la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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54. Station der Literaturweltreise – Republik Moldau

Meine literarische Weltreise

Die Republik Moldau ist eines jener Länder aus denen unsere mitteleuropäischen Altenpflegerinnen, Kindermädchen, Putzfrauen, Gärtner etc kommen. Viele von ihnen haben Kinder, aber die Eltern kommen allein, die Kinder bleiben eventuell in der Obhut von Verwandten oder auch allein zurück. Sozialwaisen nennt man sie. Es sind keine Einzelfälle sondern ein weit verbreitetes Phänomen in den östlichen Ländern Europas innerhalb und außerhalb der EU-Grenzen.

Liliana Corobca, die selbst in Moldawien aufgewachsen ist, lebt heute in Rumänien, wo sie Literaturwissenschaft studiert hat. „Der erste Horizont meines Lebens“ ist nicht autobiographisch und heißt im rumänischen Original „Kinderland“. Ein Titel des Verlags, der in der Übersetzung vielleicht nicht ganz nachvollziehbar war

Der Roman handelt von drei Geschwistern, einem 12-jährigen Mädchen, einem 6-jährigen und einem 3-jährigen Buben, die in einem moldawischen Dorf allein leben. Die Mutter arbeitet in Italien, der Vater in Russland, selten kommen sie zu Besuch, einmal in der Woche ruft die Mutter an. Es gibt eine Großmutter im Hintergrund, die aber sehr krank ist und von der man annimmt, dass sie bald sterben wird. Es gibt einen Patenonkel und eine Patentante, die im ärgsten Notfall bereit sind, den Kindern zu helfen, denn im Dorf herrscht das Recht des Stärkeren und es sind praktisch alle stärker als drei auf sich selbst gestellte Kinder.

Die Hauptfigur des Romans ist das 12-jährige Mädchen, das ziemlich idealisiert wird. Sie führt den gesamten Haushalt inklusive der Haltung eines Schweins und etlicher Hühner. Sie betreut die beiden kleinen Brüder, sie geht auch zur Schule und sie stellt Überlegungen an, die man einem Kind ihres Alters nicht wirklich zutraut. Sie sinniert über das Leben im allgemeinen und ihres im Speziellen, über ihr Dorf und die Welt. Obwohl sie aufgrund ihrer Lebenssituation schnell erwachsen werden muss, sind doch ihre Betrachtungen nicht die einer 12-jährigen. Auch wieder ein Problem der Erzählperspektive.

Wenn auch manche Figuren dieses Romans nicht ganz authentisch wirken, so ist doch das Thema ein heißes Eisen der europäischen Sozialpolitik und so ist schon weger seiner Thematik ein sehr interessantes Buch, das in Welten führt, von denen wir als Mitteleuropäer meist nur eine sehr vage Vorstellung haben, wenn überhaupt.


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53. Station der Literaturweltreise – Südkorea

                                              Meine Literaturweltreise

Ein ungewöhnliches Buch. Ein sehr ungewöhnliches Buch. Es ist die Geschichte einer Frau, die beschließt kein Fleisch mehr zu essen, was ungeahnte Konsequenzen hat. Gerne wird der erste Satz dieses Romans zitiert. „Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar“. Ein genialer erster Satz, der den Auftakt für einen bemerkenswerten Roman bildet.

Warum die Hauptfigur kein Fleisch mehr isst, bleibt für ihren Ehemann unverständlich, aber wir Leserinnen erfahren es durch Einschübe in den Text, in denen die Protagonistin in der Ich-Form erzählt. Was ich übrigens für ein sehr brauchbares Stilmittel zur Ergänzung des auktorialen Erzählens halte. Abgesehen davon, dass sie keine tierischen Produkte mehr isst, trägt sie auch keinen BH mehr, was auch als kaum verzeihlicher Verstoß gegen die gesellschaftlichen Konventionen betrachtet wird.

