la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Nein, leider nix für mich

Ich habe mich durch annähernd 100 Seiten durchgequält, aber leider ist nicht der allerkleinste Funke übergesprungen.

Die Troubadourin Beatriz wird von der Zauberin Melusine für 800 Jahre eingeschläfert und erwacht schließlich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Soweit ist das eine Fantasy-Handlung von der ich annahm, dass sie semi-seicht unterhaltsam dahinplätschern würde. Tatsächlich wird hier aber Fantasy und Politik bzw Klassenkampf und Feminismus vermischt und damit kann ich leider wenig anfangen.

Die Handlung beginnt in Frankreich während der 68er Bewegung und verlegt sich dann in die DDR. Liebesgedichte der Trobadora wechseln sich mit Passagen aus kommunistischer Basic-Lektüre und dann wieder Fantasy-Elementen ab und die Mischung ergibt für mich kein schlüssiges Leseerlebnis. Auch die Hauptfigur erscheint mir nur schemenhaft skizziert und ich kann in dem Text die Leichtigkeit nicht erkennen, von der in manchen Kritiken aus den 70er Jahren die Rede ist.

Tja, es muss einem ja nicht alles gefallen. Vielleicht es das Buch für irgendjemand anderen ein Erlebnis, gut geschrieben ist es ja ….

 

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Arm, ärmer, am ärmsten, noch ärmer

Paul Collier

„Die unterste Milliarde“

Pantheon Verlag 2017

Originalausgabe 2007

Ein zweifellos sehr interessantes Buch, dessen Grundthese ist, dass in den Entwicklungsländern die Armut auf dem Rückzug ist. Eine Ausnahme bilden einige wenige Länder, in denen etwa eine Milliarde Menschen lebt, die den Anschluss an die weltweite Verbesserung der Lebensbedingungen versäumt haben. Der Autor führt eine Reihe von Gründen für diese Situation auf: politische, soziale und ethnische Konflikte, der Mangel an Ressourcen, das schlechte Verhältnis zu Nachbarstaaten in Verbindung mit einem nicht vorhandenen Zugang zum Meer und schlechte Regierungsführung in einem kleinen Land.

Diese Aspekte werden umfassend und kenntnisreich behandelt, schließlich ist Paul Collier ein renommierter Ökonom, aber es gibt leider ein Problem: das Buch wurde im Original schon 2007 herausgegeben und so stellte sich mir beim Lesen immer wieder die Frage, ob manche Dinge noch aktuell sind. Insgesamt wird sich wohl an der Tendenz leider nicht viel geändert haben, aber es sind doch neue Entwicklungen dazugekommen, die nicht berücksichtigt wurden.

Dennoch eine Lektüre, die mir eine Menge Aha-Erlebnisse brachte.


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Einstimmung in die Drei Sonnen

Cixin Liu

„Der Spiegel“

Heyne Verlag: deutschsprachige Ausgabe 2017

ISBN: 978-3-453-31912-7

Dieses Buch enthält eine Novelle, „Spiegel“, einen Kommentar zu der Kosmogonie von Cixin Liu, eine Leseprobe aus „die drei Sonnen“, die ich schon mit großem Vergnügen gelesen habe und eine Leseprobe aus „der dunkle Wald“, dem zweiten Band der Trisolaris-Trilogie, die auf Deutsch noch nicht erschienen ist.

Cixin Liu ist ein neuer Stern am Himmel der Science Fiction, von dem wohl noch viel zu erwarten ist. Der Heyne Verlag hat sogar ein statement von Barack Obama auf dem Cover

„Spiegel“ ist auch ein recht faszinierendes Produkt von Cixin Liu. Wie in „Die drei Sonnen“ tauchen wir auch hier in wissenschaftliche Theorien ein, die die Grundlage für die Handlung darstellt. Hier geht es um die Erschaffung von Welten, um die Dimension der Zeit, um Reales und Virtuelles. Die Handlung ist in aktuelles chinesisches Leben eingebettet und allein schon dadurch wäre sie interessant.


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Wieder einmal im Neandertal – anthropologische Science Fiction

Jens Lubbadeh

„Neanderthal“

Heyne München 2017

ISBN 978-3 -453-31825-0

Es sei vorausgeschickt: ich habe ihn verschlungen ! Genau mein Lieblings-Science-Fiction-Genre !

In Deutschland ist man wieder einmal mit der Normierung des Menschen beschäftigt. Diesmal geht es nicht um einen Rassen- sondern um einen Gesundheitswahn. Die genetische Medizin ist so gut geworden, dass die Veranlagungen für praktisch alle Krankheiten pränatal eliminiert werden können. Jede Art von Behinderung kann vermieden werden. Es ist eine beängstigende „schöne neue Welt“ in der sich die äußerst spannende Handlung abspielt.

Einer der Protagonisten, ein Anthropologe gehört zu den letzten „Behinderten“, er ist taub und weigert sich, dies als Behinderung zu sehen. Seine Kollegin, die auch zu den Hauptpersonen des Romans gehört, hat ebenfalls  einige außergewöhnliche körperliche Merkmale. Sowohl diese beiden Figuren als auch viele andere, sind sehr plastisch herausgearbeitet.

