Schlagwort: Gesundheit –

Sonntag 3. Juli 2022 – Sie stehen da

In einer Ecke vor meinem Schlafzimmer steht ein Paar Krücken mit einem hellgrünen Stoffband, das sie miteinander verbindet. Wenn ich vorbeigehe, begrüße ich sie und freue mich darüber, dass ich auf ihre Gesellschaft derzeit gut verzichten kann. Seit Anfang Februar brauche ich sie nicht und davor waren es an die vier Jahre, in denen ich nicht einmal an sie gedacht habe. Warum ich sie wohl noch nicht in den Keller geräumt habe, damit sie dort mit ihresgleichen verstauben können? Staub lässt sich ja wieder abwischen.

Vielleicht ist es magisches Denken: solange sie dort stehen, brauche ich sie nicht, wie das auch mit Regenschirmen so sein soll. Nur dass diese magischen Zusammenhänge reine Einbildung sind und nie in einer annähernd signifikanten Häufigkeit auftreten. Ich habe keinen Streit mit den Krücken, sie können nichts dafür, dass mein Rückenmarkskanal zu eng ist, sie waren mir immer nützlich und hilfreich, was also könnte ich gegen sie anführen ? Sie haben mich gestützt, geschützt, gerade ausgerichtet, von A nach B gebracht, wenn auch nicht gerade in Turbo-Geschwindigkeit, dafür verlässlich. Nein, nein, ich mag meine Krücken, wenn ich sie auch aus der Entfernung lieber mag als aus der Nähe.

Samstag 4.Juni – eine spezielle Zange

Meine Begeisterung für die bunten Blumenwiesen hat doch etwas gelitten, denn zum allerersten Mal hatte ich die Freude von einer Zecke gestochen zu werden. Ich hätte sie ja gar nicht bemerkt, aber eine der Therapeutinnen hat mich auf das Vieh aufmerksam gemacht. Es kann natürlich sein, dass ich ohnehin schon x Mal gestochen wurde und nichts davon bemerkt habe.

Die Ärztin hat die Zange gezückt und die Zecke gezogen. Ganz vollgesaugt mit meinem Blut war sie. Die paar Tropfen hätte ich ihr ja gegönnt, aber das Hinterlassen ihrer Viren und Bakterien in meinen Blutbahnen gönne ich ihr nicht. Statistisch ist es wahrscheinlich, dass der Vampir weder Viren noch Bakterien zu vergeben hatte, aber im medizinischen Bereich finde ich Statistiken nie sehr überzeugend. Irgendjemand ist ja der/die 1:1000ste.

Google ist daher derzeit damit beschäftigt für mich nach den Stichwörtern FSME und Borreliose zu suchen, Inkubationszeit, Symptome …

Den gemeinen Holzbock sieht man hier. Ein sehr passender Name. Nein, das ist natürlich nicht „mein“ Exemplar

Foto:Pixabay

Ein paar Stunden nachdem der Bock ausgetrieben worden war, hatte ich einen Termin zur Lymphdrainage. Die Therapeutin wies mich darauf hin, dass im Fall einer stattgefundenen Infektion die Erreger durch die Lymphdrainage auf den ganzen Körper verteilt würden. Ein bisschen mutig muss man schon sein und die Lymphdrainage ist so angenehm, dass ich dieses Risiko in Kauf nahm. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit war es eine ganz gesunde Zecke. Trotzdem werde ich in zwei, drei Wochen ein Blutbild machen lassen um zu sehen, was da so alles herumschwimmt.

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Mehr Sauerstoff !

Dieser Fischteich bekommt frisches Wasser ud dadurch mehr Sauerstoff. Auch mein zu regenerierender Nerv braucht möglichst viel Sauerstoff . Die Methoden zur Erreichung dieser Ziele sind nur verschieden.

Morgen geht´s beim Kuren intensiv los. Warum man Kneipp´sches Wassertreten nur um 8:00 Früh betreiben kann, erschließt sich mir nicht wirklich. Nachdem dieses Gehen abwechselnd durch kaltes und warmes Wasser aber sehr belebend ist, gehe ich eben vorübergehend unter die Frühaufsteher. Noch drei weitere Anwendungen kommen morgen dran, ich bin sehr beschäftigt.

