la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Samstag 1. Februar 2020

Eigentlich gefällt es mir viel besser, wenn Monate ausgeschrieben werden. Zahlen gibt es ohnehin genug.

Erstaunlicherweise war ich noch nie in München obwohl es nur knappe vier Stunden mit dem Zug sind, die allerdings mehr kosten als ein Flug. Man merkt noch nicht wirklich etwas von der grünen Handschrift in der Regierung. Ist nach gerade ein paar Wochen auch viel verlangt. Wir probieren das Hapimag-Ressort in München aus, auf das ich sehr neugierig bin. Nachdem ich die Übertragung der Aktie von einer Freundin auf mich schon unterschrieben hatte und alles in Arbeit ist, habe ich einiges Negatives über Hapimag gelesen. Es waren aber Dinge, die ich eher absurd fand und über alles und jedes kann man schließlich negative Aussagen im Netz finden. Unsere fact-finding-mission wird es zeigen. Und wie auch immer, gehört mir die Aktie jetzt schon.

Die Freundin ist schon voraus gefahren und berichtet, dass dies das abgewohnteste Ressort ist, in dem sie je gewohnt hat, die  angekündigte Renovierung des Hauses noch im Gang ist und sie eines von den noch-nicht-renovierten Appartments bekommen haben. Ist also Glückssache. Wobei es mir nicht so rasend wichtig ist, wie neu die Möbel sind. Neue Badezimmer mag ich allerdings sehr gerne.

Aber auch falls wir das allerschäbigste Appartment des Hauses bekommen, so ist diese Schäbigkeit doch sehr relativ verglichen mit einem schlechten Hotel.


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Sonntag 27.10.19 –

Eine erstaunliche und aus meiner Sicht sehr positive Begegnung hatte ich heute. Eine meiner Kolleginnen ist vor Jahren zum Islam übergetreten und trug seitdem immer bodenlange Röcke und ein Kopftuch. Nicht eines von der Sorte wie sie türkische Mädchen und Frauen tragen sondern eine gemäßigte Variante, im Nacken gebunden. Nun war ich heute beim Kieser-Training, jemand rief mich beim Namen, ich erkannte sie zuerst gar nicht, denn sie trug kein Kopftuch und keinen langen Rock sondern Sportbekleidung wie alle anderen Anwesenden. Wir plauderten eine Weile. Fast bin ich ja zersprungen vor Neugierde, habe es aber geschafft, sie nicht zu fragen, ob sie das Kopftuch generell an den Nagel gehängt hätte. Sie ging dann vor mir und ich sah ihre Straßenkleidung: eine völlig „normale“ Hose und eine ziemlich schicke Jacke.

Die Begegnung hat mich sehr gefreut. Einerseits weil ich die Kollegin gerne mag und wir vor ihrer „Islamisierung“ einen sehr guten Kontakt hatten, der dann irgendwie abgerissen ist und sich vielleicht wieder herstellen lässt. Und andererseits, weil sie offenbar entweder ihre Überzeugungen neu durchdacht und verändert hat oder aber flexibel damit umgehen kann. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Ärmelloses, Westen und Regenjacke, Sandalen und wasserfeste Schuhe. Um diese Jahreszeit kann das Wetter an der Atlantikküste alles werden, vom Spätsommer bis zur Regenzeit.


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Gehört Reisen zum Alltag ?

Ullis Alltagsprojekt #10

Vielmehr muss die Frage lauten „gehört Reisen zu meinem Alltag?“ Ich bin mein ganzes Leben lang gerne gereist, an verschiedene Orte, auf sehr verschiedene Arten je nach Finanz- und Interessenlage. Reisen bildet, macht selbstständig, fördert das Verständnis für andere Kulturen und und…. Durch die Mobilitätsprobleme mit der kaputten Hüfte konnte ich eine Zeit lang nicht reisen, was mir sehr gefehlt hat, aber seit März bin ich immer wieder unterwegs und die letzte Reise ging nach Norddeutschland, nach Hamburg. Man sollte meinen, dass ein Nachbarland, noch dazu ein Nachbarland mit (fast) der gleichen Sprache bekanntes Gebiet ist. Bei mir ist das nicht so. Obwohl ich ziemlich viel in der Welt herumgekommen bin, ist Deutschland bis jetzt auf meiner Landkarte ziemlich weiß geblieben.

