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Die lila Karotte

Lila Karotten sind mir bislang noch nicht untergekommen und daher war ich neugierig als ich sie bei meinem Gemüselieferanten angeboten sah.

Diese ursprüngliche Variante der Karotte, aus der die orangen Sorten hervorgegangen sind, schmeckt ein bisschen wie rote Rüben aber ohne die erdige Nuance. Sie soll ganz ungeheuer gesund sein (welches Gemüse ist das laut Beschreibung nicht? ). Auf jeden Fall färbt sie ganz intensiv alles, was nur in ihre Nähe kommt.

Kohlrabi – pompeianischer Kohl – Brassica oleracea var. gongylodes L.

Er hat einen hohen Ballaststoffgehalt, B-Vitamine, Selen, Folsäure, Vitamin C, Kalium, Magnesium und Kupfer und nur 24 kcal pro 100g. Allerdings sind die Blätter noch ein Stück gesünder : Kohlrabiblätter haben gegenüber der Knolle einen rund doppelt so hohen Gehalt an Vitamin C, der Gehalt an Carotin ist 100 mal so hoch, der von Calcium und Eisen 10 mal so hoch.

Meine heutige Kohlrabi-Kreation war eine Suppe aus den Blättern. Ein paar Erdäpfel waren auch dabei und Lauch.

Der F verputzt den Kohlrabi roh, auch gesund

Hübsch ist das Grünzeug auch, wenn man es hinter einer Glaskugel drapiert und zufällig Licht von zwei Seiten dazu kommt

Freitag 11. Dezember 2020 – Crowdfunding

Ich halte Crowdfunding für eine sehr interessante Art der Finanzierung von Diversem. Selbst bin ich an einer Crowdfunding-Konstruktion beteiligt, bei einer Firma, die Bio-Produkte aus Oliven erzeugt, hauptsächlich Öl, aber auch diverse Aufstriche und es gibt auch eine Kosmetiklinie. Originell daran ist, dass die Firma zu 100% in Griechenland produziert, die Oliven ausschließlich von griechischen Bauern kauft, Steuern in Griechenland bezahlt, aber die Gründer und die gesamte Firmenleitung sind Österreicher und die Produkte werden zu einem hohen Prozentsatz in Österreich und Deutschland verkauft.

Im Bio-Sektor gibt es jede Menge Zertifizierungen und Preise, die man gewinnen kann. Die Mani-Öle gewinnen oft und sind auch in manchen Bereichen Marktführer. Dies ist umso erstaunlicher als diese Firma buchstäblich aus dem Nichts entstanden ist. Der Firmengründer war ein Aussteiger, der alternativ und selbstversorgend leben wollte und gerade so viel Geld haben, damit er sich der Meditation widmen könnte. Es ist eine Firma mit zweistelligem Millionenumsatz daraus geworden und heute meint der Gründer, dass er sich auf einen Weg der tätigen Spiritualität begeben habe, mit der er der Welt mehr bringt, als wenn er sich zurückziehen und meditieren würde. Zwar meditiert er immer noch, aber nicht in dem ursprünglich geplanten Ausmaß. Soziales ist ein wichtiger Punkt der Firmenphilosophie. Die Angestellten bekommen zB 50% mehr als den offiziellen Mindestlohn, die Olivenbauern werden im voraus für ihre Ernte bezahlt.

„Vertrauen“ sagte der Firmengründer wäre das Leitmotiv der Firmengeschichte. Ganz zu Beginn, als die Firma 1979 gegründet wurde, hatte er selbst kaum Geld, bekam aber von Verwandten und Freunden Unterstützung. Praktisch Fremde hätten für ihn für Bankkredite gebürgt. Es wundert mich nicht. Ich kenne mehrere Familienmitglieder persönlich und finde, dass sie alle Menschen sind, bei denen es einfach ist, ihnen Vertrauen entgegenzubringen. Auch Vertrauen in Form von Geld, das man der Firma gegen jährliche Zinszahlungen zur Verfügung stellt. Das gesamte Konzept ist menschen- und umweltfreundlich. Zum Beispiel wird durch Sonnenkollektoren mehr Energie erzeugt als die Firma verbraucht.

Das nächste Projekt ist der Bau einer weiteren Fabrik, wobei die Hälfte der Finanzierung von der EU kommt und ein weiterer Mensch, den ich persönlich kenne und schätze in die Firma einsteigt.

