la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


9 Kommentare

Aus Bildern geboren – 2

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte? Oft und für viele Menschen ist das so. Was aber ist mit denjenigen, die Bilder in Worte umsetzen möchten? Ein Blick auf Gemälde, Fotos, Alltagsszenen erzählt oft schon lange Geschichten und sicherlich nicht jedem Betrachter dieselben.

Ich habe beschlossen, ein Bild-Erzähl-Projekt zu beginnen. Hauptsächlich für mich selbst, weitere Teilnehmer sind aber gerne willkommen. Wer mitmachen möchte, möge seinen/ihren Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen und zu meinem Posting verlinken damit Interessierte mitlesen können. Die Bilder werden nicht regelmäßig erscheinen, vielleicht oft, vielleicht selten, das kann ich noch nicht sagen. Nur keinen Stress, es soll ja Freude machen.

Welche Texte? Alles ist erlaubt, vom 3-Worte Gedicht bis zum 30 bändigen Roman mit allen Zwischenstufen. Die Texte sind so lange, wie sie eben sind und es können Gedichte, Geschichten, Märchen, Leserbriefe, Essays oder was auch immer sein; Autobiografisches, Miterlebtes, Fiktives …. Einzige Bedingung: der Zusammenhang zwischen Text und Bild muss nachvollziehbar sein.

Nummer 2.

Ich kann gar nicht beurteilen, was das Bild mit jemand anderem macht, ob es überhaupt jemandem irgendetwas sagt. Für mich ist das anders, weil ich ja weiß, wann und wo und unter welchen Begleitumständen ich es aufgenommen habe.

Herbst. Strand in der Nacht. Licht ist mächtig, farbiges Licht mächtiger und manche Schatten leuchten. Überlebensgroß kann man erscheinen, klar abgegrenzt, eindeutig bestimmt und doch ist es der Schatten auf einsinkendem Sand. Die Fläche gibt vor eine Mauer zu sein, der Verurteilte soll dort hingerichtet werden, aber es ist nur unsteter Sand, eine Sinnestäuschung, oranger Sand, später grauer Sand wenn die Touristen nicht mehr hinsehen. Schattenspiele in der Nachsaison. Nach dem Sommertheater mit Lichtschutzfaktor und gefärbtem Zuckerwasser in Plastikflaschen für die Fische.

Leuchtendes Orange, stumpfes Orange, der schwarze Schatten und der schwarze Ozean im Hintergrund. Gleiten durch die Geschichte der Seefahrer und der Tourismusmanager und klick und der Moment ist festgehalten und driftet doch weiter.

Advertisements


30 Kommentare

Es nagt

Es nagt an mir, dass ich keine Pläne für den Sommer machen kann. Zwei Drittel der OP-Wunde sind gut verheilt, aber das restliche Drittel macht Probleme. Wundheilungsstörung. Wir probieren alles durch, verschiedene Arten von Pflastern, gerade habe ich den zweiten Versuch „an der Luft lassen“ gestartet. Bei chirurgischen Wunden gäbe es da sehr gute Erfolge meinte die Ärztin. Offenbar unterscheiden sich Wunden je nachdem wie sie entstanden sind. Wenn einem also jemand ein Messer in den Bauch sticht ist das eine andere Art Wunde als wenn ein Chirurg Skalpelle schwingt. Leuchtet ein. Jedenfalls aber wäre es nicht sehr vernünftig mit nässenden oder auch mit gerade verheilten Wunden auf Reisen zu gehen. Gerade das ist es aber, was ich gerne machen bzw planen möchte.

Ich fühle mich richtig eingesperrt, weggesperrt, isoliert, beschränkt, begrenzt … Der viel strapazierte Gedanke, dass ich auf sehr hohem Niveau jammere, dass es 80% der Menschheit schlechter geht als mir usw usf nützen gar nichts. Ich funktioniere im negativ-emotionalen Modus und empfinde das als äußerst unangenehm. Die Kombination von viel Zeit mit wenig Energie und eingeschränktem Aktionsradius ist sehr unbekömmlich. Ich gehe mir selbst auf die Nerven, aber wenigstens suche ich nicht nach einem Sündenbock, das rechne ich mir jetzt als Pluspunkt an.