Nun habe ich ja schon immer vermutet, dass Christiane eine liebe und kluge Person ist und war nicht besonders überrascht, diese Annahme vollinhaltlich bestätigt zu finden. Dank ihrer Informationen und Begleitung habe ich sehr viel mehr gesehen und erlebt als das sonst der Fall gewesen wäre.

Ich liebe Wasser in jeder Form und daher erschien mir Hamburg immer sehr attraktiv. Dass es aber eine soooo tolle Stadt ist …  Wir waren nicht nur in Hamburg und um Hamburg herum unterwegs sondern auch an mehreren Orten der Nordseeküste. Die paar Tage waren sehr, sehr dicht und vielfältig  mit vielen, vielen Eindrücken aller Art. Die Stadt selbst mit ihren Menschen, Gebäuden, Museen, Gewässern, die Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten zwischen Deutschland und Österreich, das Wattenmeer und die Nordseeküste. Die Verarbeitung so vieler Eindrücke wird eine Weile dauern.

                Vielen Dank, liebe Christiane, dass du dir so viel Zeit genommen hast !

Ich war natürlich auch allein unterwegs und habe mich bei den Schiffstouren, die ich mitgemacht habe notgedrungen im Massentourismusstrom bewegt. Der Hafen, die Kanäle, die Alster haben mir aber so gut gefallen, dass ich die manchmal schwer erträglichen  diversen Führer gut weggesteckt habe. Gerne wäre ich auch ein paar Tage mehr geblieben, das ging aber nicht wegen des Hotelzimmers und  im Grunde hat es so gut gepasst, denn meine Eindrucksspeicher sind ganz voll.

Hamburg gehört sicher zu den Orten, an die ich sehr gerne immer wieder fahren werde.

 

 


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Etüdensommerpausenintermezzo #3

Christiane hat immer gute Ideen, so auch diese mit dem Hervorkramen einer oder mehrerer Lieblings-ABC-Etüden. Ich habe in meinen Etüdentexten gewühlt und festgestellt, dass ich mich an viele selbst kaum erinnern kann und so werde ich hier mehrere Lieblingsetüden wieder ans Licht bringen. Hier das Produkt eines späten Abends nach einem über 12-Stunden Arbeitstag

Auf einem Kreuzfahrtschiff treffen sich die Welten, ziehen sich an, stoßen sich ab, treiben wieder auseinander oder vermischen sich für kürzere oder längere Zeit.

Die Primaballerina

an Bord mit ihrem Diener

Ferse  Spitze, Ferse  Spitze

hüpf, hüpf, hüpf

Röckchen schwing und Röckchen lüpf

hüpf, hüpf, hüpf

 

Der Geheimrat mit Gattin

Sie machte äußerst matt ihn

Er: klonk wisch klonk wisch klonk wisch es johlt der Fisch

Sie: stelz, stöckel, schwank, klimper, klimper, wank

 

Gemeingefährlich die zum ersten Mal engagierten Capoeira-Tänzer. Der Primaballerina gefallen sie sehr, vor allem der eine, auch die Geheimratsgattin ist angetan, der Geheimrat selbst weniger.

Die dienstbaren Geister haben auf so einem großen Schiff nichts zu lachen aber viel zu tun.

 

Putz, putz, die Kabinen

Es lauern Trichinen

Rühr, rühr um im Topf

Tu ins Häubchen rein den Zopf

Flatter flatter über Deck

Und vernichte dort den Dreck.

 

Schüttel, schüttel, rühr

Alkohols Geflirr, Eiswürfels Geklirr

 

Das Barpersonal ist besonders gefordert, von den Arbeitszeiten und von den
Gästen her. Manche saufen sich durch die ganze Kreuzfahrt.

Torkel, Umfall, Kotz, Abschlepp, möglichst diskret. Es gilt ja auch Rücksicht zu nehmen auf die Romantischen.

Küsse im Mondlicht, Sex nächtens im Pool, Titaniczitate auswendig lernen und nur ein wesentliches Wort vergessen. Kuscheln im Liegestuhl, „Exodus“ lesen, war ja auch eine Kreuzfahrt, oder „das Narrenschiff“ das passt ganz gut.

