la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 5.4.19

Es kann nicht immer alles sich fügen in eine möglichst gerade Strecke, einen eindeutigen Weg. Die Mäander sind es, die manchmal neue Einsichten eröffnen, die Umwege, das Klettern über Baumstämme, die den Weg versperren. Leitplanken leiten nicht immer dorthin, wo wir hin sollten. Die Schätze liegen oft an den verwachsenen Wegen, irgendwo im Unterholz und erinnern an vieles nur nicht an Schätze.

Wälder sind nicht an einem Tag gewachsen und können nicht schnell und gerade durchquert werden.

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41. Station der literarischen Weltreise – Kanada

Die Reise geht weiter. Diesmal besuche ich Margaret Atwood in Toronto.

Margaret Atwood

„Die Unmöglichkeit der Nähe“

Den deutschen Titel des Buchs kann ich sehr gut nachvollziehen. „Die Unmöglichkeit der Nähe“ beschreibt eindringlich die Beziehungen der drei Protagonisten zueinander und zu anderen . Der englische Originaltitel „Life before Man“ ist schwieriger, weil in so viele verschiedene Richtungen interpretierbar.

Es geht mir mit diesem Buch wie mit dem „goldenen Tagebuch“ von Doris Lessing. Ich sehe und anerkenne die literarische Qualität, aber beide Bücher deprimieren mich. Vielleicht hat das mehr mit mir als mit den Autorinnen zu tun. Wie auch immer. Ich schreibe hier ja keine Rezension sondern nur ganz kurze, persönliche Eindrücke. Ich habe sehr lange an dem Buch gelesen, weil es eben zufällig in eine Zeit gefallen ist, in der ich gerade abends für ein paar Seiten Zeit hatte. Wahrscheinlich bekommt diese Art von fragmentarischer Lektüre keinem Buch, weil man in keinen Lesefluß hineinkommen kann.

Die äußere Handlung des Buchs ist höchst einfach: drei Menschen, zwei Frauen und ein Mann sind in eine komplizierte Dreiecksbeziehung verflochten, an der auch noch andere rezente und ehemalige Liebhaber*innen beteiligt sind. Es wird vom Standpunkt der drei Hauptpersonen aus erzählt, aber nicht in Ich-Form. Die Kindheit aller drei Hauptpersonen wird aufgerollt und zeigt ganz verschiedene Welten, die zunächst nur aus der Kinder-Perspektive gesehen werden, dann gewinnen aber die Mütter, Tanten und Großmütter auch realistische Züge durch den Erwachsenen-Blick der Hauptpersonen. Dieser Aspekt des Buches hat mir sehr gut gefallen.

Die mit dem Titel des Buchs „die Unmöglichkeit der Nähe“ sehr treffend beschriebenen Liebesbeziehungen fand ich durchwegs labyrinthartig, durchaus realistisch und daher ziemlich deprimierend. Glücklich ist niemand, auch nicht so richtig dramatisch unglücklich, eher alles lauwarm. Mit Ausnahme der Trauer der einen Hauptfigur über den Selbstmord ihres Liebhabers. Damit beginnt der Roman: man steht sofort mitten in den schwierigen Verhältnissen: der Liebhaber von Elizabeth hat Selbstmord begangen, ihr Ehemann Nate versucht, sie in dieser Situation zu unterstützen. Er nützt seinerseits auch die Gelegenheit sich von seinem rezenten, erkalteten Verhältnis mit Martha zu befreien. Und so geht der Reigen weiter, alle sind irgendwie unglücklich, niemand kann jemand anderen erreichen, alle Arten von Beziehungen erzeugen mehr Frust als Glück, werden aber dennoch weitergeführt, irgendwie ….


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Dienstag 26.3.19

Erstaunlich wie schnell das geht: ich bin schon wieder mitten drinnen im Stress. Heute erst habe ich den letzten nötigen Zettel für die Krankenstandsbestätigung abgegeben und gleichzeitig die letzten Prüfungen für die Abschlussklassen kopiert. Die erste Korrekturnachtschicht des Sommersemesters habe ich auch schon hinter mir. Und jetzt geht es Schlag auf Schlag bis Ende April, dann die Matura, ich habe eh nur zwei Klassen, und der Rest des Schuljahres – ab Mai – wird verhältnismäßig gemütlich.

Ob ich beim dritten Anlauf Holland mit Tulpen und Atlantik im Frühling schaffe? Die Tickets und das Hotel sind gebucht, aber das waren sie schon zweimal um diese Jahreszeit und jedesmal haben mir meine Gleitwirbel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei dieser Gelegenheit hat sich herausgestellt, dass das damals gebuchte Hotel sehr kulant war und mir für die Stornierung im letzten Moment gar nichts verrechnet hat. Natürlich habe ich genau dieses Hotel wieder gebucht.