Es wird schon zum Vergnügen zum Wirten im nächsten Häuserblock zu gehen, oder einkaufen oder eine kleine Runde. Es hat sogar schon was von großer weiter Welt, wenn die Kirchenglocken durch offene Fenster und Türen läuten. Nicht nur sonst überall auch auf meiner Terrasse blüht es, es gibt sogar Hummeln, die kuschlig herumbrummen, es scheint die Sonne, ist aber nicht allzu warm. Geduld, Geduld


4 Kommentare

Nein, es ist kein Katzenbuch

Genki Kawamura

„Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“

C.Bertelsmann: 2018

Original 2012

Es ist kein Katzenbuch obwohl zwei Katzen eine durchaus wichtige Rolle spielen. Es ist auch kein Krimi, obwohl der Tod eine wichtige Rolle spielt. Es liest sich leicht und flüssig, obwohl es um existentielle Fragen geht. Es geht auch um Liebe ohne dass es eine Liebesgeschichte wäre. Es ist ein nachdenkliches Buch über das man auch lachen kann. Einfach ein sehr feines, kleines Buch, das sich in die Reihe von mehreren Büchern junger und arrivierter japanischer Autoren und Autorinnen einreiht, die ich in letzter Zeit gelesen habe


48 Kommentare

Entklammern und entfesseln

So eine geklammerte Wunde schaut ziemlich schaurig aus. Die Klammern sind im wesentlichen dieselben, die auch zum Zusammenheften von Papier verwendet werden, also vermute ich, dass sie wohl auch genauso hineingetackert werden. So genau möchte ich das jetzt gar nicht wissen. Glücklicherweise habe ich das nicht in bewusstem Zustand miterlebt.

Quelle: Spiegel.de

Gestern wurden die Klammern herausgeholt. Das sollte laut Auskunft von schon geklammert gewesenen Personen überhaupt nicht weh tun, auch der Arzt war erstaunt, dass es bei mir nicht so ganz einfach und schmerzlos ging. „Normalerweise“ meinte er „spürt man das kaum. Aber was ist schon normal..“ Zweifellos eine kluge Einstellung. Über meine Hände und Arme, die rund um die diversen Venenzugangskanülen in allen Regenbogenfarben geleuchtet haben und jetzt bei zwei riesigen Flächen in einem  kränklichen gelb-grün angelangt sind, bemerkte er, dass solche massakerähnlichen Zustände darauf zurückzuführen wären, dass die meisten Stiche von den Schwestern gemacht würden und die Ärzte gar keine Routine mehr dabei hätten.

Nun habe ich also eine entklammerte Wunde, die im oberen Bereich sehr gut verheilt und keine weiteren Probleme macht, im unteren Bereich gibt es aber eine Stelle, die noch ziemlich stark nässt. Ich habe kurz überlegt einen Kurzbesuch in der Spitalsambulanz zu machen, habe es mir aber anders überlegt. Was würde dort außer desinfizieren schon gemacht werden und das schaffe ich selbst auch. Ich warte also noch ein bisschen, die Ambulanz ist schließlich immer geöffnet und auf die Station auf der ich gelegen bin, kann ich mich ja auch jederzeit einschleichen, sollte das notwendig werden.

Der Herr Partner witzelt immer über meine überquellend ausgestattete Hausapotheke. Desinfektionsmittel, Mullkompressen in verschiedenen Größen, selbstverständlich habe ich sowas. Er ist beeindruckt. Das ist mir nicht unangenehm 🙂

Ansonsten geht alles schon ganz gut. Auto fahren ist noch eher unangenehm wegen der Erschütterung, ich bin auch noch wacklig auf den Beinen und gehe immer wieder einmal in die Horizontale, aber 10 Tage nach so einer Operation, 10 Tage nach einer Nacht mit Überwachung von Puls und Atmung, mit Katheter und Infusionen ist das ziemlich gut und ich gehe zufrieden auf dem Weg zur Normalisierung.


48 Kommentare

Adieu Intimsphäre …..

Wer das Konzept Privatsphäre oder gar Intimsphäre völlig loslassen kann, fühlt sich möglicherweise in einem Mehrbettzimmer im Krankenhaus ganz gut. Wen es nicht stört, intimste Details vor fünf anderen Patientinnen, mehreren Schwestern und Ärzten und sonstigen eventuell gerade im Zimmer befindlichen oder ein- und ausgehenden Personen abzuhandeln, dem wird es dort vielleicht gefallen. Die Putztruppe, die Essensverteiler, die Betten-in-den-OP-Transporteure, die Schwestern, die Ärzte, die Besucher, alle verwenden die gleiche Technik mit einer Hand zu klopfen und mit der anderen gleichzeitig die Tür aufzureißen. Die Visite kommt energiegeladen hereingestürmt , waltet ihres Amtes und anschließend weiß jede alles über jede. Um einigermaßen diskret zu sein, muss man halt ins All starren oder sich hinter einem Buch verschanzen, wenn etwa ein Chirurg bei der Dame im Bett  gegenüber schon einmal die Operationszone anzeichnet.

