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Einfach so

Auf ungarisch CSAK ÚGY. Das „gy“ gehört zu den sehr schwer aussprechbaren Lauten des Ungarischen. Erinnert mich an einen portugiesischen Freund, der einmal meinte, dass die Ausländer es nie schaffen würden MAGALHÃES richtig auszusprechen. Mein Einwurf, dass es sich bei den Ausländern um 90% der Weltbevölkerung handelt, hat ihn nicht beeindruckt. Sämtliche Ungarn und Ungarinnen, die mir bis jetzt untergekommen sind, hatten aber allergrößtes Verständnis dafür, dass ihre Sprache, die schönste und melodischte der Welt eben auch schwer zu lernen sei.

Mittwoch 7. Juli 2022

Es trifft sich gut, dass mein ungarischer Sommerintensivkurs zwischen den Hitzewellen stattfindet. Es wäre sonst sehr beschwerlich, dreimal in der Woche bei glühender Hitze dort hinzufahren. Aber es ist temperaturmäßig richtig angenehm. Nicht nur temperaturmäßig, auch der Kurs als solcher ist gut. Er wird von einer routinierten Sprachlehrerin abgehalten, der es gelingt, Ungarisch so zu unterrichten, dass man den Eindruck gewinnt, dass diese Sprache erlernt werden kann und nicht nur von Kleinkindern. Ich habe bisher in zwei Abenden mehr geredet als in den zwei Semestern davor.

Es ist auch eine nette Gruppe, die aber wie alle solche Gruppen einer starken Schrumpfung ausgesetzt ist. Am ersten Abend waren es zwölf Leute, am zweiten neun. Ich bin gespannt, wie viele nach zwei Wochen übrigbleiben werden. Die Motive zum Ungarischlernen sind nicht vielfältig. Die einen haben Freunde, Freundinnen, Partner, Partnerinnen, die Ungarn sind. Die andere Gruppe besitzt Häuser in Ungarn, die meisten in Sopron. Außer mir gibt es noch einen zweiten Lernenden, dessen Motivation auch nur die Freude an der Sache ist.

Die Lehrerin ist Ungarin mit einem nahezu perfekten Deutsch. Zu Beginn des ersten Kurses war ich mir nicht sicher, ob sie wirklich Ungarin ist, aber nach über drei Stunden guten Unterrichts mit viel Einsatz ihrerseits, konnte man gelegentlich einen klitzekleinen Akzent durchblitzen hören, aber mir ist kein einziger Deutsch-Fehler aufgefallen. Und ich bin eine sehr kritische Hörerin.

Mit anderen Worten hat sich meine Ungarischlernsituation wesentlich verbessert und ich überlege schon, wann ich einen Abstecher ins Nachbarland mache um ein wenig zu üben, falls mir das gelingt, denn nahe der Grenze gibt es recht viele Ungarn und Ungarinnen, die ausgezeichnet Deutsch können und es als Freundlichkeit ihrerseits betrachten, kein Wort Ungarisch von sich zu geben.



Mittwoch, 29.Juni 2022 – Gedankenfetzen

Den letzten Ungarischkurs in diesem Semester habe ich absolviert. In letzter Zeit habe ich etwas geschwächelt, weil anderweitig gar so viel los war, aber ich habe mich schon für zwei Intensivwochen im Juli angemeldet um die Grundpfeiler besser einzuzementieren. Hoffentlich werde ich das nicht bereuen, denn die Stadt glüht jetzt schon und es ist erst Ende Juni. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe…

Ich überlege, mir im Herbst jemanden zur Konversation zu engagieren. Sehr viel geht da noch nicht, aber man muss ja irgendwie damit anfangen, die Grammatik und Vokabel zusammenzusetzen und ins Leben zu bringen.

Aus gegebenem Anlass rätsle ich gerade über „schlagen“, „vorschlagen“, „zuschlagen“, „beschlagen“. Deutsch ist nicht ganz so schwierig wie ungarisch, aber auch ziemlich furchtbar.

