la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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21. September 2018 – internationaler Alzheimertag

Vor 112 Jahren wurde die Krankheit von Dr. Alois Alzheimer (* 14. Juni 1864 in Marktbreit; † 19. Dezember 1915 in Breslau) , einem Psychiater und Neuropathologen  erstmals beschrieben. Bis heute gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten für diese langsame Blockierung der Funktion eines menschlichen Gehirns, für die Auslöschung des Gedächtnisses, die Veränderung und schließlich das Verschwinden der Persönlichkeit. Nichts, was den Prozess aufhalten könnte, gerade ein bisschen verlangsamt kann er werden.

Der Pharmariese Pfizer hat zu Beginn des Jahres die Alzheimerforschung eingestellt, die investierten Gelder standen in keinem Verhältnis zu den eigentlich nicht vorhandenen Ergebnissen. Man sollte meinen, dass die Aussicht auf unendliche Gewinne für diejenigen, die als erste ein wirksames Medikament herausbringen die Motivation und die Finanzierung der Forschung unendlich pushen müssten. Offenbar sind die Ergebnisse aber so entmutigend, dass nicht einmal die Aussicht auf astronomische Gewinne die Pharmariesen motiviert, die Forschung intensiver voranzutreiben.

Wie schnell doch ein Impfstoff gegen Ebola gefunden wurde, als Amerika und Europa die Bedrohung dieser Krankheit so nahe wie noch nie kommen sahen. Sicher ist es einfacher einen Impfstoff zu finden als ein Mittel gegen eine degenerative Gehirnerkrankung, über deren Ursachen, Entstehung und Fortschreiten es nach wie vor wenig Wissen gibt. Das verstehe ich, dennoch ist der Frust groß. Die conditio humana winkt mit boshaftem Lächeln.

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Wasser und Gewalt – HVB

Der reißende Strom wird gewalttätig genannt
Aber das Flußbett, das ihn einengt
Nennt keiner gewalttätig
Bertold Brecht: Über die Gewalt

Mich spricht dieser Gedanke an, wenn auch wahrscheinlich nicht im Sinne von Brecht. „Gewalttätig“ gefällt mir in diesem Zusammenhang nicht so sehr, weil das ein Wort ist, das eine Absicht beinhaltet. Zu Brechts Gedanken passt es aber, denn das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen und ist eigentlich ein politisches Statement in Metaphern. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Um Wasser soll es hier gehen. Wasser, das Hindernisse umfließt oder so lange abschleift, bis es keine Hindernisse mehr sind. Um Wasser, das einen kleinen Bach bilden kann oder einen reißenden Strom, eine Oase oder eine Überflutung. Wenn das Hindernis weder umflossen noch abgeschliffen werden kann, staut sich das Wasser bis es stark genug ist, das Hindernis mit Gewalt zu beseitigen oder hoch genug um eine andere Möglichkeit des Durchfließens zu finden.

Nicht viele Menschen können sich der Faszination von fallendem, sprühenden Wasser entziehen, manche klettern sogar auf gefrorenen Wasserfällen. Wasser kann nähren und vernichten, inspirieren und zu Tode erschrecken, die Welle der Wellen für Surfer aber auch der Tsunami; sonniges Mittelmeer und eisig-stürmischer Nordatlantik.

Meere und Ozeane sind so geschmeidig, dass die Schwerkraft sie in Ebbe und Flut wiegen kann als Wasserwand aber so hart, dass Schiffe daran zerschellen. Wasser kann lieblich, idyllisch sein, blaugrün leuchten, leise plaudern oder es ist schwarz, tödlich kalt, bis in die Tiefen aufgewühlt und der Kraft jedes schwimmenden, treibenden Menschen unendlich überlegen. Die Sonne spiegelt sich im Wasser oder der Sturm dröhnt die Wellen in schwindelnde Höhen. Das Wasser tanzt mit Leben und Tod in unergründlichen Zyklen.

Wir Menschen bestehen zum Großteil aus Leere und Wasser

 

Mein Atlantik. Das Bild ist nicht bearbeitet, man sieht die Spiegelung der Abendsonne


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Wie roch mein August

Eine Idee von Read-On, an der ich mich gerne beteilige

Die beherrschende Duftnote war eindeutig Staub, frischer leichter Staub und alter schwerer Staub und ein wenig feuchter Staub, der leicht in Schimmel und Moder hinüber wächst. Staub von außen und von innen und an manchen schwer zugänglichen Orten könnte man glatt an die Urzeugung glauben und darüber rätseln, was wohl aus diesem zusammengeballten Staub entstehen wird. Ein lange leerstehendes Haus riecht nach verbrauchter Luft und wenn man auch stundenlang alle Fenster und Türen offen lässt. Vielfältig ist der Staubgeruch, er hat eine Komponente von Verzweiflung, von Verlust der ordnenden Kontrolle über die Welt, von Wehmut und Vergänglichkeit, eine biblische Dimension sogar als Grundstoff der monotheistisch Gläubigen. Immer erinnert er daran, dass Veränderung meist einen längeren Zwischenstopp im Chaos braucht und dass auch die allerbemühteste staubwedelnde Biederkeit sich nicht gegen den Fluss des Lebens stemmen kann.

