la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Mittwoch 31.10.18

Gut sind die Nachrichten in letzter Zeit nicht. Die Überschwemmungen und Stürme in Kärnten waren katastrophal und es soll nochmal mehr Regen geben. Eine surreale Seite hat die Wetterprognose: man kann zwar noch nichts wahrnehmen, es werden aber Häuser evakuiert, man schaut zum Himmel auf und es hat noch nicht einmal zu regnen begonnen, von einem Sturm ist auch keine Spur zu bemerken. Trotzdem kann schon realistisch mit großen Schäden, Verletzten und Toten gerechnet werden. Es fällt uns Menschen nicht leicht, Ereignisse, die wir mit unseren Sinnen noch nicht wahrnehmen können, als Realität zu betrachten. Trotz ständigem Online-seins.

Eine Bürgerwehr namens Vikings Security Austria hat sich gebildet. Ausgerechnet Wikinger, ein Volk das nicht gerade wegen seiner Liebe zu Frieden und Harmonie in die Geschichte einging. Eine Beschreibung dieses Vereins gibt es HIER.   Wie meist bei solchen Themen sind die Kommentare noch ein Stück gruseliger als der Text als solcher. Nächstes Wochenende wollen sie in Linz patrouillieren. Noch vor wenigen Jahren hätte ich über so etwas gelacht, aber in letzter Zeit bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Natürlich darf dieser Verein nicht bewaffnet sein, auch eine Kickl-Polizei wird das Staatsmonopol auf Gewalt nicht aufgeben, aber was in den Statuten steht, ist eine Sache und was tatsächlich passiert eine andere und wie eventuelle Aktionen dieser Wikinger von der Polizei wahrgenommen und beurteilt würden noch eine andere.

Keine besonders gute Stimmung für eine Ferienwoche. Andererseits strahlt hier in Wien die Sonne vom Himmel, der dieses ganz spezielle Herbstblau hat.

Im orthopädischen Spital meines Vertrauens findet jeden Mittwoch eine Infoveranstaltung für Hüft- und Knieoperationen statt und es schien mir heute der geeignete Mittwoch zu sein um daran teilzunehmen. Der F. konnte sich auch rechtzeitig freimachen und so pilgerten wir gemeinsam zu der Quelle der neuen Gelenke. Die Veranstaltung war hochprofessionell gemacht, es traten auf: eine Stationsleiterin, ein Chirurg, der Chef der Anästhesie, eine Physiotherapeutin, eine Ergotherapeutin und eine Sozialarbeiterin. Alle freundlich und gut gelaunt. Man konnte jede Art von Fragen stellen und wurde mit einer Broschüre bedacht, die eventuelle weitere Fragen beantwortete. Sogar mögliche und unmögliche Positionen beim Sex in den vier Wochen nach der OP werden da thematisiert. Der Clou aber war der „Auftritt“ einer Frau, die am Montag Nachmittag operiert worden war, also vor noch nicht einmal 48 Stunden und die langsam und mit 2 Krücken aber völlig gerade und schmerzfrei vor den versammelten Zu-operierenden paradierte und Fragen beantwortete. Es war richtig fühlbar, wie alle Anwesenden aufgrund dieser positiven Aussichten mindestens einmal erleichtert durchatmeten. Der Chirurg freute sich auch.

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Woche 11 vor der OP

In den letzten Tagen war ich ziemlich besorgt, weil ich den Eindruck hatte, dass mein Hüftgelenk jeden Tag merklich schlechter funktionierte, dass es beim gehen jeden Tag bergab ging und ich sah mich schon vor der OP im Rollstuhl sitzen. Heute wollte F. gerne spazieren gehen. Ich war mir aber gar nicht sicher, ob ich mehr als ein paar unangenehme Schritte schaffen würde. Um die Lage auszutesten fuhren wir in den Wienerwald, in den Schwarzenbergpark, wo man nur ein paar Schritte, aber auch wesentlich weiter spazieren kann. Ein schöner Park, eigentlich eher Wald und Wiesen als ein Park. Herbstliche Farben, aber auch noch sonnige Wiesen.

Wir trennten uns und gingen bzw hinkten jede/r unserer Wege. Ich hasse es derzeit mit jemandem gemeinsam zu gehen, wohin auch immer, weil es mich so richtig nervt, dass sich alle anderen heftig verlangsamen müssen und ich wiederum schneller gehe als mir gut tut. Eine ungesunde Mischung aus angekratztem Ego und nicht ganz echtem sich-um-die-anderen kümmern. Eigentlich gehe ich auch im Normalzustand lieber allein spazieren, schon wegen der Fotostopps, die für Nicht-Fotografierende eine echte Herausforderung sind.

