la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


18 Kommentare

41. Station der Leseweltreise – Polen

Wieder einmal eine Strecke der Leseweltreise

Nachdem David Ben Gurion als David Grün in Polen, das damals zum russischen Reich gehörte, geboren wurde,  und aufgewachsen ist, „verrechne“ ich ihn hier unter Polen.

Diese von Tom Segev verfasste Biographie David Ben Gurions lässt sich trotz großer Detailgenauigkeit flüssig lesen. Das ist bei einer wissenschaftlich angelegten Biographie keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es sind etwa 700 Seiten Text und  weitere  etwa 100 Seiten Anmerkungen.

Eine Biographie lässt sich nicht zusammenfassen, es sei denn man erzählte das ganze Leben der beschriebenen Person und das würde doch weit über einen Leseeindruck hinausgehen. Ich beschränke mich also darauf einige Aspekte hervorzustreichen, die mich beeindruckt haben.

Ganz besonders interessant fand ich die Geschichte der Beziehungen zwischen den im heutigen Israel ansässigen Palästinensern und den großteils eingewanderten Juden, vom Anfang der jüdischen Besiedlung unter britischer Regierung bis zur heutigen Situation, die mehr oder weniger klugen und mehr oder weniger gerechten Ansätze zu einem friedlichen Zusammenleben, die politisch hochkomplizierte Zusammenarbeit zwischen britischer Kolonialmacht, eingewanderten Juden und Palästinensern, die ebenfalls sehr schwierigen Prioritätssetzungen der zionistischen Bewegung, der Blick aus anderer Perspektive auf den zweiten Weltkrieg.

Sehr gut gefiel mir auch, dass Ben Gurion nicht auf ein Podest erhoben und mit heroischen Zügen ausgestattet wurde, sondern dass auch seine weniger bewundernswerten Eigenschaften und Handlungen im politischen und privaten Bereich beleuchtet werden. Auch so bleibt noch die Beschreibung eines Menschen, den man aus verschiedenen Gründen bewundern kann, eines Großen des 20. Jahrhunderts.

 


5 Kommentare

Durch die Welt lesen in Zeiten des Klimawandels

Meine Literaturweltreise läuft derzeit sehr langsam, ist aber keineswegs beendet. Ich habe in letzter Zeit vieles gelesen, aber von Autoren aus Ländern, die auf meiner Liste alle schon vorgekommen sind, teilweise sogar mehrmals. Demnächst möchte ich daher gerne in afrikanische Länder expandieren, vielleicht auch in arabische und werde demnächst einmal auf die Suche gehen

Tatsächlich sind es bis jetzt nur 31 Länder, die ich lesend besucht habe, was nicht besonders viel ist. Meine „Reiseseite“ ist auch etwas vernachlässigt, weil es so mühsam ist, die Länder auf der Karte, die ich verwende einzutragen. Man muss jedes Mal alle löschen und alles neu eingeben. Ich habe mich aber auch noch nicht nach einer Alternative umgesehen.

Man kann sagen, dass es absurd ist, nach diesen Kriterien seinen Lesestoff auszusuchen. Mag sein, aber ich finde es auch ziemlich bereichernd, nicht nur vom literarischen Standpunkt aus. Das Eintauchen in völlig fremde Welten und Denkweisen bringt so manche Erkenntnis mit sich.

Bedauerlich ist, dass „Weltraum, Zukunft“ nicht zu den bereisten Orten gezählt wird. Da hätte ich drei Bände von Becky Chambers zu bieten, die ich kürzlich gerne gelesen habe. Erfreulicherweise haben sie dem F. auch gefallen. Japanische Bücher habe ich auch schon mehrere auf der Liste und solche aus Israel, will also die zuletzt gelesenen nicht mehr dazuschreiben.