Freitag 22.April 2022 –

Ich bin heute zum Frühstück um die Schachtel Cortison-Tabletten herumgeschlichen, habe sie beäugt und begrapscht und einmal da und einmal dorthin gelegt, die Nebenwirkungen memoriert, Anstieg des Blutzuckers, Anstieg des Blutdrucks und weiteres, das ich gar nicht wissen wollte. Eigentlich ist das aber alles nur Show für mich selbst. Tatsächlich habe ich mich schon gestern entschlossen, sie zu nehmen, heute gleich nach dem Aufwachen den Magenschoner eingeworfen. Aus der Gehirnforschung weiß man, dass Entscheidungen emotional getroffen und anschließend logisch begründet werden. Das erlebe ich an mir selbst jedes Mal. Wenn ich beginne Für und Wider abzuwägen, habe ich die Entscheidung längst getroffen.

Zur Beruhigung erinnere ich mich an meine gute Erfahrung mit Cortison. Ich hatte einmal ein Virus erwischt, das an einem Hörnerv knabberte und war auf dem einen Ohr bei einer Hörleistung von 25% angelangt. Leider hatte ich da auch auf den ersten Griff einen sehr schwindligen HNO-Arzt erwischt, der sich ausschließlich dafür interessierte, dass er am nächsten Tag einen Urlaub antreten wollte. Er sagte, da gäbe es nichts als Abwarten, ob der Nerv das überlebt. Früher hätte man in solchen Fällen eine barbarische Methode angewendet: Perforieren des Trommelfells. Selbstverständlich würde er so etwas Steinzeitliches aber niemals durchführen. Panik meinerseits. Einfach warten?

Ich rief meinen ärztlichen Bruder an und fragte, ob er mir einen HNO empfehlen könnte. Konnte er. Wie das halt so ist in Österreich wurde ich in eine eigentlich schon geschlossene Ambulanz bestellt. Der Arzt meinte, dass das einzige, was man machen könnte, was aber auch sehr effizient wäre, die Durchstechung des Trommelfells wäre. Die Steinzeitlichkeit dieser Methode war also Ansichtssache. Es war ein sehr seltsames Gefühl zu hören, wie die Flüssigkeit aus dem durchlöcherten Trommelfell floss, so etwa als würde ich hinter einem Wasserfall stehen und das Rauschen im eigenen Kopf hören. Die angestrebte Wirkung wäre eben, dass die Flüssigkeit, die die Hauptlast des Virus trug, entfernt und der Nerv dadurch entlastet würde. Außerdem empfahl er mir Cortison, einen Stoß mit einer Ross-Dosis, noch um einiges mehr als dieses Mal.

Und gut war´s. Das Trommelfell ist problemlos wieder zusammengewachsen, die Hörleistung kam wieder auf dasselbe Niveau wie zuvor. Glück gehabt und einen von den guten Ärzten.

Ich könnte mich auf das Schreiben von Ärzte-Texten spezialisieren. An Stoff würde es mir nicht fehlen.

Donnerstag 21. April 2022 – Nerven und Häuser

Morgen beginne ich mit den schweren Motivationsaktionen für meinen Nerv: vier Tage dochdosiertes Cortison, außerdem habe ich mir ein Gerät zur Elektrostimulation besorgt. Hoffentlich belebt ihn das. Die Physio versichert mir, dass es Fortschritte gibt, die Sache aber unendlich lange dauern kann/wird. Jedenfalls fühle ich mich von mehreren Seiten unterstützt und bin einigermaßen optimistisch.

Selektive Wahrnehmung: ist man zB schwanger, sieht man an allen Ecken Schwangere, hat man ein Problem mit dem Peroneus-Nerv, sieht man auf der Straße hinkende, wackelnde Menschen, die einen Fuss nachziehen, in der Hüfte einknicken, von rechts nach links schwanken und so weiter und so fort. Zum Ausgleich werde ich mir am Sonntag den Wien-Marathon ansehen, lauter durchtrainierte, athletische Menschen.

