la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Sauerteig und Philosophie

Ein sehr ungewöhnliches Buch, es ist weder ein Bildband, noch ein Kochbuch oder eine Kulturgeschichte des Sauerteigs, es ist alles gemeinsam. Geschichten rund um den Sauerteig an vielen Orten, von vielen Menschen. Geschichten aus der Geschäftswelt und aus dem Kloster. Schöne Bilder, verschiedenste Rezepte und Philosophie rund um den Sauerteig. Der Starter für den Sauerteig, höchst einfach zu machen, ist nicht gerade ewig aber doch äußerst langlebig und bietet das Grundmaterial für vielfältigste Brotsorten.

Das Buch hat mich so inspiriert, dass ich auch gleich einen Sauerteig angesetzt habe. Faszinierend, dass eine Mischung aus nichts anderem als Mehl und Wasser aufgeht, Bläschen bildet, gewissermaßen lebendig wird. Der erste Ansatz bekam den Namen Seneca. Er war zunächst sehr gut unterwegs, ist schnell und hoch aufgegangen, dann aber leider – warum auch immer – wieder zusammengefallen und ich musste sein Leben beenden. Mein zweiter ist nun gerade 35 Stunden alt. Man sieht ihn unscharf aber doch auf dem Foto. Er ist ungefähr doppelt so hoch wie gestern und  hat viele Bläschen gebildet. Wir nannten ihn Epikur in der Hoffnung, dass er weniger stoisch und vitaler als Seneca sein würde.

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Hat mich letztlich doch interessiert

Das Buch ist eine Weile herumgelegen und mein erster Blick darauf war ein flüchtiger. Schullektüre in der DDR? Jugendbuch? Hmmmm ……. Schließlich habe ich genauer hingeschaut und war angenehm überrascht.

Ein Buch mit dem Titel „Ede und Unku“, geschrieben 1932 von Grete Weiskopf unter dem Pseudonym Alex Wedding gehörte 1933 zu den von den Nazis verbrannten Büchern und später, in der DDR, zur allgemeinen Schullektüre.

„Die jüdische und kommunistische Schriftstellerin Weiskopf hatte das Sinti-Mädchen Unku in  den späten 1920er Jahren in ihrer Berliner Nachbarschaft kennengelernt(…) Weiskopf schrieb ein mitfühlendes und leidenschaftliches Jugendbuch abseits der (…) Klischees, aber erfüllt von einem proletarischen Elan, der sich vom Klassenkampf vieles, wenn nicht alles erhoffte; auch die Beseitigung des Antisemitismus und des Antiziganismus“ p6

Dieses Buch – die Geschichte von der Freundschaft eines Arbeiterbuben und eines Sinti-Mädchens – hätte mich mangels proletarischem Elan und Glauben an den Klassenkampf nicht allzu sehr interessiert. Das vorliegende Buch aber, in dem die tatsächliche Geschichte dieses Mädchens, ihrer Familie und der Sinti als Volksgruppe recherchiert wird, fand ich doch sehr lesenswert. Janko Lauenberger, der gemeinsam mit der Journalistin Juliane von Wedemeyer dieses Buchs geschrieben hat, ist ein Verwandter von Unku, deren bürgerlicher Name Erna Lauenburger war.

Es wird abwechselnd die Geschichte von Janko Lauenberger, Jahrgang 1976, der auch in der DDR aufgewachsen ist und von Unku erzählt, die mit Anfang 20 ins KZ Ausschwitz deportiert und dort gemeinsam mit ihren beiden Kindern und vielen Verwandten ermordet wurde. Ungefähr eine halbe Million Roma und Sinti wurden vom Nazi-Regime ermordet. Auch Janko Lauenbergers Kindheit als Sinti ist schwierig.

Insgesamt ein Buch, in dem man eine Menge sowohl über das Alltagsleben in der DDR als auch über das Leben der Sinti im allgemeinen erfährt. Und für diejenigen, die „Ede und Unku“ als Schulkinder gelesen haben, ist es wohl eine interessante Ergänzung.


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Hoch Gorelik !

Meine letzte literarische Entdeckung ist Lena Gorelik. Das erste Buch „Die Listensammlerin“ habe ich bei der „blind-date-mit-einem-Buch-Aktion“ meiner Bücherei zufällig kennengelernt und es hat mich richtig begeistert.

Dann folgte „Hochzeit in Jerusalem“, ganz anders geschrieben, ein ganz anderes Konzept. Oft leben Autoren von einem Konzept, von einem Thema, von einem Buchaufbau. Nicht so Lena Gorelik. In diesem Buch geht es um jüdische Identität, in einem originellen Plot. Auch hier eine junge Frau als Ich-Erzählerin.

 

Auch „Mehr Lila als Schwarz“ hat mich  überzeugt. Die Autorin schreibt völlig glaubwürdig vom Standpunkt einer 17-jährigen, in deren Welt man eintaucht. Freundschaft, Liebe, Schwärmerei, Erwachsenwerden ……

 

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Jetzt habe ich gerade „Null bis unendlich“ begonnen und es sieht ebenso gut aus wie die anderen.

 

 


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Der Versöhnungsgedanke war keine Kosmetik

Nelson Mandela ist für mich ein ganz großer Mensch, jemand, der sich den wahrhaftig nicht kleinen Herausforderungen seines Lebens immer gestellt hat. Er ist nicht durchs Leben getorkelt sondern immer aufrecht gegangen auch in Zeiten größter Gefahr und größter Verzweiflung.

