la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Samstag 10.11.18 – Unerträglich?

„Unerträglich“, ein Wort, das mir leicht über die Lippen kommt. Dies ist unerträglich und das und jenes, tatsächlich ist vieles schwer auszuhalten, aber nicht wirklich unerträglich, sonst wäre ich daran schon gestorben oder verrückt geworden. Und wenn Situationen knapp am Unerträglichen vorbeischrammen, fahren die psychischen Schutzmechanismen hoch und es breitet sich eine gewisse wohltuende Gleichgültigkeit aus, eine Art Betäubung. Betäubung ist halt nur kein besonders kreativer, freudvoller Zustand.

Auf einem großen Müllplatz war ich heute und konnte mich nicht entscheiden, ob ich es gut finden sollte, dass dort so viele Leute ihre Abfälle deponieren, oder ob ich es erschreckend finden sollte, wie viel Müll verschiedenster Art in kurzer Zeit so anfällt. Wir haben vier große, sehr große Kartons mit Elektro-Schrott in den dafür bestimmten Container befördert. Was sich so ansammelt an Kabeln, Ladegeräten für diverse Geräte, Computerteilen, kaputten Haushaltsgeräten, etliche sehr skurrile strombetriebene Gerätschaften und und. Und ja, nach dem stundenlangen Aussortieren wird das ökologische Gewissen immer dehnbarer und es wandert so manches in den Müll, was noch die eine oder andere Verwendung hätte finden können.

Man weiß ja, dass das Universum zum Chaos tendiert. In diesem Sinne ist mein Schreibtisch ein physikalisches Versuchsgebiet und ich freue mich bekanntgeben zu können, dass die Experimente die Theorie voll bestätigt haben.

 

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Donnerstag 8.11.18

Hochnebel seit Tagen. Das Kopfsteinpflaster im Stadtzentrum ist großteils noch dasselbe wie vor 100 Jahren, als die Kutschen darüberrumpelten und plötzlich zu Feinden und Unmenschen deklarierte Mitbürger es reinigen sollten mit ungeeigneten Werkzeugen, auf Knien, umgeben von Menschen, die aufs Menschsein vergessen hatten. Wegen der Armut, wegen des Neids, wegen der Verhetzung ……… hoffentlich. So viele Ereignisse, so viele mögliche Gedenktage. Morgen jährt sich das Novemberpogrom, das bis vor wenigen Jahren, bei manchen noch immer „Reichskristallnacht“ hieß. Besonders brutal sei es in dieser Nacht in Wien zugegangen. Das wundert mich nicht, bei der Hinterhältigkeit gehören wir zu den besten weltweit, bei der Zivilcourage eher nicht.

In Österreich wird heuer 100 Jahre Republik gefeiert. Dazwischen schieben sich die Gedenktage für Ereignisse aus der Zeit als die Republik auf Eis lag, vorübergehend abgeschafft, als sie noch ganz jung und unerfahren war und nicht in der Lage sich zu wehren.

Insgesamt grau in grau. Wie wird man ein guter Mensch, wie ein schlechter? Wie kann jemand gleichzeitig KZ-Wärterin und liebevolle Mutter sein? Wie können junge Menschen 2018 den gleichen menschenverachtenden Schwachsinn glauben wie 1938? Wie können andere solche Entwicklungen leugnen? Es stellen sich Fragen, die tief ins Menschsein hineinreichen. Antworten gibt es nicht viele und die wenigen sind meist ideologisch gefärbt, von allen Seiten.

Mein persönliches ano horribilis setzt sich auch fort, aber es ist noch zu jung für eventuelle Gedenktage.


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Opfer des Schicksals? Viktor Frankl? HVB

Nie und niemals und unter gar keinen Umständen sollte sich ein Mensch selbst als Opfer betrachten. Als Opfer irgendwelcher höheren Mächte, als Opfer des Schicksals, als Opfer anderer Menschen, Als Opfer bestimmter Lebensumstände.

„Du Opfer“ sagen Jugendliche und meinen das als sehr grobe Beschimpfung. Das irritiert mich immer wieder. Es kann keine Schande sein, zum Opfer zu werden. Selbstschädigend ist es aber unbedingt, sich selbst als Opfer zu betrachten, als hilflos ausgeliefert, als unfähig zu irgendeinem Schritt zur Verbesserung der Lage und sei es nur in der Vorstellung, als immerwährende/r Ausfüller/in der Opferrolle. Immer, bis zum letzten Atemzug gibt es irgendeine Möglichkeit auf seine Lebensumstände zu reagieren. Vielleicht ist es nur eine ganz winzige, von außen kaum wahrnehmbare Reaktion und doch gibt sie dem Menschen die Würde der Selbstbestimmung wieder. Betrachtet man sich selbst als Opfer, überlässt man die Gewalt über das eigene Leben anderen.

