Schlagwort: ungarisch-

Dienstag 11. Jänner 2022 – Ungarischgeflüster

Ich war fleißig und habe den gesamten Stoff aus den bisher 11 Kursstunden nochmals durchgeackert, wobei „ackern“ das falsche Wort ist, den ich habe es ja freiwillig und mit großer Freude gemacht. Der F ist nicht allzu begeistert darüber, dass ich derzeit „fiatalember“ oder „uram“ zu ihm sage, aber das sind nur winzige Kollateralschäden.

Um das zeitlich aufwendige Lernen aus dem einsprachigen Lehrbuch zu unterstützen, habe ich mir mehrere andere Lehrbücher aus der Bibliothek geholt und schließlich zwei davon ausgesucht und gekauft. Es ist schon ganz was anderes, wenn Grammatikerklärungen auf Deutsch sind. „németül“ heißt „auf Deutsch“.

Langsam bekomme ich ein ganz gutes Gefühl dafür, wie die Balance zwischen dem analytischen und dem intuitiven Zugang beim Lernen dieser wirklich fremden Sprache aussehen muss. Anfangs habe ich wichtige Ausdrücke und Sätze gelernt mit dem Ziel eine Minimalbasic-Konversation führen zu können. Dazu gehören auch mögliche Antworten auf Basic-Fragen wie „wie geht´s „. „wie heißt du ?“ „wo lebst du“ „was machst du“ etc. Das kann ich inzwischen ganz gut und habe nun im zweiten Durchgang Strukturelles entdeckt.

Ein kleines Beispiel. „Örvendek“ ist eine Höflichkeitsfloskel wie „sehr erfreut“. Nun habe ich gesehen, dass es sich da eigentlich um ein Verb handelt, ebenso wie „Köszönöm“, danke, auch das ist ein Verb.

Ja und? kann man sagen, Hauptsache es gelingt, in einer Situation passend zu reagieren. Solche „Erkenntnisse“ führen aber zu einem gewissen Durchblick durch das System der jeweiligen Sprache. Nur mit einen solchen Durchblick ist es möglich, ein Netz zu knüpfen, in das man dann mit fortschreitender Kompetenz immer mehr Teile hineinweben kann. Irgendwann – aus meiner derzeitigen Sicht in recht ferner Zukunft – kann man dann zur Beherrschung einer Sprache kommen.

Mittwoch, 15.Dezember 2021

Nach drei Wochen zoom-Kommunikation fand mein Ungarischkurs wieder einmal in Präsenz statt. Es war nett die Leute wieder in natura zu sehen. Fünf waren wir ursprünglich. Einer ist de facto schon abgesprungen. Er ist nicht regelmäßig gekommen, hat überhaupt nichts gelernt und sein Beitrag bestand darin, wortreich zu erklären, warum er überhaupt keine Ahnung hat, worum es gerade geht.

Diesen Typus kenne ich aus dem Unterricht in der Abendschule. Die Phase zwischen Anmeldung und Abschluss, in der der Erwerb von Kenntnissen und Kompetenzen stattfinden sollte, wird ausgeblendet. Anstatt sich mit dem Stoff des Unterrichts zu befassen, träumen solche Menschen davon, was sie mit dem vielen Geld machen, das sie aufgrund ihrer Abschlüsse verdienen werden.

Bleiben also vier Leute von denen ich annehme, dass sie zumindest das erste Semester beenden werden. dann wird man weitersehen.

Ich bin zu Fuß durch die Stadt gegangen und habe mir die Weihnachtsbeleuchtung angesehen. Die roten Riesenkugeln in der Rotenturmstraße finde ich besonders beeindruckend, alle Jahre wieder. Die Stimmung insgesamt war allerdings nicht gerade euphorisch. Am Schwedenplatz, vor dem U-Bahneingang stand eine Impfbim. Impfbusse habe ich schon viele gesehen, aber eine Impf-Straßenbahn noch nicht. Dabei ist so eine Straßenbahn von ihrer Form her für diesen Zweck recht geeignet.

Immerhin hat mir die Runde gut genug gefallen um zu beschließen demnächst einmal ins Zentrum fotografieren zu gehen. Ich ging über den Morzinplatz, wo es bis ins 16. Jahrhundert eine Schiffsanlegestelle gab und in den finstersten Zeiten die Leitstelle der Gestapo stand. In aller Seelenruhe ging vor mir eine ziemlich große, sehr wohlgenährte Ratte bis zum nächsten Gebüsch und verschwand dann. Mitten in der Stadt. Könnte man eventuell als symbolträchtig interpretieren.