Als Kreuzfahrt-Gigolo muss man schnell taxieren, sofort zuschlagen, die Besitzansprüche klar machen, schließlich weiß man nicht, wer im nächsten Hafen an Bord kommen wird und die Halbwertszeit mancher Charme-Offensiven ist kurz ganz im Gegensatz zu der Wut der übervorteilten Damen. Es gibt auch Ausnahmen: der Primaballerina zum Beispiel ist der Gigolo-Vorstoß nur eine hochgezogene Augenbraue wert, sie steht auf den Capoeira-Tänzer, der seinerseits die Geheimratsgattin in Erwägung zieht. Beamtentum ist finanziell solide.

Und das Schiff fährt aus dem Hafen, blubb, glugg, blubb, glugg

genau 300 Wörter


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Donnerstag 18.7. 19 – Schuhe um doch nicht allzu weit zu gehen

Schuhe, die man auf eine Reise mitnehmen möchte, muss man eingehen. Egal, ob es eine Bergwanderung werden soll, ein Strandaufenthalt oder eine Besichtigungstour, auf jeden Fall müssen die Schuhe erprobt sein. Drückende Schuhe sind eine schwere Belastung für die gute Laune, vor allem wenn man den ganzen Tag lang keine Gelegenheit hat, andere anzuziehen. Meine Idealvorstellung sind Schuhe auf denen man geht wie auf Wolken. So etwas gibt es ja durchaus und in den letzten Jahren durchaus auch in einer Optik bei der man sich nicht zwischen „bequem aber richtig scheußlich“ und „zwar nicht so bequem, aber einigermaßen ästhetisch aussehend“ entscheiden muss. Trotzdem muss man auch die bequemsten Schuhe eingehen und hoffen, dass es keine bösen Überraschungen gibt.

Damit war ich heute intensiv beschäftigt. Genauso intensiv habe ich Koffer gepackt. Einen Reisekoffer und einen mit Malutensilien. Schätze habe ich da ausgegraben. Mir war gar nicht klar, wie viele Pigmente ich besitze und wie viele große Behälter mit Gouache Farben. Dann habe ich die Beschreibung des Kurses gelesen, „wir bevorzugen Acryl“ steht da, wer ist wohl „wir“? Ich bevorzuge Gouache. Das klingt so wie „wie geht es uns denn heute?“ oder „wir wollen doch nicht ….. “ Schrecklich. Ich jedenfalls gedenke mit Gouache-Farben zu malen und habe mir auch einen Binder dazu gekauft.  Die Expertin im Künstlerbedarfs-Geschäft hat mir versichert, dass man mit Gouache auch mit und über Spachtelmasse malen kann, höchstens besteht die Gefahr, dass es ein bisschen aufspringt. Das stört mich nicht annähernd so wie „wir bevorzugen“, so ein Schmarrn.

Meine beiden Malfreundinnen, mit denen ich mich morgen Abend treffen wollte, haben leider ein Problem mit ihrer Katze, die arme Mieze hat Lungenentzündung und sie müssen morgen noch einmal mit ihr zum Tierarzt. Falls es ihr dann besser geht, schaffen sie vielleicht den Samstag, oder auch nicht. An diesem ohnehin etwas schwierigen Tag hat uns obendrein die Putzfrau im Stich gelassen. Solche Tage muss es auch geben sonst wüsste man die anderen nicht zu schätzen. Der F hat sich frei genommen und – vorbedinglich des Ausbleibens weiterer Hindernisse – machen wir uns morgen einen Badetag und reisen dann in der gebuchten Unterkunft an, wo ich dann über Nacht bleibe. Der Ort an dem der Kurs stattfindet ist ein paar Kilometer von dem Logis entfernt, zu weit um beladen mit sämtlichen Utensilien zu Fuß zu gehen. Die Malfreundinnen sind mit Auto unterwegs und hätten mich mitgenommen. Aber was soll`s, es wird sich schon jemand finden, der mich und meine Tonnen von Farben, Pigmenten, Leinwänden etc mitnimmt.