Wegen der totalen Veränderung in ihrer Ernährung nimmt die Protagonistin extrem ab wodurch ihr neuer Lebensstil auch für andere sichtbar wird und das Unglück nimmt seinen Lauf. Weitere wichtige Personen dieser Geschichte sind neben dem Ehemann die Schwester und der Schwager der Hauptfigur. Aus der Sicht dieser drei, aber in auktorialer Form wird die Geschichte erzählt und der Roman dadurch in drei Teile geteilt. Im ersten ist die Perspektive die des Ehemanns mit Einschüben in Ich-Form, in denen die Protagonistin erzählt. Der zweite Teil berichtet über den Schwager, der Künstler ist und seine ganz eigene Sicht auf die Protagonistin hat, über deren Innenleben wir nun nichts mehr erfahren. Der dritte Teil schließlich ist aus der Sicht der Schwester geschrieben. Bei der Lektüre dieses Teils war ich mir nicht sicher, ob es sich um die Beschreibung psychischer Krankheit oder um einen Einbruch des Surrealen in den Text handelt.

Die Personen stehen wohl für recht typische Vertreter der südkoreanischen Gesellschaft. Der Ehemann, ein unendlich konventioneller, langweiliger Mann; wobei konventionell die absolute Hingabe an den Beruf einschließt. Er arbeitet  von frühmorgens bis spätabends und das Nachhausekommen um Mitternacht an vielen Tagen hintereinander wird nicht als ungewöhnlich empfunden. Wirklich schockiert hat mich die Szene in der der Ehemann bei seiner Firma anruft und sagt, dass er zwei Stunden später kommt, weil er seine Frau ins Krankenhaus bringen muss und dann bemerkt, dass es ungemein großzügig sei, dass diese zwei Stunden nicht als Grund für eine Kündigung genommen werden, was durchaus möglich und nicht ungewöhnlich wäre. Der Schwager, ein Videokünstler, der sich wegen eines körperlichen Merkmals in obsessiver Weise von seiner Schwägerin sexuell angezogen fühlt. Schließlich die Schwester, die durch das Betreiben eines Schönheitssalons die Familie ernährt und ohne nennenswerten Beitrag ihres Manns den Haushalt und die Betreuung des gemeinsamen Kindes übernimmt. In weiterer Folge übernimmt sie auch die Betreuung der Protagonistin bevor und nachdem diese in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert wurde.

Nicht nur eine gut geschriebene, interessante Geschichte sondern auch ein Einblick in die südkoreanische Gesellschaft.


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Nava Ebrahimi – Das Paradies meines Nachbarn

52. Station der Literaturweltreise – Vereinigte Arabische Emirate – Dubai

Nachdem ein wichtiger Teil dieses Romans in Dubai spielt, „verrechne“ ich diese Lesestation unter „Vereinigte Arabische Emirate.

Der Titel dieses Buchs kommt daher, dass einer der drei Protagonisten dem im Iran schon als Kind eingehämmert wurde, dass ein Märtyrer direkt ins Paradies kommt, darüber sinniert, dass das Paradies doch nicht für alle Menschen gleich aussehen könne, dass es vielmehr je nach Interessensgebieten seiner Bewohner unterschiedlich sein müsste. Er überlegt auch, ob es denn so wäre, dass jeder einzelne allein in seinem Paradies ist.

Die Geschichte hat drei Protagonisten, die mit dem Iran in Verbindung stehen. Der eine, Sina, der zwar immer in Deutschland gelebt hat, aber einen mittlerweile in Amerika lebenden iranischen Vater hat. Der Zweite, Ali Najjar, der mit Hilfe seiner Mutter als Kind aus dem Iran geflohen ist. Und der dritte, Ali-Reza der von dieser Mutter mit der Identität ihres Sohnes versehen in den Krieg geschickt wurde.

