la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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100 Jahre 100 Kunstwerke

Ein Bildband mit einem ungewöhnlichen Konzept.

Vorgestellt werden Gemälde, Skulpturen und Objekte, Installationen, Performances, Fotografien, Filme und Videos aus vier Kontinenten, die mit Formen, Medien, Materialien, moderner Technik und Traditionen experimentieren. Sichtbar wird, wie Idee und Stile in den letzten 100 Jahren verdrängt, zurückerobert und in Gang gesetzt wurden. Einleitung p. 7

Nach welchen Kriterien die Autorin das jeweilige Werk, das für ein bestimmtes Jahr steht, ausgewählt hat, weiß ich natürlich nicht. Sie schreibt dazu:

Alle in diesem Buch vorgestellten Werke waren aus unterschiedlichen Gründen für die Entwicklung in der Kunst entscheidend – und bei etlichen von ihnen wurde dies erst lange nach ihrer Entstehung deutlich p.8.

Dies ist kein Bildband, den man systematisch durchliest. Er bietet vielmehr Stoff für lange Zeit. Zur Abbildung jedes Werks gibt es einen Kommentar zu diesem Werk, der auch Weiterführendes über Künstler*innen, Strömung, Verbindungen bietet. Es gibt keine Unterteilungen in verschiedene Stilrichtungen, Schulen, Gruppierungen, es gibt ein Werk pro Jahr zu sehen, von 1919 bis 2018 .

Eigenes kannte ich, anderes gar nicht, von manchen Künstler*innen und Richtungen habe ich noch nie gehört. In manchen Fällen bedaure ich das in anderen weniger. Vieles hat mir gefallen oder hat mich interessiert, mit anderem konnte ich gar nichts anfangen. Ich habe für mich die Vorgangsweise gewählt, dieses Buch immer wieder an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen und mich dann mit dem abgebildeten und kommentierten Werk auseinanderzusetzen, manchmal länger, manchmal kürzer, je nachdem.

 


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Biologe schreibt zweiten Band

Der erste Band „Kinder der Zeit“ hat mir gut gefallen. Es gehört zu einem sehr speziellen Genre innerhalb der Science Fiction, das ich „biologische Science Fiction“ nenne und das nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Der zweite Band hat wiederum mir nicht so gut gefallen. Die Entwicklung der verschiedenen Tierarten und ihrer Zivilisationen tritt in den Hintergrund bzw wird sie von der Beschreibung nicht mehr wirklich nachvollziehbarer Techniken abgelöst. Über weite Strecken geht es hier hauptsächlich um Action, die ja in der Science Fiction durchaus ihre Berechtigung hat, nur ich mag sie eben nicht.

Auch dieser Plot ist spannend und manchmal überraschend, aber mir hätte er mit dem Schwerpunkt „Menschheit begegnet anderer Zivilisation“ besser gefallen. Diese Komponente ist schon vorhanden, wird aber von viel Kampf und Action überlagert.

Das Ende des Buchs wird wieder sehr skizzenhaft, die Figuren immer flacher und schemenhafter, es wird nichts mehr näher ausgeführt. Schade!

 

 


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Biologe schreibt Science Fiction

Die Kinder der Zeit

Nachdem ich den Roman als e-book gelesen habe, gibt es kein persönliches Foto davon.

Ich habe wieder einmal in biologischer Science fiction geschwelgt. Der Autor hat Zoologie studiert und das merkt man an seinen Beschreibungen der Anatomie, der Physiologie und des Verhaltensspektrums der Spinnen, Ameisen und Oktopusse, die in diesem Buch vorkommen.

Der Plot ist einfallsreich und spannend: in fernster Zukunft, in der eine menschliche Zivilisation (die unsere) sich zerstört hat, gibt es eine weitere technologische Zivilisation auf der Erde, die den zerstörten Planeten verlassen muss und auf der Suche nach bewohnbaren Planeten unterwegs ist. Diese letzten Menschen finden Planeten, die bereits von ihren Vorfahren in Besitz genommen wurden. Allerdings nicht persönlich sondern durch das Verbreiten eines Virus, der in der Lage ist, die Entwicklung einer Spezies zu beschleunigen und zu lenken.

Ja, es ist nur für Fans des Genres geeignet …

Jedenfalls war dieser Virus ein voller Erfolg und die letzten Menschen finden auf einem für menschliche Besiedlung sehr geeigneten Planeten eine von ihren Vorfahren erzeugte Zivilisation vor. Aber es handelt sich dabei nicht um die hochentwickelten Affen, die geplant waren sondern um ganz andere Tiere.

Der Roman hat Protagonisten, die teilweise nicht ganz flach sind, wie es in diesem Genre meistens der Fall ist. Bei den Spinnen hatte der Autor die interessante Idee den Individuen, die in ihrer Gesellschaft ähnliche Funktionen ausüben immer wieder die gleichen Namen zu geben. Portia ist also die Großmutter, Mutter und Tochter einer anderen Portia. Das vereinfacht die Darstellung vieler Individuen über viele Generationen.