 


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Montag 15.7.19 – Rituale und Reisen

Rituale kann man immer und überall durchführen, auch beim Krafttraining. Man kann eine Wasserflasche mit sich tragen, sie bei jeder Maschine am immer gleichen Platz abstellen und nach Beenden der Übung einen Schluck trinken. Natürlich könnte man genau so gut am Trinkbrunnen trinken. Auch sein Handy kann man überall mit sich führen und an dafür nicht vorgesehenen Plätzen ablegen. Wobei ich gerechterweise sagen muss, dass ich nie erlebt habe, dass eines der unentbehrlichen Geräte geläutet hätte. Bei der Bekleidung gibt es ebenfalls unendliche Möglichkeiten der Ritualisierung. Ich habe schon Frauen gesehen, die sogar die Unterwäsche umgezogen haben, viele, die von einem T-Shirt in ein praktisch gleich aussehendes anderes geschlüpft sind. Wie das bei den Männern ist, weiß ich nicht, da die Garderoben nach Männlein und Weiblein getrennt sind. Aber ich will mich da gar nicht lustig machen, Rituale sind gut und wichtig, wenn sie auch von außen manchmal etwas bizarr wirken können.

Der Massentourismus erreicht kaum mehr erträgliche Ausmaße: in Venedig zum Beispiel leben nur noch 50.000 Menschen, die 33 Millionen Besuchern gegenüberstehen. Ein Verhältnis von 1:670. Noch schlimmer ist es im oberösterreichischen Hallstadt, wo noch der Platzmangel im Ort dazukommt. Hier ist das Verhältnis zwischen den 750 Einwohnern und 1 Million Touristen jährlich 1:1300. Die selbst vielleicht in der Welt herumreisenden Hallstädter und Venezianer verstärken wiederum ihrerseits auch die Heere des Massentourismus. Ja, ich reise auch gerne, sehr gerne sogar. Nein, ich habe natürlich auch keine Lösung anzubieten. Vom ökologischen Stadtpunkt wäre natürlich die Verteuerung der Flüge durch eine Kerosin-Steuer wünschenswert, vom sozialen Standpunkt aus weniger. Es könnten sich dann nur begütetere  Menschen Flugreisen leisten. Inwiefern es für durchschnittliche Besucher von all-inclusive-Ferienclubs aber wichtig ist, ob sie sich im Land A oder im Land B befinden, kann ich nicht beurteilen.


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Freitag 5.7.19 – Engpässe und Liegen

Ich konnte gar nicht glauben, dass in Wiener Apotheken eine nicht geringe Anzahl von Medikamenten darunter auch lebenserhaltende wie etwa solche, die im Fall von Organtransplantationen die Abstoßungsreaktionen verhindern, fehlen, manchmal auf  unbestimmte  Zeit nicht lieferbar sind. Ich habe in einer Apotheke gewartet und konnte daher hören, dass bei jedem zweiten Kunden irgendein gewünschtes Medikament nicht vorhanden und/oder nicht lieferbar war. In den meisten Fällen gab es ähnliche Medikamente mit den gleichen Wirkstoffen, die angeboten wurden, aber nicht immer. Diese eigentlich beängstigende Situation ist darauf zurückzuführen, dass viele Pharmafirmen in Billiglohnländern produzieren lassen, dort kommt es öfter zu Engpässen an Rohstoffen oder sonstigen Produktionshindernissen und dann können auch lebensnotwendige Medikamente nicht ausgeliefert werden, weil sie nicht in ausreichender Menge produziert wurden. Eine ungewohnte Situation in Mitteleuropa.

Vieles fällt mir ein zu Medikamenten, von Nebenwirkungen  über Nicht-mehr-Wirken bis zu Abhängigkeiten, auf Lieferengpässe bin ich bisher noch nicht gekommen. Es gibt aber ohnehin so unendlich viele Dinge vor denen man sich fürchten kann …

Ich fahre gerne mit dem Zug, durchaus auch längere Strecken. Aus gegebenem Anlass habe ich die neuen Schlafwagen der ÖBB studiert. Sehen gut aus, die Sechser-Abteile aus meiner Erinnerung mit Liegen, die unendlich schmal und vor allem unendlich niedrig waren, gibt es offenbar nicht mehr. Die Sprachregelung lautet „Betten“ und nicht mehr „Liegen“. Als junge Frau auf Rucksacktour habe ich in vielen solchen Liegen ziemlich schlaflose Nächte verbracht. Das abenteuerliche an solchen Reisen hat alles aufgewogen.

