la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Menschenfresser

… lautet der Titel eines Artikels über Hans Fallada. Ein Schriftsteller von dem ich gerade einmal irgendwann den Namen gehört hatte. Offenbar kein besonders bewundernswerter Mensch:

„Falladas Lebenslauf ist auch eine Geschichte über Feigheit, Eigennutz, Mitläufertum. Sein Landgut Carwitz war an Feiertagen mit Hakenkreuz-Bannern beflaggt, seine Geschäftskorrespondenz  zeichnete er mit „Heil Hitler“. Als Sonderführer des Reichsarbeitsdienstes beschwor Fallada 1943 auf seinen drei Reisen durch Frankreich seine Briefpartner: „Glauben Sie mir: wir verteidigen wirklich die Kultur der Welt gegen die Unkultur, gegen das Chaos.“

Der Autor selbst verstand sich zeitlebens als unpolitisch.

Der Titel des Artikels „Menschenfresser“ stammt aus einer Passage aus Falladas Gefängnistagebuch „In meinem fremden Land“

„Ich habe all mein Lebtag Menschen gefressen, ich habe sie mit ihren Bewegungen, Redensarten, Gefühlen in meinem Hirn notiert. (…) Nichts hat mich je so interessiert wie die Erkenntnis, warum Menschen so handeln wie sie handeln“

Eigentlich hat mich an dem Artikel aber die Einleitung interessiert, genauer gesagt ein Satz:

„Wolfgang Paterno über den deutschen Bestsellerautor, der eisern der größte Feind seines eigenen Lebens war“

Wie ist man der größte Feind seines eigenen Lebens ? Wie wäre man dessen größter Freund oder Freundin ? Wie sehen da die Übergangsschritte aus ? Liegt es in der  Natur, im Charakter, in der Lebensweise eines Menschen sein größter Feind zu sein ? Kann man die Freundlichkeit zu sich selbst lernen ?

Fragen, die auch angesichts der weltpolitischen Lage nicht bedeutungslos sind ……

Zitiert aus:

Profil 4 – 23. Jänner 2017 ; Wolfgang Paterno „Menschenfresser“

 


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2. Station der literarischen Weltreise

Die zweite Station liegt ungefähr 6700 km südwestlich von Österreich: Nigeria.

Ein Land mit ungefähr 140 Millionen Einwohner, die sich in den letzen 10 Jahren praktisch verdoppelt haben mit einer Lebenserwartung von 51,3 Jahren bei den Männern und 51,7 Jahre bei den Frauen. 70 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

Im ganzen Land werden von zahlreichen Volksgruppen und – grüppchen 514 verschiedene Sprachen gesprochen. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung sind Muslime, die andere Hälfte Christen oder Anhänger diverser afrikanischer Religionen.

Die in Brasilien und der Karibik praktizierten Voodoo-Kulte stammen aus dieser Region Westafrikas.

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Die Autorin des Buchs, das ich gelesen habe, stammt aus Nigeria, lebt aber in New York. Die Geschichten von Chimamanda Ngozi Adichie spielen in der nigerianischen Community in New York und auch in England, nicht aber in Nigeria. Das heißt, dass ich dieses Land nochmals literarisch bereisen werde. Vage sehe ich da ein Buch vor mir, das ich irgendwann gekauft, aber nie gelesen habe …..

„Mehr Feminismus. Ein Manifest und vier Stories“ heißt das Buch. Deswegen habe ich es gekauft. Ich fand es interessant zu erfahren, wie Feminismus in einem afrikanischen Land mit islamischer Mehrheit aussieht. Nun, das Manifest ist wahrscheinlich ein bisschen auf nigerianische Verhältnisse zugeschnitten, aber im Wesentlichen steht da nichts anderes drin als in jedem anderen Text, der sich mit Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Stellung der Frau befasst.