Die erste Hitzewelle des Sommers ist ja schon da und da würden sich Bücher von den Polen anbieten, vielleicht Grönland oder Feuerland. Sibirien eignet sich schon nicht mehr. Ich habe gehört, dass dort schon der Permafrostboden auftaut und dadurch sehr gefährliche Situationen entstehen, weil Häuser einsinken und instabil werden. Wohin man schaut, der Blick fällt auf den Klimawandel …


22 Kommentare

Samstag 8.6.19 – Ishiguro unter Pfingstrosen

Wenn ich höre, wie lange die Staus auf den Straßen Richtung Pfingstferien sind, freue ich mich darüber, dass ich zuhause geblieben bin. Man stelle sich vor, 35 Kilometer Stau und die Sonne brennt herunter und dann auf der Rückfahrt nach nur ganz wenigen Tagen nochmals das gleiche in die andere Richtung. Da lobe ich mir die Geruhsamkeit des Blümchenpflanzens. Die verbleibende Arbeit bis zum Schulschluss lobe ich mir weniger, aber ich mache sie lieber geruhsamer als im Stress.

Stattdessen habe ich gestern doch noch erschwingliche letzte Pfingstrosen gefunden. Preisgünstig waren sie nur im Vergleich zu denen um 5€ das Stück, aber immerhin. Auf dem Markt konnte ich dann auch den sonstigen Blümchen nicht widerstehen und habe einige gekauft. Auch Nelken zur Erinnerung an die Sozialdemokraten, die es, wenn sie so weitermachen, bald nicht mehr geben wird, in Deutschland nicht und auch nicht in Österreich.

Kürzlich bekamen wir Prospekte über die Qualitäten des Bezirksmarkts. ein besonderes Flair soll er haben. Leider ist mir das noch nicht aufgefallen, aber immerhin ist er ein bisschen weniger heuntergekommen als früher. Mit anderen Wiener Märkten, die tatsächlich ein gewisses Ambiente haben wie der Brunnenmarkt, der Karmelitermarkt oder der Viktor-Adler-Markt kann man ihn nicht vergleichen. Der Naschmarkt hat nur noch in der Nacht Charakter, wenn man zwischen den leeren Buden und den vollen Lokalen durchschlendert und den etwas morbiden Charme genießt. Untertags muss man bei einmal durchgehen damit rechnen unfreiwillig auf ungefähr 500 Selfies drauf zu sein, die dann auf japanischen, chinesischen und sonstigen asiatischen Instagramseiten zu sehen sein werden. Es gibt auch zu viele Touristen aus allen anderen Gegenden der Welt, aber die sind im Schnitt nicht ganz so fotowild wie die Asiaten. Das Angebot an Waren aus aller Welt und in letzter Zeit auch wieder immer mehr regionalen Produkten ist allerdings am Naschmarkt immer noch eine Freude und hat sich auch auf meinem Bezirksmarkt verbessert.

Endlich habe ich den Ishiguro fertig gelesen: „Der Maler der fließenden Welt“. Alle Ishiguros, die ich bisher gelesen habe, haben mir gefallen, so auch dieser. Er schildert das Leben im Nachkriegsjapan. Ich-Erzähler ist ein Maler, der sich am Kriegstreiben der 30er und 40er Jahre beteiligt hat, dabei berühmt wurde, und nun in der Nachkriegsgesellschaft von seiner Vergangenheit bedrängt wird. Ein hochinteressantes Sittenbild. Ishiguro ist so ein hervorragendes Beispiel dafür, dass gute Literatur auch leicht lesbar sein kann und dass man keine Krimis schreiben muss um das Interesse der Leserschaft an Sittenbildern zu wecken.


Ein Kommentar

Überschlagende physikalische Phantasie

Cixin Liu

„Jenseits der Zeit“

Heyne 2019

Es handelt sich hier um den 3. Band von Cixin Lius Science-Fiction-Trilogie, deren erste Bände „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ heißen.

Über den ersten Band habe ich hier berichtet:  „Die drei Sonnen“.

Im zweiten Teil bereitet sich die in  neue Reiche und Gruppierungen aufgeteilte Menschheit auf den kriegerischen Zusammenstoß mit den Außerirdischen vor. 400 Jahre vor dem errechneten Datum der Begegnung beginnen die Vorbereitungen.  Diese Haupthandlung wird durch diverse Nebenhandlungen umflossen, die immer wieder völlig unerwartete, überraschende Wendungen bringen. Eine Kontinuität der handelnden Personen wird durch den Kunstgriff des Kälteschlafs erreicht.