Auch Häuser können gehörig ins Schwanken geraten, verdreht, verzerrt, zerrüttet



Ostern ohne Orthopäde

Vorigen Donnerstag habe ich Orthopäde2 besucht wegen einer zweiten Meinung und wegen heftiger Antipathie gegen Orthopäde1. Der Unterschied lag schon einmal darin, dass Nummer 2 mich tatsächlich untersuchte, orthopädisch und neurologisch. Bei Nummer1 stand dies nur auf der Rechnung. Außerdem erläuterte Nummer 2 die MRT-Bilder ausführlich und sah einen Zusammenhang zwischen mir und den Bildern, sprich er nahm mich als Mensch zur Kenntnis, was man von Nummer 1 nicht behaupten kann, der hauptsächlich damit befast war, mir eine bestimmte Behandlungsmethode zu horrenden Preisen verkaufen zu wollen.

Es war rundherum wesentlich angenehmer und Vertrauen erweckender, aber Fakt bleibt natürlich die Stenose an mehreren Stellen der Wirbelsäule und dass niemand sagen kann, ob, wann und in welchem Ausmaß der Nerv „zurückkommt“. Trainieren, trainieren, trainieren ist die Devise. Und dem eigenen Eindruck und den Physios glauben, dass es langsam besser wird.

Jedenfalls genieße ich einmal die Feiertage in der wunderschönen Landschaft des Nibelungengaus und des Strudengaus und freue mich darüber wie entspannt auch der F ist.



„Umi , Uma“ heißt „hin und zurück“

Jetzt muss ich aber wirklich aufpassen, dass mich nicht alles an Wirbelsäulen erinnert

Vor allem nicht an rostige, verdrehte oder sonstwie defekte Exemplare. Die Balance zwischen der konstruktiven Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit und dem Ausblenden und Verdrängen ist nicht einfach, aber wichtig. Vor lauter Arzt- und Therapeutenbesuchen, vor lauter Ratschlägen zu dieser und jener Therapie darf man nicht vergessen, dass das Leben in seiner ganzen Vielfalt stattfindet.

Wenn mich wieder Photo-Motive anspringen, die ganz anders aussehen als zum Beispiel dieses, werde ich wissen, dass ich mich auch mit anderen Themen beschäftige.

Schon wieder so einer !

Unter den Orthopäden gibt es ja eine besonders hohe Anzahl an völlig unempathischen Grobianen. Gestern bekam ich einen Satz zu hören, der wohl inhaltlich nicht als falsch bezeichnet werden kann, den ich aber trotzdem richtiggehend gemein fand. “ Die Leute freuen sich immer wenn sie keine Schmerzen haben“ sagte er „dabei sind Schmerzen der Beweis dafür, dass der jeweilige Nerv noch lebt.“ Die Bemerkung schlägt eindeutig jene, die eine Freundin kürzlich zu hören bekam „Sie würden von einem mehr als fünfzigjährigen Auto auch nicht erwarten, dass alles funktioniert“. So geht das dahin.

Ob wohl die Wahl der Fachausbildung nicht nur mit dem Interesse sondern auch mit dem Charakter zu tun hat? Ob das Knochensägen und -fräsen nicht vereinbar ist mit einem Ansatz von Empathie, von Menschenfreundlichkeit?

Gerade lese ich die Anzeige einer Orthopädie-Praxis mit der erhellenden Werbung „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ Den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das Röntgenbild, das MRT-Bild, das CT-Bild oder den Blutbefund gehört offenbar nicht zu den Selbstverständlichkeiten in diesem Metier. Es ist, falls es denn tatsächlich stattfindet, Anlass zu einem besonderen Hinweis darauf.

Mittwoch 30. März 2022 – Flatternde Nerven

Schon seit Tagen habe ich mich davor gefürchtet und heute war der Tag X oder vielmehr der Tag M. Bei flatternden Nerven muss man Ruhe bewahren, Disziplin! Also Duschen vor dem Anziehen, zuerst die Socken, dann die Schuhe, Vertrauen, dass alles Benötigte in die Handtasche hinein gefunden hat und dann auf den Weg, auf den richtigen Weg nicht auf den automatisierten.

Drei Terminerinnerungen habe ich im Laufe einer Woche bekommen, eine sogar telefonisch. Das Institut muss sehr schlechte Erfahrungen mit seinen Klienten gemacht haben. Ich bin sogar überpünktlich, weil ich am Anmeldeschalter sofort drankomme, was ich nicht erwartet habe. Erstaunlich wie einfach es eigentlich ist, auf Autopiloten zu schalten.

