la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Hüftchroniken #10 – Socken oder Halsketten?

Dass das Tragen von Socken völlig überbewertet wird, habe ich in diesem Winter eindeutig bewiesen. Seit dem 17. Dezember bin ich sockenlos unterwegs und mir ist schon gelegentlich kalt, aber nicht an den Füßen. Bis ein Titan- Hüftgelenk einigermaßen eingewachsen ist, sollte man bestimmte Bewegungen vermeiden und das An- und Ausziehen von Socken besteht im Wesentlichen aus dieser Art von Bewegungen. Es gibt ein „Gerät“ bestehend aus einem Stück Plastik und langen Bändern über das man einen Socken stülpen kann um ihn dann ohne Verrenkungen anzuziehen.

Das Ding sieht ganz praktisch aus, aber ich konnte mich damit nicht anfreunden und bin nun mit meinem derzeit nacktfüssigen Zustand sehr zufrieden.

Ebenso zufrieden bin ich mit der Kettensituation. Ich trage sehr gerne auch lange Ketten, was mir aber im letzten Jahr ziemlich verleidet war, weil ich so schief gehen musste, dass die Ketten immer auf eine Seite schwangen, was ganz katastrophal blöd aussah. Inzwischen bin ich noch nicht wieder bei einem normalen Gang angelangt, aber immerhin ist er ausreichend gerade um die Ketten an ihrem Platz zu halten. Es hängt auch vom Gewicht und der allgemeinen Beschaffenheit der Kette ab, aber im wesentlichen funktioniert der Indikator fehlerfrei. Die „Kettenprobe des geraden Ganges“ könnte ich mir vielleicht patentieren lassen.

Das erste Mal nach über sechs Wochen war ich heute in einem Lokal essen. Auch hier war das Thema die Position des Hüftgelenks: die Sitzgelegenheit durfte nicht zu niedrig sein. Ich bin jetzt aber schon so weit, dass ein normal hoher Sessel kein Problem mehr darstellt. Das heißt auch, dass ich wieder ins Kaffeehaus gehen kann ………. Juhuuuu !

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Hüftchroniken #9 – langsame Normalisierung

Sehr viele Dinge habe ich liegen lassen, verschoben, weitergereicht, vorläufig für unwichtig erklärt. Daraus ergibt sich jetzt eine ziemlich lange To-do-Liste. Ich habe begonnen, sie langsam und gemütlich abzuarbeiten, an jedem Tag nur ein anzusteuerndes Ziel, meistens ergibt sich dann unterwegs ohnehin noch dieses und jenes.

Ich bin immer noch mit zwei Krücken unterwegs, zwar wäre es nicht mehr wirklich notwendig, aber wenn ich ohne Krücken gehe, hinke ich ähnlich wie vorher, obwohl dafür gar keine Veranlassung mehr besteht. Besonders schwierig ist es, meinem Hirn begreiflich zu machen, dass es kein Problem mehr ist und auch nicht weh tut mit beiden Beinen Stufen zu steigen. Wenn ich aber mit den Krücken unterwegs bin, auch wenn ich den Boden damit eigentlich nur mehr antippe, dann gehe ich gerade. Nun gut, das braucht eben seine Zeit. Ich stelle mir das plastisch so vor, dass ich die eingegrabenen Gewohnheiten im Hirn langsam planiere und neue Wege eröffne.

Die Leute auf der Straße sind im allgemeinen sehr nett. Ständig hält mir jemand die Tür auf, oder überlässt mir einen Sitzplatz oder möchte meine Krücken aufheben, die gar nicht umfallen können, weil ich sie um den Hals trage. Eigentlich alles sehr angenehm, aber ich muss gestehen, dass es mich schon leise nervt, mich ständig bei allen zu bedanken. Natürlich ist es so viel angenehmer als wenn alle über mich drübertrampeln wollten, trotzdem tue ich mir schwer mit der Rolle der Schwachen, auf die andere Rücksicht nehmen (sollen/müssen).

Schon seit zwei Wochen hänge ich ständig am Telefon um zu versuchen, meinen viel zu späten Reha-Termin im März vorzuschieben. März wäre ohnehin schon kulant, hieß es, weil eigentlich bis Ende April alles voll sei. Ich setzte auf lästig, und habe jeden Tag angerufen, ob nicht jemand zurückgetreten ist. Und ja, tatsächlich, ich habe einen Termin im Februar bekommen, der gut passt. Eine Woche früher wäre noch besser gewesen, aber so ist es auch sehr gut und ich freu mich schon auf die Mischung zwischen trainieren und verwöhnt werden.