Dies ist nicht als Werbung gedacht. Es ist eher eine kurze Zusammenfassung einer virtuellen Jahresversammlung für die Darlehensgeber, an der ich vor ein paar Tagen teilgenommen habe und recht beeindruckt war von den Informationen. Abgesehen davon, dass ein Zinssatz von 3% mehr ist als man bei irgendeiner Bank bekommt, hat es sich gut angefühlt dieser Firma verbunden zu sein.

Dienstag 25.11.2020 – Stromern rund um´s Impfen

Ich bin ganz pünktlich und schlendere über die Schwedenbrücke. Die U-Bahn war nicht leer, aber auch nicht überfüllt, die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln wird praktisch 100%ig eingehalten, das aber ohnehin schon seit Monaten.  Hinter mir die Ruprechtskirche und darunter der Platz wo der Attentäter erschossen wurde. Aber nichts davon ist heute in meinem Fokus. Was mir dagegen zum Beispiel auffällt, sind die Steinchen am Boden, die offenbar wegen Glatteis gestreut wurden. Heute Nachmittag ist es zwar sehr kalt, aber trocken.

Durch die Taborstraße gehe ich, vorbei an der Gasse, in der ich aufgewachsen bin. Das Haus steht nicht mehr und es ist ein seltsames Gefühl, dass am richtigen Platz das falsche Haus steht. Die Geschäfte sind geschlossen, wir haben ja Lockdown. In sehr vielen Geschäftslokalen sind aber Menschen anwesend, vermutlich die Besitzer oder Geschäftsführer und werkeln mit irgendetwas herum, dekorieren die Auslagen um, sitzen an Schreibtischen und bearbeiten ihre Laptops, telefonieren. Man kann ihnen von der Straße aus bei ihren Aktivitäten zusehen. Die Geschäftslokale sind voll, es sieht aus als hätte man die Fülle der Waren gerade noch untergebracht und wartete ungeduldig auf die Menschenmassen, die demnächst hineinstürmen werden

Ich komme an einer Schneiderei vorbei, in der gearbeitet wird und habe  den Eindruck dass, wenn ich an irgendeine dieser Türen klopfen würde, sicher jemand käme um mich zu fragen, was ich kaufen möchte. An nahezu allen Geschäften steht angeschrieben, dass man die Produkte, welcher Art auch immer, online kaufen kann oder einfach nur anrufen soll und dann alles umsonst nachhause geliefert bekommt. Bei manchen wird der Umkreis angegeben, in dem sie liefern, bei anderen ist es die ganze Stadt. Es gibt viele kreative Ansätze, wie man ohne andere zu gefährden seine Geschäfte betreiben kann. Demnächst werde ich auf diese Art einen Adventkranz erwerben, aber nicht in dieser Straße.

Es gibt eine Gratis-Grippeimpf-Aktion in Wien, die man in verschiedenen Bezirksämtern in Anspruch nehmen kann. Warum immer habe ich mir dieses ausgesucht. Es funktioniert alles völlig problemlos, nach höchstens 10 Minuten bin ich geimpft und wieder auf der Straße. Es ist meine allererste Grippeimpfung, die ich aber schon vor Covid19 beschlossen hatte. Nachdem ich nun nicht mehr täglich mit mehreren Öffis fahre und mit hunderten Leuten zu tun habe, von denen immer einige krank sind, dachte ich, dass der ständige Immunisierungseffekt nachlassen und mein Immunsystem nicht mehr ganz so fit sein wird.

Auf dem Rückweg gehe ich quer durch das Viertel und komme an einem kleinen Platz vorbei. Dort steht eine mir wohlbekannte Kirche mit weit offenen Toren. Wahrscheinlich wird auch hier fleißig gelüftet. Auf einer Bank direkt vor dem geöffneten Tor sitzen zwei klassisch-muslimisch gekleidete Mädchen, die miteinander kichern und schräg dahinter ist ein koscherer Supermarkt. Wie in Andalusien im Mittelalter, wo die allgemeine religiöse Toleranz eine blühende Kultur gefördert wenn nicht gar hervorgebracht hat.

Donnerstag 3.September 2020 – die mythischen 10.000

Es ist ja allseits bekannt, dass man täglich 10.000 Schritte gehen sollte, quer durch die verschiedenen Niveaus sportlicher Kompetenz ist man der Meinung, dass 10.000 Schritte am Tag die magische Grenze zur gesunden und sportlichen Lebensführung sind. Kürzlich habe ich gelesen, dass es zwar Langzeitstudien mit Menschen über 70 gibt, die eindeutig belegen, dass tägliche Bewegung positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, dass die 10.000 Schritte aber eine recht willkürlich gesetzte Größe sind.

