la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


7 Kommentare

Der Versöhnungsgedanke war keine Kosmetik

Nelson Mandela ist für mich ein ganz großer Mensch, jemand, der sich den wahrhaftig nicht kleinen Herausforderungen seines Lebens immer gestellt hat. Er ist nicht durchs Leben getorkelt sondern immer aufrecht gegangen auch in Zeiten größter Gefahr und größter Verzweiflung.

Das Vorwort zu diesem Buch hat Erzbischof Desmond Tutu geschrieben:

„Das Buch, das Sie in Händen halten, ist so etwas wie ein Wunder. Die darin aufgezeichneten Worte nämlich wurden der Welt über vier Jahrzehnte lang vorenthalten.Von Dezember 1952 als Nelson Mandela der Bannstrahl des Apartheid-Regimes traf, bis zu seiner glorreichen Freilassung im Februar 1990, war das Lesen und Zitieren seiner Schriften ein Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wurde.Und doch gelang es nicht, Mandela mundtot zu machen. Seine Worte gingen, wenn überhaupt, im Flüsterton von einem zum anderen. Sie wurden aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt und von seinen Mitstreitern im Exil publiziert. Die Tatsache, dass Nelson Mandela heute zu den meistzitierten Menschen der Welt gehört, ist Ironie des Schicksals. Und gleichzeitig lebendiger Beweis dafür, dass die Wahrheit nicht zum Verstummen gebracht, der Weisheit nicht Einhalt geboten werden kann. „

Es ist schwierig dieses Buch irgendwie zusammenzufassen. Es ist keine klassische Biographie sondern eine Sammlung von Auszügen und Zitaten aus persönlichen Briefen, Reden, Schriften Mandelas, die thematisch und chronologisch geordnet sind. Ich finde diese Sammlung sehr geeignet um immer wieder einmal ein bisschen darin zu lesen und dann darüber nachzudenken.

„Der Versöhnungsgedanke war keine Kosmetik, die wir erst nach unserem Kampf und letztendlichem Sieg auf die Fahnen geschrieben haben. Er war Teil unseres Kampfes.Versöhnung war eine kämpferische Strategie und gleichzeitig das Endziel unseres Ringens“

Rede vor dem International Women`s Forum in Tokio. 30 Jänner 2003

Advertisements


14 Kommentare

Ein Fall von „naja“

Es war ein spontaner Kauf und tatsächlich haben mir ungefähr die ersten zwei Drittel des Buchs ganz gut gefallen. Eine originelle Idee, etwas überzogen, aber es handelt sich eben um eine Dystopie. Anfangs recht spannend und vielversprechend, wenn auch die Charaktere sehr seicht sind und nicht besonders gut dargestellt, aber eben ganz spannend.

Dann kommt der Moment, ab dem man den Eindruck hat, dass die Autorin nur irgendwie schnell mit dem Buch fertig werden will. Die Glaubwürdigkeit der Handlung bricht völlig zusammen, man kennt sich nicht mehr aus, wer nun zu welchem Lager gehört, die Personen werden nur noch mit sehr dürren Worten durch die Handlung geführt, alles wird gerafft und irgendwie runtergeschrieben, das Ende kommt zu schnell, zu konfus und ist weder glaubwürdig noch angenehm zu lesen.

Insgesamt hat mir die Idee mit dem Armband, das Frauen und sogar schon weiblichen Kindern nur erlaubt wenige Worte pro Tag zu sprechen gut gefallen, aber die Autorin war ihrem Plot nicht gewachsen. Kein Vergleich mit Margaret Atwoods „Geschichte einer Dienerin“


Hinterlasse einen Kommentar

Cixin Liu, wieder einmal

Cixin Liu „Weltenzerstörer“ Heyne 2018

Chinesische Erstausgabe 2012

Zuerst war ich enttäuscht, weil ich dachte, dass dies der lang erwartete dritte Teil der Solaris-Trilogie wäre. Es ist aber nur ein schmales Bändchen, das als ersten Teil eine kurze Novelle enthält. Allerdings entwickelt sich auf knappen 70 Seiten eine durchaus fesselnde Geschichte, die sogar eine Prise skurrilen Humor enthält, ein Element, das ich bei Cixin Liu bisher nicht erlebt habe.

Die Menschheit bekommt von einer anderen intelligenten Species eine Warnung: ein fremdes, gewaltiges Raumschiff ist unterwegs um auch die Erde zu zerstören. Soweit wäre das nicht besonders originell. Was dann kommt, ist aber spannend und endet mit der völlig unerwarteten Information über die Herkunft des Raumschiffs und seiner Besatzung und hat auch noch ein weiteres Highlight für das Ende bereit. Ich verrate nur soviel, dass  Cixin Lius freundlicher Blick auf Ameisen, den die Leser schon aus dem zweiten Band der Trisolaris-Triologie kennen, wieder zum tragen kommt.

