la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


Ein Kommentar

Nummer 12 der Buchchallenge –

Nr. 12

EIN BUCH AUS EINEM ANDEREN KULTURKREIS

Das ist nun ein Thema, zu dem ich so viel beitragen kann, dass die Fülle an Möglichkeiten erdrückt. Ich lese sehr gerne und sehr viele Bücher von Autor*innen aus anderen Kulturkreisen. Daher auch die Literaturweltreise. Die Literatur ist bei mir alphabetisch geordnet und „Ben Jelloun“ liegt ziemlich weit vorne, daher habe ich dieses Buch genommen, dass auch ziemlich ungewöhnlich ist.

„Sohn ihres Vaters“ heißt das Buch in der deutschen Übersetzung. Tahar Ben Jelloun ist Psychotherapeut und Schriftsteller, in Marokko geboren, lebt er seit langem in Frankreich, schreibt auf französisch und gehört zu den renommiertesten nordafrikanischen Schriftstellern. Für diesen Roman hat er den Prix Goncourt gewonnen.

Es ist eine seltsame, verstörende Geschichte. Irgendwo in Marokko wird ein Mädchen geboren. Sein Vater hat  bereits sieben Töchter und wartet sehnsüchtig auf einen Sohn. So wird dieses Mädchen zum Sohn erklärt. Je älter sie wird, desto schwieriger wird es für die junge Frau sich als Mann auszugeben. Die Handlung läuft in einer seltsam irrealen Atmosphäre ab, halb Märchen, halb Tatsachenbericht. Ich-Erzählerin ist der Sohn, der eigentlich eine Frau ist.

Vielen Dank  Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 10 der Buchchallenge – Lieblingsgenre

 Nr. 10

EIN BUCH AUS MEINEM LIEBLINGSGENRE

Lieblingsgenre …… hmmmm, nein, da möchte  ich mich nicht festlegen. Lieblingsgenres habe ich viele, einfacher wäre es aufzuzählen, was ich alles nicht mag. Dafür ist hier aber nicht der richtige Ort. Ich lese einfach gerne quer durch den Gemüsegarten.

Obendrein finde ich die Bezeichnung „Genre“ überstrapaziert, vor allem bei der trivialen Lesekost. Wenn da zwei Bücher nach dem gleichen Schema, mit den gleichen Bausteinen geschrieben sind, kommen gleichartige Figuren vor, wird gleich ein neues Genre benannt.

Gute Literaturprodukte lassen sich oft nur sehr schlecht in ein einziges Genre eindeutig einordnen. Obwohl die Literaturkritik hart daran arbeitet gute Texte zu zerlegen und zu schubladieren. Wie heißt es so schön „die Literaturkritik verhält sich zur Literatur wie die Gynäkologie zur Liebe“. Wie nicht schwer zu erraten ist, bin ich kein großer Fan von Literaturkritik. Mit etwas rhetorischer Begabung und viel Arroganz kann man jeden Text zerreden und klein machen, auch jeden Autor. Natürlich gibt es auch gute Sekundärliteratur. Die ist aber selten in Feuilletons oder im Fernsehen anzutreffen.

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 9 der Buchchallenge – Dumm

 

Buch Nr. 9

EIN BUCH, BEI DEM ICH MICH ÜBER DIE ZEITVERSCHWENDUNG GEÄRGERT HABE

Fest der Finsternis

Ulf Torreck

„Fest der Finsternis“

Ein Buch, das ich wirklich dumm gefunden habe. Ich habe mich bis Seite 311 (!) durchgekämpft, weil ich es nur sehr selten schaffe, ein Buch das ich begonnen habe nicht fertig zu lesen. Bei diesem ist es mir gelungen.

Ich will mich gar nicht lange ausbreiten darüber was alles an diesem Buch mir nicht gefallen hat. Der Marquis de Sade und irgendein Inspektor sollen in Pestzeiten in Paris Morde aufklären. Ein Geheimbund darf dabei auch nicht fehlen. Insgesamt eine haarsträubende, sinn- und spannungsbefreite Handlung; auch die „historische Milieuschilderung“ hat mich absolut nicht überzeugt. Gähnen und Kopfschütteln haben mich durch die 311 Seiten begleitet. Weitere 300 wären zuviel gewesen. Einen Blick habe ich aber auf das Ende geworfen, da geht es dann noch um irgendwelche mutierten Käfer oder Schmetterlinge, die zu irgendeinem obskuren Zweck gezüchtet werden.

