Lektüre und dann wieder Fantasy-Elementen ab und die Mischung ergibt für mich kein schlüssiges Ganzes. Auch die Hauptfigur, die Trobadora Beatriz, erscheint mir nur schemenhaft skizziert und ich kann in dem Text die Leichtigkeit nicht erkennen, von der in manchen Kritiken aus den 70er Jahren die Rede ist.

Tja, es muss einem ja nicht alles gefallen. Vielleicht es das Buch für irgendjemand anderen ein Erlebnis, gut geschrieben ist es ja ….

Das war meine Buchbesprechung für Randomhouse, die aus verständlichen Gründen nicht auf die Plattform gestellt wurde. Es hat sich dort aber auch nur eine einzige positive Besprechung gefunden. Aber das nur am Rande.

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 13 der Buchchallenge – ein bisschen Weisheit

Nr. 13

EIN BUCH, DAS DU MAGST OBWOHL DU DAS GENRE NICHT MAGST

Der Begriff „Genre“ verfolgt mich jetzt schon eine Weile obwohl ich ihn so gar nicht mag. Aber darum geht es hier ja nicht.

Was ich auch in den allermeisten Fällen nicht wirklich mag, sind die sogenannten „Lebensberatungsbücher“. Eine Ausnahme bilden da die Bücher von Pema Chödrön. Gut, die kann man vielleicht nicht wirklich zu diesem „Genre“ zählen.

Pema Chödröm ist Amerikanerin, lebt aber seit Jahrzehnten als buddhistische Nonne. Während diese Zeit hat sie eine Menge Bücher geschrieben, die ich – und viele andere – als sehr klug und praktisch verwertbar empfunden haben. Ich schreibe den Klappentext eines Buches ab:

„Nicht flüchten sondern anschauen“ ist das Motto dieses praktischen Krisenmanagements für Körper, Geist und Seele. Pema Chödröns Ratschläge sind oft von provokanter Direktheit und fordern den Leser auf, sich voller Neugier auf das weite Feld seiner Schwierigkeiten vorzuwagen. Pema Chödrön ermutigt ihn dabei durch die offenherzige Schilderung eigener schmerzhafter Erfahrungen und die zuversichtliche Botschaft, dass Gelassenheit und Mitgefühl erlernbar sind“

Ich lasse auch die Autorin selbst zu Wort kommen:

Wenn wir also nicht versuchen, uns zu ändern – heißt das, dass wir bis zu unserem Tode zornig bleiben und an den Dingen haften müssen? Das ist eine vernünftige Frage. Das Sich-selbst-verbessern-Wollen funktioniert deshalb auf lange Sicht nicht, weil wir dann gegen unsere eigene Energie angehen. Selbstverbesserung mag vorübergehend etwas bewirken, aber zu dauerhafter Transformation kommt es nur, wenn wir uns selbst als Quelle von Weisheit und Mitgefühl achten. (…) Nur wenn wir ohne         alles Moralisieren, ohne Härte, ohne Täuschungsmanöver mit uns selbst umgehen, können wir von schädlichen Mustern ablassen.“ p 41

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 3 der Buchchallenge – Völkermord

Buch Nr. 3

EIN BUCH MIT EINER ZAHL IM TITEL

Es ist sehr lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich kann mich an keine Einzelheiten erinnern. Es geht um den türkischen Völkermord an den Armeniern während des ersten Weltkriegs. Der Musa Dagh ist der Berg auf den sich Armenier zurückgezogen hatten um sich zu verteidigen. Dieser Völkermord wird in der heutigen Türkei von Präsident Erdogan und vielen türkischen Nationalisten geleugnet und als üble anti-türkische Propaganda bezeichnet.

An eine Szene aus diesem Buch erinnere ich mich noch Jahrzehnte nachdem ich sie gelesen habe. Es ist eine ganz starke emotionale Erinnerung.

Es geht um einen alten, armenischen Gelehrten, der auch aus seiner Wohnung voller Bücher in eine ungewisse Situation flüchten muss. Er kann – wie alle anderen- nur mitnehmen, was er tragen kann. Meine Erinnerung ist nun dieses Gefühl, wie es sein muss, sich entscheiden zu müssen, welche paar Dinge man mitnehmen kann und welche verloren sind und wahrscheinlich zertört werden. In diesem Fall vor allem welche der vielen Bücher, welche Worte, welche Lyrik, welche Prosa, welche Philosophie kann der Zerstörung entrissen werden. Tagelang hat mich dieses Gefühl ganz fertig gemacht und ich habe vor meinem inneren Auge einen großen Sack Bücher gesehen, den ein kleiner, alter Mann versuchte mitzuschleppen, auf einen Berg, um zu versuchen sein Leben zu retten und auch seine Kultur und seine Sprache. Ich weiß gar nicht, ob es diese Szene in dieser Form überhaupt gibt, ob es nur ein Satz war aus dem ich das Bild entwickelte, jedenfalls ist es ein Bild, das ich nicht wieder loswerden konnte.

Diese Ausgabe der „40 Tage des Musa Dagh“ habe ich mir kürzlich gekauft um das Buch nochmals zu lesen mit erwachsenen Augen.