Auch im Atelier hätte ich sturmfreie Bude, der D ist in Irland und kommt erst gegen Ende August zurück, aber zum Malen fehlt s mir gerade an Motivation, kommt auch nicht oft vor. Heute um 11h hat es bereits 30 Grad, da kann man sich auf den Nachmittag richtig freuen ! Der F sagt, im Sommer wäre die Hitze mein vorrangiges Thema. Das ist nicht falsch, aber wenigstens findet er nicht, dass sie mein einziges Thema ist. Wenn er heute nachhause kommt und unter der Hitze stöhnt, es werden wahrscheinlich mehr als 36 Grad, werde ich bedeutungsschwer die Stirn runzeln oder so

Echtes Lángos

Lángos gibt es in Wien seit Jahrhunderten. Es gehört zum Besuch des Wurstlpraters unbedingt dazu. Das Lángos, das im Prater verkauft wird, ist ein dünnes, knuspriges Fladenbrot. Das Lángos, das bei einem ungarischen Stand verkauft wurde, dem Original also näher, war völlig anders, mit allem Möglichen gefüllt. Es gab sogar eine süße Variante mit Schoko und Zimt.

Die Version mit Rahm und Käse
Die Version mit Schinken und Käse

Ungarn in Wien

Ein kleines ungarisches Festival gab es an diesem Wochenende im Prater. Es war nicht umwerfend, aber doch ganz nett. Zum Abschluss wurde ein Musical aufgeführt. Ich war ziemlich begeistert, dass ich doch hin und wieder ein Wort verstanden habe, solche, die auf der Bühne gesprochen oder gesungen wurden und solche, die von den anwesenden Ungarn gesagt wurden. Ein paar Monate bei so intensiver Berieselung und ich könnte die Sprache einigermaßen fließend. Das schönste, was ich verstanden habe war „Gulyaskommunismusban“, das -ban ist eine Ortsangabe

Mittwoch 11. Mai 2022 – Napló

An der Ungarischfront geht es gerade hoch her. Wir haben einen ersten Test gemacht mit dessen Ergebnis ich ganz zufrieden bin, nur bei den Vokabeln hapert es noch etwas. Wenn man aber bedenkt, wie schwierig sie zu merken sind, weil es kaum jemals irgendeine Ähnlichkeit mit einer mir bekannten Sprache gibt, dann sieht es damit auch nicht so schlecht aus. Als kleine Kostprobe die Wochentage, besonders der Donnerstag hat es mir angetan.


hetfő – kedd – szerda – csütörtök – péntek – szombat – vasárnap

Ich habe eine sehr brauchbare ungarische Tastatur gefunden, die auch vorliest. Die Akzente sind ja leicht zu setzten, Umlaute gibt es auf einer deutschen Tastatur auch, aber im Ungarischen unterscheidet man zwischen langen und kurzen Umlauten:
őőőőő   ööööö
űűűűű    üüüüü

Meine Begeisterung für die Sprache ist ungebrochen. Einer meiner Mitlernenden meinte, dass seine Motivation durch die Wiederwahl von Orbán doch deutlich beeinträchtigt wäre. Für mich ist das nicht so. Weder hat Orbán die Sprache erfunden noch beeinflusst er sie und ewig wird er auch nicht an der Macht bleiben.

Auf bis zu dreißig Grad soll die Temperatur heute ansteigen. Ich verstehe wirklich nicht, was es denn da zu jubeln gibt. Dreißig im Mai, fünfundvierzig im Juli ?

Neues aus der Puszta

Langsam, langsam, noch langsamer gelingen mir meine ersten selbstständigen ungarischen Sätze wie „zum Frühstück trinke ich Tee“ oder „ich lerne gerne Sprachen“ . Ganz einfache Sätze, wenn nicht im Ungarischen alles kompliziert wäre. Aber ich sehe schon Fortschritte. Allerdings habe ich auch noch in keine der Sprachen, die ich gelernt habe auch nur annähernd so viel Zeit und Energie hineingesteckt..