Das einzig Positive, das mir einfällt, ist, dass solche Bücher als kontrastreicher Hintergrund für andere dienen.

Vielen Dank  Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 8 der Buchchallenge – Sklaven und Baumwolle

Buch Nr. 8

EIN BUCH, DAS IN EINER VERGANGENEN EPOCHE SPIELT

Wir befinden uns im amerikanischen Bürgerkrieg, in den 1860er Jahren, während des Krieges und danach. Ich hatte eine uralte zerfledderte Version dieses Buch. Zerfleddert, weil ich es öfters gelesen hatte einerseits, und weil es für ein Taschenbuch einfach zu dick war um lange zu überleben. Daher habe ich meine Urversion durch diese hier ersetzt:

Ein Buch, das sehr bekannt wurde, dessen Verfilmung lange Jahre die Liste der meistgesehenen Filme anführte. Ein gut geschriebenes Buch, ein gut recherchiertes Buch. Aber, sowohl in dem Buch als noch mehr in dem Film werden die als Sklaven auf den Feldern und in den Häusern der amerikanischen Südstaaten arbeitenden Afroamerikaner als kindliche, schlichte Gemüter dargestellt, die ihren „Herren“ treu ergeben und mit ihrem Leben sehr zufrieden sind.

Als Europäer konnte man das Buch eventuell lesen, ohne diesen Aspekt der Geschichte zu berücksichtigen. Ich habe es zumindest so gelesen, nicht weil mir nicht klar war, dass das Verhältnis zwischen den Südstaatlern und ihren Sklaven wohl kaum so idyllisch gewesen sein kann, wie hier dargestellt, aber dieser Hintergrund erschien mir für die große, dramatische Geschichte von Scarlett O´Hara und Rhett Butler als unbedeutend. Ob man das als Amerikaner auch so sehen konnte, kann ich nicht beurteilen.

Jedenfalls ist sicher mittlerweile allen klar, dass die Sklaverei in den Südstaaten der USA im neunzehnten Jahrhundert nicht so gelaufen ist, wie in „Im Winde verweht“ dargestellt. Darf man das Buch trotzdem mögen? Doch, darf man, aber die Berücksichtigung der speziellen Sichtweise der Autorin auf den historischen Kontext finde ich schon wichtig.

Auf Christianes Anregung habe ich „Undergroundrailroad“ von Colson Whitehead gelesen.

Ein Buch, das ebenfalls die Zeit der Sklaverei in den USA beschreibt allerdings von einem völlig anderen Gesichtspunkt aus nämlich  anhand der Lebensgeschichte einer von einer Plantage fliehenden Sklavin. Eine Mischung aus brutalstem Realismus und einem genialen surrealen Element, eben der Undergroundrailroad. Dies war die Bezeichnung für ein landesweites Netz von Fluchthelfern für Sklaven, die vom Süden in den Norden flüchten wollten. Die Flüchtenden wurden von den Helfern auf verschiedensten Wegen durchs Land geschleust. Dabei bedienten sie sich als Code der Terminologie der noch ziemlich neuen Technologie der Eisenbahn. Man sprach von Stationen, Zügen und Passagieren.

Colson Whitehead hat daraus ein unterirdisches Eisenbahnsystem gemacht, das in den Felsen gehauen worden sein soll. Er lässt dieses starke Bild sehr vage. Weder erfährt man, wer dieses fantastische System gebaut haben soll noch wie oder wo genau. Aber ich finde das Bild eines unterirdischen Eisenbahnnetzes genial. Die Übergänge zwischen der realistischen Sprache der Erzählung und den surrealen Bildern holpern übrigens nicht im mindesten. Ich hatte anfangs einige Zweifel ob es diese Züge vielleicht nicht doch irgendwie irgendwo gegeben haben könnte. Hat es aber natürlich nicht.

Wann genau die Geschichte spielt, erfährt man nicht; in den 1830er, oder 1840er Jahren, irgendwann vor dem Sezessionskrieg. Die Protagonistin ist die Enkelin einer noch in Afrika aufgewachsenen Frau.

Diese beiden Bücher als Beispiel dafür wie verschieden vergangene Epochen literarisch verarbeitet werden können, je nach Blickwinkel der Autoren

 

Vielen Dank an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 7 der Buchchallenge – Ausflug ins maoistische China

Buch Nr. 7

EINE BIOGRAFIE

Unter den Biografien, die ich in den letzten 2 Jahren gelesen habe, hat mich diese ganz besonders beeindruckt, bietet sie doch ein Bild des alltäglichen Lebens in China in den 1970er Jahren.