Samstag 27.November 2021 – Kränze und Bücher

Gestern war es nicht, da bin ich mir sicher, aber doch knapp vor vorgestern, dass ich mich mit dem Thema Adventkränze beschäftigt habe. Ein Jahr kann jedenfalls unmöglich vergangen sein!

Man kann diese wohlriechenden Kränze ja das ganze Jahr lang genießen. Manche von den Bestandteilen riechen umso besser je trockener sie sind. Meine Freude an Adventkränzen hat auch keinerlei religiösen Hintergrund, bestenfalls einen jahreszeitlich bedingten. Eigentlich aber geht es mir nur um angenehme Gerüche, um verschiedene Zweige, den Geruch der gerade gelöschten Kerzen und der Zimtstangen.

Heute werde ich auf dem Markt Ausschau halten nach zwei Adventkränzen, einem mit Kerzen und Sonstigem und einem ohne irgendwas, nur zum Riechen.

Und endlich habe ich beim Österreichischen Bundesverlag ein Ungarischbuch gefunden, mit dem ich wahrscheinlich lernen kann. Ich habe es satt, mit großem Zeitaufwand alles aus verschiedenen Quellen zusammenzusuchen und dann im Kurs auch nur völlig sinnentleerte Einsetzübungen zu machen. Eine schlechte Lehrerin und ein schlechtes Buch sind zuviel.

Ungarisches Geflüster in hell und dunkel

In meiner allerersten Ungarisch-Stunde fragte ich mich wieso ein Thema wie „Vokalharmonie“ gleich ganz am Anfang abgehandelt werden müsste. Das konnte doch wohl nicht so wichtig sein, dass es noch vor allem anderen kommen sollte. Was für ein Irrtum!

Diese Vokalharmonie zieht sich durch absolut alles. Es gibt Wörter mit dunklen Vokalen, Wörter mit hellen Vokalen und solche mit gemischten. Sämtliche Suffixe und Verbalendungen folgen diesem Prinzip Ich bin gerade bei den allerersten Verben angelangt und auch bei den regelmäßigen Verben im Präsens gibt es je nach Vokalen, die im Stamm vorkommen eine dunkle und zwei helle Endungen. Zum Beispiel kann die Endung für die zweite Person Plural bei einer Gruppe regelmäßiger Verben -tok, -tek oder -tök lauten. Ich bin immer noch fasziniert.

Leider zeigt sich immer deutlicher, dass unsere Lehrerin ihre Muttersprache zwar natürlich beherrscht, aber vieles nicht erklären kann. Auch Dinge, die mir nicht besonders kompliziert erscheinen wie etwa der Unterschied zwischen zwei verschiedenen Fragewörtern. Aber vielleicht tue ich ihr unrecht und es handelt sich um Unterscheidungen von großer Komplexität.

Jedenfalls war die Gute aber auf die online-Stunde schlecht vorbereitet. Übungszettel zum Bearbeiten sollte man vorher per e-mail verschicken ebenso wie Grammatikerklärungen, die im zoom-chat getipselt sehr unzufriedenstellend sind. Aber ich weiß eh, was für eine Horrorteilnehmerin eines Sprachkurses ich bin ….

Servusztok

Das Ungarische unterscheidet ob man eine oder mehrere Personen begrüßt und so ist „Servusztok“ eine informelle Begrüßung für mehrere Leute, heißt also in etwa „grüß euch“. Mich fasziniert wie man da an das lateinische Wort „servus“ eine Silbe aus der asiatischen Steppe, „tok“ , anhängt.

Die Strukturen dieser Sprache sind völlig verschieden von denen jeder indoeuropäischen Sprache. Mich fasziniert das, ich finde mich aber durch das blödsinnige einsprachige Lehrbuch sehr gebremst, milde ausgedrückt.

Jage ich die Übungsanweisung „Melyik szó illik az igéhez? Egészitse ki a 4. feladat alapján!“ durch die Übersetzungsmaschine bekomme ich „Welches Wort passt zu dem Wort? Füllen Sie die Lücken anhand der Übung 4 aus. “ Hmmm, das ist wie ein Rätsel: welches könnten die beiden Bezeichnungen für „Wort“ sein ? Was ist damit überhaupt gemeint? Woran erkennt man ein Verb? Kommt da überhaupt eines vor?