Ich sitze eine Weile herum und warte. Zum Glück fällt mir erst zu diesem Zeitpunkt ein, dass ich höchstwahrscheinlich zu allem Graus auch noch eine Maske werde tragen müssen. Dann werde ich – schon wieder vom attraktivsten aller Assistenten – aufgerufen und aufgefordert mich auszuziehen, er käme mich dann abholen. Er kam mich abholen und dann stand ich vor ihr, vor der Röhre, vor der Magnetresonanzdiagnostikröhre.

Ich schaue sie an und mir ist klar, wie recht ich damit hatte, nicht den früheren Termin in einem anderen Institut zu nehmen, sondern auf genau diese Röhre zu warten. Sie ist eindeutig höher und offener als jene Röhre in der ich schon einmal fast ausgeflippt wäre und bei der ich schon vor einem Monat einen Termin bekommen hätte. Auf die Liege gelegt, Kopfhörer an, Notfallsignal in der Hand und schon werde ich hinein geschoben und bevor auch nur eine Spur von Panik aufkommen kann, liegt mein Kopf so weit auf der anderen Seite der hinten offenen Röhre, dass er beinahe draußen ist.

Die Prozedur als angenehm zu beschreiben, wäre doch übertrieben. Die Röhre produziert verschiedene unangenehme Geräusche, die trotz Kopfhörer gut zu hören sind, man wird hin und her geschoben, die Umgebung wird etwas warm, aber damit ist die Liste der Unannehmlichkeiten schon beendet.

Die Bilder konnte ich gleich mitnehmen, nur kann ich darauf nur gerade ungefähr erkennen, um welchen Körperteil es sich handelt, ansonsten sind es für nicht-kompetente Augen nur unverständliche Strukturen. Der Befund kommt morgen.

IiiiiiiiiH, Faszienbearbeitung

Ich wollte mir eigentlich eine Lymphdrainage gönnen und ließ mir dafür von Physiotherapeutin 1 eine Kollegin von ihr, Physiotherapeutin 2, empfehlen. Zwecks Gehtraining nahm ich den längsten Weg und war trotzdem tatsächlich ausnahmsweise zu früh dran.

Physio 2 ist mir sehr sympathisch. Nicht dass mir Physio1 nicht auch sympathisch wäre sonst würde ich nicht hingehen, aber sie ist zu nett.  Wenn ich sage "man sieht vor allem von hinten ganz deutlich, dass der eine Fuß schwächer ist" sagt sie etwas wie "ach das sieht man kaum." Es nervt mich gewaltig, wenn ich doch selbst weiß, dass ich hinke und etwas dagegen unternehmen möchte und mir die Physio versichert, dass man das kaum sieht. Ich habe gleich getestet, wie Physio 2 reagiert und festgestellt, dass ich mit ihrem Ansatz viel mehr anfangen kann. Sie hat mich auf und ab und hin und her gehen lassen und ist dann sehr konstruktiv auf die Schwachstellen eingegangen. So stelle ich mir das vor.

Zu einer Lymphdrainage habe ich es allerdings nicht gebracht. Physio2 meinte, was sie mir dringend empfehlen würde und was sehr gute Erfolge bringen könnte, wäre eine Faszienbehandlung. Das sagte mir etwas. Nach der Hüft-OP wurde ich schon von einem ganz jungen Therapeuten mit einer Faszienrolle bearbeitet. Ich erinnere mich gut, dass das nicht gerade angenehm war. Aber gut, ich stimmte natürlich zu  und los ging´s. Um wieder ganz normal gehen zu können, bin ich ja zu einigem bereit.

Physio2 arbeitete nicht mit einer Rolle sondern mit den Händen, was die Sache noch ordentlich schmerzhafter macht, als ich sie in Erinnerung hatte, weil man mit einem Finger mit ganz anderer Intensität ins Gewebe hineinbohren kann als mit einer Rolle. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie würde auf der anderen Seite des Beins durchkommen so tief bohrte sie. Zum Beruhigen verwendete sie Eisbeutel, denn zu meiner Überraschung wurde das Bein ziemlich heiß. Kurz gesagt, es war eine äußerst unangenehme, ja schmerzhafte  Prozedur, aber nachher fühlte es sich großartig an, leicht und geschmeidig und besonders gut durchblutet, wie nach einem langen anstrengenden Workout. Ich werde der Sache eine Chance geben und nächste Woche gleich nochmals hingehen. Auch wenn meiner Einschätzung nach gewaltige blaue Flecken entstehen müssten.