Dass es gesund ist, sich zu bewegen, weiß man ja nun auch ohne Studien jeglicher Art, aber die 10.000 Schritte geistern nun einmal überall herum. Mein Schrittzähler zum Beispiel jubelt bei Erreichung der 10.000 indem er grünes Feuerwerk auf dem Display produziert und vibriert. Kindisch sich darüber zu freuen, zugegeben, ich freue mich aber trotzdem und habe nun beschlossen an fünf Tagen in der Woche 10.000 anzuvisieren. Das geht besser als ich gedacht hätte. Der Schmäh an der Sache ist, dass man Wege verlängern muss, also nicht einfach von A nach B zu gehen sondern ein paar Schleifen und Umwege einzulegen. Nach einer Weile Sitzen ein paar hundert Schritte machen und natürlich die üblichen Wege vielleicht auch mit ein paar Schleifen. Wenn man längere Spaziergänge macht, sind die 10.000 ohnehin kein Problem.

Irgendetwas Neues möchte ich auch lernen und zu diesem Zweck einen Kurs besuchen, aber einen mit anwesenden Menschen, keinen online-Kurs. Nachdem alles erst im Oktober anfängt, ist noch unklar, wie sich Kurse gestalten werden. Der F ist unernst und schlägt mir vor, ich solle doch einen Perchtentanzkurs nehmen, da würde man sich bewegen und hätte eine – noch dazu höchst originelle – Holzmaske auf. Na ja ……

Und noch ein Fall

Eine weitere Covid-19-Infektion in einer anderen Klasse. Langsam werde ich unruhig. Insgesamt wird ja die Pandemie als ziemlich erledigt betrachtet, jeder Tag bringt mehr Normalität, aber wenn es in der eigenen, unmittelbaren Umgebung mehrere Ansteckungsfälle gibt, relativiert das die Normalität doch sehr. Ja, ich bin besorgt und unruhig, was natürlich nichts besser macht. Angst ist insgesamt ungesund und würgt die Kreativität, weiß man ja. Zwischen Theorie und Praxis klafft ein breiter Spalt, in dem das Leben stattfindet. Weiß man auch.

 

Samstag 14.Juni 2020

Der erste Schwimm des Jahres bei meinem Bruder im Garten. Öffentliche Bäder sind mir noch etwas unheimlich, aber nachdem eine kürzlich getroffene Freundin eine Saisonkarte für das Schönbrunner Bad erstanden hat, ist es im Grunde nur eine Frage der Zeit, wann ich mich überreden lasse dort hinzugehen. Der Pool der Verwandtschaft hat ein sehr angenehmes Desinfektionssystem: es wird Salz hineingeschüttet, durch irgendein Elektrolyse-Verfahren entsteht im Endeffekt Chlor. Das Wasser ist aber viel angenehmer für die Haut und riecht auch überhaupt nicht nach Chlor.

Samstag: strahlender Sonnenschein mit recht hohen Temperaturen, Sonntag: Gewitter, Abkühlung, ein paar Stunden Regen. So könnte es von mir aus den ganzen Sommer lang weitergehen. Keine Trockenheit, keine Aufheizung der Stadt, Lebensqualität im Alltag.

Ab morgen muss man in Supermärkten keine Masken mehr tragen, nur noch in Öffis und Gesundheitseinrichtungen. Einerseits werden die Masken mit steigenden Temperaturen immer unangenehmer, andererseits bringen sie aber vielleicht doch einen gewissen Schutz. Ich kann mich nicht entschließen, wofür oder wogegen ich in diesem Zusammenhang bin.

Im Kieser-Studio gab es schon heute keine Maskenpflicht mehr, viele Leute trugen aber beim Trainieren Masken. Auf freiwilliger Basis können ja alle machen, was sie wollen. Ob es aber klug ist, die ausgeatmete Luft wieder einzuatmen, noch dazu bei sportlicher Betätigung, wenn man eigentlich mehr Sauerstoff braucht als sonst.