A propos „hineingesteckt“: es gibt im Ungarischen abgesehen von gefühlt tausenden Suffixen auch noch eine Menge Verbalpräfixe. Diese sind im Deutschen auch sehr kompliziert. Trennbare und untrennbare Verbalsuffixe gibt es da. Man erkläre einmal einem Deutschlernenden warum es „Ich entdecke es“, aber „ich decke es auf“ heißt und „ich bedecke es“ aber „ich decke es zu“. Wobei ich es beim letzten Beispiel auch geradezu unmöglich finde, jemandem den Unterschied in der Bedeutung zu erklären. Ich habe aber auch keine Erfahrung dabei, jemandem Deutsch beizubringen.

Nachdem ich mich intensiv über das einsprachige Ungarisch-Lehrbuch und den unendlich langweiligen Kurs beschwert habe, ja siehe da ….. es gibt deutsche Erklärungen für das einsprachige Buch, nur wusste unsere Kursleiterin das nicht. Sie wusste auch nicht, dass es eine sehr hilfreiche Grammatik zu dem Buch auf Deutsch gibt und auch noch jede Menge Unterrichtsmaterialien für Lehrende, die man natürlich auch als Lernende verwenden kann. Mir kommt vor, ihre Chefin hat ein paar klärende Sätze zu ihr gesprochen (ich will mir gar nicht vorstellen, wie das auf ungarisch klingen mag).
Das Ergebnis ist hocherfreulich: der Kurs ist um 100% besser, aktiver, interessanter geworden. Ich fürchte daraus schließe ich, dass noble Zurückhaltung nicht immer die zielführendste Verhaltensweise ist.

Unmöglich ist gar nix

Kleine Einblicke in das Ungarische. Das Wort „vagy“ ist entweder die dritte Person Singular vom Verb „sein“, also „er/sie ist“ oder es bedeutet „oder“. Wenn ich also sagen möchte „oder er ist“ ? Langsam wundert es mich nicht mehr, dass die ungarische Sprachschule für jedes Niveau auch immer einen Wiederholungskurs anbietet. lch werde aber (noch) keinen solchen besuchen sondern einen zweiten Teil A1. Meine Mitlernenden sind weder schneller noch besser unterwegs als ich obwohl sie alle einiges an Vorkenntnissen hatten. Ich liebe es, wenn ich in einem Kurs – worüber auch immer – anfangs die schwächste bin. So eine Situation motiviert mich und ich lerne. Dabei bin ich sonst nicht besonders ehrgeizig, in so einem Fall dann schon.

Der F ist auf ein „Visuelles Wörterbuch – ungarisch“ gestoßen. Früher hieß so etwas „Bildwörterbuch“. Es ist genau dasselbe Konzept: Vokabular verschiedener Lebensbereiche wird bebildert. Es ist sehr hübsch gemacht und durchaus nützlich. Ein paar Vokabel-Gustostücke:
természettudomány – die Naturwissenschaften ohne jedes Suffix. Das ist nur die Grundform des Wortes an die man allerhand anhängen kann
mozgáskorlátozottparkolóhely – der Behindertenparkplatz, auch dieses Wort kann noch beträchtlich verlängert werden.

Kurz gesagt, die Herausforderung ist beträchtlich. wenn ich mir eine andere Sprache ausgesucht hätte, auch eine schwierigere wie zB. Russisch könnte ich wahrscheinlich schon elementaren Smalltalk. Davon ist auf Ungarisch noch nicht die Rede.

Dienstag 11. Jänner 2022 – Ungarischgeflüster

Ich war fleißig und habe den gesamten Stoff aus den bisher 11 Kursstunden nochmals durchgeackert, wobei „ackern“ das falsche Wort ist, den ich habe es ja freiwillig und mit großer Freude gemacht. Der F ist nicht allzu begeistert darüber, dass ich derzeit „fiatalember“ oder „uram“ zu ihm sage, aber das sind nur winzige Kollateralschäden.

Um das zeitlich aufwendige Lernen aus dem einsprachigen Lehrbuch zu unterstützen, habe ich mir mehrere andere Lehrbücher aus der Bibliothek geholt und schließlich zwei davon ausgesucht und gekauft. Es ist schon ganz was anderes, wenn Grammatikerklärungen auf Deutsch sind. „németül“ heißt „auf Deutsch“.