Meine schönste Liegewagennacht verbrachte ich in einem Abteil, in dem zwei Gruppen zusammenstießen: eine Jugendfußballmannschaft mit ihrem Trainer und eine Klosterschulklasse von Mädchen in Begleitung von zwei Nonnen. Wir fuhren von Paris nach Wien. Im Grenzabteil zwischen zwei Welten waren der Trainer und ich, zwei Jungfußballer und zwei Klosterschülerinnen. Die beiden Nonnen patrouillierten die ganze Nacht auf dem Gang.

Heute sieht die Sache anders aus. Ich kann auch den Luxus eines Einzelabteils mit Bad in Betracht ziehen. Aber auch die Nicht-Luxus-Variante sieht bequem aus und das gute Gewissen mit dem Zug zu fahren statt zu fliegen, ist auch wertvoll.


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Sie verfolgen mich

Langsam fühle ich mich wirklich verfolgt von den einzelnen Schuhen. Überall kreuzen sie meine Wege. hier und hier. und kürzlich am Amsterdamer Flughafen auf dem Laufband:

Aber auf dem Kofferband am Wiener Flughafen kreisten noch ganz andere höchst erstaunliche Dinge. Nicht, dass ich das für ein Originalgemälde halte, das würde man ja niemals auf diese Art verpacken und verschicken, aber es ging immerhin an das Leopold-Museum, Heimat vieler Schiele und Klimt-Bilder. Es gab noch nicht einmal jemanden, der das Paket abholen kam und es kreiste mehrere Male auf dem Kofferlaufband. Fast wären wir noch eine Weile geblieben um zu sehen, wie die Sache weiterging, aber es war schon sehr spät.


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Montag 15.4.19 bis Samstag 20.4.19 – Chirurgisch gesicherte Tulpen

Blumen über Blumen, Städte mit Grachten und der typischen holländischen Backsteinarchitektur, Sanddünen am Atlantik, Frühlingsvollmond und für meine Begriffe etwas zuviel Sonne. Ausgerüstet war ich mit Schal, Daunenjacke, Wollmütze und Handschuhen, tatsächlich unterwegs waren wir kurzärmelig in den Städten und barfuß am Strand. Tagsüber hat es sich angefühlt wie Sommer, nach Sonnenuntergang wesentlich kühler, aber trotzdem noch um einiges wärmer als ich erwartet hätte.

Es war der letzte Belastungstest für das neue Hüftgelenk, den es triumphal bestanden hat. 15.000 Schritte täglich und mehr, hinauf, hinunter, über Straßen, Wiesen, Dünen, Sand. Wegen mangelnder Kondition hat mir durchaus immer wieder dies und das weh getan, aber nie die Hüfte. Beim gehen, sitzen, liegen fühle ich mich nicht mehr behindert, sogar die Außenrotation funktioniert gut. Ich gehe wieder ohne daran zu denken, dass ich gehe. Davon habe ich monatelang, wenn nicht jahrelang geträumt.

Wir haben in Zandvoort fast direkt am Strand gewohnt und sind von dort aus mit Zügen und Bussen herum gefahren, was sehr einfach und bequem war. Wir haben gesehen und gemacht, was wir uns vorgenommen hatten, nur im Bereich Kunst, hatten wir kein Glück. Das Amsterdamer Van-Gogh-Museum war auf Tage und für Zeitfenster ausverkauft, auch in die 250 Jahre-Rembrandt-Ausstellung kamen wir nicht hinein. Letztlich waren wir im Rijksmuseum und haben immerhin Rembrandts „Nachtwache“ gesehen, die offenbar im Rang eines holländischen Nationalheiligtums steht und neben anderen Werken auch einige Van Goghs, so dass es kein totaler Misserfolg war.