„Was wäre, wenn wir uns bei der Erziehung unserer Kinder auf Fähigkeiten konzentrierten statt auf Geschlecht ? Was wäre, wenn wir uns auf Interessen konzentrierten statt auf Geschlecht“

„Manche werden sagen, dass Frauen den Männern untergeben sind, weil unsere Kultur es so will. Doch Kultur unterliegt einem ständigen Wandel.Ich habe wunderhübsche fünfzehnjährige  Zwillingsnichten. Wären sie vor hundert Jahren geboren, wären sie der Mutter weggenommen und getötet worden, weil in der Kultur der Igbo Zwillinge vor hundert Jahren als schlechtes Omen galten. Heute ist dies Praxis allen Igbo unvorstellbar.“

Es plätschert so dahin zwischen Selbstdarstellung der Autorin und ziemlichen Banalitäten. Gerne würde ich auch schreiben, dass es da um Themen geht, die in Europa längst gelöst und nicht mehr aktuell sind. Das ist aber leider auch nicht wahr…

Was nun die „vier Stories“ betrifft, so finde ich sie nicht besonders gut. Die Hauptfiguren sind wandelnde Klischees, die Geschichten keine Geschichten sondern Illustrationen der Themen aus dem Manifest. So steht da zum Beispiel als Schlusssatz einer der Geschichten:

„Mich zu bemühen, mein wahres, mein menschlichstes Selbst zu sein, aber mich nicht zu verbiegen, nur damit die Welt mir Beifall spendet“

Trotzdem habe ich das Buch ganz interessant gefunden, weil es den Kulturcrash zwischen den nigerianischen Einwanderern und sonstigen Amerikanern beschreibt, wenn auch nicht in besonderer inhaltlicher und/oder literarischer Qualität

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Was Kalender betrifft bin ich für 2017 schon hervorragend aufgestellt

Ich besitze zwei Foto-Kalender mit einfühlsamen Fotos von Herrn Ärmel. Einen Pflanzen-Kalender mit wunderschönen, verblüffenden Makros. Herr Ärmel ist eindeutig ein Blumenversteher! Und einen Wasser-Kalender, bei dem mir die Farben und die verschiedenen Strukturen des Wassers besonders gut gefallen.

Außerdem habe ich mir auf Anregung von Ulrike Sokul einen Arche-Literaturkalender gekauft. Auch dieser sieht sehr vielversprechend aus: Zitate von verschiedensten Seiten zum Thema Nähe und Ferne.

Ach ja, die Herstellung von für mich zufriedenstellenden Verhältnissen in Bezug auf Nähe und Ferne gehört unbedingt zu den Leitmotiven meines Lebens …

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Daggi 27 – Der alte König in seinem Exil

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ARNO GEIGER

Der alte König in seinem Exil

Carl Hanser Verlag  2011

Aufgabe 49: ein Buch, das dir geschenkt wurde

Man könnte es als Alzheimer-Geschichte beschreiben. Das würde aber diesem Text nicht gerecht werden. Es geht wohl um die Geschichte eines Menschen mit Alzheimer, aber diese Geschichte wird von seinem Sohn entdeckt, gefühlt, reflektiert und niedergeschrieben.

Trauer, Mitleid, Bedauern, Ängste spielen wohl eine Rolle, aber im Mittelpunkt steht der Mensch, dem der Autor mit Liebe, Respekt und Interesse gegenübersteht. Das Buch ist streckenweise sogar komisch. Wobei das Lachen nie den Menschen herabsetzt sondern nur die Komik der Situation würdigt.

„Meine Befürchtungen, dass der gute Teil vorbei sei, hatten sich oft genug als ungerechtfertigt erwiesem, meine Vorhersagen waren selten eingetroffen. Da täuschest du dich sehr, hätte der Vater wiederholt sagen müssen. In seiner besonnenen Art. Deshalb schaue ich jetzt nicht mehr so ängstlich in die Zukunft wie am Anfang. Ich sehe das alles nicht mehr so düster.