Xiaolu Guo

„Es war einmal im Fernen Osten“

Es ist die Autobiographie einer chinesischen Autorin und Filmemacherin, die heute in Berlin lebt und in den 1970er Jahren in Südchina aufgewachsen ist.

„Ich kam als Waise zur Welt. Nicht, weil meine Eltern gestorben waren, nein, sie waren beide quicklebendig. Doch meine Eltern haben mich weggegeben. (…) Gleich nach meiner Geburt wurde ich zu einem Bauernpaar gebracht, das in einem entlegenen Bergdorf unserer Provinz am Ostchinesischen Meer lebte“ p.19

Aber auch diesen „Adoptiveltern“ wird das Baby zur Belastung und so bringen sie sie zu ihren Großeltern in ein Fischerdorf auf der Halbinsel Shitang. Dort wächst Xiaolu auf bis ihre Eltern sie zu sich in eine größere Stadt holen.

Besonders eindringlich fand ich die Schilderung der Großmutter und deren sklavenähnlichen Lebens im Haus ihres Mannes :

„Meine Großmutter war eine gute, manchmal ein wenig ängstliche Frau. Obwohl sie fast nie einen Pfennig in der Tasche hatte, schaffte sie es immer, ein paar kleine Geschenke für die Kinder, die draußen auf der Straße spielten, zusammenzukratzen: Bonbons, Reisreste oder eine Handvoll bunter Muscheln. Sie war gutmütig, still und der bescheidenste Mensch, der mir jemals begegnet ist. Ich bildete mir ein, dass ihr Buckel eine Folge dieser Demut war. Er machte sie langsam, sie konnte noch nicht einmal in einem normalen Tempo gehen. Natürlich spielten dabei auch ihre winzigen, gebundenen Füße eine Rolle, über die sie sich aber nie beklagte“ p. 29

Als 7jährige lernt sie ihre Eltern kennen und lebt von da an mit Eltern und Bruder in Wenling, wo sie 1980 eingeschult wird. Ihre Erinnerungen an ihre Kindheit sind nicht allzu gut, für westliche Leser*innen aber höchst interessant. Ihre Mutter war eine begeisterte Rotgardistin, ihr Vater dagegen ein „Klassenfeind“. Dieses – zumindest für meine Begriffe – ungewöhnliche Paar hat einen Sohn und eine Tochter, die sehr verschieden behandelt werden und einander auch nicht mögen. Die Familie wohnt in einem kommunistischen Wohnhof, dessen Beschreibung allein es schon wert gewesen wäre das Buch zu lesen.

Aus diesen Verhältnissen heraus gelingt es Xiaolu einen Studienplatz an der Filmhochschule in Peking zu ergattern. Während sie noch in China lebt, beginnt sie zu schreiben. Fasziniert hat mich auch ihre Beschreibung der chinesischen Zensur ihrer Romane, was, warum geschrieben werden soll oder nicht geschrieben werden darf.

Der Roman beginnt damit, dass Xiaolu 2013 mit 40 Jahren in einem Londoner Krankenhaus eine Tochter zur Welt bringt und dann beschließt sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ihre Mutter in China zu besuchen.


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Nummer 6 der Buchchallenge – krachendes Holz

Buch Nr. 6

EIN BUCH MIT EINEM TITEL AUS MEHR ALS VIER WÖRTERN

Es war mir noch nie aufgefallen, wie erstaunlich viele Romane ganz kurze Titel haben. Dieser ist auch nicht besonders lang, aber doch länger als 4 Wörter wie in der Aufgabe verlangt.

 

Kalt ist es in diesem Buch, sehr kalt.  Ransmayer hat die Geschichte  der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition auf der „Tegetthoff“ 1872-1874 unter der Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer erzählt, in Form des Berichts einer Spurensuche dieser Expedition durch einen jungen Mann des 20. Jahrhunderts.

Ich nähre eine sehr große romantische Liebe für den Norden. Natürlich ist das eine sehr theoretische Begeisterung, den meine Reisen in die skandinavischen Länder und nach Island waren allesamt sehr bequem und völlig ungefährlich. Aber das macht ja nichts. Begeisterung ist Begeisterung. In dem Buch wird sehr eindringlich beschrieben wie das Eis, das das Schiff im Winter festfriert, die hölzernen Teile des Schiffs  zum Knarren und Knarzen bringt, was sich in der Polarnacht sicherlich extrem beängstigend anhört. Allein schon deswegen, weil man nicht wusste, wie gut und wie lange das Schiff dem Druck des Eises würde widerstehen können. Letztlich musste die Expedition das Schiff auch zurücklassen und über das gefrorene Polarmeer zu Fuß versuchen, zurück an Land zu kommen.