Der aus dem Iran geflohene Protagonist, Ali Najjar, der nun als bekannter Objekt-Designer in Deutschland lebt, ist auf seltsamen Wegen zu dem Ruf gekommen ein Kindersoldat gewesen zu sein, der mit großem Glück dem Tod entkommen ist. Der Iran hat ja Jugendliche zur Entminung großer Flächen eingesetzt. Die Kinder wurden einfach über die Minenfelder getrieben, wobei viele Minen explodierten und die „Kindersoldaten“ tötete oder verletzte. Die Nachkommenden erwachsenen Soldaten wurden dadurch geschützt, dass viele der Minen bereits explodiert waren und dass sie über die Leichen gingen. 

Tatsächlich wurde Ali Najjar aber durch ein Kind ersetzt, das seine Mutter auf der Straße aufgelesen und mit der Identität ihres Sohnes versehen hatte um dessen Flucht zu verschleiern. Dieser Ali-Reza ist aufgrund einer Verletzung, die er sich als Kindersoldat zugezogen hat querschnittgelähmt und lebt im Iran. Er erfährt, dass die Frau, die er als seine Mutter betrachtet verstorben ist und einen Brief für ihren in Deutschland lebenden Sohn Ali Najjar hinterlassen hat, den er beschließt ihm persönlich zu überreichen.

So kommt es zum Showdown in Dubai, an dem alle drei Protagonisten beteiligt sind.

Ich fand zwar die drei Protagonisten ein bisschen flach, aber der Plot ist interessant und die Geschichte flüssig geschrieben


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Juli Zeh – Neujahr

51. Station der Literaturweltreise – Spanien

Erstaunlich, dass ich in dreieinhalb Jahren Literaturweltreise noch nie in Spanien war. Auch diesmal sind es die Kanaren und nicht das Festland. Das muss ich demnächst ändern

Ein empfehlenswertes Buch. Leicht zu lesen, aber nicht seicht. Im weiten Feld zwischen schwieriger Literatur und Banalität angesiedelt. Spannend aber nicht reißerisch. Die handelnden Personen sind glaubwürdig geschildert, die mondähnliche Landschaft von Lanzarote ebenfalls.

Der Protagonist ist ein Mann, der mit 38 Jahren in ein fast vergessenes Trauma hinein fällt. Es ist sehr gut beschrieben, wie dieses alte Trauma in sein Leben und seine Handlungen hineinwirkt, ohne dass er weiß, woher die für ihn nicht einzuordnenden Gefühle kommen. Nicht so restlos glaubwürdig ist vielleicht, dass er einen Urlaub mit Frau und Tochter eigentlich gegen den Willen seiner Frau organisiert, gerade an dem Ort, an dem die vergessenen Ereignisse stattgefunden haben.

Der Titel des Buchs beschreibt nur die Zeit des Jahres, zu der der Urlaub auf Lanzarote stattfindet: Weihnachten und Neujahr. Vielleicht steht „Neujahr“ auch für „Neubeginn“, was jedenfalls passen würde.

Sehr gut geschildert hat Juli Zeh die Beziehung des Protagonisten zu seiner jüngeren Schwester, die er selbst auch erst verstehen kann, als ihm die alte Geschichte wieder einfällt und die er dann in eine ganz andere Richtung umlenkt.

Es ist ein schmales Buch, 190 Seiten, schnell gelesen, aber nicht unbedingt schnell wieder vergessen. Es sind ein par eindringliche Szenen dabei, einige sehr starke Bilder und man spürt sowohl die mögliche Verwirrung als auch die Kraft des menschlichen Geistes alte Wunden zu überwinden und das Leben neu zu gestalten.


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Barracoon – Geschichten vom letzten amerikanischen Sklavenschiff

50. Station der literarischen Weltreise – Benin

Eines der Vorwörter zu diesem Buch stammt von Alice Malsenior Walker, der Autorin des Romans „Die Farbe Lila“, der 1983 mit dem American Book Award und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und 1985 von Steven Spielberg verfilmt wurde.