Die Beschreibung dieser Zivilisation hat mir sehr gefallen, weil der Autor – wie schon erwähnt- ein sachkundiger Zoologe ist, der eine Spinnenzivilisation erfunden hat, wie sie rein theoretisch nach langer Entwicklung dieser Tierart existieren könnte. Besonders die Idee der Emanzipation der Männchen fand ich sehr gelungen.

Das Ende dieser vielversprechenden Geschichte allerdings fand ich ziemlich enttäuschend. Ich hätte erwartet, dass es zu einer interessanten Begegnung zwischen der menschlichen und der anderen Kultur kommt. Diese Begegnung wird aber nur skizziert. Ich dachte aber, dass das abrupte Ende wohl die Vorbereitung auf einen zweiten Band wäre, was sich als richtig herausstellte.

 


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Schule vor dem Kollaps

Ein sehr eindringlicher und leider wohl kaum übertriebener Titel.

Das Buch beschreibt die Situation in Deutschland, die sich von jener in Österreich diesbezüglich kaum unterscheidet. Auch in Österreich gibt es Parallelgesellschaften, die wenig bis keinen Wert auf Bildung legen, Kinder, die grundlegende Dinge wie zB die Benutzung einer Schere zum Ausschneiden von Papier kaum beherrschen, Kinder, die keine Beziehung zur Natur haben, weil sie aus ihren Wohnungen kaum herauskommen. Kinder, die kaum Deutsch können. Auch in Österreich muss man sehr darauf achten für solche Lagebeschreibungen keinen Applaus von der falschen Seite zu bekommen.

Die Autorin, Ingrid König, ist seit Jahrzehnten Schuldirektorin und durch alle möglichen Höhen und Tiefen der Bemühungen um sprachliche und kulturelle Integration gegangen. Sie beschreibt sehr engagiert die Veränderungen, die im Lauf der Zeit stattgefunden haben und die aktuelle Lage. Durch zahlreiche Fallbeschreibungen gewinnt man einen Einblick in die schwierige Situation vieler Kinder und Lehrer*innen.

„Es gibt viele nachvollziehbare Gründe für Inklusion, aber die wenigsten Verantwortlichen machen sich bewusst, was es bedeutet ein lernbehindertes Kind in der Klasse zu haben (wobei es oft nicht bei einem bleibt) gemeinsam mit Kindern, die vielfältige Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten neben Kindern mit Rechenschwäche, vielen Kindern mit Migrationshintergrund ohne wirklich ausreichende Deutschkenntnisse, Kindern, die als Seiteneinsteiger mitten im Schuljahr kommen, Kindern, die mit Chipstüten als Frühstück in die Schule kommen, Kindern, die mit winzigen , müden Augen am Morgen im Unterricht sitzen, weil sie nachts und am Wochenende stundenlang Playstation oder PC-Spiele spielen, Kindern, die zu nichts Lust haben, Kindern, die nach ein paar Monaten wieder weg sind. Und dazwischen ein paar leistungsstärkere und begabtere, die etwas lernen wollen und sich schnell langweilen, wenn man ihnen nicht auch immer wieder Futter gibt – dies alles unter einen Hut zu bringen, ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Wir versuchen es trotzdem.“ p. 168

Ein sehr empfehlenswertes Buch für jene, die meinen, dass Lehrer*innen zu viel Urlaub und kaum irgendetwas zu tun hätten und dass es ja ganz einfach wäre, jungen Kindern etwas beizubringen Der Einblick in die „Idylle“ einer Grundschule (in Österreich: Volksschule) in einem Brennpunkt-Bezirk in Frankfurt ist sehr überzeugend.


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Jeder kann Mathe lernen

Der Titel hat mich richtiggehend verlockt. Dazu muss man wissen, dass meine Mathematikkenntnisse freundlich ausgedrückt bescheiden sind. Ich hatte die Erwartung, dass es sich um ein Buch handelt, in dem die wesentlichen Bereiche der Mathematik einfach und übersichtlich dargestellt werden. So einfach und übersichtlich, dass es sich flüssig lesen lässt und doch viele verschüttete Grundlagen auffrischt. Leider hat sich herausgestellt, dass dieses Buch für Vorschüler, Grundschüler und Mittelschüler gedacht ist und ganz so unbeleckt bin ich doch auch wieder nicht.

Nun ist dieses Buch zwar für meine Vorstellungen nicht geeignet, aber es ist doch ganz offensichtlich eine sehr brauchbare Unterlage wenn man Kinder der genannten Altersstufen mit den Grundlagen der Mathematik vertraut machen möchte. Die einzelnen Bereiche werden in kleine Schritte zerlegt, die Fakten einfachst erklärt, es gibt Materialvorschläge für Übungen mit anfassbaren Objekten und auch eine Menge sonstige Übungen. Häufige Hürden und falsche Denkansätze werden vorgestellt und erläutert und dann folgen natürlich Lösungsmöglichkeiten, Vorschläge für Erläuterungen und Überprüfungen des Verständnisses der Kinder. Werden neue Bereiche angegangen, gibt es am Anfang des Kapitels Hinweise, was man verstanden haben muss um sich mit diesem neuen Thema zu beschäftigen. Zeichnungen und Graphiken sind so groß, dass man git zu zweit damit arbeiten kann, auszufüllende Tabellen und ähnliches sind groß genug um sie tatsächlich auszufüllen. All dieses ist bei einem Lehrbuch leider keineswegs selbstverständlich.

