la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Dienstag 14.5.19 – Selbstoptimierung

Gestern habe ich eine Reportage zum Thema „Selbstoptimierung“ gesehen. Allein schon das Wort! Ich habe ganz und gar nichts gegen gesundes Leben und Sport, aber „Selbstoptimierung“ … Ich stoße mich nicht an der Sache sondern an der Bezeichnung und auch an der Intensität, die da beschrieben wurde. Wenn man jede freie Minute mit Selbstoptimierung verbringt, so frage ich mich, wann denn das Leben stattfinden soll, für das man sich optimieren möchte. Oder geht es womöglich gar nicht darum, ein gutes Leben zu führen ?

Es wurden Firmen vorgestellt, deren Mitarbeiter offenbar alle zwischen Mitte zwanzig und allerhöchstens Mitte dreißig waren, die 10 bis 12 Stunden täglich arbeiteten, in ihrer Freizeit fleißig Networking betrieben und eben Selbstoptimierung. Man sah Gruppen solcher Menschen, die auf ihre Handys starrten und sich darüber austauschten, wie viele von den optimalen tausend Punkten für optimierte Lebensführung sie vorzuweisen hätten. Es gab einige, die sich sehr schämten, weil sie ihre Gruppe punktemäßig herunterzogen: nur 250 oder 300 Punkte hatten sie, weil sie zu viel rauchten, zu viel tranken und zu wenig schliefen.

Selbstoptimierung wird von manchen Menschen mit totaler Beherrschbarkeit des Lebens verwechselt. Es wurde ein muskeloptimierter Mann gezeigt, der erklärte, was er alles für seinen Körper tat und welche Pülverchen und Zusatzstoffe er regelmäßig konsumierte, damit ihm auch ganz bestimmt nichts fehle. Dazu kam seine Aussage, dass er durch diese Lebensweise ganz sicher sei, bis ins hohe Alter völlig fit zu sein und niemals „irgendeine Krankheit wie zB Alzheimer“ zu bekommen. Mögen ihm seine Illusionen erhalten bleiben, dass ein Mensch durch die Einnahme von Zusatzstoffen und ständigem sportlichen Training in die Lage versetzt wird, seinen eigenen Körper und alles, was ihm jemals zustoßen könnte, unter Kontrolle zu haben. Süß naiv könnte man das fast nennen.


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Donnerstag 4.4.19

An einem Ayurveda-Workshop habe ich heute teilgenommen, im Rahmen unseres Lehrergesundheitstages. Die Schüler*innen hatten nach vier Stunden aus und wir schritten zur Tat, ausgerüstet mit Schneidbrettern, Geschirrtüchern  und Messern. Mit einem sehr scharfen Gemüsemesser im Rucksack in der Straßenbahn zu sitzen war ein sehr unangenehmes Gefühl obwohl es gut verpackt war.

Ich habe Handy-Fotos gemacht, die ich völlig unbefriedigend finde. Das Zusammentreffen der Kamera und des Messers im Rucksack war mir aber nicht ganz geheuer. Allerdings waren dann ohnehin zu viele Messer da.

Mit der Theorie des Ayurveda habe ich mich nicht ausreichend beschäftigt um dazu irgendeine stichhaltige Meinung zu haben, aber was wir nach Rezepten der Workshopleiterin gekocht haben, war köstlich. Zumal wir davor einen Vortrag über regionale Produkte gehört haben innerhalb dessen ein Video über Schweinehaltung gezeigt wurde, das so manche/n zum Vegetarier machen könnte. Nicht nur dass den armen Ferkeln im Alter von ein paar Tagen, die Schwänze abgebrannt werden, die männlichen werden auch noch kastriert damit das Fleisch besser schmeckt. Und das sind angeblich die humaneren Vorgangsweisen im Vergleich zu anderem. Man muss in diesem Zusammenhang vielleicht auch die Bedeutung des Adjektivs „human“ hinterfragen.


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Durchgang zur Sonne

Während meiner Reha bin ich viel spazieren gegangen und habe viel fotografiert. Dafür werde ich in den nächsten Tagen wohl nicht so viel Zeit haben. Ich hätte ja noch geschätzte 793 Wasserspiegelungs- und Regenbilder, aber etwas Abwechslung muss auch sein. Hier scheint die Sonne, hinter dem Durchgang. Den Bildtitel kann man natürlich in viele Richtungen interpretieren.