In gefasster Erwartung

Ich wollte mir mit diesem Buch Zeit lassen, ich habe sechs Jahre darauf gespart. Gleichzeitig hatte ich gehofft, es schreiben zu können bevor der Vater stirbt. Ich wollte nicht nach seinem Tod von ihm erzählen. Ich wollte über einen Lebenden schreiben, ich fand, dass der Vater, wie jeder Mensch, ein Schicksal verdient, das offenbleibt.

Zum Zeitpunkt, da ich diese Sätze schreibe, bin ich fast genau halb so alt wie er. Es hat lange gedauert, hierher zu kommen. Es hat lange gedauert, etwas herauszufinden über die grundlegenden Dinge, die uns getrieben haben, die Menschen zu werden, die wir sind.

„Früher war ich ein kräftiger Bursche“ sagt der Vater zu Katharina und mir „nicht solche Geißlein wie ihr“

Es heißt: Wer lange genug wartet, kann König werden. “

ARNO GEIGER

 

 


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Kreislauf – das Mondgrasprojekt 28

Kreislauf

Ebbe und Flut, Anziehen und Loslassen, Leben und Tod …… Die Natur und mit ihr die menschliche Existenz verläuft in Zyklen oder vielmehr in Spiralen, denn der Kreislauf des Lebendigen endet nicht genau dort wo er begonnen hat. Ein Zyklus im Kreislauf eines lebenden Organismus endet immer ein Stück näher an seinem biologischen Ende, am Tod.

Scheinbar anders verhält es sich mit den Zyklen der Natur, die verglichen mit der Dauer eines Menschenlebens unendlich sind. Aber eben nur im Vergleich. Aus kosmischer Perspektive ist alles vergänglich.

img_6758Eines meiner Lieblingsgedichte. Doch, doch, ich mag auch klassische Dichtung 🙂 Schon als junges Mädel haben mich diese Worte sehr beeindruckt, auch wenn der Tod damals nichts als ein Gerücht war. Heute kann ich diese Worte und Gedanken ganz anders nachvollziehen.

Victor Hugo

5 août 1854, anniversaire de mon arrivée à Jersey.

PAROLES SUR LA DUNE

Maintenant que mon temps décroît comme un flambeau,
Que mes tâches sont terminées ;
Maintenant que voici que je touche au tombeau
Par les deuils et par les années,

Et qu’au fond de ce ciel que mon essor rêva,
Je vois fuir, vers l’ombre entraînées,
Comme le tourbillon du passé qui s’en va,
Tant de belles heures sonnées ;

Maintenant que je dis : — Un jour, nous triomphons ;
Le lendemain, tout est mensonge ! —
Je suis triste, et je marche au bord des flots profonds,
Courbé comme celui qui songe.

Je regarde, au-dessus du mont et du vallon,
Et des mers sans fin remuées,
S’envoler, sous le bec du vautour aquilon,
Toute la toison des nuées ;

J’entends le vent dans l’air, la mer sur le récif,
L’homme liant la gerbe mûre ;
J’écoute, et je confronte en mon esprit pensif
Ce qui parle à ce qui murmure ;

Et je reste parfois couché sans me lever
Sur l’herbe rare de la dune,
Jusqu’à l’heure où l’on voit apparaître et rêver
Les yeux sinistres de la lune.

Elle monte, elle jette un long rayon dormant
À l’espace, au mystère, au gouffre ;
Et nous nous regardons tous les deux fixement,
Elle qui brille et moi qui souffre.

Où donc s’en sont allés mes jours évanouis ?
Est-il quelqu’un qui me connaisse ?
Ai-je encor quelque chose en mes yeux éblouis,
De la clarté de ma jeunesse ?

Tout s’est-il envolé ? Je suis seul, je suis las ;
J’appelle sans qu’on me réponde ;
Ô vents ! ô flots ! ne suis-je aussi qu’un souffle, hélas !
Hélas ! ne suis-je aussi qu’une onde ?

Ne verrai-je plus rien de tout ce que j’aimais ?
Au dedans de moi le soir tombe.
Ô terre, dont la brume efface les sommets,
Suis-je le spectre, et toi la tombe ?