Franz Werfels Widmung:

„Dieses Werk wurde im März des Jahres 1929 bei einem Aufenthalt in Damaskus entworfen. Das Jammerbild verstümmelter und verhungerter Flüchtlingskinder, die in einer Teppichfabrik arbeiteten, gab den entscheidenden Anstoß, das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen. Die Niederschrift des Buches erfolgte in der Zeit vom Juli 1932 bis März 1933.“

 Breitenstein Frühjahr 1933, Franz Werfel 

 


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Samstag 14.Juni 2020

Der erste Schwimm des Jahres bei meinem Bruder im Garten. Öffentliche Bäder sind mir noch etwas unheimlich, aber nachdem eine kürzlich getroffene Freundin eine Saisonkarte für das Schönbrunner Bad erstanden hat, ist es im Grunde nur eine Frage der Zeit, wann ich mich überreden lasse dort hinzugehen. Der Pool der Verwandtschaft hat ein sehr angenehmes Desinfektionssystem: es wird Salz hineingeschüttet, durch irgendein Elektrolyse-Verfahren entsteht im Endeffekt Chlor. Das Wasser ist aber viel angenehmer für die Haut und riecht auch überhaupt nicht nach Chlor.

Samstag: strahlender Sonnenschein mit recht hohen Temperaturen, Sonntag: Gewitter, Abkühlung, ein paar Stunden Regen. So könnte es von mir aus den ganzen Sommer lang weitergehen. Keine Trockenheit, keine Aufheizung der Stadt, Lebensqualität im Alltag.

Ab morgen muss man in Supermärkten keine Masken mehr tragen, nur noch in Öffis und Gesundheitseinrichtungen. Einerseits werden die Masken mit steigenden Temperaturen immer unangenehmer, andererseits bringen sie aber vielleicht doch einen gewissen Schutz. Ich kann mich nicht entschließen, wofür oder wogegen ich in diesem Zusammenhang bin.

Im Kieser-Studio gab es schon heute keine Maskenpflicht mehr, viele Leute trugen aber beim Trainieren Masken. Auf freiwilliger Basis können ja alle machen, was sie wollen. Ob es aber klug ist, die ausgeatmete Luft wieder einzuatmen, noch dazu bei sportlicher Betätigung, wenn man eigentlich mehr Sauerstoff braucht als sonst.


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Idyllisch ?

Für die Zuhörer*innen unbedingt. Aber die Harfinistin saß den ganzen Tag dort und wurde auch schon an anderen Stellen in Wien gesehen, immer in Parks, auf der Straße. Vielleicht gehört sie zu einem Orchester, das gerade nicht auftreten kann. Sie verkauft CDs und transportiert ihre Harfe in einem Kinderwagen.


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Es ist so ein großartiges Buch

… dass ich es sehr langsam lese. Einerseits weil ich dadurch länger daran lesen kann und andererseits, weil es so viele Passagen zum Nachdenken anbietet, die man nicht einfach nur so herunterspulen kann.

Ist vielleicht Echtheit das falsche Stichwort? Geht es vielleicht eher um die Erwartungen, die andere an mich hatten, und denen ich zuviel Macht eingeräumt habe? So dass ich mehr das Leben geführt habe, das die anderen von mir erwarteten, statt meines eigenen? Aber bin ich nicht an jenem Morgen in Oxford zum Bahnhof gegangen statt in die Schule? Ich bin vor den Erwartungen der anderen davongelaufen. Habe ich sie mitgenommen ohne es zu merken? die Erwartungen der anderen – sie können eine Tyrannei sein und ihre Tücke besteht darin, dass sie sich der Wahrnehmung entzieht und ihr Unwesen im Schattenreich des Unbewussten treibt, so dass man sich nicht zur Wehr setzen kann. Warum, frage ich mich, hat es eines Tumors bedurft – dieser rohen, brutalen Demonstration der Endlichkeit – , damit ich dieser Tyrannei gewahr wurde? 

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“S102

Ich bleibe immer wieder an Details hängen und lese sie mehrmals. Und vor einem Satz wie „seine Bewegungen sahen nach Abschied aus“ verbeuge ich mich beeindruckt. S123


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Wenn ich nicht zamezhem ? Aha!

Der afrikanische Bankdirektor, der mich verzweifelt sucht um mir Millionen zu vererben ist anscheinend auf Urlaub. Maria vertritt ihn gewissermaßen. Auch ein schönes Beispiel für die Leistungen von Übersetzungsprogrammen

 

Guten Tag !!!. Mein Name ist Maria. Wie geht es dir? Wie ist Ihr Tag?
Ich fand Ihr Profil in einer Ehe-Agentur. Ich denke, es war sicher. Ein wenig uber sich selbst. Ich bin 37 Jahre alt.
Ich denke, dass mein Foto, das Sie dieses Foto gefallt und sagen mehr uber mich als Worte.
Ich kann Ihnen sagen, dass ich es nicht tate, wenn ich nicht zamezhem. Ich habe keine Kinder. Ich bin ein schones Madchen.
Ich bin energisch und kreative Frau. Meine Freunde sagen, dass ich bin frohlich und gesellig Frau und mir sehr interessant.
Ich bin auch eine romantische Person. Ich mag Tiere. Ich sah Ihr Profil und ich glaube, du bist ein sehr interessanter Mann.
Und ich fuhle, dass du mich naher kennen wollen, und kennen zu lernen. Ich sah eine Menge von Mannern, aber alles,
was sie tun musste, war mit mir spielen, Fotos und vieles mehr, aber wer wurde nicht eine ernsthafte Beziehung mochte.
Also, ich mochte sagen, dass ich mich fur eine ernsthafte Beziehung und eine Familie suchen. Ich brauche einen Mann,
der mit mir leben und alles teilen. Ich hoffe, Sie haben die gleiche, eine ernsthafte Beziehung mochte.
Ich denke, wir haben eine Chance, einander besser kennen zu lernen. Wie viele Menschen haben ihre Seele mate online gefunden.
Ich hoffe, dass ich Ihr Interesse haben und schreiben Sie mir eine Antwort so schnell wie moglich. Ich freue mich auf Ihre Briefe.
Ihre Maria.