Faszinierende Zukunftsbilder gibt es in diesem Roman. Etwa das Peking des 24sten Jahrhunderts, unterirdisch, ökologisch, schwebend… Oder die drei Weltraumflotten, die die Regierungen der einzelnen Länder ersetzt haben.

Im Laufe der Handlung gibt es mehrere verblüffende Wendungen und man muss bis ganz ans Ende warten um zu erfahren, was denn der dunkle Wald ist. Das Ende führt nochmals in eine ganz andere Richtung und so klingt das Buch anders aus, als es begonnen hat.

Cixin Lius blühende Fantasie hat aber auch für den dritten  Band noch einige Überraschungen auf Lager. Leider fehlt es mir an ausreichendem physikalischen Wissen um beurteilen zu können wie weit der Autor zu Beginn der Handlung die Pfade des Möglichen verlässt. Später wird alles so phantastisch, dass er diese Pfade ganz eindeutig verlassen hat.

Die Handlung lässt sich nicht in ein paar Sätzen nacherzählen, was ich ohnehin nicht tun möchte, schließlich gehört die Überraschung zum Lesevergnügen und Cixin Liu hat viele äußerst überraschende Elemente eingebaut. Wiederum geht die Handlung in eine ganz andere Richtung als ich erwartet hätte.

Auch im dritten Band wird die Kontinuität der Handlung durch mehrere Personen gehalten, die mehrmals Jahrhunderte im Kälteschlaf verbracht haben, dann wieder geweckt wurden und so die ganze Geschichte lang präsent sind. Andere wichtige Personen werden als Helden der Geschichte auch immer wieder erwähnt.

Auf manchen Strecken im dritten Band war mir die Geschichte etwas zu physik-lastig, aber das wurde in anderen Passagen wieder ausgeglichen und insgesamt hat mir auch der dritte Band sehr gut gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie der erste.


3 Kommentare

Zwiespältiges Leseerlebnis

Bei Flumsi habe ich zuerst von dem Buch gelesen. Ich lese gerne Dystopien mit genetischem Hintergrund und so eilte ich gleich, mir das Buch zu besorgen.

Die der Geschichte zugrunde liegenden „genetischen Vorkommnisse“ sind wissenschaftlich betrachtet eher unwahrscheinlich, besonders die Vorstellung, dass sowohl bei Menschen als auch bei vielen Tierarten dasselbe Phänomen gleichzeitig auftreten sollte, aber sie sind auch nicht unmöglich. Die moderne Genetik beschäftigt sich viel mit aktiven und inaktiven Genen. Diesen Aspekt der Geschichte fand ich interessant, aber nur sehr skizzenhaft ausgeführt und dadurch etwas unbefriedigend für die biologisch-sensationslüsterne Leserin (äh….. ich bin gemeint) Man erfährt nichts über Art und Aussehen dieser „neuen“ Menschen.

Sehr gut gefallen hat mir aber die Geschichte der Ich-Erzählerin, einer von einem sehr unkonventionellen Paar adoptierten jungen Frau, deren biologische Eltern amerikanische Ureinwohner vom Volk der Ojibwe sind. Diese Geschichte ohne den dystopischen Hintergrund hätte mir auch gefallen, zumal die Autorin selbst Tochter einer Frau aus dem Volk der Ojibwe und eines Deutsch-Amerikaners ist und somit realistische Milieuschilderungen aus einem Indianerreservat zu bieten hat.