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Samstag 9.3.19

Bewegung ist derzeit angesagt. Der F wollte sich ein neues Rad kaufen und hat dafür einen sehr originellen Ort ausfindig gemacht. Velobis heißt er. Ich finde ja, das klingt nach einem ägyptischen Pharao des alten Reichs, tatsächlich aber ist es ein ehemaliges Kino, in dem eine Kombination aus Radgeschäft und Bistro eingezogen ist. Ein sehr ungewöhnliches Geschäftsmodell, aber es dürfte recht erfolgreich sein. Während der Besitzer in der ebenfalls dazugehörigen  Werkstatt das Rad so zusammenstellte wie der F es haben wollte, saßen wir im Lokalteil und probierten, was dort unter „moderne afrikanische Küche“ angeboten wurde. Gar nicht schlecht. Besonders interessant fand ich die Obst- und Gemüsesäfte, die nicht Smoothies hießen, sondern Cocktails und nach berühmten Rennfahrern benannt waren. Ich erkannte allerdings nur Lance Armstrong, einen Vater des Dopings.

Während der F sein neues Rad einfuhr, machte ich mehrere Runden im Park zwecks weiterer Dehnung des Hüftstreckers. Meine Anatomiekenntnisse haben sich sehr verbessert. Ich finde es viel einfacher Übungen zu machen, wenn mir klar ist, welche Muskel dabei gedehnt, gestreckt, gekräftigt werden sollen. Noch lieber wäre es mir allerdings, wenn ich mich damit gar nicht beschäftigen müsste.

In meinen Vasen wurde die Tulpensaison eröffnet. Besonders gerne mag ich die rotgelben Papageientulpen.


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13.2.19 – Erste Eindrücke

Mein heutiger Aufbruch hatte sicher etwas von einer Expedition, zumindest was die Anzahl der Gepäckstücke betraf. Die Anreise war problemlos, die Anmeldung gut organisiert. Ich habe schon ein Ärztegespräch, Röntgen, EKG und erste Physiotherapie hinter mir. Das Zimmer ist zwar nur halb so groß wie das Krankenhauszimmer und auch nicht so gut ausgestattet, aber es gibt alles Nötige und das WLAN funktioniert. Nun ja, der Kaspersky ist etwas nervös wegen dem unsicheren Netzwerk und hat irgendeinen Schutz ausgefahren. Soll mir recht sein.

Die Leute mit denen ich geplaudert habe, fanden alle an dem Haus nichts auszusetzen, nicht einmal am Essen. Es gibt zwei große Terrassen und ein Schwimmbad und eine große Anschlagtafel mit Veranstaltungen jeder Art, sowie eine Art Suchbörse für Leute, die dies oder das spielen möchten und andere Interessierte suchen. Klingt etwas anrüchig, aber es handelt sich um Kartenspiele.

Wie befürchtet bin ich wieder einmal in einem Paradies der Frühaufsteher gelandet. Erster Termin morgen 6:45. Leider wird mein Aufenthalt hier von der Krankenkasse bezahlt, daher muss ich die Termine nehmen wie sie kommen. Vielleicht erschließen sich mir ja die Freuden des Frühaufstehens. Die Ärztin meinte, dass ich ohnehin so müde sein würde, dass das Bett früh rufen würde.

 


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Sonntag 3.2.19 – Banale Details

F. und ich haben seit ewigen Zeiten wieder einmal einen gemeinsamen Spaziergang gemacht. Hat sich gut angefühlt, er musste nicht allzuviel langsamer gehen als er es sonst tun würde, somit waren wir beide nicht genervt und hatten nicht das dringende Bedürfnis getrennt in verschiedenen Geschwindigkeiten unterwegs zu sein. Es war eh nur ein kleiner  Spaziergang, einmal um den anderen Park herum, aber immerhin 5000 Schritte an einem Stück und die waren mir schon Monate vor der OP zu viel. Natürlich macht es auch einen Unterschied, ob ich auf Erde oder auf Asphalt gehe.

Meinen Schreibtisch habe ich leer geräumt, also die diversen Schulunterlagen in die richtigen Mappen verstaut und daran gedacht, wie großartig das sein wird, diese Dutzenden von Mappen zu entsorgen. „Entsorgen“ ist ja überhaupt ein sehr denkwürdiges Wort. Sich der Sorgen entledigen indem man Dinge wegwirft, nicht schlecht.

Gefühlte Tonnen von Münzen stehen bei mir überall herum, in verschiedenen Behältnissen. Die muss ich endlich einmal wieder auf die Bank befördern, vielmehr ins Münzzählgerät. Immer wieder erstaunlich wieviel Geld da in Münzform zusammenkommt.