Langsam bekomme ich ein ganz gutes Gefühl dafür, wie die Balance zwischen dem analytischen und dem intuitiven Zugang beim Lernen dieser wirklich fremden Sprache aussehen muss. Anfangs habe ich wichtige Ausdrücke und Sätze gelernt mit dem Ziel eine Minimalbasic-Konversation führen zu können. Dazu gehören auch mögliche Antworten auf Basic-Fragen wie „wie geht´s „. „wie heißt du ?“ „wo lebst du“ „was machst du“ etc. Das kann ich inzwischen ganz gut und habe nun im zweiten Durchgang Strukturelles entdeckt.

Ein kleines Beispiel. „Örvendek“ ist eine Höflichkeitsfloskel wie „sehr erfreut“. Nun habe ich gesehen, dass es sich da eigentlich um ein Verb handelt, ebenso wie „Köszönöm“, danke, auch das ist ein Verb.

Ja und? kann man sagen, Hauptsache es gelingt, in einer Situation passend zu reagieren. Solche „Erkenntnisse“ führen aber zu einem gewissen Durchblick durch das System der jeweiligen Sprache. Nur mit einen solchen Durchblick ist es möglich, ein Netz zu knüpfen, in das man dann mit fortschreitender Kompetenz immer mehr Teile hineinweben kann. Irgendwann – aus meiner derzeitigen Sicht in recht ferner Zukunft – kann man dann zur Beherrschung einer Sprache kommen.

Mittwoch, 15.Dezember 2021

Nach drei Wochen zoom-Kommunikation fand mein Ungarischkurs wieder einmal in Präsenz statt. Es war nett die Leute wieder in natura zu sehen. Fünf waren wir ursprünglich. Einer ist de facto schon abgesprungen. Er ist nicht regelmäßig gekommen, hat überhaupt nichts gelernt und sein Beitrag bestand darin, wortreich zu erklären, warum er überhaupt keine Ahnung hat, worum es gerade geht.

Diesen Typus kenne ich aus dem Unterricht in der Abendschule. Die Phase zwischen Anmeldung und Abschluss, in der der Erwerb von Kenntnissen und Kompetenzen stattfinden sollte, wird ausgeblendet. Anstatt sich mit dem Stoff des Unterrichts zu befassen, träumen solche Menschen davon, was sie mit dem vielen Geld machen, das sie aufgrund ihrer Abschlüsse verdienen werden.

Bleiben also vier Leute von denen ich annehme, dass sie zumindest das erste Semester beenden werden. dann wird man weitersehen.

Ich bin zu Fuß durch die Stadt gegangen und habe mir die Weihnachtsbeleuchtung angesehen. Die roten Riesenkugeln in der Rotenturmstraße finde ich besonders beeindruckend, alle Jahre wieder. Die Stimmung insgesamt war allerdings nicht gerade euphorisch. Am Schwedenplatz, vor dem U-Bahneingang stand eine Impfbim. Impfbusse habe ich schon viele gesehen, aber eine Impf-Straßenbahn noch nicht. Dabei ist so eine Straßenbahn von ihrer Form her für diesen Zweck recht geeignet.

Immerhin hat mir die Runde gut genug gefallen um zu beschließen demnächst einmal ins Zentrum fotografieren zu gehen. Ich ging über den Morzinplatz, wo es bis ins 16. Jahrhundert eine Schiffsanlegestelle gab und in den finstersten Zeiten die Leitstelle der Gestapo stand. In aller Seelenruhe ging vor mir eine ziemlich große, sehr wohlgenährte Ratte bis zum nächsten Gebüsch und verschwand dann. Mitten in der Stadt. Könnte man eventuell als symbolträchtig interpretieren.

Samstag 27.November 2021 – Kränze und Bücher

Gestern war es nicht, da bin ich mir sicher, aber doch knapp vor vorgestern, dass ich mich mit dem Thema Adventkränze beschäftigt habe. Ein Jahr kann jedenfalls unmöglich vergangen sein!