Das Schiff der Hurtigruten mit dem ich einmal – im August – unterwegs war, knarrte auch manchmal. Natürlich aus völlig anderen Gründen. Trotzdem habe ich diese Geräusche, die mich an die Beschreibung der alten Polarexpedition erinnert haben sehr genossen.

Faszinierend an dem Buch war nicht nur der Aspekt der Nordpolexpedition – obwohl mich dieser sehr in den Bann gezogen hat  – sondern auch die völlig verschiedenen Persönlichkeiten und Führungsstile der beiden Expeditionsleiter.

Gut, wenn man sich gar nicht für den Norden interessiert, ist das vielleicht kein geeignetes Buch.

Vielen Dank  Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt

 

 


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Nummer 5 der Buchchallenge – Iraner

Buch Nr. 5

EIN BUCH, DAS ICH SCHON IMMER MAL LESEN WOLLTE

Diese Liste könnte ich hier nicht unterbringen, da gibt es so viele …..  Daher wähle ich eines, das ich eigentlich gar nicht unbedingt lesen möchte, andererseits aber doch …

Nicht, dass das ein Buch ist, das ich wegen seines Inhalts unbedingt lesen möchte, obwohl ich Niavarani, einen Wiener Kabarettisten mit iranischen Wurzeln sehr schätze. Ich habe aber keine Ahnung, wie er sich liest. Nein, es geht da mehr um Organisatorisches.

Der F und ich lesen nicht immer, aber sehr oft die gleichen Bücher. Das hat viele Vorteile, zum Beispiel Gesprächsstoff zu den diversesten Themen, das Kaufen und Herumschleppen von nicht ganz so vielen Büchern, als wenn wir beide nur Verschiedenes lesen würden. Der F hat dieses Buch gelesen und „eigentlich ganz nett“ gefunden. Das ist nun nicht gerade eine euphorische Beschreibung, aber immerhin. Aus irgendwelchen Gründen ist es mir noch nicht gelungen auch nur einen Blick in dieses Buch zu werfen. Es liegt mir aber ständig im Weg herum. Es taucht ständig irgendwo auf. Kurz, es verfolgt mich.

Sogar das Cover irritiert mich: die Moscheen und der Granatapfel erinnern mich daran, dass (Fern)reisen derzeit unmöglich sind. Isfahan habe ich noch nicht gesehen und es sieht auch gar nicht danach aus, als würde ich es jemals sehen. Außerdem frage ich mich, was sich der Designer bei diesem Cover gedacht hat. Die Aussage ist ja eindeutig, aber es ist viel zu überladen.

Und bevor ich dieses Buch, das ich ja gar nicht gelesen habe, in Grund und Boden verreiße, höre ich lieber auf.


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Nummer 4 der Buchchallenge – es grünt

Buch Nr. 4

EIN BUCH MIT EINEM GRÜNEN COVER

Das ist ja eine noch allgemeinere Aufgabe. Nachdem ich heute nicht in besonders fröhlicher Stimmung bin, nehme ich das erste nicht besonders fröhliche grüne Buch, das mir zwischen die Finger kommt. Fröhlich ist es nicht, aber das grüne Cover finde ich sehr gelungen und sehr stimmungsvoll. Hier ist es :

Das Thema ist ja wahrhaftig nicht fröhlich: Arno Geiger beschreibt eine Zeit, die er mit seinem alzheimerkranken Vater verbracht hat. Es ist eine schreckliche Form der Demenz, besonders schrecklich wenn man zusehen muss, wie ein nahestehender Mensch auf diesem Weg der Zerstörung immer weiter voranschreitet. Die Krankheit zerstört ja nicht nur das Gedächtnis sondern verändert die gesamte Persönlichkeit der Betroffenen.

Aber Arno Geiger sieht seinen Vater, als den Menschen, der er einmal war und auf einer Ebene immer noch ist. Es gelingt ihm in die Anderswelt seines Vaters ein wenig einzutauchen und dadurch die Tragik der Situation etwas aufzuhellen. In gewisser Weise geht das, man kann mit einem dementen Menschen über Dinge aus seiner/ihrer Welt reden und lachen obwohl man selbst diese Dinge gar nicht wahrnehmen kann. Als ich das Buch gelesen habe, hatte ich damit noch keine Erfahrung, es hat mich trotzdem sehr beeindruckt.