Ich war also allein unterwegs und eigentlich angenehm überrascht. Es ging ganz gut. Ich ging ein Stück gemäßigt bergauf und wieder zurück und dann zu einem Teich und schließlich noch ein gutes Stück durch den Wald. Die Stimmung war heiter, viele Kinder waren in und auf den unterschiedlichsten Fahrzeugen unterwegs, in der Sonne waren die Temperaturen noch ganz angenehm und es boten sich auch ein paar schöne Fotomotive an. Insgesamt ein erfreulicher Nachmittag und gemeinsam mit der Energie aus dem netten gestrigen Abend bei Freunden im neuen Haus bin ich einigermaßen gerüstet für einen weiteren Hausausräumtag morgen.


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21. September 2018 – internationaler Alzheimertag

Vor 112 Jahren wurde die Krankheit von Dr. Alois Alzheimer (* 14. Juni 1864 in Marktbreit; † 19. Dezember 1915 in Breslau) , einem Psychiater und Neuropathologen  erstmals beschrieben. Bis heute gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten für diese langsame Blockierung der Funktion eines menschlichen Gehirns, für die Auslöschung des Gedächtnisses, die Veränderung und schließlich das Verschwinden der Persönlichkeit. Nichts, was den Prozess aufhalten könnte, gerade ein bisschen verlangsamt kann er werden.

Der Pharmariese Pfizer hat zu Beginn des Jahres die Alzheimerforschung eingestellt, die investierten Gelder standen in keinem Verhältnis zu den eigentlich nicht vorhandenen Ergebnissen. Man sollte meinen, dass die Aussicht auf unendliche Gewinne für diejenigen, die als erste ein wirksames Medikament herausbringen die Motivation und die Finanzierung der Forschung unendlich pushen müssten. Offenbar sind die Ergebnisse aber so entmutigend, dass nicht einmal die Aussicht auf astronomische Gewinne die Pharmariesen motiviert, die Forschung intensiver voranzutreiben.

Wie schnell doch ein Impfstoff gegen Ebola gefunden wurde, als Amerika und Europa die Bedrohung dieser Krankheit so nahe wie noch nie kommen sahen. Sicher ist es einfacher einen Impfstoff zu finden als ein Mittel gegen eine degenerative Gehirnerkrankung, über deren Ursachen, Entstehung und Fortschreiten es nach wie vor wenig Wissen gibt. Das verstehe ich, dennoch ist der Frust groß. Die conditio humana winkt mit boshaftem Lächeln.


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Banalitäten in den letzten Sommertagen

Zum Glück bieten die mongolischen Studierenden immer Abkürzungen ihrer Namen an. Ich sehe mich außerstande  Namen wie Lkhagvasuren oder Gunjnaash auszusprechen oder sie mir zu merken. Es sind lange, für Europäer fast unaussprechliche Namen. Mit Abkürzungen wie Nogi oder Migo können wir schon eher leben. Es ist eine unangenehme, irgendwie unfreundliche Situation, wenn man sein Gegenüber nicht beim Namen nennen kann. In dieser Gruppe von 22 Studierenden sind 9 aus der Mongolei. Schwierig genug wird es sein , wenn man als Mongole drei europäische Sprachen so gut wie gleichzeitig lernen muss/soll/kann.

Nette Anekdoten sammeln sich da an. Im Spanischunterricht frage ich eine mongolische Studierende, was sie denn machen würde, wenn sie den Zug versäumt und erwarte eine Antwort wie „den nächsten nehmen“ . Aber keineswegs, dann würde ich ein Pferd nehmen, sagt sie, in der Mongolei stehen auf jedem Bahnhof Pferde, für den Fall, dass jemand den Zug versäumt. Dass jemand nicht reiten kann, ist in dem Konzept offenbar nicht vorgesehen.

Und wen treffe ich auf dem Heimweg im Bio-Supermarkt? Allerdings nicht bei Obst und Gemüse sondern beim Zotter-Schoki-Regal? Unsere Schulärztin, ganz vertieft in die Betrachtung und den Vergleich von diversen Schoko-Sorten. Ich habe mich dazu gesellt und wir haben die Vorzüge und Geschmacksnuancen von vielen Sorten durchdiskutiert, vom medizinischen Standpunkt gewissermaßen.