Man kann diese wohlriechenden Kränze ja das ganze Jahr lang genießen. Manche von den Bestandteilen riechen umso besser je trockener sie sind. Meine Freude an Adventkränzen hat auch keinerlei religiösen Hintergrund, bestenfalls einen jahreszeitlich bedingten. Eigentlich aber geht es mir nur um angenehme Gerüche, um verschiedene Zweige, den Geruch der gerade gelöschten Kerzen und der Zimtstangen.

Heute werde ich auf dem Markt Ausschau halten nach zwei Adventkränzen, einem mit Kerzen und Sonstigem und einem ohne irgendwas, nur zum Riechen.

Und endlich habe ich beim Österreichischen Bundesverlag ein Ungarischbuch gefunden, mit dem ich wahrscheinlich lernen kann. Ich habe es satt, mit großem Zeitaufwand alles aus verschiedenen Quellen zusammenzusuchen und dann im Kurs auch nur völlig sinnentleerte Einsetzübungen zu machen. Eine schlechte Lehrerin und ein schlechtes Buch sind zuviel.

Ungarisches Geflüster in hell und dunkel

In meiner allerersten Ungarisch-Stunde fragte ich mich wieso ein Thema wie „Vokalharmonie“ gleich ganz am Anfang abgehandelt werden müsste. Das konnte doch wohl nicht so wichtig sein, dass es noch vor allem anderen kommen sollte. Was für ein Irrtum!

Diese Vokalharmonie zieht sich durch absolut alles. Es gibt Wörter mit dunklen Vokalen, Wörter mit hellen Vokalen und solche mit gemischten. Sämtliche Suffixe und Verbalendungen folgen diesem Prinzip Ich bin gerade bei den allerersten Verben angelangt und auch bei den regelmäßigen Verben im Präsens gibt es je nach Vokalen, die im Stamm vorkommen eine dunkle und zwei helle Endungen. Zum Beispiel kann die Endung für die zweite Person Plural bei einer Gruppe regelmäßiger Verben -tok, -tek oder -tök lauten. Ich bin immer noch fasziniert.

Leider zeigt sich immer deutlicher, dass unsere Lehrerin ihre Muttersprache zwar natürlich beherrscht, aber vieles nicht erklären kann. Auch Dinge, die mir nicht besonders kompliziert erscheinen wie etwa der Unterschied zwischen zwei verschiedenen Fragewörtern. Aber vielleicht tue ich ihr unrecht und es handelt sich um Unterscheidungen von großer Komplexität.

Jedenfalls war die Gute aber auf die online-Stunde schlecht vorbereitet. Übungszettel zum Bearbeiten sollte man vorher per e-mail verschicken ebenso wie Grammatikerklärungen, die im zoom-chat getipselt sehr unzufriedenstellend sind. Aber ich weiß eh, was für eine Horrorteilnehmerin eines Sprachkurses ich bin ….

Servusztok

Das Ungarische unterscheidet ob man eine oder mehrere Personen begrüßt und so ist „Servusztok“ eine informelle Begrüßung für mehrere Leute, heißt also in etwa „grüß euch“. Mich fasziniert wie man da an das lateinische Wort „servus“ eine Silbe aus der asiatischen Steppe, „tok“ , anhängt.

Die Strukturen dieser Sprache sind völlig verschieden von denen jeder indoeuropäischen Sprache. Mich fasziniert das, ich finde mich aber durch das blödsinnige einsprachige Lehrbuch sehr gebremst, milde ausgedrückt.

Jage ich die Übungsanweisung „Melyik szó illik az igéhez? Egészitse ki a 4. feladat alapján!“ durch die Übersetzungsmaschine bekomme ich „Welches Wort passt zu dem Wort? Füllen Sie die Lücken anhand der Übung 4 aus. “ Hmmm, das ist wie ein Rätsel: welches könnten die beiden Bezeichnungen für „Wort“ sein ? Was ist damit überhaupt gemeint? Woran erkennt man ein Verb? Kommt da überhaupt eines vor?