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Nummer 3 der Buchchallenge – Völkermord

Buch Nr. 3

EIN BUCH MIT EINER ZAHL IM TITEL

Es ist sehr lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich kann mich an keine Einzelheiten erinnern. Es geht um den türkischen Völkermord an den Armeniern während des ersten Weltkriegs. Der Musa Dagh ist der Berg auf den sich Armenier zurückgezogen hatten um sich zu verteidigen. Dieser Völkermord wird in der heutigen Türkei von Präsident Erdogan und vielen türkischen Nationalisten geleugnet und als üble anti-türkische Propaganda bezeichnet.

An eine Szene aus diesem Buch erinnere ich mich noch Jahrzehnte nachdem ich sie gelesen habe. Es ist eine ganz starke emotionale Erinnerung.

Es geht um einen alten, armenischen Gelehrten, der auch aus seiner Wohnung voller Bücher in eine ungewisse Situation flüchten muss. Er kann – wie alle anderen- nur mitnehmen, was er tragen kann. Meine Erinnerung ist nun dieses Gefühl, wie es sein muss, sich entscheiden zu müssen, welche paar Dinge man mitnehmen kann und welche verloren sind und wahrscheinlich zertört werden. In diesem Fall vor allem welche der vielen Bücher, welche Worte, welche Lyrik, welche Prosa, welche Philosophie kann der Zerstörung entrissen werden. Tagelang hat mich dieses Gefühl ganz fertig gemacht und ich habe vor meinem inneren Auge einen großen Sack Bücher gesehen, den ein kleiner, alter Mann versuchte mitzuschleppen, auf einen Berg, um zu versuchen sein Leben zu retten und auch seine Kultur und seine Sprache. Ich weiß gar nicht, ob es diese Szene in dieser Form überhaupt gibt, ob es nur ein Satz war aus dem ich das Bild entwickelte, jedenfalls ist es ein Bild, das ich nicht wieder loswerden konnte.

Diese Ausgabe der „40 Tage des Musa Dagh“ habe ich mir kürzlich gekauft um das Buch nochmals zu lesen mit erwachsenen Augen.

Franz Werfels Widmung:

„Dieses Werk wurde im März des Jahres 1929 bei einem Aufenthalt in Damaskus entworfen. Das Jammerbild verstümmelter und verhungerter Flüchtlingskinder, die in einer Teppichfabrik arbeiteten, gab den entscheidenden Anstoß, das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen. Die Niederschrift des Buches erfolgte in der Zeit vom Juli 1932 bis März 1933.“

 Breitenstein Frühjahr 1933, Franz Werfel 

 


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Nummer 2 der Buchchallenge – jenseits aller Genres

 

Buch Nr. 2

EIN BUCH MIT EINEM TIER IM TITEL

Das ist nun auch eine Aufgabe, die viele Lösungen ermöglicht. Von einem Ausflug zu den Bücherregalen habe ich dieses Buch mitgebracht. Ich hatte einmal eine ziemlich heftige Peter-Hoeg-Phase. Sowohl seine Plots als auch seine Themen und nicht zuletzt seine Sprache haben mich sehr angesprochen. Und da gibt es einen seiner Romane mit einem Tier im Titel.

Es gehört nicht zu Peter Hoegs bekannten Büchern, wie etwa „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ und ich habe festgestellt, dass es in meiner leserischen Umgebung kaum jemandem gefallen hat. Ich dagegen war ziemlich begeistert davon. Das Buch sprengt Genregrenzen. Ich würde es am ehesten als philosophische Science-Fiction beschreiben, mit einem Schuss Erotik. Ich interessiere mich auch sehr für Humangenetik und Anthropologie, in diese Richtung hat das Buch auch einiges zu bieten.

Das Cover meiner Ausgabe finde ich allerdings gräßlich: die Kaiserin Elisabeth hat mit der Geschichte rein gar nichts zu tun und der hier abgebildete Affe ist ein Schimpanse, was auch nicht passt.

 


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Nummer 1 der Buchchallenge – ein Schreck zum Thema Rassismus

Zunächst danke ich der Challenge Mutter Ulrike für diese gute Idee und ersuche um Aufnahme in die Liste der Mitmachenden

Buch Nr. 1 also

EIN BUCH AUS MEINER KINDHEIT

Als nettes harmloses Kinderbuch hatte ich es in Erinnerung. Ein Kinderbuch aus dem ich sogar noch einige Zeilen auswendig weiß, wie etwa „Tief im Walde ganz allein, wohnt die Hexe Kniesebein“. Bei einem nostalgischen Blick in das Buch musste ich aber feststellen, dass die arme Hexe in Flammen aufgeht und dann ihre Überreste von Raben gefressen werden „aus dem schönen Lande Schwaben“ wegen des Reims.