Dienstag 1.Februar 2022

Endlich der erste Termin bei der Physiotherapeutin. Es begann damit, dass vor ihrem Haus kein Parkplatz zu finden war und es nur die Möglichkeit gab hoffnungsvoll um den Häuserblock zu kurven oder zwei Ecken weiter auszusteigen. Nachdem es eh schon nur noch eine Minute vor der vereinbarten Zeit war, ich hatte schwer unterschätzt, dass ich ja derzeit für alles doppelt so lange brauche, entschied ich mich fürs Aussteigen.

Sehr beruhigt war ich, als ich sah, dass ich ganz problemlos bis zur Tür und hinein gehen konnte. Ein gutes Gefühl nach Wochen wieder auf der Straße zu sein, allein und sich sicher und normal zu fühlen. Tipps und Tricks, Übungen und Behandlung der Therapeutin waren auch gut und ich bin sehr motiviert nicht gerade täglich stundenlang aber doch ausgiebig zu üben.

Das Leben normalisiert sich langsam wieder, was heißt, dass alles was vorübergehend sehr herausfordernd wenn nicht gar unmöglich war weder zur Normalität werden wird. Das wünsche ich mir natürlich. Das wunderbare Gefühl zum ersten Mal seit langem etwas wieder tun zu können, was eine Weile nicht möglich war, ist damit aber auch erledigt.

Jetzt brauche ich einen Termin für ein MRT, damit gehe ich dann noch zu einem Orthopäden und hoffe sehr, dass der Spuk damit dann wieder einmal beendet ist.

Donnerstag 27.1.22 – Drogenerlebnis

Unter den Medikamenten, die ich verschrieben bekam, ist auch eines, das die Muskeln entspannen soll. Das, dachte ich mir gestern Abend, könnte ich doch einmal ausprobieren. Mein Fehler war nur, dass ich so ein Mittelchen einwarf bevor ich noch die Absicht hatte schlafen zu gehen. Mit dem Ergebnis, dass ich extrem müde wurde. Ich mich nicht erinnern jemals so müde gewesen zu sein, dass ich den Eindruck hatte, es kaum noch bis zum Bett zu schaffen ohne auf dem Weg einzuschlafen. Nachdem die Möglichkeit, dass der F mit K.o-Tropfen operiert auszuschließen ist, kann es nur das Medikament gewesen sein.

Es war ein großartiges Gefühl der Entspannung. Der schmerzende Nerv war offenbar auch entzückt, denn ich spürte gar nichts mehr von ihm. Dieser erfreuliche Zustand dauerte die ganze Nacht lang an und ich freue mich schon auf die kommende Nacht.

Ja, alles in allem geht es mir besser. Ich darf nur nicht einen Tag mit dem vorherigen vergleichen sondern etwa einen Donnerstag mit dem vorigen Donnerstag. Dann merke ich den Unterschied

Mittwoch 20. Jänner 2022 – Meinungen und Röhren

Nun habe ich auch die andere Fraktion der Gruppenpraxis kennengelernt. „Feindlich“ wäre eine übertriebene Beschreibung, aber dieser Arzt, Dr. V, den ich nun auch noch kennengelernt habe, ist kein Freund von Infusionen oder gar Infiltrationen. Er meinte, wenn ich denn unbedingt noch eine vierte Infusion haben wolle, könne ich sie natürlich bekommen, aber er fände es unnötig, weil die orale Schmerztherapie genauso gut wirken würde, was wahr ist, und mehr als Schmerztherapie wäre es ja nicht. Da die Tendenz nach oben ginge, würde er mir aber dringend empfehlen mit der Physiotherapie zu beginnen. Diesbezüglich waren sich ja alle einig, also habe ich einmal bei der Physiotherapeuten, bei der ich schon oft war, nach einem Termin angefragt.