Niemand kann es wirklich erklären, aber die absolut gesunden, perfekten Menschen werden zu einem erschreckend hohen Prozentsatz depressiv. Hier hat der Autor einen heftigen Seitenhieb auf sein Heimatland eingebaut: in Amerika existiert der deutsche Extremgesundheitswahn nur in sehr geringem Ausmaß und es gibt daher dort auch keine Depressionsepidemie.

Im Neandertal, nach dem der homo neanderthalensis benannt wurde, werden Knochen und Schädel gefunden, die eindeutig von Vertretern dieser Menschenart stammen, aber nur wenige Jahre alt sind, was die Wissenschaft in Erstaunen versetzt, da doch der Homo Neanderthalensis vor rund 30.000 Jahren ausgestorben ist. Jahrtausendelang  lebte die Gattung in Europa bis der homo sapiens aus Afrika, dem gemeinsamen Ursprung von neanderthalensis und sapiens nach Europa kam. Was dann letztlich passiert ist, warum der Neanderthaler ausgestorben ist, der homo sapiens aber blüht und gedeiht, ist nicht bekannt. Tatsache ist aber, dass es Vermischungen zwischen diesen beiden Menschenarten gegeben hat. Wir alle haben noch „Neanderthaler-Gene“.

Ausgehend von diesen über Neanderthaler bekannten Tatsachen entwickelt der Roman sowohl eine spannende Handlung als auch interessante Theorien, aus denen ein überraschender plot entstanden ist. Die Überraschungen verrate ich natürlich nicht. Parallel zu der Haupthandlung, die einige Jahrzehnte in der Zukunft spielt, gibt es auch eine Nebenhandlung, die in sehr grauer Vorzeit, zur Zeit der Begegnung zwischen Neanderthalern und Homo Sapiens spielt.

Insgesamt ein sehr gelungener Unterhaltungsroman mit ein bisschen wissenschaftlichem background, viel Fantasie und einer humanistischen Grundhaltung.


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Die türkische Männergruppe

Sonja Hartwig

„Kazim, wie schaffen wir das „

Deutsche Verlagsanstalt, München: 2017

ISBN:978 – 3 . 421-04765-6

Schon die Widmung hat mir gefallen:

Für unsere Väter

Battal und Friedhelm

„Leben wie ein Baum

einzeln und frei

und brüderlich wie ein Wald

das ist unsere Sehnsucht“

Nazim Hikmet, Davet

 

„Es kann die Ehre dieser Welt

dir keine Ehre geben.

Was dich in Wahrheit hebt und hält

muss in dir selber leben“

Theodor Fontane

Die Journalistin Sonja Hartwig hat dieses Buch geschrieben nachdem Sie Kazim Erdogan jahrelang begleitet hat. Erdogan (ich denke mir jedesmal wie unglaublich häufig dieser Name in der Türkei vorkommen muss) ist zum Studieren aus einem anatolischen Dorf nach Deutschland ausgewandert, ist Psychologe geworden, hat in allen möglichen Bereichen gearbeitet, auch als Lehrer und als Sozialarbeiter. Eines seiner bemerkenswertesten Projekte ist aber die Gründung einer Männer-Selbsthilfe-Gruppe für türkischstämmige Männer. Einmal in der Woche treffen sie sich und reden über alle möglichen Dinge, auch über ihre Probleme bei der Arbeit, in der Familie, bei der Kindererziehung.

„Männer sitzen um einen Tisch, die türkischen Paschas, die sogenannten.(…)Wer hätte das gedacht sagt Kazim. Immer wurde doch nur über sie geredet, nicht mit ihnen.

Männer im Anzug, Männer im Blaumann, Männer im Hoodie. Männer, die geschlagen wurden als Söhne, Männer, die schlagen als Väter; Männer, die ihre Frau verloren und ihre Ehre; Männer, die in dieses Land kamen, um eine Braut zu finden, und nun Frau und Schwiegereltern haben, aber keine Arbeit , kein Ansehen. „p. 9

Eines von Kazims Lieblingsthemen ist das „Ankommen“ im Einwanderungsland. Er spricht mit den Menschen aber auch über ihre Gefühle, ihre Probleme, ihre Ehre und immer wieder über ihre Frauen und Kinder und über Gewalt.

„Kazim sah (…) wie Männer, die Gewalt schöngeredet hatten, Gewalt abschworen, wie sie sich selbst halfen, wie sie, die nie gelernt hatten, über Probleme zu reden, sagten „Das war mein Fehler“. Wie sie selbstbewusster wurden, dadurch, dass sie zusammen etwas schufen, dass Medien schrieben: Sind nicht nur Machos. Dadurch, dass sie sich T-Shirts anzogen, mit Schnurrbart und Engelsflügeln drauf, und sagten: Wir Männer sind gegen Gewalt. Kazim sah, was es mit ihnen machte, dass sie nicht Ablehnung spürten, sondern etwas, das sie nicht kannten: Anerkennung.“ p. 100

Kazim Erdogans Erfolgsrezept ist einfach: er spricht mit den Menschen auf Augenhöhe.

Eine Menge Einblicke in eine fremde Welt hatte ich durch dieses Buch und eine Menge Stoff zum Nachdenken. Sehr empfehlenswert !

Mit herzlichem Dank an den Verlag für die Überlassung des Freiexemplars