Man denke nur an Viktor Frankl, der seine Logotherapie und Existenzanalyse, die von vielen als dritte Säule der Psychoanalyse betrachtet wird, während seiner Inhaftierung in mehreren KZs entwickelt hat und seinen „Willen zum Sinn“ nicht nur selbst gelebt sondern auch an andere in derselben Lage weitergegeben hat. Es gibt wohl nicht allzuviele Situationen, in denen man mehr Anlass hätte, sich als Opfer zu betrachten als Insasse eines Konzentrationslagers zu sein, errichtet und geführt von einem mörderischen Regime und zu den zu vernichtenden Feindbildern dieses Regimes zu gehören. Dennoch….  Ich halte Viktor Frankl nicht für einen Heiligen oder einen Übermenschen, aber für jemanden, dem es gelungen ist, sich selbst und anderen in einer absoluten Opfersituation die Menschenwürde und Selbstbestimmung zu erhalten.


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21. September 2018 – internationaler Alzheimertag

Vor 112 Jahren wurde die Krankheit von Dr. Alois Alzheimer (* 14. Juni 1864 in Marktbreit; † 19. Dezember 1915 in Breslau) , einem Psychiater und Neuropathologen  erstmals beschrieben. Bis heute gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten für diese langsame Blockierung der Funktion eines menschlichen Gehirns, für die Auslöschung des Gedächtnisses, die Veränderung und schließlich das Verschwinden der Persönlichkeit. Nichts, was den Prozess aufhalten könnte, gerade ein bisschen verlangsamt kann er werden.

Der Pharmariese Pfizer hat zu Beginn des Jahres die Alzheimerforschung eingestellt, die investierten Gelder standen in keinem Verhältnis zu den eigentlich nicht vorhandenen Ergebnissen. Man sollte meinen, dass die Aussicht auf unendliche Gewinne für diejenigen, die als erste ein wirksames Medikament herausbringen die Motivation und die Finanzierung der Forschung unendlich pushen müssten. Offenbar sind die Ergebnisse aber so entmutigend, dass nicht einmal die Aussicht auf astronomische Gewinne die Pharmariesen motiviert, die Forschung intensiver voranzutreiben.

Wie schnell doch ein Impfstoff gegen Ebola gefunden wurde, als Amerika und Europa die Bedrohung dieser Krankheit so nahe wie noch nie kommen sahen. Sicher ist es einfacher einen Impfstoff zu finden als ein Mittel gegen eine degenerative Gehirnerkrankung, über deren Ursachen, Entstehung und Fortschreiten es nach wie vor wenig Wissen gibt. Das verstehe ich, dennoch ist der Frust groß. Die conditio humana winkt mit boshaftem Lächeln.


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Wasser und Gewalt – HVB

Der reißende Strom wird gewalttätig genannt
Aber das Flußbett, das ihn einengt
Nennt keiner gewalttätig
Bertold Brecht: Über die Gewalt

Mich spricht dieser Gedanke an, wenn auch wahrscheinlich nicht im Sinne von Brecht. „Gewalttätig“ gefällt mir in diesem Zusammenhang nicht so sehr, weil das ein Wort ist, das eine Absicht beinhaltet. Zu Brechts Gedanken passt es aber, denn das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen und ist eigentlich ein politisches Statement in Metaphern. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Um Wasser soll es hier gehen. Wasser, das Hindernisse umfließt oder so lange abschleift, bis es keine Hindernisse mehr sind. Um Wasser, das einen kleinen Bach bilden kann oder einen reißenden Strom, eine Oase oder eine Überflutung. Wenn das Hindernis weder umflossen noch abgeschliffen werden kann, staut sich das Wasser bis es stark genug ist, das Hindernis mit Gewalt zu beseitigen oder hoch genug um eine andere Möglichkeit des Durchfließens zu finden.

Nicht viele Menschen können sich der Faszination von fallendem, sprühenden Wasser entziehen, manche klettern sogar auf gefrorenen Wasserfällen. Wasser kann nähren und vernichten, inspirieren und zu Tode erschrecken, die Welle der Wellen für Surfer aber auch der Tsunami; sonniges Mittelmeer und eisig-stürmischer Nordatlantik.

Meere und Ozeane sind so geschmeidig, dass die Schwerkraft sie in Ebbe und Flut wiegen kann als Wasserwand aber so hart, dass Schiffe daran zerschellen. Wasser kann lieblich, idyllisch sein, blaugrün leuchten, leise plaudern oder es ist schwarz, tödlich kalt, bis in die Tiefen aufgewühlt und der Kraft jedes schwimmenden, treibenden Menschen unendlich überlegen. Die Sonne spiegelt sich im Wasser oder der Sturm dröhnt die Wellen in schwindelnde Höhen. Das Wasser tanzt mit Leben und Tod in unergründlichen Zyklen.

Wir Menschen bestehen zum Großteil aus Leere und Wasser

 

Mein Atlantik. Das Bild ist nicht bearbeitet, man sieht die Spiegelung der Abendsonne