Mittwoch 3. Juni 2020

So hat denn die Präsenz-Phase in der Schule wieder begonnen, die dann Ende Juni in die Sommerferien übergehen wird. Jede Klasse ist in zwei Gruppen geteilt von denen eine an den geraden Tagen, die andere an den ungeraden kommt. Es hat etwas leicht Gespenstisches wenn so wenige Leute in den Gängen aneinander vorbeihuschen. Alles in allem habe ich mich gefreut, die Kollegenschaft und die Schülerinnen wiederzusehen. Es hat auch ziemlich gut getan, die wenig bodenhaftenden Vorstellungen unseres Ministers ausgiebig zu besprechen und Geschichten aus dem Leben der Schüler*innen zu erfahren. Weniger begeistert hat mich das Versprühen des garantiert am scheußlichsten riechenden Desinfektionsmittels. Es muss reiner Fusel sein, aus der Zeit als Desinfektionsmittel nicht aufzutreiben waren und die Schulen doch mit irgendetwas ähnlichem versorgt werden mussten. Wir rochen also alle ziemlich durchdringend.

Nachdem es in Wien heute offiziell nur mehr 254 Covid-19-Infizierte gab, erschien es mir ziemlich lächerlich mich zu einer Risikogruppe zu rechnen und weiterhin von zuhause aus zu arbeiten. Obendrein hätte mir das um einiges mehr Arbeit verursacht. 80% aller Lehrer*innen, die sich zur Risikogruppe hätten zählen können, sind zum Präsenzunterricht  gekommen. Welcher der beiden Fakten mich stärker beeinflusst hat, sei nun dahingestellt.

Ebenso gespenstig wie die Schule zeigte sich das Kieser Studio, wo ich gestern war. Man muss sich auf die Viertelstunde genau anmelden, wobei aber nicht genau zu eruieren ist, wie viele Leute auf einmal hinein dürfen. Die Trainingsmaschinen wurden umgestellt, so dass nicht mehr nebeneinander sondern hintereinander trainiert wird. Dieser Position der Geräte kann ich viel abgewinnen, man sieht nicht mehr aus den Augenwinkeln die Nachbarn zur Rechten und zur Linken sondern die Hinterfront des Geräts vor einem. Man wird sehen, wie lange die Situation so bleibt.

Vielleicht lerne ich es doch noch, manchmal den Mund zu halten, wenn bodenloser Schwachsinn verzapft wird von Leuten, die sich durch das Lesen von drei Artikeln als Expert*innen zu einem Thema fühlen, über das ihnen aber in Wirklichkeit die allergrundlegendsten Kenntnisse fehlen. Ja, ich bin ganz optimistisch vielleicht wird da noch was draus. Wenigstens manchmal.

 

Dienstag 28. April 2020

Der heutige Besuch in der Friedhofsgärtnerei hat dem Erwerb von Pflanzen für die Kleinplantage gedient. Vor der eigenen Tür zu ernten, hat schon was Besonderes für Stadtmenschen. Es gedeiht ohnehin lange nicht alles, was ich gerne hätte, aber Kräuter, Erdbeeren, Tomaten und Paprika sind unproblematisch und machen Freude, sogar wenn sie womöglich nicht gegessen werden.

Zuckerfrei

Das Buch nähert sich dem Thema „Zucker“ von verschiedenen Seiten. Der rote Faden durch das Buch ist der Anspruch Kinder von klein an mit möglichst wenig Zucker zu ernähren, es liest sich aber auch mit Blick auf Erwachsene mit eingefahrenen Gewohnheiten recht gut.

Es geht zunächst um Theorie der Ernährung mit Betonung auf Beschaffenheit und Wirkung von Zucker und um Warenkunde. Verschiedene Zuckerarten, aber auch andere süße Nahrungsmittel werden erörtert. Dem Zucker wird auf vielen Wegen nachgespürt, vor allem in Fertigprodukten jeder Art. Ich fand es erstaunlich zu erfahren, wo überall Zucker drin ist und wie man rätselhafte Inhaltsstoffbeschreibungen enträtseln kann.

Dann macht die Autorin einen kenntnisreichen Exkurs in die Welt des Profitdenkens und der Zuckerlobbys, der auch sehr zu denken gibt und  Zusammenhänge enthüllt, die nicht unbedingt auf den ersten Blick sichtbar sind.

Der dritte Teil des Buchs enthält Rezepte, mehrheitlich solche, die auf Kinder zugeschnitten sind aber nicht nur. Ein Rezept für Apfelcrumble ohne Zucker zum Beispiel liest sich sehr verlockend. Ich habe es aber noch nicht ausprobiert.

