la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Transparente Wasserläufer im Gegenlicht

Wir haben uns doch noch entschlossen einen kleinen Vorosterurlaub auf dem Land zu machen und haben es ganz und gar nicht bereut. Osterverkehr klingt für mich nach ziemlichem Verkehrschaos, aber wir sind antizyklisch gefahren, von Mittwoch bis Samstag und es gab nicht einen gefährlichen Moment. Einen Unfall allerdings  haben wir gesehen, beim Vorbeifahren, zum Glück hat es nicht sehr schlimm ausgesehen; ansonsten war der Verkehr völlig problemlos.

Im Waldviertel, dem nördlichsten Teil Österreichs kann man wunderbar entschleunigen. Sanfte Hügel, Felder in verschiedenen Braun- und Grünschattierungen, dazwischen sonnengelber Raps. Zahllose kleine Teiche und Bäche. Kühl ist es im „mystischen Waldviertel“, kühl und feucht und entspannend. Das Hotel war aber gut geheizt und die waldviertler Mohngerichte waren erstklassig; Karpfen (aus dem Teich hinter dem Hotel) in Mohnpanier, Mohnzelten, Mohnparfait …… köstlich.

Wir sind in einem ungewöhnlichen Hotel am Ende der Welt abgestiegen. Früher eine Mühle, heute ein Hotel direkt am Bach mit einem privaten kleinen Wasserkraftwerk und Zäunen mit Sonnenpaneelen. Für die Esoteriker eine Pyramide im Garten, riesige Gartenflächen mit 170 verschiedenen Obstbäumen, darunter sehr alte Sorten. Im Restaurant gab es neben erstklassiger Küche, uralte Möbel, riesige Lüster und eine sehr eigenwillige Sammlung von Bildern an der Wand: von kitschigen Acryl-Blümchen bis zu Ikonen. Das ganze wirkte ein bisschen wie Robinson Crusoes Insel in dritter Generation, exzentrisch, aber sehr komfortabel.

Wir haben auch vieles gesehen; von Burgen und Schlössern über Wackelsteine bis zur Moorforschungsanlage; schlechte Kunst, nachdenkliche Installationen und Mohn, Mohn, Mohn …

Jedenfalls sind meine Nerven gestählt für die Ergebnisse des baldigen Erdogan-Referendums.


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5. Station der Literaturweltreise

Ahoi Yvonne. Ich bin also auf einem Schiff von Colombo in Sri Lanka durch den indischen Ozean, den Suez Kanal und das Mittelmeer nach England gefahren. Das Ticket wurde von der Stadt Wien bezahlt, die jedes Jahr ein Gratisbuch verteilt. Bis jetzt waren das immer interessante Texte von interessanten Autoren. So auch dieser

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Michael Ondaatje

„Katzentisch“

englische Originalausgabe 2001

Das bekannteste Buch des Autors ist „Der englische Patient“. Ein Buch, das auch sehr eindrucksvoll verfilmt wurde.

In dieser Ausgabe der Stadt Wien steht am Ende des Textes auch ein längeres Interview mit dem Autor, in welchem unter anderen der Frage nachgegangen wird, inwieweit es sich um ein autobiografisches Werk handelt. Michael Ondaatje ist tatsächlich als 11-jähriges Kind mit einem Schiff von Colombo nach London gefahren.

Als mich meine Kinder später nach der Reise fragten, waren sie schockiert, weil ich so wenig wusste und weil ich als Elfjähriger  völlig auf mich allein gestellt reisen musste. Und ich war dann auch schockiert, dass ich so wenig Erinnerung an diese 21 Tage hatte. Welche Geschichten habe ich da verpasst ? Also habe ich viel erfunden, aber emotional muss da irgend etwas in das Buch geflossen sein. Da ist die Angst verloren zu sein – so wie sich eben jedes Kind in dieser Situation fühlen würde.

Wir reisen also auf einem Schiff mit einer Menge interessanter, ungewöhnlicher und auch exzentrischer Passagiere, von denen sich einige täglich am „Katzentisch“ des Schiffspeisesaals treffen. Eine Cousine des Autors reist auch auf demselben Schiff, ebenfalls mit dem Ziel in England eine Schule zu besuchen. Sie ist aber in der 1.Klasse unterwegs, ebenso wie die Dame, die ihn ein bisschen im Auge behalten soll.

Die Geschichte ist aus der Perspektive des Elfjährigen erzählt, der gemeinsam mit zwei Freunden das Schiff unsicher macht. Sie treffen sich in einem Rettungsboot, verputzen die dort gelagerten Vorräte und hören und sehen aus der Deckung heraus so manches, was Kindern ihres Alters nicht bekommt.