„Wenn man Barracoon liest, versteht man sofort, welches Problem viele Schwarze, vor allem schwarze Intellektuelle und politische Führer, vor Jahren damit hatten. Es benennt schonungslos die Gräueltaten, die afrikanische Völker aneinander verübten, lange bevor angekettete Afrikaner traumatisiert, krank, desorientiert, ausgehungert als „schwarze Fracht“ auf Schiffen im „höllischen Westen“ eintrafen. Wer mag sich das maßlos grausame Verhalten der „Brüder und Schwestern“ eingestehen, die unsere Vorfahren als Erste gefangen nahmen?  Wer wollte in aller fürchterlichen Detailgenauigkeit wissen, wie afrikanische Häuptlinge zielgerichtet Afrikaner von benachbarten Stämmen fingen, wie sie Eroberungskriege provozierten, um Menschen – Männer, Frauen und Kinder – , die nach Afrika gehörten, für den Sklavenhandel zu erbeuten? und dies auf so abscheuliche Art und Weise, dass es einem noch 200 Jahre danach bei der Lektüre vor Grauen und Jammer schaudert. Dies ist, machen wir uns nichts vor, mehr als quälend zu lesen“

Vorwort von Alice Walker p.10

Es handelt sich hier um einen relativ kurzen Text, der die autobiographisch erzählte Geschichte von Cudjo Lewis sein soll und wohl auch ist, die von Zora Neale Hurston  1927 und 1928 aufgezeichnet wurde, was ihr auch Kritik an der wissenschaftlichen Verlässlichkeit ihrer Arbeit eingebracht hat. Die Lebensgeschichte wird von mehreren Vorwörtern und Einleitungen eingerahmt. Es gibt auch einen Anhang mit afrikanischen Geschichten und der Beschreibung von Spielen.

Es hat mich angerührt, wie hier von einer Afroamerikanerin jedes kleinste Krümel von Geschichte ihrer Vorfahren eingesammelt und betrachtet wird. Auch dem afrikanischen Sklavenhandel, der älter ist als der afro-europäische oder afro-amerikanische sieht sie ohne Beschönigungen  ins Auge. Das große menschliche Bedürfnis nach Wissen über die eigenen Wurzeln wird hier sehr deutlich.

Cudjo Lewis, der eigentlich Kossula hieß, war ein Afrikaner, der 1859 auf dem letzten Sklavenschiff, der Clotilda, nach Amerika gebracht wurde zu einem Zeitpunkt zu dem der Sezessionskrieg bereits im Gang war und die offizielle Abschaffung der Sklaverei auch in amerika nur noch eine Frage der Zeit.

Sein Leben war hart. Angefangen mit seiner Gefangennahme durch das Heer des Königs von Dahomey, der einen blühenden Sklavenhandel betrieb  und alle Angehörigen eines Volkes, die für den Verkauf als Sklaven an die amerikanischen und europäischen Sklavenhändler nicht in Frage kamen, köpfen ließ. Einige Jahre lebte er als Sklave. Nach der Befreiung wurde sein Leben nicht wirklich leichter, ein Schlag folgte dem nächsten. Seine Kinder starben eines nach dem anderen. Trotz allem war er einer der Begründer einer Gemeinschaft von Afrikanern auf die die schon länger in Amerika befindlichen Sklaven herunter sahen und sie als Wilde betrachteten. An diesen wahnwitzigen Mechanismen menschlichen Verhaltens hat sich ja nichts verändert.

Dieser Leseeindruck hat gar nichts mit meinem Meinungsaustausch mit Natalie bei den „Brüsten des Modells“ zu tun. Es ist reiner Zufall , dass ich gerade ein Buch zu diesem Thema gelesen habe.


Ein Kommentar

Nummer 30 der Buchchallenge – blau

Nr. 30

EIN BILDBAND, DER ZUM SCHMÖKERN EINLÄDT

Bildbände sind meist groß und schwer und in größeren Mengen nicht so einfach unterzubringen, aber diesen behalte ich auf jeden Fall. Ich habe ihn auch schon lange und er war wirklich unverschämt teuer. Trotzdem, es sind großartige Aufnahmen.

