la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Es nagt

Es nagt an mir, dass ich keine Pläne für den Sommer machen kann. Zwei Drittel der OP-Wunde sind gut verheilt, aber das restliche Drittel macht Probleme. Wundheilungsstörung. Wir probieren alles durch, verschiedene Arten von Pflastern, gerade habe ich den zweiten Versuch „an der Luft lassen“ gestartet. Bei chirurgischen Wunden gäbe es da sehr gute Erfolge meinte die Ärztin. Offenbar unterscheiden sich Wunden je nachdem wie sie entstanden sind. Wenn einem also jemand ein Messer in den Bauch sticht ist das eine andere Art Wunde als wenn ein Chirurg Skalpelle schwingt. Leuchtet ein. Jedenfalls aber wäre es nicht sehr vernünftig mit nässenden oder auch mit gerade verheilten Wunden auf Reisen zu gehen. Gerade das ist es aber, was ich gerne machen bzw planen möchte.

Ich fühle mich richtig eingesperrt, weggesperrt, isoliert, beschränkt, begrenzt … Der viel strapazierte Gedanke, dass ich auf sehr hohem Niveau jammere, dass es 80% der Menschheit schlechter geht als mir usw usf nützen gar nichts. Ich funktioniere im negativ-emotionalen Modus und empfinde das als äußerst unangenehm. Die Kombination von viel Zeit mit wenig Energie und eingeschränktem Aktionsradius ist sehr unbekömmlich. Ich gehe mir selbst auf die Nerven, aber wenigstens suche ich nicht nach einem Sündenbock, das rechne ich mir jetzt als Pluspunkt an.

Es wird schon zum Vergnügen zum Wirten im nächsten Häuserblock zu gehen, oder einkaufen oder eine kleine Runde. Es hat sogar schon was von großer weiter Welt, wenn die Kirchenglocken durch offene Fenster und Türen läuten. Nicht nur sonst überall auch auf meiner Terrasse blüht es, es gibt sogar Hummeln, die kuschlig herumbrummen, es scheint die Sonne, ist aber nicht allzu warm. Geduld, Geduld

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Calvinistische Ärtzte

5:19 zeigte die Uhr, also für eine Nachteule wie mich mitten in der Nacht. Was mich geweckt hatte, war nicht Fs Rumoren (er ist ein Morgenmensch) sondern meine OP-Wunde, die höllisch juckte. Kratzen konnte ich mich nicht, weil ich Montag beim Arzt war und ein angeblich heilungsunterstützendes, transparentes Plastikding über den halben Bauch geklebt bekommen hatte. Am liebsten hätte ich es mir heruntergerissen so unangenehm war das Jucken.

Der Arzt, ein calvinistisch eingestellter Mensch meinte, dass ich aus medizinischer Sicht eigentlich nächste Woche schon wieder arbeiten könnte. Auf den Entlassungspapieren des Krankenhauses wurden zwar 6 Wochen Schonung empfohlen und die OP war gerade erst vor 2 Wochen, aber allein schon das Wort „Schonung“ wird ihm widerwärtig gewesen sein. ICH würde ja gar nicht so lange nicht arbeiten wollen, krähte er. Müssen Sie ja eh nicht, grummelte ich. Die Schwester, eine große Diplomatin, erinnerte den Arzt daran, dass in seinem Sprechzimmer schon jemand auf ihn warte, ich lag ja im Behandlungsraum auf der Liege. Womöglich war es ihm schon ein Dorn im Auge, dass jemand am hellichten Tag, der doch in seinem Weltbild ausschließlich zum Arbeiten bestimmt ist, irgendwo herumliegt. Er eilte also zurück zu seinen sonstigen Pflichten, die Schwester klebte das Ding fest und sagte verschwörerisch, dass ich doch am Freitag wiederkommen solle, da wäre die Frau Doktor soundso da und könnte  sich die Wunde nochmals ansehen und die Länge des Krankenstandes festlegen.

Es handelt sich um eine Gruppenpraxis, in der 4 verschiedene Ärzte arbeiten, was an und für sehr praktisch organisiert ist. Ich schätze halt manche Mitglieder des Ärzteteams mehr als andere.


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Entklammern und entfesseln

So eine geklammerte Wunde schaut ziemlich schaurig aus. Die Klammern sind im wesentlichen dieselben, die auch zum Zusammenheften von Papier verwendet werden, also vermute ich, dass sie wohl auch genauso hineingetackert werden. So genau möchte ich das jetzt gar nicht wissen. Glücklicherweise habe ich das nicht in bewusstem Zustand miterlebt.

