la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Donnerstag 3.September 2020 – die mythischen 10.000

Es ist ja allseits bekannt, dass man täglich 10.000 Schritte gehen sollte, quer durch die verschiedenen Niveaus sportlicher Kompetenz ist man der Meinung, dass 10.000 Schritte am Tag die magische Grenze zur gesunden und sportlichen Lebensführung sind. Kürzlich habe ich gelesen, dass es zwar Langzeitstudien mit Menschen über 70 gibt, die eindeutig belegen, dass tägliche Bewegung positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, dass die 10.000 Schritte aber eine recht willkürlich gesetzte Größe sind.

Dass es gesund ist, sich zu bewegen, weiß man ja nun auch ohne Studien jeglicher Art, aber die 10.000 Schritte geistern nun einmal überall herum. Mein Schrittzähler zum Beispiel jubelt bei Erreichung der 10.000 indem er grünes Feuerwerk auf dem Display produziert und vibriert. Kindisch sich darüber zu freuen, zugegeben, ich freue mich aber trotzdem und habe nun beschlossen an fünf Tagen in der Woche 10.000 anzuvisieren. Das geht besser als ich gedacht hätte. Der Schmäh an der Sache ist, dass man Wege verlängern muss, also nicht einfach von A nach B zu gehen sondern ein paar Schleifen und Umwege einzulegen. Nach einer Weile Sitzen ein paar hundert Schritte machen und natürlich die üblichen Wege vielleicht auch mit ein paar Schleifen. Wenn man längere Spaziergänge macht, sind die 10.000 ohnehin kein Problem.

Irgendetwas Neues möchte ich auch lernen und zu diesem Zweck einen Kurs besuchen, aber einen mit anwesenden Menschen, keinen online-Kurs. Nachdem alles erst im Oktober anfängt, ist noch unklar, wie sich Kurse gestalten werden. Der F ist unernst und schlägt mir vor, ich solle doch einen Perchtentanzkurs nehmen, da würde man sich bewegen und hätte eine – noch dazu höchst originelle – Holzmaske auf. Na ja ……


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Und noch ein Fall

Eine weitere Covid-19-Infektion in einer anderen Klasse. Langsam werde ich unruhig. Insgesamt wird ja die Pandemie als ziemlich erledigt betrachtet, jeder Tag bringt mehr Normalität, aber wenn es in der eigenen, unmittelbaren Umgebung mehrere Ansteckungsfälle gibt, relativiert das die Normalität doch sehr. Ja, ich bin besorgt und unruhig, was natürlich nichts besser macht. Angst ist insgesamt ungesund und würgt die Kreativität, weiß man ja. Zwischen Theorie und Praxis klafft ein breiter Spalt, in dem das Leben stattfindet. Weiß man auch.

 


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Samstag 14.Juni 2020

Der erste Schwimm des Jahres bei meinem Bruder im Garten. Öffentliche Bäder sind mir noch etwas unheimlich, aber nachdem eine kürzlich getroffene Freundin eine Saisonkarte für das Schönbrunner Bad erstanden hat, ist es im Grunde nur eine Frage der Zeit, wann ich mich überreden lasse dort hinzugehen. Der Pool der Verwandtschaft hat ein sehr angenehmes Desinfektionssystem: es wird Salz hineingeschüttet, durch irgendein Elektrolyse-Verfahren entsteht im Endeffekt Chlor. Das Wasser ist aber viel angenehmer für die Haut und riecht auch überhaupt nicht nach Chlor.

Samstag: strahlender Sonnenschein mit recht hohen Temperaturen, Sonntag: Gewitter, Abkühlung, ein paar Stunden Regen. So könnte es von mir aus den ganzen Sommer lang weitergehen. Keine Trockenheit, keine Aufheizung der Stadt, Lebensqualität im Alltag.

