la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Freitag 29.11-

Ob wohl eine fortgeschrittene Demenz die absolute Erfahrung des „Hier und Jetzt“ bewirkt ? Wohl eher nicht. Es wird , wie so vieles, ganz anders sein, als man es sich vorstellen kann. Die medizinische Forschung ist beim Thema „Demenz“ nach wie vor um keinen konkreten Schritt weitergekommen. In einer an sich ganz guten medizinischen Zeitschrift, deren neueste Ausgabe ich gestern beim Zahnarzt gelesen habe, wird Vorbeugung empfohlen: Bewegung, gesunde Ernährung und Pflegen von sozialen Kontakten. Genau dasselbe, was auch für langes Leben und zur Behandlung von allem wofür es keine Behandlung gibt, empfohlen wird.

Seit ein paar Tagen hängt ein Plakat des  Wiener St.Anna-Kinderspitals:  ein Kind mit haarlosem Kopf, also in Chemotherapie, und in ziemlich großen Lettern „forscht schneller“. Seltsam, an wen das wohl gerichtet ist. Das St. Anna ist selbst auch ein Ort der Forschung zum Krebs bei Kindern.

Die conditio humana lauert hinter vielen Ecken mit vielen Tragödien. Kaum jemand schafft es, seinen Slalomkurs durchs Lebens so zu gestalten, dass alle diese Ecken vermieden werden.


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Freitag 27.9.19

In zwei Tagen ist es endlich vorbei mit diesem widerwärtigen Wahlkampf. Unendlich viele Fernsehdebatten, , was sich auf den social medias abspielt, ist jenseitig, Grins-und-sonst-nix-Plakate. Allerdings bieten diese dümmlichen Plakate den kreativen Beschmierern Umgestaltern viele Möglichkeiten. Hofers Hitlerbärtchen gehört zu den weniger originellen Werken. Sehr gut gefällt mir die Variante des FPÖ-Plakats mit der Ansage „Rot-grün gefährdet deine Zukunft“, das „deine“ eingeringelt und mit einem Pfeil zu Hofers Foto hin versehen. Nicht dass es irgendeine halbwegs realistische Möglichkeit für eine rot-grüne Regierung gäbe, aber die türkis-blaue Variante ist eventuell auch nicht mehr so sicher, weil die „Einzelfälle“ der FPÖ ein Ausmaß annehmen, dass sogar Sebastian Kurz  leise Zweifel zu beschleichen scheinen.

Unerwartet anstrengend an meinem Stundenplan sind die beiden aufeinanderfolgenden Abende. Insgesamt wird aber das letzte wohl ein bequemes Schuljahr werden. Insgesamt komme ich mir total gesund und fit vor im Vergleich zu dem, was einigen Kollegen passiert. Sehleistung von 5% auf einem Auge, Oberschenkelhalsbruch beim Radfahren, totale Bettruhe wegen Schwindel aufgrund von extremem Augendruck, Herzmuskelentzündung. Unglaublich kurz ist der Schritt von jung und dynamisch zu sehr krank. Herbstliche Überlegungen, Vergänglichkeit und Verfall ….


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6.9.19 – erste Woche abgehakt

Eine ganze Woche Schule durch und die Vorzüge und Nachteile des neuen Stundenplans sind ziemlich ausgelotet. Mir scheint, dass die Vorzüge deutlich überwiegen. Ein paar winzige Details sind nicht so toll, aber – wie ein Schüler sehr richtig über seinen eigenen Stundenplan sagte „man kann aus allem ein Drama bauen“. Also, ich baue nicht, bin sehr zufrieden und darf nicht vergessen, mich bei den Stundenplanmacherinnen zu bedanken.

Erstaunlich ist, was mein neues TV-Modem alles kann. Vielleicht gibt es das alles eh schon seit vielen Jahren und jeder Kabelfernsehnutzer findet es ganz banal, aber für mich ist es neu, dass es eine Funktion gibt, mit der man – wenn man mitten in einer Sendung den Fernseher aufdreht – die Sendung wieder von Anfang an sehen kann oder dass man Sendungen aufzeichnen und in einer persönlichen Mediathek speichern kann. Auf die Arte-Mediathek komme ich allerdings nach wie vor nur über internet. Nix ist perfekt.

Und schließlich merke ich, dass ich doch noch ziemlich gern unterrichte. Der administrative Kram rundherum wird immer mehr und nervt beträchtlich, aber die Kommunikation mit Schülern und Studierenden ist schön, nach wie vor. Beunruhigend finde ich, dass sich die Schulärztin aus unter ärztliche Schweigepflicht fallenden Gründen entschlossen hat, eine Notfallinterventionsgruppe von LehrerInnen zu bilden, und auch für alle anderen an der Schule beschäftigten Personen Verhaltensanweisungen für den Fall von Suizidankündigungen von SchülerInnen zusammenzustellen. Sie veranstaltet auch Impfaktionen, was ich sehr, sehr gut finde.

Der Lieblingsasiate gegenüber der Schule hat natürlich immer noch die genau gleiche Speisekarte wie Ende Juni. Never change a running system ! Ich gehe aber ohnehin höchstens einmal in der Woche hin, da passt das schon.