„Vertigem azul“, Schwindelgefühl in blau. Aufnahmen von Portugal aus einer Zeit als es noch keine Photodrohnen gab. Diese Bilder sind alle aus einem Hubschrauber aufgenommen. Nachdem ich das Buch in der Nacht fotografiert habe, sind die Farben nicht so schön wie auf dem Original, aber immerhin, es vermittelt einen Eindruck.

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 29 der Buchchallenge

Nr. 29

EIN GEDICHT, DAS DU MAGST

Ich bin zwar keine besonders eifrige Leserin von Lyrik und es gibt sehr viele Epochen der Lyrik mit denen ich so gar nichts anfangen kann, aber es gibt natürlich auch Gedichte und Autoren, die ich sehr schätze. Paul Celan zum Beispiel. Als Mensch dürfte er ja recht schwierig gewesen sein, wenn man Ingeborg Bachmann glauben darf, aber viele seiner Texte mag ich sehr, auch die ganz kryptischen.

 

FADENSONNEN

über der grauschwarzen Ödnis.

Ein baumhoher Gedanke

greift sich den Lichtton: es sind

noch Lieder zu singen jenseits

der Menschen.

Paul Celan, 1967

 

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 28 der Bücherchallenge

Nr. 28

EIN HELD /EINE HELDIN, DIE DEIN HERZ BERÜHRT HAT

Unter den literarische Figuren bzw den in der Literatur beschriebenen Figuren und auch den selbst schreibenden Menschen, die mein Herz berührt haben, sticht eine immer wieder hervor. Dieses junge Mädchen im Teenageralter, das mit ihrem Tagebuch ein Mahnmal gesetzt hat. Dieses kluge und begabte Kind, das keine Chance hatte, lange genug zu leben um erwachsen zu werden und ihre Anlagen zu entwickeln. Opfer einer Diktatur, deren führende Köpfe und verhetzte Massen sich aufgrund einer wirren Herrenrassen-Ideologie anmaßten, über Leben und Tod anderer zu entscheiden.

Anne Frank hat ein Tagebuch geschrieben, das durch reinen Zufall erhalten blieb. Als die SS das Versteck der Familie Frank und vier weiterer Menschen stürmte und alle auf den Weg ins KZ brachte, interessierten sie sich nicht für Bücher und Papier. Es ist das Tagebuch eines notgedrungen sehr reifen jungen Mädchens, das sich aber auch mit den typischen Themen von Mädchen ihres Alters beschäftigt. Und es ist ein sehr gut geschriebenes persönliches Zeitdokument. Wer es nicht gelesen hat, hat etwas versäumt.

Anne schrieb ihr Tagebuch an eine fiktive Person namens Kitty:

„Stell dir vor, wie interessant es wäre, wenn ich einen Roman vom „Hinterhaus“ veröffentlichen würde. Bei dem Titel allerdings würden sich die Menschen denken, es handelt sich um einen Detektiv-Roman. Aber nun im Ernst, wird es nicht Jahre nach dem Krieg, vielleicht nach zehn Jahren, unglaublich erscheinen, wenn wir erzählen , wie wir Juden hier gelebt, gesprochen, gegessen haben?“

Es wäre schön, wenn es heute unglaublich erscheinen würde. Wie könnte es aber gelingen, die aktuell noch oder wieder existierenden menschenverachtenden Regime zu ignorieren?