Aber wenn irgendjemand glaubt, mich mit diesem unbrauchbaren Lehrbuch entmutigen zu können, hat er/sie sich getäuscht !! Ich werde Ungarisch sprechend triumphal aus dem Chaos auftauchen! Die Frage ist nur wann.

Aber gut, ich merke mir jetzt einmal, dass „Nagy-Brittannia“ Großbritannien heißt und „nagy“ somit groß. „Liechtenstein“ heißt einfach „Liechtenstein“. Na, das ist doch eine gute Nachricht.

Mittwoch 6.Oktober 2021 – ungarisches Geflüster

Der erste Ungarischkurs, mit etwas durchwachsener Bilanz. Die Kursleiterin war eine Vertretung der tatsächlichen Kursleiterin, die wir also erst in der zweiten Stunde kennenlernen werden. Das ist ja nicht so schlimm. Diese Lehrerin war sehr charmant, die Gruppe angenehmerweise auch nur aus fünf Personen bestehend, perfekt.

Bücher wurden verkauft, die sich zunächst niemand angesehen hat, was ein Fehler war. Es wird ein einsprachiges Lehrbuch und eine einsprachige Grammatik verwendet. Man stelle sich vor, ich beherrsche 3,5 Wörter ungarisch und soll nun die hochkomplizierte Grammatik dieser Sprache ausgehend von ungarischen Erklärungen, die ich natürlich nicht verstehe, erlernen. Schon in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wusste man, dass diese Lernmethode für Erwachsene und ohne sprachliches Umfeld völlig ungeeignet ist.

Ich möchte mich aber ungern als Horrorkursteilnehmerin profilieren nach dem Motto „ich habe jahrzehntelange Erfahrung als Sprachlehrerin und weiß, wie das geht“ und dann womöglich noch mit dem Zusatz „so nämlich nicht“. Ich will auch nicht jedes Mal bedeutungsvoll schauen, wenn irgendwas nicht funktioniert.

Nicht so toll fand ich auch, dass die Kursleiterin zuerst meinte, es wäre didaktisch völlig verkehrt gleich in der ersten Stunde in die nicht ganz einfache Grammatik des Ungarischen einzusteigen, aber zehn Minuten später mit hellen und dunklen Vokalen und dem Plural begann.

Die Lösungsmöglichkeit, zu der ich mich entschlossen habe, ist, großen Aufwand zu treiben. Mindestens ein anderes Lehrbuch und eine Grammatik erwerben, eine Vokabelkartei anlegen, die Arbeitsanweisungen und Erklärungen aus dem einsprachigen Buch durch DeepL jagen. Das wird recht mühsam, aber wahrscheinlich ist es letztlich recht effektiv, weil ich mir alles besser merken werde, wenn ich es abgeschrieben, eingetippselt und übersetzt habe.

Intrinsische Motivation übersteht schlechte Bedingungen, schlechte Lehrer*innen und ungeeignete Bücher.

„Tartalom“ wird wohl Inhaltsverzeichnis heißen

Ich weiß nur,

… dass Müemlék so etwas wie „Baudenkmal“ heißt. Das habe ich den Kellner gefragt, der großartig Deutsch konnte. Erfreulicherweise bietet DeepL auch ungarisch an, aber allein schon das Eintippen dieser langen Wörter mit Akzenten und Umlauten…

Aha, „1773-ban“ heißt „im Jahr 1773“. Na, das hätte ich mir denken können. 1773, da war Maria Theresia Kaiserin. „helyreallitotta az orszagos müemleki felügyelöség“ heißt laut DeepL „wurde von der nationalen Aufsichtsbehörde wieder in Kraft gesetzt“. Das macht Sinn. Faszinierenderweise heißt 1968-BEN auch „im Jahr 1968“

Kèsörokokò schafft DeepL nicht, aber Rokokò ist natürlich Rokoko und A Keleti Rèsz heißt „Das Ostkreuz“. Seltsam.

Sehr viel schlauer bin ich nicht geworden, aber der Ungarisch-Kurs hat ja auch noch nicht einmal begonnen.