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Samstag 12.1.19

Es war ein guter Tag, Tag 25 nach der OP. Die Zeit ist so schnell vergangen. Ein längerer Spaziergang, noch mit zwei Krücken, aber ich stütze mich kaum mehr darauf. Es ist ein sehr gutes Gefühl wieder draußen zu sein, unter vielen Menschen, bei geöffneten Geschäften und Lokalen, ein Teil des Ganzen. Ein Fuß vor den anderen, in einen Rhythmus kommen, nichts tut weh.

Mein Staubsauger ist eingegangen. Ich stand vor dem Geschäft und habe überlegt, ob ich hineingehen und einen neuen kaufen sollte. Es hätte ihn ja jemand anderer abholen können. Aber ich habe es mir anders überlegt, es ist da drinnen immer überheizt und dann hätte ich die Krücken und die Jacke und den Schal und die Mütze alles irgendwie halten müssen und das kam mir nicht sehr verlockend vor. So dringend ist es ja nicht, die neue Putzfrau, die ums Eck wohnt und eine ganz liebe Person ist, bringt ihren mit und dann ist noch etwas Zeit zum Kaufen eines neuen.

Das sind derzeit so die bedeutenden Ereignisse in meinem Leben, zumindest die, die sich dazu eignen hier aufgeschrieben zu werden. Ich lese sehr gerne, was andere über ihr Innenleben schreiben, wollte und könnte  es ihnen aber nicht gleichtun, schon aus Rücksicht auf andere. Ich finde es oft schrecklich wie die Autor*innen von Autobiografien über ihre Familien, Freunde, Kollegen und sonstige Menschen schreiben, ohne dass diese irgendein Mitspracherecht hätten. Auf einem blog ist das ja nicht anders.


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Hüftchroniken #8 – Die Mühen der Ebene

Die großen Schneeflocken fallen rund um mich herum und auf mich drauf und auch auf die Krücken und auf den Boden, aber es bleibt nichts liegen und so kommt mir mein Spaziergang ganz ungefährlich vor. Sogar falls eine Krücke auf dem nassen Boden wegrutschen sollte, wäre das kein Unglück weil ich mich kaum mehr darauf stütze.

Eigentlich sollten die Krücken nun dabei helfen wieder zu einem normalen Gang zurückzufinden. Das ist gar nicht einfach, weil ich lange gehinkt bin und sich dieses Gehmuster ins Hirn eingeprägt hat. Und wie tief!

Jedesmal wenn ich vor einem Randstein oder gar einer Stufe stehe, stehe ich so, dass die logische Fortsetzung wäre mit dem rechten Bein hinaufzusteigen, wie ich es monatelang gemacht habe, weil es mit dem linken einfach nicht mehr ging. Das Hirn hat die Schritte so gelenkt, dass die Position vor jeder Stufe die gleiche ist. Und das hat auch auch viele Wochen lang gut gepasst. Jetzt passt es aber ganz und gar nicht mehr. „Wir steigen jetzt aber mit dem linken zuerst“ sage ich zu meinem Hirn. Dieses aber zeigt sich stur und leistet Widerstand. Dabei habe ich es ausprobiert: ich kann ebenso problemlos wie schmerzfrei mit dem linken voraus steigen.

Mit.dem.linken!! Ich schaffe es, stelle mich dabei aber so ungeschickt an, dass ich mich beinahe in den Umhängegurt der Krücken verheddert hätte. Es ist deutlich zu sehen, dass ich mit meinen eigenen Verhaltensmustern kämpfe. Ich hoffe sehr auf den Sieg, aber es wird wohl noch eine Weile dauern.

Ich habe sogar überlegt, die Kamera mitzunehmen und ein paar ästhetische Alltagsbilder einzufangen, nasses, schneebedecktes, gefrorenes, habe es mir aber wieder anders überlegt. Derzeit bin ich so zentriert auf die Basics des Lebens, dass jede kreative Inspiration brach liegt. Ein wandelndes Beispiel für die Maslow´sche Bedürfnispyramide: wenn die Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, funktioniert „Höheres“ gar nicht. Andererseits ist auch Maslow nicht unumstritten. Und überhaupt, ich glaube ich mache morgen eine Fototour auf den Markt vielleicht, je nach Wetter.