Aber wenn irgendjemand glaubt, mich mit diesem unbrauchbaren Lehrbuch entmutigen zu können, hat er/sie sich getäuscht !! Ich werde Ungarisch sprechend triumphal aus dem Chaos auftauchen! Die Frage ist nur wann.

Aber gut, ich merke mir jetzt einmal, dass „Nagy-Brittannia“ Großbritannien heißt und „nagy“ somit groß. „Liechtenstein“ heißt einfach „Liechtenstein“. Na, das ist doch eine gute Nachricht.

Mittwoch 6.Oktober 2021 – ungarisches Geflüster

Der erste Ungarischkurs, mit etwas durchwachsener Bilanz. Die Kursleiterin war eine Vertretung der tatsächlichen Kursleiterin, die wir also erst in der zweiten Stunde kennenlernen werden. Das ist ja nicht so schlimm. Diese Lehrerin war sehr charmant, die Gruppe angenehmerweise auch nur aus fünf Personen bestehend, perfekt.

Bücher wurden verkauft, die sich zunächst niemand angesehen hat, was ein Fehler war. Es wird ein einsprachiges Lehrbuch und eine einsprachige Grammatik verwendet. Man stelle sich vor, ich beherrsche 3,5 Wörter ungarisch und soll nun die hochkomplizierte Grammatik dieser Sprache ausgehend von ungarischen Erklärungen, die ich natürlich nicht verstehe, erlernen. Schon in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wusste man, dass diese Lernmethode für Erwachsene und ohne sprachliches Umfeld völlig ungeeignet ist.

Ich möchte mich aber ungern als Horrorkursteilnehmerin profilieren nach dem Motto „ich habe jahrzehntelange Erfahrung als Sprachlehrerin und weiß, wie das geht“ und dann womöglich noch mit dem Zusatz „so nämlich nicht“. Ich will auch nicht jedes Mal bedeutungsvoll schauen, wenn irgendwas nicht funktioniert.

Nicht so toll fand ich auch, dass die Kursleiterin zuerst meinte, es wäre didaktisch völlig verkehrt gleich in der ersten Stunde in die nicht ganz einfache Grammatik des Ungarischen einzusteigen, aber zehn Minuten später mit hellen und dunklen Vokalen und dem Plural begann.

Die Lösungsmöglichkeit, zu der ich mich entschlossen habe, ist, großen Aufwand zu treiben. Mindestens ein anderes Lehrbuch und eine Grammatik erwerben, eine Vokabelkartei anlegen, die Arbeitsanweisungen und Erklärungen aus dem einsprachigen Buch durch DeepL jagen. Das wird recht mühsam, aber wahrscheinlich ist es letztlich recht effektiv, weil ich mir alles besser merken werde, wenn ich es abgeschrieben, eingetippselt und übersetzt habe.

Intrinsische Motivation übersteht schlechte Bedingungen, schlechte Lehrer*innen und ungeeignete Bücher.

„Tartalom“ wird wohl Inhaltsverzeichnis heißen

Ich weiß nur,

… dass Müemlék so etwas wie „Baudenkmal“ heißt. Das habe ich den Kellner gefragt, der großartig Deutsch konnte. Erfreulicherweise bietet DeepL auch ungarisch an, aber allein schon das Eintippen dieser langen Wörter mit Akzenten und Umlauten…

Aha, „1773-ban“ heißt „im Jahr 1773“. Na, das hätte ich mir denken können. 1773, da war Maria Theresia Kaiserin. „helyreallitotta az orszagos müemleki felügyelöség“ heißt laut DeepL „wurde von der nationalen Aufsichtsbehörde wieder in Kraft gesetzt“. Das macht Sinn. Faszinierenderweise heißt 1968-BEN auch „im Jahr 1968“

Kèsörokokò schafft DeepL nicht, aber Rokokò ist natürlich Rokoko und A Keleti Rèsz heißt „Das Ostkreuz“. Seltsam.

Sehr viel schlauer bin ich nicht geworden, aber der Ungarisch-Kurs hat ja auch noch nicht einmal begonnen.