Ai-je donc vidé tout, vie, amour, joie, espoir ?
J’attends, je demande, j’implore ;
Je penche tour à tour mes urnes pour avoir
De chacune une goutte encore !

Comme le souvenir est voisin du remord !
Comme à pleurer tout nous ramène !
Et que je te sens froide en te touchant, ô mort,
Noir verrou de la porte humaine !

Et je pense, écoutant gémir le vent amer,
Et l’onde aux plis infranchissables ;
L’été rit, et l’on voit sur le bord de la mer
Fleurir le chardon bleu des sables.


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LEKTÜRE 1

Ferien sind für mich auch Lesezeit. Ich lese immer, aber je nach Verfügbarkeit von Zeit und Nerven ändern sich einerseits der Lesestoff und andererseits die Geschwindigkeit mit der ich ein Buch verputze. Dies ist mein erstes Ferienbuch:

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Eric-Emmanuel Schmitt ist auch der Autor von „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, einer großartigen Erzählung , die auch sehr gut verfilmt wurde. Google teilt mir mit, dass dieser Autor auch einen Text mit dem Titel „Milarepa“ geschrieben hat, was zeigt, dass er sich offenbar für verschiedenste Kulturen interessiert.

Ich hatte einen kleinen Zweifel an der Sachkenntnis des Autors über den Umgang mit Schleppern, die Bedingungen unter denen eine solche „Reise“ stattfindet, die Lebenswelten von Flüchtlingen. Aber jemandem, der einen so empathischen aber in keiner Weise rührseligen Text wie den „Monsieur Ibrahim“ schreiben kann, traue ich die Recherchen und das Sich-in-den-Erzähler-hineinversetzen, die für so einen Roman nötig sind jederzeit zu.

Auch an „Odysseus aus Bagdad“ hat mir das absolute Eintauchen in die Welt des Ich-Erzählers gefallen. Es wird ausschließlich aus einer Perspektive erzählt. In diesem Fall aus jener eines jungen Irakers, der über verschiedene Etappen nach England kommt. Es wird weder politisiert noch moralisiert, sondern nur erzählt. Obwohl es im Leben dieses Odysseus nicht wirklich viel zu lachen gibt, gibt es auch witzige Passagen, die durch eine erzähltechnisch ziemlich geniale Person, den Vater des Erzählers entstehen. Dieser Vater, der zunächst als Lebender später als eine Art Geist in Erscheinung tritt, gibt der Geschichte streckenweise auch eine durchaus spirituelle Dimension.

Schweres Thema, gut verdaulich, sehr informativ und humorvoll geschrieben. Einem solchen Thema auch Humor entlocken zu können, zeigt die hohe Kunst des Schreibens.


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PROJEKT 52 BÜCHER – Woche 41

PROJEKT: 52 BÜCHER – WOCHE 41

Da findet es statt

Thema: Es war einmal

Es war einmal ein Autor, der aus großem Engagement heraus wunderschöne Sprachbilder malte, der seine Geschichten über Menschen und Orte schrieb, die er kannte, der in oft poetischen Worten eindeutig Stellung nahm. Ein Autor, der auch Philosoph ist und obendrein Psychiater, der seine Heimat liebt und dennoch unter dem harten Licht der Wahrheit beschreibt. Tahar ben Jelloun, französisch schreibender Marrokaner, der in Europa bekannteste und am meisten gelobte Autor aus dem Maghreb.

Verschlungen habe ich seine Romane aus den 1980 und 1990er Jahren und vor ein paar Tagen hat mich sein neuestes Werk in einer Übersetzung ins Deutsche angelacht. Aber irgendwie bin ich damit noch nicht warm geworden. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nie etwas von ihm in deutscher Übersetzung gelesen habe.. Gerade habe ich noch ein paar Seiten gelesen, ich glaube, es wird doch noch, langsam erkenne ich ihn wieder in diesem Jahrzehnte später geschriebenen Buch, in der falschen Sprache ……

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