Das zweite kleine Buch, folgt den Spuren Anne Franks und der anderen Menschen, die im gleichen Versteck lebten. Es beschreibt aus der Sicht der Augenzeugen, die Verhaftung der Gruppe Menschen, die Jahre im „Hinterhaus“, in Amsterdam versteckt lebten. Dieses Hinterhaus gehörte zu der Firma von Anne Franks Vater. Der Autor hat auch in den verschiedenen KZs, durch die Anne Frank getrieben wurde, recherchiert. Er hat Menschen befragt, die Anne in den Lagern gekannt haben und er hat Menschen befragt, die rund um die Lager lebten und von denen viele behaupteten nichts von den KZs gewusst zu haben. Wenn man aber die Schilderungen jener Menschen hört, die erzählen, dass sie natürlich wussten, was in den Lagern vorging, allein der Geruch der Krematorien und der aufgeschichteten Leichenberge war allgegenwärtig, dann ist es wohl nicht möglich, nichts gewusst zu haben. Obwohl der menschliche Geist stark ist im Verdrängen.  Das Buch wurde 1958 zum ersten Mal veröffentlicht. Man kann in 13 Jahren viel verdrängen …

Ich habe für diesen Beitrag Stunden gebraucht, weil ich der Versuchung des Lesens sowohl des Tagebuchs als auch des Recherche-Buchs nicht widerstehen konnte. Falls jemand nach einer Möglichkeit sucht bei 36 Grad im Schatten zu frösteln, so kann ich diese Lektüre empfehlen.

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt


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Nummer 26 der Buchchallenge

Nr. 26

EIN REISEFÜHRER, DER DEN WUNSCH AUF EINE REISE GEWECKT HAT

Eigentlich kaufe ich Reiseführer immer erst dann, wenn ich mich für eine Reise schon entschieden habe, aber es gibt eine Art von Reiseführern, die mich prinzipiell immer wieder zu Reisen motivieren.

Dazu muss man wissen, dass Ich ein herausragend mieses räumliches Orientierungsvermögen habe, wirklich herausragend. Dass ich mich vor der eigenen Haustüre verirre, wäre nun etwas übertrieben, aber gar nicht allzu viel. Mit Karten stehe ich ohnehin auf dem Kriegsfuss, Google maps in der 3D-Form kann ich auch nicht leiden, weil da viel zu viel drauf ist.

Aber diese wunderbaren Reiseführer, bei denen man von oben auf die Orte schaut und einen gewissen Überblick gewinnt, die liebe ich heiß. Es gibt sie, soviel ich weiß, von mehreren Verlagen und von vielen verschiedenen Ländern, Gegenden, Städten. Dieser hier ist von der Bretagne und die Stadt, die man sieht, ist St.Malo. Man sollte meinen, dass man sich in dem Teil der Stadt, der von Mauern umgeben ist, kaum verirren kann. Möglicherweise schaffen das aber doch außer mir noch ein paar andere Leute, sonst wäre diese Art Reiseführer nicht so beliebt.

Leider dienen Reiseführer derzeit nur zur Dekoration von Bücherregalen.

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Nummer 25 der Buchchallenge – alles fließt

Nr. 25

EIN BUCH, AUF DAS DU DURCH DEN KLAPPENTEXT NEUGIERIG WURDEST

Endlich habe ich wieder einmal ein Buch zu bieten, und ein sehr gutes. Der Klappentext ist zwar etwas dramatisch formuliert, aber ich fand das Thema so interessant, dass ich gleich zugeschlagen habe. Die Geschichte ist nicht in Ich-Form, aber doch aus der Perspektive der alzheimerkranken Frau erzählt. Die Situationen reichen von heiter bis tragisch. Sehr eindrucksvoll wie gut sich die junge Autorin in die alte Frau versetzen konnte.

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Nummer 23 der Buchchallenge – Verbindung zwischen den Zeiten

Nr. 23

EIN BUCH, DESSEN VERFILMUNG DIR BESSER GEFALLEN HAT ALS DIE VORLAGE

„Da gibt es keines“ würde ich spontan sagen. Unzählige Beispiele fallen mir ein für Verfilmungen, die ich grottenschlecht finde, oder nur schlecht oder nicht so übel oder ganz gut, einige sogar gut, aber besser als die Vorlage … Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich eine sehr lebhafte bildhafte Fantasie habe und wenn ich ein Buch lese, läuft bei mir ein Film ab, der durch die Bilder anderer meistens gestört und nicht bereichert wird.