Morgen soll der letzte wirklich heiße Tag sein. Es wird wirklich Zeit, ich habe gerade beim gießen eine aufgeblühte Rhododendrenblüte gefunden, die war eindeutig für den nächsten Frühling bestimmt.


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Alltag asiatisch

Heute habe ich es kulinarisch deutlich besser gemacht als gestern: ich habe den Wirten mit den zweifelhaften Kochkünsten links liegen lassen und bin zum nächstgelegenen Asiaten gegangen. Dort gibt es erfreulicherweise bis 17h eine Auswahl von Menüs und auch noch eine recht umfangreiche Speisekarte. Aber es ist eben deutlich weiter zu gehen. Nachdem es bei meinem Hüftgelenk derzeit nur relativ schlechte, schlechte und ganz schlechte Tage gibt, ist es einfach mühsamer. Aber der Mensch muss ja nicht immer nur die leichten Wege humpeln.

Es gibt Erfreuliches in der Abendschule: der junge Mann, den ich im vorigen Semester rausgeschmissen habe, weil er in den Stunden ausschließlich auf seinem Smartphone herumgewischt und getippselt hat, ist wieder da und beteiligt sich doch glatt am Unterricht. Sogar ein Lächeln habe ich heute gesehen, wo er doch bisher nur starre Miene gezeigt hat. Vielleicht hat sich sein Leben im positiven Sinn verändert oder er wird gar erwachsen. Jedenfalls freut mich das sehr, weil ich ihn für einen ganz hoffnungslosen Fall gehalten habe. Ich bemühe mich auch, ihm die Rückkehr zu erleichtern, habe mir jeden erstaunten Kommentar verkniffen und arbeite nur mit Lob. Gelingt, passt, fein!

Es ist immer noch so warm, dass ich von morgens früh um acht bis abends um zehn ärmellos unterwegs war und immer richtig bekleidet war. Nicht einmal eine Jacke oder Weste habe ich mitgenommen, weil ich jedes Gramm einspare um möglichst wenig herumzutragen.


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Behindert

Ich habe nicht viel zu tragen und bin pünktlich. Das die Straße Hinaufgehen tut weh, aber nicht sehr. Im Bus ist jede Menge Platz frei und wir brauchen knappe zehn Minuten bis zu meiner Umstiegstelle. Die Niederflur-Straßenbahn kommt ein paar Minuten später. Auch hier ist ein guter Platz frei und ich lehne mich erstmal entspannt zurück. Solange ich nicht selbst gehbehindert war, konnte ich auch nicht nachvollziehen wie das ist, ständig zu befürchten, dass sich unterwegs irgendwelche Hindernisse auftun.

Ich steige in der unterirdischen Station aus und sehe schon von weitem, dass der Aufzug nicht funktioniert. Das passiert nicht oft, aber doch immer wieder und manchmal dauert es zwei oder gar drei Tage bis er wieder geht. Zum Glück bin ich recht gut drauf, trotzdem sind drei Stiegen immer mit einem Bein voran eine mühsame Angelegenheit. Rund um mich herum hüpfen und rennen dutzende Schülerinnen und Schüler die Stiege hinauf. Ich sage mir, dass ich mich an solche Situationen zumindest für das nächste halbe Jahr gewöhnen muss und schaue möglichst unverbissen drein. Viele von den Jugendlichen kenne ich, habe sie aber vier Monate nicht gesehen. Sie kommen mich begrüßen, ich plaudere mit ihnen und auf die Frage wie es mir geht, sage ich auf zwanzig verschiedene Arten“na, ja“. Die Vorteile eines großen Wortschatzes erschließen sich ja immer wieder.

Am Ende der Stiege angekommen, bin ich aber noch nicht am Ziel. Die Jugend ist schon weit voraus. Ich bin froh, dass niemand beschlossen hat, mit mir in meinem Tempo zu gehen. Solche Freundlichkeiten kann ich gar nicht leiden, weil sie mich unter Stress setzen, schneller zu gehen als ich eigentlich kann. Gut, es bleibt die Strecke von vielleicht 250 Metern, davon die Hälfte bergauf. Geschafft. Und nun noch zehn sehr hohe Stufen von der Straße in das Gebäude hinein. Tolle Barrierefreiheit ist das für ein öffentliches Gebäude. Der Portier schaut mir lächelnd zu, das habe ich genau gebraucht. Aber ich bin ungerecht, er ist ein wirklich netter Mensch, nicht im mindesten gehbehindert und kann daher wahrscheinlich nicht nachvollziehen wie wenig es mich freut, wenn er mir lächelnd oder nicht dabei zusieht die Stufen immer mit demselben Bein voraus hinauf zu gehen.