Das hat mir eingeleuchtet. Weniger eingeleuchtet hat mir, dass Dr.V ein MRT unnötig fand, weil, egal, was man da sehen würde, die Therapie ohnehin die gleiche wäre. Diese Argumentation hat mich nicht überzeugt und ich werde ein MRT machen lassen sobald ich es zu dem Institut schaffe, das eine höhere MRT-Röhre anbietet. Ein Unterschied wie Tag und Nacht ist das, ob man in der Röhre noch etwas Luftraum über sich hat oder quasi mit dem Gesicht direkt an der Decke klebt. Die höhere Röhre ist auch hinten offener, also kann man, wenn man den Kopf leicht bewegt, aus dem Ding auch rausschauen. Auch das macht einen großen Unterschied, zumindest für mich

Langsam kehren die Lebensgeister wieder, die Phantasie ist auch aus dem Tiefschlaf erwacht, mir fällt eine Geschichte nach der anderen ein. Das Gehen funktioniert auch wieder einigermaßen, nicht ganz schmerzfrei, aber das Bein ist belastbar. Es fühlt sich noch etwas komisch an und noch nicht ganz verlässlich, aber immerhin.

Gerade geht ein wilder Graupelschauer über uns nieder. Wie schön, wäre das in PB …

Montag 17.Jänner 2022

Die dritte Infusion bekam ich heute. Mittlerweile bin ich an beiden Armen lila-gelb-blau. Der jüngste Zugang zur Gruppenpraxis wird sicher ein guter Arzt werden, mir kommt vor, dass er viele Qualitäten hat, aber derzeit ist er im Stechen noch nicht so routiniert. Vielleicht sind ja auch meine Venen nicht so kooperativ. Diskret, geradezu liebevoll könnte man es nennen wie die anderen Ärztinnen ihrem Jüngsten auf die Finger schauen. Infiltrieren fällt nicht in seinen Bereich. Entweder will er das nicht oder er darf es noch nicht. Wenn ich mir die Färbungen auf meinen Armen ansehe, bin ich froh, dass die Infiltrierung in der Lendenwirbelsäule nicht von ihm gemacht wird. Während die Infusion heruntertropfte, dachte ich, wie das wohl sein muss, wenn aus der Infusionsflasche Gift fließt, das einen Teil der eigenen Zellen eliminieren soll.

Ich gehe schon wieder eine Spur besser und bin somit wieder etwas optimistischer. Meine Lieblingsärztin meinte, ich solle so bald wie möglich mit Physiotherapie anfangen und nie wieder damit aufhören. Nun, gute Vorsätze habe ich ja, da fehlt nur noch eine gute Therapeutin…

Ein Lob der Krücke

Ein Glück, dass ich im Keller Krücken gelagert habe, sage ich am Telefon zu einer Freundin.
Was, so schlimm ist es, dass du Gehhilfen brauchst? sagt sie
Macht es die Sache besser, wenn man die Krücken „Gehilfen“ nennt? frage ich sie und mich.

Fragen der Wortklauberei treiben mich immer wieder um. „Krücken“ soll ein negativ besetztes Wort sein, „Gehhilfen“ dagegen neutraler. Macht es denn die Sache besser, wenn ich die Stützen, die ich gelegentlich zum Gehen brauche mit einem neutral gefärbten Mascherl schmücke? Nein, sage ich, diese Form der Behübschung ist ein Versuch des Selbstbetrugs, der obendrein nicht funktioniert. Zumindest nicht bei mir.

Ich kann den Nutzen solcher Umbennenungen nicht nachvollziehen. Einmal ganz abgesehen davon, dass Krücken viel mehr können als die Bezeichnung „Gehhilfen“ vermuten ließe. Man kann damit Türen öffnen und schließen, Lichtschalter betätigen, Dinge heranziehen, die außerhalb der Reichweite der Arme liegen, Dinge aufheben oder wie die Schafe vor sich hertreiben. Zum Anklopfen sind sie auch zu gebrauchen und im Bedarfsfall für pantomimische Darstellungen. Man kann sie mit Dingen behängen, die man transportieren möchte, obwohl man keine Hand frei hat.

Musik abspielen können sie nicht, aber dazu sind auch Gehhilfen nicht in der Lage.

Müsste ich häufiger oder gar ständig Krücken benützen, würde ich mir welche in rot kaufen oder in sonnengelb. Für diese Art der Behübschung könnte ich mich dann doch erwärmen. Aber es sieht zum Glück nicht danach aus als müsste ich mich auf die ständige Begleitung von Krücken einrichten, in welcher Farbe auch immer.