Ab morgen muss man in Supermärkten keine Masken mehr tragen, nur noch in Öffis und Gesundheitseinrichtungen. Einerseits werden die Masken mit steigenden Temperaturen immer unangenehmer, andererseits bringen sie aber vielleicht doch einen gewissen Schutz. Ich kann mich nicht entschließen, wofür oder wogegen ich in diesem Zusammenhang bin.

Im Kieser-Studio gab es schon heute keine Maskenpflicht mehr, viele Leute trugen aber beim Trainieren Masken. Auf freiwilliger Basis können ja alle machen, was sie wollen. Ob es aber klug ist, die ausgeatmete Luft wieder einzuatmen, noch dazu bei sportlicher Betätigung, wenn man eigentlich mehr Sauerstoff braucht als sonst.


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Mittwoch 3. Juni 2020

So hat denn die Präsenz-Phase in der Schule wieder begonnen, die dann Ende Juni in die Sommerferien übergehen wird. Jede Klasse ist in zwei Gruppen geteilt von denen eine an den geraden Tagen, die andere an den ungeraden kommt. Es hat etwas leicht Gespenstisches wenn so wenige Leute in den Gängen aneinander vorbeihuschen. Alles in allem habe ich mich gefreut, die Kollegenschaft und die Schülerinnen wiederzusehen. Es hat auch ziemlich gut getan, die wenig bodenhaftenden Vorstellungen unseres Ministers ausgiebig zu besprechen und Geschichten aus dem Leben der Schüler*innen zu erfahren. Weniger begeistert hat mich das Versprühen des garantiert am scheußlichsten riechenden Desinfektionsmittels. Es muss reiner Fusel sein, aus der Zeit als Desinfektionsmittel nicht aufzutreiben waren und die Schulen doch mit irgendetwas ähnlichem versorgt werden mussten. Wir rochen also alle ziemlich durchdringend.

Nachdem es in Wien heute offiziell nur mehr 254 Covid-19-Infizierte gab, erschien es mir ziemlich lächerlich mich zu einer Risikogruppe zu rechnen und weiterhin von zuhause aus zu arbeiten. Obendrein hätte mir das um einiges mehr Arbeit verursacht. 80% aller Lehrer*innen, die sich zur Risikogruppe hätten zählen können, sind zum Präsenzunterricht  gekommen. Welcher der beiden Fakten mich stärker beeinflusst hat, sei nun dahingestellt.

Ebenso gespenstig wie die Schule zeigte sich das Kieser Studio, wo ich gestern war. Man muss sich auf die Viertelstunde genau anmelden, wobei aber nicht genau zu eruieren ist, wie viele Leute auf einmal hinein dürfen. Die Trainingsmaschinen wurden umgestellt, so dass nicht mehr nebeneinander sondern hintereinander trainiert wird. Dieser Position der Geräte kann ich viel abgewinnen, man sieht nicht mehr aus den Augenwinkeln die Nachbarn zur Rechten und zur Linken sondern die Hinterfront des Geräts vor einem. Man wird sehen, wie lange die Situation so bleibt.

Vielleicht lerne ich es doch noch, manchmal den Mund zu halten, wenn bodenloser Schwachsinn verzapft wird von Leuten, die sich durch das Lesen von drei Artikeln als Expert*innen zu einem Thema fühlen, über das ihnen aber in Wirklichkeit die allergrundlegendsten Kenntnisse fehlen. Ja, ich bin ganz optimistisch vielleicht wird da noch was draus. Wenigstens manchmal.

 


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Dienstag 28. April 2020

Der heutige Besuch in der Friedhofsgärtnerei hat dem Erwerb von Pflanzen für die Kleinplantage gedient. Vor der eigenen Tür zu ernten, hat schon was Besonderes für Stadtmenschen. Es gedeiht ohnehin lange nicht alles, was ich gerne hätte, aber Kräuter, Erdbeeren, Tomaten und Paprika sind unproblematisch und machen Freude, sogar wenn sie womöglich nicht gegessen werden.