Ich wusste nichts von der Vielfältigkeit und der Gewalt des Staubs und davon, dass ich diesen Geruch gar nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Überall schleicht er sich ein an Orte, die ganz bestimmt nicht staubig sein und nicht vernachlässigt und nicht leer. Der Staubgeruch hat sich auch in meine Wohnung  eingeschlichen, in die Kleidung und die Bücher und die Teppiche. Die Vorausahnung künftigen Staubs bringt mich dazu, meine Schrankräume und Bücherregale zu durchforsten und zu entrümpeln, meine Dokumente zu sammeln, die Anzahl der Geschirrstücke zu überdenken. Staub kann erschrecken und inspirieren und eröffnet auch Blicke in die Zukunft, keine besonders angenehmen allerdings. Staub riecht nach der conditio humana.

Auch angenehme Gerüche gab es im August, das viel dezenter als zu früheren Zeiten gechlorte Wasser der städtischen Schwimmbäder, die sonnengetrocknete Wäsche. Hätten Wespen einen für Menschen wahrnehmbaren Geruch, dann wäre dieser allgegenwärtig gewesen im August.

Aber insgesagt hat der Staub alles überlagert, schleichend und unerbittlich und maßlos konsequent.


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Sperrmüll des Lebens

Sperrmüll – Sofas, Fauteuils, Betten,Tische, irgendwie undefinierbare, kleine Möbelstücke, Kisten mit Geschirr, Säcke mit Mist aller Art. Der Lastwagen der MA 48 hat Platz für 10m3 und ein bissl mehr. Wir konnten das „bissl mehr“ noch etwas ausdehnen. Drei stämmige Männer sind mit dem Lastwagen unterwegs und waren sehr großzügig damit noch ein Kastl da und noch einen Müllsack dort einzuladen. Wir waren mit dem Trinkgeld auch großzügig.  Möbel werden durch die Eingangstür getragen, durch Fenster gehievt, über den Garten geschleppt.

Es ist nicht einfach, aber was soll man sonst machen. Das Haus ist noch keineswegs leer, aber es gibt soviel mehr Luft und Raum. Morgen kommt meine Lieblingsfotofreundin, die Architektin und macht eine erste Schätzung. Dann werde ich das Thema erstmal ad acta legen. Montag beginnt das Schuljahr und ich muss meine neuen Wochenstrukturen, die ich noch gar nicht kenne, erstmal ausprobieren bevor ich mich wieder in den Orkan des Ausräumens stürze.


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Aus Bildern geboren – 2

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte? Oft und für viele Menschen ist das so. Was aber ist mit denjenigen, die Bilder in Worte umsetzen möchten? Ein Blick auf Gemälde, Fotos, Alltagsszenen erzählt oft schon lange Geschichten und sicherlich nicht jedem Betrachter dieselben.

Ich habe beschlossen, ein Bild-Erzähl-Projekt zu beginnen. Hauptsächlich für mich selbst, weitere Teilnehmer sind aber gerne willkommen. Wer mitmachen möchte, möge seinen/ihren Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen und zu meinem Posting verlinken damit Interessierte mitlesen können. Die Bilder werden nicht regelmäßig erscheinen, vielleicht oft, vielleicht selten, das kann ich noch nicht sagen. Nur keinen Stress, es soll ja Freude machen.

Welche Texte? Alles ist erlaubt, vom 3-Worte Gedicht bis zum 30 bändigen Roman mit allen Zwischenstufen. Die Texte sind so lange, wie sie eben sind und es können Gedichte, Geschichten, Märchen, Leserbriefe, Essays oder was auch immer sein; Autobiografisches, Miterlebtes, Fiktives …. Einzige Bedingung: der Zusammenhang zwischen Text und Bild muss nachvollziehbar sein.

Nummer 2.

Ich kann gar nicht beurteilen, was das Bild mit jemand anderem macht, ob es überhaupt jemandem irgendetwas sagt. Für mich ist das anders, weil ich ja weiß, wann und wo und unter welchen Begleitumständen ich es aufgenommen habe.

Herbst. Strand in der Nacht. Licht ist mächtig, farbiges Licht mächtiger und manche Schatten leuchten. Überlebensgroß kann man erscheinen, klar abgegrenzt, eindeutig bestimmt und doch ist es der Schatten auf einsinkendem Sand. Die Fläche gibt vor eine Mauer zu sein, der Verurteilte soll dort hingerichtet werden, aber es ist nur unsteter Sand, eine Sinnestäuschung, oranger Sand, später grauer Sand wenn die Touristen nicht mehr hinsehen. Schattenspiele in der Nachsaison. Nach dem Sommertheater mit Lichtschutzfaktor und gefärbtem Zuckerwasser in Plastikflaschen für die Fische.

Leuchtendes Orange, stumpfes Orange, der schwarze Schatten und der schwarze Ozean im Hintergrund. Gleiten durch die Geschichte der Seefahrer und der Tourismusmanager und klick und der Moment ist festgehalten und driftet doch weiter.