Manchmal bin ich beeindruckt, wie in einem Film manche Szenen umgesetzt werden, die ich für unmöglich verfilmbar gehalten hätte. Meistens steht für mich ein Film aber für sich selbst, nicht als Bearbeitung einer Vorlage.

Und jetzt fällt mir doch ein Film ein, bei dem ich zumindest eine Szene besser gelöst finde als im Buch. Bei einer Verfilmung von „die Zeitmaschine“ von H.G Wells, keine Ahnung von wem und von wann sie ist, ist mir das Ende sehr plastisch in Erinnerung geblieben. Es ist der gut gelungene Versuch darzustellen, wie Menschen sich zu verschiedenen Zeiten am selben Ort befinden. Der Protagonist ist in die weit entfernte Zukunft gereist und befindet sich an dem Platz, an dem vor Jahrtausenden sein Haus in London stand. Diese Jetzt-zeit des Protagonisten wird als real dargestellt. Gleichzeitig sieht man am selben Platz in der Vergangenheit sein Haus vor dem ein Freund und seine Haushälterin stehen. Dieser Teil des Bildes ist neblig irreal dargestellt. Was ich filmisch ganz besonders gelungen gefunden habe, ist, dass die Haushälterin nach jemandem ausschaut und dann der Eindruck entsteht, dass eine Art von Verbindung, ein Gruß, ein Abschied zwischen ihr und dem Zeitmaschinenerfinder stattfindet.

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Nummer 21 der Bücherchallenge

Nr. 21

EIN COMIC ODER EINE GRAPHIC NOVEL, DIE DIR GEFÄLLT

Comics mochte ich als Kind. Wobei die Unterscheidung zwischen Comics und mit sehr vielen Zeichnungen illustrierten Kinderbüchern gar nicht so leicht fällt. Das einzige Comic, das es in meine derzeitigen Bücherregale geschafft hat, ist Asterix. Aber auch nur die von dem ursprünglichen Texter/Zeichner-Team gestalteten und immer im französischen Original. Bei den Übersetzungen fällt die Hälfte des Wortwitzes weg und ab einem bestimmten Zeitpunkt gab es überhaupt kaum mehr Wortwitz. Die zuletzt herausgekommenen Bände haben mit den Originalen nur noch den Titel gemeinsam. Ein chilenisches Comic namens Condorito mochte ich einmal ganz gerne und noch ein paar andere, aber leidenschaftliche Begeisterung war da keine dabei.

Den Unterschied zwischen Comics und Graphic Novel kann ich nicht so gut erkennen. Einfache Sprache und Zeichnungen. Na, gut.

Die einzige Graphic Novel, der ich bisher eine Chance gegeben habe mir zu gefallen, ist „Persepolis“ von Marjane Satrapi. Ich hatte zuerst das Buch gelesen und dann lieh mir jemand den ersten Band der Graphic Novel. Ich fand es recht witzig gezeichnet, aber dafür, dass ich mir die weiteren Bände besorgt hätte, reichte es nicht.

Es ist die Geschichte einer Iranerin, die als Kind das Schah-Regime, die islamische Revolution, den Irak-Krieg und die Hinrichtung ihres Onkels als Spion miterlebt und dann unter sehr schwierigen Umständen allein nach Wien geschickt wird, wo sie unter auch sehr prekären Umständen zwei Jahre lang lebt.

Es hat mir imponiert wie witzig die Zeichnungen eine tragische Geschichte darstellen.

 

Wie sie in einer iranischen Kunstschule beim Aktzeichnen lernte Faltenwurf zu zeichnen.

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Nummer 20 der Bücherchallenge – zwischen romanisch und gotisch

Nr. 20

EIN BESONDERS SCHÖN GESTALTETES BUCH

Ich bin keine Bibliophile und jage daher auch keinen Erstausgaben nach oder sonstwie besonderen Ausgaben. Ich wandle die Aufgabe ein bisschen um und mache aus „besonders schön gestaltet“ „besonders liebevoll gestaltet“. Und bei diesem Stichwort fallen mir meine vielen Ausstellungskataloge ein. Ich sehe mir gerne Kunstausstellungen aber auch alle möglichen sonstigen Ausstellungen an und wenn es einen guten Katalog dazu gibt, kaufe ich ihn. Ich habe sicher so um die hundert Ausstellungskataloge und sie vermehren sich …..