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Freitag 30.8.19 – Rollstühle und Toiletten

Zwei Rollstuhlfahrerinnen soll es in diesem Schuljahr unter unseren Schülerinnen geben. Zwei scheinbare Barrieren mussten dafür beseitigt werden. Vom Gehsteig zum Erdgeschoss des Schulgebäudes führen ein Dutzend Stufen. Ziemlich absurd, aber so hat man eine Zeit lang alle Häuser gebaut. Sehr hohe Stufen übrigens, wie ich aus meiner letzten Zeit vor der Hüft-OP weiß. Aber es gibt daneben auch einen kleinen Treppenlift, der zwar noch nie benutzt wurde, aber offenbar funktioniert, sonst hätten die beiden Mädels nicht aufgenommen werden können, denn es gibt nur diesen Eingang. Die zweite Scheinbarriere waren die Toiletten. Das Haus hat in jedem Stockwerk eine Behindertentoilette, die von den Lehrerinnen und Lehrern genützt und mit dem Generalschlüssel gesperrt wird. Natürlich sind diese Generalschlüssel nicht für die Schülerschaft bestimmt, daher müssen die Schlösser gewechselt werden, sodass die beiden Rollstuhlfahrerinnen Schlüssel bekommen, die diese Klos sperren nicht aber die Lehrerzimmer. Eigentlich wirklich einfach …..

Klug finde ich, dass die beiden Mädchen zu zweit sind, also nicht eine Rollstuhlfahrerin als Pionierin durch die Schule rollen muss. In diesem Gebäude gibt es keinen bautechnischen Grund, warum keine gehbehinderten Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden könnten. In unserem alten Schulgebäude, dass umgebaut wird, wäre das nicht möglich gewesen, weil es keinen Aufzug gab. Interessierte Jugendliche und deren Eltern wurden wohl darauf hingewiesen, dass es in Wien alle Oberstufenschulformen auch in einer Integrationsform gibt sogar mit angeschlossenem Internat. Trotzdem ist es doch sehr begrüßenswert, wenn junge Rollstuhlfahrerinnen aus ihrem geschützten Kosmos herauskommen und eine ganz normale Schule besuchen. Kleinigkeiten wie geeignete Computerplätze für Rollstühle oder Ähnliches werden sich sicher einrichten lassen


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Freitag 16.8. Fröhliche Demenz

Ein skurriles Erlebnis hatte ich vorhin. In der Hotelhalle saß eine sehr sympatisch wirkende alte Dame mit einem Scrabble-Brett vor sich auf dem Tisch und legte eifrig Wörter. Ich ging vorbei und fragte sie, ob sie Lust auf eine Partie zu zweit hätte. Hatte sie. Sie meinte, dass man allein auch spielen könne, dass es aber doch zu zweit sehr viel mehr Spaß mache, weil „jedem etwas anderes einfällt“.

Ich war einigermaßen erstaunt über ihre Spielregeln: alle Buchstaben lagen offen auf dem Tisch, sie machte auch keine Anstalten eine neue Partie zu eröffnen. Dann sah ich die Wörter, die schon da lagen und mir wurde klar, dass das ein außergewöhnliches Spiel sein musste. Da lag zum Beispiel „gözis“ oder „gus“ . Die Spielregeln waren einfach: jede dachte sich ein Wort aus, holte sich die erforderlichen Buchstaben und legte das Wort irgendwo aufs Brett. Nun gut, das konnte ja nicht lange dauern und dann würde ich mich höflich aus der Affaire ziehen. Sie suchte ein „T“ und legte damit das extravagante Wort „ptja“ und zwar so, dass es neben „Ofen“ zu liegen kam und ein „ptjaofen“ daraus wurde. Wir füllten zweimal das Spielbrett mit großteils sehr kurzen existenten Wörtern und etlichen wilden Fantasiekonstukten. Wir haben viel gelacht, wenn auch vielleicht jede über etwas anderes.

Ein Physiotherapeut hat mir ein Gerät zum trainieren der Hüftmuskulatur vorgestellt. Nach jeweils dreimal 15 Wiederholungen jeder Übung war ich ziemlich streichfähig, ging trotzdem anschließend zur Unterwassergymnastik, die vom selben Therapeuten geleitet wurde, der viel schwierigere und schnellere Übungen anleitete als alle seine Kolleginnen und Kollegen. Und morgen habe ich dann noch eine Einzelstunde bei ihm. Da werde ich am Sonntag wissen, wovon ich mich erhole.


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Mittwoch 14.8.19- Kühe und Nazifahnen

Wie es wohl zu bewerten ist, dass Menschen sich die notwendige Bewegung verschaffen indem sie auf Geräten herumturnen, die in Innenräumen aufgestellt werden. Ja, ja, ich weiß, ich gehöre da auch dazu. Heute war ich aber bewegungsmäßig äußerst fleißig: ein nicht unsteiler Wanderweg durch den Wald. Leider musste ich auf halbem Weg zurückgehen, weil die Wolken gar zu dunkel waren. Letzlich hat es aber keinen Tropfen geregnet.

Abends habe ich an einer Tanzveranstaltung teilgenommen. Ei, ei, es war sehr anstrengend, aber die Hüftgelenke haben klaglos mitgemacht.

Von weitem klingen Traktoren wie Hubschrauber zumindest für meine Städterinnenohren. Kühe bimmeln hier überall. Gestern sah ich ein Tier, das aussah wie eine Mischung aus Nandu und Karnickel aber in Huhnform. Leider konnte ich von diesen außergewöhnlichen Hühnern keine Fotos machen.

Eine alte Dame hat mir heute erzählt, dass ihre Mutter aus Nazifahnen die Hakenkreuze herausgeschnitten und aus dem restlichen Stoff Dirndln für ihre Töchter geschneidert hat. Der Stoff wäre von guter Qualität gewesen und die Kleider hätten sehr lange gehalten. Großartig finde ich so eine praktische Bewältigung von Katastrophen. Sie hätte ja – je nach Weltanschauung – die Fahnen zur ewigen Erinnerung aufbewahren oder sie verbrennen oder sonstwie vernichten können. Aber nein, sie hat daraus Kleidung für ihre Kinder geschneidert.