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Zuckerfrei

Das Buch nähert sich dem Thema „Zucker“ von verschiedenen Seiten. Der rote Faden durch das Buch ist der Anspruch Kinder von klein an mit möglichst wenig Zucker zu ernähren, es liest sich aber auch mit Blick auf Erwachsene mit eingefahrenen Gewohnheiten recht gut.

Es geht zunächst um Theorie der Ernährung mit Betonung auf Beschaffenheit und Wirkung von Zucker und um Warenkunde. Verschiedene Zuckerarten, aber auch andere süße Nahrungsmittel werden erörtert. Dem Zucker wird auf vielen Wegen nachgespürt, vor allem in Fertigprodukten jeder Art. Ich fand es erstaunlich zu erfahren, wo überall Zucker drin ist und wie man rätselhafte Inhaltsstoffbeschreibungen enträtseln kann.

Dann macht die Autorin einen kenntnisreichen Exkurs in die Welt des Profitdenkens und der Zuckerlobbys, der auch sehr zu denken gibt und  Zusammenhänge enthüllt, die nicht unbedingt auf den ersten Blick sichtbar sind.

Der dritte Teil des Buchs enthält Rezepte, mehrheitlich solche, die auf Kinder zugeschnitten sind aber nicht nur. Ein Rezept für Apfelcrumble ohne Zucker zum Beispiel liest sich sehr verlockend. Ich habe es aber noch nicht ausprobiert.

Zur Abrundung hat das Buch noch einen Anhang mit häufig gestellten Fragen und Anregungen zum Protokollieren von Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben hauptsächlich jener von Kindern.

Es ist ein solides Buch mit viel Text und einigen Graphiken, nicht von der Sorte mit riesigen Illustrationen, die sehr kleine Inhalte hübsch aufbereiten und die Seitenanzahl hochtreiben. Die Graphiken in diesem Buch finde ich informativ und von der Anzahl her genau richtig im Verhältnis zum Text.

 

 


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Mittwoch 18.März 2020 – Gruß aus dem Sonnenbunker

Das Wetter st strahlend schön und es ist nicht besonders herausfordernd, mit dem F, ein paar blühenden Bäumen, sonstigen Pflanzen, insgesamt vier Computern, vielen, vielen Büchern und ausreichenden Vorräten aller Art eingebunkert zu sein. Ich gehöre auch nicht zu jenen, die unbedingt mindestens jeden zweiten Tag ausgehen müssen. Obendrein können wir auch jederzeit spazieren gehen und natürlich einkaufen. Von letzterem sind wir gerade zurückgekommen. Es fühlt sich leise so an, wie ein Durchqueren von Feindesland, obwohl mir klar ist, dass es sehr viele viel gefährlichere Dinge als das Virus gibt, die mir unterwegs begegnen könnten. Vom Verkehrsunfall bis zu meiner geschwätzigen Unternachbarin.

Die Straßen sind nicht leer, wir treffen sehr viele Hundebesitzer und Menschen, die offenbar vom Einkaufen kommen, auch ein paar Jugendliche, die einen ein bisschen verlorenen Eindruck machen. Der Verkehr ist sehr ruhig, aber im Grunde ist er das in der Gegend immer.  Eine Woche kann ich mir so problemlos vorstellen, das wird sogar irgendwie erholsam. Zumindest für mich, weil meine Homeoffice-Tätigkeiten  sich in Grenzen halten, der F arbeitet wie immer, sprich zehn Stunden und mehr. Zwei Wochen kann ich mir auch vorstellen. Bei drei Wochen wird es dann wahrscheinlich herausfordernd. Nach einer Woche müssten sich die Auswirkungen dieser drakonischen Maßnahmen aber doch bemerkbar machen und das wird die Situation wieder erleichtern.

Die ansonsten so sozial denkende Frau Merkel hat sich endlich dazu bereit gefunden sich auch dafür einzusetzen, dass die LKWs voll medizinischen Materials, die im Nachbarland dringend gebraucht werden und schon lange bezahlt wurden, endlich über die deutsch-österreichische Grenze gelassen werden. In den österreichischen Spitälern ist die Schutzkleidung für das medizinische Personal knapp geworden.