Das Büchlein enthält auch eine wirklich lesenswerte Abhandlung über die Entwicklung der Science Fiction in China aus einer Literaturgattung, die den Kommunismus verherrlichte und sich an die sovietische Jugendliteratur anlehnte zu einem Genre, das durchaus die Probleme der modernen chinesischen Gesellschaft behandelt, aber auch über das Schicksal der Menschheit spekuliert.

Weiters gibt es eine kurze Leseprobe des tatsächlichen 3.Bandes der Trisolaris-Trilogie „Jenseits der Zeit“. Ich war doch etwas verblüfft, dass diese Leseprobe im Jahr 1453 spielt, zu dem Zeitpunkt als Konstantinopel von den Osmanen erobert wird. Das erhöht die Spannung. „Jenseits der Zeit“ soll in der deutschen Übersetzung im April 19 herauskommen.

 


9 Kommentare

Nein, leider nix für mich

Ich habe mich durch annähernd 100 Seiten durchgequält, aber leider ist nicht der allerkleinste Funke übergesprungen.

Die Troubadourin Beatriz wird von der Zauberin Melusine für 800 Jahre eingeschläfert und erwacht schließlich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Soweit ist das eine Fantasy-Handlung von der ich annahm, dass sie semi-seicht unterhaltsam dahinplätschern würde. Tatsächlich wird hier aber Fantasy und Politik bzw Klassenkampf und Feminismus vermischt und damit kann ich leider wenig anfangen.

Die Handlung beginnt in Frankreich während der 68er Bewegung und verlegt sich dann in die DDR. Liebesgedichte der Trobadora wechseln sich mit Passagen aus kommunistischer Basic-Lektüre und dann wieder Fantasy-Elementen ab und die Mischung ergibt für mich kein schlüssiges Leseerlebnis. Auch die Hauptfigur erscheint mir nur schemenhaft skizziert und ich kann in dem Text die Leichtigkeit nicht erkennen, von der in manchen Kritiken aus den 70er Jahren die Rede ist.

Tja, es muss einem ja nicht alles gefallen. Vielleicht es das Buch für irgendjemand anderen ein Erlebnis, gut geschrieben ist es ja ….

 


Ein Kommentar

36.Station der Literaturweltreise – Russland

Lena Gorelik

„Die Listensammlerin“

Rowohlt 2013

Schon seit längerer Zeit habe ich keinen Roman gelesen, der mir so gut gefallen hat wie dieser. Hochinteressante Personen daher auch eine ebenso fesselnde wie nachdenklich machende Handlung.

Sofia heißt die Ich-Erzählerin, die mit ihrem Partner lebt und ihrer zweijährigen Tochter, die mit nur einem halben Herz geboren wurde und demnächst operiert werden soll. Außerdem gibt es eine Mutter und einen Stiefvater, eine alzheimerkranke Großmutter und einen bis vor kurzem unbekannten Onkel. Die Familie stammt aus Sankt Petersburg, der Onkel und der biologische Vater Sofias sind in einem sowjetischen Straflager verschwunden.

Sowohl Sofia als auch ihr mysteriöser Onkel haben die Gewohnheit ihr Leben in Listen zu sammeln. DA gibt es so ungewöhnliche Listen wie „typische Sätze von X“, „Alles was ich über Grischa weiß“, „Männer mit schönen Händen“ und hunderte mehr. Es klingt wie eine wesentlich verfeinerte und differenziertere Form eines Bullet-Journals.

Jedenfalls hat mich das Buch so fasziniert, dass ich in die Bücherei geeilt bin und weitere drei Romane und einen soziologischen Essay von Lena Gorelik mitgenommen habe. Freu mich schon drauf!

Hier kann man meine Literaturreise verfolgen


Ein Kommentar

35. Station der Lesereise – Island

Die hohen Temperaturen machen sich bemerkbar: es gibt kein eigenes Foto des Buchs weder auf Teppich noch vor Bild sondern ein eher unscharfes Internetbildchen. Nicht dass ich nicht auch unscharfe Bilder zustande brächte aber dieses ist nicht von mir. Das Buch selbst ist ja auch eine Hitzelektüre ebenso wie andere Thriller, die ich von Indridason schon gelesen habe. Mein Berg anspruchsvoller Bücher wird höher und höher, tatsächlich greife ich derzeit daneben, zu Krimis und Thrillern um das Hirn nicht noch mehr zum Kochen zu bringen. Ach, Island, dort findet heuer ein besonders kalter Sommer statt, hätte ich auch gerne.

Arnaldur Indridason 

„Tödliche Intrige“

Der Titel ist fantasielos, die Geschichte aber recht spannend. Etwa in der Hälfte des Textes gibt es eine interessante Wendung, was den Ich-Erzähler betrifft. Es geht dem Autor nicht um eine isländische Milieuschilderung, aber so nebenbei bekommt man dies und das vom Leben in Island mit.

Ansonsten gibt es zu dem Buch nicht viel zu sagen. Es macht ja keinen Sinn einen Thriller nachzuerzählen und den Beitrag schreibe ich für die eigene Leseliste.