la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 16.8. Fröhliche Demenz

Ein skurriles Erlebnis hatte ich vorhin. In der Hotelhalle saß eine sehr sympatisch wirkende alte Dame mit einem Scrabble-Brett vor sich auf dem Tisch und legte eifrig Wörter. Ich ging vorbei und fragte sie, ob sie Lust auf eine Partie zu zweit hätte. Hatte sie. Sie meinte, dass man allein auch spielen könne, dass es aber doch zu zweit sehr viel mehr Spaß mache, weil „jedem etwas anderes einfällt“.

Ich war einigermaßen erstaunt über ihre Spielregeln: alle Buchstaben lagen offen auf dem Tisch, sie machte auch keine Anstalten eine neue Partie zu eröffnen. Dann sah ich die Wörter, die schon da lagen und mir wurde klar, dass das ein außergewöhnliches Spiel sein musste. Da lag zum Beispiel „gözis“ oder „gus“ . Die Spielregeln waren einfach: jede dachte sich ein Wort aus, holte sich die erforderlichen Buchstaben und legte das Wort irgendwo aufs Brett. Nun gut, das konnte ja nicht lange dauern und dann würde ich mich höflich aus der Affaire ziehen. Sie suchte ein „T“ und legte damit das extravagante Wort „ptja“ und zwar so, dass es neben „Ofen“ zu liegen kam und ein „ptjaofen“ daraus wurde. Wir füllten zweimal das Spielbrett mit großteils sehr kurzen existenten Wörtern und etlichen wilden Fantasiekonstukten. Wir haben viel gelacht, wenn auch vielleicht jede über etwas anderes.

Ein Physiotherapeut hat mir ein Gerät zum trainieren der Hüftmuskulatur vorgestellt. Nach jeweils dreimal 15 Wiederholungen jeder Übung war ich ziemlich streichfähig, ging trotzdem anschließend zur Unterwassergymnastik, die vom selben Therapeuten geleitet wurde, der viel schwierigere und schnellere Übungen anleitete als alle seine Kolleginnen und Kollegen. Und morgen habe ich dann noch eine Einzelstunde bei ihm. Da werde ich am Sonntag wissen, wovon ich mich erhole.


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Mittwoch 14.8.19- Kühe und Nazifahnen

Wie es wohl zu bewerten ist, dass Menschen sich die notwendige Bewegung verschaffen indem sie auf Geräten herumturnen, die in Innenräumen aufgestellt werden. Ja, ja, ich weiß, ich gehöre da auch dazu. Heute war ich aber bewegungsmäßig äußerst fleißig: ein nicht unsteiler Wanderweg durch den Wald. Leider musste ich auf halbem Weg zurückgehen, weil die Wolken gar zu dunkel waren. Letzlich hat es aber keinen Tropfen geregnet.

Abends habe ich an einer Tanzveranstaltung teilgenommen. Ei, ei, es war sehr anstrengend, aber die Hüftgelenke haben klaglos mitgemacht.

Von weitem klingen Traktoren wie Hubschrauber zumindest für meine Städterinnenohren. Kühe bimmeln hier überall. Gestern sah ich ein Tier, das aussah wie eine Mischung aus Nandu und Karnickel aber in Huhnform. Leider konnte ich von diesen außergewöhnlichen Hühnern keine Fotos machen.

Eine alte Dame hat mir heute erzählt, dass ihre Mutter aus Nazifahnen die Hakenkreuze herausgeschnitten und aus dem restlichen Stoff Dirndln für ihre Töchter geschneidert hat. Der Stoff wäre von guter Qualität gewesen und die Kleider hätten sehr lange gehalten. Großartig finde ich so eine praktische Bewältigung von Katastrophen. Sie hätte ja – je nach Weltanschauung – die Fahnen zur ewigen Erinnerung aufbewahren oder sie verbrennen oder sonstwie vernichten können. Aber nein, sie hat daraus Kleidung für ihre Kinder geschneidert.


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Dienstag 14.5.19 – Selbstoptimierung

Gestern habe ich eine Reportage zum Thema „Selbstoptimierung“ gesehen. Allein schon das Wort! Ich habe ganz und gar nichts gegen gesundes Leben und Sport, aber „Selbstoptimierung“ … Ich stoße mich nicht an der Sache sondern an der Bezeichnung und auch an der Intensität, die da beschrieben wurde. Wenn man jede freie Minute mit Selbstoptimierung verbringt, so frage ich mich, wann denn das Leben stattfinden soll, für das man sich optimieren möchte. Oder geht es womöglich gar nicht darum, ein gutes Leben zu führen ?

Es wurden Firmen vorgestellt, deren Mitarbeiter offenbar alle zwischen Mitte zwanzig und allerhöchstens Mitte dreißig waren, die 10 bis 12 Stunden täglich arbeiteten, in ihrer Freizeit fleißig Networking betrieben und eben Selbstoptimierung. Man sah Gruppen solcher Menschen, die auf ihre Handys starrten und sich darüber austauschten, wie viele von den optimalen tausend Punkten für optimierte Lebensführung sie vorzuweisen hätten. Es gab einige, die sich sehr schämten, weil sie ihre Gruppe punktemäßig herunterzogen: nur 250 oder 300 Punkte hatten sie, weil sie zu viel rauchten, zu viel tranken und zu wenig schliefen.