Tulpenzeit ist trotz allem.


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Geduld

Alte Bilder sehe ich immer wieder durch, dann finde ich manchmal das eine oder andere, das mir ursprünglich gar nicht gefallen hat und das  aber plötzlich für mich Bedeutung bekommt. Dieses trifft meine derzeitige Stimmung ziemlich gut. Während ich dies poste, höre ich im Radio, das der österreichische Ort Heiligenblut abgeriegelt wurde und sich dort fürchterliche Szenen abspielen. Ebenso wie in Tirol, wo die ausländischen Touristen ausreisen und die Einheimischen in Quarantäne gestellt werden. In Italien werden sich sicher vor zwei Wochen ähnliche Szenen abgespielt haben. Diese kriegsähnlichen Bilder machen die Entschleunigung nicht ganz so einfach.


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13. März 2020 und 1848 – Revolution

13. März 1848 – die Märzrevolution in Wien. Wenigstens ist man Metternich damals losgeworden, der am 13. März zurücktrat, aber die Revolution fand auch schon am 9. November ihr Ende, mit der standrechtlichen Erschießung ihrer Anführer. Verglichen damit, ist es derzeit friedlich.

Ab Montag werden alle Geschäfte mit Ausnahme vom Lebensmittelhandel und den Apotheken geschlossen. Alle Gastronomiebetriebe und Lokale jeder Art müssen um 15:00 schließen. Mit der Begründung, dass die ohnehin schon unter schwierigen Bedingungen arbeitenden Menschen die Möglichkeit haben sollen zu Mittag zu essen. Das ist eine österreichische Lösung, die mir gefällt. Sie trifft die goldene Mitte zwischen Normalität und Dramatik. Überhaupt bin ich vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Von den Maßnahmen selbst und von der Transparenz mit der sie kommuniziert werden. Kurz hat Gelegenheit seine rhetorische Brillianz zu zeigen. Als römischer Volkstribun hätte er den Senat permanent vor sich hergetrieben. Allein, wie er allen dankt, die das normale Leben aufrecht erhalten von den Verkäufern zum Gesundheitspersonal und auch allen anderen. Hat mir auch gefallen, obwohl mir klar ist, wie manipulativ sowas sein kann.

Anschober wirkt überaus solide und kompetent. Der Bundespräsident hält eine seiner Kuschelreden, die ich gerne mag, aber inhaltlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Er spricht von einem „Team Österreich“, das die Herausforderung gemeinsam lösen wird. Ob das die Leute waren, die heute Vormittag in den Wiener Supermärkten wie die Irren Clopapier gehamstert haben ? „18 Paletten kommen morgen“ sagt mir eine Verkäuferin in dem großen Supermarkt, in dem wir meistens Freitags einkaufen.“aber wie lange die wieder reichen werden, weiß man nicht“. Ganz unter uns: wir wollten auch zwei Packungen Clopapier erwerben, es war aber keine einzige mehr da.

In Tirol werden die Hotels gesperrt und mehrere Gemeinden tatsächlich abgeriegelt. Ausländische Touristen dürfen natürlich ausreisen, die Einheimischen stehen unter Quarantäne. In Tiroler Bergtälern hat es Tradition von der Welt abgeriegelt zu sein … Im Hintergrund sieht man eine Gruppe chinesischer Ärzte, alle mit Mundschutz und Schutzanzug einem Flugzeug entsteigen. Sie kommen um ihre Erfahrungen mit dem Virus weiterzugehen.

Der F hat sich noch nicht entschieden, ob er er auch ins home office zieht. Er ist noch beim Abwägen der Vor- und Nachteile. Man wird sehen. Ich entschleunige einmal. Ungeklärt ist noch, ob wir die Schularbeiten und sonstigen Prüfungen der Abschlussklassen nächste Woche doch durchführen (müssen). Ich verstehe schon, dass es für den ganzen Jahrgang wichtig ist, Matura machen zu können, aber kann man nicht einfach alles um einen Monat verschieben?