Ein wirklich feines Buch ! Vielleicht sollte ich doch auch ……

 


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Missbrauch in allen vorstellbaren Variationen

Die 14jährige Protagonistin Julia, die sich selbst Turtle nennt, lebt mit ihrem heißgeliebten und ebenso gehassten Vater ziemlich einsam in Nordkalifornien zwischen Wäldern und Küsten. Der Vater ist ein Waffennarr, der überzeugt ist, dass die Welt demnächst untergehen wird. Vielleicht sind amerikanische LeserInnen nicht ganz so schockiert wie ich, wenn sie von einer Vierzehnjährigen lesen, die sich mit allen möglichen Waffen in Theorie und Praxis bestens auskennt, sich täglich mit Schießübungen und dem Reinigen und Auseinandernehmen ihrer Waffen beschäftigt und einige davon auch in die Schule mitnimmt, ohne dass irgendjemand es bemerkt.

In weiterer Folge wird es schlimmer. Langsam kristallisiert sich heraus, dass es um extreme Gewalt, um sexuellen und psychischen Missbrauch geht. Der Text ist nicht leicht zu lesen, vor allem die Selbstgespräche von Turtle, die sich selbst als Schlampe, Fotze, Spalte beschimpft, muss man aushalten, wie auch die ebenso bedrückende wie schriftstellerisch hervorragende Charakterisierung der Personen. Die Interaktion und das Ineinandergreifen der Persönlichkeiten von Vater, Tochter und Großvater sind erschreckend realistisch beschrieben. Auch die anderen Personen der Handlung: Nachbarn und deren Kinder, eine Lehrerin handeln völlig plausibel. Es geht um Vernachlässigung und Gewalt , es geht auch um Liebe und ihre Pervertierung.

Die sehr einleuchtende Beschreibung der gegenseitigen Abhängigkeit von Vater und Tochter, der Mechanismen der Verschleierung der Gewalt und der Hassliebe der Tochter für den Vater hat mich sehr beeindruckt. Sowohl, was die literarische Qualität als auch was die glaubwürdige psychologische Charakterisierung betrifft. Es war mir aber auch etwas zu viel Gewalt dabei. Die seitenlange, in allen Details geschilderte Schießerei zwischen Turtle und ihrem Vater wäre auf ein Zehntel der Länge und der Details reduziert immer noch sehr brutal gewesen. Gefallen hat mir wiederum, dass das Ende offen bleibt. Es scheint mir sehr einleuchtend, dass solch eine Situation nicht innerhalb von ein paar Wochen in Normalität übergehen kann, auch bei noch so gutem Willen aller Beteiligten.

Insgesamt hat für mich die Qualität des Textes über die manchmal unnötig breitgetretenen Gewaltszenen deutlich überwogen.


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43. Station der Leseweltreise – Polen

Wieder einmal eine Strecke der Leseweltreise

Nachdem David Ben Gurion als David Grün in Polen, das damals zum russischen Reich gehörte, geboren wurde,  und aufgewachsen ist, „verrechne“ ich ihn hier unter Polen.

Diese von Tom Segev verfasste Biographie David Ben Gurions lässt sich trotz großer Detailgenauigkeit flüssig lesen. Das ist bei einer wissenschaftlich angelegten Biographie keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es sind etwa 700 Seiten Text und  weitere  etwa 100 Seiten Anmerkungen.

Eine Biographie lässt sich nicht zusammenfassen, es sei denn man erzählte das ganze Leben der beschriebenen Person und das würde doch weit über einen Leseeindruck hinausgehen. Ich beschränke mich also darauf einige Aspekte hervorzustreichen, die mich beeindruckt haben.

Ganz besonders interessant fand ich die Geschichte der Beziehungen zwischen den im heutigen Israel ansässigen Palästinensern und den großteils eingewanderten Juden, vom Anfang der jüdischen Besiedlung unter britischer Regierung bis zur heutigen Situation, die mehr oder weniger klugen und mehr oder weniger gerechten Ansätze zu einem friedlichen Zusammenleben, die politisch hochkomplizierte Zusammenarbeit zwischen britischer Kolonialmacht, eingewanderten Juden und Palästinensern, die ebenfalls sehr schwierigen Prioritätssetzungen der zionistischen Bewegung, der Blick aus anderer Perspektive auf den zweiten Weltkrieg.

Sehr gut gefiel mir auch, dass Ben Gurion nicht auf ein Podest erhoben und mit heroischen Zügen ausgestattet wurde, sondern dass auch seine weniger bewundernswerten Eigenschaften und Handlungen im politischen und privaten Bereich beleuchtet werden. Auch so bleibt noch die Beschreibung eines Menschen, den man aus verschiedenen Gründen bewundern kann, eines Großen des 20. Jahrhunderts.