la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Nachtflug über Europa – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei Christiane, wie immer.

3 Begriffe in einem maximal 300 Wörter langem Text unterbringen

Die Wörter stammen diesmal von fraggle

Seltsame Nacht, seltsamer Flug, ungeordnete Gedanken. Wir sind noch nicht hoch und man sieht riesige Hallen aus denen Lastwagenkolonnen herausfahren. Wahrscheinlich werden da die Gucci-Taschen und Rolex-Uhren für die Excalibur-City an der tschechischen Grenze gefälscht und ausgeliefert.

Die Wolken reißen auf und in der Finsternis leuchten die schneebedeckten Alpen. Die Stewardessen sind alle so jung, wahrscheinlich sind auch ihre Gehälter sehr anfängerangepasst und womöglich hat man auch an der Schulung für Katastrophenfälle gespart.

„Wildgänse rauschen durch die Nacht, mit schrillem Schrei nach Norden“ Ein Lied mit Geschichte, vom melancholischen Gedicht zum Nazi-Marschlied. Sowas geht schnell.

Oh, es gibt doch tatsächlich etwas zu essen, ein Mini-Päckchen Salzmandeln. Von Salzmandeln bekommt man Durst. Gibt es auch Getränke ? Nur gegen Bezahlung, aha. Honni soit qui mal y pense.

Wir sind schon tiefer und man sieht viele beleuchtete Strukturen nebeneinander, wie holländische Gewächshäuser. Haben sich die Portugiesen auch auf die erdfreie Produktion von geschmacksbefreiten Gurken und Tomaten verlegt? Meist sieht man in dieser Gegend Windräder und die geometrisch geordneten Pünkten als die die Olivenplantagen aus der Luft erscheinen. In der Nacht sieht man eben anderes als tagsüber.

Landung im Morgengrauen. Lissabon ist noch nicht erwacht. Die Autobahn an die Küste ist in diese Richtung ziemlich leer, die Pendler sind in die andere Richtung unterwegs. Wie in vielen europäischen Städten kann sich niemand mehr leisten im Stadtzentrum zu leben. In den Außenbezirken oder am anderen Ufer des Tejo ist alles billiger. Und die prachtvolle Stadt verfällt vor sich hin.

Und jetzt der Atlantik, der Geruch der Algen, die Schreie der Möven, die jodhaltige Luft, die Wellen brechen sich an den Felsen und an den Molen. Ein paar Fischer sitzen schon da, Obdachlose packen ihre Siebensachen und machen sich auf den Weg ins Tagesquartier.

Ja, mein ökologischer Fußabdruck ist gerade groß.


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45. Station der Literaturweltreise – Moçambique

Eine etwas seltsame Beziehung habe ich zu diesem Buch entwickelt. Ja, es ist gut geschrieben. Ja, es ist interessant, was die Beschreibung der Kolonialgeschichte Portugal-Moçambique betrifft, auch den Blick auf Sitten und Gebräuche einiger in der Gegend lebender Völker habe ich spannend gefunden. Mia Couto (Antonio Emilio Couto) ist obendrein ein mehrfach preisgekrönter Schriftsteller (und Biologe) aus einer in Mocambique lebenden portugiesischen Familie. Trotzdem hat mich dieses Buch so gar nicht überzeugt.

Die Handlung baut auf dem Perspektivenwechsel zwischen zwei Ich-Erzählern auf. Der eine, ein portugiesischer Kolonialoffizier, schreibt – seltsamerweise – sehr private Briefe an seinen militärischen Vorgesetzten. Die andere Perspektive ist die von Imani, einer jungen Frau, die in einer Missionsschule portugiesisch gelernt hat, und daher als Dolmetscherin verwendet wird. Ich finde beide Figuren nicht sehr glaubwürdig und auch wenig charakterisiert. Für magischen Realismus sind sie aber wiederum doch zu real.

Äußere Handlung gibt es in dem Buch kaum. Zwar herrscht Krieg zwischen verschiedenen Gruppen und Völkern, es gibt eine sehr eindrucksvolle Schilderung eines Schlachtfelds nach der Schlacht, aber mir fehlt der rote Faden. Auch das Ende bleibt völlig offen: Imani hat den portugiesischen Offizier angeschossen, der das ganze Dorf über die Absichten der Kolonialmacht belogen hat und nun fahren Imani, ihr Vater, eine plötzlich aufgetauchte Italienerin und der schwer Verletzte in einem Boot den Fluss hinunter.

„Es ist merkwürdig, wie Abschiede die Zeit verkürzen. Meine fünfzehn Jahre gehen an mir im Aufblitzen eines Augenblicks vorüber. Meine Mutter hat jetzt den Körper eines Kindes. Sie wird immer kleiner bis sie die Größe einer Frucht hat. Sie sagt zu mir: bevor du geboren wurdest, bevor du das Licht der Welt erblickt hast, hattest du schon Flüsse und Meere gesehen. Und etwas in mir reißt auf, als wüsste ich, dass ich niemals nach Nkokolani zurückkehren werde.“ p. 287

 


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Sonntag 11.8.19

Heute hat er Geburtstag, der Verflossene. Ich wünsche ihm das Allerbeste, möge er sein Leben genießen, aber unbedingt weit weg von mir. Und sollte er es vielleicht doch nicht so genießen, werde ich auch keine Tränen darüber vergießen.

Ich bin im schönen Waldviertel angekommen und freue mich auf zwei Wochen Totalentspannung, zuerst allein, dann mit dem F. Die schöne Landschaft ist noch dieselbe, die Hügel, die Wälder, die Wiesen, die Getreidefelder. Der Mais hat glänzende Blätter und sieht sehr gesund aus, nur der Mohn ist leider schon verblüht. Es ist auch hier auf über 900 Metern deutlich kühler als in Wien. In der Sonne ist es heiß, aber im Schatten kühl, wie ich es gerne mag.

Jeder neunte Mensch ist von Hunger bedroht oder hungert. Diese Information habe ich – untermauert von erschütternden Bildern – nach einem mehr als reichlichem und wohlschmeckenden Abendessen erhalten.


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Tod der Kreativität

Hoffentlich ist es nur ein Scheintod. Nervosität vernichtet bei mir auch die kleinste Spur von Kreativität, würgt jede Idee ab, erstickt die Freude am Fabulieren, ersticht die Lebendigkeit, lässt jedes Wort für sich an einem Strick von der Dachrinne baumeln und falls der Sturm sie zusammenstoßen lässt, so entsteht doch kein Satz daraus, nur eine zerbeulende Kollision.

Das wärs, was ich brauche, immer gleich, immer wieder anders, immer beruhigend, immer inspirierend. Die stürmische Ruhe des Meers ist aber noch weiter weg als die Ruhe des Waldes …