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Donnerstag 12. März 2020

Wie es aussieht, bleibt kein Stein auf dem anderen. Ab Montag sind alle Oberstufenschulen und Unis geschlossen. Am Mittwoch folgen die Schulen der der 6 bis 14 jährigen, allerdings soll es eine Betreuung geben, für jene Kinder, deren Eltern sie nicht betreuen können. Diese Betreuung wird, fürchte ich, etwas problematisch werden, was passiert sobald jemand vom Lehrpersonal infiziert ist? Und das kann nicht lange dauern, denn die KInder, die zum Glück anscheinend selbst nicht krank werden, sind lebende Virenschleudern.

Zu meiner großen Verblüffung hat Kanzler Kurz angekündigt, dass jene Firmen, die Mitarbeiter zur unbedingt notwendigen Kinderbetreuung freistellen ein Drittel des Gehalts dieser freigestellten Mitarbeiter aus öffentlichen Geldern bekommen sollen. Das ist doch eine wirklich soziale Maßnahme. Überhaupt kommt mir das Krisenmanagement von Kanzler und Gesundheitsminister gar nicht schlecht vor. Die Landsleute werden verstehen, was ich damit meine, wenn ich mir vorstelle, dass die Gesundheitsministerin von der FPÖ, Frau Hartinger-Klein noch im Amt wäre …

Ununterbrochen erfährt man, dass diese und jene Firma schließt oder zumindest den Kundenverkehr einstellt. Es schließen Museen, Großveranstaltungen jeder Art werden abgesagt, sportliche, kulturelle. Wir werden aufgerufen, soziale Kontakte möglichst zu meiden. Durch die Reduktion von Sozialkontakten auf ein Viertel soll eine signifikante Abflachung der Infektionskurve möglich werden.  Es gibt ein errechnetes Szenario, dass, wenn der exponentielle Anstieg der Infizierten nicht gebremst wird, mit 1. April keinerlei Spitalsbetten mehr zur Verfügung stehen würden, die Intensivbetten wären schon Mitte März alle belegt. Leider lässt sich an der Mathematik nicht rütteln.

Ich werde versuchen, mich der Entschleunigung zu widmen, allein.

 


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Dienstag 10. März 2020

Es herrscht eine seltsame Stimmung. „panische Ruhe“ nennt sie ein von mir sehr geschätzter Journalist. Es werden höchstwahrscheinlich alle Schulen geschlossen werden, es ist nur noch nicht klar wann, und wir Lehrer*innen wurden vom Minister aufgefordert ein Konzept für den Fernunterricht zu erstellen um „den Unterrichtsertrag sicherzustellen“. Solche Konzepte legen wir ja locker an einem Abend hin. Die Unis wurden bereits geschlossen, das Problem bei den Schulen ist die Betreuung der jüngeren Schüler*innen. Wo sollen Eltern so plötzlich eine oder mehrere vertrauenswürdige Betreuungspersonen hernehmen? Es ist momentan alles recht schwierig und steht auf tönernen Füssen, aber wir werden´s schon packen. Morgen also zehn Stunden Unterricht und dazwischen Fernlernkonzept erstellen und natürlich sämtliche nicht-digitale Unterlagen sortieren und nachhause befördern.


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Sonntag 8.März 2020 – Kefir und Blasen

Neues von der Kefir-Front. Zuerst habe ich ihn nur etwa 20 Stunden werken lassen. Dabei ist ein Getränk herausgekommen, das ziemlich neutral geschmeckt hat. Ich ließ ihn dann insgesamt 36 Stunden arbeiten und bekam ein immer noch flüssiges Produkt, das mir wider Erwarten wirklich gut geschmeckt hat, mit Himbeeren und Birnen, so eine Art gesünderes Fruchtjoghurt. Nach etwa 50 Stunden hatte er eine sehr dickflüssige Konsistenz bekommen. Man konnte ihn noch gut abseihen und – welch angenehme Überraschung – er hat mir gut geschmeckt, ohne irgendwas dazu. Ein voller Erfolg also. Ich hatte aus Kinderzeiten den Kefir als ganz grauslich schmeckend in Erinnerung. Immer erfreulich, wenn sich negative Erinnerungen ins Positive umkehren.