Quelle: Spiegel.de

Gestern wurden die Klammern herausgeholt. Das sollte laut Auskunft von schon geklammert gewesenen Personen überhaupt nicht weh tun, auch der Arzt war erstaunt, dass es bei mir nicht so ganz einfach und schmerzlos ging. „Normalerweise“ meinte er „spürt man das kaum. Aber was ist schon normal..“ Zweifellos eine kluge Einstellung. Über meine Hände und Arme, die rund um die diversen Venenzugangskanülen in allen Regenbogenfarben geleuchtet haben und jetzt bei zwei riesigen Flächen in einem  kränklichen gelb-grün angelangt sind, bemerkte er, dass solche massakerähnlichen Zustände darauf zurückzuführen wären, dass die meisten Stiche von den Schwestern gemacht würden und die Ärzte gar keine Routine mehr dabei hätten.

Nun habe ich also eine entklammerte Wunde, die im oberen Bereich sehr gut verheilt und keine weiteren Probleme macht, im unteren Bereich gibt es aber eine Stelle, die noch ziemlich stark nässt. Ich habe kurz überlegt einen Kurzbesuch in der Spitalsambulanz zu machen, habe es mir aber anders überlegt. Was würde dort außer desinfizieren schon gemacht werden und das schaffe ich selbst auch. Ich warte also noch ein bisschen, die Ambulanz ist schließlich immer geöffnet und auf die Station auf der ich gelegen bin, kann ich mich ja auch jederzeit einschleichen, sollte das notwendig werden.

Der Herr Partner witzelt immer über meine überquellend ausgestattete Hausapotheke. Desinfektionsmittel, Mullkompressen in verschiedenen Größen, selbstverständlich habe ich sowas. Er ist beeindruckt. Das ist mir nicht unangenehm 🙂

Ansonsten geht alles schon ganz gut. Auto fahren ist noch eher unangenehm wegen der Erschütterung, ich bin auch noch wacklig auf den Beinen und gehe immer wieder einmal in die Horizontale, aber 10 Tage nach so einer Operation, 10 Tage nach einer Nacht mit Überwachung von Puls und Atmung, mit Katheter und Infusionen ist das ziemlich gut und ich gehe zufrieden auf dem Weg zur Normalisierung.


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M – Postkarte aus …

Vielleicht belebt sich der Mitmachblog doch wieder. Da muss ich doch schnell was dazu beitragen zum Thema „Postkarte aus …..“

Postkarte aus dem Krankenhaus

Man stelle sich die Fotoseite der Karte vor: ein architektonisch schöner Gebäudekomplex aus einzelnen Pavillons auf einem 10 Hektar großen Parkgelände. Die Gebäude sind rund um einen großen Innenhof angeordnet; am Eingang ein Steinbogen, blühende Bäume, spazierende Patienten. Das Gelände wird von blühenden und duftenden Fliederbüschen von der wenig befahrenen Straße abgetrennt.

Das Krankenhaus wurde zum 60-jährigen Regierungsjubiläum des österreichischen Kaisers Franz-Joseph beschlossen und zwischen 1907 und 1913 gebaut. Mit einigem Zynismus könnte man meinen, dass es gerade rechtzeitig kam um die zahllosen Verwundeten des 1. Weltkriegs aufzunehmen. Der politische Hintergrund für die Errichtung des großen Spitals war ein neues „Heimatgesetz“, das allen, die länger als 10 Jahre in Wien lebten, „Armenversorgung“ bzw „Altersfürsorge“ zusicherte. Damals war dieses Krankenhaus auf dem allerneuesten Stand der medizinischen Wissenschaften und Ausbildungsstätte für zahlreiche Fachärzte.

Ein zoom in einen der Pavillons.

Wäre es nicht ein Krankenzimmer mit 6 Betten, würde man von einem wunderschönen Raum sprechen. Gute 4 Meter hoch, eine halbrunde, breite Nische mit raumhohen Fenstern, der Blick auf blühende Bäume und Büsche, dahinter der Wienerwald. Leider werden die Jalousien an den Fenstern nicht verwendet, man lebt hier wie die Hühner, orientiert am Tageslicht. Dem Pflegepersonal ist das egal, sie haben entweder Tag- oder Nachtdienst und wollen bzw dürfen dann ohnehin nicht schlafen. Darauf ob Patienten bei Tageslicht schlafen können, wird keine Rücksicht genommen.