Die heurige potentielle Osterreise unterscheidet sich von den letzten Reisen dadurch, dass der F mitkäme. Ich bleibe lieber noch in der Bedingungsform, damit die Rückenwirbel nicht aufmerksam werden und den Aufstand proben. Der F fliegt nicht gerne privat, wegen des ökologischen Fußabdrucks und ich weiß es natürlich sehr zu schätzen, dass er es mir zuliebe doch einmal tut. Dafür trenne ich auch ganz sorgfältig den gesamten Abfall inklusive der Papieretiketten der Joghurtbecher  und Konservendosen und habe immer und überall eine Stofftasche zum Transport eventueller Einkäufe mit usw usf.

Es geht in dem Buch, das ich gerade fertig gelesen habe nur sehr am Rande um Wissenschaft, aber ich fand den Abschnitt interessant:

Lesje weiß, dass wissenschaftliche Objektivität Schwindel ist. Sie hat die Geschichten von Raub und Rache gelesen, von Beweisen, die ein Wissenschaftler dem anderen gestohlen hat, von den Großen Dinosaurierjägern, die gegenseitig ihre Arbeiter bestachen und den Ruf des anderen untergruben. Sie weiß, dass die Leidenschaft für die Wissenschaft genauso ist wie jede andere Leidenschaft.

Margaret Atwood „Die Unmöglichkeit der Nähe“ Ullstein Verlag  – p.279

 


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Sonntag 10.3.19

Ein seltsames Gefühl Bäumchen mit schon halb geöffneten Knospen oder gar ersten Blättern von den Lichtketten des Winters zu befreien. Bis jetzt konnte ich mich dazu noch nicht entschließen, aber heute war es soweit. Die Tulpen und die Lichterketten haben sich gar nicht gut vertragen und obendrein habe ich so viel Energie, dass ich mich so nebenbei auch an das Ausmisten von Schuhen gemacht habe. Der F. murmelt hinterlistig etwas von Emelda Marcos. Das ist natürlich mehr als maßlos übertrieben. Und schließlich stehen seine Schuhe auch herum.

Es stürmt. Nicht so stark wie befürchtet, aber doch. Wir haben alles, was weggeweht werden könnte umgelegt und beschwert und in Ecken geschoben und hoffen, dass nichts passiert. Windstillere Zeiten an Wochenenden wären sehr willkommen um mit dem Garteln beginnen zu können.

Den Dracula von Francis Ford Coppola hatte ich noch nie gesehen. Er schlängelt sich zwischen erotisch und pervers. Wobei das eine Abgrenzung ist, die ohnehin nicht auslotbar ist. Starke Bilder und fantastische Masken. Ein Schuss Religionskitsch ist am Ende leider auch noch dabei.

Ein Wochenende, das sich in puncto Bewegung und Mobilität der Normalität angenähert hat, in puncto Arbeit auch, schließlich muss ich den Rhythmus des Unterrichtsbetriebs wieder finden.


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Donnerstag 7.2.19 –

So, die Krücken sind im Keller! Allerdings sind in dem kleinen Kellerabteil noch so viele andere Sachen, dass ich sehr schnell wieder die Tür zumache. Einer Kellerausmistung fühle ich mich derzeit nicht gewachsen. Zwar habe ich als Reaktion auf das schreckliche Ausmisten des Hauses meiner Eltern in meiner Wohnung auch viel weggeworfen, Tonnen von Papier und Sonstigem, aber das reicht jetzt für eine Weile. Dabei weiß ich ja mittlerweile, wie gut das mit der Sperrmüllabfuhr  funktioniert. Nur liegen in meinem Keller praktisch ausschließlich Dinge, die ich weder brauche noch wegwerfen möchte. Der nächste Motivationsschwung wird schon kommen.

Ich bin gerade so schön in Aufbruchstimmung, habe begonnen eine kleine Osterreise zu planen und fühle mich rundherum aktiv und kompetent und effizient und was nicht noch alles. Ja, ja, ich weiß schon, es bleibt nicht so, es bleibt nie lange so, irgendetwas schwieriges, trauriges, unlösbares kommt schon wieder, aber man muss die Zwischenhochs einfach genießen. In diesem Sinne werde ich mich jetzt gleich mit der Produktion eines Karottenpuddings befassen.