Der F steht dem Kefir skeptisch gegenüber und hält sich lieber an industrielle Yoghurts. Er meinte, er hätte noch nie eine Langzeitbeziehung mit einem Pilz gehabt. Nun ja, tatsächlich ist die Frage, die ich noch nicht geklärt habe, was mit dem Kefir passiert, wenn er wochenlang allein bleibt. Lässt man ihn dann vor sich hin arbeiten und Alko-Yoghurt erzeugen? Lässt man ihn ohne Milch stehen? Kann man ihn vielleicht einfrieren? Braucht man einen Kefir-Sitter?? Derzeit bin ich nicht besonders reisefreudig. Die Vorstellung irgendwo in der Welt in einem Hotel unter Quarantäne gestellt zu werden, finde ich nicht besonders verlockend. Ob nun krank oder nicht. Eine Freundin, die ich am Samstag getroffen habe, ist gestern nach Madeira geflogen. Hoffentlich kann sie zur geplanten Zeit zurückkommen.

In letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, wie sehr auch die Blogs in Blasen organisiert sind. Vielleicht nicht ganz so extrem wie andere Social Media und Meinungsblasen in der wahren Welt. Aber auch hier gibt es zu vielen Themen feststehende Meinungen über die sich die üblichen Kommentator*innen eines Blogs einig sind, die überhaupt nie in Frage gestellt werden. Blasenhoppen ist also angesagt.


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Donnerstag 5.März 2020

Eines meiner derzeit dominierenden Lebensthemen ist die Energie, oder vielmehr deren Fehlen. Zu einem hohen Anteil ist das wohl eine Altersfrage. Aber nicht nur. Mein absurder Stundenplan, der die Unterrichtsstunden auf drei sehr lange Tage zusammenpresst, obendrein auf aufeinanderfolgende Tage ist daran sicher auch nicht unbeteiligt. Zwar schlafe ich im Normalfall genug, aber das gesunde Essen ist für mich eine Zeitfrage und ich schaffe es nicht wirklich. Obendrein braucht man je älter man wird umso längere Erholungszeiten. Mit 20 kompensiert man eine durchgefeierte Nacht mit etwas längerem Schlafen am nächsten Tag oder nicht einmal das. Naja, die Zeiten sind leider vorbei.

„Supradyn vital 50+“ kommt auch nicht annähernd an Popeyes Spinat heran… In meinem Kühlschrank ruht ein Sauerteigstarter namens Sherman, der mir von einer Kollegin gespendet wurde. Blöder Name, aber falls ich ihn aktiviere, werde ich ihn umtaufen. Ich würde ja gerne selbst Brot backen, aber die Sache ist doch wesentlich komplizierter und vor allem zeitaufwändiger als ich gedacht habe. Meine Vorstellung war, dass ein Stück von dem Starter mit weiterem Mehl und Wasser und ein paar Gewürzen gemischt wird, dann meinetwegen noch eine Weile herumliegt und dann in den Ofen kommt. Auch das ist schon viel Aufwand, aber das kann ich mir vorstellen. Die Realität sieht aber offenbar anders aus: mehrere Teige braucht es, mehrere unterschiedlich lange Ruhezeiten, ziemlich genaue Vorgaben was wie lange dauern soll oder darf. Nein, ich glaube das ist doch nix für mich, außer ich finde ein einfacheres Rezept. Ein bissl suche ich noch.