Einen habe ich ausgesucht, weil er die Erinnerung an eine besondere Ausstellung darstellt. Sehr viele Dokumente und Zeichnungen wurden zusammengetragen und in diesem sehr interessanten Katalog untergebracht.

 

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Nummer 19 der Buchchallenge – dick

Nr. 19

EIN BUCH  MIT MEHR ALS TAUSEND SEITEN

Mehr als tausend Seiten, dachte ich, werde ich bei mir nur in der Science Fiction /Fantasy Abteilung finden. Und tatsächlich bin ich sofort fündig geworden. Es gibt da eine vierbändige Geschichte, an die ich gar nicht mehr gedacht hatte. Den ersten Band habe ich auf englisch gelesen, vor Jahren. Ich erinnere mich auch, wer ihn mir geborgt hatte. Der vierte und letzte Band hat 1215 Seiten, die anderen bewegen sich auch so um die tausend herum. Die Reihe hat mir gut gefallen, ich habe tatsächlich alle vier Bände gelesen.

An einige Einzelheiten kann ich mich erinnern und an den Plot. Es geht darum, dass die virtuelle Welt Zugang zu der realen gewinnt und  Kinder in die virtuelle Welt hineinzieht. Zwei Helden haben – ganz klassisch – viele Abenteuer zu bestehen um zunächst die Ursachen dieser Situation zu entdecken und dann zu versuchen, die Welt zu retten. Unter uns: es gelingt ihnen am Ende des vierten Bandes. Damit ich die annähernd 4000 Seiten gelesen habe, muss mir das Ganze wohl ziemlich gut gefallen haben.

Was mir besonders gefallen hat, waren einige Personen der Handlung: eine südafrikanische Uni-Lehrerin für Virtualitätstechnik und ein junger Buschmann, einer ihrer Studenten. In der virtuellen Welt gewinnt dieser junge Mann, der im Leben gerade 1,50 Meter misst , äußere und innere Größe und wird zum eigentlichen Helden der Geschichte.

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Nummer 18 der Buchchallenge –

Nr. 18

EINEN SATZ, DEN DU FÜR ZITIERUNGSWÜRDIG HÄLTST 

Es gibt Bücher, in denen jeder zweite Satz so ist, dass man stundenlang über ihn nachdenken könnte. Und nachdem ich in dieser Art von Büchern gerne Stellen markiere, die ich wiederfinden möchte, habe ich eine große Auswahl an Zitierungswürdigem. Die Frage ist nur, ob ich ein Buch wählen soll, dass ich gerade lese, vor kurzem gelesen habe oder irgendwann einmal gelesen habe.

Ich habe zu einem meiner immer schon Lieblingsbücher gegriffen, vom dem ich sowohl den Anfang als auch das Ende besonders gelungen finde. Ich nehme das Ende und zitiere hier nicht einen Satz sondern die beiden letzten Absätze des Romans:

„Oh, ich begriff alles, begriff Pablo, begriff Mozart, hörte irgendwo hinter mir sein furchtbares Lachen, wusste alle hunderttausend Figuren des Lebensspiels in meiner Tasche, ahnte erschüttert den Sinn, war gewillt, das Spiel nochmals zu beginnen, seine Qualen nochmals zu kosten, vor seinem Unsinn nochmals zu schaudern, die Hölle meines Inneren nochmals und noch oft zu durchwandern.

Einmal würde ich das Figurenspiel besser spielen, einmal würde ich das Lachen lernen. Pablo wartete auf mich. Mozart wartete auf mich.“  Hermann Hesse „Der Steppenwolf“

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