Selbstoptimierung wird von manchen Menschen mit totaler Beherrschbarkeit des Lebens verwechselt. Es wurde ein muskeloptimierter Mann gezeigt, der erklärte, was er alles für seinen Körper tat und welche Pülverchen und Zusatzstoffe er regelmäßig konsumierte, damit ihm auch ganz bestimmt nichts fehle. Dazu kam seine Aussage, dass er durch diese Lebensweise ganz sicher sei, bis ins hohe Alter völlig fit zu sein und niemals „irgendeine Krankheit wie zB Alzheimer“ zu bekommen. Mögen ihm seine Illusionen erhalten bleiben, dass ein Mensch durch die Einnahme von Zusatzstoffen und ständigem sportlichen Training in die Lage versetzt wird, seinen eigenen Körper und alles, was ihm jemals zustoßen könnte, unter Kontrolle zu haben. Süß naiv könnte man das fast nennen.


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Donnerstag 4.4.19

An einem Ayurveda-Workshop habe ich heute teilgenommen, im Rahmen unseres Lehrergesundheitstages. Die Schüler*innen hatten nach vier Stunden aus und wir schritten zur Tat, ausgerüstet mit Schneidbrettern, Geschirrtüchern  und Messern. Mit einem sehr scharfen Gemüsemesser im Rucksack in der Straßenbahn zu sitzen war ein sehr unangenehmes Gefühl obwohl es gut verpackt war.

Ich habe Handy-Fotos gemacht, die ich völlig unbefriedigend finde. Das Zusammentreffen der Kamera und des Messers im Rucksack war mir aber nicht ganz geheuer. Allerdings waren dann ohnehin zu viele Messer da.

Mit der Theorie des Ayurveda habe ich mich nicht ausreichend beschäftigt um dazu irgendeine stichhaltige Meinung zu haben, aber was wir nach Rezepten der Workshopleiterin gekocht haben, war köstlich. Zumal wir davor einen Vortrag über regionale Produkte gehört haben innerhalb dessen ein Video über Schweinehaltung gezeigt wurde, das so manche/n zum Vegetarier machen könnte. Nicht nur dass den armen Ferkeln im Alter von ein paar Tagen, die Schwänze abgebrannt werden, die männlichen werden auch noch kastriert damit das Fleisch besser schmeckt. Und das sind angeblich die humaneren Vorgangsweisen im Vergleich zu anderem. Man muss in diesem Zusammenhang vielleicht auch die Bedeutung des Adjektivs „human“ hinterfragen.


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Durchgang zur Sonne

Während meiner Reha bin ich viel spazieren gegangen und habe viel fotografiert. Dafür werde ich in den nächsten Tagen wohl nicht so viel Zeit haben. Ich hätte ja noch geschätzte 793 Wasserspiegelungs- und Regenbilder, aber etwas Abwechslung muss auch sein. Hier scheint die Sonne, hinter dem Durchgang. Den Bildtitel kann man natürlich in viele Richtungen interpretieren.


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Samstag 9.3.19

Bewegung ist derzeit angesagt. Der F wollte sich ein neues Rad kaufen und hat dafür einen sehr originellen Ort ausfindig gemacht. Velobis heißt er. Ich finde ja, das klingt nach einem ägyptischen Pharao des alten Reichs, tatsächlich aber ist es ein ehemaliges Kino, in dem eine Kombination aus Radgeschäft und Bistro eingezogen ist. Ein sehr ungewöhnliches Geschäftsmodell, aber es dürfte recht erfolgreich sein. Während der Besitzer in der ebenfalls dazugehörigen  Werkstatt das Rad so zusammenstellte wie der F es haben wollte, saßen wir im Lokalteil und probierten, was dort unter „moderne afrikanische Küche“ angeboten wurde. Gar nicht schlecht. Besonders interessant fand ich die Obst- und Gemüsesäfte, die nicht Smoothies hießen, sondern Cocktails und nach berühmten Rennfahrern benannt waren. Ich erkannte allerdings nur Lance Armstrong, einen Vater des Dopings.

Während der F sein neues Rad einfuhr, machte ich mehrere Runden im Park zwecks weiterer Dehnung des Hüftstreckers. Meine Anatomiekenntnisse haben sich sehr verbessert. Ich finde es viel einfacher Übungen zu machen, wenn mir klar ist, welche Muskel dabei gedehnt, gestreckt, gekräftigt werden sollen. Noch lieber wäre es mir allerdings, wenn ich mich damit gar nicht beschäftigen müsste.

In meinen Vasen wurde die Tulpensaison eröffnet. Besonders gerne mag ich die rotgelben Papageientulpen.