Wir sind ja alle nicht prüde und ziehen uns mitten im Raum vor aller Augen an und aus. Wir nehmen es ganz selbstverständlich, dass Untersuchungen ebenfalls im praktisch öffentlichen Raum stattfinden. Es gibt in dieser vorsintflutlichen Krankenhaus-Abteilung für die „Normalzimmer“ genau vier Toiletten und zwei Duschen nicht etwa in den Zimmern sondern am Gang und wen kann es stören, dass manche Patientinnen, die sich nicht selbst waschen können von den Schwestern bei offener Tür geduscht werden. Was macht es schon aus, wenn alle Vorbeigehenden zusehen können oder müssen. Es besteht ja sogar die Möglichkeit sich die Zähne zu putzen an einem uralten Waschbecken bei dem aus unerfindlichen Gründen die Überlaufsöffnung mit irgendeiner eklig gefärbten Masse verschlossen wurde.Dort kann man sogar einen Vorhang um sich herum ziehen. Nach einigen Tagen Aufenthalts in diesem Zimmer kam es mir schon irgendwie übertrieben vor, mich hinter einem Vorhang zu verstecken um mir die Zähne zu putzen, wo doch ganz andere Dinge beinahe öffentlich stattgefunden hatten.

Was um alles in der Welt mich veranlasst hat, ausgerechnet in dieses Krankenhaus zu gehen? Es war der hervorragende Ruf des Operateurs, der nun einmal dort anzutreffen ist. Viele wollen von diesem Arzt operiert werden und die wenigen komfortableren Zimmer sind immer belegt. So kann es geschehen, dass auch Menschen, die sonst nicht auf der unterprivilegierten Seite des Lebens zuhause sind, einander in Zimmern mit vielen Betten ins Auge blicken. Es ist eine Situation, in der viele sich nicht nur ihren Mitpatientinnen  sondern auch dem Sensenmann gegenüber sehen. Ja, es hat sich eine Atmosphäre der Solidarität aufgebaut und wir haben gemeinsam über unser Matratzenlager und die Striptease-Darbietungen gewitzelt. Galgenhumor mit leichter Hysterie vor der Operation, Erleichterung oder Verzweiflung danach. Von der menschlichen Seite her, war die Erfahrung bereichernd. Das Ausloten meiner eigenen Ressourcen auch. Trotzdem habe ich die Hütte so schnell wie möglich wieder verlassen.

Nach der OP war ich noch wesentlich mehr als froh. Die Chirurgen hatten mit einer großen Ausweidungsaktion gerechnet und alles für eine stundenlange Operation vorbereitet. Der ganz besonders freundliche und obendrein noch attraktive Anästhesist hatte mir – wahrscheinlich zu meiner Beruhigung – versichert, dass sie jede Menge passende Blutkonserven vorrätig hätten und auch sonst für alle Eventualitäten gerüstet wären. Leider hat mich diese Information  alles andere als beruhigt. An der Ausrüstung des OPs und den medizinischen Kapazitäten und Kompetenzen aller Beteiligten hatte ich ohnehin nie gezweifelt. Als ich dann aber aus der Narkose aufwachte und der Wunsch-Chirurg mit breitem Lächeln sagte, dass sie nur den sehr großen aber völlig gutartigen Tumor entfernt hätten, alles andere noch da wäre und Weiteres am Mittwoch, war das glasklare Euphorie, trotz Überwachungselektroden, Katheter, Sauerstoffzufuhr durch die Nase, geklammerter Wunde, über mir baumelnder Infusionsflaschen und gefühlt hunderten Nadeln in beiden Händen und Armen. Alles Kleinigkeiten im Vergleich dazu was hätte sein können.


4 Kommentare

Schritt für Schritt muss man sich annähern. Große Ziele muss man in kleine Schritte unterteilen und sich für jeden gelungenen Schritt selbst auf die Schulter klopfen wegen des Erfolgs und der zurückgelegten Entfernung . Jeder kleine Schritt ist ein Beweis für die Erreichbarkeit des Ziels, jede Zwischenetappe eine Bestätigung der Reiseroute. Drei kleine Schritte vor und keinen zurück. Zweimal gehüpft, dazwischen den Fuß nachgezogen und ein paar Tempi geschwommen. Die unvermeidlichen Stolpersteine mit rotglühenden Augen aus dem Weg geräumt, überklettert, zerschmettert, in den Abgrund geworfen.

Wieder ein Tag näher.