Das Vorwort zu diesem Buch hat Erzbischof Desmond Tutu geschrieben:

„Das Buch, das Sie in Händen halten, ist so etwas wie ein Wunder. Die darin aufgezeichneten Worte nämlich wurden der Welt über vier Jahrzehnte lang vorenthalten.Von Dezember 1952 als Nelson Mandela der Bannstrahl des Apartheid-Regimes traf, bis zu seiner glorreichen Freilassung im Februar 1990, war das Lesen und Zitieren seiner Schriften ein Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wurde.Und doch gelang es nicht, Mandela mundtot zu machen. Seine Worte gingen, wenn überhaupt, im Flüsterton von einem zum anderen. Sie wurden aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt und von seinen Mitstreitern im Exil publiziert. Die Tatsache, dass Nelson Mandela heute zu den meistzitierten Menschen der Welt gehört, ist Ironie des Schicksals. Und gleichzeitig lebendiger Beweis dafür, dass die Wahrheit nicht zum Verstummen gebracht, der Weisheit nicht Einhalt geboten werden kann. „

Es ist schwierig dieses Buch irgendwie zusammenzufassen. Es ist keine klassische Biographie sondern eine Sammlung von Auszügen und Zitaten aus persönlichen Briefen, Reden, Schriften Mandelas, die thematisch und chronologisch geordnet sind. Ich finde diese Sammlung sehr geeignet um immer wieder einmal ein bisschen darin zu lesen und dann darüber nachzudenken.

„Der Versöhnungsgedanke war keine Kosmetik, die wir erst nach unserem Kampf und letztendlichem Sieg auf die Fahnen geschrieben haben. Er war Teil unseres Kampfes.Versöhnung war eine kämpferische Strategie und gleichzeitig das Endziel unseres Ringens“

Rede vor dem International Women`s Forum in Tokio. 30 Jänner 2003


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Ein Fall von „naja“

Es war ein spontaner Kauf und tatsächlich haben mir ungefähr die ersten zwei Drittel des Buchs ganz gut gefallen. Eine originelle Idee, etwas überzogen, aber es handelt sich eben um eine Dystopie. Anfangs recht spannend und vielversprechend, wenn auch die Charaktere sehr seicht sind und nicht besonders gut dargestellt, aber eben ganz spannend.

Dann kommt der Moment, ab dem man den Eindruck hat, dass die Autorin nur irgendwie schnell mit dem Buch fertig werden will. Die Glaubwürdigkeit der Handlung bricht völlig zusammen, man kennt sich nicht mehr aus, wer nun zu welchem Lager gehört, die Personen werden nur noch mit sehr dürren Worten durch die Handlung geführt, alles wird gerafft und irgendwie runtergeschrieben, das Ende kommt zu schnell, zu konfus und ist weder glaubwürdig noch angenehm zu lesen.

Insgesamt hat mir die Idee mit dem Armband, das Frauen und sogar schon weiblichen Kindern nur erlaubt wenige Worte pro Tag zu sprechen gut gefallen, aber die Autorin war ihrem Plot nicht gewachsen. Kein Vergleich mit Margaret Atwoods „Geschichte einer Dienerin“


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Cixin Liu, wieder einmal

Cixin Liu „Weltenzerstörer“ Heyne 2018

Chinesische Erstausgabe 2012

Zuerst war ich enttäuscht, weil ich dachte, dass dies der lang erwartete dritte Teil der Solaris-Trilogie wäre. Es ist aber nur ein schmales Bändchen, das als ersten Teil eine kurze Novelle enthält. Allerdings entwickelt sich auf knappen 70 Seiten eine durchaus fesselnde Geschichte, die sogar eine Prise skurrilen Humor enthält, ein Element, das ich bei Cixin Liu bisher nicht erlebt habe.

Die Menschheit bekommt von einer anderen intelligenten Species eine Warnung: ein fremdes, gewaltiges Raumschiff ist unterwegs um auch die Erde zu zerstören. Soweit wäre das nicht besonders originell. Was dann kommt, ist aber spannend und endet mit der völlig unerwarteten Information über die Herkunft des Raumschiffs und seiner Besatzung und hat auch noch ein weiteres Highlight für das Ende bereit. Ich verrate nur soviel, dass  Cixin Lius freundlicher Blick auf Ameisen, den die Leser schon aus dem zweiten Band der Trisolaris-Triologie kennen, wieder zum tragen kommt.

Das Büchlein enthält auch eine wirklich lesenswerte Abhandlung über die Entwicklung der Science Fiction in China aus einer Literaturgattung, die den Kommunismus verherrlichte und sich an die sovietische Jugendliteratur anlehnte zu einem Genre, das durchaus die Probleme der modernen chinesischen Gesellschaft behandelt, aber auch über das Schicksal der Menschheit spekuliert.

Weiters gibt es eine kurze Leseprobe des tatsächlichen 3.Bandes der Trisolaris-Trilogie „Jenseits der Zeit“. Ich war doch etwas verblüfft, dass diese Leseprobe im Jahr 1453 spielt, zu dem Zeitpunkt als Konstantinopel von den Osmanen erobert wird. Das erhöht die Spannung. „Jenseits der Zeit“ soll in der deutschen Übersetzung im April 19 herauskommen.