So sehr ich historische Gebäude schätze, so hält sich das Vergnügen  eines Spitalsaufenthaltes in einem über 100-jährigen Gebäude in Grenzen. Am medizinischen Standard, an den Ärzten und PflegerInnen finde ich gar nichts auszusetzen, aber die Ausstattung der Räume – abgesehen von den erstklassigen Betten – lässt die Schemen von grauen Heeren an Kriegsverwundeten auftauchen, die  am einzigen Waschbecken Schlange stehen, so sie denn überhaupt noch stehen können.

Auf der Postkarte gibt es dann noch einen Hinweis darauf, dass ich diesen Ort schon wieder verlassen habe und es mir zufriedenstellend gut geht.

 


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Adieu Intimsphäre …..

Wer das Konzept Privatsphäre oder gar Intimsphäre völlig loslassen kann, fühlt sich möglicherweise in einem Mehrbettzimmer im Krankenhaus ganz gut. Wen es nicht stört, intimste Details vor fünf anderen Patientinnen, mehreren Schwestern und Ärzten und sonstigen eventuell gerade im Zimmer befindlichen oder ein- und ausgehenden Personen abzuhandeln, dem wird es dort vielleicht gefallen. Die Putztruppe, die Essensverteiler, die Betten-in-den-OP-Transporteure, die Schwestern, die Ärzte, die Besucher, alle verwenden die gleiche Technik mit einer Hand zu klopfen und mit der anderen gleichzeitig die Tür aufzureißen. Die Visite kommt energiegeladen hereingestürmt , waltet ihres Amtes und anschließend weiß jede alles über jede. Um einigermaßen diskret zu sein, muss man halt ins All starren oder sich hinter einem Buch verschanzen, wenn etwa ein Chirurg bei der Dame im Bett  gegenüber schon einmal die Operationszone anzeichnet.

Wir sind ja alle nicht prüde und ziehen uns mitten im Raum vor aller Augen an und aus. Wir nehmen es ganz selbstverständlich, dass Untersuchungen ebenfalls im praktisch öffentlichen Raum stattfinden. Es gibt in dieser vorsintflutlichen Krankenhaus-Abteilung für die „Normalzimmer“ genau vier Toiletten und zwei Duschen nicht etwa in den Zimmern sondern am Gang und wen kann es stören, dass manche Patientinnen, die sich nicht selbst waschen können von den Schwestern bei offener Tür geduscht werden. Was macht es schon aus, wenn alle Vorbeigehenden zusehen können oder müssen. Es besteht ja sogar die Möglichkeit sich die Zähne zu putzen an einem uralten Waschbecken bei dem aus unerfindlichen Gründen die Überlaufsöffnung mit irgendeiner eklig gefärbten Masse verschlossen wurde.Dort kann man sogar einen Vorhang um sich herum ziehen. Nach einigen Tagen Aufenthalts in diesem Zimmer kam es mir schon irgendwie übertrieben vor, mich hinter einem Vorhang zu verstecken um mir die Zähne zu putzen, wo doch ganz andere Dinge beinahe öffentlich stattgefunden hatten.

Was um alles in der Welt mich veranlasst hat, ausgerechnet in dieses Krankenhaus zu gehen? Es war der hervorragende Ruf des Operateurs, der nun einmal dort anzutreffen ist. Viele wollen von diesem Arzt operiert werden und die wenigen komfortableren Zimmer sind immer belegt. So kann es geschehen, dass auch Menschen, die sonst nicht auf der unterprivilegierten Seite des Lebens zuhause sind, einander in Zimmern mit vielen Betten ins Auge blicken. Es ist eine Situation, in der viele sich nicht nur ihren Mitpatientinnen  sondern auch dem Sensenmann gegenüber sehen. Ja, es hat sich eine Atmosphäre der Solidarität aufgebaut und wir haben gemeinsam über unser Matratzenlager und die Striptease-Darbietungen gewitzelt. Galgenhumor mit leichter Hysterie vor der Operation, Erleichterung oder Verzweiflung danach. Von der menschlichen Seite her, war die Erfahrung bereichernd. Das Ausloten meiner eigenen Ressourcen auch. Trotzdem habe ich die Hütte so schnell wie möglich wieder verlassen.