Zur Abrundung hat das Buch noch einen Anhang mit häufig gestellten Fragen und Anregungen zum Protokollieren von Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben hauptsächlich jener von Kindern.

Es ist ein solides Buch mit viel Text und einigen Graphiken, nicht von der Sorte mit riesigen Illustrationen, die sehr kleine Inhalte hübsch aufbereiten und die Seitenanzahl hochtreiben. Die Graphiken in diesem Buch finde ich informativ und von der Anzahl her genau richtig im Verhältnis zum Text.

 

 

Mittwoch 18.März 2020 – Gruß aus dem Sonnenbunker

Das Wetter st strahlend schön und es ist nicht besonders herausfordernd, mit dem F, ein paar blühenden Bäumen, sonstigen Pflanzen, insgesamt vier Computern, vielen, vielen Büchern und ausreichenden Vorräten aller Art eingebunkert zu sein. Ich gehöre auch nicht zu jenen, die unbedingt mindestens jeden zweiten Tag ausgehen müssen. Obendrein können wir auch jederzeit spazieren gehen und natürlich einkaufen. Von letzterem sind wir gerade zurückgekommen. Es fühlt sich leise so an, wie ein Durchqueren von Feindesland, obwohl mir klar ist, dass es sehr viele viel gefährlichere Dinge als das Virus gibt, die mir unterwegs begegnen könnten. Vom Verkehrsunfall bis zu meiner geschwätzigen Unternachbarin.

Die Straßen sind nicht leer, wir treffen sehr viele Hundebesitzer und Menschen, die offenbar vom Einkaufen kommen, auch ein paar Jugendliche, die einen ein bisschen verlorenen Eindruck machen. Der Verkehr ist sehr ruhig, aber im Grunde ist er das in der Gegend immer.  Eine Woche kann ich mir so problemlos vorstellen, das wird sogar irgendwie erholsam. Zumindest für mich, weil meine Homeoffice-Tätigkeiten  sich in Grenzen halten, der F arbeitet wie immer, sprich zehn Stunden und mehr. Zwei Wochen kann ich mir auch vorstellen. Bei drei Wochen wird es dann wahrscheinlich herausfordernd. Nach einer Woche müssten sich die Auswirkungen dieser drakonischen Maßnahmen aber doch bemerkbar machen und das wird die Situation wieder erleichtern.

Die ansonsten so sozial denkende Frau Merkel hat sich endlich dazu bereit gefunden sich auch dafür einzusetzen, dass die LKWs voll medizinischen Materials, die im Nachbarland dringend gebraucht werden und schon lange bezahlt wurden, endlich über die deutsch-österreichische Grenze gelassen werden. In den österreichischen Spitälern ist die Schutzkleidung für das medizinische Personal knapp geworden.

Tulpenzeit ist trotz allem.

Geduld

Alte Bilder sehe ich immer wieder durch, dann finde ich manchmal das eine oder andere, das mir ursprünglich gar nicht gefallen hat und das  aber plötzlich für mich Bedeutung bekommt. Dieses trifft meine derzeitige Stimmung ziemlich gut. Während ich dies poste, höre ich im Radio, das der österreichische Ort Heiligenblut abgeriegelt wurde und sich dort fürchterliche Szenen abspielen. Ebenso wie in Tirol, wo die ausländischen Touristen ausreisen und die Einheimischen in Quarantäne gestellt werden. In Italien werden sich sicher vor zwei Wochen ähnliche Szenen abgespielt haben. Diese kriegsähnlichen Bilder machen die Entschleunigung nicht ganz so einfach.

13. März 2020 und 1848 – Revolution

13. März 1848 – die Märzrevolution in Wien. Wenigstens ist man Metternich damals losgeworden, der am 13. März zurücktrat, aber die Revolution fand auch schon am 9. November ihr Ende, mit der standrechtlichen Erschießung ihrer Anführer. Verglichen damit, ist es derzeit friedlich.

Ab Montag werden alle Geschäfte mit Ausnahme vom Lebensmittelhandel und den Apotheken geschlossen. Alle Gastronomiebetriebe und Lokale jeder Art müssen um 15:00 schließen. Mit der Begründung, dass die ohnehin schon unter schwierigen Bedingungen arbeitenden Menschen die Möglichkeit haben sollen zu Mittag zu essen. Das ist eine österreichische Lösung, die mir gefällt. Sie trifft die goldene Mitte zwischen Normalität und Dramatik. Überhaupt bin ich vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Von den Maßnahmen selbst und von der Transparenz mit der sie kommuniziert werden. Kurz hat Gelegenheit seine rhetorische Brillianz zu zeigen. Als römischer Volkstribun hätte er den Senat permanent vor sich hergetrieben. Allein, wie er allen dankt, die das normale Leben aufrecht erhalten von den Verkäufern zum Gesundheitspersonal und auch allen anderen. Hat mir auch gefallen, obwohl mir klar ist, wie manipulativ sowas sein kann.