Wie man sieht, habe ich die Geschichte auch zeichnerisch veredelt. Es geht um den kleinen Fritz, der von einem Kinderräuber gefangen wird und – nachdem dieser ein auch recht brutales Ende gefunden hat – in seinem Ballon weiter durch die Welt fliegt. So weit so eher harmlos.Aber, dann erschrak ich doch bei diesen Seiten:

Äh, ja…. so konnten österreichische Kinderbücher aussehen ohne dass sich jemand irgendetwas in Richtung Rassismus dabei gedacht hätte.


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30 Tage sind lang, aber nun gut, ich sehe es ein

Der Herdentrieb hat zugeschlagen und da waren Ola und Christiane und Vro  gemeinsam der letzte Tropfen, der das überlaufende Fass dazu brachte mich davon zu überzeugen, dass ich an dieser challenge auch teilnehmen möchte.

30 Tage sind sehr lang und ich habe bisher jede dieser Monats-challenges eindeutig vor dem Ende genervt abgebrochen, weil ich fand, dass ich doch nicht meinen Blog zum Stressfaktor machen wollte, der mich dazu zwingt, jeden Tag ein bestimmtes Produkt einzustellen.  Allerdings ist diese challenge nicht aufwändig. Ein Streifzug durch die Bücherregale, die vieles hergeben, ein Griff, eine kleine Idee und ein kleiner Text und schon ist der Beitrag fertig. Lange Rezensionen werde ich keine schreiben sondern persönliche Eindrücke. Passt !

Nachdem Juli gerade begonnen hat, werde ich mich Vro, Christiane und Ola anschließen und mit dem 1. Juli beginnen, was heißt, dass es heute und morgen je zwei Beiträge gibt. Ans Werk …


Ein Kommentar

Abgrund

Das Thema war vor dem massiven Auftauchen des Rassismus-Themas in aller Munde insofern ist der Plot recht aktuell wenn auch nicht besonders originell, aber doch glaubwürdig und gut erzählt und die Auflösung war für mich überraschend.

Alle Fäden der Handlung kommen am Ende nachvollziehbar zusammen, Das isländische Lokalkolorit ist durchaus spürbar und für mich recht interessant. Dass ich die isländischen Namen nicht richtig zu männlich und weiblich zuordnen kann, ist natürlich der Autorin nicht vorzuwerfen.

Yrsa Sigurdardóttir beherrscht ihr Handwerk. Es ist Insgesamt solide Krimi- bzw Thrillerkost ohne genüßliche Beschreibungen von Brutalität, ohne inhaltliche oder stilistische Ausschläge nach oben aber auch nicht nach unten, hat mich nicht rasend fasziniert, aber auch nicht gelangweilt.


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Immer langsam voran

„Nichts sagt mehr darüber aus, wer wir sind, als die Geschichten, die wir erfinden“

Pascal Mercier „das Gewicht der Worte“ p.181

Alles, was wir tun und sagen, ist immer auch eine Aussage über uns selbst, aber die Geschichten, die wir erfinden wahrscheinlich eine ganz besonders aussagekräftige.

Ich lese langsam und genüsslich am Mercier, daneben auch noch dies und das andere …


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Ich entdecke so viele Ähnlichkeiten in den Vorlieben, die Mercier beschreibt

Nicht nur, was die Freude am Regen und am Aufenthalt auf dem Wasser betrifft, auch die Beschäftigung mit Sprache, der Vergleich von Sprachen. Der Traum des Protagonisten ist es, alle Sprachen der Länder zu lernen, die an das Mittelmeer grenzen. So weit würde ich nicht gehen, aber das Betrachten verschiedener Ausdrücke in verschiedenen Sprachen, finde ich auch sehr spannend.

„Es war auf der Fähre von Portsmouth nach Le Havre. Sie hatten diese Strecke gewählt, um möglichst lange auf dem Wasser zu sein. Beide liebten sie die Abenddämmerung und verfolgten sie an Deck. La nuit tombe, night is falling. Mit Einbruch der Dunkelheit – warum klang das gewaltsamer als das Fallen? Warum brach die Morgendämmerung an und die Abenddämmerung herein?“

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“ S144