Nach der OP war ich noch wesentlich mehr als froh. Die Chirurgen hatten mit einer großen Ausweidungsaktion gerechnet und alles für eine stundenlange Operation vorbereitet. Der ganz besonders freundliche und obendrein noch attraktive Anästhesist hatte mir – wahrscheinlich zu meiner Beruhigung – versichert, dass sie jede Menge passende Blutkonserven vorrätig hätten und auch sonst für alle Eventualitäten gerüstet wären. Leider hat mich diese Information  alles andere als beruhigt. An der Ausrüstung des OPs und den medizinischen Kapazitäten und Kompetenzen aller Beteiligten hatte ich ohnehin nie gezweifelt. Als ich dann aber aus der Narkose aufwachte und der Wunsch-Chirurg mit breitem Lächeln sagte, dass sie nur den sehr großen aber völlig gutartigen Tumor entfernt hätten, alles andere noch da wäre und Weiteres am Mittwoch, war das glasklare Euphorie, trotz Überwachungselektroden, Katheter, Sauerstoffzufuhr durch die Nase, geklammerter Wunde, über mir baumelnder Infusionsflaschen und gefühlt hunderten Nadeln in beiden Händen und Armen. Alles Kleinigkeiten im Vergleich dazu was hätte sein können.


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Es lebe die Anästhesie !

Ich bin eine Anhängerin der Schulmedizin und ihrer Möglichkeiten. Seit Jahrzehnten wäre ich tot, hätte man mich nicht mit 5 Jahren mit einem akuten Blindarmdurchbruch operiert. Die rasende Fahrt zum Spital und das praktisch direkt auf den OP-Tisch werfen, gehört zu meinen klarsten frühen Erinnerungen. Damals bekam man die betäubende Substanz noch vor´s Gesicht gehalten und ich erinnere mich gut, dass ich dann rückwärts zählen sollte.

Ich zweifle nicht an den Selbstheilungsmöglichkeiten des Körpers. Für die Prävention, für ein möglichst gesundes Leben gibt es auch viele mehr oder weniger wirksame alternative Behandlungsformen. Aber für schwere Krankheiten oder wenn operiert werden muss, nützen prinzipielle Selbstheilungsfähigkeiten nicht wirklich. Es ist fantastisch,was die Chirurgie und die Pharmakologie können. Man komme mir nicht mit „so viel Chemie“. Einerseits gibt es haufenweise Medikamente, die aus diversen Pflanzenwirkstoffen erzeugt werden und andererseits gibt es hochgiftige Pflanzen und Pflanzenteile. Die Pharmaindustrie? Da besteht natürlich auf der moralischen Seite öfter ein gewisser Nachholbedarf, aber andererseits ist die Forschung zu neuen Medikamenten sehr teuer und aufwendig und es ist verständlich, dass durch den Verkauf des fertigen Medikaments die Kosten für die Forschung hereinkommen sollen und man auch noch einen Gewinn erzielen möchte.

Ich wundere mich immer über Leute, die davon reden, dass der Arzt anordnet, dass sie dies oder das nehmen müssen. Müssen, frage ich mich, müssen, sollten sie nicht froh sein, dass es Therapiemöglichkeiten für ihre jeweiligen Probleme gibt, meist auf Krankenkassenkosten. Wer will kann ja bei Vollmond im Wald Kräuter sammeln und versuchen, sich damit zu heilen. Dann lasse man die Statistik sprechen, wie wirksam welche Behandlungsform ist.

Und dann erst die Untersuchungs- und Diagnose-Möglichkeiten. Von Bluttests über Computertomographien und Magnetresonanztomographien zu den Magen- und Darmspiegelungen, Herzuntersuchungen durch Sonden in der Speiseröhre …… und alles kann unter kurzfristiger Betäubung ganz angst- und schmerzfrei gemacht werden. Ich habe nicht die geringste Sehnsucht nach Zeiten, in denen es alle diese Möglichkeiten nicht gab, das Maximum an Therapie ein Kräuteraufguss war und die Diagnosen durch Werfen von Knochen und ähnliche hochwirksame Methoden durchgeführt wurden.


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Schritt für Schritt muss man sich annähern. Große Ziele muss man in kleine Schritte unterteilen und sich für jeden gelungenen Schritt selbst auf die Schulter klopfen wegen des Erfolgs und der zurückgelegten Entfernung . Jeder kleine Schritt ist ein Beweis für die Erreichbarkeit des Ziels, jede Zwischenetappe eine Bestätigung der Reiseroute. Drei kleine Schritte vor und keinen zurück. Zweimal gehüpft, dazwischen den Fuß nachgezogen und ein paar Tempi geschwommen. Die unvermeidlichen Stolpersteine mit rotglühenden Augen aus dem Weg geräumt, überklettert, zerschmettert, in den Abgrund geworfen.

Wieder ein Tag näher.