Höchst faszinierend fand ich die zahlreichen Verkehrsmittel, die es in Holland so gibt. Von der enormen Anzahl der Fahrräder, die überall fahren, stehen und liegen, will ich gar nicht reden, es ist ja bekannt, dass ganz Holland ein einziger Radweg ist. Unzählige verschiedene Arten von Rädern und Transportkörben, – wagen, -anhängern flitzen herum. Besonders gefallen haben mir die Tandems, bei denen vorne auf einem niedrigen Sitz ein Kind radelt und dahinter auf dem zweiten Sitz ein/e Erwachsene/r, dazu gab es auch die Variante Kind hinten, Erwachsene vorne. Auch die Transportwägelchen für Kinder, die man mit und ohne Rad benutzen kann, sah man häufig, in allen Formen und Größen, Kinderwagenmodelle, die an ein Rad angeschlossen werden können ……

Auch für gehbehinderte Menschen gab es eine beeindruckende Vielfalt an Transportmöglichkeiten: verschiedenste Rohlstuhlmodelle, mit und ohne Motor, selbst zu steuernde und von anderen geschobene. Kleine Elektrowagen, mit denen man sowohl auf Gehsteigen als auch auf der Straße fahren kann, Rollatoren aller Arten. Und alle diese unterschiedlich großen und unterschiedlich schnellen Verkehrsteilnehmer kamen prächtig voran und schlängelten sich ziemlich rücksichtsvoll umeinander herum.


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Karfreitag im Original-Haarlem

Viel Interessantes haben wir in Holland gesehen, erlebt und fotografiert. Einiges wird hier vorkommen, anderes nicht.

Weder der F noch ich sind religiös, aber wir waren beide doch sehr überrascht über die Situation, die wir am Karfreitag in Haarlem antrafen. Wir wollten uns den zentralen Platz ansehen mit einigen sehr sehenswerten Gebäuden und der größten Kirche. Wir dachten in einem protestantischen Land würde am Karfreitag eine irgendwie getragene wenn nicht gar religiöse Stimmung herrschen. Aber weit gefehlt, direkt vor und neben der Kirche gab es einen sehr lauten, sehr gut besuchten Jahrmarkt mit allem Drum und Dran. Ausgerechnet die Hell-Raiders ließen die Leute durch die Luft fliegen

Einen Verteidiger hatte die Kirche, der steinerne Mann war offenbar gegen die Plastikfrau sehr erfolgreich 🙂

 


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Donnerstag 7.2.19 –

So, die Krücken sind im Keller! Allerdings sind in dem kleinen Kellerabteil noch so viele andere Sachen, dass ich sehr schnell wieder die Tür zumache. Einer Kellerausmistung fühle ich mich derzeit nicht gewachsen. Zwar habe ich als Reaktion auf das schreckliche Ausmisten des Hauses meiner Eltern in meiner Wohnung auch viel weggeworfen, Tonnen von Papier und Sonstigem, aber das reicht jetzt für eine Weile. Dabei weiß ich ja mittlerweile, wie gut das mit der Sperrmüllabfuhr  funktioniert. Nur liegen in meinem Keller praktisch ausschließlich Dinge, die ich weder brauche noch wegwerfen möchte. Der nächste Motivationsschwung wird schon kommen.

Ich bin gerade so schön in Aufbruchstimmung, habe begonnen eine kleine Osterreise zu planen und fühle mich rundherum aktiv und kompetent und effizient und was nicht noch alles. Ja, ja, ich weiß schon, es bleibt nicht so, es bleibt nie lange so, irgendetwas schwieriges, trauriges, unlösbares kommt schon wieder, aber man muss die Zwischenhochs einfach genießen. In diesem Sinne werde ich mich jetzt gleich mit der Produktion eines Karottenpuddings befassen.

Ich kaufe Flugtickets bzw die Zettel, die man nur mehr bekommt im Reisebüro. Hoffnungslos altmodisch sagt der F. aber ich finde, dass das Reisebüro eine Menge Vorteile bietet. Zum Beispiel ermöglicht es dem F. noch ein paar Tage darüber nachzudenken, ob er auch sicher mitkommen kann oder will. Auf den diversen Flugcheck-Plattformen wird nichts reserviert, schon gar nicht ein paar Tage lang. Außerdem kenne ich alle Leute, die in diesem Reisebüro arbeiten seit gefühlt hundert Jahren, freue mich immer wieder sie zu sehen und bekomme auch immer eine Menge Informationen und Tipps. Unterkünfte sind ein anderes Kapitel, da schätze ich Buchung über diverse Plattformen sehr, vor allem wegen der Möglichkeiten des Stornos bis fast zum letzten Moment.