Die vielfältigen Figuren bekommen im Laufe der Reise immer schärfere Konturen und mehr Tiefe. Im letzten Teil des Textes ist der Ich-Erzähler ein mittelalterlicher Erwachsener, dem es durch Begegnungen mit den damaligen Mitreisenden gelingt, so manche Dinge, die er als Kind nicht verstanden hatte zu entwirren. Er kreuzt auch wieder die Wege seiner beiden Freunde

Jemand hat mich einmal gefragt, welche Figur ich bin, und ich habe geantwortet:alle

Sehr gefallen hat mir die Szene in der das Schiff in der Nacht durch den Suezkanal fährt.

Bündel wurden auf das Vordeck geschleudert. Ein Tau war an der Reling befestigt worden damit ein Matrose sich zum vorbeigleitenden Land abseilen konnte, um dort die Zollunterlagen abzuzeichnen (…) Ich hätte nicht zu sagen gewusst, ob all das, was sich abspielte, ordentlich und legal oder blindwütig kriminelles Treiben war, denn nur wenige Offiziere überwachten das Tun, an Deck war kein Licht, und alles geschah heimlich. Es gab nur die beleuchteten Fenster auf der Brücke mit den reglosen drei Silhouetten, als leiteten Marionetten das Schiff und befolgten die Anweisungen des Hafenlotsen.

Wenn auch die Schiffsreise aus der Perspektive des Elfjährigen erzählt wird, so werden den Lesern doch auch immer wieder darüber hinausgehende Perspektiven angeboten

Es gibt immer eine Geschichte, die einen erwartet. Noch kaum ausgeformt. Erst allmählich macht man sich mit ihr vertraut und gibt ihr Nahrung. Man entdeckt den Panzer, der den eigenen Charakter bergen und härten wird. Auf diese Weise findet man seinen Lebensweg

Viel könnte ich erzählen über die Figuren, die das Schiff bevölkern, aber so lang soll es nicht werden. Eine Stelle habe ich witzig gefunden, in der das Kind aus Sri Lanka im kühlen englischen Klima ankommt und erzählt, dass er Socken anziehen musste, die seine „Schuhe verstopften“

Insgesamt ein sehr vielschichtiges Buch mit interessanten Charakteren. Vom Leben einiger Personen, Jahrzehnte nach der Schiffsreise, erfahren wir noch eine Menge Details, die die Geschichten zwar nicht abrunden, aber immerhin ein paar Jahre weiterführen.


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Goldenes Wasser in der Nacht

Es ist ein halbes Jahr her, dass ich am Atlantik war und ich habe schon so eine Sehnsucht nach meinem Lieblingsmeer …… Aber ich bleibe hart, was ich mir gar nicht zugetraut hätte, zuerst die Badrenovierung. Sie schreitet voran, aber ich glaube nicht, dass bis Ostern alles fertig sein wird. Ach, zu Ostern will ich ohnehin nicht verreisen, da ist ja halb Europa unterwegs, da muss ich nicht dabei sein, die überfüllten Flughäfen, die engen Flugzeuge, das grausliche Essen …… und der Atlantik *seufz*img_6981 img_6984 img_6990


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Haus an Haus

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Thema: Haus an Haus

Ich wohne in der Stadt und somit ist „Haus an Haus“ für mich der Normalzustand meiner unmittelbaren Umgebung. Bin ich unterwegs in anderen Städten nehme ich sie aber ganz anders wahr.

Zum Beispiel als ich dieses Foto machte, in einem Außenbezirk von Dublin war ich mir der Linien sehr bewusst, die durch Häuserreihen entstehen: parallele Linien, Linien, die einander kreuzen, georgianische Linien, die Halbkreise bilden, Linien deren kulturelle Codes man als Außenstehende nicht immer versteht. Aber Linien, ein Netzwerk von Linien, die nicht wie auf dem Land unterbrochen werden.

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Bei einer Gewitterstimmung wie hier, bemerkt man auch, dass die Häuserzeilen zwischen Himmel und Erde stehen, Himmel und Erde verbinden oder trennen, wie es sich im Moment gerade darbietet. So eine Häuserzeile, eine Straße, eine Allee, eine Gasse sind mehr als eine Aneinanderreihung von Häusern. Sie legen Zeugnis ab für die menschliche Leistung der Gestaltung. Natürlich gehört eine dubliner Vorortestraße nicht in die gleiche Kategorie wie die chinesische Mauer, das Taj Mahal oder die Kathedrale von Chartres, dennoch ist auch sie eine von Menschen erdachte und erbaute Gliederung des Raums, die bis zu einem gewissen Grad beispielsweise einem Gewitter, wie es sich hier ankündigt, trotzen kann.

In bewegten Zeiten wie den unseren muss man auf grundlegende menschliche Leistungen zurückgreifen um so richtig stolz auf die Menschheit sein zu können. Ich weiß, ich weiß, auch ein Insektenbau, ein Maulwurfslabyrinth …….