Während des Tages funktioniert der schulinterne Lift klaglos. Das tut er praktisch immer und es gibt eigentlich keinen Anlass zu befürchten, dass er gleich am ersten Tag ausfällt. Als ob man nur Dinge befürchten könnte, deren Eintreten unwahrscheinlich ist. Im schlimmsten Fall kann ich schon in den dritten Stock hinaufgehen, auch mehrmals, aber wie viele Tage hintereinander das gut gehen würde, kann ich nicht beurteilen. Es sind noch Monate bis zur OP und ich möchte nicht damit anfangen müssen Schmerzmittel zu nehmen.

 


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Philosophie des Hinkens

Etüdensommerintermezzo bei Christiane 

Aktenzahl: II-18/2

Aufgabe: unter Verwendung von 10 dieser Wörter einen beliebig langen Text schreiben.

Zweiter Durchgang. Diesmal ist das „Ich“ fiktiv. Es gibt nur gewisse Anklänge an meine aktuelle Lage.

Lange war ich eine Suchende, lange wusste ich nicht, was an meinem Leben grundlegend falsch war. Bis ein ganz kleines Erlebnis mir eine ganz große Einsicht bescherte. Über das leicht gezackte, vielfältig geäderte Blatt eines Ribiselstrauchs bewegte sich ein Wassertropfen. Er bewegte sich, aber so gemächlich, dass es nur bei geduldiger Betrachtung zu bemerken war. Die Bewegung war so langsam, dass dem Tropfen ständig viele mögliche Fließrouten zur Verfügung standen. Er konnte ganz gerade hinunterfallen, er konnte mäandern oder in hunderten möglichen Verzweigungen das Blatt überqueren. Er konnte eine Johannisbeere umfließen, durch das Holz durchsickern oder darüber hinwegtropfen. Bei jedem Windhauch boten sich neue Wege und Richtungen. Und die gleichen unendlichen Möglichkeiten hatte er auf jedem weiteren Blatt seines Wegs. Manchmal vereinigte sich der Tropfen mit einem anderen und gewann dadurch neue Energie, eröffnete neue mögliche Wege. Die Waldeinsamkeit, in die ich mich zurückgezogen hatte um unbeobachtet hinkend spazieren zu können, wurde zu einer überwältigenden Demonstration der Kraft, die nicht nur in der Ruhe sondern auch in der Langsamkeit liegt.

Meine neue Philosophie sprach sich schnell herum. Die Flüsterpropaganda verbreitete, dass ich von einem Langsamkeitswahn befallen sei. Es amüsierte mich. Meine Erkenntnis war so umfassend bereichernd, dass Sarkasmus an mir abperlte. Mein Leben gewann an Qualität und ich möchte fast sagen an Weisheit

Ich gesellte mich öfters zu meinem geschätzten Freundeskreis der Verhaltensforscher, die beim Heurigen „Konrads Graugans“ unter sommerlichen Lampions und schattenspendendem Weinlaub über Gott und die Welt diskutierten und philosophierten. Hinken und Langsamkeit hin oder her fand ich mich hier ebenso geschätzt und integriert wie immer.

Die jedenfalls  ironisch gemeinte Frage, ob ich auch beim Denken auf Langsamkeit setzen würde, fand ich durchaus überlegenswert. Die Denkgeschwindigkeit ist ja nichts, was der Mensch selbst bestimmen kann, wohl aber die Richtung des Denkens: nur geradeaus in eingefahrenen Bahnen oder unter Berücksichtigung der Verzweigungen des Blattes und der Welt und der Bedeutung des Windhauchs, der die Situation grundlegend verändern kann. Recht beachtlich wie weit man die Analogie mit dem Wassertropfen auf dem Blatt treiben kann, meinten die Freunde. Zwar sahen sie sich dem Sarkasmus verpflichtet aber auch der intellektuellen Redlichkeit.

So hinkte ich zwar immer noch und die sommerlich allgegenwärtigen Wanderbaustellen zwangen mich zu ermüdenden Umwegen oder Durchquerungen von Baustellenwüsten, die von Stolperfallen nur so wimmelten, aber in einem metaphorischen Sinn hörte ich meine Schritte in Richtung Walhalla klingen.

Wenn ich mir das so durchlese, ist das Ich vielleicht doch nicht so ganz fiktiv …..