Ich kaufe Flugtickets bzw die Zettel, die man nur mehr bekommt im Reisebüro. Hoffnungslos altmodisch sagt der F. aber ich finde, dass das Reisebüro eine Menge Vorteile bietet. Zum Beispiel ermöglicht es dem F. noch ein paar Tage darüber nachzudenken, ob er auch sicher mitkommen kann oder will. Auf den diversen Flugcheck-Plattformen wird nichts reserviert, schon gar nicht ein paar Tage lang. Außerdem kenne ich alle Leute, die in diesem Reisebüro arbeiten seit gefühlt hundert Jahren, freue mich immer wieder sie zu sehen und bekomme auch immer eine Menge Informationen und Tipps. Unterkünfte sind ein anderes Kapitel, da schätze ich Buchung über diverse Plattformen sehr, vor allem wegen der Möglichkeiten des Stornos bis fast zum letzten Moment.


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Aus eins mach viele – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.   

Sie sah ihn schon von weitem kommen, er trat auf exakt die gleichen Pflastersteine wie jeden Tag, im bankgrauen Nadelstreif, dem schuldigweißen Hemd und der vor Selbstzweifeln schluchzenden gestreiften Krawatte. Sie wartete bis er sie sehen konnte. Jetzt war der richtige Moment. Zeremoniell hob sie die große, schwarze Salatschüssel hoch und ließ sie dann ganz langsam und bewusst los. Genug. Es.reicht! Das schwarze Ding stand für die letzten fünfzehn Jahre. Die Schüssel fiel vor ihren Augen, in Zeitlupe, auf den Steinboden und zerbrach langsam und endgültig in Dutzende von verschieden geformten Scherben. Von jeder einzelnen Scherbe, die am Boden ankam, verdampfte das Schwarz in einem kleinen Wölkchen, das hochschoss und verschwand. Zurück blieben spitze Scherben, runde Scherben, raue und seidige Scherben, die plötzlich in den verschiedensten Farbschattierungen und Oberflächenstrukturen leuchteten.

Das wellige Blau des Meeres in dem er ihr immer den Tauchkurs vermiest hatte, das bewegte Orange der Faschingsumzüge, zu denen die Kinder nie gehen durften, das sanfte rot-beige der Katze, die ihm niemals ins Haus kommen würde, das wehende Grün des Gartens, den er niemals betrat, die samtigen roten Theatersitze, die sie ewig nicht mehr gesehen hatte und das diamantene Leuchten lebendiger Liebe.

Er kam heran, blieb sprachlos stehen. Die Scherbe mit den scharfen Kanten und dem eintönigen einheitsgrauen Muster sprang seine Hosenbeine hoch. Sie stand für sein ewiges Gejammer, seine Feigheit und bedingunslose Konformität, dafür was für ein gleichgültiger Partner und Vater er war. Die Zeiten der schwarzen Salatschüssel waren endgültig vorbei, ihre zersprungenen Teile, bunt und vielfältig ließen sich zu Verschiedenem zusammensetzen und auch wieder auseinander nehmen. Bunt, lustig, traurig und intensiv sollte das Leben werden in dem sie nun wieder selbst die Verantwortung und das Ruder übernehmen würde.

Große, graue Wölkchen im Nadelstreifdesign  stiegen in die Höhe, er verdampfte.


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#januart2019 – Nr.3 – Magie

Nein, ich verweigere mich den Einhörnern in Quietschrosa und den Zauberstäben und vielem anderen.

„Magie des Alltags“ hieß mein erstes buddhistisch orientiertes Seminar, das war irgendwann 2008 und hat mein Leben sehr bereichert. Das Besondere im Alltäglichen zu sehen, muss ich wohl vorher auch schon beherrscht haben, sonst wäre dieser Ansatz nicht so ein durchschlagender Erfolg in meinem Leben geworden. Dann begann ich auch mit der Miksang-Fotographie, bei der es darum geht, eben diese Magie und Schönheit des Alltags zu sehen und abzubilden und dadurch auch mit anderen teilen zu können.

Und glücklich macht sie die Magie des Alltags. Ich habe schon so viele Situationen erlebt, in denen Glück oder zumindest Zufriedenheit nicht mit der stärksten Lupe zu finden gewesen wäre, aber da war diese perfekte Linie in der Schlammpfütze, diese leuchtende Farbe im Müll, diese Spiegelung in einer trostlosen Scheibe in einem Krankenhaus ……

Ich habe so viele Fotos, die die Magie des Alltags zeigen, wenn man nur hinsehen möchte, daher stelle ich da jetzt ziemlich willkürlich zwei hinein. Nicht die besten, nicht die schönsten, irgendwelche …..