Tatsächlich spielt sich aber die Geschichte dieser Frau vor dem dystopischen Hintergrund der genetischen Veränderung der Menschheit ab. Die biologischen Veränderungen bewirken sehr schnell auch politische Veränderungen. Es entsteht in kürzester Zeit eine Diktatur, in der die Fruchtbarkeit der Frauen von der Regierung vereinnahmt wird, die ein absolut menschenverachtendes System aufziehen, das besonders für schwangere Frauen und solche, die ihre Gebärfähigkeit schon bewiesen haben zur Hölle wird. Wie Flumsi auch meinte, erinnert die Handlung ein wenig an Margaret Atwoods „Geschichte einer Magd“.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Von der literarischen Qualität war es um einiges besser als ich erwartet hatte. Ich hatte mir eine etwas minutiöser beschriebene Dystopie vorgestellt, mit ein paar schaurigen Details. Aber ich kann ja der Autorin nicht gut vorwerfen, dass ich gerne Geschichten mit intelligenten Riesenameisen und genetisch veränderten Dinosauriern und ähnlichen Schund lese.


6 Kommentare

Zusätzliche Kollateral-Rentabilität

Als ich zu bloggen begann, war mir gar nicht klar, dass mich abgesehen vom Lesen über das Leben anderer Menschen und deren Meinungen auch noch anderer Gewinn erwartete.

Tatsächlich habe ich unerwarteterweise schon eine ganz beachtliche Menge von Lektüre-Anregungen bekommen. Es gab da so ein nettes Projekt von Flumsi und Zeilenende bei dem sich die Teilnehmenden gegenseitig Bücher empfahlen. Da waren ein paar Fundstücke für mich dabei. Yvonne hat die Literaturweltreise angeregt, die ich seit langem betreibe und bei ihr habe ich auch noch das eine und andere interessante Buch gefunden. Meine Reiselektüre für Ostern habe ich bei der Wildgans (Julian Barnes) und bei Flumsi (Louise Erdrich) gefunden.


13 Kommentare

Dienstag 26.3.19

Erstaunlich wie schnell das geht: ich bin schon wieder mitten drinnen im Stress. Heute erst habe ich den letzten nötigen Zettel für die Krankenstandsbestätigung abgegeben und gleichzeitig die letzten Prüfungen für die Abschlussklassen kopiert. Die erste Korrekturnachtschicht des Sommersemesters habe ich auch schon hinter mir. Und jetzt geht es Schlag auf Schlag bis Ende April, dann die Matura, ich habe eh nur zwei Klassen, und der Rest des Schuljahres – ab Mai – wird verhältnismäßig gemütlich.

Ob ich beim dritten Anlauf Holland mit Tulpen und Atlantik im Frühling schaffe? Die Tickets und das Hotel sind gebucht, aber das waren sie schon zweimal um diese Jahreszeit und jedesmal haben mir meine Gleitwirbel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei dieser Gelegenheit hat sich herausgestellt, dass das damals gebuchte Hotel sehr kulant war und mir für die Stornierung im letzten Moment gar nichts verrechnet hat. Natürlich habe ich genau dieses Hotel wieder gebucht.

Die heurige potentielle Osterreise unterscheidet sich von den letzten Reisen dadurch, dass der F mitkäme. Ich bleibe lieber noch in der Bedingungsform, damit die Rückenwirbel nicht aufmerksam werden und den Aufstand proben. Der F fliegt nicht gerne privat, wegen des ökologischen Fußabdrucks und ich weiß es natürlich sehr zu schätzen, dass er es mir zuliebe doch einmal tut. Dafür trenne ich auch ganz sorgfältig den gesamten Abfall inklusive der Papieretiketten der Joghurtbecher  und Konservendosen und habe immer und überall eine Stofftasche zum Transport eventueller Einkäufe mit usw usf.

Es geht in dem Buch, das ich gerade fertig gelesen habe nur sehr am Rande um Wissenschaft, aber ich fand den Abschnitt interessant:

Lesje weiß, dass wissenschaftliche Objektivität Schwindel ist. Sie hat die Geschichten von Raub und Rache gelesen, von Beweisen, die ein Wissenschaftler dem anderen gestohlen hat, von den Großen Dinosaurierjägern, die gegenseitig ihre Arbeiter bestachen und den Ruf des anderen untergruben. Sie weiß, dass die Leidenschaft für die Wissenschaft genauso ist wie jede andere Leidenschaft.

Margaret Atwood „Die Unmöglichkeit der Nähe“ Ullstein Verlag  – p.279