Es gibt immer wieder neue Joghurtsorten, die mir teilweise sehr gut schmecken, nur gesund sind die nicht: die fettreduzierten enthalten enorm viel Zucker. Eigentlich sollte man nur Joghurt ohne Zusätze essen und das Obst – wenn überhaupt – selbst dazutun. „Sollte“ ist ein sehr wichtiges Wort im Bereich der Ernährung.


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Hüftchroniken #12 – Kein Aufstieg ohne Rückfälle

Sehr gut unterwegs war ich schon, als ich gestern zur Kontrolluntersuchung zum Orthopäden fuhr. Sogar den Aufzug habe ich links liegen lassen und bin zu Fuß die Stiege hinaufgegangen. Nachher wollte ich ein bissl bummeln und essen gehen, aber leider kam alles anders.

Der Chirurg lies mich diverse Bewegungen machen, alles bestens, doch dann brachte er das Bein in eine Position, die mir noch etwas weh tut und plötzlich schoß mir ein heftiger Schmerz ein, totale Panik, ich war überzeugt, dass das Gelenk herausgesprungen war. Schließlich war das bei meinem Vater auch passiert, was ich natürlich ständig im Hinterkopf habe. Der Arzt hat sich wohl auch erschreckt, hat mir beim Aufstehen geholfen. Zum Glück konnte ich aufstehen und auch gehen, aber eine bestimmte Bewegung tat höllisch weh. Der Arzt war sichtlich erleichtert und meinte – wenig empathisch – wenn es das Gelenk wäre, würde ich nicht stehen sondern am Boden liegen, aber wir können ja zur Beruhigung ein Röntgen machen. Kommen Sie morgen früh vor 8:00 ins Krankenhaus. Nun war ich nicht nur schwer geschockt sondern bin auch ein absoluter Nicht-Morgen-Mensch und die Perspektive nach einer wahrscheinlich grauenhaften Nacht in aller Früh ins Krankenhaus zu fahren, hat mich überfordert.

Zum Glück hat der gute Doktor wieder einen Zipfel Empathie erwischt und hat mir eine Notfall-Röntgenüberweisung geschrieben. Gut, Taxi mit hohem Einstieg bestellt. Das erste war zu niedrig, das zweite hat gepasst. Ins Auto einsteigen hatte ich mich nach der OP noch gar nicht getraut. Es ist schwierig, dabei den magischen 90Grad-Winkel des Hüftgelenks nicht zu unterschreiten. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir, wenn es bis jetzt nicht rausgesprungen ist, passiert das sicher jetzt gleich. Nein, ich habe auch den Taxi-Einstieg überstanden, ebenso wie den gar nicht witzigen arabischen Fahrer, der meinte, wir würden noch schnell bei der hiesigen Al-Qaida vorbeischauen, er müsste noch was abholen. Ich konterte mit „ich habe ohnehin schon einen Sprengstoffgürtel um“. Er fand das lustig, ich nicht. Immerhin muss ich ihm zugute halten, dass er sehr schnell und ortskundig unterwegs war und ich nur eine Viertelstunde nach dem Schließen der Röntgenabteilung im Spital ankam. Außerdem hat man es wahrscheinlich als friedlicher Araber derzeit nicht leicht.

Die beeindruckende Organisation und Freundlichkeit dieser Klinik hat sich bewährt, wahrscheinlich auch die Hierarchie, die die Überweisung von einem Abteilungsleiter nicht ignorieren wollte. Wie auch immer, innerhalb von ein paar Minuten hatten sie jemandem aus einem OP-Saal geschickt um das Röntgen zu machen, auch nach dem Röntgen habe ich nur ein paar Minuten gewartet bis ein Arzt vorbeikam, der sich die Bilder ansah und die beruhigende Feststellung machte, dass das Gelenk perfekt sitzt und die Schmerzen nur muskulär sein könnten. Er telefonierte dann auch noch mit „meinem“ Chirurgen und schickte ihm die Bilder, die sie sich gemeinsam ansahen. Inzwischen war ich auch schon überzeugt, dass es ein Muskelschmerz war, der auch schon nachgelassen hatte. Fast kam bei mir schon schlechtes Gewissen auf, dass so viele Leute gearbeitet hatten obwohl es keine große Sache war. Vielleicht sollte man sich von Chirurgen nicht angreifen lassen, wenn man nicht in Narkose ist.

Heute ist es wesentlich besser und ich betrachte es als Erinnerung daran, dass ich mehr turnen sollte. Dafür ist die Heizung ausgefallen und ich sitze zuhause und warte auf den Techniker von der Fernwärme. In den Heizkörpern blubbert es gewaltig, aber sie bleiben kalt. Hoffentlich bleibt es eine kurze Pechsträhne