Im Rahmen meiner Kampagne „wo ist nur die Energie geblieben?“ habe ich auch einen Kefirpilz geschenkt bekommen. Er hat noch keinen Namen, steht in einem Glaskrug in der Küche und produziert ein hoffentlich auch noch köstliches auf jeden Fall aber sehr gesundes Getränk. Ich habe meine Zweifel, ob es mir schmecken wird, ich trinke auch nicht gerne Milch, aber mit etwas gutem Willen kann man sich ja an vieles gewöhnen. Dem F wird er wahrscheinlich schmecken, der trinkt Milch wie Wasser, sogar warm. Ich kann gar nicht hinschauen so grausig finde ich das. Aber gut, sollte es meine Energiebilanz verbessern, werde ich bestimmt mit Erfolg versuchen, das  ….. köstliche Getränk täglich zu konsumieren, oder zumindest hin und wieder, falls der F. was übrig lässt.

Heute wäre der zweite Tag Kieser-Training in dieser Woche fällig. Geht aber leider nicht, weil ich auf einen Techniker warte, der meine Kabel-Box überreden soll, wieder mit der Mediathek zusammenzuarbeiten. Nach längeren Verhandlungen und diversen per Ferndiagnose erstellten falsifizierten Vermutungen der Kabelgesellschaft, hat man mir einen Techniker zugestanden, der zwischen 16:00 und 20:00 kommen soll. Ich bin also kaserniert. Zwar habe ich ohnehin wenig Zeit zum Fernsehen, wenn ich aber schon so eine Box habe, die in der Theorie sehr viel kann, so sollte sie doch auch funktionieren

Das Wochenende wird angenehm aber nicht besonders erholsam werden. Vielleicht wirkt die Verbindung von Supradyn vital 50+ und Kefir.


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Mittwoch 26. Februar 2020

Was mich erstaunt ist, dass ich an meinen Arbeitsmarathon-Mittwochen nicht mehr und nicht weniger müde bin, egal ob ich in der Mittagspause herumlaufe und diverses erledige oder ob ich irgendwo herumhänge. Ein Sprung nachhause und eine Runde schlafen, wäre auch eine Möglichkeit, die aber zeitlich schwer einzubauen ist.

Gestern war es obendrein sehr galgenhumorig in der Schule. In Wien gab es eine Lehrerin, die in Italien war und deren Grippe zunächst als mögliche Corona-Infektion gedeutet wurde. Wir bekamen die ganze Geschichte brühwarm mit, weil der Neffe einer Kollegin Schüler dieser Schule ist. Zunächst sollte diese Schule evakuiert werden, dann wurde sie gesperrt und alle „Insassen“ durchgetestet. Schließlich Entwarnung. Wir haben Szenarien entworfen, wie wir – 150 Lehrer*innen  und 1200 Schüler*innen im Schulgebäude kampieren würden. Es war lustig. „Der Schmäh rennt“ nennt man so eine Stimmung in Wien. Naja, eine kleine Spur Hysterie war möglicherweise auch dabei. Aber insgesamt war es eher beruhigend. Wir haben auch Pläne gemacht, was wir nicht alles zuhause endlich erledigen könnten, falls demnächst die Schulen geschlossen würden. Auf jeden Fall war es wesentlich unterhaltsamer als eine Faschingssitzung, wenn auch einen Tag zu spät.

Heute gibt es allerdings den ersten bestätigten Corona-Fall in Wien


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Sonntag 23. Februar 2020

Draußen brüllt der Sturm und es ist viel zu warm, drinnen bespricht der Fernseher die Verdreifachung der Infizierten durch das COVID-19 in Italien. 300 Km von der österreichischen Grenze, 700 Km von Wien entfernt. In Norditalien herrschen mittlerweile gruslige Zustände: Orte abgeriegelt, Schulen geschlossen, die Menschen werden aufgefordert zuhause zu bleiben. Und die Person 0, also jene von der die Infektion ausgegangen ist, wurde noch nicht gefunden. Ja, es nützt nichts, ich fürchte mich vor Pandemien, inzwischen wohl auch mit einiger Berechtigung. Ein wahrhaft ungemütlicher Sonntag.