la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 28.Februar 2020 – Krematorium

Das ist das Krematorium am Wiener Zentralfriedhof, „Feuerhalle“ genannt, „Krematorium“ ist wohl ein zu stark belastetes Wort. Das Foto ist zwei Jahre alt, von dem Tag an dem mein Vater hier verabschiedet wurde.

Heute wurde hier meine kürzlich verstorbene Kollegin verabschiedet, allerdings mit einer religiösen Zeremonie, womit ich nicht gerechnet hatte, viele andere auch nicht. Aber man geht zu so einer Veranstaltung um sich zu verabschieden und Präsenz zu zeigen und nicht um seine Weltanschauung zu bekunden. Niemand hatte jemals davon gehört, dass die Verstorbene irgendwie religiös gewesen wäre und viele waren sehr befremdet einen Priester auftauchen zu sehen. Das wird wohl ein Wunsch der Familie gewesen sein. Ich fand es sehr schade, dass niemand aus der Familie, dem Freundeskreis oder der Kollegenschaft ein paar Worte gesprochen hat. Ob das innerhalb einer religiösen Zeremonie nicht möglich oder nicht üblich ist, weiß ich nicht.  Es war dann wohl für den Priester auch etwas schwierig, weil weit über die Hälfte der Anwesenden sich nicht bekreuzigten und die Gebete nicht mitsprachen. Es herrschte also eine etwas seltsame Atmosphäre, als wären zwei Welten ohne Vorbereitung aufeinander getroffen. Der Saal war voll, es waren auch viele Schüler*innen da. Viel wurde geweint und viel umarmt. Innerhalb eines halben Jahres ist es die zweite Kollegin, die eine Krebserkrankung nicht überlebt hat.

Auf dem Heimweg wurden Anekdoten erzählt. So finde ich es richtig, Trauer, Verabschiedung, der Horror vor der eigenen Sterblichkeit mit der man angesichts des Todes unausweichlich konfrontiert wird und dann wieder zurück ins Leben.


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Samstag 15. Februar 2020

Das Haus ist verkauft und an die Käufer übergeben, wir haben jedes kleinste Detail besprochen, sämtliche bürokratischen Formalitäten erledigt, bis zum Fragebogen über Geldwäsche und Finanzierung von Terroraktivitäten. Gerade, dass da nicht drinsteht „Welche Terrorgruppe gedenken Sie zu finanzieren ? Mehrfachnennungen möglich“ Der Kaufpreis liegt auf einem Treuhandkonto der Anwaltskanzlei und wird uns ausbezahlt sobald die Käufer im Grundbuch stehen. Soweit alles in Ordnung.

Ich habe in diesem Haus nie gelebt, gerade ein paarmal übernachtet und dachte es würde eine recht unemotionale Angelegenheit werden, im Vergleich zum Ausräumen des Hauses. Naja, man kann sich täuschen, meine Nerven sind leicht eingekringelt. Daher begebe ich mich jetzt ins Bett mit einem recht spannenden Buch über die Beziehung von Cicero und Caesar und morgen sieht die Welt wieder anders aus.

Emotionen muss man ein bisschen toben lassen und sie weder eindämmen noch befeuern, keine Entscheidungen treffen und mit niemandem Streit anfangen, dann kann man solche Phasen gut durchqueren.


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Dienstag 28.1.20 – Tod

Wir hatten heute Notenkonferenz und schon von weitem war die schwarze Fahne am Schuleingang nicht zu übersehen. Die Kollegin mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs ist heute in der Früh gestorben. Knapp drei Monate nach der Diagnose. Die dritte Extrem-Chemo wurde abgebrochen, weil sie überhaupt keine Kraft mehr hatte und wahrscheinlich sollte sie in Ruhe sterben können. Mehr wissen wir nicht, weil sie schon seit einer Woche auf Nachrichten nicht mehr geantwortet hat. Mehr gibt es auch nicht zu wissen, die conditio humana liegt jenseits der Kommentare. Sie war eine überdurchschnittlich freundliche und wohlwollende Frau …

Eine Schweigeminute von 150 Menschen …


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Sonntag 13.10.19

Gerade von einem Krankenhausbesuch gekommen und heilfroh, dass ich nicht selbst dort einquartiert bin und wieder hinaus konnte, kam mir jeder kleine Ansatz zur Erheiterung sehr gelegen.

Dabei war es ein modernes, patientengerecht ausgestattetes Krankenhaus mit freundlicher Belegschaft. Trotzdem, wenn es irgend geht, umschiffe ich Krankenhäuser großflächig. Schließlich habe ich in den letzten achtzehn Monaten zwei große OPs gut überstanden und das würde für die nächsten Jahre vollkommen ausreichen, eigentlich – wenn ich es genau bedenke – für den Rest dieses Lebens.

Einer der naiv-arroganten Sprüche von Karl Lagerfeld fällt mir dazu ein. „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Als hätte ein Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich die Kontrolle über sein Leben, in welcher Kleidung auch immer.


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#inktober19 #13 – ashes

 

Das Thema „ashes“ fand ich heute gerade traurig und hatte gar keine Lust dazu irgendetwas zu zeichnen. Dann kam mir ganz unvermutet dieser abgesägte Stamm mit den schönen Jahresringen vor die Kamera. Es geht hier also nicht um Asche, wohl aber um Geschichte, Erinnerung und Vergänglichkeit.