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#januart2019 – Nr.6 – dankbar

Vielen Menschen bin ich für vieles dankbar. Derzeit richtet sich meine Dankbarkeit in Richtung Wissenschaft, an jene orthopädischen Chirurgen, die die minimalinvasive AMIS-Methode entwickelt haben und praktizieren und mir so ein Ding aus Titan und Keramik eingesetzt haben. Es wiegt gerade ein halbes Kilo und soll eine Lebensdauer von allermindestesn 20 Jahren haben, eher mehr. Wenn ich es mir so ansehe, finde ich es sehr elegant.

 


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#januart2019 – Nr.5 – Zuhause

Zuhause ist immer anders. Derzeit ist für mich zuhause warm und trocken, aber es hat auch einen Anflug von Gefängnis. Zuhause muss ja kein Ort sein, es können auch Menschen sein oder Sprachen oder Kultur. Als ich noch mit der Austrian Airlines flog, begann zuhause mit dem Donauwalzer, der bei der Landung in Wien gespielt wurde. Dann kam das Wiener Hochquellwasser aus der Leitung und die Vielfalt an Brot, vor allem an dunklem.


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Alltag #3 – eine Hass-Liebe

Alltag #3, Dezember bei Ulli 

Es geht hier um Gegenstände, die für ein Paar Wochen zu meinem Alltag gehören

Ihr seid mir überaus nützlich, ja sogar notwendig, um von A nach B zu kommen, nicht für jeden einzelnen Schritt aber für etwas längere Strecken von etwa 20 Schritten aufwärts;  „größere Entfernung“ kann sich ungemein relativieren. Ihr seid für vieles nützlich: zum Anziehen ohne sich vorzubeugen, zum Aufheben von kleineren Dingen. Warum, wenn man sich nicht bücken soll, ständig alles auf den Boden fällt, gehört wohl zu den ewigen Rätseln.

Ich habe euch mit einem nilgrünen Bademantelgürtel aneinander gebunden. Der Nil ist sicher im Normalfall genauso grün wie die Donau blau ist, aber ich mag „nilgrün“. Es ist sehr praktisch euch um den Hals zu tragen, weil ihr dann keine Chance habt umzufallen und ihr – wenn ich freie Hände brauche – „bei Fuß“ neben mir steht. Man muss die Angestellten nur richtig einschulen und darf sie nicht aus den Augen lassen, dann geht das wunderbar. Aber trotz allem, ich mag euch nicht.

Ihr schlaft neben meinem Bett, samt nilgrünem Gürtel, ich schleppe euch ständig herum, stelle euch an den unmöglichsten Orten ab damit ihr nicht umfallt, sitze ich auf einem Sessel binde ich euch an der Lehne an und fotografiert habe ich euch auch schon. Auf diesem Foto sieht man auch meinen praktischen Servierwagen mit dem ich alles transportiere, was sich nicht unter den Arm klemmen oder in Taschen verstauen lässt.

Als ich mich von meiner Lieblingsklasse verabschiedet habe und ihnen erzählte, dass ich keine Ahnung hätte, wie lange ich mit Krücken unterwegs sein müsste, meinte ein Schüler „Krücken sind ja ein ganz trendiges Accessoire“ Es sei ihm verziehen, weil er selbst sich einen Kreuzbandriß zugezogen hatte und lange mit Krücken unterwegs war. Für einen jungen sportlichen Mann ist das aber nicht dasselbe wie ….. äh … für mich.

Es schneit seit Mittwoch. Ich liebe dieses Wetter. Seit Jahren hat es nicht mehr mehrere Tage hintereinander so richtig geschneit. Und ausgerechnet jetzt kann ich nicht hinaus oder vielmehr traue ich mich nicht hinaus. Es schneit nicht nur, es ist auch kalt und vielleicht liegt unter dem Schnee die eine oder andere Eisplatte zu der ich mich nicht dazulegen möchte. Hätte ich euch doch Spikes kaufen sollen? Na, jetzt ist es zu spät.

So sieht das dann aus, wenn ich abends in eurer werten Begleitung sehnsüchtig in den Schnee hinausschaue.

Hoffentlich kann ich euch in zwei Wochen im Keller verstauen. vielleicht nicht ganz hinten, man weiß nicht. Ich werde euch auch nicht von mir werfen so dass ihr womöglich irgendwie kaputt geht; schließlich habe ich auch eine zweite Hüfte, die schon etwas angenagt aussieht. Also insgesamt bin ich froh, dass es euch gibt, aber mögen, nein mögen tue ich euch nicht.