Anschober wirkt überaus solide und kompetent. Der Bundespräsident hält eine seiner Kuschelreden, die ich gerne mag, aber inhaltlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Er spricht von einem „Team Österreich“, das die Herausforderung gemeinsam lösen wird. Ob das die Leute waren, die heute Vormittag in den Wiener Supermärkten wie die Irren Clopapier gehamstert haben ? „18 Paletten kommen morgen“ sagt mir eine Verkäuferin in dem großen Supermarkt, in dem wir meistens Freitags einkaufen.“aber wie lange die wieder reichen werden, weiß man nicht“. Ganz unter uns: wir wollten auch zwei Packungen Clopapier erwerben, es war aber keine einzige mehr da.

In Tirol werden die Hotels gesperrt und mehrere Gemeinden tatsächlich abgeriegelt. Ausländische Touristen dürfen natürlich ausreisen, die Einheimischen stehen unter Quarantäne. In Tiroler Bergtälern hat es Tradition von der Welt abgeriegelt zu sein … Im Hintergrund sieht man eine Gruppe chinesischer Ärzte, alle mit Mundschutz und Schutzanzug einem Flugzeug entsteigen. Sie kommen um ihre Erfahrungen mit dem Virus weiterzugehen.

Der F hat sich noch nicht entschieden, ob er er auch ins home office zieht. Er ist noch beim Abwägen der Vor- und Nachteile. Man wird sehen. Ich entschleunige einmal. Ungeklärt ist noch, ob wir die Schularbeiten und sonstigen Prüfungen der Abschlussklassen nächste Woche doch durchführen (müssen). Ich verstehe schon, dass es für den ganzen Jahrgang wichtig ist, Matura machen zu können, aber kann man nicht einfach alles um einen Monat verschieben?

Donnerstag 12. März 2020

Wie es aussieht, bleibt kein Stein auf dem anderen. Ab Montag sind alle Oberstufenschulen und Unis geschlossen. Am Mittwoch folgen die Schulen der der 6 bis 14 jährigen, allerdings soll es eine Betreuung geben, für jene Kinder, deren Eltern sie nicht betreuen können. Diese Betreuung wird, fürchte ich, etwas problematisch werden, was passiert sobald jemand vom Lehrpersonal infiziert ist? Und das kann nicht lange dauern, denn die KInder, die zum Glück anscheinend selbst nicht krank werden, sind lebende Virenschleudern.

Zu meiner großen Verblüffung hat Kanzler Kurz angekündigt, dass jene Firmen, die Mitarbeiter zur unbedingt notwendigen Kinderbetreuung freistellen ein Drittel des Gehalts dieser freigestellten Mitarbeiter aus öffentlichen Geldern bekommen sollen. Das ist doch eine wirklich soziale Maßnahme. Überhaupt kommt mir das Krisenmanagement von Kanzler und Gesundheitsminister gar nicht schlecht vor. Die Landsleute werden verstehen, was ich damit meine, wenn ich mir vorstelle, dass die Gesundheitsministerin von der FPÖ, Frau Hartinger-Klein noch im Amt wäre …

Ununterbrochen erfährt man, dass diese und jene Firma schließt oder zumindest den Kundenverkehr einstellt. Es schließen Museen, Großveranstaltungen jeder Art werden abgesagt, sportliche, kulturelle. Wir werden aufgerufen, soziale Kontakte möglichst zu meiden. Durch die Reduktion von Sozialkontakten auf ein Viertel soll eine signifikante Abflachung der Infektionskurve möglich werden.  Es gibt ein errechnetes Szenario, dass, wenn der exponentielle Anstieg der Infizierten nicht gebremst wird, mit 1. April keinerlei Spitalsbetten mehr zur Verfügung stehen würden, die Intensivbetten wären schon Mitte März alle belegt. Leider lässt sich an der Mathematik nicht rütteln.

Ich werde versuchen, mich der Entschleunigung zu widmen, allein.